FSC - für Mensch, Wald und Natur

fsc.deutschland.de

FSC - für Mensch, Wald und Natur

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

FSC - für Mensch, Wald und Natur

Nutzung und Zertifizierung von Wäldern -

Materialien für Lehrer und Waldpädagogen


Impressum

Herausgegeben von der

FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Postfach 5810 · 19026 Freiburg · Germany

E-Mail: info@fsc-deutschland.de

Texte: Erika Müller, Sabrina Müller,

Frank Ackermann

Layout: Volker Maas

Bilder: Istock, Fair Deal Trading Ltd,

FSC International, FSC Deutschland,

Patrick Begby, Vanessa Falke (Naturerlebnispädagogin),

Eric Goethals,

Ruben Gomes, Josef Moser,

Kristin Vollmar

Baumzeichnungen: Astrid Schilling

Bezug: Die Bildungsmaterialien

können von der Internetseite

www.fsc-deutschland.de/waldundschule

heruntergeladen werden.

Stand: 2010, 1. Auflage

Vorwort

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Holz begegnet uns alltäglich, z.B. in Form von Büchern oder Gartenstühlen.

Was aber hat mein Gartenstuhl mit der Waldbewirtschaftung

in Indonesien zu tun? Oder mit dem Wald in meiner

Stadt? Welche Geschichten stecken hinter den Holzprodukten?

Wie kann ich prüfen, dass der Wald verantwortungsvoll bewirtschaftet

wird?

FSC - für Mensch, Wald und Natur” bietet Antworten und Anregungen

für den Unterricht in Schule und Wald zum Thema Waldzertifizierung

und nachhaltige Waldwirtschaft mit speziellem

Fokus auf das Zertifizierungssystem des Forest Stewardship

Council (FSC).

Die Schüler-/Innen können in die Rolle eines Waldprüfers schlüpfen

und mit Hilfe einfacher Checklisten vor Ort im Wald kontrollieren,

ob dieser das FSC-Zertifikat verdienen würde.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur |


FSC - für Mensch,

Wald und Natur

Nutzung und Zertifizierung von Wäldern -

Materialien für Lehrer und Waldpädagogen

Inhalt

1 Bildungsmaterialien für einen nachhaltigen Umgang

mit unseren Wäldern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .4

2 FSC im Unterricht

Vorschläge für die Unterrichtsgestaltung

und Kopiervorlagen

(Arbeitsblätter für SchülerInnen - Lektion 1 bis 3) . . . . . . . . .5

3 FSC im Wald

Vorschläge für die Gestaltung der Waldführung

und Kopiervorlagen

(Arbeitsblätter für Schülergruppen - Gruppe 1 bis 3) . . . . . .9

4 Hintergrundwissen

Informationen für LehrerInnen und WaldpädagogInnen . . .17

5 Glossar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .21

6 Tipps zum Lesen und Surfen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .22

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Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | 3


1 Bildungsmaterialien

Nachhaltigkeit

Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde in Deutschland

erfunden – von der Forstwirtschaft! Der

sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von

Carlowitz sprach im Jahr 1713 erstmals von der

Notwendigkeit, dass bei der Forstwirtschaft eine

nachhaltige Nutzung der Wälder gewährleistet sein

muss. Nachhaltigkeit bedeutet in diesem Sinne,

dass nur so viel Holz entnommen werden darf, wie

nachwächst.

Heute, nach fast 300 Jahren ist das Prinzip der

Nachhaltigkeit aktueller und umfassender denn je.

Wir leben in einer Gesellschaft, die von Globalisierung

und einer zunehmenden Naturentfremdung

geprägt ist. Hinzu kommt, dass es kaum ein Bewusstsein

über die Endlichkeit von Ressourcen

gibt. Zum Beispiel werden sauberes Wasser, leistungsfähige

Böden, Erdöl, Erdgas oder Holz den

kommenden Generationen nur dann zur Verfügung

stehen, wenn wir mit diesen Ressourcen schon

heute bewusst und nachhaltig umgehen.

FSC in der Schule

Ein bewusster Umgang mit der Natur setzt einerseits

das Wissen von Fakten, Zusammenhängen

und Wechselbeziehungen, aber andererseits auch

ein gewisses Maß an Verantwortungsgefühl voraus.

FSC - für Mensch, Wald und Natur“ möchte durch

die praxisorientierte Vermittlung der Fakten das

Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit

der Ressource Holz schärfen und bei den Jugendlichen

das Interesse am Wald wecken.

Mit den vorliegenden Materialien für die 8. bis 10.

Klasse im Biologie-, Erdkunde-, Politik-, Deutsch-

und fächerübergreifenden Unterricht sollen die

SchülerInnen die Bedeutung des Waldes als wichtigen

Rohstofflieferant, Kohlenstoffsenke und Lebensraum

vieler Pflanzen und Tiere, die Funktion

von Waldzertifizierung sowie die Grundlagen einer

naturnahen und sozial verantwortlichen Waldbewirtschaftung

kennen lernen und verstehen.

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

für einen nachhaltigen Umgang mit unseren Wäldern

Die Unterrichtseinheit gliedert sich in einen theoretischen

Teil „FSC im Unterricht“ und einen praktischen

Teil „FSC im Wald“.

FSC im Unterricht“ gibt einen ersten Überblick

über das Thema Zertifizierung von Wäldern und

vermittelt den SchülerInnen die Kenntnis darüber,

warum ein verantwortungsvoller Umgang mit unseren

Wäldern notwendig ist. Die Unterrichtsmaterialien

orientieren sich an den Bildungsstandards

der Bundesländer und den darin beschriebenen

Inhalten und Kompetenzen. Diese Materialien können

zur Vor- und Nachbereitung einer Waldführung

eingesetzt werden.

FSC im Wald“ ist als Aktionsvorschlag für eine

Waldführung konzipiert. Hier übernehmen die Jugendlichen

die Aufgabe eines Zertifizierers und

prüfen den Wald anhand einer Checkliste auf FSC-

Tauglichkeit. Der Aufbau der Materialien orientiert

sich an den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie,

Ökonomie und Soziales. Diese drei Säulen finden

sich auch in den Waldzertifizierungsstandards

des FSC wieder. Die Bedeutung jeder Säule für die

Waldbewirtschaftung wird bei den Aktivitäten im

Wald vertieft.

Die beiden Module können in Kombination oder

einzeln durchgeführt werden.

Ziele

3

3

3

3

Die SchülerInnen erkennen die Bedeutung von

Wäldern.

Sie erfassen das Prinzip der Nachhaltigkeit in

der Natur und verstehen damit die Problematik

und Begrenztheit der Ressource Wald.

Sie kennen die Kriterien der Waldzertifizierung.

Die SchülerInnen sind in der Lage an einem

ausgewählten Beispiel die Problematik der

menschlichen Nutzung von Wäldern weltweit zu

analysieren.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | 4


Fächer:






2 FSC im Unterricht

Checkliste für LehrerInnen

Biologie

Erdkunde

Deutsch

Politik

fächerübergreifender Unterricht

Stufe: 8. bis 10. Klasse

Dauer: 2 Doppelstunden

(Eine Vertiefung der Einheit ist möglich)

Inhalte:







Ökosystem Wald

Schutz von Ökosystemen

Beeinflussung von Lebensräumen

durch den Menschen

weltweite Bedrohung und

Zerstörung der Wälder

ethische Maßstäbe

und verantwortliches Handeln

nachhaltiger Umweltschutz

als globale Aufgabe

Vorwissen:

Die SchülerInnen kennen die Bedeutung des

Waldes sowie die verschiedenen Wirtschaftsformen

(Monokultur, Mischkultur). Außerdem

ist ihnen der Nachhaltigkeitsbegriff bekannt.

Kompetenzen:

Die SchülerInnen

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können den Wald mit Hilfe vorgegebener

Kriterien erforschen und beurteilen.

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wissen wie der Mensch seine Umwelt nutzt und

verändert.

begreifen, dass jeder Einzelne durch sein

Handeln zum Erhalt der Umwelt beitragen

kann.

entwickeln ein Bewusstsein dafür, dass nachhaltiger

Umweltschutz eine wesentliche globale

Aufgabe ist.

sind fähig sich mit Texten auseinander zu

setzen und textbezogene sowie weiterführende

Fragen zu beantworten.

können Sachverhalte in größere

Zusammenhänge einordnen, eigene

Standpunkte klar und folgerichtig entwickeln

sowie sich mit fremden Sichtweisen und

Argumentationen sachlich auseinander setzen.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Unterricht | 5







1. Doppelstunde

Forest Stewardship Council

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Phase Inhalt Medien Dauer

Einstieg Wälder der Welt

Sie zeigen den SchülerInnen verschiedene Waldbilder,

um zu verdeutlichen, dass Wald nicht gleich Wald ist

und dieser je nach örtlicher Gegebenheit und Bewirtschaftungsform

unterschiedlich aussehen kann. Die

Bilder finden Sie auf der CD „FSCfür Mensch, Wald

und Natur“ oder im Internet unter www.fsc-deutschland.

de/waldundschule.

Problematisierung

Vorschläge für die Durchführung

Gesamtdauer: 2 Doppelstunden

Situation der Wälder weltweit

Wie schätzen die SchülerInnen anhand der zuvor gezeigten

Bilder die Situation der Wälder ein? Erarbeiten

Sie die Einschätzungen im Lehrer-Schüler-Gespräch

(LSG) und notieren Sie die Ergebnisse an der Tafel.

Erarbeitung Wenn Waldwirtschaft nicht nachhaltig abläuft...

Vielerorts funktioniert die Waldwirtschaft bereits vorbildlich

und nachhaltig (v.a. auch in Deutschland). Leider

gibt es aber immer wieder Fälle bei denen der Gewinn

und nicht die Menschen und die Natur an erster Stelle

stehen. Die SchülerInnen beschäftigen sich zu dieser

Thematik mit den Fallbeispielen in Lektion 1 und lernen

dabei „worst practice Beispiele“ in der Waldwirtschaft

kennen. Dazu bearbeiten die SchülerInnen die Aufgaben

auf den Arbeitsblättern.

Die Ausarbeitung der Arbeitsblätter kann in Einzelarbeit

oder im Gruppenpuzzle erfolgen.

Sicherung Die SchülerInnen präsentieren ihre Ergebnisse aus dem

Quiz “Teste dein Wissen” und fertigen ein Wandplakat

(Weltkarte) an. Sie ordnen ihre Fallbeispiele dem Wandplakat

zu. Dazu kann das Fallbeispiel auf die Weltkarte

geklebt werden.

Waldbilder 5 - 10 Min

Tafel 10 Min

Weltkarte

Lektion 1

25 - 30 Min

Tafel 45 Min

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Unterricht | 6


2. Doppelstunde

Forest Stewardship Council

Phase Inhalt Medien Dauer

Einstieg Die SchülerInnen wiederholen anhand der Weltkarte in

welchen Regionen der Erde es Probleme bei der Bewirtschaftung

der Wälder gibt.

Problematisierung

Legen Sie dar, dass es notwendig ist, Lösungen für diese

Probleme zu finden, damit eine soziale Gerechtigkeit

und der Fortbestand der Natur gewährleistet sind.

Die SchülerInnen diskutieren im LSG, wie die Situation

für Wald und Mensch in den angesprochenen Regionen

verbessert werden könnte. Sammeln Sie die Ergebnisse

an der Tafel.

Erarbeitung Schluss mit Raubbau und Ausbeutung –

Welche Lösungen gibt es?

I. Stellen Sie den SchülerInnen das FSC-Siegel vor.

Eine Abbildung des FSC-Siegels finden Sie auf der

CD „FSCfür Mensch, Wald und Natur“ oder im Internet

unter www.fsc-deutschland.de/waldundschule.

Geben Sie den SchülerInnen einen kurzen Überblick

über FSC (Informationen s. Hintergrundwissen). Teilen

Sie den SchülerInnen dazu auch Lektion 2 aus.

II. Teilen Sie die Klasse in Gruppen ein (jeweils 5 bis 6

SchülerInnen). Die Gruppen suchen sich aus Lektion

3 ein Beispiel aus, wie durch FSC die Situation vor

Ort verbessert werden konnte. Die SchülerInnen

erarbeiten eine Präsentation zu ihrem Beispiel und

tragen diese vor der Klasse vor. Die SchülerInnen

können ihre Modellregion zum Beispiel auch in Form

eines Rollenspiels oder Radiointerviews vorstellen.

Sicherung Zum Abschluss greifen Sie noch einmal die „10 grünen

FSC-Regeln“ auf und wiederholen mit den SchülerInnen,

welche Regeln in ihren Modellregionen umgesetzt

wurden.

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Weltkarte 5 - 10 Min

Tafel 15 - 20 Min

Abbildung

FSC-Siegel

Lektion 2

10 Min

Lektion 3 45 Min

Lektion 2 10 Min

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Unterricht | 7


3

3

3

3

Ideen zur Vertiefung

Baumarkt-Check

Teilen Sie die Klasse in Gruppen ein und

stellen Sie folgende Wochenaufgabe: Die

SchülerInnen gehen in verschiedene Geschäfte

(z.B. Baumarkt, Schreibwarenladen, Kaufhaus)

und führen dort einen „FSC-Check“ durch. Die

SchülerInnen notieren sich, ob FSC-Artikel

verkauft werden und wenn ja welche. Zusätzlich

können sie die Verkäufer auf ihr FSC-Wissen

testen (Weiß der Verkäufer, was FSC bedeutet?

Wie gut kann der Verkäufer die Kunden zum

Thema FSC beraten?).

Die SchülerInnen erstellen FSC-Plakate auf

denen erklärt wird, was FSC bedeutet und

wie man als Kunde FSC-bewusst einkaufen

kann. Nach Rücksprache mit dem Baumarkt

/ Schreibwarenladen / Kaufhaus können die

Plakate dort oder im Schulgebäude aufgehängt

werden.

FSC-Faltblatt

Die SchülerInnen entwickeln in Gruppenarbeit

ein FSC-Faltblatt. Das Faltblatt sollte eine

DIN-A4-Seite umfassen, die wichtigsten

Informationen wiedergeben und leicht verständlich

sein. Gegebenenfalls können verschiedene

Zielgruppen ausgegeben werden (z.B. Faltblatt

für die Eltern, für MitschülerInnen, für das

Personal im Baumarkt).

FSC in der Zeitung

Die SchülerInnen schreiben einen

Zeitungsartikel zum Thema FSC. Teilen Sie

dazu die Klasse in zwei Gruppen und lassen

Sie von einer Gruppe einen Artikel für eine

Boulevardzeitung schreiben und von der anderen

Gruppe einen Artikel für eine Abonnentenzeitung.

Die Artikel sollten maximal eine

DIN-A4-Seite lang sein.

Hilfe für den Wald

Teilen Sie die Klasse in Gruppen ein (jeweils

5 bis 6 SchülerInnen) und weisen Sie jeder

Gruppe eine Region aus Lektion 1 zu. Die

SchülerInnen schlüpfen in die Rolle eines

Forstberaters, der in diese Region reist und

unter Berücksichtigung der „10 grünen FSC-

Regeln“ einen Lösungsplan für die Holzindustrie

und die lokale Bevölkerung erarbeitet. Die

SchülerInnen stellen Lösungsmöglichkeiten für

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die Probleme vor Ort zusammen und halten ihre

Ergebnisse in einer schriftlichen Vereinbarung

zwischen Holzindustrie und lokaler Bevölkerung

fest (max. eine Seite). Die Gruppen stellen ihre

Ergebnisse vor.

„Check your Home“

Die SchülerInnen erstellen eine Liste von

Holzprodukten, die sie bei sich Zuhause finden.

Dabei nehmen sie alles genau unter die

Lupe: Vom Schulheft, über Gartenmöbel und

Kleiderbügel bis hin zur Fahrkarte.

Produkt FSC-zertifiziert?

Ja Nein

Schreibtisch X

Zeichenblock X

Fahrkarte X

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Unterricht | 8

3

3

p

p

p

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...

Schauen und Lernen -

Filme zum Thema Waldzerstörung

Im Internet sind verschiedene Kurzfilme

zum Thema Waldzerstörung und nachhaltige

Waldbewirtschaftung verfügbar, die im

Unterricht gezeigt werden können:

Film über die Folgen des illegalen

Holzeinschlags für ein Dorf in Indonesien

„The Story of Bukit Lawang“ (in englischer

Sprache): http://vimeo.com/6249255

Greenpeace Kampagne gegen

Palmölplantagen:

www.youtube.com/watch?v=odI7pQFyjso

Angriff auf das grüne Herz Afrikas –

Zerstörung des afrikanischen Regenwalds:

www.youtube.com/

watch?v=yC6JllMXezw&feature=relatedb

The Knasaimos People in West Papua:

Auswirkungen illegaler Abholzung auf ein Dorf

in Indonesien (in englischer Sprache):

http://vimeo.com/6247627


Die Wälder der Welt unter der Lupe

Fallbeispiele

I. Illegaler Holzeinschlag

bedroht Wälder weltweit

Was haben das brasilianische Amazonasgebiet, Indonesien

und der Osten Russlands gemeinsam? 50 bis 80 Prozent des

geernteten Holzes in diesen Ländern stammt aus illegalen

Quellen. Dabei werden nicht nur nationale und internationale

Gesetze missachtet, sondern auch ganze Waldflächen

völlig kahl geschlagen und damit die Tier- und Pflanzenwelt

auf diesen Flächen vernichtet. Von der illegalen Holznutzung

profitieren nur wenige und die lokale Bevölkerung bleibt

mit den negativen Folgen alleine zurück. Die Menschen vor

Ort verlieren ihre Lebensgrundlage und auch die Volkswirtschaft

dieser Länder erleidet massive finanzielle Verluste. Da

die illegale Ware zu Dumpingpreisen auf den Markt geworfen

wird, sinkt der Holzpreis weltweit und die Waldbesitzer

und Forstunternehmen, die nachhaltig arbeiten und die

Gesetze nicht missachten, sind einem unfairen Wettbewerb

ausgesetzt.

III. Ein hart umkämpfter Etappensieg

In den siebziger Jahren wurden die Tupinikim-

und Guarani-Indianer in Brasilien von einem Zellstoffkonzern

von ihrem Land vertrieben. Der Konzern

legte auf der Fläche Eukalyptus-Plantagen an,

um Zellstoff für Hygieneartikel und Papier zu gewinnen.

Die Indianer verloren nicht nur ihre Heimat,

sondern auch ihre Lebensgrundlage. Jahrzehntelang

kämpften sie unerbittlich für die Rückgabe

ihres Landes und ließen sich weder von Rückschlägen

noch durch den Einsatz von Gewalt von ihrem

Anliegen abbringen. Jetzt haben die Indianer endlich

Recht bekommen. Der Zellstoff-Konzern muss

11.009 Hektar Land an die Indianer zurückgeben.

Bleibt noch zu klären, welche Entschädigung die

lokale Bevölkerung für die Eukalyptusbäume erhält,

die nun auf der Fläche stehen und nicht einmal annähernd

den Naturwald ersetzen, der noch vor ein

paar Jahrzehnten an gleicher Stelle zahlreiche Tier-

und Pflanzenarten beheimatet hat.

II. Sami gegen Waldbesitzer –

Lektion 1

Die Wälder der Welt unter der Lupe

Wem gehören die Wälder im hohen Norden?

Die Sami im Norden Schwedens leben traditionell von der Rentierzucht.

Seit vielen Generationen treiben sie ihre Rentierherden durch

die Wälder Lapplands und machen Gebrauch vom jahrhundertealten

„Gewohnheitsrecht“. Dieses erlaubt ihnen, die Tiere auch auf fremdem

Grund und Boden weiden zu lassen. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

Die schwedischen Privatwaldbesitzer wollen vor Gericht durchsetzen,

dass die Rentierherden nicht mehr in ihren Wäldern weiden dürfen.

Für die Sami wäre das eine Katastrophe, denn durch die Landrechtskonflikte

steht ihre traditionelle Lebensweise vor dem Aus.

IV. Traumjob Waldarbeiter?

Waldarbeit gehört zu den gefährlichsten Berufen. Die Arbeit im Wald

mit schweren Maschinen, Kettensägen und Bäumen birgt zahlreiche

(Gesundheits-)Risiken. In vielen tropischen Ländern werden Arbeiter

im Wald eingesetzt, die keine richtige Berufsausbildung haben. Viele

werden zu Billiglöhnen und ohne feste Verträge – meist von ausländischen

Großunternehmen – beschäftigt. Sie arbeiten ohne ausreichende

Schutzausrüstung und haben oft auch keine Gesundheitsversorgung.

Meistens hausen die Waldarbeiter monatelang in Zelten im Wald,

weil ihnen ihr Arbeitgeber keine Übernachtungsmöglichkeiten bietet.

Wenn ein Arbeitsunfall passiert, sind die Arbeiter zumeist nicht versichert

und erhalten auch keine Entschädigung. In den meisten Fällen

können sich die Waldarbeiter nicht gegen die ungerechte Behandlung

wehren, da es keinen Betriebsrat oder Gewerkschaften gibt, die sich für

ihre Rechte einsetzen würden. Wer sich beschwert, verliert seinen Job.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 1 - 1 S. | 1


V. Wie Müsliriegel & Co den Regenwald zerstören

Der Shooting-Star unter den Kulturpflanzen in tropischen Regionen wie zum

Beispiel auf Borneo ist die Ölpalme. Keine andere Pflanze liefert mehr Fett als

sie. Kein Wunder also, dass die Ölpalme auf riesigen Flächen angebaut wird

und immer mehr Unternehmen an dem lukrativen Geschäft teil haben wollen.

Der Anbau der Ölpalme erfolgt allerdings auf Kosten der bestehenden Regenwälder.

Für den Anbau von Ölpalmenplantagen werden Naturwälder gerodet

und die lokale Bevölkerung vertrieben. Der größte Abnehmer für Palmöl ist

übrigens die Lebensmittelindustrie. Palmöl wird in Margarine, Chips, Müsliriegeln,

Fertiggerichten und vielen anderen Produkten verarbeitet.

Entwicklung der Waldflächen (grün) auf Borneo seit 1950

und eine Prognose bis 2020 (Quelle: UNEP)

VII. Ein Paradies wird bedroht

Die Regenwälder Tasmaniens sind einzigartig

auf der Welt. Hier wachsen die höchsten Laubbäume

der Erde, wie zum Beispiel die Tasmanische

Eiche, die bis zu 100 Meter hoch werden

kann. Viele dieser Baumarten kommen nur in

Tasmanien vor und beherbergen eine Vielzahl an

seltenen und einzigartigen Tierarten. Außerdem

können diese ursprünglichen Wälder mehr Kohlenstoff

binden als die meisten anderen Wälder

der Erde. Superlative anderer Art haben die Wälder

Tasmaniens der Holzindustrie zu verdanken:

Riesige Waldgebiete werden kahl geschlagen

und in Kiefern- oder Eukalyptus-Monokulturen

umgewandelt. Damit die neu gepflanzten Baumkulturen

gut anwachsen können und die frischen

Triebe nicht verbissen werden, werden Opossums

und Kängurus in großer Zahl vergiftet.

Lektion 1

Die Wälder der Welt unter der Lupe

VI. Fünf vor Zwölf

im Great Bear Rainforest

Mit der Abholzung der Küstenregenwälder

im Westen Kanadas droht ein einzigartiges

Ökosystem für immer zu verschwinden. Fast

die Hälfte der Küstenregenwälder wurde bereits

abgeholzt und die Bäume, die den Wildtieren

an der Küste British Columbias seit

Jahrhunderten Nahrung und Unterschlupf

bieten, landen nun in Zellstofffabriken. Doch

mit der Abholzung werden nicht nur Lebensraum

und Nahrungsquellen zerstört.

Die Forstunternehmen bauen Straßen in

die entlegenen Küstenwälder und Holzfällercamps

werden errichtet. Auf den Straßen

gelangen nun auch Jäger leichter in das Gebiet

und töten die seltenen Küstenwölfe und

Küstenbären. Die Existenz der Wölfe ist aber

nicht nur durch die Jagd bedroht. Da die

Bäume, die auf den Kahlflächen frisch gepflanzt

werden, nur wenig Nährstoffe bieten,

wandern die Beutetiere der Wölfe in andere

Gebiete ab. Es scheint fast, als ob der Abfall,

den die Holzfäller und Jäger während ihres

Aufenthaltes an der Küste hinterlassen, das

geringste Problem für den Great Bear Rainforest

sei.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 1 - 1 S. | 2


Teste dein Wissen!

1. Welche Bedeutung haben Wälder

für Mensch und Natur?

2. Nenne die drei häufigsten Gründe

für die Zerstörung der Wälder.

3. Richtig oder falsch?

Begründe deine Antwort!

a) Waldzerstörung ist

ein weltweites Problem.

b) Für den Anbau von Eukalyptus-

oder Ölpalmenplantagen werden

keine bestehenden Wälder gerodet.

c) Wälder sind für den Klimawandel

kaum von Bedeutung, da sie nur

wenig Kohlenstoff speichern können.

Lektion 1

Die Wälder der Welt unter der Lupe

4. Welche Nachteile haben schlecht

ausgebildete Waldarbeiter in vielen

tropischen Ländern im Vergleich zu

Waldarbeitern z.B. in Deutschland?

5. Wodurch ist das Überleben der

Wildtiere in den Küstenregenwäldern

Westkanadas gefährdet?

6. Welche Auswirkungen hat die illegale

Holznutzung?

7. Diskutiere, wie sich die Situation

für Mensch und Umwelt in den

beschriebenen Regionen verbessern

lassen könnte.

8. Welche Regionen der Erde werden

in den Fallbeispielen beschrieben?

Ordne die Nummern der Fallbeispiele

den entsprechenden Kästchen

auf der abgebildeten Weltkarte zu.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 1 - 1 S. | 3


Lektion 2

Forest Stewardship Council - Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft

Forest Stewardship Council (FSC)

Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft

FSC – Rettung für die Wälder

Der Forest Stewardship Council (Weltforstrat) ist

eine international tätige, gemeinnützige Organisation,

die Vertreter von Umweltschutzgruppen,

Forstindustrie und Handelsunternehmen zusammenführt.

Seit der Gründung 1993 in Folge des

Umweltgipfels in Rio de Janeiro fördert der FSC

weltweit die nachhaltige Waldwirtschaft.

Die nachhaltige Waldwirtschaft stützt sich auf drei

Säulen:

3

3

3

Ökonomische Säule - Pro Wirtschaft:

Effiziente und schonende Ressourcennutzung,

regelmäßige Erstellung von Wirtschaftsplänen,

Steigerung der Produktvielfalt

Ökologische Säule - Pro Umwelt:

Kein Kahlschlag, Verzicht auf Pflanzenschutzmittel,

Erhalt der Artenvielfalt

Soziale Säule - Pro Mensch:

Anerkennung traditioneller Waldnutzungsrechte,

Garantie umfassender Arbeitnehmerrechte,

regelmäßige Aus- und Weiterbildung

ÖKONOMIE

ÖKOLOGIE

SOZIALES

Das FSC-Siegel findet man auf allen Produkten,

die aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommen.

Um das FSC-Siegel zu erhalten, müssen sich

die Waldbesitzer und Forstunternehmen bei ihrer

Arbeit nach weltweit einheitlichen Standards und

Kriterien richten. Nur so wird sichergestellt, dass

bei der Holznutzung und der Holzverarbeitung die

Natur geschützt und die Interessen der Menschen,

die im und vom Wald leben, berücksichtigt werden.

Damit die FSC-Prinzipien auch eingehalten werden,

gibt es jährliche Kontrollen in den Forstbetrieben.

Leider gibt es das FSC-Siegel nicht gratis. Die

Forstbetriebe und Waldbesitzer müssen einen Beitrag

für die Zertifizierung bezahlen, der die Kosten

für die Prüfung der Forstbetriebe abdeckt.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 2 - 2 S. | 1


Die 10 grünen

Regeln des FSC

1. Langfristiger Schutz und Erhalt

des Ökosystems Wald.

2. Umweltverträgliche und gleich-

zeitig wirtschaftliche Nutzung

des Waldes.

3. Verbot von Kahlschlägen sowie

illegaler Waldabholzung.

4. Anbau von standortgerechten

Baumarten (= Ansprüche

der Baumart stimmen mit den

Umweltbedingungen an einem

Standort überein).

5. Kein Einsatz von

Schädlingsbekämpfungs-

und Pflanzenschutzmitteln.

6. Verbot von gentechnisch

veränderten Pflanzen.

7. Keine Umwandlung von

Naturwäldern in Plantagen.

8. Schutz seltener und bedrohter

Tier- und Pflanzenarten.

9. Wahrung von Arbeitnehmer-

und Landnutzungsrechte.

10. Achtung der Rechte

einheimischer (indigener) Völker.

Lektion 2

Forest Stewardship Council - Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft

Jetzt seid ihr dran!

Achtet beim Einkaufen auf das

FSC-Siegel! Inzwischen gibt es zahlreiche

FSC-zertifizierte Produkte:

Kugelschreiber, Briefumschläge,

Buntstifte, Kochlöffel, Kopierpapier,

Fußbälle, Bücher, Kaugummi,

Schulhefte, Turnschuhe, Holzmöbel,

Zollstöcke, Wattestäbchen, ...

Gebt euer Wissen weiter! Erzählt

möglichst vielen Menschen von der

Bedeutung des FSC-Siegels und motiviert

eure Freunde und Familie, dass

auch sie beim Einkaufen auf zertifizierte

Produkte achten.

Bleibt neugierig und kritisch!

Inzwischen gibt es so viele Zertifikate

und Siegel, dass man schnell den

Überblick verlieren kann. Haltet daher

die Augen offen und informiert euch

über die Bedeutung der Zertifikate.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 2 - 2 S. | 2

3

3

3


FSC in der Praxis

I. Regenwald in Guatemala

Eine Studie der amerikanischen Umweltorganisation Rainforest

Alliance hat gezeigt, dass die Zertifizierung von

Waldbewirtschaftung nach dem FSC-System eine effektivere

Schutzmaßnahme für den Erhalt tropischer Regenwälder

ist als die Ausweisung von strengen Schutzgebieten.

Im FSC-zertifizierten Teil des Maya Biosphärenreservats in

Guatemala kommt es deutlich seltener zu Waldzerstörung

durch illegale Abholzung oder Waldbrände. Für die lokale

Bevölkerung ergeben sich durch die FSC-Zertifizierung

und die steigende Nachfrage nach zertifiziertem Holz gute

Vermarktungsmöglichkeiten und dadurch auch eine Verbesserung

ihres Lebensstandards. Im Jahr 2007 wurden etwa

2.500 Arbeitsplätze geschaffen, der Verkauf von FSC-zertifiziertem

Holz brachte mehr als 5 Millionen US Dollar. Ein

prominenter Kunde ist beispielsweise der Instrumentenhersteller

Gibson, der zertifiziertes Holz aus dem Reservat kauft,

um daraus Gitarren zu bauen.

III. Affenstark: FSC trägt zum Überle-

ben von Gorilla, Schimpanse und Co. bei

Ein neuer WWF-Bericht zeigt, dass der FSC zum Überleben

von stark gefährdeten Menschenaffenarten beiträgt. Daher

fordert der WWF zusätzlich zur Einrichtung von Schutzgebieten

auch die Ausweitung der FSC-Zertifizierung in Waldgebieten,

in denen Menschenaffen leben. Außerhalb von

Schutzgebieten werden Gorillas, Schimpansen, Orang-Utans

und Bonobos häufig durch massive Abholzung und Jagd bedroht.

In FSC-zertifizierten Wäldern finden die Affenarten

einen Zufluchtsort. Fruchttragende Bäume und Totholz, die

in FSC-Wäldern erhalten werden, sind von großer Bedeutung

für die Affen. Auf diese Weise trägt die Waldbewirtschaftung

nach FSC-Kriterien maßgeblich zum Erhalt der

Lebensräume für Menschenaffen bei.

II. Rentierzüchter in Schweden

Die Sami in Nordwest-Schweden leben traditionell von

der Rentierzucht. Sie sind darauf angewiesen, dass sie ihre

Rentiere in den Wäldern weiden lassen können. Es kommt

jedoch immer wieder zu Konflikten, da Waldbesitzer vor Gericht

ein Beweidungsverbot in ihren Wäldern durchsetzen

wollen.

Ganz anders sieht es da in den Gebieten aus, die FSC-zertifizierten

Waldbesitzern gehören: Hier ist das Weiderecht der

Sami garantiert. „Der FSC bietet den Sami eine Möglichkeit,

ihre traditionelle Lebensweise der Rentierzucht aufrecht zu

erhalten“, sagt Olof T. Johannson, Rentierzüchter und Mitglied

des FSC in Schweden. „Außerdem fordert der schwedische

FSC-Standard, dass die regionalen Sami-Gemeinden

im Vorfeld einer Holzernte befragt werden und eine ausreichende

Anzahl an Bäumen bei jeder Holzernte erhalten werden

muss. Das bedeutet auch, dass es mehr Flechten gibt, die

unsere Rentiere fressen können.“

IV. Der FSC tut gut!

Lektion 3

FSC in der Praxis

Im Freiburger Stadtwald kann man die drei Säulen

des FSC fast schon auf den ersten Blick erkennen:

Soziales: Der Stadtwald Freiburg ist seit 1999 FSCzertifiziert

und für die Leute in der Region von besonderer

Bedeutung. Jährlich kommen 3 bis 4 Millionen

Menschen in den Wald, um bei Spaziergängen oder

Sport zu entspannen. Zudem gibt es durch den Wald

zahlreiche Arbeitsplätze u.a. in der Holzverarbeitung,

Holzernte oder waldpädagogischen Einrichtungen.

Ökologisches: Totes Holz ist voller Leben. Daher

werden im Freiburger Stadtwald abgestorbene

Bäume im Wald belassen und dienen so Käfern,

Wildbienen, Fledermäusen und Vögeln als Lebensraum.

Außerdem gibt es hier keine Kahlschläge

mehr. Die Bäume werden einzeln geerntet. So

erhält man einen Wald aus unterschiedlich alten

und großen Bäumen, der stabil und artenreich ist.

Ökonomisches: Im Freiburger Stadtwald wachsen

jeden Tag etwa 130 Kubikmeter Holz zu. Das sind

130 Holzwürfel mit 1 Meter Kantenlänge. Mit dem

Holz, das im Wald geerntet und verkauft wird, können

im Jahr 2,2 Millionen Euro verdient werden.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 3 - 3 S. | 1


V. Ruben und seine Gitarren

Ruben Gomes ist ein Mann mit besonderen Ambitionen. Er lehrt Kinder und junge

Menschen, wie man Gitarren aus FSC-zertifiziertem Holz baut. Gleichzeitig unterrichtet

er sie in Ökologie und verantwortungsvoller Waldbewirtschaftung.

Rubens Projekt ist wichtig. Die Region um den Amazonas ist das Gebiet mit der global

am schnellsten wachsenden Bevölkerung. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist die

Bevölkerung im Amazonasgebiet von 850.000 auf 1,5 Millionen Menschen angestiegen.

Riesige Waldflächen werden zunehmend intensiv bewirtschaftet und die Arbeitslosigkeit

nimmt rapide zu. Ruben sieht FSC als gute Lösung für viele Probleme:

Es können Arbeitsplätze geschaffen und die Natur geschützt werden. Für Ruben ist

es außerdem wichtig, Waldressourcen auszudehnen und die Nutzung bislang weniger

bekannter FSC-zertifizierter Holzarten zu fördern. Indem man diesen weniger

bekannten FSC-zertifizierten Hölzern einen Wert gibt, wird der Konsumdruck auf

mehrere Baumarten verteilt und damit der Bedarf des weiteren Vordringens in die

Wälder reduziert.

VII. Plantagen als Rohstoffquelle

Mit der Nachfrage nach Holz und Papier steigt auch die weltweite

Ausdehnung der Holzplantagen. Um den Bedarf insbesondere

der Industrienationen zu decken, sind Plantagen heute nicht

mehr aus der Forstwirtschaft wegzudenken. Umso wichtiger

ist es, Mittel und Wege zu finden, welche die Auswirkungen der

Plantagenwirtschaft auf Umwelt, Menschen und Tiere möglichst

gering halten. Daher unterstützt der FSC die Forstbetriebe, die

für eine „andere“ Art der Plantagenbewirtschaftung stehen.

Unter strengen Auflagen werden FSC-Siegel für Forstbetriebe

und für Produkte aus den Plantagen vergeben. Damit hat der

FSC die Möglichkeit, direkten Einfluss auf die Bewirtschaftung

der Plantagen zu nehmen. Der größte Teil des Holzes aus den

Plantagen wird übrigens für die Papierherstellung benötigt. Wer

also Recyclingprodukte kauft und sich zweimal überlegt, ob

eine Email oder andere Dokumente wirklich ausgedruckt werden

müssen, kann viel dazu beitragen, dass die Plantagen nicht

überhand nehmen.

VI. Pygmäenvölker in Afrika

Lektion 3

FSC in der Praxis

Das Unternehmen Congolaise Industrielle des Bois (CIB) bewirtschaftet

im Kongo über 1,3 Millionen Hektar tropischen

Regenwald. In den Wäldern leben 26.700 Menschen (2006),

wovon 9.600 zu indigenen Gruppen gehören. Zunächst gab es

erhebliche kulturelle und kommunikative Barrieren zwischen

der indigenen Bevölkerung und CIB. Mit der stufenweise Einführung

der FSC-Zertifizierung entwickelte CIB jedoch neue

Beratungsmethoden, Konfliktlösungsstrategien und Verfahren

der Gewinnbeteiligung. Die indigene Bevölkerung sollte

außerdem bei Entscheidungen zur Waldbewirtschaftung

beteiligt werden. Durch das Programm zur Kartierung kultureller

Stätten und Rohstoffquellen wurde eine Möglichkeit

geschaffen, gemeinsam mit der indigenen Bevölkerung die

Waldgebiete zu schützen, die für das alltägliche Leben sowie

die kulturelle und spirituelle Identität der im Wald lebenden

Menschen entscheidend sind. Außerdem wurde eine Radiostation

gegründet, die in indigener Sprache sendet.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 3 - 3 S. | 2


IX. Was hat Fußball mit FSC zu tun?

Wetten, dass jeder von euch zuhause mindestens

10 Produkte findet, die aus Wäldern stammen? Und

das Beste dabei ist, dass es diese Sachen auch fast

alle mit FSC-Siegel gibt. Möbel und Schulhefte fallen

euch dabei wahrscheinlich als erstes ein. Aber

was ist mit dem Fußball? Hättet ihr gewusst, dass

es z.B. in Indien eine Fabrik gibt, die aus Kautschuk,

welcher aus dem lokalen FSC-Wald gewonnen

wird, Luftballons, Schuhe und Bälle herstellt? In

Deutschland gibt es schon Fußballvereine, die nur

noch FSC-Bälle benutzen, um auf diese Weise einen

Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten.

Es gibt sogar FSC-zertifizierte Kosmetik: Die brasilianische

Kosmetik-Industrie verwendet Paranuss-Öl,

das im Regenwald des Amazonas-Becken

auf traditionelle Weise gewonnen wird. So werden

nicht nur die Wälder geschützt und Arbeitsplätze

geschaffen, sondern auch die Traditionen der indigenen

Gemeinden erhalten. Durch die FSC-Zertifizierung

profitieren jetzt alle Familien von den

wirtschaftlichen Einnahmen aus der Paranuss-Öl-

Gewinnung.

Lektion 3

FSC in der Praxis

VIII. Kein Kahlschlag mehr für Toilettenpapier

Der weltweit größte Hersteller von Hygieneprodukten, Kimberly-Clark, verzichtet

künftig auf Zellstofffasern, die aus Urwaldhölzern stammen. Der US-Konzern, der

in Deutschland mit den Marken Hakle ® und Kleenex ® vertreten ist, verbraucht

jährlich über vier Millionen Tonnen Zellstoff. Ab sofort sollen verstärkt Recyclingfasern

und Zellstoff aus FSC-zertifizierten Wäldern zum Einsatz kommen. Bis

zum Jahr 2011 sollen Produktion und Einkauf des Hygieneprodukt- und Papierherstellers

vollständig umgestellt sein und nur noch FSC-zertifizierter Zellstoff aus

kanadischen Wäldern verwendet werden. Die Verpflichtung ist der Durchbruch

einer jahrelangen Greenpeacekampagne gegen die raubbauartige Abholzung

kanadischer Urwälder v.a. in den Provinzen Ontario und Quebec. Seit den 90er

Jahren wurden etwa 80 Prozent der dortigen Urwälder zerstört oder verwüstet,

um Zellstoff für Zeitungen, Zeitschriften und Toilettenpapier zu gewinnen. Kimberly-Clark

hat dieses verantwortungslose Vorgehen jahrzehntelang unterstützt,

indem der Konzern Holz aus diesen Urwäldern bezogen hat.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Lektion | Lektion 3 - 3 S. | 3


Selbst bei einer Waldführung gibt es einiges zu

organisieren und zu erledigen. Hier erfahren Sie,

wann was zu tun ist.

Der Einfachheit halber werden FörsterInnen und

WaldpädagogInnen im Folgenden “Förster” genannt.

Etwa 3 Monate vorher:

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Kontaktaufnahme und Terminvereinbarung

mit dem jeweiligen Forstamt / Förster oder mit

einer Waldschule

Thema der Veranstaltung (was, wann, wo,

wie lange) mit dem Förster festlegen

Materialien, die bei der Exkursion verwendet

werden sollen, dem Förster bzw. der

Waldschule zukommen lassen (dadurch kann

sich auch der Förster optimal auf die bevorstehende

Waldführung vorbereiten)

Förster über Vorkenntnisse der SchülerInnen

bzw. die thematische Vorarbeit informieren

Klären, ob es spezielle Aktionen für die Schüler-

Innen gibt (z.B. Lagerfeuer, Naturpfad, etc.)

Begleitpersonen für die Waldführung festlegen

Organisatorisches: Wie kommen die

SchülerInnen in den Wald? Werden

Fahrkarten benötigt? Wer trägt die möglichen

Kosten?

Frühzeitig klären, wie und in welchem Umfang

FSC im Unterricht“ in den Lehrplan eingebaut

werden kann

1-2 Wochen vorher:

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3 FSC im Wald

Vorbereitung für LehrerInnen

Terminbestätigung beim Forstamt /

Waldschule (Treffpunkt, Uhrzeit, etc.)

Rücksprache mit dem Förster über die

von ihm geplanten Aktivitäten

Dem Förster mögliche Besonderheiten der

Klasse / einzelner SchülerInnen mitteilen

(Krankheiten, Behinderungen, Temperament,

Motivation)

Rücksprache mit den Begleitpersonen

Information an die SchülerInnen (Exkursion –

Wann?, Wo?, Wie? Hinweise auf Gefahren

im Wald wie z.B. Insektenstiche, Zecken,

Fuchsbandwurm...)

Information an die Eltern

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

FSC-Materialien in den Unterricht einbauen;

SchülerInnen setzen sich mit dem Thema auseinander

und bereiten sich auf die Waldführung

vor

1-2 Tage vorher:

Wetterbericht prüfen und auf wetterangepasste

Kleidung sowie festes Schuhwerk hinweisen

Erste-Hilfe-Set und Handy mitnehmen

Arbeitsblätter für die SchülerInnen kopieren

Inhaltliche Einstimmung der SchülerInnen auf

die bevorstehende Exkursion

Mit den SchülerInnenn besprechen,

welche Regeln sie im Wald einzuhalten haben

(u.a. keine Äste abknicken oder Baumrinde

verletzen; keine Abfälle hinterlassen; immer in

Rufweite der Betreuer bleiben; keine Tierbauten

zerstören oder Pflanzen abreißen, etc.);

die Regeln können direkt vor der Führung im

Wald auf spielerische Art und Weise wiederholt

werden

Letzte Informationen an die SchülerInnen

(z.B. Rucksack mit Vesper, Schreibzeug,

Papier, Schreibunterlage zur Waldführung

mitbringen; wetterangepasste Kleidung)

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Wald | 9

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1. Begrüßung und Einstieg

Dauer: 20 Minuten

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Begrüßung der SchülerInnen und LehrerInnen

durch den Förster.

Förster und LehrerIn stellen kurz vor, worum es

bei der Veranstaltung geht.

Je nach Vorwissen der SchülerInnen empfiehlt

es sich, die „10 grünen Regeln des FSC“ noch

einmal kurz mit der Klasse durchzugehen.

Kurzes Spiel: zum Beispiel „Spiegelgang“.

2. Ablauf Waldexkursion

Dauer: 50 - 90 Minuten

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Ablauf der Waldführung

Die Klasse wird in drei Großgruppen aufgeteilt

(soziale, wirtschaftliche und ökologische Säule).

Bei größeren Klassen können innerhalb dieser

Gruppen noch einmal Kleingruppen mit jeweils

5 bis 6 SchülerInnen gebildet werden.

Die Arbeitsblätter werden ausgeteilt. Es empfiehlt

sich, pro Gruppe eine/n SchriftführerIn

auszuwählen. Die SchülerInnen sollen sich mit

Aufgabe 1 „Schau dich um!“ vertraut machen

und diese Aufgabe während der folgenden

Waldführung bearbeiten.

Während einer 30- bis 60-minütigen

Waldführung erfahren die SchülerInnen etwas

über die Eigenarten und die Bedeutung des

Waldes, über Waldbewirtschaftung und können

Punkte, die in Aufgabe 1 „Schau dich um!“

angesprochen werden, entdecken.

Während der Waldführung können eine

Vesperpause eingelegt und Spiele, wie

zum Beispiel „Baumbegegnung“ durchgeführt

werden.

Forest Stewardship Council

Schwerpunktthema

FSC - für Mensch, Wald und Natur

Dauer: 45 - 60 Minuten

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Vorschläge für FörsterInnen / WaldpädagogInnen

Nach der Waldführung werden die übrigen

Aufgaben auf dem Arbeitsblatt von den

Gruppen bearbeitet.

Der Förster teilt den Gruppen ihre Geländeabschnitte

zu und zeigt ihnen genau die

Grenzen des zu bearbeitenden Gebietes.

Die Abschnitte sollten so gewählt werden, dass

sich die einzelnen Gruppen nicht gegenseitig

behindern bzw. ablenken und trotzdem alle

Gruppen in Sicht- oder Rufweite bleiben.

Tipp: Die Abschnitte im Vorfeld mit Trassierband

oder Farbmarkierungen abgrenzen.

Hinweise für den Einsatz der Arbeitsblätter

finden Sie ab Seite 12.

Die Betreuung der einzelnen Gruppen kann

durch LehrerIn und Begleitpersonen erfolgen.

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3. Abschlussdiskussion

Dauer: 20 - 30 min

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Die Gruppen kommen zur

Abschlussbesprechung zusammen.

Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen werden

zusammengetragen und mit der gesamten

Klasse diskutiert. Wenn die Auswertung der

Arbeitsblätter ergibt, dass die einzelnen Säulen

(Wirtschaft, Soziales, Umwelt) aus Sicht des

FSC erfüllt worden sind, legen die jeweiligen

Gruppen ihre Säule mithilfe von Steinen,

Zweigen oder Zapfen auf dem Boden aus.

Die SchülerInnen sollen sich nun darauf

verständigen, ob der Wald fit für FSC ist oder

nicht. Dabei begründen die SchülerInnen

ihre Entscheidung und machen dem Förster

gegebenenfalls Vorschläge, wie man den Wald

FSC-tauglich machen könnte.

4. Geselliges Walderlebnis

Dauer: beliebig

Nach Abschluss des FSC-Blockes ergibt sich die

Möglichkeit, gemeinsam mit den SchülerInnen den

Wald aktiv zu erleben (Waldgeschichten am Lagerfeuer,

Picknick im Wald, Besuch eines Wildgeheges,

Begehung eines Naturerlebnispfades, etc).

5. Abschluss

Dauer: 5 - 10 Minuten

Forest Stewardship Council

Abschließende Worte des Försters

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Die SchülerInnen evaluieren die Veranstaltung.

Dafür kann der Förster zum Beispiel fünf Felder

mit Markierband auslegen. In jedem Feld liegt

eine Karte:

1. Die Führung hat mir sehr gut gefallen. Ich

freue mich schon auf die nächste Waldführung.

2. Die Führung hat mir gefallen.

3. Die Führung hat mir nicht gefallen.

4. + 5. Die Führung hat mich dazu motiviert,

in Zukunft bewusster mit Produkten aus dem

Wald umzugehen und beim Einkaufen auch auf

zertifizierte Produkte zu achten. JA / NEIN

1 2

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Wald | 11

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4

Die SchülerInnen legen einen Stein / Zweig /

Zapfen in die für sie zutreffenden Felder.

6. Wetterbedingungen

Schlechtes Wetter sollte vor allem in den kalten

Jahreszeiten eingeplant werden.

Bei kaltem Wetter bietet es sich an, zwischendurch

ein Aktionsspiel zum Aufwärmen zu machen. Auch

hierzu finden sich Vorschläge im „Waldpädagogischen

Leitfaden“.

3


a. Schau dich um!

Diese Aufgabe wird während der Waldführung bearbeitet.

Der Förster führt die SchülerInnen an vielen

Punkten vorbei, die sie bei „Schau dich um!“

suchen sollen und gibt Hinweise zur Bearbeitung

der Aufgabe.

b. Baumexperten gesucht!

Die Gruppen bestimmen die Baumarten in ihrem

Waldabschnitt. Als Hilfsmittel dienen die Bestimmungsblätter

der Unterlagen.

Nach der Baumbestimmung ergeben sich für die einzelnen

Gruppen noch folgende Diskussionsinhalte:

3

Forest Stewardship Council

Einsatz der Wald-Arbeitsblätter

Hinweise zur Gruppenarbeit

Soziale Säule: Je nachdem, wie viele verschiedene

Baumarten im Bestand vorkommen,

bietet es sich an, die Begriffe Monokultur

und Mischkultur noch einmal zu wiederholen.

Was denken die SchülerInnen, welche

Bewirtschaftungsform für die Bevölkerung

einen höheren Erholungswert hat? Wo fühlen

sich die SchülerInnen wohler – in einem

reinen Fichtenbestand oder in einem mehrstufigen

Mischwald? Wie wird das Holz aus dem

Wald vor Ort genutzt? – Brennholz, Holz für

Sitzbänke, Spielgeräte …; im FSC-Wald setzt

man auf verschiedene Baumarten; was denkt

die Gruppe, warum das so ist?

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Wirtschaftliche Säule: Je nachdem, wie

viele verschiedene Baumarten im Bestand

vorkommen, bietet es sich an, die Begriffe

Monokultur und Mischkultur noch einmal zu

wiederholen. Was denken die SchülerInnen,

welche Bewirtschaftungsform besser ist,

wenn man den Wald effektiv nutzen will? Viele

verschiedene Baumarten bieten verschiedene

Nutzungsmöglichkeiten. Z.B. Fichte für Möbel,

Türen, Fenster; Tanne für Musikinstrumente,

Möbel, Telegraphenstangen; Kiefer für

Gartenmöbel, Pflanzenkästen, Schiffsmasten;

Douglasie für Balkonbretter, Brüstungen,

Bauholz, Gewächshäuser; Lärche für Parkett-,

Dielenböden, Balkon, Haustüren, Garagentore;

Buche für Möbel, Paletten, Papier; Eiche für

Möbel, Fußgängerbrücken, Werkzeugstiele;

Was bedeutet nachhaltige Holznutzung? Was

gehört für die SchülerInnen zur nachhaltigen

Nutzung dazu? Im FSC-Wald werden verschiedene

Baumarten genutzt. So ist der Förster

optimal auf schwankende Nachfrage nach

verschiedenen Holzarten oder auf Schäden im

Wald an bestimmten Baumarten eingestellt.

Ökologische Säule: Je nachdem, wie viele

verschiedene Baumarten im Bestand vorkommen,

bietet es sich an, die Begriffe Monokultur

und Mischkultur noch einmal zu wiederholen.

Misch- oder Monokultur – Was ist besser

für die Tiere im Wald? Ein Mischbestand ist

stabiler und gesünder. In Mischwäldern gibt es

mehr Lebensraum / Nischen für verschiedene

Tierarten; Im FSC-Wald gibt es verschiedene

Baumarten. So gibt es genügend Lebensraum

und Nahrung für viele verschiedene Tierarten.

c. Frag den Förster!

Die SchülerInnen befragen den Förster und notieren

sich die Antworten. Dazu ist es hilfreich, wenn

der Förster die Fragen bereits kennt. Außerdem

gibt es die Möglichkeit, dass die SchülerInnen noch

eigene Fragen an den Förster stellen.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Wald | 12

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3


d. Aktion im Wald

Gruppe 1 (Soziales): Arbeitsplatz FSC-Wald

Im Waldabschnitt der Gruppe werden Berufsbeschreibungen an Bäumen oder Sträuchern

platziert. Die SchülerInnen beantworten Fragen zum Beruf des Forstwirtes.

Hauptaufgaben eines

Forstwirtes / einer Forstwirtin

Forstwirte und Forstwirtinnen begründen,

schützen und pflegen Waldbestände,

ernten Holz, sortieren und lagern es. Sie

führen alle Aufgaben aus, die zur Erhaltung

und Nutzung des Waldes erforderlich

sind.

Arbeitsbereiche

Hauptsächlich arbeiten Forstwirte und

Forstwirtinnen bei kommunalen Forstbetrieben

und forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen.

Auch in Forstämtern sind

sie tätig.

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Ausbildung

Forstwirt/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf

nach dem Berufsbildungsgesetz

(BBIG). Die Ausbildung dauert drei

Jahre. Es wird keine bestimmte schulische

oder berufliche Vorbildung rechtlich

vorgeschrieben. Meistens stellen die Betriebe

überwiegend angehende Forstwirte

und Forstwirtinnen mit einem mittleren Bildungsabschluss

ein.

Während der Ausbildung

lernt man zum Beispiel:

welche heimischen Wildarten es gibt und

wie diese sich verhalten

welche verschiedenen Holzernteverfahren

es gibt und wie man Bäume mit der

Motorsäge fällt

wie man Maschinen zur Holzernte,

Holzrückung und Entrindung bedient

wie Waldbrände zu verhüten und zu bekämpfen

sind

welche Standortansprüche Bäume und

Sträucher haben

wie Schutz- und Erholungseinrichtungen

errichtet und gepflegt werden

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Wald | 13

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Quelle: Bundesagentur für Arbeit (Berufnet)


3

Gruppe 2 (Wirtschaft):

Holz ist überall

Beschriften Sie 30 Kärtchen (z. B. kleine

Karteikarten) mit den folgenden Begriffen:

1.) Zeitung 16.) Fenster

2.) Pappkarton 17.) Treppen

3.) Obstkiste 18.) Haus

4.) Eierschachtel 19.) Brücke

5.) Einkaufskorb 20.) Weinfass

6.) Bleistift 21.) Dachstuhl

7.) Buch 22.) Heiligenfigur

8.) Toilettenpapier 23.) Windel

9.) Briefpapier 24.) Kochlöffel

10.) Wiege 25.) Handtuch

11.) Spechtwohnung 26.) Seife

12.) Zündholz 27.) Hirschgeweih

13.) Bett 28.) Flaschenkorken

14.) Grillkohle 29.) Glühbirne

15.) Eisenbahnschwelle 30.) Heizkörper

(Nr. 1 bis 25 sind weitgehend aus Holz bzw. können daraus

hergestellt werden; Nr. 26 bis 30 dagegen nicht).

3

3

3

Lassen Sie jeden Teilnehmer ein Kärtchen

ziehen.

Bitten Sie die Gruppe, sich nach folgendem

Prinzip aufzuteilen:

Auf der einen Seite stehen diejenigen, die der

Meinung sind, einen Gegenstand gezogen zu

haben, der aus Holz besteht oder hergestellt

werden kann. Auf die andere Seite stellen sich

diejenigen, die glauben, dass ihr Gegenstand

nicht aus Holz herstellbar ist.

Fordern Sie jeden Teilnehmer auf, seinen

Gegenstand zu nennen. Geben Sie anschließend

der Gruppe die Möglichkeit darüber zu

diskutieren, ob der Teilnehmer sich und seinen

Gegenstand richtig eingeordnet hat.

Erkenntnis: „Es gibt wenig, was nicht aus Holz gemacht

werden kann.“

(Quelle: Bayer. Staatsministerium für Ernährung,

Landwirtschaft und Forsten (2009): Forstliche Bildungsarbeit

- waldpädagogischer Leitfaden nicht

nur für Förster. 7. Auflage. München.)

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Abgestorbene stehende und liegende Bäume und

Baumteile (Stamm, Äste, …) im Wald belassen, da

sie ein wichtiger Lebensraum für Insekten und Vögel

sind.

Bei der Holzernte nicht den kompletten Baum mit

Baumstumpf und Baumkrone aus dem Wald holen,

sondern nur den Baumstamm. Baumstumpf und

Baumkrone sind zuerst ein prima Unterschlupf für

Tiere und wenn sie dann einmal zerfallen, gehen die

wichtigen Nährstoffe aus dem Baum wieder in den

Boden zurück.

Keine Kahlschläge! In FSC-Wäldern werden keine

größeren Flächen auf einmal abgeerntet. Man erntet

die Bäume einzeln. So entsteht mit der Zeit ein Wald,

in dem viele unterschiedlich alte Bäume stehen. Das

ist gut für die Stabilität des Waldes und bietet einen

tollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Wald | 14

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3

Gruppe 3 (Ökologie):

FSC-Baukasten

Die Karten (siehe nächste Seite) an Bäumen und

Sträuchern platzieren. Die SchülerInnen suchen sich

die Karten zusammen und wählen 10 Grundsätze

aus, die ein Förster oder Waldbesitzer in einem FSC-

Wald berücksichtigen muss. Auf diese Weise soll sich

die Gruppe einen FSC-Wald „bauen“! Als kleine Hilfestellung

wird der untenstehende Text „Naturschutz

im FSC-Wald“ ebenfalls auf zwei Karten an einem

Strauch befestigt.

Naturschutz

im FSC-Wald

Naturschutz

im FSC-Wald

Keine Chemie im Wald. In FSC-Wäldern werden

keine chemischen Pflanzenschutzmittel oder

Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt.

Sehr alte Bäume oder Bäume mit Spechthöhlen

bleiben als sogenannte Biotopbäume im Wald

und werden nicht mehr genutzt. Hier leben viele

Insekten, Vögel oder Fledermäuse.

In FSC-Wäldern wachsen Baumarten, die in diesen

Gebieten auch ohne den Menschen vorkommen

würden und die sehr gut an die Bedingungen vor

Ort angepasst sind.

In FSC-Wäldern wird ein Teil des Waldes nicht

genutzt, damit der Förster untersuchen kann, wie

sich der Wald ohne Hilfe des Menschen entwickeln

würde. So kann der Förster von der Natur lernen.


Hier gibt es schnell-

1 wachsende

Baumarten, die in

kurzer Zeit viel Holz

produzieren (das

Wichtigste in FSC-

Wäldern ist, viel Geld

zu verdienen).

Hier gibt es

5 Baumarten, die in

diesem Wald natürlicherweise

vorkommen

würden.

Die komplette

9 Waldfläche wird

wirtschaftlich genutzt.

Ein Teil der

13 Waldfläche

bleibt ungenutzt. Der

Förster nutzt diese

Fläche, um von der

Natur zu lernen.

17 Besondere

Biotope im Wald,

wie z.B. Quellen und

Steinhaufen werden

geschützt.

Die Bäume werden

2 bei der Holzernte

komplett genutzt: Von

der Baumkrone bis zu

den Wurzeln.

Die Teile der

6 Bäume, die nicht

genutzt werden, wie

Wurzeln oder Baumkrone,

bleiben im Wald.

Die Bäume

10 werden im

Kahlschlagverfahren

geerntet. Das bedeutet,

dass eine größere

Fläche auf einen

Schlag abgeerntet

wird.

Sehr alte und

14 abgestorbene

Bäume werden nicht

genutzt und bleiben im

Wald, bis sie zerfallen.

Die Anzahl der

18 Rehe und

Hirsche im Wald muss

reguliert werden, damit

die jungen Bäume

ungehindert nachwachsen

können.

Kein Einsatz von

3 Pflanzenschutzmitteln

oder Schädlingsbekämpfungsmitteln.

Einsatz von Pflan-

7 zenschutzmitteln

oder Schädlingsbekämpfungsmitteln,

um

die Bäume zu schützen.

Hirsche und

11 Rehe können im

Wald leben und sich

vermehren, ohne

gejagt zu werden.

Es ist wichtig, so viele

Rehe und Hirsche wie

möglich zu haben. Ihr

Kot düngt die Wälder.

Bäume werden

15 nicht im Kahlschlagverfahren,

sondern einzeln

geerntet.

Der komplette

19 Wald wird gleich

bewirtschaftet. Es gibt

keine Ausnahmen, ob

es sich um ein wertvolles

Biotop handelt

oder nicht.

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Bäume mit Specht-

4 höhlen werden

gleich aus dem Wald

entfernt, da sich hier

schädliche Insekten

einnisten können.

Bäume mit Specht-

8 höhlen oder anderen

Hohlräumen sind

wichtige Lebensräume

für Insekten,

Vögel, Fledermäuse

und werden daher nicht

genutzt.

Auch alte und

12 tote Bäume

werden genutzt, da ihr

Holz besonders

wertvoll ist.

Im Wald soll es

16 immer nur eine

Baumart geben, da der

Wald auf diese Weise

einfacher zu pflegen

ist.

20 Verschiedene

Baumarten im

Wald halten die Wälder

stabiler, bieten vielen

verschiedenen Tierarten

einen Lebensraum

und liefern eine

größere Auswahl beim

Holzverkauf.

Die Kärtchen mit den folgenden Nummern kennzeichnen einen FSC-Wald: 3, 5, 6, 8, 13, 14, 15, 17, 18, 20.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Wald | 15


e. Alternative Aktivitäten

Als weitere spielerische Elemente bieten sich folgende Aktivitäten an:

3

3

3

Heliumstab (Jonglierexperten gesucht!)

Baumhöhenmessung mit dem Försterdreieck

(Messexperten gesucht!)

Farbkartenspiel (Ökosystemexperten gesucht!)

Eine ausführliche Beschreibung dieser Spiele finden

Sie auf der CD bzw. Homepage unter „Expertenspiele“.

Im Waldpädagogischen Leitfaden finden sich noch

weitere Aktivitäten, die gut in diesen Themenbereich

passen:

Nachhaltige Nutzung 4

„Nutzen statt plündern“

Die umfassende Einstiegsaktivität verdeutlicht den

Teilnehmern die Komplexität der Nutzung im Wald.

Nachhaltige Nutzung 9

„Holz ist wunderbar und umweltfreundlich“

Die Teilnehmer diskutieren die Vorzüge des „Öko-

Rohstoffs“ Holz und erfahren sie sensitiv.

Wald und Gesellschaft 1

„Im Gleichgewicht“

Gemeinsam versuchen die Teilnehmer Ökologie,

Ökonomie und Soziales symbolisch ins Gleichgewicht

zu bringen. Jeweils zu dritt balancieren sie

dazu auf einem Holzdreieck.

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Wald weltweit 1

„So holzen sie –

Waldnutzung hier und anderswo“

Bilder unterschiedlicher Holzerntepraktiken und

Waldnutzungsarten aus aller Welt regen die Teilnehmer

dazu an, sie zu interpretieren und in die

Thematik einzusteigen.

Wald weltweit 2

„Das schnellste Ressourcenspiel der Welt“

Über ein sportliches Fangspiel erfahren die Teilnehmer,

welche Dynamik der Kampf der Menschen um

knapper werdende natürliche Ressourcen weltweit

bekommen kann.

Wald weltweit 3

„Bildung öffnet die Augen“

Mit dieser Aktivität lernen die Teilnehmer, wie wichtig

Kommunikation und Bildung im weltweiten

Ressourcenhandel sind. In zwei Spielrunden wird

das Thema Nutzung der Urwälder aus dem Blickwinkel

der dort lebenden Menschen beleuchtet.

(Quelle: Bayer. Staatsministerium für Ernährung,

Landwirtschaft und Forsten (2009): Forstliche Bildungsarbeit

- waldpädagogischer Leitfaden nicht

nur für Förster. 7. Auflage. München.)

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Im Wald | 16


Die soziale Säule des FSC

Wirtschaftliche, soziale und Umweltinteressen haben

beim FSC gleiches Gewicht. Diese drei Interessen

bilden die Grundsäulen des FSC. Die sozialen

Standards des FSC sehen vor, dass das Wohl

der Waldarbeiter und der Bevölkerung vor Ort langfristig

erhalten und erhöht werden. Die Arbeiten im

Wald sollen fair und sicher durchgeführt werden.

1. Schau dich um!

Die Checkliste

Suche nach Hinweisen, die dir zeigen, dass der

Wald von der Bevölkerung genutzt wird. Vergebe

für jedes entdeckte Merkmal einen Punkt und zähle

die Punkte am Ende zusammen.

Wege Trampelpfad

Trimm-dich-Pfad Naturlehrpfad

Waldhütte Grillplatz

Sitzbank Spielplatz

Mülleimer Infotafel

Wegweiser Waldbesucher

Gesamtpunktzahl Checkliste: ____________

Waldaktion - Gruppe 1

Forest Stewardship Council - Soziale Säule

2. Aktion im Wald

Arbeitsplatz FSC-Wald

In diesem Waldabschnitt sind 4 Karten mit Informationen

zum Beruf des Forstwirtes an Bäumen und

Sträuchern versteckt. Finde die Karten und beantworte

die folgenden Fragen. Aber Vorsicht, es ist

immer nur eine Antwort richtig.

a. Ein/e Forstwirt/in ist zuständig für:

Holzernte, Holzverkauf, Nachzucht von

Wildschweinen

Holzernte, Holzsortierung, Schutz und Pflege

der Waldbestände

Verkauf von Motorsägen, Häckselmaschinen

und Traktoren

b. Wo arbeiten Forstwirte / Forstwirtinnen?

bei kommunalen Forstbetrieben,

forstwirtschaftlichen Lohnunternehmen

oder in Forstämtern

im Sägewerk oder anderen

holzverarbeitenden Betrieben

freiberuflich als Kunstschnitzer

c. Was lernt man bei der Ausbildung

zum Forstwirt / zur Forstwirtin?

Verhütung und Bekämpfung von Waldbränden

mit zugebundenen Augen eine Motorsäge

auseinander- und wieder zusammenbauen

Brandverhalten von Holzkonstruktionen im

Wohnungsbau

3. Baumexperten gesucht!

Bestimme die Baumarten in eurem Waldabschnitt

mit Hilfe der Beschreibungen auf der nächsten Seite

und notiere, welche Baumarten auf der Fläche

wachsen.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 1 - 1 S. | 1


Baumexperten gesucht!

Bestimme die Baumarten in eurem Waldabschnitt

mit Hilfe der Beschreibungen und notiere, welche

Baumarten auf der Fläche wachsen:

Douglasie

Esche

Weißtanne

Buche

Lärche Eiche

Waldaktion - Gruppe 1

Forest Stewardship Council - Soziale Säule

Kiefer

Fichte

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 1 - 1 S. | 2


4. Frag den Förster!

Waldaktion - Gruppe 1

Forest Stewardship Council - Soziale Säule

Lies dir die Fragen genau durch und kläre unbekannte Begriffe mit deinem Gruppenbetreuer. Danach geht’s

ab zum Interview mit dem Förster.

a. Darf die Bevölkerung den Wald kostenlos für Freizeitaktivitäten nutzen?

b. Nutzen Schulen und Bildungseinrichtungen den Wald zur Umweltbildung?

c. Bietet dieser Wald Arbeitsplätze?

d. Werden bei der Holzernte Aufträge an Unternehmen

aus der Region vergeben?

e. Bietet der Waldbesitzer / das Forstamt Ausbildungs- und

Praktikumsplätze an?

f. Gibt es Weiterbildungsmaßnahmen für die Beschäftigten?

Diese Fragen habe ich zusätzlich noch an den Förster:

1.

2.

3.

5. Fit für FSC?

Werte die Antworten aus und zähle die Punkte aus

dem Interview mit dem Förster und der Checkliste

zusammen. Überprüfe mit Hilfe des Punkteschlüssels,

ob die Kriterien für die soziale Säule in diesem

Wald erfüllt sind.

Anzahl Punkte Checkliste _________________

Anzahl Punkte Interview _________________

Gesamtpunktzahl _________________

Gesamtpunktzahl Interview:

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 1 - 1 S. | 3

Ja

3 Punkte

z. Teil

1 Punkt

Nein

0 Punkte

30-21 Punkte: Der Wald erfüllt die Kriterien der

sozialen Säule und ist fit für FSC.

20-9 Punkte: Der Wald ist auf dem besten Weg

zur Erfüllung der Kriterien der sozialen Säule.

Nach ein paar Nachbesserungen ist dieser

Wald fit für FSC.

8-0 Punkte: Der Wald erfüllt die Kriterien der

sozialen Säule nicht. Hier muss noch viel getan

werden, bis der Wald fit für FSC ist. Also

packen wir’s an!


Wirtschaftliche, soziale und Umweltinteressen haben

beim FSC gleiches Gewicht. Diese drei Interessen

bilden die Grundsäulen des FSC. In einem

FSC-zertifizierten Wald werden Bäume schonend

geerntet. Das Ökosystem Wald soll dabei möglichst

wenig beeinflusst werden. Holz aus einem

FSC-zertifizierten Wald erzielt oft einen höheren

Verkaufspreis, schafft Arbeitsplätze und sichert das

Einkommen der Beschäftigten. Für FSC-Holz werden

keine Urwälder zerstört.

1. Schau dich um!

Die Checkliste

Suche nach folgenden Waldprodukten und Anzeichen

für Holznutzung. Vergebe für jedes entdeckte

Merkmal einen Punkt und zähle die Punkte am

Ende zusammen.

a) Waldprodukte: b) Holznutzung

Pilze Lagerplätze für geerntete

Baumstämme

Misteln Unbefestigte Waldwege

zum Abtransport

Nüsse

der Baumstämme

Waldaktion - Gruppe 2

Forest Stewardship Council - Wirtschaftliche Säule

Die wirtschaftliche Säule des FSC

Früchte Baumstümpfe

Beeren Ast-/Rindenhaufen

Eicheln/Bucheckern abgesägte Bäume

Bienenstöcke Brennholzstapel

Gesamtpunktzahl Checkliste: ____________

2. Baumexperten gesucht!

Bestimme die Baumarten in eurem Waldabschnitt

mit Hilfe der Beschreibungen auf dem Folgeblatt

und notiere, welche Baumarten auf der Fläche

wachsen.

3. Frag den Förster!

Auf einem Folgeblatt findest du eine Liste von Fragen.

Lies dir die Fragen genau durch und kläre

unbekannte Begriffe mit deinem Gruppenbetreuer.

Danach geht’s ab zum Interview mit dem Förster.

4. Aktion im Wald

Holz begegnet dir überall

Aus Holz oder nicht aus Holz – das ist hier die

große Frage. In diesem Waldabschnitt sind 30 Karten

mit verschiedenen Produkten an einem Baum

oder Strauch versteckt. Finde die Karten und entscheide,

ob die Produkte aus Holz sind oder nicht.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 2 - 2 S. | 1


Baumexperten gesucht!

Bestimme die Baumarten in eurem Waldabschnitt

mit Hilfe der Beschreibungen und notiere, welche

Baumarten auf der Fläche wachsen:

Douglasie

Esche

Weißtanne

Waldaktion - Gruppe 2

Forest Stewardship Council - Wirtschaftliche Säule

Buche

Lärche Eiche

Kiefer

Fichte

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 2 - 2 S. | 2


Frag den Förster!

Waldaktion - Gruppe 2

Forest Stewardship Council - Wirtschaftliche Säule

Lies dir die Fragen genau durch und kläre unbekannte Begriffe mit deinem Gruppenbetreuer. Danach geht’s

ab zum Interview mit dem Förster.

a. Wird in diesem Wald nur soviel Holz genutzt, wie auch nachwächst?

b. Werden in diesem Wald verschiedene Baumarten genutzt?

c. Sind hier Kahlschläge verboten?

d. Wird bei der Holzernte darauf geachtet, dass es keine Schäden

an den stehen gebliebenen Bäumen und am Boden gibt?

e. Gibt es einen Plan zum Vorgehen bei Schäden

durch Sturm oder Schadinsekten?

f. Schafft dieser Wald Arbeitsplätze für Menschen aus der Umgebung?

Diese Fragen habe ich zusätzlich noch an den Förster:

1.

2.

3.

5. Fit für FSC?

Werte die Antworten aus und zähle die Punkte aus

dem Interview mit dem Förster und der Checkliste

zusammen. Überprüfe mit Hilfe des Punkteschlüssels,

ob die Kriterien für die wirtschaftliche Säule in

diesem Wald erfüllt sind.

Anzahl Punkte Checkliste _________________

Anzahl Punkte Interview _________________

Gesamtpunktzahl _________________

Gesamtpunktzahl Interview:

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 2 - 2 S. | 3

Ja

3 Punkte

z. Teil

1 Punkt

Nein

0 Punkte

30-21 Punkte: Der Wald erfüllt die Kriterien der

wirtschaftlichen Säule und ist fit für FSC.

20-9 Punkte: Der Wald ist auf dem besten

Weg zur Erfüllung der Kriterien der wirtschaftlichen

Säule. Nach ein paar Nachbesserungen

ist dieser Wald fit für FSC.

8-0 Punkte: Der Wald erfüllt die Kriterien der

wirtschaftlichen Säule nicht. Hier muss noch viel

getan werden, bis der Wald fit für FSC ist. Also

packen wir’s an!


Die ökologische Säule des FSC

Wirtschaftliche, soziale und Umweltinteressen haben

beim FSC gleiches Gewicht. Diese drei Interessen

bilden die Grundsäulen des FSC. In einem

FSC-zertifizierten Wald wird bei der Bewirtschaftung

darauf geachtet, dass die Artenvielfalt und

die ökologischen Funktionen des Waldes erhalten

bleiben. Wer Produkte mit FSC-Siegel kauft, kann

sicher gehen, dass bei der Holzernte der Schutz

und Erhalt der Wälder an erster Stelle steht.

1. Schau dich um!

Die Checkliste

Suche Anzeichen für eine hohe Artenvielfalt in diesem

Wald. Vergebe für jedes entdeckte Merkmal

einen Punkt und zähle die Punkte am Ende zusammen.

Ameisenhügel Totholz

Spechtlöcher Pilze an Stämmen

Beeren / Früchte Moos

Tierspuren Wurzelteller

Junge Bäume

(natürlich wild im Wald

wachsend)

Alte, knorrige,

dicke Bäume

Pflanzen am Waldboden

(Farne, Gräser,

Kräuter, Blumen)

Gewässer

(Bach, Quelle, ...)

Gesamtpunktzahl Checkliste: ____________

2. Frag den Förster!

Auf einem Folgeblatt findest du eine Liste von Fragen.

Lies dir die Fragen genau durch und kläre

unbekannte Begriffe mit deinem Gruppenbetreuer.

Danach geht’s ab zum Interview mit dem Förster.

Waldaktion - Gruppe 3

Forest Stewardship Council - Ökologische Säule

3. Aktion im Wald

FSC-Baukasten

Wähle aus 20 Karten 10 Methoden bzw. Grundsätze

aus, wie du einen Wald FSC-tauglich machen würdest.

Kleine Hilfestellung: In diesem Waldabschnitt

sind 2 Karten mit den wichtigsten FSC-Naturschutzregeln

an Bäumen oder Sträuchern versteckt.

4. Baumexperten gesucht!

Bestimme die Baumarten in eurem Waldabschnitt

mit Hilfe der Beschreibungen auf dem Folgeblatt

und notiere, welche Baumarten auf der Fläche

wachsen.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 3 - 3 S. | 1


Baumexperten gesucht!

Bestimme die Baumarten in eurem Waldabschnitt

mit Hilfe der Beschreibungen und notiere, welche

Baumarten auf der Fläche wachsen:

Douglasie

Esche

Weißtanne

Waldaktion - Gruppe 3

Forest Stewardship Council - Ökologische Säule

Buche

Lärche Eiche

Kiefer

Fichte

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 3 - 3 S. | 2


Frag den Förster!

Waldaktion - Gruppe 3

Forest Stewardship Council - Ökologische Säule

Lies dir die Fragen genau durch und kläre unbekannte Begriffe mit deinem Gruppenbetreuer. Danach geht’s

ab zum Interview mit dem Förster.

a. Wird hier auf die Verwendung von genetisch verändertem Saat- und

Pflanzgut verzichtet?

b. Werden bei der Waldarbeit in den Maschinen

biologisch abbaubare Öle und Fette verwendet?

c. Wird bei der Bewirtschaftung dieses Waldes

auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet?

d. Gibt es Flächen im Wald, die nicht genutzt werden?

e. Gibt es Naturschutzgebiete oder besonders wertvolle Biotope im Wald?

f. Werden alte, beschädigte und tote Bäume als Lebensraum

für zahlreiche Vögel und Insekten im Bestand belassen?

Diese Fragen habe ich zusätzlich noch an den Förster:

1.

2.

3.

5. Fit für FSC?

Werte die Antworten aus und zähle die Punkte aus

dem Interview mit dem Förster und der Checkliste

zusammen. Überprüfe mit Hilfe des Punkteschlüssels,

ob die Kriterien für die ökologische Säule in

diesem Wald erfüllt sind.

Anzahl Punkte Checkliste _________________

Anzahl Punkte Interview _________________

Gesamtpunktzahl _________________

Gesamtpunktzahl Interview:

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC FSC - für - für Mensch, Wald Wald und und Natur Natur | Gruppe | Gruppe 3 - 3 S. | 3

Ja

3 Punkte

z. Teil

1 Punkte

Nein

0 Punkte

30-21 Punkte: Der Wald erfüllt die Kriterien der

ökologischen Säule und ist fit für FSC.

20-9 Punkte: Der Wald ist auf dem besten Weg

zur Erfüllung der Kriterien der ökologischen

Säule. Nach ein paar Nachbesserungen ist

dieser Wald fit für FSC.

8-0 Punkte: Der Wald erfüllt die Kriterien der

ökologischen Säule nicht. Hier muss noch viel

getan werden, bis der Wald fit für FSC ist. Also

packen wir’s an!


Bedeutung von Wäldern

Wälder sind unentbehrlich für Mensch und Umwelt.

Sie produzieren Sauerstoff und indem sie Kohlenstoffverbindungen

speichern, tragen sie einen großen

Anteil daran, unser Klima zu schützen. Wälder

schützen im Gebirge vor Lawinen, verhindern Bodenerosion,

Erdrutsche und Überschwemmungen.

Durch die „Schwammwirkung“ ihres Wurzelwerks

steuern die Bäume den Wasserhaushalt, filtern jeden

einzelnen Tropfen und spenden uns sauberes

Trinkwasser. Für unzählige Tier- und Pflanzenarten

sind Wälder eine unentbehrliche Lebensgrundlage.

Genauso leben viele Menschen im und vom Wald

oder nutzen ihn als Ort der Erholung.

Konflikte um den Wald

4 Hintergrundwissen

für LehrerInnen und WaldpädagogInnen

Auf der Erde leben derzeit etwa 6,8 Milliarden

Menschen. Jeder einzelne nutzt Holz – auf die eine

oder andere Weise. In weniger entwickelten Ländern

verwenden die Menschen den Rohstoff Holz

überwiegend als Brennstoff zum Heizen und Kochen.

Auch als Baumaterial für Hütten, Boote oder

Karren spielt Holz eine wichtige Rolle.

In den Industrienationen wird Holz hauptsächlich

zur Möbelproduktion, als Baumaterial und zur Papierherstellung

benötigt. Der wachsende Papierbedarf

stellt dabei ein großes Problem dar: Allein in

Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch von Papier

derzeit bei rund 230 Kilogramm pro Jahr. Das

sind etwa 46.000 DIN-A4-Blätter im Jahr.

Aufgrund der vielfältigen Verwendungszwecke von

Holz entstehen Interessenskonflikte. In der Regel

dominieren die ökonomischen Interessen über soziale

und ökologische Belange. Negative Folgen

für Umwelt und Gesellschaft sind vorprogrammiert.

Pro Minute werden auf der Welt etwa 26 Hektar

Wald vernichtet. Dies entspricht ungefähr der Fläche

eines knapp 8 Kilometer langen Abschnittes

einer 3-spurigen Autobahn. Die Waldvernichtung

würde auf einer entsprechenden Autobahn mit

knapp 500km/h voranschreiten. Mit den wachsenden

Märkten in China und Indien sowie dem zunehmenden

Holzexport aus Russland sind auch viele

Urwälder im borealen Waldgürtel des Nordens von

der Entwaldung bedroht. Laut Greenpeaceberichten

werden etwa 33 Prozent des in Deutschland

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

verbrauchten Fichtenholzes importiert, rund ein

Fünftel davon aus Russland – deklariert als „heimisches“

Holz.

Die weltweit anhaltende Nachfrage nach Tropenholz,

z.B. als Baumaterial im Außenbereich sowie

für Gartenmöbel, hat häufig illegalen Holzeinschlag

und Raubbau zur Folge. Viele rücksichtlose Unternehmen

sind lediglich darauf aus, ihren Profit zu

maximieren und nicht bereit, Verantwortung für den

Wald zu übernehmen.

Eine wichtige Rolle spielen auch die Konsumenten

in wohlhabenderen Ländern. Mit der Haltung „Geiz

ist Geil“ wird die Erwartungshaltung „hohe Qualität

zu niedrigen Preisen“ kultiviert. Die Folge sind Hölzer

aus illegalem Einschlag und Raubbau.

Um den weltweit gestiegenen Bedarf nach Möbeln,

Papier und Baumaterial zu stillen, entstehen

vermehrt Plantagen aus schnellwachsenden Holzarten.

Naturwälder und einheimische Baumarten

müssen weichen.

Lösung: schonende Waldbewirtschaftung

Illegale Abholzung, ausbeuterische Waldbewirtschaftung

sowie der illegale Handel mit Hölzern

sind möglich, weil vielerorts keine ausreichenden

Kontrollinstrumente in Form von Gesetzen oder internationalen

Abkommen vorhanden sind oder ihre

Umsetzung nur unzureichend geschieht.

In den 80er Jahren riefen daher Umweltverbände

zum Tropenholz-Boykott auf, um den Raubbau an

tropischen Wäldern zu stoppen. Diese Maßnahme

bewirkte vielerorts das Gegenteil: Akteure der

Holzwirtschaft aus tropischen Ländern versuchten,

den sinkenden Umsatz durch einen erhöhten Holzeinschlag

zu kompensieren.

Aufgrund dieser Erfahrung sind viele Umweltorganisationen

dazu übergegangen, anstelle von Boykott

die Einführung einer schonenden Waldbewirtschaftung

zu unterstützen. Ziel ist dabei, dem Wald

nur so viel Holz zu entnehmen, wie natürlich nachwächst

und hierbei klare ökologische und soziale

Grundanforderungen einzuhalten (= Prinzip der

Nachhaltigkeit). So kann einerseits in den waldreichen

Gebieten ein Einkommen erwirtschaftet und

andererseits der Wald langfristig erhalten werden.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Hintergrund | 17


Eine Möglichkeit, die bestehenden Gesetzeslücken

zu füllen und mangelnde Umsetzung von Gesetzen

auszugleichen, ist die Schaffung eines freiwilligen,

privatwirtschaftlichen Kontrollinstruments mit dem

man die Einhaltung gewisser Waldbewirtschaftungsstandards

überprüfen kann. Die Idee des

FSC als ein Zertifizierungssystem war geboren.

Der FSC als eine mögliche Lösung

Der FSC (Forest Stewardship Council) wurde im

Jahre 1993 in Folge des Umweltgipfels von Rio

de Janeiro gegründet. Ziel ist es, die in Rio verabschiedeten

Forderungen an „nachhaltige Entwicklung“

für Wälder umzusetzen. Besondere Bedeutung

im Rahmen der Forderungen von Rio hat

die gleichwertige Berücksichtigung von sozialen,

ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten bei der

Nutzung von Naturgütern. Der FSC will weltweit

eine verantwortungsvolle Waldwirtschaft fördern

und diese über ein Produktsiegel für den Verbraucher

sichtbar machen.

Der FSC ist eine internationale gemeinnützige

Organisation mit Sitz in Bonn und nationalen Arbeitsgruppen

in 42 Ländern. Er wird weltweit von

Umweltorganisationen, Gewerkschaften, Interessensvertretern

indigener Völker sowie zahlreichen

Unternehmen aus der Forst- und Holzwirtschaft

unterstützt. Übersetzt bedeutet Forest Stewardship

Council soviel wie: Rat, der sich um die verantwortungsvolle

Bewirtschaftung der Wälder kümmert.

Die FSC Arbeitsgruppe Deutschland e.V. setzt die

Arbeit des FSC auf nationaler Ebene um. In deutschen

Wäldern steht der FSC u.a. für eine Waldwirtschaft

ohne Kahlschläge, für die Mehrung natürlicher

Mischwälder, für den Schutz seltener Arten

und Ökosysteme und für faire Entlohnung.

Wichtigstes Merkmal des FSC ist die Schaffung

eines Interessenausgleichs zwischen den Umweltinteressen,

sozialen Belangen und wirtschaftlichen

Ansprüchen an den Wald.

Wie funktioniert FSC?

Die Idee, die Marktkräfte zum Schutz der Wälder

und zu einer nachhaltigen Entwicklung zu nutzen,

beinhaltet drei Grundgedanken: Alle Interessengruppen

erstellten im Konsens Prinzipien nachhaltiger

Forstwirtschaft, die sowohl ökologische als

auch soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen.

Diese werden in einem Standard zusammengefasst.

Der FSC beschreibt also mit klaren

Regeln, wie Wälder bewirtschaftet werden sollen.

Es gelten 10 Prinzipien, die weltweit Grundlage für

die Arbeit der Förster und Waldbesitzer sind.

Forest Stewardship Council

FSC im Wald – weltweit gültige Regeln

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

In den FSC-Standards werden ökologische Mindeststandards

definiert, die garantieren, dass die

ökologischen Grundfunktionen des Waldökosystems

langfristig gewährleistet werden können

(Prinzip 6, 9). Gleichzeitig wird ein Ausgleich zwischen

Bevölkerungs- und Interessensgruppen gesucht

(Prinzip 2-4, 8). Auch gerechte und sichere

Arbeitsbedingungen werden durch die Standards

vorgegeben (Prinzip 4). Trotz dieser hohen Anforderungen

an einen umweltverträglichen Umgang

mit dem Wald und an eine soziale Gerechtigkeit

bleibt die Nutzung des Waldes ein gleichwertiges,

wichtiges Prinzip des FSC (Prinzip 5, 7, 8).

Prinzip 1: Einhaltung der Gesetze

und FSC-Prinzipien (Gesetze einhalten!)

Die Waldbewirtschaftung soll alle relevanten

Gesetze des Landes sowie internationale

Verträge und Abkommen, welche das Land unterzeichnet

hat, respektieren und die Prinzipien

und Kriterien des FSC erfüllen.

Prinzip 2: Besitzansprüche,

Landnutzungsrechte und Verantwortlichkeiten

(Mein Land, dein Land!)

Langfristige Besitzansprüche und Nutzungsrechte

an Land- und Forstressourcen sollen klar

definiert, dokumentiert und rechtlich verankert

sein.

Prinzip 3: Rechte indigener Völker

(Kulturelle Vielfalt respektieren!)

Die gesetzlichen und gewohnheitsmäßigen

Rechte der indigenen Gruppen hinsichtlich

Besitz, Nutzung und Bewirtschaftung von Land,

Territorien und Ressourcen sind anzuerkennen

und zu respektieren.

Prinzip 4: Beziehungen zur lokalen

Bevölkerung und Arbeitnehmerrechte

(Global denken, lokal handeln!)

Die Waldbewirtschaftung soll das soziale

und ökonomische Wohlergehen der im Wald

Beschäftigten und der lokalen Bevölkerung

langfristig erhalten oder vergrößern.

Prinzip 5: Nutzen aus dem Walde

(Die Vielfalt nutzen!)

Die Waldbewirtschaftung fördert die effiziente

Nutzung der vielfältigen Produkte und

Leistungen des Waldes, so dass sie langfristig

wirtschaftlich tragbar wird und eine breite

Palette von ökologischen und sozialen Vorteilen

gewährleisten kann.

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Hintergrund | 18

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Prinzip 6: Auswirkungen auf die Umwelt

(Umweltfreundlich handeln!)

Die Waldbewirtschaftung soll die biologische

Vielfalt und die damit verbundenen Werte, die

Wasserressourcen, die Böden sowie einzigartige

und empfindliche Ökosysteme und

Landschaften erhalten und dadurch die ökologischen

Funktionen und die Unversehrtheit des

Waldes gewährleisten.

Prinzip 7: Bewirtschaftungsplan

(Planen für den Wald!)

Ein für die Betriebsgröße und die Bewirtschaftungsintensität

des Forstbetriebes angemessenes

Planungswerk ist zu erstellen, anzuwenden

und zu aktualisieren. Es beschreibt deutlich

die langfristigen Bewirtschaftungsziele und die

Mittel zu deren Verwirklichung.

Prinzip 8: Kontrolle und Bewertung

(Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!)

Eine der Betriebsstruktur angemessene

Dokumentation und Bewertung soll den

Waldzustand, die Erträge der geernteten

Waldprodukte, die Handels- und Verwertungskette,

die Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie

deren soziale und ökologische Auswirkungen

feststellen.

Prinzip 9: Erhaltung von Wäldern mit hohem

Schutzwert (Acht geben auf das Besondere!)

Bewirtschaftungsmaßnahmen in Wäldern

mit hohem Schutzwert sollen deren Merkmale

erhalten oder vermehren. Diese Wälder betreffenden

Entscheidungen sollen immer im

Sinne einer vorbeugenden Herangehensweise

erwogen werden.

Prinzip 10: Plantagen (Holz ist begehrt!)

Plantagen sind in Übereinstimmung mit den

Prinzipien 1-9 und dem Prinzip 10 zu bewirtschaften.

Wenn Plantagen auch eine Reihe

sozialer und ökonomischer Vorteile liefern und

dazu beitragen können, den globalen Bedarf an

Forstprodukten zu befriedigen, sollen sie doch

die Bewirtschaftung von Naturwäldern ergänzen,

den Druck auf diese reduzieren und ihre

Wiederherstellung und Erhaltung fördern.

FSC-Siegel – So sieht es aus

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Der FSC-Code eines zertifizierten Forstbetriebs

oder eines Unternehmens besteht immer aus den

folgenden drei Teilen:

Kürzel des

Zertifizierers

Art des Zertifizikats

Hier: Waldbewirtschaftung

(FM) /

Verarbeitungskette

(COC)

Individuelle Nummer

des zertifizierten

Unternehmens

Beispiel: COC-BBB-012345

Produktkettenzertifikat des Betriebes 012345, der

durch das Prüfunternehmen BBB geprüft wurde.

Beispiel: FM-AAA-012345

Waldzertifikat des Betriebes 012345, der durch das

Prüfunternehmen AAA geprüft wurde.

Die Überprüfung der Gültigkeit eines FSC-COC-

Zertifikates kann jederzeit im Internet unter der

Adresse www.fsc-info.org vorgenommen werden:

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Hintergrund | 19


Ist das FSC-System vertrauenswürdig?

Zur Kontrolle, ob die FSC-Prinzipien eingehalten

werden, prüft der FSC die einzelnen Forstbetriebe

nicht selbst, sondern bevollmächtigt hierfür unabhängige

Zertifizierungsorganisationen. Der FSC

selbst überprüft einmal jährlich die beauftragten

Zertifizierungsorganisationen darauf, ob sie die Arbeit

im Sinne des FSC ausführen.

Neben der Beteiligung aller Mitglieder und Interessensvertreter

legt der FSC sehr viel Wert auf Transparenz.

Alle Regelungen und alle wichtigen Dokumente

sind daher der Öffentlichkeit zugänglich.

Führende Umweltverbände sehen im FSC derzeit

das einzige weltweit glaubwürdige

Waldzertifizierungssystem. Auch

Verbraucherverbände empfehlen

den Kauf von FSC-Produkten. Im

Rahmen eines Vergleichs deutscher

Waldzertifizierungssysteme

durch das Verbrauchermagazin

Ökotest schnitt der FSC mit der

besten Bewertung ab. Besonders

hervorgehoben wurden hierbei die gleichberechtigte

Beteiligung unterschiedlicher Interessensvertreter

beim FSC und der Verzicht auf Pestizide bei

FSC-Forstbetrieben in Deutschland.

Forest Stewardship Council

Noch nicht alles im grünen Bereich ...

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

FSC ist nicht die Lösung aller Probleme im Bereich

der Waldnutzung, der Bekämpfung des illegalen

Holzhandels, des Umwelt- und Naturschutzes oder

der Wahrung von Arbeitnehmerrechten, v.a. auch

innerhalb der Produktkette. FSC ist vielmehr eine

mögliche Lösung in diesem komplexen Problemfeld,

die von anderen Maßnahmen wie z.B. Gesetzen,

Abkommen etc. flankiert werden und die sich

stetig weiterentwickeln und verbessern muss. Die

Prinzipien und Standardwerke des FSC werden in

regelmäßigen Abständen unter Beteiligung aller

interessierten Akteure aktualisiert und geeicht, so

dass sie auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse

oder gesellschaftliche Schwerpunkte aufgreifen.

Um die Zertifizierung weiter zu verbessern, wird

mit Kritik, z.B. an der Zertifizierung von Plantagen

oder den hohen Zertifizierungskosten offen und

konstruktiv umgegangen und an Verbesserungen

gearbeitet.

In Deutschland sind die gesetzlichen Bestimmungen

für die Waldbewirtschaftung schon sehr weit

reichend. In einigen Punkten geht der FSC sogar

noch über die gesetzlichen Vorgaben hinaus und

setzt somit einen noch höheren Qualitätsstandard

fest.

Zahlen und Fakten zu FSC (Stand März 2010)

FSC in Deutschland

Zertifizierte Waldfläche 578.679 ha

Wald-Zertifikate / Forstbetriebe 85

COC-Zertifikate 416

FSC weltweit

Zertifizierte Waldfläche 12.786 Mio. ha

Wald-Zertifikate / Forstbetriebe 1005

COC-Zertifikate 16.550

Aktuelle Zahlen finden Sie im Internet unter

www.fsc-deutschland.de

Bildungsmaterialien für Lehrer und Waldpädagogen FSC - für Mensch, Wald und Natur | Hintergrund | 20


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5 Glossar

Begriffe und Definitionen

Biologische Vielfalt (Biodiversität):

Unter Biodiversität versteht man die Vielfalt

des Lebens auf unserer Erde. Die Vielfalt an

Arten, die Vielfalt an Lebensräumen, aber auch

die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

Zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung

wurde 1992 von den Vereinten Nationen das

Übereinkommen zum Schutz der biologischen

Vielfalt (CBD) gegründet.

Chain of Custody (COC)-Zertifizierung:

Mit der Zertifizierung der Produktkette (Chain

of Custody) wird sichergestellt, dass sowohl

die Rohstoffquellen als auch ihre Verarbeitung

bis hin zum Endprodukt lückenlos dokumentiert

und überwacht werden.

FSC: Der Forest Stewardship Council (FSC)

ist eine gemeinnützige und unabhängige

Organisation zur Förderung verantwortungsvoller

Waldwirtschaft. Der Ausdruck „FSC

steht synonym auch für das Gütesiegel, mit

dem Holzprodukte aus zertifizierten Wäldern

gekennzeichnet werden. Um eine nachhaltige

Waldnutzung zu sichern wurden 10 Prinzipien

und 56 Kriterien erarbeitet nach denen FSCzertifizierte

Wälder bewirtschaftet werden.

Holzeinschlag: Das Fällen von Bäumen, um

das Holz zu nutzen oder auch die Menge des

eingeschlagenen Holzes.

Holzernte: Entnahme von Bäumen. Sie

soll unter Berücksichtigung waldbaulicher,

ökologischer und wirtschaftlicher Aspekte

durchgeführt werden. Durch entsprechende

Arbeitsbedingungen soll die Gesundheit der

Waldarbeiter hierbei geschützt werden.

Illegaler Holzeinschlag: Unter Verletzung nationaler

und internationaler Gesetze wird Holz

geerntet, transportiert und verkauft. Illegaler

Holzeinschlag bedroht den Erhalt ökologisch

wertvoller Wälder und verursacht große volkswirtschaftliche

Schäden.

Indigene Völker: Gemeinschaften von

Ureinwohnern einer Region oder eines Landes.

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

Kahlschlag: Als Kahlschlag bezeichnet man

eine Fläche, auf der alle Bäume komplett

abgeholzt wurden. Diese Maßnahme nennt

man Kahlhieb. Aus ökologischer Sicht ist ein

Kahlhieb sehr bedenklich, da Nährstoffe leicht

aus dem Boden ausgewaschen werden, bei

Starkregen auch Erosion stattfinden kann und

viele Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum

verlieren.

Mischbestand: Waldfläche auf der zwei

oder mehr Baumarten maßgeblich das

Erscheinungsbild und die Ökologie der Fläche

prägen.

Monokultur: Auf einer (großen) Fläche wird

nur eine Baumart angepflanzt

Nachhaltigkeit (in der Forstwirtschaft):

Betreuung und Nutzung von Waldflächen unter

ökologischen, ökonomischen und sozialen

Gesichtspunkten. Es wird außerdem nur so viel

Holz genutzt, wie nachwächst.

Plantagen (Forstwirtschaft): Auf einer großen

Fläche werden raschwüchsige Holzarten gepflanzt

und im Kahlschlag geerntet.

Raubbau: Unter Raubbau versteht man

die Nutzung natürlicher Ressourcen ohne

Rücksicht auf mögliche Folgewirkungen. Beim

Raubbau werden Wälder durch unangepasste

Nutzung beschädigt oder zerstört. Dadurch wird

eine langfristige Nutzung erschwert oder sogar

verhindert.

Rückegasse: Unbefestigter Weg im Wald zum

Abtransport des geernteten Holzes.

Zertifizierung: Unter Zertifizierung versteht

man ein Verfahren, mit dessen Hilfe die

Einhaltung bestimmter Standards nachgewiesen

werden kann. Zertifikate werden durch

unabhängige Institutionen vergeben und

die Einhaltung der Kriterien wird regelmäßig

überprüft.

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www.fsc-deutschland.de

Website der FSC Arbeitsgruppe

Deutschland e.V.

www.fsc.org

Website des Forest Stewardship Council

(FSC International)

www.fsc-uk.org

Bildungsmaterialien zum Thema FSC

(in englischer Sprache)

www.nabu.de

Naturschutzbund Deutschland e.V.;

tagesaktuelle Informationen rund um

den Natur- und Umweltschutz

www.wwf.de

Website des WWF Deutschland

www.greenpeace.de/themen/waelder/

Publikationen und Bilder von Greenpeace zum

Thema Wald

www.bund.net

Website des Bundes für Umwelt- und

Naturschutz Deutschland

www.waldhaus-freiburg.de

Lern- und Erlebniszentrum

für Wald und Nachhaltigkeit

www.stadtentwicklung.berlin.de/forsten

Website der Berliner Forsten mit Links zu

Waldschulen und Ausflugstipps

Forest Stewardship Council

Arbeitsgruppe Deutschland e.V.

6 Tipps zum Lesen und Surfen

Interessante Seiten im Internet

www.forestpedagogics.eu

Europäisches Waldpädagogiknetzwerk

www.silviva.ch

Website der Stiftung SILVIVA

für Umweltbildung und Wald

www.forst.bayern.de/publikationen/

Bestellmöglichkeit für den Waldpädagogischen

Leitfaden:

Bayer. Staatsministerium für Ernährung,

Landwirtschaft und Forsten (2009): Forstliche

Bildungsarbeit - waldpädagogischer Leitfaden

nicht nur für Förster. 7. Auflage. München.

www.zukunftswald.de

Unterrichtsmaterialien und Spiel über das

Ökosystem Wald sowie Waldwissen kompakt

für SchülerInnen

www.tetrapak-umwelt.de

Website von Tetrapack mit zahlreichen

Informationen rund um Rohstoffe, Produktion,

Recycling und Umweltaktivitäten

www.oroverde.de

Website der Tropenwaldstiftung mit vielen Infos

für LehrerInnen und SchülerInnen

www.waldwissen.net

„Informationen für die Forstpraxis“, getragen

von deutschen und schweizer Fachbehörden

www.filmsortiment.de

Website zum Bestellen von Lehrfilmen

und Dokumentationen

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