Sozialforschung – Stadtforschung

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Sozialforschung – Stadtforschung

Sozialforschung

Stadtforschung

im Rahmen des Seminars

Qualitative Methoden

der Stadtforschung

29. Oktober 2009

Erika Schulze


Stadtforschung - Beispiele

Chicago School of Sociology

Nels Anderson: The Hobo (1923)

(über Wanderarbeiter, ihre Kultur, ihr Milieu,

ihre Institutionen)

Frederic M. Trasher: The Gang (1927)

(über Straßenbanden Jugendlicher)

Louis Wirth: The Ghetto (1929)

(über das jüdische Viertel in Chicago)

Paul G. Cressey: The Taxi-Dance Hall (1932)

(über Tanzsäle, in denen man

Tanzpartnerinnen mieten konnte)

Robert Ezra Park

(1864-1944)

Ernest W.Burgess

(1886-1966)


Stadtforschung - Beispiele

Methodisches Vorgehen nach der Chicago School

zur Untersuchung des Hotelwesens

1. Das Grundbuchamt konsultieren, Hotels nach Art und Größe klassifizieren,

die Lage der klassifizierten Hotels im Stadtplan einzeichnen und

Konzentrationsgebiete (so genannte ‘hotel areas') markieren.

2. Zensusdaten über das Hotelgewerbe einholen (wie viele Hotels gibt es im

Stadtgebiet, wie viele Zimmer stehen zur Verfügung, wie viele Übernachtungen

pro Jahr), zusätzlich die Fachpresse des Hotelgewerbes konsultieren

(Archivarbeit); außerdem Geschäftsführer befragen (saisonaler Verlauf der

Belegung, durchschnittliche Aufenthaltsdauer, Beruf und Zivilstatus der

Gäste)

3. Durch das Gebiet flanieren, das Umfeld erkunden (Bars, Restaurants,

Kinos, Theater, Nachtklubs); sich in der Hotelhalle, Hotelbar aufhalten

oder sich als Gast einquartieren, Beobachtungen anstellen, mit den Gästen

und dem Personal reden.

Nach Rolf Lindner: Walks on the Wild Side. Frankfurt am Main 2004


Stadtforschung - Beispiele

4. Falls möglich, in verschiedene funktionale Rollen schlüpfen (Portier,

Rezeption, Barkeeper, Zimmermädchen, Page, Küchenhilfe etc.)

5. Lebensgeschichten von Gästen und Personal einholen.

6. Literarische Werke (wie Menschen im Hotel),

Reportage-Romane (wie Hotel Amerika), Filme

(wie Grand Hotel) heranziehen

7. Zur analytischen Präzisierung Vergleiche mit anderen

Institutionen des Beherbergungswesens (Aysl,

Pension, Wohnheim) anstellen.

Nach Rolf Lindner: Walks on the Wild Side. Frankfurt am Main 2004


Stadtforschung - Beispiele

Leben für den Ring

Loic Wacquant

Professor für Soziologie an der University of

California, Berkeley

ehemaliger Schüler von Pierre Bourdieu,

langjährige Zusammenarbeit mit ihm


Stadtforschung - Beispiele

Zusammenleben verschiedener Bevölkerungs-/ Milieugruppen

im Quartier

Das Leben spezifischer Gruppen in der Stadt -

Kinder, Frauen, einzelne Lebensstilgruppen ...

Städtisches Leben unter den Bedingungen von

Prekarisierung und Segregationsprozessen

Auswirkungen von Transnationalisierungs-und

Migrationsprozessen

Ökonomische Entwicklung von Stadtvierteln

(oder Aspekte wie Deindustrialisierung,

ethnische Ökonomie ...)


Stadtforschung - Beispiele

Städtischer Multikulturalismus

Städtisches Leben unter den Bedingungen von

Migration und Pluralisierung am Beispiel eines

Kölner Quartiers

Wolf-Dietrich Bukow/ Claudia Nikodem/ Erika Schulze/ Erol Yildiz:

Städtischer Multikulturalismus. Opladen 2001


Quantitative Forschung – Qualitative Forschung

Kennzeichen quantitativer Forschung


eine Orientierung an den Naturwissenschaften und ihrer

Exaktheit


repräsentative Stichproben, zahlenmäßig breite Erhebung


Wunsch nach allgemeingültigen und verallgemeinerbaren

Aussagen


Wunsch nach Messbarkeit und Quantifizierbarkeit von

Phänomenen


Gewährleistung der Objektivität durch Ausschließung der

Einflüsse durch die untersuchende Person


Quantitative Forschung – Qualitative Forschung

aus:

Wilhelm Heitmeyer:

Verlockender Fundamentalismus

Frankfurt am Main 1999


Quantitative Forschung – Qualitative Forschung

Kennzeichen qualitativer Forschung


eine relative Offenheit im Forschungsprozess


ein Anspruch Lebenswelten von ‘innen heraus' zu beschreiben


eine Berücksichtigung der Perspektiven der Beteiligten und

ihrer Vielschichtigkeit


eine Ausrichtung auf eine ‘verstehende Sozialforschung


der Versuch, der Komplexität der Wirklichkeit durch eine

Gegenstandsangemessenheit der Methoden und Theorien

Rechnung zu tragen


eine Reflexion der ForscherIn über die Forschung als Teil der

Erkenntnis


Quantitative Forschung – Qualitative Forschung

Der Bedeutungsgewinn qualitativer Ansätze steht im

Kontext gesellschaftlicher Transformationen


Individualisierung der Lebenslagen


Pluralisierung der Lebensformen und -welten


Globalisierung

Die SozialforscherInnen werden mit einer Unvertrautheit dessen

konfrontiert, was sie untersuchen wollen. Dies macht eine

verstehende Sozialforschung wichtiger denn je.


Quantitative Forschung – Qualitative Forschung

"Auch wenn die Postmoderne vielleicht schon wieder am

Ende ist, die Prozesse der Pluralisierung und Auflösung,

die neuen Unübersichtlichkeiten, die mit diesem Begriff

beschrieben werden, bestehen weiter. Standardisierte

Methoden benötigen für die Konzipierung ihrer

Erhebungsinstrumente eine feste Vorstellung über den

untersuchten Gegenstand, wohingegen qualitative

Forschung für das Neue im Untersuchten, das

Unbekannte im scheinbar Bekannten offen sein kann."

(Uwe Flick, Ernst von Kardorff, Ines Steinke (2000: S. 17)

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