Rede: Dipl.-Jur. Haris Hrle - ZZI
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Der Völkermord wurde begangen.<br />
Vielen wurde, sogar Jahre vor dem Begehen dieses Verbrechens, klar, dass genau das<br />
passieren wird – der Völkermord.<br />
Die Beweise entspringen aus der Erde und aus dem Wasser, und aus Erinnerungen derer, die<br />
das können, sowie aus den Augen derer, die nicht einmal sagen dürfen, was sie erlebt hatten.<br />
Urteile wegen Massenverbrechen und wegen Völkermord werden in Den Haag verhängt.<br />
Kriegsverbrecher werden, nach milden Urteilen und Absitzen ihrer Strafen zuhause feierlich,<br />
mit Pauken und Trompeten, empfangen.<br />
Die Folgen sind schrecklich - Ostbosnien ist verwüstet, das Land ist mit zerfetzen Skeletten<br />
überzogen. Das getötete friedliche Volk bildet eine unsichtbare, blutige Welt, die wir jetzt<br />
aufgraben.<br />
Die Betäubung der Zeit und das Entsetzen der Diskontinuität spürt man in allen bosnischen<br />
Städten entlang des Flusses Drina.<br />
Es wird noch Jahrzehnte dauern bis sich Emotionen wieder gelegt haben.<br />
Bosnische Realität ist mühselig wegen täglicher Konfrontation mit der Tiefe und Schwere der<br />
begangenen Verbrechen, aber auch wegen des Unverständnisses derjenigen, die sich selber<br />
eloquent als, barmherzig, solidarisch und gutgesinnt, bezeichnen.<br />
Obwohl die Bedingungen erfüllt sind, klammert sich das Visaregime immer noch eng um die<br />
Bürger von Bosnien-Herzegowina.<br />
Die BosniakInnen sind davon am stärksten betroffen.<br />
Das Paradoxe ist, dass das "Monstrum von Grbavica", Veselin Vlahović Batko, ein Mitglied<br />
der serbischen Belagerungskräfte in einem der zentralen Siedlungen von Sarajewo, der<br />
Massenmörder und Vergewaltiger, ein gebürtiger Montenegriner, mit bulgarischen<br />
Dokumenten in Spanien gefangen genommen wurde.<br />
Offensichtlich bräuchte er kein Visum. Vielleicht hatte er keine Lust in der Warteschlange mit<br />
den gleichen Leuten, deren Verwandte und Freunde er massakriert hat, auf ein Visum zu<br />
warten.<br />
Mit den Menschen, die während des Krieges in einer Warteschlange für das Wasser und die<br />
Nahrung standen, und die heute noch immer vor den EU-Botschaften in Reihen stehen.<br />
Die Wirklichkeit ist, dass der oberste Genozid-General Ratko Mladić noch nicht verhaftet ist.<br />
Wo ist er? Wenn er in Serbien ist, warum gerade dort? Sollte man auf diese Frage wirklich<br />
antworten?<br />
Radovan Karadžić hat in Den Haag das Mikrofon bekommen und schickt regelmäßig<br />
antibosnische, politische und national-spezifische Botschaften an seine unbesiegten<br />
Anhänger. Erinnert er Euch ein wenig an die Mitglieder der vorläufigen<br />
„Quisling Regierung“ im Exil?<br />
Versucht er einen politischen Einfluss zu erreichen, oder relativiert er bereits verurteilte<br />
Verbrechen des Völkermords?
Denken wir darüber nach, meine europäischen MitbürgerInnen!<br />
In meinem Namen möchte ich mich heute in Linz bei den Autorinnen des Films „Srebrenica<br />
360°“ ganz herzlich bedanken.<br />
Ich war bei der Filmpremiere in Wien anwesend und dachte tagelang über ihre gute Tat nach.<br />
Sie helfen das Leben weiterzuführen.<br />
Sie verstehen die Stellung und Bedeutung der Frauen beim Wiederaufbau der bosnischen<br />
Geschichte am Drina-Fluss. Sie hatten einen Teil von sich selbst, einen großen Teil ihrer<br />
emotionalen und fachlichen Fähigkeiten gegeben, um mit uns zu sein.<br />
Eigentlich, erlebe ich sie als schweizerisch-österreichische Bosnierinnen und bedanke mich<br />
nochmals bei ihnen.<br />
Außerdem, bedanke ich mich auch bei allen, die ihren Beitrag bei der Verwirklichung dieses<br />
Projektes gegeben hatten, sowie bei der Stadt Linz und bei allen ihren BürgerInnen.<br />
Ein besonderer Dank gebührt der Republik Österreich, die uns innerhalb der EU am besten<br />
kennt, und die ihr Wissen zu unserem Nutzen in den europäischen Institutionen einsetzt.<br />
<strong>Haris</strong> <strong>Hrle</strong>, Botschafter von Bosnien-Herzegowina in Wien