Psoriasis und… - Psorinfo.de
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2<br />
www.psorinfo.<strong>de</strong>
Basiswissen<br />
Liebe Leserinnen, lieber Leser,<br />
Sie halten diese Broschüre in <strong>de</strong>n Hän<strong>de</strong>n,<br />
weil Ihnen Ihr Arzt vielleicht gera<strong>de</strong> die Diagnose<br />
„<strong>Psoriasis</strong>“ mitgeteilt hat. Unter<br />
Umstän<strong>de</strong>n leben Sie aber auch schon seit<br />
längerem mit „Schuppenflechte“, wie <strong>de</strong>r<br />
Volksmund diese Erkrankung nennt. In je<strong>de</strong>m<br />
Fall ist es richtig und wichtig, dass Sie<br />
sich informieren.<br />
Zum einen, weil Sie mit Kenntnis <strong>de</strong>r Ursachen<br />
und potenziellen Auslöser <strong>de</strong>r Erkrankung<br />
die Möglichkeit haben, Ihre Lebensgewohnheiten<br />
gezielt anzupassen und so<br />
in vielen Fällen positiven Einfluss auf <strong>de</strong>n<br />
Verlauf <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> zu nehmen. Zum an<strong>de</strong>ren,<br />
da die medizinische Forschung auf<br />
<strong>de</strong>m Gebiet <strong>de</strong>r Schuppenflechte sehr aktiv<br />
ist und stetig an <strong>de</strong>r Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten<br />
arbeitet. Mittlerweile<br />
stehen wirksame und gut verträgliche<br />
Therapieoptionen – sogar speziell für die<br />
verschie<strong>de</strong>nen Körper regionen – zur Verfügung.<br />
Es lohnt sich also, auf <strong>de</strong>m Laufen<strong>de</strong>n<br />
zu bleiben!<br />
Über die Vermittlung wichtiger Hintergrün<strong>de</strong><br />
zum Krankheitsbild hinaus soll Ihnen diese<br />
Broschüre vor allem auch Mut machen. Viele<br />
Patienten, die vielleicht bislang nicht die für<br />
sie passen<strong>de</strong> Behandlung gefun<strong>de</strong>n haben,<br />
resignieren und ergeben sich <strong>de</strong>m „Schicksal<br />
<strong>Psoriasis</strong>“. In <strong>de</strong>r Überzeugung, ihrer<br />
Erkrankung gegenüber machtlos zu sein,<br />
schränken sie sich zunehmend ein und lassen<br />
zu, dass die Schuppenflechte ihr Leben<br />
bestimmt.<br />
Dabei kann eine konsequent durchgeführte<br />
Therapie in Verbindung mit gewissen Än<strong>de</strong>rungen<br />
in <strong>de</strong>r Lebensweise oftmals eine erhebliche<br />
Lin<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>r Beschwer<strong>de</strong>n bewirken<br />
und <strong>de</strong>n Betroffenen somit ein großes<br />
Stück an Lebensqualität zurückgeben.<br />
Mit <strong>de</strong>m Lesen dieser Broschüre machen Sie<br />
<strong>de</strong>n ersten Schritt, Ihre Erkrankung besser<br />
zu verstehen und so besser mit ihr umgehen<br />
zu können. Sie wer<strong>de</strong>n sehen, es lässt sich<br />
alles in allem gut leben mit <strong>Psoriasis</strong>.<br />
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen gute<br />
und baldige Besserung<br />
Ihre LEO Pharma GmbH<br />
3
Inhalt<br />
Kapitel 1: Basiswissen<br />
Schuppenflechte – was ist das eigentlich? 6<br />
Schuppenflechte – „(k)eine Frage <strong>de</strong>s Alters“ 7<br />
Warum ich? Ursachen und Auslöser von Schuppenflechte 8<br />
Blick unter die Haut: Was passiert bei Schuppenflechte im Körper? 10<br />
Bevorzugte Bereiche 11<br />
Plaques, Pusteln und Co. – die verschie<strong>de</strong>nen Erscheinungsformen <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> 12<br />
Schuppenflechte – mehr als nur eine Erkrankung <strong>de</strong>r Haut 14<br />
Kapitel 1: kurz & knapp 15<br />
Kapitel 2: Diagnose<br />
Bei Hautverän<strong>de</strong>rungen zum Arzt 16<br />
In <strong>de</strong>r Arztpraxis 17<br />
Arztwahl: Prüfe, wer sich länger bin<strong>de</strong>t 19<br />
Kapitel 2: kurz & knapp 19<br />
Kapitel 3: Therapie<br />
Lebensqualität dank konsequenter Behandlung 20<br />
Hau(p)tsache Pflege 21<br />
Hilfe aus Flasche, Tube und Tiegel: Äußerliche Therapien 22<br />
In Licht getaucht: Fototherapien 28<br />
Von innen nach außen: Innerliche Therapien 30<br />
Mare e Monti: Klimatherapien 32<br />
Jenseits <strong>de</strong>r Schulmedizin: Alternativtherapien 34<br />
Wenn’s knifflig wird: Behandlung beson<strong>de</strong>rer Bereiche 35<br />
Kapitel 3: kurz & knapp 39<br />
4
Basiswissen<br />
Kapitel 4: (Alltags-)Leben<br />
<strong>Psoriasis</strong> <strong>und…</strong><br />
…Stress 40<br />
…Ernährung & Genussmittel 41<br />
…Körpergewicht 42<br />
…Kleidung 42<br />
…Urlaubsreisen 43<br />
…Schwangerschaft 44<br />
…Berufsleben 46<br />
…Sport 47<br />
…Begleiterkrankungen 48<br />
Mitten im Leben – mit <strong>Psoriasis</strong> 50<br />
Kapitel 4: kurz & knapp 51<br />
Kapitel 5: Weiterführen<strong>de</strong> Infos<br />
Weiter geht’s: Mehr Infos zum Thema <strong>Psoriasis</strong> 52<br />
Buchtipps zum Thema <strong>Psoriasis</strong> 52<br />
Kontaktdaten/Internetlinks 54<br />
5
Kapitel 1: Basiswissen<br />
++ Beschreibung Krankheitsbild ++ Erkrankungsalter ++ Ursachen und Auslöser ++<br />
++ Abläufe im Körper ++ Betroffene Körperstellen ++ Formen ++<br />
Schuppenflechte – was ist das eigentlich?<br />
Schuppenflechte ist eine chronischentzünd<br />
liche Hauterkrankung. Sie äußert<br />
sich in <strong>de</strong>r Regel in Form röt licher,<br />
schuppen <strong>de</strong>r und häufig jucken<strong>de</strong>r Hautstellen,<br />
so genannten Plaques. Diese sind<br />
im Vergleich zur umliegen<strong>de</strong>n Haut verdickt<br />
und <strong>de</strong>utlich von ihr abgegrenzt.<br />
Die medizinische Bezeichnung für Schuppenflechte<br />
– <strong>Psoriasis</strong> – setzt sich aus <strong>de</strong>n<br />
griechischen Wörtern Psora („Schuppe“)<br />
und psao („Ich kratze“) zusammen.<br />
Schuppenflechte<br />
⋅⋅ist eine gutartige,<br />
⋅⋅nicht anstecken<strong>de</strong> Erkrankung, die<br />
⋅⋅nicht durch Allergien ausgelöst wird.<br />
In Deutschland leben etwa 2,5 Millionen<br />
Menschen mit <strong>Psoriasis</strong> – weltweit sind es<br />
schätzungsweise 14 Millionen. Mit Ihrer Erkrankung<br />
sind Sie also nicht allein.<br />
Typisch für <strong>Psoriasis</strong> ist ein Auftreten in<br />
Schüben. Das be<strong>de</strong>utet, dass es Zeiten geben<br />
kann, in <strong>de</strong>nen die Symptome kaum bzw. gar<br />
nicht sichtbar o<strong>de</strong>r spürbar sind und dann<br />
gibt es wie<strong>de</strong>r Zeiten, in <strong>de</strong>nen die Erkrankung<br />
ganz offensichtlich zum Vorschein kommt.<br />
Wie lange solche Schübe dauern bzw. wie<br />
lange die symptom freien Phasen anhalten,<br />
ist von Person zu Person sehr unterschiedlich<br />
und kann sich im Verlauf <strong>de</strong>r Krankheit immer<br />
wie<strong>de</strong>r verän<strong>de</strong>rn.<br />
Zwar gilt Schuppenflechte bislang als nicht<br />
heilbar, jedoch können Sie gemeinsam mit<br />
Ihrem Arzt vieles dafür tun, um <strong>de</strong>n Verlauf<br />
positiv zu beeinflussen.<br />
6
Basiswissen<br />
Schuppenflechte – „(k)eine Frage <strong>de</strong>s Alters“<br />
An Schuppenflechte kann man im Prinzip in je<strong>de</strong>m Lebensalter erkranken. Zwei Altersintervalle<br />
sind jedoch beson<strong>de</strong>rs charakteristisch für das erstmalige Auftreten. Je nach<strong>de</strong>m, in<br />
welchem Alter die Erkrankung zum ersten Mal ausbricht, spricht man vom Früh- o<strong>de</strong>r Spättyp:<br />
Typ Frühtyp (Typ 1)<br />
Ca. 75% aller an<br />
Schuppenflechte Erkrankten<br />
Spättyp (Typ 2)<br />
Ca. 25% aller an<br />
Schuppenflechte Erkrankten<br />
Alter bei<br />
Erst-Auftreten<br />
Unter 40 Jahre<br />
Altersgipfel:<br />
15 bis 25 Jahre<br />
Über 40 Jahre<br />
Altersgipfel:<br />
50 bis 60 Jahre<br />
Verlauf Schwererer Verlauf möglich Eher leichterer Verlauf<br />
Vererbung Häufig Nein<br />
Die meisten Psoriatiker erkranken also<br />
erstmals zwischen <strong>de</strong>m 15. und <strong>de</strong>m 25. Lebensjahr.<br />
Bei diesem Frühtyp ist (im Gegensatz<br />
zum Spättyp) eine familiäre Häufung zu<br />
beobachten, d.h. die Erkrankung kommt in<br />
vielen Fällen bereits bei Verwandten bzw.<br />
Eltern und Großeltern vor.<br />
7
Warum ich?<br />
Ursachen und Auslöser von Schuppenflechte<br />
Aber auch Menschen, in <strong>de</strong>ren Familie seit<br />
Generationen keine <strong>Psoriasis</strong> bekannt ist,<br />
können erkranken. Insbeson<strong>de</strong>re, wenn<br />
Letzteres bei Ihnen <strong>de</strong>r Fall ist, wer<strong>de</strong>n Sie<br />
sich seit Ihrer Diagnose sicherlich <strong>de</strong>s Öfteren<br />
die Frage gestellt haben, warum diese<br />
Erkrankung ausgerechnet Sie treffen musste.<br />
Eine endgültige Antwort wird Ihnen zum<br />
jetzigen Zeitpunkt niemand geben können.<br />
Aktivierte Anlagen<br />
Für <strong>de</strong>n erstmaligen Ausbruch und für erneute<br />
Schübe bei bereits bestehen<strong>de</strong>r Erkrankung<br />
müssen verschie<strong>de</strong>ne interne und<br />
externe Faktoren, so genannte Auslöser,<br />
hinzukommen, auf die je<strong>de</strong>r Mensch ganz<br />
individuell reagiert.<br />
Die Wissenschaft geht davon aus, dass<br />
verschie<strong>de</strong>ne Faktoren zusammenspielen,<br />
wenn ein Mensch eine Schuppenflechte<br />
entwickelt:<br />
⋅⋅seine genetische Veranlagung,<br />
⋅<br />
⋅⋅sowie sein Immunsystem.<br />
⋅ bestimmte innere und äußere Reize<br />
Empfängliche Gene<br />
Vermutlich ist die Empfänglichkeit für<br />
Schuppenflechte angeboren bzw. wird<br />
durch die Gene weitergegeben. Doch nicht<br />
je<strong>de</strong>r, <strong>de</strong>r die Veranlagung zu <strong>Psoriasis</strong> in<br />
sich trägt, muss automatisch daran erkranken.<br />
Dies zeigen Untersuchungen an eineiigen<br />
Zwillingen mit <strong>Psoriasis</strong>: Nur in 70%<br />
<strong>de</strong>r Fälle sind bei<strong>de</strong> Geschwister betroffen.<br />
Da sie über i<strong>de</strong>ntisches Erbgut verfügen, ist<br />
Vererbung keine ausreichen<strong>de</strong> Erklärung für<br />
das Auftreten von Schuppenflechte.<br />
Manche Menschen tragen die Veranlagung für<br />
<strong>Psoriasis</strong> in ihrem Erbgut.<br />
Der genaue Zusammenhang zwischen einem<br />
bestimmten Auslöser und einem <strong>Psoriasis</strong>-<br />
Schub ist nicht immer ein<strong>de</strong>utig nachvollziehbar,<br />
da dazwischen mehrere Tage bis<br />
Wochen liegen können.<br />
8
Basiswissen<br />
Zu <strong>de</strong>n bislang bekannten Auslösern für Schuppenflechte zählen:<br />
⋅⋅Stress, also körperliche und/o<strong>de</strong>r seelische Belastung<br />
⋅⋅Infektionskrankheiten, z.B. durch Viren (nach einer Grippe etc.) o<strong>de</strong>r<br />
Bakterien (vor allem durch Streptokokken ausgelöste Infektionen wie<br />
z.B. nach einer Man<strong>de</strong>lentzündung)<br />
⋅⋅Medikamente, u.a. Mittel gegen Bluthochdruck (wie z.B. Beta-Blocker),<br />
zur Behandlung von seelischen Erkrankungen (wie z.B. Lithium) o<strong>de</strong>r zur<br />
Vorbeugung bzw. Behandlung von Malaria (wie z.B. Chinoline)<br />
⋅⋅Mechanische und physikalische Beanspruchung <strong>de</strong>r Haut (z.B. Sonnenbrand,<br />
ständiger Druck auf eine Körperstelle z.B. verursacht durch Schmuck o<strong>de</strong>r<br />
enge Kleidung)<br />
⋅⋅Hormonelle Umstellungen (z.B. in <strong>de</strong>r Pubertät o<strong>de</strong>r in <strong>de</strong>n Wechseljahren)<br />
⋅⋅Umwelteinflüsse (z.B. Klimawechsel, vor allem feucht-kaltes Wetter)<br />
⋅⋅Übergewicht bzw. starke Gewichtssteigerung<br />
⋅⋅Alkoholmissbrauch<br />
⋅⋅Rauchen<br />
9
Blick unter die Haut:<br />
Was passiert bei Schuppenflechte im Körper?<br />
Individuell verschie<strong>de</strong>ne Auslöser können<br />
also die Erkrankung ausbrechen lassen<br />
bzw. einen <strong>Psoriasis</strong>-Schub provozieren.<br />
Rötliche, oftmals jucken<strong>de</strong> Flecken und eine<br />
Schuppenschicht sind dann die für das Auge<br />
sichtbaren und für <strong>de</strong>n Betroffenen spürbaren<br />
Anzeichen. Welche im Körper ablaufen<strong>de</strong>n<br />
Prozesse aber verbergen sich dahinter?<br />
Übereifrige Immunzellen<br />
Die Hautrötungen und <strong>de</strong>r Juckreiz sind Ausdruck<br />
von Entzündungsprozessen, die durch<br />
Abwehrzellen <strong>de</strong>s Immunsystems* ausgelöst<br />
wer<strong>de</strong>n. Warum diese Zellen, die eigentlich<br />
Angreifer wie z.B. Bakterien unschädlich<br />
machen sollen, gegen körpereigenes<br />
Gewebe vorgehen, ist noch nicht endgültig<br />
erforscht. Unter Umstän<strong>de</strong>n verwechselt das<br />
Immunsystem von Psoriatikern – ähnlich wie<br />
bei einer Autoimmun erkrankung – die Strukturen<br />
auf <strong>de</strong>r Oberfläche <strong>de</strong>r Oberhautzellen<br />
(Keratinozyten) mit Eiweißstrukturen auf <strong>de</strong>r<br />
Oberfläche von Bakterien aus <strong>de</strong>r Familie<br />
<strong>de</strong>r Streptokokken. In <strong>de</strong>r Folge attackiert es<br />
die vermeintlichen „Eindringlinge“. Diesen<br />
Angriff erwi<strong>de</strong>rn die Oberhautzellen wie<strong>de</strong>rum<br />
mit einer Entzündungsreaktion.<br />
Schuppung<br />
Entzündung<br />
Botenstoffe<br />
Oberhautzelle<br />
Abwehrzelle<br />
Hautzellenproduktion auf Hochbetrieb<br />
Darüber hinaus regen entzündungsför<strong>de</strong>rn<strong>de</strong><br />
Botenstoffe die Hautzellen dazu an,<br />
sich schneller und stärker zu vermehren,<br />
als dies für die normale Hautregeneration<br />
nötig wäre. Während sich die gesun<strong>de</strong> Haut<br />
durchschnittlich alle 28 Tage erneuert, vollzieht<br />
sich dieser Prozess bei Menschen mit<br />
Schuppenflechte bis zu achtmal schneller.<br />
Diese stark verkürzte Zeitspanne hat auch<br />
Einfluss auf die Qualität <strong>de</strong>r im Übermaß<br />
produzierten Hautzellen: Diese können sich<br />
nicht vollständig entwickeln bis sie in die<br />
oberen Hautschichten gelangen. Es kommt<br />
zu einer massiven Anhäufung unreifer Hautzellen,<br />
die sich nicht von <strong>de</strong>r Hautoberfläche<br />
lösen. Dadurch bil<strong>de</strong>n sich die für <strong>Psoriasis</strong><br />
typischen festen Schuppen.<br />
*ZusatzInfo<br />
Bei <strong>de</strong>n Abwehrzellen han<strong>de</strong>lt es sich u.a. um so genannte T-Lymphozyten o<strong>de</strong>r kurz<br />
T-Zellen. Sie setzen entzündungsauslösen<strong>de</strong> Botenstoffe (Zytokine) frei und sind somit<br />
maßgeblich an <strong>de</strong>r Entstehung und <strong>de</strong>r Aufrechterhaltung <strong>de</strong>r Hautentzündung beteiligt.<br />
Ausgelöst wird diese Aktivität <strong>de</strong>r T-Zellen wie<strong>de</strong>rum durch die in <strong>de</strong>r Oberhaut vorkommen<strong>de</strong>n<br />
Langerhans-Zellen. Sie sind als „Vorhut“ <strong>de</strong>s Immunsystems dafür zuständig,<br />
eingedrungene Fremd- und Schadstoffe aufzunehmen sowie das tiefer gelegene<br />
Abwehrsystem zu informieren bzw. zu aktivieren.<br />
10
Basiswissen<br />
Bevorzugte Bereiche<br />
Grundsätzlich kann Schuppenflechte überall<br />
auf <strong>de</strong>m Körper auftreten. Einige Stellen<br />
sind jedoch beson<strong>de</strong>rs häufig betroffen, so<br />
z.B. Ellenbogen (ca. 70% aller Patienten)<br />
und Knie (ca. 50% aller Patienten) sowie <strong>de</strong>r<br />
Bereich oberhalb <strong>de</strong>s Gesäßes (Kreuzbein-/<br />
Len<strong>de</strong>nwirbelbereich).<br />
Bis zu 80% aller an Schuppenflechte Erkrankten<br />
haben auch Kopfhaut-<strong>Psoriasis</strong>.<br />
Da sich diese Körperstelle nur schwer vor<br />
<strong>de</strong>n Blicken An<strong>de</strong>rer verbergen lässt und<br />
Kopfhaut-<strong>Psoriasis</strong> meist auch mit starker<br />
Schuppenbildung einhergeht, wird sie von<br />
<strong>de</strong>n Betroffenen als beson<strong>de</strong>rs unangenehm<br />
empfun<strong>de</strong>n. Mittlerweile gibt es jedoch<br />
wirksame und verträgliche Therapieoptionen,<br />
die auf die beson<strong>de</strong>ren Bedürfnisse<br />
<strong>de</strong>r Kopfhaut eingehen.<br />
Doch nicht nur die Haut, son<strong>de</strong>rn auch Nägel,<br />
Schleimhäute (z.B. Zunge o<strong>de</strong>r Genitalbereich)<br />
und sogar die Gelenke können<br />
von Entzündungen betroffen sein (<strong>Psoriasis</strong>-<br />
Arthritis).<br />
Deshalb wird Schuppenflechte mitunter<br />
nicht <strong>de</strong>n Hautkrankheiten, son<strong>de</strong>rn <strong>de</strong>n<br />
systemischen (= <strong>de</strong>n gesamten Körper betreffend)<br />
Krankheiten zugeordnet.<br />
Am häufigsten von<br />
Schuppenflechte<br />
betroffene Hautstellen<br />
11
Plaques, Pusteln und Co. – die verschie<strong>de</strong>nen<br />
Erscheinungsformen <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong><br />
Schuppenflechte sieht nicht bei je<strong>de</strong>m gleich aus. Ob kleine rote Punkte, die über <strong>de</strong>n ganzen<br />
Körper verteilt sind, o<strong>de</strong>r einzelne Plaques an bestimmten Körperstellen – die Ausprägungen<br />
sind vielfältig. Je nach Aussehen <strong>de</strong>r Verän<strong>de</strong>rungen auf <strong>de</strong>r Haut erfolgt die Zuordnung zu<br />
verschie<strong>de</strong>nen Formen. Allerdings gibt es auch Mischtypen, so dass eine Klassifizierung nicht<br />
immer ein<strong>de</strong>utig möglich ist.<br />
Form<br />
Gewöhnliche Schuppenflechte<br />
(<strong>Psoriasis</strong> vulgaris)<br />
o<strong>de</strong>r Plaque-<strong>Psoriasis</strong><br />
Schuppenflechte <strong>de</strong>r Kopfhaut<br />
(Kopfhaut-<strong>Psoriasis</strong>)<br />
Punktförmige Schuppenflechte<br />
(<strong>Psoriasis</strong> punctata)<br />
und<br />
Tropfenförmige Schuppenflechte<br />
(<strong>Psoriasis</strong> guttata)<br />
Beschreibung<br />
⋅⋅Häufigste Form <strong>de</strong>r Schuppenflechte<br />
⋅⋅Rote, <strong>de</strong>utlich von <strong>de</strong>r gesun<strong>de</strong>n Haut abgrenzbare,<br />
verdickte Hautstellen mit silbrig-weißer bis gelblicher<br />
grobblättriger Schuppung (Plaques)<br />
⋅⋅Je nach Schwere <strong>de</strong>r Entzündung auch dunkelrote<br />
und weniger schuppige Plaques<br />
⋅⋅Bei etwa 60% bis 70% <strong>de</strong>r Erkrankten mit Juckreiz<br />
verbun<strong>de</strong>n<br />
⋅⋅Tritt bevorzugt an Ellenbogen, Knie, Bauchnabel<br />
und in <strong>de</strong>r Steißregion/am unteren Rücken auf<br />
⋅⋅Bei bis zu 80% aller an Schuppenflechte Erkrankten<br />
⋅⋅Entzün<strong>de</strong>te, rötliche und stark schuppen<strong>de</strong> sowie<br />
häufig jucken<strong>de</strong> Plaques auf <strong>de</strong>r behaarten Kopfhaut<br />
und am Übergang zur Stirn<br />
⋅⋅Plaques kann man im Gegensatz zu normalen<br />
Schuppen erfühlen, wenn man mit <strong>de</strong>m Finger über<br />
die Kopfhaut fährt<br />
⋅⋅In <strong>de</strong>r Regel keine krankhafte Verän<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>r<br />
Haare, bei starker Ausprägung aufgrund häufigen<br />
Kratzens und Vernarbung jedoch Haarausfall<br />
möglich<br />
⋅⋅Typische Form für erstmaliges Auftreten einer<br />
Schuppenflechte, hieraus kann dann die gewöhnliche<br />
Schuppenflechte entstehen<br />
⋅⋅Flache, rötliche, punktförmige Flecken bis etwa<br />
Steckna<strong>de</strong>lkopfgröße bzw. tropfenförmige Flecken<br />
bis etwa Fingernagelgröße<br />
⋅⋅Häufig wie Wassertropfen auf <strong>de</strong>m gesamten Körper<br />
verteilt, vorzugsweise aber am Rumpf<br />
⋅⋅Geringe Schuppenbildung<br />
⋅⋅Vermehrt bei Kin<strong>de</strong>rn und Jugendlichen<br />
⋅⋅Tritt sehr plötzlich auf, klingt mitunter spontan ab<br />
12
Basiswissen<br />
Form<br />
Schuppenflechte mit<br />
eitrigen Bläschen<br />
(<strong>Psoriasis</strong> pustulosa)<br />
Schuppenflechte in<br />
Hautfalten<br />
(<strong>Psoriasis</strong> inversa o<strong>de</strong>r<br />
intertriginöse <strong>Psoriasis</strong>)<br />
Schuppenflechte <strong>de</strong>s<br />
gesamten Körpers<br />
(Erythro<strong>de</strong>rmische <strong>Psoriasis</strong>)<br />
Beschreibung<br />
⋅⋅Kleine, eitrige, gelbliche Bläschen auf bestehen<strong>de</strong>n<br />
Plaques<br />
⋅⋅Pusteln platzen mit <strong>de</strong>r Zeit auf o<strong>de</strong>r trocknen ein<br />
→ Entstehung bräunlicher Krusten<br />
⋅⋅Starke Schuppenbildung<br />
⋅⋅Verschie<strong>de</strong>ne Ausprägungen von Schuppenflechte mit<br />
Pustelbildung:<br />
··<br />
Als Komplikation bei <strong>Psoriasis</strong> vulgaris (z.B. als Reaktion<br />
auf Medikamente), Hinweis auf beson<strong>de</strong>rs starke<br />
Entzündungsprozesse in <strong>de</strong>r Haut<br />
··<br />
Pustulosis palmoplantaris<br />
--<br />
(Zum Teil sehr schmerzhafte) Pusteln ausschließlich<br />
an Handflächen und Fußsohlen<br />
··<br />
Generalisierte pustulöse <strong>Psoriasis</strong>/ <strong>Psoriasis</strong><br />
pustulosa <strong>de</strong>s Zumbusch-Typs<br />
--<br />
Gerötete Haut mit kleinen Pusteln am gesamten<br />
Körper<br />
--<br />
Häufig Fieber und Schüttelfrost infolge<br />
<strong>de</strong>r großflächigen Entzündungsher<strong>de</strong><br />
⋅⋅Hellrote bis stark rote, weiche, <strong>de</strong>utlich<br />
erkennbare Hautverän<strong>de</strong>rungen<br />
⋅⋅Können jucken, schmerzen o<strong>de</strong>r nässen<br />
⋅⋅Meist keine Schuppenbildung aufgrund<br />
natürlicher Feuchtigkeit in Hautfalten<br />
⋅⋅Auftreten vor allem in <strong>de</strong>r Gesäßfalte (häufig), im<br />
Genitalbereich, in <strong>de</strong>n Achselhöhlen (selten) und in<br />
<strong>de</strong>r Leistengegend<br />
⋅⋅Bei Frauen unter <strong>de</strong>n Brüsten<br />
⋅⋅Bei übergewichtigen Menschen auch in <strong>de</strong>r Hautfalte<br />
am Bauch<br />
⋅⋅Kann auch in Kniekehlen, Armbeugen sowie an<br />
Handflächen und Fußsohlen auftreten<br />
⋅⋅Seltene Form <strong>de</strong>r Schuppenflechte<br />
⋅⋅Betrifft die gesamte Hautoberfläche, welche nahezu<br />
vollständig gerötet und entzün<strong>de</strong>t ist<br />
⋅⋅Schwache Schuppung<br />
⋅⋅Vereinzelt können Pusteln auftreten<br />
⋅⋅Teilweise starker Juckreiz<br />
⋅⋅Allgemeines Krankheitsgefühl sowie Fieber und angeschwollene<br />
Lymphknoten (vorwiegend in <strong>de</strong>n Leisten<br />
und in <strong>de</strong>n Achseln)<br />
13
Schuppenflechte – mehr als nur eine<br />
Erkrankung <strong>de</strong>r Haut<br />
Durch Schuppenflechte ausgelöste Verän<strong>de</strong>rungen beschränken sich, wie bereits erwähnt,<br />
nicht immer nur auf die Haut – so sind bei etwa 50% <strong>de</strong>r Psoriatiker die Finger- bzw. Fußnägel<br />
(die zu <strong>de</strong>n so genannten Hautanhangsgebil<strong>de</strong>n zählen) betroffen. Eine Erkrankung<br />
<strong>de</strong>r Gelenke tritt in ca. 20% <strong>de</strong>r Fälle auf.<br />
Form<br />
Schuppenflechte <strong>de</strong>r Nägel<br />
(Nagel-<strong>Psoriasis</strong>)<br />
Schuppenflechte mit<br />
Gelenkbeteiligung<br />
(<strong>Psoriasis</strong>-Arthritis)<br />
Beschreibung<br />
⋅⋅An Finger- und/o<strong>de</strong>r Zehennägeln, eventuell im<br />
Zusammenhang mit <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis (siehe unten)<br />
⋅⋅Verän<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>s Nagels:<br />
··<br />
Vertiefungen und/o<strong>de</strong>r gelblich-bräunliche Flecken<br />
(so genannte Tüpfel und Ölflecken)<br />
··<br />
Nägel brechen leicht, oft gelblich verdickte Krümelnägel<br />
··<br />
Rote Nagelrän<strong>de</strong>r<br />
⋅⋅Einschränkung <strong>de</strong>r Funktionsfähigkeit von Fingern und<br />
Zehen möglich<br />
⋅⋅Entzündung und Versteifung <strong>de</strong>r Gelenke (vor allem<br />
Finger- und Zehengelenke)<br />
⋅⋅Beschwer<strong>de</strong>n:<br />
··<br />
Druckempfindliche, schmerzen<strong>de</strong> Gelenke<br />
··<br />
Verdickung und/o<strong>de</strong>r Versteifung <strong>de</strong>r Gelenke<br />
··<br />
Eingeschränkte Beweglichkeit<br />
⋅⋅Erkrankung <strong>de</strong>r Gelenke kann auch ohne die typischen<br />
Hautverän<strong>de</strong>rungen bei Schuppenflechte auftreten<br />
⋅⋅Verschie<strong>de</strong>ne Verläufe <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis<br />
··<br />
Die häufigste Form betrifft die Fingergelenke<br />
--<br />
Diese wer<strong>de</strong>n dick, schmerzen und versteifen sich<br />
langsam<br />
--<br />
Meist alle Finger einer Hand betroffen<br />
··<br />
Morbus Reiter o<strong>de</strong>r Reiter’sche Krankheit<br />
--<br />
Zusätzliche Verän<strong>de</strong>rung von Augen o<strong>de</strong>r Harnröhre<br />
sowie Auftreten von Pusteln<br />
··<br />
Bei aggressivem Verlauf können die Knochen angegriffen<br />
wer<strong>de</strong>n<br />
--<br />
Daher schnelle Behandlung wichtig<br />
14
Basiswissen<br />
Kapitel 1: kurz & knapp<br />
⋅⋅Bei <strong>de</strong>r Entstehung von <strong>Psoriasis</strong> spielen genetische Veranlagung, das Immunsystem<br />
sowie externe und interne Provokationsfaktoren (so genannte Auslöser) zusammen.<br />
⋅⋅Die Hautverän<strong>de</strong>rungen bei Schuppenflechte sind das Ergebnis<br />
- einer zu schnellen Erneuerung <strong>de</strong>r Oberhautzellen sowie<br />
- von durch Abwehrzellen ausgelösten Entzündungsprozessen.<br />
⋅ ⋅ Schuppenflechte äußert sich nicht nur auf <strong>de</strong>r Haut und <strong>de</strong>n Nägeln, son<strong>de</strong>rn auch<br />
die Gelenke können betroffen sein.<br />
15
Kapitel 2: Diagnose<br />
++ Arztbesuch ++ Untersuchung ++ Arztwahl ++<br />
Bei Hautverän<strong>de</strong>rungen zum Arzt<br />
Manche Menschen neigen dazu, Symptome<br />
wie Rötungen, Schuppung und Juckreiz<br />
einfach zu ignorieren, insbeson<strong>de</strong>re dann,<br />
wenn die Beschwer<strong>de</strong>n nicht sehr stark<br />
ausgeprägt sind o<strong>de</strong>r zeitweise wie<strong>de</strong>r zurückgehen.<br />
Angesichts eines übervollen Terminkalen<strong>de</strong>rs<br />
räumen sie an<strong>de</strong>ren Dingen<br />
Vorrang ein o<strong>de</strong>r sie sind <strong>de</strong>r Meinung, dass<br />
ihnen „sowieso nicht zu helfen“ sei.<br />
Auch ist eine gesicherte Diagnose wichtig,<br />
da Patienten mit Schuppenflechte häufig<br />
Begleiterkrankungen entwickeln, die ggf.<br />
einer Behandlung bedürfen (mehr Informationen<br />
hierzu in Kapitel 4).<br />
Vor allem aber ist sie Grundlage für <strong>de</strong>n<br />
Beginn einer passen<strong>de</strong>n Therapie.<br />
Beobachten Sie solche Hautverän<strong>de</strong>rungen<br />
bei sich, sollten Sie aber unbedingt zum<br />
Hautarzt gehen. Nur er kann ein<strong>de</strong>utig feststellen,<br />
welche Ursache die Beschwer<strong>de</strong>n<br />
haben.<br />
Denn nicht je<strong>de</strong> Hautverän<strong>de</strong>rung, die<br />
schuppt und juckt, ist automatisch<br />
auch Schuppenflechte.<br />
So können sie medizinische Laien z.B.<br />
leicht mit<br />
⋅⋅einem Ekzem o<strong>de</strong>r<br />
⋅⋅einer anstecken<strong>de</strong>n Infektion<br />
(z.B. einem Hautpilz) verwechseln.<br />
16
Diagnose<br />
In <strong>de</strong>r Arztpraxis<br />
Um festzustellen, ob ein Patient an einer <strong>Psoriasis</strong> lei<strong>de</strong>t, untersucht <strong>de</strong>r Hautarzt die betroffenen<br />
Hautbereiche auf ihr Aussehen und schaut sich <strong>de</strong>ren Verteilung am Körper an: Treten<br />
die Hautverän<strong>de</strong>rungen an für Schuppenflechte typischen Stellen wie z.B. <strong>de</strong>n Ellenbogen<br />
und Knien auf, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich tatsächlich um eine <strong>Psoriasis</strong><br />
han<strong>de</strong>lt. Auch Fragen zur Krankengeschichte <strong>de</strong>s Patienten sowie nach möglichen <strong>Psoriasis</strong>-<br />
Erkrankungen in <strong>de</strong>r Familie gehören zum Diagnoseverfahren.<br />
Des Weiteren weist die Haut von Psoriatikern bei Reibung bzw. Kratzen ein ganz charakteristisches<br />
Aussehen auf. Diese „Kratzphänomene“ macht sich <strong>de</strong>r Hautarzt zunutze, wenn er die<br />
Diagnose weiter absichern möchte:<br />
Form<br />
<br />
<br />
<br />
Das Kerzenwachs-<br />
Phänomen<br />
Das Phänomen<br />
<strong>de</strong>s letzten<br />
Häutchens<br />
Das Phänomen<br />
<strong>de</strong>s blutigen Taus<br />
Beschreibung<br />
Der Hautarzt reibt mit einem Holzspatel über die verän<strong>de</strong>rte<br />
Hautstelle. Bei <strong>Psoriasis</strong> sehen die dadurch abgelösten<br />
Schuppen aus wie abgeschabtes, weißes Kerzenwachs.<br />
Die Schuppenschicht <strong>de</strong>r betroffenen Stelle wird vollständig<br />
mit <strong>de</strong>m Holzspatel abgerieben. Darunter erscheint im Fall<br />
von Schuppenflechte eine sehr dünne, fast durchsichtige und<br />
feucht schimmern<strong>de</strong> Hautschicht.<br />
Wird weiter auf <strong>de</strong>m Häutchen geschabt, kommt es bei <strong>Psoriasis</strong><br />
typischerweise zu kleinen punktförmigen Blutungen.<br />
Dieses Phänomen lässt sich bei keiner an<strong>de</strong>ren Hauterkrankung<br />
als <strong>de</strong>r Schuppenflechte beobachten!<br />
<br />
<br />
<br />
Kerzenwachs-Phänomen:<br />
abgelöste Schuppen erinnern<br />
an Kerzenwachs<br />
Phänomen <strong>de</strong>s letzten Häutchens:<br />
fast transparente, glänzen<strong>de</strong><br />
Hautschicht<br />
Phänomen <strong>de</strong>s blutigen Taus:<br />
kleine Blutungen erinnern an<br />
Tautropfen<br />
17
Manchmal ist <strong>de</strong>r Hautarzt <strong>de</strong>nnoch nicht<br />
ganz sicher, ob tatsächlich eine Schuppenflechte<br />
vorliegt, beispielsweise weil die<br />
Symptome nur gering ausgeprägt sind o<strong>de</strong>r<br />
die Hautverän<strong>de</strong>rungen z.B. infolge einer<br />
Vorbehandlung ein untypisches Aussehen<br />
aufweisen. In Einzelfällen ordnet er daher<br />
die Untersuchung einer kleinen Hautprobe*<br />
an.<br />
*ZusatzInfo<br />
In <strong>de</strong>r Fachsprache bezeichnet man dies als „Biopsie“. Der Arzt entnimmt dabei nach<br />
örtlicher Betäubung <strong>de</strong>r entsprechen<strong>de</strong>n Stelle mit <strong>de</strong>m Skalpell etwas Gewebe. Dieses<br />
wird dann im Labor unter <strong>de</strong>m Mikroskop auf für <strong>Psoriasis</strong> typische krankhafte Verän<strong>de</strong>rungen<br />
(u.a. Verhornungsstörungen, Vergrößerung <strong>de</strong>r obersten Hautschicht und<br />
Entzündungsprozesse) untersucht.<br />
18
Diagnose<br />
Arztwahl: Prüfe, wer sich länger bin<strong>de</strong>t<br />
Schuppenflechte ist eine chronische Erkrankung, die je nach Verlauf langfristig regelmäßige<br />
Arztbesuche notwendig macht. Umso wichtiger, dass Sie <strong>de</strong>n für Sie passen<strong>de</strong>n Hautarzt fin<strong>de</strong>n.<br />
Für je<strong>de</strong>n Patienten sind bei <strong>de</strong>r Arztwahl sicherlich unterschiedliche Dinge beson<strong>de</strong>rs<br />
wichtig, die folgen<strong>de</strong>n Kriterien können Ihnen aber als Anhaltspunkte dienen:<br />
Lage <strong>de</strong>r Praxis<br />
⋅⋅Ein Arztbesuch, für <strong>de</strong>n Sie kilometerweit fahren müssen o<strong>de</strong>r eine schlechte<br />
Parksituation vor Ort können zusätzlichen Stress be<strong>de</strong>uten.<br />
Flexibilität bei <strong>de</strong>r Terminvergabe/Wartezeiten<br />
⋅⋅Insbeson<strong>de</strong>re Berufstätige, die sich für Arzttermine nicht ohne Weiteres frei<br />
nehmen können, sind auf Termine am frühen Morgen o<strong>de</strong>r am Abend und auf<br />
nicht allzu ausge<strong>de</strong>hnte Wartezeiten im Wartezimmer angewiesen.<br />
⋅⋅In einem akuten Schub möchten Sie unter Umstän<strong>de</strong>n relativ kurzfristig einen<br />
Termin vereinbaren. Ist dies möglich?<br />
Auf <strong>de</strong>r Höhe <strong>de</strong>r Zeit<br />
⋅⋅Gute Ärzte bil<strong>de</strong>n sich regelmäßig fort und sind über neue Therapieoptionen<br />
informiert.<br />
Vertrauensbasis<br />
⋅⋅Fühlen Sie sich mit Ihren Beschwer<strong>de</strong>n ernst genommen bzw. fühlen Sie sich<br />
bei Ihrem Arzt und in seiner Praxis gut aufgehoben?<br />
Unter Umstän<strong>de</strong>n wer<strong>de</strong>n Sie nicht auf Anhieb „Ihren“ Hautarzt fin<strong>de</strong>n. Lassen Sie sich davon<br />
aber nicht entmutigen, son<strong>de</strong>rn „probieren“ Sie weiter. Fragen Sie auch Freun<strong>de</strong> und Bekannte<br />
nach ihren Erfahrungen o<strong>de</strong>r nehmen Sie Kontakt mit einer lokalen <strong>Psoriasis</strong>-Selbsthilfegruppe<br />
auf.<br />
Kapitel 2: kurz & knapp<br />
⋅⋅Nur <strong>de</strong>r Hautarzt kann feststellen, ob eine Schuppenflechte vorliegt.<br />
⋅⋅Die Diagnose erfolgt<br />
- auf Basis <strong>de</strong>r Begutachtung <strong>de</strong>r betroffenen Stellen und <strong>de</strong>r Krankengeschichte,<br />
- ggf. mittels Kratz-Tests sowie<br />
- in Einzelfällen anhand einer Hautprobenuntersuchung.<br />
19
Kapitel 3: Therapie<br />
++ Grundsätzliches zur Behandlung ++ Hautreinigung und -pflege ++<br />
++ Äußerliche Therapien ++ Lichttherapien ++ Innerliche Therapien ++<br />
++ Klimatherapien ++ Alternative Therapien ++ Behandlung beson<strong>de</strong>rer Bereiche ++<br />
Lebensqualität dank konsequenter<br />
Behandlung<br />
Steht die Diagnose „Schuppenflechte“ fest,<br />
stellt <strong>de</strong>r Hautarzt einen individuellen Therapieplan<br />
auf. Ihm steht dabei eine Vielzahl<br />
mo<strong>de</strong>rner Behandlungsoptionen zur Verfügung,<br />
um die Beschwer<strong>de</strong>n seiner Patienten<br />
zu lin<strong>de</strong>rn o<strong>de</strong>r sogar Symptomfreiheit zu<br />
erreichen und ihnen so wie<strong>de</strong>r ein großes<br />
Stück Lebensqualität zurückzugeben.<br />
Bei <strong>de</strong>r Mehrzahl <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>-Patienten<br />
reicht eine äußerliche Behandlung. Diese<br />
kann bei Bedarf mit an<strong>de</strong>ren Behandlungsformen,<br />
wie z.B. <strong>de</strong>r Lichttherapie, kombiniert<br />
wer<strong>de</strong>n. Nur bei schwereren Verläufen<br />
o<strong>de</strong>r wenn auch die Gelenke betroffen sind<br />
(<strong>Psoriasis</strong>-Arthritis), verordnet <strong>de</strong>r Hautarzt<br />
eine innerliche Behandlung.<br />
Befolgen Sie daher unbedingt die<br />
Anwendungs- o<strong>de</strong>r Einnahmehinweise<br />
im Beipackzettel bzw. die Anweisungen<br />
Ihres Arztes.<br />
Viele Patienten unterschätzen <strong>de</strong>n Anteil,<br />
<strong>de</strong>n sie durch ein solches Verhalten selbst<br />
am Therapieerfolg haben. Auch gilt es, nicht<br />
zu früh „die Flinte ins Korn zu werfen“. Denn<br />
unter Umstän<strong>de</strong>n dauert es eine Weile, bis<br />
erste Resultate sicht- und spürbar wer<strong>de</strong>n.<br />
Um keine falschen Erwartungen zu haben,<br />
fragen Sie am besten Ihren Hautarzt, wann<br />
Sie realistischerweise mit ersten Behandlungserfolgen<br />
rechnen können.<br />
Beweisen Sie Durchhaltevermögen!<br />
Unabhängig davon, welche dieser Therapieformen<br />
bei Ihnen zum Einsatz kommt,<br />
ist eines beson<strong>de</strong>rs wichtig: Konsequenz!<br />
Auch wenn Ihnen die Behandlung sicherlich<br />
manchmal lästig ist – selbst die beste<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Therapie kann nur dann optimal<br />
wirken, wenn sie regelmäßig und korrekt<br />
durchgeführt wird.<br />
20
Therapie<br />
Hau(p)tsache Pflege<br />
Grundlage jeglicher Behandlungsform bei Schuppenflechte, also quasi eine Basistherapie,<br />
ist die tägliche Hautpflege – auch in beschwer<strong>de</strong>freien Phasen! Denn Austrocknung stellt<br />
einen Reiz dar, <strong>de</strong>r unter Umstän<strong>de</strong>n neue Schübe auslösen kann. Hinzu kommt, dass manche<br />
Therapien, wie z.B. die Lichtbehandlung, die Austrocknung weiter för<strong>de</strong>rn können. Sprechen<br />
Sie daher Ihren Arzt o<strong>de</strong>r Apotheker auf für Sie geeignete Pflegeprodukte an.<br />
Vorausgedacht: Bereits bei <strong>de</strong>r Reinigung pflegen<br />
Schon für gesun<strong>de</strong> Haut kann Reinigung „Stress“ be<strong>de</strong>uten, da z.B. Seifen <strong>de</strong>n Säuregehalt<br />
<strong>de</strong>r Haut verän<strong>de</strong>rn und damit ihren Säureschutzmantel* beeinträchtigen. Bei Psoriatikern ist<br />
dieser natürliche Schutzschild von vorneherein nicht voll funktionsfähig und kann sich entsprechend<br />
schlechter selbstständig regenerieren. Um trockener, sprö<strong>de</strong>r und rissiger Haut<br />
vorzubeugen, sollten Sie daher bereits bei <strong>de</strong>r Reinigung einige Dinge beachten:<br />
Seifenfreie und rückfetten<strong>de</strong><br />
Reinigungspräparate verwen<strong>de</strong>n<br />
Z.B. mit Inhaltsstoffen wie Harnstoff<br />
(Urea), Glyzerin, Hyaluronsäure,<br />
Vitamin E o<strong>de</strong>r Kollagen<br />
Sparsam dosieren<br />
Mit Wasch-, Dusch- o<strong>de</strong>r Ba<strong>de</strong>mittel<br />
möglichst „geizen“<br />
Vorsichtig trocknen<br />
Die Haut nach <strong>de</strong>m Duschen o<strong>de</strong>r<br />
Ba<strong>de</strong>n mit einem Handtuch trocken<br />
tupfen; Rubbeln be<strong>de</strong>utet zusätzliche<br />
Reizung, beim Trocknen an <strong>de</strong>r Luft<br />
besteht die Gefahr, dass die Haut einreißt<br />
Lieber duschen als ba<strong>de</strong>n<br />
Bä<strong>de</strong>r trocknen die Haut stärker aus<br />
Runter mit <strong>de</strong>n Temperaturen<br />
Je heißer das Wasser, <strong>de</strong>sto mehr Fett<br />
und Feuchtigkeit verliert die Haut;<br />
die i<strong>de</strong>ale Wassertemperatur beim<br />
Duschen und Ba<strong>de</strong>n liegt zwischen<br />
32 und 35 Grad Celsius<br />
Wenn, dann clever ba<strong>de</strong>n<br />
Wenn es <strong>de</strong>nnoch ein Bad sein muss,<br />
dann nicht länger als 20 Minuten, Salzund<br />
Ölbä<strong>de</strong>r können <strong>de</strong>n Entzündungsprozess<br />
in <strong>de</strong>r Haut abmil<strong>de</strong>rn, Öl beugt<br />
<strong>de</strong>r Austrocknung vor; Ölba<strong>de</strong>zusätzen<br />
entzündungshemmen<strong>de</strong> Wirkstoffe wie<br />
Kamille o<strong>de</strong>r Ringelblume hinzufügen<br />
*ZusatzInfo<br />
Beim natürlichen Säureschutzmantel <strong>de</strong>r Haut han<strong>de</strong>lt es sich um einen leicht sauren<br />
(pH-Wert von 5,5), dünnen Film aus Schweiß und Abson<strong>de</strong>rungen <strong>de</strong>r Talgdrüsen auf <strong>de</strong>r<br />
Hautoberfläche. Er dient <strong>de</strong>r Abwehr von Krankheitserregern, Reiz- und Schadstoffen<br />
etc. und schützt die Haut vor Austrocknung.<br />
21
Hilfe aus Flasche, Tube und Tiegel:<br />
Äußerliche Therapien<br />
In <strong>de</strong>n meisten Fällen von Schuppenflechte<br />
verordnet <strong>de</strong>r Hautarzt eine äußerliche<br />
Behandlung, auch lokale o<strong>de</strong>r topische<br />
Therapie genannt. Hier steht ihm eine Reihe<br />
verschie<strong>de</strong>ner Präparate zur Verfügung.<br />
Manche enthalten nur einen Wirkstoff,<br />
an<strong>de</strong>re wie<strong>de</strong>rum vereinen verschie<strong>de</strong>ne<br />
wirksame Inhaltstoffe in einem Produkt (so<br />
genannte Kombinationspräparate). Über die<br />
Wirksamkeit hinaus ist die Verträglichkeit –<br />
auch über längere Zeiträume – von großer<br />
Be<strong>de</strong>utung, da starke unangenehme Nebenwirkungen<br />
zusätzlich belasten und unter<br />
Umstän<strong>de</strong>n sogar zum Therapieabbruch<br />
führen.<br />
Gel, Salbe, Creme o<strong>de</strong>r Lotion?<br />
Neben <strong>de</strong>m eigentlichen medizinischen<br />
Wirk stoff spielt bei <strong>de</strong>r äußerlichen Behandlung<br />
zu<strong>de</strong>m die Darreichungsform (Gel, Salbe,<br />
Creme, Lotion etc.) eine wichtige Rolle.<br />
Das Präparat sollte Ihre ohnehin stark gereizte<br />
Haut nach Möglichkeit nicht zusätzlich<br />
austrocknen bzw. es sollte gut pflegen<strong>de</strong><br />
Eigenschaften besitzen.<br />
Auch kommen hier Ihr Hauttyp und Ihre<br />
persönlichen Vorlieben ins Spiel: Manche<br />
bevorzugen (vor allem im Sommer) ein<br />
leichteres Gel, an<strong>de</strong>re wie<strong>de</strong>rum empfin<strong>de</strong>n<br />
eine Salbe insbeson<strong>de</strong>re bei sehr trockener<br />
Haut als angenehm. Zu<strong>de</strong>m eignen sich für<br />
bestimmte Körperregionen, wie z.B. die behaarte<br />
Kopfhaut, bestimmte Darreichungsformen<br />
wie z.B. Gele besser als an<strong>de</strong>re.<br />
22
Therapie<br />
Passt die Behandlung in meinen Alltag?<br />
Bei allem Willen, <strong>de</strong>r Erkrankung etwas<br />
entgegenzusetzen, empfin<strong>de</strong>t so mancher<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Patient die Behandlung <strong>de</strong>r betroffenen<br />
Hautstellen auf Dauer als läs tig. Eine<br />
konsequente Durchführung gelingt in <strong>de</strong>r<br />
Regel dann am besten, wenn sich die Therapie<br />
gut in <strong>de</strong>n eigenen Alltag einfügt bzw.<br />
ihn so wenig wie möglich beeinträchtigt.<br />
Hier kommt es u.a. auf folgen<strong>de</strong> Aspekte an:<br />
⋅⋅Anwendungshäufigkeit<br />
Müssen Sie das Präparat einmal o<strong>de</strong>r mehrmals täglich anwen<strong>de</strong>n?<br />
⋅⋅Benötigte Zeit pro Anwendung<br />
Sind z.B. größere Vorbereitungen wie eine Entschuppung notwendig, o<strong>de</strong>r kann das<br />
Präparat direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen wer<strong>de</strong>n?<br />
⋅ ⋅ Persönliche Gewohnheiten<br />
Pflegen Sie Ihre Haut für gewöhnlich morgens? Dann passt ggf. ein farbloses Gel<br />
ohne Wasseranteil am besten in Ihren Tagesablauf: Es lässt sich leicht verteilen,<br />
zieht schnell ein und hinterlässt keinen Fettfilm auf <strong>de</strong>r Haut. So ist es für An<strong>de</strong>re<br />
nicht sichtbar und Sie können sich auch im direkten Anschluss anziehen. Eine Salbe<br />
wie<strong>de</strong>rum kann über Nacht beson<strong>de</strong>rs gut in die Haut einwirken. Hier gilt: einfach<br />
ausprobieren, welche Darreichungsform am besten zu Ihnen passt.<br />
23
Die Palette <strong>de</strong>r für die äußerliche Behandlung zur Verfügung stehen<strong>de</strong>n<br />
Wirkstoffe ist breit. Den Überblick behalten Sie mit <strong>de</strong>r folgen<strong>de</strong>n Tabelle:<br />
Hornlösen<strong>de</strong> Wirkstoffe (Keratolytika)<br />
⋅⋅Anwendung begleitend zu an<strong>de</strong>ren Wirkstoffen in akuten Schüben<br />
⋅<br />
⋅ Bereiten die verdickte Haut für an<strong>de</strong>re Wirkstoffe vor, so dass diese besser eindringen<br />
können<br />
Harnstoff<br />
⋅⋅Z.B. in Cremes, Salben und Lotionen<br />
⋅⋅Körpereigene Substanz<br />
⋅⋅Weicht verhornte Haut auf<br />
⋅⋅Hintergrund: natürlicher Harnstoffgehalt <strong>de</strong>r Haut ist bei Psoriatikern erniedrigt<br />
⋅⋅Hemmt Entzündung und Juckreiz, bin<strong>de</strong>t Feuchtigkeit in <strong>de</strong>r Haut<br />
⋅⋅Brennt ggf. auf offenen Hautstellen<br />
Salicylsäure<br />
⋅⋅Z.B. in Vaseline (Körper), als Creme o<strong>de</strong>r Öl (Kopf)<br />
⋅⋅Dient <strong>de</strong>r Ablösung verdickter Schuppungen<br />
⋅⋅I<strong>de</strong>alerweise über Nacht einwirken lassen, Wirkung ggf. durch Plastikfolie/Ba<strong>de</strong>haube<br />
verstärken<br />
⋅⋅Am nächsten Morgen beim Ba<strong>de</strong>n die Schuppen vorsichtig mit <strong>de</strong>m Waschlappen<br />
lösen<br />
⋅⋅Insbeson<strong>de</strong>re bei Kleinkin<strong>de</strong>rn nie auf gesamte Haut auftragen, da Wirkstoff teilweise<br />
in Blutkreislauf eindringt<br />
⋅⋅Vorsicht bei<br />
--<br />
Salizylat-Überempfindlichkeit<br />
--<br />
Starken Konzentrationen<br />
⋅⋅Hautirritationen bei zu langem Kontakt<br />
⋅⋅Empfehlung Leitlinien „<strong>Psoriasis</strong> <strong>de</strong>s behaarten Kopfes“ (Deutsche Dermatologische<br />
Gesellschaft): Anwendung von Salicylsäure nur bei stark ausgeprägter<br />
Schuppen bildung und befristet auf wenige Tage<br />
Glukokortikoi<strong>de</strong> (Glukokortikosteroi<strong>de</strong>, Kortikoi<strong>de</strong>)<br />
⋅⋅Künstlich hergestellte kortisonartige Wirkstoffe<br />
⋅<br />
⋅<br />
⋅⋅Gute Alltagstauglichkeit<br />
⋅<br />
⋅ Kortison = menschliches, in Nebennierenrin<strong>de</strong> gebil<strong>de</strong>tes Hormon<br />
⋅ Gute bis sehr gute Wirkung bei leichter bis mittelschwerer <strong>Psoriasis</strong><br />
⋅ Bei Langzeitanwendung und/o<strong>de</strong>r in empfindlichen Hautbereichen ggf. Verdünnung<br />
<strong>de</strong>r Haut, Erweiterung von Gefäßen möglich<br />
⋅⋅Wirkverstärkung und Reduktion <strong>de</strong>r Nebenwirkungen durch Kombination mit an<strong>de</strong>ren<br />
Wirkstoffen möglich (z.B. Vitamin-D 3 -Derivate)<br />
24
Therapie<br />
Vitamin-D 3 -Derivate (Vitamin-D 3 -Abkömmlinge)<br />
Vitamin-D 3 :<br />
⋅⋅Hormon, das im Körper bei ausreichend vorhan<strong>de</strong>nem Sonnenlicht gebil<strong>de</strong>t o<strong>de</strong>r über<br />
Nahrung aufgenommen wird<br />
⋅⋅Reguliert Kalzium- und Phosphataufnahme aus Magen-Darm-Trakt<br />
⋅⋅Wichtig für Steuerung immunsystembezogener und hauterneuern<strong>de</strong>r Prozesse<br />
⋅⋅Überdosis kann Kalziumstoffwechsel stören (mögliche Folgen: Erbrechen, Durchfall,<br />
Kopfschmerzen, bis hin zu Gefäßverkalkung und Kalkablagerungen in <strong>de</strong>n Nieren)<br />
Vitamin-D 3 -Derivate:<br />
⋅⋅Unterdrücken die Produktion <strong>de</strong>r entzündungsför<strong>de</strong>rn<strong>de</strong>n Botenstoffe (Zytokine) und<br />
regulieren die Funktionsweise <strong>de</strong>r körpereigenen Abwehrzellen<br />
Calcipotriol<br />
⋅⋅Wirkt wie Vitamin D 3 , beeinflusst <strong>de</strong>n Kalzium- und Phosphathaushalt jedoch<br />
weniger (bis zu 100-200 Mal schwächer)<br />
⋅⋅Vermin<strong>de</strong>rt krankhaft erhöhte Zellteilung, för<strong>de</strong>rt normalen Reifeprozess <strong>de</strong>r<br />
Hautzellen<br />
⋅⋅Hat Einfluss auf das Immunsystem<br />
→ positive Wirkung auf Entzündungsvorgänge in <strong>de</strong>r Haut<br />
⋅⋅Gute Wirksamkeit (vergleichbare Wirkung wie mittelstarke Kortisonsalbe)<br />
⋅⋅Als Creme und Salbe (Körper) und Lösung (Kopfhaut) erhältlich<br />
⋅⋅In <strong>de</strong>r Regel gut verträglich<br />
⋅⋅Gelegentlich vorübergehen<strong>de</strong> Hautirritationen möglich, daher sehr großflächige<br />
(> 30% <strong>de</strong>r Körperoberfläche) sowie Anwendung im Gesicht vermei<strong>de</strong>n<br />
⋅⋅Wirksamkeit und Verträglichkeit lassen sich durch zusätzliche äußerliche Gabe von<br />
Kortikoi<strong>de</strong>n weiter steigern<br />
⋅⋅Auch für Langzeittherapie gut geeignet, da langfristig Nebenwirkungen nur sehr<br />
selten auftreten<br />
⋅⋅Auch Anwendung bei Kin<strong>de</strong>rn möglich<br />
Calcitriol<br />
⋅⋅Nicht so wirksam wie starke Kortikoi<strong>de</strong><br />
⋅⋅Keine Anwendung auf größeren Hautflächen aufgrund möglicher Wechselwirkungen<br />
mit körpereigenem Kalzium- und Phosphathaushalt<br />
Tacalcitol<br />
⋅⋅Wirksamkeit und Sicherheit bei Therapie <strong>de</strong>r leichten bis mittelschweren Plaque-<br />
<strong>Psoriasis</strong> gegeben<br />
⋅⋅Für empfindliche Hautstellen, z.B. Gesicht, geeignet<br />
⋅⋅Bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und/o<strong>de</strong>r Stoffwechselstörungen<br />
u.U. laufen<strong>de</strong> Kontrolle <strong>de</strong>s Kalzium- und Phosphathaushaltes bei längerer o<strong>de</strong>r<br />
großflächiger Anwendung notwendig<br />
25
Dithranol (Antralin und Cignolin)<br />
⋅⋅Zählt zu <strong>de</strong>n ältesten äußerlichen <strong>Psoriasis</strong>-Therapien<br />
⋅⋅Hemmt das bei <strong>Psoriasis</strong> gesteigerte Zellwachstum<br />
⋅⋅Gute Wirksamkeit, keine Langzeitschä<strong>de</strong>n zu erwarten<br />
⋅<br />
⋅ Im ambulanten Bereich zunehmend durch mo<strong>de</strong>rnere Präparate ersetzt, da nur bedingt<br />
alltagstauglich<br />
--<br />
Hautirritationen<br />
--<br />
Braune Verfärbungen von Haut/Kleidung möglich<br />
→ Falls Behandlung zu Hause, meist in Form <strong>de</strong>r Minuten- o<strong>de</strong>r Kurzkontakttherapie<br />
(Präparat wird nach kurzer Einwirkzeit wie<strong>de</strong>r abgewaschen)<br />
Tazaroten<br />
⋅⋅Abkömmling <strong>de</strong>r Vitamin-A-Säure<br />
⋅⋅Keine schwerwiegen<strong>de</strong>n Nebenwirkungen, jedoch Hautreizungen bei Auftragen auf<br />
gesun<strong>de</strong> Haut möglich<br />
⋅⋅Steigerung von Wirksamkeit und Verträglichkeit durch Kombination mit äußerlicher<br />
Kortikoid-Anwendung<br />
Steinkohleteer (Teer)<br />
⋅⋅Wirkt <strong>de</strong>r übermäßigen Produktion von Hautzellen sowie Verhornung entgegen<br />
⋅⋅Min<strong>de</strong>rt Entzündung und Juckreiz<br />
⋅⋅Verfügbar in Cremes, Salben, Shampoos<br />
⋅⋅Nur bedingt alltagstauglich<br />
--<br />
Unangenehmer Geruch<br />
--<br />
Schwarzbraune Verfärbung von Haut und Kleidung möglich<br />
⋅⋅Wirksamkeit wird zum Teil angezweifelt<br />
⋅⋅Krebserregen<strong>de</strong>s Risiko bei Langzeitanwendung nicht auszuschließen<br />
⋅⋅Haut wird empfindlicher gegenüber Sonneneinstrahlung<br />
Calcineurin-Inhibitoren (topische Immunmodulatoren o<strong>de</strong>r Makroli<strong>de</strong>):<br />
Tacrolimus und Pimecrolimus<br />
⋅⋅Offiziell nicht für die <strong>Psoriasis</strong>-Behandlung zugelassen, son<strong>de</strong>rn für Therapie <strong>de</strong>r<br />
atopischen Dermatitis (Neuro<strong>de</strong>rmitis)<br />
⋅⋅Einsatz in Einzelfällen bei <strong>Psoriasis</strong> an beson<strong>de</strong>rs empfindlichen Hautstellen (z. B. Gesicht)<br />
⋅⋅Im Allgemeinen gute Verträglichkeit<br />
26
Therapie<br />
Durch Kombination verschie<strong>de</strong>ner Wirkstoffe kann im Vergleich zur Behandlung mit nur einer<br />
Substanz in vielen Fällen eine bessere und schnellere Wirksamkeit sowie eine Min<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>r<br />
Nebenwirkungen erzielt wer<strong>de</strong>n:<br />
Calcipotriol + Kortikoi<strong>de</strong><br />
⋅⋅Fertiges Kombinationspräparat aus Calcipotriol und einem Kortison<br />
(Betamethasondipropionat) erhältlich, u.a. als farb- und geruchloses Gel<br />
(ohne Wasseranteil = Lipo-Gel) und als Salbe<br />
⋅⋅Eine <strong>de</strong>r wirksamsten und nebenwirkungsärmsten Therapieformen<br />
⋅⋅Ausdrücklich in „Leitlinien <strong>de</strong>r Deutschen Dermatologischen Gesellschaft zur Therapie <strong>de</strong>r<br />
<strong>Psoriasis</strong> vulgaris“ für die einleiten<strong>de</strong> Behandlung bei einem neuen Schub empfohlen<br />
⋅⋅Für Patienten mit mil<strong>de</strong>r, mittelschwerer o<strong>de</strong>r schwerer <strong>Psoriasis</strong><br />
⋅⋅Untersuchungen zeigen eine <strong>de</strong>utlich gesteigerte Wirksamkeit <strong>de</strong>r Kombination<br />
im Vergleich zur isolierten Anwendung <strong>de</strong>r Einzelwirkstoffe<br />
⋅⋅Schnell einsetzen<strong>de</strong> Wirkung<br />
⋅⋅1x tägliche Anwendung<br />
⋅⋅Auch für Langzeittherapie geeignet<br />
Weitere Kombinationstherapien (heute nur noch selten angewen<strong>de</strong>t)<br />
⋅⋅Steinkohleteer + UV-Strahlung<br />
⋅⋅Steinkohleteer + UV-B-Strahlung + Dithranol<br />
⋅⋅Bewährte Wirkung, jedoch geringe Alltagstauglichkeit aufgrund Teergeruch, Hautreizungen<br />
und Verfärbungen<br />
27
In Licht getaucht: Fototherapien<br />
Bei <strong>de</strong>r so genannten Foto- o<strong>de</strong>r Lichttherapie<br />
wird die Haut über mehrere Wochen in<br />
steigen<strong>de</strong>r Dosierung bestrahlt – meist in<br />
Ver bindung mit einer äußerlichen Behandlung<br />
wie z.B. einem Vitamin-D 3 -Abkömmling.<br />
Je nach Behandlungsansatz kommen dabei<br />
unterschiedliche Formen <strong>de</strong>s ultravioletten<br />
Lichts (UV-Licht) zum Einsatz. Es han<strong>de</strong>lt<br />
sich dabei um elektromagnetische Strahlen,<br />
die aufgrund ihrer sehr kurzen Wellenlänge<br />
für <strong>de</strong>n Menschen nicht sichtbar sind. Sie<br />
stehen zum Teil im Verdacht, vor allem in<br />
<strong>de</strong>r Langzeitanwendung, das Hautkrebsrisiko<br />
zu erhöhen. Auch kann es zu vorzeitiger<br />
Hautalterung kommen. Darüber hinaus<br />
ist diese Behandlung für die Patienten<br />
mit einem gewissen Aufwand verbun<strong>de</strong>n,<br />
weil sie i.d.R. nicht zu Hause, son<strong>de</strong>rn in<br />
<strong>de</strong>r Arztpraxis o<strong>de</strong>r Hautklinik erfolgt. Daher<br />
wird die Fototherapie im Allgemeinen<br />
nur für die anfängliche Therapie in Fällen<br />
mittelschwerer o<strong>de</strong>r schwerer <strong>Psoriasis</strong><br />
mit großflächigem Hautbefall empfohlen.<br />
Bei Kopfhaut- o<strong>de</strong>r Nagel-<strong>Psoriasis</strong> kann die<br />
Bestrahlung auch punktuell erfolgen, zum<br />
Teil übernimmt die Krankenkasse die Kosten<br />
für die Geräte, die <strong>de</strong>r Patient zu Hause<br />
selbst anwen<strong>de</strong>t (z.B. Lichtkamm).<br />
28
Therapie<br />
Die folgen<strong>de</strong> Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht über die verschie<strong>de</strong>nen Strahlenarten:<br />
UV-A<br />
⋅⋅Dringt in tiefere Hautschichten ein<br />
⋅<br />
⋅⋅Dennoch gesteigertes Tumorrisiko<br />
⋅ Weniger energiereich → akut weniger schädlich<br />
UV-B<br />
⋅⋅Dringt nur in Oberhaut ein, hemmt hier die gesteigerte Neubildung von Hornzellen<br />
⋅⋅Bei Überdosierung Sonnenbrandgefahr → erhöhtes Hautkrebsrisiko<br />
Schmalspektrum-UV-B-Therapie<br />
⋅⋅Behandlung erfolgt mit UV-Strahlen in einem Wellenbereich, <strong>de</strong>r sich beson<strong>de</strong>rs für die<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Therapie eignet → optimale Wirkung bei kurzen Bestrahlungszeiten<br />
⋅⋅Geringeres Nebenwirkungsrisiko<br />
PUVA-Therapie<br />
⋅⋅Kombination von UV-A-Strahlen mit Psoralen (= chemischer Wirkstoff, äußerlich o<strong>de</strong>r<br />
innerlich angewen<strong>de</strong>t)<br />
⋅⋅Wirkstoff macht Haut empfänglicher für anschließen<strong>de</strong> Bestrahlung<br />
⋅⋅Bei Langzeitbehandlung erhöhtes Hautkrebsrisiko, insbeson<strong>de</strong>re bei Männern im<br />
Genitalbereich<br />
⋅⋅Daher Einsatz nur bei schwerer <strong>Psoriasis</strong><br />
⋅⋅Bei innerlicher Einnahme erhöhte Sonnenempfindlichkeit von Haut und Augen, Magen-<br />
Darm-Nebenwirkungen<br />
Balneophototherapie<br />
⋅⋅Kombination von Schmalspektrum-UV-B mit Salzbä<strong>de</strong>rn<br />
⋅⋅Hoher Anteil von Magnesium und Bromid in Solebä<strong>de</strong>rn hemmt Hornbildung und<br />
Entzündungen<br />
⋅⋅Salze bereiten die Haut optimal auf die anschließen<strong>de</strong> Bestrahlung vor bzw. Bestrahlung<br />
erfolgt während <strong>de</strong>s Salzbads<br />
⋅⋅Sehr gute Behandlungsergebnisse erzielbar, vergleichbar mit Effekt einer Klimatherapie<br />
am Toten Meer<br />
Laser<br />
⋅⋅Insbeson<strong>de</strong>re geeignet für Patienten mit mehreren kleinen befallenen Hautstellen<br />
⋅⋅Vorteil: Laserstrahl kann gezielt auf betroffene Hautstellen gerichtet wer<strong>de</strong>n → gesun<strong>de</strong><br />
Haut wird nicht durch UV-Strahlung belastet → geringeres Hautkrebsrisiko<br />
⋅⋅Wird nicht von Krankenkassen bezahlt<br />
29
Von innen nach außen: Innerliche Therapien<br />
Eine innerliche (o<strong>de</strong>r systemische) Therapie in Form von Tabletten o<strong>de</strong>r Spritzen etc. verordnet<br />
<strong>de</strong>r Hautarzt nur in beson<strong>de</strong>rs schweren <strong>Psoriasis</strong>-Fällen und/o<strong>de</strong>r bei <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis.<br />
Denn diese Medikamente greifen in wichtige, im Körper ablaufen<strong>de</strong> Prozesse ein und können<br />
daher neben <strong>de</strong>r gewünschten Wirkung auch zum Teil schwerwiegen<strong>de</strong> Nebenwirkungen auslösen.<br />
Die Anweisungen Ihres Arztes sollten Sie im Falle einer innerlichen Therapie daher genau<br />
befolgen und auch die regelmäßigen Kontrolltermine unbedingt wahrnehmen.<br />
Die folgen<strong>de</strong> Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht über die verschie<strong>de</strong>nen Wirkstoffe zur innerlichen<br />
Anwendung:<br />
Ciclosporin<br />
⋅⋅Hemmt übermäßiges Wachstum <strong>de</strong>r Hautzellen, in<strong>de</strong>m es einige Aktivitäten <strong>de</strong>s Immunsystems<br />
unterbin<strong>de</strong>t<br />
⋅⋅Nicht mit Lichttherapie kombinierbar, da erhöhtes Hautkrebsrisiko<br />
⋅⋅Langzeittherapie nur im Ausnahmefall, da starke Nebenwirkungen wie z.B. Nierenschädigung,<br />
Nervenstörungen o<strong>de</strong>r Bluthochdruck → Regelmäßige Kontrolluntersuchungen<br />
notwendig<br />
Fumarsäureester (Fumarate)<br />
⋅⋅Chemische Verbindung, kommt im menschlichen Körper natürlicherweise vor<br />
⋅⋅Stark entzündungshemmend<br />
⋅⋅Wirkt bei Plaque-<strong>Psoriasis</strong>, bei pustulösen Formen an Hän<strong>de</strong>n und Füßen sowie bei<br />
Nagel-<strong>Psoriasis</strong><br />
⋅⋅Häufige Nebenwirkungen: u.a. Übelkeit, Hitzewallungen, Durchfall<br />
⋅⋅Aufgrund von Blutbildverän<strong>de</strong>rungen regelmäßige Laborkontrollen notwendig<br />
⋅⋅Darf nicht bei Störungen <strong>de</strong>s Verdauungstraktes angewen<strong>de</strong>t wer<strong>de</strong>n<br />
Methotrexat<br />
⋅⋅Bei schwerer (pustulöser) <strong>Psoriasis</strong>, die <strong>de</strong>n gesamten Körper betrifft und <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis<br />
⋅⋅Ursprünglich zur Krebsbehandlung entwickelt<br />
⋅⋅Hemmt Hautzellwachstum, unterdrückt Immunsystem<br />
⋅⋅Wirkt auch auf an<strong>de</strong>re Zellen und Organe, insbeson<strong>de</strong>re auf die Leber, da hier <strong>de</strong>r<br />
Wirkstoffabbau erfolgt<br />
⋅⋅Nicht geeignet bei: Leber-/Nierenerkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Alkoholabhängigkeit<br />
⋅⋅Risiko von Geburtsschä<strong>de</strong>n/Fehlgeburten → keine Einnahme in <strong>de</strong>r Schwangerschaft!<br />
⋅⋅Regelmäßige ärztliche Kontrollen notwendig<br />
30
Therapie<br />
Retinoi<strong>de</strong><br />
⋅⋅Vitamin-A-Abkömmlinge<br />
⋅<br />
⋅<br />
⋅<br />
⋅ Hemmen übermäßiges Zellwachstum und Entzündungsprozesse<br />
⋅ Dürfen nicht bei Leber-/Nierenstörungen angewen<strong>de</strong>t wer<strong>de</strong>n<br />
⋅ Bei Schwangerschaft schwere Schädigungen <strong>de</strong>s Ungeborenen möglich → Einnahme<br />
durch Frauen im gebärfähigen Alter nur in Ausnahmefällen, dann absolut sichere<br />
Verhütung notwendig<br />
Kortikosteroi<strong>de</strong><br />
⋅⋅Innerliche Anwendung kortisonhaltiger Präparate aufgrund langfristiger Nebenwirkungen<br />
und möglicher Verstärkung <strong>de</strong>s Krankheitsbil<strong>de</strong>s nach Absetzen <strong>de</strong>s<br />
Medikaments nur sehr selten<br />
Biologika (Biologics o<strong>de</strong>r Biologicals)<br />
⋅⋅Gentechnisch hergestellte, biologische Substanzen<br />
⋅<br />
⋅ Beeinflussen im Gegensatz zu herkömmlichen innerlichen Therapien nicht das<br />
gesamte Immunsystem, son<strong>de</strong>rn richten sich sehr gezielt gegen die bei <strong>Psoriasis</strong> für<br />
die Entzündung verantwortlichen Immunzellen und Botenstoffe → höhere Sicherheit<br />
⋅⋅I.d.R. gute Verträglichkeit, allerdings je nach Wirkweise und Verabreichungsart<br />
(Infusion/Spritze) allergische Reaktionen o<strong>de</strong>r örtliche Reaktionen an Einstichstelle<br />
möglich<br />
⋅⋅Infektionsrisiko infolge <strong>de</strong>r Unterdrückung <strong>de</strong>s Immunsystems erhöht, bei grippeähnlichen<br />
Beschwer<strong>de</strong>n daher unbedingt <strong>de</strong>n Arzt informieren<br />
⋅⋅Aufgrund sehr hoher Behandlungskosten Verordnung nur bei schwerer <strong>Psoriasis</strong><br />
o<strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis, bei <strong>de</strong>r herkömmliche innerliche Therapien o<strong>de</strong>r eine PUVA-<br />
Behandlung nicht anschlagen bzw. diese ausgeschlossen sind<br />
⋅⋅Wirkstoffe: Adalimumab, Etanercerpt, Infliximab, Ustekinumab<br />
31
Mare e Monti: Klimatherapien<br />
Neben einer geeigneten Therapie haben bestimmte klimatische Verhältnisse eine positive<br />
Wirkung auf <strong>de</strong>n Verlauf <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>. Dies gilt insbeson<strong>de</strong>re für die Region <strong>de</strong>s Toten Meeres<br />
und für Küstenregionen: Der Grund hierfür liegt zum einen im salzhaltigen Wasser. Zum an<strong>de</strong>ren<br />
regt das Sonnenlicht mit seinen UV-Strahlen die Vitamin-D-Produktion an und stärkt das<br />
Immunsystem. Zu<strong>de</strong>m för<strong>de</strong>rt das Klima die Durchblutung <strong>de</strong>r Haut und bringt <strong>de</strong>n Stoffwechsel<br />
in Bewegung. Aber auch ein Urlaub in <strong>de</strong>n Bergen kann helfen, die körperlichen Symptome<br />
zu lin<strong>de</strong>rn. Gleichzeitig kommen Ihr Geist und Ihre Seele in <strong>de</strong>r Natur zur Ruhe.<br />
I<strong>de</strong>ale Auszeit für Psoriatiker<br />
Totes Meer<br />
⋅⋅See mit bis zu 33%igem Salzgehalt → seine<br />
Mineralien haben heilen<strong>de</strong> Wirkung bei<br />
Schuppenflechte<br />
⋅⋅Sauerstoffanteil <strong>de</strong>r Luft ist so hoch<br />
wie an keinem an<strong>de</strong>ren Ort<br />
⋅⋅Krankenkasse übernimmt in manchen Fällen<br />
Kosten für Kur/Klimaheilbehandlungen<br />
⋅⋅Vorsicht: Salz kann auf offenen Hautstellen<br />
brennen<br />
⋅⋅Sehr gute Heilerfolge in vielen Fällen nach<br />
ca. vierwöchigem Aufenthalt<br />
⋅⋅Allerdings Gefahr erneuten Krankheitsschubes<br />
nach einigen Wochen/Monaten<br />
Nordseeinseln<br />
⋅⋅I<strong>de</strong>ale Voraussetzungen für Therapie von<br />
Hauterkrankungen<br />
--<br />
Jodhaltige Meeresluft<br />
--<br />
Pollenarme Umgebung<br />
--<br />
Verglichen mit Festland beständigeres Wetter<br />
32
Therapie<br />
Mittelgebirge<br />
⋅⋅Zahlreiche Bedingungen, die günstigen<br />
Einfluss auf <strong>Psoriasis</strong> haben<br />
--<br />
Reine Luft<br />
--<br />
Mil<strong>de</strong>s, reizarmes Sommerklima<br />
Hochgebirge<br />
(Luftkurorte z.B. in Davos, Leysin und Arosa)<br />
⋅⋅Gute Behandlungserfolge durch<br />
--<br />
Geringe Luftfeuchtigkeit<br />
--<br />
Intensive UV-Strahlung<br />
33
Jenseits <strong>de</strong>r Schulmedizin:<br />
Alternativtherapien<br />
Homöopathie, Bioresonanz, Fußreflexzonenmassage,<br />
Bachblüten, Hypnose – die Liste<br />
<strong>de</strong>r Alternativtherapien ließe sich problemlos<br />
weiterführen. So hilfreich sie im Einzelfall<br />
bei <strong>Psoriasis</strong> auch sein mögen: Ihre Verträglichkeit<br />
und Wirksamkeit ist in vielen Fällen<br />
nicht hinreichend untersucht und oftmals<br />
kann ein vermeintlicher „Heilungserfolg“<br />
auch nicht lange aufrechterhalten wer<strong>de</strong>n.<br />
Zu<strong>de</strong>m muss <strong>de</strong>r Patient die Behandlung<br />
häufig aus eigener Tasche zahlen. Auch<br />
schwankt die Qualität <strong>de</strong>r Ausbildungsgänge<br />
in diesem Bereich stark. Bevor Sie daher<br />
Geld und Geduld investieren, sollten Sie<br />
<strong>de</strong>n jeweiligen Therapieansatz bzw. <strong>de</strong>n Behandler<br />
genauer „unter die Lupe“ nehmen.<br />
Alternativtherapien können aber auch sinnvolle<br />
Ergänzung zur schulmedizinischen<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Behandlung sein, so beispielsweise<br />
die Phytotherapie, zu Deutsch Pflanzenheilkun<strong>de</strong>.<br />
Neben <strong>de</strong>r entzündungshemmen<strong>de</strong>n<br />
indianischen Heilpflanze „Mahonia<br />
aquifolium“ haben Präparate mit Hamamelis,<br />
Nachtkerze, Kamille und Ringelblume<br />
(Camelia), um nur einige zu nennen, eine<br />
unterstützen<strong>de</strong> Wirkung bei Schuppenflechte.<br />
Aber Vorsicht: „Natur pur“ heißt nicht,<br />
dass es nicht auch zu Nebenwirkungen o<strong>de</strong>r<br />
Allergien kommen kann.<br />
Vorsicht ist u.a. in folgen<strong>de</strong>n Fällen<br />
geboten:<br />
⋅⋅Dubiose Berufsbezeichnungen/Titel<br />
⋅<br />
⋅ Der Behandler/die Behandlerin möchte<br />
Sie davon abhalten, einen Hautarzt<br />
aufzusuchen<br />
⋅ ⋅„Fantastische“ Heilungsversprechen<br />
⋅⋅Unklare Aussagen zu <strong>de</strong>n in <strong>de</strong>n<br />
Präparaten enthaltenen Wirkstoffen/<br />
Wirkmechanismen <strong>de</strong>s Behandlungsansatzes<br />
34
Therapie<br />
Wenn’s knifflig wird:<br />
Behandlung beson<strong>de</strong>rer Bereiche<br />
Entzün<strong>de</strong>te, schuppen<strong>de</strong> Haut, Juckreiz –<br />
eine <strong>Psoriasis</strong> kann je nach Ausprägung<br />
sehr belastend sein. Wenn sie sich aber zu<strong>de</strong>m<br />
noch an Stellen äußert, die sich nicht<br />
so leicht vor <strong>de</strong>n Blicken an<strong>de</strong>rer schützen<br />
lassen, empfin<strong>de</strong>n dies viele Patienten als<br />
beson<strong>de</strong>rs schlimm. Auch sind manche<br />
Hautbereiche schwieriger zu behan<strong>de</strong>ln als<br />
an<strong>de</strong>re.<br />
Bei<strong>de</strong>s trifft insbeson<strong>de</strong>re auf die Kopfhaut<br />
zu, die bei <strong>de</strong>r Mehrheit <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong>-Patienten<br />
betroffen ist.<br />
Auch die Behandlung selbst kann das<br />
Erscheinungsbild beeinflussen:<br />
Beispielsweise stark fetten<strong>de</strong> Salben, die<br />
beim Versuch, sie auf die Kopfhaut aufzutragen,<br />
zu großen Teilen von <strong>de</strong>n Haaren<br />
aufgesogen wer<strong>de</strong>n und sich nur schwer<br />
wie<strong>de</strong>r aus waschen lassen. Eine Therapie<br />
mit Substanzen, die die Haut einfärben, ist<br />
natürlich ebenso augenfällig. Viele Präparate,<br />
wie z.B. auf Schaumbasis, enthalten<br />
zu<strong>de</strong>m Alkohol und können die angegriffene<br />
Kopfhaut zusätzlich austrocknen. Stark riechen<strong>de</strong><br />
Substanzen wie z.B. Teershampoos<br />
beeinträchtigen zwar nicht das Äußere, sind<br />
für Betroffene und Umwelt aber nur „schwer<br />
zu ignorieren“.<br />
Die Betroffenen lei<strong>de</strong>n u.a. unter:<br />
⋅⋅sich oftmals bis in Nacken, Schläfen<br />
und Stirn ziehen<strong>de</strong>n Schuppenflechte-<br />
Her<strong>de</strong>n,<br />
⋅⋅zum Teil starken Verkrustungen auf<br />
<strong>de</strong>r gesamten Kopfhaut,<br />
⋅⋅starken Schuppen, die auf die<br />
Schultern herunter rieseln,<br />
⋅⋅o<strong>de</strong>r sogar vorübergehen<strong>de</strong>m<br />
Haarausfall (u.a. infolge von durch<br />
Juckreiz bzw. Kratzen begünstigten<br />
Infektionen).<br />
Auslösefaktoren: Das sollten Sie bei<br />
Kopfhaut-<strong>Psoriasis</strong> (ver)mei<strong>de</strong>n!<br />
Kunststoffbürsten<br />
Verwen<strong>de</strong>n Sie statt<strong>de</strong>ssen<br />
eine Bürste mit Naturborsten<br />
Heißluft<br />
Haare lieber lauwarm bis kalt<br />
trockenföhnen<br />
„Gewaltsame Befreiung“<br />
Schuppen nicht heraus kämmen<br />
o<strong>de</strong>r herauskratzen<br />
Chemie im Haar<br />
Dauerwellen und Tönungen<br />
reizen die Haut zusätzlich<br />
35
Therapie mit Köpfchen<br />
Eine weitere Herausfor<strong>de</strong>rung bei <strong>de</strong>r Therapie<br />
<strong>de</strong>r Kopfhaut-<strong>Psoriasis</strong> stellt die hohe<br />
Anzahl an Talgdrüsen in diesem Bereich dar:<br />
Das von ihnen produzierte Fett kann das aufgetragene<br />
Präparat unter Umstän<strong>de</strong>n verdünnen<br />
und somit seine Wirksamkeit reduzieren.<br />
All diese Faktoren und weitere machen die<br />
Kopfhaut zu einem beson<strong>de</strong>rs schwer zu<br />
behan<strong>de</strong>ln<strong>de</strong>n Bereich. Mittlerweile gibt es<br />
aber mo<strong>de</strong>rne Präparate, die auf diese speziellen<br />
Anfor<strong>de</strong>rungen eingehen.<br />
Genau wie bei <strong>de</strong>r Behandlung am Körper<br />
können auch bei <strong>de</strong>r Therapie <strong>de</strong>r Kopfhaut<br />
Wirksamkeit und Verträglichkeit eines<br />
Wirkstoffes oftmals durch die Hinzunahme<br />
weiterer Substanzen erhöht wer<strong>de</strong>n. So hat<br />
sich die Kombination aus einem Kortikoid<br />
und <strong>de</strong>m Vitamin-D-Abkömmling Calcipotriol<br />
beson<strong>de</strong>rs gut bewährt. Sie liegt z.B. als<br />
bereits fertige Mischung in einem speziell<br />
auf die Kopfhaut zugeschnittenen Lipo-Gel-<br />
Präparat (Lipo = ohne Wasseranteil) vor. Das<br />
farb- und geruchlose Gel brauchen Sie nur<br />
einmal täglich auf die betroffenen Stellen<br />
aufzutragen. Über Nacht kann es gut einwirken<br />
und morgens bei Bedarf leicht wie<strong>de</strong>r<br />
ausgewaschen wer<strong>de</strong>n. Es ist auch für die<br />
Langzeitanwendung geeignet.<br />
36
Therapie<br />
Nicht nur eine Frage <strong>de</strong>r Optik:<br />
Nagel-<strong>Psoriasis</strong><br />
Bei rund 50% <strong>de</strong>r von Schuppenflechte Betroffenen<br />
äußert sich diese auch o<strong>de</strong>r ausschließlich<br />
an <strong>de</strong>n Nägeln. Dabei sind ausgerechnet<br />
häufiger die Fingernägel betroffen.<br />
Wenn es sich um geringfügige Verfär bungen<br />
han<strong>de</strong>lt, bedarf es an sich noch keiner<br />
Therapie, dann können Sie nach Wunsch<br />
einen kosmetischen Nagellack auftragen.<br />
Allerdings sollten Sie hautärztlich abklären,<br />
ob keine Nagelpilzinfektion vorliegt. Wenn<br />
es zur Verdickung und Verän<strong>de</strong>rung <strong>de</strong>r Nagelform<br />
bzw. -struktur kommt, empfin<strong>de</strong>n<br />
viele Betroffene das aber als optisch sehr<br />
Medikamente sollten Sie dabei nicht auf<br />
die nur schwer für Wirkstoffe durchlässige<br />
Nagelplatte streichen, son<strong>de</strong>rn auf die <strong>de</strong>n<br />
Nagel umgeben<strong>de</strong> Haut auftragen und ggf.<br />
in Lösungsform unter <strong>de</strong>n Nagel träufeln.<br />
Oftmals reicht die äußerliche Behandlung<br />
aber nicht aus und <strong>de</strong>r Arzt verordnet eine<br />
inner liche Therapie. Da <strong>de</strong>r Nagel nur sehr<br />
langsam nachwächst, ist die Behandlung<br />
meist sehr langwierig.<br />
Haut auf Haut: <strong>Psoriasis</strong> in Hautfalten<br />
Was die Behandlung von Schuppenflechte<br />
in Hautfalten so schwierig macht, ist das<br />
dort vorherrschen<strong>de</strong> feuchte Klima und die<br />
beeinträchtigend. Handlungsbedarf besteht<br />
spätestens dann, wenn sich <strong>de</strong>r Nagel langsam<br />
abzulösen beginnt und Sie dadurch<br />
Probleme o<strong>de</strong>r sogar Schmerzen beim<br />
Verrichten von Tätigkeiten mit <strong>de</strong>n Hän<strong>de</strong>n<br />
haben. Auch bietet die durch die Ablösung<br />
entstehen<strong>de</strong> Spalte zwischen Nagel und<br />
Nagelbett eine i<strong>de</strong>ale Eintrittspforte für Pilze<br />
und Bakterien.<br />
Äußerlich kann die Nagel-<strong>Psoriasis</strong> beispielsweise<br />
mit einem Vitamin-D-Abkömmling,<br />
in schweren Fällen auch in Kombination<br />
mit Kortikoi<strong>de</strong>n, behan<strong>de</strong>lt wer<strong>de</strong>n.<br />
Abwesenheit von Sauerstoff. Salben wür<strong>de</strong>n<br />
diesen Effekt nur zusätzlich verstärken und<br />
kommen daher nicht in Frage. Cremes o<strong>de</strong>r<br />
Lotionen, die weniger fetten, sind daher<br />
besser geeignet. Dünn aufgetragen kann<br />
z.B. ein Vitamin-D-Präparat helfen. Da die<br />
Haut an diesen Stellen sehr fein ist, sollten<br />
kortisonhaltige Präparate nur in schwachen<br />
Dosierungen angewen<strong>de</strong>t wer<strong>de</strong>n. Auch<br />
Salzbä<strong>de</strong>r o<strong>de</strong>r Bä<strong>de</strong>r mit entzündungslin<strong>de</strong>rn<strong>de</strong>n<br />
Zusätzen wie Calendula o<strong>de</strong>r Kamille<br />
können das Krankheitsbild zusätzlich<br />
verbessern.<br />
37
Wenn Bewegung zur Qual wird:<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Arthritis<br />
Für die Behandlung von <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis<br />
eignen sich Medikamente, die sich in erster<br />
Linie entzündungshemmend und schmerzstillend<br />
auf die Gelenke und auf die Haut<br />
auswirken, wie z.B. Methotrexat, Ciclosporin<br />
o<strong>de</strong>r Biologika. Daneben kommen aber<br />
auch an<strong>de</strong>re Therapieformen wie z.B. Ergotherapie,<br />
Kälte- bzw. Wärmeanwendungen<br />
o<strong>de</strong>r Spritzen in die Gelenke infrage. In<br />
sehr schweren Fällen kann auch ein operativer<br />
Eingriff notwendig sein. Wichtig ist die<br />
fachärztliche Diagnose, um an<strong>de</strong>re Erkrankungen<br />
mit sehr ähnlichen Symptomen auszuschließen.<br />
Des Weiteren sollten Patienten<br />
mit <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis sowohl durch Fachärzte<br />
für Gelenk- als auch für Hauterkrankungen<br />
betreut wer<strong>de</strong>n.<br />
38
Therapie<br />
Kapitel 3: kurz & knapp<br />
⋅⋅Die Behandlung <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> bedarf einiger Konsequenz und Durchhaltevermögen.<br />
⋅⋅Eine beson<strong>de</strong>rs schonen<strong>de</strong> Reinigung und tägliche Hautpflege sind die Basis je<strong>de</strong>r<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Therapie.<br />
⋅⋅Innerliche Therapien kommen nur in schweren <strong>Psoriasis</strong>-Fällen zum Einsatz, meist<br />
reicht eine äußerliche Behandlung.<br />
⋅⋅Neben Wirksamkeit und auch langfristig guter Verträglichkeit spielt hier die Alltagstauglichkeit<br />
<strong>de</strong>s Präparates eine große Rolle.<br />
⋅⋅Je nach Hauttyp, Hautregion und individuellen Vorlieben kommen unterschiedliche<br />
Darreichungsformen wie Lipo-Gel, Salbe, Lösung o<strong>de</strong>r Creme infrage.<br />
⋅⋅Kombiniert können Wirksubstanzen teilweise eine schnellere und bessere Wirksamkeit<br />
erzielen als bei Behandlung mit Einzelwirkstoffen. Auch Nebenwirkungen können<br />
auf diese Weise zum Teil <strong>de</strong>utlich reduziert wer<strong>de</strong>n.<br />
⋅ ⋅ Die Kopfhaut unterschei<strong>de</strong>t sich – u.a. aufgrund <strong>de</strong>s Haarwuchses – von <strong>de</strong>r Haut <strong>de</strong>s<br />
Körpers. Daher ist hier <strong>de</strong>r Einsatz von Präparaten sinnvoll, die speziell auf diesen<br />
beson<strong>de</strong>ren Bereich zugeschnitten sind.<br />
39
Kapitel 4: (Alltags-)Leben<br />
++ Stress ++ Ernährung ++ Körpergewicht ++ Kleidung ++ Urlaubsziele ++<br />
++ Schwangerschaft ++ Beruf ++ Sport ++ Begleiterkrankungen ++<br />
Die Auswahl eines passen<strong>de</strong>n Behandlungsansatzes und die konsequente Durchführung <strong>de</strong>r<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Therapie sind ein sehr wichtiger Schritt hin zu wie<strong>de</strong>r mehr Lebensqualität. Sicherlich<br />
haben Sie aber darüber hinaus Fragen, welche Beson<strong>de</strong>rheiten Sie als Psoriatiker in<br />
Ihrem Alltag und Ihrer Lebensweise beachten müssen und was Sie sonst noch tun können, um<br />
<strong>de</strong>n Verlauf <strong>de</strong>r Erkrankung positiv zu beeinflussen. In diesem Kapitel erhalten Sie daher eine<br />
Übersicht über ausgewählte, bei <strong>Psoriasis</strong> beson<strong>de</strong>rs wissenswerte Themen.<br />
<strong>Psoriasis</strong> <strong>und…</strong><br />
…Stress<br />
Stress im Sinne von seelischer Belastung<br />
kann <strong>Psoriasis</strong>-Schübe provozieren bzw.<br />
verstärken.* Umgekehrt ist je nach Verlauf<br />
und Reaktionen <strong>de</strong>r Umwelt die Erkrankung<br />
selbst ein Stressfaktor – ein Teufelskreis<br />
beginnt. Die Ursachen wie z.B. Probleme<br />
in <strong>de</strong>r Partnerschaft o<strong>de</strong>r Überfor<strong>de</strong>rung<br />
am Arbeitsplatz lassen sich natürlich nicht<br />
immer so leicht aus <strong>de</strong>r Welt schaffen.<br />
Wenn Sie sich permanent gestresst fühlen,<br />
sollten Sie aber versuchen, ein „Anti-Stress-<br />
Programm“ in Ihren Alltag zu integrieren,<br />
z.B. in Form von Progressiver Relaxation<br />
nach Jacobsen o<strong>de</strong>r Yoga. Auch professionell<br />
durch geführte Akupunktur und sanfte<br />
Massagen helfen beim Stressabbau. Ausreichend<br />
viel Schlaf trägt ebenfalls zum allgemeinen<br />
Wohlbefin<strong>de</strong>n bei.<br />
Wenn Sie sich seelisch im Gleichgewicht<br />
befin<strong>de</strong>n, kann Ihr Immunsystem besser<br />
gegen die psoriatischen Entzündungsprozesse<br />
vorgehen. Wiegen Ihre Probleme so<br />
schwer, dass Sie sie nicht selbst o<strong>de</strong>r im<br />
Austausch mit Ihnen Nahestehen<strong>de</strong>n lösen<br />
können, sollten Sie professionelle Beratung<br />
durch einen Psychotherapeuten in Anspruch<br />
nehmen.<br />
*ZusatzInfo: Stressfolgen<br />
Bei psychischem Stress setzt <strong>de</strong>r Körper bestimmte chemische Stoffe, so genannte Neurotransmitter<br />
frei. Diese wirken u.a. auf die Haut, in<strong>de</strong>m sie Kettenreaktionen auslösen,<br />
die zu einer gesteigerten Hauterneuerung und somit verstärkter Schuppenbildung führen.<br />
Auch ist die Haut anfälliger für Entzündungen und das stressbedingt geschwächte<br />
Immunsystem kann nicht optimal auf Entzündungsprozesse reagieren.<br />
40
(Alltags-)Leben<br />
…Ernährung & Genussmittel<br />
Ein Zusammenhang zwischen bestimmten<br />
Lebensmitteln und <strong>de</strong>m Verlauf <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong><br />
lässt sich nach heutiger Kenntnis <strong>de</strong>r<br />
Wissenschaft nicht feststellen. Eine vollwertige,<br />
gesun<strong>de</strong> Ernährung wirkt sich natürlich<br />
positiv auf das gesamte Wohlbefin<strong>de</strong>n<br />
aus. Worauf Sie bei <strong>de</strong>r Zusammenstellung<br />
eines ausgewogenen Speiseplanes i<strong>de</strong>alerweise<br />
achten sollten, erfahren Sie z.B. auf<br />
<strong>de</strong>n Informationsseiten <strong>de</strong>r Deutschen<br />
Gesellschaft für Ernährung e.V. im Internet<br />
(www.dge.<strong>de</strong>).<br />
Blauen Dunst und Alkohol mei<strong>de</strong>n<br />
Auch wenn es schwerfällt: Bei <strong>Psoriasis</strong> sollten<br />
Sie nach Möglichkeit auf das Rauchen<br />
verzichten bzw. zumin<strong>de</strong>st Ihren Zigarettenkonsum<br />
einschränken. Denn: Das Risiko,<br />
an Schuppenflechte zu erkranken, liegt bei<br />
Rauchern bis zu 200% höher als bei Nichtrauchern,<br />
wie Untersuchungen zeigen.<br />
Auch für Alkohol gilt, dass ein Übermaß zu<br />
einer Verschlimmerung <strong>de</strong>r Symptome und<br />
häufigeren Schüben führen kann. Beson<strong>de</strong>rs<br />
kritisch bei <strong>Psoriasis</strong> ist eine Alkoholabhängigkeit,<br />
die bei schwerem Verlauf zu<br />
Leberschä<strong>de</strong>n führt. Denn innerliche Medikamente<br />
wer<strong>de</strong>n über die Leber abgebaut<br />
und können in diesen Fällen nicht mehr zum<br />
Einsatz kommen. Gegen ein Glas Wein ab<br />
und zu ist hingegen sicherlich nichts einzuwen<strong>de</strong>n,<br />
insbeson<strong>de</strong>re wenn Sie in <strong>de</strong>n<br />
Tagen darauf keine Verschlechterung Ihrer<br />
Schuppenflechte feststellen.<br />
41
…Körpergewicht<br />
…Kleidung<br />
Sicherlich kommt es bei <strong>Psoriasis</strong> nicht darauf<br />
an, ob die Waage ein Kilo mehr o<strong>de</strong>r weniger<br />
anzeigt. Starkes Übergewicht kann die<br />
Krankheit aber negativ beeinflussen und die<br />
Wirkweise <strong>de</strong>r Behandlung beeinträchtigen,<br />
wie Untersuchungen zeigen. Überflüssige<br />
Weit und bequem!<br />
Reibung und Druck durch Kleidung und übermäßiges<br />
Schwitzen reizt die Haut und kann<br />
<strong>Psoriasis</strong>-Schübe provozieren. Um <strong>de</strong>m vorzubeugen,<br />
sollten Sie nach Möglichkeit folgen<strong>de</strong><br />
Dinge bei <strong>de</strong>r Klei<strong>de</strong>rwahl beachten:<br />
⋅⋅Wählen Sie<br />
weite und bequeme Kleidung aus<br />
weichen und luftdurchlässigen<br />
Stoffen wie Baumwolle, Leinen o<strong>de</strong>r<br />
Sei<strong>de</strong>, die nicht reiben o<strong>de</strong>r drücken<br />
und in <strong>de</strong>nen Sie nicht so stark<br />
schwitzen<br />
⋅ ⋅ Vermei<strong>de</strong>n Sie<br />
enge Jeans o<strong>de</strong>r Kragen, die auf <strong>de</strong>r<br />
Haut scheuern<br />
Kilos drücken zu<strong>de</strong>m auf Knochen und Gelenke<br />
– eine extreme und mitunter äußerst<br />
schmerzhafte Belastung für <strong>de</strong>n Körper,<br />
insbeson<strong>de</strong>re bei <strong>Psoriasis</strong>-Arthritis. Auch<br />
lei<strong>de</strong>n übergewichtige Menschen mit Schuppenflechte<br />
häufig unter Fettstoffwechselstörungen<br />
und erhöhten Harnsäurewerten,<br />
was wie<strong>de</strong>rum Nebenwirkungen von <strong>Psoriasis</strong>-Medikamenten<br />
verstärken kann. In <strong>de</strong>n<br />
durch Übergewicht entstehen<strong>de</strong>n Hautfalten<br />
o<strong>de</strong>r auf über<strong>de</strong>hnter Haut kommt es ebenfalls<br />
häufig zu Schuppenflechte-Her<strong>de</strong>n. Von<br />
Radikaldiäten ist aber in je<strong>de</strong>m Fall abzuraten.<br />
Bei <strong>de</strong>r langfristigen Ernährungsumstellung<br />
hilft <strong>de</strong>r Arzt o<strong>de</strong>r ein speziell ausgebil<strong>de</strong>ter<br />
Ernährungsberater.<br />
Heute sehe ich schwarz!<br />
Vor allem Menschen mit Kopfhaut-<strong>Psoriasis</strong><br />
mei<strong>de</strong>n häufig dunkelblaue o<strong>de</strong>r schwarze<br />
Kleidung, <strong>de</strong>nn auf dunklem Stoff kommen<br />
auf die Schulter rieseln<strong>de</strong> Schuppen beson<strong>de</strong>rs<br />
zur Geltung. Mit einer passen<strong>de</strong>n<br />
Behandlung ist dieses Problem aber in vielen<br />
Fällen gut in <strong>de</strong>n Griff zu bekommen und<br />
dunkle Oberteile können wie<strong>de</strong>r einen Platz<br />
ganz vorne im Klei<strong>de</strong>rschrank fin<strong>de</strong>n.<br />
42
(Alltags-)Leben<br />
…Urlaubsreisen<br />
Generell gilt, dass trockene und sonnige<br />
Gefil<strong>de</strong> wie z.B. die Mittelmeerküste einen<br />
positiven Einfluss auf die Erkrankung nehmen,<br />
während feucht-warmes Klima unter<br />
Umstän<strong>de</strong>n eine Verschlimmerung <strong>de</strong>r Beschwer<strong>de</strong>n<br />
herbeiführen kann.<br />
Geht’s gen Sü<strong>de</strong>n, rückfetten<strong>de</strong> Sonnenschutzmittel<br />
für empfindliche Haut nicht<br />
vergessen. Denn auch Psoriatiker sollten<br />
Sonnenlicht nicht im Übermaß genießen<br />
– wenngleich die darin enthalten<strong>de</strong>n UV-<br />
Strahlen <strong>de</strong>n Krankheitsverlauf positiv<br />
beeinflussen, steigern sie gleichzeitig das<br />
Hautkrebsrisiko.<br />
Auch wenn Sie vor Reiseantritt keinen akuten<br />
Schub haben, sollten Sie zu<strong>de</strong>m <strong>de</strong>nnoch<br />
daran <strong>de</strong>nken, die bewährten Präparate zur<br />
Behandlung <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> mitzunehmen.<br />
Reisebedingte Reizfaktoren, wie z.B. ausgetrocknete<br />
Haut infolge <strong>de</strong>r Klimaanlage im<br />
Zug o<strong>de</strong>r im Flugzeug, können <strong>de</strong>n Zustand<br />
Ihrer Haut verschlechtern.<br />
43
…Schwangerschaft<br />
Die Schuppenflechte beeinträchtigt we<strong>de</strong>r die Zeugungsfähigkeit noch die Schwangerschaft<br />
bzw. das ungeborene Kind und sollte Sie nicht davon abhalten, eine Familie zu grün<strong>de</strong>n.<br />
Aller dings sollten Sie in <strong>de</strong>r Schwangerschafts- und Stillzeit ganz beson<strong>de</strong>rs darauf achten,<br />
welche Medikamente Sie zur Behandlung Ihrer Schuppenflechte verwen<strong>de</strong>n, <strong>de</strong>nn mitunter<br />
können diese – z.B. im Fall <strong>de</strong>r Retinoi<strong>de</strong> – <strong>de</strong>m Fötus bzw. Neugeborenen scha<strong>de</strong>n.<br />
Grundsätzlich sind äußerliche Therapien <strong>de</strong>n innerlichen in <strong>de</strong>r Schwangerschaft<br />
vorzuziehen.<br />
Aber auch hier gilt es genau auszuwählen: Beispielsweise stehen salicylhaltige Mittel im Verdacht,<br />
im späten Schwangerschaftsstadium vorzeitige Wehen auszulösen. Auch die Behandlung<br />
mit Teerpräparaten ist nicht zu empfehlen.<br />
44
(Alltags-)Leben<br />
Frühzeitig <strong>de</strong>n Hautarzt ins Vertrauen<br />
ziehen<br />
Die innerliche Therapie wirkt auf <strong>de</strong>n ganzen<br />
Organismus und sollte daher je nach Medikament<br />
i<strong>de</strong>alerweise mehrere Monate vor<br />
Schwangerschaftseintritt unterbrochen wer<strong>de</strong>n.<br />
Halten Sie daher bei Kin<strong>de</strong>rwunsch*<br />
unbedingt frühzeitig Rücksprache mit Ihrem<br />
Arzt. Abhängig vom bisherigen Behandlungsansatz<br />
trifft er die Entscheidung, die<br />
Therapie für eine bestimmte Zeit auszusetzen<br />
bzw. zu einer an<strong>de</strong>ren zu wechseln.<br />
Die hormonelle Umstellung während einer<br />
Schwangerschaft kann eine <strong>Psoriasis</strong> erstmalig<br />
auslösen. Wie genau die Schuppenflechte<br />
bei bereits bestehen<strong>de</strong>r Erkrankung<br />
verläuft, kann aber nicht genau vorhergesagt<br />
wer<strong>de</strong>n: Bei einigen Frauen verbessert<br />
sich das Hautbild in <strong>de</strong>n Schwangerschaftsmonaten,<br />
bei an<strong>de</strong>ren verschlechtert es sich<br />
und wie<strong>de</strong>r an<strong>de</strong>re merken gar keine Verän<strong>de</strong>rung.<br />
*ZusatzInfo<br />
Wenn nur Sie o<strong>de</strong>r Ihr Partner <strong>Psoriasis</strong> haben, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind<br />
ebenfalls an Schuppenflechte erkrankt, relativ gering (etwa 8–15%). Sind Sie bei<strong>de</strong><br />
erkrankt, liegt die Wahrscheinlichkeit höher (bei etwa 50–60%). Ob die weitergegebene<br />
genetische Veranlagung tatsächlich „aktiviert“ wird und Ihr Kind tatsächlich eine<br />
<strong>Psoriasis</strong> entwickelt, ist von vielen weiteren Einflussfaktoren abhängig.<br />
45
…Berufsleben<br />
Viele Menschen mit <strong>Psoriasis</strong> stellen sich die Frage, ob sie gewisse berufliche Tätigkeiten<br />
überhaupt ergreifen können bzw. ob sie krankheitsbedingt über kurz o<strong>de</strong>r lang <strong>de</strong>n Beruf<br />
wechseln müssen. Pauschal lässt sich dies nicht so einfach beantworten, hier kommt es auf<br />
eine Vielzahl von Faktoren wie <strong>de</strong>n individuellen Krankheitsverlauf und – nicht zuletzt – auf<br />
<strong>de</strong>n eigenen Umgang mit <strong>de</strong>r Erkrankung an. Während es <strong>de</strong>m Einen beispielsweise nichts<br />
ausmacht, auch in einem akuten <strong>Psoriasis</strong>-Schub auf frem<strong>de</strong> Menschen zuzugehen, belastet<br />
<strong>de</strong>n An<strong>de</strong>ren die Arbeit im direkten Kun<strong>de</strong>nkontakt. Allgemein lässt sich aber sagen, dass<br />
gewisse berufsspezifische Bedingungen eher negativ auf <strong>de</strong>n Verlauf <strong>de</strong>r Erkrankung wirken,<br />
u.a. han<strong>de</strong>lt es sich dabei um:<br />
⋅⋅Starke mechanische Beanspruchung <strong>de</strong>r Haut (z.B. im Baugewerbe, Landwirtschaft)<br />
⋅⋅Extreme Hitze o<strong>de</strong>r Kälte (z.B. in <strong>de</strong>r fertigen<strong>de</strong>n Industrie)<br />
⋅⋅Häufigen Kontakt mit Lösungsmitteln, Säuren o<strong>de</strong>r Laugen<br />
⋅⋅Ständiges starkes Schwitzen o<strong>de</strong>r permanenten Wasserkontakt<br />
46
(Alltags-)Leben<br />
…Sport<br />
Schuppenflechte und Sport? Das schließt sich nicht aus – im Gegenteil: Regelmäßige körperliche<br />
Betätigung wie z.B. Laufen o<strong>de</strong>r Radfahren (ca. 2-3 mal wöchentlich) hat eine positive<br />
Wirkung auf Körper, Geist und Seele und kann sich somit letztendlich auch günstig auf die<br />
<strong>Psoriasis</strong> auswirken.<br />
Sport<br />
⋅⋅för<strong>de</strong>rt ein positives Körpergefühl,<br />
⋅⋅stärkt das Selbstbewusstsein,<br />
⋅ ⋅baut Stress und Aggressionen ab und<br />
⋅ ⋅trägt dadurch zu einer Steigerung <strong>de</strong>r<br />
Lebensqualität bei.<br />
Wichtig ist es, <strong>de</strong>r Haut die – u.a. beim Duschen nach <strong>de</strong>m Sport – verloren gegangene Feuchtigkeit<br />
durch eine entsprechen<strong>de</strong> Pflege zurückzugeben.<br />
Sollten infolge <strong>de</strong>s vermehrten Schwitzens Juckreiz und Hautreizungen auftreten, ist es ratsam,<br />
vorübergehend eine Sportpause einzulegen und die entsprechen<strong>de</strong>n Hautstellen zu behan<strong>de</strong>ln,<br />
bis sie sich wie<strong>de</strong>r regeneriert haben.<br />
47
…Begleiterkrankungen<br />
Untersuchungen zufolge haben Psoriatiker eine erhöhte Neigung, auch bestimmte an<strong>de</strong>re<br />
Krankheiten zu entwickeln. Über die genauen Zusammenhänge zwischen <strong>de</strong>r <strong>Psoriasis</strong> und<br />
diesen Begleiterkrankungen kann teilweise bislang nur spekuliert wer<strong>de</strong>n. Um sie möglichst<br />
früh zu erkennen und gesundheitlichen Schä<strong>de</strong>n entgegenzuwirken, ist ein regelmäßiger<br />
Gesundheits-Check beim Arzt für Psoriatiker beson<strong>de</strong>rs wichtig.<br />
Die gute Nachricht:<br />
Vor Hautinfektionen wie z.B. Pilzkrankheiten (Mykosen) o<strong>de</strong>r Warzen scheinen Psoriatiker beson<strong>de</strong>rs<br />
gefeit. Dieser Umstand ist vermutlich auf die beschleunigte Hautzellerneuerung bei<br />
Schuppenflechte zurückzuführen.<br />
Die folgen<strong>de</strong> Tabelle gibt Ihnen eine Übersicht über die Erkrankungen, die bei Psoriatikern<br />
vermehrt auftreten:<br />
Entzündliche Erkrankungen<br />
Morbus Crohn (MC)<br />
⋅⋅Chronisch-entzündliche (Dünn-)Darmkrankheit<br />
⋅⋅Vorwiegend bei jungen Erwachsenen<br />
⋅⋅Beschwer<strong>de</strong>n z.B. Durchfall, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust,<br />
Mangelerscheinungen<br />
⋅⋅Behandlung erfolgt zum Teil mit TNF-alpha-Hemmern, die auch bei <strong>Psoriasis</strong> wirken<br />
Stoffwechselerkrankungen<br />
Diabetes<br />
⋅⋅Dauerhafte Erhöhung <strong>de</strong>r Blutzuckerwerte<br />
⋅⋅Häufig auch aufgrund von Übergewicht → liegt bei ca. 50% <strong>de</strong>r Psoriatiker vor<br />
⋅⋅Regulierung <strong>de</strong>s Stoffwechsels nötig, sonst Folgeerkrankungen wahrscheinlich<br />
Reizdarmerkrankungen (IBS)<br />
⋅⋅IBS = irritable bowel syndrome (zu Dt.: „stören<strong>de</strong> Bauchbeschwer<strong>de</strong>n“)<br />
⋅⋅Betroffen sind alle an <strong>de</strong>r Nahrungsverwertung beteiligten Organe<br />
⋅⋅Unangenehme, aber harmlose Darmerkrankung<br />
48
(Alltags-)Leben<br />
Herz-Kreislauf-System<br />
⋅⋅Menschen mit Schuppenflechte haben im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ein erhöhtes<br />
Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkte<br />
⋅⋅Genauer Zusammenhang noch unklar, <strong>Psoriasis</strong>-Patienten weisen Untersuchungen<br />
zufolge aber <strong>de</strong>utlich häufiger Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf<br />
(Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte etc.)<br />
Depressionen<br />
⋅⋅Psoriatiker lei<strong>de</strong>n aufgrund ihrer Erkrankung fast zweimal häufiger an Depressionen<br />
als <strong>de</strong>r Bevölkerungsdurchschnitt<br />
⋅⋅Mögliche Symptome z.B. Abnahme <strong>de</strong>s Selbstwertgefühls, Entmutigung, Nie<strong>de</strong>rgeschlagenheit<br />
→ häufig resultierend aus oftmals offen zur Schau gestellter Ablehnung An<strong>de</strong>rer<br />
⋅⋅Folge: Stress → wie<strong>de</strong>rkehren<strong>de</strong> Schübe<br />
⋅⋅Bei lang anhalten<strong>de</strong>n Stimmungstiefs ist fachärztliche Hilfe notwendig<br />
Abhängigkeiten<br />
⋅⋅Nikotin (Rauchen) und Alkohol in Zusammenhang mit Depressionen<br />
49
Mitten im Leben – mit <strong>Psoriasis</strong><br />
Mit einer für Sie passen<strong>de</strong>n Therapie und <strong>de</strong>r Vermeidung bestimmter Risikofaktoren können<br />
Sie <strong>de</strong>n Verlauf Ihrer <strong>Psoriasis</strong> in vielen Fällen sehr gut beeinflussen. Aber auch wenn es mal<br />
Zeiten gibt, in <strong>de</strong>nen die Symptome stärker zu Tage treten und Sie glauben, Ihre Schuppenflechte<br />
„nicht im Griff“ zu haben – versuchen Sie nach Möglichkeit, nicht in die „Rückzugsfalle“<br />
zu geraten:<br />
Viele Psoriatiker mei<strong>de</strong>n in solchen Phasen die Öffentlichkeit, da sie sich nicht <strong>de</strong>n neugierigen<br />
o<strong>de</strong>r sogar abwerten<strong>de</strong>n Blicken <strong>de</strong>r Mitmenschen aussetzen möchten o<strong>de</strong>r sich für ihr<br />
Aussehen schämen. Das be<strong>de</strong>utet aber auch, dass sie auf eine Reihe von Aktivitäten verzichten,<br />
die das Leben so lebenswert machen: Freun<strong>de</strong> im Café treffen, ausge<strong>de</strong>hnte Stadtbummel,<br />
Ablenkung durch Kino, Theater o<strong>de</strong>r Sportveranstaltungen und vieles, vieles mehr.<br />
Sicher sind Ratschläge, wie <strong>de</strong>r, sich <strong>de</strong>r Umwelt gegenüber „ein dickeres Fell zuzulegen“,<br />
leichter gegeben als in die Tat umgesetzt. Vielleicht hilft es Ihnen, zu erfahren, wie an<strong>de</strong>re<br />
Betroffene damit umgehen. In ganz Deutschland gibt es lokale Selbsthilfegruppen, in <strong>de</strong>nen<br />
Sie sich mit Psoriatikern austauschen können. Auch zahlreiche Foren im Internet bieten die<br />
Möglichkeit, unverbindlich Kontakt zu an<strong>de</strong>ren Betroffenen aufzunehmen.<br />
Bleiben Sie am Ball!<br />
Das Wichtigste beim Umgang mit Ihrer <strong>Psoriasis</strong> ist, dass Sie ihr nicht das Feld überlassen<br />
bzw. resignieren, wenn die Erkrankung trotz Behandlung nicht sofort o<strong>de</strong>r nicht gänzlich<br />
verschwin<strong>de</strong>t. Manchmal braucht es einige Zeit, bis eine Therapie anschlägt. Auch<br />
lohnt es sich, bei Nichterfolg neue Behandlungsansätze auszuprobieren. Haupt sache Sie<br />
tun etwas für sich – und gegen die <strong>Psoriasis</strong>!<br />
50
(Alltags-)Leben<br />
Kapitel 4: kurz & knapp<br />
⋅⋅Eine spezifische „<strong>Psoriasis</strong>-Diät“ gibt es nicht; Alkohol und Zigaretten sind aber<br />
mit Vorsicht zu genießen, da sie – ebenso wie zu enge Kleidung – Schübe auslösen<br />
können.<br />
⋅⋅Eine ausgewogene Ernährung för<strong>de</strong>rt das allgemeine Wohlbefin<strong>de</strong>n und schützt vor<br />
Übergewicht, welches die <strong>Psoriasis</strong> verschlimmern kann.<br />
⋅⋅Urlaub tut Seele und Körper i.d.R. gut, ein Reiseziel mit sonnigem, trockenem Klima<br />
ist bei <strong>Psoriasis</strong> allerdings einem mit feucht-warmer Witterung vorzuziehen.<br />
⋅⋅Frauen mit Kin<strong>de</strong>rwunsch sollten frühzeitig Rücksprache mit ihrem Hautarzt halten,<br />
da die Medikation vor und während <strong>de</strong>r Schwangerschaft und Stillzeit ggf. angepasst<br />
wer<strong>de</strong>n muss.<br />
⋅⋅Gewisse, mit bestimmten Berufen verbun<strong>de</strong>ne Arbeitsbedingungen, können die<br />
Erkrankung verschlimmern.<br />
⋅⋅Entspannungstechniken und regelmäßiges Sporttreiben helfen beim Stressabbau und<br />
wirken somit auch positiv auf <strong>de</strong>n Krankheitsverlauf.<br />
⋅ ⋅ Aufgrund einiger häufiger auftreten<strong>de</strong>r Begleiterkrankungen sind regelmäßige<br />
Gesundheits-Checks beim Arzt bei <strong>Psoriasis</strong> beson<strong>de</strong>rs wichtig.<br />
51
Kapitel 5: Weiterführen<strong>de</strong> Infos<br />
++ www.psorinfo.<strong>de</strong> ++ Buchtipps ++ Broschüren ++ Kontaktdaten/Internetlinks ++<br />
Weiter geht’s: mehr Infos zum Thema <strong>Psoriasis</strong><br />
Sie wollen sich noch intensiver mit <strong>de</strong>m Gebiet „Schuppenflechte“ auseinan<strong>de</strong>rsetzen? Dann<br />
besuchen Sie uns im Internet unter<br />
www.psorinfo.<strong>de</strong><br />
Des Weiteren haben wir untenstehend eine Liste mit interessanter Literatur, Internetlinks<br />
sowie Adressdaten zu <strong>Psoriasis</strong> für Sie zusammengestellt.<br />
Buchtipps zum Thema <strong>Psoriasis</strong><br />
„Schuppenflechte. Was Sie schon immer<br />
über <strong>Psoriasis</strong> wissen wollten.“<br />
von Ulrich Mrowietz und Gerhard Schmid-Ott.<br />
2. Auflage. Karger, 2005.<br />
ISBN 978-3805579407<br />
„<strong>Psoriasis</strong>: Ursachen und Therapie <strong>de</strong>r<br />
Schuppenflechte.“<br />
von Matthias Augustin und Erwin Schöpf.<br />
1. Auflage. C. H. Beck, 1999.<br />
ISBN 978-3406447259<br />
„<strong>Psoriasis</strong>: Auf einen Blick.”<br />
von Enno Christophers, Ulrich Mrowietz und<br />
Wolfram Sterry.<br />
2. Auflage. Thieme, 2003.<br />
ISBN 978-3131378620<br />
„Hautnah erlebt. Porentiefe Geschichten<br />
die unter die Haut gehen.“<br />
von Brigitte Lang.<br />
1. Auflage. Freya, 2005.<br />
ISBN 978-3902134875<br />
„<strong>Psoriasis</strong> (Schuppenflechte)/Neuro<strong>de</strong>rmitis<br />
(Endogenes Ekzem) – Antworten zu<br />
Alltagsfragen von A - Z.“<br />
von Günther N. Schäfer.<br />
1. Auflage. Selbstverlag, 2006.<br />
ISBN 978-3000204333<br />
„Rat und Hilfe bei Schuppenflechte.“<br />
von Dietlin<strong>de</strong> Burkhardt und Klaus Degitz.<br />
1. Auflage. Südwest-Verlag, 2005.<br />
ISBN 978-3517067513<br />
52
Weiterführen<strong>de</strong><br />
Infos<br />
Weitere Informationsbroschüren zu <strong>Psoriasis</strong> mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten<br />
stehen unter www.psorinfo.<strong>de</strong> für Sie zum Download bereit. O<strong>de</strong>r Sie füllen<br />
ganz einfach das Online-Bestellformular aus und wir schicken Ihnen die Materialien<br />
per Post direkt nach Hause.<br />
„Die psychologische Dimension<br />
<strong>de</strong>r Schuppenflechte“<br />
„Schuppenflechte im Wan<strong>de</strong>l <strong>de</strong>r Zeit“<br />
„Schuppenflechte in <strong>de</strong>r Partnerschaft“<br />
„Schuppenflechte bei Kin<strong>de</strong>rn“<br />
53
Kontaktdaten/Internetlinks<br />
Deutschland<br />
Deutscher <strong>Psoriasis</strong> Bund e.V.<br />
Seewartenstraße 10<br />
20459 Hamburg<br />
Telefon: 040 / 223399-0<br />
Fax: 040 / 223399-22<br />
Internet: www.psoriasis-bund.<strong>de</strong><br />
E-Mail: info@psoriasis-bund.<strong>de</strong><br />
<strong>Psoriasis</strong> Forum Berlin e.V.<br />
Schmitzweg 64<br />
13437 Berlin<br />
Telefon: 030 / 61283090<br />
Fax: 030 / 61283090<br />
Internet: www.psoriasis-forum-berlin.<strong>de</strong><br />
E-Mail: info@psoriasis-forum-berlin.<strong>de</strong><br />
Weitere Seiten <strong>de</strong>s Vereins:<br />
Informationsplattform, Forum, Chat<br />
Internet: www.psoriasis-netz.<strong>de</strong><br />
<strong>Psoriasis</strong> Selbsthilfe Arbeitsgemeinschaft<br />
e.V. (PSOAG)<br />
Internet: www.psoriasis-selbsthilfe.org<br />
E-Mail: info@psoriasis-selbsthilfe.org<br />
BAG SELBSTHILFE<br />
Kirchfeldstraße 149<br />
40215 Düsseldorf<br />
Internet: www.bag-selbsthilfe.<strong>de</strong><br />
54
Weiterführen<strong>de</strong><br />
Infos<br />
Österreich<br />
Pso Austria<br />
Obere Augartenstraße 26-28<br />
1020 Wien<br />
Österreich<br />
Internet: www.pso-austria.org<br />
Schweiz<br />
Schweizerische <strong>Psoriasis</strong> und Vitiligo<br />
Gesellschaft (SPVG)<br />
SPVG/SSPV<br />
Scheibenstraße 20<br />
3014 Bern<br />
Schweiz<br />
od. Postfach 1<br />
3000 Bern 22<br />
Internet: www.spvg.ch<br />
Weitere Links<br />
Zeitschriften zu <strong>Psoriasis</strong> im Internet<br />
www.pso-online.<strong>de</strong><br />
www.psoaktuell.com<br />
Kin<strong>de</strong>r und <strong>Psoriasis</strong><br />
www.psoriasis-kids.<strong>de</strong><br />
Leitlinien<br />
http://leitlinien.net<br />
(Leitlinien für Diagnostik und Therapie)<br />
So fin<strong>de</strong>n Sie <strong>de</strong>n Hautarzt in Ihrer Nähe:<br />
Deutsche Dermatologische Gesellschaft<br />
(DDG)<br />
www.<strong>de</strong>rma.<strong>de</strong><br />
Berufsverband <strong>de</strong>r Deutschen<br />
Dermatologen e.V. (BVDD)<br />
www.upto<strong>de</strong>rm.<strong>de</strong><br />
Obwohl die vorliegen<strong>de</strong> Broschüre mit größtmöglicher<br />
Sorgfalt erstellt wur<strong>de</strong>, übernimmt die LEO<br />
Pharma GmbH keine Garantie für die Vollständigkeit<br />
<strong>de</strong>s Inhaltes.<br />
Alle Rechte, insbeson<strong>de</strong>re das Recht auf Vervielfältigung<br />
und Verbreitung sowie <strong>de</strong>r Übersetzung in<br />
frem<strong>de</strong> Sprachen, sind vorbehalten.<br />
Kein Teil <strong>de</strong>s Werkes darf in irgen<strong>de</strong>iner Form (Fotokopien,<br />
Film o<strong>de</strong>r auf elektronischem Weg) ohne<br />
schriftliche Genehmigung von LEO Pharma GmbH<br />
reproduziert wer<strong>de</strong>n.<br />
Diese Broschüre ist Teil <strong>de</strong>s Quality Care TM Programms,<br />
einem <strong>de</strong>rmatologischen Service von LEO Pharma mit<br />
<strong>de</strong>m Ziel, durch Vermittlung von Wissen, mehr Verständnis für <strong>Psoriasis</strong> und <strong>Psoriasis</strong>-<br />
Patienten zu schaffen und die Lebensqualität <strong>de</strong>r Betroffenen zu verbessern.<br />
55
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Frankfurter Straße 233, A3 ⋅ D-63263 Neu-Isenburg<br />
Telefon: (06102) 201-0 ⋅ Telefax: (06102) 201-200<br />
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