Ergänzungssatzung OT Reinstorf Entwurf Begründung (pdf 0,07 MB)

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Ergänzungssatzung OT Reinstorf Entwurf Begründung (pdf 0,07 MB)

planungsbüro a. pesel

Ergänzungssatzung

im Ortsteil Reinstorf

Begründung

BEGRÜNDUNG

1. Veranlassung

Im Ortsteil Reinstorf ist ein Wohnbauvorhaben südlich der Straße Reinstorfer Ring

geplant. Für diesen Bereich war bereits vor Jahren eine Flächennutzungsplanänderung

geplant, die jedoch an Emissionen von nördlich gelegener Schweineställe

scheiterte. Diese Schweinehaltung ist an dieser Stelle aufgegeben worden (die Ställe

wurden in den Außenbereich verlagert), so dass einer Bebauung des Bereiches

nichts mehr entgegensteht. Die Gemeinde hat dies zum Anlass genommen, den

Bereich südlich der Straße Reinstorfer Ring städtebaulich zu ordnen.

Im Ort Reinstorf bestehen derzeit drei Baulücken, die durch die Darstellungen als

Baugebiet im wirksamen Flächennutzungsplan einer Bebauung zugeführt werden

könnten. Die erste Baulücke liegt inmitten der Bebauung im Reinstorfer Ring. Für

diese Fläche ist die Erschließung allerdings nicht gesichert. Sie kann daher derzeit

nicht bebaut werden. Die zweite Baulücke liegt im Nordwesten des Reinstorfer Weges

zwischen dem bestehenden Gewerbebetrieb und einem landwirtschaftlichen

Betrieb. Aufgrund der möglichen Emissionen von beiden Betrieben ist auch für diese

Fläche eine Bebauung problematisch. Die dritte Fläche liegt im Kurvenbereich

südöstlich der L 265. Sie wird landwirtschaftlich genutzt und steht daher derzeit für

eine Bebauung nicht zur Verfügung. Aus diesen Gründen wurde eine Fläche im

Südwesten von Reinstorf gewählt. Westlich der Fläche hat sich bereits Bebauung

angesiedelt. Eine zusätzliche Bebauung bis zur L 265 ist städtebaulich sinnvoll, um

eine beidseitige Straßenrandbebauung zu erhalten und den Ortsrand damit an dieser

Stelle eindeutig zu definieren.

Das Plangebiet liegt südlich der Straße Reinstorfer Ring. Im Westen, Norden und

Nordosten befindet sich bereits Bebauung. Die bauliche Ergänzung auf der südlichen

Straßenseite ist daher städtebaulich sinnvoll. Der wirksame Flächennutzungsplan

stellt in diesem Bereich eine Fläche für die Landwirtschaft dar.

Gemäß § 34 (4) Baugesetzbuch (BauGB) kann die Gemeinde durch eine Satzung

einzelne Außenbereichsflächen in den im Zusammenhang bebauten Ortsteil einbeziehen,

wenn die einbezogene Fläche durch die bauliche Nutzung des angrenzenden

Bereichs entsprechend geprägt ist. Da sich im Westen, Norden und Nordosten

bereits Bebauung befindet, wurde von der Gemeinde Lüder beschlossen, für diesen

Teil der Ortslage eine Ergänzungssatzung aufzustellen, um den Neubau des

Wohnhauses rechtlich abzusichern. Die Aufstellung dieser Satzung ist mit einer

geordneten städtebaulichen Entwicklung vereinbar.

Da die Zulässigkeit von Vorhaben, die einer Pflicht zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung

nach Anlage 1 zum Gesetz über die Umweltverträglichkeits-

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prüfung oder nach Landesrecht unterliegen, nicht begründet wird und keine Anhaltspunkte

für eine Beeinträchtigung der in § 1 (6) Nr. 7 Buchstabe b BauGB genannten

Schutzgüter bestehen, werden die rechtlichen Voraussetzungen gemäß §

34 (5) BauGB erfüllt. Das Verfahren über die Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung

gemäß § 13 (2) Nr. 2 und 3 BauGB wird entsprechend angewendet. Auf eine

Umweltprüfung und einen Umweltbericht wird verzichtet.

2. Bestand und Neuordnung

Der wirksame Flächennutzungsplan weist das Plangebiet als Fläche für die Landwirtschaft

aus. Die Ortslage mit der bestehenden Bebauung ist als Dorfgebiet (MD)

mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 0,4 bzw. im Nordosten des Plangebietes

als gemischte Baufläche (M) dargestellt.

Das Plangebiet muss städtebaulich im Zusammenhang mit der angrenzenden Bebauung

betrachtet werden. Auf der Fläche nördlich des Plangebietes befinden sich

Hofanlagen mit Wohnhaus und Nebengebäuden. Im Westen und Nordosten sind

Wohnhäuser angesiedelt. Von dieser städtebaulichen Situation der baulichen Nutzung

der umgebenden Grundstücke wird die Fläche geprägt. Die Bebauung erfolgt

in einem Zusammenhang.

Prägend für das alte Dorf sind die Hofanlagen mit Einzelhausbebauung auf großen

Grundstücken. Da der Bereich sich in einem Ort mit dörflich strukturierter Bebauung

und entsprechenden Nutzungen befindet, muss er als Einheit betrachtet werden.

Das einbezogene Grundstück nimmt an dem Dorfgebiet teil und fügt sich in die bestehende

Nutzungsmischung ein. Die Nutzungen sind mit den Nutzungen innerhalb

eines Dorfgebietes (MD) vergleichbar. Für den gesamten Geltungsbereich besteht

der Schutzanspruch eines MD. Die einzelnen Festsetzungen erfolgen gemäß § 9

Baugesetzbuch (BauGB) und gemäß Baunutzungsverordnung (BauNVO).

Der Geltungsbereich der Ergänzungssatzung nimmt im Westen die Grenze des im

Flächennutzungsplan dargestellten Dorfgebietes auf. Im Norden schließt er direkt

an der Straße Reinstorfer Ring an, die gleichzeitig die Erschließungsstraße ist. Die

südliche Grenze berücksichtigt eine Bautiefe von ca. 30 m und einen Grünstreifen

von 5 m. Im Osten grenzt der Geltungsbereich an die Landesstraße 265. Dieser

Geltungsbereich berücksichtigt eine sinnvolle städtebauliche Entwicklung der Ortslage

südlich der Straße Reinstorfer Ring. Der Ortsrand ist damit klar abgegrenzt.

Landwirtschaftliche Flächen werden nur in dem für die Neuordnung erforderlichen

Umfang in das Plangebiet einbezogen. Eine nachhaltigen Beeinträchtigung der

Funktion der Landwirtschaft in diesem Bereich ist aufgrund der Kleinräumigkeit mit

der Planung nicht verbunden.

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Als Ausgleichsmaßnahme ist die Pflanzung einer dreireihigen Mittelhecke mit Ü-

berhältern innerhalb einer privaten Grünfläche, Schutzpflanzung, festgelegt. Sie

dient gleichzeitig der Fassung der Ortsrandlage und bindet das Plangebiet in die

umgebende Landschaft ein.

Das Plangebiet grenzt nicht unmittelbar an denkmalgeschützte Bauten oder Anlagen

an. Eine Beeinträchtigung der denkmalpflegerischen Belange durch die Planung

ist nicht zu erkennen.

Konflikte mit umgebender Nutzung sind nicht vorhersehbar. Das Plangebiet wird

umgeben von Nutzungen, die einem Dorfgebiet entsprechen. Die Gaststätte nördlich

des Plangebietes hat ihren Betrieb aufgegeben. Im Rahmen einer Erweiterung

der bestehenden Masthähnchenanlage im Südosten von Reinstorf wurde ein Gutachten

über Geruchs-, Ammoniak-, Staub- und Keimimmissionen erarbeitet (Ingenieurbüro

Prof. Dr. J. Oldenburg, 22.03.2011). Zu diesem Zeitpunkt gab es im Ort

Reinstorf mehrere landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung. Das Gutachten berechnet

auf dieser Grundlage inner-orts eine Geruchsüberschreitung von 15 % der

Jahresstunden Wahrnehmungshäufigkeit. Der beantragende Landwirt erklärte am

23.10.2012 schriftlich den Verzicht auf die Tierhaltung innerorts bei Nutzungsbeginn

des 2. Hähnchenmaststalls. Alle anderen Betriebe nördlich des Plangebietes haben

ihre innerörtliche Tierhaltung ebenfalls aufgegeben bzw. in den Außenbereich verlagert.

Die anzusetzenden Grenzwerte für die Wahrnehmungshäufigkeit für Geruch

werden daher eingehalten.

Zusätzliche Einschränkungen für die angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzungen

werden durch die Planung nicht hervorgerufen. Reinstorf ist ein dörflich geprägter

Ort mit landwirtschaftlich genutzter Umgebung. Immissionen in Form von Stäuben,

Geräuschen und Gerüchen können von den landwirtschaftlichen Flächen im Rahmen

der Bewirtschaftung ausgehen. Die künftigen Bewohner/innen müssen in dieser

landwirtschaftlichen Struktur mit dieser Nutzung und den damit verbundenen

Geräuschen und Emissionen rechnen. Die schalltechnischen Orientierungswerte für

Dorfgebiete betragen tags: 60 dB(A), nachts: 45 dB(A). Sie sind im Plangebiet wie

auch in den umgebenden Gebieten einzuhalten. Eine Verschlechterung der Bestandssituation

erfolgt durch die Planung nicht.

Die Erschließung des Grundstücks ist über das vorhandene Straßensystem, vornehmlich

über den Reinstorfer Ring, gewährleistet. Stellplätze sind auf den

Grundstücken nachzuweisen. Das Plangebiet liegt innerhalb der Ortsdurchfahrtsgrenze.

Eine Erschließung für ein Baugrundstück wäre daher auch von der L 265

möglich.

An der Kreuzung der L 265 und dem Reinstorfer Ring ist ein Sichtfeld zu beachten.

Die Annäherungssicht beträgt 10 m zum Rand der L 265, die Schenkellänge 70 m.

Es ergeben sich keine Einschränkungen innerhalb des Plangebietes.

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Nach Auskunft der Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr betrug der

durchschnittliche Tagesverkehr (DTV) bei der letzten Verkehrszählung im Jahr 2010

auf der L 265 südlich von Reinstorf 839 Kfz/24 h. Nach der DIN 18005, Schallschutz

im Städtebau, errechnet sich ein Schallpegel in einer Entfernung von ca. 10 m und

einer Geschwindigkeit von 50 km/h von tags: 58,5 dB(A), nachts: 47,9 dB(A). Die

vergleichbaren Planungsrichtwerte für Dorf- bzw. Mischgebiete liegen bei tags: 60

dB(A) und nachts: 50 dB(A). Die Richtwerte werden unterschritten.

Die Wasser-, Abwasser-, Elektrizitäts- und Gasversorgung wird durch den Anschluss

an die zentralen Anlagen der Ver- und Entsorgungsträger sichergestellt. Die

Abfallentsorgung erfolgt durch den Träger der Abfallentsorgung über die öffentlichen

Straßenverkehrsflächen.

Das Oberflächenwasser ist gemäß § 149 (3) Nds. Wassergesetz (NWG) grundsätzlich

durch die Grundstückseigentümer zu beseitigen, soweit die Kommune nicht den

Anschluss an eine öffentliche Abwasseranlage und deren Benutzung vorschreibt

oder ein gesammeltes Fortleiten erforderlich ist, um eine Beeinträchtigung des

Wohls der Allgemeinheit zu verhüten. Damit soll eine Versickerung an Ort und Stelle

erfolgen, wo dies möglich und sinnvoll ist. Neben der Aufwertung des unmittelbaren

Lebensraums können die Freiräume mit einem dezentralen Entwässerungssystem

vorteilhaft gestaltet werden.

2.1 Natur und Landschaft

Innerhalb des Plangebietes sind keine Schutzgebiete gemäß Niedersächsisches

Naturschutzgesetz vorhanden. Weitere naturschutzrechtliche Fachinformationen

und Planungen liegen für das Plangebiet nicht vor.

Die Landschaft im Umfeld wird durch den Naturraum der Ostheide, eine Untereinheit

der Lüneburger Heide, charakterisiert. Die Ostheide ist eine wellige bis kuppige

Endmöranenlandschaft, die den östlichen Raum des Landkreises Uelzen prägt.

Dominiert wird der Naturraum von Kiefernforsten, die die sandigen Moränenkuppen

bedecken. In die Sandböden eingebettet sind Geschiebelehminseln, die aufgrund

ihrer bindigen Böden und der günstigeren Wasserverhältnisse bevorzugte Standorte

der heutigen Ackerkultur sind.

Der Naturraum ist allgemein gewässerarm. Durchzogen werden die tieferliegenden

Geesttäler jedoch von Gräben und Bächen und deren z. T. vermoorten Auen. Diese

Ausprägungen sind auf die letzte Warmzeit (Holozän) zurückzuführen. Die Niederungsränder

mit der leichten Verfügbarkeit der Ressource Wasser waren die bevorzugten

Siedlungsstandorte in der Historie. Die ehemals mit Bruchwald und Sumpf

bedeckten Niederungen wurden nach Entwässerungsmaßnahmen weitestgehend in

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Grünlandnutzung umgewandelt. Der Naturraum verfügt insgesamt über eine abwechslungsreicher

Landschafts- und Vegetationsstruktur.

Der Raum ist aus eiszeitlichen Ablagerungen der Saale- und der Weichseleiszeit

aufgebaut, die stellenweise von holozänen Bildungen überlagert werden. Die höheren,

grundwasserfernen Geestböden der Dörfer bestehen überwiegend aus sandigem

Boden (Braunerde und Podsol). Nur kleinflächig sind südöstlich von Reinstorf

bindige, stark lehmige und staunasse Grundmoränen im Untergrund vorhanden. In

diesem Bereich haben sich lehmige, staunasse Geschiebelehmböden (Pseudogleye)

entwickelt.

Das Ausgangsmaterial der Niederungen besteht aus fluviatilen Ablagerungen der

Weichseleiszeit, die im Nahbereich der Bäche von holozänen Sedimenten aus ü-

berwiegend feinerem Bodenmaterial (Ton, Schluff und Sand) überdeckt wurden. Es

herrschen sandige, feuchte Böden vor, die als Gley, z. T. auch in Vergesellschaftung

mit Podsol und Niedermoor ausgeprägt sind. Im Raum Röhrsen führte die

ständige Vernässung der Bachaue partiell zur Entwicklung von Niedermoor und

Anmoorgley.

Das Nährstoffnachlieferungsvermögen sowie das Filter- und Puffervermögen gegenüber

chemischen Fremdstoffen des Oberbodens ist aufgrund des geringen

Lehmanteils als gering zu bezeichnen.

Das Plangebiet wird als Acker genutzt. Der Boden ist aufgrund der Nutzung als ü-

berprägter Naturboden einzustufen, der von allgemeiner Bedeutung für die Leistungsfähigkeit

des Bodens ist. Hinweise auf schutzwürdigen Boden liegen nicht vor.

Natürliche Oberflächengewässer kommen in dem Plangebiet nicht vor. Im Umfeld

des Dorfes sind insbesondere die sandigen, kiesigen Endmoränenzüge mit mächtigen

Deckschichten für die Grundwasserneubildung von Bedeutung. Die „Geowissenschaftliche

Karte des Naturraumpotentials von Niedersachsen und Bremen -

Grundwasser - “ (1990) weist für diese Areale Grundwasserneubildungsraten von

100-200 mm/a und 200-300 mm/a im langjährigen Mittel auf. Westlich von Reinstorf

steigt die Grundwasserneubildungsrate sogar auf 300-400 mm/a an.

Die Empfindlichkeit des Grundwassers gegenüber Verschmutzung auf den hochgelegenen

Endmoränenzüge (nördlich und westlich von Reinstorf) mit mehr als 10 m

mächtigen Sandschichten ist aufgrund der langen Infiltrationsdauer des Niederschlagswassers

als gering einzustufen.

Der Landkreis Uelzen liegt in der Übergangszone zwischen maritimem und kontinentalem

Einfluss. Es fallen durchschnittlich ca. 200 ml weniger Niederschlag pro

Jahr als im Westen des Landkreises. Die Temperaturschwankungen und die Spätfrostgefahr

sind größer als in den westlichen Nachbarregionen.

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Die Hauptwindrichtung ist West, gefolgt von Südwest, die insbesondere in den Wintermonaten

die vorherrschende Windrichtung ist.

Das Geländeklima wird überwiegend durch großflächige Vegetationsformationen

und geomorphologische Reliefierungen bestimmt. Die Niederungsflächen fungieren

als Kaltluftsammelgebiet der von den Geestflächen abfließenden Kaltluft. Die Niederungen

sind dementsprechend durch Nebelbildung und Spätfrostgefahr gekennzeichnet.

Die HPNV stellt ein theoretisches Vegetationsbild dar, das sich nach Unterlassen

des menschlichen Einflusses unter den derzeitigen natürlichen Standort- und Umweltbedingungen

ausbilden würde. Sie gibt das heutige biotische Potential des

Standortes wider. Die Kenntnisse der potentiellen natürlichen Vegetation lassen

Rückschlüsse auf die Pflanzenartenwahl im Zusammenhang mit Pflanzmaßnahmen

zu.

Auf den mäßig trockenen bis frischen sandigen Geestflächen würde sich ein trockener

bis feuchter Buchen-Eichenwald (Fago-Quercetum typicum bzw. molinietosum)

ausbilden.

Das Plangebiet wird ausschließlich als Acker genutzt, der sich südlich des Plangebietes

fortsetzt. Nördlich grenzen ländlich geprägte Hofanlagen an die Straße

Reinstorfer Ring, die teilweise mit großen Laubbäumen bestanden sind. Im Westen

und Nordosten befinden sich Einfamilienhäuser mit angelegten Ziergärten.

Innerhalb des Plangebietes können ca. 4 Wohnhäusern errichtet werden. Als wesentliche

negative Auswirkung auf die Naturgüter und das Landschaftsbild ist die

Versiegelung des belebten Bodens zu nennen. Es ist mit einer Zunahme der Bodenversiegelung

um ca. 800 m² zu rechnen. Die Versiegelung von belebtem Boden

ist grundsätzlich als erheblich und nachhaltige Beeinträchtigung der Bodenfunktionen

zu bewerten, da diese gleichbedeutend mit einem vollständigen Verlust der

natürlichen Bodenfunktionen ist. Auch für Arten und deren Lebensgemeinschaften

gehen wegen der Versiegelung Lebensräume verloren.

Eine Reduzierung der Grundwasserneubildung ist nicht zu erwarten, da das auf den

versiegelten Flächen anfallende Niederschlagswasser auf den angrenzenden Freiflächen

versickern kann.

Eine erhebliche Verschlechterung der klimatischen Situation ist ebenfalls nicht zu

erwarten, da sich im Umfeld des Plangebietes größere Freiflächen befinden, z. B.

Laubwald, gehölzreiche Gärten, Acker- und Grünlandflächen, die Klima regulierend

wirken.

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Durch die Errichtung von naturraum- bzw. siedlungsuntypischen Bauten kann das

Landschaftsbild nachhaltig gestört werden. Erheblich störende Sichtbezüge sind

von Süden aus zu erwarten. Durch die Anpflanzung einer Mittelhecke mit Überhältern

am südlichen Rand des Plangebietes ist die Beeinträchtigung des dörflichen

Siedlungsbildes kompensierbar.

Vermeidung und Minimierung

a) Gemäß § 202 BauGB (Schutz des Mutterbodens) ist der belebte Boden, der für

die Anlage der späteren Vegetationsflächen von großem Wert ist, vor Baumaßnahmen

abzuschieben und zur späteren Wiederverwendung zwischen zu lagern

oder sofort wieder als Deckschicht auf Pflanzstandorte aufzubringen. Hiermit

lässt sich der Eingriff auf den Lebensraum Boden mindern.

b) Bauliche Verdichtungen von gewachsenem Boden sind aus den gleichen Gründen

durch geeignete Maßnahmen zu verhindern oder rückgängig zu machen.

c) Bei Neuversiegelungen sollten grundsätzlich immer nur die Belegmaterialien

verwendet werden, die eine optimale Durchlässigkeit des Regenwassers - unter

Abwägung der vorgesehenen Flächennutzung - zulassen. Offenporige Beläge

vermindern ebenfalls den Eingriff in den Bodenhaushalt.

d) Das auf den versiegelten Flächen anfallende Regenwasser ist auf dem Grundstück

zu versickern. Eine dezentrale Rückhaltung und Versickerung des Niederschlagswassers

verfolgt das Ziel, die Abgabe Regenwassers an die Vorfluter zu

mindern, das Abwassersystem hydraulisch zu entlasten, die Grundwassersituation

im Gebiet beizubehalten sowie eine ausreichende Vorreinigung des belasteten

Regenwassers zu gewährleisten. Um qualitativ hochwertiges Trinkwasser

einzusparen, ist auch eine Sammlung des Regenwassers (z. B. in Regentonnen

oder Zisternen) möglich, um es als Brauchwasser zu nutzen.

Zusammenfassung der Auswirkungen des Vorhabens

Die Realisierung der Planung ist mit erheblichen Beeinträchtigungen auf die

Schutzgüter Boden und das Landschaftsbild verbunden. Das Vorhaben ist als Eingriff

gemäß § 14 BNatSchG zu werten. Im Rahmen des Verfahrens ist gemäß § 15

BNatSchG in Verbindung mit § 1a BauGB die Eingriffsregelung anzuwenden und

Maßnahmen zur Vermeidung, Minderung, zum Ausgleich für die sich aus der Umsetzung

der Planung ergebenden Eingriffe in Natur und Landschaft festzulegen.

Kompensationsmaßnahmen

Gemäß § 15 (2) BNatSchG sind erhebliche und nachhaltige Beeinträchtigungen der

Schutzgüter auszugleichen bzw. zu ersetzen. Zielsetzung der folgenden Kompensationsmaßnahme

ist die Aufwertung der bodenökologischen Funktionen, Schaffung

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von Lebensraum für die heimische Flora und Fauna sowie eine Aufwertung des

Landschaftsbildes.

Nr. 1: Mittelhecke mit Überhältern

Das Plangebiet wird zur südlich angrenzenden Landschaft mit einem 5 m breiten

Grünstreifen eingegrünt. Innerhalb des Grünstreifens ist eine dreireihige Mittelhecke

mit Überhältern aus standortheimischen Straucharten zu pflanzen und zu erhalten.

Das Pflanzraster der Straucharten beträgt 1,0 m in und 1,0 m zwischen den Reihen.

Die Sträucher der Arten Hasel (Corylus avellana), Holunder (Sambucus nigra),

Hundsrose (Rosa canina) und Weißdorn (Crateagus monogyna), Pflanzqualität:

Str., 3 Triebe, Höhe: 60-80 cm, sind in Gruppen von mindestens 3 – 5 Stück je Art

zu pflanzen. Die Überhälter, wahlweise der Baumarten Sandbirke (Betula pendula)

und Stieleiche (Quercus robur), Qualität: Hei, 2xv., o. B. h 200-250 cm, sind in einem

Reihenabstand von 5 m mittig in den Pflanzstreifen zu setzen. Bei Abgang von

Gehölzen wird eine Nachpflanzung entsprechend den aufgeführten Arten vorgenommen.

Ein wirksamer Schutz vor Wildverbiss ist ratsam. In den ersten 3 Jahren

nach Gründung des Bestandes ist nach Bedarf eine Ausmahd des Aufwuchses vorzusehen.

Beidseitig ist ein ca. 1,0 m breiter Krautsaum vorgelagert. Die Säume sind der Eigenentwicklung

(Sukzession) zu überlassen und nur bei Bedarf im mehrjährigen

Turnus zu mähen.

Kompensationsumfang: 800 m²

2.1.12 Flächenbilanz

Bestand

Fläche

(m 2 )

Planung

Sandacker (AS) 5.150 Bebaubare Fläche,

Neuversiegelung: 800 qm

Private Grünfläche,

Schutzpflanzung

Fläche

(m 2 )

4.350

800

Gesamtfläche 5.150 Gesamtfläche 5.150

Wrestedt, Mai 2013

Gemeindedirektor

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