Nur Fliegen sind schöner - Kulturnews

kulturnews.de

Nur Fliegen sind schöner - Kulturnews

Deutschlands Kultur- und Musikmagazin // kulturnews.de Juli 2012 // Nr. 261

film //

„Sleep tight“

buch //

„Die Schöne

des Herrn“

entertainment //

Poetry-Slam

musik //

Keb’ Mo’

Joe Jackson

Stefan Dettl

Nur Fliegen

sind

schöner

Fun

Salim Nourallah

Shawn Colvin

Benyamin Nuss


�����������

������

�����������

������

����� ��� �����������


���� �����

��� ��� ���

�� ���� ��� ��� ����� ����������

��� ����� ������ �������

������������������������

���������������


Deutschlands Kultur- und Musikmagazin // kulturnews.de Juli 2012 // Nr. 261

film //

„Sleep tight“

buch //

„Die Schöne

des Herrn“

entertainment //

Poetry-Slam

musik //

Nur Fliegen

sind

schöner

Keb’ Mo’

Joe Jackson

Stefan Dettl

Fun

Salim Nourallah

Shawn Colvin

Benyamin Nuss

Tickets, News und das komplette Kinoprogramm: www.kulturnews.de

musik //

6 Fun

High im Bad

8 Keb’ Mo’

Zeit und Raum

10 Benyamin Nuss

Alles außer Bach

11 Stefan Dettl

Nackte Tatsache

12 Shawn Colvin

„Überhaupt keine Scham“

13 Joe Jackson

Duke dich!

news //

4 Sarah Larnach

Eddie Murphy

Mischa Sarim-Vérollet

Chester Bennington

Jochen Malmsheimer

Münchner Opernfestspiele

Ingeborg-Bachmann-Preis

aktion //

9 Beck’s: 1 Fahrrad

56 Steve Miller Band: 4 Konzerttickets

66 Michael Horeni: 5 Bücher

66 „Coriolanus“: 10 DVDs

65 Abo

66 Impressum

Foto: Meghan Aileen Schirmer

kulturnews 7/12 // inhalt 3 Duran Duran

A Diamond In The Mind

Foto: Michael Wilson

live //

14 Auf Tour

Tipps und Interviews

19 citymag

Programm-Magazin Tipps und Termine

platten //

51–57 Pop, Rock + Dance

Dirty Projectors

Giant Giant Sand

Phantom Ghost

Sara Watkins

Van Dyke Parks

… und viele andere mehr

Jazz + Classics

Pat Metheny

Cassandra Wilson

Daniel Schläppi

Gerardo Núñez

Fredda

bücher //

58–59 Albert Cohen

Masa Kolanovic

Martin Frank

Haruki Murakami

Massimo Carlotto

Craig Thompson

Lisa Jackson

kino //

60–63 „Sleep tight“

„2 Tage New York“

„Cosmopolis“

„Woody Allen: A Documentary“

„Simon“

dvds //

Foto: Gulliver Theis

64–65 „Drive“

„Spartacus: Blood and Sand – Staffel 1“

„The Zero Hour“

„Die Kunst zu gewinnen – Moneyball“

„Underworld Awakening“

Als CD, DVD, Blu-ray oder als

Deluxe Edition ab 29.06.2012 erhältlich!

Ab 29.06. überall im Handel erhältlich

oder bei www.amazon.de/rockschuppen

Follow us on facebook:

www.facbook.com/Edel.Distribution


Photography: Craig MacKay

Fotos: Emi/Universal

4 news //

Zeitloses Vo(o)rbild

Manche Ideen geistern untot durch die

Popgeschichte und werden, weil sie so gut

sind, immer mal wieder revitalisiert – so wie Klaus Voormanns Coverbild für das

Beatles-Album „Revolver“. Die Artdesignerin Sarah Larnach, die vor allem mit

Wasserfarben und Tinte arbeitet, wurde 1979 geboren, 13 Jahre nach „Revolver“,

doch als sie zum zweiten Mal den Auftrag

erhielt, ein Album ihrer australischen

Landsfrau Ladyhawke zu gestalten,

orientierte sie sich ausgerechnet

an Voormanns legendärem Entwurf.

„Sarah ist die größte Aufschieberin

der Welt“, preist Pip

„Ladyhawke“ Brown ihre

Künstlerfreundin – und vielleicht

variierte Larnach ja deshalb

auf den letzten Drücker

etwas, was schon da war.

(mw)

Foto: Paramount Pictures

Klappe zu!

„Ein Glück, dass ich mit der

Schriftstellerei einen Beruf gewählt

habe, in dem man auch mit 40

noch als junger Autor gilt.“

Der Autor und Poetryslammer

Mischa Sarim-Vérollet in der aktuellen

Ausgabe der Zeitschrift uMag.

Eddie Murphy hat es geschafft: Vom Weltstar Hollywoods in den 80-Jahren über wenigstens

lukrative Egoshows in den 90ern („Der verrückte Professor“) hat er sich runtergearbeitet

zu immer nervigeren Komödiengaus, die nur wegen Murphys großem Namen nicht direkt

in der Videothek landen. Und nun ist der seit 30 Jahren in „Beverly Hills Cop“-Manier sperrfeuerquasselnde

Komiker endlich das, was wir uns schon länger wünschten: still. In „Noch

Tausend Worte“ (ab 21. 7.) bleiben ihm noch ebensoviele; ist dieser Vorrat aufgebraucht,

muss er in die Grube hüpfen. So schlimm wünschen wir es dem 51-Jährigen natürlich nicht.

Aber diese Ruhe – himmlisch … (vs)

THE

The Solo Project

BAND

From Calum &

Rory Macdonald

FROM

ROCKALL

CD 88691 97887 2

Foto: Ken Yamamoto

Der perfekte Schulterschluss

zwischen Nostalgie und Neuland.

Das Album wird nicht

nur Fans von RUNRIG und

Pop-Nostalgiker begeistern.

OUT NOW


Verlorene Generation

Chester Bennington von Linkin Park ist frustriert, denn nicht

mal sein Sohn kauft noch CDs. Doch er hat eine Idee …

kulturnews: Chester, eure Single „Burn it down“ wurde

vom ZDF in der EM-Berichterstattung eingesetzt, die

Telekom hat ein Linkin-Park-Konzert organisiert und bezahlt.

Wie viele Sponsoren hält eine Rockband eigentlich

aus?

Chester Bennington: Vor 20 Jahren wäre das alles tabu

gewesen. Hätte zu Highschoolzeiten meine damalige

Lieblingsband Nine Inch Nails Autowerbung gemacht,

das wäre das Ende ihrer Glaubwürdigkeit

gewesen, sie hätten mich als Fan verloren. Heute

werden solche Geschichten fast schon erwartet.

So ist das Geschäft geworden, ob wir das jetzt geil

finden oder nicht.

kulturnews: Werden Songs immer wichtiger und Alben

immer unwichtiger?

Bennington: Ich glaube schon. Die Leute sind so

heiß auf Musik wie eh und je. Und wir haben mit

„Living Things“ jetzt noch mal ganz bewusst ein

fast schon altmodisches Album aufgenommen – mit

36 kompakten Minuten, in denen wir die Hörer mit

auf eine schlüssige und aufregende Reise nehmen.

Wir finden so was gut. Aber die Kids …?

kulturnews: Was ist mit denen?

Bennington: Verloren. Mein ältester Sohn ist 16. Der hat

sich in seinem ganzen Leben noch keine CD gekauft. Er

wüsste nicht wozu. Meistens lädt er sich einzelne Songs

runter und manchmal ganze Alben. Aber seine Plattenläden

sind jetzt Spotify und Konsorten.

kulturnews: Ist das neue Album also ein reines Liebhaberprodukt?

Bennington: Wir machen unsere Alben inzwischen für

Leute, die noch keinen Internetzugang haben …!

Interview: Steffen Rüth

Foto: James Minchin

Frappierend

// news 5

Der Kabarettist Jochen Malmsheimer

neigte schon immer zu seltsamen Titeln für

seine Bühnenprogramme. Der neueste

aber schlägt alles Dagewesene:

„Ermpftschnuggn trødå! – hinterm Staunen

kauert die Frappanz“ … Premiere am 29. 6.

im Ebertbad Oberhausen.

Nichts geht mehr

Eigentlich sinnlos, auf die Münchner

Opernfestspiele hinzuweisen, sind eh

ausverkauft. Trotzdem: Noch bis 31. 7.

laufen sie, im Geiste Richard Wagners.

Am 30. 6. feiert „Götterdämmerung“ Premiere,

inszeniert von Andreas Kriegenburg.

Ausverkauft. Ach.

Lesemarathon

Falls der Sommer schwächelt, setzen

wir uns einfach vor den Fernseher und

lassen uns vorlesen: Auch in diesem

Jahr überträgt 3sat live, wenn beim

Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt

14 Autoren gegeneinander antreten. Infos:

www.bachmannpreis.eu/de

� Tagesaktuelle News

gibt es auf

kulturnews.de

DAS NEUE ALBUM

Mehr Infos und Tourdaten unter stefan-dettl.de

Ab 29.06. als CD und Download erhältlich bei


6 musik // Hiprock

Fun

High im Bad

Als Sänger des New Yorker HipRock-Trios Fun ist Nate Ruess

auf dem Weg nach ganz oben. Dabei rappt er nur so gut wie

Freddie Mercury.

kulturnews: Nate, eure Single „We are young“ hat es bis auf Platz eins der

US-Charts geschafft und wird ständig im Radio gespielt. Erinnerst du dich

noch daran, wann du dieses Stück geschrieben hast?

Nate Ruess: Na klar. Beim Autofahren habe ich plötzlich „Tonight … we are

young“ gesungen. Einfach so. Das könnte ich vielleicht mal in irgendeine

Nummer einbauen, dachte ich mir. Deshalb habe ich diese Zeile auf meinem

iPhone festgehalten. Damals war mir allerdings noch nicht bewusst, dass sie

das Zeug zum Refrain hat.

kulturnews: … oder euch sogar berühmt machen würde …

Ruess: Seit ich mit 21 bei einem Label rausgeworfen wurde, hatte ich sogar

jede Hoffnung begraben, je einen Hit zu landen zu können.

kulturnews: Du spielst kein Instrument, giltst aber als Hauptsongschreiber.

Wie geht das?

Ruess: Ich habe eine für Außenstehende unvorstellbare Technik. Jedes Lied

entsteht in meinem Kopf. Ich schildere Andrew und Jack dann meine Vorstellungen

möglichst präzise, damit sie sie musikalisch umsetzen können.

kulturnews: Was hat denn euer Produzent Jeff Bhasker zu dieser Vorgehensweise

gesagt?

Ruess: Er hatte kein Problem damit. Seine Hauptanliegen war es, uns ein bisschen

auszubremsen. Wenn wir bei einem Titel etliche Gitarrenakkorde übereinanderschichten

wollten, wurde er energisch: „Ihr beschränkt euch auf ein Riff,

das den Leuten ewig in Erinnerung bleibt!“

kulturnews: Eine Zusammenarbeit von Fun und Bhasker ist nicht unbedingt

naheliegend. Schließlich produziert er sonst Rapper oder Soulsänger.

Ruess: Stimmt. Wir dagegen haben uns mit unserem Debütalbum „Aim and

Ignite“ eher in Richtung Indierockpop bewegt. Ich hätte es aber total absurd

gefunden, das mit unserer zweiten CD zu wiederholen. Deswegen habe ich

nach neuen Einflüssen gesucht und HipHop für mich entdeckt. Erstaunlicherweise

kulturnews 7/12

war Jeff für all meine Lieblingsscheiben verantwortlich, darum wollte ich ihn an

Bord holen. Unsere Plattenfirma fand meine Idee, HipHop-Elemente zu integrieren,

zwar erst nicht so toll, aber ich war mir immer sicher: Das ist der richtige Weg.

kulturnews: Mit Eminem kannst du dich definitiv nicht messen, dafür klingst

du manchmal wie Freddy Mercury …

Ruess: Danke! Ich bin Queen-Fan, Freddy Mercury ist für mich einer der größten

Sänger, die das Musikgeschäft je hervorgebracht hat. Dennoch habe ich nie

versucht, ihn zu imitieren, ehrlich.

kulturnews: Weil du von Haus aus nicht so divenhaft bist?

Ruess: Ich bin eher introvertiert und schare privat nicht ständig Leute um mich.

Wenn ich zu Hause bin, kann es passieren, dass ich den ganzen Tag kein Wort

sage.

kulturnews: Du scheinst ein sehr genaues Bild von dir zu haben, oder?

Ruess: Schön wär’s … Ich bin seit Jahren auf der Suche nach meinem wahren

Ich, darüber lässt das Lied „Some Nights“ keinen Zweifel. Ich neige zum Pessimismus,

oft schwanke ich zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt.

kulturnews: Das Stück „One Foot“ gehört zur düsteren Sorte. Du wünscht dir

weder ein neues Leben noch eine neue Liebe, sondern bloß einen besseren

Ort zum Sterben …

Ruess: … und vergiss nicht: Ich muss obendrein für meine Sünden bezahlen!

Im Ernst: Ich habe mich sehr intensiv mit Religionen auseinandergesetzt.

Wenn sie jemandem Kraft und Vertrauen geben, können sie durchaus etwas

Wunderbares sein. Nur: Wieso neigen sie dazu, Menschen mit strikten Regeln

unter Druck zu setzen? Das finde ich echt bedenklich, was „One Foot“ hoffentlich

begreiflich macht.

kulturnews: Du hast also mit Gott nichts am Hut?

Ruess: Sagen wir’s so: Ich möchte etwas tun, weil ich es für richtig halte, nicht

weil irgendeine Religion es mir vorschreibt. Selbstbestimmung ist unabdingbar

– ohne die Zwänge einer Kirche.

kulturnews: Wie gehen deine Eltern eigentlich damit um, dass du in „We are

young“ Drogen ins Spiel bringst?

Ruess: Das hat sie nicht weiter beunruhigt. Sie wissen, wie viel Wert ich darauf

lege, einen klaren Kopf zu behalten. Darum dröhne ich mich nicht zu. Meine

Freunde tun das übrigens auch nicht, obwohl ich in diesem Lied behaupte,

sie seien in meinem Bad high geworden. Das war bloß ein Witz!

Interview: Dagmar Leischow

Some Nights ist seit Kurzem auf dem Markt.

Das Richtige tun: Andrew Dost, Nate Ruess und Jack Antonoff

kulturnews präsentiert

Tour 14. 9. Baden-Baden, 21. 9. Hamburg, 28. 9. Berlin

12. 10. Köln, 13. 10. München, 17. 10. Frankfurt

Foto: Lindsey Byrnes


Tourneen & Konzerte

Juni - Dezember

tape.tv und Spex präsentieren*

Die Antwoord

*21.6. Köln, Essigfabrik / Tickets: € 18,– / 22.6. bis 24.6. Scheeßel, Hurricane Festival – Ausverkauft! / 22.6. bis 24.6. Neuhausen ob Eck, Southside

Festival – Ausverkauft! / www.dieantwoord.com

Intro, putpat.tv und laut.de präsentieren*

GusGus

DJ Support: nd_Baumecker (nur Berlin) *21.6. Berlin, Berghain – Achtung: Einlass ab 16 Jahren! – Ausverkauft! /

22.6. bis 24.6. Scheeßel, Hurricane Festival – Ausverkauft! / 22.6. bis 24.6. Neuhausen ob Eck, Southside Festival – Ausverkauft! /

www.gusgus.com

Electronic Beats präsentiert*

New Order

*21.6. Berlin, Tempodrom / Tickets: € 36,– / 22.6. bis 24.6. Scheeßel, Hurricane Festival – Ausverkauft! / 22.6. bis 24.6. Neuhausen ob Eck,

Southside Festival – Ausverkauft! / www.newordernow.net

Musikexpress präsentiert*

Florence + the Machine

22.6. bis 24.6. Scheeßel, Hurricane Festival – Ausverkauft! / 22.6. bis 24.6. Neuhausen ob Eck, Southside Festival – Ausverkauft! /

+ Special Guest *22.11. München, Zenith / *30.11. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle / *1.12. Berlin, Arena / Tickets: € 32,– /

*2.12. Frankfurt/Main, Jahrhunderthalle / Tickets: € 35,– / www.florenceandthemachine.de

Selah Sue

22.6. bis 24.6. Scheeßel, Hurricane Festival – Ausverkauft! / 22.6. bis 24.6. Neuhausen ob Eck, Southside Festival – Ausverkauft! /

19.07. Lörrach, Stimmen Festival / Tickets: € 32,– / www.selahsue.com

Little Dragon

22.6. bis 24.6. Scheeßel, Hurricane Festival – Ausverkauft! / 22.6. bis 24.6. Neuhausen ob Eck, Southside Festival – Ausverkauft! /

www.little-dragon.se

Visions präsentiert

Pearl Jam

Special Guest: X

4.7. Berlin, O2 World – Ausverkauft! / Zusatzkonzert: 5.7. / Tickets: € 57,– bis € 63,– exklusiv erhältlich unter www.tickets.de /

www.pearljam.com

Musikexpress präsentiert*

Radiohead

Special Guest: Caribou 6. + 7.7. Berlin, Kindl-Bühne Wuhlheide – Alle Termine ausverkauft! / 15.10. Köln, Lanxess Arena /

Tickets: € 45,– bis € 63,– exklusiv erhältlich unter www.tickets.de / *außer Köln / www.radiohead.com

Musikexpress und ByteFM präsentieren

Bloc Party

11.11. Hamburg, Docks / 12.11. Stuttgart, Theaterhaus / Tickets: € 33,50 / 13.11. Dresden, Eventwerk / 15.11. München, Tonhalle / Tickets: € 31,50 /

www.blocparty.com

Kulturnews präsentiert

Skunk Anansie

13.11. München, Tonhalle / 15.11. Köln, Palladium / 16.11. Berlin, Columbiahalle / 17.11. Stuttgart, Theaterhaus / 29.11. Neu-Isenburg,

Hugenottenhalle / Tickets: € 32,– / www.skunkanansie.net

Online Tickets für alle Konzerte unter www.tickets.de

Die angegebenen Ticketpreise gelten für den Vorverkauf zzgl. Gebühren. Tickets erhältlich an allen bekannten Vertragsvorverkaufsstellen.

Änderungen vorbehalten. Weitere Konzerte anderer Künstler in Vorbereitung. Infos unter www.mct-agentur.com und www.facebook.com/MCTAgenturGmbH.

Tourneeveranstalter: MCT Agentur GmbH


8 musik // Blues

Keb’ Mo’

Zeit und Raum

Mit 60 ist Kevin Moore alias Keb’ Mo’ längst ein

Bluesveteran – was nicht heißt, dass er vor modernen

Kommunikationsmethoden zurückschrecken würde.

Oder vor Nashville.

kulturnews: Kevin, du warst erst vor einigen Monaten in Deutschland

unterwegs, und jetzt kommst du schon wieder auf Tour.

Warum?

Keb’ Mo’: Mir hat es in Deutschland immer sehr zugesagt, auch

wenn ich sechs oder acht Jahre lang nicht mehr hier war. Das

Publikum ist sehr offen und sachkundig. Es besteht offenbar eine

gewisse Nachfrage nach mir, und deshalb war es keine Frage,

bald wiederzukommen – das hatten wir schon im November 2011

angepeilt. Das Einzige, was mir an Deutschland weniger gefällt,

ist, dass man hier an Wochenenden nachmittags in kleineren

Städten oft nicht mehr einkaufen kann …

kulturnews: Bis zur Veröffentlichung deines Albums „The

Reflection“ ist viel Zeit vergangen. Hast du wirklich drei Jahre an

den Songs geschrieben?

Mo’: Nein, das stimmt so nicht ganz: Es hat drei Jahre lang gedauert,

bis ich sie aufgenommen hatte. Ich habe mir Zeit gelassen,

ließ mich auch durch andere Projekte ablenken. Der Aufnahmeprozess

zog sich hin, bis alles so passte, wie ich es mir

vorgestellt hatte. Außerdem war mein Plattenvertrag ausgelaufen, ich stand

ohne Deal da und wollte erst mal sehen, wie sich die Branche und der

Plattenmarkt entwickeln.

kulturnews: Längere Pausen sind nichts Neues für dich, so hatte deine Karriere

ja schon begonnen: Dein Debüt „Rainmaker“ erschien 1980, die zweite Platte

„Keb Mo“ dann erst vier Jahre später. Woran lag es damals?

Mo’: Ich hatte jede Menge Probleme, auch familiärer Art, unter anderem eine

Ehe, die nicht klappte. Ich hatte Selbstzweifel, war frustriert vom Musikgeschäft,

habe sogar ganz aufgehört, Musik zu machen und erst 1983 wieder

angefangen. Zwischendurch arbeitete ich in ganz normalen Tagesjobs.

kulturnews: … und als Schauspieler: Du hast zum Beispiel das Bluesdenkmal

Robert Johnson in „Can’t you hear the Wind howl“ verkörpert.

Mo’: Oh, das ist ewig her, das war 1992. Aber ich werde heute immer noch

darauf angesprochen. Den Film, ein Dokudrama, habe ich noch als Kevin

Moore gedreht und mir erst danach den Künstlernamen Keb’ Mo’ zugelegt.

Ich muss dazu sagen, dass ich Robert Johnson natürlich sehr schätze, aber

ich bin kein Robert-Johnson-Jünger. Da fühle ich mich Taj Mahal oder B. B.

King wesentlich näher und enger verbunden.

kulturnews: Auf deinem aktuellen Album „The Reflection” wimmelt es vor

namhaften Gästen wie Vince Gill, India.Arie, Dave Koz oder Marcus Miller.

Warum hast du dir so viel Unterstützung geholt?

kulturnews 7/12

Mo’: Ich habe einige meiner Freunde gefragt, ob sie nicht Lust hätten mitzumachen,

ein paar Fabrtupfer zu setzen – und ich habe sie auch anständig

dafür bezahlt!

kulturnews: Wie lief die Zusammenarbeit?

Mo’: Unterschiedlich. Einige kamen zu mir ins Studio, mit anderen wie

India.Arie habe ich Files ausgetauscht – wir haben nicht mal miteinander gesprochen,

sondern nur per E-Mail und SMS kommuniziert.

kulturnews: Du bist vor einiger Zeit von Los Angeles nach Nashville gezogen.

Das ist nicht mehr nur die Countryhochburg schlechthin, mittlerweile sind dort

die Vertreter unterschiedlichster Genres zugange. Was hat dich zu diesem Schritt

bewogen?

Mo’: Meiner Frau und mir ging es um einen anderen, etwas ruhigeren Lebensstil,

als er in Los Angeles verbreitet ist. Ich habe erkannt, ein bisschen kürzer

treten zu müssen, ein bisschen ruhiger zu leben und mich mehr der Familie

zu widmen. Außerdem wollte ich ein wenig mehr Platz. Also sind wir nach

Nashville gezogen, wo es in der Tat musikalisch längst in alle Richtungen geht.

Dort ist alles möglich, von Country bis Klassik.

Interview: Philipp Roser

kulturnews präsentiert

Tour 3. 7. Darmstadt, 4. 7. Ulm, 5. 7. Freiburg, 6. 7. Stuttgart

Foto: Meghan Aileen Schirmer


Aktion //

Designe deinen eigenen Biermix!

Die normalen Biermixgetränke sind dir zu langweilig? Du hast schon lange eine

abgefahrene Idee für eine neue Biervariante? Dann ab dafür! Beck's bietet dir jetzt

die Chance, deinen eigenen Biermix zu entwickeln und bringt im Sommer 2013 die

erste demokratisch entwickelte Edition auf den Markt. Kurz: Du kannst bestimmen,

wie die nächste Beck's Biermix Limited Edition heißt, schmeckt und aussieht.

In diesem Sommer heißt die Limited Edition Beck's Asia, als Hommage an das

20-jährige Beck's Jubiläum in China. Ein fruchtig-frischer Mix aus Bier mit Ingwer

und Pomelo. Doch wie soll der Sommer 2013 schmecken? Du hast die freie Wahl:

Soll der neue Mix an einen Surfurlaub erinnern, an die Wildnis Kanadas oder die

Skyline von Manhattan? Soll er herb, süßlich, säuerlich werden? Bis zum 29. Juni

kannst du deine Vorschläge online einreichen, ganz einfach über die App auf

www.facebook.com/becks.de. Hier stehen viele unterschiedliche Zutaten zur Wahl,

es gibt Ideen zum Etikettendesign, und auch der Alkoholgehalt des Biermixgetränks

kann ausgewählt werden.

Dann braucht das Baby nur noch einen Namen und das Voting kann losgehen. Ein

bisschen die Werbetrommel unter den Freunden zu rühren lohnt sich, denn nur

Konzepte, die mehr als 100 Stimmen erreichen, stellen sich einer Profi-Jury, die daraus

drei Favoriten kürt. Die ultimative Qual der Wahl liegt dann schließlich bei den

Beck's Fans: Sie können sich via Facebook für Events bewerben, auf denen die Top

Drei auf Herz und Nieren getestet werden können. Die Fans entscheiden dann, welcher

Mix ab Frühjahr 2013 in Serie geht Vielleicht ja deiner?

Ebenso individuell wie die Beck's Limited Edition sind die Single Speed Bikes von

Create by Trendwizzard (www.trendwizzard.de). kulturnews und Beck's verlosen

eines der stylischen Räder –

neidische Blicke sind dir

damit sicher. Um teilzunehmen,

einfach bis zum 18. Juli die

Gewinnhotline 0137-989 89 81

(0,50 Euro/Anruf) anrufen. Viel Glück!


10 musik // Klaviermusik

Benyamin Nuss

Alles außer Bach

Der junge Pianist Benyamin Nuss hat Großes vor:

Er will der Youtube-Generation Klassik unterjubeln.

So also sieht der neue Stern am Pianistenhimmel aus: dunkle Haare,

dunkle Augen, legere Kleidung, jungenhafter Typ. Zur Begrüßung

lächelt Benyamin Nuss – und wirkt so viel sympathischer als der

coole Typ mit der Tolle, zu dem er auf den Covern seiner CDs stilisiert

wird. Schnell zeigt sich während des Interviews in einem Osnabrücker

Hotel, dass der 23-Jährige mit den Poserfotos, die sein

erstes Album „Benyamin Nuss plays Uematsu“ zierten, selber

nicht so richtig glücklich ist. „Das bin ich gar

nicht wirklich“, klagt er. „Andererseits haben

die Bilder natürlich zur Videospielmusik

gepasst.“

Weil er ein leidenschaftlicher Computerzocker

ist, spielte Nuss nämlich auf

seinem Solodebüt ein ungewöhnliches

Repertoire ein: Stücke, die der japanische

Videospielkomponist Nubuo

Uematsu für den Verkaufsschlager

„Final Fantasy“ schrieb. Ein Versuch, sich

als Enfant terrible in der eher konservativen

Klassikszene zu etablieren? Nein, der

Sohn des Posaunisten Ludwig Nuss und einer

Englischlehrerin aus Singapur hat eine völlig

andere Philosophie. „Die Werke von

Bach oder Beethoven wurden doch

schon x-mal aufgenommen“, sagt

er. „Zum Teil waren die Interpretationen

so genial, dass ich

mich frage, wie man überhaupt

noch etwas verbessern

könnte. Ich möchte den

Menschen neue und unbekanntere

Musik nahebringen.“

Das zieht er auch auf seinem zweiten Album

„Exotica“ konsequent durch. Rund eine

Stunde lang führt er durch Kompositionen

von Villa-Lobos, Ginastera, Milhaud oder

Balakirew. „Die meisten habe ich mir eigens

für diese CD erarbeitet“, sagt er. Bis auf die

drei „Estampes“ von Debussy; mit ihnen ist

Nuss quasi aufgewachsen. „Ich habe früher

ganz viel Jazz gehört. Erst durch Debussy

fand ich zur Klassik, weil es bei ihm etliche

Jazzakkorde gibt.“ Der französische Impressionist

führte ihn dann über Ravel zu den Romantikern

– auch heute noch zählen Liszt,

Rachmaninow und Chopin zu seinen Favoriten.

kulturnews 7/12

Foto: Deutsche Grammophon/UMG

Der junge Pianist aus Aachen ist jedenfalls keiner,

der Musik auf die leichte Schulter nimmt. Er hat nicht

nur diverse Wettbewerbe gewonnen, sondern auch Meisterkurse

bei Ragna Schirmer oder Anatol Ugorski belegt.

Heute übt er täglich bis zu sieben Stunden und studiert bei

Ilja Scheps an der Musikhochschule Köln. „Er ist ein

großartiger Lehrer“, schwärmt er vom Vater der Starpianistin

Olga Scheps, „weil er das richtige Gespür für seine

Schüler hat. Übertriebene Höhenflüge bremst er aus.

Dafür baut er diejenigen auf, die zu wenig Selbstvertrauen

haben.“

Solche Sätze sagt Nuss mit Bedacht. Er redet

leise, und man spürt: Nuss ist noch kein routinierter

Medienstar. Mit rührender Ernsthaftigkeit

erklärt er, das Wort Crossover überhaupt

nicht zu mögen. „Für mich existieren bloß

zwei Kategorien: improvisierte und nichtimprovisierte

Musik.“ Gleichwohl scheut er

sich nicht, in seinen Eigenkompositionen

Klassik, Jazz und teils sogar Pop zu verquicken.

„Das Komponieren“, erklärt er, „hilft

mir, andere Komponisten besser zu verstehen.

Außerdem möchte ich der

Nachwelt etwas hinterlassen.“ Deshalb

finden sich auf „Exotica“ auch

zwei Nuss-Originale: ein seiner japanischen

Freundin Kanae gewidmetes

Präludium und die „Elegie für

Fukushima“. „Die Elegie war anfangs

einfach nur ein Trauermarsch,

zu dem mich der japanische Komponist

Hamauzu inspiriert hat“, erzählt

Nuss. „Als dann das Ausmaß der Katastrophe

von Fukushima bekannt wurde, habe ich das

Stück nachträglich umbenannt.“ Er spielt es gefühlvoll

und sensibel, mit einer feinen Tongebung,

die sein Können zeigt.

So will er vor allem Altersgenossen zu seinen

Auftritten locken. „Klar, auf Youtube kann man

sich inzwischen alles anschauen“, konzediert er.

„Aber ein Konzert im Saal mitzuerleben ist etwas

völlig anderes – weil da Emotionen entstehen, die

auf dem Bildschirm gar nicht spürbar sind.“

Dagmar Leischow

Exotica ist seit Kurzem im Handel.


Stefan Dettl

Nackte

Tatsache

La-Brass-Banda-Boss Stefan Dettl feiert auf

seiner zweiten Soloplatte das Hippietum –

und lässt folgerichtig die Hosen runter.

„Doch, doch“, bekräftigt Stefan Dettl mit seinem

gemütlichem oberbayerischen Dialekt, „der Titel

meines neuen Albums ist absolut ernst gemeint,

eine Verneigung vor den Hippies und dem Sommer

der Liebe von 1967.“

Die CD heißt „Sommer of Love“, doch um Sex

und Drogen geht es Dettl weniger. „Liebe ist, wenn

man wie ich fünf Jahre auf Tournee ist und in dieser

Zeit fast ausschließlich mit feinen Menschen zusammenkommt“,

erklärt Dettl. „Liebe hat für mich

heutzutage viel mit Nachbarschaft zu tun, mit

Freundschaft, mit Solidarität. Der ,Summer of Love’,

den ich für 2012 ausrufe, ist der des großen Zusammenhalts,

des emotionalen Widerstands gegen

eine kalt gewordene Realität.“

Der 31-jährige Traunsteiner verschreibt sich auf

seinem zweiten Solowerk den Idealen der Hippies,

musikalisch, textlich – und klanglich. Er und seine

Deutschrock // musik 11

Begleitmusiker haben in den USA extra analoge

Röhrenverstärker besorgt, „damit unser Sound

irgendwo zwischen Rock, Folk, Pop und Volksmusik

warm und direkt rüber kommt.“ Trotz des englischen

Titels singt er sämtliche Lieder der Platte

in mal flauschigem, mal derbem Bayerisch. „Auf

Hochdeutsch klinge ich nur gekünstelt, stumpf,

leer.“

Nachdem Dettls Solodebüt „Rockstar“ 2011

prächtig ankam, gab der Blondschopf „Vollgas bei

der neuen Scheibe, ehe mir La Brass Banda wieder

in die Quere kommen würde”, meint er schelmisch.

In der Tat haben Dettl solo und seine Volxmusikcombo

wenig gemeinsam. „Im Alleingang“, definiert

Dettl den Unterschied, „mache ich deftigen Rock

plus ein paar Balladen, während La Brass Banda

Tanzmusik im besten Sinne ist.“

Das unablässige Touren der letzten Jahre sowie

die Aussicht, dass sich in der nächsten Zeit daran

nichts ändern wird, nervt Dettl nicht, im Gegenteil:

„Dadurch, dass wir in einem klapprigen Bus unterwegs

sind und eine Menge erleben, ist der Weg

das Ziel, das Konzert nur Schlusspunkt eines Abenteuers.

Wenn ich on the road bin, fühle ich mich

selbstbestimmt und frei.“

So frei wie der nackte Mann auf dem „Summer

of Love“-Cover, der seine blanke Rückseite ins Bild

reckt. Es ist die von Dettl. „Ich hatte kein Geld für

ein Nacktdouble“, feixt er, „also muss die Welt sich

mit meinem bleichen Popo begnügen. Passt scho,

oder?“

Michael Fuchs-Gamböck

Summer of Love ist Ende Juni erschienen.

Foto: Gulliver Theis

kulturnews 7/12

14.09. BADEN-BADEN / SWR 3 NEW POP FESTIVAL

21.09. HAMBURG / REEPERBAHN FESTIVAL

28.09. BERLIN / POSTBAHNHOF *

12.10. KÖLN / GLORIA *

13.10. MÜNCHEN / THEATERFABRIK *

17.10. FRANKFURT / BATSCHKAPP *

Die

Live-Show auf

CD, DVD & Bluray

jetzt überall

erhältlich

Das neue

Album O.N.I.F.C.

ab Sommer

überall

erhältlich

������� ������������������

�������� ��������������������������

�������� ��������������������������

�������� ������������������������������

10.07. KÖLN

SPECIAL

GUEST:

TICKETS & WEITERE INFOS AUF

WWW.NEULAND-CONCERTS.COM

TOUR 2012

14.07. HAMM / HAMMER SUMMER

20.07. MAGDEBURG / FESTUNG MARK

21.07. MÜNCHEN / SOMMERNACHTSTRAUM

26.07. KARLSRUHE / ZELTIVAL

27.07. HANAU / AMPHITHEATER

02.08. STUTTGART / FREILICHTBÜHNE KILLESBERG

10.08. ALZEY / DA CAPO FESTIVAL

11.08. ESCHWEGE / OPEN FLAIR FESTIVAL

24.08. BERLIN / ZITADELLE

25.08. HAMBURG / STADTPARK

01.09. LÜBBENAU / BRANDENBURG TAG 2012

15.09. JEVER / BRAUEREIHOFFEST

SUPPORT:

WALK THE MOON*

Das Album

SOME NIGHTS

jetzt überall

erhältlich

TANZBRUNNEN

11.07. HAMBURG

STADTPARK

SPECIAL

GUEST: MOTRIP

��������������������������������� ��������� ������������������

�������� ������������������� ��������� ���������������

HMBC

11.09. KÖLN - STUDIO 672

12.09. HAMBURG - GRUENSPAN

13.09. BERLIN - FRANNZ CLUB

14.09. FRANKFURT - BROTFABRIK

15.09. LINDAU - CLUB VAUDEVILLE

16.09. STUTTGART - KELLER KLUB

Strings 'n' Stripes

live 2012

Das Album

GAMBLING MAN

jetzt überall

erhältlich

Das

aktuelle Album

THE LION’S ROAR

überall

erhältlich

Das Album

THE REFLECTION

jetzt überall

erhältlich

���������������������������������������������������������������������

14.09. NEUMÜNSTER

15.09. MÜNSTER

16.09. MAGDEBURG

17.09. KREFELD

18.09. MAINZ

19.09. BERN (CH)

20.09. STUTTGART

21.09. GRAZ (AT)

22.09. WIEN (AT)

23.09. REGENSBURG

24.09. COTTBUS


CD: 0207761CTT

Kein

bisschen

leis

DIE ZÖLLNER

Uferlos

25 Jahre DIE ZÖLLNER!

Das neue Album »Uferlos« lässt

einen mächtigen Strom aus Soul,

Funk und ergreifenden Balladen

fließen. Mit Stücken feat.

Regy Clasen, Xavier Naidoo,

Edo Zanki uvm.

Der Name »Uferlos« ist Programm,

musikalische Grenzen

werden Song für Song neu

ausgelotet. (Das Magazin 5/2012)

SOMMER-TOUR 2012:

07.07. DESSAU

28.07. ZINNOWITZ

05.08. BERLIN

08.09. PERLEBERG

www.edel.com

12 musik // Folkrock

Shawn Colvin

„Überhaupt

keine Scham“

Folkrock mit Country- und Popeinflüssen

machen viele. Aber nur bei wenigen

Musikerinnen waren die Ausschläge so

heftig wie bei Shawn Colvin (56).

Ein Album und ein Buch geben nun tiefe

Einblicke in ein Leben am Abgrund.

kulturnews: Shawn, parallel zu deinem Album

„All fall down” erscheint in den USA auch deine

Autobiografie „Diamond in the Rough“. Was war

denn schwerer zu schreiben – Buch oder Platte?

Shawn Colvin: Ganz eindeutig das Buch! Die

Arbeit hat wirklich lang gedauert, mehrere Jahre.

Es war eine ziemliche Unternehmung, und ich

bin immer noch begeistert von mir, dass ich das

durchgezogen habe.

kulturnews: Du schreibst über deine harten Anfänge,

den Aufstieg zur mit Grammys und Platinplatten

ausgezeichneten Sängerin, aber auch über

Depressionen, Selbstmordgedanken, Essstörungen

kulturnews 7/12

und Alkoholsucht. War es hart, diese Dinge zu

enthüllen?

Colvin: Nein, überhaupt nicht, das fiel mir leicht.

Ich weiß auch nicht warum – vielleicht weil ich

mich besser gefühlt habe, als ich meinerseits in

schwierigen Phasen meines Lebens die Erinnerungen

anderer Menschen las. Speziell Patti Smith

mit ihrem Buch „Just Kids“ hat mich sehr bewegt.

Ich habe beim Schreiben überhaupt keine

Scham gefühlt, selbst diese sehr privaten Dinge

aus meinem Leben mitzuteilen.

kulturnews: Bauen die Songs auf dem Buch auf?

Colvin: Durch die Rückschau – bei der mir viele

Tagebuchaufzeichnungen geholfen haben, auch,

wenn sie wild durcheinander waren – wurde mir

etwas nostalgisch zumute. So ist ein Song wie

„American Jerusalem“ entstanden, der mich an

meine Zeit in New York erinnert. Inzwischen lebe

ich mit meiner Tochter wieder in Austin, aber in

den 80ern habe ich New York geliebt, auch wenn

das Leben dort sehr hart war.

kulturnews: Du bist jetzt, genau wie deine gute

Freundin und Kollegin Emmylou Harris, bei der

kleinen, aber renommierten Plattenfirma Nonsuch

Records unter Vertrag.

Colvin: Ein wundervolles Label mit begeisterungsfähigen

Menschen, die Musik lieben. Nonsuch ist

eine altmodische Rarität.

kulturnews: Du auch?

Colvin: Ob ich eine Rarität bin, weiß ich nicht. Aber

altmodisch bin ich auf jeden Fall.

Interview Steffen Rüth

All fall down ist Ende Juni erschienen.

Foto: Michael Wilson


Joe Jackson

Duke dich!

Joe Jackson mag weder HipHop noch New York.

Umso mehr aber eine Jazzlegende, die wir ebenfalls

unbedingt wiederentdecken sollen.

kulturnews: Mr. Jackson, warum haben Sie denn ein

Duke-Ellington-Hommage-Album aufgenommen?

Joe Jackson: Ich bin nun mal ein großer Ellington-Verehrer

– dieser Mann war stets mein Vorbild. Seine Kompositionen

sind unheimlich stark. Das hat mich auf die

Idee gebracht, sie neu zu arrangieren. Außerdem hatte ich

das Gefühl, dass es an der Zeit ist, endlich wieder mehr

Aufmerksamkeit auf seine Musik zu lenken.

kulturnews: Glauben Sie wirklich, dass Ellington das

nötig hat?

Jackson: Und ob! Ich fürchte, heutzutage wissen viele

Menschen gar nicht mehr, wer dieses Genie eigentlich war.

kulturnews: Wieso halten Sie ihn für genial?

Jackson: Oh Gott, wo soll ich da anfangen …? Da gibt es

eine ganze Menge Gründe. Zuallererst hat er um die tausend

Werke geschrieben, jedes einzelne ist brillant. Er galt

zu Recht als Visionär, der seiner Zeit immer voraus war und

die Musikwelt nachhaltig prägte. Das können nur wenige

Leute von sich behaupten. Vielleicht noch Bach und

Beethoven.

kulturnews: Verehren Sie die beiden genauso wie

Ellington?

Jackson: Ich wiege das nicht gegeneinander auf. Genres

sind mir eh nicht so wichtig. Ich suche nach Authentizität

und Originalität. Wenn ich Stücke höre, frage ich mich:

Sprechen sie dem Komponisten tatsächlich aus der Seele?

Ist das nicht der Fall, dann berühren sie mich nicht.

kulturnews: Lehnen Sie keine Stilrichtung von vornherein

ab?

Jackson: Na ja, vom HipHop habe ich allmählich genug.

Diese Musik gleicht meiner Ansicht nach einem Dinosaurier.

Sie ist zwar groß, hat aber ein winziges Gehirn.

Weiß der Teufel, warum den afroamerikanischen Künstlern

heutzutage nichts Besseres mehr einfällt. Jemand wie

Snoop Dog spielt für mich keinesfalls in einer Liga mit

Louis Armstrong, Miles Davis, Ray Charles oder Ella Fitzgerald.

Modern Jazz // musik 13

kulturnews: Entdecken Sie nicht mal in New York irgendwelche

Talente?

Jackson: Ganz ehrlich: Diese Stadt hat sich total verändert.

Ich habe Schwierigkeiten damit, dort überhaupt noch Inspiration

zu finden. Deswegen gehe ich höchstens in Jazzclubs

wie das Blue Note. Dort erlebe ich ab und zu ein

paar Sternstunden. Wie zum Beispiel beim Auftritt der

Geigerin Regina Carter – mit der ich übrigens das Lied

„Mood Indigo“ eingespielt habe.

kulturnews: Für Ihre CD „The Duke“ haben Sie etliche Gäste

rekrutiert. Wer wird Sie bei Ihren Konzerten begleiten?

Jackson: Bloß Regina. Ansonsten stelle ich eine völlig neue

Band zusammen. Die muss einiges drauf haben, weil sie

neben den Ellington-Nummern auch meine Klassiker

einstudieren wird …

kulturnews: Wie wollen Sie Ihr Werk mit Titeln wie „I got

it bad (and that ain’t good)“ zusammenbringen?

Jackson: Natürlich muss ich meine Songs umarrangieren.

Aber das mache ich sowieso gerne. Es tut jedem Lied gut,

wenn es von Zeit zu Zeit aus einer anderen Perspektive

betrachtet wird.

Interview: Dagmar Leischow

The Duke ist seit Kurzem im Handel.

Foto: Frank Veronsky

kulturnews 7/12


14 live // kulturnews präsentiert

Foto: Autopilot Music

Foto: Markus Hauschild

Wassermusik 2012

20. 7.–12. 8. // Berlin, Haus der Kulturen der Welt

An vier Wochenenden wird es unter dem

Titel „Süd-Süd“ einen bunten Stilmix geben

aus unter anderem karibischen, afrikanischen

und indischen Einflüssen, ergänzt

durch Filme zur Genregeschichte

H-Blockx

14. 9. // Hamburg, Grünspan

15. 9. // Bochum, Zeche

17. 9. // Köln, Underground

18. 9. // München, Theaterfabrik

19. 9. // Nürnberg, Hirsch

21. 9. // Berlin, C-Club

22. 9. // Dresden, Beatpol

23. 9. // Mannheim, Capitol Mannheim

Das ist doch mal Ironie im schönsten

Sinne: Der Begriff H-Block bezeichnet

ursprünglich eine Isolationszelle –

dabei eint die deutsche Band H-

Blockx seit den 1990er-Jahren bei

unzähligen Livespektakeln tausende

Menschen mit ihrem Sound, der zwischen

Crossover und Rock unbestreitbare

Kopfnickerqualitäten mitbringt.

kulturnews 7/12

und Künstlerbiografien. Die musikalische

Palette reicht von Salsa und Latin bis

hin zum Funk-HipHop-Indierock-Crossover

der Kolumbianer La Makina Del

Karibe (Foto).

Kid Kopphausen

Foto: Dennis Williamson

11. 9. // München, Ampere

12. 9. // Frankfurt, Das Bett

13. 9. // Köln, Kulturkirche

14. 9. // Köln, Kulturkirche

16. 9. // Berlin, Heimathafen Neukölln

17. 9. // Hamburg, St. Pauli Theater

Wenn sich zwei so gleichermaßen begabte

wie unprätentiöse Singer/Songwriter

wie Gisbert zu Knyphausen und

Nils Koppruch zusammentun, um eine

Band zu gründen, hat man allen

Grund, die Erwartungen an das Ergebnis

namens Kid Kopphausen hoch

zu stecken. Die Zusammenarbeit am

Song „Knochen und Fleisch“ lässt bereits

ahnen: Es wird unkonventionell

und clever.

Urban Cone

20. 7. // Hamburg, Molotow

10. 8. // Berlin, Rosis

Da veröffentlichen fünf Jungs aus Stockholm

im Internet ihren Song „Urban

Photograph“, und auf einmal brummt

die Blogosphäre. Die Schweden veröffentlichen

weitere Stücke, und auch die

Flying Colors

9. 9. // Hamburg, Markthalle

10. 9. // Berlin, C-Club

11. 9. // München, Theaterfabrik

Die Supergroup Flying Colors ist alles

andere als ein Zufallsprodukt. In akribischer

Vorbereitung wurden die einzelnen

Mitglieder von Produzent Bill Evans

ausgewählt. Dass das Ergebnis hoch-

12. 8. // Dortmund, FZW

13. 8. // München, Ampere

haben es in sich. Tanzbar, verspielt,

gleichzeitig jugendlich unbändig und

souverän: Mit Urban Cone wird noch zu

rechnen sein – auch auf deutschen

Bühnen.

15. 9. // Stuttgart, LKA Longhorn

16. 9. // Aschaffenburg, Colos-Saal

17. 9. // Köln, Gloria

wertiger, virtuoser Progressive Rock ist,

wundert bei der Vergangenheit der Mitglieder

kaum: Die Referenzen beinhalten

unter anderem Deep Purple und Dream

Theater.

* Auf kulturnews.de findet ihr im Musikportal die vollständigen Tourtermine für ganz Deutschland, Tickets und weitere Konzerthighlights.

Foto: Karsten Jahnke

Foto: Joey Pippin


Foto: Carla Elliott

Salim Nourallah

17. 7. // Mainz, Schon Schön

18. 7. // Düsseldorf, Brause

19. 7. // Karlsruhe, NUN Cafe

23. 7. // Hamburg, Astrastube

kulturnews präsentiert // live 15

Der US-amerikanische Songwriter Salim

Nourallah gilt als das bestgehütete

Geheimnis des Pop. Gut: Lüften wir es

endlich.

kulturnews: Salim, mit deinem melancholischen

Songwriterpop bist du ein

Lokalheld in deiner Heimatstadt Dallas,

bringst deine Alben aber beim Hamburger

Label Tapete heraus. Wie kam’s denn

dazu?

Salim Nourallah: Totaler Zufall! Dirk

Darmstädters Drummer Lars Plogschties

kaufte mein erstes Soloalbum „Polaroid“

von 2004 im Italienurlaub. Lars liebte

mein Album wirklich und gab es Dirk –

der es sich wohl eine ganze Weile nicht

angehört hat und es dann toll fand. Als

er mich kontaktierte, hatte ich gerade

mein zweites Album „Beautiful Noise“

aufgenommen, und Tapete veröffentlichte

es in Deutschland. Mittlerweile sind wir

bei vier gemeinsamen Alben angelangt,

und ich komme zum vierten Mal auf

Deutschlandtour.

kulturnews: … und das, obwohl du in

deiner Heimat USA noch nie getourt

bist. Ist das nicht ein bisschen verrückt?

Nourallah: Ja, ist es! Aber ich bin ja

auch ein bisschen verrückt. Oder bin ich

bloß super realistisch? Ich habe mich

jedenfalls nie der Illusion hingegeben,

24. 7. // Berlin, Crystal

26. 7. // Duisburg, Grammatikoff

27. 7. // Aachen, Raststätte

dass ich Amerika erobern könnte, indem

ich 200 Tage im Jahr alleine vor mich

hintoure. Ich glaube, das hätte mich und

meine Familie bloß aufgerieben. Also bin

ich nach Europa gekommen, wenn es

die Möglichkeit auf eine Tour gab, und

habe meine Familie einfach mitgenommen.

Lukrativ war das zwar nie, aber

wir haben einfach auch die Zeit miteinander

genossen. Das hat mir auch viel

von dem Druck genommen, wie viel Geld

wir jetzt eingenommen haben oder wie

viele Leute beim Konzert waren. Ich glaube

nämlich sowieso nicht daran, dass

man die Dinge erzwingen kann. Oder

zumindest kann ich das nicht.

kulturnews: Dann fühlst du dich wohl

dabei, seit Jahren als bestgehütetes Geheimnis

des Pop gehandelt zu werden?

Nourallah: Das ist ein wirklich großes

Kompliment, also höre ich es gern. Aber

natürlich hätte ich nichts dagegen, ein

bisschen weniger ein Geheimnis zu sein,

damit die netten Menschen bei Tapete

vielleicht irgendwann anfangen, ein bisschen

Geld mit mir zu verdienen – und

ich auch weiterhin Platten machen kann.

Ein großer Popstar zu werden war allerdings

nie mein Plan. Dafür hätte ich mir

dann wohl auch einen etwas weniger

merkwürdigen Namen zulegen müssen.

Interview: Katharina Behrendsen

kulturnews 7/12


16 live // kulturnews präsentiert

Billy Talent

29. 9. // Dresden, Messehalle

30. 9. // Stuttgart, Schleyerhalle

2. 10. // München, Zenith

7. 10. // Frankfurt, Festhalle

Das live ganz besonders explosive Gemisch

der kanadischen Alternativerocker

Billy Talent hat eine rohe, unbändige Kraft

und einen satten, vollen Klang. Scheppern

und Schrammeln überlassen sie an-

Juanes

kulturnews 7/12

Foto: MLK

25. 10. // Köln, Live Music Hall

2. 11. // Hamburg, Docks

3. 11. // Berlin, Huxleys Neue Welt

Verglichen mit dem Starstatus, den

der Songschreiber und Sänger Juanes

in seiner kolumbianischen Heimat

genießt, ist er hierzulande ein beinahe

unbeschriebenes Blatt. Dabei räumt

er mit seiner Mischung aus Pop, Rock

und Einflüssen seines lateinamerikanischen

Erbes einen Latin-Grammy

nach dem anderen ab – da heißt es

wohl: aufschließen.

deren und besinnnen sich selbst lieber

auf die treibenden, erstaunlich eingängigen

Melodien, die den Sound dieser

Band so wesentlich mitbestimmen.

Foto: PRK

John Cale

14. 10. // Köln, Gloria

16. 10. // Berlin, Passionskirche

18. 10. // München, Freiheiz

23. 10. // Hamburg, Kampnagel

Foto: Dustin Rabin

9. 10. // Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle

10. 10.// Münster, Halle Münsterland

11. 10.// Hamburg, Alsterdorfer Sporthalle

13. 10.// Berlin, Max-Schmeling-Halle*

Mit Lou Reed gründete John Cale einst

die legendären The Velvet Underground.

Doch der Waliser, der seine eigenen

Kompositionen von klassisch angehaucht

bis lässig rockend zu inszenieren

weiß, ließ seinen Einfluss bereits

vielfach wirken: unter anderem als Produzent

von Nick Cave, The Stooges und

Patti Smith.

Sophie Hunger

27. 9. // Leipzig, Opernhaus Leipzig

13. 11. // Köln, Gloria

19. 11. // Berlin, Volksbühne

Die zurückhaltende Singer/Songwriterin

Sophie Hunger zeigt, wie es auch gehen

kann: kein Leben in der Öffentlichkeit,

keine Fragen zum Privatleben – aber

gefeierte Alben und Liveauftritte. So ge-

Overtones

14. 9. // München, Freiheiz

15. 9. // Düsseldorf, Savoy-Theater

Seit ihre Single „Gambling Man“ den TV-

Spot eines großen deutschen Fernsehsenders

untermalte, wippt man bundesweit

zum Doo-Wop der Overtones.

Das britische Quintett tritt den Beweis

21. 11. // München, Freiheiz

3. 12. // Frankfurt, Mousonturm

konnt verwebt die Schweizerin Jazz, Pop

und Folk, dass man es ihr direkt gleichtun

und sich mit ihren Platten allein

daheim einkuscheln will.

17. 9. // Hamburg, Fliegende Bauten

18. 9. // Berlin, Admiralspalast

an, dass diese Musikrichtung, genau

wie der Motown-Sound, zeitlos ist und

interpretiert Hits von Billy Joel bis

Rihanna neu.

* Auf kulturnews.de findet ihr im Musikportal die vollständigen Tourtermine für ganz Deutschland, Tickets und weitere Konzerthighlights.

Foto: Neuland Concerts Foto: Prime Tours & Promotion


Mic Donet

kulturnews präsentiert // live 17

28. 10. // München, Ampere

29. 10. // Saarbrücken, Garage

30. 10. // Aschaffenburg, Colos Saal

1. 11. // Köln, Essigfabrik

3. 11. // Berlin, Postbahnhof

Wie aus Michael Schuppach (32) aus

Olching bei München der Soulsänger

Mic Donet wurde, ist eine sehr lange

Geschichte. Hier die Kurzversion.

kulturnews: Michael, darf man dich noch

als Newcomer bezeichnen?

Mic Donet: 99 Prozent aller Talente scheitern

an ihrer Ungeduld oder daran, dass

sie nicht weitermachen, wenn sie stolpern.

Deshalb passt Newcomer schon –

obwohl sich der Begriff komisch anhört

für einen 32-Jährigen, der mit 19 seinen

ersten Plattenvertrag bekam.

kulturnews: In der Tat. Die meisten haben

dich zum erstem Mal singen gehört, als

du in der Castingshow „The Voice of

Germany“ das Halbfinale erreicht hast.

Was hast du davor getrieben?

Donet: Ich war Breakdancer, irgendwann

traute ich mich zu singen, bekam einen

Plattenvertrag und veröffentlichte 2004

ein deutsches Soulalbum. Ich ging mit

Carlos Santana und Erykah Badu auf

Tour, dann lud mich Santana-Sänger Andy

Vargas zu sich nach Los Angeles ein.

Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen,

denn ich hatte immer schon den Traum,

englischsprachige Nummern zu produzieren.

kulturnews: Wie lief es?

Donet: Anfangs bombig. Wir nahmen drei

Songs auf, plötzlich rief Santana an und

4. 11. // Hamburg, Grünspan

5. 11. // Bochum, Zeche

6. 11. // Konstanz, Kulturladen

14. 11. // Osnabrück, Lagerhalle

16. 11. // Dresden, Beatpol

Foto: Aristoteles Loukissas

fragte, ob ich nicht als zweiter Sänger

neben Andy mit auf die Bühne wollte.

Klar! Ich stand in Montreal vor 20 000

Leuten neben Carlos und habe „Black

Magic Woman“ gesungen. Anschließend

bot er mir einen Vertrag über sechs Jahre

an.

kulturnews: Was ging schief?

Donet: Andy hatte Angst, ich wollte ihm

den Job wegnehmen. Diese Ellbogenmentalität

in der US-Szene ist unglaublich

und hat mich schockiert. Ich

bin zurück nach Deutschland, fand mit

Ari Loukissas einen tollen Produzenten

und habe ganz in Ruhe mein Album

aufgenommen.

kulturnews: Die Songs darauf erinnern

an Kool & The Gang oder Billy Ocean.

Donet: Genau so wollte ich das. Retro,

klassisch und mit internationalem Produktionsstandard.

kulturnews: Dein Mentor Xavier Naidoo

scheint sehr viel von dir zu halten.

Donet: Erst hast er gesagt: „Hey, du musst

auf Deutsch singen, sonst wird das

nichts.“ Dann gab ich ihm mein Album,

und zwei Tage später meinte er: „Vergiss

alles, was ich dir gesagt habe.“ Xavier

ist der Mensch, auf den meine Musik

und ich immer gewartet haben.

Interview: Steffen Rüth

Plenty of Love ist seit Kurzem im Handel.

kulturnews 7/12

Booking GmbH präsentiert:

15.11. NÜRNBERG | 16.11. KEMPTEN | 18.11. FREIBURG

19.11. ZÜRICH | 20.11. MÜNCHEN | 21.11. WIEN

23.11. LEIPZIG | 24.11. OBERHAUSEN

26.11. HAMBURG | 27.11. BREMEN | 28.11. KÖLN

30.11. MÜNSTER | 01.12. HANNOVER

03.12. FRANKFURT | 04.12. STUTTGART | 05.12. A-LINZ

06.12. A-GRAZ | 08.12. BERLIN | 09.12. BERLIN

23.08.13 BERLIN | KINDL-BÜHNE WUHLHEIDE

präsentiert von:

2.7. MÜNCHEN · AMPERE

3.7. HEIDELBERG · KARLSTORBAHNHOF

4.7. WOLFSBURG · HALLENBAD

MAX HERRE FESTIVALS

06.07. KÖLN | 07.07. GRÄFENHAINICHEN

08.07. CH-FRAUENFELD | 14.07. STUTTGART

21.07.CUXHAVEN-NORDHOLZ

03.08. BAD OYENHAUSEN

10.08. ESCHWEGE | 11.08. ASCHAFFENBURG

29.08. BOCHUM | 01.09. BERLIN

BLUMENTOPF

28.11. Ulm | 02.12. Kaiserslautern

13.09. Heidelberg

14.09. Karlsruhe

16.09.Zürich

03.12. Wiesbaden | 05.12. Münster 17.09. Darmstadt

06.12. Kiel | 07.12. Hannover 18.09. Hamburg

09.12. Hamburg | 13.12. Dresden 19.09. Berlin

14.12. Erfurt | 15.12. Würzburg 20.09. München | 21.09. A-Wien

16.12. Erlangen | 19.12. A-Graz 25.09.Leipzig | 27.09.Münster

20.12. A-Salzburg | 21.12. A-Wien 28.09. Köln | 14.07. Bremen

24.09. A-WIEN

25.09. MÜNCHEN

26.09. CH-ZÜRICH

27.09. KÖLN

29.09. HAMBURG

30.09. FRANKFURT

01.10. BERLIN

Tickets unter fourartists.com

FESTIVALS & OPEN AIR´S

13.07. NÜRNBERG | 18.07.LÖRRACH

20.07. SINGEN

22.07. DEICHBRAND FESTIVAL

25.08. DRESDEN | 29.08. LUDWIGSBURG

15.09. DORTMUND

30.06. OFFENBACH | CAPITOL

05.07. MÜNCHEN | TONHALLE

13.07. MÜNSTER | SKATERS PALACE

18.09. FRANKFURT | 19.09. HANNOVER

20.09. STRALSUND | 21.09. ERFURT

22.09. OLDENBURG | 23.09. DÜSSELDORF

25.09. MÜNSTER | 26.09. LEIPZIG

27.09. HEIDELBERG | 28.09. ERLANGEN

29.09. KASSEL | 30.09. FREIBURG | 02.10. TÜBINGEN

03.10. BOCHUM | 04.10. BERLIN | 05.10. DRESDEN

KOLN

MUNCHEN

HAMBURG

BERLIN

08.11. LEVERKUSEN

20.11. SAARBRÜCKEN

21.11. STUTTGART

22.11. INNSBRUCK

23.11. ZÜRICH | 24.11. FREIBURG

26.11. FRANKFURT

27.11. WÜRZBURG

28.11. KREFELD

29.11. BIELEFELD

30.11. OLDENBURG

02.12. POTSDAM

03.12. LEIPZIG

04.12. LUDWIGSHAFEN

05.12. NÜRNBERG

FESTIVALS:

04.07. KARLSRUHE

21.07. KASSEL | 04.08. JENA

JUNE TOUR 2012

17.09. KÖLN

18.09. BERLIN

19.09. HAMBURG

20.09. MÜNCHEN

21.09. DRESDEN


earMUSIC

präsentiert

Das Tributalbum an die Jazz-Ikone

Duke Ellington. Mit Gästen wie

IGGY POP, STEVE VAI, AHMIR ‘?UESTLOVE’

�����������������������������

CARTER, CHRISTIAN MCBRIDE u.v.m.

AB SOFORT

ÜBERALL ERHÄLTLICH!

CD Digipak | Limitierte Vinyl | Download

www.joejackson.com

www.ear-music.net

www.youtube.com/earMUSICofficial

www.facebook.com/earMUSICofficial

18 live // Poetry Slam

Entertainmentsommer

Die Slammer

15. 7. // Köln, The Word is not enough

2. 7. // Köln, Deutzkultur Slam 16. 7. // Dortmund, Poetry-Jam

4. 7. // Moers, Poetry-Slam Moers 17. 7. // Koblenz, Reimstein

4. 7. // Rottweil, Rottweiler Sprechzimmer 18. 7. // Berlin, Insel-Slam

5. 7. // Essen, Poetry-Slam Heldenbar 19. 7. // Berlin, Kurz gelesen

5. 7. // Hamburg, Bergedorfer Lesebühne 20. 7. // Marbach am Neckar,

6. 7. // Mainz, reSlam the Q-Kaff

Open-Air-Slam

6. 7. // Bremen, Slammer Filet 23. 7. // Berlin, Peace, Love and Poetry

6. 7. // Frankfurt, u20-poetry-slam! 25. 7. // Bonn, Kopfnuss Lesebühne

7. 7. // Bremen, Summerslam 25. 7. // Berlin, Slam des Westens

8. 7. // Fürth, Poetry-Slam

27. 7. // Karlsruhe, Kohi Slam

9. 9. // Münster, Tatwort

27. 7. // Hamburg, 8 min Eimsbüttel

9. 9. // Berlin, Lesedüne

28. 7. // Hamburg, Heimfeld ist Reimfeld

10. 7. // Berlin, Wort und Spiele 29. 7. // Krefeld, Papp a la Papp

11. 7. // Leipzig, Stubenreim

29. 7. // Hamburg, Poets on the Beach

12. 7. // Witten, Sprechstunde

13. 7. // Augsburg, Lauschangriff

31. 7. // Hamburg, Hamburg is Slamburg

13. 7. // Chemnitz, Wortscharmützel Kabarettisten und Comedians

14. 7. // Frankfurt, slamfilm

ab 1. 7.// Meerkabarett, Insel Sylt

15. 7. // Düsseldorf, Poesieschlacht ab 12. 7.// Ostsee Kabarett, Fehmarn

Man kann den Kalender danach stellen: Wenn die Kabarettisten und Comedians

sich auf die Nord- und Ostseeinseln zurückziehen oder, ganz konsequent, gleich

auf einem Kreuzfahrtschiff anheuern als dessen Kulturprogramm – dann spätestens

ist Sommer. Genauer Gesagt: Juli. Und wer bleibt uns fürs Entertainment in

den Städten? Wieder mal nur die Slammer!

Wobei man gleich sagen muss: Manche Veranstalter von Slams sind ganz schön clever.

Die Macher des InselSlams in Berlin gehen auf die Insel in Berlin-Treptow und versuchen

zumindest, den Kabarettisten und Comedians von Sylt und Fehmarn eine

lange Nase zu zeigen. In Hamburg zieht es die Leute vom Writers Room jeden Sommer

an den Elbstrand gleich neben die Strandperle, wo sie unter dem Titel „Poets on the

Beach“ gleichermaßen bei gleißender Sonne oder stürzendem Regen lesen.

Ebenfalls traditionell unter freiem Himmel: das Bremer Slammer Filet. Die Tübinger

fahren eine andere Imagekampagne und preisen ihren Poetry-Slam mit Superlativen;

Sie sagen, er sei schlicht der kuscheligste Slam überhaupt. Man müsste direkt mal

vorbeifahren und das überprüfen … In Hamburg-Bergedorf geht es ganz fein zu. Weil

der Ort sein 850-Jähriges feiert, findet der Slam im Innenhof des Bergedorfer Schlosses

statt. Dresscode?

Mit kalten Getränken wirbt der älteste reguläre Poetry-Slam Essens, der Slam in

der Heldenbar. Der Mainzer reSlam the Q-Kaff muss mit solchen Kleinigkeiten gar

nicht erst kommen, er wird wahrscheinlich eh überlaufen sein, findet er doch im

Rahmen des Asta-Sommerfestes statt. Ähnlich pragmatisch agieren die Frankfurter

mit ihrem slamff, der im Rahmen des Campusfestes der FH gegeben wird.

Ein Sonderfall ist die Lesedüne, die regelmäßig und damit auch im Juli in Berlin

wandert (um im Bild zu bleiben, denn in Wirklichkeit residiert sie im Südblock in der

Admiralstraße). Sonderfall, weil hier ein festes Team liest: Sebastian Lehmann, Maik

Martschinkowsky, Julius Fischer und Marc-Uwe Kling (Foto) agieren zwei Mal im Monat.

Sonderfall auch, weil Kling mit seinen Soloprogrammen längst der Sparte Kabarett

angehört. Was aber nicht heißt, dass man ihn auf Sylt oder Fehmarn finden würde.

kulturnews 7/12


Platte des Monats

A Place To Bury Strangers

Worship

EXPERIMENTAL

ROCK

Cargo

Den Krach auf ihrem Debüt werden sie

wohl nie mehr toppen können, doch die

lauteste Band New Yorks sind A Place To

Bury Strangers mit ihrem dritten Album

weiterhin. Schneidende Gitarrenwände und

monoton pochende Beats machen das

Durchhören von „Worship“ fast zur Unmöglichkeit,

würden sich da nicht wie schon

zuletzt bei „Exploding Head“ plötzlich große

Melodien aus dem Lärm schälen. APTBS

werden halt immer dann interessant, wenn

sie mit etwas anderem experimentieren

als mit Foltermethoden: „Mind Control“

orientiert sich an 80er-Goth, mit „And I’m

up“ greifen sie den aktuellen Grungesound

von Bands wie Thee Oh Sees oder Ty

Segall auf, und mit dem Übersong „Dissolved“

bringen sie Beach House und Joy

Division zusammen. Aber wäre ein komplett

zugängliches Album von APTBS die

Lösung? Vermutlich nicht, wirken doch die

melodiösen Momente gerade wegen des

ganzen Krachs drumherum so stark. (cs)

Dirty Projectors

Swing lo Magellan

ARTROCK

Domino

Skandalöser könnte das siebte Album der Dirty

Projectors nicht sein: Man hätte von der Band

um den New Yorker David Longstreth exzessive

Stimmakrobatik, atonale Experimente oder eine

Hardcoreoper erwartet – aber keine persönliche Indiesoul-CD. Immerhin haut er mit

„Impregnable Question“ und vor allem dem Titelstück zwei unglaublich eingängige

Folksongs raus, bei denen man vergeblich auf Widerhaken wartet, und die Single „Gun

has no Trigger“ ist zwar höchst verkopft und mit pathetischem Chorgesang durchsetzt,

doch das schadet ihrem Ohrwurmcharakter nicht. Angst vor Unterforderung müssen aber

selbst Altfans nicht haben, weil Longstreth es sich nicht nehmen lässt, bei den restlichen

Songs die Instrumente komplett auszutauschen und mit immer neuen Genreversatzstücken

zu jonglieren: Bei „Offspring are blank“ rehabilitiert er uncoole 70er-

Rockgitarren, „Just from Chevron“ ist mit Gospelklatschen unterlegt, bei „Irresponsible

Tune“ hat er den Blues, und „Unto Caesar“ ist dandyesker, als es Bowie je war. Für

Longstreth mag das Album konventionell sein. Für den Rest der Welt ist es ein

Anwärter auf die beste Platte 2012. (cs)

-Bewertung

4//

Chima

Stille

SOULPOP

Universal

5//

1=grausig bis 6= genial

4//

Erstes Mal oder letzte Chance? Für Chima,

einen Newcomer, der eigentlich keiner ist,

dürfte „Stille“ beides sein. Der Frankfurter

wird dieses Jahr 40. Seiner Musik – nachdenklich,

aber auch tanzbar – hört man

das zwar nicht unbedingt an, aber was

man hört, ist der Wille, nach Jahren des

Hin und Her und nirgendwo Ankommens

Halt zu finden. Auch musikalisch. Kein Rap

mehr, mit dem der Sohn nigerianischer

Eltern begann und 2000 erste Erfolge

durch sein Mitwirken beim afrodeutschen

Projekt Brothers Keepers verbuchen konnte.

Dann folgte der Stilwechsel zu deutschem

Pop. Doch bis auf die Single

„Wundervoll“, ein rotziger Lovesong, der

seinem Titel durchaus gerecht wurde, blieb

sein Songwriterdebüt kaum in Erinnerung.

„Stille“ soll das nun ändern – und kann

es auch. Denn die Zutaten stimmen: die

Texte direkt, aber auch poetisch, die Elektrobeats

zupackend. Was Chima schuldig

bleibt, ist die große Soulstimme – aber

das ist ein Manko, das ihn auch rettet.

Denn obwohl er fast immer von Gefühlen

und auch Selbstzweifeln singt: Kitschig

wird es nie. (kab)

Giant Giant Sand

Tucson

COUNTRY

Cargo

Howe Gelbs Wille zum kommerziellen

Nichterfolg ist Legende. Viel hat der Giant-

Sand-Chef in Interviews selbst dazu beigetragen,

oft wurde aber auch bemängelt,

der Mann aus Tucson würde seine wunderbaren

Kompositionen in den Einspielungen

regelrecht zerstören. Gelbs Fangemeinde,

die das natürlich nie so sah, kann durch

das neue Album allerdings gehörig wachsen,

denn noch nie waren die Arrangements

so ausgearbeitet, nie der Sound so klar wie

bei diesem neuen Projekt. Im dänischen

Aarhus spielten die Stammformation der

Band sowie die Streicher ihren Part ein,

während in Arizona Brian Lopez, Gabriel

Sullivan und Jon Villa für den Einfluss

traditioneller südamerikanischer Musik

sorgten. Das Ergebnis ist ein wunderbarer

Mix aus Desertrock, Texmex, Blues und

Jazz in 19 Songs, die trotz der vielen

Musiker (deshalb der Projektname „Giant

Giant Sand“) nie überfrachtet wirken. Nur

der Rausschmeißer wird wieder mit leicht

dissonanter Gitarre eingespielt und von

Gelb gewohnt grummelig gesungen. Doch

selbst jetzt spielt leise, sanft und verspielt

eine Orgel im Hintergrund. (jw)

Glen Hansard

Rhythm & Repose

Pop, Rock + Dance // platten 51

SINGER/

SONGWRITER

Indigo

5//

3//

„I wanna do what’s right/but maybe not

tonight“: Eigentlich weiß Glen Hansard

(The Frames, The Swell Season), wie man

subtile Musik macht. Aber für sein Solodebüt

hatte der Songwriter wohl keinen

Bock auf Klein-Klein. Lieber schwelgt er,

kitscht er, gießt er Pomp und Pathos über

seinen Songs aus. Das Fantastische an

seiner Musik war immer das rohe, raue

Leiden, doch das geht in der Balladensoße

einfach unter. Auch fehlt Hansard hier das

regulierende Gegenüber. Wer den markigen

Sound von „Low Rising“ der Swell Seasons

mochte, kommt bei „Rhythm and Repose“

auf seine Kosten. Allen anderen sei immerhin

das letzte Drittel empfohlen, auf dem

Hansard sich sanft zeigt statt bloß soft. (kab)

Jerry Douglas

Traveler

FOLKBLUES

Sony

Music

Wer einen Schnellkurs in Americana

braucht, ist bei Jerry Douglas genau richtig.

Der gern gebuchte Dobroderwisch spielte

bereits auf angeblich über 2 000 Alben.

Auf seinem Soloalbum fegt er mit Feeling

und Feuereifer durch die Genres, von

Bluegrass über Blues und Folk bis zur

saftigen Hendrix-Hommage („So here we

are“), und das Renomee des 56-Jährigen

ist derart groß, dass Hochkaräter wie Eric

Clapton, Alison Krauss, Paul Simon, Dr.

John oder Mumford & Sons gerne zum

Mitmachen vorbeischauen. Die Songauswahl

– gleich zweimal Simon („The Boxer“,

„American Tune“), ein bisschen Leadbelly

plus eigene Preziosen – ist nicht ganz

nachvollziehbar, doch die pure Brillanz

der Darbietungen und Produktion lässt für

Zweifel kaum Zeit. Eine Referenzplatte –

für Rootsfans genauso wie für High-End-

Audiophile, die dem authentischen Klang

vor allem akustischer Instrumente möglichst

lange nachschmecken möchten. (mw)

John Doe & Exene Cervenka

Singing and Playing

SINGER/

SONGWRITER

Cargo

4//

4//

In Zeiten von Google würde wohl niemand

seine Band mehr X nennen. 1977 war

Auffindbarkeit im Netz noch kein Thema,

das Punkrockquartett aus Los Angeles

schaffte es aber auch analog, Klassiker

wie „See how we are“ oder „Because I do“

in die Welt zu bringen. Nach der Scheidung

des Frontpärchens John Doe und

Exene Cervenka Ende der 80er wurde es

ruhig um die Band, man beschränkte sich

auf Soloprojekte, Filme und das eine oder

andere Livealbum. Jetzt haben sich Doe

und Cervenka für ein Singer/Songwriter-

Album zusammengetan. Es heißt schlicht

„Singing and Playing“, und der Titel ist

Programm: klassische Countryarrangements,

schlichte und gerade deshalb bezaubernde

Duette, die entfernt an Johnny

Cash und June Carter erinnern. Und

natürlich sind auch die X-Klassiker mit

dabei, im akustischen Gewand. (es)

kulturnews 7/12


52 platten // Pop, Rock + Dance

Lemonade

Diver

kulturnews 7/12

INDIEPOP

Indigo

Als Indie plötzlich in Elektroclubs ging,

waren Lemonade mit ihrem Debüt in erster

Reihe dabei. Im Stile einer DFA-Labelband

kombinierte das Trio aus New York

schnoddrigen Rave, Grime und globale

Rhythmen – und wagte sich dabei auch

gerne mal über die Sieben-Minuten-Marke.

Fünf Jahre später definieren sie nun den

Soundtrack für diesen Sommer, indem sie

in formatgerechten vier Minuten zusammenhauen,

was in der letzten Indiesaison

noch als hochgradig uncool galt: 2Step,

R’n’B und schummrige Synthieflächen.

Frontmann und Sänger Callan Clendenin

hat sich sogar den klassischen Boybandstil

antrainiert. Da liegt der Verdacht kalkulierter

Trendhuberei nahe, doch Ohrwürmer

wie „Neptune“ oder „Ice Water“

beweisen eins: Diese Band hat sich weiterentwickelt

– und ihren eigenen Sound

in einer Zeit gefunden, in der es Guilty

Pleasures nicht mehr gibt. Damit können

in diesem Sommer endlich auch dogmatische

Indiefans die vermeintlich peinlichen

Jugendvorlieben ausleben. (cs)

Metric

Synthetica

AVANTGARDE-

POP

Rough

Trade

4//

5//

Gute Bücher erkennt man meistens schon

am ersten Satz, herausragende Platten

manchmal auch: „I’m just as fucked up

as they say“, leitet Emily Haines den Song

„Artificial Nocturne“ ein, und es folgt ein

intelligentes Konzeptalbum, das sich mit

Identität, Authentizität und Images beschäftigt.

Metric kennen sich da aus, denn

nach diversen Kämpfen mit der Musikindustrie

haben es die Kanadier mit ihrem

Vorgänger „Fantasies“ geschafft, ohne traditionelles

Label die amerikanischen Top 20

zu knacken. Doch so verkopft ihr sechstes

Album auch mit popkulturellen Querverweisen

und Science-Fiction-Elementen

spielt: „Synthetica“ ist das bisher beste

Metric-Album, auf dem Elektronik und

Indierock so selbstverständlich wie nie

zuvor zusammengehen – weil sie sich auf

vermeintlich simple Popsongs besinnen,

die Anfang der 80er von Bands wie

Blondie definiert wurden. Es erhöht ja nur

den Spaß, wenn man einen doppelten

Boden bemerkt, nachdem man Songs wie

den wavigen Ohrwurm „Speed the Collapse“,

die rockende Single „Youth without Youth“

oder das hymnische Titelstück bereits ausgiebig

auf der Tanzfläche abgefeiert hat. (cs)

MisSiss

Soulistics

SOULPOP

Alive

Klar, man kann das zweite Album auch

vor dem ersten veröffentlichen. Erst recht,

wenn man von einem Grammy-nominierten

Produzenten um Mitwirkung gebeten

wird. Also kennt man die unter dem Alias

MisSiss firmierende Österreicherin Sissy

Kudlicska vielleicht schon von dem 2011

erschienenen Album „Sissita’s Soul Tangos“.

„Soulistics“, das eigentliche Debüt, zeigt

nun, womit sich Kudlicska die Aufmerksamkeit

aus dem fernen Argentinien verdient

hat: klassischer Soulpop, eher getragen

als spritzig. Grande – aber nicht

wirklich grandios. (kab)

Paloma Faith

Fall to Grace

RETROSOUL

Sony

Music

3//

4//

Paloma Faith ist eine dieser neuen britischen

Diven, die sich trotz großer Gesten

und großer Songs nicht zu ernst nehmen.

Wie Florence Welch und Marina Diamandis

ist Paloma Faith, die bürgerlich Paloma

Blomfield heißt, mit einer eigenwilligen,

starken (manchmal fast zu starken) Stimme

gesegnet, musikalisch reifer als Mitte 20

und bringt ebenfalls gerade ihr zweites Album

auf den Markt. Und mit einer britischen

Chartsposition zwei gleich zum Erscheinen

könnte Faith nun auch zu den großen

Erfolgen von Marina And The Diamonds

und Florence And The Machine aufschließen.

Als ausgebildete Jazzsängerin, Tänzerin

und ehemalige Theaterregiestudentin

mit Burlesque- und Varietéerfahrung hat

Faith Spaß an Theatralik, schillernden

Kostümen und nostalgischem Sound. Die

Vorliebe für Motownsoul ist auf „Fall to

Grace“ aber nur eine Nuance. In erster Linie

ist es ein sehr gefälliges, gut gemachtes

Popalbum mit zahlreichen Hits wie „Picking

up the Pieces“ und „Blood, Sweat & Tears“

geworden, die man 2012 rauf- und runterhören

wird. (kab)

Passenger

All the little Lights

SINGER/

SONGWRITER

Warner

In Blogs wird Michael Rosenberg gern mal

mit einem Hobbit verglichen. Zwar ist der

britische Wahlaustralier in der Tat irgendwie

knuffig und überzeugt derzeit durch

großformatigen Bartwuchs, doch er braucht

keine mystischen Ringe, um ein Held zu

sein. Rosenberg reicht eine Gitarre und

seine Stimme mit ihrer eigentümlichen

Färbung und dem stets traurigen Timbre.

Dabei ist er eigentlich ein wandelnder

Sonnenschein, auch wenn er 2007 nicht

viel zu lachen hatte – seine Band Passenger

hatte sich aufgelöst, sein Lebensplan war

zerdeppert. Mike disponierte um, behielt

den Bandnamen kurzerhand selbst und

zog nach Australien, wo er sich seine Alben

durch Straßenmusik finanzierte. Ein Glücksfall,

wie er heute findet, denn in Down

Under wuchs seine Fanbase kontinuierlich;

inzwischen füllt er auch in Großbritannien

die Clubs. Wer die Leute auf der Straße

verzaubert, kriegt sie eben auch im Großformat.

(es)

Phantom Ghost

Pardon my English

ARTPOP

Rough

Trade

4//

4//

Weil bei Tocotronic sein Humor gewürdigt

wird, dreht Dirk von Lowtzow mit seinem

Nebenprojekt jetzt richtig auf: In Anspielung

auf sein Englisch mit deutschem

Akzent betitelt er nicht nur das fünfte Album

von Phantom Ghost, sondern auch

die drei enthaltenen Instrumentals mit

„Pardon my English“. Musikalisch und

textlich verfolgen er und Thies Mynther

ihren Weg weiter: Mynther spielt sein präpariertes

Klavier, von Lowtzow singt dazu

mit viel Theatralik vom fehlenden Fleiß

und vom Müßiggang. Doch egal, wie doll

er sich auch auf die Schenkel klopft und

etwa in schweren Lebenskrisen einen

Besuch bei „Dr. Schaden Freud“ empfiehlt

– er erhöht damit nur die Fallhöhe.

Am prägnantesten werden bei all seinen

Projekten wohl immer die nachdenklichen,

dramatischen Momente sein. So berichtet

von Lowtzow im schönsten Stück des

Albums an der Seite von Gastsängerin

Michaela Meise vom Vogelgesang, der

einer geplagten Seele Trost spendet. Was

sich jedoch von „In the Tittery“ einbrennt,

ist die zuvor beschriebene, mit großer

Verzweiflung auf dem Balkon gerauchte

Zigarette in einer schlaflosen Nacht. (cs)

Sara Watkins

Sun Midnight Sun

ALTERNATIVE

COUNTRY

Warner

Irish Folkrock ist der erste Eindruck, aber

er trifft – zum Glück – nicht zu. Denn

obwohl Folk und Alternative Country die

Genremischung von Sara Watkins Debüt

ganz gut einkreisen, sind die Arrangements

und Songs der Singer/Songwriterin und

Geigerin zwar nicht durchweg originell,

aber eben auch nicht so vorhersehbar wie

der Auftakt. Mit einem Song wie „You’re

the one I love“, der die Stilistik eines Westernsoundtracks

mit The-Mamas-And-The-

Papas-Klängen kombiniert, zeigt Watkins,

wie man brilliert. Davon hätte es mehr sein

dürfen. Denn insgesamt geht die Amerikanerin,

die „Sun Midnight Sun“ in Nashville

aufnahm, 2011 mit den Decemberists

tourte und viele Jahre Teil des Progressive-Bluegrass-Trios

Nickel Creek war,

schon sehr auf Nummer sicher. (kab)

Scott Kelly / Steve von Till / Wino

Songs of Townes Van Zandt

FOLK

Cargo

4//

3//

Nicht immer bürgt die schiere Qualität

einer Songvorlage auch für ein gutes

Ergebnis. Scott Kelly bremst die Moritat

„Tecumseh Valley“ radikal herunter, und

man sollte meinen, sich so vor der Tragik

dieses Songs über ein gefallenes Mädchen

erst recht nicht mehr retten zu können, doch


54 platten // Pop, Rock + Dance

es kommt ganz anders: Die Geschichte

verflüchtigt sich in der Schwerfälligkeit

von Kellys Geschrammel, und sein übergeigter

Nichtgesang will besonders intensiv

sein, lässt aber das Wichtigste vermissen:

Empathie. Kelly und sein Neurosis-Kumpel

Steve von Till sowie Scott „Wino“ Weinrich

widmen sich auf diesem Album abwechselnd

dem so überzeitlichen wie wenig

bekannten Werk der texanischen Folk- und

Blueslegende Townes Van Zandt. Stets tun

sie es karg instrumentiert, stets mit vermeintlich

authentischem Krächzen und

allzu ausgestellter Eindringlichkeit. Doch

trotz der gedämpften Glut ihres erstaunlich

ähnlichen vokalen Vortrags lassen uns viele

dieser neun fantastischen Songs seltsam

kalt. Könnte nicht vielleicht Mark Lanegan

mal ein Zandt-Coveralbum einspielen? (mw)

Sebastian Lind

I will follow

kulturnews 7/12

SONGWRITER-

POP

Sony

Music

4//

Noch ein langweiliger Singer/Songwriter

mit Akustikgitarre, der sich selbst bemitleidet?

Auch wenn Sebastian Lind zuletzt

mit Mads Langer und Marit Larsen auf

Tour war, sollte man den 23-jährigen

Dänen nicht vorschnell den angepassten

und immer etwas zu glatten Kollegen zurechnen.

Nachdem er mit seinem Debüt

noch dem Radiopop zugearbeitet hat, wagt

Lind nun einen radikalen Bruch. Das

Album klingt zwar ruhig und intim, verweigert

sich aber der konventionellen

Traurigkeit. Natürlich spielt er eingängige

und herzzerreißende Melodien auf der

Gitarre, doch indem er im Hintergrund mit

Indietronics experimentiert, nimmt er seinen

Songs die Vorhersehbarkeit und verleiht

ihnen zusätzliche Tiefe. Auch textlich

sind etwa die Single „Never let go“ oder

der vermeintlich eindeutige Titelsong viel

zu verschlüsselt und sperrig, um sich in

die Rollenprosa des verlassenen Liebenden

einzupassen. Doch eigentlich sollte all das

gar nicht aufgedeckt werden: Subversiv

wäre es, wenn Sebastian Lind das System

an der Chartspitze unterwandert und von

der Pole Position aus bekämpft. (cs)

Adele & Glen waren bei den Go-Betweens. Auf

„Carrington Street“ (Indigo) fehlt ihnen zwar nicht

deren Flock- und Lässigkeit, aber das Songniveau.

Nur hübsch, nicht hinreißend.

Slime

Sich fügen heißt lügen

PUNK

Capitol

Provokation ist ihr Metier, und offenbar

haben Slime noch nicht genug provoziert

für eine Lebenszeit. Vor 18 Jahren hatten

sich die Punkrecken aufgelöst mit der Begründung,

es sei alles gesagt. Ob es nun

an der aktuellen Lage im Land liegt oder

daran, dass die Hamburger nach einigen

Liveauftritten zum Bandjubiläum 2010

wieder Geschmack an der Musik gefunden

haben: Auf diesem Album sind sie streitbar

wie eh und je. Dirk Jora grölt mehr, als dass

er singt, umtost von schnellem, rotzigem

Punkrock. Die Texte jedoch sind diesmal

etwas Besonderes, Slime widmen sie komplett

dem im KZ Oranienburg ermordeten

Aktivisten und Autoren Erich Mühsam.

Und begeben sich mit dessen Widerständigkeit

wieder ganz in die Nähe ihrer

eigenen legendären Songzeile „Deutschland

muss sterben (… damit wir leben

können)“ von 1981. „Sich fügen heißt

lügen“ ist eine wütende Scheibe für die

Wutbürger von heute.(es)

Spring Leads You Home Tonight

Letters of the Lost

INDIEPOP

Cargo

4//

4//

Spring Leads You Home Tonight haben

einen prominenten Fan. Der schwedische

Singer/Songwriter Kristofer Åström soll beim

Hören dieses Debütalbums ausgerufen

haben: „This is better than anything I ever

composed!“ Tatsächlich haben die acht

jungen Hamburger um die 20 ein beeindruckendes

Gespür für eingängige Melodien,

und sie lassen sich angenehm viel

Zeit beim Songaufbau: Zunächst nachdenkliche

Stücke wie „Footprints“ oder „Simple“

legen mit schüchternen Gitarren und zarter

Geige los, steigern sich aber mithilfe von

Synthies und energischeren Riffs zu euphorischer

Melancholie. Die Stimme von

Sänger Sebastian Schweigatz erinnert an

Conor Oberst, und bei ihren Arrangements,

dem epischen Bau der Songs und ihrer

Tendenz zum Harmoniegesang werden

SLYHT wohl auch häufiger mit Vergleichen

zu Arcade Fire konfrontiert werden. Doch

damit sollte man die Youngster vielleicht

noch nicht behelligen. Nachdem sie bereits

Kristofer Åström in die Identitätskrise

geschickt haben, brauchen sie schließlich

noch Ziele fürs zweite und dritte Album. (cs)

Stefan Obermaier

Beethoven reloaded

ELEKTRONIKA

Universal

Der 30-jährige Wiener Keyboarder Obermaier

versucht Klassik und Pop, E und U

zusammenzubringen. Wer auf klassischer

Seite dabei nicht glücklich wird, ist für ihn

ein „schimpfender Gralshüter“, wer auf

Seiten der Popmusik darüber schimpft, ein

„naiver Purist“. Denn Obermaier glaubt

mit seinem Versuch den Ton der Originale

zu treffen. Beethovens Ton traf (und zerstörte)

er schon 2008, Mozart mit seinen

„Melodien als Ausgangspunkt für clubtaugliche

Eigenkompositionen“ bildet nun

die Fortsetzung. Der Nonsens ist kaum zu

steigern; die Sampleschnipsel berüchtigt

populärer Meisterstücke („Für Elise“) haben

mit den Originalwerken nichts mehr zu

tun. Clubtänzern dürfte es allerdings eh

egal sein, von wem sie stammen. Leider

trifft auch nichts auf diesen CDs den Ton

von wirklichen Cluboriginalen, denn

Obermaier erschöpft seine Originalität in

der Beschränkung auf touristisch-wienerisches

Namedropping alter Meister. (jn)

The Knights

Pardon my Riot

POPROCK

Indigo

2//

4//

Die pulsierenden Lieder der vier Hamburger

Indierocker verlangen geradezu nach

schwitzigen Clubauftritten und dürften mit

ihrer Mischung aus schillerndem Synthiepop

und rockigen Gitarrensounds alle Indiefans

begeistern. Und wenn The Knights

den Mainstream kapern und mit ihm aus

der Reihe tanzen, sticht immer wieder die

eingängige Stimme von Sänger Marvin

heraus. Mit Songtiteln wie „Woody Allen“,

„90210“ oder ihrer Hommage an Scarlett

Johansson orientieren sie sich betont zielstrebig

an der Starschmiede Hollywood.

Ihre Songs gehen nicht nur ans Herz, son-

dern auch in die Beine, wobei besonders

„Break the Repeat“ zu Luftsprüngen verleitet

– „I wanna dance, dance, dance!“ …

Auch live begeistert die Band, die bereits

seit zehn Jahren existiert und ihr Album

im Eigenvertrieb unter die Leute bringt: Mit

Auftritten bei Rock am Ring und dem

Reeperbahnfestival hat sie schon hochkarätige

Konzerterfahrungen gesammelt. (sv)

The Soundtrack Of Our Lives

Throw it to the Universe

INDIEROCK

Rough

Trade

Dass die Welt ungerecht ist, vor allem zu

Musikern, das wissen wir schon lange. Die

schwedische Rockband um den charismatischen

Sänger Ebbot Lundberg hätte

Weltruhm verdient – und kam letztlich

nicht über den Status des Insidertipps

hinaus. TSOOL kombinieren 70er-Jahre-

Rock mit Britpopmelodien und entwickeln

dabei gerade live eine Dynamik, die ihresgleichen

sucht. Doch jetzt ist Schluss, die

Band wird sich Ende des Jahres auflösen.

Dieses letzte Album zeigt die Schweden

von ihrer melodischen Seite. Überwiegend

ruhige, melancholische Songs, die

zeigen, dass TSOOL es nicht nur krachen

lassen können, sondern auch hervorragende

Songwriter mit Gespür für Tiefe

und adäquate Arrangements sind. So ist

die Ballade „Freeride“ schon jetzt einer

der besten Songs des Jahres. Wir werden

TSOOL schmerzlich vermissen. (am)

Twin Shadow

Confess

INDIEPOP

Indigo

5//

5//

Mit seinem Debüt „Forget“ trat George

Lewis Jr. alias Twin Shadow 2010 einen

Trend los, mit dem der New Yorker

eigentlich gar nichts zu tun haben wollte:

Chillwave. Seine Mixtur aus psychedelischem

Flair der 70er, Wavepop der 80er

und luftigem Frenchhouse der 90er klang

nur deshalb so lo-fi, weil er kein Budget

hatte und die Songs zu Hause aufnehmen

musste. Nachdem Twin Shadow schon

bei Konzerten zeigte, dass er den schummrigen

Sound vom Erstling gerne aufmotzt,


56 platten // Pop, Rock + Dance

geht er mit dem Nachfolger nun richtig in

die Vollen: „Confess“ ist blitzblank produziert,

deutlich beatlastiger und setzt den

Fokus eindeutig auf 80er-Popappeal. Doch

selbst Chillwavehipster brauchen keine Angst

zu haben, denn das Wichtigste behält Twin

Shadow auch im Hochglanz bei, indem er

jeden Song wie eine Single angeht. Ob mit

Tanzflächentempo und vermeintlich uncooler

E-Gitarre („Five Seconds“), ob als

mittelschnelle Hymne („Run my Heart“)

oder schmusig wie bei „I don’t care“: Twin

Shadow beerbt die Eingängigkeit des großen

Popjahrzehnts auf ganz eigene und

vor allem unpeinliche Weise. (cs)

Van Dyke Parks

Discover America

AMERICANA

Universal

Der Mann aus Mississippi, der gemeinsam

mit Brian Wilson das gloriose „Smile“-Album

schrieb, war in den 60ern/70ern der

Gershwin seiner Generation, so scheuklappenlos

schmiss er alles rein in seinen

Aktion //

4//

Steve Miller Band

Bottich der Stile: Variéte, Country, Folk,

Jazz, Orchestermusik, Pop, Hörspiele, Geräusche,

Psychedelia, Verandaschunkeleien.

Wenn man nun die ersten drei (zwischen

1968 und 1975 entstandenen) Alben von

Van Dyke Parks remastert wiederhört, so

fällt auf, dass unser Wunderkind manchmal

kaum gehen konnte vor Kraft. Überehrgeiz

ist ebenso oft vertreten wie Genialisches,

Kunstkacke kaum seltener als pure

Magie. „Song Cycle“ tendiert zu ersterem,

während „Discover America“ mit seinem

wild wuchernden Genrestrauß, seiner zwischen

amerikanischen Mythen, Steelbandsounds

und Hommagen an „Bing Crosby“,

„Jack Palance“, „John Jones“ und Franklin

D. Roosevelt („FDR in Trinidad“) noch

heute standhält – weil Parks seine fantastischen

Fähigkeiten nicht zerfasern, sondern

freiwillig vom großen Rahmen des Pop

einhegen ließ. Das 1975er-Album „Clang

of the Yankee Reaper“ klingt im Vergleich

dazu konventionell; es steht mehr unter der

Fuchtel des Zeitgeistes, statt ihn – wie auf

den früheren Alben – souverän zu transzendieren.

Dafür ist es am konsumierbarsten,

stellt keine so hohen intellektuellen Hürden

auf. Alles in allem der vielversprechende

Start einer Remasterserie, die das robust

dem Zahn der Zeit widerstehende Werk

eines der größten US-Popkünstler überhaupt

zur Wiederentdeckung freigibt. (mw)

Die legendären US-Rocker der Steve Miller Band setzen ihren

Comebackerfolg von 2010 mit einer Europatour fort und geben im

Oktober drei exklusive Konzerte in Deutschland. Seit über 40 Jahren

sind ihre Hits wie „The Joker“, „Rock'n me“ oder „Abracadabra“ fester

Bestandteil jeder Classicrock-Playlist.

Vor zwei Jahren veröffentlichten die Kultmusiker mit „Bingo!“ dann ihr

erstes Studioalbum nach 17 Jahren Pause, und im 2011 folgte schon der

nächste Streich: Das Album „Let your Hair down“ hat Rockikone Steve

Miller gemeinsam mit Andy Johns produziert, der auch schon für die

Rolling Stones und Led Zepplin arbeitete. Auf dem Album finden sich

zahlreiche klassische Bluestracks, mit denen die Steve Miller Band

nun auf ihrer Europatour auftreten wird.

Mit mehr als 30 Millionen verkauften Platten und über 20 LP-

Veröffentlichungen haben sich die Bluesrocker über Jahrzehnte

in der Musikszene etabliert und zählen zu den maßgebenden

Formationen der Rockgeschichte. Die drei Deutschlandkonzerte

sind eine seltene Gelegenheit, die Band live

performen zu sehen. Die Konzerte finden am 29. 10. in

Frankfurt, 30. 10. in München und 31. 10. in Berlin statt.

kulturnews und Triple M Entertainment verlosen je 2 x 2

Karten für die Shows in Deutschland. Wer gewinnen möchte,

ruft bis zum 19. Juli unter der Gewinnhotline 0137-989 89 80

(0,50 Euro/Anruf) an – viel Glück! Bitte nicht vergessen,

die gewünschte Konzertstadt zu nennen.

Jazz + Classics

Jazzplatte des Monats

Pat Metheny

Unity Band

GITARRENJAZZ

Warner

Pat Metheny versteht es, die Konstanten seines

Schaffens in neuen, überraschenden Kontexten

zu präsentieren. Das gilt für seine unverkennbare

Melodieführung und Harmonik ebenso wie

für die Wahl des Instrumentariums zwischen Nylonstring und Synthgitarre. Nun also

wieder mal, nach langen Jahren, ein Quartett, in dem Metheny einem

Tenorsaxofonisten die zweite Hauptrolle einräumt. Chris Potter erhielt den Zuschlag in

der Unity Band – einer, der das Spiel mit vielen Freiräumen liebt, so wie sich auch

Metheny selbst bisweilen hochschraubt aus dem verhaltenen Ruhemodus in hymnische

Grenzenlosigkeit. Doch auch den balladesken Paarlauf („This belongs to you“)

wissen Metheny und Potter zu pflegen, fein verhallt, diskret assistiert von Drummer

Antonio Sanchez und einem melodieverliebten, jedoch immer präzise und punktgenau

spielenden Ben Williams am Bass. Ein gleichermaßen typisches wie untypisches

Album, das sich ins Œuvre fügt und doch so recht zu keinem Vergleich taugen

mag. Genau deshalb wird Metheny nie langweilig, obwohl er ständig seine Motive

variiert – eine Art John Irving der Jazzgitarre. (ron)

-Bewertung

5//

1=grausig bis 6= genial

Die Erlöse des Samplers Songs for Desert Refugees (Indigo) geht an Flüchtlinge aus Mali.

Als wohltätige Musikanten dabei: Größen wie Tinariwen oder Tamikrest.


Cassandra Wilson

Another Country

VOCAL JAZZ

Wilson: wichtig! Zumal sie gerade den

Jazzecho als Sängerin des Jahres abgeräumt

hat. Das Album zur Trophäe kommt

schlicht daher, abgespeckt. Ein großer Wurf

ist es dennoch – oder eben gerade deshalb.

Bis auf zwei Kompositionen ihres

langjährigen Gitarristen Fabrizio Sotti und

„O Sole mio“ – einmal funkig interpretiert,

einmal mit melancholischem, fadoartigen

Schmelz gesungen – stammen alle

Songs dieses 18. Albums aus Wilsons

eigener Feder. Das ist eine Premiere und

mag darüber hinwegtrösten, dass einige

Stücke bloß sehr gut statt herausragend

sind. Die Reise, die Wilson von ihrer Südstaatenheimat

aus musikalisch auch nach

Afrika und Südamerika führt, begleitet

man bei dieser Stimme – und dank dieser

Stimmung, die man wohl nur tiefenentspannt

nennen kann – trotzdem gern.

(kab)

Eventtipp //

Gerardo Núñez

Travesía

FLAMENCO

Membran 4// Edel 4//

Festival lockt Jazzfans

ins sommerliche Engadin

An technischer Versiertheit steht Gerardo

Núñez dem Großmeister des Flamenco,

Paco de Lucia, in nichts nach. Allerdings

stellt er sein Können mithilfe von Musikern

wie Mariano Diaz (keyb) oder Antonio

Ramos (b) stärker in den Dienst des Jazz

– und einer starken Geschichte. „Travesía“

erzählt eine angeblich authentische von

afrikanischen Flüchtlingen, die an der

spanischen Küste stranden, von den Einwohnern

versorgt und versteckt werden

und schließlich sogar eine Beschäftigung

finden – bei Señor Núñez nämlich, der

Ahmed und Khaleb aus der Sahelzone

inzwischen als Roadies in Lohn und Brot

hat. Wie das geht, wo sie doch zwecks

Ausweisung von der Polizei gesucht werden,

erwähnt das Album nicht. Doch es

erzählt auf angemessen eingängige Weise

von der symbiotischen Beziehung zwischen

den Weltregionen, von Völkerwanderungen,

deren Auswirkungen nicht nur die Ge-

Mit dem Festival da Jazz findet bereits zum fünften Mal ein Festival der Extraklasse

in St. Moritz statt. Weltstars der internationalen Jazzszene sind in einmaligen

Konzerten in der besonderen Atmosphäre des Dracula Clubs zu hören, der

seine Pforten exklusiv für dieses besondere Festival öffnet. Das Programm reicht

von Jazzsoul, Jazzfunk, Swing, Bossa Nova und Bebop bis hin zu Blues und Gospel.

Jedes Konzert ist auf 150 Besucher beschränkt und bietet damit auf der – nach

Aussage des Veranstalters größten Kleinbühne für Weltstars – bestmöglichen

Musikgenuss in unmittelbarer Nähe zu den Künstlern, in diesem Jahr u. a. Al Di

Meola (Foto), Mezzoforte, Matt Bianco und Dee Dee Bridgewater.

Für einen passenden Ausklang des Abends sorgt der Late-Night-Drink in der Miles

Davis Music & Cigar Lounge. Die Auftaktveranstaltung findet am 13. Juli statt,

Tickets für die einzelnen Konzerte gibt es ab ca. 70 Euro. Weitere Informationen

unter www.festivaldajazz.ch

Jazz + Classics // platten 57

schichte des Flamenco, sondern auch die

aktuelle EU-Politik prägen. Núñez’ instrumentaler

Flamencojazz hat ein Anliegen; er

will Leute erreichen, nicht durch Sprödigkeit

verschrecken. Das könnte Paco de

Lucia durchaus zu denken geben. (mw)

Daniel Schläppi

Essentials

MODERN JAZZ

Edel

4//

Musik, die kein Metrum braucht; Wohlklang,

der sich selbst genügt: So lässt sich

die Herangehensweise beschreiben, mit

der der Schweizer Bassist Daniel Schläppi

und Marc Copland am Flügel „Essentials“

eingespielt haben. Nur selten zwingen

Standards wie „My Romance“ Coplands

nuancierte Tastenarbeit ins Geschirr, und

das auch nur für Momente. Dann wieder

assistiert Schläppi knorzig aus dem Off,

während der US-Amerikaner aus der Summe

zahlloser Miniaturen Atmosphäre schafft.

So sehr unter Schläppis und Coplands

Händen Elington Ellington bleibt und

Coleman Coleman: Die Eigenschöpfungen

der beiden sind weit mehr als Beigaben

zur elegant reduzierten Archivware – sie

sind essenziell. (ron)

Fredda

L’ancolie

CHANSON

Groove

Attack

5//

„L’ancolie“ ist Französisch für die Akelei,

eine Blume. Sie blüht mit so manchen

anderen Artgenossen im stimmungsvollen

Garten der französischen Sängerin Fredda.

Ihre Musik kommt duftig und entspannt

daher. Immer von gut aufgenommenen,

gelegentlich an die Dire Straits erinnernden

Gitarren untermalt, berichten die Texte

von kleineren und größeren Sorgen des

Lebens („Ein letztes Mal diese blauen

Fluten sehen“) und des Kunsterlebens (von

Matisse’ „Fenêtre à Collioure“) – immer

beschwingt, wohltemperiert und klangvoll

wie ein leichter frankophoner Sommertag.

Dabei reimt sich „l’ancolie“ natürlich

auch lustvoll auf „Melancolie“. (jn)

����������

����������������������������

��������������

��

�����������������

���������������������

�������������

���������

�������

����������

������������������

������������������


»Konnen Sie

beweisen, dass

Sie tot sind

Der Bestseller aus England!

www.dtv.de

Ü: Karlheinz Dürr Dt. Erstausgabe 480 Seiten € 9,95 Auch als eBook erhältlich

»Mein Name ist Peter Grant. Ich bin seit Neuestem

Police Constable und Zauberlehrling, der erste seit

50 Jahren. Jetzt muss ich mich mit Vampiren in

Purley herumschlagen, Leichen in Covent Garden

ausgraben – und der Papierkram!«

Ü: Christine Blum Dt. Erstausgabe 416 Seiten € 9,95 Auch als eBook erhältlich

58 bücher // Neue Literatur

Buch des Monats

Martin Frank

Aruns Geschichte

kulturnews 7/12

ROMAN

Albert Cohen

Die Schöne des Herrn

ROMAN

Männerschwarm, 2012

336 S., 19 Euro

„Jetzt, wo ich in Ernsts Bett schlafe, fehlt ihm nur noch,

dass ich mich ihm völlig hingebe. Früher oder später

wird er mich zwingen.“ Der Schweizer Autor Martin Frank

hat eine Coming-of-Age-Geschichte aus ungewöhnlicher

Perspektive geschrieben: Held von „Aruns Geschichte“

ist ein 19-jähriger Brahmane vom Land, der traditionelle

südindische Musik studiert. Ständig plagt Arun der Gedanke,

das Studium zu schmeißen und wie sein Vater

Bauer zu werden, weil er sich die Gebühren nicht leisten

kann – bis er den reichen Auslandsstudenten Ernst kennenlernt.

Ernst bezahlt Arun als Übersetzer, doch er überhäuft

Arun auch mit Geschenken und fordert, dass dieser

bei ihm schläft. Für Arun ein Konflikt: Obwohl er die

Katholikin Mary liebt, ist er Sex mit Männern nicht abgeneigt,

nur würde er sich niemals als schwul oder bisexuell

bezeichnen und betrachtet es als Voraussetzung,

dass über schwulen Sex nicht gesprochen oder er dazu

gezwungen wird. Arun macht als Musiker Karriere, und

er beginnt, ein ausschweifendes Sexleben zu führen –

doch dann verliebt sich Ernst in Aruns Bruder Hari …

Martin Frank gewährt Einblicke in eine uns fremde Kultur,

Aus d. Franz. v. Helmut Kossodo

u. Michael von Killisch-Horn

Klett-Cotta, 2012

890 S., 24,95 Euro 6//

Als der alte Mann hinter dem Vorhang ihres Schlafzimmerfensters steht und sie

stumm anstarrt, ahnt Ariane noch nicht, dass sie in nur wenigen Monaten eine leidenschaftliche

Affäre mit dem jüdischen Diplomaten Solal beginnen und ihren Mann

verlassen wird, obwohl der Greis es ihr vorhersagt. Noch spielt die Calvinistin aus der Genfer Oberschicht der 1930er-

Jahre die Ehefrau eines einfältigen Karrieristen beim Völkerbund, mit allem, was dazu gehört: mit Launen, Migränen,

Prüderien. Wie Ariane aus dieser Ehe ausbricht, wie Solal sie mit allen ihm zur Verfügung stehenden Tricks überhaupt

zu diesem Entschluss bringt, wie beide ihre Leidenschaft so schier unendlich ausleben – all das schildert

Albert Cohen in seinem 1969 geschriebenen Roman mal einfühlsam, mal ironisch distanziert, in ganz wichtigen

Momenten in der Form innerer Monologe, immer aber mit einer sprachlichen Wucht, dass einem der Atem stockt.

Und manchmal ganz wegbleibt, wenn die Leidenschaft im Laufe des bis zum Schluss fesselnden 900-Seiters

regelrecht implodiert. Ariane reagiert verzweifelt, und Solal, der alles vorhersah, wird in der Folge zynisch, ohne

die Liebe wirklich zu verraten. Was „Die Schöne des Herrn“ aber zum absoluten Meisterwerk macht: Albert Cohen

bürstet die Liebesgeschichte gegen den Strich, indem er sie in einen gesellschaftskritischen Kontext stellt. Wie hier

zwei Menschen auf verdammt hohem Niveau ihre Leidenschaft niederbrennen, wird immer wieder im ironischen

Ton kommentiert. Wie Solal als Jude mit französischem Pass Mitte der 30er immer höher pokert und schließlich

als Staatenloser um seine Existenz kämpfen muss, läuft angesichts der Liebesgeschichte zwar fast lapidar nebenher,

katapultiert „Die Schöne des Herrn“ aber dennoch auf das Niveau eines politischen Romans. (jw)

-Bewertung

5//

1=grausig bis 6= genial

und ihm gelingt ein überzeugendes Psychogramm eines

Heranwachsenden in Indien Mitte der 70er: Mit der

Zeichnung seines Helden Arun weist er auf Rassismus

und Muslimenfeindlichkeit hin, und er verdeutlicht, dass

eine Übertragung westlicher Sexualitätsnormen nicht

funktioniert, die sich über Kategorien wie homo- oder

heterosexuell ausdefinieren. Vor allem erzählt er aber

eine wunderschöne Liebesgeschichte. (cs)

Masa Kolanovic

Underground Barbie

ROMAN

Aus d. Kroat. v. Patricia Fridrich

Prospero, 2012

212 S., 14 Euro

4//

Und da spielen sie, die Teenies. Puppenspiele: Crystal

Barbie und Superstar Festival Barbie und jugoslawische

Barbie-Nachbauten liefern sich einen Zickenkrieg in Slobostina,

einer kroatischen Plattenbausiedlung, Anfang der

Neunziger. Und währenddessen taucht in der realen Welt

ein echter Krieg am Horizont auf … „Underground Barbie“,

das Romandebüt der 1979 in Zagreb geborenen

Masa Kolanovic, hält konsequent den kindlichen Blick

seiner Protagonisten durch. Einzig die Geschichten, in

denen sich Barbie und ihre Plastikfreundinnen verstricken,

werden von Seite zu Seite blutiger, grotesker, grausamer.


Ein kluger Kunstgriff, der die Drastik der

Handlung geschickt transzendiert. Ansonsten

ist „Underground Barbie“ ein Stück

Popliteratur, bunt und grausam, passend

zu einem Krieg, der auch im Feld der Popkultur

ausgetragen wurde. (fis)

Haruki Murakami

Die Bäckerei-Überfälle

Neue Literatur // bücher 59

ERZÄHLUNG

Aus d. Japan. v.

Damian Larens

Dumont, 2012

82 S.

14,99 Euro

Dieses Buch wird weggehen wie warme

Semmeln! Auch wenn „Der Bäckereiüberfall“

und „Der zweite Bäckereiüberfall“

bereits vor Jahren in dem Kurzgeschichtenband

„Der Elefant verschwindet“ veröffentlicht

wurden, erlebt selbst der Murakami-Kenner

eine wunderbare Neubegegnung

mit den beiden skurrilen Meisterstücken.

Gestalterisch aufgewertet als

kleines Hardcoverbuch mit zweifarbigen

Illustrationen von Kat Menschik veredelt,

wird den Geschichten ein Rahmen gegeben,

der das Leseerlebnis steigert. Und

das ist ohnehin enorm, da Murakami

auch gerade in der kurzen Form seine Magie

zu entfachen weiß. Die liebenswerte

Story um zwei hungrige Freunde, die beim

Bäckereiüberfall von einem verständnisvollen

Bäcker zu einem ungewöhnlichen

Deal überredet werden und die Fortsetzung,

die ein paar Jahre später zur Erbeutung

von 30 Big Mäcs führt, zeugen

fantasievoll von Murakamis so typischer

Art, Alltagssituationen unerwartete Wendungen

zu geben. Und Menschiks verträumte

Illustrationen spiegeln kongenial

die Stimmung der Geschichten wider.

Beim nächsten Überfall auf eine Buchhandlung

unbedingt mitnehmen! (nh)

Massimo Carlotto

Tödlicher Staub

THRILLER

5//

Aus d. Ital. v. Hinrich

Schmidt-Henkel

Tropen, 2012

164 S.

14,95 Euro

5//

Goethe hat mit seiner „Italienischen

Reise“ eine Begeisterung für Natur, Kunst

und Kultur Italiens entfacht, und er sah

dort ein neues Arkadien, einen Ort, an

dem ein friedliches und freies Leben

möglich ist. Rund 200 Jahre später arbeitet

Massimo Carlotto mit seinen Romanen

nun daran, diesen Mythos zu

zerstören. „Tödlicher Staub“ spielt auf

der vermeintlich ruhigen Insel Sardinien.

Nina ist Tierärztin und arbeitet für ein

Unternehmen, das militärische Schutzkleidung

entwickelt. Sie experimentiert

mit Schafen und Ziegen, die dort in

einem militärischen Sperrgebiet durch

abgefeuerte Spezialmunition mit Uranpartikeln

in Berühung gekommen sind.

Als Dateien mit Ninas Forschungsdaten

geklaut werden und sie kurz darauf vergewaltigt

wird, weiß sie, dass ihre Gegner

alles riskieren, um sie zu stoppen. Carlotto

beschreibt, wie skrupellos Menschen werden

können, wenn es um Macht und

Geld geht. Nicht so detailiert wie Goethe

in seinen Naturbeobachtungen, aber dafür

spannend und trotz der schablonenhaft

gezeichneten Charaktere erschreckend

glaubwürdig. Arrivederci Arkadien! (nh)

Craig Thompson

Mach’s gut, Chunky Rice

COMIC

Reprodukt, 2012

128 S.

16 Euro

5//

Ein Kindercomic? Die melancholische

Schildkröte Chunky liebt das Hirschferkel

Dandel. Aber Schildkröten tragen ihr

Haus mit sich, und in der Stadt fällt

ihnen die Decke auf den Kopf – also

zieht Chunky los, auf die grenzenlose

See, in die weite Welt. Craig Thompson,

der in Deutschland mit der berührenden

Comic-Autobiografie „Blankets“ bekannt

wurde, zeichnet mit seinem 1999 entstandenen

Erstling „Good-bye, Chunky

Rice“ eine Abschiedsgeschichte im Stil

einer Tierfabel, freundlich und liebenswert

zwar, aber von solcher Traurigkeit

durchzogen, dass man den jetzt auf

Deutsch erschienen Band ungern einem

Kind in die Hand geben würde. Zu

abgründig ist die Geschichte, zu gnadenlos

Thompsons Strich, als dass man

diese große, traurige Literatur wirklich

als kindgerecht klassifizieren möchte.

Andererseits: Weswegen eigentlich nicht?

Wer sagt denn, dass Kinder nur auf

„niedlich“ können? (fis)

kulturnews 7/12


60 kino //

Film des Monats

Sleep tight

PSYCHOTHRILLER

ESP 2011, 102 Min.

R: Jaume Balagueró

D: Luis Tosar, Marta Etura, Alberto San Juan

ab 5. 7. (Senator) 5//

Fünf Uhr früh, der Wecker schellt. Die junge Frau schläft weiter, der ältere Mann

steht auf, duscht und tritt seinen Dienst als Portier an. Stunden später aber begegnen

sich die beiden mit höflicher Distanz – eine geschickt platzierte Irritation, die Regisseur

Jaume Balagueró („[REC]“) bald erklärt. Denn der Portier ist ein suizidaler Psychopath,

der seine Schlüsselgewalt nutzt, um die junge Mieterin zu betäuben und zu missbrauchen,

jede Nacht … Erneut definiert Balagueró die Mietshäuser unserer Großstädte

als Orte des Schreckens, diesmal in Form eines elegischen Psychothrillers, dessen

matte Farben die mentale Tristesse des Täters widerspiegeln. Die Kamera wechselt oft

zwischen Auf- und Untersicht und folgt so den Phasen seiner Macht und Ohnmacht.

Balagueró gelingt mit „Sleep tight“ das stilistisch wie dramaturgisch brillante Porträt

eines Psychopathen, der verzweifelt sein Glück sucht im Unglück anderer – ein Stoff

wie gemacht für ein Remake in Hollywood. Hauptdarsteller Luis Tosar aber, dessen gezackter

Lippenstrich jede Großaufnahme trägt, wird kein US-Star je toppen können. (mw)

Start 28. 6.

Cinema Jenin

DOKUMENTATION

D/IL/PS 2011, 95 Min.

R: Marcus Vetter

ab 28. 6. (Senator)

„Cinema Jenin“ von Marcus Vetter geht

weit über das Genre Dokumentarfilm hinaus.

2008 hatte der Regisseur in „Das

Herz von Jenin“ die Geschichte des Palästinensers

Ismail Khatib erzählt, der die

kulturnews 7/12

-Bewertung

5//

1=grausig bis 6= genial

Organe seines von israelischen Soldaten

erschossenen Sohnes auch Israelis spendete.

Nun greift Vetter auch selbst ins

Geschehen ein: Er will gemeinsam mit

Khatib ein altes, verfallenes Kino in der

Westbank wieder aufbauen und gemeinsam

mit den Palästinensern vor Ort ein

Kulturzentrum errichten. Vom ersten Spatenstich

bis zur Eröffnungsfeier, von zähesten

Verhandlungen bis zu schlimmsten

Rückschlägen, vom Besuch von Pink-Floyd-

Sänger Roger Waters und seiner 90 000-

Euro-Spende bis zur Ermordung des Kinounterstützers

Juliano Mer-Khamis: Alles

ist in diesem Film dokumentiert, der zu

einem Work in Progress wurde und auch

künstlerisch überzeugt. Mit Handkameras

eingefangene Büroszenen alternieren mit

wunderschönen, fast schon elegischen

Sequenzen aus dem alten Kino, in dem

Palästinenser gemeinsam mit internationalen

Helfern die Arbeiten voranbringen. (jw)

Copacabana

KOMÖDIE

F 2010, 105 Min.

R: Marc Fitoussi

D: Isabelle Huppert, Lolita Chammah,

Aure Atika

ab 28. 6. (Kairos)

Kein Geld, keinen Job, aber immer gute

Laune: Babou (Isabelle Huppert) lebt in den

Tag hinein und fährt gut damit. Manchmal

schleppt sie einen Mann ab, aber eigentlich

ist die auf den ersten Blick Junggebliebene

gerne ungebunden und frei. Babous

Tochter Esméralda (gespielt von Hupperts

Tochter Lolita Chammah) verkörpert das

komplette Gegenteil; ihr ist die Mutter

schlicht peinlich, weil sie sich nicht ihrem

Alter entsprechend verhält. So peinlich,

dass sie sie bei der geplanten Hochzeit auf

keinen Fall dabeihaben will. Zuerst tief

verletzt, fängt sich Babou aufgrund ihres

Naturells schnell wieder und beginnt mit

dem Versuch, ihr Leben zu ordnen … Mit

„Copacabana“ ist Regisseur Marc Fitoussi

eine realistische Tragikomödie gelungen,

die er mit vielen komischen bis skurrilen

Momenten aufpeppt, ohne je ins

Lächerliche abzugleiten. Im Gegenteil:

Isabelle Huppert spielt perfekt das

Widersprüchliche ihrer Figur , in der sich

Anpassungswille und eigene Haltung bis

zum Schluss einen spannenden Wettstreit

liefern. (jw)

Der Seidenfächer

HISTORIENDRAMA

CN/USA 2011, 104 Min.

R: Wayne Wang

D: Gianna Jun, BingBing Li,

Russell Wong

ab 28. 6. (Senator)

4//

3//

Aus heutiger, westlicher Sicht wirkt dieses

Beziehungskonzept aus dem alten China

durchaus interessant: Mädchen werden mit

Unterschrift und Treuegelübde für immer

zu Schwurschwestern vereint; so sollen

sie in einer von Männern beherrschten

Welt bestehen können. Seidenfächer und

eine eigene Geheimschrift spielen dabei

eine wichtige Rolle. Wayne Wang erzählt

ineinander verschachtelt von zwei solcher

Frauenfreundschaften im China des 19.

Jahrhunderts und im Shanghai der Gegenwart.

Die strengen Sitten, Zeremonien

und befremdlichen Traditionen (etwa die

Verstümmelung der Füße der Mädchen)

zeigt der Film dabei in pittoresken, aber

kaum beeindruckenden Bildern. Der unentwegt

säuselnde Geigenteppich auf der

Tonspur will Anmut und Gefühl vermitteln,

wirkt aber wie nervige Kaufhausmusik. An

die Dichte und Dramatik seiner „Töchter

des Himmels“ reicht Wang mit diesem Film

nicht heran. Und auch Hugh Jackmans

Gastauftritt als Nachtclubbesitzer kann

den schleppenden Lobgesang auf die platonische

Liebe zwischen Frauen nicht in

Schwung bringen. (ascho)

Marieke und die Männer

DRAMA

BE 2011, 85 Min.

R: Sophie Schoukens

D: Hande Kodja, Barbara Sarafian,

Jan Decleir

ab 28. 6. (Neue Visionen)

3//

„Ohne Liebe, warme Liebe, scheint das

Licht als düstres Licht“, sang Jacques Brel

in seinem Chanson „Marieke“. Auch im

Leben der 20-jährigen Belgierin Marieke

(Hande Kodja) ist es meist Nachtblau oder

Dunkelbraun; warmes Licht scheint nur,

wenn Marieke mit sehr viel älteren Männern

schläft, die ihr die Geborgenheit geben,

die ihr die Mutter nie gab. Und die ihr

immer noch verschweigt, dass der Vater

vor zwölf Jahren nicht verschwand, sondern

Suizid beging. Als ein alter Freund

des Vaters auftaucht, erfährt Marieke die


Wahrheit … Braun, Fliedergrün, Himmelblau:

Mit Gespür für Farbkompositionen

navigiert Regisseurin Sophie Schoukens

Marieke durch die Nebelschwaden ihrer

Vergangenheit. Rot, die Farbe der Lebensfreude

und der Erotik, ist dabei Leitmotiv,

es ist in Mariekes Badeanzug und ihrem

Gips, auf einer Hauswand, an der sie

vorbeiradelt, auf einer Torte, die sie backt.

Doch so stilsicher Schouken ästhetisch

arbeitet: Mehr Nähe zur Hauptfigur und

weniger banale Psychologie hätten ihrem

schön anzusehenden Debüt nicht geschadet.

(vs)

Simon

DRAMA

SE/DK/NO/D 2011, 122 Min.

R: Lisa Ohlin

D: Bill Skarsgård, Jan Josef Liefers,

Katharina Schüttler

ab 28. 6. (Farbfilm)

5//

„Und was haben Sie im Krieg gemacht,

Frau Larsson?“, fragt die KZ-Überlebende

Iza. „Kartoffeln gepflanzt?“ Das hat Karin

Larsson in der Tat. Doch auch wenn

Schweden vom Zweiten Weltkrieg relativ

unbehelligt bleibt, sitzt die Angst den

Larssons stets im Nacken: Ihr Sohn Simon

(Bill Skarsgård) ist adoptiert und Halbjude.

Erfahren wird Simon das erst nach

dem Krieg, der die Familienkonflikte wie

eine schwelende Unruhe untermalt … Das

wahre Grauen blitzt nur in den Traumata

der Figuren auf, etwa wenn Iza beim Sex

von Simon geschlagen werden will und

anschließend in Tränen ausbricht. Die

Schwere solcher intensiven Momente

fängt der Film mit einer melancholischen

Grundstimmung auf, die aus dem sanft

fließenden Rhythmus der klassisch-folkloristischen

Musik und dem Spiel mit natürlichem

Licht entsteht, das als goldener

Strahl den Raum durchflutet oder Naturszenen

in bläulichen Schein hüllt. Neben

dem visuellen Konzept macht auch das

Ensemble – darunter Jan Josef Liefers und

Katharina Schüttler – die Romanverfilmung

sehenswert. (dpp)

Start 5. 7.

2 Tage New York

KOMÖDIE

USA 2011, 96 Min.

R: Julie Delpy

D: Julie Delpy, Chris Rock,

Alexia Landeau

ab 5. 7. (Senator)

Julie Delpy ist die Expertin für komplizierte

Beziehungsfragen: Fünf Jahre nach „2 Tage

Paris“ prallen diesmal in New York die kulturellen

Eigenheiten von Franzosen und

Amerikanern aufeinander. Marions (Delpy)

Familie aus Paris fällt für kurze Zeit ins

Land ein, wird aber vom Zoll vorher erstmal

wegen Käseschmuggels hochgenommen.

Es bleibt nicht das einzige Klischee:

Die Franzosen sind nicht nur passionierte

Weintrinker, sondern natürlich auch versaut,

ordinär, exhibitionistisch und sexsüchtig.

Für die Komödie ein Volltreffer, dass Marions

US-Ehemann Mingus (Chris Rock) ein pedantischer

Saubermann ist, der das kapriziöse

Verhalten seiner angeheirateten Sippschaft

nicht dulden mag. Manhattan,

Central Park, turbulente Liebesbeziehungen:

Delpy wandelt auf den Spuren ihres Vorbilds

Woody Allen; ihre Figuren sind nicht

nur neurotisch und zaudernd, sie sind

wie Kinder im Körper von Erwachsenen,

denen man das Spielzeug weggenommen

hat. Das ist zum Teil anstrengend –

und doch kurzweilig und humorvoll. (ds)

Cosmopolis

// kino 61

SCIFI-DRAMA

USA 2012, 108 Min.

R: David Cronenberg

D: Robert Pattinson, Jay Baruchel,

Kevin Durand

ab 5. 7. (Falcom Media)

3//

2//

Der ultrareiche, megagelangweilte

Banker Eric Packer lässt sich in einer

kulturnews 7/12

ALINA LEVSHIN JELLA HAASE GERDY ZINT

KRIEGERIN

AB 12. JULI IM KINO


Am 19. Juli

um 20 Uhr

Ice-T‘s wegweisende Hip-Hop-

Dokumentation + Interview und

Live-Performance mit Ice-T und

Gästen, live übertragen von der

Europapremiere aus London.

Mehr Infos und Tickets

unter www.UCI-KINOWELT.de

62 kino //

Strechlimousine durch New York fahren,

das Innere des Wagens gleicht mit seinen

blau illuminierten Computerbildschirmen

einem Raumschiff. Packer führt mit zusteigenden

Personen Dialoge, die eher

Monologen gleichen, in denen in abstrakten,

prätentiösen Worten der Zustand der

Gesellschaft reflektiert wird. Packer isst,

vögelt, spricht mit seiner Frau übers Vögeln,

lässt sich die Prostata befühlen, weiß, man

will ihn umbringen, kümmert sich nicht

drum. Dabei macht Robert Pattinson als

Packer ein Gesicht, das mit „reglos“ noch

zu lebendig beschrieben ist. Geht es in

David Cronenbergs Drama um eine kalte

Welt, in der die Menschen kommunikatonsunfähig

in ihrem eigenen Geist eingeschlossen

sind? Ist Don DeLillos zugrunde

liegender Roman von 2003 ein

prophetisches Buch über die ultimative

Weltentfremdung des mit unvorstellbaren

Mengen Cybergeld spekulierenden Finanzhais,

verbildlicht in dem Luxusgefährt, das

Packer von einer der Anarchie anheimfallenden

Umgebung abschirmt? DeLillos

enigmatische Zeilen jedenfalls funktionieren

nur als Literatur; auf die Leinwand

übertragen sind sie eine 108-minütige

Textlawine, der durch die surreale Inszenierung,

die artifiziell agierenden Darsteller

und Cronenbergs starre Kameraführung,

die keine Dynamik und Bewegung kennt

und Pattinson und Co. zu Sprechpuppen

degradiert, jegliches Leben ausgetrieben

wird. (vs)

Sons of Norway

DRAMA

NO 2011, 87 Min.

R: Jens Lien

D: Sven Nordin, Åsmund Høeg,

Sonja Richter

ab 5. 7. (Alamode)

Bananen kistenweise? Die Verkäuferin ist

verblüfft. Doch Nikos Papa Magnus (Sven

Nordin) antwortet nur, es sei doch Weihnachten

– und hängt die Südfrüchte am

Heiligabend 1979 an den Tannenbaum,

schnippelt sie ins Essen, bastelt Girlanden

draus und feiert in einem Reihenhaus am

Rande von Oslo mit seinen Hippiefreunden

kulturnews 7/12

5//

das Bananenfest. Doch es ist nicht das

seltsame Benehmen seiner Eltern, das

Niko (Åsmund Høeg) bald zum Rebellieren

bringt. Als seine Mutter bei einem

Unfall stirbt, verlieren Vater und Sohn

gleichermaßen den Halt. Während Magnus

sich in Depressionen und noch spinnerteren

Ideen verliert, sucht Niko im Punkrock

die Lösung seiner Probleme. Sensibel

und liebevoll, aber auch mit realistischem

Blick verfilmt Regisseur Jens Lien den

semiautobiografischen Roman „Theory

and Practice“ von Nikolaj Frobenius.

Dabei darf trotz aller Tragik auch gelacht

werden – wenn der weltfremde Magnus

zur Beziehungspflege mit seinem immer

schwieriger werdenden Teenagersohn

ausgerechnet ins Nudistencamp fährt …

(kab)

Woody Allen: A Documentary

DOKUMENTATION

USA 2012, 113 Min.

R: Robert B. Weide

ab 5. 7. (NFP)

4//

41 Filme in 41 Jahren: Seit der Gagschreiber

Woody Allen aus Brooklyn zum

Filmemacher wurde, funktioniert er wie ein

Uhrwerk. Robert Weides Porträt dieses

reichen Lebens fügt Archivmaterial und

Interviews zur facettenreichen Eloge auf

einen der wichtigsten Kinoregisseure der

Geschichte zusammen. Die kurzweilige

Doku verschweigt dabei die Brüche nicht:

die vernichtenden Kritiken für „Stardust

Memories“ (1980), der Skandal, als seine

Affäre mit der eigenen Adoptivtochter aufflog.

Doch Weide reitet auch nicht darauf

herum. Wichtiger ist ihm (und wem nicht?)

Allens Rang als Komiker, Kinostilist, Sinnsucher.

All seine Träume, sagt der 76-

Jährige am Ende des Films, seien wahr

geworden, und trotzdem habe er das Gefühl,

es irgendwie vermasselt zu haben.

Eine Koketterie, die perfekt passt zu diesem

Porträt eines melancholischen Clowns,

der in all seinen Filmen – den Komödien,

den Tragödien und allen dazwischen – mit

selbstironischer Verzweiflung die Frage

nach dem Sinn des Lebens stellt. Obwohl

er die Antwort auf diese Frage schon

lange kennt. (mw)


Start 12. 7.

Babycall

PSYCHOTHRILLER

NO 2011, 96 Min.

R: Pål Sletaune

D: Noomi Rapace, Kristoffer Joner,

Vetle Qvenild Werring

ab 12. 7. (NFP)

4//

Anna (Noomi Rapace) lebt in Angst. Unterstützt

durch das Sozialamt hat sie für sich

und ihren achtjährigen Jungen eine neue

Wohnung bekommen, doch auch hier

fühlt sie sich nicht vor ihrem gewalttätigen

Ehemann sicher. Ist es Paranoia, übertriebener

Mutterinstinkt oder berechtigte

Sorge, dass sie ihren Sohn nicht allein in

seinem Zimmer schlafen lässt? Dass sie

ein Babyfon für den Jungen kauft, um

beruhigter schlafen zu können? Dann aber

hört sie damit unfreiwillig, wie in einer

der Nachbarwohnungen des anonymen

Wohnblocks ein anderes Kind misshandelt

wird … Pål Sletaune spielt in diesem

bodenständigen Psychothriller versiert

mit unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen

und liefert uns einer Hauptfigur

aus, der wir als Zuschauer bald nicht

mehr trauen können. Für Noomi Rapace,

seit ihrer Rolle als Lisbeth Salander in

den Verfilmungen der „Millenium“-Trilogie

auf schwierige Charaktere abonniert, ist

„Babycall“ ein darstellerischer Parfource-

Ritt, den sie über weite Strecken im

Alleingang zu stemmen hat – und mit

Bravour meistert. (ascho)

... und außerdem online

Hasta la Vista

TRAGIKOMÖDIE

BE 2011, 115 Min.

R: Geoffrey Enthoven

D: Tom Audenaert, Isabelle de Hertogh,

Gilles De Schrijver

ab 12. 7. (Ascot Elite)

5//

Nach „Ziemlich beste Freunde“ kommt

die nächste (tragische) Behindertenkomödie

ins Kino. Die Twens Philip (halsabwärts

gelähmt), Jozef (fast blind) und

Lars (krebskrank im Rollstuhl) sehnen

sich nach Entjungferung, und die Kamera

zwingt uns gleich zu Beginn ihren brüstefixierten

Blick auf. In Spanien soll es

ein Bordell für Behinderte geben, dorthin

wollen die drei Flamen aufbrechen, doch

das geht nur ohne Erlaubnis der gluckenden

Eltern und mit einer wortkargen

Wuchtbrumme von Fahrerin. Geoffrey

Enthoven erzählt diese Story als bitterkomisches

Roadmovie, dessen leiser Witz

die Qualen des Alltags nie beschönigt.

Behinderte führen eben doch kein „normales“

Leben – sondern eins, das geprägt

ist vom zähen, bisweilen ungerecht

geführten Kampf um Eigensinn, Selbstständigkeit

und Würde. Dennoch schafft

es der Regisseur, uns dieses freakige,

wein- und sexversessene Trio ganz nah

ans Herz zu legen. Einer wird nicht mehr

nach Hause kommen, ein anderer die

Liebe finden und der dritte seine Häme

verlieren. Und das alles ohne Schenkelklopfer

– eine feine Leistung. (mw)

Noch mehr Rezensionen und Informationen zu allen monatlichen

Kinostarts und alle Spielzeiten im Kinoportal auf kulturnews.de

Im Juli gibt’s dort auch unsere Kritiken folgender neuer Filme:

W. E. 2 // Madonna-Film // ab 21. 6.

Holidays by the Sea 3 // Skurrile Ferien // ab 5. 7.

Little Thirteen 3 // Deutsches Sozialdrama // ab 5. 7.

// kino 63

Bis zum Horizont, dann links!

KOMÖDIE

D 2012, 100 Min.

R: Bernd Böhlich

D: Otto Sander, Angelica Domröse,

Herbert Feuerstein

ab 12. 7. (Neue Visionen)

3//

Ein alter Mann steht nachts allein im

Garten. Er hält sich eine Pistole an den

Kopf und will gerade abdrücken, als ein

Flugzeug über ihn hinweg fliegt. Der

Mann lässt die Waffe sinken und lächelt.

Sein Name ist Eckehardt Tiedgen (Otto

Sander), und er hat das Leben im

Altersheim satt – kurzerhand entführt er

bei einem Rundflug der Heimbewohner

das Flugzeug und lässt in Richtung

Süden steuern … Die Kamera fängt die

Maschine beim Flug über das Meer und

schneebedeckte Berge ausgiebig aus

allen Blickwinkeln ein, lenkt damit aber

nur davon ab, dass Bernd Böhlichs

Rentnerabenteuer kaum etwas zu erzählen

hat: Nach einer langatmigen Rede

Tiedgens, wonach die Welt die Senioren

abgeschoben habe, gibt es an Bord nämlich

nichts mehr zu tun. Mit Ausnahme

von Angelica Domröse und Herbert

Feuerstein drängt Hauptdarsteller Sander

den Rest des Ensembles zu sehr in den

Hintergrund. Und der Erkenntnisgewinn

am Ende der Reise ist banal: Auch alte

Menschen können ihrem Glück auf die

Sprünge helfen. (sp)

kulturnews 7/12

BILL

SKARSGÅRD

STEFAN

GÖDICKE

JAN JOSEF

LIEFERS

KATHARINA

SCHÜTTLER

Nach dem Bestseller von

Marianne Fredriksson

HELEN

SJÖHOLM

Simon

JEDE

FAMILIE

HAT

IHR

GEHEIMNIS

Ab 28. Juni im Kino

FARBFILM VERLEIH PRÄSENTIERT EINE GÖTA FILM, ASTA FILM, SCHMIDTZ KATZE FILMKOLLEKTIV, FILMKAMERATENE PRODUKTION

EINFILMVON LISA OHLIN “SIMON” BILL SKARSGÅRD JAN JOSEF LIEFERS HELEN SJÖHOLM STEFAN GÖDICKE KARL LINNERTORP JONATAN S. WÄCHTER

KARL MARTIN ERIKSSON KATHARINA SCHÜTTLER KAMERA DAN LAUSTSEN DFF SZENENBILD ANDERS ENGELBRECHT LENA SELANDER FOLKE STRÖMBÄCK

KOSTÜM KATJA WATKINS SCHNITT KASPER LEICK MICHAL LESZCZYLOWSKI ANDERS NYLANDER MUSIK ANNETTE FOCKS

PRODUZENTEN CHRISTER NILSON PER HOLST STEFFEN REUTER PATRICK KNIPPEL MARC-DANIEL DICHANT LEANDER CARELL JOHN M JACOBSEN SVEINUNG GOLIMO

DREHBUCH MARNIE BLOK NACH DEM ROMAN “SIMON” VON MARIANNE FREDRIKSSON REGIE LISA OHLIN

KO-PRODUZENTEN FILM I VÄST SVERIGES TELEVISION FILM FYN DANMARKS RADIO FLINCK FILM AVRO TELEVISION

IN ZUSAMMENARBEIT MIT CINEPOSTPRODUCTION CINEGATE GIMPVILLE GÖTEBORG & CO THE COBO FUND

MIT UNTERSTÜTZUNG VON SVENSKA FILMINSTITUTET DET DANSKE FILMINSTITUT NORSK FILMINSTITUTT NORDISK FILM & TV FOND

FILMFÖRDERUNG HAMBURG SCHLESWIG-HOLSTEIN MEDIENBOARD BERLIN-BRANDENBURG DEUTSCHER FILMFÖRDERFONDS MEDIA I2I AUDIOVISUAL

© 2011 GÖTA FILM, ASTA FILM, SCHMIDTz KATZE FILMKOLLEKTIV UND FILMKAMERATENE


H-Blockx

14. 9. // Hamburg Grünspan

15. 9. // Bochum Zeche

17. 9. // Köln Underground

18. 9. // München Theaterfabrik

19. 9. // Nürnberg Hirsch

21. 9. // Berlin C Club

22. 9. // Dresden Beatpol

23. 9. // Mannheim Capitol

präsentiert

Tickets und mehr über

H-Blockx

auf kulturnews.de

Foto: Markus Hauschild

64 dvds //

DVD des Monats

Nicolas Winding Refn hat ein Händchen für Hauptdarsteller:

In „Walhalla Rising“ überzeugte der dänische

Charakterprofi Mads Mikkelsen als wütender, eiskalt

kämpfender Wikinger, für sein Hollywooddebüt „Drive“

holte Refn sich dann Shootingstar Ryan Gosling hinters

Steuer. Driver verdient tagsüber sein Geld als Stuntfahrer, nachts vermittelt ihn

sein Manager Shannon („Breaking Bad“-Star Bryan Cranston) als Fluchtwagenfahrer

an Bankräuber. Als er sich in seine Nachbarin Irene (Carey Mulligan) verliebt und ihr

Mann ihm einen Job anbietet, nimmt das Unheil seinen Lauf. Der Coup geht gründlich

schief, und Driver muss um Irenes und sein eigenes Leben kämpfen … Refns

Actiondrama mit Neo-Noir-Elementen ist – wie schon seine „Pusher“-Trilogie oder eben

„Walhalla Rising“ – unglaublich stylish, jeder Lichtstrahl, jede Totale, jede Location

ist ausgeklügelt, der 80er-Jahre-Retrolook bis ins Detail abgestimmt. Am meisten

beeindruckt jedoch Gosling als schweigsamer, unberechenbarer Held, der auf eigentümliche

Art Coolness, Brutalität und Warmherzigkeit in sich vereint. (es)

Extras Trailer, Making-of, Interviews, Featurettes

auch als Blu-ray

Das gibt Ärger

ACTIONKOMÖDIE

R: McG

D: Reese

Witherspoon, Chris

Pine, Tom Hardy

6. 7., Twentieth

Century Fox

USA 2011

Ok, die Story ist nix Neues: Zwei befreundete

Agenten, der eine Amerikaner

(Chris Pine), der andere Brite (Tom Hardy)

verlieben sich in dieselbe Frau (Reese

Witherspoon). Da im Krieg und in der

Liebe alles erlaubt ist, entbrennt ein scharfer

Wettstreit, der durch die eingesetzten

High-Tech-Spionagemethoden noch eine

spezielle Würze erhält. Wer bei Klischees

sofort Würgereiz bekommt, ist mit einem

anderen Film vielleicht besser bedient.

Dennoch unterhält diese Actionkomödie

auf charmante Weise, was vor allem an

den Wortgefechten der beiden Buddies

und den wunderbar überzogen gestylten

Settings liegt. Und daran, dass Til

Schweiger als ewig lispelnder

Hollywoodbösewicht diesmal nur eine

Winzrolle zugeteilt bekam. (es)

Extras zusätzliche Szenen, Kommentare,

alternative Enden, Spaß am Set, Trailer

auch als Blu-ray

kulturnews 7/12

Drive

THRILLER

R: Nicolas Winding Refn

D: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Albert Brooks

29. 6., Universum Film, USA 2011

-Bewertung

1=grausig bis 6= genial

La-La Land

5//

LIEBESDRAMA

R: Caspar Andreas

D: Matthew

Ludwinski, Allison

Lane, Michael Medico

1. 6.

Pro-Fun Media

USA 2011

3// 3//

Natürlich gibt es schon viel zu viele Filme

über den geplatzten Traum einer Hollywoodkarriere,

auch in der schwulen

Variante. Doch Regisseur Caspar Andreas

kann mit „La-La Land“ den Klischees

einige tragische wie auch komische Momente

abtrotzen, die noch nicht so überstrapaziert

sind. Nachdem der naive Adam

(Matthew Ludwinski) bei Castings und in

diversen Nebenjobs gescheitert ist, muss

er sich als Darsteller in Schwulenpornos

und Callboy über Wasser halten. Und auch

seine Beziehung mit einem bekannten

Seriendarsteller kann er nur im Geheimen

leben. „La-La Land“ ginge okay, hätte sich

Andreas das schlimmste Klischee gespart:

ein unglaubwürdiges Hollywoodende.

(cs)

Extras Making-of, Outtakes, ausgelassene

Szenen, Musikvideo, Kommentare,

Galerie, Trailer


The Zero Hour

ACTION

R: Diego Velasco

D: Amanda Key,

Zapata 666,

Laureano Olivarez

22. 6.

Senator

VE 2010

Als der Killer Parcas (Rapper Zapata 666)

seine hochschwangere Jugendfreundin

Ladydi mit einer Schussverletzung in die

Notaufnahme bringt, gibt sich „The Zero

Hour“ noch ganz unschuldig als gewöhnlicher

Gangsterfilm. Doch Spielfilmdebütant

Diego Velasco führt seine Zuschauer gewaltig

in die Irre. Eine TV-Reporterin berichtet

live aus dem von Parcas und seiner Gang

gestürmten Krankenhaus und löst damit

soziale Unruhen aus, da die medizinische

Versorgung in Venezuela miserabel ist. Als

infiltrierte Spezialeinheiten im Krankenhaus

schließlich auf Gangster, Geisel und Ärzteschaft

gleichermaßen Jagd machen, reibt

man sich verwundert die Augen und fragt

sich: Wer sind hier überhaupt die Guten?

„The Zero Hour“ lebt von starken Schauspielern,

einem dramaturgisch perfekten

Wechsel zwischen harter Action und ruhigen

Momenten sowie einer unglaublich

spannenden Geschichte mit überraschenden

Wendungen. (jw)

Extras Trailer

auch als Blu-ray

Spartacus:

Blood and Sand – Staffel 1

HISTORYSERIE

5//

D: Andy Whitfield,

John Hannah, Lucy

Lawless

6. 7.

Twentieth

Century Fox

USA 2012

4//

Ein Gefangener Roms soll in der Arena

von vier Gladiatoren getötet werden – er

schafft es jedoch, seine Gegner zu besiegen.

Gladiatorenmeister Batiatus kauft ihn

und zwingt ihn dazu, sich in seiner Kampfschule

unter dem Namen Spartacus ausbilden

zu lassen. Spartacus willigt erst ein,

für Batiatus zu kämpfen, als dieser verspricht,

nach Spartacus’ Frau zu suchen, die

als Sklavin verkauft wurde … Mal ehrlich:

Eine Serie wie Spartacus sieht sich keiner

wegen des gehaltvollen Inhalts an. Es

reicht also, sich an historischen Begebenheiten

zu orientieren, sofern genug Blut

und Sex zu sehen sind. Und von beidem

gibt es viel: In der Arena werden Männern

// dvds

in Nahaufnahme und Zeitlupe Kehlen

aufgeschlitzt, während die Frauen ständig

ihre ohnehin knappen Hüllen fallen lassen.

Fans von „300“ werden die Serie, die zu

Recht ab 18 freigegeben ist, lieben. (sp)

Extras Hinter den Kulissen, Featurettes,

Audiokommentar

auch als Blu-ray

Underworld Awakening

FANTASYACTION

R: Mans Marlind,

Bjorn Stein

D: Kate Beckinsale

Stephen Rea

12. 7.

Sony Pictures

USA 2012

Vampirkriegerin Selene (Kate Beckinsale)

erwacht im vierten Teil der „Underworld“-

Saga aus jahrelangem künstlichen Schlaf

und muss feststellen, dass sie a) Gefangene

einer Biotechfirma ist, b) die Menschen

die Vampire und Werwölfe fast ausgerottet

haben, c) ihr Geliebter tot ist und sie

d) eine Tochter im Teenageralter hat. Sie

bricht samt Tochter aus, nur um sich

einem genetisch mutierten Superlykaner

gegenüber zu sehen … (vs)

Extras Interviews

auch als Blu-ray

Die Kunst zu gewinnen –

Moneyball

SPORTDRAMA

3//

R: Bennett Miller

D: Brad Pitt, Philip

Seymour Hoffman,

Jonah Hill

21. 6.

Sony Pictures

USA 2011

5//

Wer beim Baseball gewinnen will, braucht

Geld für gute Spieler. Die Oakland Athletics

haben kein dickes Konto – und verlieren

am laufenden Band. Manager Billy Beane

(Brad Pitt) verlässt sich bei der Auswahl

deshalb zur Abwechslung mal auf Computerstatistiken.

Und zieht los, die Spieler

einzusammeln, die keiner will … „Moneyball“

basiert auf einer wahren Geschichte,

doch Baseball wird hier nur am Rande

gespielt. Gegen den Strom schwimmen,

Hoffnung, Verlust und Durchhaltevermögen,

darum geht es Regisseur Bennett Miller

mit diesem Sportdrama, das durch humorvolle

Dialoge und Emotionen überzeugt. (jes)

Extras Featurettes, herausgefallene

Szenen, Outtakes

auch als Blu-ray

kulturnews 7/12

12 x kulturnews + Geschenk nach Wahl

O Melody Gardot

The Absence

O Gossip

A Joyful Noise

Bitte Geschenk ankreuzen

Ich möchte kulturnews für ein Jahr zum Preis von 21 Euro abonnieren.

Das gewünschte citymag und mein Geschenk habe ich angekreuzt.

Sollten Sie bis sechs Wochen vor Ablauf des Abos nichts von mir hören,

möchte ich kulturnews ein weiteres Jahr.

O Berlin

O Hamburg

O München

O Frau O Herr

Name, Vorname

Straße, Hausnummer

PLZ, Ort

E-Mail Telefon

Datum, Unterschrift

// abocoupon 65

O Köln

O Ruhrgebiet

O Düsseldorf

O Joan Armatrading

Starlight

O Mark Forster

Karton

O Stuttgart

O Frankfurt

O Scheck liegt bei O Überweisung nach Rechnungserhalt

kulturnews im Abo: 12 Ausgaben für 21 Euro, Lieferung frei Haus nach Bezahlung.

Abobestellung an:

bunkverlag, kulturnews-Aboservice, Friedensallee 7–9, 22765 Hamburg

fon 040-399 29 50, fax 040-38 08 97 73, E-Mail info@bunkverlag.de

Widerrufsrecht: Mir ist bekannt, dass ich diese Aboanforderung

innerhalb von 10 Tagen beim kulturnews-Aboservice schriftlich widerrufen kann.

Für die Fristwahrung genügt das Absendedatum.

Besuchen Sie uns auch im Netz: kulturnews.de


66 aktion //

Drei Brüder und ein Ball

Sie waren drei Brüder mit einem Traum: Fußballprofi zu werden. Jérôme Boateng verteidigt

jetzt beim FC Bayern München und in der Abwehr der deutschen Nationalmannschaft,

Kevin steht beim AC Mailand unter Vertrag und spielte bei der

Weltmeisterschaft 2010 für Ghana. Ihr ältester Bruder George konnte sich den Traum

vom Profidasein nicht erfüllen – er züchtet heute Hunde und macht Musik.

Michael Horeni ist seit 1989 Sportredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

und hat das Buch „Die Brüder Boateng: Drei deutsche

Karrieren“ in enger Zusammenarbeit mit Jérôme und

George geschrieben. Dabei geht es natürlich viel um

Fußball, aber Horeni zeichnet auch ein sehr persönliches

Bild der Boateng-Brüder, die in zwei unterschiedlichen

Stadtteilen in Berlin aufgewachsen sind. Das

Buch lässt den Leser teilhaben an ihren Erfahrungen

mit Rassismus und Vernachlässigung und auch an

ihrem Kampfeswillen.

kulturnews verlost 5 x „Die Brüder Boateng: Drei

deutsche Karrieren”. Zur Teilnahme einfach bis zum

18. Juli die Gewinnhotline 0137-989 89 82 (0,50

Euro/Anruf) anrufen. Viel Glück!

Impressum //

kulturnews erscheint monatlich und wird herausgegeben

und verlegt von der bunkverlag GmbH

Zeisehallen, Friedensallee 7–9, 22765 Hamburg

VERLAG

fon 040-39 92 95-0 | fax 040-38 08 97-73

E-Mail info@bunkverlag.de

CHEFREDAKTEURIN

Dr. Jutta Rossellit (v.i.S.d.P.)

REDAKTION

fon 040-38 08 97-6 | fax 040-38 08 97-73

E-Mail redaktion@bunkverlag.de

Leser-E-Mail leser@bunkverlag.de

MUSIK Matthias Wagner (mw)

fon -72 | E-Mail mwagner@bunkverlag.de

DVD Ellen Stickel (es)

fon -82 | E-Mail dvd@bunkverlag.de

ENTERTAINMENT Jürgen Wittner (jw)

fon -76 | E-Mail jwittner@bunkverlag.de

KINO Volker Sievert (vs)

fon -71 | E-Mail vsievert@bunkverlag.de

kulturnews 7/12

Abb: © Dragon76 / Dutch Uncle

LITERATUR Carsten Schrader (cs)

fon -83 | E-Mail cschrader@bunkverlag.de

LIVE Katharina Behrendsen (kab)

fon -74 | E-Mail kbehrendsen@bunkverlag.de

KUNST + THEATER Falk Schreiber (fis)

fon -70 | E-Mail fschreiber@bunkverlag.de

TERMINE UND PROGRAMM siehe citymag, S. 3

WEITERE BEITRÄGE DIESER AUSGABE

Michael Fuchs-Gamböck, Ron Haller (ron),

Nils Heuner (nh), Dagmar Leischow,

Albert Munz (am), Dr. Justus Noll (jn),

Danja Prahl (dpp), Philipp Roser,

Steffen Rüth, Axel Schock (ascho),

Julia Schröder (jes), David Siems (ds)

Praktikantinnen und Praktikanten

Sinah Vonderweiden (sv), Stephanie Pingel (sp),

Nele Herzog (nmh)

Einer gegen alle

Shakespeares „Coriolanus" ist in der Neuzeit angekommen:

Ralph Fiennes verfilmte die Tragödie in

seinem Regiedebüt als packendes Actiondrama –

und spielt gleich selbst die Hauptrolle. Darum geht

es: General Cajus Martius Coriolanus hat für das

hungernde Volk Roms kein Mitleid übrig, stattdessen

stellt er sich auf die Seite der Reichen.

Daraufhin bricht ein blutiger Massenaufstand aus, und Coriolanus wird verbannt. Um

Rache zu nehmen, schließt er sich seinem Erzfeind Tullus Aufidius (Gerard Butler) an

und marschiert mit ihm gegen Rom... Regisseur Fiennes holt Shakespeares zeitloses

Thema in die Gegenwart und stattet Coriolanus’ Recken entsprechend mit

Panzern und Maschinengewehren aus. Der Film überzeugt mit seinem hochkarätigen

Ensemble und jeder Menge Action.

kulturnews verlost 10 DVDs von „Coriolanus". Zur Teilnahme einfach bis zum 18.

Juli die Gewinnhotline 0137-989 89 83 (0,50 Euro/ Anruf) anrufen. Wir drücken

die Daumen!

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht

unbedingt die Meinung des Herausgebers oder

des Verlags wieder. Für unverlangt eingesandte

Materialien kann keine Gewähr übernommen

werden. Die Urheberrechte für Anzeigen, Entwürfe,

Fotos, Vorlagen sowie der grafischen Gestaltung

bleiben beim Verlag und können nur mit

dessen Genehmigung weiterverwendet werden.

Veranstaltungshinweise werden kostenlos abgedruckt.

Fotos, die Veranstaltungshinweise illustrieren,

können nur frei abgedruckt werden; der

Verlag setzt bei Eingang voraus, dass alle Honorarfragen

vom Veranstalter bereits geklärt sind.

HINWEIS ZU GEWINNSPIELEN

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

ART DIRECTION Nils Heuner (nh)

GRAFIK Anna Diem, Lennart Vitting

ANZEIGEN

fon 040-39 92 95-0

fax 040-38 08 97-73

E-Mail anzeigen@bunkverlag.de

ANZEIGENLEITER Helge Löbel (v.i.S.d.P.)

fon -16 | E-Mail hloebel@bunkverlag.de

ANZEIGENBERATUNG Lore Kalamala

fon -14 | E-Mail lkalamala@bunkverlag.de

ANZEIGENBERATUNG Jürgen Peters

fon -21 | E-Mail jpeters@bunkverlag.de

ANZEIGENBERATUNG Petra Schaper

fon -19 | E-Mail pschaper@bunkverlag.de

ANZEIGENBERATUNG Skadi Schmidt

fon -18 | E-Mail sschmidt@bunkverlag.de

AKTIONEN + DISPOSITION Esther Ahrens

fon -27 | E-Mail eahrens@bunkverlag.de

ABO/LESERSERVICE Maike Göttsche

fon -10 | E-Mail mgoettsche@bunkverlag.de

ANZEIGENSCHLUSS 8/12: 11. 7. 12

Es gilt die Anzeigenpreisliste 2012

Printed in Germany.

Der Bezug per Abonnement beträgt für

zwölf Ausgaben 21 Euro (inkl. Porto & MwSt.).

NÄCHSTE AUSGABE 8/12: 19. 7. 12


CRO

DAS ALBUM

RAOP

AB

06072012

ÜBERALL IM

HANDEL

FACEBOOK.COM/CROMUSIC

INKL.

DER HITS

EASY & DU


Michael Brenner for BB Promotion GmbH in cooperation with Sundance Productions, Inc. N.Y. presents

DER ORIGINAL BROADWAY-KLASSIKER

Nur noch bis 08.07.12 ∙ Berlin

10.07.12 - 15.07.12 ∙ Leipzig

18.07.12 - 29.07.12 ∙ Köln

TICKETS: 01805 - 2001

ENTERTAINMENT HIGHLIGHTS

01.08.12 - 26.08.12 ∙ Hamburg

11.10.12 - 20.10.12 ∙ Essen

24.10.12 - 01.01.13 ∙ Paris

www.westsidestory.de

Peter Weck präsentiert eine Produktion von BB Promotion GmbH und Mehr! Entertainment GmbH

DAS ORIGINAL!

IM CATS-THEATERZELT

Nur noch bis 01.07.12 ∙ Wien

22.09.12 - 28.10.12 ∙ Köln

03.11.12 - 09.12.12 ∙ Stuttgart

15.12.12 - 13.01.13 ∙ Nürnberg

02.03.13 - 01.04.13 ∙ Linz

16.05.13 - 16.06.13 ∙ Graz

www.eintrittskarten.de · www.cats.de

Poster design by Dewynters. TM © 1981 RUG Ltd.

THE BALLET REVOLUCIÓN COMPANY AND BB PROMOTION GMBH PRESENT

DIE TANZSENSATION

03.07. - 08.07.12 · München

10.07. - 15.07.12 · Köln

17.07. - 22.07.12 · Leipzig

24.07. - 05.08.12 · Hamburg

07.08. - 19.08.12 · Köln

FEAT. THE BALLET REVOLUCIÓN LIVE-BAND

MIT DEN NR.1 HITS VON SHAKIRA RICKY MARTIN

J LO ENRIQUE IGLESIAS BEYONCÉ

06.11. - 11.11.12 · Bremen

13.11. - 18.11.12 · München

20.11. - 02.12.12 · Berlin

18.12. - 31.12.12 · Dortmund

08.01. - 12.01.13 · Frankfurt

Weitere Termine unter: www.ballet-revolucion.de

MICHAEL BRENNER FOR BB PROMOTION GMBH IN ASSOCIATION

WITH STOMP PRODUCTIONS AND GLYNIS HENDERSON PRODUCTIONS PRESENTS

28.08. - 02.09.12 · FRANKFURT

28.12. - 31.12.12 · MANNHEIM

...fresher,faster,funnier!

www.stomp.de

02.01. - 06.01.13 · DORTMUND

08.01. - 13.01.13 · ESSEN

(0,14 €/Min. aus dem Festnetz,

Mobilfunk max. 0,42 €/Min.) ∙ www.bb-promotion.com

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine