DIE WIRTSCHAFT April 2015

livingbox

Branchen &Betriebe: Armacell

und der Klimaschutz

Seite 9/10


Ausgabe 2/15

Geld &Geschäft: Für Aktien

ist es nie zu spät

Seite 17

Münster |Münsterland

www.die-wirtschaft-muensterland.de

Leben &Wissen: Der Weg

zum gesunden Unternehmen

Seite 25/26

DIE WIRTSCHAFT

Preis: 2,00 Euro


Ohne Breitband gehen

Zukunftspläne baden

Um ganz Deutschland bis 2018 ans schnelle Internet anzuschließen, müssten eigentlich 20 Milliarden

Euro investiert werden. Das Münsterland ist mehr und mehr auf die eigene Kreativität angewiesen.

Es sind Geschichten wie die aus Metelen,

Gescher oder Heek,die man in

Düsseldorf gerne erzählt: Wie diese

Gemeindenihr Schicksal selbst in die

Hand genommen und um den Anschluss

an die digitale Entwicklung

gekämpft haben. Inzwischen ist dort

für die meisten Haushalte der komfortable

Zugang zum schnellen

Internet über Glasfaserkabel keine

Zukunftsmusik mehr.

Entscheider und Bürgerhaben

hier nämlich nicht auf Bund

oder Land gewartet, sondern

sie haben sich Partner gesucht.

„Wir möchten, dass

wir die am besten versorgteländliche Region

sind“, formuliert Engelbert Rauen,

Vorsitzender des Regionalrats und Bürgermeister

in Metelen, die Maßgabe.

So klingen Erfolgsgeschichten, und die

sind willkommen in der Landeshauptstadt,

wo Ministerpräsidentin Hannelore

Kraft zum Jahresauftakt den digitalen

Aufb

ruch in den Mittelpunkt gestellt hat.

Das zentrale Werkzeug für die beschworene

Industrie 4.0 ist eine ausreichende

Breitbandversorgung.

Fortsetzung auf Seite 2/3

OFFEN GESAGT

Radikal schnell

Dort, wo man an der vernetzten

Welt von morgen arbeitet, das alles

umfassende „Internet der Dinge“

vordenkt, wird man auf das Münsterland

kaum warten. Die Änderungen erfolgen

im Vergleich zu vergangenen

Entwicklungsschritten in der digitalen

Welt inzwischen rasend schnell und

sind längst von einer ungemeinen Radikalität.

Geschäftsmodelle, die lange

funktioniert und bisher Stürme der

Zeit überstanden haben, werden von

Hochleistungsmaschinen, die unablässig

miteinander kommunizieren und

dazulernen, geradezu weggefegt. Wer

nicht mitkommt, ist draußen. Eine Zukunftsvision,

die durchaus Realität

werden könnte.

Industrie 4.0 –das Projekt der Bundesregierung

aus der Hightech-Welt hat

die „intelligente Fabrik“ zum Ziel. Sie

soll mehr denn je wandlungsfähig sein,

Ressourcen höchst effizient nutzen,

Kunden und Partner in Geschäfts- und

Wertschöpfungsprozesse einbinden.

Doch ohne breitbandige Internetanbindungen

wird das nicht gehen. Der Zugang

zur Datenautobahn ist –sosagen

unisono Fachleute –existenzsichernd.

Fehlt es auf diesem Feld an der Infrastruktur,

wird das Wirtschaftswachstum

empfindlich gebremst.

Das Münsterland ist wachsam geworden,

kämpft immer energischer um

den Anschluss. Wohlwissend, dass man

sich aus einer digitalen Wüste heraus

nicht behaupten kann.

Die Arbeitswelt von heute hat längst

einen digitalen Kern, ohne den Weiterentwicklungen

kaum noch vorstellbar

erscheinen. Vom Markt- und Kundenverhalten

ganz zu schweigen.

Dies alles sollte Grund genug sein, das

Münsterland beim Thema Breitband

dauerhaft und weit nach vorne zu bringen.

wk

Wirtschaft ist in Topform

Experten fordern neben Schuldenabbau jetzt auch niedrigere Steuern für Arbeitnehmer

Die deutsche Wirtschaft ist aktuell in

Topform: Trotz weltweiter Risiken

sagen die führenden Konjunkturforscher

für 2015 und 2016 einen kräftigen

Aufschwung voraus.

Der niedrige Ölpreis lässt

den Deutschen mehr Geld

für den Konsum, der niedrige

Euro schiebt die Exporte

an“, sagte der Konjunkturchef

des Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser,

jetzt bei der Vorstellung des

neuen Frühjahrsgutachtens in Berlin.

Die Institute, die im Herbst noch düster

in die Zukunft geschaut hatten, hoben

4 198869 002009

2 0 0 1 8

ihre Prognose für das Wachstum im laufenden

Jahr von1,2 auf 2,1 Prozent deutlich

an. Weil der Staat bis 2016 voraussichtlich

über 50 Milliarden Euro an

Überschüssen erwirtschaftet, fordern die

Experten neben dem Schuldenabbau

nunmehr auch Steuersenkungen für

Arbeitnehmer.

Im nächsten Jahr soll die deutsche Wirtschaftsleistung

den Prognosen zufolge

um 1,8 Prozent anziehen. Womöglich ist

sogar noch weit mehr drin, weil der Absturz

der Ölpreise und die Geldschwemme

der Notenbanken die Konjunktur

stärker als zunächst kalkuliert befeuern

könnten. Laut den Forschern gibt es ausnahmsweise

einmal ein „Aufwärtsrisiko“

–obwohl umgekehrt der Russland-Ukraine-Konflikt,

die Nahost-Lage oder das

griechische Schuldendrama die Stimmung

rasch wieder eintrüben könnten.

Um die Kaufkraft der Verbraucher weiter

zu stärken, wünschen sich die Institute

eine rasche Reform der Lohn- und Einkommensteuer.

Der Arbeitsmarkt eilt weiter von Rekord

zu Rekord –obwohl der vonSchwarz-Rot

zum Jahresbeginn eingeführte Mindestlohn

von 8,50 Euro pro Stunde nach Ansicht

der Institutebis zu 220 000 Minijobs

vernichten könnte, besonders in Ostdeutschland.

Die Arbeitslosenquote soll laut dem Gutachten

von 6,7 Prozent (2014) auf 6,3

Prozent und 2016 dann auf 5,9 Prozent

sinken. Bald dürften über 43 Millionen

Deutsche erwerbstätig sein.

Der Ifo-Index stieg im April zum sechsten

Mal in Folge und verbesserte sich von

107,9auf 108,6 Punkte, wie das Ifo-Institut

mitteilte. Vorallem ihreLagebeurteilten

die Firmen erneut besser.

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2 MACHER &MÄRKTE







































































































WESTMÜNSTERLAND

Lange galten sie als Schlusslichter:

In den beiden Münsterland-

Kreisen Borken und Coesfeld wies

der Breitbandatlas für Nordrhein-

Westfalen die geringste Verbreitung

von Breitbandanschlüssen

aus.

Die Wirtschaftsförderung im Kreis

Borken hat nachgeholfen und

überall, wo ohnehin an Versorgungsleitungen

gearbeitet wurde,

Leerrohre verlegen lassen. 81 Kilometer

liegen nun, sie verbinden

mehrere Orte. Der Kreis habe so

einen der größten Kostenfaktoren

selbst geschultert, sagt Katharina

Höing, Sprecherin der Wirtschaftsförderung.

Zwei Drittel

sind bereits vermietet an große

und kleinere Kommunikationsanbieter.

79Prozent aller Haushalte

sind inzwischen erschlossen.

Auch die Wirtschaftsförderer im

benachbarten Kreis Coesfeld haben

sich 2013 auf diesen Weg gemacht,

weil sie nicht mehr ertragen

konnten, dass der Datentransport

mit dem Auto schneller

wäre als per Datenleitung. Mit

wachsendem Erfolg.

hir

IMPRESSUM

DIE WIRTSCHAFT Münster |Münsterland

Verlag und Herausgeber:

Aschendorff Verlag GmbH &Co. KG

Geschäftsbereich: Media &Sales

Soester Str. 13, 48155 Münster

Telefon: 0251.690-0

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Redaktion:

Claudia Bakker (verantw.)

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Objektleitung:

Katharina Heidmann

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Gestaltung/Layout:

Lisa Stetzkamp

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Aschendorff Druckzentrum GmbH &Co. KG

An der Hansalinie 1, 48163 Münster

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Telefax: 0251.690-215

Auflage:

17.000 Exemplare

Hinweis: Dieser Ausgabe liegen Beilagen der Göbel Archiv

GmbH &Co. KG,Ennigerloh, und der SchultzKG, Wiesbaden,

bei. Wir bitten unsere Leser um freundliche Beachtung.

Von UMTS und WiMAX –

Hilfe imBegriffsdschungel

Damit die Welt der Telekommunikation

kein Buch mit

sieben Siegeln bleibt, muss

man sich mit der Fachterminologie

vertraut machen.

Beim Bundesministerium für Verkehr

und digitale Infrastruktur werden

einige sehr gebräuchliche Abkürzungen

folgendermaßen erläutert:

– UMTS steht für Universal Mobile Telecommunications

System. Dabei handelt

es sich um einen zum dritten Mal verbesserten

Mobilfunkstandard, der nun deutlich

höhere Datenübertragungsraten erlaubt.

– HSDPA steht für High Speed Downlink

Packet Access und ist eine Weiterentwicklung

des UMTS, die es dem Mobilfunknutzer

erlaubt, Daten mit DSL-ähnlicher

Download-Geschwindigkeit zu

übertragen. Es sind je nach Anbieter und

individuellem Kundenvertrag Geschwindigkeiten

von 3,6, 7,2, 21,6 und 42,2

Mbit/s möglich.

– LTE steht für Long Term Evolution. Bei

der LTE-Technologie handelt es sich um

ein mobiles Datenübertragungsverfahren

als Weiterentwicklung der UMTS-

HSDPA Übertragungstechnik in den Frequenzbändern

bei 800 MHz, 1,8 und 2,6

GHz. Es sind je nach Anbieter und individuellem

Kundenvertrag Geschwindigkeitenbei

Optimalbedingungen von3,6, 7,2,

21,6, 42,2, 50 oder 100 Mbit/s möglich.

– WLAN steht für Wireless Local Area

Networks. Beim WLAN handelt es sich

um ein lokales drahtloses Netzwerk, das

im 2,4 oder 5GHz Frequenzbereich verbunden

ist.

–Die Bezeichnung FTTx steht für verschiedene

Datenübertragungswege mittels

Glasfaser, d. h. Datenübertragung

mit Hilfeeines Lichtsignals. Das „F“ in der

Abkürzungsteht für den englischsprachigen

Begriff „Fiber“ und bedeutet Glasfaser.

Weil die Glasfaserkabel (GFK) nicht

bis zum Teilnehmer verlegt sind und die

„letzte Meile“ aus Kupferkabel besteht

unterscheidet man mehrere Varianten.

–Kabel bzw. CATV bezeichnet die Breitbanddatenübertragung

über das Fernsehkabel.

–Bei PLC handelt es sich um die Datenübertragung

mittels eines Stromkabels

zwischen der Steckdose und der Trafostation.

– DSL steht für Digital Subscriber Line.

Die DSL-Technik nutzt die Tatsache, dass

der herkömmliche analoge Telefonverkehr

im Kupferkabel nur Frequenzen bis

4kHz belegt. Mit Hilfe eines Modems

wird die Bandbreite des Kupferkabels in

unterschiedliche Kanäle gesplittet

(Sprach- und Dateninformationen) und

somit werden die höheren Frequenzen

für die DSL-Technologie verfügbar. Die

am häufigsten vorkommenden Techniken

sind das ADSL und das SDSL.

–VDSL (VeryHigh Speed Digital Subscriber

Line) bzw.VDSL2-Standardwirdseit

2006 in Deutschland angeboten. Es sind

je nach Anbieter und individuellem Kundenvertrag

Geschwindigkeiten von größer/gleich

25 Mbit/s sowie größer/gleich

50 Mbit/s möglich.

Es sind dabei jedoch für DSL/VDSL die

Einflüsse auf die Kupfer-Anschlussteilnehmerleitung(TAL)

mittels Adernquerschnitt

oder Korrosion etc. zu berücksichtigen.

– WiMAX steht für Worldwide Interoperability

for Microwave Access. Beim Wi-

MAX handelt es sich um eine drahtlose

Breitbandanbindung, die im 3,4-bis-3,6-

GHz-Frequenzband arbeitet. Anders als

die WLAN-Standards der Familie 802.11

überbrückt WiMAX größere Reichweiten,

was eine bessere Breitbandversorgung

in ländlichen Regionen ermöglicht.

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MACHER &MÄRKTE 3

Die Denkweise verändern

Bei der Breitbandversorgung warten viele Kommunen schon heute nicht mehr auf Land und Bund.

Mit der Deutschen Glasfaser kommt niederländischer Pragmatismus ins Spiel.

Fortsetzung von Seite 1/2

Bis 2018 will Rot-Grün ganz

NRW, insbesondere sämtliche

Gewerbegebiete, versorgt

haben. „Der Strukturwandel

dieser Tage ist digital“,

sagt Kraft. In einer Regierungserklärung

Ende Januar hat sie ein Maßnahmenbündel

angekündigt. 640 Millionen

Eurowill Rot-Grün bis 2020 dafür einsetzen,

dass NRW Vorreiter beim digitalen

Wandel wird.

Die Opposition kauft der NRW-Regierung

den Kurs nicht ab. Seitdem befinden

sich beide Seiten im Wettrennen um die

richtigen Konzepte. Dem Land kann das

nützen, wenn die Grundvoraussetzung

stimmt: Zugang zum schnellen Internet.

Derzeit liegt die Versorgungsquote mit

einer Datenrate von mindestens 50

Megabit je Sekunde (mbit/s) landesweit

bei gerade 73,3 Prozent (2013: 70,5;

2012: 69,1). „Wir sind Tabellenführer“,

hält Wirtschaftsminister Garrelt Duin Kritikern

entgegen. Allerdings nur in den

Städten: 82,1 Prozent aller Haushalte

können dort ins schnelle Internet, in städtischen

Randlagen sind es nur noch 48,2

Prozent. Die ländlichen Regionen dümpeln

bei 39,8 Prozent. Die Zahlen hat

Duin eben erst dem Landtag überreicht.

„Wenn die Landesregierung

das Wirtschaftswachstum

beschleunigen

will, muss sie die

Fördermittel aus

den Ballungsräumen

in die

wirtschaftlich

starken Regionen

des Landes

verlagern“, betont

Hendrik

„Man muss beim Thema Breitband

kreativ unterwegs sein. Der Weg Wüst, Landeschef

der CDUins

Ziel rechtfertigt fast alles.“

Mittelstandsvereinigung.

„Es

Jens von Lengerke, IHK Nord Westfalen

passiert zu wenig

bei der Förderung

der digitalen Wirtschaft.“ Aus

Sicht vonCDU und FDP handelt die Landesregierung

viel zu verhalten. FDP-

Fraktionschef Christian Lindner wirft

Rot-Grün vor, kein positives Klima für

Gründer zu schaffen. Die Rahmenbedingungen

stimmten nicht. Und dazu gehört

auch die Breitbandversorgung.

Um ganz Deutschland bis 2018 ans

schnelle Internet anzuschließen, müssten20Milliarden

Euroinvestiert werden,

hat der TÜV Rheinland errechnet. Welche

Kosten das Vorhaben zwischen Rhein

und Weser auslöst, untersucht derzeit die

NRW-Bank für die Landesregierung. Ergebnisse

sollen am 4. Mai bei einem Run-

Verteilerpunkt: Hier laufen Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammen.

den Tisch bekanntgegeben werden. Es

gibt bislang nur eine Orientierungsgröße,

die Telekom-Experten nennen: Danach

liegt die Wirtschaftlichkeitslücke

für die restliche Erschließung des Landes

mit Breitbandzugang bei etwa 600 Millionen

Euro, wenn man zunächst die verfügbaren

Kupferkabel mit moderner

Technologie nutzt. Wenn überall Glasfaser

gelegt werden soll, liegt die Lückebei

zwei Milliarden Euro. Geld, das die Konzerne

nicht ausgeben wollen, weil sie

dann kein Geschäft machen. Also müssten

das Land und der Bund zahlen.

Jens vonLengerke, Breitbandexpertebei

der IHK Nord Westfalen, erwartet den 4.

Mai mit Spannung. Vor Jahr und Tag

schon hat er gefordert, die Breitbandversorgung

speziell der Gewerbe- und Industriegebiete

exakt zu ermitteln. Gerade

dort tun sich mit Blick auf die Zukunftsvision

Industrie 4.0 nach seinem

Kenntnisstand noch erhebliche Lücken

auf. Eine Gefahr vorallem für kleine Mittelständler,

die technisch ins Hintertreffengeraten

können. VonLengerke: „Man

muss beim Thema Breitband kreativ

unterwegs sein. Der Weg ins Ziel rechtfertigt

fast alles.“

Viele Kommunen im Münsterland wollen

auf Land und Bund nicht mehr warten.

Sie haben sich einen Partner gesucht, der

sie schneller auf den Weg indie Zukunft

bringt. So lernen sie vom Pragmatismus

der Niederländer.Nicht tief unter der Erde,

sondern in leicht verlegbaren Schächten20Zentimeter

unter Bordsteinniveau

verläuft das Glasfaserkabel dort, wo Bor-

Netsich um das Geschäft kümmert. es ist

eine Tochter der Deutschen Glasfaser.

Das zur niederländischen Reggeborgh-

Gruppe gehörende Unternehmen legt

Glasfaser in alle Straßen, wenn mindestens

40 Prozent der Haushalteeinen Vertrag

abschließen.

Mit dieser Praxis hat das Unternehmen

den Markt aufgemischt. Das muss man

auch, um 2018 die meisten Haushaltemit

Breitband zu erreichen, meint Gerda

Meppelink, Vorstandsmitglied und Sprecherin

der Deutsche Glasfaser Holding.

„Wir müssen neue Lösungen finden. Das

Ziel erreichen wir nicht, wenn wir die

Denkweise nicht verändern.“ Viele Bürgermeister

sind den Weg mitgegangen –

erfolgreich. 100 000 Haushalte hat die

Deutsche Glasfaser schon an ihr Netz angeschlossen,

jetzt verkündet Meppelink

die frisch gesetzte nächste Zielmarke:

„Wir werden jetzt das Investitionsvolumen

vervierfachen, wir planen die 400

000.“ Sie meint dabei Glasfaser und nicht

die in vielen Orten vonden anderen Telekom-Konzernen

genutzte VDSL-Technologie,

die die bestehenden Kupferkabel

nutzt. Diese Technik werde schnell veralten,

weil die Kapazität nicht reicht:

„Das sind die weißen Flecken der Zukunft“,

sagt Meppelink.

In Ahaus hat die Zukunft schon vorvielen

Jahren begonnen. Dort haben Software-

Unternehmen, allen voran die 1986 gegründete

„Tobit Software“ und später

„d.velop“, mit einem rasanten Wachstum

die Entwicklung beschleunigt. Am Anfanghabe

Tobit für die ersten Internetzugänge

auch für Privathaushalte gesorgt,

erinnert sich Unternehmenssprecher Dietervan

Acken. Probleme mit Datenleitungen

hatten die Software-Entwickler

selbst nicht –Voraussetzung für ihren

Aufstieg, der sie zu einer Art Inkubator

für die Branche in Ahaus macht. „Daraus

hat sich ein kleines Silicon Valley entwickelt“,

meint vanAcken und erzählt noch

so eine Geschichte, die man in Düsseldorf

fasziniert hört.

hir/wk

Foto: dpa

WACHSTUMSMOTOR

Beim Wirtschaftswachstum hinkt NRW imLändervergleich

hinterher –insbesondere hinter Primus Bayern. Hier aufzuschließen,

würde mehr Steuern in die marode Landeskasse

bringen und viele neue Jobs schaffen. Der Schlüssel:

Digitalisierung. Allein der Wandel zur Industrie 4.0

beschleunigt das Wachstum nach einer Studie des Branchenverbandes

Bitkom um 1,7 Prozent.

Das Ifo-Institut hat die Auswirkungen des weiteren Breitbandausbaus

berechnet. Wenn weitere zehn Prozent der

Bevölkerung Zugang zum schnellen Internet bekommen,

bewirke das ein zusätzliches Wirtschaftswachstum zwischen

0,9 und 1,5 Prozent. In ländlichen Regionen beobachteten

die Forscher, dass sich der flächendeckende

Breitbandausbau auf die finanziellen Verhältnisse der

Menschen ausgewirkt hat: Die Pro-Kopf-Einkommen lägen

um 2,7 bis 3,9 Prozent höher als vor der Einführung. hir

Lauscher Schürmann

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4 MACHER &

Millionen-Projekt mit Tiefga

Die Südstrecke des Dortmund-Ems-Kanals bildet ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Rhein und den Stromgebieten vo

den Berliner Wasserstraßen. Das Ende der Baumaßnahme wird erst Ende 2023 erwartet.

Zwischen Rheine und Datteln wird

nicht nur massig Erdreich bewegt,

sondern werden mehr als tausend

Millionen Euro gestemmt: Leinenlos

für 40 bis 50Binnenschiffe täglich

auf dem Kanal statt 4000 bis 5000

Brummis auf der Autobahn.

„Eine Anhebung dieser relevanten

Brücken ist in den nächsten zehn

bis 15 Jahren nicht zu erwarten.“

Renate Schäfer, Pressesprecherin der Wasser- und

Schifffahrtsdirektion Münster

Nach Ende der Baumaßnahme,

das erst 2023 erwartet

wird und 200 Millionen

Euro mehr verschlingt als

veranschlagt, soll nicht die

Zahl der Frachtschiffe eklatant steigen,

sondern ihre Größe. Und damit auch die

Menge des Gütertransportes, den die

Wasserschifffahrtsdirektion Münster für

2014 mit 12,2 Millionen Tonnen beziffert,

ohne bereits eine Prognose über die

zukünftige Tonnage zuliefern.

Die Haupthindernisse liegen dort, wo

sich Auto-und Wasserstraßen begegnen:

Allein 73 Brücken ersetzt der Bund als

Geldgeber auf der Südstrecke des Dortmund-Ems-Kanals

und erhöht

sie auf die Standard-Durchfahrtshöhe

von

5,25 Metern; acht

davon allein im

Nadelöhr Münster.

Meilenstein

wardie Eröffnung

der Zwillingsschleuse

Münster voreinem Jahr.Zusammen

mit der Brückenerneuerung auf der

Stadtstreckeein Mammutprojekt, das das

Naherholungsgebiet am Ufer auch noch

die nächsten acht Jahreineine Großbaustelle

verwandelt.

Zudem ein Kraftakt, der bei Bürgern oftmals

wenig Akzeptanz findet. Das Ergebnis

gerät zur bloßen Etappe –zumindest

mit Blick auf den anvisierten zweistöckigen

Containerverkehr: „Der ist dann von

Norden her nur bis Datteln möglich, dort

müssen die Schiffe wieder umdrehen

oder teilweise entladen“, erklärt Ulrich

Wieching, Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes

Rheine. Die niedrigen Brücken

an Rhein-Herne-Kanal und Weser-

Datteln-Kanal verhindern die Entwicklung

wirtschaftlicherer Containertransporte

auf dem Wasserweg. „Eine Anhebung

dieser relevanten Brücken ist in den

nächsten zehn bis 15 Jahren nicht zu erwarten“,

schlägt Renate Schäfer, Pressesprecherin

der Wasser- und Schifffahrtsdirektion

Münster, einen weiteren zeitlichen

Bogen.

Aber immerhin, nach Abschluss der laufenden

Baumaßnahmen können die

Dauerbaustelle Kanal: Wie hier in Höhe von Senden wird der Dortmund-Ems-Kanal auf vielen Kilometern ausgebaggert.

Großmotorgüterschiffe mit 110 Metern

Länge und Schubverbände mit 185 Metern

Länge, einer Breitevon jeweils 11,45

Metern und einer Abladetiefevon jeweils

2,80 Metern (zuvor 2,50 Meter) zwischen

Datteln und dem Abzweig des Mittellandkanals

durchgängig fahren.

„Schlappe“ 30 Zentimeter mehr Tiefgang

OFFEN GESAGT

Von der Entdeckung der Langsamkeit

Die Millionen versickern flott im

Ausbau, während das Verkehrsaufkommen

auf der Wasserstraße nur so

dahintröpfelt. Klafft zwischen Aufwand

und Nutzen deshalb eine riesige Lücke,

droht gar ein finanzieller Dammbruch?

Nein! Denn dazu, den Kanal fit für moderne

Binnenschiffe zumachen, besteht

gar keine Alternative.

Daran ändert auch die täglich zu beobachtende

Tatsache nichts, dass Logistikunternehmen

und ihre Auftraggeber

bisher dem Straßenverkehr den Vorzug

geben. Die Flexibilität und das Tempo

der Brummis auf dem Asphalt stößt

aber mehr und mehr an Grenzen –

denn die Kosten pro Volumen galoppieren

und die Autobahnen kollabieren.

Zumindest für viele Transportgüter

ist der Wasserweg also zuverlässiger

bedeutet für das Großmotorgüterschiff

eine Steigerung bei der Ladung von 16

Prozent.

Der Ausbau der Wasserstraßen gleicht

der Entdeckung der Langsamkeit: Schon

1993 hat der Bund als Kostenträger im

Verkehrsprojekt zur Deutschen Einheit

über den DEK-Südstreckenausbau entschieden

und im Wasserstraßenausbau

die West-Ost-Verkehrsachse priorisiert.

Die DEK-Südstrecke bildet dabei ein

wichtiges Bindeglied zwischen dem

Rhein und den Stromgebieten vonWeser,

Elbe und den Berliner Wasserstraßen.

Allerdings ist sie eine sogenannteDurchgangswasserstraße

mit im Vergleich zum

und billiger. Diesen Trend gilt es zu

fördern. Was klarer Job der Bundesschifffahrtsverwaltung

ist. Nicht ihr

Konzept verdient Kritik, sondern die

Geschwindigkeit beim Planen und Finanzieren,

was ungleich länger dauert

als das tatsächliche Bauen.

Die Entdeckung der Langsamkeit –auf

der Wasserstraße erwünscht, in Amtsstuben

überflüssig. Maike Harhues

Ruhrgebiet eher geringem

schlag. Kaum überraschen

weise wurden in Duisburg 2

Mal so viele Güter umgesch

Münster.

Auf dem Schiff befördern lä

was nicht „just in time“ geli

muss: etwaFuttermittel, Sch

mittel, Erd- und Mineralöl.

über den DEK erheblich m

Berg–also ins Ruhrgebiet –

als zu Tal. Besonders krass i

schied bei land- und fors

chen Produkten: Via Schiff g

1,5Millionen Tonnen ins Ru

300 000 Tonnen begaben

fahrt. Die Zahlen ließen si

gern, macht die Lobby der

Spediteure“ geltend.

Der Bundesverband der De

nenschifffahrt (BDB) –imme

ten 52Prozent der Binnen

deutscher Flagge (Anteil de

der 36 Prozent) die Schleu

ist deshalb mit seiner Geduld

Arbeitsrecht

Betriebsverfassungsrecht

Handelsvertreterrecht

Forderungseinzug

Verkehrsrecht

Seniorenrecht

Uta-Maria Gaubitz

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MÄRKTE

5

ng

nWeser, Elbe und

Foto: D.Harhues

Hafenumd:

Beispiels-

013 rund 79

lagen wie in

SteverLippe

Rheine

sst sich alles,

efert werden

rott, Dünge-

2014 wurden

ehr Güter zu

transportiert

st der Untertwirtschaftlielangtengut

hrgebiet, nur

sich auf Talh

noch stei-

„Wasserwegutschen

Binrhin

passierschiffe

unter

rNiederlänse

Münster –

bald am Ende.

Denn er sieht im Ausbau der

Stadtstrecke Münster den letzten

Mosaikstein in der großen Verbindung

vomRhein nach Berlin: „Die zahlreichen

Querbauwerke über den Kanal, unterschiedliche

Baulastträger bei den Brücken

und eine komplexe Planung im

Stadtbereich verzögern die Planungen

enorm –jetzt schon um mehr als fünf Jahre“,

moniert Jörg Rusche. Für den Geschäftsführer

des Verbandes spiele dabei

eine zentrale Rolle, dass zu wenigeIngenieure

für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung

tätig seien, was die Planungen

ebenfalls verlangsamt habe.

So haben hingegen die umliegenden

Kreise und Städte für den Ausbau der

DEK-Nordstrecke von Papenburg bis Bevergern

acht Ingenieursstellen geschaffen,

um aufs Tempo zu drücken.

„Trotzdem stehen hier keine Unternehmer

auf der Matte, die händeringend darauf

warten, ihreContainer per Schiff zu

transportieren“, gibt Joachim Brendel,

Geschäftsbereichsleiter Handel und Verkehr

der Industrie- und Handelskammer

(IHK) Nord Westfalen, zu bedenken. Mit

dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft

Binnenhäfen NRW Dr. Arndt Glowacki,

dem der Brücken- und Schleusenausbau

–„die Bauwerke sind teilweise

fast 100 Jahre alt“ –nicht in der gebotenen

Konsequenz vorangetrieben wird, erarbeitet

Brendel Verbesserungen des

Wasserwegenetzes und Güterumschlags.

Glowacki ist Leiter der Hafenbetriebe im

Chemiepark Marl und hält seinen IHK-

Kollegen für den „Logistik-Papst Münsters“,

denn Brendel entwickelt seitfast 30

Jahren Verkehrskonzepte für

kjhkh

das Münsterland.

Seinen Schwerpunkt legt er nicht

auf politische Vorgaben, sondern bleibt

nahdran an den Unternehmen, denen bei

der Logistik vorallem die

punktgenaue Taktung

im Nacken sitze.

Den Firmen sei ein

Standort am Autobahnzubringer

zurzeit

Olfen

deshalb wesentlich wichtiger

als einer in der Nähe

des Dortmund-Ems-Kanals.

Joachim Brendels Fazit

lautet deshalb: „Wenn

20

eine Logistik funktioniert

–und das tut sie zur-

Datteln

zeit im Münsterland hauptsächlich

per Lkw –werde

ich sie nicht mit missionarischem

Eifer auf die Schiene Henrichenburg

oder das Binnenschiff prügeln.“

Maike Harhues

Aktuelle Ausbaumaßnahmen

Dortmund-Ems -Kanal (Südstrecke)

120

40

(Nordstrecke)

Hebewerk

Schleuse

Sicherheitstor

Kanalbrücke

30

Dortmund -Ems -Kanal

Stever

50

Lüdinghausen

10

Selm

110

Ems

Saerbeck

Greven

Münster

20

Bergeshövede

80

Dortmund-Ems-Kanal

70

60

90

Ems

Schleuse Münster

fertig

Ladbergen

Stand der Baumaßnahmen:

im Bau

in Vorbereitung *

*(Planfeststellungs- oder Ausschreibungsoder

Vergabeverfahren)

30

Hamm

Stand: 03/2015

„Die Straße wird

immer teurer“

Logistiker Oelrich setzt stärker auf den Wasserweg

Die Zeit drängt: Der Zement für

Ägypten auf der 105 Meter langen

Antalya wird im Seehafen Antwerpen

erwartet. Noch zehnmal

schwenkt Kranführer Shefzet Jefkaj

den Portal-Drehkran mit den grellweißen

Big-Bags am Arm, dann kann

das Binnenschiff unter belgischer

Flagge die Leinen losmachen von der

Westladbergener Spundwand des

Dortmund-Ems-Kanals.

Leider können wir das Großmotorgüterschiff

mit 1400 Tonnen

nur zu zwei Dritteln beladen

–bis zum Ende der Kanal-

Baumaßnahme ist bei einem

Tiefgang von 2,50 Metern Schluss“, bedauert

Rudi Oelrich.

Schichtschluss für die Arbeiter auf dem

privaten Hafengelände ist erst gegenMitternacht,

wenn das dritte Zement-Schiff

abgelegt hat. Bis dahin verladen sie die

Big-Bags unter Flutlicht. Denn der Seniorchef

des Logistikunternehmens und

sein Sohn Markus Oelrich als Geschäftsführer

müssen drei nur teilweise ausgelasteteBinnenschiffeüber

das Wasserwegenetz

schicken, weil die Ladbergener

Unternehmer die Schiffe nicht voll beladen

können. Und das auch nach Ende der

Ausbaumaßnahmen nicht. Eigentlich

könnte die Antalya mit einem Tiefgang

von drei Metern schippern, wird aber

auch in Zukunft auf der Kanal-Strecke

nur mit einer Abladetiefe von 2,80 Metern

in Ladbergenstarten können. „Trotzdem

ist es günstiger,ein Schiff loszuschicken

statt 50 Lkw“, resümiert Oelrich.

Und das, obwohl er eben diese Anzahl

von Brummis auf dem Hof stehen hat:

Das Logistikunternehmen mit knapp 400

Angestellten, das die Söhne Matthias,

Martin und Markus Oelrich gemeinsam

mit ihrem Vater Rudi in dritter Generation

führen, will noch stärker auf den

Wasserwegsetzen. „Die Straße wird,was

Energie- und Ökobilanz betrifft, plus

Manpowerimmer teurer,zudem sind die

Autobahnen meistens verstopft“, beobachtet

Diplom-Ingenieur Rudi Oelrich

seit Langem.

Der 75-Jährige und Betriebswirt Markus

Oelrich schicken nicht nur das eigene

Schubschiff MS Martin auf die Reise zwischen

Baustelle und Baustelle in der Nähe

von Magdeburg und entwickelten ein

ausgeklügeltes System der Lager- und

Abfülllogistik: Der Dyckerhoff- Spezialzement

wirdauf dem Hafengelände nicht

nur zusammengemischt, sondern auch

direkt in die überdimensionalen Säcke

mit Fassungsvermögen vonrund 1,5Tonnen,

die Big-Bags, gefüllt.

„Mit einem Umschlag von 700 000 Ton-

Geballte Stapler-Kraft zwischen zerlegter

Windkraft: Seniorchef Rudi Oelrich (l.) und

Markus Oelrich investieren mit dem Reach-

Staker weiter in die Hafenlogistik.

nen jährlich sind wir an der Kapazitätsgrenze“,

ist Markus Oelrich sich sicher.

Deshalb nimmt das Unternehmen zwei

Millionen Euro indie Hand, um die Hafenstrecke

um275 Meter neue, besonders

verstärkte Spundwand auf 720 Metern

zu verlängern. Zugleich soll das Hafengelände,

auf dem 50 Mitarbeiter beschäftigt

sind, im an das Wasser grenzenden

Gewerbegebiet um einen Hektar erweitertwerden.

„Aber auch, um mehr zu

können, um bereit für neue Güterarten

zu sein“, erklärt der Betriebswirt.

Er will sich den Herausforderungen des

Containerumschlags stellen und hat in

einen Reach-Staker investiert. Das ist

eine Art 100Tonnen schwerer Greifstapler

mit Teleskoparm, der bis zu 50 Tonnen

schwereContainer auch über bereits

gestapelteBehälter hinweg greifen kann.

Und perfekt geeignet ist, um riesige,

empfindliche Güter zu verladen. Zwischen

den halbrunden Einzelteilen von

15 Windkrafttürmen, die als Betonschale

in den Kran gehängt werden, wartet der

Stapelkran auf seinen nächsten Einsatz.

„Die Windradtürme kommen in rund 30

Teilen zerlegt per Schiff aus Rendsburg

und rollen hier nachts via Schwertransport

vomGelände zum neuen Windkraftpark

nach Neuenkirchen“, berichtet Markus

Oelrich.

Der Logistiker wartet händeringend auf

das Ende der DEK-Baumaßnahmen und

ersehnt den zweilagigen Containertransport:

Denn er hat für die Zukunft ganz

konkrete Ideen, welche Güter von der

Straße aufs Wasser verlagert werden

könnten: „Die Discounter-Aktionsware

aus China, die wir jetzt über die Straße

transportieren und monatelang zwischenlagern,

könntevom Seeschiff direkt

aufs Binnenschiff, hier wiederum zwischengelagert

und dann punktgenau per

Lkw zum Aldi- bzw.Lidl-Zentrallager gebracht

werden.“

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6 MACHER &MÄRKTE

Er brennt für seinen Job

Der Drensteinfurter Hufschmied Sebastian Schmidt wirbt als „Mr. Handwerk 2015“ für seine Branche

Die Wahl des Drensteinfurters Sebastian

Schmidt zum Mr. Handwerk

2015 ist ein Glücksgriff.Soein Mann,

hat das Talent dazu, junge Menschen

von den Vorzügen handwerklicher

Berufe zu überzeugen.

„Mr. Handwerk muss ja nicht

immer aus Hamburg oder Berlin

kommen.“

Udo Bußmann

Ach, könnten ihn die Jury

und die Menschen, die für

ihn als Handwerker des Jahres

gestimmt haben, jetzt

Aur n hören. Sebastian

Schmidt sitzt auf einem der lederbezogenen

Stühle im Büro der Hufschmiede.

Seinen Chef Udo Bußmann zur Linken,

Stitch, den handzahmen Jack Russel, zu

seinen Füßen und sagt Sätze wie diesen:

„Der Huf ist immer ein Spiegelbild der

derzeitigen Belastungsverhältnisse des

Pferdes“. Und während er spricht, spannt

der 27-Jährige seinen Körper und beugt

sich vor, um zu unterstreichen, dass ein

Hufschmied viel mehr können muss, als

ein gutes von einem schlechten Eisen zu

unterscheiden.

Ein Jahr lang ist Schmidt das Gesicht des

Handwerks in Deutschland. Er wird bei

feierlichen Lossprechungen

auftreten,

auf Handwerksmessen

reden

und dabei für

Berufsfelder werben,

die bei

Schulabsolventen

immer unbeliebter

werden. Dass

der 27-Jährigemit seinem schmalen Körper

und seinen Augen, die immer blitzen,

wenn er vonseinem Beruf erzählt, selbst

wie ein junger Mensch auf der Suche

nach dem richtigen Ausbildungsplatz

aussieht, macht ihn noch ein bisschen

glaubwürdiger. Schmidt hat das Zeug zu

einem überzeugenden Botschafter.

Der Kalender,für den zwölf Männer und

zwölf Frauen während der Bewerbungsphase

gemodelt haben, hat einen Ehrenplatz

gleich neben dem Schreibtisch im

Büro bekommen. Der 27-Jährige ist darauf

mit einem glühenden Eisen zu sehen,

über einen Amboss gebeugt und bereit,

das Material gleich mit kräftigen

Schlägen zu formen.

Schmidt mag dieses Foto, das Shooting

hat ihm, der hin und wieder gern an Modelwettbewerben

teilnimmt, viel Spaß

gemacht. Und dass er der Sieger unter ursprünglich

100 Bewerbern um den Titel

geworden ist, freut auch seinen Chef.

„Mr. Handwerk muss ja nicht immer aus

Hamburg oder Berlin kommen. Drensteinfurt

klingt doch auch mal ganz gut“,

findet Bußmann, für den seit der Wahl

kaum ein Tag vergeht, an dem er nicht

auf seinen Gesellen angesprochen wird.

Die meisten seiner Kunden haben die

Wahl ohnehin unterstützt und in der

Mr. Handwerk 2015: Sebastian Schmidt lässt die Muskeln spielen. Foto: Werbefotografie Weiss Bei der Arbeit: Schmidt und sein Chef Udo Bußmann Fotos: pp

Schlussphase online für ihren jungen

Hufschmied gestimmt.

70 000 Stimmen hat Schmidt bekommen,

der Nächstplatzierte musste sich

mit 20 000 begnügen. Auf die Treue der

Reiterszene ist Verlass.

Überhaupt, die Reiterszene. Man kennt

einander,auch über große Distanzen hinweg.

Und der Schmied nimmt in ihr eine

besondere Stellung ein. „Als Schmied“,

findet der neue Mr. Handwerk, „ist man

so etwas wie der Friseur der Pferdeleute,

der alles mitkriegt.“ Die neuesten Nachrichten

aus Sport und Zucht, reiterliche

Erfolge, zerstörte Hoffnungen, neue Titelträume.

Bußmann und sein Geselle beschlagen

und pflegen die Hufevon Pferden in ganz

Deutschland, vor allen Dingen aber auf

Höfen im Umkreis von 100 Kilometern.

Nach der Hufpflegeeines Pferdes vereinbaren

sie immer gleich einen neuen Termin,

der sieben bis acht Wochen später

stattfindet. „Bei Hufen ist das wie bei Fingernägeln

–sie wachsen stetig“, erklärt

Schmidt. Die „Fingernägel“ des Pferdes

sind allerdings empfindlicher als die des

Menschen. Wenn ein Bein zu stark belastet

wird, drohen dem Pferd auf Dauer

schmerzhafte Folgeschäden. Das Team

aus Drensteinfurt hat sich deshalb auch

auf Orthopädietechnik für Pferde spezialisiert.

Mr. Handwerk bereitet den Wagen gerade

für den nächsten Einsatz auf einem Isländerhof

vorund zeigt, wasunter Orthopädietechnik

zu verstehen ist. In den

Schubladen der Werkbank lagern Bußmann

und er Einlagen aus Leder und

Kunststoff, mit denen Fehlstellungen und

Größenunterschiede ausgeglichen werden

können.

Wenn irgend möglich arbeiten der Chef

und sein Geselle zusammen. „Die

Schmiedearbeit geht auf den Rücken“,

sagt Schmidt und bindet die Lederschürze

um, die Hüften und Beine bei der

Arbeit schont. Keinem Schmied bekommt

es auf Dauer,wenn er täglich ein Pferdebein

auf seinen Oberschenkel legt, um

die Hufe auszukratzen. Die Teamarbeit

zahlt sich gesundheitlich aus: Der eine

stabilisiert das Bein, der andere bearbeitet

den Huf, der Schmidt immer wieder

geradezu geschwätzig vorkommt: „Ein

Huf erzählt die ganze Geschichte eines

Pferdes.“

Bußmann und sein Mitarbeiter,der in einigen

Jahren den Betrieb übernehmen

soll, haben es sich angewöhnt, zu Beginn

ihrer Arbeit das Pferdvon allen Seiten anzusehen.

„Ein Pferd“ –Schmidt liebt es,

die Besonderheiten seines Berufes so präzise

wie möglich zu schildern – „geht

automatisch in eine Schonhaltung, wenn

es ihm nicht gut geht. Und da es sich uns

nur über Bewegungen mitteilen kann,

müssen wir genau hinsehen.“ Bewegen

sich die Hüften im Gang gleichmäßig und

gesund? Hat ein Huf einen unnatürlichen

Winkel, der auf Dauer die Gesundheit der

Sehnen und Gelenke gefährdet? Ein guter

Schmied sollte inder Lage sein, auch

minimale Signale im Gang richtig zu deuten.

Dafür muss er die Eisen nicht mehr

selber herstellen. „Die werden maschinell

produziert“, erklärt Bußmann und legt

eines der Eisen in die geöffnete Hand.

Passen wird estrotzdem keinem Pferd,

weil kein Huf wie der andere ist. Im

Schmiedefeuer,das heutenicht mehr offen

brennt, sondern ein gasbetriebener

Ofen ist, wird das Eisen erhitzt, immer

wieder angepasst und auf dem Amboss in

die passende Form geschlagen. 30 Kilo

wiegt der Amboss. Wer ihn täglich zehnmal

aus dem Wagen nimmt und später

wieder hineinwuchtet, absolviert sein

ganz persönliches Krafttraining.

Die Schmiede haben es aber auch mit

Leichtgewichten zu tun. Die Hufe von

Rennpferden werden mit Beschläge aus

Aluminium oder Stahl geschützt. Traber

bekommen ebenso spezifische Eisen wie

Isländer und Galopper. „Ein Schmied“,

sagt Schmidt, „muss sich gründlich mit

der Anatomie eines Pferdes auskennen

und seinen Beruf mit Leidenschaft betreiben.“

Annegret Schwegmann

STARKE MÄNNER –STARKE FRAUEN

Das Deutsche Handwerksblatt hat unterstützt von Signal

Iduna, IKK Classic und CEWE Miss und Mister Handwerk

gesucht und auf der Handwerksmesse in München

gekürt. Die Friseurmeisterin Karolina Schmidt und Sebastian

Schmidt erhielten die meisten Stimmen.

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MACHER &MÄRKTE 7

„Anregungen dankbar

entgegennehmen ...“

Von Alfred Krupp bis zum heutigen Ideenmanagement: Kulturwandel erfasst auch kleine Unternehmen.

Hannover-Messe 2015:Industrie4.0,

Roboter und intelligente Energiesysteme

locken die Fachwelt. 220 000

Besucher tauchen in die industrielle

Zukunft ein, die ein erstes Gastspiel

in der Gegenwart gibt. Ein Ort, wie

geschaffen für Ideen- und Innovationsmanager,

von denen es auch in

Deutschland immer mehr gibt. Ihr

inzwischen vierter praxisnaher Veranstaltungstag

auf der Hannover-

Messe ist vollkommen ausgebucht.

Nicht einmal mehr Stehplätze sind

verfügbar.Für Beobachter ein erneuter

Beleg dafür, dass sich in den

Unternehmen ein Kulturwandel vollzieht:

KVP (kontinuierlicher Verbesserungsprozess)

und das altbekannte

„betriebliche Vorschlagswesen“

mausern sich zum branchenübergreifenden

Managementthema.

Alfred Krupp trägt die

Schuld. Der Industrielle aus

Essen brachte 1872 in seinem

„General-Regulativ“

Aedanken G zu Papier, die

manch einen Vorgesetzen in seinem Firmenimperium

schaudern ließen. „Anregungen

und Vorschläge zuVerbesserungen“,

so hieß dort eine Anordnung an die

Führungskräfte, „sind aus allen Kreisen

der Mitarbeiter dankbar entgegenzunehmen.“

Dankbar entgegennehmen? In der streng

hierarchisch aufgebauten Welt der Montanindustrie

war soein Satz des Patriarchen

allemal bemerkenswert –und eine

Einladung an die ansonsten auf Respekt

und Gehorsam getrimmten Mitarbeiter,

mit Ideen und Verbesserungsvorschlägen

nicht hinterm Berg zuhalten.

Der heutige Industriekonzern Thyssen-

Krupp, für den technischer Fortschritt

und Innovationen die Schlüsselfaktoren

sind, gestaltet seinen Umbau auch mithilfe

der Mitarbeiter und betreibt konzentriert

Ideenmanagement –und dies weltweit

mit dem Ziel, von Kenntnissen und

Erfahrungenzuprofitieren. Alfred Krupp

wäre wohl zufrieden.

In Deutschland hat Ideenmanagement

seit Langem ein Zuhause. In Frankfurt

schufen die dortige IHK, die Universität

sowie Unternehmen 1954 mit einem Verein

die Basis für die spätere Gründung

des Deutschen Instituts für Ideen- und Innovationsmanagement.

Heute besteht

dort das „Zentrum Ideenmanagement“

(ZI), dem sich bisher 125Unternehmungen

angeschlossen haben –Firmen genauso

wie Verwaltungen.

Hans-Rüdiger Munzke, der in Lengerich

das Ingenieurbüro „IdeenNetz“ als Kompetenzzentrum

und Wissensportal be-

Zündende Ideen gehen oft verloren. Ein zum Unternehmen passendes Ideenmanagement kann Abhilfe schaffen.

treibt, gehört seit Jahren mit zum Team

des Zentrums. Auch ihm geht es bei der

Arbeit stets darum, Menschen zu befähigen,

ihre Kreativität zu nutzen und Veränderungsprozesse

systematisch anzugehen.

Aus seiner beruflichen Praxis kennt

Munzke viele kleinere und mittlere

Unternehmen, die sich im Grundsatz wie

ThyssenKrupp, aber in einer auf Branche

und Firmengröße abgestimmten Art und

Weise mit Ideen- und Innovationsmanagement

befassen. „Vom Meckern zum

Handeln“, beschreibt Munzke den Entwicklungsprozess

in vielen Häusern.

„Gib mal her! Ich mach das schon.“ Lange

hat dieser Satz von Vorgesetzen verhindert,

dass Unternehmen vom Wissen

ihrer Mitarbeiter optimal profitieren

konnten. Heute hängen in Gemeinschaftsräumen

Ideenlisten, treffen sich

Mitarbeiter freitags in großer Runde, um

über Verbesserungen zu sprechen.

Größere Unternehmen experimentieren

mit kreativ ausgestatteten Ideenräumen

oder Ideengärten. Stets gehe es darum,

abseits von Hierarchien und Tagesgeschäft

das Feld für Ideen und Innovationen

zu bereiten, schildert Gudrun Richter

von „IdeenMarketing“ in Drensteinfurt.

Sie unterstützt das Zentrum Ideenmanagement

als Kompetenzpartner.

Mit Preisverleihungen und Auszeichnungen

lenkt das Zentrum den Blick der

Unternehmenimmer wieder auf Erfolgsgeschichten.

In Hannover wurde zum

Beispiel die Chocolaterie Hubert Klodt

aus Emsdetten mit einem Preis bedacht,

weil hier ein Bäckermeister auf sehr moderne

Weise traditionelle Florentiner vermarktet.

Auf der mehrtägigen ZI-Frühjahrskonferenz

in Essen, wo sich Experten

aus ganze Deutschland trafen, wurden

die „Ideenmanagement-Awards

2015“ vergeben.

Angeführt wurde die Riege der Preisträger

von Wincor Nixdorf International in

Paderborn. Der erste Preis für die beste

Idee zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz

ging an den Winterdienstleister

Dornseif e.Kfr. inMünster.

Dort wird nach Regeln der Kaizen-Philosophie

darauf hingewirkt, dass durch optimierteSauberkeit

und Ordnung Unfälle

oder Mängel möglichst vermieden werden.

Wieder eine innovative Idee –diesmal

verwurzelt im japanischen Streben

nach dem Besseren.

wk

Foto: Fotolia

KRUPPSCHES „GENERAL-REGULATIV“

Paragraf 13: „Anregungen und Vorschläge zu Verbesserungen,

auf solche abzielende Neuerungen, Erweiterung,

Vorstellung über und Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit

getroffener Anordnungen, sind aus allen Kreisen der

Mitarbeiter dankbar entgegenzunehmen und durch Vermittlung

des nächsten Vorgesetzten an das Direktorium

zu befördern, damit dieses die Prüfung veranlasse. Eine

Abweisung der gemachten Vorschläge, ohne eine vorangehende

Prüfung derselben, soll nicht stattfinden, wohingegen

denn auch erwartet werden muss, dass eine erfolgte

Ablehnung dem Betreffenden, auch wenn ihm ausnahmsweise

nicht alle Gründe dafür mitgeteilt werden

können, genüge, und ihm keineswegs Grund zu Empfindlichkeit

und Beschwerde gebe. Die Wiederaufnahme eines

schon abgelehnten Vorschlages unter veränderten tatsächlichen

Verhältnissen oder in verbesserter Gestalt ist

selbstredend nicht nur zulässig, sondern empfehlenswert.“

–verfasst von Alfred Krupp, 1872

Stolze –Dr. Diers –Beermann GmbH

Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ·Steuerberatungsgesellschaft

Unser Angebot umfasst eine breite Spanne von Dienstleistungen insbesondere

für mittelständische Unternehmen und deren Gesellschafter von der Einkommensteuererklärung

über die Abschlusserstellung bis zur Jahresabschluss- und Konzernabschlussprüfung.

Weiterhin beraten wir in Fragen des Steuerrechts –insbesondere

im Bereich des Umwandlungsteuerrechts, des internationalen Steuerrechts

und der Unternehmensnachfolge. Zu unserem Dienstleistungsspektrum

Geschäftsführer:

Prof. Dr. Fritz-Ulrich Diers

Dr. Philipp Diers

Dr. Marie-Theres Stolze

Heinz Stolze

Wilfried Beermann

Johannes Fink

zählt auch die betriebswirtschaftliche Beratung. Jeder Mandant hat bei uns einen

persönlichen Ansprechpartner, der das Unternehmen langjährig betreut. Über

unsere örtlichen Niederlassungen in Emsdetten und Rheine hinaus kooperieren

wir im Rahmen der CW &Smit anderen Praxen und sind Mitglied des internationalen

Netzwerks von Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern „AGN“, um auch

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8 MACHER &MÄRKTE

„Jede noch sokleine

Idee ist wichtig“

LVM-Vorstand Werner Schmidt engagiert sich seit vielen Jahren als

Präsident für das „Zentrum Ideenmanagement“

Netzwerker: „Verwalten und Gestalten mit Vision“ –unter diesem Motto stand kürzlich in

Essen die Konferenz 2015 des Zentrums Ideenmanagement.

ZENTRUM IDEENMANAGEMENT

1990 wurde das Deutsche Institut für Ideen- und Innovationsmanagement

in Frankfurt von namhaften Unternehmen

ins Leben gerufen. Seitdem leistet es praktische und

forschende Arbeit auf dem Gebiet des Ideen- und Innovationsmanagements.

Die 2006 gestartete Initiative „Ideen

machen Zukunft“ ist im Institut beheimatet. Seit 2010 besteht

dort außerdem das Zentrum Ideenmanagement (ZI)

als internationale Interessengemeinschaft der Ideenmanager.

Esversteht sich als Plattform und Netzwerk zur Förderung

und Verbreitung des Ideen- und Innovationsmanagements.

Verfolgt wird die Vision, dass es in jedem

Unternehmen ein lebendiges Ideenmanagement gibt, das

treibende Kraft für Veränderungen ist. Expertenkreise befassen

sich mit Themen wie Ergebniswirksamkeit, Best

Practice, Führungskräfte-Motivation, „Technologie, Software

&Benchmark (TSB)“. Zum Team des Zentrums gehören

Betriebswirtschaftler, Consultant, Projektmanager

und Prozessspezialisten. Geschäftsführerin ist Christiane

Kersting. Werner Schmidt, Vorstand der LVMVersicherung,

fungiert als Präsident.

wk

Für ihn gehört das Ideenmanagement

zur Personalstrategie

eines Unternehmens. „Wir

wollen keine angepassten,

sondern innovative Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter,die sich so weit

mit dem Unternehmen identifizieren,

dass sie aufgrund von entsprechenden

Instrumenten, hier Ideenmanagement,

die Unternehmensentwicklung, die Optimierung

der Prozesse auch in ihrem Fokus

haben“, betontevor einiger Zeit Werner

Schmidt, Vorstand der LVMVersicherungen,

bei einem Kamingespräch in

Münster.

Der Daten- und Organisationsexperte

weiß genau, worüber er spricht. Seit 2011

ist Schmidt neben seinen anderen Funktionen

ehrenamtlich Präsident des „Zentrums

Ideenmanagement“. Erst kürzlich

wurde er für weiterezweiJahreindiesem

Amt bestätigt. Thorsten Gänsch, Konzernideenmanager

der Deutschen Bahn

AG,ist Vizepräsident. Werner Schmidt ist

überzeugt davon, dass der professionelle

Umgang mit Ideen einen entscheidenden

unternehmerischen Beitrag leistet.

Werner Schmidt, Vorstand der LVMVersicherung

Münster, ist seit 2011 Präsident des

Zentrums Ideenmanagement

Herr Schmidt, der LVM ist mit seinem

Ideenmanagement als Best-

Practice-Beispiel bekannt. Was motiviert

eine Versicherung, das Ideenmanagement

so nachhaltig weiterzuentwickeln?

Werner Schmidt: Unternehmen der

Dienstleistungsbranchewie Versicherungenoder

Banken fällt es oft schwer,Ideen

ihrer Mitarbeiter einfach umzusetzen.

Wie befassen uns mit virtuellen Produkten,

unsereProzesse laufen anders ab als

in Produktionsunternehmen. Wir versichern

zwar schöne Autos für den Schadensfall,

aber wir bauen sie nicht. Fest

steht jedoch: Auch Versicherungen und

Banken können es sich heute ineinem

immer enger werdenden Markt nicht leisten,

auf brillante Ideen ihrer Mitarbeiter

zu verzichten. Jede noch so kleine Idee ist

wichtig für jedes Unternehmen.

Warum engagieren Sie sich für das

Zentrum Ideenmanagement?

Schmidt: Um das eigene Ideenmanagement

kontinuierlich zu verbessern und

attraktiv zu halten, ist es wichtig, sich

auch mit anderen Netzwerkpartnern auszutauschen

und sich auch zum Beispiel

einem Benchmark zu stellen. Unser

Ideenmanager Thomas Korves ist zum

Beispiel aktives Mitglied der regionalen

Ideenmanagement-Arbeitsgruppe Nordwestfalen

und Koordinator sowie Sprecher

des branchenbezogenen bundesweit

tätigen Arbeitskreises Banken und Versicherungen.

Ich selbst war zwei Jahre

Schirmherr der von„Deutschland –Land

der Ideen“ ausgezeichneten Initiative

„Ideen machen Zukunft“. Und da war

mein Engagement in der agilen Interessengemeinschaft

„Zentrum Ideenmanagement“

eine Ehre.


9 BRANCHEN &BETRIEBE

Der Klimaschutz beginnt

mitten im Münsterland

Spezialmaterialien von Armacell finden sich in vielen Vorzeigeprojekten: Ob Empire State Building oder

Aida –weltweit setzen Unternehmen auf die Dämm- und Isolierstoffe der Münsteraner.

Weltweit wird versucht, den Klimawandel

in den Griff zu bekommen,

Primärenergie einzusparen und

CO ²

-Emissionen zu senken. Einen

stattlichen Beitrag zur Energieeinsparung

leistet das Unternehmen

Armacell aus Münster, das mit 22

Standorten in 15 Ländern vertreten

ist und weltweit seine flexiblen technischen

Dämmstoffe und Schäume

vertreibt.

„Wir sind ein Wachstumsunternehmen.

Wir wollen unsere geografischen

Reichweiten in zukunftsweisende

Märkte weiter ausdehnen.“

Malte Witt, Geschäftsführer

Die Materialen isolieren

überwiegend kältetechnische

Anlagen in großen

Bürogebäuden, Hotels und

Krankenhäusern ebenso

wie Industrieanlagen der Öl- und Gasindustrie

und Kühlaggregatevon Lebensmitteltransportern.

Spezialmaterialien

finden sich in vielen Vorzeigeprojekten:

im EmpireStateBuilding, im Kreuzfahrtschiff

Aida, am Erdbebenmesser in der

Antarktis und in den Arenen für die Fußballweltmeisterschaft

in Brasilien. „Und

für die Bauprojekte künftiger großer

Sportarenen wird man sicherlich auch

unsereProdukteverwenden“, sagt Malte

Witt, Geschäftsführer am europäischen

Stammsitz in

Münster.

Er macht das Wirkungsvermögen

der hoch entwickelten

Isoliermaterialien

und

Schäume mit

einem spektakulären

Vergleich

deutlich: „Durch

Armacells Jahresproduktion elas-tomerer

Dämmstoffe wird genügend Energie

eingespart, um die 200 000 Haushalte

vonLas Vegasfür ein ganzes Jahr zu versorgen.“

Der Dämmstoffmarkt ist ein Wachstumsmarkt.

Seit der Entwicklung des seinerzeit

patentierten Produktes Armaflex in

den 50er Jahren unter dem Dach der

Armstrong World Industries haben sich

die Einsatzfelder stetig erweitert. Zunächst,

erklärt Witt, „wurden Isoliermaterialien

für Gebäude, für Heizungs- und

Lüftungs- und Klimaanlagen hergestellt.

Die Produkte wurden weiterentwickelt

für das Transportgewerbe und industrielle

Anwendungen. Jüngster Spross sind

Erdgasleitungen in Australien erhielten Armacell-Dämmungen.

Dämmstoffe amlaufenden Band: Geschäftsführer Malte Witt und Werksleiter Christian Krauss sowie Patrick Banna (v.l.) vor einer Produktionslinie in Münster,

einem der drei größten Produktionsstandorte weltweit.

Foto: Matthias Ahlke

Anwendungen für die Öl- und Gasindustrie.

Vonden größten Gasfeldern in Australien

beispielsweise wird das Gas nicht

mehr über Pipelines weitergeleitet, sondern

über Tankschiffe. Dazu wird esso

weit heruntergekühlt, dass es in flüssiger

Form transportiert werden kann. Witt:

„Eine Spezialisolierung dieser Tankschiffe

hat Armacell entwickelt.“

Die technischen Dämmstoffe, für die

Armacell nach eigenen Angaben Weltmarktführer

ist, werden laut Witt im Wesentlichen

für drei Anwendungsgebiete

entwickelt: Energieeinsparung, sichere

Isolierung und den Schall-, Brand- und

Rauchschutz.

Beispiel Aida: Bei der Dämmung von

Kühlwasser-, Kälte- und Gefrierleitungen

seien von der Meyer Werft Produkte von

Armacell eingebaut worden, um Energieverluste

und Tauwasserbildung zu verhindern

und beim Brand Rauchentwicklung

von Isolationen zu unterbinden.

Fortsetzung auf Seite 10

ARMACELL

Armacell ist ein führender Hersteller

von flexiblen Dämmstoffen im

Bereich der Anlagenisolierung sowie

für technische Schäume. Weltweit

werden 2400 Mitarbeiter beschäftigt,

rund 500 in der europäischen

Zentrale inMünster, wosich auch

die Forschungsabteilung befindet.

Produktionsstätten wurden weltweit

in 15 Ländern auf vier Kontinenten

aufgebaut.

Im Jahr 2013 verzeichnete das

Unternehmen, das im Jahre 2000 im

Rahmen der Auslagerung der

Dämmstoff-Sparte aus dem Konzern

Armstrong World Industries hervorgegangen

ist, einen Nettoumsatz

von 415,7 Millionen Euro.

Im Jahre 1959 begann die Expansion

von Armstrong World Industries

nach Europa. 1960 erfolgte die

Grundsteinlegung für die erste Produktionsstätte

in Münster.

EMSDETTEN

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Sie suchen einen Standort

für Ihr Unternehmen?

Emsdetten bietet Ihnen

das Gewerbegrundstück,

das Ihren Wünschen

entspricht!

Unser Markenzeichen

ist die Flexibilität hinsichtlich

Grundstücksgröße und -zuschnitt:

Fordern Sie uns und wir fördern Sie!

Emsdetten —

ein Wirtschaftsstandort mit Visionen!

In Emsdetten ziehen Stadt und Unternehmen an

einem Strang und arbeiten unter dem Motto

„Emsdetten.einfach.machen“ eng zusammen am

weltoffenen Wirtschaftsstandort mit höchster Lebensqualität.

Wirtschaft

und Verwaltung

übernehmen

gemeinsam auf außergewöhnliche

Weise Verantwortung.

Insbesondere

der vielfältige

Branchenmix verleiht

Emsdettens

Wirtschaft eine besondere

Stärke,

die sich bereits in

Krisenzeiten bewährt

hat. Durch

Spezialisierung auf

Nischenprodukte

konnte sich die

Textilbranche hervorheben.

Auch die metall- und kunststoffverarbeitende

Industrie schafft sich durch herausragende,

kundenorientierte Produkte einen Namen,

weit über Landesgrenzen hinaus. Die Liste

der „Hidden Champions“ aus Emsdetten mit Produkten

von Welt ist lang!

Service-Hotline 02572 922-100

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Nähe zur Autobahn A1 und zum Flughafen FMO

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Handwerker- und Gewerbepark:

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Flächen ab ca. 800 m

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wirtschaftlich durchdachte Nutzbarkeit nahe der A1

Glasfaseranbindung in allen Gebieten möglich!

Raum zum Wachsen bietet Emsdetten auch als

Wohnstandort. Hier lässt es sich gut arbeiten und

leben! In den Bereichen Familienfreundlichkeit,

Wohnen, Bildung, Kultur und Freizeit punktet

„Emsdetten.einfach.machen“ —ein einzigartiges Miteinander von Wirtschaft

und Verwaltung.

Emsdetten mit zahlreichen hochwertigenAngeboten.

In Emsdetten wohnen heißt zentrumsnah und

doch im Grünen zu leben. Die große Standortverbundenheit

zeugt vom „Wohnort zum Wohlfühlen“,

das soziale Engagement ist entsprechend

hoch. Emsdetten überzeugt gerne!


10 BRANCHEN &BETRIEBE

Fortsetzung von Seite 9

Auch bei extremen Anforderungen sind

die Entwickler im Forschungslabor in

Münster gefragt. So wurde der Erdbebenmesser

des norwegischen seismologischen

Instituts Norsar mit einem Armacell-Produkt

gedämmt. „Denn die extremen

Witterungsbedingungen und das

große Temperaturgefälle zwischen Tag

und Nacht hatten zuvor zu Kondensationsproblemen

und verfälschten

Messergebnissen

geführt“, so Witt.

Nicht nur für solche

Extremanwendungen

werden

die Dämmstoffe

kontinuierlich

weiterentwickelt

und optimiert,

betont

Witt. Die im Forschungslabor

in Münster entwickelten

Materialien werden auf einer eignen Produktionsstraße

hergestellt und vielen

Tests unterzogen, bevor sie in Serie gehen.

Rund 200 Patente hält Armacell. „Viele

davon beziehen sich auf eine Weiterentwicklung

von Schäumen für einen verbesserten

Brandschutz“, erläutert Witt.

Im Brandfall dürfenIsolierungen in Bahnen,

auf Flughäfen und Schiffen und insgesamt

auf Flucht- und Rettungswegen

kaum Rauchentwicklung zulassen.

Die Erfolge der Armacell-Dämmstoff-Experten

haben die Expansion des Unternehmens

beflügelt. In diesem Jahr wurde

„Die extremen Witterungsbedingungen

hatten zuvor zu Kondensationsproblemen

und verfälschten

Messergebnissen geführt.“

Malte Witt zur erfolgreichen Entwicklung eines

Dämmstoffs für das norwegische seismologische

Instituts Norsar

ein türkischer Dämmstoffhersteller übernommen,

„um Absatzmärkte inSüdosteuropa,

in Vorderasien und Nordafrika

zu erschließen“, erklärt Witt. Von der

Übernahme eines führenden kanadischen

Produzenten von Polyethylen-

Dämmstoffen im März diesen Jahres verspricht

sich Armacell die Marktführerschaft

in Kanada und die Stärkung seiner

Marktposition in Nordamerika. Insgesamt,

so Pressesprecherin Susan Krambo,

werde die Internationalisierung

sowie die Expansion

in zukunftsweisenden

Märkten

konsequent

vorangetrieben.

Der Erfolg ist im

Wesentlichen von

gut qualifizierten

Mitarbeitern abhängig,

weshalb

Armacell intensiv

in Aus- und Weiterbildung investiert.

Durch die Kooperation mit den Hochschulen

in Münster und Steinfurt können

laut Witt „auch Inhalte von Bachelorarbeiten

direkt für das Unternehmen weiterentwickelt

werden“.

Um motivierte Nachwuchskräfte für

kaufmännische und technische Ausbildungen

zu begeistern, hat Armacell Anfang

des Jahres als erstes Unternehmen

der neuen Initiative von Industrie- und

Handelskammer Nord Westfalen und

Handwerkskammer Münster einen jungen

Ausbildungsbotschafter in weiterführende

Schulen geschickt.

Karin Höller

Dämmmaterialien von Armacell finden sich auch im Kreuzfahrtschiff Aida. Foto: Franz Knittel

Der Betonbereich der Unterflur-Container wird inden Boden eingelassen, nur die Einwurfs-Möglichkeit aus Edelstahl bleibt sichtbar.

Zur Entleerung zieht ein Lkw die inneren Behältnisse am Haken heraus.

Fotos: Susanne Menzel

Bauer gegen

Nachbauer

Container-Experte aus Südlohn ist mit eigenen

Entwicklungen weltweit erfolgreich

Sie prägen das Stadtbild mit einer

Selbstverständlichkeit, dass man

ihre Existenz kaum noch bewusst

wahrnimmt: die Altglas-, Papier-und

Restmüll-Behälter.Der Gang dorthin

ist Alltagsroutine. Dass sich hinter

der Herstellung dieser Container allerdings

eine Menge Know-how verbirgt,

dass Form und Funktion einer

ständigen Entwicklung unterliegen,

das wird erst klar,wenn man die Hallen

der Bauer GmbH in Südlohn betritt.Unmengen

von Blechen,

eine Vielzahl von Arbeitsplätzen,

modernste Fertigungstechnologien,

aber

auch noch kleinteilige

Handarbeit finden sich dort. In vielen

einzelnen Schritten werden die Container

zusammengesetzt, immer wieder

kontrolliert, immer wieder Arbeitsschritte

hinterfragt und auf Verbesserungen

getestet.

Der „Kopf und Motor“ hinter dem 1966

gegründeten und inzwischen weltweit

agierenden Unternehmen ist Heinz Dieter

Bauer. Der 76-jährige geschäftsführende

Gesellschafter,der inzwischen seine

Söhne Patrick (46) und Pascal (36)

mit ins Boot geholt hat, ist noch täglich

nicht nur im Büro, sondern auch im Betrieb

zu finden. „Ruhe ist trotz meines Alters

nicht mein Ding. Dafür habe ich noch

zu viele Ziele“, lacht der Senior.„Schließlich

ist die Firma mein fünftes Kind: Ich

habe sie erschaffen und großgezogen.“

Neben Südlohn (70 000 Quadratmeter

Werksgelände; 230 Mitarbeiter) gibt es

seit 1993 auch noch ein Werk in Halberstadt

(20 000 Quadratmeter Werksgelände;

70 Mitarbeiter). Auf vier Produktionsbereiche

hat sich die Bauer GmbH

spezialisiert: neben den Wertstoff- und

Gefahrgut-Containern sind das noch die

Umwelt-Lagertechnik sowie Stapler-Anbaugeräte.

8000 Tonnen Bleche werden

dafür pro Jahr verarbeitet.

„Viele Dinge, die wir hier entwickelt und

auf den Markt gebracht haben, etwa die

Sonderabfall-Behälter oder die mechanische

Schaufel für Gabelstapler, sind heute

europaweit im Einsatz. Und werden oft

kopiert. Deshalb lautet mein Spruch immer:

Wir sind Bauer, die anderen die

Nachbauer“, sagt der Firmenchef. Hauptabnehmer

sind neben Unternehmen und

Kommunen in Europa auch Firmen aus

Israel, Korea oder Tunesien

Dabei ist die Entwicklung seiner Produkte

für Bauer ein Spannungsfeld, das ihn

täglich vor neue Herausforderungen

stellt: „Die Frage ‚Wie kann ich bei dem

Wettbewerb neue Produkte günstiger

herstellen?´ ist dabei sicher wesentlich.

Andere machen sich diese Gedanken gar

nicht, sondern produzieren direkt im

Ausland. Ich dagegen bin der Meinung:

Wirliefern Qualität und Service, deshalb

sind wir in der

Herstellung etwas

teurer. Aber

der Unterschied

zu Billigkopien ist

sichtbar.“

Bestes Beispiel sei

für ihn eine Reaktion

2012 aus Tri-

Heinz Dieter Bauer

nidad: „Dorthin

haben wir 1982

Drahtspulen geliefert, die wir noch bis in

die 90er Jahre hergestellt haben. Nach

drei Jahrzehnten kam eine Anfrage, ob

wir die Spulen noch bauen und liefern

können. Man benötige jetzt neue. Der

Auftraggeber hatte sogar noch die Originalrechnung

von der ersten Lieferung.

Das ist doch eine klareAussagefür Wertarbeit.“

Fortsetzung auf Seite 11

„Viele Dinge, die wir hier entwickelt

und auf den Markt gebracht

haben, sind heute europaweit im

Einsatz.“

Der erste „Roboter“ kam bei Bauer 1989 zum Einsatz. Die Maschine

(rechts im Bild) tut bis heute ihre Dienste, wird bald gegen eine

moderne Version ausgetauscht.


BRANCHEN &BETRIEBE 11

„Niemand ist

zweite Garnitur“

Heinz Dieter Bauer schrieb seine Lebensgeschichte

Über 70 000 Quadratmeter erstreckt sich heute das Werksgelände der Bauer GmbH am Standort inSüdlohn.

Fortsetzung von Seite 9

Drahtspulen sind es inzwischen nicht

mehr, die die Firma Bauer produziert,

das Hauptaugenmerk liegt auf Anbaugeräten

für den Gabelstaplermarkt (50 Prozent

des Gesamtumsatzes). Und auf der

Entwicklung neuer Produkte imContainerbereich.

Hier liegt Senior Heinz Dieter Bauer besonders

die barrierefreie Entsorgung am

Herzen: „Wer einmal im Rollstuhl gesessen

hat, weiß, wie mühevoll und fast unmöglich

es ist, beispielsweise an einen

Altglascontainer heranzukommen. Auch

mit Blick auf den demografischen Wandel

sind hier Innovationen gefragt. Da

haben wir uns halt etwas einfallen lassen.“

Und zwar Behälter, die in den Boden

eingelassen werden, versehen mit

einer Technik, die die Abfallbehältnisse

automatisch für eine Entleerung nach

oben fahren kann.

„Diese Möglichkeiten sind in Wohngebieten,

aber auch an Autobahnen in der

Zukunft unabdingbar“, ist Bauer überzeugt.

Auf entsprechenden Messen wurden

die Produkteinzwischen vorgestellt,

die Produktion wurde entsprechend ausgebaut

sowie rationalisiert. Und so sind

es kleine Mosaiksteinchen, die immer

wieder zusammengefügt werden. „Beim

Gang durch die Werkshallen gibt es stets

etwas, was mir als verbesserungswürdig

ins Auge fällt“, schmunzelt der Chef. Und

da er täglich dort unterwegs ist, dürften

ihm die Ideen noch lange nicht ausgehen.

Susanne Menzel

Luftbild: Bauer GmbH

Es gibt Personen –und Persönlichkeiten.

Zu den letzteren zählt Heinz

Dieter Bauer.

Der Mann ist Chef eines

weltweit agierenden

Unternehmens. Er ist aber

auch Mensch. Einer, der

aus kleinen Verhältnissen

kommend, den Wegnach oben geschafft

hat. Ohne dabei seine Herkunft zu vergessen.

„Ich bin Püttrologe“, stellt sich

der 76-Jährige mit einem Schmunzeln

gerne selbst vor. Übersetzt heißt das: Er

wurde im Ruhrgebiet,

auf Schalke, geboren.

Im Kriegsjahr 1939

kam erzur Welt, der

Erfolg war ihm dabei

nicht in die Wiege gelegt

worden. Aufge-

Heinz Dieter Bauer

wachsen mit zwei

Schwestern in armen Verhältnissen, eine

Kindheit –geprägt vomKrieg. Heinz DieterBauer

musstenach der Volksschule ins

Berufsleben einsteigen, um sich und die

Mutter zu ernähren. „Als ich 19 war, habe

ich mir gesagt: Mit 30 bin ich entweder

selbstständig oder ich habe so einen Job,

dass ich mich nicht mehr selbstständig

machen muss. Meine Kinder sollten es

später einmal besser haben als ich“, hat

Bauer für sich schon früh hohe Ziele gesteckt.

Er hat es sogar früher geschafft,

sein eigenes Unternehmen zu gründen:

1966 entstand in Stadtlohn die Bauer

GmbH. Ohne finanzielle Unterstützung

„Meine Motivation, als

Autor aufzutreten, war es,

Mut zu machen.“

vonSeiten der Familie, ohne Startkapital

aus staatlicher Hand. Der Chef warnicht

nur Unternehmer,sondern Mädchen für

alles. Berufliche Hürden wie auch private

Schicksalsschläge begleiteten Heinz Dieter

Bauer auf seinem Lebensweg. Von

fünf Kindern ist eins verstorben. Seine

eigene Krebserkrankung hat Bauer besiegt.

Aber resignieren, das kam für den

energiegeladenen Mann nie infrage. Im

Gegenteil: Er schmiedeteneue Pläne und

arbeitet an deren Umsetzung. Er gründete

die Dieter-Bauer-Stiftung, die seit 2003

die Krebs- und die MPS-Forschung (MPS

= Mukopolysaccharidose/

seltene genetische

Erkrankung)

unterstützt.

Und er schrieb seine

Lebensgeschichte„Aus

dem Nichts“. Die Einnahmen

aus dem

Buchverkauf fließen ausschließlich der

Stiftung zu. „Meine Motivation, als Autor

aufzutreten, wares, Mut zu machen“, erklärt

Heinz Dieter Bauer im Nachwort

seines 2014 erschienen Werkes. „Ich

möchte alle Menschen, die aus welchen

Gründen auch immer kein Studium absolvieren

konnten, ermutigen: Man kann

trotzdem sein Leben gestalten, etwas aus

sich machen, erfolgreich sein. Niemand

ist Gottes zweite Garnitur.“

„Aus dem Nichts“ ist direkt über Heinz

Dieter Bauer zu beziehen. E-Mail: info@dieterbauer-stiftung.de

oder Tel.

02862/709-140 Susanne Menzel

FOCUS Spezial »Die besten Arbeitgeber 2015«

Kräftige Farben, glänzende Lacke

Sehr gute Stimmung

Zufriedene Mitarbeiter

2015 wurde Brillux von dem Magazin FOCUS als »Top Nationaler Arbeitgeber« ausgezeichnet und erzielte beim

FOCUS-Spezial »Beste Arbeitgeber 2015« Platz 1bei den Großunternehmen der Branche Herstellung und Verarbeitung

von Werk- und Baustoffen. Weitere Informationen zuder Ausbildung bei Brillux, Interviews mit Auszubildenden

sowie Videos und Erfahrungsberichte von Auszubildenden finden Interessierte unter:

www.brillux.de/ausbildung


12 BRANCHEN

Größter Arbeitgeber in Tecklenburg: Die Ledder Werkstätten haben 1250 Beschäftigte mit Behinderungen sowie weitere 450 Mitarbeiter. An17Standorten sind die Ledder vertreten.

Hier geht es nicht nur ums Geld

Doch auch die Ledder Werkstätten als Arbeitgeber für 1250 Menschen mit Behinderungen müssen

rechnen. Hersteller innovativer Produkte, Händler, Dienstleister und Zulieferer unter einem Dach.

Das Streichholz flammt auf. Kerzenduft

verbreitet sich, als beide Seiten

desDochts brennen. Schnell daskleine

Bündel zwischen das Holz schieben,

die Ofentür schließen –und auf

die wohlige Wärme warten. Das

Holzbündelchen mit dem Docht ist

einer der Renner im Angebot der

Ledder Werkstätten: K-Lumet®, der

Recycling-Feueranzünder.

K-LUMET®

K-LUMET® kommt vom französischen „Y a

qu‘à allumer“ (Man muss es nur anzünden)

und beschreibt damit den

pfiffigen Anzünder sehr gut. Ein

Bündel Hölzchen mit einem Docht

in der Mitte steckt in einem

Pappröhrchen und ist mit dem Wachs alter

Kerzen ummantelt. Erfunden wurde der Anzünder

in der Schweiz, die deutsche Lizenz

haben seit zehn Jahren die Ledder Werkstätten.

In 130 Werkstattstandorten bundesweit

stellen inzwischen in Hoch-Zeiten über 2000

Menschen den Kaminanzünder K-LUMET® her.

Wer bei Behindertenwerkstätten

nur an

Wäscheklammern

und Putzlappen

denkt, erliegt einem

Klischee. Mit den traditionellen Holzdübeln

allein wären die LedderWerkstätten

–mit 1250 Beschäftigten mit Behinderungen

an 17 Standorten sowie 450 weiteren

Mitarbeitern der größte Arbeitgeber

der Stadt Tecklenburg–trotzaller Zuschüsse

auch längst nicht mehr wirtschaftlich

zu betreiben. Intelligente Produkte

sind gefragt, Flexibilität und Innovation

–denn unter dem Strich muss sich

auch eine Behindertenwerkstatt rechnen.

Auch dann, wenn es hier am Ende nicht

ums Geld geht...

„Natürlich könnteman K-Lumet® billiger

herstellen –industriell“, sagt Jörg Birgoleit,

Sprecher der Ledder Werkstätten.

„Aber bei uns geht es nichtumGewinnoptimierung,

sondern darum, für jeden einzelnen

Menschen mit geistiger,

psychischer und/oder körperlicher

Behinderungdie passende Arbeit zu

finden“, beschreibt er das Geschäftsmodell.

„Bei uns geht es um Teilhabe durch

Arbeit.“

Deshalb ist die K-Lumet®-Produktion in

zwölf bis 15 Schrittezerlegt: vomSpalten

des Holzes über

das Zusammenstecken

der Hölzchen

in Pappringen

bis zum anschließenden

Bad

in heißem Wachs.

Viele kleine Tätigkeiten,

bei

„Die Werkstatt ist ein ganz wichtiges

Standbein.“

Frank Tafertshofer, LWL

denenauch ein Schwerstbehinderter seine

angemessene Arbeit findet –mehr als

das: seine Aufgabe.

„Geld, Spaß, Verantwortung, das Gefühl,

gebraucht zu werden, Selbstverwirklichung,

Kollegen, Vorsorge für das Alter,

Normalität, Tagesstruktur“, beschreibt

Ludger Große Vogelsang, was Arbeit für

behinderte Menschen bedeutet. Der Förderschullehrer

ander Don-Bosco-Schule

in Recke könnte esauch kürzer fassen:

Arbeit hat für behinderteMenschen denselben

Stellenwert wie für nicht Behinderte.

Nur, dass es für Behinderte weit schwerer

ist, einen angemessenen Job zu finden.

Auch wenn man eine Unterbringung

der Menschen

mit Behinderungen im ersten

Arbeitsmarkt anstrebe, könne man sie

mit viel Hilfeund Geld nichtimmer integrieren,

erklärt Frank Tafertshofer, Leiter

der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

beim Landschaftsverband

Westfalen-Lippe

(LWL). Er erinnert

daran, dass

die Arbeitswelt

sich in den letzten

Jahren stark verändert

habe. „Den

blinden Telefonisten

und den

Mann, der den ganzen Tagden Hof fegt,

gibt es heutenicht mehr“, machtTafertshofer

deutlich.

Vor diesem Hintergrund sind die Ledder

Werkstätten noch viel wichtiger, als es

die blanke Zahl der 1250 Beschäftigten

erahnen lässt.

Wie schafft man Arbeit für Behinderte?

Indem man sich auf vielen Feldern seine

Nische sucht –ausgehend davon, wasdie

Mitarbeiter können. Deshalb sind die

Ledder Werkstätten Hersteller, Händler,

Dienstleister und Zulieferer zugleich:

Hier werden Bierkisten für eine Emsdettener

Privatbrauerei gezimmert.

Hier wird

K-Lumet, Recycling-Feueranzünder

Pfiffige Idee: Der Anzünder aus den Ledder

Werkstätten

für den Badhersteller Kaldewei produziert.

In den beiden „Samocca“-Cafés in Lengerich

und Saerbeck sorgen –natürlich –

behinderte Menschen für den Service.

Zum frisch gerösteten Kaffee und zu

den Bagels gibt’s die freundlich-familiäre

Atmosphäre gratis dazu. Und als

Dienstleister für die Logistik spielen die

Ledder Werkstätten Vorteile aus, die

hochautomatisierte Logistikzentren

nicht mehr bieten können –etwa

beim Abpacken. „Flexibilität und

Manpower“,

sagt

Birgoleit.

„Wir können

zum

Beispiel garantieren,

dass wir eine sechsstellige

Zahl von Flaschen fristgerecht

abpacken“.

Ein ganzer Bauchladen unterschiedlicher

Tätigkeiten. Birgoleit

spricht lieber von „Vollsortimenter“

und kann auch auf eine

beeindruckende Auftraggeberlistevon

Aldi bis Kaldeweiverweisen

sowie auf einen Umsatz von über 40

Millionen Euro imJahr. „Über Aufträge,

Steuern usw. geht vieles, das hier rein-

34 000 ARBEITSPLÄT

Nach Angaben des Landsc

bandes arbeiten in Westfa

rund 41 500 Menschen mi

rungen auf insgesamt kna

Plätzen in 60 anerkannten

stätten. Für 35100 von ih

der LWL rund 535 Millione

im Jahr für Werkstattmaß

inklusive Nebenkosten (So

cherung) und Fahrtkosten

fließt, zurück indie Region

goleit. „Wir sind hier ein W

tor.“ Aber: „In der Privatwi

vieles undenkbar, was wir

sich Birgoleit bewusst, dass

land mit der Unterhaltung d

2500 Werkstattstandortemi

zen für 300 000 Menschen

rung viel leistet.

Die Ledder bleiben ständig a

nach neuen Aufgaben und

„Über Aufträge, Steuern

vieles, das hier reinfließ

in die Region. Wir sind

Wirtschaftsfaktor.“

Jörg Birgoleit, Sprecher der Ledder

wird mit einem Designer e

grill entwickelt: klein zusa

bar.Aber dieses Projekt sche

viele Arbeiten wie das Zus

Metalls nicht in den Werkst

werden konnten.

Die Idee für K-Lumet® hat ü

LeWe-Geschäftsführer Ral

aus der Schweiz mitgebrach

der Sozialpädagoge Ruedi

die Grundidee für die zum A

bündelten Holzstäbchen en

zündende Idee kambeim Es

blick vonBohnen im Speckm

schen haben die Ledder d

Deutschland. Dietl


&BETRIEBE

13

„Sonst wäre es noch

schlimmer ausgegangen“

Für Heiner Kartlüke sind die Ledder Werkstätten ein Glücksfall

Fotos: Dietlind Ellerich

Es geschah ausheiteremHimmel, am

3. Februar 1999, währendder Arbeit.

Heiner Kartlüke fiel nach vorne, lag

bewusstlos auf dem Boden. Der damals

41-jährige selbstständige

Handwerksmeisterhatte Glück,dass

er nicht alleine im Keller des Supermarkteswar,ein

Monteursofort den

Rettungsdienst verständigte. „Sonst

wäre es noch schlimmer ausgegangen“,

sind sich Heiner Kartlüke, seine

Ehefrau Conny und seine Mutter

Herta bewusst. Ein Aortenaneurysma,

eine Ausbuchtung der Hauptschlagader,

war geplatzt.

Vi Vele Wochen lag Heiner Kartlüke

imkünstlichen Koma,

Monate war er in der Reha

und Anschlussheilbehandlung.

Das volle Programm

mit Logopädie, Ergotherapie, fast ein

ganzes Jahr in Kliniken, laufen, sprechen,

schreiben lernen. Und immer in der Gewissheit,

dass fast nichts mehr so sein

wird, wie es einmal war.

Seine beiden Meisterbriefe imFlur erinnern

an die Zeit, als alles noch in Ordnung

war. Heuteist der Westerkappelner

Frührentner. Seinen Beruf als Gas- und

Wasser-Installateur und als Zentralheizungs-

und Lüftungsbauer kann er nicht

mehr ausüben.

Schmerzhaft für Heiner Kartlüke: Auch

die unmittelbar bevorstehende Beförderung

zum Wehrführer der Freiwilligen

Feuerwehr im Ort muss er ad acta legen.

Zu Hause in Westerkappeln sorgen sich

die Frauen nicht nur um den Ehemann

und den Sohn, sie bringen die Baustelle

an einer Grundschule zu Ende, wickeln

die Werkstatt ab, die Heiner KartlükeAnfang

der 1980er Jahre von seinem Vater

übernommen hat.

Als er Ende des Jahres wieder zu Hause

ist, versuchen alle, das Besteaus der Situation

zu machen. KartlükehilftimHaushaltswarengeschäft,

das die Familie seit

Generationen führt. Er mischt mit, ist immer

dabei und dennoch unzufrieden.

Ihm fällt die Decke auf den Kopf, er will

raus, arbeiten, unter Menschen.

Der erste Kontakt mit den Ledder Werkstätten

erfolgt erst ein paar Jahre später

und zu Hause. Conny Kartlüke will zunächst

nicht recht, hat das Gefühl, sie

schiebe ihren Mann ab. Heuteist sie froh,

dass sie gemeinsam den Schritt gewagt

haben. Denn der heute 57-Jährige fühlt

sich in seinem Job in Ibbenbüren pudelwohl

und ist sogar im Metier geblieben.

Er packt Ausläufefür Boiler um, montiert

Gelenkrohrschellen und Schrauben, faltet

Kartons und trennt Müll. Vor allem

freut er sich, dass er gebraucht wird.

„Wir sind froh, dass wir Heiner haben. Er

hat Spaß an der Arbeit, immer einen netten

Spruch auf Lager und ist immer gut

gelaunt“, beschreibt Konrad Licher,Fachkraft

zur Arbeits- und Berufsförderung

Bei der Arbeit: Heiner Kartlüke ist froh darüber, dass erwieder

einer Tätigkeit nachgehen kann.

Foto: Dietlind Ellerich

bei den Ledder Werkstätten, die Winwin-Situation.

Am späten Nachmittagbringt der Werksverkehr

Heiner Kartlüke wieder nach

Hause. Seine Ankunft kündigt er durch

einen Pfiff an, er schaut die Post durch,

fragt nach Neuigkeiten, hilft ein wenig im

Geschäft. Wie ein ganz normaler Arbeitnehmer

nach Feierabend.

Dietlind Ellerich

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„Passgenau“

Wie ein Förderschullehrer die Ledder Werkstätten sieht

Förderschüler auf den allgemeinen

Arbeitsmarkt zu vermitteln,

gelingt eher selten.

Wirsprachen mit LudgerGroße

Vogelsang, Förderschullehrer

und Studien- und Berufsorientierungskoordinator

an der Don-Bosco-

Schule in Recke.

Welche Bedeutung haben die Ledder

Werkstätten und andere gemeinnützige

Einrichtungen für diese Menschen?

Große Vogelsang: Nach der UN-Konvention

von 2009 hat jeder Mensch das

Recht, im Rahmen seiner eigenen Bedürfnisse,

Fähigkeiten und Begabungen

am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Das beinhaltet auch die Teilnahme

am Arbeitsleben. Die Ledder Werkstätten

Ludger Große Vogelsang, Förderschullehrer

und Studien- und Berufsorientierungskoordinator

ander Don-Bosco-Schule in

Recke.

Foto: Dietlind Ellerich

bietet allen Förderschülern der Don-Bosco-Schule

einen Arbeitsplatz an, der

passgenau auf sie zugeschnitten wird.

Durch die gute Zusammenarbeit zwischen

den Ledder Werkstätten und der

Don-Bosco-Schule werden unsere Schüler

sehr gut auf ihren späteren Arbeitsplatz

vorbereitet, sodass die Ledder

Werkstätten von unseren Schülern und

deren Eltern als guter, verlässlicher und

sicherer Arbeitgeber angesehen werden.

Welchen Stellenwert hat ein Job für

einen Menschen mit einer Behinderung?

Große Vogelsang: Meiner Meinung

nach den gleichen Stellenwert wie für

einen Menschenohne Behinderung. Woran

denken wir,wenn wir an unseren Job

denken? Geld, Spaß, Verantwortung, das

Gefühl, gebraucht zu werden, Selbstverwirklichung,

Kollegen, Vorsorge fürs Alter,

Normalität, Tagesstruktur.

Rechtfertigt das die hohen Subventionen,

mitdenen diese Arbeitsplätze

bezuschusst werden?

Große Vogelsang: Auf jeden Fall. Anders

lässt sich ein Arbeitsplatz, der passgenau

auf die besonderen Bedürfnisse

zugeschnitten ist, nicht realisieren.

Wie viele Jugendliche werden 2015

aus Ihrer Schule entlassen und treten

einen Job bei den Ledder Werkstätten

an?

Große Vogelsang: Die Don-Bosco-

Schule wird imSommer voraussichtlich

elf Schüler entlassen. Sieben werden eine

Arbeit bei den Ledder Werkstätten oder

in einer anderen gemeinnützigen Einrichtung

aufnehmen. Die anderen vier

werden voraussichtlich einen Arbeitsplatz

auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

bekommen.

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14 BRANCHEN &BETRIEBE

Mit Business-Tourismus auf

dem Weg indie Zukunft

Warum Grothues-Potthoff nach fast 800-jähriger Hof- und Familiengeschichte auf

das Tagungsgeschäft setzt: Hotelpläne für Senden schlummerten lange in der Schublade.

Barocke Wucht auf Erdbeer-Acker:

Was von außen anmutet wie kleines

Schloss Nordkirchen in modern, ragt

in ein ausgedehntes Sendener Wohngebiet.

Ein Hotel, geschaffen auf

einemHof, dessen Familientradition

sich fast 800 Jahre zurückverfolgen

lässt. Eine Großinvestition –und ein

unternehmerisches Wagnis.

„Wir rechnen mit einer Einführungsphase

von zwei Jahren.“

Die Bauarbeiter setzen für

das neue Grothues-Potthoff-Hotel

zum Endspurt

an, denn noch sind erst 30

der 60 Zimmer fertig: „Am

ersten Maiwochenende sind wir komplett

ausgebucht“, berichtet Geschäftsführer

Elmar Grothues. Für die gerade angelaufene

Bankentagung reichten so gerade

die Zimmer im ersten Stock. „Und wenn

die Technik noch Anfangsschwierigkeiten

macht und das WLAN ausfällt, sind

zum Glück die Experten noch im Haus

und können das beheben“, erzählt Grothues

von den ersten

Hoteltagen

unter Betriebstemperatur.

Ab Mai dann auf

5555 Quadratme-

Elmar Grothues, Geschäftsführer

tern Nettogeschossfläche

dominiert

moderne

Schlichtheit den Innenbereich. „Die Farben

der Region sollen sich im Raumkonzept

widerspiegeln“, erklärt Elmar Grothues.

An den Architekten stellte der Juniorchef

des Familienunternehmen vor

allem die Bedingung: „Das Hotel muss

sich architektonisch trotz der Größe in

den Rest des Hofes mit Hofcafé und -laden

einfügen und dessen Strukturen aufnehmen.“

Hier konnte Architekt Eckhard Scholz

Ideen seines Vaters Adolf Scholz aufnehmen,

der schon 2006 am Hotelkonzept

mitarbeitete: Als Abschlussarbeit vonPia

Tekaat, Schwester des Juniorchefs, zur

Hotelfach-Betriebswirtin konzipiert,

schlummerten die Pläne über Jahreinder

Schublade. Und wurden nicht nur vor

In der Startphase: Von außen mutet das Hofhotel ein wenig wie ein barockes Schloss an.

Baubeginn,sondern auch seit dem ersten

Spatenstich oft durch den Familienrat –

die Eltern Grothues und die vier erwachsenen

Kinder mit Ehepartnern –über den

Haufen geworfen.

Die größte Steigerungsrate und damit

unternehmerische Chancen sehen die

Sendener im Business-Tourismus: Die

Ausrichtung änderte sich während der

Bauzeit vom Tourismus-/Wellness- zum

Tagungshotel: „80 Prozent der Anfragen

sind von Firmen, die hier tagen wollen“,

bilanziert der 31-jährige Elmar Grothues

die erste Buchungswelle. 350 Quadratmeter

ist der Tagungs- und Bankettsaal

groß, lässt sich in drei Räume trennen mit

einer Maximalbestuhlung von 200 Plätzen.

Auch das gastronomische Konzept hat

die Familie während der 19-monatigen

Bauphase neu überdacht und das Restaurant

ins Hotel integriert. „Der Wellnessbereich

ist auch noch nicht fertig, aber

wir sind zuversichtlich, im Herbst das

ganze Hotel nutzen zu können“, blickt

Grothues in die nahe Zukunft.

Zehn Vollzeitkräfte und etliche Aushilfskräftesollen

sich um das Wohl der Gäste

kümmern. Am Wochenende setzt das

Haus auf Radtouristen und Wochenendurlauber.

Laut Einschätzung des Juniorchefs

liegt der Beherbergungsbetrieb im

Vier-Sterne-Bereich; auf eine Zertifizierung

durch die Dehoga(Deutscher Hotelund

Gaststättenverband) legt Grothues

keinen Wert.

Darüber, wie stark das Haus ausgelastet

sein wird, will er nicht spekulieren: „Wir

rechnen mit einer Einführungsphase von

zwei Jahren.“ Ob sich das Unternehmen

Grothues-Potthoff, dessen Hof- und Familiengeschichte

sich bis 1253 zurückverfolgen

lässt, mit der Millionen-Entscheidung

wohlfühlt, hängt von der Akzeptanz

ab. Die mit Abstand größte Investition

in der Firmengeschichte bleibt

für Elmar Grothues deshalb „ein unternehmerisches

Wagnis“.Maike Harhues

Foto: Maike Harhues

Marketingpaket im Gepäck

Münster bemüht sich aus vielen Gründen intensiv um Tagungs- und Kongress-Gäste.

Tagungen und Kongresse sind gefragt.

Städte wetteifern darum. Foto: dpa

GHat sie die Sekretärin auf ihrer Seite,

hat sie praktisch schon gewonnen:

Petra Panske weiß, wer die Fäden

in der Hand hat, wenn es um

Kongressorganisation geht. „Die offizielle

und fachliche Gastgeberrolle

füllt natürlich der Chef aus, aber den

eigentlichen Hauptjob hinter den

Kulissen macht doch die persönliche

Assistentin“, ist sich die Bereichsleiterin

Touristik und Kongressmarketing

der Stadt sicher.

Deshalb sind sie ein Klientel,

das besonders gepflegt

und mit Wertschätzung

verwöhnt wird: Regelmäßig

veranstaltet Panske

kleinere Events, bei denen nicht nur die

neuesten Tagungsideen vorgestellt werden,

sondern auch Kontaktpflege betrieben

wird: „Bei einer Tagung von Sportwissenschaftlern

war inden Pausenzeiten

Sight-Jogging der Renner. Auch

unser Angebot, Grün zu tagen, steht hoch

im Kurs“, weiß Panske. Es stehe Firmen

wie Wissenschaftlern einfach gut zu Gesicht,

großen Wert auf Nachhaltigkeit

und Umweltschutz zu legen. Das betrifft

nicht nur die umweltfreundlichereAnreise

mit der Bahn statt dem Flieger, sondern

zieht sich durch alle Bereiche der

Veranstaltung: Gekocht wird aus regionalen

Zutaten, die Teilnehmer bekommen

ein Busticket, um vom Veranstaltungsort

zum Hotel oder den Freizeitevents

zu kommen und selbst der

Schreibblock im Hotel ist aus recyceltem

Papier. Zusammen mit ihren drei Mitarbeiterinnen

trimmt Panske viele der

rund 200 Events auf Nachhaltigkeit, Tendenz

steigend.

Knapp 35 000 Teilnehmer gilt es bei

mehrtägigen Tagungen im Jahr unterzubringen:

„Wir können die Hotels in Münsterdirekt

online abfragen. Wenn alles belegt

ist, buchen wir rund um Münster,

aber wir sind auch schon bis Osnabrück

und Dortmund gegangen“, berichtet die

Kongressexpertin.

Müssen also weitereHotelneubauten her,

um diese Spitzen abzufangen? „Der

Markt ist gesättigt. Jedes neue Hotel verschärft

den Verdrängungswettbewerb“,

ist Hendrik Eggert, Dehoga-Kreisversitzender

in Münster,sich sicher.Unabhängig

vom Engagement der Kongressinitiative

gilt für seinen eigenen Betrieb als

Unternehmens-Tagungsstätte: „Die persönliche

Betreuung der Gäste, immer

wieder Investitionen in modernstes technische

Equipment und die Garantie von

Störungsfreiheit und Ruhe sind sehr

wichtige Voraussetzungen, dass die Firma

die nächsteVeranstaltung wieder mit

uns plant.“

Etwa20Prozent des Jahresumsatzes des

Ringhotels Landhaus Eggert in Münster-

Handorf macht das Tagesgeschäft aus.

Als neuer Trend gefragt sind Teambuilding-Aktivitäten

für die Pausenzeiten,

die das Hotel für die Tagungsteilnehmer

organisiert wie Bogenschießen oder Paddeln

auf der Werse. Teilweise planen die

Veranstalter ein Jahr im Voraus, manchmal

aber auch nur wenige Wochen.

Im Kongressbüro werden Termine bis zu

fünf Jahre vorher angefragt. Als einen

Grund für den Erfolg sieht Panske die

ausgeprägte Willkommenskultur der

Westfalenmetropole: „In Münster ist der

Kongress die Münster-Tagung mit Bürgermeisterempfang

im Friedenssaal –in

Hamburg oder München wäre der Kongress

vielleicht nur einer von vielen.“

Hauptsache, es wirdMünster.Und wenn

nicht Münster,dann zumindest Münsterland:

„Wie eine Art Drückerkolonne reisen

wir mit einem Marketingpaket inklusiveMünster-Film

im Gepäck vonTagung

zu Tagung, um im nächsten oder übernächsten

Jahr Gastgeber zu sein“, berichtet

Petra Panske.

Sie ist sich nicht nur der Strahlkraft der

vielen meist internationalen Kongresse,

sondern auch des Wirtschaftsfaktors bewusst.

Petra Panskelässt die Zahlen sprechen:

Laut Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen

Institutes für

Fremdenverkehr der Universität München

lässt jeder Tagesgast etwa 37,80

Euro inMünster, jeder Übernachtungsgast

166 Euro. Bedeutet für die von

Münster Marketing in 2013 betreuten

Kongresse eine Summe von gut zwölf

Millionen Euro, 800 000 Euro mehr als

im Vorjahr.

ma


BRANCHEN &BETRIEBE 15

„Wir sind Bosch –wir

sind nicht nur Bosch“

Starke Marken fallen nicht vom Himmel. BVMW gibt beim Marketing- und Media-Meeting Tipps.

Frontalunterricht, Zahlen, Diagramme?

Von wegen. Enzo Vincenzo Prisco

brennt ein Feuerwerk ab, rennt

im Raum auf und ab, hält Blickkontakt

mit dem Publikum, ruft den

Menschen zu: „Wer kenntmich? Wer

kennt mich nicht? – Wer hat jetzt

schon keinen Bock mehr?“ Gelächter.

Aber: Kontaktaufnahme gelungen.

Prisco, orange von der Brille bis

zu den Schuhen, hat sich gerade

selbst als „Marke“ platziert.

„Seien Sie anders, seien

Sie konkret.“

Christoph Sauerland

Mehr als 100Teilnehmer

erreicht Prisco damit

beim 4. Marketing- und

Media-Meeting. Der

Bundesverband mittelständische

Wirtschaft (BVMW) Kreis

Steinfurt und Nordwestmünsterland und

mehrere Partner, die ins Kommunikationszentrum

der Kreissparkasse Steinfurt

geladen haben, können zufrieden

sein. Schließlich will man zeigen, was

„Identitätsmarketing“

ist, wie gutes

Image eine

starke Marke befördert.

Fünf Referenten

beschreiben auf

individuelle Art,

wie die Identitätsfindung

eines Unternehmens funktionieren

und sich eine starkeMarkeentwickeln

kann. „Sparkasse –eine Marke, die

lebt“ ist zum Beispiel der Vortrag von

Markus Bischoff-Wittrock, Leiter Unternehmenskommunikation

im Vorstandsstab

der Kreissparkasse Steinfurt, überschrieben.

Für Prisco emotionalisiert die Sparkasse.

Generationen kennen den Jingle, können

einen Satz vervollständigen: „Wenn´s

um Geld geht ... Das ist das Pfund, mit

dem die Sparkasse wuchern kann.“

Werkzeuge für den Alltag sind gefragt.

Wiekann man das Vertrauen bei Kunden,

Lieferanten, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit

gewinnen oder wiedererlangen?

Nach einer kurzen Begrüßung durch

Günter Rohlmann vom BVMW befasst

sich Christoph Sauerland, kreativer Kopf

der Werbeagentur „Husare“ aus Emsdetten,

mit „Dem guten Ruf...“. Das Fremdbild

kann Fluch und Segen sein.

Viele Firmen, so Sauerland, seien dem

Irrtum erlegen, das Drucken einer guten

Imagebroschüre allein würde zu einem

guten Imageverhelfen: „Wenn das so wäre,

würde ich heute noch Drucker werden.“

Sein Credo: „Vertrauen ist hartnäckig,

seien Sie anders, seien Sie konkret“.

Nach ihm spinnen Markus Weber, Geschäftsführer

der Agentur „W+Die Markenpflanzer“aus

Stadtlohn, sowie Fabian

Roberg, Geschäftsführer der Coler GmbH

&CoKGaus Münster, mit ihren Vorträgen

zum Thema „Vom guten Namen zur

Orange waren nicht nur Brille und Jacke, selbst beim Laptop setzte

Enzo V.Prisco den Farbakzent der eigenen Marke.

Marken-Kenner: (v.l.). Enzo V.Prisco, Christoph Sauerland, Günter Rohlmann (BVMW), Markus Weber und Markus Bischoff-Wittrock.

starken Marke“ den Faden weiter.Weber

spricht von„Marke“ („Von Marken haben

wir ein bestimmtes Bild im Kopf, bei Audi

z.B. arbeiten Geruchsingenieure nur daran,

wie ein neues Auto riechen soll“) und

„gutem Namen“ („Wer einen guten Namen

hat, braucht nicht unbedingt viel in

ein Logo zu investieren“). Hierbei unterscheidet

Weber zwischen großen Marken

mit hohem Bekanntheitsgrad und dem

kleinen, gut geführten Betrieb, wie beispielsweise

dem „Friseursalon von

nebenan“. Bei den „großen“ Marken erzeuge

allein das Logo eine „bestimmtes

Vorstellungsbild“ in den Köpfen der Kunden

und beeinflusse so das Wahlverhalten.

Fabian Roberg zeigt am Beispiel der Firma

Coler wie die Verknüpfung mit einem

Markennamen, in diesem Fall Bosch,

Fluch und Segen sein kann. Wasseit Entstehung

des Betriebes 1924 in den Köpfender

Kunden verankert und langeZeit

„eine Erfolgsstory“ war, wurde irgendwann

zur Fußfessel. Robergs Erkenntnis:

„Die Reduktion vonColer auf Bosch schadet.“

Doch die neue Markenaussage „Wir sind

Bosch“ neben „Wir sind nicht nur Bosch“,

zu etablieren, wareine Herausforderung.

Roberg: „Ein Drahtseilakt. Bosch fragte,

wie könnt ihr sagen, ihr seid Bosch. Die

Kunden fragten, wie könnt ihr sagen, ihr

seid nicht mehr Bosch?“ Eine neue

Image-Broschüre musste her, neue Niederlassungen

trugen den Schriftzug „Coler“

deutlicher als vorher, doch dem ursprünglichen

Schriftzug von 1924 mit

dem Blitz als Symbol blieb man treu.

Die Metamorphose dauert an. Roberg:

„Das ist für alle ein großes Experiment.

Bis Sie das zu ihren Kunden transportiert

haben, das dauert.“

Als Prisco mit dem Beamer Animationen

mit Comic-Held „Bart Simpson“ zeigt,

tauschen manche im Raum verstohlene

Blickeund fragten sich womöglich, ob sie

noch auf der richtigen Veranstaltung seien.

Doch mit den dann eingeblendeten

Sätzen „Ideen für das Auge. Ideen mit

durchbrechender Wirkung. Ideen für den

Bauch“ wird die Sache klar. Prisco zeigt

die „Die Kraft der Marke“.

„Ich weiß, dass mein Name für Sex und

Kreativität steht. Da habe ich Vorsprung

einem Norbert gegenüber.“ Frage ans

Publikum: „Haben Sie den richtigen Namen

für Ihr Unternehmen? Hinter einem

Namen stehen Menschen.“

Bei allem Spaß bläut er dem Publikum

immer wieder ein, worum es geht. Die Erfolgreichen

am Markt „penetrieren und

emotionalisieren“. Denn: „Es gibt kein Alleinstellungsmerkmal,

das ein anderer

nicht hat.“ Nicole Degutsch

ENZO V.PRISCO

Enzo Vincenzo Prisco ist Honorarprofessor für Kommunikationsdesign und Designmanager.

Erberät große wie auch mittelständische, Werbung treibende

Unternehmen bei ihrer Markenkommunikation. Seit 2000 erstellt er Kreativ-

Konzeptionen. Geschätzt für seine Kreativität und Kommunikationskenntnis leitete

er bei diversen Unternehmen Kreativ-Trainings zur Ideen-, Kampagnenund

Markenentwicklung. Darüber hinaus referiert erfür die Direkt Marketing

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16 BRANCHEN &BETRIEBE

Farbenspiel: Das Entwicklungs- und Schulungszentrum der DEOS AG in Rheine wird dank moderner Haus- und LED-Technik abends in ein rötliches Licht getaucht

Viel mehr als eine Spielerei

Bei der DEOS AG in Rheine sucht man das Optimum für die Energie- und Haustechnik.

Gebäude-Automation ist heute vor allem intelligente Vernetzung.

„Bei der Energiewende ist die

Gebäudeautomation eine Schlüsseltechnologie“

Stefan Plüth, Geschäftsführer der DEOS AG

Das Gespräch mit Stefan Plüth beginnt

still. Denn der Vorstandsvorsitzende

der DEOS AG zieht erst einmal

sein Smartphone aus dem Jackett.

Sekunden später ändert sich die Atmosphäre

im Raum –und dies liegt

am Licht: Das angenehme Rot ist

plötzlich einem kalten Blau gewichen.

Stefan Plüth stellt die Lichtsteuerung

über sein Telefon wieder

auf Automatik. Dann kann das Gespräch

beginnen.

Die DEOS AG mit Sitz in

Rheine entwickelt und

produziert Technik zur Gebäudeautomatisierung.

Im

Gespräch wirdesumintelligente

Gebäude gehen und darum, was

die Technik heutezuleisten imstande ist.

Die Demonstration der Lichtsteuerung –

in diesem Fall eine „Spielerei“ –hat einen

sehr ernsthaften

Hintergrund.

Die steuerbaren

LED-Leuchten

finden sich im

gesamten Gebäude

und sie

bilden das Temperaturspektrum

des Lichts

über den Tagab

–automatisch ist

die Beleuchtung

morgens rötlicher,

mittags

eher ins Blaue

gehend, abends

wird sie wieder

rötlich, an jedem

Arbeitsplatz.

„Wie das Sonnenlicht im Tagesverlauf“,

sagt StefanPlüth. Diese Anpassung

des Lichts an die Außenwelt wirke sich

positiv auf das Wohlbefinden und die

Leistung der Mitarbeiter aus. Ein erster

Eindruck dessen, wasdie Technik am Firmensitz

der DEOS AG, eines der nach

Unternehmensangaben „energieeffizientesten

Gebäude Europas“, leisten kann.

70 Mitarbeiter arbeiten in dem 2500

Quadratmeter großen Büro- und Schulungszentrum,

das im August 2014 eröffnet

wurde. Kälte, Wärme, Strom und

Gläsern ist der Haustechnikraum in der DEOS-Zentrale. Im Bild

sind Kältegeräte zusehen.

Fotos: DEOS AG

Licht –all dies regelt das Haus weitgehend

selbstständig. Die Technik dahinter

kann jeder Besucher im gläsernen Haustechnikraum

betrachten. Direkt neben

dem Haupteingang stehen die Kältegeräte

und die Pelletheizung hinter Glas, Lüftungsrohre

laufen dort entlang – nichts

davon ist eine Sonderanfertigung. Aber

die handelsübliche Technik ist intelligent

vernetzt. Denn neben Sicherheit und

Komfort geht es bei der Gebäudeautomation

um das intelligenteEnergie-Management.

Der Technikeinsatz soll Kosten sparen

und die Umwelt schonen. „Bei der

Energiewende ist die Gebäudeautomation

eine Schlüsseltechnologie“, sagt Stefan

Plüth.

Gebäudetechnik hat in seiner Familie

schon eine lange Tradition. Klaus Plüth

gründete die Firma 1967 als Handelsunternehmen

im Bereich Heizungsausrüstung.

2002 wurde es in DEOS AG umbenannt

und als Innovations- und Technologieunternehmen

der Gebäudeautomation

neu aufgestellt. 2003 übernahm

Stefan Plüth die Leitung. „Die Energieverbräuche

zu steuern, ist heute unsere

primäre Aufgabe“, sagt Plüth.

An einem Tablet neben der Tür demonstriert

er,wie ein intelligentes Lüftungssystem

funktioniert. Die Geräte hängen in

der Firmenzentrale in jedem Raum. Eine

Grafik zeigt den Ist-Zustand an: die Temperatur

im Raum, die relative Luftfeuchte,

den CO ²

-Gehalt in ppm (= parts per

million) und das Luftvolumen, das stündlich

aus der Wand rauscht. Über die Decke

wird die Luft wieder abgesaugt.

Mindestens 25 Kubikmeter Frischluft pro

Stunde und Person im Raum sollen es

sein, damit der CO ²

-Gehalt unter 1000

ppm bleibt und die vonden Menschen im

Raum abgegebenen Stoffe, die Müdigkeit

und Befindlichkeitsstörungen verursachen

können, abgeführt werden. „Wir

fahrenaktuell Versuche im Haus und peilen

500 ppm im Raum an. Das ist aber

heute fast unmöglich aufgrund des Klimawandels.

Da haben wir schon draußen

in der Luft um 500 ppm“, erläutert der

DEOS-Geschäftsführer.

Die intelligente Gebäudetechnik, die in

Rheine entwickelt und produziert wird,

steckt unter anderem im Tower des

Frankfurter Flughafens, im Roten Rathaus

in Berlin und im Rock-und-Pop-Museum

in Gronau. Bedingt durch den Klimawandel

und die hohen Energiepreise

werden immer mehr Gebäude automatisiert,

nicht nur Neubauten.

Für Stefan Plüth, dessen Unternehmen

fast ausschließlich größere Liegenschaften

ausrüstet, ist dieser Schritt nur logisch.

Schließlich sei die Haustechnik inzwischen

reichlich komplex, da hielten

sich die Zusatzkosten für die Automatisierung

in Grenzen. „Für größereGebäude

gibt es immer mindestens einen Elektroplaner

und einen Planer für Heizung

und Sanitär.Indem Moment ist dann die

Mess-, Steuer- und Regelungstechnik

nicht mehr deutlich teurer.Denn die heutigen

Anlagen laufen nicht mehr ohne“,

sagt Plüth. So könne man erhebliche

Mengen Energie einsparen.

Zum Beispiel, indem Räume nur dann geheizt

oder gekühlt werden, wenn sie benutzt

werden. „Es sind immer mindestens

30 Prozent, die eingespart werden können

–und es geht hoch bis über 70 Prozent“,

berichtet Plüth.

Gebäudeautomation ist heute vor allem

Vernetzung. Das sogenannte Bussystem

lässt sich an fastjede Schnittstelle anbinden.

Bei der DEOS AG kennt die Haustechnik

zum Beispiel alle Terminkalender.

Wenn ein Mitarbeiter zwei Wochen

im Urlaub ist, wird die Energieversorgung

an dessen Arbeitsplatz automatisch

auf ein Minimum heruntergefahren.

In vielen Gebäuden ist dies noch anders.

Jahrzehntelang wurde Haustechnik

überdimensioniert geplant. „Vieles ist

dort noch heute für Extremfälle ausgelegt,

zum Beispiel Heizungen für Temperaturen

bis minus 30 Grad“, sagt Plüth.

„Dies ist so, als wenn man mit einem Auto

mit 1000 PS herumfährt.“

Mit der Gebäudeautomation wird diese

Leistung intelligent gedrosselt. Ohne

dass der Fahrer davon etwas merkt.

Engelbert Hagemeyer

DEOS AG –EINE CHRONIK

1967 –Klaus Plüth gründet das Unternehmen Plüth Energietechnik GmbH als

reines Handelsunternehmen im Bereich Heizungsausrüstung.

1986 –Beginn der Entwicklung des ersten frei programmierbaren, modular aufgebauten

Systems.

1996 –Einführung der ersten vorprogrammierten Kompaktregler.

2002 –Übergabe der Firma an Stefan Plüth. Fokussierung auf Innovation und

die Technologieführerschaft.

2003 –Einführung der Automationsstationen der Open-Reihe.

2007 –Gründung der Holding DEOS AG und Umfirmierung der Plüth Regelsysteme

GmbH zu DEOS control systems GmbH.

2008 –Gründung der DEOS AG Schweiz sowie DEOS Australien.

2010 –Einweihung der SMD/SMT-Fertigung, eine der modernsten Fertigungsstraßen

ihrer Art inEuropa.

2012 –Fortsetzung der Internationalisierung der Firmengruppe durch die Gründung

der DEOS control systems Nederland B.V..

2014 –Vereinigung aller Unternehmen der Firmengruppe unter dem Dach der

DEOS AG. Einweihung des neuen Entwicklungs- und Schulungsgebäudes.


17 GELD &GESCHÄFT

Foto: Fotolia

FürAktien ist es nie zu spät

Auch bei Rekordkursen an der Frankfurter Börse lohnt es sich für Kleinanleger, über einen Einstieg

in Dividendenpapiere nachzudenken

OFFEN GESAGT

Neue Wege gehen

Zinsen auf Tages- und Festgeld zahlen

Banken derzeit kaum. Real, also

abzüglich der –wenn auch geringen

–Preissteigerung, verlieren Sparer jeden

TagGeld. Da liegt es nahe, nach

lukrativeren Anlageformen Ausschau

zu halten. Aktien könnten eine Alternative

sein, sie bringen meist eine Dividende

–und zusätzlich die Chance auf

Kursgewinne. Aber sie bergen auch die

Gefahr von Wertverlusten in sich.

Dieses Risiko scheuen die Kleinsparer

hierzulande. Weniger als 14 Prozent

der Bundesbürger haben ihr Geld in

Aktien oder Aktienfonds angelegt –im

internationalen Vergleich eine geringe

Quote. In Schweden beispielsweise besitzen

38 Prozent der Anleger Anteile

an Aktiengesellschaften.

Auch Finanzprofis sind stark an den

Gewinnchancen der Börsen interessiert.

Vor allem Papiere deutscher Unternehmen

sind gefragt, weil unter diesen

viele Konzerne sind, die auf dem Weltmarkt

hohe Erträge einfahren. So winken

den Aktionären mehr Dividende

und weitere Kurssteigerungen.

Doch bei 12 000 Punkten ist der Dax

bereits auf einem enormen Höhenflug.

Bei der Frage, ob bald noch weitere

Kursanstiege anstehen, sind sich die

Experten der Banken uneins. Gewaltige

Bewegungen in die eine oder andere

Richtung, so die einhellige Meinung,

sind kurzfristig eher unwahrscheinlich.

Zeit genug also, grundsätzlich über die

Aktie als Sparalternative nachzudenken.

Jürgen Stilling

Der Dax steht bei 12 000Punkten. Da

heißt es: Schnell aussteigen! Oder

etwa doch nicht? Vielleicht sogar

jetzt gerade die Aktie als neue Anlageform

entdecken?

Eine pauschale Antwort darauf

gibt es nicht. „Es kommt

darauf an“, sagt Gerrit Fey,

Leiter Kapitalmarktpolitik

des Deutschen Aktieninstituts

(DAI) in Frankfurt. Drei Voraussetzungen

müssen Fey zufolge erfüllt sein,

damit sich ein Einstieg auch bei vergleichsweise

hohem Kursniveau noch

lohnt:

Lange Perspektive: Das DAI empfiehlt

15 Jahre und mehr als Anlagehorizont

Breite Streuung: „Nicht alle Eier in

einen Korb legen“ –diese immer wieder

zu hörende Devise favorisiert auch

das Aktieninstitut. Gemeint ist eine

möglich breiteStreuung des Aktienengagements.

Kontinuität: Feyrät, den Einstieg in die

Aktie nicht abrupt zu vollziehen,sondern

das für das Börseninvestment vorgesehene

Kapital in mehreren Paketen–zeitlich

gestreckt –anzulegen. Bedeutet das umgekehrt

auch, dass sich trotz hoher Kurse

Gewinnmitnahmen

verbieten?

„Das hängt von

der Vermögensstruktur

ab“, sagt

Fey. Wenn der Aktienanteil

hoch

ist, könnten Teilverkäufe

sinnvoll

sein. „An Gewinnmitnahmen ist noch keiner

gestorben“, weiß der Kapitalmarktexperte.

Doch die Fragesei immer: Wo kann

ich das Geld alternativ anlegen?

Für ein Börseninvestment spricht nicht

nur, dass die Aktienkurse in den letzten

Monaten kräftig zugelegt haben. Auch

die Ausschüttungen –zumindest der 30

Dax-Unternehmen – hat ein Rekordniveau

erreicht. „Auf jeden Fall ist die Dividendenrendite

deutlich höher als die

Zinsen“, so Fey.

Doch Deutschlands Sparer halten sich

beim Aktienkauf traditionell zurück.

„An Gewinnmitnahmen ist

noch keiner gestorben.“

Gerrit Fey, Leiter Kapitalmarktpolitik

des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt

Nach einem kurzen Boom um die Jahrtausendwende,

als Schauspieler Manfred

Krug für die Telekom-Aktie warb, hat das

Dividendenpapier massiv an Beliebtheit

verloren. „Lediglich rund zehn Prozent

des gesamten privaten Geldvermögens

besteht hierzulande aus Aktien“, rechnete

jüngst DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan

Bielmeier vor. Im Jahr 2000, dem Jahr

des Telekom-Booms, gab esden Zahlen

des DAIzufolgeinDeutschland mehr als

6,2 Millionen Aktionäre (inklusive Inhabern

von Belegschaftsanteilen), im vergangenen

Jahr waren eslediglich noch

gut 4,1 Milliarden. „Das ist ein herber

Rückschlag für die Aktienkultur in

Deutschland“, wertete Christine Bortenlänger,

geschäftsführendes Vorstandsmitglied

beim DAI, die jüngste Vermögensstatistik.

Roland Klose, Aktienexperte der Deutschen

Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

(DSW), ist überzeugt: „Würde in

der Statistik nach Vermögensgröße der

einzelnen Haushalte unterschieden, wäre

ein Ergebnis mit Sicherheit, dass es insbesonderedie

großen Vermögen sind, die

ihr Geld an der Börse anlegen und damit

überproportional von Kurssteigerungen

und natürlich auch von Dividendenausschüttungen

profitieren.“ Und: Rund 64

Prozent der Anteile

an den Bör-

senschwerge-

wichten im Leitindex

Dax gehören

inzwischen ausländischen

Investoren.

Vorsichtige

Sparer gehen hingegenleer

aus –viele müssten wegender

Mini-Zinsen sogar reale Verlusteverkraften,

betont Klose.

Hinzu kommt: Eine Überhitzung des

deutschen Akteinmarkts gibt es trotz der

12 000 Dax-Punktenoch nicht. Das aktuelle

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der

Dax-Aktien liegt bei rund 14.Das heißt

die Wertpapiere werde mit dem 14-Fachen

ihres für das Jahr 2015 erwarteten

Netto-Gewinns bewertet. Im langjährigenDurchschnitt

–also bei Berücksichtigung

der vergangenen 30 Jahre–lag das

KGV bei 19.

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18 GELD &GESCHÄFT

Wie kann

man flüssig

bleiben?

Interne Liquiditätsreserven inder Firma

lassen sich auf verschiedene Art heben.

Firmen sollten ihre Prozesse so optimieren,

dass sich in Vorräten oder

Forderungen gebundenes Kapital

minimiert und sie jederzeit liquide

sind. Dadurch sichern sich Unternehmen

alternativ zum Bankkredit

die nötige Flexibilität für Investitionen

und Wachstum.

Um beweglich zu bleiben,

brauchen Unternehmen

Liquidität –sowie Fische

das Wasser oder Menschen

die Luft zum Atmen. Liquidität

ist nichts anderes als verfügbares

Kapital, mit dem investiert werden kann

oder Lieferanten bezahlt werden können.

Wer sie nicht hat, dem droht die Pleite.

„Um auf Dauer bestehen zu können, ist

eine guteLiquiditätsplanung überlebenswichtig“,

sagt Peter Schnieders, Geschäftsführer

der Unternehmensberatung

CPEM Consulting GmbH aus Lingen.

Schließlich nützen die tollste Geschäftsidee

oder das beste Produkt

nichts, wenn gar kein oder nur schleppend

Geld hereinkommt –oder das Kapital

im Lager oder in Forderungen gegenüber

Dritten gebunden ist, und damit zumindest

kurzfristig nicht zur Verfügung

steht. „Zum Beispiel im Metallbau ist das

Geschäft sehr schwankungsanfällig. Viele

Unternehmen verdienen beispielsweise

nur sieben bis acht MonateimJahr gut

Geld. Das muss dann reichen, um auch in

den restlichen Monaten kostendeckend

arbeiten zu können“, verdeutlicht

Schnieders. Nurwer seine Kosten und Bestände

unter Berücksichtigungder Saisonalität

ständig im Blick behalte könne

auch dann zahlungsfähig bleiben, wenn

es mal eng wird.

„Vordergründig geht es immer um Liquidität

und wie man diese gewinnt“, sagt

Professor Birgit Felden vomLehrstuhl für

Management KMU und Unternehmensnachfolge

der Hochschule für Wirtschaft

und Recht in Berlin, die als Vorstand der

TMS Unternehmensberatung AGinKöln

ihre Kunden auch über Tricks und Kniffs

berät, um liquide zu bleiben. „Das eigentliche

Thema aber sind Organisationsprozesse

in einem Unternehmen, die analysiert

und optimiert werden können“, sagt

sie. Da hätten viele Mittelständler noch

einen großen Beratungsbedarf.

Wenn Bestände, Forderungen und Verbindlichkeiten

effizient gesteuert werden

sollen, um Liquiditätslücken zu schließen,

sprechen Fachleute vom sogenannten

Working Capital Management. Die

betriebswirtschaftliche Kennzahl „Working

Capital“ beschreibt dabei die Differenz

zwischen kurzfristigem Vermögen

wie Lagerbeständen oder Forderungen

gegenüber Kunden –und kurzfristigen

Verbindlichkeiten –also etwa Forderungen,

die Lieferanten gegendas Unternehmen

haben. Diese Kennzahl gibt Aufschluss

über die Kapitalbindung eines

Unternehmens, aber auch über die Effizienz

seiner Betriebsabläufe. Ist sie jedoch

zu groß, setzt das Unternehmen

sein Kapital ineffizient ein. Denn zu viel

Kapital in Warenbeständen, Forderungen

und liquiden Mitteln erzielt nur geringe

Renditen, im Anlagevermögen könnte es

gegebenenfalls weitaus rentabler angelegt

sein.

„Working Capital Management ist eine

der wichtigsten Finanzierungsquellen für

Unternehmen, genauso wichtig wie eine

Bankfinanzierung“, betont Enno Kähler,

Experte für Existenzgründungen und

Unternehmensförderung. „Denn besser

kann eine Firma keine Liquidität schöpfen,

als wenn sie ihreProzesse optimiert.“

In der Tatist das Potenzial enorm: Einer

Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

PricewaterhouseCoopers zufolge

führt eine Optimierung des Working Capitals

im Schnitt zur Freisetzung von 20

bis 30 Prozent des gebundenen Kapitals.

Um interne Liquiditätsreserven zu heben,

setzt Working Capital Management

grundsätzlich an drei Stellen an: Erstens

wird das Volumen der Forderungen

gegenüber Dritten reduziert, zweitens

werden die Lagerbestände und damit die

notwendigen Kosten für die Lagerhaltung

heruntergefahren und drittens die

Lieferantenverbindlichkeiten erhöht. Das

heißt, dass das Unternehmen seinerseits

selbst Rechnungen erst so spät wie möglich

bezahlt.

Um vonseinen Kunden möglichst schnell

Geld zu bekommen, raten Experten wie

Schnieders dazu, zügig Rechnungen zu

schreiben und bereits nach kurzer Zeit zu

mahnen, sollteder Kunde mit seiner Zahlung

in Verzug geraten.

Ihr Lager können Unternehmen reduzieren,

indem sie nur so viel Material bevorraten,

wie sie für ihren Produktionsprozess

unbedingt brauchen. „Dazu gehört

auch der effiziente Einsatz von Material.

Also die Frage, wie viel Material im Vergleich

zum Branchendurchschnitt in der

Produktion verbraucht wird“, sagt

Schnieders. „Durch unrealistische Fertigungsplanung

sollten Unternehmen keine

unnötigen Bestände aufbauen, die sie

nicht zeitnah für die Produktion oder den

Verkauf benötigen“, rät er.

In der Automobilbranche beispielsweise

ist die so genannte Just-in-time-Lieferung

üblich. Dabei bestellt das Unternehmen

erforderliche Komponenten exakt

zu dem Zeitpunkt, zu dem sie in der Produktion

benötigt werden. „In diesem

Schritt steckt zweifellos das größte Optimierungspotenzial,

denn viele Unternehmen

haben zu viele Vorräte imLager liegen“,

sagt Professor Felden.

Allerdings müsse das Unternehmen darauf

achten, jederzeit lieferfähig zu sein.

Das Lager dürfe nicht so klein sein, dass

es im schlimmsten Fall zu Produktionsausfällen

komme. Das sei der Spagat, wie

flexibel ein Lager mindestens sein müsse

und aus betriebswirtschaftlicher Sicht

höchstens sein dürfe, ergänzt Schnieders.

Wer seine Lieferantenverbindlichkeiten

erhöhen möchte –also selbst Rechnungen

sospät wie möglich bezahlt –sollte

die Möglichkeiten mit seinen Lieferanten

aushandeln. „Um optimal einkaufen zu

können, sollte ein Unternehmen außerdem

verschiedene Bezugsquellen ins Auge

fassen“, sagt Schnieders. „Vom Einkauf

um die Kirchturmspitzeherum –also

immer beim Gleichen und Bekannten

–kann ich nur abraten.“

ph

Foto: colourbox.de

FINANZIERUNGSQUELLEN

–Leasing: Beim Leasing gehört dem Unternehmer eine

Fahrzeugflotte, Maschine oder Produktionshalle nicht

selbst, sondern er zahlt dem Eigentümer für die Nutzung

eine monatliche Gebühr.

–Factoring. Beim Factoring macht ein Unternehmen seine

Forderungen zu Geld, indem es sie an einen Dienstleister

verkauft. Dafür erhält essofort 80bis 90 Prozent des

ausstehenden Betrags. Damit kann es eigene Rechnungen

pünktlich begleichen, um Skonto zuziehen. Wenn der

Schuldner bezahlt hat, kommt der Rest abzüglich einer

Gebühr für den Dienstleister.

–Finetrading. Beim Finetrading übernimmt ein Dienstleister

für ein Unternehmen den Einkauf von Vorprodukten.

Der Dienstleister bezahlt fristgerecht, das Unternehmen

kann sich gegen eine Gebühr bis zu 120 Tage Zeit lassen,

ehe es seinerseits die Rechnung über die eingekauften

Vorprodukte beim Finetrader begleicht.

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GELD &GESCHÄFT 19

Im Zweifel für das Strafverfahren?

Steuerberaterkammer und -verband in Westfalen-Lippe wünschen sich von manchen Prüfern mehr Augenmaß:

Nicht beim kleinsten Verdacht schon den Vorsatz unterstellen. –Der Dialog hat begonnen.

Das Klima wird rauer, sagen Experten.

Sobald sich in Unterlagen oder

bei einer Außenprüfung ein Hinweis

findet, dass jemand seiner Pflicht als

Steuerzahler nicht zu 100 Prozent

nachkommt, droht Ungemach. Weil

der Erfolgsdruck groß ist und Prüfer

den Begriff des Anfangsverdachts

mitunter weit auslegen, leiten Finanzämter

vorschnell Steuerstrafverfahren

ein, die ausgehen wie das

sprichwörtliche Hornberger Schießen.

Dabei, so wissen Steuerberater,

ließen sich manche Fälle mit einer

Nachfrage klären.

Der Grat von der Steuererklärung

zum Steuerstrafverfahren

ist schmal –ein

provokanter Satz, der aus

Sicht der Steuerberaterkammer

und des Steuerberaterverbandes

Westfalen-Lippe aber die Realität beschreibt.

Denn immer wieder geraten Betriebe

und Privatleute unversehens ins

Visier der Finanzverwaltung. Fehlerhafte

Unterlagen, fehlende Dokumente– häufig

wird vorschnell Vorsatz unterstellt:

Da will jemand aktiv Steuern hinterziehen.

Der Anfangsverdacht reicht dann aus, um

ein Strafverfahren einzuleiten, selbst

wenn der ersteSchritt auf Vermutungen

und vagenAnhaltspunkten beruht. Kammer

und Verband kennen aus der

täglichen Praxis eine Fülle

von Beispielen. Immer

wieder hören sie von

Fällen, bei denen zwar

viel, aber im Ergebnis unnütz

gearbeitet wurde.

Beim betroffenen Steuerzahler

bleibt das Gefühl,

dass man ihn ungerechtfertigt

unter Druck gesetzt

hat.

„Wir wünschen uns

mehr Augenmaß. Mit

wenigen Nachfragen

wäre oft schon eine

Klärung des Sachverhalts

möglich“, sagt

Gottfried Wacker, Geschäftsführer

der

Steuerberaterkammer

Westfalen-Lippe.

Erst kürzlich luden

die Kammer und der

regionale Steuerberaterverband

gemeinsam

in die Halle

Münsterland ein, umeinmal offen die

Anforderungen an die Annahme eines

Anfangsverdachts zu diskutieren.

Die Steuerberater tagten aber nicht unter

sich. Vertreter der Oberfinanzdirektion

Prüfer nehmen es genau –doch manchmal wird der Bogen überspannt.

NRW und des Finanzgerichts Münster

warenganz Ohr,als Holger F. Högemann,

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Steuerstrafrecht,

aus der Praxis berichtete. TrätenUnklarheiten

auf, werdeseiner Erfahrung

nach von Seiten der Finanzverwaltung

zu rasch ein Steuerstrafverfahren

eingeleitet. „Das Vorgehen der Finanzämter

ist hier regional durchaus unterschiedlich

– mancher Mandat hat Glück

und kann nach Rückfrage seines Finanzamtes

einen Verdacht rasch aus der Welt

schaffen. Ein anderer wird jedoch sofort

unter einen strafrechtlichen Verdacht gestellt.“

Und die Folgen so eines Verfahrens sind

nicht ohne, weiß Gottfried Wacker und

erinnert an den Reputationsverlust des

Betroffenen. „Hier müsste mehr die Unschuldsvermutung

gelten.“

Kammer und Verband riefen in Münster

alle Beteiligten zum Dialog auf. Finanzpräsident

Andreas Schmitz vonHülst betonte

allerdings: „Einzig und allein die

Strafprozessordnung und die bindenden

rechtsstaatlichen Grundsätze entscheiden

darüber, obein Strafverfahren von

der Finanzverwaltung einzuleiten ist

Foto: colourbox.de

oder nicht.“ Da so ein Verfahren für die

Betroffenen einschneidend sei, arbeite

die Finanzverwaltung in diesen Fällen

mit größtmöglicher Sorgfalt.

Dass die Verfolgungspflicht im Interesse

des Allgemeinwohls nachvollziehbar ist,

sieht auch Volker Kaiser, Präsident der

Steuerberaterkammer Westfalen-Lippe.

Inwieweit tatsächlich ein Anfangsverdacht

vorliege, sei im Einzelfall jedoch

nur schwer festzustellen: Nur wenn der

jeweilige Sachverhalt nach steuerkriminalistischer

Erfahrung auf eine Steuerhinterziehung

schließen lasse und andere

nachvollziehbareund rechtmäßigeErklärungen

mindestens unwahrscheinlich

seien oder generell nicht vorlägen, sei

voneinem Anfangsverdacht auszugehen.

Marcus Tuschen, Präsidentdes Steuerberaterverbandes

Westfalen-Lippe, empfiehlt

Steuerpflichtigen und Steuerberatern,

das Finanzamt aufgefordert und unaufgefordert

mit nachvollziehbaren Informationen

versorgen, die den konkretenSachverhalt

zweifelsfrei klären. Es sei

von erheblicher Bedeutung, frühzeitig

einem unbegründeten Anfangsverdacht

entgegenzuwirken.

wk

FALLBEISPIELE

1. Eine unbescholtene Unternehmerin im Raum Dortmund

macht Betriebsausgaben für ein vermietetes Objekt

steuerlich geltend. Dort waren Reparaturarbeiten nach

einem nicht durch die Versicherung abgedeckten Wasserschaden

sowie weitere Handwerkerarbeiten an Balkon

und Loggia notwendig geworden. Nur: Die Frau fügte der

Einkommenssteuererklärung keine Originalrechnungen

bei. Außerdem war auf einer Kopie von einem Architekten

die Adresse handschriftlich geändert worden –imBaubereich

durchaus üblich. Eine Firma hatte irrtümlich die

Privatanschrift angegeben. Diese Mängel reichten aus,

dass das Finanzamt für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung

Bochum eingeschaltet wurde und ein steuerstrafrechtliches

Ermittlungsverfahren gegen die Frau einleitete:

Täuschungs- und Betrugsverdacht. Die Frau wandte

sich an einen Rechtsanwalt und Steuerberater, der in

einem Brief alle Vorwürfe entkräften konnte. Die Originalrechnungen

wurden per Boten nachgereicht. Das Verfahren

wurde eingestellt.

2. Ein glücklich verheiratetes Paar hat ein Kind, das seit

Jahren unter einem Tourette-Syndrom leidet. Damit der

Vater seine Arbeit ausüben kann, übernachtet er regelmäßig

in einer anderen Wohnung, um etwas Ruhe zu bekommen.

In ihrer Einkommenssteuererklärung beantragen die

Eheleute die Zusammenveranlagung (Splittingtarif). Ohne

weitere Nachfrage erkannte das Finanzamt dies nicht an

und leitete, weil es vermutete, dass die Eheleute getrennt

leben, ein Strafverfahren nach §397 der Abgabenordnung

gegen den Familienvater ein –wegen Abgabe einer falschen

Steuererklärung. Eine direkte Nachfrage erfolgte

nicht, obwohl die Eheleute seit Jahren für die Behandlung

des Kindes außergewöhnliche Belastungen geltend machten

und das Krankheitsbild bekannt war. Als ein Steuerberater

den Sachverhalt erklärte, wurde das Verfahren

eingestellt. Stress, Berater- und Gerichtskosten waren unnötig.

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20 GELD &

Laborarbeit: Für die medizinische Diagnostik wird eine Polymerase-Kettenreaktion mit der Pipette angelegt.

Möglichst immer am Puls der Ze

Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland e.V. zählt inzwischen 34 Mitglieder –vom Krankenhaus bis zum Hautpflegesp

Austausch und Bündelung der Kompetenzen soll auch den Patienten und Kunden dienen.

GESUNDHEITSWIRTSCHAFT

„Mit 92 000 Beschäftigten inrund 3500 Unternehmen ist

die Gesundheitswirtschaft hinter dem Maschinenbau einer

der Innovations- und Wachstumsmotoren im Münsterland“,

erläutert Dr. Thomas Robbers, Geschäftsführer der

Wirtschaftsförderung Münster GmbH. Das Spektrum

reicht von der Grundlagenforschung über leistungsfähige

und innovative stationäre und ambulante Versorgungsstrukturen

bis hin zu innovativen Medizin-, Bio- und Nanotechnologie-Unternehmen.

In den Münsterlandkreisen

und der Stadt Münster gibt es alleine imKrankenhauspflegedienst

über 8500 Arbeitsplätze. Hinzu kommen fast

5000 Ärzte inden 38 münsterländischen Kliniken. So können

beinahe 350 000 Patienten jährlich klinisch versorgt

werden.

Ein wichtiges Leitthema für die Zukunft ist die Stärkung

der medizinischen Prävention in der Region. Seit 2009

zählt das Münsterland zueiner von sechs durch das Land

NRW ausgewählten und geförderten Gesundheitsregionen.

Stellvertretend für die Kreise des Münsterlandes und die

Stadt Münster hat die Technologieförderung Münster die

Aufgabe übernommen, die regionale Gesundheitswirtschaft

zu vernetzen und weiterzuentwickeln. pesa

„Einer für alle, alle für einen.“ Das

Motto der Drei Musketiere prägt

auch dieArbeit desMünsterland e.V.,

einer der stärksten RegionalinitiativeninDeutschland.

Alle Wirtschaftsförderungsgesellschaften

der vier

Münsterlandkreise und der Stadt

Münster arbeiten dort in Sachen

Wirtschaft Hand inHand. Jeder von

ihnenspezialisiert sich aufbestimmte

Themen und bearbeitet sie stellvertretend

für die anderen. Gemeinsam

mit hiesigen Unternehmen will

Münsterland e.V. die Marke Münsterland

bekannt(er) machen, inder Region

selbst und über die Region hinaus.

Dies soll über verschiedene

Netzwerke gelingen. Welche Netzwerke

das sind und wie diese funktionieren,

was ihre Stärken und ihre

Schwächen, was ihre bisherigen Ergebnisse

undnochoffenen Ziele sind

–diesen Fragen gehen wir in unserer

Serie nach.

„Wir schaffen zwischen den einzelnen

Akteuren im Gesundheitswesen

dort eine Autobahn, wo früher

noch Bundes- oder Landstraßen

waren oder im schlechtesten Falle

Sackgassen.“

Auch wenn es derzeit einigen

Wirbel um die Zukunft der

Krankenhäuser in Greven,

Borghorst und Emsdetten

Ag Aibt, sieht Münsters oberster

Wirtschaftsförderer Dr. Thomas Robbers

(Geschäftsführer der WFM) in der

Gesundheitswirtschaft einen der sechs

großen Wirtschaftsbereiche im Münsterland.

Auch deshalb ist er ehrenamtlicher

Vorsitzender des Netzwerkes Gesundheitswirtschaft

Münsterland e.V., das auf

dem TechnologiehofinMünster angesiedelt

ist. Kräfte bündeln, Wissen nutzen,

Vernetzung fördern,

um die Gesundheits-

und

Medizinwirtschaft

regional

und überregional

weiter zu stärken.

Unter diesem

Leitgedanken

ging das Netzwerk

Gesundheitswirtschaft

Geschäftsführer Kolja Tobias Heckes

Münsterland am

21. September

2009 an den Start. Mit 16 Mitgliedern.

Fünfeinhalb Jahre später sind es 34 Mitglieder.

Müssten das nicht mehr sein?

„Nein“, meintKolja Tobias Heckes, Leiter

der Geschäftsstelle des Netzwerkes, „es

geht bei uns nicht um Quantität, sondern

um Qualität.“ Denn das Netzwerk Gesundheitswirtschaft

nimmt nicht jeden

auf. Besondere Qualitätskriterien müssen

erfüllt sein. Vor allem die Grundphilosophie

muss stimmen: „Geben für das

Netzwerk und Nehmen nur als Folge –

und nicht umgekehrt“, formuliert Robbers

im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Mitglieder, ganz gleich ob Krankenhaus,

Wissenschaftseinrichtung, Gründer

oder KMU,sehen, so die Leitlinie, im

Netzwerk nicht die reine Vertriebsschiene

eines schnellen Geschäfts oder Neukundengewinnung.

Man hat langfristige

Ziele. Es geht um den Aufbau eines Kompetenznetzes,

das den Mitgliedern und

gleichermaßen Patienten und Kunden

einen Mehrwert bietet. Dr. Thomas Robbers:

„Wenn sich dann daraus in einem

späteren zweiten Schritt ein Auftrag entwickelt,

ist dies auch nicht schlimm.“ Als

angenehmer Begleiteffekt.

Das Netzwerk will produktiv, kommunikativ

und transparent sein. Die Macher

setzen auf langfristige

Stabilität

mit größtmöglichem

Mehrwert.

Es geht darum,

Unternehmen,

Versorgungs- und

Forschungseinrichtungen

zu vernetzen,

Innovationen

in der Gesundheitswirtschaft

von der

Projektentwicklung

und Koordination bis zur Marktreife

umzusetzenund regional und überregional

Hand in Hand zusammenzuarbeiten.

Weiterhin unterstützt das Netzwerk bei

der Identifikation von Förderprogrammen

und der Akquise von Fördermitteln

für Forschungs-, Versorgungs- und Entwicklungsprojekte.

Das Netzwerk denkt auch global, ist auf

Kontaktpflege: Auch auf Messen und Kongressen ist das Netzwerk Gesundh

Kongressen und Messen präsent, wie auf

dem Hauptstadtkongress in Berlin und

auf der internationalen Fachmesse „Medica“

in Düsseldorf.

Ein Erfolgsbaustein des Netzwerkes Gesundheitswirtschaft

Münsterland ist,

dass es, und das versichern Heckes und

Robbers unisono, keine Konkurrenz zwischen

den Mitgliedern gibt, zum Beispiel

zwischen den verschiedenen Krankenhausträgern.

Im Zentrum der Arbeit stehe

der gemeinsame Gewinnfür die Branche

und die Region. Stets auf der Höhe

der Zeit und am Puls der Menschen zu

sein ist, sind weitere Ziele, wie Kolja Tobias

Heckes erläutert. „Wir achten darauf,

was unsere Mitglieder bewegt.“

Das Netzwerk Gesundheitswirtschaft

Münsterland finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge,

Spenden, projektbezogene

Umlagen und Zuwendun

delt ist das Netzwerk Gesu

schaft Münsterland bei der

förderung Münster GmbH.

kompetenz liegt im Angebot

und der Unternehmensbet

„Bei einigen Dingen fehl

Der kommt von uns.“

Vorsitzender Dr. Thomas Robbers

sätzlich fördert die Gesells

wählte Kompetenzfelder, w

weise das der Gesundheitsw

Grundsätzlich unterstützt d

Gesundheitswirtschaft Mün


GESCHÄFT

21

Bei der Prävention geht das

regionale Netzwerk voran

Zentrale Rolle beim Aufbau einer landesweiten Innovationsplattform zum Thema „Hygiene/Infektionsprävention“

Besonderes Entwicklungspotenzial

weist das Münsterland

bei der Prävention auf.

Ein wichtiges Beispiel:

Screening und Register als

Grundlage der Prävention und Früherkennung,

etwa bei der Schädel-Hirn-

Trauma-Versorgung.

Beim Schädel-Hirn-Trauma-Register

wirken sechs medizinische Versorgungseinrichtungen

aus dem Netzwerk Gesundheitswirtschaft

Münsterland mit.

Das Register soll es ermöglichen, Schädelhirn-Verletzungen

zu erfassen und Behandlungsmethoden

zu verbessern. Thomas

Robbers erläutert dies konkret an

einem typischen Verkehrsunfall: Ein Radler

stürzt ohne Helm auf die Kühlerhaube

eines Autos, kommt in die Erstaufnahme

des Universitätsklinikums Münster.

Die Diagnose: starke Kopfverletzung im

Schädel-Hirn-Bereich.

Robbers: „Das Schädel-Hirn-Trauma-Register

zeigt auf, welchen Versorgungsverlauf

der Patient nimmtund versucht, dies

zu optimieren.“ So gilt es Effizienzverluste

an den vielen Schnittstellen, etwa

durch mangelnde Absprache, zu vermeiden.

„Früher wurde der Patient in ein und

demselben Krankenhaus erst-, zweit- und

drittversorgt. Heute schauen wir, was es

sonst für medizinische Kompetenzen und

Anbieter gibt und wählen den besten

Weg für den Patienten“, erläutert Rob-

Fotos: Netzwerk Gesundheitswirtschaft

bers. Bei der Erarbeitung von Präventionspotenzialen

geht es auch darum,

den Dialog der Fachkräftemit den Patienten

zufördern, und zwar bereits beginnend

mit der Ausbildung.

Bis zum Jahr 2016 wirdauch das interdisziplinäre

Thema „Hygiene“ (insbesondere

Infektionsprävention) die Fachdiskussionen

und Aktivitäten im Netzwerk mitbestimmen.

Durch die Stärkung der Patientensicherheit

im Bereich der Arzneimitteltherapie,

der Hygiene und der ambulanten

undstationären Versorgung soll

diese Innovationsplattform auch der Leitmarktstrategie

des Dachclusters Gesundheitswirtschaft.NRW

entsprechen. Das

Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland

arbeitet in einem Modellprojekt

an einer konsequenten Patientenorientierung

beim Zusammenwirken von

Krankenhäusern, Pflegeinstitutionen,

Kassenärztlichen Vereinigungen, KMU

und Wissenschaft. Es soll die landesweite

Innovationsplattform „Hygiene/Infektionsprävention“

aufbauen und schauen,

was geschehen muss, damit neue Erkenntnisse

und innovative Lösungen

wirklich in der Praxis der Kliniken und

Ärzte genutzt werden (können). Es geht

um Ideen und Produkte, die Patienten

und Angehörigeaktiv in die Prozesse mit

„Es ist schwierig, in großen Kliniken

mit solchen Ideen den Fuß in

die Tür zubekommen.“

Geschäftsstellenleiter Heckes

einbinden. „Es ist schwierig, in großen

Kliniken mit solchen Ideen den Fußindie

Tür zu bekommen. Deswegen gehen wir

in die Breite, arbeiten additiv mit zahlreichen

Experten aus dem Netzwerk“, erläutert

Geschäftsstellenleiter Heckes. Beteiligt

sind das Max-Planck-Institut für molekulare

Biomedizin, das Referenzzentrum

Mammografie,das Zentrum für Molekularbiologie

der Entzündung, das Interdisziplinäre

Zentrum für Klinische

Forschung, das Leibniz-Institut für Arterioskleroseforschung,

das European Institute

for Molecular Imaging, Centrum

für Krankenhausmanagement, das Exzellenzcluster

„Cells in Motion“ und dasInstitut

für Hygiene.

pesa

it

ezialisten.

itswirtschaft präsent.

tder Kitt.

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ndheitswirt-

Technologie-

Deren KernvonFlächen

reuung. Zuchaft

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as Netzwerk

sterland seine

Mitglieder organisatorisch und thematisch,

ganz gleich ob sie nun Labore

bauen, Kosmetik- und Arzneimittel produzieren,

forschen oder Patienten versorgen.

Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle

des Netzwerks Gesundheitswirtschaft

Münsterland e.V. konzentrieren sich auf

fünf Aufgaben:

1. Vernetzung und Wissenstransfer;

2. Veranstaltungsorganisation, Konzeption

und Durchführung zur Information

und zur Vernetzung der Mitglieder untereinander;

3. Fördermittelakquise, Information zu

Wettbewerben und Ausschreibungen,

Hilfe bei Konzeptentwicklung und Antragstellung;

4. Unterstützung bei Projekten in der Gesundheitswirtschaft

(Initiierung, Entwicklung,

Koordination, Partnerakquise,

Innovationsförderung);

5. Öffentlichkeitsarbeit/Standortentwicklung,

Präsenz auf Messen.

Große Arbeitgeber bekommen injenen

Bereichen Tipps, die im Tagesgeschäft

selbst nicht effizient zu schultern sind.

„Wir sind oftmals Tür-Öffner“, sagt Heckes,

„wir können schneller reagieren,

unmittelbarer, regionaler vor Ort.“ Und

Dr.Robbers ergänzt: „Bei einigen Dingen

fehlt der Kitt. Der kommt von uns.“

Nach rund sechs Jahren zieht der Vorsitzende

des Netzwerk Gesundheitswirtschaft

Münsterland eine positive Bilanz:

„Die Gesundheitswirtschaft ist ein wichtiger

Zukunftsmarkt. Die enge Vernetzung

und Kooperation von Unternehmen,

Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen

in der Region ermöglichen

es, das Profil der Gesundheitswirtschaft

im Münsterland zu schärfen und einen

Wettbewerbsvorteil in einem sich ständig

weiterentwickelnden Markt zu erreichen.“

Kolja Tobias Heckes bereitet die Arbeit

im Netzwerk viel Spaß. „Weil ich ständig

mit neuen Impulsen zu tun habe. Ich

kann viele Themen auf den Weg und

Partner zusammenbringen.“

Bestimmt keine einfache Arbeit. Was ist

die Motivation des 28-Jährigen? „Ich bin

sehr neugierig. Und meine Arbeit ist unheimlich

spannend.“

Heckes besucht täglich Mitglieder vor

Ort oder berät sie am Telefon oder im

Netz. Dass er gelernter Sozialarbeiter ist,

kommt ihm dabei zugute. „Soziale Kommunikation

ist in der Gesundheitswirtschaft

sehr wichtig.“ Denn: „Dieses Netzwerk

kann man nicht nur betriebswirtschaftlich

bewerkstelligen. Wir haben

höchst gesunde Akteurehier vorOrt, die

nur dann noch gesünder werden können,

also noch mehr Potenzialausschöpfen

können, wenn sie nicht nur in ihren

berufsbezogenen Bereichen verbleiben,

sondern branchenübergreifende Beziehungen

intensivieren.“

Der Blick über den eigenen Tellerrand

verheißt im Netzwerk Innovationspotenzial.

Heckes versteht sich auch als „Wegbereiter“:

„Wir schaffen zwischen den

einzelnen Akteuren im Gesundheitswesen

dort eine Autobahn, wo früher noch

Bundes– oder Landstraßen waren oder

im schlechtesten Falle Sackgassen.“

Peter Sauer

TERMINE

27. Mai: Speedvortragsabend zur Gesundheitswirtschaft,

im St.-Franziskus-Hospital Münster

10. bis 12. Juni: Hauptstadtkongress inBerlin

19. August: 6. Forum Gesundheitswirtschaft

Münsterland, Burg Vischering Lüdinghausen. Im

Mittelpunkt steht die wirtschaftliche Bedeutung

der Krankenhäuser.

Im Oktober: Dialog im Netzwerk, Zentrum für

ambulante Rehabilitation (ZAR)

16. bis 19. November: Internationale Fachmesse

MEDICA in Düsseldorf

Kontakt für Informationen und Anmeldung: Netzwerk

Gesundheitswirtschaft Münsterland, Nadia

Elhami, Telefon 0251/9801124

Schulterschluss: Dr. Thomas Robbers (l.) und der Leiter der Geschäftsstelle, Kolja Tobias Heckes, arbeiten

imNetzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland daran, Unternehmen, Versorgungs- und Forschungseinrichtungen

besser zusammenzubringen, Innovationen umzusetzen und den (Gesundheits-)Wirtschaftsstandort

zustärken.

Foto: Peter Sauer


22 GELD &GESCHÄFT

STIFTUNG VON A–Z

-Anstaltsträgerstiftungen: Sie

verwirklichen ihren Zweck in der

Regel vornehmlich durch von ihnen

betriebene Einrichtungen wie

Krankenhäuser, Museen oder Forschungszentren.

-Bürgerstiftungen: Sie sind gemeinnützige

Stiftungen von Bürgern

für Bürger, deren Stiftungszweck

möglichst breit gefasst ist

und dessen Verwirklichung in

einem geografisch begrenzten

Raum erfolgt. Es gibt über 200

Bürgerstiftungen.

-Rechtsfähige Stiftung bürgerlichen

Rechts: Sie ist das klassische

Instrument zur Verwirklichung

eines auf Dauer angelegten

Zwecks und untersteht der staatlichen

Stiftungsaufsicht. Ihre Entstehungsvoraussetzungen

regelt

das Bürgerliche Gesetzbuch in

den §§ 80 ff.

-Unternehmensverbundene Stiftung:

Sie halten wesentliche Anteile

anUnternehmen oder betreiben

selbst ein Unternehmen. Als

Instrument zur Regelung der

Unternehmensnachfolge gefragt.

-Treuhandstiftungen: Eine Treuhandstiftung

wird durch einen

Vertrag zwischen dem Stifter und

dem Treuhänder als Träger der

Stiftung errichtet. Der Bundesverband

Deutscher Stiftungen schätzt

die Zahl der in Deutschland bestehenden

Treuhandstiftungen auf

etwa 20000.

-Zustiftung: Unter einer Zustiftung

versteht man eine Zuwendung

in den Vermögensstock

einer bereits bestehenden Stiftung.

ph

Wirklich Gutes bewirken

Stiftungsgründungen können auch für Mittelständler ein sinnvolles Instrument sein.

Stiftungen helfen, den Fortbestand

eines Unternehmens langfristig zu

sichern. Für Mittelständler sind sie

außerdem eine attraktive Möglichkeit,

ihre Nachfolge zu regeln und

sich gemeinnützig zu engagieren.

Um steuergünstig die Nachfolge

zu regeln und die

Kontinuität im Unternehmen

zu sichern, brachte

Peter Pohlmann seine

1989 in Bergkamen gegründete Möbelhauskette

Poco-Domäne in eine Stiftung

ein. Das war 2008. Seine drei Kinder erklärten

den Erbverzicht auf das Firmenvermögen

–sie hatten andere Berufe gewählt.

Pohlmann hatte sich für das Modell

einer Doppelstiftung entschieden: 95

Prozent der Unternehmensanteile übergab

erandie gemeinnützige Peter-Pohlmann-Stiftung.

Die verbleibenden fünf

Prozent brachteerindie Tripos Familienstiftung

ein. Dieser stehen die Kinder vor,

gemeinsam haben sie in der Familienstiftung

die Stimmrechte für das Unternehmen.

So wie Pohlmann entscheiden sich viele

mittelständische Unternehmer, die keinen

Nachfolger finden, aber dennoch das

Familienvermögen als Ganzes erhalten

wollen: Nach Angaben des Bonner Instituts

für Mittelstandsforschung (IfM)

stand bis 2014 jährlich in 22 000 Familienunternehmen

die Übergabe an. Experten

schätzen, dass 86 Prozent der

Übergaben altersbedingt und damit planbar

sind. „Wer in den kommenden fünf

Jahren die Nachfolgethematik angehen

DAMIT IHRE KUNDEN

IMMER AN SIE DENKEN!

Hand in Hand: Deutschland steht bei den Stiftungen weltweit an der Spitze.

muss, solltejetzt das Gespräch mit seiner

Bank, seinem Steuerberater und seinem

Rechtsanwalt suchen, um zu prüfen, ob

eine Stiftungsgründung eine sinnvolle

Lösung sein könnte“, empfiehlt Mirjam

Schwink, Leiterin Stiftungsmanagement

bei der Baden-Württembergischen Bank.

Stiftungen sind Einrichtungen, denen ein

Vermögen bestehend aus Kapital, Aktien,

Kunstsammlungen, Immobilien oder Firmenanteilen

für einen bestimmten

Zweck dauerhaft und unwiderruflich gewidmet

ist. Die Erträge des Stiftungsvermögens

in Form vonZinsen, Dividenden,

Pacht oder Mieten finanzieren die Stiftungsziele.

Ein Unternehmen, das in eine

Stiftung eingebracht ist, kann also weder

verkauft noch zerschlagen werden.

Erben und Mitarbeiter sind versorgt. Allerdings

kann einmal in eine Stiftung eingebrachtes

Vermögen auch nicht mehr

entnommen werden, die Stiftung gehört

nur noch sich selbst. Aktuell gibt es knapp

über 20 000 rechtlich selbstständigeund

damit vom Bundesverband Deutsche

Stiftungen erfasste Stiftungen. Münster

rangiert unter den deutschen Städten auf

Rang elf. Das Deutsche Stiftungszentrum

(DSZ) schätzt die

Zahl der Stiftungen

mit Unternehmensbezug


sei es, weil sie

Unternehmenseigner

sind oder

von einem Unternehmen

gegrün-

„Der Stifter sollte für den Zweck

der Stiftung brennen.“

Stiftungsmanager Horst-Walter Görgen

det wurden –bundesweit auf bis zu 2000.

„In unserer individualistisch geprägten

Gesellschaft wollen die Menschen selbst

bestimmen, wo und wie ihr Vermögen

wirkt –insbesonderewenn sie keine eigenen

Kinder haben oder Streit im Erbfall

verhindern wollen“, erklärt Professorin

Annette Zimmer, Stiftungsexpertin am

Institut für Politikwissenschaft der Universität

Münster, den Trend zur Stiftungsgründung.

Begünstigt hätten diese

Entwicklung drei Faktoren: Das starke

Anwachsen vonVermögenswerten in privater

Hand, die Idee des Bürgerengagements

und zwei Stiftungsreformgesetze.

Letztere hätten dafür gesorgt, dass Stiftungen

leichter gegründet würden und

steuerlich attraktiver seien.

Damit sich ein solcher Schritt für Mittelständler

rechnet, sollteein Unternehmen

Foto: Fotolia

laut Schwink ein dreistelliges Umsatzvolumen

haben. „Sonst steht der Verwaltungsaufwand

in keinem Verhältnis zu

den Erträgen, denn die Stiftungsgründung

und die laufenden Arbeiten verursachen

auch Kosten“, sagt sie. Außerdem

brauche der Unternehmer bei einem solchen

weitreichenden Schritt den Konsens

in der Familie. Schließlich müssten die

Erben notariell unterschreiben, dass sie

auf ihren Pflichtteil verzichten und dem

Unternehmen keine Liquidität entziehen.

Im Gegenzug könnten sie den Anspruch

auf regelmäßigeAusschüttungen bekommen.

„Der Stifter solltefür den Zweck der Stiftung

brennen“, rät Stiftungsmanager

Horst-Walter Görgen. Diesen kann er im

Rahmen der Satzung selbst bestimmen.

Allerdings sollte sich ein Stiftungsgründer

mit zu konkreten Vorgaben zurückhalten,

denn ein

gewisser Ent-

scheidungsspiel-

raum sei für die

Arbeit der Stiftungsorgane

notwendig,

sagt

Ralph van Kerkomvon

der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

PKF Fasselt

Schlage. Da eine Änderung des Stiftungszwecks

nachträglich nur schwer möglich

ist, wählen viele Stifter einen weitgefassten

Zweck, wofür die Erträge des Stiftungsvermögens

verwendet werden.

Pohlmann entschied sich für einen Dreiklang

aus Kultur, Forschung und Bildung:

Seine Stiftung schüttet jährlich etwa

100 000 Euro aus. Damit fördert sie

einmal im Jahr eine große Veranstaltung

im Konzerthaus in Dortmund, zeichnet

Diplomarbeiten aus, die sich mit den Veränderungen

der Gesellschaft und deren

Auswirkungen auf den Handel befassen

und unterstützt das Chancenwerk des

Interkulturellen Bildungs- und Fördervereins

für Schüler und Studenten IBFS

e.V., in dem Migranten Nachhilfeunterricht

bekommen.

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20 784 STIFTUNGEN

Ungeachtet der Niedrigzinsphase hält

das Stiftungswachstum in Deutschland

an: Mit 691 neu gegründeten

Stiftungen im Jahr 2014 sind sogar

deutlich mehr Stiftungen hinzugekommen

als im Vorjahr (638). Dies

gab der Bundesverband Deutscher

Stiftungen in Berlin bekannt.

Zum Ende des Jahres 2014 zählt der

Dachverband insgesamt 20 784

rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen

Rechts. Deutschland behauptet sich

damit weiter als stiftungsreichstes

Land in Europa. Die Stiftungsdichte

ist gestiegen: Auf 100 000 Bundesbürger

kommen nun 26 Stiftungen.

Quelle: www.stiftungen.org /Bundesverband

Deutscher Stiftungen


Anzeigen-Sonderveröffentlichung

STANDORTPORTRÄT LENGERICH/WESTERKAPPELN 23

Drehscheibe im

Warenverkehr

Westerkappeln punktet mit Verkehrsanbindung

Einen Steinwurf von der A1 entfernt, befindet sich der Lengericher Teutopark.

Von Lengerich in

die weite Welt

Unternehmen profitieren von optimaler Infrastruktur

Als die Stadt mit den meisten Unternehmen

und Arbeitgebern der Region

bietet Lengerich für Industrie

und Gewerbe eine ideale Kombination:

nämlich optimale Verkehrsanbindungen

und eine gut ausgebaute

Infrastruktur.

Es kommt nicht vonungefähr,dass mit

dem Verpackungsunternehmen Bischof +

Klein, dem Maschinenbauer Windmöller

&Hölscher,dem Zementwerk Dyckerhoff

und dem pharmazeutischen Unternehmen

Wagener gleich mehrereFirmen von

Lengerich aus ihre Geschäfte inder ganzen

Welt abwickeln. Schließlich verfügt

die Stadt am Südhang des Teutoburger

Waldes mit ihren 22500 Einwohnern

über eine hervorragende marktstrategische

Lage zwischen den wichtigsten

deutschen und niederländischen Verdichtungszentren.

Und die Autobahn A1,

über die das Lotter Kreuz, das Kreuz

Münster-Süd, der Flughafen Münster/Osnabrück

sowie der Dortmund-

Ems-Kanal in nur wenigen Minuten erreichbar

sind, befindet sich direkt vorder

Tür.

Mit dem Teutopark, Antrup A1und Lohesch

verfügt das Mittelzentrum über drei

attraktive Gewerbegebiete und ist damit

laut Bürgermeister Friedrich Prigge „insgesamt

gut aufgestellt“. Wenngleich er

einräumen muss, dass diese an ihre

räumlichen Grenzen stoßen und einige

Gewerbeanfragen unlängst bereits abgelehnt

werden mussten. Nicht umsonst

diskutiert die Politik vor Ort aktuell die

Frage, eine Erweiterung des Gewerbegebiets

Lohesch östlich der Poststraße voranzutreiben.

In jenem Gebiet südöstlich des Stadtzentrums

haben mittlerweile rund 50 Unternehmen

ihre Heimat gefunden und sorgen

zugleich für einen guten Branchenmix

auf einer Gesamtfläche von 64Hektar.

Verpackung, Pharmazie, Transport,

Bau, Maschinen- und Metallbau, Schallschutz,

Automobil, Türen- und Fensterbau,

Sanitär-und Elektrosind nur einige

der vorhandenen Unternehmensbranchen.

Über die Südumgehung, mit der

der Standort 1993 verbunden wurde, gibt

es sehr guteVerkehrsanbindungen an die

nahe gelegene A1.Dorthin, wo der Teutopark

und Antrup A1 bereits sind.

Direkt an der Autobahnauffahrt ist auf

einer Fläche von rund 60000 Quadratmetern

der Gewerbepark Teutopark entstanden,

der Tanken und Rasten mit attraktiven

Einkaufsmöglichkeiten verbindet,

die den Einzelhandel laut Wirtschaftsförderer

Jürgen Kohne „stark bereichern

und sich längst etabliert haben“.

Vis-á-vis des Teutoparks hat die Stadt mit

dem Gewerbepark Antrup A1 weitere

75000 Quadratmeter erschlossen, auf

der Windmöller &Hölscher 2012 ein Versandzentrum

errichtet hat. In einem später

zuentwickelnden zweiten Abschnitt

sind weitere 70000 Quadratmeter verfügbar.

Foto: msm

„Lage, Lage, Lage“ gilt als eine der

wichtigsten Regeln in der Immobilienwelt.

Und in diesem Punkt hat

Westerkappeln durchaus einiges zu

bieten. Durch die gute infrastrukturelle

Anbindung ist die Gemeinde als

Standort für Industrie und Gewerbe

besonders interessant. Allerdings

sind die meisten kommunalen Gewerbeflächen

bereits vergeben.

Egal, in welche Himmelsrichtung es

gehen soll: Die infrastrukturelle Anbindung

Westerkappelns ist nahezu optimal

–die Gemeinde liegt verkehrstechnisch

gesehen an einem wichtigen internationalen

Knotenpunkt. VomIndustriegebiet

in Velpe ist die Anschlussstelle Westerkappeln/Lotte

der Autobahn A30nur

einen Steinwurfentfernt. Über das Autobahnkreuz

Lotte-Osnabrück können Waren

und Produkte innerhalb kurzer Zeit

die A1erreichen und damit alle deutschen

und europäischen Wirtschaftszentren.

Die Verbindung zum Hafen in Hamburg

und damit zum sprichwörtlichen

„Tor zur Welt“ ist gut. Und bis zum Flughafen

Münster/Osnabrück sind es lediglich

28 Kilometer.

Vermutlich waren esdiese Vorzüge, die

das dänische Transportunternehmen

DSV vor kurzem dazu veranlassten, in

Westerkappeln-Velpe ein rund fünf Hektar

großes modernes Logistikzentrum in

Betrieb zu nehmen. Mit der Ansiedlung

des großen Logistikers hat die Gemeinde

Das Gewerbegebiet Gartenkamp zeichnet sich durch einen bunten Branchenmix aus.

die letzten freien Flächen des insgesamt

94 Hektar großen Industriegebiets verkauft.

Lidl und Hagebau betreiben dort

bereits ihre Zentrallager. Außerdem haben

unter anderem Betriebe aus der Bauindustrie

und dem Stahl- und Maschinenbau

den Standort für sich entdeckt und

agieren bundesweit vonVelpe aus. Damit

ist das Industriegebiet voll.

Im ortsnahem Gewerbegebiet Gartenkamp

gibt es dagegen noch drei Freiflächen,

die die Kommune bislang nicht verkauft

hat. Insgesamt sind es 1,23 Hektar,

die für die Ansiedlung neuer Unternehmen

zur Verfügung stehen, wie Alisa

Prinz von der Wirtschaftsförderung der

Gemeinde berichtet. Da sich diese Fläche

auf drei Grundstücke verteilen, sind sie

für kleine Betriebe geeignet. Den Gartenkamp

haben bislang Unternehmen verschiedener

Größe und aller Couleur für

sich entdeckt. Ein besonders bunter Branchenmix

kennzeichnet das insgesamt 38

Hektar große Gewerbegebiet, das östlich

des Ortskerns liegt. Bislang haben sich

hier unter anderem ein Verlagshaus, ein

Papiergroßhandel, eine Confiserie und

verschiedene Kfz-Betriebe niedergelassen.

Außerdem sind eine viele unterschiedliche

Dienstleistungsbetriebe hier

aktiv.

Das Gewerbegebiet Gartenkamp punktet

mit seiner guten infrastrukturellen Anbindung:

Bis zur Anschlussstelle Osnabrück

Hafen/Westerkappeln der A1 sind

es nur 3,6 Kilometer.

Foto: msm

Kluge Köpfe für pfiffige Produkte

Verpackungshersteller Bischof +Klein aus macht sich für Ausbildung und duale Studiengänge stark

Azubis und Studierende arbeiten mit moderner

Technik. Foto: Bischof +Klein

Produkte von Bischof +Klein (B+K)

hat jeder schon mal in der Hand gehalten

–vielleicht ein Päckchen Kaffee,

eine Nachfüllpackung mit Seife

oder einen Beutel mit Hundefutter.

Mit moderner Technologie und kreativen

Köpfen produziert Bischof + Klein

(B+K) maßgeschneiderte Verpackungsund

Folienlösungen für alle Industriezweige,

von Industrieverpackungen über

Konsumverpackungen bis zu Spezialfolien

für technische Anwendungen. Dabei

legt das Familienunternehmen mit

Stammsitz in Lengerich/Westfalen nach

eigenen Angaben großen Wert auf nachhaltiges

Wirtschaften: Für sein ökonomisch,

ökologisch und sozial verantwortliches

Handeln (Corporate Social Responsibility)

erhielt B+K 2014 den CSR-

Preis der Bundesregierung für Unternehmen

mit 500 bis 4999 Mitarbeitern.

Bischof +Klein engagiert sich, wie es in

einer Mitteilung des Unternehmens heißt,

besonders in der Aus- und Weiterbildung.

In Lengerich durchlaufen derzeit rund 80

jungeMenschen elf meist technischeAusbildungsgänge,

vom Packmitteltechnologen

über die Industriekauffrau bis zum

Kunststoffingenieur und Wirtschaftsinformatiker.

In den vergangenen Jahren wurden laut

Mitteilung zehn B+K-Azubis von der Industrie-

und Handelskammer für hervorragende

Leistungen ausgezeichnet. Vier

freigestellte Ausbilder und viele weitere

Mitarbeiter mit Ausbilderqualifikation

begleiten die Auszubildenden und Studierenden.

Nach der Ausbildung gehe das Lernen

weiter, schreibt das Unternehmen: Mit

Seminaren, Schulungen und Weiterbildungen

unterstütze B+K die berufliche

Entwicklung seiner Mitarbeiter und biete

berufliche Perspektiven im In- und Ausland.

Viele Führungspositionen würden

mit Nachwuchs aus dem eigenen Haus besetzt.

Der Verpackungshersteller beschäftigt an

sechs Produktionsstandorten inDeutschland,

Frankreich, Großbritannien, Polen

und Saudi-Arabien rund 2500 Mitarbeiter.

Im Stammwerk Lengerich/Westfalen

arbeiten 1300 Beschäftigte, im Werk Konzell

in Bayern sind es circa 700.

Das Familienunternehmen möchtenacheigenen

Angaben junge Leute für MINT-

Fächer begeistern. Deshalb habe der Verpackungshersteller

unter anderem die

Kooperation Wirtschaft und Schule in

Lengerich initiiert. Ziel sei eine bessere

Zusammenarbeit zwischen Schulen und

Wirtschaftsbetrieben, eine Hinführung

der Schüler an wirtschaftliche und technische

Themen und eine Unterstützung

bei der Berufsorientierung. Im Hintergrund

stehe der demografische Wandel

und das Wissen, dass junge Menschen

mit ihren Fähigkeiten gebraucht würden.

Das Unternehmen profitiert nach eigenen

Angaben vom engen Kontakt zu Wissenschaft

und Forschung und biete Studierenden

die Möglichkeit, Projekte durchzuführen

und Abschlussarbeiten zu

schreiben. In der Offensive„zdi –Zukunft

durch Innovation“ des Landes NRW zur

Förderung des naturwissenschaftlichen

und technischen Nachwuchs sieht der B+K

eine zusätzliche Möglichkeit, seine Aktivitäten

auszuweiten.


24 GELD &GESCHÄFT

Der Chef braucht

einen „Notfallkoffer“

Bei Schicksalsschlägen leistet ein Ordner, indem sich Maßnahmenpläne sowie Kopien wichtiger

Dokumente befinden, große Dienste. Westfälische Notarkammer empfiehlt sechs Kategorien.

„Der Unternehmer muss sich

in die Situation seines Vertreters

hineindenken.“

Klaus-Peter Hohenner

Auch Familienunternehmen sind

nicht vor Schicksalsschlägen wie

Krankheit, Unfall oder Tod des

Unternehmers gefeit. Schon kurze

Zwangspausen des Entscheidungsträgers

können sich für dieFirma zu

einer Krise auswachsen, wenn es

nicht gelingt, die Handlungsfähigkeit

aufrechtzuerhalten.

Hat der Unternehmer

zum

Beispiel keine

Bank- oder

Kontovollmacht

erteilt,

können Zahlungen

unter

Umständen

nicht geleistet

werden. Der

verantwortungsbewusste

Unternehmer

trifft deshalb

Vorsorge. Die

Kernfrage lautet: „Was

geschieht, wenn ich plötzlich

meinen Betrieb – eventuell sogar für

einen längeren Zeitraum – nicht

mehr leiten kann?“

Um Schaden von dem Unternehmen

abzuwenden, sollte

der Unternehmer einen

„Notfallkoffer“ packen.

Gemeint ist ein Ordner, in

dem Maßnahmenpläne sowie Kopien

wichtiger Dokumente und Hinweise zu

dem Aufb

ewahrungsort der Originale

systematisch für den Ernstfall zusammengestellt

sind. Hierbei sollte der

Unternehmer die Hilfe der Rechtsanwälte,

Notare und

Steuerberater seines

Vertrauens in

Anspruch nehmen.

Mit dem Packen

des „Notfallkoffers“

ist es aber

nicht getan.

Ebenso wichtig ist

es, Vertrauenspersonen über diese Vorsorgemaßnahme

zu unterrichten und ihnen

die Möglichkeit zu geben, diese

Unterlagen bei Bedarfansich zu nehmen

und seinen Inhalt zu nutzen. Außerdem

sollteder „Notfallkoffer“ in regelmäßigen

Abständen kontrolliert und bei Bedarf

aktualisiert werden.

Der Inhalt hängt vonden Gegebenheiten

des Unternehmens ab. Der Unternehmer

muss sich in die Situation seines Vertreters

hineindenken: Was würde ich selbst

suchen, wenn ich morgen das Unternehmen

verantwortlich leiten müsste?

Es hat sich als sinnvoll herausgestellt, die

folgenden Kategorien zu bilden:

1. Vertretungsplan

Bei erzwungener Abwesenheit des Unternehmers

muss allen klar sein, wer ihn

vertritt. Die Vertretung sollte auf der

Grundlage eines Vertretungsplans geregelt

werden. Verantwortungsträgern wie

Prokuristen, Projektleitern oder Abteilungsleitern

sollten die konkret von ihnen

zu erledigenden Aufgaben zugewiesen

werden.

2. Vollmachten

Eine Vorsorgevollmacht in der Form

einer Generalvollmacht ist das entscheidende

Instrument, um die Handlungsfähigkeit

des Unternehmens im Notfall aufrecht

zu erhalten.

Eine Generalvollmacht

muss durch die Person(en) erteilt

werden, die das Unternehmen

rechtswirksam vertreten. Wenn das

Unternehmen im Handelsregister eingetragen

ist, kann alternativ zur Erteilung

von Vollmachten auch eine Prokura erteilt

werden. Hierbei handelt es sich um

eine gesetzlich geregelte Form der Vollmacht.

Eine unternehmerische Generalvollmacht

muss die Person des Vollmachtgebers

bzw. Unternehmens ebenso klar bezeichnen

wie die Person des oder der Bevollmächtigten.

Besonderer Wert ist darauf

zu legen, dass die Befugnisse des Bevollmächtigten

klar umrissen werden.

Die Vollmacht sollte gegebenenfalls die

Befugnis zur Erteilung von Untervollmachten

enthalten, wenn absehbar ist,

dass der Bevollmächtigte Ersatzpersonen

zu seiner Entlastung einschalten muss.

Weiter solltedie Vollmacht über den Tod

des Vollmachtgebers hinaus Geltung behalten.

Andererseits solltesie aus wichtigem

Grund jederzeit widerruflich sein.

Ganz besonders wichtig ist, dass die Generalvollmacht

keine Bedingungen enthalten

darf, die für den Geschäftspartner

nicht prüfbar sind. Eine Vollmacht, wonach

„der Bevollmächtigte nur für mich

handeln darf, wenn ich erkrankt oder

verhindert bin…“, ist im Geschäftsleben

völlig unbrauchbar.

Vor diesen Fallstricken bewahrt die

rechtskundige Beratung. Die Verwendung

von Mustern aus dem Internet ist

keine gute Art der Vorsorge. Wenn nämlich

Korrekturbedarf besteht, ist es meistens

schon zu spät.

Eine unternehmerische Generalvollmacht

sollte aus Nachweisgründen zumindest

schriftlich erteilt werden. Die

notarielle Beurkundung ist indes schon

deshalb zu empfehlen, weil sie dem

Unternehmer zusätzlich Rechtssicherheit

bietet. Zwingend erforderlich ist die notarielle

Form, wenn der Bevollmächtigte

Verfügungen über Grundbesitz oder Verfügungen

über GmbH-Anteile treffen

soll, wenn er mit der Stimmrechtsausübung

betraut wirdoder wenn er Vertretungsmacht

gegenüber dem Handelsregister

erhalten soll.

Gegebenenfalls sollte neben der (notariell

beurkundeten) Generalvollmacht

eine gesonderte Bankvollmacht in der

von dem Institut gewünschten Form erteilt

werden.

Wird der

Unternehmer

handlungsunfähig, ohne

Vorsorge getroffen zu haben,

bleibt nur die Einrichtung einer

gesetzlichen Betreuung. Diese

nimmt mehrere Wochen Zeit in

Anspruch, die das Unternehmen oftmals

nicht hat, und ist nicht die geeignete

Form der Ersetzung des Unternehmers.

3. Software, Lizenzen, Passwörter

Der Unternehmer muss sicherstellen,

dass die Personen, die ihn in der Krise

vertreten, denZugriff auf die für die Fortführung

des Betriebes benötigte Software

und auf die elektronische Kommunikation

haben. Dazu sollten alle Programme

mit Lizenzen und Passwörtern

wie auch –falls vorhanden –den Zugangsdaten

für das Online-Banking und

andere wichtige Passwörter, Codes und

PINs dokumentiert werden. Diese sensiblen

Daten sollten in einem verschlossenen

Umschlag in dem „Notfallkoffer“ aufbewahrt

werden.

4. Bankverbindungen, Versicherungen,

Berater

Um eine rasche Fortführung des Unternehmens

zu gewährleisten ist es erforderlich,

dass die handelnden Personen

sich anhand der relevanten Unterlagen

einen Überblick über alle Bankverbindungen,

über vorhandene Versicherungen

und über die Berater des Unternehmers

verschaffen können. Ansprechpartner

insbesondere bei Banken sollten notiert

werden. Die beratenden Notare, Anwälte,

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer

sollten aufgelistet werden. Ansprechpartner

insbesondere bei Banken sollten

notiert werden.

5. Wichtige Unternehmensdaten

Sofern erforderlich, sollten in dem „Notfallkoffer“

die wichtigsten Unternehmensverträge,

aber auch Produktionsgeheimnisse,

Auftragsbestände, Kalkulationsdaten

etc. hinterlegt sein. Ebenso

wichtig kann es sein, wichtige Lieferanten

und deren Ansprechpartner zu benennen

und die notwendigen Informationen

zur „Kundenpflege“ zu dokumentieren.

Weiter kann es vonNutzen sein, Verträge

in den

„Notfallkoffer“

einzustellen, die für die Fortführung des

Unternehmens wichtig sind. Dies können

Mietverträge, Kooperationsverträge, Gesellschaftsverträge

oder auch Kreditverträge

sein. Hilfreich können von Fall zu

Fall Handelsregisterauszüge, Grundbuchauszüge

oder Jahresabschlüsse sein.

6. Unternehmensnachfolge

Wenn der Unternehmer keine Vorsorge

trifft, tritt im Falle seines Todes die gesetzliche

Erbfolge ein. Danach erben

grundsätzlich die nächsten Verwandten

bzw. der Ehepartner des Unternehmers.

Sind mehrere Personen erbberechtigt,

bilden sie eine Erbengemeinschaft, die

über das gesamte Vermögen einschließlich

des Unternehmens verfügt. Die Zuordnung

des Unternehmens zu einer bestimmten

Person kann in diesem Fall erst

nach vorheriger Erbauseinandersetzung

erfolgen, wasdie Handlungsfähigkeit des

Unternehmens stark gefährdet.

Ein verantwortungsbewusster Unternehmer

sollte deshalb die Unternehmensnachfolge

durch ein Unternehmertestament

oder einen Erbvertrag regeln. Nur

so kann er bewusst darüber entscheiden,

wer bei seinem Todsein Vermögen, also

insbesonderedas Unternehmen, erhalten

soll. Bei der Gestaltung des letzten Willens

hilft nur die qualifizierte erbrechtliche

Beratung durch einen Notar. Dringend

zu empfehlen ist die Beurkundung

eines Testamentes, denn dadurch wird

im Todesfall häufig auch der Erbschein

unnötig, der ansonsten weitere Kosten

auslösen würde. Ein Erbvertrag ist stets

beurkundungspflichtig. Eine Kopie des

Testamentes gehört –gegebenenfalls im

verschlossenen Umschlag –inden „Notfallkoffer“.

Klaus-Peter Hohenner,Westfälische Notarkammer

Foto: colourbox.de


25 LEBEN &WISSEN

Der lange Weg zum

gesunden Unternehmen

Immer mehr Firmen erkennen den hohen Nutzen des „Betrieblichen Gesundheitsmanagements“.

Wettbewerbsdruck, demografischer

Wandel, alternde Belegschaften und

Nachwuchssorgen: Unternehmen

müssen sich vielfältigen Herausforderungen

stellen. Das geht nur mit

Hilfe ihrer gesunden, qualifizierten,

motivierten und leistungsstarken

Beschäftigten. Betriebliches Gesundheitsmanagement

(BGM) ist

eine Möglichkeit, die Gesundheit der

Mitarbeiter zu unterstützen und so

den Weg hin zum gesunden Unternehmen

zu ebnen. BGM ist schon lange

kein „karitatives Zuschussgeschäft“

mehr. Wer in die Gesundheit

seiner Mitarbeiter investiert, sichert

sich langfristig Wettbewerbsvorteile.

Ein Patentrezeptfür betriebliches

Gesundheitsmanagement gibt es

nicht –jedes Unternehmen braucht

ein maßgeschneidertes Konzept.

„Die moderne Arbeitswelt setzt

Beschäftigte und Unternehmen inhaltlich

und zeitlich unter einen

enormen Anpassungsdruck.“

Initiative Neue Qualität der Arbeit

Inden vergangenen Jahren hat sich

das Verständnis des Begriffs Gesundheit

grundlegend geändert.

Gesundheit ist nicht mehr nur die

Abwesenheit von Krankheit, sondern

umfasst sowohl physisches als auch

psychisches Wohlbefinden und Lebensqualität.

„Gesundheit ist also kein Zustand,

sondern ein Prozess, bei dem der

Mensch als Ganzes in seiner Entwicklung

und mit all seinen Potenzialen gesehen

wird“, wie der Bundesverband der Betriebskrankenkassen

schreibt. Und Gesundheit

ist keine

Privatsache, denn

Unternehmen

sind direkt betroffen,

wenn Mit-

DIE VIER PRINZIPIEN DES BGM

1. Ganzheitlichkeit: Wer Gesundheit fördern will, muss sowohl

bei den Personen (Verhalten) als auch bei den

Arbeitsbedingungen (Verhältnissen) ansetzen.

2. Partizipation: Betroffene müssen zu Beteiligten gemacht

werden, die Beschäftigten sind „Experten ineigener

Sache“. Erst ihre Ideen, Bedürfnisse und Wünsche lassen

das betriebliche Gesundheitsmanagement zu einem Erfolg

werden.

3. Integration: Die Gesundheitsförderung wird inallen

wichtigen Entscheidungen und allen Bereichen des Unternehmens

systematisch und zielorientiert berücksichtigt.

4. Projektmanagement: Alle Fördermaßnahmen sind auf

die spezifischen Bedürfnisse der Mitarbeiter zugeschnitten,

wobei der Managementprozess ebenso wie die Ergebnisse

einer kontinuierlichen erfolgssichernden Kontrolle

und Bewertung unterliegt.

Quelle: BKK –Auf dem Weg zum gesunden Unternehmen

Wenn Anforderung zur Belastung wird: Firmen tun gut daran, auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu achten.

arbeiter krank

oder eingeschränkt

leistungsfähig

sind.

Was kann am

Arbeitsplatz getan

werden, um die Gesundheit zu fördern?

Ein wichtiger Faktor für das allgemeine

Wohlbefinden ist die Zufriedenheit

am und mit dem Arbeitsplatz. Was

sich Arbeitnehmer hier wünschen, sind

an erster Stelle Sinnhaftigkeit und Ganzheitlichkeit

der Arbeit. Anforderungsvielfalt

ermöglicht den Einsatz unterschiedlicher

Fertigkeiten und vermeidet einseitige

Beanspruchung. Arbeitnehmer wollen

kooperieren und kommunizieren. Ein

positives Sozialklima ist die Basis für vertrauensvolle

Arbeitsbeziehungen und

Teamfähigkeit, es hilft, Belastungen zu

stemmen. Handlungsspielräume stärken

das Selbstbewusstsein, Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten

sowie eine Leistungsbewertung

und -anerkennung und

ein partizipativer Führungsstil runden

das Bild ab. Wenn diese Anforderungen

erfüllt sind, ist ein großer Schritt wegvon

innerer Kündigung, hin zu Mitarbeiterzufriedenheit,

Motivation und Leistungsbereitschaft

getan. Dies kann sich auch auf

betriebliche Fehlzeiten auswirken.

Hohe Arbeitnehmer-Fehlzeiten können

ein Indiz sein, dass in Unternehmen etwas

imArgen liegt. Wie eine Studie der

Initiative Gesundheit und Arbeit aus

März 2015 belegt, wächst die Anzahl der

Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland

seit einem Jahrzehnt kontinuierlich.

Zwar haben körperliche Arbeitsbelastungen

durch Technisierung und Automation

im Arbeitsalltag abgenommen,dafür

haben aber vor allem die psychischen

und sozialen Belastungen an Bedeutung

gewonnen. Die großen Volkskrankheiten

wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen,

Rückenschmerzen, Typ-2 Diabetes

und Übergewicht sind ebenfalls weiter

auf dem Vormarsch. Die Kosten sind

immens: Rund 400 Euro kostet im Bundesdurchschnitt

ein krankheitsbedingter

Fehltag eines Arbeitnehmers im Unternehmen.

Im Umkehrschluss bedeutet es aber

nicht, dass bei geringen Fehlzeiten die

Belegschaft eines Unternehmens auch

gesund ist. Im Gegenteil: Beschwerden

halten viele Beschäftigtenicht ab, weiter

zur Arbeit zu gehen, sei es aus Angst um

den Arbeitsplatz oder aus falschem Übereifer.Die

Bundesanstalt für Arbeitsschutz

und Arbeitsmedizin hat festgestellt:

Wenn Mitarbeiter krank ins Büro kommen,

kann das für Unternehmen teuer

werden. Denn durch diesen „Präsentismus“

entstehen Produktivitätsverluste,

weil die Mitarbeiter in ihrer Arbeits- und

Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind

und sich Fehler und Arbeitsunfälle häufen.

Doch es geht noch weiter: Wer sich

nicht auskuriert, riskiert eine spätere,

dann eventuell umso längere Krankschreibung

oder im schlimmsten Fall sogar

eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit.

Auch die Ansteckungsgefahr anderer

Mitarbeiter ist nicht zu unterschätzen.

Fortsetzung auf Seite 26

Norbert Meyer

Bioland-landwirt

OrganischesWachstumist die

Grundlagedes Unternehmenserfolges

derSuperBioMärkte.

Dies gilt fürunsere Produkte,

denenunsereregionalenPartnerdie

notwendigeZeitgeben,

um ihrenGeschmack undihre

gesunden Inhaltsstoffezuentfalten.Und es gilt

auch fürdas Unternehmen SuperBioMarkt, das

sich voneinem kleinen Bioladen zum ersten

Bio-Anbietermit einemVollsortiment in

Nordrhein-Westfalenentwickelt hat.

1973 eröffnete in Münster das Makrohaus, einer

der ersten drei Bioläden in Deutschland. Heute

ist daraus der SuperBioMarkt mit mehr als 600

Mitarbeitern in 23 Filialen in Nordrhein-Westfalenund

Niedersachsen geworden. Von Anfang

an haben wir dabei eine kompromisslose

Qualitätsstrategie verfolgt, in der das Thema

Regionalität immer eine zentraleRolle spielte.

Wir wollen die außergewöhnliche Qualität und

Foto: Lehtikuva/Sari Gustafsson, dpa

NAtüRlIchGeWAchSeN.

eINe eRfOlGSStORyAUS DeRReGION.

Nordrhein-

Westfalen

Herkunft unserer Produkte für unsere Kunden

nachvollziehbar machen: Wenn es die Jahreszeit

ermöglicht, beziehen wir unser Obst und

Gemüse vonBio-Landwirten aus Regionen, in

denen wir mit SuperBioMärkten vertreten sind,

also aus Nordrhein-Westfalen undNiedersachsen.

Dabei arbeiten wir mit festen Partnernzusammen,

die sich einem ökologischen Anbauverband wie

Bioland oder Demeter angeschlossen haben.

Wie der SuperBioMarkt stehen diese Landwirte

zu hundert Prozent hinter demBio-Gedanken.

In unseren Märkten kennzeichnen wir unsere

Obst- und Gemüseprodukte mit der Region, aus

der sie stammen, zum Beispiel aus dem Münsterland

oder dem Rheinland. Durch die langjährigen

Partnerschaften unterstützen unsere Kunden

und wir die ökologische Landwirtschaft hier bei

uns in der Region. Viele Landwirte beliefern uns

seit Jahrzehnten und sind mit unsgewachsen. Mit

der Zeit kamen weitere Partnerdazu. So entstehen

dank unserer Kunden viele Erfolgsgeschichten in

der Region.

23 xinNRW undNiedersachsen.

Mehr zu unseren Partnern aus der Region finden Sie unter: www.SuperBioMarkt.com

SabrinaDartmann

Marktleitung


26 LEBEN &WISSEN

WER MACHT WAS?

ARBEITGEBER

gesunde Kantinenkost

gesundheitsfördernde Arbeitsplatzgestaltung

gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung

Rauchfreier Betrieb, Verbesserung

des Betriebsklimas (Mobbing, Mitarbeiterführung)

ARBEITNEHMER

Ernährungskurse, -beratung

Rückenkurse, Walking

Kurse zur Entspannung, Stressmanagement,

Weiterbildung

Kurse zur Tabakentwöhnung, Hilfsund

Beratungsangebote

Etablierung von Gesundheitszirkeln,

bauliche Maßnahmen zur Gesundheitsförderung

Arbeitsplatzwechsel, flexible Arbeitszeiten

Leitbild, transparente Kommunikation,

Führungskompetenz

Foto:Fotolia

Warum nicht? Ein Mann macht während eines Telefonats im Büro

eine Fitnessübung.

Foto: Techniker Krankenkasse

Fortsetzung von Seite 25

Ein Weg für Unternehmen, ihre krankheitsbedingten

Fehlzeiten zu senken,

gleichzeitig wirksam das Phänomen des

Präsentismus zu bekämpfen und sich so

im Endeffekt Wettbewerbsvorteile zu sichern,

ist das betriebliche Gesundheitsmanagement

(BGM). „Die moderne

Arbeitswelt setzt Beschäftigteund Unternehmen

inhaltlich und zeitlich unter

einen enormen Anpassungsdruck. Gesunde,

qualifizierte, motivierte und leistungsstarke

Mitarbeiter sind der entscheidende

Faktor,umdie aktuellen und

zukünftigen Herausforderungen in einer

globalisierten Weltwirtschaft zu meistern“,

so die Initiative Neue Qualität der

Arbeit, INQA.

Das betriebliche Gesundheitsmanagement

ist eine moderne Unternehmensstrategie,

die Antwort

auf die zunehmenden Herausforderungen

der

Arbeitswelt gibt. Es ist

ein ganzheitlicher und

nachhaltiger Prozess

und vereint klassischen

Arbeits- und Gesundheitsschutz

mit betrieblicher

Gesundheitsförderung,

Eingliederungs-

und Personalmanagementstrategien.

Natürlich ist betriebliches

Gesundheitsmanagement

kein Allheilmittel:

Schlechte Geschäftsmodelle

oder Produkte

werden auch durch gesunde Mitarbeiter

nicht besser. Aber: Mitarbeiter

sind das wichtigste Kapital eines Unternehmens.

Die Investition in die Mitarbeiter

und ihre Gesundheit ist damit immer

auch eine Investition in die betriebliche

Zukunft.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

lohnt sich aber nicht nur für das einzelne

Unternehmen, das laut Studien mit jedem

investierten Euro imErgebnis 2,70

Eurodurch reduzierteFehlzeiten einsparenkann.

Auch aus volkswirtschaftlicher

Sicht ist BGM positiv: Ein Mehr an Gesundheit

im Betrieb entlastet nämlich

auch die Sozialkassen. Laut einer Studie

der Strategieberatung Booz &Company

zahlt sich jeder in betriebliche Prävention

investierte Euro für die deutsche Volkswirtschaft

mit fünf bis 16 Euro aus. Der

Effekt dabei beruht auf der reinen Verringerung

vonKrankheitstagen und den damit

verbundenen direkten Kosten für Medikamente

und medizinische Behandlung.

Besonders profitieren die Hauptpersonen,

die Beschäftigten. Sie verbessern

ihre körperliche und psychische Verfassung,

ändern ihr Verhalten und tragen im

Unternehmen ein gesundheitsförderndes

Umfeld mit. Im besten Fall übertragen sie

das Erlernteauch ins Private. So wirddas

Unternehmen ein Lernort für gesundheitsgerechtes

Verhalten. Die Wirkung

des BGM geht damit weit über den betrieblichen

Rahmen hinaus. Das kann

langfristig helfen, die Gesamtkosten im

Gesundheitswesen zu senken –eine Winwin-Situation

für alle Beteiligten.

Zur Einführung des BGM in Unternehmen

werden verschiedene Anreize geboten:

Jedes Unternehmen kann bis zu 500

Europro Jahr und Mitarbeiter in Gesundheitsförderung

investieren -

und das lohnsteuer- und abgabenfrei.

Auch Unfallversicherungsträger

und

Krankenkassen geben

mit Prämien oder Boni

attraktive Anreize.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

ist

umfassend,

ganzheitlich

und vor allem eins –individuell. Es

gibt nicht das betriebliche Gesundheitsmanagement,

denn jedes Unternehmen

ist anders. Wichtig ist, wasdie jeweiligen

Mitarbeiter brauchen und wünschen.

Werdas nicht weiß, kann den Bedürfnissen

seiner Beschäftigten auch nicht gerecht

werden.

BGM ist nicht allein auf die Behebung aktueller

Probleme ausgerichtet, wie beispielsweise

den Abbau eines hohen Krankenstands.

Es ist zukunftsweisend, getreu

dem Motto: „Gesund arbeiten bis ins

Alter“. Betriebliche Rahmenbedingungenwerden

gemeinsam mit den Beschäftigten

so geschaffen, dass ihre physische

und psychische Gesundheit gestärkt und

ihre Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt.

Die Unternehmenskultur hat erheblichen

Einfluss auf die Umsetzung und Verankerung

des Gesundheitsmanagements. Gesundheitsmanagement

ist eine interdisziplinäre

Aufgabe für alle Unternehmensbereiche,

wobei den Führungskräften

eine besondere Verantwortung zukommt.

Sie sichern die Information und Kooperation,

die Einbeziehung aller Betroffenen

und die Zielerreichung. Maßnahmen

nach dem „Gießkannenprinzip“ werden

so vermieden. Denn der beste Rückenkurs

nützt nichts, wenn der Arbeitsplatz

nicht ergonomisch gestaltet ist. Und

wenn es in der Kantine abwechselnd

Pommes/Currywurst und Spaghetti Bolognese

gibt, kann auch keine Ernährungsberatung

nachhaltig greifen.

Der BGM-Prozess selbst ist ein stetiger

Lernkreislauf, von der Bedarfsanalyse

und Zieldefinition über die Planung und

Ausführung geeigneter Maßnahmen bis

hin zur kontinuierlichen Kontrolle und

Bewertung der Ergebnisse.

Die wichtigsten Punkte jedoch für jedes

Unternehmen, bei jeder individuellen

Form des betrieblichen Gesundheitsmanagements:

1. Fragen, fragen, fragen. Was wollen,

waswünschen die Mitarbeiter? Wiekönnen

sie sich beteiligen? Nur sowird Gesundheitsmanagement

im Unternehmen

fest verankert.

2. Die Antworten aushalten und annehmen

können. Wer nach dem Üben von

Kritik schief angesehen wird, wird sie

wahrscheinlich in Zukunft nicht mehr offen

äußern.

3. Kommunizieren, getreu dem Motto

„Tue Gutes und rede darüber“. Denn ohne

richtige und regelmäßige Kommunikation

an die Belegschaft stellt sich der

gewünschte Erfolg nur schwer ein. Außerdem

entsteht „Gesundheit“ nicht von

heuteauf morgen. Geduld und ein langer

Atem sind erforderlich, es geht nicht alles

auf einmal.

Besonders in kleinen und mittleren

Unternehmen ist die Einführung des betrieblichen

Gesundheitsmanagements

derzeit noch nicht flächendeckend. Das

ist oft auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung

zurückzuführen. Unterstützung bei

der Einführung oder Verbesserung eines

bestehenden betrieblichen Gesundheitsmanagements

finden Unternehmen

unter anderem bei Krankenkassen, den

Unfallversicherungsträgern und der

Deutschen Rentenversicherung oder

auch bei kommerziellen Anbietern wie

Gesundheitszentren, Ernährungsberatern

oder Instituten für betriebliche Gesundheitsförderung.

Best-Practice-Beispiele, gerade auch aus

kleinen und mittleren Unternehmen, finden

sich online unter www.inqa.de sowie

www.bmg.bund.de.

Beate Schräder

ERFOLGE DES BGM

•Verringerung der Arbeitsbelastung

•Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens

der Mitarbeiter und Erhalt der Arbeits- und Leistungsfähigkeit

•Steigerung der Arbeitszufriedenheit und Motivation

•Senkung des Krankenstands

•Verbesserung des Arbeitsklimas

•Erhöhung der Mitarbeiterbindung und -loyalität

•Verringerung der Fluktuation

•Verbesserung der Produkt- bzw. Dienstleistungsqualität

•Verbesserung der innerbetrieblichen Kooperation

•Erhöhung der Kundenzufriedenheit und Kundenbindung

•Verbesserung der Flexibilität und Innovationsfähigkeit

•Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Produktivität

•Förderung der Corporate Identity

•Verbesserung des Unternehmensimages und der

Beschäftigungsattraktivität

•Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit

Quelle: BKK -Auf dem Weg zum gesunden Unternehmen

Foto: www.colourbox.com


LEBEN &WISSEN 27

Ran andie Wissenschaft

Universität Münster eröffnet am 4. Juni auf dem Leonardo-Campus das „Q.UNI CAMP“ 2015

Das „Explorado“-Gastspiel im vergangenen

Sommer war erst der Anfang.

Jetzt erweitert die Universität

Münster ihr breites Angebot für Kinder

und Jugendliche um das „Q.UNI

CAMP“. Das erste Camp findet ab

dem 4. Juni auf dem Leonardo-Campus

in Münster statt. Es bietet sechs

Wochen lang den unmittelbaren

Kontakt zu Natur und Wissenschaft.

„Unter dem Oberbegriff Q.UNI

werden wir das gesamte Angebot

auf diesem Gebiet künftig

bündeln.“

Kinder sind die Studierenden

von morgen. Die Universität

Münster hat dies wie andere

Hochschulen längst erkannt.

Kie S kümmert sich an vielen

Stellen um die künftigeZielgruppe. „Kinder-Uni“,

„MExLab“, „Klasse(n)kisten“ –

die Liste der Angebote

ist bereits

lang. Das Camp

kommt als Dauereinrichtung

in

den Sommermonaten

neu hinzu.

„Unter dem Ober-

Norbert Robers, Uni-Pressesprecher

begriff Q.UNI

werden wir das

gesamte Angebot

auf diesem Gebiet künftig bündeln“, erläutert

Norbert Robers, Pressesprecher

der Universität, das Konzept.

Das erste „Q.UNI CAMP“ öffnet vom 4.

Juni bis zum 19.Juli. Kinder ab vier und

Jugendliche bis 15/16 Jahren können

hier ungezwungen Natur und Naturwissenschaften

kennenlernen und erfahren.

Exponatezum Anfassen, zum Mitmachen

und sogenannteBewegungsinseln bilden

Mehr als eine farbenfrohe Show: Bei verschiedenen Experimenten können auch Kinder schon lernen, wie chemische Reaktionen ablaufen.

einen Teil des Camps. Gleich nebenan

lockt ein „Erlebnisgarten“ mit Barfußpfad,

Riechgarten, einem grünen Klassenzimmer

und dem Picknickplatz. Wer

möchte, kann sich in einem Workshop als

Naturdetektiv auf die Spurensuche begeben.

Baustelle und Sandkasten bilden den

dritten „Q.UNI CAMP“-Bereich. Wege

pflastern, Mauern bauen und Dach decken

–welches Kind träumt nicht davon.

Es gibt sogar eine „Ausgrabungsstätte“.

Das „Q.UNI CAMP“ ist täglich von 9bis

18 Uhr (in den Ferien ab 10 Uhr) geöffnet.

Während der gesamten Zeit betreuen

Studenten die Kinder und Jugendlichen

an den verschiedenen Stationen.

Die Exponate sind in Zelten untergebracht,

damit die jungen Besucher auch

bei Regenkeine Pause einlegen müssen.

Schulklassen können an zweistündigen

speziellen Workshops teilnehmen. Feriengruppen

haben die Möglichkeit, sich

von morgens bis zum Nachmittag im

Camp aufzuhalten. Die Tage stehen dann

jeweils unter einem neuen Thema.

Bei Gruppenbesuchen zahlen Kinder und

Jugendliche drei EuroEintritt. Ansonsten

kostet der Camp-Besuch (auch ermäßigt)

vier Euro. Erwachsene sind mit sechs

Euro dabei.

Anfragen an: quni@uni-muenster.de

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28 LEBEN &

Farbenfrohe

Tischrunden laden ein

Münsterische Künstlerin Regine Schmidt-Morsbach stattet zwei Kreuzfahrtschiffe mit ihren Bildern aus

„Wenn man mich einladen würde,

würde ich schon gern selbst sehen

wollen, wo meine Bilder gelandet

sind.“

Regine Schmidt-Morsbach

Ob sie schon mal eine Kreuzfahrt

unternommen hat? Regine Schmidt-

Morsbach lacht: „Ach, das ist nichts

für mich.“ Sie ist passionierte Radfahrerin,

muss „Kilometer machen“

– und das ist auf Luxuslinern bekanntlich

schwierig. Aber wenn man

sie demnächst mal einladen würde,

damit sie sehen kann, wo ihre zwölf

Bilder gelandet sind, dann würde die

Künstlerin aus Münster wohl nicht

nein sagen.

Esist zwei Jahreher,dass Regine

Schmidt-Morsbach die

Mail erreichte, die alles in

Fahrt brachte. Im März 2013

fragte eine Galerie aus Bielefeld,

zugleich spezialisiert auf Art-Consulting,per

E-Mail an, ob sie Interesse an

der künstlerischen Gestaltung eines Restaurants

habe. Die Münsteranerinzögerte,

vermutete sogar einen „Scherz“. Aber

die Anfrage

schwirrte in

ihrem Kopf herum.

Und dann

waren dajanoch

ihre „Tischbilder“,

die Figuren

mit Gesten und

Blicken auf spannende,

überraschende

Weise zu

Gruppenporträts zusammenführte –

„ideal eigentlich für eine Restaurant-Atmosphäre“,

so Schmidt-Morsbach. Also

schickte sie doch mal ein paar Fotosihrer

Bilder an die Mail-Adresse zurück.

Danachpassiertelange nichts. Also doch

nur ein Scherz? Und plötzlich lag eines

Tagesdie Antwort im Briefkasten. Inhalt:

Die Auftraggeber seien angetan,sie werde

in die Reihe der Mitbewerber aufgenommen,

schrieb die Galerie als Mittelsmann.Wochenspäter

eine neueBenachrichtigung:

Sie sei zur Favoritin aufgestiegen.

Um welches ominöse Restaurant

es sich handelt –kein Wort davon.

Im Januar 2014 dann endlich Klarheit:

Regine Schmidt-Morsbach erhielt den

Zuschlag, die Restaurants zweier Kreuzfahrtschiffe

des Aida-Konzerns, die erst

2015 und 2016 in Nagasaki in Japan vom

Stapel laufen werden, künstlerisch zu gestalten.

„Ich war sprachlos, aufgeregt“,

erzählt die Künstlerin rückblickend.

Und dann ging die Arbeit erst richtig los.

Zwölf Entwürfe der endgültigen Acrylbilder

galt es anzufertigen, die dann zwecks

Absegnung beim Aida-Unternehmen in

Rostock auf dem Konferenztisch landeten.

Schmidt-Morsbach machte sich sofort

an die Arbeit, setzte die geforderten

Entwürfe im Format 30 mal 40 Zentimeterzunächst

als Aquarell um, um die „Lebendigkeit

Leichtigkeit

und

der

BEST OF

business

muenster.business de

Das erfolgreiche Wirtschaftsportal

„Herzlich Willkommen“ heißt dieses Werk von Regine Schmidt-Morsbach, dass seine Heimat auf einem Kreuzfahrtschiff gefunden hat.

Szenen zu erhalten“. Seither steht die

Umsetzung der Motive,die Menschen gesellig

miteinander am Tisch zeigen, in

großformatige Acryl-auf Leinwand-Werke

bei Schmidt-

Morsbach auf

dem Plan.

„Mein Ziel ist es,

das aquarelltypische

auch in der

anderen Technik

„Ich war sprachlos und aufgeregt.“

Regine Schmidt-Morsbach über ihre Gefühle, als sie

vom Großauftrag für den Aida-Konzern erfuhr.

„Die Herrenrunde“ bedient sich der Gesellschaft eines Chamäleons..

zu erhalten“,

schildert die

Künstlerin. Über ein Jahr ist seither vergangen

–und inzwischen arbeitet sie in

ihrem Atelier an der Sternstraße am letzten

von zwölf Bildern.

Die ersten sechs sind bereits im Februar

dieses Jahres von einer Spedition begutachtet,

verpackt

und nach Nagasaki verschifft worden.

DiezweiteSerie ist, wie gesagt, fast

fertig. Das zwölfte Bild steht halbfertig

auf der Staffelei, während Regine

Schmidt-Morsbach

unserer Zeitung

diese unglaubliche

Geschichte

erzählt.

„Die skizzierten

Entwürfe werden

in Acryl indifferenzierten

Strukturen

und changierenden Farbflächen

umgesetzt.“ Der Tisch, an dem die teils

üppigen Figureninihren Bildernhocken,

bildet jeweils die Basis der Bilder.Mal gesellt

sich ein Chamäleon zu einer Runde

distinguiert wirkender Herren, mal wird

ganz offensichtlich dem Alkohol

zugesprochen –entsprechend

dem Titel eines

der Werke: „Leben soll sich

wieder lohnen.“

„Die Arbeit macht immer

noch viel Spaß. Es ist spannend,

wie sich auf der

Leinwand trotz klarer Vorlage

überraschende Komposition

entwickeln“,

schildert die Künstlerin,

die sich nun sputen will,

das Projekt in diesem Monat

zum Abschluss zu

bringen. Denn eine Ausstellung

in der Schweiz

2016 wirft bereits ihre

Schatten voraus. Ob es

ihr leicht fällt, ihre Werke

künftig auf den Weltmeeren

unterwegs zu wissen? Regine

Schmidt-Morsbach zögert. „Wenn man

mich einladen würde, würde ich schon

gern selbstsehenwollen, wo sie gelandet

sind.“

Undwenn schon Schiffsreise

de ich gern wohlhabende, ält

nische Touristinnen begleit

dienzwecken“. Mal sehen,

kommt.

Petra

Neulich imAtelier der Künstlerin in Münster: Gemeinsam mit einem Mitarb

dition verpackt Regine Schmidt-Morsbach eines ihrer Bilder für den Transpor


WISSEN

29

Aus dem Privatbesitz des schwedischen Königs stammt dieses Kabinett, das kurz vor 1700 in der Berliner Hofwerkstatt entstand. Museumsdirektorin Dr. Monika Kopplin lenkt den

Blick auf die kostbar verzierten Innenfächer.

Foto:Jürgen Peperhowe

Erlesenes Mobiliar

für Fürsten und Könige

Das Museum für Lackkunst in Münster widmet dem Künstler Gérard Dagly eine sehenswerte Schau

,„dann würereamerikaen

–zuStuob

es soweit

Noppeney

iter der Spet.

Fotos: Ralf Emmerich

Ein aus Spa im heutigen Belgien

stammender Lackkünstler sorgte vor

über 300 Jahren am Hof des Großen

Kurfürsten in Berlin mit seinen Möbelarbeiten

für Furore. Und Berlin

avancierte in jener Zeit zur Keimzelle

der Sinologie, der Chinakunde.

Das sind nur zwei Aspekte einer sehenswerten

Schau im Museum für

Lackkunst: „Die Dagly-Ausstellung

setzt in der Fülle der Ausstellung, die

ich für das Museum vorbereitet und

durchgeführt habe, einen Meilenstein“,

so freut sich Dr. Monika Kopplin,

die Direktorin des Museums.

Allein das 300. Todesjahr

Daglys ist Anlass genug, das

Werk des bedeutendsten

europäischen Lackkünstlers

As Aeiner Zeit zu würdigen. Es

handelt sich zudem in Münster um die

erste Ausstellung über die Berliner Hofwerkstatt.

Unter den 40 Exponaten befindet

sich sogar eine Leihgabe aus dem Privatbesitz

des schwedischen Königs, nämlich

eines von zahlreichen mit Lackkunst

Kabinett mit Wandtisch aus der Berliner Hofwerkstatt,

um 1700

Gérard Dagly (1660-1715) und die Berliner Hofwerkstatt

Vor 300 Jahren starb der aus Spa stammende Lackkünstler Gérard Dagly. Er

wurde schon im Alter von 26 Jahren vom Großen Kurfürsten nach Berlin gerufen

und bereits ein Jahr später, 1687, zum Kammerkünstler ernannt. Meister

Dagly gründete die Berliner Hoflackwerkstatt, die es in der Adaptation fernöstlicher

Motive und Techniken zu grandioser Meisterschaft brachte. Die Hofwerkstatt

fertigte überwiegend Mobiliar und Vertäfelungen für verschiedene preußische

Residenzen, besonders aber für das Berliner Schloss sowie Schloss Oranienburg

an. Kurfürst Friedrich III., der spätere König Friedrich I., honorierte

Daglys Kunstfertigkeit, in dem er ihn 1696 zum „Intendant der Ornamenten“ ernannte.

In dieser Position war erGesamtaufseher über die Ausstattung der königlichen

Schlösser. Nach der Thronbesteigung König Friedrich Wilhelms I.

wurde die Hofwerkstatt 1713 geschlossen. Dagly fand noch eine Anstellung

beim Kurfürsten Johann Wilhelm II. von der Pfalz, starb jedoch kurze Zeit später

inBensberg. loy Wackelpagode, Berlin, Hofwerkstatt, vor

1706

geschmückten Kabinetten, in denen zum

Beispiel Münzen aufbewahrt wurde.

Der 1660 geborene Gérard Dagly wurde

schon im Alter von 26Jahren vom Großen

Kurfürsten nach Berlin gerufen und

bereits ein Jahr später, 1687, zum Kammerkünstler

ernannt. Meister Dagly

gründete sogleich die Berliner Hoflackwerkstatt.

Eswar die erste ihrer Art in

Europa und sie entwickelte, wie

die Ausstellung zeigt,

eine wahre Meisterschaft.

Um dies zu zeigen,

rückt Museumsdirektorin

Dr. Monika

Kopplin Mobiliar sowohl

aus der Berliner

Hofw

fwerkstatt, das heute

zum Beispiel der Stiftung

Preußische

Schlösser gehört, wie

auch herausragende Exponate

aus China und Japan, die sich in

Privatbesitz befinden, in einen spannenden

Kontrast.

„Meine besondereBewunderung gilt hier

einem Paar japanischer Lackkabinette,

die zu den schönsten Exportlacken gehören,

die ich kenne“, unterstreicht Kopplin,

„und sie gilt dem Weilburger Kabinett

Daglys, in dem die japanische Lackästhetik

vollkommen umgesetzt ist.“ Die

in der Regelschwarz lackierten Kabinette

wurdenmitMotiven aus Floraund Fauna

verziert, und es zählt, wie Kopplin begeistert

erzählt, zuden auch intellektuellen

Glanzleistungen Daglys, wie er sich Motive

und Applikationstechniken aus Fernost

aneignete und in Europa hoffähig

machte. Während hier nämlich noch die

Fülle des Barock als künstlerisches Ideal

„Der Mann war sich seiner

Fähigkeiten voll bewusst.“

Dr. Monika Kopplin über den Ausnahmekünstler

Gérard Dagly am preußischen Hof

galt und die Bildmotive überquollen, galt

in Fernost ein ganz anderes Ideal, das bei

der Gestaltung eben auch freie Flächen

und eine meditativeBalance favorisierte.

Ein Blick auf feine Pflanzenornamentik

oder die immer wiederkehrenden Phoenix-Vögel

zeigen sowohl die Meisterschaft

der Vorbilder wie die des Meisters

Dagly und seiner Werkstatt in Berlin. Die

Ausstellung umfasst neben Kabinettschränken

auch Tische für verschiedene

Zwecke mit polychromer Bemalung und

Wackelpagoden.

Es zählt zu den Stärken der Schau, dass

siedie künstlerischen FähigkeitenDaglys

einbettet in die Fernostbegeisterung zum

Ende der europäischen Barockzeit. So

stand Dagly auch im Kontakt mit dem

Universalgelehrten Gottfried Wilhelm

Leibniz (1646-1716), der sich fünf Jahrzehnte

lang immer wieder mit China beschäftigte

und, wie Monika Kopplin erläutert,

einer der ersten Vordenker eines

Wissenstransfers zwischen Europa und

Fernost war. Der üppigeKatalog aus dem

Hirmer-Verlag, herausgegeben von Dr.

MonikaKopplin, ist auchdiesmal wieder

ein Stück wissenschaftlicher Pionierarbeit

über den herausragendeneuropäischen

Lackkünstler Gérard Dagly.

Gérard Dagly (1660-1715) und die Berliner

Hofwerkstatt. Bis 26. Juli 2015 im

Museum für Lackkunst, Münster.Geöffnet

Mi bis So sowie an Feiertagen von12

bis 18 Uhr, Divon 12 bis 20 Uhr.

Johannes Loy

|www.museum-fuer-lackkunst.de

START

HELFER

muenster.business de

Daserfolgreiche Wirtschaftsportal


30 LEBEN &WISSEN

Temporeiches Geschäft: Bis zu einhundert Mal in einer Stunde besiegelt Daniel Meyer den Kaufabschluss mit dem Hammer.

AUKTIONATOR

Auktionator ist kein anerkannter Ausbildungsberuf. Esist

ein Betätigungsfeld, auf dem sich prinzipiell jeder tummeln

kann. Launige Sprüche, mit denen der Versteigerer

interessierte Bieter in Kauflaune bringt, und der Zuschlag

mit dem Hammer –imFachjargon „Gavel“ genannt –sind

nur Beiwerk: Für den Beruf des Auktionators ist viel kaufmännisches

Gespür erforderlich. Für Auktionen gibt es

gesetzliche Vorschriften, die strikt einzuhalten sind. Zwei

Wochen vor der Versteigerung muss diese bei den zuständigen

Behörden und Handelskammern angemeldet sein.

Die erforderliche Genehmigung des Ordnungsamtes bekommt

nur, wer ein blütenweißes polizeiliches Führungszeugnis

und geordnete finanzielle Verhältnisse vorzuweisen

hat.

Karrierestufe zwei: Nur fünf öffentlich bestellte und von

der IHK Nord Westfalen vereidigte Auktionatoren und

Sachverständige sind im Bezirk der Kammer zugelassen,

einige davon spezialisiert auf Grundstücke oder technische

Anlagen. Wer vereidigt werden will, wird von der

IHK auf Herz und Nieren und vor allem die fachliche Eignung

geprüft –mit einer Durchfallquote von über 50 Prozent:

„Unternehmen und Gerichte greifen bei schwierigen

Fragen gerne auf IHK-Sachverständige zurück. Sie müssen

sich hundertprozentig auf diese verlassen können“,

erklärt Dr. Jochen Grütters, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs

Recht und Organisation.

Wer richtig viel Geld ausgeben und in Kunst von Immendorf,

Richter oder Polke investieren oder diese veräußern

will, wende sich an die großen Auktionshäuser, dies

jedenfalls rät Dieter Löhr, der Geschäftsstellenleiter des

Bundesverbandes der deutschen Kunstversteigerer. „Bei

Kunst oder Wertvollem ab1000 €sollte der Kunde sich

auf die Provenienz-Gutachten eines Experten verlassen.

Und von denen sind bei größeren Auktionshäusern wie in

Köln und Berlin für jedes Spezialgebiet welche beschäftigt“,

empfiehlt der Rechtsanwalt aus Wiesbaden. ma

Wenn ein Holzhammer

den Takt angibt

Kunstauktionatoren wie Daniel Meyer müssen nicht nur besonders eloquent sein. Ohne ein

fundiertes Expertenwissen und große Erfahrung stellt sich der Erfolg nicht ein.

„... und zum Dritten“: Bis zu hundert

Mal pro Stunde schnellt der Hammer

auf den Tisch und besiegelt Kaufabschlüsse

wie am Fließband. Trotzdem

sind das Holzwerkzeug und die

temporeiche Eloquenz nicht die

wichtigsten Handwerkszeuge des

münsterischen Kunstauktionators:

„Fundiertes Fachwissen und langjährige

Erfahrung im Kunsthandel

sind ein absolutes Muss“, ist Daniel

Meyer sich sicher.

Der studierte Kunsthistoriker

kann überdies auf die

Erfahrung von Eric Wilbois,

Urgestein im münsterischen

Auktionshandel,

zurückgreifen. Wilbois ist einer der wenigen

öffentlich bestellten und vereidigten

Versteigerer und hat sich mit

seinem Auktionshaus an der Buddenstraße

seit 40 Jahren auf dem

Markt behauptet.

Für alle in der Branche gilt, dass die

Auktionstageden Takt beschleu-

Edles Porzellan aus China weckt auch verstärkt das Interesse chinesischer

Sammler.

Foto: colourbox.de

nigen. Angespannt und nervös ist der 42-

jährigeMeyer trotzdem nicht das kleinste

Bisschen an so einem Tag, an dem ihm bis

zu 70 kaufgeneigte

Kunstliebhaber

bis zu zehn Stunden

ihre volle

Aufmerksamkeit

schenken. Die Atmosphäre

knistert,

wer esnicht

mehr aushält,

kann bei Kaffee

und Mettbrötchen in der Kneipe nebenan

pausieren und den Kopf kühlen.

Viele Akademiker der „Generation 40+“

besuchen die reale Auktion, über diejenigen

hinaus, die per Telefon oder online

mitbieten. Für MeyerStress, aber im positiven

Sinne: „Ganz im Gegenteil bin ich

bin froh und voller Tatendrang –immerhin

fahre ich heute sozusagen die Ernte

ein der letzten sechs arbeitsintensiven

Monate.“ In Zahlen: Auf den Zuschlagpreis

muss der Käufer noch 23,5 Prozent

sogenanntes Aufgeld, die Verkaufsprovision,

zahlen.

Dafür bringt Meyernicht nur die Ware an

den Mann: In akribischer Recherchearbeit

hat der Fachmann mehr als 800

Exponate katalogisiert: ob die grausepiafarbene

Mariendarstellung

als Miniaturmalerei aus

dem 19. Jahrhundert auf

Porzellanoder die Rokoko-Vitrine

aus Nussbaum.

In den Katalog

hat er nicht nur Fotos

gestellt, sondern jeden

Auktionsgegenstand detailliert

beschrieben.

Den verschickt er nur an seinen gut gepfl

egte Kundenstamm auf der ganzen

Welt. Nach der Auktion verpackt Meyer

einen Großteil der Warenfür den Export:

„Das Kunstwerk muss den Kunden

emotional ansprechen, bloße Geldanlagen

sind hier nicht gesucht.“

Daniel Meyer

„Antikes chinesisches Porzellan wird oft

nach China versteigert, syrische Teppiche

gehen zurück nach Syrien, und für Antiquitäten

wächst

der Markt in

Russland immer

stärker“, berichtetMeyer.Wichtiges

Kaufkriterium:

„Das Kunstwerk

muss den

Kunden emotional

ansprechen,

bloße Geldanlagen sind hier nicht gesucht.“

Der Experte selbst muss auf den ersten

Blick erkennen, was erinden Händen

hält: wertvolle Kunst und Antiquitäten

oder Trödel für den Flohmarkt.

Perfekt, wenn ein Museums-Gutachten

aus Recklinghausen die Echtheit untermauert

wie bei einer Marien-Ikone aus

dem 16./17. Jahrhundert aus dem Beitz-

Nachlass. Auf der zwölften

Auktion des Hauses Meyer

erzielte dieses Sakralkunstwerk

19 000Euro, der Glanz

der internationalen Kunsthandelsszene

erstrahlte in

Münster.SoteureExponate

–„das Meistewirdzwischen

500 und 4000 Euro versteigert“

–sind aber eher die

Ausnahme für den Auktionator

mit Sitz an der Hörsterstraße.

„Viele Kunden

kommen ins Geschäft, um

zu erfahren, ob ihr Silberbesteck

oder Ölgemälde die

Chance auf eine Versteigerung

hat oder schicken per

Mail ein Foto.“ Zu zahlreichen

privaten Anbietern

macht sich Meyeraber auch

selbst auf den Weg, um

Wertgegenstände zu begutachten. „Einige

Verkäufer sind in so hohem Alter,dass

sie nicht mal eben das Handy zücken und

ein Foto machen“, berichtet der 42-Jährige.

Er erlangte bundesweite Bekanntheit

durch seine Bildschirm-Präsenz. Für das

ZDF kommen die Anbieter zu ihm ins Studio

nach Köln: Für die Sendung „Bares

für Rares“ mit Fernsehkoch und ModeratorHorst

Lichter steht Meyerals Händler

seit 2013 an 35 Drehtagen pro Jahr vor

der Kamera. Zusammen mit vier Kollegenbegutachtet

und taxiert er Kunst und

Wertvolles für eine kleine Gage –und

wenn ihn ein Exponat wirklich berührt,

kauft der Münsteraner auch für seine

Auktionen. Das Portemonnaie füllt er vor

jeder Sendung auf. Selbstverständlich

mit seinem eigenen Geld: „Hier ist alles

echt, ganz ohne Drehbuch, darauf legt

das öffentlich-rechtliche Fernsehen sehr

viel Wert.“

Maike Harhues

Mit Moderator Horst Lichter (Bild) steht Meyer als Händler seit 2013 an 35

Drehtagen pro Jahr vor der Kamera.

Foto: ZDF


LEBEN &WISSEN 31

In Asien warten Fans

und frische Millionen

Borussia Dortmund intensiviert seine Marketing-Aktivitäten imAusland. Ligen in Südostasien sind

unattraktiv –deshalb schauen die Fußballbegeisterten vermehrt nach Europa.

Borussia Dortmund streckt seine

Fühler nach Asien, insbesondere

Südostasien aus. Zunächst in Japan,

Singapur und Malaysia, später auch

in Thailand, Indonesien, Vietnam

und China will der börsennotierte

Fußballclub neue Fans gewinnen

und frisches Geld generieren.

„Wir setzen vor Ort auf Herz und

Nachhaltigkeit.“

BVB-Marketing-Direktor Carsten Kramer

Die englische Premier

League mit Manchester

United an der Spitze ist

dort schon lange vor Ort.

BVB-Marketing-Direktor

Carsten Cramer scheut die Konkurrenz

weiterer Vereine nicht. „Wir machen das

anders als alle anderen. Wir setzen vor

Ort auf Herz und Nachhaltigkeit.“

Die vergangenen Jahremit zwei Meisterschaften,

einem

Pokalsieg und

der Teilnahme

am Champions-

League-Finale

2013 haben

Dortmund in

Fernost bekannt

und populär gemacht.

Umfrageergebnisse,

deutlich zunehmende

Medienanfragen

aus der

Region und steigende

Zugriffszahlen

in sozialen

Netzwerken

belegen dies. Bereits

im vergangenen Jahr hat der BVB

eine Dependance in Singapur eröffnet.

Nunsollen die nächsten Schrittegemacht

werden.

Im März warCramer zusammen mit Karl-

Heinz Riedle und Lars Ricken, Torschützen

aus dem Champions-League-Endspiel

1997 gegen Juventus Turin (3:1),

vor Ort. Im Sommer geht die aktuelle

Mannschaft auf eine mehrtägige Asienreise.

„Die Fans dort wollen Stars zum

Anfassen. Dem tragen wir Rechnung“, erklärt

Cramer.

Flagge zeigen im Ausland: Borussia Dortmund geht im Sommer mit den Bundesliga-Stars auf eine Asienreise.

Manchester United hat schon vor drei

Jahrzehnten erkannt, dass im fernen Osten

viel Geld zu verdienen ist. Die Ligen

dort sind unattraktiv, Fußball-Anhänger

schauen nach Europa und identifizieren

sich mit den großen Clubs. ManU ist in

vielerlei Hinsicht Marktführer,angeblich

bis zu 50 Millionen Eurojährlich schöpft

der Verein dort ab. Dortmund ist da eine

Nummer kleiner unterwegs. Geschäftsführer

Watzke bezifferte das Umsatz-

Potenzial im Herbst 2014 „mittelfristig

auf zehn bis 20 Millionen, wenn der

sportliche Erfolg nachhaltig ist.“

Zurzeit ist er das nicht. Der BVB wird in

der kommenden Saison nicht in der

Champions League vertreten sein. Cramer

verhehlt nicht, „dass das die Sache

schwieriger macht“. Aber: „Die Präsenz

der Bundesliga auf den asiatischen TV-

Märkten steigt. Das wird uns helfen, bekannter

und sichtbarer zu werden.“

Dortmund plant mittelfristig. Ein langer

Atem und Detailverliebtheit seien nötig.

„Wir müssen darauf achten, dass unsere

Trikots in jedem Sportgeschäft zu sehen

sind. Es geht nicht nur um den Verkaufserlös,

jedes Trikot ist ein Botschafter

mehr“, erklärt Cramer.

Aufden neuen Zielmärkten wirdder BVB

Menschen aus der jeweiligen Region beschäftigen.

Cramer: „Das ist glaubwürdiger.“ImZweifel

auch überzeugender und

sympathischer.

Sympathie-Werte sind für den erfahrenen

Marketing-Strategen aus Münster

besonders wichtig: „Wenn die Fußball-

Fans uns mögen, haben sie auch Freude

daran, für dieses Thema Geld auszugeben.“

Irgendwann sollen sich die BVB-Aktivitäten

in barer Münze auszahlen.“

Wilfried Sprenger

Foto: dpa

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23. 6. 2015

DAS IDEALE

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Anzeigen-Sonderveröffentlichung

TECHNOLOGIEPARK BOCHOLT 32

Beste Bedingungen zum Durchstarten

Direkt neben der Westfälischen Hochschule gelegen bietet der zehn Hektar große Technologiepark Bocholt Gewerbegrundstücke ab einer Größe von

700 bis hin zu 4000 Quadratmetern. Die Grundstücke sind voll erschlossen und sofort verfügbar.

Der Technologiepark Bocholt wird

stark nachgefragt. Der südliche Teil

ist nahezu vollständig besiedelt. Daher

wurde Ende 2014 der nördliche

Teil erschlossen. Die Flächen stehen

ab sofort zur Verfügung.

Im zehn Hektar großen Areal direkt

neben der Westfälischen Hochschule finden

dienstleistungs- und technologieorientierte

Unternehmen beste Voraussetzungen,

um sich weiter zu entwickeln.

Aber auch Existenzgründer und Jungunternehmen

wie beispielsweise IT-

Dienstleister sowie Marketing- und Kommunikationsfirmen,

die lediglich Büromöbel,

PC und Telefon benötigen, finden

hier optimale Bedingungen vor, um

durchzustarten.

Das Innovationszentrum inmitten des

Technologieparks –die InnoCent Bocholt

GmbH –stellt für den Unternehmensstart

Büroräume zu günstigen Konditionen in

ihrem Gebäude zur Verfügung. Die benachbarte

Westfälische Hochschule bietet

nicht nur den jungen Leuten der Region

gute Ausbildungsmöglichkeiten,

sondern ist zunehmendAnsprechpartner

der heimischen Wirtschaft im Rahmen

des immer notwendiger werdenden

Technologietransfers.

Moderne Infrastruktur

Zu den Vorzügen der modernen technischen

Infrastruktur des Technologieparks

gehört auch eine Anbindung an das

schnelle Glasfasernetz. Das gilt in Bocholt

übrigens nicht nur für den Technologiepark,

sondern für alle Gewerbegebiete.

Für den südlich liegenden Technologiepark

laufen zurzeit bezüglich des letzten

freien, rund 2000 Quadratmeter großen

Grundstücks die Verhandlungen mit

einem Unternehmen aus der IT/Medien-

Branche, das hier möglichst noch im

Herbst mit seinem Neubau beginnen

möchte.

Der Endausbau des Technologieparks ist

für 2016 vorgesehen. Dann wird der von

Anfang an geplante parkähnliche Charakter

des Areals sichtbar mit seiner besonderen

Straßenführung, den teilweise

zwischen den Grundstücken zu findenden

Grünflächen wie auch einer Baumallee

mit öffentlichen Parkbuchten.

Die Bauplätze zeichnen sich durch ihre

exponierteLage, flexiblen Zuschnitte, effiziente

Nutzbarkeit und attraktive

Grundstückspreise aus. Möglich sind

kleinerezweigeschossigeEinheiten, aber

auch so genanntePunkthäuser als Türme

mit 14 Meter Höhe, um so bereits von

weitem besondere Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit

zu erzeugen und gleichzeitig

flächenintensiv in die Höhe zu gehen.

Wettbewerbsvorteile

Ob Existenzgründer, junge wie auch ältere

Unternehmen aus dem Dienstleistungs-

und Technologiebereich: die Mitnutzung

von Hochschul-Angeboten und

die Teilnahme am Wissenstransfer zwischen

Fachhochschule und kooperierenden

Unternehmen können entscheidende

Wettbewerbsvorteile verschaffen, die

sich langfristig auszahlen.

Besonders die IT-Branche ist im Technologie-Park

stark vertreten. Derzeit sind

hier sieben IT-Unternehmenangesiedelt,

unter ihnen auch die NETGO GmbH und

TIS Technische Informationssysteme

GmbH.

Diese größtenteils noch jungen Unternehmen

profitieren von der direkten

Nachbarschaft zur Westfälischen Hochschule,

Campus Bocholt und kooperieren

bereits seit vielen Jahren erfolgreich mit

der benachbarten Hochschule. Hierdurch

bieten sich Möglichkeiten der Zusammenarbeit

über Bachelor-, Masterarbeiten,

Praktika und Projekte an.

Gewinnung von Fachkräften

Starthilfe: Das Innovationszentrum inmitten des Technologieparks –die InnoCent Bocholt GmbH –stellt für den Unternehmensstart Büroräume

zu günstigen Konditionen in ihrem Gebäude zur Verfügung.

Foto: PD

Auch was die Akquise von Fachkräften

angeht, ist ein Standort im Technologiepark

besonders nützlich, stellt man sich

dort doch in besonders attraktiver Lage

und Umgebung gemeinsam mit anderen

technologieorientierten Betrieben dar.

So haben zum Beispiel vonder Firma TIS

GmbH zehn der derzeitigen Mitarbeiter

ihr Studium an der benachbarten Hochschule

abgeschlossen –die meisten als

Technische Informatiker.

Zehn weitere hatten zuvor im Unternehmen

ein Praxissemester gemacht, und

rund 20 Diplomarbeiten wurden bereits

in Kooperation mit dem Bocholter Unternehmen

geschrieben. Zurzeit werden

zwei Studierende betreut (Bachelor und

Master).

Offenbar findet sich in der Region ein optimaler

Nährboden für Neugründungen

und Aktivitäten vondienstleistungs- und

technologieorientierten Unternehmen:

ausreichend junge und bodenständige

Kräfte, tolle Bildungsmöglichkeiten, dazu

gehört auch die Westfälische Hochschule,

Campus Bocholt nebst einem weiterenStudienort

in Ahaus sowie familienfreundliche

Rahmenbedingungen wie

zum Beispiel bestens ausgebauteKindertageseinrichtungen,

Breitbandanbindungen

für schnelle Internetverbindungen,

aber auch die Ruhe und den lebenswertenRaum,

um zu arbeiten, zu entwickeln

und kreativ zu sein –und das alles mit

einem gesunden Abstand zu den großen

Ballungsgebieten und Metropolen der

Welt.

TIS Technische Informationssysteme GmBH

EXZELLENTE

KARRIERECHANCEN

für technikbegeisterte, kluge Köpfe im Technologiepark Bocholt

Softwareentwicklung

Hardwarenentwicklung

Müller-Armack-Str.8•46397Bocholt

Kundenservice

Projektarbeit

www.tis-gmbh.de

Die Firma TIS nutzt die Nähe zur Westfälischen Hochschule, um junge Nachwuchskräfte

zu gewinnen.

Foto: PD

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AHAUS – BOCHOLT – BORKEN

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