ALBVEREIN AKTUELL 2015.05

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Forschungsprojekt Ländliche Gasthöfe in Oberschwaben

Gasthaus Zum Ochsen in Amtzell-Pfärrich (Kreis Ravensburg)

Gasthöfe sind gerade in den Dörfern markante Bauwerke, die das Ortsbild prägen.

Der Gasthof bildete den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens und diente oft

auch als Umschlagplatz von Informationen. Heute sind viele Gasthöfe im ländlichen

Raum von Leerstand, Abriss oder Umnutzung betroffen.

Im Dezember 2014 startete das Projekt »Ländliche Gasthöfe in Oberschwaben«.

Kunsthistorikerin Dr. Imke Ritzmann und ihre Mitarbeiterin Sabine Schmid werden

sich in den kommenden drei Jahren eingehend mit Architektur und historischer

Ausstattung ländlicher Gasthöfe befassen. Das Forschungsprojekt zielt darauf, die

einzelnen Gasthöfe im Hinblick auf ihre kunsthistorische, historische und kulturhistorische

Bedeutung hin zu charakterisieren und zu bewerten. Nur durch den

systematischen Überblick und die Differenzierung von Gasthaustypen in ihrer Zeit

kann die Bedeutung des einzelnen Gasthofes herausgearbeitet werden.

Markant im Dorfgefüge, fällt dem Reisenden nach den herrschaftlichen und kirchlichen

Bauten das Gebäude des Gasthofs ins Auge. Gerade in den Dörfern diente

der Gasthof bis ins 20. Jh. hinein quasi als Antenne zur Außenwelt. Für Bürger und

Bauern bildete er den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens, wo Feste gefeiert

und Versammlungen abgehalten wurden.

Seiner Bedeutung im dörflichen Leben entsprach die architektonische Gestaltung

des Gasthofs: Die Straßenfassade war häufig repräsentativ gestaltet und mit einem

Wirtshausschild an einem schmiedeeisernen Ausleger geschmückt. Saal und

Gasträume wurden vielfach mit einer aufwendigen Ausstattung versehen. Nicht zu

vernachlässigen sind außerdem die zum Gasthof gehörenden Nebengebäude, wie

zum Beispiel der Gaststall oder eine überdachte Kegelbahn.

Gasthöfe befanden sich unbedingt an frequentierten Reiserouten. Anhand ihrer

Lage kann die Entwicklung des Verkehrsnetzes in Oberschwaben nachvollzogen

werden: zunächst die Verbesserung der Postrouten, dann der Ausbau der Eisenbahnstrecken.

Die Dokumentationen stehen als Grundlage für Nutzungskonzepte und für die

denkmalgerechte Weiterentwicklung der Objekte zur Verfügung. »Gerade bei

Umnutzungen von Gasthöfen, die auf dem Land immer häufiger von Schließungen

betroffen sind, kommen die Erhaltungsforderungen der Denkmalpflege häufig zu

einem viel zu späten Zeitpunkt«, so die Projektleiterin, Landeskonservatorin Dr.

Ulrike Plate. »Das Projekt soll Aufmerksamkeit und Wertschätzung auf die Gasthöfe

lenken und Eigentümern, Verwaltung und Öffentlichkeit Unterstützung bieten

in der denkmalgerechten Weiterentwicklung dieser wichtigen, identitätsstiftenden

Orte.«

Preis für vorbildliche Heimatmuseen

Eine der herausragenden Aktivitäten des Arbeitskreises Heimatpflege bildet die Ausschreibung

des Museumspreises für die nichtstaatlichen Museen im Regierungsbezirk

Tübingen, der unter dem Titel »Preis für vorbildliche Heimatmuseen« erstmals

1992 ausgelobt wurde. Bislang konnten bereits 29 Museen zwischen Bodensee und

Schönbuch ausgezeichnet werden.

Die Zahl der regionalen Museen ist in den letzten Jahren beachtlich gewachsen.

Auch hat sich ein Bewusstsein für die angemessene Darstellung der Zeugnisse der

Volkskultur entwickelt. Die Museen verstehen sich nicht länger nur als Stätten des

Sammelns und Bewahrens, sondern zunehmend als Orte, die eine lebendige Auseinandersetzung

mit Vergangenheit und Gegenwart ermöglichen.

Um diese Entwicklung zu fördern, vergibt der Arbeitskreis Heimatpflege im Regierungsbezirk

Tübingen e.V. einen Preis für vorbildliche Heimatmuseen. Er wird in

der Regel alle zwei Jahre verliehen. Damit soll eine vorbildliche Arbeit von Museen

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