Stadtgespräch - NETZ eV Partnerschaft für Entwicklung und ...

bangladesch.org

Stadtgespräch - NETZ eV Partnerschaft für Entwicklung und ...

Gefördert vom:

Evangelischen Entwicklungsdienst

Die NETZ-Ausgabe 1/2008 hat den

Arbeitstitel: „Jugendliche in

Bangladesch“

NETZ kämpft gegen Armut in Bangladesch.

Mit Selbsthilfe-Projekten für Ernährung, Bildung

und Menschenrechte. Die gemeinnützige

Organisation ist Teil der internationalen

Kampagne DEINE STIMME GEGEN ARMUT.

Bitte spenden Sie auf das Konto:

Nummer: Nummer: 10 10 77 77 88 88 0

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NETZ NETZ e.V. e.V. Partnerschaft Partnerschaft Bangladesch

Bangladesch

Bangladesch

bei bei bei der der Volksbank Volksbank Wetzlar-Weilburg

Wetzlar-Weilburg

BLZ: BLZ: BLZ: 515 515 515 602 602 31

31

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen

bescheinigt NETZ mit dem Spenden-Siegel, dass

wir

– wahrheitsgetreu, eindeutig und sachlich in Wort

und Bild informieren,

– die Finanzmittel nachprüfbar, sparsam und

satzungsgemäß verwenden,

– Spenden und Zuschüsse sowie deren Verwendung

eindeutig und nachvollziehbar im

Jahresabschluss dokumentieren.

www.bangladesch.org

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Das DZI, der

deutsche „Spenden-TÜV”,

hat

NETZ das Spenden-Siegelverliehen.

Es steht für

einen sorgsamen

Umgang mit den

uns anvertrauten

Spenden.

Inhalt

Thema: Slums in Dhaka

4 Das Blumenmädchen von

Bashundhara City Patrizia Heidegger

6 Slums in Dhaka

Auf engstem Raum - Lebenswelt Slum Hasan Ashraf

10 „Ich bin frei wie ein Vogel“

Aus dem Leben der Straßenkinder

von Dhaka Patrizia Heidegger

12 Fünf Quadratmeter Zuhause

und Tausend Sorgen Patrizia Heidegger

17 Dhaka - Ort neuer Möglichkeiten

Drei Stadtbewohner berichten

Politik und Gesellschaft

18 Meldungen

NETZ aktiv

20 Bundesverdienstkreuz für leidenschaftliches

Engagement gegen Armut

21 Freiwillige vor Ort

22 Fluthilfe in Bangladesch - Aktionen in Deutschland

2 NETZ

T

E

I

L

A

U

F

24 Wasser, überall Wasser Maidul Islam

Kultur

L

A

G

E

26 Stadtgespräch Shamsur Rahmann

Impressum

Zeitschrift für Entwicklung und Gerechtigkeit

Nr. 4, 29. Jahrgang, 10.10.2007

Moritz-Hensoldt-Str. 20 – 35576 Wetzlar

Telefon: 0 64 41 – 2 65 85 Fax.: 0 64 41 – 2 62 57

e - mail: zeitschrift@bangladesch.org

Redaktion: Gisela Bhatti, Carmen Brandt, Barbara Das-Gupta, Peter Dietzel,

Patrizia Heidegger, Stephanie Hell, Heiko Herold, Moritz Marbach, Niko

Richter (v.i.S.d.P), Ingo Ritz, Dirk Saam, Christian Weiß (Leitung)

Cover-Gestaltung und -Foto: Moritz Marbach

Druck: Druckkollektiv, Giessen, auf chlorfrei gebleichtem 100 % Altpapier

Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich. Jahresabonnement: 20,- EURO.

Einzelexemplare: 5,- EURO

ISSN 1619–6570


Liebe Leserin, lieber Leser,

selbst nach einem Jahr in Bangladesch

werde ich nach einem Aufenthalt auf dem

Land von Dhaka jedes Mal von neuem

überrollt. Spätestens wenn der Bus in

Gabtoli den Turag-Fluss überquert, hat sie

mich wieder, die Megastadt. Auf den

Straßen schieben sich endlose Schlangen

von Dieselqualm spuckenden Bussen und

Lastwagen dahin. Dazwischen drängen

waghalsige Fahrer der Rikschas und

Babytaxis, lebensmüde Fußgänger

springen zwischen den meterhohen Reifen

der Lastwagen über die Fahrbahn, und

wild hupende Autos erkämpfen sich mit

viel Lärm ihren Weg. Links und rechts türmen sich die

Gebäude. Halbfertige Wohnblocks, kleine Geschäfte und

Teebuden, Textilfabriken, jämmerliche Behausungen, der

neue Großladen von Bata-Schuhe – alles dicht auf dicht.

Wenn ich die Stufen meines bangladeschischen Zuhauses

erreiche, bin ich erschöpft und schmutzig.

Oft fahre ich auf der Rikscha durch die engen Straßen von

Mohammadpur, einem einfachen und lebhaften Wohnviertel

in Dhakas Nordwesten. Am Abend sind die kleinen

Geschäfte mit Öllampen und Kerzen erleuchtet, denn der

Strom fällt regelmäßig aus. Auf meinem Weg winken mir

ein paar Leute zu: mein Schneider, mein Mangohändler

mit wallendem Bart, ein kleiner Freund, der in einer blauen

Holzbude glitzernde Saris bestickt, eine Kollegin, die in

der Nähe wohnt. Mitten im ohrenbetäubenden Geklingel

bin ich glücklich, denn ich habe dieses pralle Leben

vermisst, das Chaos, die Menschen, selbst den Dreck und

die tristen Häuser. Manchmal verabscheut man Dhaka,

aber man beginnt auch unweigerlich es zu lieben.

Die Widersprüchlichkeit – sie ist zum Allgemeinplatz der

Megastädte der Entwicklungsländer geworden. Zu finden

ist sie überall. Zu Füßen des Bashundhara City, einem

glänzendem Glasturm voller Luxusgeschäfte, stehen die

windschiefen Slumhütten von Kathal Baghan. In schweren

Jeeps sitzen wohlgenährte Herrschaften auf dem Weg ins

Büro, während die Bettler mit ihren dünnen, wettergegerbten

Armen an die Scheiben klopfen. Zwei Tassen

Cappuccino in einem schicken Café kosten mehr als der

Tageslohn eines Arbeiters.

Doch Dhaka ist vielmehr als der Gegensatz zwischen arm

und reich. Im Wirrwarr der Stadt ist Platz für ein breites

Editorial Editorial

Editorial

Editorial

Spektrum an Menschen jenseits der

Klischees. Rund um die Universität

verbreitet sich studentisches Leben. Eine

kleine, lebendige Künstlerszene ist beständig

auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen.

In den Wohnvierteln hat sich eine

bodenständige Mittelschicht etabliert. Es

gibt die Neureichen und die seit Generationen

gefestigten Familien im Stadtteil

Dhanmondi. Manche Ecken sind hinduistisch

geprägt, während christliche Viertel

oft unweit der Stadtteile schiitischer

Muslime liegen. Dann sind da noch die

Dhakaiyas, die Bewohner des alten Dhakas

mit ihren eigenen Traditionen. Schließlich sorgt die

zugereiste Landbevölkerung durch ihre Lebensgewohnheiten

für eine Durchdringung ländlicher und

städtischer Lebenswelten in der Metropole – und und und.

Die sozialen Problem sind dabei allgegenwärtig: eine

wachsende Slumbevölkerung und ungezählte Menschen

auf Suche nach Arbeit, Hunderttausende arbeitende

Kinder, massive Umweltschäden wie die Verseuchung des

Flusses Buriganga, ungeplante Verbauung von Wasserund

Grünflächen, ein kollabierendes Verkehrsystem,

soziale Ausbeutung von Fabrikarbeitern, und vieles mehr.

Die größte Faszination an Dhaka ist vielleicht, dass dieser

urbane Wildwuchs aus mehr als 10 Millionen Menschen

irgendwie funktioniert. Damit Dhaka aber in Zukunft all

seinen Bewohnern ein menschenwürdiges Zuhause sein

kann, ist heute die Konfrontation der sozialen Probleme

mit kreativen Ansätzen und nachhaltiger Planung dringend

gefragt. Erfahren Sie in dieser Ausgabe von NETZ

mehr über die Lebensbedingungen in Dhaka und die

Herausforderungen der Metropole im 21. Jahrhundert.

Ihre

Patrizia Heidegger

Patrizia Heidegger ist Mitglied der NETZ-Redaktion. Sie war

von Oktober 2006 bis Oktober 2007 NETZ-Freiwillige bei der

Menschenrechtsorganisation Ain o Salish Kendra.

NETZ 3


Hunderttausende

Kinder in

der Hauptstadtarbeiten

auf der

Straße.

Foto: Laura

Borsi

NETZ


Morgens gegen halb neun ist

Pantha Path, eine der großen Straßen

Dhakas, heillos mit Autos, Bussen,

Rikschas und Baby-Taxis verstopft.

Um neun beginnt die Büroarbeit,

so dass um diese Zeit

Hunderttausende kreuz und quer

durch die Stadt reisen. Heute morgen

steht mein CNG, das sind die

mit Gas betriebenen dreirädrigen

Taxis, zwanzig Minuten vor dem

Bashundhara City im Verkehrschaos

fest. Dieser riesige Glasturm beherbergt

das größte Einkaufszentrum

Südasiens, zumindest wird

das so behauptet. Das Hochhaus

ist innen offen, und man kann über

dutzende Rolltreppen bis ins obere

Stockwerk fahren und über die

Stadt blicken. Hier gibt es Fast Food,

CD-Läden und Modeboutiquen.

Am Abend gehört es zu den Lieblingsbeschäftigungen

des oberen

Mittelstands, hier über die Treppen

zu flanieren, Pizza zu essen, Geld

auszugeben – sehen und gesehen

werden eben. Bashundhara City ist

eine herunter gekühlte Glitzerwelt,

in denen man die heißen, dreckigen

Straßen von Dhaka schnell vergisst.

Eine Shopping Mall, wie sie auch

in Atlanta oder Berlin stehen könnte.

Nur McDonalds gibt es noch

nicht. Dafür ein riesiges Multiplexkino

mit allen Raffinessen. Da läuft

Hollywood und Bollywood parallel.

Das Popkorn kostet mehr als der

Tagesverdienst der meisten Bangladeschis.

Doch ich sitze unten im Verkehr.

Es wird langsam wieder heiß, und

zwischen den qualmenden Bussen

steht die Luft. Ich werde nervös,

denn wieder einmal komme ich zu

spät zur Arbeit. Der Motor ist

inzwischen aus, es geht nichts

voran. Mein Blick fällt auf ein klei-

Das Das Blumenmädchen

Blumenmädchen

von von Bashundhara Bashundhara City

City

Von Von Patrizia Patrizia Heidegger

Heidegger

nes Mädchen. Am Straßenrand sitzt

sie auf dem dreckigen Topf einer

Palme vor dem Bashundhara City.

Alles in dieser Straße ist bedeckt

vom Staub der Straße – die Stufen

zur Glitzerwelt, der Baum, das

Mädchen. Sie sieht mich nicht, denn

sie döst im Schatten. Ich versuche

zu lesen und hoffe, dass mich kein

Bettler oder Straßenverkäufer entdeckt.

Wenn man im Stau festsitzt,

ist man ihnen hilflos ausgeliefert.

Sie umzingeln das Auto, halten einen

an den Händen fest und wiederholen

stoisch: „Apa, den, den

apa! – Gib mir was, Schwester, gib

was!“ Ich gebe oft, aber allen geben

kann ich nicht. Und am nächsten

Tag werden sie wieder da sein,

wieder fragen. Es ist die eigene Hilflosigkeit,

die ich in einer solchen

Situation erlebe. Das unangenehm

bedrückende Gefühl, in diesem Taxi

zu sitzen, während andere draußen

stehen und ihr Überleben zusammenbetteln.

So in Gedanken verloren habe ich

plötzlich einen Strauß rote Rosen

im Gesicht. Das kleine Mädchen hat

mich zwischen den Autos entdeckt.

„Zehn Taka, Schwester“, sagt sie

lächelnd. Ich lehne ab. Sie versucht

es wieder und wieder: „Nur zehn

Taka!“ Ein Junge kommt auf der

anderen offenen Seite des Taxis hinzu.

„Du musst Englisch reden“,

sagt er seiner kleinen Freundin, „die

versteht dich nicht.“ „Die ist ein

Bangladeschi-Ausländer, die versteht

alles!“, antwortet die Kleine

frech. Inzwischen stehen zehn Kinder

um das CNG, die mir alle Bündel

roter Rosen entgegen halten.

Zunächst muss ich alle Namen lernen.

Zakir, Nobbi, Liton und wie

sie alle heißen – und natürlich

Shuma. Sie ist vielleicht zehn, und

Slums Slums in in Dhaka Dhaka

Dhaka

blitzschlau. Als ich sage, dass ich

aus Deutschland komme, schreit

sie: „Futbol desh – ein Fußball-

Land! Wie Italien!“ Die Rasselband

entdeckt das Bengalisch-Lehrbuch

auf meinem Schoß. „Gehst Du noch

zur Schule?“, fragen sie neugierig.

Sie gehen morgens alle zur Schule,

aber heute sind die anderen Kinder

auf einem Ausflug, den sie sich

nicht leisten können. Also verkaufen

sie heute den ganzen Tag Blumen.

Ob es meinen Eltern gut geht?

Ob es mir gut geht? Was ich arbeite,

wollen sie wissen und wo ich hinfahre.

Von meinem Namen haben

sie nur „Zia“ behalten, das reicht

auch.

Als der Verkehrspolizist zweihundert

Meter weiter vorne am

nächsten Kreisverkehr diese Straße

zum Weiterfahren freigibt, wirft der

CNG-Fahrer den Motor wieder an.

Inzwischen sitzen drei Kinder mit

mir auf der kleinen Sitzbank, weitere

zehn stehen um das kleine Gefährt

außen herum. Er hat die Szene

lächelnd beobachtet. „Kauf doch

noch Blumen!“, rufen sie alle. „Alle

zusammen für fünfzig Taka!“ Diesem

Angebot kann ich nichts entgegensetzen.

Da sitze ich nun mit

fünfzig dicken roten Rosen auf dem

Schoß, für die ich weniger als 60

Cent bezahlt habe. „Was soll ich

denn damit?“, frage ich. „Du hast

doch Kollegen“, weiß Shuma zu

antworten. „Und komm wieder!“

Das CNG fährt an.

Im Büro angekommen, staunen

meine Kollegen: „Was ist passiert,

woher hast du die Blumen?“ Ich

kann den dicken Strauß kaum zusammenhalten.

„Du strahlst ja so,

was ist denn?“ – „Später“, sage ich

nur, und suche einen großen Eimer

mit Wasser.

NETZ 5


Slums Slums in in Dhaka Dhaka

Dhaka

In Dhaka leben etwa 3,4 Millionen

Menschen in Slums. Etwa 40

Prozent dieser Bewohner haben

weniger als einen US-Dollar am

Tag zur Verfügung, 90 Prozent

weniger als 2 US-Dollar. Die Slums

in Bangladesch wachsen, weil die

Ungleichheit zwischen Armen

und Reichen zunimmt.

Slums Slums in in Dhaka

Dhaka

Auf Auf engstem engstem Raum Raum – – Lebenswelt Lebenswelt Slum Slum

Slum

Von Von Hasan Hasan Ashraf

Ashraf

Im Großraum Dhaka gibt es fast 5.000 Slums. Foto: Max Stille

Das bengalische Wort für Slum ist

basti (ausgesprochen „bosti“, Anm.

d. Red.). Gemeint sind damit Stadtteile

mit sehr schlechten Wohn- und

Lebensbedingungen. Die Zahl der

Slums in Dhaka, wie auch in anderen

Großstädten Bangladeschs, ist

in den letzten Jahrzehnten enorm

angewachsen. Slum-Bewohner

selbst mögen es oft nicht, wenn ihre

Wohnviertel mit diesem Begriff be-

zeichnet werden. Der Kontrast zwischen

den glitzernden Hochhäusern

und den Slums verweist auf

die ökonomischen, politischen, sozialen

und kulturellen Unterschiede

zwischen den beiden wichtigsten

Stadtbewohnergruppen, den

Armen und den Reichen.

Gewöhnlich umfasst der Begriff

„Slum“ Siedlungen mit wenigstens

zehn Haushalten oder Wohn-

6 NETZ


gebiete mit mindestens 25 Bewohnern,

die gekennzeichnet sind

durch oft sehr ärmliche Wohnverhältnisse.

Weitere Merkmale

sind eine hohe Bevölkerungsdichte,

schlechte Grundversorgung,

insbesondere im Bezug auf Wasser

und sanitäre Einrichtungen, ein

niedriger sozio-ökonomischen Status

und unsichere Wohnrechte. Um

als Slum bezeichnet zu werden,

muss eine städtische Siedlung

mindestens vier dieser Kriterien erfüllen.

Sehr ärmliche Wohnverhältnisse

können identifiziert werden durch

einfache Hütten, aus instabilem

Material wie Bambus, billigem Holz

und Schrottresten. Weitere Merkmale

eines Slums sind einfache Häuser,

mit Wänden aus Ziegelsteinen,

Dächern aus Wellblech und bereits

verfallene alte Gebäude, mit hoher

Einsturzgefahr. Viele Slum-Bewohner

stehen einer solchen Zuordnung,

die den materiellen Zustand

der Häuser betont, kritisch gegenü-

ber. Und trotz der schlechten Ausgangsbedingungen

hat sich in vielen

Slums eine lebendige Alltagskultur

entwickelt.

Hohe Bevölkerungsdichte

Slums gibt es in Dhaka schon seit

langer Zeit, doch hat ihre Zahl seit

der Unabhängigkeit 1971 stark zugenommen.

Ein Grund dafür ist der

ständige Zufluss von Menschen

aus ländlichen Regionen in das

Stadtgebiet. Oft sind Slumsiedlungen

die Orte, an denen sich ärmere

Neuankömmlinge niederlassen.

Gründe für ihre Landflucht

sind unter anderem Naturkatastrophen,

zunehmende Landlosigkeit

der armen Landbevölkerung, Arbeitslosigkeit

und sinkende Löhne.

In Dhakas Slums findet sich eine

breite Vielfalt verschiedener Berufsgruppen:

vom Bauarbeiter, Tagelöhner,

Textilarbeiter, über Wäscher,

Kellner, Haushaltshilfen, bis hin

zum fliegenden Händler und Kleinhändlern.

Einige neue Slums wer-

Slums Slums in in in Dhaka Dhaka

Dhaka

den auf privatem Land errichtet.

Die Slum-Bewohner müssen dann

dem Landbesitzer Miete zahlen.

Viele Slums entstehen auch auf ungenutzten

Landflächen, die dem

Staat gehören, etwa entlang Eisenbahnschienen.

Dhaka ist die größte Stadt im

Land. 34 Prozent der städtischen

Bevölkerung Bangladeschs leben

hier. Ihren Bewohnern bieten sich

ökonomische, soziale und politische

Möglichkeiten wie in keiner

anderen Stadt in Bangladesch. In

den letzten 50 Jahren ist Dhaka sehr

schnell gewachsen. Das eigentliche

Stadtgebiet, die „Dhaka City Corporation“,

umfasst 145 Quadratkilometer

und hatte 2005 offiziellen

Angaben zufolge etwa 7,2 Millionen

Einwohner. Der Großraum

Dhaka, die „Dhaka Metropolitan

Area“, umfasst 306 Quadratkilometer.

Seine Einwohnerzahl wurde

2005 auf 9,1 Millionen geschätzt.

Inoffizielle Schätzungen der aktuellen

Einwohnerzahl gehen jedoch

An keinem anderen Ort in Bangladesch wird der Kontrast zwischen arm und reich deutlicher als in Dhaka.

Foto: Max Stille

NETZ 7


Slums Slums in in Dhaka Dhaka

Dhaka

Sauberes Trinkwasser in den Slums bekommt man oft nur an einer der wenigen Pumpen. Foto: Max Stille

von über 14 Millionen Menschen

für den Großraum Dhaka aus.

Staatlichen Angaben zufolge lebten

1996 1,5 Millionen Menschen in

den Slums von Dhaka. 2006 waren

es schon 3,4 Millionen. Innerhalb

eines Jahrzehnts hat sich die Zahl

der Slum-Bewohner also mehr als

verdoppelt. Slums gibt es überall in

Dhaka. In Slum-Gebieten wohnen

auf einem Quadratkilometer durchschnittlich

205.415 Menschen. Damit

ist die Bevölkerungsdichte in

den Slums zehnmal höher als in

ganz Dhaka. Im Großraum Dhaka

gibt es 4.976 zusammenhängende

Slum-Gebiete. Insgesamt leben in

Bangladesch 5,4 Millionen in

Slums, z.B. auch in Chittagong und

Khulna.

Soziales, politisches und kulturelles

Leben in einem Slum

Das Leben der Slum-Bewohner ist

geprägt vom ständigen Kampf ums

Überleben, für ein Dach über den

Kopf und für genügend Nahrungsmittel.

Regelmäßig zeigen die Zeitungen

in Bangladesch Fotos von

verzweifelten Menschen neben ihren

von Planierraupen zerstörten

Behausungen. Die meisten Slum-

Bewohner verfügen über keine

Landrechte und leben daher in

ständiger Unsicherheit. So werden

Slums immer wieder zwangsgeräumt

und zerstört. Gelegentlich

brechen Feuer aus, ohne dass es einen

erkennbaren Grund dafür gibt.

Die marode Infrastruktur, aber

genauso gut auch Brandstiftung,

können hierfür die Ursache sein.

Wenn ein Slum gewaltsam geräumt

wird, müssen die Bewohner an einen

anderen Ort übersiedeln. So

ändert sich zwar sein Ort, aber der

Slum an sich bleibt. Eine Tendenz

ist, dass sich neue Slums immer

weiter vom Stadtzentrum Dhakas

entfernen. Doch viele Slum-Bewoh-

ner leisten Widerstand gegen die

Zerstörung ihrer Häuser.

Egal, ob sich die Slums auf staatlichem

oder privatem Land befinden,

das Besitzrecht liegt nur bei

einigen wenigen. Diese Personen

üben soziale und politische Macht

über die Slum-Bewohner aus. Sie

organisieren das Eintreiben der

Mieten und vermitteln bei Streitigkeiten.

Diese „Slum-Führer“ sind

Teil einer größeren Machtstruktur.

Da Slum-Bewohner einen bedeutenden

Anteil an der Stadtbevölkerung

stellen, spielen sie auch eine

gewichtige Rolle bei National- und

Kommunalwahlen. Vor jeder Wahl

werden ihnen bessere Lebensbedingungen

versprochen. Und nach jeder

Wahl müssen sie erneut feststellen,

dass sich für sie nichts ändert.

Parlamentsabgeordnete, lokale

Beamte, Polizisten, Vertreter der

Slum-Elite und Gangster sind die

Interessengruppen, die ein Netz

8 NETZ


von Machtbeziehungen gebildet

haben. Sie spielen eine zentrale Rolle,

wenn es um die Verteilung von

staatlichen Geldern für die Slum-

Bewohner geht. Auch bei Slum-

Räumungen haben diese Leute ein

wichtiges Wort mitzureden.

Doch der Alltag der Slum-Bewohner

wird von anderen Aufgaben

geprägt. So spielt der Wunsch

nach sozialer Sicherheit eine wichtige

Rolle. Viele Bewohner zahlen

an die Slum-Elite regelmäßig bestimmte

Gebühren, um von ihnen

Schutz zu bekommen. Besonders

gefährlich ist das Leben für Mädchen

und junge Frauen. Einige von

ihnen versuchen, eine gewisse Sicherheit

zu erlangen, indem sie längere

Zeit als Haushaltshilfe bei reichen

Familien arbeiten. Aus ihrer

Sicht scheint es besser, sich unter

den Schutz eines Mächtigen zu stellen,

um nicht ständig von anderen

Männern belästigt zu werden. Entführungen

und sexuelle Gewalt

kommen in Slumgebieten häufiger

vor als in anderen Stadtteilen.

Die hygienischen Bedingungen

in Slums sind oft katastrophal. Unzureichende

sanitäre Einrichtungen,

Blockaden bei der Wasserzufuhr,

das Fehlen eines Abwassersystems

und der Mangel an sauberem

Trinkwasser sind die Ursache

für viele Krankheiten. Auch die medizinische

Versorgung ist unzureichend.

Deshalb ist der gesundheitliche

Zustand der meisten Slum-Bewohner

schlecht. Der niedrige Lebensstandard

der Menschen wird

auch durch den Mangel an Elektrizität

und Kochgas geprägt.

Kinder, die unter diesen Bedingungen

aufwachsen, stehen vielfältigen

Schwierigkeiten gegenüber. In

den Slums gibt es vor allem staatliche

und von NGOs geleitete Privat-

schulen. Doch Anreize wie kostenlose

Schulbücher alleine reichen

nicht aus, um die Kinder zu motivieren,

am Schulunterricht teilzunehmen.

Die schlechte Ausstattung

der Schulen, die unzureichende

Unterstützung durch die Eltern, die

Entfernung der Schule zum Slum

und die oftmals unzureichende

Ausbildung der Lehrer sind die

wichtigsten Gründe, warum viele

Slum-Kinder die Schule vorzeitig

abbrechen oder gar nicht erst besuchen.

Doch der Lebensalltag der Slum-

Bewohner wird auch durch Hoffnungen,

Träume und Feste geprägt.

Sie versuchen, ihren Kindern den

Zugang zu Bildungseinrichtungen

zu ermöglichen. Menschen verlieben

sich ineinander, und Ehen werden

geschlossen. Viele Bewohner

haben seit Langem ihre Verwandten

nicht mehr gesehen und mussten

so neue soziale Netzwerke aufbauen.

Dieses moderne soziale

Netzwerk ist prägend für die Slumgebiete

in Dhaka. Es kann dabei hilfreich

sein, um einen Job oder ein

Darlehen zu bekommen oder um die

Kinderbetreuung von arbeitenden

Eltern zu organisieren. In Teebuden

oder kleinen Läden werden gerne

beliebte Fernsehsendungen und

Spielfilme gemeinsam geschaut.

Religiöse und nationale Feiertagen

werden ausgiebig und in bunten

Farben gefeiert.

Ausblick

Vor kurzem hat die Regierung damit

begonnen, für ehemalige Slum-

Bewohner außerhalb der Stadt Unterkünfte

zu schaffen. Doch die

Zahl derjenigen, die durch Slumräumungen

ihr Zuhause verlieren,

ist immer noch viel größer als derje-

Slums Slums in in in Dhaka Dhaka

Dhaka

nigen, die durch Rehabilitierungsprogramme

neue Unterkünfte bekommen.

Einige Räumungen konnten

vermieden werden, indem

NGOs wie Ain o Salish Kendra und

BLAST vor Gericht Einspruch einlegten.

Aber das ist nur ein Tropfen

auf den heißen Stein. Eine der wichtigsten

Aufgaben ist aber nach wie

vor ungelöst: den Bewohnern der

unzähligen Slums innerhalb der

Stadt ein Leben unter menschenwürdigen

Bedingungen zu ermöglichen.

U.a. wurden folgende Quellen für den

Artikel verwendet: „Slums of Urban

Bangladesh, Mapping and Census

2005“ vom ‚Centre for Urban Studies’

(CUS) und Mamun Rashids Studie

„Slum Eviction in the Eye of Slum

Dwellers: An In-depth Observation.“

Übersetzung: Christian Weiß.

Der Ethnologe Hasan

Ashraf ist Dozent an

der Jahangirnagar

University in Savar

im Norden Dhakas

und Mitarbeiter des

Forschungsprojekts

„Religionen und das

Programm zur

Entwicklungsforschung“ am Bangladesh

Institute of Development Studies (BIDS).

NETZ 9


Slums Slums in in Dhaka Dhaka

Dhaka

„Ich „Ich bin bin frei frei wie wie ein ein V VVogel“

V ogel“

Morgens um zehn ist auf der

Johnson Road in Dhaka jede Menge

los. Ein endloses Band aus Rikschas

zieht klingelnd vorüber. Die Straße

verbindet Sadarghat, den Flusshafen

im alten Stadtkern Dhakas, mit

den großen Straßen der modernen

Stadt. Verbeulte Busse sammeln

ohne anzuhalten Fahrgäste auf.

Hin und wieder kommen Pferdekutschen

vorbei, eine Besonderheit

Altdhakas. Auf den Bürgersteigen

der Johnson Road und im Bahadur

Shah Park sitzen immer zahlreiche

Bettler, Obdachlose, auch Drogenabhängige

und Prostituierte. Auf

dem Mittelstreifen spielen ein paar

Kinder, deren Mütter in der Umgebung

Müll sammeln.

Im ersten Stock eines Gebäudes

sitzen rund fünfzehn Kinder an

zwei großen Holztischen. Manche

malen mit Wachsstiften leuchtende

Bilder, andere schreiben mit noch

ungelenker Hand in ihr Heft. Auf

den ersten Blick möchte man meinen,

in einer ganz normalen Schule

zu sein. Doch diese Kinder führen

kein normales Leben: Mit ihren

zehn, zwölf oder vierzehn Jahren

führen sie bereits das Leben eines

Erwachsenen, tragen die Verantwortung

für ihr eigens Leben. Die

meisten dieser Kinder sind Straßenkinder,

das heißt sie haben kein

Zuhause und meist auch keine Eltern

mehr.

Mitarbeiter des Straßenkinder-

Projektes ARISE schätzen, dass es

in Bangladesch rund 680.000 Straßenkinder

gibt. Diese arbeiten und

betteln den ganzen Tag auf der Straße.

Ein Teil dieser Kinder muss sich

allein und gänzlich ohne Familienangehörige

durchschlagen, andere

kehren abends zu ihren Familien in

die Slums zurück. Besonders an

Verkehrsknotenpunkten wie dem

Aus Aus dem dem Leben Leben der der Straßenkinder Straßenkinder von von Dhaka

Dhaka

Von Von Von Patrizia Patrizia Patrizia Heidegger

Heidegger

Flusshafen von Dhaka, dem Bahnhof

Kamlapur, dem Busterminal

Gabtoli, dem Nationalstadion und

dem großen Mark Kowran Bazar leben

viele Straßenkinder. Sie schlafen

in alten Schuppen, am Flussufer,

in nahe gelegenen Parks oder

auf dem Gehweg. Hier suchen sie

tagsüber kleine Handlangertätigkeiten

wie Gepäck tragen,

Täglich kämpfen Straßenkinder, wie

der zehnjährige Farid, gegen Hunger

und Ausbeutung.

Foto: Patrizia Heidegger

Wasserflaschen verkaufen oder Gemüse

waschen. Die Allermeisten

arbeiten aber als Müllsammler.

Ohne jeglichen Schutz sortieren sie

Verwertbares aus stinkenden Müllbergen

und sammeln Papier, Plastik

und Metallgegenstände von der

Straße auf. Ein Kind kann an einem

Tage etwa 50 Cent verdienen. Mit

diesem Geld muss es auskommen.

Ein Zehnjähriger entscheidet selbst,

wie viel Geld er für Nahrungsmittel

ausgibt oder wann er sich eine neue

Hose leisten kann.

Farid ist zehn Jahre alt. Er ist alleine

aus dem Distrikt Barisal nach

Dhaka gekommen. Vor einiger Zeit

ist sein Vater gestorben. Seine Mutter

konnte den Jungen nicht ernähren.

So musste er allein sein Glück

suchen. Vor wenigen Wochen ist er

nach über einem Jahr in sein Dorf

zurückkehrt, doch seine Mutter hat

er nicht mehr gefunden. Sie hat

wieder geheiratet und lebt jetzt mit

ihrem neuen Mann zusammen.

Farid ist mit diesem Schicksal nicht

allein. Viele Straßenkinder sind

Halbwaisen, und nach der erneuten

Hochzeit des verbleibenden Elternteils

ist in der neuen Familie

kein Platz mehr für das Stiefkind.

Manche Straßenkinder sind aber

auch Vollwaisen. Viele Kinder leben

auf der Straße, weil ihre Eltern

keinen festen Wohnsitz haben. Und

es kommt auch vor, dass Kinder von

Zuhause weglaufen, weil sie von

Familienangehörigen geschlagen

werden oder zu wenig zu essen bekommen.

Farid verbringt seine Tage am

Flusshafen von Dhaka. Nachts

schläft er mit drei Freunden am Ufer

oder an den Anlegestellen. Zurzeit

lebt er vom Müllsammeln. Wenn er

Papier, Kunststoff und Metall in seinem

Plastiksack gesammelt hat, verkauft

er den Müll an einen Händler.

Manchmal arbeitet er auch als

Wasserträger für die Fahrgäste der

Flussfähren. Farid verdient mit seiner

Arbeit jeden Tag rund 50 Cent,

die er selbst verwaltet. Doch das

Geld reicht oft nur für das Nötigste.

„Ich esse in einem der Straßenrestaurants

am Hafen,“ erzählt er

lachend. Er umarmt seinen Freund

Sohel: „Wir sind meist zu viert, vier

Freunde!“ Farid kann dreimal am

Tag essen. Doch der Speiseplan ist

nicht sehr ausgewogen: eine Portion

Reis mit dünner Linsensoße,

manchmal ein bisschen Gemüse.

10 NETZ


Seit ein paar Tagen trägt er eine neue

Hose: Sie ist viel zu groß und hat

bunte Blumenstickereien. Farid

strahlt: „Die Hose habe ich für 12

Cent bekommen!“

Einfach ist dieses Leben nicht.

Eine der größten Gefahren sind

Drogen. Die Sozialarbeiterin Mina

schätzt, dass rund drei Viertel aller

Straßenkinder im Alter zwischen

zehn und sechzehn Jahren Rauschmittel

konsumieren. Die Kinder

schnüffeln Klebstoff, mit dem Schuhe

verleimt werden, oder nehmen

Beruhigungs- und Schlaftabletten.

Diese Substanzen werden von

Dealern für wenige Cent am Hafen

angeboten. Ein Junge, der heute

wieder malend am Tisch sitzt, hat

gerade einen achtmonatigen Entzug

hinter sich. Ob der Junge in Zukunft

ohne Drogen leben kann, ist fraglich.

Heute arbeitet er in einer Teebude,

wo er auch schlafen kann. Er

trägt eine große Sonnenbrille aus

Plastik und ist mit seinen fünfzehn

Jahren einer der Großen. „Ich habe

einfach nicht ertragen, dass meine

Mutter mich nicht gern hat“, sagt er

leise.

Wenn die Kinder krank werden,

ist keiner da, der hilft. Aufgrund der

unhygienischen Bedingungen sind

Farids Freundin Rabeya fängt auf ihrem Bild die Hektik der Stadt ein.

Zeichnung: Rabeya

Durchfall und Hautkrankheiten

häufig. Oft geraten sie in Schlägereien

oder werden bei Unfällen verletzt.

Manchmal haben die Kinder

Heimweh, vermissen ihre Eltern

und ein Zuhause. Ein anderes Mal

gibt es Streit unter ihnen oder mit

anderen Bettlern und Bewohnern

des Hafens. Regelmäßig verschwindet

ein Straßenkind für ein paar

Tage, Wochen oder Monate. Wenn

Der Flusshafen Sadarghat: Heimat für viele Straßenkinder in Dhaka. Foto: Patrizia Heidegger

Slums Slums in in Dhaka Dhaka

Dhaka

es an einem Ort Ärger gibt oder die

Kinder sich aus anderen Gründen

nicht mehr wohl fühlen, besteigen

sie eine der Fähren und fahren an

einen anderen Ort, um dort einige

Zeit zu arbeiten. Meist kommen sie

irgendwann wieder zurück nach

Dhaka. „Ich bin frei wie ein Vogel“,

sagt Farid. Regeln, die ihm andere

vorschreiben, mag er nicht. Er zieht

dorthin, wo es ihm gefällt.

NETZ 11


Slums Slums Slums in in in Dhaka

Dhaka

Fünf Fünf Quadratmeter Quadratmeter Zuhause

Zuhause

und und T TTausend

T ausend Sorgen

Sorgen

Noch bevor der Muezzin gegen halb

fünf zum Morgengebet ruft, steht

Zakir auf. Der Zehnjährige

schleicht sich leise aus der kleinen

Hütte, in der seine Mutter noch

schläft, und geht die enge, schmutzige

Gasse zur Straße vor. Zu Fuß

erreicht er den Bazar von Shantibagh,

einem Stadtviertel im Zentrum

von Dhaka. Wenn der Ruf zum

Gebet ertönt, ist Zakir schon bei der

Arbeit. In einem kleinen Laden

wäscht er das Gemüse und richtet

es zum Verkauf her. Hier werden

Kartoffeln, Zwiebeln, Chili, Kohl,

Karotten sowie Kakrol und Potol,

zwei lokale Kürbisarten, verkauft.

Zakir kann sie alle aufzählen. Er

hilft dem Händler jeden Morgen

etwa vier Stunden lang. Dafür bekommt

er keinen Lohn. Nach getaner

Arbeit darf er faules Gemüse

mitnehmen. Das kann er an einem

guten Tag für maximal 40 Cent an

einen anderen Händler weiterverkaufen.

Das ist sein Verdienst.

Gegen neun Uhr hält Zakir seinen

mageren Lohn in den Händen

und geht zurück nach Hause. Von

einer geteerten Straße biegt eine

schlammbedeckte Gasse ab. Rechts

stehen ein paar Schuppen, in denen

sich Müll stapelt. Links gibt es

zwei, drei kleine Buden, die das

Nötigste verkaufen: Seife, Getränke,

Kekse, Zigaretten, Betelnuss und so

weiter. Auf einem schmutzigen

Von Von Patrizia Patrizia Heidegger

Heidegger

Platz stehen zwei ausgediente Rikschas.

Einige Männer der Slumsiedlung

hocken auf dem Boden

und reden. Rechts und links einer

engen Gasse drängen sich elf Hütten.

Eine davon bewohnt Zakir mit

seiner Mutter.

Ihre Unterkunft besteht aus Matten

geflochtenen Bambus’ und einem

Wellblechdach. Die Tür, eine

Strohmatte auf kleine Stöcke gespannt,

geht nur einen Spalt weit

auf, dann stößt sie gegen das Bettgestell.

Die Hütte hat eine Fläche

von vier oder fünf Quadratmetern.

Aufrecht stehen kann man in ihr

kaum. Mehr als zwei Drittel des

Raumes nimmt das Bett ein. Darunter

lagern die beiden ihre Habseligkeiten:

ein paar Decken aus alten

Saris zusammengenäht, einige zerschlissene

Kleidungsstücke, ein

Rucksack. Von der Decke baumeln

zwei kleine Beutel mit Zwiebeln.

Links neben der Tür steht ein

Metallschränkchen, das die Blechteller

und Schüsseln der beiden bewahrt.

Von der Decke hängt ein alter

Ventilator und eine Glühbirne –

das ist der ganze Luxus ihres Zuhauses.

Manowara Begum, die Mutter,

hat auf dem Lehmofen vor der Hütte

Reis gekocht. Zakir bringt noch

etwas Gemüse mit. Endlich kann

der Junge frühstücken. Manchmal

essen sie nur Reis. Die Mutter lä-

chelt hilflos. „Wir sind arme Leute“,

sagt sie, „unser Einkommen ist

sehr gering.“ Sie ist als junge Frau

von Pabna im Westen Bangladeschs

nach Dhaka gekommen. Als

ihre Eltern starben, musste sie das

Dorf verlassen.Eine ihrer Schwestern

war gestorben, die zweite verheiratet

und weggezogen, und der

Bruder mit seiner Frau wollten

Manowara nicht auch noch mitversorgen.

Die Familie besaß kaum

Land, und der Bruder musste seine

eigenen Kinder ernähren. So zog

Manowara nach Dhaka. Wann sie

gekommen ist, weiß sie nicht mehr.

„Es war während der Herrschaft

von Ershad“ (1982-1990, Anm. d.

Red.), erklärt sie. Seitdem zieht sie

in Shantibagh von einem Slum zum

nächsten.

Anfangs war sie voller Hoffnung.

Sie hatte geheiratet und eine Stelle

als Haushaltshilfe angenommen.

Ihr Mann erledigte Elektrikarbeiten.

Sie bekamen einen Sohn – Zakir.

Doch als das Kind drei Monate alt

war, starb ihr Mann an einem

Stromschlag. Plötzlich war sie allein

mit einem Säugling. Den ganzen

Tag bei fremden Leuten arbeiten,

das konnte sie mit einem kleinen

Kind nicht mehr. In den Stunden,

in denen Zakir von anderen

Leuten betreut werden konnte, fing

sie an, Ziegelsteine zu klopfen. Vor

allem für den Haus- und Straßen-

12 NETZ


au werden in Bangladesch zunächst

aus Lehm Ziegel gebrannt

und dann mit großer Mühe von einem

Heer aus Steinklopfern in feine

Stücke geschlagen. „Die Ziegel sind

groß und schwer“, erklärt Zakir und

zeigt dabei mit Handbewegungen

die Form eines Steins an. Seine Mutter

ist durch die harte Arbeit schnell

gealtert. Sie ist vielleicht 45 Jahre

alt, das weiß sie nicht so genau. Ihre

körperliche Verfassung ist die einer

Greisin. Ihr Gesicht ist gegerbt vom

jahrelangen Sitzen in der prallen

Sonne. Ihre feinen Hände sind rau

geworden, die Nägel schwarz. Die

Augen blicken sorgenvoll aus tiefen

Höhlen. Doch Manowara lächelt

viel. Dann sieht man ihre Zähne,

die vom vielen Kauen der Betelnüsse

braun gefärbt sind. „Meine

Mutter hat Schmerzen in der Brust“,

erzählt Zakir, „und nach einem Tag

Steineklopfen tun ihr die Arme und

Hände weh.“

Zakir malt am allerliebsten bunte

Bilder mit Wasserfarben. Weil zu

Hause kein Platz zum Spielen ist,

geht er vormittags zum „Drop-in“-

Zentrum, dem Treffpunkt für die

arbeitenden Kinder des Viertels,

den die Menschenrechtsorganisation

Ain o Salish Kendra (ASK)

unterhält. Hier trifft er seine Freunde:

Der kleine Zasuddin unterstützt

als Müllsammler seine Familie; die

neunjährige Rokeya hilft im Haushalt

fremder Leute mit. Im Zentrum

kann Zakir zwei Stunden entspannen.

Es gibt eine Kiste voller bunter

Stifte und jede Menge Hefte. Wenn

alle malend im Kreis sitzen, fängt

immer einer an, ein Lied zu singen.

Zakir kann fast alle Lieder von

Salma auswendig. Salma, ein Mädchen

aus einfachen Verhältnissen,

hat einen Gesangswettbewerb im

Fernsehen gewonnen und ist zur

Der zehnjährige Zakir ist in einem namenlosen Slum in Dhaka zuhause.

Foto: Patrizia Heidegger

Heldin der Kinder geworden. Um

Punkt elf muss Zakir in der Schule

sein. Er besucht die zweite Klasse

der Shantibagh School. Bis um zwei

Uhr lernt er Bengalisch, Englisch

und Mathe. Danach geht er noch

mal zum Treffpunkt von ASK. Die

Erzieherinnen heben etwas vom

Mittagessen für die Schulgänger auf

– eine Banane und zwei Scheiben

Toastbrot pro Kind, manchmal auch

Reis und ein Ei.

Slums Slums in in Dhaka Dhaka

Dhaka

Zakir ist ein sehr guter Schüler.

Er ist wissbegierig und stellt viele

Fragen. Wenn er malt oder schreibt,

sitzt er hochkonzentriert auf seiner

Bank. Seine braunen Augen blinzeln

unruhig. Während die anderen

Kinder aufgeregt hin- und herspringen,

wirkt Zakir fast schon erwachsen.

Er kann sich an alles erinnern:

Dutzende von Lieder hat er

auswendig gelernt, er kennt viele

Lesen Sie weiter auf Seite 16.

NETZ 13


14

NETZ


„Kinder sollen fliegen lernen“ – so der Leitsatz des Schriftstellers

Ahmed Sofa. 1980 gründete er die Sultan-Sofa-Schule,

eine Slumschule in Dhaka. Sein Ziel war den Slumkindern eine

bessere Zukunft zu ermöglichen und ihr Selbstvertrauen zu

stärken.

Heute gehen 240 Kinder dort regelmäßig zur Schule und

werden in Bengalisch, Englisch, Mathematik, Sozialkunde,

Kunst und Religion unterrichtet. Foto: Max Stille

NETZ 15


Slums Slums Slums in in in Dhaka

Dhaka

Zakir und seine Mutter Manowara. Sie verdient knapp 55 Cent am Tag; allein die Monatsmiete beträgt 8,50

Euro. Foto: Patrizia Heidegger

Orte in Dhaka, weiß, wer sein Land

regiert, und kann die Funktionsweise

einer Schaukel anhand einer

eigenen Skizze erklären. Wenn man

ihn nach seiner Zukunft fragt, dann

sagt er: „Ich möchte Doktor werden.

Ich werde der beste Arzt von Bangladesch.“

Er weiß, dass er dafür viel

lernen muss, aber das nimmt er hin.

Er hat seinen Traum.

Seine Mutter im Slum ist weniger

optimistisch. Sie weiß sehr genau,

dass ihr Kind besonders begabt ist.

Doch wie kann sie den Jungen bei

seinem Vorhaben unterstützen,

wenn sie nicht einmal weiß, wie sie

ihr tägliches Leben bewältigen soll?

Sie verdient knapp 55 Cent, wenn

sie es schafft, 100 Ziegelsteine am

Tag in feinen Kies zu schlagen. Allein

die Hütte im Slum kostet 8,50

Euro im Monat, über die Hälfte ihres

Monatslohns. Es reicht kaum

zum Essen. Manowara weint. „Was

wird aus dem Jungen, wenn ich

sterbe?“ fragt sie sich. „Ich habe keine

Verwandten, niemanden, der

uns hilft.“ Vor ein paar Jahren hat

sie ein zweites Mal geheiratet, in

der Hoffnung, in etwas mehr Sicherheit

leben zu können. Ihr zweiter

Mann verkauft Ananas auf der Straße.

Was sie nicht wusste: Er hatte

bereits eine Frau und Kinder. Er

kommt manchmal vorbei, aber auf

Unterstützung kann sie nicht hoffen.

„Wenn ich krank bin, kann ich

nicht arbeiten; und wenn ich nicht

arbeite, haben wir nichts zu essen“,

sagt sie.

Es ist Abend geworden in dem

kleinen namenlosen Slum von

Shantibagh. Die Frauen knien zwischen

Schlamm und Müll am Boden

und kochen, was sie heute finden

konnten. Auch auf Manowaras

Ofen kocht nur Reis und etwas altes

Gemüse. „Kartoffeln können wir

uns nicht leisten“, sagt Zakir, „die

sind zu teuer geworden.“ An der

Wasserpumpe waschen sich Kinder

mit lautstarkem Geschrei. Der

Betonring einer Latrine ist zerbrochen,

wird aber von allen Bewohnern

weiter benutzt. Das Wasser

aus der Pumpe trinken die Menschen

hier unabgekocht. Zakir

schämt sich für sein Zuhause: „Hier

ist alles voller Schmutz“, sagt er mit

hängendem Kopf und streicht das

Tuch auf dem Bett glatt. Mit seinen

zehn Jahren nimmt er die Unterschiede

zwischen den Lebensverhältnissen

der Menschen in seiner

Stadt genau wahr. Auf einem

Bild von Dhaka, das er stolz präsentiert,

hat er ein hohes Haus mit

Glasaufzug gemalt. Auf dessen

Dach wächst ein großer Baum, an

dem reife Mangos hängen: „Haben

Sie das noch nie gesehen? Es gibt

Häuser mit Gärten auf dem Dach,

da wachsen viele Bäume, und

manchmal gibt es Schaukeln für die

Kinder.“

16 NETZ


Dhaka Dhaka – – Ort Ort neuer neuer Möglichk Möglichkeiten

Möglichk eiten

Hafeza, Hafeza, Hafeza, 56

56

Dhaka war für mich die einzige

Möglichkeit, meinen Sohn und mich

zu ernähren, als mich mein Mann

verließ. Ich stamme aus einem Dorf

im Distrikt Dinajpur. Vor 30 Jahren

heiratete mein Ehemann erneut und

verstieß mich und unseren Sohn.

Zurück zu meiner Familie konnte

ich nicht. Daher blieb mir nichts

anderes übrig, als in die Hauptstadt

zu gehen. Hier versuchte ich mich

zuerst als Haushaltshilfe. Heute arbeite

ich als Köchin für eine wohlhabende

Familie in Banani, wo ich

auch lebe. Meine Ernährungssituation

und meine Wohnung sind

besser als vor 30 Jahren, und von

dem Einkommen kann ich meinen

Sohn und seine Familie unterstützen.

Zwar wohnen meine beiden

Enkel in dem Slum Karail bei

Gulshan, aber sie gehen zur Schule

und bekommen so die Bildung, die

meinem Sohn verwehrt blieb.

Dhaka ist für mich die modernste

Stadt in Bangladesch und der einzige

Ort, an dem sich neue Möglichkeiten

für Menschen in Not eröffnen.

Ich kann sogar Geld sparen,

um später, wenn ich nicht mehr arbeiten

kann, wieder aufs Land zurückzukehren.

Protokoll und Fotos: Carmen Brandt.

Drei Drei Drei Stadtbewohner Stadtbewohner berichten

berichten

Abdullah Abdullah Zafar Zafar, Zafar , 45 45

45

Drei Punkte fallen mir zu Dhaka

ein: 1. Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten,

2. Landflucht, schnelles

Wachstum der Stadtbevölkerung

und Lärm und 3. Stadt der Politik

und Macht. Alle drei Punkte sind

dicht miteinander verwoben und

bedingen einander. Gebildete, Reiche

und Talentierte aus ländlichen

Gebieten versuchen hier einen Job

zu ergattern oder ein Geschäft zu

etablieren. Viele der ankommenden

Menschen aus armen Familien versuchen

ihr Glück in Dhaka hauptsächlich

im informellen Sektor. Gerade

im Ramadan findet man mehr

Bettler auf den Straßen. Nach dem

Ende der Fastenzeit kehren sie

wieder in ihr Dorf zurück; manch

einer bleibt aber auch in der Stadt.

Ich selbst kam 1989 aus Chittagong

hierher, da die beruflichen Perspektiven

in Dhaka wesentlich besser

waren. Als Trainer und Vermittler

im entwicklungspolitischen Bereich

erhalte ich hier mehr Aufträge.

Zudem habe ich meine eigene

sozialpolitische Fernsehsendung

„Ei Mon“ beim Fernsehsender RTV

und kann als Dokumentarfilmer arbeiten.

Hätte ich die gleichen Möglichkeiten

in Chittagong, würde ich

sofort wieder in meine Heimatstadt

ziehen.

Rita Rita Das, Das, 26 26

26

Slums Slums in in Dhaka Dhaka

Dhaka

Bevor ich nach Dhaka kam, fielen

mir nur positive Dinge zu dieser

Stadt ein. Und als ich dann 2003

von Mymensingh hierher zog, wurden

diese Wunschvorstellungen

fast komplett bestätigt. Mein Vater

hatte einen Schreibwarenladen,

und meine Mutter war schon immer

Hausfrau. Als mein Vater schwer

erkrankte, zog ich zu einem Bruder

ins nördlich von Dhaka gelegene

Tongi. Durch Zufall bekam ich eine

Anstellung bei einer Organisation

im entwicklungspolitischen Bereich,

für die ich noch heute arbeite.

Dank dieser Stelle konnte ich in ein

Wohnheim für arbeitende Frauen in

Dhaka ziehen, parallel sogar mein

Studium der Betriebswirtschaftslehre

abschließen und meine Familie

finanziell unterstützen. Das

Schönste an meinem Umzug nach

Dhaka ist meine Unabhängigkeit.

Hier fühle ich mich freier als in

Mymensingh, und ich lerne Leute

und Ideen kennen, die mir sonst verborgen

geblieben wären. Die offensichtliche

Armut auf den Straßen

Dhakas stimmt mich oft sehr traurig,

und der Lärm ist manchmal fast

unerträglich. Dennoch bleibt Dhaka

für mich die Stadt mit dem Zugang

zum Rest der Welt – die Stadt, die

mir ermöglichte, mich zu verwirklichen.

NETZ 17


Politik Politik & & Gesellschaft

Gesellschaft

Khaleda Khaleda Zia Zia verhaftet

verhaftet

Khaleda Zia, Präsidentin der Bangladesh

Nationalist Party und ehemalige

Premierministerin des Landes,

ist Anfang September verhaftet worden.

Zur gleichen Zeit wurde auch

ihr Sohn Arafat Rah-man Koko in

Untersuchungshaft genommen. Ihnen

wird Korruption und Steuerhinterziehung

vorgeworfen. Bereits

Mitte Juli war die Präsidentin der

Awami League Sheikh Hasina inhaftiert

worden. Auch gegen sie wird

aufgrund von Korruptionsanklagen

ermittelt.

Beide Parteivorsitzenden befinden

sich gegenwärtig in zwei separaten

zum Gefängnis umfunktionierten

Wohnhäusern auf dem Gelände

des Parlaments in Dhaka. Ihnen

stehen jeweils Köche und Haushälterinnen

sowie ein Arzt zur Verfügung.

Sie erhalten jeden Tag eine

Auswahl an Tageszeitungen und

können den staatlichen Sender B-

TV sehen. Besucher dürfen sie nicht

empfangen. Sowohl Sheikh Hasina

als auch Khaleda Zia beteuern ihre

Unschuld. Beide bezeichnen ihre

Verhaftung als Komplott gegen sie

und ihre Parteien. Eine Verurteilung

würde für beide den Ausschluss

von einer erneuten Kandidatur

für das Parlament und damit

auch für das Premierministeramt

bedeuten. (ph/nr)

Machtkämpfe Machtkämpfe in in in der der BNP

BNP

und und und Awami Awami League

League

Seit dem Frühjahr hat sich in der

Bangladesh Nationalist Party (BNP)

eine Gruppe von Reformern um Generalsekretär

Abdul Mannan Bhuiyan

gesammelt, die Vorschläge für

mehr Demokratie innerhalb der Partei

erarbeiten wollen. Würden die

Reformvorschläge angenommen,

würde dies u.a. die Entmachtung

der Parteivorsitzenden Khaleda Zia

bedeuten. Nach der Verhaftung von

Zia hat sich zwischen den Unterstützern

von Bhuiyan und Anhängern

der Parteivorsitzenden eine

tiefe Spaltung entwickelt. Noch am

Tag ihrer Verhaftung hat Khaleda

Zia Bhuiyan aus der Partei ausgeschlossen.

Gleichzeitig ernannte sie

Khandaker Delwar Hossain zum

neuen Generalsekretär. Bhuiyan

und weitere 130 teils hochrangige

Parteimitglieder, etwa ehemalige

Minister und Parlamentsabgeordnete,

lehnen Zias Handeln als

undemokratisch ab. Laut Parteiverfassung

hat die Vorsitzende das

Recht, Parteimitglieder und Amtsinhaber

zu entlassen. Bhuiyan versucht

nun, eine Mehrheit in der

BNP zu organisieren, um sich

dadurch legitimieren zu lassen.

Eine Spaltung der BNP in zwei Parteien

scheint möglich.

Auch innerhalb der Awami League

zeichnet sich nach der Verhaftung

Sheikh Hasinas ein Machtkampf

um die Parteiführung ab. Die

Gruppe um den amtsführenden

Parteivorsitzenden Zillur Rahman,

der von der inhaftierten Hasina eingesetzt

worden war, schließt Gespräche

mit der Wahlkommission

solange aus, bis die Präsidentin der

Partei aus der Haft entlassen ist. Die

Gruppe der Reformer in der Partei

um Amir Hossain Amu, der viele

namhafte Präsidiumsmitglieder der

Partei angehören, fordert inzwischen

zwar auch die Freilassung

Hasinas, knüpft daran aber keine

Bedingungen. Die Reformer möchten

auf jeden Fall in Dialog mit der

Wahlkommission treten und an der

voraussichtlich im Dezember 2008

stattfindenden Parlamentswahl,

gegebenenfalls auch ohne Sheikh

Hasina, teilnehmen. (ph/nr)

Verbot erbot innerparteilicher

innerparteilicher

innerparteilicher

Aktivitäten Aktivitäten teilweise teilweise

teilweise

aufgehoben

aufgehoben

Das seit Anfang März verhängte

Verbot aller innerparteilichen politischen

Aktivitäten ist von der Übergangsregierung

am 10. September

teilweise aufgehoben worden, u.a.

sind nun Sitzungen der Parteien

wieder zugelassen. Die Politiker

dürfen sich jedoch nur treffen, um

entweder über Reformen ihrer Parteien

oder die Reform des Wahl-

prozesses zu diskutieren. Die Polizei

muss über jegliches politische

Treffen vorab informiert werden.

Alle Aktivitäten sind auf die Stadt

Dhaka beschränkt. Bei Veranstaltungen

mit über 50 Teilnehmern

muss die Genehmigung des Innenministeriums

eingeholt werden.

Die Führungsspitzen der verschiedenen

Parteien kehrten nach

der Aufhebung des Verbots in ihre

Zentralen zurück. Das Büro der

Bangladesh Nationalist Party wurde

jedoch von der Polizei nicht freigegeben,

da die Übergangsregierung

befürchtet, die Anhänger der in sich

gespaltenen Partei könnten sich

Kämpfe um die Parteizentrale liefern.

Politische Veranstaltungen

und Kundgebungen im öffentlichen

Raum sind nach wie vor verboten.

Ferner gilt noch ein allgemeines

Verbot für Demonstrationen, Blockaden

und Streiks. (ph)

Ausschreitungen Ausschreitungen Ausschreitungen an an

an

den den Universitäten

Universitäten

Auf dem Gelände der Universität

von Dhaka brachen nach einem

Zwischenfall am 20. August für

mehrere Tage Unruhen aus. Auslöser

war eine gewaltsame Auseinandersetzung

zwischen Studenten

und Soldaten des Armee-Camps auf

dem Universitäts-Gelände während

eines Fußballspiels. Die Straßenschlachten

zwischen Studenten

und den Sicherheitskräften weiteten

sich rasch auf verschiedene

Landesteile aus. Die Regierung zog

das Armee-Camp vom Universitäts-

Gelände ab und entschuldigte sich

für das Verhalten der Sicherheitskräfte.

Weil dies nicht die erhoffte

Ruhe brachte, verhängte die Übergangsregierung

am 22. September

eine Ausgangssperre und räumte

die gesamte Universität von Dhaka.

Die Studenten mussten ihre Wohnheime

verlassen. Alle Einrichtungen

der Universität bleiben voraussichtlich

bis Ende Oktober geschlossen.

Die Ausgangssperre wurde erst

Tage später wieder aufgehoben.

Hunderte Menschen wurden bei

den Protesten verletzt; auf dem Ge-

18 NETZ


lände der Universität von Rajshahi

starb eine Person. Die aufgebrachte

Studentenschaft zündete Busse und

Privatautos an. Vier Professoren der

Universität von Dhaka und sechs

Professoren der Universität von

Rajshahi sind im Zusammenhang

mit den Unruhen verhaftet worden.

Ihnen wird vorgeworfen, den Aufruhr

angezettelt oder zumindest

unterstützt und die Notstandsverordnungen

der Übergangsregierung

missachtet zu haben. (ph/nr)

Preise Preise für für Lebensmittel

Lebensmittel

schnellen schnellen in in die die Höhe

Höhe

Seit Beginn des Jahres sind die Preise

für Grundnahrungsmittel, wie

Reis, Gemüse, Salz und Öl, in ganz

Bangladesch stark angestiegen. So

stiegen im Juli die Preise innerhalb

eines Monats stark an. Gründe des

Anstiegs sind u.a. die starke Flut im

Sommer, aber auch die traditionelle

Preissteigerung während des Fastenmonats

Ramadan (Mitte September

bis Mitte Oktober). Für die unteren

Einkommensklassen bedeuten

die hohen Preise eine Nahrungsmittelkrise.

Viele Menschen müssen

sich in ihren alltäglichen Essgewohnheiten

weiter einschränken.

So ist besonders Gemüse für viele

unbezahlbar teuer geworden. Neben

der Flut werden auch andere

Faktoren für den Preisanstieg verantwortlich

gemacht: erhöhte

Transportkosten, die Politik der

Übergangsregierung sowie Kartelle

internationaler und nationaler

Großhändler und Nahrungsmittelimporteure.

(ph)

Karikaturist Karikaturist verhaftet verhaftet

verhaftet

Der Karikaturist Arifur Rahman ist

auf Grund von „Verletzung religiöser

Gefühle“ verhaftet worden.

Rahman arbeitete bisher für Aalpin,

eine Zeitschrift der Tageszeitung

Prothom Alo. Mitte September hatte

Aalpin eine von ihm geschaffene

Zeichnung veröffentlicht, die die

weit verbreitete Verwendung des

Vornamen „Mohammed“ bei

männlichen Muslimen thematisiert.

Matiur Rahman, Herausgeber

von Prothom Alo, hat sich umgehend

für die Veröffentlichung der Zeichnung

entschuldigt und Arif sowie

den zuständigen Redakteur sofort

entlassen. Auch andere Medien verurteilten

die Karikatur als „nicht

akzeptabel“. Zwei Tage nach der

Veröffentlichung wurde Rahman in

Dhaka verhaftet. Die besagte Ausgabe

von Aalpin wurde umgehend

aus dem Handel genommen. In einem

Treffen mit islamischen Gelehrten

sagte Mainul Hosein, Rechtsberater

der Übergangsregierung,

man werde vereint gegen die „Verschwörung

zur Destabilisierung

des Landes“ vorgehen. Es gibt aber

auch Stimmen in Bangladesch,

insbesondere in Blog-Einträgen im

Internet, die die Reaktion auf die

Zeichnung als völlig überzogen bezeichnen.

Sie sehen die Pressefreiheit

in Gefahr und fordern die sofortige

Freilassung Rahmans.

(ph/nr)

Friedensabkommen riedensabkommen in in den

den

Chittagong Chittagong Chittagong Hill Hill T TTracts

T racts

bedroht

bedroht

Das Friedensabkommen in den

Chittagong Hill Tracts (CHT) droht

seine Gültigkeit zu verlieren. Der

High Court von Bangladesch hat

am 27. August ein Rechtsverfahren

im öffentlichen Interesse angestrengt

und die Regierung aufgefordert,

innerhalb von acht Wochen zu

erklären, ob das Friedensabkommen

von 1997 nicht die Souveränität

und Integrität des Staates verletze

und somit ungültig sei. Die CHT

sind Heimat von zwölf indigenen

Gruppen mit insgesamt etwa

600.000 Menschen. Zwischen 1979

und 1984 brachte eine Umsiedlungspolitik

400.000 bengalische

Siedler in das Bergland. Mit der

Siedlungspolitik ging auch eine

groß angelegte Militarisierung der

Region einher. Die indigenen Gruppen

wehrten sich gegen die Landwegnahme

und Enteignungen. Das

Militär ging hart gegen die Aufstän-

Politik Politik & & Gesellschaft

Gesellschaft

dischen vor. Erst das 1997 geschlossene

Friedensabkommen beendete

den Konflikt und dient seitdem als

Grundlage entwicklungspolitischer

Aktivitäten. Die aktuelle

Infragestellung der Rechtmäßigkeit

des Abkommens löst große Sorge

unter den indigenen Bewohnern

der CHT aus. In den vergangenen

Monaten wurden mehrere Führer

indigener Gruppen, die sich für die

Rückgabe enteigneter Ländereien

einsetzen, verhaftet und verurteilt.

(ds)

Schließung Schließung Schließung des des privaten

privaten

TV TV-Senders TV Senders CSB

CSB

Anfang September musste der private

TV-Nachrichtensender CSB

auf Anordnung der staatlichen

Regulierungsbehörde für Telekommunikation

den Sendebetrieb einstellen.

Der offiziellen Begründung

zufolge, soll es Unregelmäßigkeiten

bei der Lizenzbeantragung durch

die Verantwortlichen des Senders

gegeben haben. Mohammad Ali

Zakir, Sprecher des Senders, bestreitet

diese Vorwürfe vehement.

Der Online-Ausgabe der BBC zufolge

gibt es jedoch noch einen weiteren

Grund für die Schließung

durch die Regulierungsbehörde. Ihren

Informationen zufolge war die

Leitung des Senders, ebenso wie die

anderer TV-Sender, während der

Studentenunruhen Ende August

dazu aufgefordert worden, diesbezügliche

Berichte nicht auszustrahlen.

Außer CSB hielten sich alle anderen

Sender daran. CSB wurde

daraufhin vorgeworfen, durch die

Ausstrahlung provokanter Nachrichten

die nationale und öffentliche

Sicherheit zu gefährden. Keine

zwei Wochen später musste der

Sender den Betrieb einstellen. (nr)

Abkürzungen:

ph: Patrizia Heidegger; nr: Niko

Richter; ds: Dirk Saam

NETZ 19


NETZ NETZ aktiv

aktiv

Bundesverdienstkreuz für leidenschaftliches

Engagement gegen Armut

Für sein entwicklungspolitisches

Engagement in Bangladesch sowie

für seinen Einsatz gegen Diabetes

erhielt Manfred Krüger, Vorstandsmitglied

von NETZ, am 29. August

2007 das Bundesverdienstkreuz.

Der Krefelder Apotheker prägt seit

18 Jahren die partnerschaftliche

Zusammenarbeit mit Bangladesch

im Kampf gegen Hunger und für

die Einhaltung der Menschenrechte.

Bei der Übergabe der Auszeichnung

im Rathaus der Stadt Krefeld

plädierte er dafür, die Selbsthilfe der

Ärmsten stärker zu fördern.

Manfred Krüger gehört zu den

Gründungsmitgliedern von NETZ.

Seither arbeitet er im Vorstand mit;

in den Jahren von 1998 bis 2004

war er erster Vorsitzender. Seit 1988

hat er 16 mal Bangladesch besucht.

Während seiner zwei- bis vierwöchigen

Einsätze führt er stets intensive

Gespräche mit Entwicklungsorganisationen,Menschenrechtlern

und Politikern, mit Wissenschaftlern

und Künstlern des

Landes: über die gesellschaftliche

Entwicklung, Strategien zur Bekämpfung

der Armut, die Förderung

der demokratischen Kultur.

Doch vor allem redet er mit den

Menschen in den Dörfern – darüber,

wie sie ihre Selbsthilfe organisieren,

um dauerhaft Hunger und Armut

zu überwinden. Besonders wichtig

ist ihm dabei, „dass die Menschen

die traditionellen Machtstrukturen

in Frage stellen und verändern“,

betont Manfred Krüger, „denn diese

sind oft Ursache für Verarmung

und bittere Not.“

Neben seiner täglichen heilberuflichen

Tätigkeit in seiner Apotheke

ist Manfred Krüger in besonderer

Weise der Betreuung von

Diabetespatienten verpflichtet. Im

Netzwerk mit Hausärzten, diabetologischen

Schwerpunktpraxen und

Diabeteskliniken verbessert er seit

Ausgezeichnet für sein Engagement in Bangladesch: NETZ-Vorstandsmitglied

Manfred Krüger. Foto: Dr. Jürgen Dupuis

über 15 Jahren in Krefeld („Krefeld

gegen Diabetes“), aber auch auf

Landes- und Bundesebene, die Qualität

der Versorgung. In Zusammenarbeit

mit den wissenschaftlichen

Fachgesellschaften, Selbsthilfegruppen

und Krankenkassen konnte

er bedeutende Fortschritte mitentwickeln

und in die Vorsorge und

tägliche Versorgung einführen. Diabetes

zu verhindern, zumindest

frühzeitig zu erkennen und profes-

sionell zu behandeln, ist ihm eine

Herzensangelegenheit.

Über seine Erfahrungen in Bangladesch

hat er immer wieder in öffentlichen

Veranstaltungen, in

Schulen und Kirchengemeinden

berichtet – in Krefeld und weit

darüber hinaus. Zahlreiche Menschen

wurden durch ihn und seine

Familie aufgerüttelt und motiviert,

sich für sinnvolle Entwicklungsarbeit

in Bangladesch einzusetzen.

20 NETZ


Die neuen NETZ-Freiwilligen freuen sich auf ihren Einsatz in Bangladesch. Foto: NETZ

Der einjährige Freiwilligendienst in

Bangladesch ist seit der Gründung

von NETZ fester Bestandteil der

Entwicklungsorganisation. Junge

Leute arbeiten in meist ländlichen

Gebieten ehrenamtlich in Selbsthilfe-,

Bildungs- und Menschenrechtsprojekten

mit. Dabei steht das interkulturelle

Lernen im Vordergrund.

Für die Freiwilligen ist der Einsatz

Freiwillige reiwillige vor vor Ort

Ort

auch eine Chance, sich mit der

Lebenswirklichkeit der Menschen

in Bangladesch auseinanderzusetzen.

Nach ihrer Rückkehr nach

Deutschland unterstützen sie die

Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit

von NETZ. Drei Freiwillige leisten

ab Oktober 2007 einen Freiwilligendienst

in Bangladesch. NETZ stellt

Für den Freiwilligendienst ab September 2008 sucht NETZ Freiwillige

in folgenden Arbeitsbereichen:

– Pädagogische Mitarbeit und Dokumentation an nichtstaatlichen Grundschulen

– Multimedia Recherche- und Dokumentationsarbeit

Entwicklungspolitische Bildungsarbeit zu Bangladesch

– Lobby und Öffentlichkeits-Arbeit (Advocacy) zu entwicklungspolitischen

Themen in Bangladesch

– Dokumentarfilmer/in

– Teamer/in bzw. Trainer/in für Menschenrechtsprojekt

– Forschungsarbeit zur Situation extrem armer Menschen in

Bangladesch

– Forschungsarbeit zu staatlicher und nichtstaatlicher Grundbildung in

Bangladesch

– Forschungsarbeit zur Situation indigener Gruppen in Bangladesch

Die Beschreibung der Aufgaben- und Anforderungsprofile der Arbeitsbereiche,

sowie alle weiteren Informationen zum Freiwilligendienst

entnehmen Sie bitte der Website von NETZ: www.bangladesch.org. Bitte

senden Sie Ihre Fragen und Bewerbungen per E-Mail an Niko Richter,

richter@bangladesch.org

NETZ NETZ aktiv

aktiv

sie hier – von links nach rechts -

vor.

Claudia Leipner hat nach ihrem

Geschichtsstudium bereits Berufserfahrung

als Online-Redakteurin

einer internationalen Entwicklungsorganisation

gesammelt. In

Bangladesch leistet sie einen Beitrag

zur Öffentlichkeitsarbeit der

Menschenrechtsorganisation Ain o

Salish Kendra.

Die 19jährige Mascha Schulz

stammt aus der Nähe von Lüneburg

und hat ebenfalls gerade ihr Abitur

gemacht. Im nächsten Jahr wird sie

bei der Organisation Gana

Unnayan Kendro im Bereich der

Grundbildung mitarbeiten. Nach

ihrer Rückkehr will sie ein Ethnologiestudium

beginnen.

Marian Gläser ist 20 Jahre alt und

hat im Frühjahr sein Abitur in

Berlin abgelegt. Bereits seit einigen

Jahren engagiert er sich in Deutschland

in Vereinen, die den weltweiten

Austausch von Jugendlichen

fördern. Nun geht er selbst für ein

Jahr nach Bangladesch, um dort die

Arbeit von Udayan Swabolombee

Sangstha im Bildungsbereich zu

unterstützen

NETZ 21


NETZ NETZ aktiv

aktiv

Ein Helfer von Gana Unnayan Kendra bringt eine Frau in Sicherheit vor der Flut. Foto: Gana Unnayan Kendra

Fluthilfe Fluthilfe in in Bangladesch

Bangladesch

– – Aktionen Aktionen in in Deutschland

Deutschland

Zahlreiche Aktionsgruppen, Kirchengemeinden und Institutionen unterstützen die Hilfe von NETZ für die

Bevölkerung im Überschwemmungsgebiet. Beispielhaft für alle werden hier drei Aktionen vorgestellt:

Kekse, Waffel und Kuchen

lassen die Kasse klingeln

Das Michael-Ende-Gymnasium in

Tönisvorst unterstützt seit Jahren

Projekte in Bangladesch. Generationen

von Schülerinnen und Schülern

haben sich im Unterricht mit

dem Leben Gleichaltriger in ihrem

Partnerland beschäftigt. Als sie die

Nachricht von der fatalen Flut erreichte,

war die Bestürzung groß.

Die Schülervertretung und das Lehrerkollegium

organisierten einen

besonders einladenden Weg, um

Spenden für die Flutopfer zu sammeln:

einen duftenden Kuchenstand!

Ein erfolgreicher Tag Arbeit

für die Flutopfer

Der Verein ASHA aus Nürnberg

startete eine Medien-Offensive: der

Vorsitzende Shakil Syed nahm sich

einen Tag frei und klemmte sich seine

Infomappe über die Flut in

Bangladesch unter den Arm. So zog

er von einer Zeitungsredaktion zur

nächsten. Immer wieder berichtete

er über die Situation in Bangladesch

und zeigte Fotos, um das Ausmaß

der Katastrophe deutlich und die

Fluthilfe von NETZ anschaulich zu

machen. Seine eindringlichen Worte

müssen jeden Redakteur tief beeindruckt

haben. Alle Zeitungen

berichteten ausführlich und riefen

die Bürger zu Spenden auf. So kam

in Nürnberg ein fünfstelliger Betrag

für die Flutopfer zusammen.

Kleines Geld für

große Not

Die Aktion Weißes Friedensband

ist ein Zusammenschluss von

Jour-nalistinnen und Journalisten.

Dort werden Themen der Entwicklungspolitik

für Kinder aufbereitet

und Aktionen entwickelt, um

entwick-lungspolitisches Engagement

zu fördern. Die Gruppe rief

in ihrem Aktivbrief zu Spenden für

die Flutopfer auf. Seine Botschaft

lautete: „Schon kleines Geld lindert

große Not“. Der Brief wurde

an Hunderte von Schulen und

Lehrer versendet. Anregungen, wie

bereits Kinder für ihre Altersgenossen

in Bangladesch aktiv werden

können finden Sie unter:

www.friedensband.de.

22 NETZ


Die Die Fluthilfe

Fluthilfe

von von NETZ

NETZ

seit seit August

August

2007

2007

� Einsatz von 12 Rettungsbooten

zur Evakuierung

der Menschen, die vom

Wasser eingeschlossen

waren

� Medizinische Behandlung

von 7.500 Kranken

� Behandlung von 200

Schwerkranken im

Krankenhaus

� 75.000 Menschen erhielten

Reis, Linsen, Salz,

Speiseöl und Kindernahrung

� 500 Familien erhielten

Baumaterial für Notunterkünfte,

das sie später

auch für den Wiederaufbau

ihrer Hütten

nutzen konnten

� 17.000 Familien erhielten

Saatgut und Setzlinge

� Zur Überwindung der

Hungerkrise erhalten

2.000 Familien Arbeit bei

der Aufschüttung von 10

Flutschutz-Arealen, auf

denen im Notfall 15.000

Menschen Schutz finden.

NETZ NETZ aktiv

aktiv

NETZ-Mitarbeiter Dirk Saam unterstützte die Hilfsmaßnahmen vor Ort.

Foto: NETZ

75.000 Menschen erhielten Nahrungsmittelpakete, die sie für zwei

Wochen mit dem nötigsten versorgten. Foto: Gana Unnayan Kendra

Notunterkünfte: Beim höchsten Stand des Hochwassers waren über acht

Millionen Menschen obdachlos. Foto: Gana Unnayan Kendra

NETZ 23


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aktiv

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Hiermit beantrage ich

die Mitgliedschaft bei

NETZ Partnerschaft für

Entwicklung und Gerechtigkeit

e.V.

Die Höhe des Mitgliedsbeitrags

bestimmt jedes Mitglied

selbst.

Der Mindestbeitrag beträgt

jährlich 40,– Euro, für

Nichtverdienende 20,–

Euro.

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enthalten.

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Hensoldt-Str. 20, 35576 Wetzlar,

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in Höhe von Euro __________

� bzw. den von mir/uns jährlich zu entrichtenden Bezugspreis

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Luftpostzustellung 40 Euro)

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Fax: 06441 – 26257

e-mail: netz@bangladesch.org

„Am Ende des Tages stand unser ganzes Dorf unter

Wasser“. Foto: NETZ

„Wasser asser asser, asser , W WWasser

W asser überall“

überall“

Der zwölfjährige Maidul Islam stammt aus dem im

Nordwesten Bangladeschs gelegenem Distrikt

Kurigram. Gemeinsam mit seiner Familie fand er

Unterschlupf in einer Notunterkunft von NETZ. In

einem Brief berichtet er von der Flut und ihren Folgen.

„Wir sind sechs Familienmitglieder, die auf das Gehalt

meines Vaters angewiesen sind. Manchmal haben

wir zu Essen, manchmal nicht. Vor einigen Wochen

riss der Teesta-Fluss unser Dorf mit sich. Fast alle

Familien wurden Opfer der Wassermassen. Jeder versuchte

noch seine Häuser und Ernte zu retten. Nachbarn

halfen einander, fällten Bäume, bockten die Möbel

auf und bauten dann die Bambus-Wände und

Wellblech-Dächer auseinander, um sie an höher gelegenen

Stellen in Sicherheit zu bringen. Meinen Eltern

waren sehr traurig. Wir Kinder standen da wie angewurzelt.

Wasser, Wasser überall - und das laute Rauschen

des Teesta. Am Ende des Tages stand unser

ganzes Dorf unter Wasser.

Dieses Schicksal hat uns nun bereits zum vierten

Mal ereilt. Wir nahmen die Hände meines Vaters, verließen

unser Haus und stellten uns der ungewissen

Zukunft. Schlussendlich fanden wir Unterkunft auf

der Flussinsel Kurda im Distrikt Gaibandha. Um Arbeit

zu finden hat mein Vater uns verlassen und ist

nach Dhaka aufgebrochen. Meine Mutter arbeitet jetzt

als Haushaltshilfe bei einer anderen Familie. Ich gehe

wieder zur Schule und habe nur einen Wunsch: ich

will meine Ausbildung gut beenden, um meinen Eltern

beizustehen, unsere Armut zu beenden. Ich will

sie wieder glücklich sehen.“

Terminankündigung

erminankündigung

Die Mitgliederversammlung von NETZ findet im

kommenden Jahr vom 6. bis 8. Juni in Würzburg

statt. Für weitere Informationen wenden Sie sich

bitte an NETZ-Mitarbeiterin Gisela Bhatti. Tel.

06441 – 26585, bhatti@bangladesch.org

24 NETZ


Das Wetzlarer Aktionsbündnis DEINE STIMME GEGEN ARMUT freut sich über

die Auszeichnung (v.l.): C. Kumbier (Attac Wetzlar), Superintendentin U.

Kannemann, W. Wilmers (Arbeitskreis Brot-für-die-Welt-Tikato), Staatssekretärin

K. Kortmann (BMZ), P. Dietzel (NETZ), Weihbischof E. Siebler, P.

Janowiski (Wetzlarer Arbeitsloseninitiative), A. Greier (Eine-Welt-Haus), J.

Schäfer (Jugendnetz Wetzlar), G. Grauder (Friedenstreff). Foto: W. Volkmar

Aktionsbündnis Aktionsbündnis DEINE DEINE DEINE STIMME STIMME GEGEN GEGEN ARMUT

ARMUT

mit mit Ökumenischen Ökumenischen Förderpreis Förderpreis ausgezeichnet

ausgezeichnet

ausgezeichnet

Selten hat sich im Wetzlarer Stadthaus

am Dom so viel bundesdeutsche

Prominenz aus Kirche,

Politik und Gesellschaft versammelt

wie am 28. September 2007.

Anlass war die Verleihung des Ökumenischen

Förderpreises Eine Welt.

Die Auszeichnung wurde in diesem

Jahr erstmalig an die bundesweit

besten Projekte vergeben, die

sich in der entwicklungspolitischen

Bildung in Deutschland engagieren.

Der Förderpreis, in vier Kategorien

gegliedert, ist mit jeweils 3.000

Tamisha erfreute die Gäste mit

Odissi-Tänzen aus Indien. Foto: Annette

Greier

Euro dotiert, wobei das Wetzlarer

Aktionsbündnis „DEINE STIMME

GEGEN ARMUT“, in dem NETZ

maßgeblich mitwirkt, für seine Medien-

und Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet

wurde. Verliehen wurde

der Preis vom Evangelischen

Entwicklungsdienst und dem Katholischen

Fonds Eine Welt.

„Mit Ihrem weißen Banner der

Solidarität haben Sie die Menschen

einer ganzen Stadt für die Nöte in

der Dritten Welt mobilisiert“, lobte

Staatssekretärin Karin Kortmann

aus dem Entwicklungsministerium

das Wetzlarer Aktionsbündnis DEI-

NE STIMME GEGEN ARMUT. „Da

ging vom ökumenischen Dom der

Goethestadt ein Signal aus, das in

ganz Deutschland gehört wurde.

Denn es reicht nicht, wenn Politiker

mit Absichtserklärungen für eine

gerechte Welt eintreten, wir brauchen

die Menschen an der Basis,

die mit vielfältigen Aktionen auf die

Missstände in der Einen Welt aufmerksam

machen“, forderte der

Gast aus Berlin. In einer anschließenden

Filmdokumentation präsentierte

Joachim Schäfer vom Wetzlarer

Bündnis den rund 100 Besuchern

die preisgekrönte Aktion vom

2. Juli 2005. Dabei entstand das

längste weiße Band Deutschlands:

1,8 Kilometer lang aus Bettlaken,

vom Dom bis in die Bahnhofstrasse.

NETZ NETZ aktiv

aktiv

Zeitschrift des

Südasienbüro e.V.

Aktuelle Berichte und

Themenschwerpunkte

aus Südasien:

- Afghanistan -

- Bangladesh -

- Bhutan -

- Indien -

- Nepal -

- Pakistan -

- Sri Lanka -

SÜDASIEN berichtet in jährlich

vier Nummern über politische

und wirtschaftliche Ereignisse,

über Militarisierung und

regionale Konflikte, Ökologie

und Industrialisierung, Frauen,

Landwirtschaft, Menschenrechte

und Medien.

Die Zeitschrift kann bestellt

werden bei

SÜDASIEN

Adenauerallee 23;

53111 Bonn

Tel: 0228-9 125 605;

Fax: 0228-9 125 606

E-Mail:

suedasienbuero@suedasien.de

Bezugsbedingungen der

Zeitschrift:

Einzelheft:

6,50 (zzgl. Porto)

Jahresabonnement:

Inland: 26,- Euro;

europ. Ausland: 32,- Euro

(inkl. Porto)

NETZ 25


Kultur Kultur

Kultur

Stadtgespräch

Von Shamsur Rahman

Am von dichtem Regen durchkratzten Mittag war ich Dir ganz nah

im gemütlichen Zuhause. In jenem Moment warst Du eine leichte

heitere Erscheinung. Ich sah:

Auf Deinem Körper flossen unentwegt Wellen in den Farben von Reisfeldern.

Plötzlich sagte ich: Lass uns dieses geschlossene Zuhause verlassen, in der Ferne

irgendwohin mit einer Rikscha umherfahren, wir beide.

Willst Du nach Alt-Dhaka gehen?

Dort flogen die vielen freudigen Tage

meiner Kindheit und meiner Jugend davon

wie das Ende Deines Saris

und berührten heimlich den Horizont. Geliebte,

lass uns doch dorthin fahren, in die engen Gassen hinein,

wo ich einst mit Leichtigkeit aus dem Wald

gepunktete Hirsche herbei brachte, Wolken ins Haus herbei rief

durch stille Signale. Ich sah: den Laternenanzünder,

der lautlos kam und um den Hals der Gasse

eine Lichterkette hing. Den Wasserträger, der unter der Last der Wassersäcke gebeugt

kalte Wassermengen brachte von Haus zu Haus. Ich hörte:

konzentriert den von der Sternen-Moschee

heranwehenden melodiösen Adhan des Morgengebets

und abends das bezaubernde Glockenläuten im Tempel.

Wirst Du mich heute wirklich in die Altstadt bringen,

wo sich noch heute Dein Herz befindet? Ich weiß, noch heute

wirft die Nostalgie der Erinnerung

Schatten in Deine beiden Augen. Zu manchen Sonnenaufgängen bist Du

im Traum ein zerfallener Stall, mit dem Geruch von erschöpften Pferden

wachst Du im Bett auf, denkst Du, der alte Teeladen

ist die Schatzkammer König Solemans. Manchmal voller Freude leuchtend

lässt Du mich die Geschichte der Pari Bibi hören,

die im Grab der Lalbagh-Festung liegt. Eines Tages

sagtest Du: „Nun an jenem Tag

nach vielen Jahren ging ich zu unserem alten Haus

und konnte jenes nicht erkennen, welches in jeder einzelnen Schicht

einst meine Tage und Nächte hatte. Auf jedem Backstein war geschrieben:

meine Jugend, das Liebes-ABC des Ghazals der Jugend.“

Lass uns noch einmal im Zwielicht spazieren gehend

die Schönheit des Flusses Buriganga erblicken. Ganz geheim

werden wir beide auf dem Dach von einem Boot, was von einem Kai zum anderen fährt, nebeneinander sitzen und den

Sonnenuntergang anschauen. Wir werden essen: süße Erdnüsse oder scharfen Puffreis. Und wenn die Dunkelheit dichter wird,

werde ich Deinen Mund

voller Leidenschaft küssen. Dann verlassen wir das Boot

und sehen uns den Buckland-Damm an,

einander die Hände haltend werden wir etwas umherwandern. Wir werden anschauen diese alte Stadt, wie

sie sich allmählich das neue Zeitalter umarmend verändert,

so als ob auch ich wieder ein junger Mann bin in Deiner festen Umarmung.

Sieh! Wo dieser Laden ist, war einmal

ein Banyan-Baum, der Schatten jenes verschwundenen Baumes.

Noch jetzt breitet sich sein lieblicher Schatten in meinem Innern aus.

Auf diesem zu alten Boden brennt die Hitze, im Wasser werden meine Wurzeln getränkt.

Dieses Gedicht, das im Original den Titel „Shohure Shonlap“ trägt,

wurde von Carmen Brandt aus dem Bengalischen ins Deutsche übersetzt.

26 NETZ


TARANGO

fördert Frauen in ländlichen

Regionen durch fairen

Handel mit kunsthandwerklichen

Produkten; Schwerpunkte

sind u.a. die Jute-

Produktion und -Verarbeitung

durch die Teilnehmerinnen.

NETZ unterstützt

Schulungen von Frauen

zum Aufbau von Kleinunternehmen.

Jagorani Chakra

Foundation (JCF)

unterstützt den Aufbau von

Selbsthilfe-Organisationen

der Bevölkerung im Westen

Bangladeschs. Projekte:

Schulungen von 6.550

extrem armen Frauen und

Startkapital, um eigenes

Einkommen zu erwirtschaften,

u.a. durch Milchkühe,

Ziegenzucht oder Geflügelhaltung.

Ashrai

arbeitet mit indigenen

Minderheiten im westlichen

Grenzgebiet.

Projekte: 1.600 extrem

arme Frauen erhalten

Schulungen und Grundausstattung,

um ein

eigenes Einkommen zu

erwirtschaften; Aufbau

von 38 Grundschulen

für 1.308 Kinder indigener

Bevölkerungsgruppen.

Acid Survivors

Foundation (ASF)

setzt sich für die Überlebenden

von Säure-Attentaten

ein: u.a. durch medizinische

Versorgung, psychologische

Betreuung, Rechtshilfe und

durch Kampagnen. NETZ

unterstützt das Engagement

für rechtliche Verbesserungen

zur Überwindung von

Säure-Angriffen.

NETZ

Die Partner von

und die von NETZ unterstützten Projekte

Gana Unnayan

Kendro (GUK)

fördert die ärmsten Familien

im Einzugsgebiet der Flüsse

Jamuna und Teesta im Nordwesten

des Landes. Projekt:

2.500 Familien erhalten

Schulungen und Startkapital,

um eigenes Einkommen zu

erzielen. Aufbau von 30

Schulen für Kinder im Grundschulalter.

Rajshahi

Khulna

Ain o Shalish

Kendro (ASK)

ist eine angesehene

Menschenrechtsorganisation.

Projekt: Schulungen von

7.730 Ehrenamtlichen

in landesweit 10 Bezirken,

die sich u.a. bei Dorfgerichten

und mit Theateraufführungen

für Menschenrechte

einsetzen.

Barisal

Udayan

Swabolombee

Sangstha (USS)

fördert die ärmsten Familien

im Nordwesten des Landes.

Projekt: 150 extrem arme

Frauen, die mit ihren Familien

auf Schwemmlandinseln

im Jamuna leben, erhalten

Schulungen und eine Grundausstattung

zur Erwirtschaftung

eigenen Einkommens.

Dhaka

Sylhet

Madaripur Legal Aid

Association (MLAA)

unterstützt benachteiligte

Bevölkerungsgruppen durch

alternative Schlichtungsverfahren

und Rechtshilfe.

Projekt: Ausbildung von

3.000 Streitschlichtern auf

Dorfebene und Menschenrechts-Schulungen

für

1.600 Gemeinderäte und

Meinungsführer.

Chittagong

Sabalamby Unnayan

Samity (SUS)

fördert benachteiligte

Frauen. Projekte: 3.980

Mädchen lernen Lesen,

Schreiben und ihre Rechte;

320 Mädchen erlernen

einen Beruf; ein Frauenhaus

bietet Zuflucht vor Gewalt;

2.000 extrem arme Frauen

erhalten Schulungen und

eine Grundausstattung.

NETZ Team

© NETZ / Sebastian Zug 2007

0 25 50 100 150 km

BASTOB

unterstützt Programme

zur Selbsthilfe extrem

armer Familien.

Projekte: Gesundheitsprogramm

im Südosten

Bangladeschs an dem

1.710 Familien beteiligt

sind und eine Schule für

240 Kinder, die mit ihren

Familien in einem Slum

in Dhaka leben.


NETZ – Zeitschrift für Entwicklung und Gerechtigkeit

Moritz-Hensoldt-Str. 20 • D – 35576 Wetzlar

Postvertriebstück • DPAG • Entgelt bezahlt • G 8619

ISSN 1619-6570

Slumschule in Dhaka: „Jedes Kind soll fliegen lernen“

Mädchen und Jungs in den Slums von Dhaka:

Kinder von Tagelöhnern, Rikscha-Fahrern und

Straßenverkäufern haben oft keine Möglichkeit

eine Schule zu besuchen. Der Unterricht ist für

viele zu teuer. Und viele Kinder müssen arbeiten

gehen, um den Lebensunterhalt der Familie zu

sichern.

Die Sultan-Sofa-Schule in Dhaka: 1980 wurde

die Schule vom bengalischen Schriftsteller

Ahmed Sofa gegründet. 240 Kinder gehen dort

regelmäßig zur Schule und werden in drei einfach

eingerichteten Klassenräumen in Bengalisch,

Englisch, Mathematik, Sozialkunde, Kunst

und Religion unterrichtet. Insgesamt gibt es acht

Klassen und eine Vorschulgruppe. Die Lehrer

besuchen regelmäßig die Familien der Schüler.

Besonderes Augenmerk wird auf die Ausbildung

von Mädchen gerichtet.

Ahmed Sofa, der Gründer der Schule: Bis zu

seinem Tod im Jahr 2001 kümmerte sich der

Spendenkonto Nr. 78 08 20 05

NETZ Partnerschaft Bangladesch

Baden-Württemberg e.V.

Volksbank Tübingen, BLZ 641 901 10

Verwendungszweck:

Schulbildung für Slum-Kinder

Moritz-Hensoldt-Strasse 20 D – 35576 Wetzlar

Tel: 06441 – 26585 Fax: 06441 – 26257

e-mail: netz@bangladesch.org www.bangladesch.org

Dichter um die Kinder aus den Slums. Er wollte

ihnen eine bessere Zukunft ermöglichen und ihr

Selbstvertrauen stärken. Sein Leitsatz: „Kinder

sollen fliegen lernen“ wird an der Schule auch

heute noch jeden Tag umgesetzt. So ist zum

Beispiel der Donnerstag ein Kunst- und Kulturtag,

an dem die Schüler tanzen, singen und

zeichnen können.

Kinder haben eine Zukunft: Für ältere Kinder,

von denen die Mehrzahl bereits arbeiten muss,

werden auch Abend- und Freitagskurse angeboten.

Die meisten Schüler erreichen den Abschluss

und besuchen danach eine weiterführende

Schule. So kann der Teufelskreis der Armut

für sie und ihre Familien durchbrochen

werden

Spenden machen den Unterricht möglich: Mit

Ihrer Hilfe ermöglichen Sie den Kindern aus den

Slums von Dhaka den Zugang zur Bildung und

ebnen ihnen den Weg in eine bessere Zukunft.

Donnerstags findet ein Kunst- und Kulturtag an der Schule

statt: dann tanzen, singen und zeichnen die Schüler.

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