Panscherei setzte den hiesigen Winzern zu - Univerre Pro Uva SA
Panscherei setzte den hiesigen Winzern zu - Univerre Pro Uva SA
Panscherei setzte den hiesigen Winzern zu - Univerre Pro Uva SA
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Date: 03.11.2010<br />
Regioausgabe Zürichsee re Ufer<br />
Redaktion Tages-Anzeiger<br />
8712 Stäfa<br />
044/ 915 89 50<br />
www.tagesanzeiger.ch<br />
<strong>Panscherei</strong> <strong>setzte</strong> <strong>den</strong> <strong>hiesigen</strong> <strong>Winzern</strong> <strong>zu</strong><br />
Einst gab es am Zürichsee<br />
Kunstweinbetriebe,<br />
die später verboten<br />
wur<strong>den</strong>. Manche ihrer<br />
Metho<strong>den</strong> wer<strong>den</strong> aber<br />
heute noch angewandt.<br />
Der ostschweizerische Wein sei <strong>zu</strong> teuer<br />
für die arbeiten<strong>den</strong> Klassen der Bevölkerung.<br />
Solches berichtet in Frakturschrift<br />
eine Ausgabe des «Volksblatts des Bezirkes<br />
Meilen» aus dem Jahr 1906. Es gab<br />
andere Möglichkeiten, <strong>zu</strong>m Beispiel Bier<br />
oder sogenannte Kunstweine, um sich<br />
für wenig Geld an alkoholischen Getränken<br />
<strong>zu</strong> laben.<br />
Der einheimische Weinbau sei hauptsächlich<br />
durch die Kunstweinfabrikation<br />
(siehe Kasten) untergraben wor<strong>den</strong>,<br />
heisst es im 1907 erschienenen Buch<br />
«Der schweizerische Weinbau: mit besonderer<br />
Berücksichtigung der zürcherischen<br />
Verhältnisse». Das <strong>Pro</strong>blem bei<br />
<strong>den</strong> preiswerten Alternativen: Ihre Herstellungsart<br />
wurde oft nicht deklariert.<br />
«Der Bauer kennt diese <strong>Panscherei</strong> nicht,<br />
muss aber deren Folgen, das geringe Zutrauen<br />
<strong>zu</strong> unseren Weinen tragen», kommentiert<br />
«Der schweizerische Weinbau».<br />
Offensichtlich waren die Kunstweinhändler<br />
dreist, <strong>den</strong>n sie liessen sich «oft<br />
mitten in <strong>den</strong> grössten Weingemein<strong>den</strong>»<br />
nieder, «um von hier aus ihre <strong>Pro</strong>dukte<br />
um so besser unter dem Namen realer<br />
Weine in <strong>den</strong> Handel <strong>zu</strong> bringen».<br />
Hochburg für Kunstweine<br />
Tatsächlich gab es in der Region einige<br />
Kunstweinbetriebe. Nachweisbar sind<br />
solche etwa in Feldmeilen. Die «Geschichte<br />
der Gemeinde Meilen» von Peter<br />
Ziegler und Peter Kummer zählt auf:<br />
Weinhandlung August Rebmann auf<br />
dem Gebiet des späteren Caf&Hag-Komplexes,<br />
Jakob Steiger im sogenannten<br />
Weinschloss beim Christoffel, die Weinhandlung<br />
Schmid-Zürrer im Schwabach,<br />
die Firma von Theodor Pfau-Vögeli.<br />
Kunstwein war aber nicht gleich<br />
Genre de média: Médias imprimés<br />
Type de média: Presse journ./hebd.<br />
Tirage: 10'840<br />
Parution: 6x/semaine<br />
Observation des médias<br />
Analyse des médias<br />
Gestion de l'information<br />
Services linguistiques<br />
Kunstwein, die Grenze <strong>zu</strong> <strong>den</strong> nach korrekter<br />
Methode hergestellten Tropfen<br />
manchmal fliessend. An und für sich<br />
harmlose Herstellungsarten waren das<br />
Chaptalisieren und das Gallisieren. Der<br />
<strong>Pro</strong>duzent gab dem Traubenmost vor<br />
der Gärung Zucker oder Zuckerwasser<br />
bei. Der Wein wurde so alkoholreicher<br />
und säureärmer. Oder gemäss «Der<br />
schweizerische Weinbau»: «Statt eines<br />
fast untrinkbaren Rachenputzers erhält<br />
man einen netten Tischwein.»<br />
Kontrolle war unmöglich<br />
Diese Metho<strong>den</strong> wur<strong>den</strong> in der zweiten<br />
Hälfte des 19. Jahrhunderts <strong>zu</strong>nächst<br />
begrüsst, <strong>den</strong>n sie ermöglichte es, die<br />
säuerlichen und wegen geringer Öchslegrade<br />
alkoholarmen Ostschweizer Weine<br />
<strong>zu</strong> veredeln. Ähnliche Verfahren sind<br />
auch heute erlaubt, das Gesetz spricht<br />
aber von «Anreicherung» des gegorenen<br />
Mostes mit Trocken<strong>zu</strong>cker. Der Alkoholgehalt<br />
darf maximal um 2,5 Volumenprozent<br />
gesteigert wer<strong>den</strong>. Bald erkannten<br />
die Weinhändler früherer Tage, dass<br />
mit der Zugabe von Zuckerwasser auch<br />
die Menge und der Umsatz stiegen.<br />
Das führte <strong>zu</strong> regelrechten <strong>Panscherei</strong>en.<br />
Die Behör<strong>den</strong> versuchten, der<br />
Sache Herr <strong>zu</strong> wer<strong>den</strong>. Zürcher Verordnungen<br />
von 1880 und 1887 verlangten,<br />
Kunstwein sei als solcher <strong>zu</strong> deklarieren.<br />
Die chemische Analyse war aber<br />
noch nicht in der Lage, Unregelmässigkeiten<br />
nach<strong>zu</strong>weisen. So hatte der Staat<br />
keine Handhabe, um fehlbare Weinhändler<br />
auffliegen <strong>zu</strong> lassen.<br />
1912 wurde die Herstellung von Kunstwein<br />
und Kunstmost bundesweit verboten.<br />
Strenge Kontrollen und hohe Bussen<br />
für die Fehlbaren brachten Ordnung<br />
in <strong>den</strong> Weinmarkt am Zürichsee. In <strong>den</strong><br />
Jahren danach ist die Feldner Weinhandlung<br />
von Theodor Pfau-Vögeli aufgelöst<br />
wor<strong>den</strong>, wie das «Meilemer Heimatbuch»<br />
von 1986 berichtet. Auch Schmid-<br />
Zürrer am Schwabach war bald am Ende.<br />
Jakob Steiger verschwand schon früher<br />
ins Ausland. Dies, nachdem er einen<br />
<strong>Pro</strong>zess angestrengt hatte gegen Ruedi<br />
Aeberli, Wirt des Erlenbacher Pflugsteins<br />
und Bauerndichter, der ihn<br />
wegen seiner <strong>Panscherei</strong>en öffentlich<br />
verspottet hatte.<br />
Die zitierten Texte sind dem Autor<br />
von Dölf Brupbacher, Meilen,<br />
und Jörg Schenkel, Oetwil am See,<br />
<strong>zu</strong>r Verfügung gestellt wor<strong>den</strong>.<br />
Von Raphael Briner<br />
ARGUS der Presse AG<br />
Rüdigerstrasse 15, case postale, 8027 Zurich<br />
Tél. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01<br />
www.argus.ch<br />
N° de thème: 742.2<br />
N° d'abonnement: 1082357<br />
Page: 5<br />
Surface: 32'812 mm²<br />
Réf. Argus: 40473461<br />
Coupure page: 1/2
Date: 03.11.2010<br />
Regioausgabe Zürichsee re Ufer<br />
Redaktion Tages-Anzeiger<br />
8712 Stäfa<br />
044/ 915 89 50<br />
www.tagesanzeiger.ch<br />
Genre de média: Médias imprimés<br />
Type de média: Presse journ./hebd.<br />
Tirage: 10'840<br />
Parution: 6x/semaine<br />
Kunstwein Die Metho<strong>den</strong><br />
Das Buch «Der schweizerische Weinbau»<br />
zählt folgende Metho<strong>den</strong> <strong>zu</strong>r Veredelung<br />
von Weinen beziehungsweise <strong>zu</strong>r Herstellung<br />
von Kunstweinen auf:<br />
Chaptalisieren: Verstärkung des Alkoholgehalts<br />
durch Zusatz von Zucker <strong>zu</strong>m Most.<br />
Je mehr Zucker <strong>zu</strong>gefügt wird, desto mehr<br />
Alkohol entsteht bei der Vergärung. Zusätzlich<br />
auch Zugabe von kohlensaurem Kalk, um<br />
die Säure <strong>zu</strong> mildern.<br />
Gallisieren: Zugabe von Zuckerwasser. So<br />
entsteht nicht nur mehr Alkohol, sondern<br />
wegen der Flüssigkeit auch mehr Wein.<br />
Petiotisieren: Dieses Verfahren wurde vor<br />
allem in Frankreich angewandt. Man giesst<br />
Wasser auf <strong>den</strong> Trester (Traubenrest nach<br />
Ab<strong>zu</strong>g des Mostes) und lässt ihn nochmals<br />
gären. Diese traditionelle Methode hiess<br />
Piquette. Wollte der Winzer eine bessere<br />
Qualität erzielen, gab er nicht nur Wasser,<br />
sondern auch Zucker bei, was dann Petiotisieren<br />
genannt wurde. Der Vorgang konnte<br />
mehrmals wiederholt wer<strong>den</strong>.<br />
Tresterwein-Bereitung: In der Schweiz<br />
damals übliche Abart des Petiotisierens,<br />
bei der die zermanschten Trauben <strong>zu</strong>sätzlich<br />
gepresst wur<strong>den</strong>.<br />
Hefenwein: Der frühere «Haustrank der<br />
Weinbauern» entstand, wenn die Winzer<br />
frische Weinhefe mit Zuckerwasser mischten.<br />
Künstliche Weinbereitung: Für <strong>den</strong> eigentlichen<br />
Kunstwein wur<strong>den</strong> keine Naturweine<br />
oder Trester verwendet. Die <strong>Pro</strong>duzenten<br />
reicherten Wasser an, mit Mostkonzentrat,<br />
Sprit, Zucker, Weinsteinsäuren, Salz, Gips,<br />
Aromastoffen, Farbmitteln und anderen<br />
Chemikalien. Diese Metho<strong>den</strong> waren deutlich<br />
weniger verbreitet als die oben erwähnten.<br />
Für alle Metho<strong>den</strong> gilt, dass die produzierten<br />
Getränke oft mit natürlichem Wein vermischt<br />
wur<strong>den</strong>, die Panscher dies aber nicht<br />
deklarierten. (rab)<br />
Observation des médias<br />
Analyse des médias<br />
Gestion de l'information<br />
Services linguistiques<br />
ARGUS der Presse AG<br />
Rüdigerstrasse 15, case postale, 8027 Zurich<br />
Tél. 044 388 82 00, Fax 044 388 82 01<br />
www.argus.ch<br />
N° de thème: 742.2<br />
N° d'abonnement: 1082357<br />
Page: 5<br />
Surface: 32'812 mm²<br />
Réf. Argus: 40473461<br />
Coupure page: 2/2