Caliber 2

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Caliber 2

36 Test Plattenspieler Holborne Analog 2

Caliber 2

Ein Caliber ist ein Begriff aus dem Schweizer

Uhrmacherhandwerk und bezeichnet das Herz

einer mechanischen Uhr, das Laufwerk sozusagen,

das aus der Summe seiner unzähligen

Einzelteile eines garantiert: perfekten Gleichlauf

Nr_2-2012


Plattenspieler Test 37

Mitspieler

Phonovorverstärker:

· Quad Twentyfour P

· PS Audio GCPH

· Malvalve Preamp Three Phono

Verstärker:

· Accustic Arts Power I MK3

· Linn Akurate Kontrol und 2200

· MalValve Preamp Four Line

Lautsprecher:

· Xavian XN250

· Klang + Ton Nada

Zubehör:

· Stromversorgung: PS-Audio

· Phonokabel Musical Wire,

Horn Audiophiles

· NF-Kabel: Van den Hul,

Musical Wire

· Lautsprecherkabel: Silent Wire

· Racks und Basen: SSC, Tabula Rasa

Gegenspieler

Tonabnehmer:

· Benz Ace SL

· Phase Tech P-3G

Plattenspieler:

· EAT E-Flat

· Transrotor Fat Bob mit SME 3500

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38 Test Plattenspieler Holborne Analog 2

Johannes Brahms –Klavierkonzert Nr. 1

Gespieltes

Johannes Brahms

Klavierkonzert Nr. 1

Calexico

Carried to Dust

Franz Liszt

Klaviersonate h-moll, Oleg Maisenberg

Ludwig van Beethoven

Sämtliche Sinfonien,

Deutsch Kammerphilharmonie,

Paavo Järvi

Patricia Barber

Café Blue

Miles Davis

Sketches of Spain

Oscar Peterson Trio

We Get Requests

Im übertragenen Sinne ist der Analog 2

des Schweizer Herstellers Holborne ein

Caliber: Zentrum und schlagendes Herz einer

analogen HiFi-Anlage, der unbestechliche

Zeitgeber, der für Genauigkeit und

Zuverlässigkeit sorgt.

Da es bis auf Weiteres keinen Deutschlandvertrieb

geben wird, sind die Verkaufspreise

in Schweizer Franken angegeben, die

dann zum Tageskurs umgerechnet werden.

Momentan liegen wir da beim Komplettplattenspieler

inklusive Tonarm und System

bei knapp 4.900 Euro – wahrlich nicht

zu viel, wenn ich mal vorab das Gebotene

zusammenfasse.

Augenfälligstes Merkmal des Holborne ist

sicherlich sein Antriebs-„Riemen“: Eine

geklebte Tonbandschlaufe. Ich muss zugeben,

dass ich mich mit dieser Thematik

bisher nicht allzu sehr auseinandergesetzt

habe, wohl aber zumindest mit einem

Auge das Engagement einiger Analog-

Enthusiasten vor ein paar Jahren verfolgt

habe, die ihre Laufwerke auf Bandantrieb

umgerüstet haben. Die Sache scheint mit

einem bestimmten Motor der Firma Maxon

besonders gut zu funktionieren –

einem bürstenlosen Gleichstrommotor,

der intern mehrphasig arbeitet und sich

so sehr präzise ansteuern lässt. Dies ist

die unabdingbare Voraussetzung für einen

Antriebsriemen, der deutlich weniger

Elastizität aufweist als die üblichen Gummi-

oder Silikonstränge. Bedenken wegen

mangelnder Zugfestigkeit oder Stehver-

mögen des Bandes muss man nicht haben:

Holborne-Chef Meinrad Müller berichtet

von Laufwerken, die seit über einem Jahrzehnt

konstant mit dem ersten Band arbeiten.

Lediglich die Nahtstelle mag direkte

Sonneneinstrahlung nicht so gerne – hier

kann nach einiger Zeit der Klebestreifen

weich werden und sich lösen.

Das Band treibt einen 30 Millimeter dicken

und drei Kilo schweren klaren Acrylteller

an, der lediglich an der Oberseite satiniert

wurde und so einen wunderbaren seitlichen

Einblick aufs Tellerlager ermöglicht. Dieses

ist invertiert ausgeführt: Das Unterteil besteht

aus einem Edelstahldorn mit eingelassener

Rubinkugel – das Gegenstück ist

eine Sinterbronze-Lagerbuchse mit einem

Saphirspiegel – ganz in guter Schweizer

Uhrmachertradition Das alleine sollte normalerweise

schon locker für ein paar Jahrzehnte

Dauerbetrieb reichen. Trotzdem:

Man hat die Belastung des Lagers durch

zwei sich abstoßende Neodymringe noch

einmal weiter reduziert, so dass nur noch

etwa zehn Prozent des Tellergewichts auf

das Lager einwirken. Geschmiert wird mit

ein bisschen Fett – ansonsten ist das Lager

auf Jahre hinaus wartungsfrei. Motor und

Lager sind in einer 50 Millimeter starken

MDF-Zarge untergebracht – der Motor

leicht gedämpft in einer kombinierten

Wippe-Schlitten-Vorrichtung, mit der sich

der Bandzug und waagerechte Ausrichtung

des Pulleys einstellen lassen. Die dezent

und hochwertig lackierte Zarge steht auf

Der grundsolide Tonarm arbeitet als stabilisierter

Einpunkter. Man kann hier gut das geteilte Gegengewicht

erkennen, das eine optimale Anpassung an

Tonabnehmer unterschiedlichster Masse erlaubt

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höhenverstellbaren Spikes – der Holborne

kommt übrigens trotz sparsamer Dämpfungsmaßnahmen

schon erstaunlich gut

klar, auch wenn er nicht auf speziell vorbereiteten

Unterbauten steht, kann aber bei

sorgfältiger Aufstellung immer noch etwas

zulegen.

Kommen wir zum Tonarm: Auch wenn

es sich beim Arbeiten mit dem „Dualpivot“

nicht so anfühlt: Zunächst einmal ist

der Arm vom Grundprinzip her ein Einpunkter

mit einem ebenfalls invertierten

Lager mit Wolframspitze. Die Pfanne sitzt

etwas tiefer als bei den anderen Vertretern

dieser Zunft. Den zu befürchtenden Taumelbewegungen

um die Längsachse wirkt

das Dual-Pivot-Prinzip entgegen: Um die

Lagerspitze herum ist ein hochpräzises

Kugellager angebracht, an das sich seitlich

eine Walze anlehnt, die mit dem Oberteil

des Arms verbunden ist. Durch die asymmetrische

seitliche Gewichtsverteilung am

Drehpunkt wird die Ruheposition fest defi

niert – mit der Hand kann man den Dualpivot

aber in die andere Richtung kippen.

Das Antiskating wird über ein Gewicht mit

Hebel realisiert, das den Arm nach außen

drückt. Zur Anpassung an Tonabnehmer

unterschiedlicher Masse wird dem Tonarm

ein ganzes Set verschiedener Antiskating-

, Gegengewichte und Headshells beigelegt.

Diese Headshells sind im Prinzip

Fingerbügel mit Montageplatten unterschiedlicher

Masse, die mit einem festen

Kröpfungswinkel vorne am Tonarm ein-

geschraubt werden – lediglich der Überhang

ist einstellbar. Der Azimut lässt sich

durch Verdrehen der Gesamtkonstruktion

einstellen – das mag dem einen oder anderen

vor allem angesichts der fehlenden

Arretierungsmöglichkeit zu leichtgängig

erscheinen, sollte aber im Normalgebrauch

kein Problem darstellen. Das Kohlefaser-

Armrohr ist von innen bedämpft.

Der Tonabnehmer ist ein Benz ACE, dem

bei Holborne ein neuer Anzug aus einem

hoch dämpfenden Kompositmaterial

maßgeschneidert wurde. Das bedeutet

noch weniger Resonanzen und eine höhere

Masse des Systems – zwei Dinge, die einem

Tonabnehmer durchaus guttun.

Das Holborne MC I – so der Name des Systems

– ist schon ein Klotz geworden, macht

sich aber durch den schwarzen Lack und

das gelungene Firmenlogo ziemlich gut an

jedem Tonarm.

Abgesehen von der Summe cleverer Analogtechnik,

die im Analog 2 steckt, möchte

ich in Richtung der Schweizer noch

ein Riesenkompliment aussprechen: Der

Holborne ist gerade als Gesamtkonzept

ein ausgesprochen hübscher Plattenspieler

geworden, der sich auch in musikfreien

Stunden extrem gut in jedem Rack oder

Wohnzimmer macht.

Bei uns ist er quasi direkt aus der Schachtel

heraus zum Arbeitsgerät mutiert – das

passiert manchmal in der Not, wenn Platten

zu rezensieren sind und man einfach

einen Plattenspieler braucht. Nun, da er

Plattenspieler Test 39

Der neue Maßanzug bringt das Holborne

MC I alias Benz ACE auch klanglich

ein ganzes Stück nach vorne

Unten an der soliden Lagerkonstruktion

erkennt man den eingelassenen

Neodym-Ring, der mit seinem Gegenpart

in der Zarge die auf Dorn und Spiegel

einwirkende Gewichtskraft reduziert

DIE NEUEN STARS AM ANALOG-HIMMEL:

LYRA KLEOS & LYRA DELOS

Viele träumen vom Musikerlebnis in einer

neuen Dimension. Der Entwickler Jonathan

Carr hat es erschaffen: mit den High-Class

Tonabnehmern Lyra Kleos und Lyra Delos.

Mehr Infos unter: www.fastaudio.com

FASTAUDIO BRÄHLESGASSE 21 70372 STUTTGART

TELEFON 0711.480 88 88 INFO@ FASTAUDIO.COM


40 Test Plattenspieler Holborne Analog 2

Man kann nicht anders als dem

Gesamtkonzept ein äußerst

gelungenes Aussehen zu attestieren

Das dünne Tonband ist tatsächlich

das ideale Medium zur Kraftübertragung

zwischen Motor und Teller

gerade aufgebaut im Fotostudio stand,

haben wir den Schweizer gleich einmal in

den Hörraum verfrachtet und für unsere

Zwecke eingespannt. Was soll ich sagen: Er

ist da stehengeblieben, vor, während und

nach seinem eigentlichen Hörtest. Weil er

einfach funktioniert, wenn man auf den

Knopf drückt – und das sogar ganz hervorragend.

Die Schweizer Kombination

musiziert in sich so geschlossen, dass ich

mich manchmal gefragt habe, warum nicht

noch mehr Hersteller ein komplettes Setup

aus Laufwerk/Tonarm/Tonabnehmer auf

diese mehr als gelungene Art und Weise

bauen und zusammenstellen. Wir haben

natürlich auch andere Systeme an den Dualpivot

geschraubt, die in Einzeldisziplinen

hie und da noch etwas mehr herausholen

konnten – in der Summe hat es tatsächlich

am besten mit dem hauseigenen Abtaster

funktioniert, der alle Qualitäten eines Benz

ACE mitbringt, diese sogar noch etwas

besser herausarbeitet und dem Ganzen

ein ganzes Stück größere Ruhe und Souveränität

einhaucht. Das klingt unten nach

deutlich mehr „Hubraum“ als tatsächlich

vorhanden: Klar konturierter Bass mit ordentlich

Schub und Spaßfaktor. Saubere

Mitten, die minimal dunkel timbriert sind

und darüber saubere, von Zischen und

Klirren komplett befreiten Höhen, die einen

unverstellten Blick auf die Musik als

solche ermöglichen.

Rockmusik geht hervorragend mit dem

unscheinbaren Schweizer Setup: Groove,

Timing und Grobdynamik sind ebenso

vorhanden wie die stoische Ruhe, die erst

den stoischen Durchzug heftiger Passagen

ermöglicht. Solche Dynamiksprünge gibt

es in der klassischen Musik natürlich noch

viel mehr und viel extremer, Auch

hier behält der Holborne seine

Übersicht, ein breit gestaffeltes

Orchester behält seine exakte

Größe bei Tutti wie in

Pianissimo-Passagen,

in denen man erst

merkt, welche gewaltige

Ruhe dem

Analog 2 innewohnt.

Dass sich vor einem so

schwarzen Hintergrund

mit dieser disziplinierten, unverfälschten

Spielweise auch eine famose Räumlichkeit

entfalten kann, versteht sich von

selbst – ein der stärksten Disziplinen des

Holborne, der sich insgesamt als universell

einsetzbarer Plattenspieler mit einem

starken Charakter präsentiert. Genug Charakter,

um nicht im Mindesten zwischen

dem Hörer und der Musik zu stehen.

Holborne Analog 2

Thomas Schmidt

· Preis 4.900 sFr (Laufwerk mit Tonarm)

5.900 sFr (inklusive Tonabnehmer)

· Vertrieb Holborne, Buus, Schweiz

· Telefon 0041 61841 0010

· Internet www.holborne.ch

· Garantie 2 Jahre

· B x H x T 445 mm x 350 mm x 140 mm

· Gewicht 12 kg

Unterm Strich …

» Der Holborne Analog 2 ist etwas Seltenes: Ein

durch und durch gelungenes Gesamtkonzept

mit für sich genommen schon sehr

hochwertigen Komponenten, die in

der Summe ein noch viel größeres

Ganzes ergeben.

Nr_2-2012

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