Das integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) - Kitzingen.info ...

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Das integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) - Kitzingen.info ...

ISEK Kitzingen Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung 1

2 Aufgabenstellung und Methodik ISEK 1

3 Ergebnisse der Situationsanalyse 5

3.1 Markt- und Standort/ Sektorale Analyse 5

3.2 Handlungsfelder 8

4 Städtebauliches Leitbild 11

4.1 Alternative Entwicklungsszenarien 11

4.2 Städtebauliches Leitbild 12

5 Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept 17

5.1 Entwicklung der Handlungsfelder 18

5.1.1 Innenstadt aufwerten 18

5.1.2 Tourismus stärken 19

5.1.3 Wohnstandort entwickeln 22

5.1.4 Kompetenzfelder Stärken 25

5.1.5 Qualitäten kommunizieren 28

5.2 Räumliche Handlungsschwerpunkte 31

5.2.1 Altstadt/ Innenstadt 32

5.2.2 Mainpromenade 37

5.2.3 Aktivitätenband 43

5.2.4 Am Wacholderberg (Marshall Heights) 49

5.2.5 Air-Park Kitzingen (Harvey-Heights) 54

5.2.6 Klingenberg (Larson Barracks) 60

5.2.7 Siedlung 65

5.3 Vision 2020 68

5.4 Projektübersicht 69

6 Maßnahmenkatalog und Organisation 75

6.1 Prioritätenbildung für Projekte 75

6.2 Maßnahmenkatalog 77

6.3 Vorschläge Organisationsstrukturen 80

6.4 Förderkulisse Stadtumbau West/ Stadtumbaugebiete/ 82

6.5 Einsatz planungsrechtlicher Instrumente 89

7 Handlungsempfehlungen 92


ISEK Kitzingen Einführung und Aufgabenstellung

1 Einführung

Drees & Sommer Entwicklungsmanagement und Immobilienberatung

hat in Projektgemeinschaft mit der Planungsgruppe 4 im Oktober

2005 den Auftrag erhalten, ein integriertes städtebauliches

Entwicklungskonzept als Grundlage für die weitere Entwicklungsplanung

der Stadt Kitzingen zu erarbeiten. Der vorliegende Endbericht

stellt den vorläufigen Abschluss eines einjährigen Planungsprozesses

dar, der in intensivem Dialog mit Vertretern der Verwaltung,

der Politik sowie mit Experten und Bürgern durchgeführt

wurde. Gleichzeitig markiert er den Beginn einer neuen Phase der

Stadtentwicklung, in der sich Kitzingen nach fast neunzig Jahren

als Militärstandort neu definieren muss. Mit dem Beschluss des

Stadtrats über das Integrierte Entwicklungskonzept am 07.12.2006

wurde der Wandel von der Garnisons- zur Innovationsstadt eingeleitet.

Der Endbericht stellt die wesentlichen Ergebnisse des Prozesses

dar. Eine Bewertung der vorgeschlagenen Projekte und die kurzfristige

Maßnahmenplanung sind gemeinsam mit Informationen

und Unterlagen, die den Prozess dokumentieren sowie den Ergebnissen

der Situationsanalyse in einem Anlageband zusammengefasst.

2 Aufgabenstellung und Methodik ISEK

Mit dem geplanten Abzug der amerikanischen Streitkräfte steht die

Stadt Kitzingen im Hinblick auf ihre zukünftige Stadtentwicklung

vor einer ‚Jahrhundertaufgabe’. Die frei werdenden Flächenpotenziale

von über 400 ha bieten die einmalige Chance, die Stadt als

Zentrum des Landkreises mit einem attraktiven Wohn- und Arbeitsplatzangebot

zu profilieren. Die Kernaufgabe besteht darin,

die ehemaligen Militärflächen einer zivilen Nachnutzung zuzuführen,

die sowohl in ihrer Qualität als auch in ihrem Umfang stadtverträglich

integriert werden kann. Neben den Konversionsflächen rücken

aber auch andere Räume in den Focus der Stadtentwicklung,

wie z.B. die Innenstadt oder das Mainufer, die aufgrund ungenutzter

Potenziale oder eines bestehenden Handlungsbedarfes aufgewertet

werden müssen.

Mit dem Ziel, die bisher stabile Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung

beizubehalten und weiter zu verbessern müssen die vorhandenen

Stärken, Entwicklungsperspektiven und Chancen der

Stadt herausgearbeitet und die städtebaulichen Leitlinien neu definiert

werden. Dies erfolgt im Rahmen des integrierten städtebaulichen

Entwicklungskonzepts (ISEK), welches einerseits konkrete

kurz- und mittelfristige Handlungsansätze beinhaltet als auch langfristige

Optionen offen hält. Als ein flexibles und informelles Planungsinstrument

formuliert das ISEK auf der Grundlage der spezifischen

Stärken und Schwächen der Stadt eine konzeptionelle Gesamtperspektive

der Stadtentwicklung für die nächsten 15 Jahre.

Projektstart

Oktober 2005

neue Phase der

Stadtentwicklung

Endbericht und

Anlageband

Konversion als

‚Jahrhundertaufgabe’

Gesamtperspektive für

die nächsten 15 Jahre

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 1


ISEK Kitzingen Einführung und Aufgabenstellung

von der Garnisons- zur

Innovationsstadt

Stadtumbau West

Das Konzept steht unter dem Motto ‚Von der Garnisons- zur Innovationsstadt’,

da sich Kitzingen mit dem Abzug der Amerikaner

nach fast neunzig Jahren als Garnisonsstandort neu definieren

muss. Der Begriff ‚Innovation’ beschränkt sich hierbei nicht auf den

technologischen Fortschritt, sondern umfasst auch die Entwicklung

neuer Stadtstrukturen, neuer Organisationsformen, das Anstoßen

von Prozessen und das Herausarbeiten eines neuen Images- kurz:

Kitzingen muss sich als Stadt neu ‚erfinden’. Mit Hilfe der vorgeschlagenen

Konzepte soll die Stadt zu einem für Bürger, Gewerbetreibende

und Touristen gleichermaßen attraktiven Wohn- und

Wirtschaftsstandort ausgebaut werden.

Die Erarbeitung des ISEK erfolgt im Rahmen des neu geschaffenen

Programms ‚Stadtumbau West’, das eine Antwort auf rückläufige

demographische, wirtschaftliche und räumliche Prozesse geben

soll. Das Konzept soll gesamtstädtisch wie auch in Teilräumen

Stadtumbaumaßnahmen vorschlagen und prüfen mit dem Ziel,

- die Siedlungsstruktur den Erfordernissen der Entwicklung von

Bevölkerung und Wirtschaft anzupassen,

- die Wohn- und Arbeitsverhältnisse sowie die Umwelt zu

verbessern,

- innerstädtische Bereiche zu stärken,

- nicht mehr bedarfsgerechte bauliche Anlagen einer neuen

Nutzung zuzuführen,

- Anlagen ohne Nutzungschancen zurückzubauen,

- freigelegte Flächen einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung

oder einer hiermit verträglichen Zwischennutzung zuzuführen

und

- innerstädtische Altbaubestände zu erhalten.

Mit dem ISEK soll die Grundlage für die Förderung und die Realisierung

von Stadtumbaumaßnahmen und damit für die Schaffung

nachhaltiger städtebaulicher Strukturen gelegt werden.

Der Prozess zur Erarbeitung des ISEK zwischen Oktober 2005

und November 2006 gliederte sich in folgende wesentliche Arbeitsschritte:

2 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Einführung und Aufgabenstellung

Abb. 1: Prozessablauf des ISEK

Die nachfolgende Übersicht zeigt die schematische Vorgehensweise

zur Erarbeitung des ISEK. Mit einem besonderen Schwerpunkt

auf Synergien und Abhängigkeiten werden alle gesamtstädtisch

relevanten Themenbereiche parallel analysiert und konzeptionell

bearbeitet. Hierbei werden vorhandene Informationen, Gutachten,

Planungen, Leitbilder und Ähnliches vor einem gesamtstädtischen

Hintergrund neu bewertet, lokale und regionale Akteure

beteiligt und eigene Erhebungen zur Konkretisierung und Fortschreibung

von Einzelthemen durchgeführt. Aus der Entwicklungskonzeption

lassen sich dann abgestimmte und leitbildorientierte

Schlüsselprojekte, aber auch konkrete Änderungsbedürfnisse für

Flächennutzungsplan oder Bebauungspläne ableiten.

wesentliche Arbeitsschritte

Synergien und Abhängigkeiten

Schlüsselprojekte und

Änderung der Bauleitplanung

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 3


ISEK Kitzingen Einführung und Aufgabenstellung

Im Vergleich zur klassischen Methodik ist das Integrierte Stadtentwicklungskonzept

von einer frühzeitig und intensiv geführten

konzeptionellen Diskussion geprägt. Bereits während der Erarbeitung

der Analyseteile wurden daher zahlreiche Fachgespräche und

Expertenrunden mit Vertretern der Wirtschaft, des Stadtmarketingvereins,

der Verwaltung und der Politik geführt. Auch die Bürger

wurden im Rahmen von Bürgerversammlungen und über Informationen

im Internet und in der Presse in den Arbeitsprozess einbezogen.

Die Anfänge des Verfahrens wurden darüber hinaus durch

den Bayerischen Rundfunk begleitet. Grundsätzlich sind die vorgelegten

Ergebnisse in einem transparenten und offenen Dialog mit

allen Beteiligten entstanden und spiegeln somit den integrierten

Ansatz des Konzeptes wider.

Einen besonderen Meilenstein des ISEK-Prozesses stellte die

Präsentation von Zwischenergebnissen auf der Immobilienmesse

Expo Real 2006 dar, mit der schon frühzeitig eine breite Fachöffentlichkeit

über die Entwicklungspotenziale und –absichten in Kitzingen

informiert wurde. Der erfolgreiche Auftritt, der durch einen

eigenen Flyer begleitet wurde, soll in naher Zukunft durch weitere

Präsentationen und Vermarktungsaktivitäten ergänzt werden.

4 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

3 Ergebnisse der Situationsanalyse

3.1 Markt- und Standort/ Sektorale Analyse

Die Ergebnisse der Situationsanalyse werden zusammenfassend

in Form von Leitsätzen beschrieben. Damit werden die

wesentlichen Erkenntnisse für das Leitbild und das integrierte

städtebauliche Entwicklungskonzept formuliert und die

Handlungsfelder definiert. Die Gesamtergebnisse sind ausführlich

in den vorgestellten Zwischenberichten und Präsentationen sowie

in thematischen Datenblättern und Karten im Anlageband dargestellt.

Die Situationsanalyse stellt den ersten Bearbeitungsschritt des

Entwicklungskonzeptes dar. Der Focus liegt dabei nicht auf einer

grundsätzlichen, neu zu erstellenden Markt- und Standortanalyse

im klassischen Sinne, sondern darin, bisher erarbeitete Grundlagen,

Leitbilder sowie relevante Planungsvorgaben zu ergänzen,

Ergebnisse von Fach- und Expertengesprächen zusammenzuführen

und das Gerüst der Faktoren zur Stadtentwicklung sowie das

Wirkungsgefüge zu beschreiben und festzulegen. Insoweit wurden

Primärerhebungen hauptsächlich durch Interviews und Expertenrunden

und Vorortaufnahmen erarbeitet. Eine Liste der durch die

Stadt Kitzingen übergebenen Unterlagen, die Grundlage der Auswertung

waren, ist im Anlageband enthalten.

Markt und Standort

Ergebnisse

� Die Bedeutung Kitzingens als regionales Zentrum ist hoch,

wird jedoch nicht wahrgenommen

Kitzingen erreicht im Vergleich nur geringe Bevölkerungszuwächse

Kitzingen besitzt aktuell ausreichende Flächenangebote

beim Wohnen und hat Nachholbedarf bei preisgünstigem

Wohnbauland

Kitzingen wird die größten Lasten beim Abzug der US-

Streitkräfte tragen

Kitzingen besitzt stabile Wirtschaftstrukturen und eine geringe

Arbeitslosenquote

Kitzingen besitzt einen ausgeglichenen Chancen-Risiko-

Mix, ist jedoch bei den Leit- und Wachstumsbranchen zu

gering besetzt

Kitzingen bindet stark die Arbeitsplätze und die Kaufkraft im

Landkreis

Kitzingen hat nur geringe Bedeutung im Bereich Tourismus

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 5


ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

Siedlungsstruktur

Ergebnisse

� Die vorhandenen Potenziale (Wasserlage, Höhenlage,

Landschaftsbezug) können für die Weiterentwicklung Kitzingens

als Wohn- und Arbeitsstandort noch stärker genutzt

werden

� Eine weitere zentrifugale, d.h. außerhalb des Zentrums

stattfindende und für die Innenstadt schädliche Siedlungsentwicklung

muss durch eine angemessene Nutzung der

Konversionsflächen verhindert werden.

Gewerbe

Ergebnisse

� Die vorhandenen Flächenpotenziale kommen aufgrund vorhandener

Einschränkungen (z.B. FFH-Gebiet, schlechte

Erschließung, Nutzungskonflikte) nur bedingt für eine gewerbliche

Nutzung in Frage

� Der vorhandene Gewerbeflächenschwerpunkt im Nordosten

kann unter Auflösung von Nutzungskonflikten (mit

Wohn- und Freizeitnutzungen) und unter Ausnutzung von

Potenzialflächen weiter ausgebaut werden

Einzelhandel

Ergebnisse

� Es besteht Handlungsbedarf aufgrund der problematischen

Entwicklung des Einzelhandels in der Innenstadt- ein funktionierendes

und attraktives Zentrum hat eine große Bedeutung

für die Stadtentwicklung (Synergien).

Tourismus

Ergebnisse

Kitzingen verfügt in Bezug auf die touristische Entwicklung

über Potenziale, die bisher deutlich untergenutzt sind, z.B.

die Wasserlage, das gastronomische Angebot oder das

Thema Wein.

6 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


Wohnen

Ergebnisse

ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

� Die Stadt besitzt gute Entwicklungsmöglichkeiten als

Wohnstandort aufgrund bestehender Potenzialflächen

(FNP-Flächen, Konversionsflächen, Baulücken), eines differenzierten

Wohnangebots, der attraktiven Landschaft und

einer hohen Lebensqualität.

� Die direkt zur Verfügung stehenden Wohnbauflächen sind

begrenzt, neue Potenziale müssen erschlossen werden

� Durch Auflösung von Nutzungskonflikten (z.B. mit gewerblichen

Nutzungen oder Verkehr), die bessere Ausnutzung

von Potenzialen (z.B. Wasser- und Höhenlage) und die

Schaffung zielgruppenorientierter Angebote kann der

Standort noch attraktiver gestaltet werden

Weitere Aspekte

Ergebnisse

Kitzingen besitzt mit seiner aktiven Bürgerschaft, seiner

Vereinsstruktur (z.B. Stadtmarketingverein) und dem vorhandenen

privaten Engagement gute Vorraussetzungen für

die Realisierung von gemeinsamen Stadtentwicklungszielen

und Maßnahmen.

Konversionsstandorte

Ergebnisse

� Die Konversionsstandorte sind Potenziale, die in die Stadtstruktur

eingebunden werden müssen

� Größe und Bestand bedingen stufenweises und abgestimmtes,

marktgerechtes Handeln

� Einbindung und Abstimmung der Zielsetzungen mit BIMA

� Lage innerhalb des Stadtraumes und Standortqualitäten

ermöglichen differenzierte und angemessene Entwicklungsperspektiven

(Wohnen, Freizeit, Gewerbe)

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ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

Ergebnis der

Situationsanalyse

Schwerpunkt auf

Synergieeffekten

fünf zentrale

Handlungsfelder

3.2 Handlungsfelder

Als Ergebnis der Situationsanalyse lassen sich für die zukünftige

Stadtentwicklung insgesamt fünf verschiedene Handlungsfelder

ableiten, die aufgrund ungenutzter Potenziale, einer gesamtstädtischen

Bedeutung und/oder bestehender Defizite und Probleme

schwerpunktmäßig bearbeitet werden müssen.

Die einzelnen Handlungsfelder, die auch die Grundlage für die Erstellung

des Integrierten Entwicklungskonzeptes bilden, lassen

sich aufgrund komplexer Abhängigkeiten nicht scharf voneinander

abgrenzen. Angesichts der bestehenden Schnittmengen und Synergien

soll der Schwerpunkt zukünftiger Aktivitäten auf solchen

Themenbereichen liegen, die eine große Zahl möglicher Synergieeffekte

aufweisen und daher eine hohe Bedeutung für die Stadtentwicklung

haben. Im Einzelnen handelt es sich um folgende

Handlungsfelder:

Abb. 2: Übersicht über die Handlungsfelder des ISEK

Innenstadt aufwerten

Die Innenstadt, in der sich alle Themenbereiche der Stadtentwicklung

überlagern (Wohnen, Handel, Verkehr, Kultur, etc.), ist in ihrer

Funktion und ihrem Erscheinungsbild für die Außenwirkung von

Kitzingen und die Ausnutzung von Synergien von entscheidender

Bedeutung. Darüber hinaus fungiert sie als Wahrzeichen und Identitätsmerkmal

für die Kitzinger Bürger. Aufgrund funktionaler und

gestalterischer Mängel sowie ungenutzter Potenziale ergibt sich für

diesen Bereich ein hoher Aufwertungsbedarf.

8 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

Tourismus ausbauen

Kitzingen verfügt aufgrund seiner Lage am Main, der umgebenden

Landschaftsräume und des attraktiven Klimas, seiner guten Erreichbarkeit

sowie zahlreicher Freizeiteinrichtungen und Veranstaltungen

über große touristische Potenziale, die bisher jedoch nicht

ausreichend genutzt werden. Mit einem Schwerpunkt auf Kurz-,

Tages- und Thementouristen soll der Bereich in Zukunft stärker

ausgebaut werden.

Wohnstandort entwickeln

Vor dem Hintergrund eines zunehmenden interkommunalen Wettbewerbs

um Einwohner und Arbeitsplätze muss sich auch Kitzingen

unter Ausnutzung der vorhandenen Qualitäten als Wohnstandort

profilieren. Im Rahmen einer integrierten Entwicklungsstrategie

muss ein vielseitiges und zielgruppenorientiertes Wohnungsangebot

geschaffen werden, bei der potenzielle Konversionsobjekte

marktverträglich zu integrieren sind. Zur Deckung eines

möglichen zusätzlichen Bedarfs an sozialer Infrastruktur müssen

vorhandene Standorte in den Konversionsflächen gesichert werden.

Kompetenzfelder stärken

Zum Aufbau nachhaltiger wirtschaftlicher Strukturen müssen die

vorhandenen Kompetenzfelder (Produktion, Gesundheit, etc.) im

Rahmen einer bestandsorientierten Entwicklung weiter gestärkt

werden. Ziel ist es, mit der Sicherung und Schaffung zukunftsfähiger

Arbeitsplätze sowohl den Wirtschafts- als auch den Wohnstandort

aufzuwerten.

Qualitäten kommunizieren

Die zahlreichen Stärken und die hohe Lebensqualität von Kitzingen

konnten in der Vergangenheit noch nicht ausreichen kommuniziert

werden, was anhand der unzureichenden Wahrnehmung

der Stadt und einem eher negativen Image (Garnisonstadt) deutlich

wird. Als eine wichtige Grundlage für alle Bereiche der Stadtentwicklung

müssen die Qualitäten in Zukunft besser herausgearbeitet

und vermarktet werden, sowohl für Investoren, Touristen und

potenzielle Einwohner als auch für die eigenen Bürger, um hier eine

größere Identifikation mit der Stadt und eine höhere Akzeptanz

des Umbauprozesses zu erreichen.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 9


ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

10 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Städtebauliches Leitbild

4 Städtebauliches Leitbild

Als Leitlinie der zukünftigen räumlichen Entwicklung wurde für Kitzingen

ein Städtebauliches Leitbild erarbeitet, das auf den Ergebnissen

der Situationsanalyse und den für die Stadt formulierten

Handlungsfeldern aufbaut. Dieses Leitbild hat die Aufgabe, durch

eine Koordinierung der Siedlungsentwicklung und eine räumliche

Bündelung von Kapazitäten und Ressourcen Investitionen und

Umbauprojekte vorzubereiten und so die Zukunftsfähigkeit der

Stadt zu sichern. Darüber hinaus soll durch die Herausarbeitung

besonderer Themen und räumlicher Bezüge das Profil der Stadt

geschärft und die Bürgerschaft für einen zukunftsweisenden Umbauprozess

aktiviert werden. Die Darstellung der zukünftigen Flächennutzung

erfolgt auf einer stark abstrahierten Ebene, um so die

wesentlichen räumlichen Ziele zu verdeutlichen.

Im Vorfeld der Leitbilderarbeitung werden alternative Leitbildszenarien

zur räumlichen Entwicklung diskutiert, die unterschiedliche

Schwerpunkte thematisieren und die Bandbreite möglicher Entwicklungstendenzen

aufzeigen. Im Anschluss daran werden die

wesentlichen räumlichen Leitlinien des Vorzugsszenarios in Form

eines Städtebaulichen Leitbilds zusammengefasst.

4.1 Alternative Entwicklungsszenarien

Die drei Szenarien gehen jeweils von unterschiedlichen Grundannahmen

bezüglich der demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung

aus. In einem ersten Szenario (Variante A) schlägt sich

der angenommene Bevölkerungsrückgang in einem großflächigen

Rückbau der Militärstandorte nieder. Mit einem Schwerpunkt im

Bereich Freizeit und Tourismus werden diese Flächen partiell wieder

genutzt, die übrigen Bereiche werden renaturiert. Die Flächenpotenziale

des FNP werden nur zu einem Teil entwickelt.

Das zweite Szenario (Variante B) geht von einem leichten bis mittleren

Wachstum aus. Die Konversionsflächen werden zu einem

großen Teil für eine gewerbliche Nutzung, für neue Wohngebiete

und eine touristische Nutzung entwickelt. Über die Siedlungsflächenpotenziale

des FNP hinaus, die nur zu einem Teil ausgeschöpft

werden, beschränkt sich das Szenario auf eine Innenentwicklung

und kommt ohne zusätzlichen Landschaftsverbrauch aus.

Dem dritten Szenario (Variante C) liegen ein deutlicher Bevölkerungszuwachs

und eine sehr positive wirtschaftliche Entwicklung

zugrunde. Die ehemaligen Militärstandorte werden bei dieser Variante

vollständig einer neuen Nutzung zugeführt und sämtliche

Potenzialflächen der Stadt werden entwickelt und durch zusätzliche

ergänzt. Die aufgezeigte Siedlungsentwicklung würde einen

erheblichen Eingriff in die Landschaft bedeuten.

Als Basis für das städtebauliche Leitbild wird die mittlere Variante

ausgewählt, da sich hier realistische Annahmen zur Bevölkerungs-

und Wirtschaftsentwicklung mit der Zielvorstellung verbinden las-

Rollfeld

Szenario A

Szenario B

Szenario C

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 11


ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

sen, die Stadtentwicklung durch eine Qualifizierung des Wohn-

und Wirtschaftsstandortes positiv zu beeinflussen. Ein weiterer

Grund besteht in dem maßvollen Umgang mit dem Landschaftsraum,

der zu den größten Potenzialen der Stadt gehört.

4.2 Städtebauliches Leitbild

Auf der Grundlage des zweiten Szenarios wird das Städtebauliche

Leitbild erstellt, das neben einer Differenzierung der Flächennutzung

auch räumliche Schwerpunktbereiche umfasst, denen aufgrund

vorhandener Potenziale oder eines dringenden Handlungsbedarfes

eine besondere Bedeutung zukommt.

Innenstadt/ Altstadt aufwerten: Leitziel ist die Entwicklung der

Innenstadt zu einem lebendigen Handels- und Erlebniszentrum mit

einer hohen Anziehungskraft für Touristen und Bürger der Stadt.

Ein Erhalt der Altbausubstanz ist dabei ebenso anzustreben wie

die Entwicklung vorhandener Potenzialflächen. Da die Innenstadt

in einer engen räumlich-funktionalen Abhängigkeit zum Mainraum

und zum Bahnhof steht, muss sie immer gemeinsam mit diesen

Bereichen betrachtet und entwickelt werden. Städtebauliche und

verkehrliche Bezüge müssen dabei beachtet werden. Für eine

bessere Außenwirkung und den Aufbau von Synergien mit angrenzenden

Quartieren und Nutzungen muss sich die Innenstadt

stärker zum Main hin öffnen, nicht zuletzt mit einer attraktiven

Stadtkulisse (Fassaden, Türme, etc.).

Mainraum entwickeln: Der Main als wichtigstes touristisches und

stadträumliches Potenzial - gewissermaßen als ‚Lebensachse’ von

Kitzingen – muss deutlich aufgewertet und stärker in den Stadtkörper

integriert werden (räumlich und funktional). Mit der Entwicklung

beider Uferseiten sollen positive Effekte für die Innenstadt und den

Tourismus, aber auch für die Wohnqualität und das Image der

Stadt erzielt werden. Am linken Mainufer soll eine attraktive Promenade

mit kulturellen, gastronomischen und touristischen Angeboten

(Mainpromenade) den Fluss stärker erlebbar machen und

Synergieeffekte für die Innenstadt aufbauen. Das östliche Mainufer

soll mit neuen touristischen und freizeitbezogenen Angeboten und

einer entsprechenden Vernetzung und Gestaltung zu einem Aktivitäts-

und Freizeitband entwickelt werden, das eine hohe Ausstrahlungskraft

für Bürger und Gäste der Stadt entfaltet.

Neues Wohnen auf ehemaligen Militärflächen schaffen: Um

vor dem Hintergrund einer stagnierender Bevölkerungsentwicklung

neue Zielgruppen anzusprechen und auch in Zukunft ein vielseitiges

und attraktives Wohnungsangebot zu gewährleisten, müssen

in Kitzingen zusätzliche Flächen frühzeitig als Vorhalte- und Endwidmungsflächen

geprüft und möglichst gesichert werden. Entsprechend

ihren Potenzialen sollen im Bereich der ehemaligen Militärstandorte

Marshall-Heights und Larson Barracks neue Angebote

formuliert werden.

Produktions- und Innovationsband aufbauen: Mit der Nutzungsaufgabe

der Harvey Barracks bietet sich die Möglichkeit, im

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ISEK Kitzingen Städtebauliches Leitbild

Nordosten der Stadt einen zusammenhängenden und hervorragend

erschlossenen Gewerbeschwerpunkt zu entwickeln, der unter

Einbeziehung vorhandener und geplanter Standorte als Motor

der wirtschaftlichen Entwicklung und der Innovation in Kitzingen

fungieren kann. Es wird empfohlen, die südlich des Flugplatzes

geplante und schlecht erschlossene Gewerbefläche (FNP) zugunsten

einer flächensparenden ‚Innenentwicklung’ auf der ehemaligen

Militärfläche aufzugeben.

Verkehrsituation verbessern: Die gute verkehrliche Situation Kitzingens

soll durch die Komplettierung des Innenstadtrings im Norden

weiter verbessert und noch stärker für die touristisch und wirtschaftliche

Entwicklung genutzt werden, beispielsweise für eine

Profilierung im Bereich Logistik. Mit dem gleichen Ziel sollen die in

Etwashausen und im Bereich der ehemaligen Harvey-Barracks

vorhandenen Gleisanlagen erhalten werden. In der Innenstadt ist

es erforderlich, die starke Barrierewirkung der Verkehrstrassen

durch zusätzliche Unterführungen zu mindern und die einzelnen

Stadtteile wieder stärker miteinander zu verknüpfen.

Grünräume/ Bachräume sichern und aufwerten: Die für das

Siedlungsbild typischen und den Stadtraum gliedernden Freiräume

müssen als Naherholungsräume für die angrenzenden Wohngebiete

sowie aus klimatischer und ökologischer Sicht erhalten und

zum Teil noch stärker entwickelt werden. Vor allem die ausgedehnten

Waldflächen des Giltholzes müssen für die Allgemeinheit

geöffnet und unter dem Thema ‚Naturerlebnis’ aufgewertet werden.

Im Bereich der ehemaligen Militärflächen können darüber

hinaus durch Rückbau zusätzliche Grünflächen geschaffen werden.

Als wichtigstes Landschaftselement der Stadt müssen vor allem

die Bachräume entwickelt und durch eine entsprechende Wegeführung

erlebbar gemacht werden. Schon jetzt prägen sie das

Stadtbild und geben den angrenzenden Wohngebieten ein unverwechselbares

Image.

Ortsteilidentitäten schaffen: Vor dem Hintergrund eines zunehmenden

Wettbewerbs um Einwohner und Arbeitsplätze muss der

Wohnstandort Kitzingen weiter qualifiziert werden. Eine große Bedeutung

hat in diesem Zusammenhang die Herausarbeitung und

Differenzierung unterschiedlicher Identitäten, Adressen und lokaler

Besonderheiten in den einzelnen Quartieren und Ortsteilen. Mögliche

Themen sind beispielsweise die topographische Situation

(Stadthügel), die Bäche oder der Wein (Weinorte Repperndorf,

Hoheim, Sickershausen und Hohenfeld). Ebenso muss im Zuge

der Kleinen Gartenschau das Image von Etwashausen als Gartenstadt

herausgearbeitet werden. Zur Betonung der zivilen Nachnutzung

sollenn auch die ehemaligen Militärflächen einen neuen Namen

erhalten, der auf ihre besondere Lagegunst (‚Am Wacholderberg’,

‚Klingenberg’) oder die bisherige und zukünftige Nutzung

abzielt (‚Air-Park’).

Rad- und Fußwegenetz ausbauen: Durch die Anlage eines übergeordneten

Rad- und Fußwegenetzes können die wichtigsten Att-

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ISEK Kitzingen Ergebnisse der Situationsanalyse

raktionen der Stadt miteinander verbunden werden. Als verknüpfendes

Element zwischen der Innenstadt und der Umgebung, zwischen

der Siedlung und der Landschaft sowie der Ortsteile untereinander

erlaubt ein solches Wegenetz den Bürgern, ihre Stadt

neu zu erleben und den Touristen, sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten

und schönsten Erholungsräume von Kitzingen auf

dem Rad oder zu Fuß zu erschließen. Mit einer attraktiven Wegeführung

können die Stärken der Stadt gezielt in Szene gesetzt

werden.

Die Leitziele im Überblick:

- Innenstadt/ Altstadt aufwerten

- Mainraum entwickeln

- Neues Wohnen auf ehemaligen Militärflächen schaffen

- Produktions- und Innovationsband aufbauen

- Verkehrsituation verbessern

- Grünräume/ Bachräume sichern und aufwerten

- Ortsteilidentitäten schaffen

- Rad- und Fußwegenetz ausbauen

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ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5 Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Auf der Grundlage des räumlichen Leitbildes wurde ein integriertes

städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet, das die

wichtigsten Projekte und Aufgabenstellungen für die nächsten

fünfzehn Jahre formuliert. Den Kern des Entwicklungskonzeptes

bilden konzeptionelle Aussagen zur Entwicklung der Handlungsfelder

sowie die Formulierung von sieben räumlichen Handlungsschwerpunkten,

die in den nächsten Jahren gezielt entwickelt werden

müssen. Die damit vorgenommene Beschränkung auf bestimmte

thematische und räumliche Schwerpunktbereiche ist notwendig,

um durch die Bündelung von Aktivitäten eine höhere Effizienz

zu erzielen. Würde die Stadt versuchen, alle Themen gleichzeitig

zu bearbeiten, bestünde die Gefahr, dass viele Ansätze aufgrund

nicht erreichbarer Bearbeitungsintensität und fehlender Mittel

wirkungslos bleiben.

Angesichts der im Rahmen der Situationsanalyse herausgearbeiteten

Potenziale und Handlungserfordernisse beschränkt sich das

ISEK ausdrücklich nicht auf die Konversionsflächen, sondern setzt

einen Schwerpunkt in der Innenstadt und dem Main mit seinem

Umfeld. Unabhängig von den ehemaligen Militärstandorten kann

so eine kontinuierliche Stadtentwicklung gewährleistet werden.

Das integrierte Entwicklungskonzept verfolgt im Wesentlichen zwei

Zielstellungen. Einerseits soll durch die Erarbeitung konkreter Projektideen

eine kurzfristige Entwicklung angestoßen werden. Andererseits

soll mit den Konzepten ein flexibler Rahmen vorgegeben

werden, der auch Raum für zukünftige Entwicklungen zulässt, ohne

dass die Gesamtkonzeption in Frage gestellt werden muss. Bei

den vorgeschlagenen Maßnahmen und Projekten geht es schwerpunktmäßig

um einen qualitativen Umbau sowie eine Ergänzung

des Bestandes, der sich an den Potenzialen der Stadt orientiert.

Im Folgenden werden zunächst konzeptionelle Überlegungen zur

Entwicklung der fünf Handlungsfelder dargestellt. Im Anschluss

daran werden die sieben räumlichen Handlungsschwerpunkte vorgestellt.

Handlungsfelder

und räumliche Handlungsschwerpunkte

Konversionsflächen,

Main und Innenstadt

flexibler Rahmen und

konkrete Projektideen

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ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.1 Entwicklung der Handlungsfelder

In den fünf Handlungsfeldern werden die thematischen Schwerpunkte

der zukünftigen Stadtentwicklung benannt. Die darin erarbeiteten

Konzepte werden dann in den räumlichen Handlungsschwerpunkten

verortet und räumlich konkretisiert.

5.1.1 Innenstadt aufwerten

Die Innenstadt als ein zentraler Bereich, in dem sich gesamtstädtische

und teilräumliche, öffentliche und private Funktionen überlagern

hat für die Außenwirkung von Kitzingen und die Ausnutzung

von Synergien eine herausragende Bedeutung. Die Entwicklung

des Zentrums, für die ein eigener räumlicher Handlungsschwerpunkt

formuliert wird (vgl. 5.2.1 Altstadt/ Innenstadt), gehört daher

zu den vordringlichsten Aufgaben der nächsten Jahre. Die erarbeiteten

Konzepte sind dabei immer im räumlich-funktionalen Zusammenhang

zur Mainpromenade zu sehen und müssen parallel

entwickelt werden. Folgende Punkte bilden den Schwerpunkt des

Entwicklungskonzeptes:

Schwerpunkte Innenstadt

- Baulich/ gestalterische/ inszenierende Maßnahmen

- City-Management

- Qualifizierung des Einzelhandels

Die Aufwertung der Innenstadt umfasst ein breites Aufgabenspektrum:

Auf der einen Seite soll der Bereich durch baulichgestalterische

Maßnahmen und durch eine Inszenierung als

Wohn-, Kultur- und Einzelhandelsstandort qualifiziert werden (vgl.

hierzu Kapitel 5.2.1). Maßnahmen in diesem Sinne sind z.B.:

- die Entwicklung von Flächenpotenzialen

(Bürgerbräuareal und ‚Deuster-Park’),

- die Aufwertung von Bausubstanz,

- die Öffnung zum Main in Form einer Promenade und

- die Inszenierung der Innenstadt im Rahmen von Veranstaltungen

und künstlerischen Aktivitäten

Auf der anderen Seite ist für die komplexen Aufgaben der Innenstadtentwicklung

die Einrichtung eines integrierten City-

Managements erforderlich, das auf vorhandenen Strukturen wie

dem Stadtmarketingverein oder den Ansätzen eines BID (Business

Improvement District) aufbauen kann. Bei den Einzelhändlern und

sonstigen Akteuren der Innenstadt soll in den folgenden Punkten

ein gemeinsames, aufeinander abgestimmtes Vorgehen erreicht

werden:

18 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

- Leerstandsmanagement: zentrale Erfassung und Vermarktung

entsprechender Flächen/ Räume, aktives Bemühen um

Zwischennutzungen

- Harmonisierung von Öffnungszeiten

- Pflegemaßnahmen und Gestaltung im öffentlichen Raum

- Organisation und Durchführung von Veranstaltungen

Neben den baulichen und organisatorischen Maßnahmen bedarf

es auch einer Qualifizierung des Einzelhandels. Mit dem Ziel,

den Bereich der 1a-Lage zu erweitern und die Einkaufsqualität insgesamt

zu erhöhen, soll im Bereich des Bürgerbräuareals ein neuer

‚Magnet’ für die Altstadt geschaffen werden. Im Focus der Bemühungen

kann dabei die Ansiedlung eines größeren Lebensmittelgeschäftes

oder eines anderen Betriebes mit großer Ausstrahlungswirkung

stehen.

Als flankierende Maßnahme zur Aufwertung der Innenstadt ist es

erforderlich, das bestehende Zentrenkonzept konsequent weiter zu

verfolgen. Trotz einiger für die Innenstadt problematischer Standortentscheidungen

in der Vergangenheit darf der Schwerpunkt der

Einzelhandelsentwicklung nicht in die großflächigen Einzelhandelszentren

in der Peripherie umgeleitet werden.

5.1.2 Tourismus stärken

Die Stärkung des Tourismus in Kitzingen bildet einen weiteren

Schwerpunkt des Entwicklungskonzeptes. Mit Hilfe eines integrierten

Handlungsansatzes und der Realisierung zahlreicher Maßnahmen

sollen die Besucher- und Übernachtungszahlen schrittweise

erhöht und das Image der Stadt aufgewertet werden. Der

Fokus liegt dabei auf neuen Angeboten für Tages- und Kurzaufenthalte

sowie für den Thementourismus (z.B. Golf-, Wassersport-

und Fahrradtourismus). Aufgrund der synergetischen Beziehung

zwischen dem Tourismus und anderen Bereichen der Stadtentwicklung

profitieren auch die Bürger Kitzingens von den vorgeschlagenen

Maßnahmen, d.h. durch neue Kultur- und Freizeiteinrichtungen

steigt auch die Qualität der Stadt als Wohn- und Arbeitsstandort

und es verbessert sich das Image. Folgende Punkte

bilden den Schwerpunkt des Entwicklungskonzeptes:

Schwerpunkte Tourismus

- Verbesserung der touristischen Infrastruktur

- Neue Kultur-, Freizeit- und Tourismusangebote

- Veranstaltungen/ Events

- Vermarktung

- Aufwertung des Stadtbildes

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 19


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Im Folgenden wird die Strategie zur Stärkung des Tourismus kurz

erläutert. Die Projekte mit räumlichem Bezug werden in der Abb. 3

zusammengestellt und in den jeweiligen räumlichen Handlungsschwerpunkten

vertiefend betrachtet.

Verbesserung der touristischen Infrastruktur: Eine zentrale

Aufgabe der nächsten Jahre wird in der Ergänzung des gastronomischen

Angebotes liegen. Neue Zielgruppen sollen vor allem mit

Hilfe eines neuen, hochwertigen Hotelstandortes angesprochen

werden, der sich durch eine attraktive Lage (z.B. Hotel ‚Mainblick’

auf dem BayWa-Gelände an der Glauberstraße), einen thematischen

Schwerpunkt (z.B. Golfressort auf dem Klingenberg) oder

zusätzliche Einrichtungen (Tagungsräume, Feinschmecker-

Restaurant) von dem bestehenden Angebot abhebt.

Zur Qualifizierung der Verkehrsinfrastruktur und zur Nutzung von

Synergien zwischen den einzelnen touristischen Attraktionen und

der Innenstadt wird die Einrichtung einer Fährverbindung empfohlen,

mit der in den Sommermonaten die wichtigsten ‚Highlights’

entlang des Mains angesteuert werden (Mainfähre). Eine solche

Verbindung kann erstmals im Rahmen der Kleinen Gartenschau

realisiert und je nach Bedarf auch noch weiter betrieben werden,

beispielsweise durch ein zukünftiges Schifffahrts- und Fischereimuseum

oder einen Verein. Eine weitere Maßnahme besteht in

dem Aufbau eines attraktiv geführten, weitgehend eigenständigen

und einheitlich beschilderten Radwegenetzes. Ein Rundweg um

die Stadt, der die äußeren Ortsteile miteinander verbindet und die

unterschiedlichen Landschafts- und Erholungsräume des Stadtgebietes

erschließt (Kitzingen-Rundweg), soll durch schnelle und

attraktive Stadtrouten ergänzt werden, die die einzelnen Ortsteile

mit der Innenstadt und dem Main verbinden und die bevorzugt entlang

der zahlreichen Bäche geführt werden. Das neue Radwanderwegekonzept

des Landkreises muss dabei soweit wie möglich

berücksichtigt werden. Weitere Vorschläge zur Verbesserung der

touristischen Infrastruktur wie z.B. die Anlage eines Sportboothafens

werden im Rahmen der räumlichen Handlungsschwerpunkte

beschrieben.

Neue Kultur-, Freizeit- und Tourismusangebote: Vor allem entlang

des Mains sollen zusätzliche Angebote entstehen, wie z.B. ein

Kulturbrauhaus, ein Schifffahrts- und Fischereimuseum oder ein

Tierhof. Darüber hinaus werden mit dem Golfressort und dem

Wassersportzentrum themenbezogene Angebote formuliert. Neben

der Schaffung neuer Einrichtungen sollen auch die vorhandenen

weiter aufgewertet werden, so z.B. durch den Umbau des Stadtbades

(Bäderpark) oder die Einrichtung eines Museumsnetzes.

Veranstaltungen/ Events: Mit der Durchführung publikumswirksamer

Events wie z.B. Open-Air-Konzerten, sportlichen Wettkämpfen

(Wettrennen oder -rudern entlang der Mainpromenade, schotti-

20 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

sche Highland-Games) Themenmärkten oder Stadtfesten können

nicht nur höhere Besucherzahlen erreicht werden, sondern auch

Image bildende Effekte. Um in Zukunft auch größere Events in Kitzingen

zu ermöglichen soll die vorhandene Infrastruktur in diesem

Bereich durch Entwicklung einer neuen Veranstaltungshalle am

Main und die Aufbereitung einer geeigneten Veranstaltungsfläche

im Umfeld des zukünftigen Air-Parks ergänzt werden. Darüber hinaus

soll ein weiterer Maßnahmenschwerpunkt in der Sicherung

bestehender Veranstaltungen wie z.B. dem Weinfest liegen, das

jedoch noch weiter qualifiziert werden muss. Hierfür bildet die geplante

Aufwertung des Stadtbildes und der Promenade eine wichtige

Voraussetzung.

Vermarktung: Zur Vermarktung des touristischen Angebotes von

Kitzingen muss eine zielgruppenorientierte Strategie entwickelt

werden, die in das Dachmarketing des Landkreises und in vorhandene,

themenbezogene Vermarktungsstrategien (Fernwanderwege,

Angebote der Bahn-AG, etc.) eingebettet ist. Eine wichtige Ergänzung

der bisherigen Aktivitäten kann in Pauschalangeboten

oder individuell buchbaren Bausteinprogrammen bestehen, für die

es in der Region bisher keine Anbieter gibt. Diese müssen gemeinsam

mit den Akteuren vor Ort entwickelt werden und können

zur Ausnutzung von Synergien mehrere Angebote miteinander

verknüpfen (z.B. Hotel, Schwimmbad, Kulturveranstaltung, etc.).

Abb. 3: Tourismus stärken- Projekte im Stadtgebiet

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 21


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Aufwertung des Stadtbildes: Das Erscheinungsbild der Stadt

und hier speziell der Altstadt hat eine große Bedeutung für die Außenwirkung

Kitzingens. Aus diesem Grund muss im Bereich des

Mains der Aufbau einer attraktiven und mit der Altstadt vernetzten

Promenade erfolgen sowie eine umfangreiche Aufwertung der Gebäudesubstanz.

Die Altstadtkulisse mit ihren prägnanten Fassaden

und Türmen muss gemeinsam mit den charakteristischen Brücken

in ein gestalterisches Gesamtkonzept eingebunden werden.

5.1.3 Wohnstandort entwickeln

Im interkommunalen Wettbewerb um Einwohner und Arbeitsplätze

muss Kitzingen als Wohnstandort weiter qualifiziert werden. Folgende

Punkte bilden den Schwerpunkt des Entwicklungskonzeptes:

Schwerpunkte Wohnstandort

- Zielgruppenorientierte Flächenentwicklung

- Qualifizierung vorhandener Wohngebiete

- Erhöhung der Wohnqualität

Im Folgenden wird die Strategie zur Entwicklung des Wohnstandortes

kurz erläutert. Die Projekte mit räumlichem Bezug werden in

der Abb. 4 zusammengestellt und in den jeweiligen räumlichen

Handlungsschwerpunkten vertiefend betrachtet.

Zielgruppenorientierte Flächenentwicklung: Mit der Entwicklung

von Flächen im Bereich der ehemaligen Marshall Heights (Am Wacholderberg),

den Larson Barracks (Klingenberg), der nördlichen

Innenstadt (Deuster-Park) und dem Bürgerbräugelände sollen unterschiedliche

Nachfragewünsche bedient werden. Vier Zielgruppen

sind in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung:

- Familien- Um einem Wegzug vor allem junger Familien entgegenzuwirken,

werden im Bereich der ehemaligen Militärflächen

geeignete Angebote formuliert.

- Ältere Menschen- In Form von Mehrgenerationenhäusern, betreuten

Wohnformen und sonstigen altengerechten Wohngebäuden

müssen vor allem in der Innenstadt mit ihrem dichten

Versorgungsnetz und den ‚kurzen Wegen’ Wohnangebote für

ältere Menschen realisiert werden (Deuster-Park und Bürgerbräu).

Zusätzlich sollen im Bereich der Konversionsflächen

Angebote entwickelt werden, die sich z.B. modellhaft mit einer

altengerechten Einfamilienhausbebauung befassen.

22 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

- Junge Personen: Mit dem Ziel, verstärkt auch junge Personen

an die Stadt zu binden, können im Bereich der ehemaligen

Konversionsflächen preiswerte Wohnungen zur Verfügung gestellt

werden, die von Studenten, Berufsschülern oder anderen

Personen belegt werden können.

- Pendler: Aufgrund der hervorragenden Anbindung an das übergeordnete

Verkehrsnetz bietet die Stadt gute Voraussetzungen

für Pendler, die ihren Wohnsitz in Kitzingen haben und

in der Region arbeiten. Durch ein verbessertes Angebot im

ÖPNV, eine stärkere Vernetzung der Verkehrsträger (z.B. Park

& Ride), und eine entsprechendes Angebot an Wohnraum und

Neubauflächen soll diese Zielgruppe angesprochen werden.

Aufwertung vorhandener Wohngebiete: Neben der Entwicklung

neuer Wohnangebote besteht eine wichtige Aufgabe in der baulich-gestalterischen

Aufwertung bestehender Quartiere. Um die

wichtige Wohnfunktion der Innenstadt zu erhalten, soll die begonnene

Sanierung und Instandsetzung von Gebäuden fortgeführt

werden. Im Stadtteil Siedlung ist darüber hinaus zu prüfen, inwieweit

ein punktueller Abriss leer stehender Gebäude zu einer Aufwertung

des Bereiches beitragen kann. Potenzielle Rückbauten

von Wohngebäuden müssen zeitlich und sachlich mit Neubauten

an anderen Standorten abgestimmt werden.

Wohnqualität erhöhen: Mit zunehmendem Wettbewerb bekommen

neben dem Wohnraum selber auch andere, weiche Standortfaktoren

wie z.B. das Grünflächen- oder Freizeitangebot eine immer

größere Bedeutung. Die Weiterentwicklung des Wohnungsmarktes

muss daher einen integrierten Ansatz verfolgen, bei dem

einerseits neue Wohnangebote geschaffen und andererseits die

weichen Standortfaktoren verbessert werden. Im Rahmen des integrierten

Entwicklungskonzeptes werden zu folgenden Themen

Projektvorschläge gemacht:

- Stadtgrün und Landschaft: Durch einen partiellen Rückbau

von Konversionsflächen, die Anlage neuer Grünflächen und

die Qualifizierung vorhandener Grünräume wie dem Giltholz

(Naturerlebniswald), dem östlichen Mainufer oder den Bachräumen

wird das Grünflächenangebot in Kitzingen noch weiter

verbessert.

- Bildungsangebote: Trotz rückläufiger Geburtenzahlen kann

die Entwicklung neuer Wohngebiete eine Ausweitung des

Schulangebotes erforderlich machen. Die in den Militärstandorten

vorhandenen Infrastruktureinrichtungen sollen daher für eine

zukünftige Nutzung gesichert werden. Darüber hinaus kann

die Bildungslandschaft durch zusätzliche Angebote ergänzt

werden, wie z.B. Privatschulen, Internate und weiterführende

Bildungseinrichtungen (Bildungscampus).

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 23


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

- Soziale Strukturen: Stabile soziale Strukturen sind eine wesentliche

Voraussetzung für das Funktionieren von Wohnquartieren.

Für den Stadtteil Siedlung muss geprüft werden, inwieweit

die bestehenden sozialen Ungleichgewichte durch einen

integrierten Handlungsansatz beseitigt werden müssen.

- Kultur- und Freizeitangebote: Im Rahmen der räumlichen

Handlungsschwerpunkte werden vor allem entlang des Mains

zahlreiche Projekte im Kultur- und Freizeitbereich vorgeschlagen

(wie z.B. das Kulturbrauhaus, das Kulturzentrum oder der

Bäderpark), die zu einer Aufwertung des Wohnstandortes beitragen

können.

- Erschließung: Für die Qualität des Wohnstandortes ist sowohl

die Anbindung der Stadt an das übergeordnete Verkehrsnetz

(vor allem für Pendler) als auch die interne Erschließung von

Bedeutung. Mit dem Umbau des Bahnhofsumfeldes und der

Schaffung eines attraktiven, selbständig geführten Fuß- und

Fahrradwegenetzes sollen in Zukunft beide Aspekte Berücksichtigung

finden. Für alle Zielgruppen muss eine attraktive

und schnelle Verbindung von den Ortsteilen zum Bahnhof gewährleistet

werden, sowohl mit dem Auto als auch mit dem

Fahrrad und dem ÖPNV.

- Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen: Mit den wichtigsten Einfluss

auf die Wahl des Wohnstandortes hat der regionale Arbeitsmarkt.

Parallel zur Entwicklung neuer Wohnangebote

müssen daher auch intensive Anstrengungen zur Sicherung

und Schaffung von Arbeitsplätzen unternommen werden, vor

allem durch Stärkung der bestehenden Kompetenzfelder.

24 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 4: Wohnstandort entwickeln- Projekte im Stadtgebiet

5.1.4 Kompetenzfelder Stärken

Mit dem Ziel die solide wirtschaftliche Basis Kitzingens zu sichern

und nachhaltige Strukturen zu schaffen, muss der Standort im

Rahmen einer integrierten Handlungsstrategie weiter qualifiziert

werden. Ein Schwerpunkt bildet die Stärkung der Kompetenzfelder,

die z.B. im Bereich Produktion (Automobilzulieferer), Landwirtschaft/

Wein- und Gartenbau oder Gesundheit/ Medizin bestehen.

In Zukunft soll der Versuch unternommen werden, weitere Themen

bzw. Kompetenzen für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zu

erschließen, beispielsweise im Bereich Logistik, Luft- und Raumfahrttechnik

oder der regenerativen Energien respektive der Solartechnik.

Folgende Punkte bilden den Schwerpunkte des Entwicklungskonzeptes:

Schwerpunkte Kompetenzfelderentwicklung

- Entwicklung neuer Flächen und Objekte

- Aufbau unterstützender Einrichtungen

- Stärken von Kompetenzen (Forschung und Bildung)

- Flankierende Maßnahmen

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 25


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Im Folgenden wird die Strategie zur Stärkung der Kompetenzfelder

kurz erläutert. Die Projekte mit räumlichem Bezug werden in der

Abb. 5 zusammengestellt und in den jeweiligen räumlichen Handlungsschwerpunkten

vertiefend betrachtet.

Entwicklung neuer Flächen und Objekte: Für die Ansiedlung

neuer oder die Erweiterung bestehender Firmen mit einem

Schwerpunkt bei den Kompetenzfeldern soll der gewerbliche

Schwerpunkt im Nordosten der Stadt (Produktions- und Innovationsband)

durch neue Flächenangebote ergänzt werden, teilweise

im Rahmen der bestehenden Planungen (Großlangheimer Straße,

Goldberg), zum großen Teil aber durch Konversion der ehemaligen

Harvey-Barracks. Neben großen, zusammenhängenden Gewerbeoder

Industrieflächen sollen hier auch Standorte für hochwertige

Dienstleistungsfirmen entwickelt werden.

Aufbau unterstützender Einrichtungen: Die vorhandenen Kompetenzen

können beispielsweise durch den Aufbau eines Gründerzentrums

gestärkt werden, wie es im Bereich des zukünftigen Air-

Parks geplant ist. Je nach Bedarf und Zielstellung kann hier eine

thematische Schwerpunktsetzung erfolgen.

Mit dem Aufbau eines kleinen Messestandortes in den ehemaligen

Harvey-Barracks wird die Zielstellung verfolgt, durch geeignete

Präsentationen und Veranstaltungen die lokale und regionale Wirtschaft

zu unterstützen. Denkbar sind kleine Gesundheitsmessen

(der große Andrang bei der Gesundheitswoche des Landratsamtes

zeigt hier eine rege Nachfrage), Weinzubehörsmessen oder Leistungsschauen,

wie sie erfolgreich in den letzten Jahren im Bürgerbräu

veranstaltet wurden.

Für den Bereich Gesundheit/ Medizin ist in den ehemaligen Larson-Barracks

die Einrichtung eines Gesundheitszentrums geplant,

in dem Angebote zur ambulanten Rehabilitation oder zur ganzheitlichen

bzw. fernöstlichen Medizin aufgebaut werden können.

Forschung und Bildung: Zur Schaffung zukunftsfähiger Wirtschaftsstrukturen

muss der eher produktionsorientierte Standort

Kitzingen durch die Ansiedlung von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen

oder die Durchführung von Forschungsprojekten

weiter qualifiziert werden. Folgende Ansätze sind denkbar:

- Ansiedlung einer universitären, staatlichen oder privaten

Forschungseinrichtung: Im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik

soll der Versuch unternommen werden, ein Institut der

Uni-Würzburg als Außenstelle in Kitzingen anzusiedeln. Im

Rahmen des neuen Studiengangs ‚Spacemaster’ kann so im

Umfeld des Flughafens die Möglichkeit für praktische Forschung

geboten werden. Auch für private oder staatliche Forschungseinrichtungen

kann ein solcher Standort von Interesse

sein. Ein weiterer Themenbereich ist die Solartechnik, für die

der Standort aufgrund der klimatischen Verhältnisse und des

26 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Unternehmensbesatzes im Landkreis gute Voraussetzungen

mitbringt.

- Durchführung von Forschungsprojekten im Bereich der

vorhandenen Kompetenzfelder: In einer Kooperation zwischen

lokalen bzw. regionalen Unternehmen, Universitäten,

Fachhochschulen und sonstigen Forschungseinrichtungen soll

in Kitzingen ein Forschungsprojekt initiiert werden, das seinen

thematischen Schwerpunkt im Bereich der vorhandenen Kompetenzfelder

hat. Ein solches Projekt kann z.B. im Rahmen der

Cluster-Initiative ‚Allianz Bayern Innovativ’ der Bayerischen

Staatsregierung konzipiert werden, die auf eine Stärkung von

insgesamt 19 Branchen- und Kompetenzclustern abzielt und

die Innovations- und Produktionspotenziale in diesen Bereichen

aktivieren soll. Ein möglicher Schwerpunkt für Kitzingen

liegt vor allem im Bereich ‚Automotives’, da mit den Firmen

LEONI Bordnetz-Systeme GmbH & Co. KG, der Metal Technologies

Sachs Gießerei GmbH und der F.S. Fehrer Automotive

GmbH innovative Akteure dieses Clusters vor Ort sind. Als

Standort für ein mögliches Projekt-Konsortium bietet sich der

zukünftige Air-Park an, in dem in vorhandenen Gebäuden und

in direkter Nachbarschaft zu beteiligten Firmen kurzfristig

Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden können.

Ein Ausbau der Kompetenzfelder soll darüber hinaus durch neue

Bildungs- bzw. Weiterbildungsangebote (Bildungscampus) erreicht

werden, die ihren Schwerpunkt in den Bereichen Gesundheit, Automotives

oder Landwirtschaft, Wein- und Gartenbau haben. Bei

einer entsprechenden Mitwirkungsbereitschaft der lokalen Wirtschaft

kann dies in Form einer Berufs- und Studienakademie erfolgen.

Denkbar ist auch der Aufbau eines privaten Weiterbildungszentrums,

das bedarfsgerechte und auf eine bestimmte Nachfrage

zugeschnittene Bildungsangebote formuliert.

Flankierende Maßnahmen: Ein weiterer Ansatzpunkt zur Stärkung

des Wirtschaftsstandortes und der Kompetenzfelder besteht

in der Durchführung flankierender Maßnahmen, die von einem

Aufbau von Netzwerken (z.B. ein regionales Produktionsnetzwerk)

bis zu einer allgemeinen Aufwertung der harten und weichen

Standortfaktoren (Flugplatz, neue Freizeiteinrichtungen, etc.) reichen.

Auch eine gemeinsame Standortwerbung mit den ortsansässigen

Unternehmen ist in diesem Zusammenhang zu nennen.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 27


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 5: Stärkung der Kompetenzfelder- Projekte im Stadtgebiet

5.1.5 Qualitäten kommunizieren

Eine wichtige Aufgabe der zukünftigen Stadtentwicklung besteht in

der Herausarbeitung und Vermarktung von Qualitäten, die Kitzingen

schon jetzt in vielen Bereichen aufzuweisen hat und die mit

der Realisierung des ISEK noch stärker ausgebaut werden sollen.

Zielgruppe für eine solche Vermarktungsstrategie sind Investoren

und potenzielle Neubürger, Touristen aber auch die Kitzinger selber,

die eine höhere Identifikation mit ihrer Stadt entwickeln sollen.

Folgende Punkte bilden den Schwerpunkt des Entwicklungskonzeptes:

Schwerpunkte Qualitäten kommunizieren

- Professionelles Standortmarketing

- Projektbezogene Vermarktung

- Leuchtturmprojekte/ Veranstaltungen

Professionelles Standortmarketing: Die Qualitäten müssen im

Rahmen eines professionellen Standortmarketing einer breiten Öffentlichkeit

kommuniziert werden. Folgende Maßnahmen sind in

diesem Zusammenhang von Bedeutung (beispielhaft):

- Auftritt auf Messen und Veranstaltungen wie z.B. der EXPO-

Real, für die im Jahr 2006 bereits eine erfolgreiche Teilnahme

organisiert wurde

28 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

- Unterstützung des Stadtmarketing-Vereins, der in alle wesentlichen

Projekte und Planungen einbezogen werden soll

- Erstellung eines Standortflyers gemeinsam mit den Unternehmen

vor Ort (eine entsprechende Bereitschaft von Seiten

der Unternehmen wurde bereits signalisiert)

- Einbindung Kitzingens in Informationsangebote der Bahn-

AG nach dem Vorbild von Volkach (Prospekt der DB Region

Unterfranken für die Volkacher Mainschleife); Erstellung eines

Flyers mit Hinweisen auf Ermäßigungsangebote für Einrichtungen

in Kitzingen, Fahrplanauszügen und Beschreibung von

Sehenswürdigkeiten

Projektbezogene Vermarktung: Das gesamtstädtische Standortmarketing

muss durch projektbezogene Vermarktungsstrategien

ergänzt werden. Folgende Aktivitäten sind hier denkbar (beispielhaft):

- Die Sehenswürdigkeiten, Attraktoren und Veranstaltungen von

Kitzingen müssen gezielt beworben werden, beispielsweise in

Form von Flyern, die in Hotels und Touristeninformationen in

der Region ausgelegt werden. Darüber hinaus sollen entlang

der Autobahn, der Bahnstrecke und am Main Schilder, Fahnen

und Plakate auf die wichtigsten Highlights hinweisen (z.B.

Schlauchturm als Werbeträger)

- Nach Abzug der Amerikaner soll in den ehemaligen Militärflächen

eine Art Tag der offenen Tür mit Events und Unterhaltung

veranstaltet werden, an dem konkrete Konzepte für die

zukünftige Nutzung aufgezeigt (Modelle, Computeranimationen,

etc.), Gelände- und Wohnungsbegehungen ermöglicht

und Ansprechpartner vorgestellt werden.

Leuchtturm-Projekte/ Veranstaltungen: Ein Image fördernder

Effekt und eine Erhöhung der Bekanntheit kann auch mit der Realisierung

von Veranstaltungen oder besonderen Projekten erreicht

werden, die eine hohe Ausstrahlungswirkung besitzen. So können

beispielsweise die Kleine Gartenschau, der Aufbau eines Bäderparks

oder die Durchführung von Großveranstaltungen im Bereich

des zukünftigen Air-Parks dazu beitragen, die Qualitäten Kitzingens

im Freizeit- und Kulturbereich zu transportieren. Ebenso kann

mit einer Aufwertung der Stadtkulisse entlang des Mains auf die

Attraktivität der Altstadt hingewiesen werden.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 29


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

30 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.2 Räumliche Handlungsschwerpunkte

Als räumliche Schwerpunkte werden solche Bereiche gewählt, die

einen besonderen Handlungsdruck und/ oder ein großes Entwicklungspotenzial

aufweisen. Eine weitere Voraussetzung für die

Auswahl besteht darin, dass eine größtmögliche Zahl von Leitthemen

(Tourismus, Wohnen, Kompetenzfelder, etc.) verfolgt werden

kann und dass die vorgeschlagenen Maßnahmen in einem räumlichen

Zusammenhang entwickelt werden müssen. Schließlich spielt

auch die Möglichkeit einer finanziellen Förderung eine Rolle, z.B.

durch Mittel des Programms Stadtumbau-West oder der Städtebauförderung.

Die im Rahmen der einzelnen Handlungsschwerpunkte formulierten

Projekte und Maßnahmen müssen zeitlich und organisatorisch

aufeinander abgestimmt werden. Ein Vorschlag für eine entsprechende

Prioritätensetzung und Umsetzung enthält das Maßnahmenkonzept

(vgl. Kapitel 6)

Abb. 6: Übersicht räumlicher Handlungsschwerpunkte

Bereiche mit Handlungsdruck

und Entwicklungspotenzialen

mehrere Handlungsfelder

müssen bedient

werden

sieben räumliche

Handlungsschwerpunkte

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 31


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.2.1 Innenstadt

Die vorgeschlagenen Projekte und Maßnahmen zur Entwicklung

der Innenstadt sind Teil einer integrierten Aufwertungsstrategie, die

sowohl funktionale als auch städtebaulich-räumliche Aspekte umfasst.

Die Innenstadt wird dabei nicht isoliert sondern gemeinsam

mit dem Bahnhofsquartier oder dem angrenzenden Handlungsschwerpunkt

der Mainpromenade betrachtet, zwischen denen eine

dichte und attraktive Vernetzung erreicht werden muss. In einer

parallelen Entwicklung dieser Bereiche soll die Altstadt von Kitzingen

zu einem vielseitigen und lebendigen Kultur-, Tourismus- und

Einzelhandelszentrum ausgebaut und zum Main geöffnet werden.

Im Einzelnen werden folgende Ziele verfolgt:

- Verbesserung des Stadtbildes (Tourismus ausbauen/ Qualitäten

kommunizieren)

- Stärkung des Einzelhandels, Beseitigung von Leerstand

(Kompetenzfelder stärken)

- Imageverbesserung, Erhöhung der Bekanntheit (Tourismus

ausbauen/ Qualitäten kommunizieren)

- Erhöhung der Besucherzahl in der Altstadt (Tourismus ausbauen)

- Bessere Erschließung der Altstadt für Fahrradfahrer (Tourismus

ausbauen/ Wohnstandort stärken)

- Stabilisierung der innerstädtischen Wohnfunktion (Wohnstandort

entwickeln)

Projektvorschläge:

Shoppen und Wohnen im Bürgerbräu: Zur Aufwertung und Stärkung

der Altstadt soll als Initialprojekt das Bürgerbräugelände als

neuer Anziehungspunkt entwickelt werden. Als Nutzung werden

zum einen besondere Wohnformen (z.B. Generationenwohnen)

angestrebt, die das innerstädtische Wohnungsangebot hinsichtlich

neuer Zielgruppen ergänzen und den Wohnstandort ‚Innenstadt’

stärken. Zum anderen sollen auf dem Gelände neue Einzelhandelsangebote

realisiert und in Form einer kleinen Shoppingmall

angeordnet werden, die aufgrund ihres Angebotes (großes

Lebensmittelgeschäft, Elektronikfachmarkt, etc.) eine Magnetwirkung

entfalten und sich positiv auf die umliegenden Straßenzüge

auswirken können. Darüber hinaus soll das Vorhaben durch weitere

gastronomische und sonstige Angebote ergänzt werden, wie

z.B.

- Hochwertiges Fitness- bzw. Wellnesscenter, das beispielsweise

durch die Anlage eines eigenen kleinen Schwimmbades

im Dachgeschoss (evtl. mit direkten Sichtbeziehungen in den

Hofbereich oder über die Dachlandschaft Kitzingens) ein Alleinstellungsmerkmal

erreichen kann; denkbar ist auch eine

eher medizinische Ausrichtung (Vorbild: Kieser in Berlin)

32 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

- Kinderbetreuungs- und –Spieleinrichtung in Anlehnung an

das IKEA-Angebot: Indoor-Spielplatz, Betreuungspersonal,

gemeinschaftliche Finanzierung durch BID/ Händler

- Weinzentrum mit Informationsangebot, Verköstigung, Verkauf,

Weinkeller, Weinmuseum, Edutainmentangeboten, etc.; eventuell

als Sitz der Genossenschaften und Vereine; ein alternativer

Standort für das Weinzentrum wäre auch das zukünftige

Kulturbrauhaus (ehemalige. Kleinschroth-Brauerei)

Das gesamte Projekt muss in enger Abstimmung mit dem Grundstückseigentümer

realisiert werden. Aufgrund der schwierigen Erschließungssituation

des Geländes muss eine direkte Anbindung

über die Ritterstraße geprüft werden (mögliche Tiefgaragenzufahrt).

Abb. 7: Ideenskizze zum Umbau des Bürgerbräugeländes

Stadtrouten: Mit Hilfe einheitlich ausgeschilderter Radrouten soll

die Innenstadt besser für Fahrradfahrer erschlossen und mit den

übrigen Siedlungsräumen vernetzt werden. Die Routen sind vorwiegend

auf ruhigen Nebenstraßen (evtl. zusätzliche Verkehrsberuhigung)

mit einer geeigneten Pflasterung zu führen und sollen

die wichtigsten Attraktoren miteinander verbinden (Bahnhof, Rathaus,

Mainufer, Mainbrücke, Bürgerbräu, etc.).

Stadterweiterung Deuster-Park: Um die Innenstadt als Wohnstandort

zu stärken und zusätzliche Zielgruppen anzusprechen soll

nördlich des Hindenburgrings ein attraktives neues Wohngebiet

realisiert werden. Aufgrund der Nähe zur Innenstadt können hier

vor allem spezielle Wohnformen für ältere Menschen Berücksichtigung

finden. Als nördlicher Abschluss ist die Anlage einer Parkfläche

vorgesehen, in die ein turmartiges Objekt (Pylon) als Stadtein-

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 33


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

gang integriert werden soll. Dieses Objekt kann als Werbeträger

für die Stadt fungieren (Hinweis auf Veranstaltungen, Stadtlogo)

und gleichzeitig ein Beitrag zu einem neuen Thema ‚Kitzingen-

Stadt der Türme’ leisten: Die zahlreichen vorhandenen Türmen

können zusammen mit turmartigen Neubauten speziell inszeniert

(z.B. durch Lichtinstallationen) und als eigenes Thema in das

Stadtmarketing integriert werden.

Im Zuge des Neubaus der Nordtangente muss für das neue

Wohngebiet und die vorhandenen Siedlungsbereiche ein attraktiver

Schallschutz realisiert werden, z.B. in Form einer begrünten

Lärmschutzwand.

Aufwertung der Bausubstanz/ Stadttore/ Stadtbild: Das historische

Stadtbild gehört zu den wichtigsten Stärken Kitzingens und

muss durch eine konsequente Fortführung der Sanierung unbedingt

erhalten werden. Neben einer Aufwertung von Gebäuden im

Rahmen von Stadtumbaumaßnahmen soll geprüft werden, inwieweit

die Erforderlichkeit für eine Ausweitung der bestehenden

förmlichen Sanierungsgebiete besteht (ggf. durch Voruntersuchungen).

Grundsätzlich ist aber der Lösung mit dem geringsten Verwaltungsaufwand

der Vorzug zu geben, in diesem Fall einer

Durchführung und Förderung von Maßnahmen im Rahmen des

Programms Stadtumbau-West.

Um die einmalige Wasserlage der Stadt besser herauszuarbeiten

muss eine stärkere Öffnung zum Main und eine Aufwertung der

Uferbereiche erreicht werden. (vgl. Kapitel 5.2.2). Ziel ist es, die

städtebaulichen und funktionalen Verflechtungen zwischen der Altstadt

und der Promenade durch neue Blick- und Wegebeziehungen,

eine entsprechende Beschilderung sowie zusätzliche Nutzungsangebote

(mit Synergiepotenzialen) zu erhöhen und durch

eine Aufwertung der Stadtkulisse mit ihren prägnanten Türmen und

Brücken insgesamt eine positivere Wahrnehmung des Zentrums

zu erreichen. Eine besondere Bedeutung für die Außenwirkung der

Altstadt haben auch die Eingangsbereiche, die Besucher und Bürger

in das historische Zentrum leiten und einen Hinweis auf die

Qualitäten der Stadt geben sollen. An den vier wichtigsten ‚Stadttoren’

soll daher eine Aufwertung der angrenzenden Gebäude

(Sanierung hat hier Priorität), eine Gestaltung von öffentlichen

Platz- und Grünflächen sowie eine wirkungsvolle Beleuchtung

(auch Lichtinstallationen) erfolgen. Fahnen und Plakate sollten

Hinweise auf Attraktionen und aktuelle Veranstaltungen in der Innenstadt

geben. Ebenso müssen Schilder und Stadtpläne auf die

wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Stadt hinweisen.

Inszenierung der Altstadt: Mit der Durchführung qualitativ

hochwertiger Veranstaltungen und künstlerischer Aktionen sollen

Synergieeffekte zum Einzelhandel und zur Gastronomie verstärkt

und das Image des Zentrums aufgewertet werden. Hier kann auf

die intensiven Bemühungen des Stadtmarketingvereins aufgebaut

34 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

werden. Bestehende Veranstaltungen wie z.B. das Weinfest oder

der Weihnachtsmarkt müssen räumlich ausgeweitet und qualitativ

überarbeitet werden. Darüber hinaus sind auch zusätzliche

Aktionen denkbar wie z.B. Lichtinstallationen, Kunst im

Straßenbild, etc.

Fußgängerzone/ Innenstadtgestaltung: Durch eine einheitliche

Neugestaltung der Fußgängerzone und ihrer Eingangsbereiche

(Möblierung, Gestaltung, Beleuchtung, Beschilderung) wird eine

Aufwertung der gesamten Altstadt und der angrenzenden

Nutzungen angestrebt. Angesichts der bestehenden Potenziale

(Main, Bäche) soll auch Wasser als aktives Gestaltungselement für

die Innenstadt Verwendung finden- z.B. in Form von Brunnen oder

kleinen Wassergräben im Straßenraum, die Richtung Main führen

(Vorbild: Freiburg).

Museumsnetz: Zur Ausnutzung von Synergien sollen die

bestehenden und zukünftigen Museen in Kitzingen (Conditorei-

Museum, Deutsches Fastnachtmuseum, Vogelkundliche

Sammlung, evtl. Fischereimuseum) in ein Museumsnetz

eingebunden werden. Dieses kann durch eine gemeinsame

Vermarktung (z.B. Flyer), die Koordinierung von Öffnungszeiten

und Veranstaltungen, gemeinsame Eintrittskarten (Kombi-Tickets,

Tagestickets) und eine Optimierung der räumlichen Verknüpfung

(Einbindung in Fahrrad-Stadtrouten, Beschilderung) geschehen.

Bahnhofsumfeld/ Bahnhofsstadt/ Bahnhofsachse: Als wichtiger

Eingangsbereich nach Kitzingen und zur Innenstadt bedarf der

Bahnhofsvorplatz einer deutlichen Aufwertung. Im Zuge einer

Neugestaltung der Platzfläche muss auch eine einheitliche Beschilderung

und Beleuchtung installiert werden. Für Besucher der

Stadt müssen die wichtigsten Informationen gut sichtbar in Form

von Informationstafeln zur Verfügung gestellt werden. Das bisher

mangelhafte Stellplatzangebot für Pendler soll durch eine neue

Park&Ride-Fläche und überdachte Fahrradstellplätze auf dem Gelände

des Güterbahnhofs ergänzt und aufgewertet werden.

Die Aufwertung des Bahnhofsumfeldes kann als Initialmaßnahme

zur Entwicklung des nördlich angrenzenden Quartiers fungieren

(Bahnhofsstadt). Durch Umnutzung leer stehender Gebäude, die

Aufwertung von Gebäuden und die gestalterische Einbeziehung

der Friedhofsfläche soll hier in Zukunft ein lebendiges Quartier zum

Wohnen und Arbeiten geschaffen werden. Ebenso muss die gesamte

Achse vom Bahnhof (Bahnhofsachse) zur Innenstadt attraktiv

gestaltet werden, unter anderem durch eine Gestaltung der

Grünflächen am Hindenburgring und die Schaffung einer attraktiven

Querungsmöglichkeit über die Bundesstraße (u.a. auch durch

kürzere Wartezeiten für Fußgänger).

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 35


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Zur besseren Vernetzung der westlichen Siedlungsbereiche mit

der Innenstadt soll im Bereich des Bahnhofs eine neue Fußgänger-

und Radfahrerverbindung zwischen Friedenstraße und Westtangente

in Form einer Unterführung gebaut werden, die auch einen

unterirdischen Zugang zu den Bahnsteigen ermöglicht.

Abb. 8: Entwicklungskonzept Innenstadt

36 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


Mainpromenade

ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Im Rahmen des räumlichen Handlungsschwerpunktes soll das

gesamte Altstadtufer zu einer lebendigen Promenade mit

vielseitigen Nutzungsangeboten entwickelt und so die Altstadt

insgesamt aufgewertet werden. Dazu bedarf es nicht nur

gestalterischer Maßnahmen, sondern auch der Schaffung neuer

Ankerpunkte entlang der Promenade und an deren Enden. Eine

besondere Bedeutung kommt auch der Aufwertung der für die

Außenwirkung wichtigen Stadtkulisse zu. Mit der Entwicklung der

Mainpromenade werden folgende Ziele verfolgt:

- Erhöhung der Attraktivität Kitzingens als Wohn- und Arbeitsstandort

durch Aufwertung weicher Standortfaktoren und neue

Wohnangebote (Wohnstandort entwickeln)

- Erhöhung der touristischen Attraktivität bzw. Erhöhung von

Besucher- und Übernachtungszahlen (Tourismus ausbauen)

- Stabilisierung des innerstädtischen Einzelhandels durch Synergien

zwischen der Promenade und der Innenstadt (Innenstadt

aufwerten)

- Aufwertung des Stadtbildes (Qualitäten kommunizieren, visuell)

Projektvorschläge:

Promenade: Auf der gesamten Länge zwischen Nord- und Südbrücke

soll mit der Anlage von Wegen, Aufenthaltsflächen und

Grünflächen (Gestaltung, Möblierung, Beleuchtung und Beschilderung)

eine attraktive Mainpromenade entwickelt werden. Von besonderer

Bedeutung ist hierbei der Bereich der Altstadt-Bebauung,

in dem eine hohe Aufenthaltsqualität erreicht und Räume für ergänzende

Nutzungen geschaffen werden müssen (z.B. Biergarten).

Der Neubau einer Anlegestelle (s.u.) muss dabei ebenso integriert

werden wie die fertig gestellten Abschnitte im Bereich der

Synagoge. Auch die charakteristischen Brückenbauwerke und die

Stadtkulisse mit ihren prägnanten Türmen müssen gestalterisch

und funktional in die Promenade integriert werden. Durch eine differenzierte

Gestaltung sollen Bereiche mit unterschiedlichen Funktionen

entstehen: Aufenthaltsbereiche, Erholungsräume, Veranstaltungsflächen

und Bereiche, die überwiegend eine Erschließungsfunktion

erfüllen.

Wohn- und Hotelkomplex Mainblick: Die hohe Lagequalität des

Mainufers wurde bisher nicht durch gastronomische Einrichtungen

genutzt. Um das Hotelangebot der Stadt zu ergänzen und zusätzliche

Zielgruppen anzusprechen, könnten südlich der Konrad-

Adenauer Brücke Umstrukturierungen erfolgen, um in diesem Bereich

einen repräsentativen Hotelneubau zu realisieren (Hotel

Mainblick). Der neue Gebäudekomplex kann neben einem zum

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 37


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Main hin orientierten Restaurant/ Café (Mainterrasse) auch Tagungs-

und Veranstaltungsräume umfassen (hier ist eine Abstimmung

mit dem weiteren Hotelprojekten ‚Golfressort Klingenberg’

und Veranstaltungshalle und Hotel am Schwimmbad erforderlich).

Je nach Größe des neuen Hotels kann im Anschluss daran ein

Wohnungsneubau errichtet werden, der sich mit Dachterrassen,

großzügigen Balkonen und Fensterfronten zum Main öffnet.

Als alternativer Standort zur geplanten Veranstaltungshalle am

Schwimmbad kann auch im Bereich der Glauberstraße eine Halle

mit anschließendem Hotel realisiert werden. Ein solches Angebot

würde zu einer deutlichen Aufwertung der Promenade beitragen

und aufgrund der fußläufigen Entfernung zahlreiche Synergiepotenziale

mit der Innenstadt aufweisen. In Abstimmung mit der laufenden

Planung am Schwimmbad sollte ggf. eine vertiefende Untersuchung

des Standortes erfolgen. Voraussetzung für Neubauten

im Umfeld der Glauberstraße ist eine Architektur, die auf die

Hochwasserproblematik in diesem Bereich Rücksicht nimmt.

Stadtkulisse/ Stadttor: Das Erscheinungsbild Kitzingens vom

Main aus hat eine große Bedeutung für die Außenwirkung der

Stadt. Vor allem bei Radfahrern auf dem Maintalwanderweg oder

Schiffsreisenden kann der erste Eindruck der Stadt einen entscheidenden

Einfluss auf die weitere Reiseplanung haben. Auch

für die Kitzinger selber stellt die Stadtkulisse mit ihren Wahrzeichen

(vor allem die Türme) ein wichtiges Identifikationsmerkmal

dar, das die Qualitäten der Stadt- und hier speziell der Altstadtrepräsentiert.

Mit dem Ziel, das Erscheinungsbild Kitzingens vom

Wasser aus aufzuwerten und bestehende Synergiepotenziale zu

nutzen müssen die vorhandenen baulichen und gestalterischen

Defizite an der Uferbebauung beseitigt werden. Gemeinsam mit

einer Neugestaltung der Promenade soll das gesamte Altstadtufer

durch eine Sanierung der betroffenen Gebäude, eine Umnutzung

von Leerständen, gestalterische Maßnahmen (Vorgärten) und evtl.

punktuellen Abriss störender Anbauten oder Garagen aufgewertet

werden. Als integrierter Bestandteil der Stadtkulisse müssen auch

die prägnanten Türme durch eine geeignete Inszenierung (z.B.

durch Lichtinstallationen) stärker herausgearbeitet werden.

Im Bereich der Alten Mainbrücke, die für Fußgänger und Fahrradfahrer

den wichtigsten Stadteingang darstellt, muss darüber hinaus

durch zusätzliche Treppen bzw. Aufzüge, Beschilderung, Beleuchtung

und kleinere bauliche Maßnahmen ein attraktiver Zugang zur

Stadt und zur Promenade geschaffen werden.

Bier- und Weingarten Altstadtufer: Zur Belebung und Aufwertung

des Uferbereichs und zur Stärkung der Innenstadt soll zwischen

der alten Mainbrücke und dem Kulturzentrum an der Synagoge

ein neuer Anziehungspunkt in Form eines Bier- und Weingartens

geschaffen werden. Ziel einer solchen Einrichtung ist es, in

den Sommermonaten ein für Besucher und Bürger gleichermaßen

38 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

attraktives gastronomisches Angebot am Wasser zu formulieren.

Die für einen Biergarten erforderlichen Flächen müssen bei einer

Neugestaltung der Promenade mit berücksichtigt und gestalterisch

eingebunden werden.

Kulturbrauhaus: Als nördlicher Ankerpunkt und Abschluss der

Promenade soll das Gelände der ehemaligen Kleinschroth-

Brauerei in Abstimmung mit dem Grundstückseigentümer einer

neuen Nutzung zugeführt werden. Durch Aufwertung, Umbau und

Ergänzung der vorhandenen Gebäude kann an dieser Stelle eine

vielseitige Kultureinrichtung geschaffen werden (Kulturbrauhaus),

die beispielsweise folgende Angebote umfasst:

- Club/ Veranstaltungsräume in den Kellergewölben

- Präsentation von Gemälden/ Kunstobjekten in der denkmalgeschützten

Villa

- Einrichtung eines Kinos

- Spezialitätenrestaurant/ Cocktailbar

- Weinzentrum (Verwaltungssitz von Genossenschaften und

Vereinen, regionale Vermarktung, Verköstigung, Verkauf,

Weinmuseum, Erlebnis)

Kulturzentrum an der Synagoge: Mit dem Ziel eine größere Ausstrahlungswirkung

zu erreichen, sollen die im Bereich der Synagoge

vorhandenen kulturellen Angebote (Museum, Synagoge) vernetzt

und unter einem gemeinsamen Titel vermarktet werden. Im

Uferbereich kann das Kulturzentrum durch die Anlage einer Freilichtbühne

ergänzt werden, die gleichzeitig zu einer Aufwertung

und Belebung der Promenade beitragen würde. Neben baulichen

Maßnahmen ist auch eine Durchführung von regelmäßigen Veranstaltungen

anzustreben, wie z.B. die Einrichtung eines Kabarett-

Programms oder eines Open-Air-Theaters.

Der benachbarte Schlauchturm als markantestes Gebäude soll

durch eine entsprechende Inszenierung und Gestaltung (Lichtinstallationen,

Plakate, etc.) in die Anlage integriert werden. Mit

Großplakaten und Stoffbahnen kann werbewirksam auf aktuelle

Veranstaltungen hingewiesen oder allgemein für das Kulturzentrum

bzw. die Stadt geworben werden.

Anlegestelle: Um den Main als wichtigstes touristisches Potenzial

stärker zu nutzen und die bestehende Nachfrage nach einer

Schiffsanbindung zu befriedigen 1 , soll zwischen der Alten Mainbrücke

und der Konrad-Adenauer Brücke eine zentrale Anlegestelle

für Fahrgastschiffe (auch Hotelschiffe) geschaffen werden. Einzelne

Maßnahmen in diesem Zusammenhang wie der Umbau des

1

Nach Aussagen des Landratsamtes besteht eine erhöhte Nachfrage nach Angeboten

der Personenschifffahrt Richtung Volkach und Würzburg mit Möglichkeiten

zur Fahrradmitnahme

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 39


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Uferbereichs oder die Errichtung eines Informations- und Fahrkartengebäudes

müssen in die Promenadengestaltung integriert werden.

Abhängig von den technischen und rechtlichen Anforderungen

kann die Anlage als schwimmende Anlegestelle ausgebaut

werden. Neben einer Nutzung durch die Mainschifffahrt ist hier

auch die Einrichtung einer (evtl. temporären) Mainfähre denkbar,

die im Rahmen der kleinen Gartenschau die wichtigsten Zielpunkte

entlang des Mains miteinander vernetzt.

Schifffahrts- und Fischereimuseum/ Loftwohnen: Mit der Einrichtung

eines Schifffahrts- und Fischereimuseums in den unteren

Geschossen der ehemaligen Sämerei kann auf eine 950 Jahre alte

Tradition in Kitzingen zurückgegriffen werden, die durch die hiesige

Fischer- und Schifferzunft im Jahr 1056 begründet wurde. Eine

solche Einrichtung kann folgende Angebote umfassen:

- Museum mit Ausstellung historischer Werkzeuge, Karten, etc.

- Themenbezogene Informations-/ Edutainment-Angebote

- Aquarien mit heimischen Fischen

- unterirdische Verbindung mit Fenster zum Main (Der Main als

Aquarium)

- Außenanlagen bzw. Kaianlage mit historischen Schiffen

- Fischspezialitäten-Restaurant

Zur Ausnutzung der besonderen Lagequalität und zur weiteren

Qualifizierung des Kitzinger Wohnungsmarktes können die oberen

Geschosse des leer stehenden Gebäudes zu Loftwohnungen

umgebaut werden. Mit einem solchen Wohnungsangebot mit direktem

Bezug zum Main und attraktiven Sichtbeziehungen kann in

Konkurrenz zu den umliegenden Gemeinden ein Alleinstellungsmerkmal

erreicht und neue Zielgruppen angesprochen werden.

Stadteingang: Der Stadteingang nach Kitzingen im Bereich der

Südbrücke ist derzeit vor allem durch den Schrotthandel negativ

geprägt. Mittelfristig soll anstelle dieser Nutzung ein attraktiver

Gewerbe- bzw. Büroneubau realisiert werden, der als repräsentativer

Stadteingang den südlichen Abschluss der Promenade bildet.

Mit der Ausbildung einer städtebaulichen Dominante in Form eines

Büroturms können die vertikalen Elemente entlang des Mainufers

(Kirchtürme, Schlauchturm) aufgegriffen und thematisiert werden

(‚Stadt der Türme’). Den Belangen des Überschwemmungsgebietes

muss mit einer entsprechenden Architektur Rechnung getragen

werden (z.B. durch eine Aufständerung)

40 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 9: Ideenskizze Stadteingang (Schrottplatzgelände)

Inszenierung: Um die Mainlage Kitzingens stärker in das Bewusstsein

von Bürgern und Besuchern zu rücken und Synergieeffekte

für die angrenzenden Nutzungen und die Altstadt zu erzielen,

soll die Promenade mit regelmäßigen Veranstaltungen inszeniert

und bespielt werden. Denkbar sind z.B.

- Main-Meile (Wettrennen oder -rudern entlang der Promenade)

- Main in Flammen (Feuerwerk und Lichtinstallationen)

- Weinfest

- Themenmärkte

Vernetzung: Im Zuge einer Öffnung der Stadt zum Main muss der

Uferbereich an mehreren Punkten mit der Altstadt vernetzt werden.

Vor allem an der Alten Mainbrücke, dem Kulturzentrum und der

zukünftigen Anlegestelle müssen durch bauliche und gestalterische

Maßnahmen sowie durch eine entsprechende Beschilderung

und Verkehrsführung attraktive Zugänge zur Promenade geschaffen

werden.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 41


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 10: Entwicklungskonzept Promenade

42 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.2.2 Aktivitätenband

Als zentraler Bereich für sportliche Aktivitäten und Freizeiteinrichtungen

in Kitzingen soll das gesamte östliche Mainufer zwischen

der Nordbrücke, dem Sportzentrum Sickergrund im Westen und

dem Campingplatz im Süden unter dem Motto eines Aktivitätenbandes

entwickelt werden. Aufgrund der vorhandenen Angebote,

der landschaftsräumlichen Qualität und dem attraktiven Stadtpanorama

auf der gegenüberliegenden Mainseite besteht hier das Potenzial,

einen hochwertigen Grün- und Freizeitbereich mit hoher

Ausstrahlungswirkung zu schaffen.

Das geplante Aktivitätenband umfasst größere Flächen die im Zuge

der Kleinen Gartenschau 2011 gestaltet werden sollen. Hier bestehen

in mehrerer Hinsicht Synergiepotenziale. Zum einen können

die im Rahmen des ISEK vorgeschlagenen Projekte in den

Wettbewerb eingebunden, gestalterisch ausformuliert und über

Mittel der Kleinen Gartenschau (mit-) finanziert werden. Zum anderen

besteht die Chance, das Besucher der Gartenschau auch

gleichzeitig Angebote im Rahmen des Aktivitätenbands wahrnehmen

und umgekehrt.

Grundsätzlich werden durch die geplante Aufwertung und Vernetzung

bestehender Einrichtungen und die Realisierung neuer Projekte

in diesem räumlichen Handlungsschwerpunkt mehrere Ziele

verfolgt:

- Erhöhung der Attraktivität Kitzingens als Wohn- und Arbeitsstandort

(Wohnstandort entwickeln)

- Erhöhung der touristischen Attraktivität bzw. Erhöhung von

Besucher- und Übernachtungszahlen (Tourismus ausbauen)

- Stabilisierung des innerstädtischen Einzelhandels durch Synergien

zwischen dem Aktivitätenband und der Innenstadt (Innenstadt

aufwerten)

- Stärkung des Kompetenzfeldes Gartenbau/ Landwirtschaft

durch die Aufwertung, Weiterentwicklung und Präsentation der

Anbauflächen im Bereich Etwashausen (Kompetenzfelder

stärken)

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 43


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Projektvorschläge:

Bäderpark: Die direkte Nachbarschaft von Sole-Hallenbad und

Freibad und die attraktive Lage am Mainufer bietet für Kitzingen

schon jetzt ein Alleinstellungsmerkmal im Freizeitbereich. Durch

eine Aufwertung und Ergänzung der bestehenden Anlangen und

eine Neugestaltung des Umfelds soll das Areal in Zukunft zu einem

‚Bäderpark’ entwickelt werden, der sowohl für die Bewohner der

Stadt als auch für Gäste eine hohe Ausstrahlungswirkung entfaltet.

Im Einzelnen werden folgende Maßnahmen empfohlen:

- Umbau/ Ausbau des Sole-Hallenbades

- Ergänzung des Hallenbades durch wellnessorientierte Angebote

(z.B. in Form der geplanten Saunalandschaft)

- Prüfung einer baulichen Verbindung zwischen Hallen- und

Freibad mit dem Ziel, zwischen beiden Einrichtungen hin- und

her schwimmen zu können (Einrichtung eines mit Freibad und

Hallenbad verknüpften Flussbades)

- Schaffung neuer gastronomischer Angebote (im Sommer evtl.

auf schwimmender Plattform auf dem Main-Seitenarm)

- Einrichtung eines Bootsverleihs (Tretboote, Ruderboote, Elektroboote)

im Bereich der Mondseeinsel

- Neugestaltung des Umfelds (Parkplatz, Freiflächen, gemeinsamer

Eingangsbereich)

Veranstaltungshalle: Zur Entwicklung einer neuen Veranstaltungshalle

mit angegliedertem Hotel wurden im Rahmen einer

externen Standortanalyse 15 potenzielle Standorte innerhalb des

Stadtgebietes auf ihre Eignung hin überprüft und es wurde eine

Empfehlung für den Standort südlich des Schwimmbades

ausgesprochen. Eine Veranstaltungshalle mit Hotel würden sich

sehr gut in das Konzept für ein Aktivitätenband integrieren. Unter

der Zielstellung die Innenstadt zu stärken und zusätzliche

Synergieeffekte zu erzielen wäre es aus gesamtstädtischer Sicht

jedoch zu empfehlen, einen weiteren innerstädtischen Standort im

Bereich der Konrad-Adenauer-Brücke zu prüfen.

Wassersportzentrum/ Sportboothafen: Um der gestiegenen Bedeutung

und den Wachstumschancen des Wassertourismus

Rechnung zu tragen wird die Anlage eines kleineren Sportboothafen

mit einem angegliederten Wassersportzentrum empfohlen. Als

Standort kommt ein Teil des südlich an den Campingplatz und den

Yachthafen angrenzenden Firmengeländes in Frage, da dieser Bereich

untergenutzt scheint, die Fahrrinne hier bis an das Ufer reicht

(keine größere Ausbaggerung wäre erforderlich) und der Campingplatz

ebenso wie der ökologisch bedeutsame Bachlauf des Sickerbachs

unangetastet bleiben können. Neben dem Bau eines

naturnah gestalteten Hafenbeckens können in einem Neubau die

Verwaltung des Hafens, eine kleine Information sowie Übernach-

44 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

tungsmöglichkeiten oder gastronomische Angebote für Bootstouristen

untergebracht werden. Auch ein kleinerer Bootsverleih ist

hier denkbar.

Als erster Schritt muss zunächst gemeinsam mit dem Grundstückseigentümer

geprüft werden, inwieweit der nördliche Teil des

Firmengeländes für eine Aufrechterhaltung des Verladebetriebs

erforderlich ist- der Kran selber sowie große Teile des Grundstücks

sollen auf jeden Fall erhalten werden.

Das Projekt muss in das Main-Entwicklungskonzept eingebunden

werden, das als Gemeinschaftsprojekt mehrerer Gemeinden derzeit

erarbeitet wird und sich die Stärkung des Wassertourismus

zum Ziel gesetzt hat.

Sportpark Sickergrund: Für eine weitere Verbesserung des

Sport- und Freizeitangebotes und damit eine Erhöhung der Wohnqualität

soll das Sportzentrum Sickergrund (Stadion, Sporthallen,

Plätze) stärker für die Allgemeinheit geöffnet und durch eine Ergänzung

des Angebotes zu einem Sportpark erweitert werden. Für

Privatpersonen soll auf dem Gelände eine zentrale Anlaufstelle mit

folgenden Aufgaben geschaffen werden:

- Information über das Sportangebot (Flächen, Kurse)

- Organisation der Flächennutzung/ Buchung von Plätzen

- Verleih/ Verkauf von Sportgeräten

- Verkauf von Getränken/ Snacks

Zusätzliche Angebote können die Anlage eines Putting-Greens

(landschaftsmodellierter ‚Minigolf’-Kurs), Beachvolleyballfelder,

Tennisplätze sowie weitere Multifunktions-Rasenplätze umfassen,

die westlich und südlich des Zentrums auf derzeitig landwirtschaftlich

genutzten Flächen errichtet werden. Der Sportpark kann durch

eine private Gesellschaft oder einen Verein betrieben werden.

Grundsätzlich soll sich das Sport- und Freizeitangebot, für das

auch geringe Nutzungsgebühren erhoben werden können (mit

Ausnahme von Kindern und Jugendlichen), sowohl an die Kitzinger

selber als auch an Touristen richten.

Grüne Brücke: Zur Schaffung einer attraktiven Verbindung zwischen

dem Mainufer und den östlich angrenzenden Einrichtungen

(Sportzentrum Sickergrund, evtl. Tierhof Galgenmühle) soll geprüft

werden, ob im Bereich Hagenmühle/ Sickerbach für Fußgänger

und Fahrradfahrer eine Brücke oder Unterführung über bzw. unter

der Staatstraße errichtet werden kann. Als ein mögliches Projekt

der Kleinen Gartenschau könnte eine Brücke durch eine entsprechende

Bepflanzung gleichzeitig die Funktion einer Grünverbindung

übernehmen (Vorbild: ‚Grüne Brücken’ an der A20). Sollte

eine Über- bzw. Unterführung nicht realisierbar sein, müssten an

der stark befahrenen Straße Querungshilfen installiert werden.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 45


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Tierhof Galgenmühle: Empfohlen wird der Aufbau einer touristischen

Einrichtung, in der nach dem Vorbild des Gut Aiderbichls im

Salzburger Land und seiner Tochtergründung in Deggendorf (Oberbayern)

Tiere ‚erlebt’ werden können, die hier ihren ‚Lebensabend’

verbringen dürfen (Gnadenhof). Als Projektträger einer solchen

Einrichtung kämen eventuell die Aiderbichl-Betreiber in Frage,

die auf die Möglichkeit einer weiteren Tochtergründung angesprochen

werden müssen. Darüber hinaus können auch das ortsansässige

Tierheim sowie Tierschutzvereinigungen wichtige Akteure

sein. Folgende Eckpunkte des Projektes sind von Bedeutung:

- großzügiges und tiergerechtes Umfeld

- Erlebbarkeit der Tiere/ Nähe zu den Tieren

- Hintergrundinformation zu den individuellen Tier-Schicksalen

- Edutainment-Angebote: Filmsequenzen, Hintergrundinformationen,

etc.

- kleinere gastronomische Angebote

- Finanzierung durch Patenschaften, Spenden und Eintrittsgelder

- Synergien mit Bildungseinrichtungen/ Instituten

- Möglichst störungsfreie Erschließung

- Vermeidung von Konflikten mit der umgebenden Nutzung

- Synergien mit der Innenstadt und den anderen touristischen

Angeboten

Als Standort für einen solchen Tierhof kommt beispielsweise die

ehemalige Galgenmühle in Frage, deren Gelände derzeit größtenteils

ungenutzt ist. Die attraktive Bestandsbebauung kann hier

schrittweise durch weitere Gebäude (z.B. Ställe) und Flächen ergänzt

werden. Durch eine gemeinsame Nutzung von Parkplätzen

mit dem Sportpark kann hier Synergien entstehen, ebenso durch

die Einbindung in das zukünftige Aktivitätenband. Voraussetzung

ist eine entsprechende Verkaufs- bzw. Mitwirkungsbereitschaft des

Grundstückseigentümers. Als alternativer Standort wären die ehemals

militärisch genutzten Wohnstandorte am Rande des Giltholz

zu prüfen. Der hervorragenden Erschließung und den Synergiepotenzialen

mit dem zukünftigen Naturerlebniswald stehen hier mögliche

Nutzungskonflikte mit den angrenzenden Gewerbegebieten,

die kaum nutzbare Bestandsbebauung sowie mögliche Altlasten

gegenüber.

Radlercafé Hagemühle: Für eine Stärkung des Fahrradtourismus

kann im Erdgeschoss der ehemaligen Hagemühle ein Restaurant

bzw. Café mit speziellen Serviceangeboten für Radfahrer eingerichtet

werden (Fahrradbügel, Reparaturmöglichkeiten, Information).

Vor allem Nutzer des Maintal-Wanderweges sollen so zu einem

Aufenthalt in Kitzingen bewegt werden, bei dem sie auch über

weitere Attraktionen der Stadt informiert werden können. Sollte ei-

46 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

ne Fährverbindung zwischen den wichtigsten Anziehungspunkten

entlang der beiden Mainuferseiten realisiert werden, dann können

die Radtouristen von hier einen Ausflug mit dem Schiff in die Innenstadt

unternehmen.

Gartenmeile: Im Rahmen der Kleinen Gartenschau soll entlang

der Gärten von Etwashausen eine Garten- und Blumenmeile eingerichtet

werden, die einen Gemüselehrpfad, Selbst-Ernter-

Angebote, Direkt-Verkaufsstellen und temporäre gastronomische

Angebote (Salatbar, Saftbar) umfassen kann. Teile der Anbauflächen

sollten neu gestaltet und evtl. in die öffentliche Grünfläche

integriert werden.

Stadttor Etwashausen/ Stadtbalkon: In Ergänzung der Dorferneuerungsmaßnahmen

in Etwashausen ist eine Neugestaltung der

nördlich und südlich an die Alte Mainbrücke angrenzenden Flächen

erforderlich, um hier eine Aufwertung des Eingangsbereichs

zu erreichen:

- Neubau eines kleinen Besucherzentrums (zentrale Anlaufstelle

für die Kleine Gartenschau und später für das Aktivitätenband

mit Informationen, Fahrradverleih, etc.)

- Herrichtung und Gestaltung einer Fläche im Ufer- und Wasserbereich

mit freier Sicht auf die Altstadt (‚Stadtbalkon’) zur

Nutzung durch einen Bier- bzw. Weingarten

- Neugestaltung des Umfelds (Parkplatz, Grünanlagen, Wege)

Sollte in Zukunft eine Nachfrage nach zusätzlichen Caravan-

Stellplätzen entstehen muss geprüft werden, ob durch eine komplette

Verlagerung der Stellplätze in den Bereich des Camping-

Platzes/ Wassersportzentrums eine höherwertige Nutzung des

Mainufers in Etwashausen erreicht werden kann.

Sport- und Spielbereich: Um die Attraktivität des Mainufers zu

steigern können die vorhandenen Sportanlagen und Spielplätze

punktuell durch neue Angebote ergänzt werden, wie z.B. Boulplätze,

Beach-Volleyballfelder, Wasserspielplätze u.ä.

Externe Anbindung/ Bachräume: Für eine attraktive Erschließung

des Aktivitätenbands und eine Ausnutzung von Synergien ist

die Herstellung einer durchgehenden, einheitlich beschilderten

Wegeverbindung sowie die Verknüpfung mit anderen Siedlungsbereichen

erforderlich. Neben der Nutzung vorhandener Wege sind

hierfür auch bevorzugt neue Wege entlang der Bäche anzulegen.

Eine neue Verbindung soll auch zum Bahnhof von Etwashausen

hergestellt werden. Im Zusammenhang mit der Wegevernetzung

sind auch zusammenhängende Grünflächen und Biotopverbünde

herzustellen.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 47


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 11: Entwicklungskonzept Aktivitätenband

48 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.2.3 Am Wacholderberg (Marshall Heights)

Das im Rahmen des Handlungsschwerpunktes formulierte Konzept

für die ehemaligen Marshall-Heights sieht die Entwicklung eines

eigenständigen Wohnquartiers mit einem neuen Schulstandort,

den Aufbau eines Bildungszentrums an der B8 und den Rückbau

und die Renaturierung von Teilen des Geländes vor. Das Konzept

verfolgt mehrere Ziele:

- Schaffung eines zielgruppenorientierten, qualifizierten Wohnungsangebotes

(Wohnstandort entwickeln)

- Schaffung eines attraktiven Stadteingangs (Wohnstandort

entwickeln, Qualitäten kommunizieren)

- Stärkung vorhandener Kompetenzfelder (z.B. Gesundheit,

Gartenbau, Landwirtschaft, Wein) durch zusätzliche Bildungseinrichtungen

(Kompetenzfelder stärken)

Projektvorschläge:

Wohnen am Wacholderberg: Auf einer ca. 15 ha großen Fläche

soll unter Einbeziehung vorhandener Gebäude und

Erschließungsstraßen ein attraktives Wohnquartier entstehen. Der

neue Name ‚Am Wacholderberg’, der auf der Grundlage alter

Flurkarten zunächst als Arbeitstitel ausgewählt wurde, soll dabei

zur Adressbildung und zur Betonung einer zivilen Nachnutzung

beitragen.

Durch einen neuen Grünzug von der Bundesstraße getrennt

(‚Grüner Gürtel’) soll im Südwesten der ehemaligen Housing Area

ein vielseitiges, zielgruppenorientieres Wohnungsangebot

formuliert werden. In insgesamt vier stufenweise entwickelbaren

Baufeldern, die um einen neuen Quartierspark angeordnet sind,

werden durch Abriss und Aufwertung bestehender Gebäude und

durch Neubauten folgende Wohnformen bedient:

- Junges Wohnen: Unter Verwendung bestehender Geschosswohnungsbauten

soll ein preiswertes Wohnungsangebot speziell

für junge Personen formuliert werden. Zielgruppen sind

Berufsschüler, Studenten oder sonstige Personen, die für einen

beschränkten Zeitraum ein Aus- oder Weiterbildungsangebot

in Kitzingen wahrnehmen.

- Amerikanische Doppelhäuser: Im Nordwesten sollen die

Doppelhäuser im amerikanischen Stil beibehalten und als spezielles

Wohnangebot für Familien vermarktet werden. Hierfür

muss der bisher als Gemeinschaftsfläche genutzte Gartenbereich

eventuell stärker ‚privatisiert’ werden (Ausparzellierung,

Hecken, etc.)

- Stadtvillen: Im südlichen Hangbereich sollen die vorhandenen

Wohngebäude abgerissen und durch Stadtvillenartige Neu-

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 49


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

bauten ersetzt werden. Aufgrund der hochwertigen Lage mit

attraktiven Sichtbeziehungen kann hier ein höherpreisiges Angebot

formuliert werden.

- Einfamilienhäuser: Nach einem Rückbau der Reihenhausbebauung

im Südwesten soll an gleicher Stelle eine Neubebauung

durch Einfamilienhäuser erfolgen. Zur Ergänzung des Angebotes

in den übrigen Neubaugebieten (Hammerstielweg,

Buddental West, etc.) ist hier eher ein preiswertes Angebot anzustreben.

Grundsätzlich ist die Entwicklung des neuen Wohnquartiers sowohl

zeitlich als auch quantitativ auf den Wohnungsmarkt Kitzingens

abzustimmen. In diesem Zusammenhang ist es zu empfehlen,

dass Neubaumaßnahmen im Bereich ‚Wacholderberg’ mit punktuellen

Rückbaumaßnahmen im übrigen Stadtbereich (z.B. Siedlung

Nord) zeitlich und sachlich verknüpft werden.

Als Grundlage für eine Entwicklung der ehemaligen Militärfläche

müssen die genannten Ideen im Rahmen eines detaillierten Entwicklungskonzeptes

vertieft werden. Hierfür muss auch eine genauere

Untersuchung zur bestehenden Bausubstanz und zur technischen

Infrastruktur erstellt werden.

Quartierspark und Grüner Gürtel: Das neue Wohnquartier soll

durch einen durchgehenden Grünzug von der stark befahrenen

Repperndorfer Straße (B8) abgeschirmt werden. Dieser durch

Rückbau und Renaturierung zu schaffendene ‚Grüne Gürtel’, in

den vorhandene Baumbestände einbezogen werden können, dient

dem Wohnquartier zur Naherholung und stellt eine Verbindung

zwischen den nördlich und südlich angrenzenden Landschaftsräumen

dar. Im Zentrum des zukünftigen Quartiers soll ein Wohnpark

entstehen, der durch eine attraktive Grüngestaltung und

Spielmöglichkeiten zu einer erhöhten Wohnqualität beiträgt. Auch

hier müssen vorhandene Baukörper abgerissen werden.

Waldschule: Zur weiteren Qualifizierung des Bildungsangebotes

in Kitzingen soll der ehemalige Schulstandort an der B8 auch in

Zukunft genutzt werden. Unter Einbeziehung vorhandener Schul-,

Sport- und Wohngebäude und eingebettet in dichten Baumbewuchs

kann hier ein privates Gymnasium oder Internat aufgebaut

werden (‚Waldschule’). Hierdurch kann sowohl der neue Wohnstandort

am Wacholderberg als auch die gesamte Stadt an Attraktivität

für Familien gewinnen. Voraussetzung für eine Nutzung ist

eine gesicherte Ver- und Entsorgung (Lage an der Peripherie des

bisherigen Erschließungsnetzes). Kurzfristig muss der Standort für

eine temporäre Nutzung durch andere Schulen gesichert werden.

Bürgerzentrum: Für den zweiten ehemaligen Schulstandort im

Zentrum des Geländes ist ein Ausbau als modular erweiterbares

und vielseitig nutzbares Bürgerzentrum vorgesehen. Hier können

je nach den Bedürfnissen des wachsenden Wohngebietes und der

50 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Bewohnerstruktur unterschiedliche Angebote zusammengefasst

werden:

- Kita-/ Hortbetreuung;

- Dependance einer ortsansässigen Grundschule

- soziale Dienstleistungen/ Betreuungsangebote

- Nahversorgungsangebote

- Informationsangebote,

- etc.

Bildungscampus: Mit dem Ziel, die bestehenden Kompetenzfelder

zu stärken und Kitzingen als Bildungsstandort aufzuwerten, ist

in dem hervorragend erschlossenen Eingangsbereich der ehemaligen

Militärfläche die Einrichtung eines Bildungszentrums vorgesehen.

Hier soll unter Einbeziehung vorhandener Gebäudestrukturen

ein neues Bildungs- bzw. Weiterbildungsangebot geschaffen werden,

das einen Bezug zu den Kompetenzfeldern der Stadt aufweist

(Gesundheit, Wein, Gartenbau, Landwirtschaft, etc.). Als Träger

solcher Einrichtungen kämen sowohl öffentliche (Berufsschule,

Fachhochschule, etc.) als auch private (Berufs- bzw. Studienakademie,

Aus- und Weiterbildungszentren, etc.) Anbieter in Frage.

Inhaltlich können folgende Schwerpunkte gesetzt werden:

- Gesundheitskompetenzzentrum: Aufbau eines Kompetenzzentrums

zum Thema Gesundheit mit dem Ziel, Synergien

zum Krankenhaus auszunutzen (ohne in Konkurrenzsituation

zu treten) und die ‚Gesunde Stadt Kitzingen’ weiter zu stärken.

Hier können sowohl berufliche Aus- und Weiterbildungsangebote

als auch Kurse und Lehrgänge (Rückenschule, gesunde

Ernährung, etc.) konzentriert werden. Darüber hinaus können

Informations-, Edutainment- und Verbraucherschutzangebote

mit gesundheitlichem Hintergrund formuliert werden.

- Wein- und Gartenbaukompetenzzentrum: Aufbau eines

Kompetenzzentrums für Wein-, Gartenbau und Landwirtschaft.

Es wäre zu prüfen, inwieweit dies in Ergänzung bzw. Zusammenarbeit

mit dem ortsansässigen Amt für Landwirtschaft, der

Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in

Würzburg sowie der Fach- und Technikerschule in Veitshöchheim

geschehen kann. Eine entsprechende Einrichtung kann

Aus- und Weiterbildungsangebote, Informationsveran-

-

staltungen und eventuell Forschungsaktivitäten umfassen.

Denkbar ist auch die Einrichtung einer privaten Weinakademie.

Weiterbildungszentrum: Ein privates Unternehmen kann hier

professionelle Weiterbildungsangebote in mehreren Berufszweigen

formulieren, die genau auf die Ansprüche und Bedürfnisse

von Unternehmen zugeschnitten werden.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 51


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Durch die Einbeziehung von Bestandsgebäuden und eine punktuelle

Ergänzung soll das neue Bildungszentrum einen Campus-

Charakter bekommen. In exponierter Lage ist der Neubau eines

markanten, turmartigen Büro- bzw. Verwaltungsgebäudes vorgesehen,

das als imageprägender Stadteingang und als repräsentatives

Aushängeschild des neuen Bildungscampus fungieren soll

(Stadttor).

Ergänzend bzw. alternativ zu den Bildungsangeboten kann der

Versuch unternommen werden, sonstige öffentliche oder private

Verwaltungseinrichtungen im Eingangsbereich des Geländes anzusiedeln.

Denkbar sind z.B. Krankenkassen, Berufsgenossenschaften,

Landesinstitute, freie Träger der Jugendhilfe, etc. Vor allem

im Hinblick auf die überdurchschnittlichen Konversionslasten,

die Kitzingen zu tragen hat, müssen entsprechende Gespräche mit

Vertretern des Freistaats geführt werden.

Vernetzung: Der neu entstehende Stadtteil muss vor allem für

Radfahrer optimal mit der Innenstadt vernetzt und in übergeordnete

Wegeverbindungen eingebunden werden. Eine attraktive und

schnelle Verbindung zur Innenstadt soll über durchgehende Wege

entlang des Repperndorfer und des Eherieder Mühlbachs geschaffen

werden (Teilabschnitte sind schon vorhanden). Darüber hinaus

soll ein Anschluss an den zukünftigen Kitzingen-Rundkurs hergestellt

werden, über den eine direkte Verbindung zur Landschaft und

zu den übrigen Stadtteilen besteht.

Mit Hinblick auf die zukünftige Bewohnerstruktur, die langfristig

auch Studenten, Internatsbesucher, Auszubildende oder Berufsschüler

umfassen sollen, ist für das neue Wohngebiet unbedingt

eine schnelle Busverbindung zur Innenstadt und zum Bahnhof

(Stadtbus) anzustreben.

52 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 12: Entwicklungskonzept ‚Am Wacholderberg’

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 53


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.2.4 Air-Park Kitzingen (Harvey-Heights)

Das Gelände der ehemaligen Harvey-Barracks stellt aufgrund seiner

Lage, der zur Verfügung stehenden Fläche und dem vorhandenen

Flugplatz die wichtigste Entwicklungsfläche von Kitzingen

dar. Als östlicher Abschluss des im Leitbild formulierten ‚Produktions-

und Innovationsbandes’ soll das Gelände der ehemaligen

Harvey-Barracks zu einem hochwertigen Gewerbepark entwickelt

werden. Unter Einbeziehung ausgewählter Bestandsgebäude soll

auf ca. 200 ha ein vielseitiges und attraktives Gewerbegebiet entstehen,

das mit einer möglichen Flughafennutzung durch Geschäftsflieger

ein Alleinstellungsmerkmal aufweisen kann. Unter

Berücksichtigung des bestehenden Erschließungsrasters und der

benachbarten FFH-Fläche wurde für das Gebiet eine städtebauliche

Struktur entwickelt, die eine vielseitige Flächennutzung ermöglicht

und durch ihre an ein Flugzeug angelehnte Form zu einer In-

Wertsetzung des gesamten Areals beiträgt. Im Sinne einer Adressbildung

wurde auch ein neuer Name gewählt (‚Air-Park’), der

einerseits auf die bisherige Nutzung hinweist und andererseits

Entwicklungspotenziale für die Zukunft aufzeigt.

Der hochwertige Landschaftsraum des Giltholzes nördlich des Air-

Parks soll in Zukunft entsprechend seiner Potenziale für eine sanfte

touristische Nutzung und zur Naherholung geöffnet werden. Insgesamt

werden mit dem Konzept mehrere Ziele verfolgt:

- Qualifizierung des Wirtschaftsstandortes durch gezielte Stärkung

der Kompetenzfelder (Kompetenzfelder stärken)

- Erhöhung der Attraktivität Kitzingens als Wohn- und Arbeitsstandort

durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze (Wohnstandort

entwickeln)

- Erhöhung der touristischen Attraktivität bzw. Erhöhung von

Besucher- und Übernachtungszahlen (Tourismus ausbauen)

- Imagegewinn der Stadt durch ein attraktives neues Gewerbegebiet

(Qualitäten kommunizieren)

Eine wichtige Voraussetzung zur Entwicklung des Gebietes besteht

in einer umfassenden Untersuchung von Bodenbelastungen

durch Kampfmittel und Altlasten. Nach Abschluss der historischen

Erkundungen für die Harvey-Barracks, bei denen zahlreiche Verdachtsflächen

identifiziert wurden, müssen nun orientierende Untersuchungen

und anschließend Detailuntersuchungen vorgenommen

werden, für die in einer ersten Schätzung mehr als zwei

Jahre veranschlagt wurden. Die Realisierung neuer Nutzungen

steht also in einem direkten räumlichen und zeitlichen Zusammenhang

mit dem Fortgang der Untersuchungen und einer möglichen

Sanierung bzw. Sicherung der Kontaminationen. Ziel muss es sein,

Teilflächen frühzeitig einer Nutzung zuzuführen.

54 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Projektvorschläge:

Harvey Plaza und Erschließung: Die Grundlage für die Erschließung

des zukünftigen Air-Parks bildet zunächst das vorhandene

Straßennetz, das in seinen Querschnitten und seiner Ausbauqualität

jedoch an die zukünftigen Bedürfnisse angepasst werden muss.

Eine neue Straßenführung ist nur in einem Teilbereich im Südwesten

vorgesehen, um hier einen attraktiven und großzugigen Flächenzuschnitt

zu erreichen. Die Anbindung des Gewerbegebietes

an die Staatsstraße 2272, über die eine schnelle Verbindung zur

Autobahn A3 besteht, erfolgt auch in Zukunft über die vorhandenen

Anschlüsse im Osten und Westen des Gebietes. Grundsätzlich

besteht die Option, auf einer bestehenden und bisher militärisch

genutzten Trasse durch das Giltholz einen zusätzlichen Autobahnzubringer

für den Air-Park zu schaffen. Aufgrund der zur

Verfügung stehenden Anschlüsse und der zu erwartenden Beeinträchtigung

des zukünftigen Erholungsgebietes ist eine solche

Verbindung jedoch nicht zu empfehlen.

Das Gebiet selber wird durch eine zentrale Ost-West-Achse erschlossen,

die im Mittelteil so ausgebaut wird, dass sie eine parallele

Führung von Straße und Schiene erlaubt. Die vorhandenen

Gleisanlagen sollen für eine zukünftige Nutzung z.B. durch Logistik-Betriebe

weitestgehend erhalten werden.

Am Schnittpunkt der Haupterschließungsachse mit dem zukünftigen

Kitzingen-Rundweg (Fuß- und Radweg) ist die Anlage eines

Platzbereiches vorgesehen (Harvey-Plaza), der als Zentrum des

Air-Parks fungieren soll und an dem repräsentative Büro- und Verwaltungsgebäude

entstehen sollen. Dieser Platz dient als städtebauliches

‚Rückrat’ des gesamten Gebietes.

Gewerbe und Logistik: Große Bereiche der ehemaligen Harvey

Barracks sollen in Zukunft beräumt und als Gewerbeflächen entwickelt

werden. Prädestiniert für eine solche Nutzung ist besonders

der östliche Teil des Air-Parks, der zu einem hohen Grad versiegelt

ist und einen nicht nachnutzbaren Gebäudebestand aufweist (v.a.

Motorpool). Auf attraktiv geschnittenen und durch schmale Grünzüge

gegliederten Grundstücken können hier- in der Nähe zur Autobahn-

flächenintensive Gewerbe- oder Logistikbetriebe angesiedelt

werden. Denkbar ist die Einrichtung eines Logistikzentrums, in

dem ein professioneller Betreiber flexible Hallen- und Büroflächen,

Abstellkapazitäten sowie logistikbezogene Service- und Dienstleistungen

anbietet.

Gründercampus und Messe: Der westliche Eingangsbereich zum

Air-Park kann aufgrund seiner attraktiven, denkmalwürdigen und

stark durchgrünten Bestandsbebauung eine hohe Ausstrahlungswirkung

für den gesamten Air-Park entfalten. Zur Stärkung des

Wirtschaftsstandortes Kitzingen soll daher an dieser exponierten

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 55


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Stelle ein Existenzgründerzentrum aufgebaut werden, das seinen

thematischen Schwerpunkt- in Abgrenzung zum Technologiezentrum

Würzburg- im Bereich der vorhandenen Kompetenzfelder haben

kann. Innerhalb eines parkartig gestalteten Gebäudekomplexes

(Gründercampus) können Räumlichkeiten, moderne Infrastruktur,

Service- und Beratungsangebote sowie Kommunikationsplattformen

für innovative Jungunternehmen und Start-Ups zur

Verfügung gestellt werden. Als integrierter Bestandteil dieses

Gründerzentrums sollen darüber hinaus Räume geschaffen werden,

in denen kleinere Messen und Präsentationen durchgeführt

werden können, z.B. die Kitzinger Leistungsschau oder Veranstaltungen

im Bereich Gesundheit und Wein. In kleinerem Umfang

müssen hierfür ein Umbau und eine bauliche Ergänzung der bestehenden

Gebäude erfolgen.

Zusätzlich kann der Versuch unternommen werden, im Bereich

des Gründercampus die Wirtschaftsförderung der Stadt, des Landkreises

und der in Form eines repräsentativen Neubaus oder durch

Herrichtung von Bestandsgebäuden räumlich zu konzentrieren.

Ebenso bietet sich der Standort als Verwaltungssitz zukünftiger

Netzwerke oder Cluster an.

Boarding und Dienstleistungen: Unter Ausnutzung der denkmalwürdigen

und größtenteils sanierten Bestandsbebauung kann

im Norden des Air-Park ein Bereich für Dienstleistungen entwickelt

werden. Zusätzlich können in einem Teil der vorhandenen Räumlichkeiten

Übernachtungsmöglichkeiten, Büroräume und Besprechungszimmer

für Geschäftsreisende angeboten werden, die sich

nur für einen beschränkten Zeitraum im Air-Park aufhalten (Boarding-Häuser).

Auch im Zusammenhang mit zeitlich begrenzten

Forschungsprojekten können hier kurzfristig Räumlichkeiten zur

Verfügung gestellt werden.

Forschung- und Entwicklung: Im Süden des Air-Parks in direkter

Nachbarschaft zum Flughafengelände können in Zukunft mögliche

Forschungseinrichtungen im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik

oder Solartechnik angesiedelt werden, die hier eine Möglichkeit für

praktische Forschung bekommen. Außerdem können im direkten

Umfeld zusätzliche Flächen bereitgestellt werden, auf denen zu

Forschungszwecken und/ oder zur kommerziellen Nutzung Solaranlagen

errichtet werden, sowohl als temporäre oder dauerhafte

Nutzung (Solarpark).

Für die zeitlich begrenzte Durchführung von Forschungsprojekten

sollen im Bereich des zukünftigen Gründercampus oder der Boarding-Häuser

Räumlichkeiten in Bestandsgebäuden zur Verfügung

gestellt werden.

Flugbetrieb und Freizeit: In einem ergänzenden Gutachten zur

zukünftigen Nutzung des Flugplatzes wurden die rechtlichen, wirtschaftlichen

und technischen Voraussetzungen für eine Beibehal-

56 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

tung des Flugbetriebes geprüft. Der Flugplatz in Kitzingen soll

demnach in Zukunft den Status eines Sonderlandeplatzes bekommen,

der mit geringem finanziellen Aufwand eine Fortsetzung der

bisherigen Luftsportaktivitäten ermöglichen würde. Darüber hinaus

bestünde die Möglichkeit, den Flugplatz für gelegentliche Geschäftsflüge

zu nutzen und somit die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes

zu erhöhen.

Als integrierter Bestandteil des Air-Parks sollen die für den Flugbetrieb

notwendigen baulichen Anlangen soweit möglich im Umfeld

des Towers konzentriert werden. Als Ergänzung können in diesem

Bereich kommerzielle Freizeiteinrichtungen angesiedelt werden.

Denkbar ist zum Beispiel das Angebot von Hallenfußball- oder

Squash-Plätzen, die auch die vorhandene (und erhaltenswerte)

Sporthalle nutzen können.

Veranstaltungsfläche: Kitzingen verfügt derzeit nicht über die

Möglichkeit, größere und lärmintensivere Freilicht-Veranstaltungen

im Stadtgebiet durchzuführen. Aufgrund wirtschaftlicher und

imagefördernder Effekte, die mit solchen Veranstaltungen verbunden

sein können, soll zwischen der Staatstraße 2272 und der zukünftigen

Gewerbebebauung (vgl. Abb. 13) eine entsprechende

Fläche geschaffen werden. In großer Entfernung zu den nächsten

Wohnbereichen und abgeschirmt durch eine zukünftige Gewerbenutzung

können hier besucherintensive Großveranstaltungen wie

z.B. Rock-Konzerte durchgeführt werden. Temporäre Parkplätze

können entweder als Zwischennutzung auf den Gewerbeflächen

oder auf landwirtschaftlichen Flächen im Umfeld realisiert werden.

Naturerlebniswald-Giltholz: Die bis vor kurzem noch militärisch

genutzten und als FFH-Gebiet eingestuften Waldflächen des

Giltholzes besitzen ein großes Potenzial als Naherholungsgebiet

und für eine ‚sanfte’ touristische Nutzung. Unter dem Titel ‚Naturerlebniswald

Giltholz’ soll in Zukunft durch eine Vielzahl von Angeboten

und Aktivitäten (unter Berücksichtigung einer FFH-

Verträglichkeit) die Einmaligkeit des Naturraums und das Naturerlebnis

in den Vordergrund gerückt werden. Denkbar sind z.B.

- Baumwipfelpfade,

- Lehrpfade (Wald, Tiere, Geologie, etc.),

- Tierbeobachtungsstellen/ Tiergehege,

- markierte Mountainbike-, Fahrrad- und Wanderstrecken,

- Einrichtung eines ‚Wald-Ökotops’ (Freilicht-Informations- und

Bildungseinrichtung für Schulen/ Privatpersonen)

- Waldbodenpfade (Bodenschnitte, Wurzelgänge)

- geführte Themenwanderungen, evtl. auch nachts

Empfohlen wird die Einrichtung eines kleinen Besucherzentrums

durch Umnutzung vorhandener Gebäude oder durch Neubau. Die-

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 57


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

ses Zentrum soll in einen kleinen Eingangsbereich mit Parkplätzen

und gastronomischen Angeboten integriert werden. Als Standorte

kommen sowohl der ehemalige ‚Richthofen Circle’ als auch der Bereich

des ehemaligen Handgranatenfeldes im Osten in Frage.

Motel Giltholz: Mit der Nähe zur Autobahn als Lagegunst kann im

Bereich des ehemaligen Corlette Circles ein Motel aufgebaut werden,

das soweit möglich die bestehende Einzelhausbebauung einbezieht.

Zielgruppe für eine solche Einrichtung wären vor allem

Gewerbetreibende und Geschäftsreisende, die sich nur kurz in Kitzingen

aufhalten oder die Stadt als Zwischenstopp nutzen. Um

diese Zielgruppen zu erreichen muss das Motel an der Autobahnabfahrt

eine eigene Beschilderung erhalten.

Vernetzung: Der Air-Park ist für PKW und LKW sehr gut an die

Innenstadt und die Autobahn angebunden. Mit Hinblick auf eine

touristische Nutzung muss vor allem der Waldbereich für Fußgänger

und Fahrradfahrer in den neu anzulegenden Kitzingen-

Rundweg eingebunden werden.

Die kürzlich reaktivierte Bahnstrecke ist nicht nur für eine gewerbliche

Nutzung des Air-Parks (Berufsverkehr) sondern auch für

Großveranstaltungen oder eine touristische Nutzung des Giltholz

von Bedeutung und soll auf jeden Fall gesichert werden. Die Einrichtung

eines zusätzlichen Haltepunkts im Eingangsbereich des

Naturerlebniswaldes, der auch zur Erschließung des Gewerbeparks

genutzt werden kann, wäre wünschenswert. Darüber hinaus

soll eine ÖPNV-Erschließung des Geländes mit Haltestellen am

Harvey-Plaza und im Eingangsbereich des Giltholzes gewährleistet

werden. Im Zusammenhang mit der Wegevernetzung sind auch

zusammenhängende Grünflächen und Biotopverbünde herzustellen.

58 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 13: Entwicklungskonzept Air-Park

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 59


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.2.5 Klingenberg (Larson Barracks)

Aufgrund seiner attraktiven landschaftlichen und topographischen

Lage und der Nachbarschaft zum Golfplatz besitzt das Gelände

der ehemaligen Larson Barracks ein großes Potenzial für touristische

und freizeitbezogene Nutzungen. Ebenso bietet sich der

Standort für die Entwicklung kleinerer Wohnquartiere an. Ein dringender

Handlungsbedarf ergibt sich aus der zeitnahen Nutzungsaufgabe

des Geländes, die sowohl negative Auswirkungen auf die

vorhandene Bausubstanz und Infrastruktur als auch auf die vorhandenen

und neu entstehenden Wohngebiete (Hammerstielweg)

nach sich ziehen kann (Leerstand als Imageschaden).

Angesichts der vorhandenen Potenziale und Handlungserfordernisse

soll auf dem Gelände der ehemaligen Larson Barracks durch

Rückbau, Neubau und flächenhafte Renaturierung ein neues

Stadtquartier entstehen. Auf ca. 130 ha sollen neue Nutzungen realisiert

werden, die von einem Golfressort über ein neues Wohnquartier

bis zum Aufbau eines Gesundheitszentrums reichen und

die sich um einen neuen Landschaftspark gruppieren. Der neue

Name ‚Am Klingenberg’, der auf der Grundlage benachbarter Flurnamen

zunächst als Arbeitstitel ausgewählt wurde, soll dabei zur

Adressbildung und zur Betonung einer zivilen Nachnutzung beitragen.

Mit der Realisierung der genannten Projekte werden mehrere

Ziele verfolgt:

- Qualifizierung des Wohnstandortes durch die Entwicklung

neuer Flächen und Wohnformen (Wohnstandort entwickeln)

- Erhöhung der Wohn- und Standortqualität durch zusätzliche

Grünflächen und die Aufwertung von Freizeiteinrichtungen

(Wohnstandort entwickeln)

- Erhöhung der touristischen Attraktivität bzw. Erhöhung von

Besucher- und Übernachtungszahlen (Tourismus ausbauen)

- Stärkung von Einzelhandel und Gastronomie in der Innenstadt

durch Synergien mit neuen Nutzungen- Hotelgäste und Besucher

des Gesundheitszentrums als zusätzliche Besucher der

Innenstadt (Innenstadt aufwerten)

- Stärkung der Kompetenzen im Bereich Gesundheit (Kompetenzfelder

stärken)

- Imagegewinn der Stadt durch die Realisierung von Projekten

mit regionaler und überregionaler Ausstrahlung (Qualitäten

kommunizieren)

Die Realisierung neuer Nutzungen steht wie beim Air-Park in einem

direkten räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit dem

Fortgang der Altlastenuntersuchungen und einer möglichen Sanierung

bzw. Sicherung der Kontaminationen. Nach Abschluss der

historischen Erkundungen für die Larson-Barracks, bei denen zahl-

60 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

reiche Verdachtsflächen identifiziert wurden, müssen nun orientierende

Untersuchungen vorgenommen werden, für die eine Dauer

von etwa einem Jahr veranschlagt wird.

Projektvorschläge:

Golfressort Klingenberg: Der 1947 von den Amerikanern gegründete

und in den späteren Jahren weiter ausgebaute Golfplatz

hat für das Freizeitangebot der Stadt eine große Bedeutung. Das

gesamte Areal mit seiner 18-Loch-Golfanlage, dem bestehenden

Clubhaus und dem geplanten Neubau kann in ein touristisches

Gesamtkonzept eingebunden werden, das sowohl die Belange des

örtlichen Golfclubs mit seinen über 700 Mitgliedern als auch übergeordnete

Aspekte berücksichtigt. Angestrebt wird der Aufbau eines

Golfressorts mit überregionaler Bedeutung, das die bestehende

Infrastruktur durch touristische Angebote ergänzt.

Nach einem Abriss der vorhandenen Bebauung soll am westlichen

Rand der ehemaligen Larson Barracks eine großzügige Hotelanlage

entstehen, die durch ihre unmittelbare Nachbarschaft zum Golfplatz

und ein gemeinsames Nutzungsrecht mit dem Club die Möglichkeit

für einen entsprechenden Themenurlaub bietet. Mit Räumlichkeiten

für größere Tagungen und einer moderner Infrastruktur

kann darüber hinaus eine Angebotslücke in Kitzingen geschlossen

werden. Südlich des Hotels ist die Anlage von Ferienwohnungen

vorgesehen, die ebenfalls unter dem Aspekt ‚Golfurlaub’ vermarktet

werden können. Inwieweit einzelne Bestandsgebäude in die Anlage

integriert werden können muss im Rahmen einer vertiefenden

Untersuchung geprüft werden.

Der Golfplatz selber kann nach einem Rückbau der militärischen

Bunkeranlagen in seinem Zentrum und einer Beseitigung möglicher

Altlasten in diesem Bereich erweitert werden. Denkbar ist die

Anlage eines Kurzplatzes als Einstieg für Anfänger oder als kurze

Spielmöglichkeit für erfahrene Golfspieler. Ebenso kann die vorhandene

Anlage durch zusätzliche Bahnen ergänzt oder durch den

Umbau der vorhandenen aufgewertet werden.

Nach einem Neubau des Vereinsheims kann das bestehende Gebäude

durch ein Restaurant bzw. Café nachgenutzt werden (Golfrestaurant).

Das zukünftige Golfressort Klingenberg soll den Aspekt einer zivilen

Nachnutzung mit der Schaffung einer touristischen Attraktion

verbinden. Durch eine hochwertige Gestaltung und Vermarktung

soll der Standort eine überregionale Bedeutung erlangen und neben

den damit verbundenen wirtschaftlichen Aspekten auch zu einem

Imagegewinn der Stadt beitragen.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 61


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Gesundheitszentrum Klingenberg: In attraktiver Lage auf dem

‚Klingenberg’ (eigene Namensgebung) und in direkter Nachbarschaft

zum zukünftigen Landschaftspark ist der Aufbau eines Gesundheitszentrums

geplant, in dem verschiedene gesundheitsbezogene

Angebote zusammengefasst und gemeinsam vermarktet

werden können. Ein solches Zentrum soll die vorhandenen Kompetenzen

ergänzen und zu einer Erhöhung der Lebensqualität beitragen

(‚Gesunde Stadt’). Darüber hinaus sollen die neuen Angebote

auch zusätzliche Besucher aus der Region ansprechen, wodurch

Synergien mit anderen Themenfeldern aufgebaut werden

können (Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Freizeit). Das Gesundheitszentrum

Klingenberg kann folgende Angebote umfassen:

- ambulante Rehabilitationseinrichtungen (Reha-Klinik)

- private Spezialkliniken (Schönheitschirugie, Zahnklinik, etc.) in

Ergänzung zum bestehenden Kreiskrankenhaus

- Zentrum für fernöstliche Medizin (Akkupunktur, ganzheitliche

Medizin, Tai-Chi-Zentrum, etc.)

- ärztlich betreutes Fitnesscenter

- Wellnessangebote (ergänzendes Angebot zum Bäderpark)

- Schulungs-, Therapie- und Weiterbildungsangebote

- Gastronomische Angebote

Bestimmte Infrastruktureinrichtungen innerhalb der Anlage können

durch die unterschiedlichen Einrichtungen gemeinsam genutzt

bzw. betrieben werden, wie z.B. Verwaltung, Empfangsbereich,

Schulungsräume, etc. Das vorhandene Schwimmbecken und die

Sporthalle können ebenso wie einzelne Bestandsgebäude in das

Gesundheitszentrum integriert werden.

Im Hinblick auf die zukünftige Nutzung können Synergien zwischen

dem Gesundheitszentrum und dem Golfressort entstehen. Denkbar

ist z.B. eine gemeinsame Nutzung von Gastronomie, Tagungskapazitäten

sowie Sport- und Wellnessangeboten.

Landschafts- und Erholungspark Klingenberg: Große Bereiche

der ehemaligen Larson-Barracks sind aufgrund der Nutzungsansprüche

benachbarter Einrichtungen (Golfressort, Gesundheitszentrum,

Wohnen) aber auch aufgrund der minderwertigen Gebäudestruktur

nicht für eine Nachnutzung vorgesehen. Im Zentrum

des Gebietes soll der ehemalige Motorpool flächenhaft zurückgebaut,

entsiegelt und von Altlasten befreit werden. An gleicher Stelle

ist die Anlage eines Landschafts- und Erholungsparks vorgesehen,

der für die umliegenden Nutzungen einen attraktiven Freiraumbezug

herstellt und so zu einer deutlichen Aufwertung des Standortes

beiträgt. Die zeitnahe Realisierung des Landschaftsparks ist für die

Entwicklung der Gesamtmaßnahme von großer Bedeutung, da die

Bestandsbebauung eine äußerst negative Wirkung auf die übrigen

Nutzungen entfalten würde (Golfressort, Wohnen, Gesundheits-

62 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

zentrum) und einer effektiven Vermarktung entgegen stünde. Zur

Umsetzung des Projektes können die erforderlichen Maßnahmen

wie z.B. die Entsiegelung oder Bepflanzung von Flächen Eingriffen

an anderer Stelle als Ausgleichsmaßnahmen zugeordnet werden,

Ihre Durchführung muss dann vertraglich abgesichert werden.

Wohnen am Klingenberg: In attraktiver Lage auf der Kuppe des

‚Klingenberg’ und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neubaugebiet

Hammerstielweg soll auf einer ca. 7 ha großen Fläche ein attraktives

Wohnquartier entstehen, das sich zum nördlich angrenzenden

Landschafts- und Erholungspark öffnet. In zwei stufenweise

entwickelbaren Baufeldern, deren Erschließung sich an den

vorhandenen Straßenzügen orientiert, sollen durch Abriss und

Neubau unterschiedliche Wohnqualitäten erreicht werden:

- Wohnen am Park: Unter Ausnutzung der hohen Lagequalität

sollen in unmittelbarer Nachbarschaft zum neu zu gestaltenden

Landschaftspark hochwertige Einfamilienhäuser und kleinerer

Stadtvillen entstehen, die über attraktive Sichtbeziehungen

Richtung Süden verfügen.

- Familienwohnen/ Selbständiges Wohnen im Alter: Mit dem

Neubau preiswerter Einfamilienhäuser/ Doppelhäuser und evtl.

kleinerer Reihenhausgruppen und der Schaffung einer entsprechenden

Infrastruktur (Spielplätze, Betreuung, Verkehrsberuhigung)

sollen vor allem junge Familien angesprochen

werden, bei denen in der Vergangenheit ein zunehmender

Wegzug zu beobachten war. Daneben sollen auch neue

Wohnformen integriert werden, die ein selbständiges Wohnen

im Alter ermöglichen, wie z.B. altersgerechte Einfamilienhäuser

mit kleinen Gärten oder kleinere Hausgruppen bzw. Mehrfamilienhäuser

mit barrierefreien und flexiblen Grundrissen. Ein

solches Angebot, das durch mobile Betreuungs- und Versorgungsmöglichkeiten

ergänzt werden muss, richtet sich speziell

an Personen, die auch im Alter ein Leben außerhalb des Stadtzentrums

und in den eigenen ‚Vier Wänden’ bevorzugen.

Grundsätzlich ist die Entwicklung des neuen Wohnquartiers sowohl

zeitlich als auch quantitativ auf den Wohnungsmarkt Kitzingens

abzustimmen. In diesem Zusammenhang ist es zu empfehlen,

dass Neubaumaßnahmen im Bereich ‚Klingenberg’ mit punktuellen

Rückbaumaßnahmen im übrigen Stadtbereich (z.B. Siedlung Nord)

zeitlich und sachlich verknüpft werden.

Vernetzung:

Durch den Steigweg und die Johann-Adam-Kleinschroth-Straße ist

der ‚Klingenberg’ für PKW gut an die Innenstadt angeschlossen.

Für Fahrradfahrer und Fußgänger wäre es wünschenswert, den

neuen Stadtteil schnell und attraktiv mit dem Bahnhof und der Innenstadt

zu vernetzen. Hierfür soll eine neue Wegeverbindung ge-

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 63


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

schaffen werden, die im Bereich des Bahnhofs als Unterführung

gestaltet wird (mit Zugang zu den Gleisen). Vor dem Hintergrund

einer touristischen Nutzung und zur Ausnutzung von Synergien

muss der ‚Klingenberg’ darüber hinaus in ein übergeordnetes Wegesystem

eingebunden werden, d.h. in den neu zu schaffenden

Kitzingen-Rundweg’.

Abb. 14: Entwicklungskonzept Klingenberg

64 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.2.6 Siedlung

In der jüngsten Vergangenheit wurde er der Stadtteil Siedlung als

Bereich mit erhöhten sozialen Problemen bezeichnet, vor allem

aufgrund von verhaltensauffälligen Jugendlichen, Belästigungen,

Jugendkriminalität und Drogen. Besonders das Fehlen eines Zentrums,

einer zentralen Anlaufstelle für Jugendliche und Erwachsene,

wurde bemängelt. Für eine abschließende Beurteilung der tatsächlichen

Problemlage ist es erforderlich, den bisher vorwiegend

subjektiven Einschätzungen eine verlässliche Datenbasis gegenüberzustellen.

Sollte eine entsprechende Analyse ergeben, dass

die sozialen Missstände im Stadtteil die Voraussetzungen für das

Programm ‚Soziale Stadt’ (vgl. § 171e BauGB) erfüllen, muss zunächst

ein integriertes Handlungskonzept entwickelt werden, das

dann die Grundlage für die Durchführung von investiven und sonstigen

Maßnahmen bildet. Diese müssen das Ziel verfolgen,

- die baulichen und sozialen Strukturen im Stadtteil zu stabilisieren

und die Wohn- und Standortqualität zu erhöhen (Wohnstandort

entwickeln).

Eine zusätzliche Aufwertung wird der Stadtteil durch die Realisierung

von Projekten in den angrenzenden Schwerpunktbereichen

erfahren, beispielsweise durch die Weiterentwicklung des Sportparks

Sickergrund oder die Anlage von Fuß- und Radwegen entlang

der Bachräume.

Projektvorschläge:

Vertiefende Situationsanalyse: Im Rahmen einer vertiefenden

Situationsanalyse (Auswertung/ Erhebung statistischer Daten, Umfragen,

sonstige Untersuchungen) soll geprüft werden, inwieweit

der Stadtteil Siedlung oder Teile davon die Voraussetzungen für

das Programm ‚Soziale Stadt’ erfüllen.

Integriertes Handlungskonzept:

Sofern die baulichen, sozialen und wirtschaftlichen Missstände im

Stadtteil den Einsatz stabilisierender Maßnahmen erforderlich machen,

muss für den betreffenden Bereich ein integriertes Handlungskonzept

erarbeitet werden, das folgende Punkte umfassen

kann:

- Gestaltung von Wohnumfeld und öffentlichem Raum

- Maßnahmen zur Bildung/ Qualifizierung

- Integrationskonzepte

- Kulturelle Projekte

- Qualifizierung von Sport- und Freizeitanlagen

- Soziale Maßnahmen

- Qualifizierung des Wohnungsmarktes (Umbau/ Rückbau)

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 65


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Punktueller Rückbau:

Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes muss geprüft

werden, inwieweit durch den punktuellen Rückbau einzelner

Wohnobjekte mit einem schlechten baulichen Zustand und einem

überdurchschnittlichen Wohnungsleerstand das Quartier insgesamt

aufgewertet werden kann. Grundsätzlich muss der Abriss von

Gebäuden mit einer Aufwertung der frei werdenden Flächen und

der umgebenden Quartiere einhergehen. Ebenso muss der Wohnungsrückbau

zeitlich und sachlich mit Neubaumaßnahmen in den

Konversionsflächen (Am Wacholderberg, Klingenberg) verknüpft

werden.

Quartierszentrum:

Sollte sich aus der vertiefenden Situationsanalyse der Bedarf für

einen integrierten Handlungsansatz für den Stadtteil oder einzelne

Quartiere ergeben, so besteht eine wichtige Aufgabe in der Schaffung

einer zentralen Anlauf- und Organisationsstelle für Bürger

(Quartierszentrum). In einem solchen Zentrum können soziale, beschäftigungs-,

bildungs- und freizeitbezogene Angebote konzentriert

werden. Als Sitz eines zukünftigen Quartiersmanagements

kann es darüber hinaus als Treffpunkt und Kommunikationsplattform

fungieren und mit einem attraktiven Einzelhandelsangebot

kombiniert werden.

66 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Abb. 15: Entwicklungskonzept Siedlung

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 67


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

5.3 Vision 2020

Kitzingen entwickelt sich. Mit der Konversion der ehemaligen Militärstandorte,

der Aufwertung der Innenstadt und der Entwicklung

des Mainraums bietet sich die Chance, die Stadt als Zentrum der

Region und als attraktiven Wohn- und Arbeitsstandort neu zu positionieren.

Die im Rahmen des Integrierten Entwicklungskonzeptes

vorgestellten Projektideen und Handlungsansätze verfolgen dabei

die Vision einer lebenswerten, lebendigen und innovativen Stadt,

die sowohl für Touristen als auch für Unternehmen eine hohe Ausstrahlungswirkung

entfaltet. Die Realisierung der erarbeiteten Konzepte

kann dazu führen, dass im Jahr 2020….

- die neuen Wohnangebote auf dem Klingenberg und dem Wacholderberg

zahlreiche Neu-Kitzinger in die Stadt ziehen und

die Bevölkerung dadurch leicht anwächst.

- die Wohnzufriedenheit aufgrund neuer Wohn- und Freizeitangebote,

attraktiver Landschaftsräume und einem positiven

Image deutlich angestiegen ist.

- die Mainpromenade mit Biergärten, kulturellen Angeboten und

attraktiven Aufenthaltsflächen zu einem lebendigen Ort der

Begegnung entwickelt wurde.

- die Durchführung der Kleinen Gartenschau zu einer dauerhaften

Aufwertung des östlichen Mainufers beigetragen und die

Bekanntheit der Stadt erhöht hat.

- Kitzingen mit seinem Golfressort zum Zentrum des Golfsports

in Franken avanciert ist.

- der neue Bäderpark mit seinen attraktiven Freizeit- und Wellnessangeboten

neue Besucher in die Stadt zieht.

- zahlreiche Radtouristen und Einwohner die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten

auf dem neu errichteten Kitzingen-Rundweg

und den Bach begleitenden Wegen erleben und sich Kitzingen

zum Zentrum des regionalen Wander- und Fahrradtourismus

entwickelt.

- die Stadt mehrmals täglich von der Mainschifffahrt angefahren

wird und zusätzliche Touristen in die Altstadt und das Aktivitätenband

bringt.

- die Besucher- und Übernachtungszahl Kitzingens durch die

neuen Hotelstandorte und zusätzliche Attraktionen deutlich

steigt.

- regelmäßig publikumswirksame Veranstaltungen in der neuen

Mainhalle und auf der Fläche am Air-Park durchgeführt werden.

- die Deutschlandtour mit einem Zeitfahren Rund um Kitzingen

in der Stadt Station macht.

-

68 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

- sich das Bürgerbräu mit seinen Shopping-Angeboten, dem

neuen Fitnesscenter und der Kinderbetreuung zum wichtigsten

Magneten in der Innenstadt entwickelt und zur Belebung der

gesamten Fußgängerzone beigetragen hat.

- der Air-Park mit seiner hohen Standortqualität, einem hochwertigen

Erscheinungsbild und dem benachbarten Flugplatz neue

Unternehmen angelockt hat.

- zahlreiche Kitzinger mit Hilfe des Gründerzentrums eine eigene

Existenz aufgebaut haben

- eine jährliche Weinzubehörsmesse und eine Gesundheitsmesse

in Kitzingen installiert werden konnte.

- ein kleinerer Forschungsstandort in Kitzingen etabliert wurde.

- die Stadt durch ein privates Internat und den neuen Campus

zu einem weiteren Bildungszentrum in der Region avanciert ist.

- sich Kitzingen durch gesundheits- und wellnessbezogene Einrichtungen

und neue Bildungsangebote zum wichtigsten Gesundheitszentrum

der Region entwickelt.

- durch die Entwicklung der Konversionsflächen, die Ansiedlung

neuer Unternehmen und die Realisierung von Leuchtturmprojekten

der Imagewandel von der Garnisons- zur Innovationsstadt

erreicht werden konnte.

5.4 Projektübersicht

In der folgenden Tabelle sind alle im Rahmen des Entwicklungskonzeptes

vorgeschlagenen Projekte aufgelistet und hinsichtlich

ihrer möglichen Wirkung auf die Handlungsfelder bewertet. Differenziert

wird dabei zwischen direkten und indirekten Wirkungszusammenhängen.

Zur besseren Übersichtlichkeit werden die Projekte

nach ihrer Art in Impulsprojekte und flankierende Projekte unterschieden.

Während es sich bei ersteren um komplexe Aufgaben

handelt, die potenziell eine Initialwirkung für den jeweiligen Handlungsschwerpunkt

entfalten können, werden in der zweiten Kategorie

solche Projekte zusammengefasst, die eine eher unterstützende

und ergänzende Funktion besitzen. Unter dem Titel ‚Übergeordnete

Projekte’ sind Projekte aufgeführt, die keinen räumlichen

Bezug aufweisen oder sich nicht direkt einem räumlichen Handlungsschwerpunkt

zuordnen lassen.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 69


Projekte

Impulspr.

Flankierende Projekte

Impulsprojekte

Flankierende Projekte

Impulspr.

Flankierende Projekte

ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Innenstadt

Mögliche Wirkung

auf Handlungsfelder

(++ direkt/ + indirekt)

Shoppen & Wohnen (Bürgerbräu) ++ ++ +

Aufbau City-Management ++

Stadterweiterung Deuster-Park ++ ++

Bahnhofsumfeld/ Bahnhofsachse + +

Bausubstanz/ Stadttore ++ ++

Inszenierung der Altstadt ++ ++ +

Fußgängerzone ++ +

Museumsnetz + ++

Stadtrouten ++ + ++

Mainpromenade

Promenade ++

Hotel Mainblick + ++ ++ +

Kulturbrauhaus + + ++

Kulturzentrum an der Synagoge ++ + ++

Fischereimuseum/ Loftwohnen + ++ ++

Stadtkulisse/ Stadttor ++ + + +

Bier- und Weingarten Altstadtufer ++ + +

Anlegestelle + ++

Stadteingang + +

Mainfähre + + ++

Inszenierung + ++ +

Vernetzung + + +

Aktivitäts- und Freizeitband

Bäderpark + ++ +

Wassersportzentrum ++

Veranstaltungshalle + ++ +

Tierhof Galgenmühle ++ +

Gartenmeile ++ + +

Sportpark Sickergrund + ++

Grüne Brücke/ Querungshilfe + +

Radlercafé ++

Stadttor/ Stadtbalkon ++ +

Sport- und Spielbereich + +

Externe Anbindung/ Bachräume + +

70 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


Projekte

Impulsp.

Flankierende Pr.

Impulspr.

Flankierende Projekte

Impulspr.

Flank. P.

Impulspr.

ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

Mögliche Wirkung

auf Handlungsfelder

(++ direkt/ + indirekt)

Am Wacholderberg

Wohnen am Wacholderberg ++

Bildungscampus + ++ +

Waldschule +

Bürgerzentrum ++

Quartierspark und Grüner Gürtel +

Vernetzung + +

Air-Park

Gründercampus und Messe ++

Gewerbe und Logistik ++

Forschung- und Entwicklung ++

Harvey Plaza und Erschließung ++

Boarding und Dienstleistungen ++

Flugbetrieb und Freizeit + + +

Veranstaltungsfläche ++

Naturerlebniswald-Giltholz + ++

Motel Giltholz: ++

Vernetzung +

Klingenberg

Golfressort Klingenberg ++ +

Gesundheitszentrum Klingenberg + ++

Wohnen am Klingenberg ++

Landschafts- und Erholungspark + +

Vernetzung + + +

Siedlung

Vertiefende Situationsanalyse +

Punktueller Rückbau +

Quartierszentrum +

Übergeordnete Projekte

Regionale Kooperation ++

Standortmarketing ++

Mainfähre + ++

Kitzingen-Rundweg + ++

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 71


ISEK Kitzingen Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept

72 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

6 Maßnahmenkatalog und Organisation

6.1 Prioritätenbildung für Projekte

Die im integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept definierten

Projektideen wurden bereits mit Blick auf ihre Wirkung zur Beeinflussung

und Steuerung der Handlungsfälle des Leitbildes dargestellt.

Insgesamt wurden 54 Projektideen unterschiedlichen Konkretisierungsgrades

formuliert. Um die zu Anfang angesprochene

Umsetzungsorientierung des weiteren ISEK-Prozesses zu betonen

sowie organisatorische, wirtschaftliche und terminliche Arbeitspakete

zu formulieren, ist die Bildung von Prioritäten erforderlich. Nur

so ist im weiteren Koordinierungs- und Managementprozess eine

angemessene Bearbeitung möglich. Die Prioritäten, die an dieser

Stelle im Rahmen der Diskussion und Bewertung erfolgt sind, sind

nicht als absolute Festsetzung zu verstehen, da sich schrittweise

die Prioritäten von Projekten und Maßnahmen verschieben können.

Insoweit dient der hier vorgelegte Maßnahmenkatalog als

Handlungsrahmen, der eine laufende Überprüfung und Abwägung

erfordert.

Methodisch wurde die Prioritätenbildung in zwei Ebenen aufgeteilt:

Ebene 1: Wichtigkeit des Projekts im Sinne des ISEK

– Wirkung auf eines oder mehrere der Handlungsfelder

– Handlungsbedarf aufgrund von Defiziten und Missständen

– Schnittstellen und Synergien zu vorhandenen Prozessen

und Aktivitäten

– Sicherung von zukünftigen Entwicklungspotenzialen

Ebene 2: Dringlichkeit

– Kurzfristig erforderliche vorbereitende Maßnahmen

– Sicherung von Fördergeldern

– Erhaltung und Stärkung von Engagement und Partnerschaften

– Bindung von Fachkompetenzen und Interessenten

Durch einen Bewertungsprozess wurden den genannten Faktoren

der beiden Ebenen Punktewerte in Form von Noten zugeordnet

und diese gewichtet. Die entsprechende Selektion der Höchstpunktzahlen

der beiden Ebenen führte zu einer Bestimmung der

Projekte der Priorität A (siehe Anlage).

Die Beurteilung stellt aus Sicht Drees & Sommer und der Planungsgruppe

p4 die bedeutendsten Projekte für den beginnenden

ISEK-Prozess dar, wobei dies nicht ausschließt, dass die sonstigen

Projekte nicht bearbeitet werden müssen oder sich nicht in der

Priorität Verschiebungen ergeben können.

54 Projektideen

Prioritätenbildung aufgrund

von Wichtigkeit

und Dringlichkeit

Bewertung durch

Punktvergabe und

Gewichtung

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 75


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Projekte der Priorität A

Übergeordnet

- Organisationsstrukturen

- Standortmarketing / Kommunikation

Innenstadt

- Shoppen und Wohnen im Bürgerbräu

- Aufbau eines City-Managements

- Bahnhofsumfeld / Bahnhofsachse

- Fußgängerzone

Mainpromenade

- Promenade

- Wohn- und Hotelkomplex Mainblick

Aktivitätenband

- Bäderpark

- Veranstaltungshalle

Wacholderberg

- Vorbereitende Planungen

- Bildungscampus

Airpark

- Vorbereitende Planungen

- Gründercampus / Messe

- Flugbetrieb und Freizeit

- Gewerbe und Logistik

- Forschung und Entwicklung

Klingenberg

- Vorbereitende Planungen

- Gesundheitszentrum

Siedlungs-Nord

- Vertiefende Situationsanalyse

76 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

6.2 Maßnahmenkatalog

Der Maßnahmenkatalog strukturiert die formulierten kurzfristigen

Maßnahmen und Aktivitäten (2007/2008) für die ausgewählten

Projekte. Sie werden geordnet nach den jeweiligen Handlungsschwerpunkten.

Die Datenblätter des Maßnahmenkatalogs werden projektweise

aufgestellt und stellen folgende Inhalte dar:

Name Inhalt

� Projektziele

Beschreibung des Ziels

� Projektbeteiligte

� Verantwortlichkeit

� Maßnahme

� Kategorie

� Zuständigkeit

� Kosten der Maßnahme

� Bearbeitungszeitraum

� Förderprogramm

� Förderquote

� Leistungen

� Bewertung

Mögliche Projektgruppe

Steuerung des Projektes

Kurzname der Maßnahme

Einordnung bezgl. Förderfähigkeit

Kostenträger / Auftraggeber

Schätzung Budget soweit möglich

Geschätzter Zeitrahmen

Zuordnung soweit möglich (zu prüfen)

Landesanteil in %

Beschreibung Leistungsbausteine

Einordnung in ISEK –Gesamtprozess

Die Ausformulierung der Ziele des Projektes und jeweiligen Maßnahme

soll bei der Vorbereitung und gegebenenfalls bei der Definition

erforderlichen Leistungen helfen, ersetzt jedoch nicht die weitergehende

inhaltliche Prüfung. Nachfolgende Liste stellt die projektbezogenen

Maßnahmen im Überblick nach Handlungsschwerpunkten

dar. Als einer der wichtigsten Bestandteile des ISEK werden

die definierten Maßnahmen als Katalog in der Anlage abgebildet.

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 77


Übergeordnet

Innenstadt

Mainpromenade

Aktivitätenband

ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Projekt Maßnahme

Organisationsstrukturen – Klärung interne Organisationsstrukturen Stadt

– Auswahl von Partnern


Konzeption, Abstimmung und Erstellung Organisationshandbuch

Standortmarketing / Kommunikation – Bestandsaufnahme und Struktur der Kommunikation

Erarbeitung Standortmarketingkonzeption (gemeinsam

– mit Unternehmen und Vereinen)

– Erstellung Standortbroschüre

– Marketingplanung und Budgetierung

– Investoren- und Nutzeransprache und-betreuung

Shoppen und Wohnen im Bürgerbräu – Machbarkeitsstudie / Abwicklungskonzept Gesamtprojekt

– Unterstützung Planung und Vermarktung

– Erwerberauswahlverfahren / Wettbewerbe

Unterstützung und Ausweitung des bestehenden Stadt-

Aufbau eines City-Managements – marketings

– Aufbau Kommunikationsnetzwerk

Bahnhofsumfeld / Bahnhofsachse

Erarbeitung Gestaltungskonzept Bahnhofsumfeld mit Ver-

– knüpfung Stadt

– Verhandlungen Aurelis / DB AG

– Erarbeitung Kosten- und Terminplanung

Fußgängerzone – Planung und Umsetzung von gestaltenden Maßnahmen

Promenade – Erarbeitung städtebaulicher Entwurf / ggf. Wettbewerb

– Machbarkeitsprüfung Einzelprojekte

Wohn- und Hotelkompex Mainblick – Expertengespräche und Gutachten

– Machbarkeitsstudie / Alternativen

– Architektenwettbewerb

Bäderpark – Erarbeitung Gesamtkonzeption / Einbindung Planungen

– Vorbereitung Bebauungsplan

– Prüfung ergänzende Elemente mit touristischem Aspekt

Veranstaltungshalle – Machbarkeitsstudie / Betriebskonzept

– Architektenwettbewerb

78 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


Am Wacholderberg

Klingenberg

Air-Park

Siedlung

ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Projekt Maßnahme

Vorbereitende Planung – Bestandssicherungsmaßnahmen

Zwischennutzungskonzeption /

– Betreuung Interessenten

– Machbarkeitsstudie ‚Am Wacholderberg’

– Bestandsaufnahme / Grobkonzept Infrastruktur

Bildungscampus – Workshop / Ideenfindung / Unternehmensnetzwerk

– Konzeption und Prüfung Flächenbedarf

– Finden und Bindung von Partnern

Vorbereitende Planung – Bestandssicherungsmaßnahmen

– Altlastenerkundung und Sanierungsprogramm

– Zwischennutzungskonzeption / Betreuung Interessenten

– Machbarkeitsstudie ‚Am Klingenberg’

Gesundheitszentrum – Workshop / Ideenfindung / Unternehmensnetzwerk

– Konzeption und Prüfung Flächenbedarf

– Finden und Bindung von Partnern

Vorbereitende Planung – Bestandssicherungsmaßnahmen

– Zwischennutzungskonzeption / Betreuung Interessenten

– Machbarkeitsstudie ‚Air-Park’

– Bestandsaufnahme / Grobkonzept Infrastruktur

Gründercampus und Messe – Workshop / Ideenfindung / Unternehmensnetzwerk

– Konzeption und Prüfung Flächenbedarf

– Finden und Bindung von Partnern

Flugbetrieb und Freizeit – Gutachterliche Bewertung

– Beantragung und Betriebskonzeption

Gewerbe und Logistik – Prüfung Verfügbarkeit und Nutzung Teilflächen

– Wirtschaftsförderung / Gewerbeansiedlungspolitik

Forschung und Entwicklung – Workshop / Ideenfindung / Unternehmensnetzwerk

Vertiefende Situationsanalyse – Maßnahmenplanung

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 79


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Betrachtung von Projekträumen

Gesamtkoordination durch

Steuerungsgruppe

nach Projekträumen

differenzierte Organisationsstrukturen

6.3 Vorschläge Organisationsstrukturen

Die definierten Handlungsschwerpunkte im Rahmen des integrierten

städtebaulichen Entwicklungskonzeptes für die Stadt Kitzingen

weisen vier thematische und mit Blick auf die Organisationserfordernisse

unterschiedliche Themenbereiche auf. Sie werden im

Folgenden als „Projektraum“ bezeichnet.

– Projektraum Konversion

– Projektraum Konversion/Promenade

– Projektraum Aktivitätenband/Gartenschau

– Projektraum Siedlung Nord

Für die Projekträume sind einzelne Organisationsstrukturen zu

entwerfen. Der Prozess des ISEK kann durch eine Steuerungsgruppe

koordiniert und zusammengeführt werden. Die genaue Besetzung

dieser Steuerungsgruppe muss zwischen den Beteiligten

abgestimmt werden. Die Geschäftsführung dieser Steuerungsgruppe

kann zunächst in Form einer Geschäftsbesorgung durch

externe Dienstleister oder durch die gemeinsame Bestimmung eines

bevollmächtigten Vertreters der Stadt Kitzingen übernommen

werden.

Für den Projektraum Konversion wird eine Entwicklungsgesellschaft

in Abstimmung mit dem Freistaat Bayern empfohlen. Die

Bereiche Innenstadt / Promenade / Aktivitätenband / Gartenschau

können durch einen ‚Kümmerer’ geleitet und koordiniert werden.

Hier wird der Schwerpunkt auf städtischen Projekten und Prozessen

liegen, in die Vereine und Beteiligte eingebunden werden, sowie

die Schnittstellen zur Gartenschau 2011 abgedeckt werden.

Für den Projektraum Siedlung Nord muss im Rahmen einer vertiefenden

Situationsanalyse zunächst geprüft werden, inwieweit die

sozialen Verhältnisse die Durchführung weitergehender Maßnahmen

erforderlich machen. Für die Organisation eines solchen Prozesses

(Soziale Stadt) wird die Einrichtung eines Quartiersmanagements

empfohlen, das die Schnittstelle zwischen der Verwaltung

und Politik sowie den Akteuren vor Ort sicherstellt.

80 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


Projektraum

Akteur

Aktivitäten

ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Steuerungsgruppe ISEK

(Treuhänder)

KONVERSION INNENSTADT / AKTIVITÄTEN-

PROMENADE BAND /

GARTENSCHAU

Entwicklungs-

Gesellschaft

• Organisation

•Strategie

• Projektentwicklung

• Finanzierung

• Wirtschaftlichkeit

• Marketing

•Vertrieb

Stadt Kitzingen

und Dritte (Private,

Vereine…)

• Städtebau/Baurecht

• Projektmanagement

•Stadtmarketing

• Kommunikation

• Öffentlichkeitsarbeit

• Investorenbetreuung

• Verfahren /

Wettbewerbe

•usw.

Abb. 16: Vorschlag Organisationsstruktur ISEK

Gartenschaugesellschaft

und

Folgegesellschaft

• Wettbewerb

• Planung und

Durchführung GS

• Projektmanagement

•Tourismusmarketing

• Planung und

Umsetzung Projekte


SIEDLUNG-NORD

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 81

BIMA

Landkreis

Kitzingen

Freistaat

Bayern

Regierung

Unterfranken

Quartiersmanagement

(Verein)

• Bedarfsanalyse

• Planung und

Koordination

• Bürgerbeteiligung

• Projektgruppen

• Implementierung

• Versorgungsinfrastruktur

• Soziale Infrastruktur


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

hoher Fördermittelbedarf

Fördermöglichkeit bei

vielen Maßnahmen

gegeben

flexible Auslegung von

Förderrichtlinien

Einbeziehung privater

Mittel

6.4 Förderkulisse Stadtumbau West/

Stadtumbaugebiete/

Förderung im Rahmen von Stadtumbau West

Angesichts der knappen finanziellen Ressourcen ist die Stadt bei

der Umsetzung der vorgeschlagenen Projekte nicht nur auf die

Einbeziehung privater Gelder sondern auch auf öffentliche Fördermittel

angewiesen. Das wichtigste Förderprogramm in diesem

Zusammenhang ist das Bund-Länder-Programm ‚Stadtumbau

West’, in dem auch 2006/2007 noch umfangreiche Mittel zur Verfügung

stehen. Der Vorteil für Kitzingen im Vergleich zu anderen

Kommunen besteht vor allem darin, dass beim Stadtumbau – anders

als bei der konventionellen Städtebauförderung- nur wenige

Städte in Franken in ‚Konkurrenz’ stehen und Kitzingen noch eine

Art ‚Alleinstellungsmerkmal’ besitzt.

In einem Gespräch mit der Regierung von Unterfranken wurde diskutiert,

inwieweit die Maßnahmen des ISEK im Rahmen von Stadtumbau

West förderfähig sein können. Als Ergebnis kann festgehalten

werden, dass voraussichtlich für eine große Zahl von Projekten

Fördermittel beantragt werden können- grundsätzlich sind jedoch

keine Pauschalaussagen möglich. Bei den meisten Projekten muss

eine Einzelfallprüfung erfolgen. Zur besseren Übersichtlichkeit

wurden die im Rahmen des ISEK vorgeschlagenen Maßnahmen in

dreizehn Kategorien zusammengefasst und hinsichtlich ihrer Förderfähigkeit

bewertet. Diese Bewertung stellt eine erste grobe Einschätzung

dar, die jeweils von Fall zu Fall konkretisiert werden

muss.

Da der ‚Stadtumbau West’ grundsätzlich als ‚Lernendes Programm’

angelegt ist, sollen die im Rahmen der Umsetzung gemachten

Erfahrungen in die Weiterentwicklung des Programms

einfließen und in Abstimmung mit der Regierung von Unterfranken

zu einer Anpassung und flexiblen Auslegung der Förderrichtlinien

verwendet werden.

Trotz der Verfügbarkeit von Fördermitteln werden für die Stadt

durch den erforderlichen Eigenanteil (Förderquote 60:40 zwischen

Freistaat und Kommune) hohe Kosten entstehen, die in den Haushalt

eingestellt werden müssen. Um den finanziellen Aufwand für

die Stadt zu minimieren sollen die Stadtumbaumittel soweit möglich

mit privaten Mittel ergänzt werden.

82 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Tab. 1: Förderfähigkeit von Stadtumbaumaßnahmen

Maßnahmenkategorie Beispiel Förderfähigkeit Einschränkungen

informelle Planung EK Bürgerbräu grundsätzlich ja möglichst Einbeziehung privater

Gelder

formelle Planung B-Plan Kaserne teilweise größere B-Pläne, keine

FNP-Änderungen

Organisation/ Aufbau von

Strukturen

Umbau/ Aufwertung von Gebäuden

Organisation

Stadtumbau

Umbau Kasernengebäude

Neubau von Gebäuden Besucherzentrum

Aktivitätenband

Rückbau von Gebäuden/

Infrastruktur

Umbau/ Aufwertung/ Neubau

öffentlicher Raum

Ordnungsmaßnahmen/

Grunderwerb

nur im Einzelfall nur Maßnahmen durch Dritte

grundsätzlich ja Rentierlichkeit, Deckelung

des kommunalen Anteils

grundsätzlich nein Ausnahme: Gemeinbedarf

Motor-Pool grundsätzlich ja abhängig von Zielen/ Begünstigten

Promenade grundsätzlich ja abhängig von Zielen/ Begünstigten

Grunderwerb für

Brückenplanung

grundsätzlich nein,

(evtl. Zwisch.-finanz.)

nur mit Begründung und

Zustimmung des Ministeriums

Marketing/ Veranstaltungen Standortflyer nur im Einzelfall nur unter dem Aspekt ‚Öffentlichkeitsarbeit’

Grundstücksaufbereitung/ Vorbereitung für nein- evtl. andere Klärungsbedarf, Verursa-

Altlastenbeseitigung

Neubau in Larson Förderprogramme cherprinzip bei Altlasten

Umbau/ Aufwertung/ Neubau Innenhof Bürger- teilweise Kriterien wie bei ‚konventio-

privater Raum

bräuneller

Städtebauförderung

Zwischennutzungen Zw. in Kasernen grundsätzlich ja Problem: Mindestzeitraum(evtl.Verfügungsfonds)

Soziale Maßnahmen Quartierszentrum grundsätzlich ja Förderprogramm Soziale

Siedlung-Nord

Stadt

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 83


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Beschluss von

Stadtumbaugebieten

Unterscheidung von

drei Gebietskategorien

Erhalt von

Bausubstanz

Umbau/ kleinteilige

Konversion

Gartenschau und öffentlicher

Raum

Stadtumbaugebiete/ Förderkulisse:

Die Grundlage für die Realisierung von Stadtumbaumaßnahmen

und den Einsatz von Fördermitteln des Programms Stadtumbau

West bilden die §§ 171 a-d des Baugesetzbuches (BauGB). Die

Gemeinde muss demnach das Gebiet abgrenzen und per Beschluss

festlegen, in dem Stadtumbaumaßnahmen durchgeführt

werden sollen (§ 171 b Abs. 1 BauGB).

Auf der Grundlage des integrierten Entwicklungskonzeptes lassen

sich in Kitzingen mehrere Gebiete abgrenzen, in denen schwerpunktmäßig

Stadtumbaumaßnahmen durchgeführt werden sollen

(Stadtumbaugebiete). Aufgrund der unterschiedlichen Problemlagen

und Zielvorstellungen können hierbei drei Gebietskategorien

mit jeweils eigenen Maßnahmeschwerpunkten differenziert werden.

Diese Gebiete bilden die Grundlage für den Einsatz von

Stadtumbau-West-Mitteln. Folgende Kategorien werden unterschieden:

- Aufwertung - Erhalt: Das Gebiet umfasst die gesamte Altstadt

und große Teile der Promenade (Handlungsschwerpunkte

Innenstadt und Mainpromenade) und überlagert in Teilen

bestehende Sanierungsgebiete. Mit dem Ziel die historische

Altbausubstanz zu erhalten und vor allem auch die Stadtkulisse

am Main aufzuwerten, liegt der Schwerpunkt bei Sanierungs-

bzw. Modernisierungsmaßnahmen, einer Aufwertung

des öffentlichen Raums sowie Wohnumfeldverbesserungen.

Im Einzelfall können auch für Umbauten oder punktuelle

Rückbaumaßnahmen Fördermittel eingesetzt werden.

- Aufwertung – Umbau: Dieses Umbaugebiet umfasst Teile der

Südstadt und der westlichen Mainpromenade sowie das Gelände

der ehemaligen Kleinschroth-Brauerei. Mit einem punktuellen

Umbau und Rückbau von Gebäuden bzw. Gebäudeteilen

und einer Aufwertung des öffentlichen und privaten Raums

bzw. des Wohnumfelds sollen die Konversionsobjekte (z.B.

ehemalige Sämerei) entwickelt werden.

- Aufwertung – Gartenschau: Hierbei handelt es sich um das

gesamte östliche Mainufer inklusive der angrenzenden Bereiche

und der Sportanlagen im Sickergrund (Handlungsschwerpunkt

Freizeit- und Aktivitätenband). Der Förderschwerpunkt

liegt bei der Aufwertung des öffentlichen Raums (Abstimmung

mit den Konzepten der Kleinen Gartenschau) und der Gestaltung

des Wohnumfelds (Gärten von Etwashausen). Punktuell

sollen auch Aufwertung, Umbau und Rückbau von Gebäuden

gefördert werden. Die Stadtumbau-Förderung kann mit Mitteln

der Kleinen Gartenschau kombiniert werden.

- Aufwertung- Natur: Das Gebiet umfasst große Teile des bisher

militärisch genutzten Giltholzes. Gefördert werden sollen

Maßnahmen, die einer Aufwertung des Waldgebietes und ei-

84 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

ner Öffnung für die Allgemeinheit dienen, d.h. Rückbau baulicher

Anlagen, Herrichtung von Wegen, etc.

- Umstrukturierung: In dieser Kategorie werden die ehemaligen

Militärstandorte zusammengefasst, da sie einen sehr hohen

Umstrukturierungsbedarf aufweisen. Der Maßnahmeschwerpunkt

liegt hier bei einem umfangreichen Rückbau und

Umbau von Gebäuden und Infrastruktureinrichtungen sowie

einer Neugestaltung des öffentlichen und privaten Raums. Gefördert

werden sollen darüber hinaus Zwischennutzungen, vertiefende

teilräumliche Konzepte und Bauleitplanung.

- Prüfung Soziale Stadt: Hierbei handelt es sich um größere

Bereiche im Stadtteil Siedlung, in denen im Rahmen einer vertiefenden

Situationsanalyse mögliche soziale Probleme analysiert

werden müssen. Förderschwerpunkt (ggf. im Rahmen des

Programms Soziale Stadt im Sinne des § 171 e BauGB) soll

neben einer solchen Analyse die Erstellung eines integrierten

Handlungskonzeptes und die Durchführung daraus abgeleiteter

Projekte sein.

Grundsätzlich sollen die Stadtumbau-Mittel auf die abgegrenzten

Stadtumbaugebiete konzentriert werden- sie bilden die Förderkulisse.

Im übrigen Stadtgebiet ist eine Förderung nur in Ausnahmefällen

möglich und auch nur dann, wenn die Ziele der betreffenden

Maßnahme dem ISEK nicht entgegenstehen.

Tab. 3: Zuordnung der räumlichen Handlungsschwerpunkte zu den

Stadtumbaugebieten

Aufwertung und Erhalt

- Altstadt

- Promenade Innenstadtbereich

Aufwertung und Umbau

- Deuster-Park

- Bahnhofsstadt

- Bahnhofsvorplatz

- Bahnhofsachse

- Promenade südlicher Bereich

Aufwertung / Gartenschau

- Promenade

- Wohn- und Hotelkomplex Mainblick

Umfangreiche

Konversion

Prüfung Soziale Stadt

Stadtumbaugebiete als

Förderkulisse

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 85


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Umstrukturierung

- Am Wacholderberg

- Klingenberg

- Air-Park (incl. Cicles)

- Schießanlage

Aufwertung / Natur

- Giltholz

Prüfung Soziale Stadt

- Siedlung Nord

86 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

6.5 Einsatz planungsrechtlicher Instrumente

Für die Entwicklung der Handlungsschwerpunkte muss ein breites

Aufgabenspektrum bearbeitet werden, das an mehreren Stellen

den Einsatz planungsrechtlicher Instrumente erforderlich macht.

Die Wahl der geeigneten Instrumente muss dabei eng auf die jeweiligen

Rahmenbedingungen abgestimmt und sowohl räumlich

als auch sachlich differenziert werden.

Vor dem Einsatz planungsrechtlicher Instrumente soll grundsätzlich

immer eine konsensuale Vorgehensweise angestrebt werden,

d.h. die einzelnen Projekte sollen soweit möglich im Einverständnis

mit den beteiligten Akteuren entwickelt werden. Ein solcher Ansatz

kann auch im weiteren Verfahren durch konsensuale Instrumente

wie z.B. städtebauliche Verträge oder Nutzungsvereinbarungen

ergänzt werden. Erst wenn ein Konsens nicht zu erreichen ist,

müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Wichtig ist, dass

sich die Stadt zu jeder Zeit ein hoheitliches Handeln vorbehält, so

z.B. im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme.

Für die drei Konversionsflächen wurde daher bereits im April 2005

der Beschluss für die Einleitung einer solchen Maßnahme gemäß

§ 165 ff BauGB gefasst, so dass die Stadt jederzeit die Möglichkeit

hat- sofern die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind- auch gegen

den Widerstand des Grundstückseigentümers eine Flächenentwicklung

zu betreiben.

Die im Rahmen des Entwicklungskonzeptes vorgeschlagenen

räumlichen Handlungsschwerpunkte lassen sich in vier Planungsräume

differenzieren, die aufgrund einer ähnlichen Aufgabenstellung

einen einheitlichen Instrumenteneinsatz erfordern. Im Folgenden

werden zu den einzelnen Planungsräumen entsprechende

Empfehlungen ausgesprochen. Der Focus liegt hierbei auf den Instrumenten

des besonderen Städtebaurechts, d.h. auf Sanierungsgebieten,

Stadtumbaugebieten und Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen.

Bebauungspläne und Änderungen des Flächennutzungsplans

werden voraussichtlich in allen Planungsräumen

erforderlich sein.

Planungsraum Innenstadt/ Promenade: Der Aufgabenschwerpunkt

liegt in dem Erhalt der Altbausubstanz und der Gestaltung

des öffentlichen Raums inklusive der Promenade. Es soll zunächst

der Versuch unternommen werden, über die flächendeckende

Ausweisung von Stadtumbaugebieten den Einsatz von Fördermitteln

zu koordinieren. Parallel soll der Aufstellungsbeschluss für eine

Stadtumbausicherungssatzung gemäß § 171 d BauGB gefasst

werden, um im Bedarfsfall mit Hilfe des Vorkaufsrechts und der

besonderen Genehmigungspflicht gegenläufige Entwicklungen zu

verhindern. Erst wenn sich im Laufe des Prozesses herausstellt,

dass ein Bedarf für die Erhebung von Ausgleichsbeträgen oder für

eine erweiterten Genehmigungsvorbehalt besteht, sollte eine Er-

Räumlich und

sachlich differenzierter

Instrumenteneinsatz

Konsens suchen

hoheitliches Eingreifen

vorbereiten

Differenzierung der Instrumente

nach Planungsräumen

Stadtumbaugebiete/

Aufstellungsbeschluss

für Sicherungssatzung

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 89


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Stadtumbaugebiete/

Aufstellungsbeschluss

für Sicherungssatzung

Städtebauliche

Verträge

Bei Dissenz: Prüfung Entwicklungsmaßnahme

Stadtumbaugebiete

und informelle Planung

Evtl. integriertes Entwicklungskonzept

weiterung der vorhandenen Sanierungsgebiete (Normalverfahren)

geprüft werden.

Konversion: Die Aufgabe in den drei ehemaligen Militärstandorten

besteht in einer stadtverträglichen Entwicklung der Standorte gemeinsam

mit dem Grundstückseigentümer (BIMA) oder einer zukünftigen

Entwicklungsgesellschaft. Die Ausweisung der Flächen

als Stadtumbaugebiete und der Aufstellungsbeschluss für eine

Stadtumbausicherungssatzung sollen zunächst die Grundlage für

eine Umsetzung der geplanten Maßnahmen bilden. Parallel dazu

soll im Rahmen informeller Planwerke das Konzept vertieft und die

wesentlichen Eckpunkte in Form von Städtebaulichen Verträgen

abgesichert werden. Sollte eine Entwicklungsgesellschaft nicht zu

Stande kommen und der Grundstückseigentümer eine Mitwirkungsbereitschaft

vermissen lassen bzw. das Konzept konterkarieren

(durch Maßnahmen, die nicht durch eine Stadtumbausicherungssatzung

verhindert bzw. erzwungen werden können) müsste

die Durchführung einer Entwicklungsmaßnahme gemäß § 165

BauGB geprüft werden. Entsprechende Aufstellungsbeschlüsse

wurden bereits gefasst. In diesem Zusammenhang muss jedoch

auf die hohen formellen und rechtlichen Anforderungen und die

wirtschaftlichen Risiken hingewiesen werden, die mit der Anwendung

eines solchen Instrumentes verbunden sind.

Aktivitätenband/ Gartenschau: In diesem Planungsraum steht

die Aufwertung des Uferbereiches mit Projekten im Vordergrund,

die sich schwerpunktmäßig im öffentlichen Raum bewegen. Aus

diesem Grund wird sich der Einsatz von Instrumenten voraussichtlich

auf informelle Planungen (z.B. Wettbewerb für die Kleine Gartenschau),

die Abgrenzung eines Stadtumbaugebietes und den

Abschluss städtebaulicher Verträge beschränken.

Siedlung Nord: Sollte sich im Rahmen einer vertiefenden Situationsanalyse

für den Stadtteil oder einzelne Quartiere ein dringender

Handlungsbedarf ergeben, so müsste für diese Bereiche ein Entwicklungskonzept

im Sinne des § 171e Abs. 4 BauGB erarbeitet

werden. Auf dieser Grundlage kann dann eine Abgrenzung von

Gebieten erfolgen, in denen städtebauliche Maßnahmen der Sozialen

Stadt durchgeführt werden können (§ 171 e Abs. 3 BauGB).

90 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006


ISEK Kitzingen Maßnahmenkatalog und Organisation

Abb. 17: Einsatz planungsrechtlicher Instrumente

Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006 91


ISEK Kitzingen Handlungsempfehlungen

7 Handlungsempfehlungen

Auf der Grundlage der vorgestellten Ergebnisse werden von Drees

& Sommer und der Planungsgruppe p4 folgende Empfehlungen

zur Beschlussfassung und für die weitere Vorgehensweise gemacht:

Willenbekundung: Der Stadtrat Kitzingen beschließt einvernehmlich

den ISEK-Prozess auf der Grundlage der Ergebnisse zu unterstützen,

um die zukünftigen Aufgaben der Stadtentwicklung zielorientiert

zu begleiten.

Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept - ISEK: Das

ISEK mit den definierten Handlungsschwerpunkten wird als Leitlinie

der Politik für die zukünftige Stadtentwicklung zugrunde gelegt.

Umbaugebiete: Der Stadtrat Kitzingen beschließt die Festlegung

der Umbaugebiet und deren Abgrenzung wie im ISEK vorgeschlagen

(§ 171 b BauGB). Die Festlegung zur Umsetzung von Projekten

im Rahmen des Programms ‚Soziale Stadt’ wird geprüft.

� Der Stadtrat Kitzingen sollte zunächst den vorgeschlagenen

Maßnahmenkatalog zur Kenntnis nehmen und die Verwaltung

bei der Vorbereitung und Umsetzung der Maßnahmen unterstützen.

Der Maßnahmenkatalog wird schrittweise fortgeschrieben.

� Die Organisationsvorschläge sind zu prüfen und mit den Beteiligten

abzustimmen.

� Der vorgeschlagene Zeitrahmen ist im Weiteren zu verifizieren.

� Der begonnene partnerschaftliche Prozess sollte über Parteigrenzen

hinweg mit allen Beteiligten, insbesondere der Bundesanstalt

für Immobilienaufgaben und dem Freistaat Bayern

und unter Beibehaltung der bisherigen engagierten Mitarbeit

von Veraltung, Vereinen, Unternehmen und Bürgern fortgesetzt

werden.

� Dies bedingt unabhängig von Beschlüssen zu konkreten Maßnahmen

die kontinuierliche Steuerung und Begleitung der Prozesse

durch bewährte Partner.

92 Drees&Sommer/ p4 Dezember 2006

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