PUBLIC PRIVATE CONCEPTS

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AUSGABE JANUAR 2011

PUBLIC PRIVATE CONCEPTS

BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE KONZEPTE FÜR MENSCHEN MIT UNTERSTÜTZUNGSBEDARF

> Focus

Interview mit Markus Loosli

Die Grundhaltung

«näher bei den Leuten»

gilt auch bei der NFA > Seite 4

Foto: Erika Schmid

> KONZEPTE

Swiss GAAP FER und

kantonale Konzepte > Seite 8

> BERATUNG

CURAVIVA Hotline zur

Rechnungslegung > Seite 10

> HINTERGRUND

Die Grundlage für

Unterstützungsleistungen > Seite 11


INHALT

> EDITORIAL

Instrumente für eine optimale Lebensqualität

> Seite 3I

> FOCUS

Gespräch mit Markus Loosli, Vorsteher Altersund

Behindertenamt Kanton Bern ... > Seite 4

Markus Loosli äussert sich zur Neugestaltung des

Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung (NFA)

... und die Zusammenarbeit mit dem Kanton aus

der Optik von René Weber, SAZ Burgdorf > Seite 7

> KONZEPTE

Steigern die kantonalen Konzepte den

Verwaltungsaufwand sozialer Institutionen?

Christina Affentranger Weber stellt Fragen im

Zusammenhang mit NFA Umsetzung und

GAAP FER > Seite 8

Max Neuhaus betrachtet eine einheitliche

Rechnungslegung als Voraussetzung für eine

faire Deckung der Pflegekosten > Seite 9

Christina Affentranger Weber leitet die Fachkonferenz

Erwachsene Menschen mit Behinderung CURAVIVA

> BERATUNG

Die Kantone haben es in der Hand, Synergien

zu schaffen > Seite 10

> HINTERGRUND

Bezugsrahmen für Konzepte und Instrumente

sozialer Einrichtungen > Seite 11

NFA und GAAP FER vor offenen Fragen

> IMPRESSUM

Public Private Concepts führt die Diskussion über die geeigneten

Instrumente für eine optimale Lebensqualität für Menschen mit

Unterstützungbedarf.

Ausgabe Nr. 1, Januar 2011

Herausgeber: CURAVIVA Schweiz ver tritt die Interessen von

2300 Institutionen in den drei Berei chen: Menschen im Alter,

Erwachsene Menschen mit Behinderung und Kinder und

Jugendliche mit beson deren Bedürfnissen.

Adresse: CURAVIVA Schweiz, 3007 Bern, 031 385 33 33,

info@curaviva.ch, www.curaviva.ch

Konzept: Stefan Sutter, CURAVIVA Schweiz

Redaktion und Gestaltung: Schneider Communications AG

Die Fotos auf Seite 7 und 8 stammen aus dem

Sechtbach Huus in Bülach, www.sechtbach-huus.ch

Druck: Fotorotar, Egg/ZH

Auflage: 1500 Exemplare.

2 PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011


EDITORIAL

Die richtigen Instrumente für

eine optimale Lebensqualität

Wikipedia definiert Public Private Partnership als Mobilisierung

privaten Kapitals und Fachwissens zur Erfüllung

staatlicher Aufgaben. Auf dem Papier sind die meisten

sozialen Einrichtungen in der Schweiz privatrechtliche

Trägerschaften mit unternehmerischer Verantwortung

und unternehmerischem Risiko. In der Praxis steuert die

öffentliche Hand die Einrichtungen weit über die Auftragserteilung

hinaus. Denn erstens verlangen Verfassung,

Gesellschaft und Unternehmen mit sozialem Auftrag vom

Staat, dass er solidarisch für die Schwachen sorgt, und

zweitens ist dieser Staat oft Mit- oder Haupteigentümer

privater sozialer Einrichtungen. Folglich kann die öffentliche

Hand diese Einrichtungen nicht ganz dem freien

Markt überlassen, wenn sie nicht will, dass nur zahlungskräftige

Kunden gut bedient werden. Damit ist die andauernde

Diskussion über die Aufgabenteilung in der

PPP notwendig. Um diese Debatte nicht nur mit schönen

Worten zu führen, muss sie sich auf Grundlagen, Konzepte

und Arbeitsinstrumente stützen. Dafür liegt der Begriff

Public Private Concept nahe. Er bezieht sich auf die Operationalisierung

der PPP.

Dieses Magazin legt den Fokus darauf, dass betriebswirtschaftliche

Instrumente und kantonale Behindertenkonzepte

die Lebensqualität der Menschen mit Unterstützungsbedarf

ins Zentrum stellen.

Stefan Sutter, Mitglied Geschäftsleitung

CURAVIVA Schweiz

PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011

3


FOCUS

GESPRÄCH MIT MARKUS LOOSLI, VORSTEHER ALTERS- UND BEHINDERTENAMT KANTON BERN

«Ich habe die NFA von Anfang an

für eine gute Sache gehalten»

Markus Loosli pflegt sich ebenso pointiert wie fundiert zu äussern. Im Gespräch mit

«Public Private Concepts» äussert er sich zur Neugestaltung des Finanzausgleichs und der

Aufgabenteilung (NFA), zu unternehmerischem Denken im Sozialbereich und zu einheitlichen,

personenbezogenen Regelungen unabhängig vom Alter hilfebedürftiger Menschen.

> Interview: Bernhard Schneider

Herr Loosli, wie wirkt sich die Neue Finanzordnung

NFA auf Institutionen, Verbände und Kantonsverwaltungen

aus? Beginnen wir mit den positiven

Folgen.

Markus Loosli: Ich habe die NFA von Anfang an für

eine gute Sache gehalten. Im Altersbereich beispielsweise

strebt der Kanton Bern schon seit längerem

die Betreuung hochbetagter Menschen

möglichst nahe bei ihren Angehörigen, an ihrem

Vertrauten Wohnort an. Wichtig ist eine klare Rollenteilung.

Der Kanton muss die Rahmenbedingungen

setzen, die Gemeinden müssen einen Konsens

in der Definition von Pflege erreichen. Die

Bedarfsplanung muss vom Kanton vorgegeben

werden, denn in ländlichen Gebieten kann nicht in

jedem Dorf ein Pflegeheim geführt werden. Die

Grundhaltung «näher bei den Leuten» soll auch im

Behinderten-Bereich angewandt werden. Der Bund

ist zu weit von den Menschen entfernt.

«Das Sozialwesen ist grundsätzlich

Sache der Kantone.»

Das Sozialwesen ist grundsätzlich Sache der Kantone.

Der Bund leistet lediglich gewisse Anschubfinanzierungen

im Bereich der Einkommenssicherung.

Ich stehe zum Föderalismus, der viele Vorteile

bietet, wenn die verschiedenen Bereiche der Mitfinanzierung

im Gesundheitsbereich und im Sozialwesen

sinnvoll ineinander greifen. Die Kantone

sind zu unterschiedlich, als dass der Bund das Sozialwesen

einheitlich regeln könnte, ausserdem ist

das auch nicht nötig. Bis Ende 2007 hat der Bund so

viele Vorgaben gemacht, dass man nicht von kantonaler

Steuerung, sondern höchstens von kantonaler

Ausführung sprechen konnte. Heute, unter der

NFA, laufen alle Fäden beim Kanton zusammen,

also Aufsicht, Qualitätsvorgaben, Finanzen und so

weiter. In meinem Amt tragen wir umfassende Verantwortung

gleichsam von der Wiege bis zur Bahre.

Das zwingt uns zu einer Gesamtsicht.

Für grosse Kantone wie Bern, Zürich, Waadt oder

Genf leuchtet das ein, doch wie sehen Sie das bei

kleinen Kantonen?

Eine gewisse Grösse ist für die Wahrnehmung der

Verantwortung unabdingbar, kleinere Kantone

müssen zusammenarbeiten. Die knappe Million

Einwohner des Kantons Bern ergibt eine gute Grösse.

Andere Kantone erkundigen sich bei uns nach

Lösungsstrategien.

Sehen Sie auch negative Auswirkungen der NFA?

Man kann die teilweise unterschiedlichen Regelungen

in verschiedenen Kantonen ins Feld führen.

Gleichzeitig zwingt das aber zu mehr Transparenz,

da man sich gegenseitig die Handhabe erklären

muss. Es kann sein, dass manche Kantone bedeutend

weniger machen als der Bund zuvor getan hat,

dies ist auch die Befürchtung aus Behindertenkreisen.

Wo dies tatsächlich zutrifft, lässt sich jetzt

noch nicht beurteilen. Ich bin der Meinung, wir seien

im Kanton Bern einigermassen auf Kurs. Ein weiterer

Punkt ist, dass der Bund einen sehr kostendynamischen

Bereich an die Kantone abgegeben hat.

Das heisst, Bundeshaushaltssanierungen gehen

oft zu Lasten der Kantone.

Die neue Pflegefinanzierung wird auf den 1. Januar

2011 eingeführt. Was bringt sie Neues?

Im Kanton Bern wird keine radikale Umstellung

stattfinden, wir kennen als einer der wenigen Kan-

4 PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011


Foto: Bernhard Schneider

tone schon bisher ein Zeitstufensystem, das wir lediglich

auf dasjenige des Bundes mit 20 Minuten

pro Zeitstufe umrechnen müssen. Ich befürworte

gesamtschweizerische, klare Rahmenbedingungen.

Das wird den interkantonalen Verkehr erleichtern.

Gut finde ich auch, dass das maximale Eigenrisiko

beschränkt wird. Das Risiko, im Alter

pflegebedürftig zu werden, ist hoch, das Risiko,

schwer pflegebedürftig zu werden, dagegen eher

«Mir hat nie eingeleuchtet, weshalb es

für ein hohes Risiko mit geringer Wahrscheinlichkeit

keine Versicherung gibt.»

rung. Dabei steht die individuelle Wahlfreiheit im

Fokus, das heisst, dass jede Person selber entscheidet,

in welches Heim sie gehen will. Die Heime sollen

grundsätzlich kostendeckende Tarife verrechnen

und der Kanton stattet Leute, die nicht über die

nötige Kaufkraft verfügen, mit den nötigen finanziellen

Mitteln aus. Da ab Januar 2011 die höheren

Pflegestufen entlastet werden, hat das Heim einen

Ertragsausfall, den wir direkt decken. Es gibt keinen

Grund, komplizierte Verträge abzuschliessen, die

Regeln sind für alle gleich. Verträge machen wir nur

da, wo etwas speziell zu regeln ist.

Markus Loosli,

Vorsteher Altersund

Behindertenamt

Kanton Bern,

betrachtet die NFA

als Chance, im

Sozialbereich unternehmerisches

Denken zu fördern.

>

klein. Mir hat nie eingeleuchtet, weshalb für ein hohes

Risiko mit geringer Wahrscheinlichkeit keine

Versicherung besteht. Hier springt jetzt der Staat

als Versicherung ein. Ich finde das in Ordnung, weil

so die Kosten der Alterspflege transparent werden.

Wir können künftig genau sagen, was Alterspflege

kostet.

Weshalb verzichtet der Kanton Bern auf Leistungsvereinbarungen?

Ich befürworte eine möglichst schlanke Administration.

Wir haben uns schon seit 2003 von der Defizitfinanzierung

zu lösen begonnen und entwickeln

uns hin zu einer personenorientierten Finanzie-

Markus Loosli steht dem Alters- und Behindertenamt

des Kantons Bern seit 2001 vor.

Das Alters- und Behindertenamt ist zuständig

für Menschen, die über längere Zeit

Betreuung benötigen, unabhängig von ihrem

Alter. Es umfasst die Bereiche Sonderpädagogik,

Spitex, Behinderungen, verhaltensauffällige

Kinder, junge und erwachsene

Behinderte, chronisch Kranke, pflegebedürftige

Betagte und Hochbetagte. Das Amt

reguliert eine Branche, die jährlich etwa

2.5 Milliarden Franken umsetzt, davon

800 Millionen kantonale Mittel.

PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011

5


FOCUS

>

Auf welcher Basis arbeiten Sie mit den Heimen und

Institutionen zusammen?

Mir ist wichtig, dass wir uns bei allen Massnahmen

überlegen, wie sie sich auf die einzelnen Heime

auswirken. Ich pflege die Dinge geradeaus beim

Namen zu nennen. Auch wenn da manchmal bei

unvermeidlichen Interessengegensätzen die Fetzen

fliegen, herrscht ein gegenseitiges Ernstnehmen.

Wir haben regelmässige Treffen mit dem Verband

Berner Pflege- und Betreuungszentren, je

nach Bedarf bis zu sechs Mal pro Jahr. Die öffentliche

Hand muss einerseits berechenbar sein, andererseits

klar entscheiden. Manchmal ist ein rechtzeitiger

schlechter Entscheid besser als gar keiner.

Wir bemühen uns, unsere Entscheide im Voraus anzukündigen.

«Ich staune, dass der Preisüberwacher

noch nie transparente Heimpreise gefordert

hat.»

Ich wurde schon kritisiert, dass wir zu langsam vorgegangen

seien. Das ist vor allem im Behindertenbereich

der Fall. Ich bin überzeugt, dass das Staatswesen

manchmal träge sein muss. Im Kanton Bern

muss immerhin eine Million Menschen mithalten

können. Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen.

Unser Ansatz ist, dass jeder Schritt sitzen muss.

Wie lösen Sie legitime Interessenkonflikte zwischen

Heimen und dem Kanton?

Wir sind grundsätzlich an einer starken Branche interessiert.

Ich spreche Interessenkonflikte, die bis

zu uns durchdringen, offen und direkt an. Es ist eine

Illusion, zu glauben, man könne an alles denken.

Wenn wir unseren Partnern unsere Unterlagen und

Überlegungen transparent präsentieren, können

diese auch sagen, dieses oder jenes sei nicht durchdacht.

Solche Kritik nehmen wir ernst und überprüfen

alles nochmals. Es ist wichtig, alle direkt Interessierten

einzubinden und das Gespräch zu suchen.

Keine Lösung ist perfekt. Relevant ist, dass sie von

den verantwortlichen Institutionen, Verbänden

und von uns als Staat getragen wird. Diese breite

Akzeptanz gibt Sicherheit.

Früher führte die Kantonsverwaltung die Heime

statisch, bestimmte, wer welches Personal benötigt,

und legte die Anzahl Heimplätze fest. Heute

denken wir unternehmerischer, haben ein dynamisches

System mit Bedarfsinstrumenten. Unsere

Partner erhalten so mehr Entscheidungsspielraum.

Wir haben von der Defizit- zur Leistungsfinanzierung

mit Normkosten gewechselt. Dadurch fördern

wir unternehmerisches Verhalten der Heime,

wodurch der Staat jährlich Millionen spart, denn

die Leute vor Ort kennen die lokalen Verhältnisse

besser als staatliche Planer.

Wie sinnvoll ist heute noch die Unterscheidung zwischen

Kindern und Jugendlichen, erwachsenen Behinderten

und Alter?

Von den Vorgaben für die Mitfinanzierung her

möchten wir Konvergenz haben, damit wir nicht in

verschiedenen Systemen denken müssen. Damit

ist eigentlich schon eine Antwort gegeben: Diese

Unterscheidung ist nicht wirklich sinnvoll. Wo Sonderförderung

angesagt ist, soll sie stattfinden. Es

leuchtet ein, dass im Kinder- und Jugendalter das

Hauptaugenmerk bei der Entwicklung liegt. Bei der

Förderung muss man einfach mehr mitgeben als

bei einem Kind, das weder behindert noch sozial

auffällig ist. Die Grundüberlegungen bezüglich Finanzierungssystemen

sind aber dieselben. Wir gehen

auch im Kinderbereich in Richtung personenorientierte

Finanzierung. Im Erwachsenenbereich

redet man nicht primär von Förderung, sondern

von Erhaltung. Bei Hochbetagten lautet das Ziel,

einen würdevollen Lebensabend zu ermöglichen.

Im Pflegebereich braucht es genügend Anbieter,

genügend Nachfrage und, was oft vergessen wird,

genügend Transparenz. Im Kanton Bern haben wir

14‘500 Pflegeplätze mit über 300 Anbietern. Dieser

Markt spielt, wenn man ihn spielen lässt. Für die

Transparenz haben wir einen Leistungsvertrag mit

Pro Senectute. Wohnen60plus orientiert umfassend

über Wohnangebote im Alter. Das geht bis zu

den Preisen, denn Preistransparenz ist sehr wichtig.

Ich staune, dass der Preisüberwacher, der vieles

moniert, noch nie transparente, schnell abrufbare

Heimpreise gefordert hat. Das System, das wir mit

Pro Senectute Kanton Bern aufgebaut haben,

dünkt mich für die ganze Schweiz interessant. Daher

möchte ich unterscheiden: wo man nicht davon

ausgehen kann, dass ein Markt spielt, weil es

zu wenige Betroffene gibt, macht es keinen Sinn,

ein Konkurrenzmodell einzuführen. In diesen Bereichen

schliessen wir mit den Anbietern direkte Verträge

ab. Insgesamt gilt, um es mit einem Bild auszudrücken:

Die Feuerwehr wird nicht über die

Anzahl Brände, die sie löscht, finanziert, weil dann

viel mehr Brände entstünden. Es gibt Leistungen,

die direkt finanziert werden müssen, die Kunst ist,

herauszufinden, wo die sinnvolle Grenze ist.

1 www.wohnen60plus.ch

6 PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011


ZUSAMMENARBEIT TROTZ UNTERSCHIEDLICHER OPTIK

Erste Elemente einer Subjektfinanzierung

Nach dem NFA-Entscheid sind die Kantone und Institutionen gefordert, ihre Zusammenarbeit zu überprüfen und

neu zu definieren. Der Kanton Bern hat bereits lange vor der NFA-Abstimmung Ansätze für neue Finanzierungssysteme

in Zusammenarbeit mit einigen Institutionen evaluiert und versuchsweise Leistungsabgeltungssysteme getestet.

Diese Leistungsabgeltungssysteme enthalten bereits erste Elemente einer Subjektfinanzierung.

> Von René Weber, SAZ Burgdorf – Schulungs- und Arbeitszentrum für Behinderte

Man muss einige Zeit zurückblenden, um die Mechanismen

zur Festsetzung der Betriebsbeiträge in

der Rechnungslegung der Institutionen zu verstehen.

Um den Betriebsbeitrag zu optimieren, sind

viele Institutionen ziemlich kreativ mit der Zuordnung

von Personalfunktionen oder der Umlage der

Hilfs- und Vorkostenstellen umgegangen. Weil die

Betriebsbeiträge nach dem Jahr 2000 auf Tagesund

Stundenansätze umgerechnet wurden, beeinflussen

diese Verzerrungen vielfach auch heute

noch die Rechnungslegung der Institutionen.

Längere Zeit war die Zusammenarbeit zwischen

der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons

Bern und den Institutionen mehr von einem

gewissen Misstrauen als von Kooperation geprägt.

In letzter Zeit hat sich dieses Verhältnis in eine partnerschaftliche

Zusammenarbeit gewandelt. Dabei

ist es wichtig, dass sich beide Seiten bemühen, die

anstehenden Probleme und Fragen ab und zu auch

aus dem Blickwinkel der anderen Seite zu betrachten,

um zu erkennen, welche Motive hinter den auf

den ersten Blick vielleicht unverständlichen Anliegen

und Forderungen verborgen sind.

Die Anforderungen der Institutionen und des Kantons

an die Rechnungslegung decken sich nicht immer.

Bei näherer Betrachtung stellt man aber fest,

dass sie nicht grundsätzlich unvereinbar sind. Die

Institutionen erwarten vom Kanton Bern, dass er

ihre Anliegen aufnimmt und sie weiterhin rechtzeitig

in die Entwicklung neuer Systeme einbezieht.

Bei den Institutionen muss der Trend in Richtung

unternehmerisches Denken gehen und Elemente,

die diesem Anliegen entgegenstehen, beispielsweise

einseitige Defizit- und Überschussregelungen,

müssen eliminiert werden. Die Institutionen selber

dürfen die Probleme und Anliegen der Kantone

nicht unter den Tisch wischen und müssen zu Kompromissen

bereit sein.

Ein nicht unerhebliches Ärgernis ist der administrative

Aufwand, der für die ausserkantonalen Betreuten

betrieben werden muss. Hier fordern die Institutionen

einheitlichere Bestimmungen und Vereinfachungen

der Abläufe.

Zunehmend wird die Anwendung von Swiss GAAP

FER gefordert. Es wird noch genauer zu untersuchen

sein, ob eine Umstellung wirklich in allen Institutionen

Sinn macht.

Die Bedingungen zu einer guten und partnerschaftlichen

Zusammenarbeit im Kanton Bern sind

vorhanden. Die Bestrebungen, miteinander und nicht

gegeneinander zu arbeiten, müssen weiter fortgesetzt

werden. Auf beide Seiten wartet viel Arbeit

und mit Bestimmtheit wird es auch noch einige

Auseinandersetzungen geben.

Ziel der Instrumente

im Bereich sozialer

Einrichtungen muss

eine optimale Lebensqualität

unter

Berücksichtigung

der individuellen

Bedürfnisse sein.

Die Webdesignerin

Melanie Schwab

ist intellektuell

uneingeschränkt

leistungsfähig, aber

körperlich auf Unterstützungsleistungen

angewiesen.

Foto: Bernhard Schneider

PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011

7


KONZEPTE

MIT NFA UND GAAP FER STEHEN DIE INSTITUTIONEN VOR OFFENEN FRAGEN UND PROBLEMEN

Heterogene kantonale Konzepte und

viel Verwaltungsaufwand

Foto: Bernhard Schneider

Die kantonalen Konzepte zur Förderung der Eingliederung invalider Personen, die gemäss Neugestaltung des Finanzausgleichs

(NFA) vom Bundesrat genehmigt werden müssen, sind teilweise bereits in Kraft gesetzt, teilweise eingereicht,

teilweise für 2011 angekündigt. Ein Problem dieser Konzepte besteht darin, dass sie eine ganz unterschiedliche «Flughöhe»

bezüglich Detail lierungsgrad und operativer Einflussnahme des Kantons auf die Institutionen aufweisen.

> Von Christina Affentranger Weber, Präsidentin Fachkonferenz Erwachsene Menschen mit Behinderung CURAVIVA Schweiz

Das erste, was bei einem Vergleich der kantonalen

Behindertenkonzepte auffällt, ist ihre Heterogenität.

Einzelne Kantone gehen im Detaillierungsgrad

so weit, dass die Verwaltung jede einzelne Praktikumsstelle

genehmigen muss. Andere Kantone dagegen

beschränken sich – sinnvollerweise – auf die

strategischen Aufgaben, die von ihnen eigentlich

gefordert sind. Die Verhältnisse in den einzelnen

Landesteilen sind so unterschiedlich, dass eine

überkantonale Betrachtungsweise erforderlich wäre,

um einigermassen einheitliche Regelungen und

Konzepte zu schaffen. Doch dies trifft nicht überall

zu. Der Kanton Obwalden beispielsweise verfügt

über ein einziges Heim und richtet sein Konzept

auf dieses aus. Andere Kantone wie beispielsweise

der Kanton Wallis behalten sich gar die Zuweisungen

an die Heime vor, während vor allem grössere

Kantone auf Selbstbestimmung künftiger Nutzerinnen

und Nutzer sowie auf Wettbewerb setzen.

Was die Konzepte aber wirklich bedeuten, wird erst

ihre Umsetzung zeigen. Es wird interessant sein, zu

beobachten, ob die fraglichen Kantone ihren Konzepten

entsprechend tatsächlich operativ in die

Führung der Heime eingreifen und damit faktisch

die Rolle der Stiftungsräte übernehmen. Dies würde

weitere Fragen nach Aufgaben und Verantwortung

der strategischen Gremien aufwerfen. Auch

für die interkantonale Kooperation wird die praktische

Umsetzung entscheidend sein.

Längst nicht alle Kantone wollen die Heime operativ

kontrollieren. Die beiden Basel beispielsweise, denen

sich auch Bern angeschlossen hat, setzen in ihrem

Konzept auf den Dialog. Sie erarbeiten gemeinsam

ein neues Leistungserfassungssystem. Die Ostschweizerkantone

der SODK Ost und der Kanton Zürich

übernehmen im Wesentlichen das Leistungserfassungssystem

des Kantons Thurgau. Zudem will die

SODK Ost im Bereich des Qualitätsmanagements ein

eigenes QMS entwickeln, da ihr die Qualitätsstandards

BSV/IV 2000 nicht genügen. Die Heterogenität

der Konzepte führt dazu, dass durchaus auch innovative

Ansätze entwickelt werden. So planen die Kantone

der Romandie vermehrt zusammen zu arbeiten

und beispielsweise gewisse spezialisierte Angebote

in Institutionen anzubieten, die auch von anderen

Kantonen mitgetragen werden, und vermehrt Infor-

8 PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011


mationen auszutauschen. Freilich wird auch hier die

Praxis zeigen müssen, wie sich dies auswirken wird.

Für die Rechnungslegung hat der Kanton Zürich

Swiss GAAP FER 21 verbindlich eingeführt. Weitere

Kantone dürften vermutlich folgen. Dieser Standard

ermöglicht ein Benchmarking und damit Vergleiche

zwischen verschiedenen Institutionen. Die

Kehrseite ist ein grosser Aufwand, der für GAAP FER

erbracht werden muss. Ob sich das tatsächlich

lohnt, wird ebenfalls die Praxis zeigen müssen. Vermutlich

werden Grossbetriebe damit weniger Probleme

haben als kleinere Institutionen, die über

Pauschalen effizienter abrechnen könnten.

Im besten Fall ermöglichen die Neuerungen im Rahmen

der Rechnungslegung und der Umsetzung der

NFA eine Entwicklung in Richtung Subjektfinanzierung.

Gewisse Kantone, beispielsweise die beiden

Basel, forcieren die Subjektfinanzierung und setzen

alles daran, sie möglichst bald einzuführen. Doch

auch die Subjektfinanzierung soll kein Dogma sein,

denn je detaillierter – und damit grundsätzlich gerechter

– ein System zur Leistungserfassung ist,

desto höher ist der Verwaltungsaufwand, der nicht

Selbstzweck sein darf. Eine gerechte Verteilung der

Gelder ist für die Institutionen ebenso wichtig wie

die Verhältnismässigkeit des Aufwands, den sie dafür

betreiben müssen.

Die Behinderteninstitutionen in der Schweiz befinden

sich zusammen mit den Kantonen mitten in

einem Prozess, dessen Auswirkungen ungewiss

sind. Chancen und Gefahren halten sich insgesamt

die Waage. CURAVIVA wird die Umsetzung der kantonalen

Konzepte in die Praxis, aber auch die Rechnungslegung

unter GAAP FER aufmerksam verfolgen.

Die Publikation «Public Private Concepts», die

hier erstmals vorliegt, wird in loser Folge die Situation

aufarbeiten und sich konstruktiv in die Diskussion

einmischen.

Die Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER – eine Option

für Heime und soziale Institutionen?

Dank einheitlicher Rechnungslegung einen Schritt weiter zur korrekten Deckung der Pflegekosten

> Von Max Neuhaus, Director Strategy & Operations, PwC Bern

Ab dem 1. Januar 2011 gilt die neue Finanzierung

für den Aufenthalt in Pflegeheimen. Die wichtigste

Neuregelung betrifft die Finanzierung der Pflegekosten.

Bis anhin war es unter Einhaltung der

Transparenzvorschriften möglich, von den Krankenversicherern

die Leistungen nach Krankenpflege-

Leistungsverordnung (KLV, Art. 7) vollständig vergütet

zu erhalten. Doch nur wenige Heime haben es

de facto geschafft, solche Tarife mit den Krankenversicherern

auszuhandeln und durchzusetzen. Im

Unterschied zur Spitalfinanzierung scheint es bei

Pflegeheimen einfacher zu sein, die «Restkosten»

an die Bewohner zu überwälzen oder in ein Defizit

einfliessen zu lassen.

Klare Kostentrennung durch Neuregelung

Die Neuregelung zur Finanzierung der Pflegekosten

soll das ändern. Sie verlangt eine klare Trennung

zwischen Pflegekosten einerseits, Hotellerie- und

Betreuungskosten anderseits. Dafür erhalten die

Heime das Recht auf eine vollständige Deckung

dieser Pflegekosten. Dabei ist der Beitrag der Krankenversicherer

und der maximale Beitrag der Bewohner

limitiert, der Rest geht zu Lasten der öffentlichen

Hand. In der Folge haben diverse Kantone

Maximalbeträge festgelegt, die den Heimen als

Beitrag zu den Pflegekosten bezahlt werden müssen.

Das Konzept «die Heime davor schützen, zu

wenig Geld zu erhalten, und die Gemeinden davor

schützen, zu viel zu bezahlen» wird durch diese rahmentarifähnlichen

Vorgaben der öffentlichen Hand

durchbrochen. Welches sind die Gründe dafür?

Vereinheitlichung der Rechnungslegung

erwünscht

In diversen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass

die unterschiedliche Rechnungslegung der Heime

Probleme für die öffentliche Hand stellt. Natürlich

gibt es die Interkantonale Vereinbarung für Soziale

Einrichtungen (IVSE) 2008. Diese stellt die Rahmenbedingungen

für das Rechnungswesen auf, die

konkrete Ausgestaltung ist jedoch nicht gegeben.

So können die Pflegeheime ihre Abschreibungen,

Rückstellungen und stille Reserven unterschiedlich

handhaben.

Die Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER hebt

diese Unterschiede auf. Die Transparenz dieses Systems

sollte genügend Argument für die Pflegeheime

sein, nicht mehr optional angewendet zu werden,

sondern zwingend. Damit wäre der erste

Schritt für die Durchsetzung einer korrekten Deckung

der Pflegekosten getan. Weitere Schritte

müssten folgen – im Interesse der Bewohner.

Swiss GAAP FER.

Swiss GAAP (Generally

Accepted Accounting

Principles) FER (Fach empfehlungen

zur Rechnungslegung)

sind pragmatisch

auf die speziellen Bedürfnisse

mittelstän discher

Schweizer Unternehmen

ausgerichtet. Für Kleinbetriebe

sind diese Standards

eher aufwendig

und komplex, börsenkotierte

Unternehmen orientieren

sich hingegen

am deutlich komplexeren

Standard der US GAAP.

Swiss GAAP FER beruht

auf dem Prinzip der true

and fair view: Stille Reserven

sind untersagt, Abschreibungen

müssen auf

der Basis betriebswirtschaftlicher

Grundsätze

transparent offengelegt

werden, Rückstellungen

sind nur noch in wenigen

Ausnahmefällen zulässig.

PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011 9


BERATUNG

SYNERGIEN IM RECHNUNGSWESEN

Hotline-Fragen zu den betriebswirtschaftlichen

Instrumenten

Kontenrahmen und Kostenrechnung von CURAVIVA Schweiz sind Teil der Vorgaben vieler Kantone an die

Institutionen. Seit die Verantwortung für KVG und IVSE bei den Kantonen liegt, haben es diese in der Hand,

wo immer möglich Synergien zu schaffen und zu nutzen – auch im Rechnungswesen. Für die Umsetzung

gibt die Hotline von CURAVIVA zum Kontenrahmen vielerlei Anregungen.

> Von Markus Koch, REDI AG

CURAVIVA

Hotline

Basierend auf den

Erfahrungen bei der

Einführung der Kostenrechnung

im KVG-

Bereich (Alterspflege)

hat CURAVIVA

Schweiz eine Hotline

für Fragen zum Rechnungswesen

eingerichtet.

Unter der

Telefonnummer:

031 385 33 33

werden die Fragen

unentgeltlich beantwortet.

Die Kosten

werden bis jetzt von

CURAVIVA Schweiz

getragen.

Die Auswertung der Hotline umfasst die Zeit vom

Frühjahr 2008 bis April 2010. Rund 700 Auskünfte

wurden erteilt, davon 240 im Bereich soziale Einrichtungen.

Die Anfragen kamen sowohl von den

Institutionen als auch von kantonalen Stellen. Oft

stand das Hauptthema einer Anfrage in Verbindung

mit anderen Themen des Rechnungswesens. Auffallend

ist, dass sich insbesondere gemischte Institutionen,

die teilweise der IVSE (Interkantonale

Vereinbarung für soziale Einrichtungen vom 1. Januar

2006), teilweise dem KVG (Krankenversicherungsgesetz)

unterstehen, mit grösseren Problemen

konfrontiert sehen. Die Anfragen setzten sich

wie folgt zusammen: zum Kontenrahmen (28% der

Anfragen), zur Kostenrechnung (24%), zur Verarbeitung

Finanzbuchhaltung (15%), zur Anlagebuchhaltung

(13%), zur Finanzierung (12%) und Diverse (8%).

Es zeigt sich, dass die Hotline von CURAVIVA

Schweiz eine wichtige Aufgabe erfüllt, dies auch

als sinnvolle Ergänzung zu den Kursen zur Einführung

und zum Betrieb der Kostenrechnung und

Anlagebuchhaltung. Es wäre erwünscht, dass die

Standortkantone die Kursangebote wie auch die

Hotline noch vermehrt bekannt machen und zur

Nutzung empfehlen. Sie würden damit den Wissensaufbau

fördern und davon schliesslich selbst

profitieren.

Foto: Erika Schmid

Insgesamt lässt sich bei den Beratungen eine abnehmende

Bereitschaft, die Instrumente fachtechnisch

mit der notwendigen Sorgfalt zu bedienen,

feststellen. Ursache ist, dass Standortkantone an

den Ergebnissen überhaupt kein Interesse zeigen

und auf den alten Grundlagen abrechnen. Dieselben

Kantone verlangen andererseits von der Revisionsstelle

die Bestätigung im Revisionsbericht,

dass die Kostenrechnung vollständig und richtig sei.

Der Wissensaufbau zur aktiven und richtigen Anwendung

der Kostenrechnung würde durch eine

ernsthafte Auswertung und Anwendung der Ergebnisse

bei den Leistungsverhandlungen zwischen

Standortkanton und Einrichtungen nachhaltig gefördert.

Hier besteht vielerorts ein akutes Defizit.

Was die künftigen Abrechnungssysteme betrifft

wollen viele Verantwortliche in den Kantonen

nicht einfach die Abrechnungs-Systematik des BSV

bzw. EJPD übernehmen. Sie suchen nach anderen

Formen. Dabei wird dann aber oft vergessen, dass

die Rahmenbedingungen zur Leistungsabrechnung

mit den Wohnkantonen nach IVSE eingehalten

werden müssen. Gewisse Kantone erheben

eine Unmenge von Daten, deren Sinn in der Auswertung

für die Institutionen nicht durchwegs

nachvollziehbar ist. Nur wenn die Institutionen als

Zahlenbereitsteller über die Auswertung der Daten

orientiert sind und diese verstehen, werden sie

qualitativ gutes Material bereitstellen.

Es besteht der Eindruck, dass die Kantone das Ziel,

mittels der Kostenrechnung ein aussagefähiges Instrument

zur finanziellen Bewertung der Leistungen

zu erhalten, zunehmend aus den Augen verlieren.

Dadurch wird es für die Verantwortlichen der

Institutionen schwierig, sich und die Mitarbeitenden

zu motivieren, sich aktiv an der Umsetzung

der Instrumente zu beteiligen und diese in das

Rechnungswesen als wirksames Führungsinstrument

zu integrieren.

10 PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011


HINTERGRUND

PUBLIC PRIVATE PARTNERSHIP IST DIE GRUNDLAGE FÜR UNTERSTÜTZUNGSLEISTUNGEN

Bezugsrahmen für Konzepte und

Instrumente sozialer Einrichtungen

Bei der Entwicklung von Konzepten zur individuellen Leistungserfassung in sozialen Einrichtungen ist die

Verknüpfung mit den rechtlichen, politischen und betriebswirtschaftlichen Funktionen und Rahmenbedingungen

eine zentrale Herausforderung.

> Von Stefan Sutter, Mitglied Geschäftsleitung CURAVIVA Schweiz

Gemäss einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik

aus dem Jahr 2007 fühlen sich 26 Prozent der

Schweizer Bevölkerung bei Tätigkeiten des normalen

Alltagslebens mehr oder weniger stark eingeschränkt.

Sie sind in kleinerem oder grösserem

Mass auf Hilfeleistungen der Angehörigen oder

Dritter angewiesen. Im privaten Umfeld erfolgen

diese Hilfeleistungen meist unentgeltlich. Steigt

das Ausmass des Unterstützungsbedarfs, stellt

sich die Frage der Finanzierung.

Hilfeleistungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf

werden in der Schweiz als öffentliche Aufgabe

definiert und zum grossen Teil öffentlich finanziert,

aber mehrheitlich von privaten Trägerschaften

wahrgenommen. Public Private Partnership ist die

Basis, auf der die meisten sozialen Leistungen

gründen. Die vom Stimmvolk mit der Zustimmung

zur neuen Finanzordnung (NFA) beschlossene Neuregelung

der Beziehung zwischen öffentlichem

Auftrag und privater Leistungserbringung verleiht

dieser Partnerschaft ein neues Gesicht. Um für

Menschen mit Behinderung weiterhin landesweit

ein ausreichendes Angebot bereitstellen zu können

und um ihnen weiterhin die in der Verfassung

garantierte Niederlassungsfreiheit über die Kantonsgrenzen

hinweg zu garantieren, braucht es

transparente, übersichtliche und branchenweite

Spielregeln, Konzepte und Arbeitsinstrumente.

Betriebswirtschaftliche Instrumente wie Kostenrechnung

und Kontenrahmen wirken sich auf die

Lebensqualität der Menschen mit Unterstützungsbedarf

unmittelbar aus. Es ist daher ein zentrales

Erfordernis, dass sie nicht nur auf den einschlägigen

Konzepten, Vereinbarungen und Gesetzen basieren,

sondern auch auf Leitbildern und einer ethischen

Auseinandersetzung mit Lebensqualität.

Die von Stefan Sutter entwickelte Pyramide der

Wertehierarchie im Bezugsrahmen für Konzepte

und Instrumente sozialer Einrichtungen.

Wert

Norm

Form

VERFASSUNG

LEBENSQUALITÄT

LEITBILD

BUNDESGESETZE, IFEG

VEREINBARUNGEN, IVSE

KANTONALE GESETZE UND KONZEPTE

KANTONALE ANERKENNUNG

LEISTUNGSVEREINBARUNG

TRÄGERSCHAFT

ORGANISATIONSMANAGEMENT

QUALITÄTSMANAGEMENT

LEISTUNGSERFASSUNG, BENCHMARKING

KOSTENRECHNUNG

KONTENRAHMEN

Mission

Vision

Gesetze und

Bestimmungen

von Bund und

Kantonen

Formative

Konzepte und

Instrumente

sozialer

Einrichtungen

Stefan Sutter 2007

PUBLIC PRIVATE CONCEPTS I Januar 2011

11


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