5 years

VANGARDIST

# 5 0 / 1 2 / 2 0 1 4

5 years


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hard

to get!

not everywhere and not for everyone –

make sure you get the print special

to find your exclusive copy – check out

w w w . v a n g a r d i s t. c o m / P R I N T


Editorial

Liebe VANGARDISTEN!

Willkommen zur Jubiläumsausgabe – 5 JAHRE VANGARDIST.

Fünf Jahre VANGARDIST, 50 Ausgaben, 100 Fotoeditorials und unzählige Stories

älter sind wir geworden. Zeit zu prüfen, ob wir unserem Claim – progressive

men – nach so langer Zeit immer noch entsprechen und was uns in den nächsten

fünf Jahren bevorsteht, um es zu bleiben.

Als Dankeschön für eure Lesertreue haben wir 24 Geschenke für euch ausgesucht:

vom Rasierer über ein Komplettoutfit von Joop, silberne Manschettenknöpfe

oder dem neuen HTC Desire reicht das Angebot. Einfach mitspielen

und auf das Weihnachtswunder warten.

Inhaltlich hauen wir zum Jahresende noch einmal ordentlich auf die Pauke.

Mit dabei ein Porträt von Hussein Chalayan, dessen Mode unter trivialen Kritikern

als untragbar verschrien ist, und Gustavo Lacerda, der drei Jahre lang

Albinos für seine Fotografien suchte und ablichtete.

Quer durch das weniger bekannte Amerika reisend, hat es unseren Redaktionshaudegen

Hendrik auf seinem jüngsten Roadtrip durch die USA der Gegenwart

verschlagen. Dass nach Schiefergas bohrende Hillbilly-Rednecks progressiver

sein können, als man glaubt, hat nicht nur ihn überrascht.

Wer noch kein Geschenk hat, dem empfehlen wir unsere Gentlemen’s Box

mit den feinsten Produkten, von Shiseido, Biotherm bis hin zu Bottega Veneta.

Herzlichen Dank für eure progressive Lesertreue sagen

Julian Wiehl, Carlos Gómez und das

um fünf Jahre gealterte VANGARDIST-Team


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INDEX

SHOOTINGS

Fassade

revelLers 32

themen

COVER-

STORY

Radar

von berufs wegen

progressiv 20

Über die Tücken der Selbstgerechtigkeit

EDITORIAL 15

Fassade

Editor's Choice 60

Lieblinge aus der Redaktion

Fassade

Shopzone 126

Balance

Beauty 112

Die Jubiläumsausgabe: Hall of Fame

Auf Achse

how to survive

in Obama's USA 94

Auf Achse

Places 140

Futuristic

Fassade

Black or white 64

VangART

white is beautiful 46

Fotograf Gustavo Lacerda

VangART

fashion rebel 80

Designer Hussein Chalayan

VangART

Hört das! 152

Empfehlungen für Hörsinnige

Celebration

Upcoming 160

Was geht ab in...?!


20

radar

Von

Berufs wegen

progressiv

Chefredakteur Julian Wiehl

über die Tücken der Selbstgerechtigkeit

TEXT: Julian Wiehl

illustration: Julia Diallo


22

F ü n f J a h r e s i n d

e i n e l a n g e Z e i t

Nach einem halben Jahrzehnt VAN-

GARDIST, 50 Online-Ausgaben und

100 Mode-Editorials darf man sich mit

gutem Gewissen zurücklehnen. Es ist

an der Zeit, es sich mit einem Chai

Latte oder besser gleich einem Whiskey

Sour auf der Couch gemütlich zu

machen und den Gedanken freien

Lauf zu lassen. Fünf Jahre haben wir

gekämpft, um den Underground zum

neuen Lifestyle-Mainstream zu machen.

Zum anfänglichen Online-Magazin

haben sich bald Facebook-Auftritt,

Daily News Channel, Eventkalender

und iTunes-App dazugesellt. Alles, um

den Mann und inzwischen auch viele

Frauen mit frischen Ideen für neue Lebenskonzepte

zu versorgen. Wir haben

Gedanken Flügel verliehen, alternative

Sichtweisen auf die Gegenwart

angeboten und dadurch Platz für Neues

geschaffen. Wir haben eine Vision

für den progressiven Mann entworfen

und dieses diffuse Bild in mühevoller

Detailarbeit verfeinert. Jetzt steht er

da, vor unserem inneren Auge, gestählt

und strahlend. Mann, was sind

wir stolz! Da trifft einen so eine Frage

wie Thors Hammerschlag zwischen

die Beine. Dabei ist sie aus der Perspektive

dieses dreisten Milchgesichts

vielleicht berechtigt: Als wir unsere

erste Ausgabe gelauncht hatten, war

der wahrscheinlich noch in der Schule.

In den letzten fünf Jahren ist viel

passiert. Wir waren jetzt sicher nicht

die eine ausschlaggebende Kraft dahinter,

aber unseren Beitrag haben wir

dazu bestimmt geleistet. Der Lifestyle

dieses jungen Herrn ist für ihn tatsächlich

eine Art Mainstream. Und ich ruhe

mich vielleicht einfach nur ein bisschen

zu sehr auf meinen Lorbeeren aus.

Sonst hätte mich diese Frage vermutlich

nicht so verstimmt.

V e r ö f f e n t l i c h t e M e i n u n g

w i r d ö f f e n t l i c h e M e i n u n g

Weil wir unsere Entscheidungen gerne

von der Allgemeinheit und der Medienwelt

abhängig machen, wollten

wir mit VANGARDIST von Anfang an


24

eine Stütze für all jene sein, die noch

zweifeln und sich erst orientieren müssen.

Wir geben kontroversen Themen

eine Plattform und tragen diese damit

in den Mainstream. Die einen fühlen

sich endlich verstanden und die anderen

werden ermutigt, ihre individuelle

Identität mehr auszuleben! Was wir als

Magazin tun, kann man auch als Person

machen. Als Medium wollen wir

immer einen Einblick geben, wie mutig

und kontrovers andere Pioniere waren

und sind. Sei das im Design, in der

Musik, in der Kunst, in der Wahl des

passenden Lebenskonzepts oder bei

alltäglichen Banalitäten. Wir haben dafür

auch einiges an Post erhalten, wo

sich Leser dafür bedankten, ihnen mit

VANGARDIST eine Alternative zu klassischen

Lebensentwürfen geliefert zu

haben.

G r e tc h e n f r a g e

S e x u a l i t ä t

Ausgangspunkt war für uns das Thema

Sexualität, denn hier trennt sich

die Spreu vom Weizen.

Lebe ich ein Leben nach

allgemein gültigen Vorstellungen

oder nach meinem tatsächlichen

Inneren? Die traditionellen

Kulturen machen es einem da nicht

leicht. Wer sich als Mann zu Männern,

als Frau zu Frauen hingezogen fühlt

oder in keiner herkömmlichen Schublade

Platz findet, braucht vielerorts vor

allem eines: Eier! Und zwar die Eier,

zu seinen Gefühlen zu stehen. Dabei

riskiert man neben sozialer Ausgrenzung

und Anfeindungen in manchen

Ländern sogar Gefängnis, Todesstrafe

oder Mord. Aber wenn man es zustande

bringt, den Widrigkeiten der

Gesellschaft zu trotzen, erwartet einen

ein Leben in Freiheit: ein Leben, das

nicht von einer großen Lüge der Gefälligkeit

und des Entsprechens überschattet

ist. Klar ist es nicht bequem,

und mancher entdeckt seine Gefühle

erst Jahre später, weil sie unter einem

Berg falscher Vorstellungen, Einschränkungen,

Ängsten und einem fremdbestimmten

Selbstbild begraben liegen.

Doch von hier geht die Reise erst los.

Solange diese Frage nicht authentisch

beantwortet ist, erwartet uns ein Leben

voller Kompromisse und am Ende

die Enttäuschung, etwas verpasst zu

haben. Egal, welche sexuellen Präferenzen

man letztendlich hat.


26

nen Dingen im Leben, fordert aber

auch Tiefgang und gibt sich nicht mit

oberflächlicher Ablenkung und Bling-

Bling zufrieden. Nach fünf Jahren stellt

sich aber eine große Frage: Haben wir

mit dieser Vorstellung nicht ein neues

Stereotyp erschaffen, dem es zu ent-

Z u m Sc h e i t e r n

v e r u r t e i lt ?

Um den gesellschaftlichen Vorstellungen

zu entfliehen, haben wir ein Bild

kreiert: Wir schufen eine Vorstellung

von Eigenschaften des neuen Mannes.

Ein Mann, der sich ganz individuell von

der Welt inspirieren lässt. Er hat seine

eigenen Gedanken, geht seine eigenen

Wege durchs Leben und ist relativ

unbeeindruckt vom gesellschaftlichen

Mainstream, von Trends und Must-

Haves. Mit seinem Sinn für Ästhetik

fühlt er sich angezogen von den schösprechen

gilt? Kann man Progressivität

überhaupt auf einen allgemein

gültigen Nenner bringen oder ist man

mit diesem Vorhaben schon von vornherein

zum Scheitern verurteilt? Denn

sobald wir eine offene Lebensweise in

das Korsett einer Definition pressen

wollen, haben wir sie damit schon wieder

in ihrer Vielfalt eingeschränkt und

beschnitten. Es gleicht fast einem Verrat,

Freiheit zu versprechen und diese

dann auf konkrete Eigenschaften zu

beschränken. Ist der progressive Mann

also ein Widerspruch in sich?

D a s E n d e d e r

a l lg e m e i n e n G ü lt i g k e i t

Während ich mich mit solch quälenden

Gedanken herumgeschlagen habe,

bin ich über eine Erinnerung mit einem

alten Freund von mir, dem Filmemacher

Wolfgang Murnberger, gestolpert.

Sein allererster Film handelt von

seinen ganz persönlichen Kindheitserinnerungen.

Er zeigt, wie er auf einem

Bauernhof am österreichischen

Land aufwuchs und welche Abenteuer

einem zehnjährigen Burschen dort so

passieren können. Nach dem Filmrelease

meinte ein japanischer Zuseher

zu ihm, der Film habe ihn sehr berührt,

er habe eine ähnliche Kindheit am japanischen

Land erlebt. Anfang der

90er waren die offensichtlichen Gemeinsamkeiten

zwischen dem ländlichen

Österreich und jenem in Japan

wohl an einer Hand abzuzählen. Aber

in seinem Film hat Murnberger seinen

Kindheitsgefühlen Ausdruck verschafft,

und die waren deckungsgleich

mit denen eines 10.000 km entfernt lebenden

Jungen in Japan.


28

Dabei ist mir eines klar geworden: Der

Ausdruck individueller Gefühlswelten

kann allgemein gültig sein. Einem

abstrakten Männerbild kann man als

Mensch kaum entsprechen, während

man sehr wohl Gefühle teilen kann.

Wollen wir doch im Inneren meistens

das Gleiche, solange wir es nicht an

Worthülsen oder Begriffen festmachen.

Persönliche Eindrücke können

mehr Menschen berühren und verbinden

als universelle Aussagen.

C h e G u e va r a

d e r p r o g r e s s i v e n M ä n n e r

Schon der weise Aristoteles hat uns

erklärt, dass Underground (fast) immer

zum neuen Mainstream wird. Und

wenn man von Berufs wegen progressiv

ist und das zu einem Teil des eigenen

Selbstverständnisses wird, sollte

einem zu jedem Zeitpunkt klar sein,

dass man dieses Konzept permanent

hinterfragen muss. Ist man erfolgreich,

schafft man sich quasi selbst ab, wenn

man Progressivität nicht immer wieder

neu definiert. Die Frage des jungen

Milchbarts auf der Party hat mich gekränkt.

Warum? Weil ich vermutlich –

wie die allermeisten Menschen, die das

Gefühl haben, etwas mit Blut, Schweiß

und Tränen erreicht zu haben – dazu

tendiere, mich auf dieser Leistung ein

klein wenig auszuruhen. Weil ich mir

in schwachen Momenten gern einbilde,

der Che Guevara der progressiven

Männer zu sein. Diese freche Frage hat

mich aber daran erinnert, was aus dem

kernigen comandante mit den schönen

Koteletten und der Zigarre geworden

ist, nachdem er kein Revolutionär

mehr war, sondern Minister: nach einigen

Monaten des Triumphs war er zum

bornierten, selbstgerechten Arschloch

geworden. Im Unterschied zu seinem

Kollegen Fidel hat er das aber rechtzeitig

erkannt. Nur weil wir eine Revolution

geschafft haben, heißt das noch

lange nicht, dass es anderswo keinen

Bedarf mehr danach gibt. Der Che

Guevara ist daraufhin nach Bolivien

gefahren und hat da von vorne angefangen.

Das hat ihn sein Leben gekostet.

Da werde ich es ja wohl schaffen,

elegant von der Couch zu robben und

auch für die nächsten fünf Jahre ein

zeitgemäßes, progressives Männermagazin

zu machen, das sich nicht nur auf

frühere Leistungen beruft.


P r o g r e s s i v v o n

B e r u f s w eg e n

Die Welt, in der wir leben, verändert

sich permanent. Was gestern noch eine

mit Ablehnung konfrontierte Randerscheinung

war, kann heute schon in

der Mitte der Gesellschaft angekommen

sein. Das heißt aber noch lange

nicht, dass unsere Welt deswegen eine

bessere geworden ist. Gesellschaften

entwickeln sich nicht kontinuierlich in

eine positive Richtung. Spätestens seit

dem 20. Jahrhundert wissen wir, dass

Fortschritt und Rückschritt wunderbar

miteinander vereinbar sind. Während

wir in unseren Anfängen sehr stark auf

die sexuellen Präferenzen Bezug genommen

haben, werden in den kommenden

Jahren wohl auch andere

Aspekte stärker in den Vordergrund

treten. Angesichts einer sich – besonders

in Europa – abzeichnenden

Reprovinzialisierung im Fahrwasser

eines transkontinentalen Rechtsrucks

von Dänemark über Frankreich bis Ungarn,

werden wir uns vor progressiven

Lifestyle-Themen kaum retten können.

In Zukunft heißt es nicht mehr straight

oder gay, sondern liberal oder reaktionär.

Und hier steht der Welt wohl eine

immerwährende Auseinandersetzung

bevor, die jeden einzelnen Tag ausgefochten

werden will. Also werden

weiterhin mutige, progressive Männer

gebraucht, die sich gegen Engstirnigkeit

und eingemottete Stereotype

kreativ zur Wehr setzen. Wohl dem,

der in der Unsicherheit sicher ist, dem

kann so leicht nichts passieren. Der

ist gewappnet für das Abenteuer Leben

und den wird am Ende auch keine

Frustration oder Existenzkrise erwarten.

Er wird auf eine spannende Reise

zurückblicken, auf der er ganz für sich

persönlich alle Entscheidungen richtig

getroffen hat. In diesem Sinne gibt es

kein Bild des Mannes, dem man entsprechen

kann, um progressiv zu sein,

sondern nur eine offene Lebenseinstellung,

die sich an den eigenen Gefühlen

und der inneren Ehrlichkeit mit

sich selbst orientiert. Diese Gefühle

können sich täglich ändern, und deshalb

soll es uns vergönnt sein, jeden

Tag aufs Neue zu entscheiden und

neu zu leben.


H e m d D i e s e l , A r m S t u t z e n P i e r A n T o n i o G a s p a r i


V i k t o r i a : K l e i d H y p e , H u t M a r t h a F o r e m n i a k

I v a n : J e a n s O n l y & S o n s , J u l i a n : J e a n s H & M

M a n t e l & H o s e D i e s e l , S h i r t S e l e c t e d


I v a n : L o o k D i e s e l , A r m s t u t z e n P i e r A n T o n i o G a s p a r i , S c h u h e M o d e l ’ s o w n ,

V i k t o r i a : K l e i d M M i s s o n i , P u l l o v e r H & M , T a s c h e D i e s e l , S c h u h e M o d e l ’ s o w n ,

J u l i a n : L o o k D i e s e l , S c h u h e M o d e l ’ s o w n


J a c k e H & M , R o c k H y p e , S c h ü r z e a u s S p i t z e v i n t a g e ,

K o p f s c h m u c k S t y l i s t ’ s o w n , T a s c h e C h a n e l


I v a n : H e m d D i e s e l , J e a n s H & M , V i k t o r i a : K l e i d u n d S c h u h e D i e s e l ,

H a n d s c h u h e v i n t a g e , H u t B a r b a r a R e i s s


S h i r t S t y l i s T ’ s o w n , K o p f s c h m u c k c u s t o m m a d e

F a s h i o n E d i t o r M i r z a S p r e c a k o v i c

w w w . m i r z a s p r e c a k o v i c . c o m

P h o t o g r a p h y K i d i z i n S a n e

k i d i z i n . c o m

H a i r & M a k e U p S h l o m i t M i g a y

s h l o m i t m i g a y. c o m

M o d e l s V i k t o r i a O r l i c k a & I v a n C h l p i k

m m a n a g e m e n t . s k

J u l i a n N e u h a u s e r

b o d y a n d s o u l . a t

M a r i a n G .

f a s h i o n w o r l d . e x o . e u

M a k i n g O f A l e x S u t t e r


44

making of

Mehr Making-of-

Fotos in der iPhone

und iPad App:

hier ansehen

K a m e r a : M e l a n i e S c h n e i d e r

S c h n i t t : C r i s t ó b a l H o r n i t o

I n t e r p r e t / T r a c k : D a m o n I c e / S w i n g


46

VANGART

White

S c h ö n h e i t

n e u d e f i n i e r t

Text: Dennis Stephan

Fotos: Gustavo Lacerda

i s b e a u t i f u l


48

I n d e n F o k u s

Ihre Haut ist so weiß wie mit Kreide bestäubt, die

Augen frostblau und das Haar platinblond. Ihre Blicke

sind verschleiert, die Körpersprache schüchtern.

Dennoch treten sie vor die Kamera; einzeln, zu zweit,

zu dritt. Sie sind nicht allein, es gibt viele von ihnen,

wenn sie zahlenmäßig auch immer in der Minderheit

bleiben werden. Heute, in einer Zeit des Umbruchs,

treten sie endlich aus der Verborgenheit – und bringen

uns zum Nachdenken. Mit seiner Fotoserie

„Albino“ unterwandert der aus Brasilien stammende

Fotograf Gustavo Lacerda die Klassifizierungen

Schön und Hässlich. 2009 kam ihm die Idee, Albinos

zu porträtieren – ein Projekt, das ihn drei Jahre

lang beschäftigte. 44 Models traten vor seine Linse,

viele von ihnen hatte er über soziale Netzwerke kennengelernt,

einige auf der Straße und wieder andere

schrieben ihn initiativ an, weil sie von seiner Arbeit

gehört hatten und sich daran beteiligen wollten. Der

44-Jährige gibt seinen albinotischen Models den


50

Raum, sich zu entfalten, ohne sie voyeuristisch zur

Schau zu stellen. Er setzt ihnen keine Hörner auf,

zeigt sie nicht als Ungeheuer oder Missgeschicke

eines unbegabten Schöpfers. Im 21. Jahrhundert

fällt Hohn und Spott von ihnen ab: Zurück bleibt

die Gewissheit, jedes einzelne Bild präsentiere dem

aufmerksamen Betrachter nicht mehr als eine hellere

Variante unserer selbst.

D i e M a c h t d e s B l i c k e s

Die menschliche Begeisterung für die vielgestaltigen

Launen der Natur ist ebenso alt wie Sensationslust

und Diskriminierung. Blässe wurde seit alters

her als etwas Besonderes empfunden. Die Rolle,

die dem Albinismus in den letzten Jahrhunderten

zukam, ist aber eine völlig andere. Sie variierte stark

von Kultur zu Kultur, zu keiner Zeit aber waren Albinos

„normal“ in den Augen ihrer Umwelt. Indigene

Stämme sahen in ihnen fleischgewordene Götter,

während sie anderorts gemeuchelt und für viel


54

Geld als magische Requisiten verkauft wurden. Wer

als Freak gilt oder nicht, bestimmt nicht die Natur,

sondern die Gesellschaft – das ist die Botschaft, die

Lacerdas Bilder in die Welt tragen. Und während

wir progressive Gegenwartsmenschen meinen, diskriminierende

Vorurteile und Rassismus hinter uns

gelassen zu haben, werden wir beim Betrachten

von Lacerdas Porträts schmerzhaft daran erinnert,

dass wir, gerade in Bezug auf unsere Definition von

Schönheit und Hässlichkeit, noch immer recht engstirnig

sein können. Wir sind fasziniert, aber auch

befremdet beim ersten Hinsehen. Und es ist dieser

Blick, der diskriminiert und isoliert. Eine Isolation,

die nicht Mutter Natur ihnen in die Wiege gelegt

hat, sondern die eine Folge der Sozialisierung durch

ihre Mitmenschen ist. Das Gefühl der Fremdheit

und Scheue haftet allen fotografierten Personen

an, kann nicht zur Gänze von ihnen abgelegt werden.

Aber genau das macht die Bilder sympathisch

und unterstreicht ihre Authentizität: Rückt man eine


Person, die immer am Rand der Öffentlichkeit gelebt

hat, an eine exponierte Stelle, wird aus ihr nicht

plötzlich ein selbstbewusstes Katalogmodell – dessen

war sich Lacerda wohl bewusst. Vielleicht wählte

er deshalb pastellene Farben, helle Hintergründe

und puristische Kostüme, um die Blässe seiner Models

nicht zu übermalen, sondern sie ins rechte Licht

zu rücken.

S c h ö n h e i t i s t e i n e

F r a g e d e r P e r s p e k t i v e

Lacerdas Bilder machen begreiflich, dass nicht die

Zeiten sich ändern – der Mensch selbst verändert

das Denken und damit die Zeit. Der Fotograf zeigt

eine Schönheit, die zuvor als hässlich gegolten hat,

und ändert erst mit diesem Akt des (Auf-)Zeigens die

Sichtweise seiner Mitmenschen. Gleichzeitig vermeidet

er aber eine Positiv-Diskriminierung mit erhobenem

Zeigefinger. Der große Anklang, den seine Albino-Porträts

weltweit fanden und nach wie vor finden,


58

spricht für sich. Er zeigt den Prozess des geistigen

Umformens einer Gesellschaft, die der ihr auferlegten

antiquierten Konventionen und Schönheitsideale

müde und bereit ist, über veraltete Ansichten hinauszuwachsen.

„Schönheitsstandards sind ziemlich

grausam, denn sie haben unmittelbaren Einfluss auf

unser eigenes Selbstwertgefühl und den Wert, den

wir anderen Menschen zurechnen. Die Leute fühlen

sich unwohl in einer Welt, die Perfektion und Schönheitsbilder

derartig überbewertet“, fasst Lacerda in

einem Interview treffend zusammen.

Der Fotograf ist kein Weltverbesserer und kein Missionar,

der an unserer Haustür klingelt, um uns vom

vermeintlich Richtigen zu überzeugen. Und doch

bewirken seine Bilder eine Veränderung, die wie der

springende Stein übers Wasser hopst und immer weitere

Kreise zieht. Progressives Handeln fordert progressives

Denken, fordert die Abkehr von althergebrachten

Mustern und das Annehmen von Neuem.


60

FASSADE

Editor'S

Choice:

style-

TIPP

Bomberjacke von Fred Perry / Uhr von Topman / Mütze von Undefeated

Schokokaviar von MW / Ärmelhalter von Herr von Eden / Kette von Lulu Forest /

Hemd von Cos / Einstecktuch von Tiger of Sweden


62

Gürtel von M Missoni / Speaker von Philips / Jacke von Levi’s / Turnbeutel

von Marsimoto x Cayler & Sons / Uhr von Breitling / Armreif von Lulu Frost

Brille von Fendi / Shirt von 5Preview / Urbanears x Marc by Marc Jacobs / Clutch von

Vivienne Westwood / Rucksack von Walter van Beirendonck für Eastpak Artist Studio


S h o r t s A m e l i e G o e t z l , H e m d S av i l e R o w, M a n t e l K a u f m a n F r a n c o b y e d i t i o n k , S c h u h e A m e l i e G o e t z l , B r i l l e A m e l i e G o e t z l

black

or

White


l i n k s : K l e i d I r f é b y e d i t i o n k , B l u s e P i e r A n t o n i o G a s pa r i , S c h u h e B o s s , H a n d s c h u h e E r m a n n o S c e r v i n o b y e d i t i o n k / r e c h t s : H o s e B a r b a r a G o n g i n i b y W a l l , P u l l i D a r y n C h o o k


B o d y G r e ta C o n s ta n t i n e b y e d i t i o n k


l i n k s : L a n g e W e s t e B a r b a r a G o n g i n i b y W a l l , N e t z o b e r t e i l A m e l i e G o e t z l , H o s e T i b e r i u s , S n e a k e r s C o n v e r s e

r e c h t s : H e m d S av i l e R o w, M a n t e l K a u f m a n F r a n c o b y e d i t i o n k , S c h u h e A m e l i e G o e t z l , B r i l l e A m e l i e G o e t z l


T o p A m e l i e G o e t z l


l i n k s : H o s e P i e r A n t o n i o G a s pa r i , T o p J e a n Pa u l G a u lt i e r , S t i e f e l M o o n B o o t / r e c h t s : H e m d S av i l e R o w, M a n t e l K a u f m a n F r a n c o b y e d i t i o n k , S c h u h e A m e l i e G o e t z l , B r i l l e A m e l i e G o e t z l


R o c k & B l u s e T i b e r i u s , S c h w a r z e s t o p R O E E , S t i e f e l H u g o B o s s

Fa s h i o n E d i t o r M i r z a S p r e c a k o v i c

w w w. m i r z a s p r e c a k o v i c . c o m

P r o d u c t i o n B r i c k & M o r ta r

b y b r i c k a n d m o r ta r . c o m

P h o t o g r a p h y A n a s ta s i a E h l a k o va

S t y l i n g S w e ta B r i k

H a i r & M a k e U p H e i k e H a r z e r

h e i d i m a lt. b l o g s p o t. c o . at

M o d e l s S e r g e R i g vava & L a u r a S t r a n z

s t e l l a m o d e l s . c o m

M a k i n g O f A l e x S u t t e r

s u t t e r . g a l l e r y. c o m


lack

or

White

m a k i n g o f

M e h r M a k i n g - o f -

F o t o s i n d e r i P h o n e

u n d i P a d A p p :

h i e r a n s e h e n

K a m e r a : C r i s t ó b a l H o r n i t o

S c h n i t t : C r i s t ó b a l H o r n i t o

I n t e r p r e t / T r a c k : G . R . O . K /

F i r s t M o v e m e n t


80

FASSADE

FASHION

R BEL

E

TEXT: jenni koutni


82

Ein Model betritt den

Laufsteg. Bis auf Sandalen

ist sie völlig nackt.

Nur ein kleines Stück

Tuch bedeckt ihr Gesicht

und macht sie trotz völliger

Blöße anonym und

eigenartig fremd. Der

schwarze Stoff verlängert

sich mit jedem weiteren

Model, lange bleibt der

Schambereich entblößt,

während das Gesicht

immer verdeckt ist. Am

Schluss wird klar: dieser

schwarze, die Identität

verhüllende Stoff stellt

eine verkehrte Burka dar.

Jenes Kleidungsstück,

das vielen muslimischen

Frauen auch heute noch

aufgebürdet wird. Eine

Kollektion, die die Grenzen

zwischen Fashion

Show und Kunst-Perfor-

mance verschwimmen ließ und deren politisches

Statement noch lange nachhallten sollte. Bringen

wir unsere Persönlichkeit mit Mode und Stil wirklich

zum Ausdruck oder verstecken wir uns eher hinter

ihr? Hussein Chalayan ist eigentlich einer der ganz

Großen. Seine Bekanntheit fällt aber weit hinter jene

der Big Player in der Fashionwelt zurück. Wir haben

unsere Jubiläums-Issue zum Anlass genommen, ihm

ein Porträt zu widmen…

D i e K u n s t , z u p r o v o z i e r e n

Hussein Chalayan, Designer, Unternehmer und

Konzeptkünstler. Ein Liebhaber der schönen Künste,

der die Themen auf den Laufsteg bringt, die die

meisten Designer nicht mal mit Samthandschuhen

anfassen würden. 1970 im türkischen Teil der Insel

Zypern geboren, musste er sich den Traum, seine

Kreativität ausleben zu dürfen, hart erkämpfen.

Arzt oder ein Posten in der Wirtschaft, das sah man

damals in Zypern als anständige, ehrenhafte Berufe

an. Irgendwann überzeugte er dennoch seine

Eltern, verließ sein Heimatland und studierte

am renommierten Central Saint Martins College of

Art and Design in London. Noch während seines

Abschlussjahres erregte er mit seinen gewagten


84

sozialkritischen Entwürfen Aufsehen. Wo seine Kollegen

überlegten, welche Designs sich am Markt

am besten verkaufen würden, war Chalayan auf der

Suche nach einem möglichst starken Statement. Anstatt

sich auf beeindruckende Verarbeitung und teure

Stoffe zu konzentrieren, vergrub er seine Entwürfe

kurzerhand im Garten und holte sie erst kurz vor der

Show, verdreckt und am Verwesen, wieder heraus.

Alles, so sein Statement, ist vergänglich und die Zeit,

die uns bleibt, ist knapp. Und wer jetzt denkt, exhumierte,

dreckige Kleider seien unverkäuflich, der irrt.

Alle Entwürfe wurden nach der Show an eine Londoner

Boutique verkauft. Eine Gratwanderung zwischen

kommerziellem Erfolg und kreativer Freiheit,

die ihn seine ganze Karriere lang begleiten sollte.

M i s t e r M a g i c

„Schön, aber nicht tragbar“ waren die Zwischenrufe

mancher Kritiker, die er in der nach Gewinn und

Kommerz strebenden Modewelt einfach nicht loswurde.

Eine Zeit, in der gute Modedesigner als Cash

Cows gelten, deren Kreativität in immer kürzeren Abständen

restlos gemolken werden soll. Grund genug

für die meisten Designer, sich auf den sicheren Pfad

zu begeben und dem Verkauf der Produkte mehr

Beachtung zu schenken als dem kreativen Prozess.


88

Hussein Chalayan allerdings

entwarf anziehbare

Möbel. Mit der Show, in

der Models begannen,

die Möblierung des Catwalks

„anzuziehen“, wollte

er auf die steigende

Anzahl an Flüchtlingen

und das Grauen hinweisen,

all sein Hab und Gut

zurücklassen zu müssen.

Es folgten Kleider, die

sich mit nur einem Ruck

an der richtigen Stelle

komplett verwandelten,

und erste Versuche,

die LED-Technik im Fashiondesign

zu integrieren.

Ab diesem Zeitpunkt

durfte man sicher sein:

das war nicht der letzte

Hase, den er aus dem Hut

zaubern würde. Bis heute

ist seine Auffassung von

Fashion mehr Gaudí als

Gucci, mehr Dalí als Dior.

Seine Ideen beschäftigen sich nicht nur mit Bekleidung,

immer wieder macht er Ausflüge in die Kunst

und die Architektur. Was ist nun Kunstinstallation und

was noch Fashion Show? Die Übergänge zerfließen

bei ihm manchmal wie die Uhren in Dalís Gemälden.

Viele Kollektionen lässt er nicht wie gewohnt

über den Laufsteg präsentieren, sondern kreiert

Fotomontagen oder Kurzfilme, die das Konzept erläutern.

Immer wiederkehrende Themen des Wahl-

Londoners sind Fragen nach kultureller Identität, Entwurzelung

und Migration, denn auch seine eigene

Geschichte ist von verschiedenen Kulturen geprägt.

Z u r ü c k z u m M a n n

Einen anderen Zugang zu Dingen finden, als es die

breite Masse tut, progressiv sein, wo andere zur

Sicherheit nur alten Mustern folgen ist der Leitfaden,

dem man auch bei der Menswear-Kollektion

treu bleibt. Im Jahr 2002 brachte Chalayan seine

erste Männerkollektion heraus, konzentrierte sich

dann aber ausschließlich auf Frauenmode. „Moor’s

Chorus“ zeigt nun endlich wieder, dass der Chalayanismus

auch die Männermode aufmischen kann.

Hybride aus Hemd, Kleid und Rock und Mischungen

aus Bomberjacke sind da zu sehen. Das vage

Gefühl von 50’s-Einflüssen, das alle Outfits subtil

umspielt. Warum zu spießigen Shorts und rosa


90

Polohemden greifen? Weil man’s, mit der nötigen Attitude,

eben kann. Auch in die Kombination schwarzer

Blazer – weißes Hemd bringt er einen völlig neuen

Effekt. Erst beim Ausziehen sieht man, dass der

weiße Hemdstoff nahtlos in das Futter des Blazers

übergeht. So lässt er sich nicht ganz ausziehen, dafür

aber nach hinten klappen und am Rücken als eine

Art Cape drapieren. Solche kleinen Kniffe und versteckte

Besonderheiten sind bereits ein Markenzeichen

des Designers. Da muss einfach mehr dahinterstecken,

auch – oder besonders – wenn man es

auf den ersten Blick gar nicht sieht. Da liegt natürlich

die alte Frage seiner Gegner nicht allzu fern: Braucht

man(n) denn so was? Die Antwort der meisten wäre

wohl ein klares Nein. Eine Antwort, die Mr. Chalayan

wohl egal wäre, denn für Experimentierfaule sind

seine Designs ja sowieso nicht gedacht. Wer weiß,

vielleicht legt er es gerade darauf an, ein bisschen

mehr Aktion, mehr Überraschung und mehr Staunen

in das (Mode-)Leben der breiten Masse zu bringen.

Ein kleiner Revoluzzer, das war er ja schon immer.

D a s U n s i c h t b a r e s i c h t b a r m a c h e n

Mit 44 Jahren kann Hussein Chalayan bereits auf unzählige

Auszeichnungen zurückblicken, darunter auch

die für sein Lebenswerk. Gerechtfertigt, wenn man

auf sein zukunftsweisendes Schaffen zurückblickt.

Mit seiner Arbeit will er nach eigener Aussage blinden

Flecken eine Gestalt

geben, dem Betrachter

Dinge zeigen, die er zwar

sieht, aber nicht wirklich

wahrnimmt. Eine Haltung,

die die Idee und

die Message hinter der

Kleidung in den Vordergrund

stellt und sich nicht

nur vom kommerziellen

Gedanken leiten lässt.

Mit Beginn des Wintersemesters

2014/15 wird

er die Leitung der Modeklasse

an der Universität

für angewandte Kunst in

Wien übernehmen. Er,

der selbst bereits in allen

Mode-Lehrbüchern

der Welt zu finden ist,

wird nun zum Mentor

des wissbegierigen Design-Nachwuchses.

Die

Erwartungen an seine

Nachkömmlinge sind

also berechtigt hoch und

wir hoffen auf etwas Lautes,

Progressives.


92

Advent

kalender

24 Produkte an 24 TAge gewinnen

#1 Zegna Uomo Absolute Duft, #2 Gürtel von Edwin Noble, #3 Johnnie Walker Black Label

Whisky, #4 Brille von ic! Berlin, #5 Uhr von Komono, #6 Baldessarini Nautic Spirit Duft,

#7 Lautsprecher von Philips, #8 1 Nacht für 2 Personen im Hotel Das Stue, #9 Burton

Rucksack, #10 Legacy Jogginghose, #11 Gillette BODY Geschenkset & Stylingcreme

#12 Schuhe von Palladium, #13 Handschuhe von Otto Kessler, #14 Laptoptasche von Freitag,

#15 Manschettenknöpfe von Stilnest.com, #16 Rucksack von Eastpak, #17 Anzug von Joop,

#18 Rasierer von Braun, #19 Egf Eye Serum von Bioeffect, #20 Schuhe von Timberland,

#21 Just Cavalli Duft, #22 Uhr von G-Shock, #23 Jacke von Volcom, #24 HTC Desire 516


94

AUF ACHSE

Text: Heindrik h. / Fotos: Lisa Koller


96

Progressiver Entdeckerdrang

Das Bild vom christlich-fundamentalistischen,

kriegs- und waffengeilen

Amerika, das sich – zu Recht für eine

solche Verstocktheit – gegenwärtig

im Niedergang befindet, mag etwas

überspitzt sein. So ganz frei sind wir

selbstgerechten Europäer von solchen

Ressentiments dann aber auch

wieder nicht. Aus diesem Grund hatte

ich mich dazu entschieden, diese

bislang gefährlichste meiner Reisen

nicht alleine zu wagen: Carla, meine

italienische Kollegin und Profi-Abenteurerin,

musste mich als meine Frau

begleiten. Man weiß ja nie. Aber jetzt

mal Spaß beiseite: Die USA sind – nach

wie vor – eine kulturelle Supermacht,

die einen unschätzbaren Einfluss auf

unsere europäische Gesellschaft hatte

und hat. Als progressiver Mensch

ist man den Amis so eine Reise durch

ihr Land eigentlich schuldig, bevor

man in den hierzulande doch recht

populären Chor der antiamerikanischen

Vorurteile einstimmt.

Gay Parties, Unabhängigkeit

und Dawson’s Creek

Die USA bestehen aus mehr als New

York, San Francisco und L.A. Wer

das wahre Amerika kennenlernen

will, muss sich hinters Steuer eines

herrlich überdimensionierten, übermotorisierten

Amischlittens mit Automatikgetriebe,

Tempomat und

Satellitenradio klemmen, der einen

dann über Tage und Wochen hinweg

über schnurgerade Landstraßen quer

durch dieses riesige Land kutschiert.

Über Berge, Ebenen und Wüsten, vorbei

an Kleinstädten, Diners und Motels

– wie im Kino. Kommt man von

Europa, fliegt man am besten irgendwo

an die Nordwestküste. New York

empfiehlt sich dabei nicht wirklich,

weil man das irgendwie schon kennt

und weil die Mietautos da schweineteuer

sind. Carla und ich haben es

mit Boston versucht. Sie meinte, diese

eine 90er-Serie, die so schön war,

die spielte dort. Elitär, aber wunderschön

am Meer, mit klassisch amerikanischen

Vorstadthäusern inklusive

Flagge vor der Tür, ultraliberal, mit einer

lebendigen Party- und Gayszene

und einer geschichtsträchtigen Altstadt

aus dem 19. Jahrhundert – ein

guter Start. Die Mietautos kosten einen

Bruchteil von denen im Big Apple,

und mit ein paar 100 Dollars und

einem europäischen Führerschein bewaffnet

sind wir in der Früh dann zum

nächsten Hertz-Stützpunkt spaziert:


98

Chevrolet Impala, 300 PS, 17-irgendwas

am Tag. Den Nachmittag haben

wir schon Muschelsuppe schlürfend

im historischen New Bedford verbracht

– in der gleichen Kneipe, in der

Herman Melville dies vor 150 Jahren

auch schon gemacht hatte, bevor er

sich auf die Jagd nach Moby Dick begab.

Ein erstes Vorurteil mussten wir

im Zuge der Fahrt durch das idyllische

New England – die Wiege der amerikanischen

Unabhängigkeit – schon

mal revidieren: Natürlich haben die

Amis eine Geschichte! Eine sehr lebendige

sogar, und natürlich haben

sie historische Bauwerke, die meisten

älter als die durchschnittliche Stadtarchitektur

in London, Paris, Berlin oder

Wien.

The loneliest road

Neuengland ist aber nur ein sehr kleiner

(und stinkreicher) Fleck auf der

amerikanischen Landkarte. Jetzt gibt

es eine Menge klassischer Roadtrips.

Der berühmteste – Route 66 – ist

dabei nicht unbedingt der geilste.

Tausende Meilen Autobahn und viel

Touristenkitsch auf den paar hundert

Meilen historischer Straße sind

ein wenig unbefriedigend. Der ultimative

Trip durch das Amerika, das

nicht jeder kennt, ist die US-Route 50

– auch The loneliest road genannt.

In ihrer ursprünglichen Verfasstheit

noch von George Washington persönlich

vermessen, verläuft diese

Straße von Ocean City, M.D. (auf der

Höhe von D.C.) im Osten über 3000

Meilen schnurgerade nach San Francisco,

C.A. im Westen. Falls ihr euch

immer schon gefragt habt, wo dieses

Kansas, von dem Queer-Ikone Judy

Garland gesungen hat, eigentlich ist:

Die US-50 geht da durch! Von Boston

runter nach Washington, wo Carla

und ich auf unsere eigentliche Route

treffen wollten, ist es schon ein ganz

ordentlicher Weg. Diesmal also ein

sich bestätigendes Klischee: Dieses

Land ist groß! Wie groß, das sollten

wir aber erst noch erfahren.

The hills have eyes

Die US-50 folgt in etwa dem, was in

der Pionierzeit der Staaten der sogenannte

Santa Fé Trail war: jene

Handelsroute, die Neuengland mit

den spanischen Kolonien am Pazifik

verband und die gewissermaßen

die schrittweise Eroberung des Wilden

Westens durch die europäischen

Siedler nachzeichnet. Bevor man in

das Land der Goldsucher und Trapper


100

kommt, muss man aber erst mal

durch die verlassenen Virginias. Auch

wenn John Denver weder aus Denver

noch aus West Virginia stammt, sondern

aus freakin’ Roswell, N.M., hatte

er mit seiner Country-Roads-Schnulze

irgendwie recht. West Virginia ist

saumäßig schön, wären da nicht die

heruntergekommenen Bergbaustädte,

die ein wahrhaft postapokalyptisches

Flair versprühen. Aus Mangel

an geöffneten Unterkünften mussten

meine Begleiterin und ich nahe des

Städtchens Grafton eine Nacht im

Zelt verbringen. Es empfiehlt sich,

in einem solchen Ambiente nicht an

Filme wie The Texas Chainsaw Massacre

oder The Hills Have Eyes zu

denken. Grafton ist ein bisschen wie

Gelsenkirchen, nur mit rostigen Pickup-Trucks

und fast verlassen.

Was zum Geier ist denn

bitte Fußball?

Lässt man die Virginias hinter sich,

muss man aber erst mal noch durch

ganz viel Zivilisation, bevor die große

Einsamkeit beginnt. Die sogenannten

Great Lake States wie Illinois, Indiana

und Missouri haben wir recht schnell

passiert – im Süden, wo die US-50

sie kreuzt, bestehen die aus Stahlindustrie,

Tankstellen und Sportbars.

Rechtzeitig zum WM-Finale in Brasilien

hat es uns in so ein Etablissement

verschlagen: 20 Flachbildschirme,

auf allen Sonntagnachmittags-Baseball.

Wir mussten recht lieb bitten,

damit uns die freundliche, aber leicht

irritierte Bardame eine der Glotzen

mit etwas so Unwichtigem wie der

Fußball-WM bespielte. Keinen hat es

interessiert. Wir wurden als Exoten

freundlich belächelt. Auf dem Weg

zum Tor des Westens – Kansas City

– haben wir unseren Chevrolet eigentlich

nur zum Schlafen verlassen.

Sobald man aus den großen Städten

raus ist, kann man in Amerika alles,

wirklich alles, vom Auto aus machen.

Nicht nur Drive-Thru-Fastfood-Restaurants

liegen da am Wegesrand,

auch Banken, Apotheken, Tierärzte,

Supermärkte und Margarita-Bars

kann man mit dem motorisierten Vehikel

frequentieren.

Der Hillbilly

ist immer der Nachbar

Das abrupte Ende der Zivilisation,

heute wie vor hundert Jahren, ist Kansas

City. An der Grenze zum gleichnamigen

Bundesstaat gelegen, ist diese

Stadt zwar noch in Missouri, aber die


102

unendlichen Weiten der Great Plains,

America’s Heartland, kann man schon

in der Luft schnuppern. Früh am Morgen

haben wir die City gen Westen

hinter uns gelassen – eingedeckt mit

Musik von Johnny Cash, Riesenpackungen

Dorritos und diesen tollen

amerikanischen Marlboros mit den

weißen Filtern. In der Bar, in welcher

wir am Vorabend den Rausch unseres

Lebens akkumuliert hatten, weil die

Amis – im Unterschied zu den Europäern

– mit dem Sprit in ihren Drinks

nicht geizig sind, wurden wir von den

wahnsinnig netten und aufgeschlossenen

Locals schon mal vorgewarnt:

Da drüben in Kansas sind alle Hillbillys,

die an die Schöpfung glauben

und noch nie einen Ausländer zu Gesicht

bekommen haben. Langsam

wurde unsere Vermutung zur Gewissheit,

dass die Amis überall wahnsinnig

nett und aufgeschlossen sind,

von ihren Nachbarn aber immer behaupten,

diese wären das nicht. Mal

sehen, wie das in Kansas so werden

würde. Wir befürchteten natürlich das

Allerschlimmste.

Mehr Öl als Saudi-Arabien

Die Mitte der USA ist flach wie ein

Brett, besteht ausschließlich aus

Weizen- und Maisfeldern und heißt

Kansas. Peter, ein Selfmade-Man aus

Tennessee, dem wir beim abendlichen

Bud-Light-Trinken auf einer hiesigen

Motelterrasse begegnet sind,

hat uns dann auch erklärt, wo all die

Leute aus den Geisterstädten West

Virginias abgeblieben sind: in Kansas.

Das Geld liegt hier nämlich unter

der Erde, heißt Schiefergas und wird

mithilfe des recht umstrittenen Fracking

und dem Know-how der ehemaligen

Bergarbeiter aus den Blue

Ridge Mountains in den globalen Ölmarkt

gepumpt. „We have more oil

than freakin’ Saudi Arabia“, hat uns


Peter erklärt. Das sei zwar schlecht für

die Umwelt, aber gut für die Economy.

Anders als wir Europäer hat die

Obama-Administration nach dem

großen Crash 2008 nämlich nicht gespart,

sondern Milliarden an Konjunkturpaketen

in die Reindustrialisierung

des Landes gesteckt. Das Ergebnis:

die Wirtschaft wächst. Die Leute haben

Jobs und blicken positiv in die

Zukunft. Die Bereitschaft, sich immer

wieder neu zu erfinden und nicht zu

jammern, dass sich Althergebrachtes

überholt hat, gehört zum grundsätzlichen

Selbstverständnis der Amerikaner.

Darauf sind sie auch stolz. Wir

könnten uns davon ruhig ein Scheibchen

abschneiden.

Der „Kill Me“ State

Nachdem wir die einzige Touristenattraktion

der Gegend – ein Schild

am Straßenrand mit der Aufschrift

Midway USA und der Info, dass es

da nach New York und San Francisco

gleich weite 1700-irgendwas Meilen

sind – besucht hatten, sind wir so lange

geradeaus gefahren, bis die Rocky

Mountains vor uns aus dem Staub

der Ebene erschienen sind. Diese sich

von Nord nach Süd durch den ganzen

Kontinent erstreckende Gebirgskette

ist die wahre Grenze zum Wilden

Westen, klimatisch, landschaftlich

und kulturell. Statt Maisfeldern sind

hier plötzlich Winnetou-Berge, Pferde

und verlassene Goldminen aus

dem 19. Jahrhundert zu sehen. Der

Bundesstaat heißt Colorado, Oralsex

ist hier kein Verbrechen, gleichgeschlechtliche

Ehen sind vor dem

Gesetz den klassischen gleichgestellt

und Gras kann man an jedem Kiosk

kaufen. Ein Großteil Colorados besteht

aus Nationalparks, wo man von

den Rangers zwar erschossen wird,

wenn man auch nur einen Zigarettenstummel

in der Natur zurücklässt,

ansonsten aber alles erlaubt ist, was

das Herz begehren könnte: Fischen,

Campen, Motorbootfahren kann jeder

machen. Ohne Genehmigung

oder was. Der Park Ranger, bei dem

wir Feuerholz für unser Nachtlager

geholt hatten, meinte: „We call it

the ‚kill me‘ state, ‘cause you can do

whatever you want. Even jump from a

cliff with a self-made airplane. There’s

no law against it!“ So haben wir uns

Amerika vorgestellt. Sogar der Bär,

der nächtens um unser Zelt geschlichen

ist, war sehr freundlich. Obwohl

Touristenfressen hier vermutlich für

Bären erlaubt ist.


Mormonenwüste

Das Irre an den Rockies ist, dass sie

zwei Welten voneinander trennen,

ohne besonders breit zu sein. Wer es

drauf anlegt, kann sie an einem Tag

mit dem Auto überqueren. Kommt

man drüben wieder runter, ist man

aber nicht wieder in den Maisfeldern,

sondern in der Wüste! Mit den Bergen

endet auch das charmante Colorado

und man findet sich bei 45 °C

im mormonischen Utah wieder. Halb

so groß wie Deutschland und mit

etwa so vielen Einwohnern wie Hamburg

oder Wien, strengsten Sittengesetzen

(bis vor kurzem gab es hier

eine Art generelles Alkoholverbot)

und einem Tempolimit von gefühlten

0 km/h ist dieser doch recht lebensfeindliche

Ort ein absolutes Naturparadies.

Es empfiehlt sich, hier an

der US-50 die falsche Abzweigung

zu nehmen. Ist uns passiert, und wir

wurden mit einer atemberaubenden

kleinen Straße, die sich entlang des

Colorado River durch jene Wüstenschlucht

schlängelt und dann weiter

südlich zum Grand Canyon wird,

belohnt. Wir haben sogar im Fluss

gebadet. Vorsicht ist nur wegen der

Klapperschlangen und Skorpione

geboten.

Blackjack und Nutten

Zurück auf dem Highway gelangt

man nach einigen 100 Meilen Desert

Road – es empfiehlt sich, bei

jeder Gas Station vollzutanken, die

sind recht weit auseinander und man

will da nicht hängen bleiben in the

middle of nowhere – zur Kehrseite

der janusköpfigen Wüstenei: Nevada.

Geografisch ist die Veränderung

nicht wahrnehmbar, aber an der Art

der Roadside Attractions sehr wohl.

Sobald man die Grenze vom puritanischen

Utah überschritten hat, reihen

sich Bordelle, Stripklubs und Casinos

aneinander. Mitten in der Wüste!

Aus dem einfachen Grund, dass

in Nevada als einzigem Bundesstaat

der USA Prostitution und Glücksspiel

legal sind. Eine Tatsache, der auch

das berüchtigte Las Vegas seine

Existenz verdankt. Wenn man in einem

der hiesigen Motels übernachtet,

kommt man sich vor wie im Film.

Das Städtchen Baker, in das es Carla

und mich eines Abends verschlagen

hat, besteht aus einer Tankstelle, einem

Liquor Store und einem runtergekommenen

Motel. Nevada ist

unerträglich heiß, und egal wie abgeranzt

ein Motel auch ist, jedes hat

einen Pool. Dass es in der Wüste des


Nachts furchtbar kalt wird, haben wir

im Übrigen als Legende entlarvt: Um

Mitternacht hatte es noch immer 35

°C, die AC war im Arsch und so haben

wir die Nacht Bourbon trinkend

im Pool verbracht, der buchstäblich

in den Staub gebaut war.

Land of the free...

Hat man das verrückte Nevada hinter

sich gelassen, muss man nochmal

übers Gebirge und hat es dann

endlich ins Schlaraffenland geschafft:

California, here we come!

Die letzten 200 Meilen sind uns wie

im Flug vergangen. Am Morgen

noch im staubigen Wüstenmotel,

waren wir am Nachmittag am Pazifik.

Hier angekommen, hat sich uns

ein letztes Klischee bestätigt: Die

kalifornischen Sonnenuntergänge

sind wirklich die schönsten der Welt.

Zur Feier des Tages sind wir in den

nächsten Schnapsladen zum Whiskeyholen.

Die Verkäuferin war eine

tätowierte Frau mit Ex-Army-Frisur

und entsprechender Kleidung. Wir

sind ins Gespräch gekommen – in

Amerika kommt man immer mit allen

ins Gespräch –, und auf die Frage,

was wir denn back in Europe so

für Jobs hätten, hab ich geantwortet,

ich würde für ein progressives Männermagazin

schreiben und ich wäre

mir nicht sicher, wie das im konservativen

Amerika so ankommen würde,

weshalb ich mich mit dieser Info

eher zurückhielte hier. Die auf diesen

Ausdruck der Feigheit und Schwäche

folgende Predigt war irgendwie

berührend: „Here in America we value

the individual. No one should be

afraid of expressing what he is or is

not. You shouldn’t care about what

others might say. You Europeans are

such sissies! I’m glad to be American.“

Oder so ähnlich, jedes Wort

haben wir nicht verstanden. In ihrer

Militärschule – tatsächlich war sie Ex-

Navy – hatte sie vermutlich gelernt,

dass alle Europäer unter dem Joch

eines schrecklichen, sozialistischen

Regimes stünden und nur Amerika

der Hort der Freiheit sei. Ziemlich lächerliches

Klischee. Aber unsere sind

auch nicht besser!


Factbox

uSA

Schlafen

Motels gibt es überall und sie sind

meistens auch bezahlbar. Obwohl es

gerade in den Wüstengegenden und

in den Rockies echt coole gibt, die

genauso aussehen, wie man sich das

vorstellt, sind die meisten recht charmebefreit.

Es empfiehlt sich, unter

allen Umständen ein Zelt dabeizuhaben.

Das absolute Highlight der USA

ist die Natur. Campieren ist eigentlich

überall erlaubt. Besonders in den

riesigen Nationalparks – die gefühlt

zwei Drittel des Landes ausmachen

– ist das ein unglaubliches Erlebnis,

das obendrein nichts oder fast nichts

kostet.

Essen

Wer keine Burger und keine Fries

mag, ist außerhalb von Kalifornien

oder Neuengland arm dran. Frühstücken

sollte man im Waffle House

(gibt’s überall an der Straße). Sobald

man am Wasser ist, immer die Fischsachen

bestellen. Und im Hinterland,

nachdem man aus den Ortschaften

mit ihren Fastfoodketten-Restaurants

geflüchtet ist, gibt’s eigentlich immer

einen BBQ-Joint. ACHTUNG: Macht

sehr schnell ziemlich fett! Aber leider

geil. Wenn man diese Diät dann gar

nicht mehr packt, schaffen die Mexikaner

Abhilfe. Deren Küche ist zwar

auch nicht der Brüller, sie verwenden

aber frisches Gemüse und so. An der

Pazifikküste ist man im Paradies: Entlang

des US-Highway 1 gibt’s überall

Shrimps- und Seafood-Läden – einen

großen Haufen bestellen und mit

herrlichem kalifornischem Bier runterspülen!

Trinken

Die USA sind das Land der Drinks.

Egal in was für einem Laden man ist,

Whiskey Sour, Old Fashioned, Gin

Fizz und Bloody Mary gibt es immer

und überall. Im Unterschied zu

europäischen Verhältnissen ist das

dort nichts Besonderes. Alle trinken

das immer. Auch zum Essen. Für drei

bis vier Dollars ist man auch meistens

dabei. Ach ja, die Amis haben

natürlich auch gutes Bier. Sehr gutes

sogar! Einfach im Liquor Store nach

den local brews suchen bzw. in der

Bar bestellen.

Ausgehen

Natürlich hat jede US-Großstadt

Clubs, da schaut man einfach im Netz

nach. Amerika ist aber vor allem das

Land der Livemusik, nicht nur in New

Orleans. In fast jedem Kaff von Kansas

bis Texas gibt es eine Bar, in der

jeden Tag jemand spielt. Die meisten

Leute, die am Land leben, gehen am

Abend nicht fernsehen, sondern tanzen,

musikhören und trinken. Wenn

man da als Ausländer dazukommt,

muss man in der Regel nie bezahlen,

weil man eingeladen wird. Und

noch was: Las Vegas ist furchtbar. Es

ist nicht mal wirklich abgefahren. Eigentlich

muss man es nicht mal unbedingt

gesehen haben – Privatmeinung

des Autors.

Auto

ACHTUNG: Es gibt einen ganz einfachen

Grund, warum die Mietpreise

bei Autos in den USA so billig sind:

Die obligatorische Haftpflichtversicherung

deckt nur läppische 15.000

Dollar. Wer das Risiko, jemanden

umzufahren und von amerikanischen

Gerichten zu vielen Millionen Dollar

Kompensationszahlung verurteilt zu

werden nicht eingehen möchte, sollte

das am Schalter des jeweiligen Car

Rentals bekanntgeben. Dann wird’s

aber auch gleich teurer.


112

BALANCE

Beauty

Die Jubiläumsausgabe:

Hall of Fame

von Juán d. Zamora

Ein Vangardist weiß, wie wichtig gutes Aussehen ist, und achtet

auf sich, egal wie viele Jahre er bereits auf dem Buckel hat.

Aus diesem Grund haben wir in den letzten fünf Jahren aus

dem allgemeinen Angebot an Männerpflegeprodukten immer

nur die hochwertigsten und umweltfreundlichsten Produkte

ausgewählt, die uns genau zu dem Aussehen verhelfen können,

das wir uns wünschen.

Für diese Ausgabe haben wir die besten derzeit erhältlichen

Schönheitsprodukte, von exotischen Gesichtswaschlotionen

aus dem Himalaya bis hin zu Hightech-Rollstiften, die das

Haarwachstum anregen, für euch getestet – alles, damit ihr

euch gut fühlt und noch besser ausseht. Und hier sind unsere

Gewinner: die Highlights aus der Welt der Beauty-Produkte.

L'Occitane

Cade After Shave Balm

Dieses Produkt hat es bereits zum Klassiker

gebracht. Wer nach dem Rasieren häufig

auftretende Übel wie Hautirritationen

und -rötungen vermeiden will, hat jetzt

die ideale Lösung gefunden. L’Occitane

steht für ausgesuchte Inhaltsstoffe, und

mit diesem Pflegeprodukt hat die Marke

einen Trend unter Männern ins Rollen

gebracht: Hautpflegeprodukte, die auf

unseren jeweiligen, ganz speziellen Teint

abgestimmt sind. Ihr After-Shave-Balsam

versorgt die Haut nach der Rasur mit der

nötigen Feuchtigkeit und lässt sie wohlduftend

zurück.

The 7 Virtues

Patchouli of Rwanda

Mit diesem Duft werdet ihr die Welt ein

Stück weit verbessern. Er basiert auf biologisch

gewonnenem Patschuliöl aus Ruanda.

Die Rohstoffe werden von erwachsenen

Waisen und Witwen hergestellt,

deren Väter und Männer im Völkermord

1994 ums Leben gekommen sind. Barb

Stegemann rief dieses Projekt mit ihrem

letzten Ersparten ins Leben und unterstützt

heute weltweit fair produzierende

Kleinfamilien und Bauern, zum Beispiel

in Afghanistan, Haiti und im Nahen Osten.

Eine bezaubernde Geschichte, die

berührt und auch eine wichtige politische

Dimension hat. The 7 Virtues, erhältlich

EXKLUSIV bei ESBJERG.


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Clinique For Men

Dark Spot Corrector

Ein gleichmäßiger Teint verleiht uns ein

gesundes, zufriedeneres Aussehen. Niemand

braucht sich zu schämen, wenn man

sich hierfür ein bisschen Hilfe von den

Beauty-Experten holt. Dieser Korrekturstift

lässt Aknenarben, Alters- und Leberflecken

im Handumdrehen verschwinden,

gibt dem Gesicht so sein jugendliches

Aussehen zurück und bekämpft außerdem

lästige eingewachsene Härchen. Das ideale

Produkt für Männer und männliche Bedürfnisse.

Dank seiner handlichen Verpackung

passt es bequem in die Hosentasche

und kann so auch unterwegs zur Anwendung

kommen, wann immer es brennt.

Kérastase Homme

Capital Force Roll On Anti-Chute

Fast nirgendwo am Körper ist die Haut

so empfindlich wie auf dem Kopf. Und

hier hat sie außerdem eine ganz besonders

verantwortungsvolle Aufgabe zu erfüllen,

nämlich unsere Haare zu beherbergen.

Aus dem Grund solltet ihr eure Kopfhaut

mal so richtig verwöhnen, am besten mit

dieser Kur in Form eines praktischen Roll-

On-Stifts, der die Durchblutung fördert.

Die darin enthaltenen Taurine stimulieren

außerdem das Haarwachstum. Bei regelmäßiger

Anwendung lässt sich bereits

nach sechs Wochen eine Verbesserung

feststellen. Kein Wunder, dass die Einzigartigkeit

und hohe Wirkkraft dieses

Produkts ihm Zugang zu unserer Hall of

Fame verschafft haben.

Shiseido – Urban Environment

Oil-Free UV Protector SPF 42

Jeder Kosmetiker wird euch dasselbe

sagen: Sonnenschutz ist essenziell für

gesunde Haut und mit seiner Hilfe lassen

sich schwerwiegende Probleme wie Falten

und Hautkrebs bereits im Keim ersticken.

Ein Sunblocker ist also in vielen Situationen

ein Muss. Dieser hier basiert auf einer

hautverträglichen Formel, die simultan vor

drei Hauptgründen für geschädigte Hautzellen

schützt: Oxidation, UV-Strahlung

und Talgüberproduktion. Was wir an dieser

Creme besonders lieben: Sie lässt die

Haut nicht wie so viele andere Produkte

ölig, sondern durch und durch geschmeidig

zurück.

Bottega Veneta

Shaving Cream

Anlässlich des Jahrestags des Signature-

Herrenduftes kreiert Bottega Veneta pour

Homme die Luxury Shaving Collection

mit einer faszinierenden Shaving Cream

und einem dazugehörenden After Shave

Splash. Darin finden sich die unverkennbaren

Noten von Bottega Veneta aus kostbarem

Labdanum, Tannenbalsam und Bergamotte

wieder. Ein luxuriöses Geschenk

für den Liebsten und ein Duft, den man

selbst noch lange mitgenießen kann.


116

Dior Homme – Dermo System Age

Control Firming Care

Auch ein Vangardist ist sich bewusst, dass

Altern etwas ganz Natürliches ist. Das bedeutet

für ihn aber noch lange nicht, dass

er sich deshalb gehen lassen darf, ohne gegenzusteuern.

Eins der bekanntesten Modehäuser

der Welt hat jetzt ein Produkt für

uns entwickelt, das die Folgen der Hautalterung

auf magische Weise reduziert. Der

einzigartige Inhaltsstoff Retensium wirkt

schon bei der ersten Anwendung revitalisierend

auf die Haut und verleiht ihr bei

regelmäßiger Anwendung ein strafferes

und festeres Aussehen. Endlich haben wir

ihn, den Schlüssel zu altersloser Schönheit,

für die man sich nicht unters Messer

legen muss.

Aveda Men

Pure-Formance Shave Cream

Frauen klagen oft über die ständige Notwendigkeit

der Haarentfernung, aber

tatsächlich sind es doch wir Männer, die

täglich unsere delikate Gesichtshaut mit

einer scharfen Klinge bearbeiten müssen.

Um diese unvermeidbare Tortur in Zukunft

etwas erträglicher zu gestalten, sollte

man in Sachen Rasiercreme in jedem

Fall auf Qualität achten. Diese hier sorgt

für einen hautberuhigenden Antioxidans-

Effekt und bereitet die Haut so auf eine

angenehme Rasur vor. Darin enthalten

sind ausschließlich pflanzliche und mineralölfreie

Inhaltsstoffe; ein Hauch von

Biozitrone und Lavendel sorgt außerdem

für ein belebend-frisches Gefühl nach der

Rasur.

Be a vang-Artist

VANGARDIST sucht VANGARDISTEN

DU bist Journalist, Fotograf, Model, Grafiker, Illustrator, Filmemacher,

Musiker oder einfach so kreativ tätig?

WIR suchen immer nach neuen Talenten für unser Team und bieten dir

die Chance Deine Arbeiten in unserem Magazin zu präsentieren!

Für mehr Informationen

schreib eine Email an:

redaktion@vangardist.com


118

Japanische

Rockstars im

Kosmetik-Paradies

Shiseido -

Eine 140-jährige Erfolgsgeschichte

Text: Jenni Koutni / Bilder: Shiseido

Arinobu Fukuhara

Die Geschichte um die Marke mit den drei Silben ist voll

von Innovationen, Pionierarbeit und genialen Marketingstrategien.

Sie erzählt aber vor allem die Geschichte

zweier Männer, die ihrer Zeit lange voraus waren und

eine Vision schufen, die über 140 Jahre später eines der

marktführenden Unternehmen sein sollte. Eine lange

Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.


Apotheke 1872

Sanitary

Toothpaste

Tokios Asche als Grundstein

Es war 1872, als ein verheerender Brand

den gesamten Ginza-Bezirk in Tokio zerstörte.

Ein großes Umbruchsjahr, denn

die Stadt wurde aus der Asche zu einer

neuen, weltgewandteren Hauptstadt

aufgebaut und die Japaner begannen

den Lebensstil und die Ästhetik des

Westens für sich zu entdecken. In diesem

Umfeld der Erneuerung eröffnete

Arinobu Fukuhara Japans erste Apotheke

nach westlichem Vorbild. In einer

Zeit, in der die gängigen Make-up-Produkte

aus Nachtigallenkot bestanden

oder sogar Eisen und Blei beinhalteten,

an denen sich Japanerinnen regelmäßig

vergifteten, war es Arinobus Ziel,

die täglichen Schönheitsrituale einfacher

und unkomplizierter zu machen

und vor allem der Haut Erleichterung

zu verschaffen.

Revolution für das Badezimmer

Für viele Produkte des Alltags, die wir

heute für selbstverständlich halten,

wurde Arinobu bald auch außerhalb

Japans berühmt. Er entwickelte als

Erster überhaupt Haarwuchsmittel,

Atemerfrischer und Nahrungsergänzungsmittel

gegen Krankheiten, die

davor noch gar nie erforscht wurden.

Auch die Zahnpasta, die damals noch

ein übel schmeckendes Pulver aus

Salz und Kalkstein war, wurde von ihm

revolutioniert und die „Sanitary Toothpaste“

sogar ins Lexikon aufgenommen:

als Basis für das japanische Wort

für Zahnpasta.

Eiscreme als Marketing

Vielleicht war es die ewige Neugier und Verspieltheit,

die Arinobus Erfolg mit seiner Avantgarde-Apotheke

ausmachte. Verbinden wir typische Apotheken

heute mit Sterilität und Pharmazie, mussten sich die

Japaner damals bei Shiseido wie im Paradies gefühlt

haben. Zwischen Medikamenten und Kosmetika errichtete

man zum Beispiel Japans ersten Soda-Brunnen

und stellte Eiscreme her, die zu dieser Zeit nicht

an jeder Ecke zu finden war. Menschen kamen nur

wegen Shiseidos Eiscreme oder um das Sodawasser

zu testen. Klare Sache, dass man schon bald auch

über die Grenzen von Tokio darüber sprach: Da

gibt’s etwas Neues, da geht es nicht um Krankheit

und Heilmittel, da kann man auch Spaß haben und

Neues probieren. Die Marktstrategie für das Unternehmen

Shiseido war damit festgelegt.

Arinobu

Fukuhara


Whitening Cream

Verpackung 1927

Shiseideo 1928

Die Kunst des Verkaufens

Arinobu Fukuhara war schon ein Pionier

seiner Zeit, sein Sohn aber wusste,

wie man die zukunftsweisenden Ideen

seines Vaters auch noch geschickt

vermarktet. Shinzo Fukuharas Berufswunsch

war eigentlich Künstler. Er studierte

in Amerika, lebte als Fotograf in

Paris und war wie sein Vater ein wahrer

Kosmopolit. Nach seiner Rückkehr

nach Japan und der Übernahme der

Firma verwandelte er die Apotheke in

eines der führenden Kosmetikunternehmen

Japans. Seine Leidenschaft

für Kunst begründete die Designorientiertheit

der Marke, die noch heute

ein Kennzeichen des Unternehmens

ist. Er war der Erste, der die Kosmetik

als ausbaufähige Marktlücke erkannte,

und richtete gleich gegenüber Shiseidos

erstes Kosmetikinstitut ein.

Expansion und erste Skandale –

what else?

Zu dieser Zeit war es nicht notwendig,

Produkte speziell zu bewerben. Die

gängigen Dinge besaßen meist Monopol-Status

– sie waren die einzigen am

Markt. Shinzo erkannte, dass man das

Bedürfnis nach etwas Neuem erst wecken

musste, und richtete eine eigene

Werbeabteilung ein. Aufsehenerregende

Plakate wurden von hochrangigen

Künstlern gefertigt (die erstmals Europäerinnen

statt Japanerinnen zeigten

– damals ein wahrer Skandal!), Schaufenster

regelmäßig neu dekoriert und

Promotion-Mädchen als das damalige

Comic-„It-Girl“ Betty Boop verkleidet

auf die Straßen geschickt. Heutzutage

können wir keine fünf Meter weit gehen,

ohne auf Plakaten von einem prominenten

Schönling lächelnd Espresso

angedreht zu bekommen, aber damals

war das neu, gewagt, mutig oder wie

wir so schön sagen: progressiv.

Waffen statt Kosmetik

Es folgten neue Technologien, revolutionäre

Texturen und noch weitere

Expansion. Die Liste aller von Shiseido

kreierten kosmetischen Neuerungen

ist lang. Der Krieg stürzte das Unternehmen

aber in eine Krise. Metall und

andere Rohstoffe durften nicht länger

für Lappalien wie Kosmetik verschwendet

werden, sondern wurden zur Herstellung

von Waffen und Ausrüstung

verwendet. Ohne aufzugeben und den

drohenden Ruin der Marke hinzuneh-

men, feilte Shinzo aber bereits an dem

nächsten Erfolgsprodukt und fertigte

kurzerhand einen Lippenstift in Holzverpackung.

„Alles muss von höchster

Qualität sein.“ Pflegte Shinzo Fukuhara

zu sagen. Damit meinte er nicht unbedingt

den materiellen Wert, sondern

eine Hochwertigkeit, die sich auf die

Fülle menschlichen Erlebens bezieht,

und ein kompromissloses Streben nach

Bestleistung. Krise hin oder her.

Weitaus bedeutender als Lippenstift


und Betty Boop ist allerdings, was Shiseido

an Forschungs- und Entwicklungsarbeit

leistet. Schon der Name Shisei-do

gibt, frei übersetzt, Hinweis auf

den Fokus des Unternehmens: „Preise

die Tugenden der Erde, die neues

Leben gibt und neue Werte schafft.“

Jedes Jahr werden über 100 Millionen

Euro in Biotechnologie und Forschung

investiert, um noch ausgefeiltere Rezepturen

zu entwickeln, Ressourcen

zu bewahren und Wirkstoffe aus rein

pflanzlichen Quellen zu gewinnen. Harte

Arbeit, die sich lohnt, denn hinter

der Marke steht nicht nur Asiens größtes

Kosmetikunternehmen. Shiseido

ist bis heute führend in der Forschung:

Kein anderes Kosmetikunternehmen

hat mehr IFSCC-Auszeichnungen erhalten

(IFSCC = Internationaler Verband

der Kosmetikforschung). Im Gegensatz

zur Konkurrenz schlägt Shiseido neue

Richtungen ein und spezialisiert sich

in einem eigenen Forschungszentrum

auf die Aromachologie: eine Lehre,

die besagt, dass spezielle Düfte über

das limbische System aufgenommen

werden und so ihre Wirkung entfalten.

Einfacher gesagt: an manchen Cremen

muss man zuerst riechen, damit

sie beim Auftragen ihre volle Wirkung

entfalten. Das klingt erst mal wie ein

Zaubertrick, ist aber durch jahrelange

Forschung wissenschaftlich bewiesen.

Nach so vielen Jahren hat Shiseido aber nicht seine

ursprünglichen Werte vergessen und arbeitet nach

dem Motto „the beauty is already in you“ an weiteren

Revolutionen in der Schönheitspflege, zu der

auch die Erforschung von Körper, Geist und Seele

gehört.

Die Pionierarbeit, die das Familienunternehmen damals

mit seiner kleinen Apotheke auf der Ginza geleistet

hat, trägt heute noch Früchte. Einige Produkte

wie die Pflegelotion Eudermine gibt es in leicht veränderter

Form auch heute noch zu kaufen – ein Jahrhundert

später. Arinobu und Shinzo Fukuhara haben

mit ihrem Erfolg bewiesen, wie weit man kommen

kann, wenn man hohe Ansprüche, Kreativität und

Verkaufstalent kombiniert. Deshalb sind sie für uns

die zwei Rockstars ihrer Zeit.


126

fassade

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Walk like

a Dandy

Ein Rucksack für alle Sinne

Text: Andres Damm

Es ist kalt, nebelig und die Kulisse, in

der wir uns befinden, wirkt alles andere

als einladend: Ein stillgelegter,

ehemaliger Militärflughafen. Doch

genau diese wenig freundliche Atmosphäre

ist für den heutigen Tag

höchst erwünscht. Denn es sind ideale

Voraussetzungen, um an Ort und

Stelle einen Rucksack in Szene zu setzen,

der Schottland und seine wohl

bedeutendsten und berühmtesten

Kulturgütergüter - Scotch und Tweed

– in sich vereint.


Modern Highlander

Genau wie die Location ist auch Anatol,

das Model des Shoots, keine

Schönheit im klassischen Sinne. Die

Nase des Jungen sieht verdächtig

nach verlorenem Boxkampf aus und

bietet einen reizvollen Kontrast zu

seinen sanften Augen. Wie ein einsamer

Krieger, gekleidet in futuristischen

Entwürfen von Berliner und

Londoner Jungdesignern, scheint er

sich für und vor der Kamera seinen

Weg zu bahnen. Ständiger Begleiter

des jungen Highlander am heutigen

Tag: Ein Rucksack im Schottenkaro.

Ziemlich guter Stoff

Das Shooting am Brandenburgischen

Militärhangar ist aber nur der krönende

Abschluss eines sinnlichen Designprojekts.

Monate zuvor beschlossen

im Norden des britischen Königreichs

die beiden schottischen Traditionsunternehmen

Harris Tweed und

Johnnie Walker, gemeinsame Sache

zu machen. In Zusammenarbeit wurde

ein Stoff entwickelt, dessen Glencheck

nicht nur farblich das Produkt

Johnnie Walker Black Label und seine

wichtigsten Inhaltsstoffe widerspiegelt,

sondern dieser Marke auch

olfaktorisch entsprechen sollte. Man

entwickelte hierfür eigens einen Duft

– Aqua Alba – der mit seinen Aromen

an Torfrauch, Moos und schottische

Hölzer erinnert. Also genau an

jene Noten, die auch den heimischen

Whisky definieren.

Der Stoff, der nicht etwa nur in letzter

Etappe mit dem feinen Wässerchen

aromatisiert wird, sondern bei dem

die Duftnoten in unterschiedlichen


Phasen der Produktion eingearbeitet

werden, trägt den klangvollen Namen

„Fabric of Flavour“.

Touch of a Dandy

Mit diesem „Fabric of Flavour“ trat

man nun in unterschiedlichen Ländern

an verschiedene kreative Köpfe

heran. Die Idee: Es sollten ganz

besondere und individuell gestaltete

Produkte entstehen. In Deutschland

fiel die Wahl auf das Blogger

Duo von Dandy Diary. Eine durchaus

mutige Wahl. Wer den Blog verfolgt

weiß, dass eine der Grunddevisen

der Gründer schonungslose Ehrlichkeit

ist und allzu plumpe Marketinganfragen

auch schon mal verbal zerrissen

werden. Doch die Schotten

hatten Glück. Die Berliner Blogger

waren von vornerein von der Idee

begeistert.

Mobile Comfortzone

„Macht uns ein Kleidungsstück oder

ein Accessoire“ –- das waren auch

schon die gesamten Vorgaben für

den Designprozess. Auf weitere Anweisungen

wurde, um die künstlerische

Freiheit des Projektes zu bewahren,

verzichtet. Für die Blogger war

klar, sie wollten nicht nur ein Produkt

entwerfen, hinter dem sie optisch

absolut stehen können, sondern etwas

schaffen, dass auch einen echten

Mehrwert für sie und Menschen mit

ähnlichem Lebensstil besitzt. Als Vielreisende

fiel die Wahl somit auf einen

XL-Rucksack, der ein vollwertiges Gepäckstück

ersetzt. Mit seinen Maßen

bietet das gute Stück problemlos

zwei Komplettoutfits Platz und passt

trotzdem gerade noch ins Handgepäck.

Zudem wurde der Rucksack

mit diversen Extras ausgestattet, die

auf Reisen bereits den Weg zum Ziel

machen sollen. So sind in speziellen

Fächern Nackenrolle und Schlafmaske,

aber auch ein Flachmann untergebracht.

Besonderes Highlight für den unterkühlten

Langstreckenflug ist allerdings

die beigegebene Decke, die

ebenfalls aus dem Duft-Tweed gefertigt

wurde. Dank der Aromen kann

man so Nachts im viel zu kalt tem-

perierten Flugzeug nicht nur gut gewärmt,

sondern auch von den sanften

Herznoten des Scotchs umgeben

sanft entschlummern. Da die Zielgruppe

der urbane Weltenbummler

ist, werden sich die auf 50 Stück limitierten

Exemplare des Rucksacks aller

Voraussicht nach gut verteilen. Somit

kann man als Käufer sicher sein, ein

ganz besonderes Stück zu ergattern,

das auf dem Flug nach Delhi oder

Dallas nicht so schnell auch der Sitznachbar

bei sich hat ...


140

auf achse

The

Places

FUTUR-

ISTIC

von Ann-Kathrin Erler

Mirage House

Tinos, Griechenland

Designer: Kois Associated Architectures

www.koisarchitecture.com

Das „unsichtbare“ Mirage House, versteckt in der felsigen Landschaft der Kykladen-Insel

Tinos, ist ein Rückzugsort der ganz besonderen Sorte. Der Pool auf

dem Dach spiegelt die umliegende Landschaft und der weite Blick über das


142

ägäische Meer übertrifft vermutlich alles, was man bislang an Griechenlandfantasien

gehabt hat. Die zwei Liegestühle am kühlen Nass laden zum Relaxen

ein. Steinwände umgeben den unteren Teil des Hauses, der zur anderen Seite

mit Glas umgeben ist. Gerne hätten wir das nötige Kleingeld, um diese Vision

Realität werden zu lassen. Gebaut muss diese Villa nämlich erst werden. Bei

Interesse schreibt doch einfach an Kois...


144

Terminal 3, Shenzhen Bao'an International Airport

New York, USA

Architekten: Massimiliano und Doriana Fuksas / Fotos: Archivio Fuksas

www.warrentricomi.com

Wenn man verreist, will man sich in der Regel nicht länger als nötig an Flughafenterminals

aufhalten. Nicht so am Shenzhen Bao'an International Airport.

Der Terminal 3 dieses Flughafens könnte genauso gut der Himmel auf Erden


146

sein: Gleißend hell und glänzend wird er durch sechseckige Dachfenster von

natürlichem Licht durchflutet. Das Dach ist kurvig und wickelt sich geradezu

um den Flughafen. In einigen Teilen spiegelt sich die Decke, welche einer Bienenwabe

gleicht, im polierten Boden wider. Entworfen von Massimiliano und

Doriana Fuksas, setzt der Flughafen mit diesem Terminal neue Maßstäbe und

bezaubert mit atemberaubenden und raffinierten architektonischen Stilen.


148

Heydar Aliyev Center

in Baku, Aserbaidschan

Architekten: Zaha Hadid Architects / Fotos: Iwan Baan

www.heydaraliyevcenter.az

Es wirkt wie fast nicht mehr von dieser Welt: das Heydar Aliyev Center in Baku,

Aserbaidschan. Gebaut als Hauptlocation für Konzerte, Ausstellungen und andere

kulturelle Großveranstaltungen, begeistert es zunächst durch sein faszi-


150

nierendes Außendesign: geschwungene, mit Gläserfronten durchsetzte Linien,

welche durch ihre imposanten Ausmaße beeindrucken und ein wenig an islamische

Sakral-Architektur erinnern. Von Balkonen lässt sich über die verschiedenen

Ebenen des Centers blicken, während sich das Licht innen an den Wänden

spiegelt. Hier trifft modernstes Design auf traditionelle Zitate, womit das Heydar

Aliyev Center zum Must-See der aserbaidschanischen Hauptstadt geworden ist.


152

VANGART

hört

das!

Empfehlung für Hörsinnige

In den letzten fünf Jahren haben unzählige

Musiker ihren Beitrag zum Soundtrack

unseres Lebens geleistet. Das

vangardistischste unter den Alben der

letzten Jahre auszuwählen, wäre schier

unmöglich gewesen. Also haben wir

uns stattdessen auf Werke beschränkt,

die die gängigen Vorstellungen in Sachen

Musik auf die eine oder andere

Art verändert haben: neue Sounds aus

wenig erforschten Breitengraden; talenvon

Juán d. Zamora

tierte Diven, die die Bühne mit Stimmgewalt

und beeindruckenden Texten erobert

haben; Bands, die ihren Ruhm der

Magie ihrer Instrumente verdankten;

göttliche Songs, die wir so schnell nicht

mehr vergessen werden. Sie alle haben

wir für euch zusammengetragen, auf

dass ihr euch an ihnen erfreuen könnt.

Also lehnt euch entspannt zurück und

geht mit uns auf eine kleine musikalische

Zeitreise.

Lana Del Rey

Born to Die / The Paradise Edition

Wenn es in den letzten fünf Jahren eine Künstlerin gegeben

hat, die die Musikwelt im Sturm erobert hat, dann ist

das die vielseitig talentierte Miss Del Rey. Geboren in LA

als Lizzie Grant und Tochter eines Millionärs, hat sich die

Sängerin ganz allein in den Olymp des Ruhms hinaufgearbeitet.

Ihre Songs nahm sie zunächst daheim am eigenen

Computer auf, postete sie dann im Internet, und plötzlich

gingen sie in rasender Geschwindigkeit um die Welt.

Natürlich gibt es Gerüchte, wie viel Daddys Einfluss und

Reichtum mit ihrem Ruhm zu tun gehabt haben mögen.

Doch Fakt ist, dass Lana Del Rey einen Hauch von Klasse

und Eleganz in die von billigen Elektro-Konserven dominierte

Musikwelt zurückgebracht hat. Zu ihren Songs über

Liebe, Rock ‘n Roll und Glamour zählen wunderschön

melancholische Balladen wie Born to Die und Videogames,

unvergessliche Film-Soundtracks wie Young and Beautiful

(The Great Gatsby) und Once Upon a Dream (Maleficent)

sowie Runway-Hits wie This Is What Makes Us Girls

(Dior). Und dann sind da natürlich noch Songs wie

National Anthem, Gods and Monsters und Summertime

Sadness von ihrem preisgekrönten Album Born To Die –

The Paradise Edition, die wir uns wieder und

wieder anhören können.

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154

Röyksopp & Robyn

Do It Again

Metronomy

The English Riviera

Ein Album, das sich selbst eine Aufgabe gestellt hat,

nämlich der englischen Küste etwas von dem Glamour

zurückzugeben, den sie seinerzeit an die französischen

Nachbarn gegenüber verloren hat. Zum Erreichen ihres

Ziels fuhr die Band mit ihrem mondänen Sound, eleganten

Beats und unverwechselbaren Vocals schwere

Geschütze auf. Und als wir zum ersten Mal ihre umwerfenden

Videos und kunstvollen Visuals sahen, wussten

wir, sie hatten gesiegt. Mit ihrem zugleich nachdenklichen

und entspannten Sound und ihren hochwertigen

Melodien, die vor allem anspruchsvollen Hörern liegen,

haben sie frischen Wind in die Elektropop-Szene gebracht.

So sind denn auch die meisten Songs auf diesem

Album empfehlenswert: Vom sexy-gemächlichen

Everything Goes My Way bis hin zum aufwendig produzierten

The Bay ist der Vierer-Kombo mit The English

Riviera ein unvergessliches Album gelungen.

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Ein Zusammenschluss der Giganten: Während Robyn

uns mit Songs wie Call Your Girlfriend und Indestructible

zum Tanzen und Weinen bringt, erschafft Röyksopp

einen elektronischen Sound, wie es anspruchsvoller

kaum geht. Die Zusammenarbeit dieser Talente erwies

sich dann auch als eine göttliche Fügung. Ihr erstes

gemeinsames Werk ist ein aufwendig produziertes Album,

das man in vielerlei Hinsicht als revolutionär bezeichnen

kann. Zunächst einmal wurde damit das neue

Format der Mini-EP eingeführt, was mit dem herkömmlichen

Modell von Alben aufräumt, auf denen wir uns die

Hälfte der Lieder kaum je anhören. Do It Again ist wie

ein Destillat aus reinen Qualitätssongs. Seitdem haben

viele bekannte Künstler, von Kylie Minogue bis hin zu

Kleerup, das neue Format übernommen und können so

ihre Hörer jetzt regelmäßig mit ihren neuesten Singles

versorgen. Eine weitere Besonderheit dieses Albums ist

die Zusammenführung von zwei völlig eigenständigen

musikalischen Einheiten, die für ihre Zusammenarbeit

einen umwerfenden neuen Sound kreiert haben. Kein

Zweifel, mit Songs wie Monument und Do it Again

haben uns R&R echte Kunstwerke geschenkt.

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156

Bomba Estéreo

Estalla / Blow Up

Afrikanische Rhythmen, die vor langer Zeit mit

den Sklaven nach Amerika kamen, kombiniert mit

modernen Sounds und der starken Stimme des Lead-

Sängers ergeben eben jenen einzigartigen Mix, mit dem

die kolumbianische Band Bomba Estéreo in den letzten

fünf Jahren die Musikwelt erobert hat. Auf Festivalbühnen

von Amerika (Coachella) bis Spanien (Sonar) hat

der kolumbianische Sänger das Publikum mit seinem

energiegeladenen Sound begeistert. Cumbia und Champeta,

zwei der traditionellsten karibischen Rhythmen,

werden mit harten Beats, Drums und etwas Rap kombiniert,

was dem Ganzen einen modernen Twist verleiht.

Sich auf jeden Fall anhören sollte man: Fuego, Pa’ Ti,

Niña Rica, La Boquilla und das hypnotisch

anmutende Cosita Rica.

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Daft Punk

Random Access Memories

Das französische Duo gehört bereits seit Jahren zu den

Pionieren der Musikszene. Letztes Jahr haben sie uns

einmal mehr mit einem Album erfreut, das bewiesen hat,

dass auch elektronische Musik stilvoll und elegant sein

kann. Das Ganze versahen die Kult-DJs mit eingängigen

Texten über Liebe und Spaß und ließen sich von einer

Reihe musikalischer Größen unterstützen:

Pharrell Williams lieh Get Lucky, einem der meistgespielten

Lieder aller Zeiten, seinen Namen, Giorgio

Moroder, der Vater des Elektro, der mit I Feel Love von

Donna Summer den ersten Song komponiert hat, der

ganz ohne klassische Instrumente auskommt, gewährt

uns auf dem Album Einblick in sein Leben, und Julian

Casablancas singt Instant Crush, eine romantische Ballade

mit kraftvollem Bass. Vom ersten Moment seines

Erscheinens an wurde Random Access Memories bereits

als Klassiker gehandelt. Tatsächlich ist es eines dieser

Alben und erfreut einfach zu jeder Tages- und Nachtzeit.

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158

FKA Twigs

LP1

Genug von der Vergangenheit: sprechen wir lieber über

die Zukunft. Immer mal wieder erklingt plötzlich in der

Musikszene eine Stimme, die uns augenblicklich fasziniert

und neue musikalische Maßstäbe setzt. Die diesjährige

Offenbarung ist eine britische Sängerin, die durch

ihren ganz eigenen Stil und ihre einzigartige Stimme auf

sich aufmerksam gemacht hat. Das Billboard

Magazine führt sie auf seiner Liste der 14 Musiker, die

man im Auge behalten sollte, und die BBC nominierte

sie bereits letztes Jahr für den “Sound of 2014”.

Außerdem ist sie das neue Werbegesicht der Google

Datenbrille und momentan mit dem begehrten

“Twilight”-Star Robert Pattinson zusammen –

zwei Fakten, die darauf hindeuten, dass sie mit dem,

was sie tut, nicht ganz falsch zu liegen scheint.

Und was können wir von dem Album erwarten?

Aufwendig produzierte, düster-schöne Melodien und

sexy Elektrosounds, die gleichzeitig sanft und überwältigend

klingen. Zur Einstimmung auf die musikalische

Herrschaft von FKA Twigs empfehlen wir Two Weeks

(am besten in Kombination mit dem hypnotisch/

schönen Video) und Pendulum.

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Beyoncé

Beyoncé

Wie wir alle wissen, bedeutet Information erstens Macht

und findet zweitens im digitalen Zeitalter meist einen

Weg, nach draußen zu gelangen. Wenn man jedoch eine

der mächtigsten Frauen der Musikwelt ist, ist man in

der Lage, das zu verhindern. So gelang es Beyoncé denn

auch, ihr neues Projekt über Monate geheimzuhalten.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit nahm die Sängerin 14

Songs und 17 Videos auf und veröffentlichte sie überraschend

in einer x-beliebigen Nacht des Jahres 2013.

Damit hat sie uns gleichzeitig gezeigt, dass es nichts gibt,

das sie nicht kann, und ihren Mitkünstlern eine Lektion

in Sachen effektiver Werbung erteilt. Musikalisch stellt

ihr neues Album Beyoncé eine Reise in die Seele der

Sängerin dar, und in jedem Lied präsentiert sie uns eins

ihrer vielen Gesichter. Vom sexy Partition bis hin zum

herzzerreißenden Pretty Hurts stellt die Vielseitigkeit

ihrer Songs erneut Mrs. Carters Talent unter Beweis, die

sich dafür in die Gesellschaft herausragender Künstler

wie Sia und Frank Ocean begeben hat. Unsere Lieblingssongs

auf dem Album, Flawless und Drunk in Love, wurden

über Nacht zu Hits und haben mittlerweile unter

den Fans der Diva Hymnenstatus erlangt.

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160

CELEBRATION

UP

Coming

Was geht ab in...?!

//Wien

LOVEBALL

/ 31. Dezember

WUK

Währinger Straße

Wien

„More info soon...“. So knapp kann eine

Eventbeschreibung ausfallen. Fürs Erste

zumindest. Aber das bedeutet noch lange

nicht, dass der Loveball von kurzer Dauer

sein wird. Immerhin eröffnet er die Ballsaison

des kommenden Jahres schon heuer

und beendet damit zugleich das Jahr 2014.

Eine große Bürde, die sich die Veranstalter

damit auferlegt haben. Ebenso groß werden

auch die Erwartungen an den letzten

und ersten Ball – je nachdem, welches Jahr

man im Datum angibt – sein. Wer sich aber

traut, seine Party mit nur drei Wörtern zu

beschreiben, wird schon wissen, was er tut.

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//BERLin

FEIERLICHE SZENE-VERABSCHIEDUNG

VON KLAUS WOWEREIT

/ 10. Dezember

Rotes Rathaus

Rathausstraße

Berlin

Klaus Wowereit legt am 11. Dezember

nach 13 Dienstjahren sein Amt als Berliner

Bürgermeister nieder. Dabei wehrte er

sich noch im Jänner erfolgreich gegen einen

Misstrauensantrag der Opposition. Für

Wowereit sind aller guten Dinge allerdings

13, und so verabschiedet sich der beispiellose

Vorreiter für Homosexuelle in der Politik

von ebendieser. Für seine Pionierleistungen

möchte sich vor allem die LGBT

Community in Berlin bedanken. Die deutsche

Bundeshauptstadt wäre bei weitem

nicht das, was sie heute ist ohne Wowi, wie

er gerne genannt wird. Ein Meer an Regenbogenflaggen

soll Wowereit in seinen

wohlverdienten Ruhestand begleiten. Ein

schönes Ende der Amtszeit für einen einzigartigen

Bürgermeister.

https://beRLin.lsvd.de/neuigkeiten/lesben-und-schwule-verabschieden-klaus-wowereit-feieRLich/


162

//zürich

WONDERWORLD DREAMS AFTERHOUR

/ 14. Dezember

Bagatelle

Langstrasse

Zürich

Nach der Party ist vor der Party, währenddessen

ist mittendrinnen und ein Ende

gibt’s ohnehin nur dann, wenn die Exekutive

einschreitet und der Versuchung widerstehen

sollte, nicht doch auch mitzufeiern.

Also befassen wir uns hier ausnahmsweise

nicht mit dem Main-Event. Nein, wir werfen

einen Blick auf das Dessert: die Afterhour,

jener aberwitzigen Erfindung der

ewig Rastlosen, die nicht wissen, wann genug

ist. In diesem Fall geht’s um die Afterhour

zum Wonderworld Dreams in Zürich.

Wo? Keine 500 Meter vom X-TRA, dem

Zuhause der eigentlichen Party, und damit

schon jetzt perfekt. Plädoyer beendet.

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// AMSTERDAM

THE AMAZING PARTY

/ 12. Dezember

Club Lite Amsterdam

Jan van Galenstraat

Amsterdam

The Amazing Party – dieser Eventname hat

natürlich sofort unsere Aufmerksamkeit

erregt. Aussagekräftig und ein ganz klares

Versprechen. Und das dürfte die Party

auch halten. Ausgefallene Verkleidungen

sind obligat, schillernde Persönlichkeiten

Programm und auch die Acts haben es in

sich. Mit dabei sind unter anderem das niederländische

Transgender-Supermodel Valentijn

De Hingh und CLEO, die heurige

Song-Contest-Vertreterin aus Polen. Quite

a thing! Auch wenn sie nicht gewonnen

hat – wie man Stimmung macht, weiß die

Gute jedenfalls. Davon hat sie uns schon

überzeugt.

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// FUERTEVENTURA

RAINBOW FUERTEVENTURA

/ 4. bis 8. Dezember

Fuerteventura

Kanaren

Spanien

Die zügellose Feierei auf der sonst so züchtigen

kanarischen Insel, die gestresste Familien

und langweilige Paare im Dezember

einfach gegen LGBTs tauscht und dem kalten,

faden Winter ein Schnippchen schlägt,

ist schlicht legendär. Nicht umsonst trägt

Fuerteventura den Beinamen „Insel des

ewigen Frühlings“. Die Insel der ewigen

Party wird sie wohl nicht so schnell, also

sollte man diese Veranstaltung besser nicht

verpassen.

http://www.gaywelcome.com/gayevents-detail/22/clubbing/canary-islands/rainbow-fuerteventura.php

//NEW YORK

GREAT GATSBY:

A NEW YEAR’S EVE MASQUERADE

/ 31. Dezember

Amazura Concert Hall

Jamaica, New York City

New York

„So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen

den Strom – und treiben doch stetig

zurück, dem Vergangenen zu.“ Auch 2014

ist bald nur noch eine kollektive Erinnerung.

Durchaus eine gute, in jedem Fall

eine vielfältige. Vergehen wird das Jahr

der Wurst mit Gewissheit. Muss man allerdings

schon der Endlichkeit ins Auge blicken,

kann man das auch mit Stil, Eleganz

und ganz viel Pomp machen. Wie einst

der große Gatsby. Und nicht nur in etwa,

sondern ganz genauso! Im Sinne des Romanhelden

aus Fitzgeralds gleichnamigem

Literaturklassiker wird in New York abseits

des Times Square das heurige Jahr zu

Grabe getragen und die Geburt eines hoffentlich

noch aufregenderen neuen Jahres

gefeiert. Das grüne Licht am anderen Ufer

wird uns leiten!

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happy

new

yeaR!

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