Leseprobe - Berner Oberland News

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Leseprobe - Berner Oberland News

DIE LESEPROBE

Wachsaal B. Nachtwächter Bohnenblust sitzt an seinem Tischchen, die beiden Assistenzärztinnen haben sich gegen die Wand gelehnt.

Dr. Neuville übt Steppschritte, Dr. Blumenstein steht reglos auf einem Bein und sieht in seinem weissen Mantel wie ein Storch aus.

Wachtmeister Studer, Dr. Laduner, Abteiliger Jutzeler und Oberpfleger Weyrauch.

Studer: Isch dr Pieterle geschter ar Sichlete gsii?

Jutzeler: Ja.

Studer: Wie lang isch das Fescht gange?

Jutzeler: (verschränkt die Arme über der Brust)

Bis Mitternacht.

Studer: Und, het dr Pieterle tanzet?

Jutzeler: Nei. Zersch het är sech zwar uf ds Tanze

gfröit, aber nächhär het är du plötzlech

nümme wöue tanze. Är isch ine Egge ghocket

und mir hei ne nume mit Müei drzue

bracht, sis Örgeli füreznäh u n es paar Tänz

ds schpile. Är isch zimlech muff gsii… wahrschinlech

wöu d'Wasem nid a ds Fescht cho

isch.

Studer: D'Wasem? (blickt Dr. Laduner treuherzig an)

Was isch das für nes Fröilein Wasem?

(Dr. Neuville hält in seinen Tanzversuchen

inne, die Assistenzärztinnen blicken zu

Boden, Dr. Blumenstein, immer noch auf

einem Bein stehend, wird rot)

Jutzeler: (will antworten, aber Laduner schneidet ihm

das Wort ab)

Dr. Laduner (trocken) Mir hei dr Pieterle i d'Malergruppe

versetzt gha. Vor nes paarne Wuche het

d'Malergruppe d'Wänd gschtriche uf em

Froue B. Und dr Patiänt Pieterle het sech i

d'Pflegerin Irma Wasem verliebt. Das chunnt

vor. Es si da Imponderabilie…

Assistentin 1 (nickt weise) Imponderabilien –

Dr. Neuville (meckert hörbar)

Studer: (verträumt) Wasem… Irma Wasem! Und das

Meitschi het em Patiänt Pieterle sys Härz

gschänkt? (Schweigen)

Dr. Laduner: I dr erschte Zyt sicher – ganz beschtimmt.

– Me het mi uf em loufende ghaute…

Weyrauch: We dr Herr Dokter erloubt, so chönnt ig mit

ere Uskunft ufwarte. Me het nämlech a de

letschte Aabete d'Pflegerin Wasem Arm in

Arm mit em Herr Diräkter gseh schpaziere…

Dr. Blumenstein: (erbittert) Das si doch Tratschgschichte,

Weyrauch! Dir söttet nech geniere, vor

Ussestehende settegi Bemerkige z'mache!

Weyrauch (ungeniert) Das wüsse doch aui hie ir

Aaschtaut, dass dr Herr Diräkter nid ungärn

karisiert het!

Studer: (Zieht die Kohlezeichnung mit dem

Mädchenkopf hervor) Isch das d‘Irma

Wasem?

Weyrauch: Eh däich wou!

Studer: (zu Jutzeler) Dir heit geschter ds Telefon

abgno und em Diräkter grüeft. – Wär het

ne verlangt? – I meine, het da e wiblechi

Schtimm gredt?

Jutzeler: Nei nei, das isch e Manneschtimm gsii…

gestaltung: z-grafix, uetendorf; druck: jost druck ag, hünibach


SchlossSpiele Thun 2004

Friedrich Glauser

16. Juli bis 28. August 2004

Gefängnishof Schloss Thun

www.SchlossSpieleThun.ch

Regie Barbara Rauch

Medieninfo 1


DIE REGIE DAS STÜCK

«Im Theater ist‘s wie im Traum, man ist weder an Raum noch an

Zeit gebunden, in dem was man auf die Bühne bringen will», sagt

Regisseurin Barbara Rauch.

Die freischaffende Theaterfrau, Lehrerin und Tanzlehrerin wohnt in

Thun. Sie unterrichtet Bewegung, Sprache und Mathematik an der

Schlossbergschule Thun und ist Mutter zweier Kinder.

Für die SchlossSpiele Thun stand sie als Magd Berty in der

Inszenierung «Tanz der Vampire» und als Sekretärin Beatrice

Bachmann in «Zehn kleine Negerlein» auf der Bühne, choreogaphierte

den «Ball der Vampire» und leitete die Theaterprojekte

«Eine Frau wird enthauptet» und zuletzt «Der Besuch der alten

Dame» (Projektleitung und Regieassistenz).

DER AUTOR

«Daten wollen Sie? Also: 1896 geboren in Wien von österreichischer

Mutter und Schweizer Vater. Grossvater väterlicherseits

Goldgräber in Kalifornien (sans blague), mütterlicherseits Hofrat

(schöne Mischung, wie?), Volksschule, 3 Klassen Gymnasium in

Wien, dann 3 Jahre Landerziehungsheim Glarisegg. Dann 3 Jahre

Collège de Genève. Dort kurz vor der Matur hinausgeworfen…

Kantonale Matur in Zürich. Dann Dadaismus. Vater wollte mich

internieren lassen und unter Vormundschaft stellen. Flucht nach

Genf… 1 Jahr (1919) in Münsingen interniert. Flucht von dort.

1Jahr Ascona. Verhaftung wegen Mo. Rücktransport. 3 Monate

Burghölzli (Gegenexpertise, weil Genf mich für schizofren erklärt

hatte). 1921–1923 Fremdenlegion. Dann Paris Plongeur. Belgien

Kohlengruben. Später Charleroi Krankenwärter. Wieder Mo.

Internierung in Belgien. Rücktransport in die Schweiz. 1 Jahr administrativ

Witzwil. Nachher 1 Jahr Handlanger in einer Baumschule.

Analyse (1 Jahr)… Als Gärtner nach Basel, dann nach Winterthur.

In dieser Zeit den Legionsroman geschrieben (1928/1929), 30/31

Jahreskurs Gartenbaumschule Oeschberg. Juli 31 Nachanalyse.

Jänner 32 bis Juli 32 Paris als freier Schriftsteller (wie man so

schön sagt). Zum Besuch meines Vaters nach Mannheim. Dort

wegen falschen Rezepten arretiert. Rücktransport in die schweiz.

Von Juli 32–Mai 36 interniert. Et puis voilà. Ce n‘est pas très

beau…»

Friedrich Glauser an Josef Halperin, 13. 6. 1937

Matto, der grosse Geist des Irrsinns regiert die Welt. Mit seinen

gläsernen, grünen Fingernägeln fährt er durch die Lüfte und wirft

seine bunten Fäden über Häuser, Dörfer, Städte und Länder. Er verrückt

den Geist und verwirrt die Sprache, lässt Morde geschehen,

Revolutionen und Kriege auflodern. Auch in der Welt der Heil- und

Pflegeanstalt Randlingen – eine Irrenanstalt im Kanton Bern in den

zwanziger Jahren – spinnt er seine Fäden: Er lässt den Direktor

verschwinden und den Patienten Pieterlen entfliehen.

Wachtmeister Studer wird als besonnener Mensch und hervorragender

Kriminalist in diese verwirrende Welt des nackten

Unbewussten gebeten. Er versucht in seinen Ermittlungen die

Fäden zu entwirren und Licht in die Angelegenheit zu bringen. Als

poetischer Mensch kann er sich aber dem Geiste Mattos nicht

ganz entziehen und gerät inmitten von psychiatrischen Theorien

und Therapien selbst in die Grenzregion zwischen Vernunft und

Irrsinn, zwischen Realität und Vorstellung.

DIE INSZENIERUNG

Stück und Inszenierung orientieren sich stark an der Romanvorlage

Glausers. So steht nicht die Kriminalgeschichte im

Vordergrund sondern vielmehr die Befindlichkeit der Menschen,

die mit dieser Geschichte verstrickt sind. Ihre Einsamkeit, ihre

Angst, ihr Ausgeliefertsein, ihre Ohnmacht; aber auch ihre

Poesie, ihre Zuneigung, ihre Wärme, ihre Hoffnung und natürlich

ihr Ver-rückt-sein!

Eine abgründige Welt, in der das Offensichtliche sich als

Täuschung entpuppt und die Wahrheit sich im Hintergrund hält,

aber auch eine wunderbar farbige Welt, beherrscht von Matto dem

Grossen!

In Begleitung von rund 30 Laienschauspielerinnen und

Schauspielern (darunter auch einige Kinder), einem Klavier und

einem Schweizerörgeli verführt er das Publikum im Sommer 2004

in sein Reich. Dort lässt er sprechen, tanzen, singen, träumen…

Projektleitung Andreas Stettler

fon 0 3333 6 3333

projektleitung@SchlossSpieleThun.ch

Hannes Zaugg-Graf

fon 0333 454 733

zaugg-graf@uetendorf.ch

Eine Produktion der SchlossSpiele Thun

www.SchlossSpieleThun.ch


COMMUNIQUE 2

SchlossSpiele Thun

Die Proben beginnen

Am kommenden Montag, den 9. Februar 2004 beginnen die

Probearbeiten für die Produktion «Matto regiert» der SchlossSpiele

Thun. Ein hoch motiviertes Team wird in einer intensiven Probezeit

Friedrich Glausers Geschichte eines Mordfalls in einer Heil- und

Pflegeanstalt in starke Bilder umsetzen. Die Geschichte trägt autobiografische

Züge, verbrachte doch Glauser einen bedeutenden Teil

seines Lebens in solchen Anstalten. Viele Motive seines Romans

fand er während seines Aufenthalts in der Klinik Münsingen.

Die Regisseurin Barbara Rauch hat Glausers Roman, welcher

bereits mehrere Male verfilmt und auch dramatisiert wurde, auf

eine psychologisch spannende Art in ein Theater umgesetzt.

Insbeondere wird Matto, der Geist des Irrsinns, als Figur in

Erscheinung treten und eine Verbindung zwischen den verschiedenen

Welten schaffen.

Es konnten noch nicht ganz alle Rollen besetzt werden. Die

Verantwortlichen der Inszenierung sind insbesondere noch auf

der Suche nach Männern, welche verschiedene kleinere, aber

interessante Rollen als Pfleger und Patienten in der Irrenanstalt

Randlingen übernehmen können. Auch Neueinsteiger sind herzlich

willkommen und werden gebeten, sich direkt mit der Regisseurin

Barbara Rauch in Verbindung zu setzen, oder am Montag um 19.30

Uhr direkt beim Probelokal vorbeizukommen.

Barbara Rauch Tel. 033 222 43 50

Probelokal: Mittlere Strasse 27, Thun

1416 Zeichen mit Leerzeichen

DAS FREILICHTSPIEL

Mitwirkende 40 Schauspielerinnen, Schauspieler

und Verantwortliche für Maske, Requisiten,

Technik und Spielbetrieb

Spielort ehemaliger Gefängnishof beim Schloss Thun

Premiere Freitag, 16. Juli 2004

Spieldaten DI MI FR SA SO

16.7. 17.7.

20.7. 21.7. 23.7. 24.7.

27.7. 28.7. 30.7. 31.7.

3.8 4.8. 8.8.

10.8 11.8. 13.8. 14.8.

17.8. 18.8. 20.8. 21.8.

24.8 25.8 27.8 28.8

Spielbeginn jeweils 20.00 Uhr

Theaterbistro Ristorante Casa Matto und Glauserbar

Öffnungszeiten 18.00–0.30 Uhr

Eintrittspreise Fr. 35.– Erwachsene

Fr. 25.– Kinder und junge Leute in Ausbildung

Gruppenrabatt von 10% ab 30 Personen

Behinderte im Rollstuhl gratis

Anreise per Auto

Auf dem Schlossberg stehen keine Parkplätze zur

Verfügung. Benutzen Sie die nahen Parkhäuser

City West (Grabengut) und Spital. Die Zufahrt zum

Schloss ist gesperrt.

per Bahn

Vom Bahnhof aus ist der Schlossberg zu Fuss in

zehn Minuten erreichbar. Die Thuner Taxis fahren

bis zum Schloss.

Wetter Die Tribüne ist nicht gedeckt. Es wird auch bei

leichtem Regen gespielt. Regenschirme sind nicht

erlaubt. Auskunft gibt am Spieltag ab 17.30 Uhr

das Wettertelefon 1600, Rubrik 5

Vorverkauf www.beo-tickets.ch

Filialen AEK

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