04.06.2015 Aufrufe

Annett Zinsmeister – Searching for Identity

978-3-86859-194-1

978-3-86859-194-1

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Inhalt

04

06

1 2

20

24

32

38

42

Annett Zinsmeister | Auf der Suche nach Identität

Interview | Kunst und Architektur

Simone Schimpf | Vom Raster zum Raum

Interview | Rasterfahndung

Kai-Uwe Hemken | Die wundersame Transformation der Platte

Claus Pias | Von Platten und Plättchen

Interview | Kunst und Technologie

Winfried Stürzl | Poesie im Modularen

50

60

66

76

82

88

92

96

101

106

1 12

1 18

126

144

151

Krieg und Stadt

Urban Hacking

Berlin Tuning

Laden für Ostprodukte

Spurensuche

Plattenbau

Utopie im Baukastenset

Modulare Utopien

Mediale Module

Memodul

Urbane Strukturen

Outside_In

Virtual Interiors

Containerprojekt

Invisible Cities

156

159

Autoren

Abbildungsverzeichnis


Content

Annett Zinsmeister | Searching for Identity

Interview | Art and Architecture

Simone Schimpf | From Grid to Space

Interview | Tracing the Grid

Kai-Uwe Hemken | The Miraculous Transformation of Plattenbau

Claus Pias | On Slabs and Plates

Interview | Art and Technology

Winfried Stürzl | Poetry in the Modular

05

07

1 3

21

25

33

39

43

City and War

Urban Hacking

Berlin Tuning

Store for GDR Products

Tracing

Plattenbau

Utopia as Construction Kit

Modular Utopias

Medial Modules

Memodul

Urban Structures

Outside_In

Virtual Interiors

Container Project

Invisible Cities

50

60

66

76

82

88

92

96

101

106

112

118

126

144

151

Authors

Picture Credits

157

159


Annett Zinsmeister Auf der Suche nach Identität

Städte, Dörfer und Landschaften wandeln sich stetig. Sie wachsen und schrumpfen, verändern ihr

Erscheinungsbild und ihr räumliches Gefüge aufgrund ökonomischer und politischer Interessen

sowie gesellschaftlicher Umbrüche: Infrastrukturelle Neuorganisationen (neue Verkehrswege),

die Veränderung wirtschaftlicher Standortfaktoren (Entstehen und Vergehen von Handelszentren

und spezifischen Betriebsstrukturen), der Wiederaufbau nach Zerstörungen durch Umweltkatastrophen

und Kriege usw. sind Auslöser für urbanen Wandel sowohl im Kleinen als auch im Großen.

Derlei räumliche Veränderungen gehen bisweilen rasant und unübersehbar vonstatten, aber auch

langsam, schleichend, geradezu unmerklich. Sie sind oftmals befreiend, manchmal schmerzhaft,

für die einen bedeuten sie Gewinn und für die anderen Verlust. Sie sind immer streitbar, aber

meist nicht umkehrbar. Die vielseitigen Proteste und Diskussionen um das Projekt Stuttgart 21 ist

ein prominentes Beispiel für eine Planung, die schnelle und weitreichende Veränderungen der

Innenstadt Stuttgarts zur Folge hätte und seit vielen Monaten von massiven Protesten begleitet

wird, selbst nachdem sich die Bürger in einer Volksabstimmung mehrheitlich für das Projekt ausgesprochen

haben.

Ein Großteil räumlicher Veränderungen findet jedoch in ganz anderen Maßstäben statt; neue Technologien,

Internationalisierung, Globalisierung usw. verändern unsere Arbeits- und Lebenswelt,

unsere Gesellschaft und Umwelt. Virtuelle Handelsgeschäfte und soziale Netzwerke bestimmen

und regeln ein Miteinander in Parallelwelten, abseits unserer realen Umwelt. Sie verändern unseren

Umgang mit realen Entfernungen und unsere räumliche Wahrnehmung in nie dagewesenem

Ausmaß: Nähe und Ferne sind nicht mehr klar bestimmbare räumliche Kategorien. Die Grenzen

zwischen privat und öffentlich, zwischen innen und außen, zwischen realem und virtuellem Raum

werden unscharf. Derlei elementare Umbrüche erzeugen einen Verlust an Vertrautheit und Identifikation

und werfen Fragen auf nach der individuellen und kulturellen Bedeutung von Identität

hinsichtlich unserer Umwelt, unterschiedlicher Kulturen, unseres Lebensraumes.

Was bedeutet räumliche Identifikation und Heimat in einer globalisierten Welt, die durch ein

Höchstmaß an Flexibilität und Austauschbarkeit geprägt ist? Wo und wie können wir heute Identität

suchen und finden? Welche Rolle spielt hierbei die Architektur, insbesondere eine Architektur

ohne Eigenschaften, ohne Spezifika, ohne räumliche Zuordnung? Oder verbinden wir die Frage

und die Suche nach Identität heute vielleicht weniger mit Orten als mit Objekten, Personen, Immateriellem?

In meinen Arbeiten betreibe ich eine Spurensuche an unterschiedlichen Orten und Städten, und

setze mich mit räumlichen Veränderungen in der Stadt und in unserer Wahrnehmung auseinander.

Diese Spurensuche ist ein Versuch, dem Besonderen, dem Eigenen, der Identität von Räumen,

Orten, Städten auf die Schliche zu kommen mögen diese auf den ersten Blick auch noch so

unwirtlich oder unspezifisch erscheinen.

4


Annett Zinsmeister Searching for Identity

Towns, villages, and landscapes change constantly. They grow and shrink, change their appearance

and their spatial structure as a result of economic and political interests and social upheaval.

Reorganization of infrastructure (new transport routes), changing economic and location

factors (emergence and withering of trade centers and specific business structures), and the

reconstruction after destruction by environmental catastrophes and wars and so on are triggers

for urban change, both small- and large-scale. Such spatial changes sometimes take place strikingly

rapidly but also slowly, stealthily, almost imperceptibly. Often they are liberating, sometimes

painful; for some they mean profit, for others loss. They are always controversial but mostly irreversible.

The many-sided protests and discussions concerning the project known as Stuttgart

21 is a prominent example of planning that might bring rapid and far-reaching changes to central

Stuttgart; for many months it has been accompanied by mass protests, even after a majority of

citizens declared themselves in favour of the project in a referendum.

The majority of spatial changes are taking place on a quite different scale: new technologies,

internationalisation, globalisation, and so on are changing the way we work and live, our society

and environment. Virtual trading transactions and social networks determine and control a

togetherness in parallel worlds apart from our real surrounding world. They are changing our

relation to real distances and our perception of space on an unprecedented scale: near and far

are no longer definable spatial categories. The boundaries between private and public, between

internal and external, between real and virtual space are becoming blurred.

Such elemental upheavals produce a loss of familiarity and identification. They raise questions

about the individual and cultural meaning of identity in relation to our environment, different

cultures, and our living space. What is the meaning of spatial identification and home in a globalized

world shaped by maximum flexibility and exchangeability? Where and how can we search

for and find identity today? What role does architecture play in this, in particular an architecture

without features, without specifics, without spatial association? Or do we perhaps nowadays associate

the question and the search for identity less with places than with objects, persons, the

immaterial?

In my work, I am conducting a search in different places and cities studying spatial urban change

and changes in our perception. This search is an attempt to get on the track of the particular,

the specific, the identity of spaces, places, citieseven though these may at first glance seem so

forbidding or unspecific.

5


Kunst und Architektur Interview mit Annett Zinsmeister von Simone Kraft

Es ist die Verschränkung von Kunst, Architektur und Wissenschaft, die die Arbeit von Annett Zinsmeister

auszeichnet. Als eine Grenzgängerin der Disziplinen vereint sie in ihrem Schaffen souverän

die Arbeit als Künstlerin und Architektin, als Gestalterin und Kultur- und Medienwissenschaftlerin.

Als Professorin lehrt sie seit 2003 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, an der Bergischen

Universität Wuppertal und an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo sie

seit 2009 auch das Weissenhof-Institut leitet. Darüber hinaus arbeitet sie in ihrem Berliner Atelier

an künstlerischen Projekten und ist in zahlreichen Publikationen vertreten. In all ihren Projekten,

in der Kunst und Gestaltung ebenso wie in der Theorie, beschäftigt sie sich mit Architektur. Es ist

das Hinterfragen von Wahrnehmungsgrenzen, die Auseinandersetzung mit Konzepten der Raumbildung

und Darstellungstechniken, die die Künstlerin thematisiert. Dabei sind es vor allem urbane

Randgebiete und Problemzonen Plattenbauten und Abrisshäuser ebenso wie innerstädtische

Kriegsbrachen in Sarajevo oder Bauruinen die ihr Interesse wecken. In ihnen spürt sie der Vielschichtigkeit

urbaner und räumlicher Strukturen auf architektonischer, künstlerischer und theoretischer

Ebene nach und versucht, diese in ihrer Bedeutung für gesellschaftliche und politische

Entwicklungen lesbar zu machen. Über mehrere Jahre hinweg hat sie sich mit dem Phänomen der

Plattenbauarchitektur beschäftigt, die nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung gemeinhin

als unliebsame Hinterlassenschaft einer sozialistischen Ideologie galt. Zinsmeister hingegen

näherte sich den Bauten nicht als rein problematischen Zeugnissen einer Massenarchitektur an,

sondern fasste sie als mehrschichtiges kulturelles Phänomen auf, in dem sich „sozialutopische

Visionen und politisch repressive Realitäten vereinen“. Über fotografische Dokumentation und

baukonstruktive Analysen untersuchte sie die Funktionsweise der typischen Platten-Architektur.

Ihre Aufnahmen, die zugleich auch Dokumente einer mittlerweile vielfach verschwundenen weil

abgerissenen oder renovierten Bauweise sind, legen eine zum Teil überraschende Ästhetik

des Minimalen im Seriellen, im sich ständig wiederholenden Muster, zum Teil jedoch auch eine in

ihrer endlosen Monotonie brutal und erschreckend erscheinende Eintönigkeit offen. In mehreren

Werkserien hat Annett Zinsmeister die Platte in ihren unterschiedlichen Aspekten thematisiert.

In Arbeiten wie Outside_In (2005), einer Rauminstallation in Schloss Solitude und im Kunstraum

Oberwelt Stuttgart sowie in der Reihe Virtual Interiors entwickelte sie verschiedene Konzepte, um

Außenräume virtuell nach innen zu kehren. Virtual Interior III etwa wurde als erzählte Installation im

Rahmen der von Karin Sander in der temporären Kunsthalle Berlin kuratierten Ausstellung ZEIGEN

Eine Audio-Tour durch Berlin (2009-10) präsentiert. Memodul (2002) ist ein digitales Gedächtnisspiel

zu Plattenbauten und anderen modularen Utopien: Angelegt als Memory-Spiel, kann der

Spieler mit den Ausschnitten aus Plattenfassaden sein Erinnerungsvermögen testen. Memodul

wurde in der internationalen Ausstellung Urban Drift. Night Space im Café Moskau Berlin 2002 als

interaktive Installation auf zwei gegenüberliegenden Computern und als LCD-Projektion auf der

Südfassade des Gebäudes gezeigt. Aktuell ist in der internationalen Ausstellung Rasterfahndung.

Das Raster in der Kunst nach 1945 im Kunstmuseum Stuttgart eine eindrucksvolle Rauminstallation

zu sehen (2012). Der zehn Meter hohe Rasterbau durchdringt zwei Etagen und scheint bewohnt:

zeitweise gehen in einzelnen Wohnungen die Lichter an und aus.

Karin Sander: ZEIGEN. Audiotour Berlin

Temporäre Kunsthalle Berlin 2009-10

6


Art and Architecture Interview with Annett Zinsmeister by Simone Kraft

Memodul Installation Urban Drift - Night

Space Café Moskau Berlin 2002, Installation

Kammerspiele München 2007

Annett Zinsmeister’s work is characterized by the dovetailing of art, architecture, and science. As

someone who crosses the boundaries of these disciplines, she brilliantly unites in her work as

artist and architect, designer, and academic in cultural and media studies. As a professor since

2003, she has taught at the Berlin Weissensee School of Art, the University of Wuppertal, and

the State Academy of Arts and Design Stuttgart, where since 2009 she has also been director

of the Weissenhof-Institute. In addition, she works on artistic projects in her Berlin studio and is

represented in numerous publications. In all her projects—in art and design as well as in theory—she

is concerned with architecture. The artist‘s themes are the questioning of the limits of

perception, and investigation of concepts for shaping space and techniques of representation.

She is primarily interested in marginal urban areas and problem zones—concrete-slab buildings,

buildings slated for demolition, inner-city vacant lots resulting from wartime damage in Sarajevo,

and architectural ruins. She traces in them the diversity of urban and spatial structures on architectural,

artistic, and theoretical levels and attempts to understand them in terms of their significance

for social and political developments. For several years now, she has been occupied with

the phenomenon of Plattenbau, which after German reunification has generally been regarded

as an unwelcome legacy of a socialist ideology. By contrast, Zinsmeister does not approach the

buildings as purely problematic testimony to mass architecture but rather grasps it as a multilayered

cultural phenomenon in which visions of social utopia and politically repressive realities

meet. By documenting them in photographs and analyzing their construction, she explores how

typical Plattenbau architecture functions. Her photographs, which also document a construction

method that in the meanwhile is often disappearing (as it is demolished or renovated), expose

an at times surprising minimalist aesthetic in the serial, in constantly changing patterns, and at

times in a uniformity that can seem brutal and terrifying in its endless monotony. In several series

of works, Annett Zinsmeister has addressed Plattenbau construction in various aspects. In works

such as Outside_In (2005), an installation at the Schloss Solitude and the Kunstraum Oberwelt

Stuttgart, and in the series Virtual Interiors, she developed various concepts for turning exteriors

inward virtually. Virtual Interior III, for example, was presented as a narrated installation as part

of the exhibition ZEIGEN: Eine Audio-Tour durch Berlin (2009-10), curated by Karin Sander at

the Temporäre Kunsthalle Berlin. Memodul (2002) is a digital memory game about Plattenbau

and other modular utopias: the player can test his memory on details of concrete-slab façades.

Memodul was shown in the international exhibition Urban Drift. Night Space at Café Moskau in

Berlin in 2002 as an interactive installation on two computers located opposite each other, and

as an LCD projection on the southern façade of the building. Currrently, there is this impressive

spatial installation by Annett Zinsmeister being shown in the international exhibiton Tracing the

Grid. The Grid in Art after 1945 at the Museum of Coontemporary Art in Stuttgart (2012). The

ten-meter-high Rasterbau penetrates two floors and seems inhabited: the lights go on and off

intermittently in individual apartments.

7


Simone Schimpf Vom Raster zum Raum. Das Prinzip des Rasters im Werk von Annett Zinsmeister

Die modulare Rasterarchitektur ist ein Phänomen der Moderne und ihrer technischen Realisierbarkeit.

1 Der Stahlskelettbau am Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichte eine nach oben strebende

Architektur aus Stützen und Trägern, die für den Hochhausbau entscheidend wurde. Doch

noch bis in die 1920er-Jahre galt die ästhetische Vorgabe, die gerasterte, funktionale Fassade

möglichst zu verkleiden und wie bei einem traditionell proportionierten Haus etagenweise zu

dekorieren. Erst die Architekten im Umkreis des Weimarer Bauhauses entwickelten eine neue

Haltung dazu und brachten innere Struktur und äußere Form in Einklang. Die Organisation des

modernen Büros in gleichförmige Parzellen spiegelte sich von da an auch in der Fassade wider.

Sämtliche Lebensbereiche unterwarfen sich mehr und mehr der Klarheit eines Rasters und basierten

auf Modulserien. Nicht nur das Arbeiten, auch das Wohnen der breiten Bevölkerung wurde zunehmend

als Rasterarchitektur entworfen. Die gesamte Bauhausästhetik ist ohne die Ideale einer

seriellen Produktion und einer schnörkellosen Funktionalität nicht zu denken. Das Raster war in

dieser Vorstellung der Garant einer gesellschaftlichen Gleichbehandlung. Dieses Prinzip verkörperte

die Abkehr von hierarchischen und elitären Organisationsprinzipien, die sich eben auch als

Herrschaftsinstrument in der Architektur ausdrückten. Noch Jahre später sollte diese Interpretation

unter anderen politischen Vorzeichen fortgeschrieben werden, doch die anfängliche Euphorie

und der utopische Anspruch verflüchtigten sich schnell im Land des gelebten Sozialismus: Der

Plattenbau in Osteuropa offenbarte die ganze Schizophrenie des Rasterbaus. 2

Seit den 1990er-Jahren befasst sich die Künstlerin und Architektin Annett Zinsmeister mit dem

bis dahin nur am Rande analysierten Phänomen des Plattenbaus. Anders als die Wohnanlagen

und Fabrikgebäude des Neuen Bauens waren die Plattenbausiedlungen der DDR kein Untersuchungsgegenstand

der Wissenschaft galten sie doch als monotone Endloswiederholungen

des immer gleichen Prinzips. Zinsmeister erforschte jedoch das System und stellte die wiederkehrenden

Module der Plattenbaufassade zusammen. Die fotografische Serie Architektur des

Verschwindens und Mediale Module umfasst rund 30 Motive. Parallel zu dieser Dokumentation

nutzte sie die Aufnahmen als künstlerisches Ausgangsmaterial. Die Künstlerin transformierte die

einzelnen Module und fügte daraus neue modulare Serien zusammen. Sie begann die Module

zu vervielfältigen und übertrug sie auf Tapeten oder komponierte virtuelle Tapeten zu realen

temporären Rauminstallationen, die sie in Form von hinterleuchteten Fotografien in Lichtkästen

dokumentierte. Die technische Übertragung brachte eine bemerkenswert irreale Brillanz der Aufnahmen

hervor.

Für das Kunstmuseum Stuttgart entwickelte Annett Zinsmeister diese Arbeiten im Rahmen der

Ausstellung Rasterfahndung. Das Raster in der Kunst nach 1945 weiter. 3 Den zentralen Glasaufzugsschacht,

der vom Untergeschoss durch das Foyer bis hoch in die vierte Etage führt, tapezierte

sie auf jenen zwei Ausstellungsetagen, die er sichtbar durchquert. Schon vom Foyer aus nimmt

man den eigentümlichen „Plattenbau“ wahr. Die illusionistische Qualität ist durch den räumlichen

Körper des Aufzugs verstärkt. Mit dieser Miniaturarchitektur reagiert die Künstlerin auf die vorhandene

räumliche Situation. Wichtig ist ihr dabei jedoch, dass der illusionistische Charakter eine

Brechung erfährt. Der tapezierte Aufzugsschacht darf nicht zu einem Modell eines realen Plat-

Annett Zinsmeister: Rasterbau Installation

Rasterfahndung I Tracing the Grid

Kunstmuseum Stuttgart 2012 I 118-125

12


Simone Schimpf From Grid to Space: The Principle of the Grid in the Work of Annett Zinsmeister

Annett Zinsmeister: Rasterbau Installation

Rasterfahndung I Tracing the Grid

Kunstmuseum Stuttgart 2012 I 118-125

Modular, grid-based architecture is a phenomenon of the modern age and its technological feasibility.

1 The steel-skeleton building of the late nineteenth century made it possible to create towering

architecture of supports and beams, which was essential for the construction of high-rises.

Nevertheless, even into the nineteen-twenties, the aesthetic task was to clad the grid-based,

functional façade as much as possible and to decorate it floor-by-floor like a traditionally proportioned

building. The architects in the circle of the Weimar Bauhaus were the first to develop

a new attitude toward such buildings and harmonized their inner structure with their outer form.

From that point onward, the organization of the modern office into uniform parcels was also

reflected on the façade. More and more, all spheres of life were subjected to the clarity of a grid

and based on modular series. Not only the workplaces but also the dwellings of broad sections

of society were increasingly subjected to grid-based architecture. The entire Bauhaus aesthetic

would have been inconceivable without the ideals of mass production and unadorned functionality.

In this view, the grid guaranteed equal treatment in society. This principle embodies the turn

away from hierarchical and elite principles of organization, which were also expressed as instruments

of control in architecture. Even years later this interpretation would be continued under

other political circumstances, but the initial euphoria and utopia ambition quickly evaporated in

the land of real socialism: the concrete-slab building (Plattenbau) in Eastern Europe revealed the

whole schizophrenia of grid-based construction. 2

Since the nineteen-nineties, the artist and architect Annett Zinsmeister has been concerned with

the phenomenon of the Plattenbau, which until then had been analyzed only marginally. Unlike

the residential complexes and factory buildings of the Modern Movement, the Plattenbau developments

of the German Democratic Republic had not been the subject of scholarly study, since

they were regarded as monotonous, endless repetitions of always the same principle. Zinsmeister

studied the system and compiled the recurring models of Plattenbau façades. The series of

photographs titled Architektur des Verschwindens and Mediale Module (Vanishing Architecture

and Medial Modules) includes around thirty motifs. In parallel with this documentation, she used

the photographs as the source material for her artistic work. The artist transformed the individual

modules and assembled new modular series from them. She began to duplicate the modules

and transferred them to wallpaper or composed virtual wallpaper to form real, temporary exhibition

spaces, which she documented in photographs backlit in light boxes. This translation into a

different technology resulted in a remarkably unreal brilliance in the photographs.

Annett Zinsmeister has developed these works for the exhibition Rasterfahndung: Das Raster

in der Kunst nach 1945 (Tracing the Grid. The Grid in Art after 1945) at the Kunstmuseum Stuttgart.3

The central glass elevator shaft leading from the basement floor through the foyer to

the fifth floor has been wallpapered on the two floors of the exhibition, which it visibly passes

through. The strange Plattenbau is already visible from the foyer. The illusionistic quality is reinforced

by the spatial volume of the elevator. This architecture in miniature is the artist‘s reaction

to the existing space. The important thing for her, however, is that the illusionistic character is

refracted. The wallpapered elevator shaft cannot be a model of a real concrete-slab building,

13


Rasterfahndung. Interview mit Annett Zinsmeister von Ilka Voerman, Kunstmuseum Stuttgart

Das Raster spielt in Ihren künstlerischen Arbeiten eine zentrale Rolle. Was fasziniert Sie ganz

allgemein an dieser Struktur? Mich interessiert, was dem Raster zugrunde liegt. Woher kommt

dieses Raster? Welche Bedeutung, welchen Zweck und welche Wirkung hat die Rasterung von

Orten, von Bauten und Räumen? In der Konstruktion serieller und industriell vorgefertigter Architektur,

wie zum Beispiel beim Plattenbau ein Thema, mit dem ich mich viele Jahre beschäftigt

habe ist das Raster ein grundlegendes System, das die Architektur in der Horizontalen und in

der Vertikalen organisiert und strukturiert. Es ist ein System, das auf Effizienz basiert, aber idealerweise

auch Varianz ermöglicht. Es oszilliert zwischen einer anziehenden Ästhetik des Minimalen

und der abschreckenden Monotonie des Seriellen. Die absolute und eindeutige Form des Rasters

erlaubt zwar einen unerwartet vielgestaltigen Umgang, verführt aber schnell zu Vereinheitlichung.

Das Raster vereint also Widersprüche und Gegensätze, das macht es für mich zu einem überaus

faszinierenden Thema.

Sie haben intensiv über den Plattenbau geforscht. Können Sie diese Rasterarchitektur noch

genauer charakterisieren? Plattenbauten eine Rasterarchitektur par excellence scheiterten

als vermeintlich gebaute „Utopie“ und als Vision einer Variantenvielfalt des Baukastensystems

(bestehend aus Raster und Modul) an ihrer planwirtschaftlichen Verwirklichung. Die Platte vereint

Konstruktion und Fassadenbild, somit ist das Raster konstitutiv und dekorativ zugleich. In

der scheinbar endlosen Wiederholung wird das Kalkül der Effizienz evident. In meinen Installationen

lote ich die extremen Effekte dieser Architektur aus: die erschreckende Brutalität endloser

Wiederholung und die faszinierende Ästhetik struktureller und serieller Muster. Durch die

Vervielfachung und Neukomposition serieller Architekturelemente entwickle ich neue Perspektiven,

surreale Raumeindrücke, räumliche Irritationen. Die Rauminstallationen oszillieren zwischen

fotografischem Dokument und künstlerischem Artefakt, zwischen Authentizität und Täuschung.

Sie verdichten das Wechselspiel zwischen minimaler und ornamentaler Ästhetik und endloser

Monotonie. Der Umgang mit dem Seriellen und der Wiederholbarkeit sowie deren historische

und technische Bedingungen sind zentrale Aspekte meiner künstlerischen Arbeit, aber auch die

Verschränkung von Kunst und Technik, die neue Räume für Darstellungsmöglichkeiten eröffnet.

Es sind Orte des Übergangs, die mich faszinieren, Orte, deren Vergangenheit geschichtsträchtig,

deren Gegenwart eine Momentaufnahme und deren Zukunft schlicht ungewiss sind.

In Ihrer Arbeit Invisible Cities setzen Sie sich mit Grundrissen von utopischen Stadtentwürfen

auseinander. Der Mehrheit dieser Entwürfe liegt eine Rasterstruktur zugrunde. Warum ist das Raster

so eng mit der Vorstellung von einer idealen Stadtplanung verknüpft? Das Raster als urbane

Grundstruktur ist idealen Stadtplanungen und realen Stadtgründungen seit Jahrtausenden eingeschrieben.

Das Bedürfnis nach Ordnung sei es kosmischer oder rationaler Natur , aber auch

das Bedürfnis nach Kontrolle sind grundlegende Faktoren dieses orthogonalen Raumsystems, auf

dem heute sogar virtuelle Städte gründen. Stadtplanungen dienen dazu, ideale Raumvorstellungen

zu visualisieren und sie dann zu verwirklichen. Das Raster steht für Ordnung und Übersicht

und ermöglicht eine geplante und vor allem kontrollierbare Verortung. Es ist ein Regelsystem,

20


Tracing the Grid: Interview with Annett Zinsmeister by Ilka Voerman, Kunstmuseum Stuttgart

The grid is of central importance in your artistic oeuvre. Generally speaking, what is it about

this structure that fascinates you? I am interested in what underlies the grid. Where does it

come from? What is the meaning and the purpose and the effect of imposing grids upon places,

buildings and spaces? In the construction of serially and industrially prefabricated architecture,

such as the buildings made of prefabricated concrete slabs known in German as Plattenbauten,

which were the subject of my work for a number of years, the grid is a constitutive system that

organizes and structures architecture in the horizontal as well as the vertical plane. It is a system

based on efficiency but which, ideally, also allows for variance. It oscillates between the appealing

aesthetic of the minimal and the repulsive monotony of the serially produced. The absolute

and unambiguous form of the grid allows for unexpectedly varied use, but soon leads to standardization.

The grid thus combines contradictions and opposites, which makes it a thoroughly

fascinating subject in my eyes.

You carried out extensive research into Plattenbau buildings. Could you describe this gridarchitecture

in more detail? Plattenbautena grid-architecture “par excellence”failed both as

the supposly man-made utopia and as a vision of diversity inherent in modular design (consisting

of grid and module), because of their realization within the planned-economy system. These

buildings combine construction and façade decoration, so that the grid is at once constitutive

and decorative. The calculus of efficiency is evident in the apparently infinite repetition. These

extreme effects of this architecture I want to explore in my installations: the deterrent brutality of

endless repetition and of the fascinating aesthetics of structural and serial patterns. Through the

multiplication and recomposition of serial architectural elements, I develop new perspectives,

surreal spatial impressions, and spatial confusion. The installations oscillate between photographic

documentation and artistic artefacts, between authenticity and deception. They intensify

the interplay of minimal and ornamental aesthetics and endless monotony. The applications of

the serially produced and of reproducibility, and of their historical and technical conditions, are

central aspects of my artistic work, as is the interlacing of art and technology, which opens up

new possible modes of representation. I am fascinated by transitional spaces: places whose past

is charged with history, whose present is a snapshot, and whose future is simply undetermined.

In your project Invisible Cities, you are dealing with maps of utopian cities. The majority of

these designs are based on a grid structure. Why is the grid so closely linked with the notion

of an ideal city planning? The grid as a basic urban structure has been inscribed in the planning

of ideal cities and the founding of real ones for thousands of years. The desire for orderbe it

cosmic or rationaland the desire for control are fundamental factors of this orthogonal spatial

system, upon which even virtual cities are built nowadays. Urban planning is used to visualize

the ideal conceptions of space and finally to realize them. The grid stands for order and overview

and enables a planned and, most importantly, a controllable spatial organization. It is a system of

rules that appears to be absorbed by both democratic philosophies of state and autocratic ones,

and, furthermore, can be spatially extended “ad infinitum.” We know of grid-cities in Asia and

21


Kai-Uwe Hemken Die wundersame Transformation der Platte

In strengen Reihen organisieren sich Bauelemente, die wohl das gleiche geistige Erbmaterial

tragen, will man der Erscheinungsweise Glauben schenken. Eine geometrische Formensprache

lädt zur Betrachtung ein, wobei sich der Blick trotz der systematischen Aufreihung in der Vielzahl

kleinteiliger Platten, Kuben und Striche verirrt. Diese Arbeit der Künstlerin Annett Zinsmeister

atmet den Grundgedanken der Moderne, vermittels einer rationalen Durchdringung der Lebenswelt

der Allgemeinheit ein größtmögliches Potenzial an Lebensqualität zu bieten. Die Reduktion

auf nichtteilbare Einheiten, aus denen neue Formen zu einer Vielheit addiert werden können,

entspricht diesem Diktum der Sachlichkeit und den Bedürfnissen der Industrieproduktion, die im

zweiten Schritt durch die Serienfertigung von günstigen Produkten einen höheren Lebensstandard

garantieren soll. Auch die prämierten Entwürfe von Zinsmeister für Plattenbauten 1 sollen die

Lebensqualität mit geringem Aufwand verbessern. Hier eröffnen sich Traditionslinien, die weit in

die Geschichte der Klassischen Moderne zurückreichen. Das Modulsystem des Staatlichen Bauhauses

in Dessau oder die mobile Innenarchitektur und das modulare Mobiliar von El Lissitzky

lassen sich als Stellvertreter einer ganzen Künstlerbrigade aufrufen, die unter dem Motto „Kunst

und Technik eine neue Einheit“ an der damaligen Modernisierung der Gesellschaft teilhatten.

Doch so recht lässt sich die Linearität der Designevolution von Lissitzky zu Zinsmeister nicht behaupten.

Vielmehr scheint die Künstlerin den umgekehrten Weg zu gehen: Während Lissitzky in

dem Streben nach einer Technisierung der Lebenswelt voranschreitet, wendet Zinsmeister das

Blatt. Sie kehrt gewissermaßen zu den Anfängen der Klassischen Moderne zurück, als Lissitzky

und sein Lehrmeister Kasimir Malewitsch im Gleichklang mit anderen Positionen und bevor sie

in die Sphäre des Industriedesigns eintraten die Formüberlieferungen in der Kunst über Bord

warfen und der Utopie im Bild zur Anschaulichkeit verhalfen. Dabei entstand ein Wechselspiel

zwischen Bild und Funktion, zwischen freiem Spiel der ästhetischen Kräfte und der zweckgebundenen

Formgebung.

Dieses Spannungsmoment zeigt sich auch in der Arbeit Plattenbau oder die Kunst, Utopie im

Baukasten zu warten, die Zinsmeister 2002 konzipierte. Fotografische Aufnahmen zeigen Ausschnitte

von Plattenbaufassaden, allerdings in dieser Reihung in einer ungewohnten Weise. Die

quadratischen Fotografien von Annett Zinsmeister präsentieren Linien und Flächen, die in ihrer

Komposition mehr oder weniger ein Gebäude erahnen lassen. Die Veränderung, die sich in der

Wahrnehmung einstellt, ist ein Widerstreit zwischen der Autonomie der Formen und ihrer Funktionalisierung

im Dienste der Darstellung. Diese Wirkung wird durch das Medium der Fotografie potenziert,

jenes technische Verfahren, das auf der Basis von chemisch-physikalischen Vorgängen

die Umwelt auf einer lichtempfindlichen Schicht zu bannen weiß. In den fotografierenden Händen

wird die Platte unversehens zu einem Bild und somit kunsthistorisch gesprochen wird das Faktische

der Dokumentation durch eine Metaphorik des Bildes nachhaltig irritiert. In diesem Sinne

wird das Dargestellte, die schlichte Plattenbaufassade, durch die ästhetische Umformung zu einer

Metapher, deren Inhalt nur bedingt zu fassen ist. Wenn Annett Zinsmeister von einer „Wartung der

Utopie im Baukasten“ spricht, so wählt sie die ästhetische und mediale Transformation des Dargestellten.

Denn in dieser Transformation scheint durch das Metaphorische die Utopie auf, deren

Annett Zinsmeister: Medial Modules

DGB Media-Center Hattingen 2004 I

101-105

24


Kai-Uwe Hemken The Miraculous Transformation of Plattenbau

Annett Zinsmeister: Medial Module 1993

C-print, aluminium, 40 x 40 cm I 101-

105

Seeing construction elements organized in strict rows that probably support the same material

of the intellectual legacy, we are inclined to have faith in them. A geometric formal language

invites viewing, whereby the gaze gets lost in the many small panels, cubes, and lines—even

though they are lined up systematically. This work by the artist Annett Zinsmeister breathes

the basic idea of modernism in that it offers the greatest potential for quality of life by rationally

penetrating the world of the general public. Reduction to indivisible units from which new forms

can be combined into a multitude corresponds to this dictum of objectivity and the needs of

industrial production, and in a second step is supposed to guarantee a high standard of living

through the mass production of cheap goods. Zinsmeister’s prizewinning designs for concrete

slab buildings, so-called Plattenbauten, are also intended to improve the quality of life with little

effort and expense. 1 They open up lines of tradition that extend far back into the history of High

Modernism. The modular system of the building of Staatliches Bauhaus (State Bauhaus) in Dessau,

or the mobile interior architecture and modular furniture of El Lissitzky can be evoked as

representatives of a whole brigade of artists who participated in the modernization of society

at that time under the motto “Kunst und Technik: Eine neue Einheit” (Art and technology: a new

unity). Nevertheless, this linearity of the design evolution from Lissitzky to Zinsmeister cannot be

justly asserted. Rather, the artist seems to take the reverse path: whereas Lissitzky forged on in

his effort to mechanize the world, Zinsmeister turns the page. In a sense, she returns to the origins

of High Modernism, when Lissitzky and his teacher Kazimir Malevich—in unison with other

artists and before they entered the field of industrial design—threw overboard traditions of form

in art and helped utopia achieve pictorial clearity. This resulted in interplay between the image

and function, between a free play of aesthetic forces and functional form.

This tension is also revealed in the work Plattenbau, oder Die Kunst, Utopie im Baukasten zu

warten (Plattenbau, or the art of maintaining utopia in modular sets), which Zinsmeister conceived

in 2002. Photographs show details of the façades of Plattenbau buildings, in an unusual

way. Annett Zinsmeister’s square photographs present lines and planes whose composition

more or less suggests a building. The change in perception that takes place is a conflict between

the autonomy of the forms and their functionalization in the service of representation.

This effect is multiplied by the medium of photography—that is, by the technology by which the

environment is captured on a photosensitive layer using chemical and physical processes. In

the photographer’s hands, the slab (Platte) unexpectedly becomes an image and thus—from an

art historical perspective—the factual quality of the documentation is enduringly confounded by

a metaphor of the image. In that sense, the thing depicted—the simple Plattenbau façade—is

aesthetically transformed into a metaphor whose context can only be grasped in a limited way.

When Annett Zinsmeister speaks of “maintaining utopia in modular sets,” she chooses the aesthetic

and media transformation of the element depicted. Utopia appears in this transformation

as a result of the metaphor, but its content can seem to have a negative connotation: in everyday

practice, the avant-garde cries of “hurrah!” probably still echo in the deep rifts between buildings

in Plattenbau housing developments. Zinsmeister proceeds with her maintenance work on

25


Claus Pias Von Platten und Plättchen

Als Information, Schrift und Ereignis bilden Plättchen- und Plattenlogiken ein Kalkül. Schon damit

schließen sie an eine prominente utopische Traditionslinie an, die auf Leibniz zurückreicht. So wie

es in dessen Wissenschaftsutopie 1 ausgereicht hätte, alle menschlichen Gedanken zu digitalisieren,

um sie mit Operatoren zu verknüpfen und neues Wissen durch Kombinatorik zu generieren,

und so, wie es dann in Streitigkeiten ausgereicht hätte, einander zum Nachrechnen herauszufordern,

ist das Plattenkalkül zugleich Generator und Rationalität eines bauplanerischen Denkens. Als

Kalkül beschreibt es eine künstliche Welt, die (einer Formulierung Peter Sloterdijks folgend) das

ist, was „von einer gewußten Grenze enthalten werden kann“. 2 Dies schließt nicht aus, sondern

gerade ein, dass sich innerhalb der Endlichkeit von Zeichen und Operatoren, von „Elementen“

und „Verbindungen“, eine Unendlichkeit kombinatorischer Möglichkeiten ergibt. Das Plattenkalkül

als Programm erzeugt eine kaum überschaubare Virtualität von Ereignissen. Dabei bezeichnet

das Virtuelle eine ganz eigene Klasse von Ereignissen im Spannungsfeld von Möglichkeit und

Wahrscheinlichkeit Ereignisse, deren Ort und Status paradox oder zumindest problematisch ist.

Denn das virtuelle Ereignis ist nicht in der Kategorie des Geschehens oder Nicht-Geschehens

zu denken, sondern bezieht sich auf eine Art versicherungstechnisches Wissen: „Ein Unfall, der

passiert oder nicht passiert, eine Krankheit, die ausbricht oder nicht ausbricht, sind für dieses

Wissen von derselben ontologischen Qualität“. 3 Im Kalkül passieren Unfälle oder Bauwerke nicht,

wenn sie in der physischen Realität eintreten, sondern sie sind mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit

immer schon passiert und im Kalkül enthalten, und nur der Grad ihrer Aktualität ändert

sich. Schon dadurch könnte die Tristesse aktualer Plattenwelt immer auch als eine mögliche Welt

erscheinen, in der die Dinge nicht so zusammentreffen müssten, wie sie zusammentreffen. Oder

anders herum: als eine Welt, die zwar durchgängig bestimmt, aber nur mit einer hypothetischen

Notwendigkeit versehen ist. Die bloße Möglichkeit, daß alles auch ganz anders sein könnte, bildet

daher den Hintergrund, vor dem sich das zur Existenz gelangte Möglichsein abzeichnet. Dieser

Hintergrund, der unaktualisierte dark continent des Möglichseins steht im Zentrum der ersten

Arbeiten zum Thema Plattenbau und Utopie von Annett Zinsmeister, insbesondere in: Plattenbau

oder die Kunst, Utopie im Baukasten zu warten. In dieser Verschiebung des Blicks von der Figur

gebauter Platte auf den Grund des Plattenkalküls gerät das Virtuelle als Utopie in Sicht. 4 Denn

das, was „keinen Ort“ hat, sind gerade nicht die oft genug als Utopie ambitionierten und dann als

Dystopie endenden Lösungen eines industrialisierten Bauens von Erfurt bis Novosibirsk, sondern

jene Gleichmöglichen oder Kompossiblen, die auch und zugleich im Kalkül immer schon enthalten

sind, aber nie zur Aktualität gelangen, weil sie einer bestimmten, historischen Rationalität schlicht

als sinnlos erscheinen. Denn wo das Virtuelle beispielsweise nach Maximen einer bestimmten

Effizienz kartografiert wird nach kleinster Grundfläche bei maximaler Wohnungsdichte beispielsweise

oder nach größter Stabilität bei der geringsten Zahl von Elementen da rückt dasjenige zur

höchsten Wahrscheinlichkeit (und das heißt zuletzt: Wirklichkeit) auf, was mit geringstem Aufwand

die größten Effekte und die kleinsten Verluste erzeugt.

Indem Annett Zinsmeister die Elemente modellhaft aus dieser Effizienz herausnimmt und zu einem

Spiel der vielen Kompossiblen bereitstellt, setzt sie den unterschlagenen oder verdrängten

Schiebespiel mit möglicher und unmöglicher

Konfiguration Grafik I Großblock-

Steckbaukasten Plaspi Typ 1 1993 VEB

Kombinat chemisch-technische Erzeugnisse

Gotha

32


Claus Pias On Slabs and Plates

Annett Zinsmeister: Plattenbauset 1993

Models of existing building types in

housing development Berlin Frankfurter

Allee Süd, concrete I 92-95

As information, writing, and event, logics of slabs and plates represent a calculus. In that sense

alone, they take up a prominent line in the utopian tradition that reaches back to Leibniz. Just

as it would have sufficed in the Leibniz’s utopia of science to digitize all human thoughts in

order to link them to operators and generate new knowledge through combinatorial analysis, 1

and just as it would have sufficed in the subsequent disputes to insist that the calculations be

checked, the calculus of slabs is at once the generator and the rationality of thinking about

architectural planning. As a calculation it describes an artificial world that—to use a formulation

by Peter Sloterdijk—“can be contained by a deliberate boundary.” 2 This does not rule out—but

rather specifically includes—the possibility that the number of combinatorial possibilities within

the finiteness of signs and operators, of “elements” and “connections,” is infinite. The calculus

of the slabs as a program produces a virtuality of events that can barely be taken in. The virtual

characterizes a whole class of events located in the tension between possibility and probability—events

whose place and status is paradoxical or at least problematic. For the virtual event

should not be thought of in the category occurring or not occurring but rather refers to a kind

of technical knowledge about insurance: “An accident that occurs or does not occur, an illness

that breaks out or does not break out have the same ontological quality.” 3 The calculus is that

accidents or buildings do not occur when they occur in physical reality; rather, they have with a

certain probability always occurred and been contained in the calculus, and only their degree

of actuality changes. That alone could make the dreariness of the actual concrete-slab world

always seem like a possible world in which the things need not coincide as they coincide. Or the

other way around: as a world that is thoroughly determined but is only granted a hypothetically

necessity. The mere possibility that everything could also be different, thus represents the backdrop

against which the possible being that has achieved existence stands out. This background,

the unrealized dark continent of possible being, is the focus of Annett Zinsmeister’s first works

on the subject of concrete-slab construction (Plattenbau) and utopia, especially in Plattenbau,

oder Die Kunst Utopie im Baukasten zu warten (Plattenbau, or The art of maintaining utopia in

modular sets). In this shift of the gaze from the figure of the built Plattenbau to the ground of the

calculus of the slab, the virtual comes into view as a utopia. 4 For the things that have “no place”

are often not the solutions of industrial construction from Erfurt to Novosibirskwhich are often

enough conceived as utopias but end as dystopiasbut rather the equally possible, or “compossible,”

which are always contained in the same calculus as well but never achieve actuality

because they simply appear senseless to a specific, historical form of rationality. For where the

virtual is mapped according to maxims of a specific efficiency—for example, the smallest floor

area with maximum housing density or greatest stability with the smallest number of elements—

whatever has the highest probability (and ultimately that means reality) will advance, whatever

achieves the greatest effects and smallest loses with the least effort.

Because Annett Zinsmeister removes the elements from this efficiency as models and readies

them for a game of the many compossibles, she liberates the suppressed or repressed parts of

the virtual. Unlike the historical model kit of the Plattenbau, it is not about repeating reality in

33


Kunst und Technologie Interview mit Annett Zinsmeister von Digital Art Museum [DAM]

Sie haben als Künstlerin, Architektin und Professorin internationale Reputation gewonnen. Welche

Bedeutung hat für Sie die Kunst? Die Kunst war der Anfang in meinem professionellen Werdegang

und ist ein zentraler Bestandteil meiner kreativen Tätigkeit. Ich studierte zunächst Kunst

dann Architektur, da sich alle meine Arbeiten immer um Architektur drehten die sogenannte

„Mutter der Künste“. Die freie Kunst war und ist immer die Basis meiner beruflichen Praxis, denn

sie bietet mir einerseits eine künstlerische Freiheit, die mir in keiner anderen gestalterischen Disziplin

zur Verfügung steht und dient andererseits als investigatives Werkzeug, um mich mit Fragen

der Form und Darstellung sowie den Grenzen von Wahrnehmungsprozessen etc. auseinanderzusetzen.

Wie würden Sie Ihren künstlerischen Ansatz beschreiben? Meine Arbeit ist sehr konzeptuell

geprägt: Gesellschaftliche Fragestellungen und der kreative Prozess sind für mich grundlegende

künstlerische Aspekte. Im Gegensatz zu rein konzeptueller Kunst funktionieren, oder besser

gesagt wirken meine Arbeiten auch auf einer ästhetischen Ebene. Der Kunsthistoriker Beat Wyss

nannte meine Installationen sublime im Sinne Burkes, da sie eine überaus starke Wirkungsmacht

auf den Betrachter ausüben. Im ersten Moment der Betrachtung spielt der intellektuelle, konzeptuelle

Hintergrund der Arbeit keine große Rolle, die Arbeit wirkt sie steht für sich. Bei näherem

Hinschauen offenbart sich indes eine inhaltliche Dichte, die das Kunstwerk bedingt und in die sich

der Betrachter einlassen und vertiefen kann, aber eben nicht muss.

Einige Ihrer bekanntesten Arbeiten beschäftigen sich mit Plattenbauten. Wie kam es zu dieser

intensiven Beschäftigung? Meine Auseinandersetzung mit Plattenbauten begann 1992/93, als

sie zur unliebsamen Planungsaufgabe zahlreicher ArchitektInnen im wiedervereinigten Deutschland

wurden. Mich faszinierte die Dichotomie des Plattenbaus, seine Oszillation zwischen Anziehung

und Abschreckung und mich interessierte die Überlagerung von sozialen Verheißungen,

von vermeintlich utopischen Ansätzen in einem politischen Kontroll- und Unterdrückungssystem.

Ich musste feststellen, dass die damals einseitig ablehnende Bewertung der “Platte“ als hässliche

Massenarchitektur dem vielschichtigen kulturellen Phänomen nicht gerecht werden kann,

sondern dass diese Architektur eine präzise Analyse und seriöse Kritik verdient. So begann ich

mich intensiv und über mehrere Jahre hinweg mit Plattenbauten zu beschäftigen und die Platte

wurde ein wiederkehrendes Thema in meinen künstlerischen Arbeiten. Viele meiner räumlichen

Kompositionen und Installationen konstituieren sich aus Elementen serieller Architektur. Ich verwende

zumeist Auszüge aus meinem fotografischen Archiv Dokumente einer im Verschwinden

begriffenen Architektur und arrangiere diese zu raumgreifenden Installationen oder als virtuelle

Umgebungen. Die Vervielfältigung und Rekomposition dieser seriellen architektonischen Elemente

eröffnen ein Spiel mit unerwarteten und widersprüchlichen Raumeindrücken und offerieren

irritierende Perspektiven.

In Ausstellungen haben Sie viele Installationen realisiert, die meist auf Fotografien basieren.

Eine der Installationen wurde 2002 in der internationalen Jubiläumsausstellung Museutopia

38


Art and Technology Interview with Annett Zinsmeister by [DAM] Digital Art Museum.

You have made a name for yourself as architect, artist, and academic. What meaning does art

have for you? Art came at the beginning of my professional qualification and has been a central

element in my creative practices. First I studied art, then architecture, because all of my works

have always overtly revolved around architecturethe so-called “mother of all arts”. Art is always

the base: it offers me on the one hand a freedom that I do not have in any applied artistic discipline,

and on the other hand it provides me with a cognitive model for actual questions to do

with, for example, representation, the creation of form and space, and the limits of perception,

etc.

How would you describe your basic artistic approach? My work is very conceptual: social questions

and the creative process are fundamental aspects of art for me. As opposed to purely conceptual

art, my works functionor perhaps it is more accurate to saywork on an aesthetic level

as well. The art historian Beat Wyss called my installations sublime in Edmund Burke’s sense,

since it has a powerful effect (Wirkungsmacht) on the viewer. At the first moment it is seen, the

intellectual and conceptual background of the work does not play a large role. The work takes

effectit stands for itself. On closer inspection or study, a density of content is revealed, which

conditions the work, and in which the viewer can get involved and become engrossed and sink

intobut does not have to.

Some of your best-known works are occupied with Plattenbau. How did your intensive egagement

with architecture come about? My involvement with Plattenbau began in 1992/93, as

they became the unpleasant planning tasks of many architects in reunified Germany. I’ve been

fascinated by the oscillation between the ugly and the beautiful and I’ve been interested in the

superimposition of social, utopian ideas and the political repression inscribed into this architecture.

In my opinion, Plattenbau couldn’t be reduced to ugly mass architecture: it is a multilayered

cultural phenomenon, which has to earn serious criticism and respect and which needs to be

analyzed precisely. Therefore, I began to work with Plattenbau for several years as artist, architect,

and designer and the theme became a recurrent element in my art; some of my spatial

compositions and installations are all constituted by elements of serial architecture. I use extracts

from photographs in my archive (documents of a disappearing architecture) and arrange

them as serial installations or as virtual environments. The multiplication and rearrangement of

the serial architectural elements lead to a play with unexpected and controversial spatial effects

and irritating perspectives.

In exhibitions, you do a lot of work with installations that are mostly based on photographs.

One installation was shown 2002 in the international exhibition MUSEUTOPIA at Karl Ernst

Osthaus Museum in Hagen, Germany and is part of the museum‘s collection. From an installation

series called Outside_In, I saw this impressive projection in Schloß Solitude, Stuttgart.

What is the idea behind this artwork? For a long time, I have been fascinated by the history

of panorama as a historical machine of perception. The idea to realize an installation in turning

39


Winfried Stürzl Poesie im Modularen

Das Thema des Identitätsverlustes spielt im Werk von Annett Zinsmeister eine große Rolle. Ein eindrucksvolles

Beispiel ist die Serie Lost Homes: Die hinterleuchteten Panoramen von Frontgebieten

zeigen dunkle Himmel, die schwer auf den gespenstisch weiß schimmernden Trümmern von

Häusern lasten Wohngebiete in Sarajevo unmittelbar nach dem Ende des Jugoslawienkrieges.

Die bedrückende Atmosphäre korrespondiert hier mit den furchtbaren Zerstörungen, den brutalen

Vertreibungen und ethnischen Säuberungen während des Krieges. Eine über Jahrzehnte und

Jahrhunderte gewachsene städtische Identität wurde dies bringen die Bilder schmerzhaft zum

Ausdruck durch die knapp vierjährige Belagerung und Zerstörung von Sarajevo ausgelöscht.

Zu diesem Projekt gibt es eine 2008 erschienene Publikation von Annett Zinsmeister: Krieg +

Stadt. Eine Reise nach Sarajevo, die ihre umfangreiche Arbeit zu dem Thema dokumentiert. Bereits

in dieser Arbeit werden der Einsatz bildlicher Elemente aus dem Bereich Architektur und

die Nutzung ihrer visuellen und metaphorischen Qualitäten deutlich, die kennzeichnend sind für

die künstlerischen Arbeiten und Installationen von Annett Zinsmeister. Dank ihres Interesses an

kunst- und medientheoretischen Reflexionen stehen die einzelnen Werke und Werkgruppen nicht

isoliert im Raum, sondern lassen sich als Elemente eines künstlerischen Forschungsanliegens

begreifen. Wie sich dies im Einzelnen manifestiert, soll im Folgenden an einigen markanten Beispielen

verdeutlicht werden.

Als grundlegend für die künstlerische Arbeit von Annett Zinsmeister erweist sich das Dokumentarische,

wie zum Beispiel eine Serie kleinerer Fotografien mit dem Titel Mediale Module. Kurz nach

der Wende in den Jahren 1992/93 entstanden, dienten die mit der Kamera festgehaltenen Ausschnitte

von Plattenbaufassaden aus DDR-Zeiten der Dokumentation einer vom Abriss bedrohten

architektonischen Spezies. Zugleich spiegelt sich in der Bildfolge das grundsätzliche Interesse

an einer Ästhetik des Seriellen. Von der Künstlerin auch Module genannt, bildeten die Fotografien

das Ausgangsmaterial für eine ganze Reihe von Folgearbeiten, die sich in ihrer Komplexität

Stück für Stück steigerten. Wenig später begann die Arbeit an einer über mehrere Jahre hinweg

wachsenden Serie im Format 80 x 80 cm mit dem Titel Architektur des Verschwindens II Plattenbau.

Auf den ersten Blick erscheint es, als handle es sich dabei um Fotografien größerer Fassadenausschnitte.

Bei näherem Hinsehen jedoch kommt es zu Irritationen: Manche Elemente, etwa

bestimmte Vorhänge in den Fenstern, tauchen immer wieder auf. Und so bestätigt sich bei einer

etwas eingehenderen Betrachtung der Verdacht, dass man es hier gar nicht mit Abbildern von

Wirklichkeit zu tun hat, sondern (ähnlich wie bei den Plattenbauten selbst) mit aus Einzelmodulen

zusammengesetzten Konstruktionen. Auch weitere kaum merkliche Eingriffe und Verfremdungen

(zum Beispiel Farbumkehrungen) irritieren das Auge mit dem Effekt, dass die Strukturen stärker

wahrnehmbar werden. Linien, Formen und Farben und ihr Verhältnis zueinander treten mit dem

Bildgegenstand in einen Wettstreit. Und obwohl die Bilder an sich nichts von dem Dargestellten

„schönen“, erscheinen sie in den Augen des Betrachters doch als ästhetisch bemerkenswert,

wenn man bedenkt, als wie hässlich, ja geradezu brutal, viele Menschen die Plattenbausiedlungen

bis heute empfinden. In ihrer Umsetzung deutlich radikaler als die vorfabrizierten Häuser der

frühen Moderne, etwa die Siedlung Dessau-Törten (1926-28) des Bauhausgründers Walter Gropi-

Annett Zinsmeister: Lost Homes Sarajevo

Dobrinja 1996-2007 Large-scale

back-lit laserchrome, 59 x 60 x 8 cm I

50-59 I Annett Zinsmeister: Plattenbau

2003 C-print, 80 x 80 cm I 106-111

42


Winfried Stürzl Poetry in the Modular

Annett Zinsmeister: Medial Modules

Plattenbau 1993 C-print, aluminium, 40 x

40 cm I 101-105

The theme of identity loss plays an important role in Annett Zinsmeister’s work. An impressive

example is the series Lost Homes: its illuminated panoramas of front-line areas depict dark

skies bearing down heavily on the ruins of buildings glimmering in a ghostly white: residential

neighborhoods in Sarajevo immediately after the Yugoslavian civil war ended. The oppressive

atmosphere here corresponds to the horrible destruction, the brutal expulsion, and the ethnic

cleansing during the war. An urban identity that grew organically over decades and centuries

was extinguished—as the photographs painfully reveal—by just two and a half years of siege and

destruction of Sarajevo. This project was accompanied by a publication by Annett Zinsmeister

in 2008: City and War: A trip to Sarajevo, a documention of her extensive work on the subject.

In this work, the employment of visual elements from architecture and use of their visual and

metaphorical qualities becomes evident, which is characteristic of the artworks and installations

of Annett Zinsmeister. Thanks to her interest in reflecting on art and media theory, her individual

works do not stand isolated in space but can rather be conceived as elements of a matter of

artistic research. Several striking examples discussed in what follows will clarify in detail how

this is manifested.

Documentary research is fundamental to Annett Zinsmeister‘s art projects, as for example a

series of smaller-format photographs titled Medial Modules reveals. Produced shortly after the

fall of the Berlin Wall, in 1992-93, these photographed details of concrete-slab façades from the

GDR era documented an architectural species threatened with demolition. At the same time,

this series of images reflected a fundamental interest in the aesthetics of the serial. Also called

modules by the artist, these photographs became the source material for a whole series of subsequent

works whose complexity increased piece by piece. A little later, she began working on

a series of 80 x 80 centimeter works titled Architektur des Verschwindens II: Plattenbau, which

would grow over a period of several years. At first glance, the photographs appear to be larger

details of façades. On closer inspection, however, confusion becomes evident: some elements,

such as certain curtains in the windows, recur repeatedly. The closer one looks, the more the

suspicion is confirmed that these are not depictions of reality at all but rather—like Plattenbau

themselves—constructions composed of single modules. Other barely perceptible interventions

and distortions—color conversions, for example—vex the eye, with the result that the structures

are perceived more strongly. Lines, forms, and colorsand their relationships to one another

begin to compete with the subject of the photograph. And although the photographs themselves

do nothing to “beautify” what they depict, in the eyes of the viewers they do seem aesthetic—

which is remarkable if we consider how ugly, even brutal many people perceive concrete-slab

housing developments to be even today. Clearly more radical in their implementation than the

prefabricated houses of early modernism—such as the Dessau-Törten colony (1926-28) by Walter

Gropius, the founder of the Bauhaus—which ultimately represent the roots of their concepts,

the socialist Plattenbau buildings imply the utopia of prosperity based on a principle of equality

as well as the sacrifice of any local specificity or individuality to convertible uniformity. Annett

Zinsmeister makes this dichotomy aesthetically comprehensible in the ambiguity of her photo-

43


Krieg und Stadt Der Verlust und die Zerstörung von Lebensraum, mit der Folge von Flucht und

Vertreibung, ist eine der extremsten Formen, Identität bzw. einen Ort der Identifikation zu verlieren.

Die Frage nach Heimat, Herkunft und den individuellen Wurzeln wird elementar. Während

des Krieges im ehemaligen Jugoslawien waren viele Menschen gezwungen, aufgrund ethnischer

Säuberungen und Vertreibungen ihre Heimat zu verlassen. In Bosnien-Herzegowina wurde die

Stadt Sarajevo von 1992 bis 1996 belagert. Es war ein Krieg gegen die Stadt und ihre Bewohner.

Zahlreiche Zivilisten wurden getötet, ihr Wohn- und Lebensraum gezielt zerstört.

City and War The loss and destruction of living space resulting in escape and displacement is

one of the most extreme forms of loss of identity or a place of identification. The question about

home, about origin, and individual roots is elementary. During the war in former Yugoslavia,

many people were forced to leave their homes because of ethnic cleansing and expulsion. In

Bosnia Herzegovina, the town of Sarajevo was under siege in the period 1992-96. It had been

a war against the city and its inhabitants. Numerous civilians were killed, their homes and living

spaces deliberately destroyed.

Urban Shelter 2006 Installation, video-, super-8 projection, Searching for an ideal Urbanity, Schloß Solitude Stuttgart 2007 I 51 I Lost homes Sarajevo Land

1996-2007 Installation, film projection, panoramic views I 52-53 I Sarajevo Dorbrinja I II 1996-2007 Diptychon, large-scale back-lit laserchrome, 59 x 60 x 8 cm, 52

x 52 x 8 I 54-55 I Sarajevo Land 2 1996-2007 Photograph, assembly I 56-57 I Urban Shelter 2007 Installation, video-, super-8 projection I 58 I City + War,

bunker project 2010 Installation concept, Poland I 59

50


51


58


59


64


65


70


71


78


79


90


91


100


Mediale Module Die „Platte“ repräsentiert die architektonische Konstruktion als Fassadenbild

und konstituiert den öffentlichen Raum. Seit Beginn der 1990er Jahre verschwinden die originalen

Plattenbauten hinter neuen Fassaden oder sind zum Abriss freigegeben. Rückbau und bautechnische

Veränderungen haben große Auswirkungen auf das Bild der Stadt und die Architektur, die

für viele Menschen weltweit Heimat verkörpert. Plattenbauten markieren den Beginn einer Ent-

Ortung von Architektur, von einer ortsunabhängigen Vorstellung von „Zuhause“, von Identifikation

und Identität. Die Grundlage der Arbeiten mit Plattenbauten ist eine fotografische Dokumentation

unterschiedlicher Plattenbautypen. Die fotografische Serie umfasst ca. 30 Motive. Seit 2008 befinden

sich Arbeiten dieser Werkgruppe in der Sammlung des NBK Berlin.

Medial Modules The concrete panel represents the architectonic construction as a façade image

and constitutes public space. Since the beginning of the nineteen-nineties, the original Plattenbau

architecture is disappearing behind new façades or are cleared for demolition. Deconstruction

and structural changes greatly affect the image of the city and of an architecture that

for many people worldwide personifies home. Plattenbau mark the beginning of a delocalization

of architecture, the idea of home separate from a place, identification, and identity. The basis

of the work with Plattenbau is a photographic documentation of different Plattenbau types. The

photographic series comprises approximately thirty motifs. Works from this group have been in

the NBK collection in Berlin since 2008.

Berlin-Lichtenberg 1993 Photograph I 102 I Medial Modules 1993 Photograph series, mapping of Plattenbau types in housing area, Berlin-Lichtenberg I

103 I Medial Modules Fischerinsel, Ornament, Köpenicker Strasse, Fischerinsel 2, Schule 1993 C-print, aluminium, 40 x 40 cm I 104-105 I Memodul 2002

Computer game, digital memory about Plattenbau and utopian cities, CD I 106-107 I Plattenbau P 2/11 white, P 2/11 black, Ornament, School 2003 C-print,

alu dibond, 80 x 80 cm I 108-111

101


104


105


110


111


Outside_In Plattenbauten oszillieren zwischen einer anziehenden Ästhetik des Minimalen und

einer abschreckenden Monotonie des Seriellen. Diese anachronistische Wirkungsmacht der Platte

auf den öffentlichen Raum versuche ich in meinen Arbeiten sichtbar zu machen. Die Werkserie

Outside_In ist inspiriert von der Geschichte des Panoramas. Ab 2000 begann ich eine Serie an

Tapeten von industriell vorgefertigten Fassaden zu entwickeln und Konzepte für Einstülpungen

von Außenräumen in Innenräume zu entwerfen. In den Installationen werden reale Räume mit

virtuellen Fassaden ausgekleidet. Es entsteht ein Überschneidung von Realraum und Simulation.

Outside_In Plattenbau façades oscillate between an attractive aesthetic of the minimal, and a

chilling monotony of the serial. In my work, I try to make this anachronistic influence of the Platte

on the public space visible. This creation is inspired by the history of the panorama. Beginning

in 2000, I began developing a series of wallpapers of prefabricated façades and to design concepts

for reversing exterior spaces into interior spaces. In these installations, real spaces had

been lined with virtual façades. An interference of real space and simulation occurs.

Berlin Tapete 2002-03 Wallpaper collection with different Plattenbau façades, 46,5 x 1000 cm, gallery backfabrik Berlin 2005 I 119 I Outside_In Installation,

Berlin Academy of Science 2007 I 120 I Searching for Identity, Kunstverein Nürtingen 2010 I 121 I Raum I - Kein Ort nirgends? Galerie 14-1, Stuttgart 2011 I

122 I Rasterbau Installation, Rasterfahndung I Tracing the Grid, Kunstmuseum Stuttgart 2012 I 123-125

118


119


124


125


128


129


136


137


140


141


146


147


Annett Zinsmeister studierte Kunst, Architektur, Kultur- und Medienwissenschaften. 1990 Diplom an der Hochschule

der Künste in Berlin. Seit 2000 ist sie in der Lehre tätig, u.a. an der Bauhaus Universität Weimar sowie

seit 2003 als Professorin an der Kunsthochschule Berlin, der Bergischen Universität Wuppertal und an der

Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 2009-13 Leitung des Weißenhof-Instituts.

In ihren interdisziplinären Arbeiten arbeitet sie mit unterschiedlichen Medien und verbindet Architektur, Kunst

und Kultur-/Medientheorie. Architektur ist das zentrale Thema, das in Raum - Installationen, konzeptuellen und

gebauten Räumen, in Fotografien, Zeichnungen, Collagen, und im Film neu verhandelt wird. Ihre Arbeiten werden

international publiziert und ausgestellt. Sie ist zudem Autorin zahlreicher Publikationen, die künstlerische

Praxis und wissenschaftlichen Diskurs vereinen. Mehr Informationen: www.annett-zinsmeister.de

Ausstellungen (Auswahl): 2012 Rasterfahndung, Kunstmuseum Stuttgart (G = Gruppenausstellung, K = Katalog) I 2011 (In)visible Cities, Kunstverein

Wilhelmshöhe Ettlingen (G,K) Raum I Kein Ort. Nirgends?, Galerie 14-1, Stuttgart (E = Einzelausstellung) I 2010 Annett Zinsmeister + Hans Kotter,

Galerie Grazia Blumberg Recklinghausen, Searching for Identity Auf der Suche nach Identität Kunstverein Nürtingen (E) I 2009 ZEIGEN. Eine

Audiotour, Temporäre Kunsthalle Berlin kuratiert von Karin Sander (G,K), Urban Hacking Paraflows 09 Wien (G,K) I 2008 Neuerwerbungen des

Neuen Berliner Kunstvereins, NBK Berlin (G), Digital Spaces, Galerie [DAM] Berlin (G) I 2007 System Architektur, Akademie der Wissenschaften

Berlin (E), Plattenbau meets Schinkel, Konzerthaus am Gendarmenmarkt Berlin (E), Memodul, Installation im Rahmen der Brandherde, Kammerspiele

München (G,P = Publikation), Neue Mitglieder, Galerie des Werkbund Berlin (G), Searching for an ideal Urbanity, Schloß Solitude Stuttgart (G)

I 2006 Talking Cities ENTRY 2006, Zeche Zollverein Essen (G,K), Vorfahrt internationale Gruppenausstellung im öffentlichen Raum, Stuttgart

(G,K) I 2005 Outside_In II, Akademie Schloss Solitude Stuttgart (E), Outside_In I, Kunstraum Oberwelt Stuttgart (E), Designmai, Backfabrik Berlin (G)

I 2004 Mediale Module, Medienzentrum des Deutschen Gewerkschaftsbund Hattingen (E), Unschärfe, Hyperkult 13 Lüneburg (G,P), Fly Utopia!

transmediale 04 international media art festival, Berlin (G,K) I 2003 Berlin Tapete, Galerie der Backfabrik Berlin (G) I 2002 Urbandrift Night

Space, Café Moskau Berlin (G), MUSEUTOPIA, Schritte in andere Welten, Osthaus Museum Hagen (G,P), Das Unsichtbare, Hyperkult 11 Lüneburg

(G,P), UIA XXI World Congress of Architecture, ICC Berlin (G,P) I 2000 People of Berlin, Expo 2000 Hannover, Sarajevo, Zone C & C1, Institut for

Urban Planning Sarajevo, Bosnien-Herzegovina (G,P), Kunstförderpreis St. Emile, Apollotheater Düsseldorf (G) I 1999 Kunstpreis ring, St. Gallen,

Schweiz (E) I 1998 Hans-Schäfers-Preis, Deutsches Architekturzentrum Berlin (G), Water, Passagen Köln (G,K), Water, Stilwerk-Design-Center

Hamburg, Water, Design-Zentrum Dresden (G,K) I 1997 EntFaltungen, Atelier Berlin (E,K), Ideale Realitäten, Design Transfer Galerie Berlin (G,K) I

1996 Governor‘s Island, Van Alen Institute New York, USA (G), Architekturzeichnen, Holzhausenschlösschen Frankfurt/Main (G,K) I 1995 Die Haut,

Kunsthalle Berlin (G) I 1994 Museum für Zukunft, Künstlerhaus Bethanien Berlin (G)

Monografien + Editionen (Auswahl): 2011 Gestalt der Bewegung (Hg.) I 2010 update! 90 Jahre Bauhaus was nun? (Hg.), Jour Fixe. Zeitgenössische

Positionen in Architektur, Kunst, Design (Hg.) I 2008 welt[stadt]raum. Mediale Inszenierungen (Hg.), Krieg + Stadt. Eine Reise nach Sarajevo

I 2005 constructing utopia. Konstruktionen künstlicher Welten (Hg.) I 2002 Plattenbau oder die Kunst, Utopie im Baukasten zu warten (Hg.),

Memodul. Digitales Gedächtnisspiel zum Plattenbau und anderen modularen Utopien (CD)

Kataloge (Auswahl): 2012 Rasterfahndung, Hg. Ulrike Groos, Simone Schimpf, Kunstmuseum Stuttgart I 2011 Plattenbau. Kunstprojekte von Annett

Zinsmeister Kartenbox, (In)visible Cities Hg. Simone Kraft, Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen I 2010 ZEIGEN. Eine Audiotour durch Berlin

von Karin Sander, Temporäre Kunsthalle Berlin I 2009 Urban Hacking Paraflows 09 Hg. mono, monochrom Wien I 2007 Brandherde Vol. 11

Münchner Kammerspiele I 2006 Vorfahrt - Kunst im öffentlichen Raum Hg. Wolfgang Seitz / Talking Cities The Micropolitics of Urban Space Hg.

Francesca Ferguson, urban drift I 2005 Solitude yearbook 05 Hg. Akademie Schloß Solitude Stuttgart I 2003 MUSEUTOPIA. Schritte in andere

Welten Hg. Michael Fehr, Thomas Rieger, Karl Ernst Osthaus Museum Hagen I 1997 ÜBER WASSER Crossing the waters I 1996 EntFALTUNGEN.

Arbeiten von Annett Zinsmeister

156


Annett Zinsmeister studied visual arts, architecture, culture and media science. 1990 Graduation from the

Berlin University of the Arts. Since 2000 she has taught e.g. at the Bauhaus University Weimar, since 2003

as professor at Berlin Weissensee School of Art, University Wuppertal and State Academy of Art and Design

Stuttgart, where she has been also director of the Weissenhof-Institute since 2009.

In her interdisciplinary work she uses different media and combines diverse disciplines such as architecture,

art, and media studies. Architecture is a central topic in her large-scale installations, conceptual and built

spaces, photography, drawings, films and collages. Her work has been published and shown internationally.

She is the author of numerous interdisciplinary books that merge both artistic practice and theoretical discourse.

More information: www.annett-zinsmeister.de

Exhibitions (include): 2012 Tracing the Grid. The Grid in Art after 1945, Kunstmuseum Stuttgart / Museum of Contemporary Art, (g = group exhibition,

c = catalog) I 2011 (In)visible Cities, Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen (g,c), Space I Kein Ort. Nirgends?, 14-1 Gallery, Stuttgart (s = solo

exhibition) I 2010 Annett Zinsmeister + Hans Kotter Gallery Grazia Blumberg Recklinghausen (s), Searching for Identity, Kunstverein Nürtingen

(s) I 2009 ZEIGEN. Audiotour through Berlin, Temporäre Kunsthalle Berlin curated by Karin Sander (g,c), Urban Hacking Paraflows 09 Vienna,

Austria (g,c) I 2008 New art work in the collection of Neuer Berliner Kunstverein, NBK Berlin (g), Digital Spaces, [DAM] Berlin (g) I 2007 System

Architecture, Berlin Academy of Sciences (s), Plattenbau meets Schinkel, Berlin Concert Hall (s), Memodul @ Brandherde, Kammerspiele Munich

(g, p = publication), Gallery of Werkbund Berlin (g), Searching for an ideal Urbanity, Schloß Solitude Stuttgart (g) I 2006 Talking CitiesENTRY

2006, Zeche Zollverein Essen (g,c), Vorfahrt international group exhibition in public space, Stuttgart (g,c) I 2005 Outside_In II, Schloss Solitude

Stuttgart (s), Outside_In I, Art space Oberwelt Stuttgart (s), Designmai, gallery Backfabrik Berlin (g) I 2004 Mediale Module, Media-Center

of DGB Deutscher Gewerkschaftsbund Hattingen (s), Blurring, Hyperkult 13 Lüneburg (g,p), Fly Utopia! transmediale 04 international media art

festival, Berlin (g,c) I 2003 Berlin Wallpaper, gallery Backfabrik Berlin (g) I 2002 Urban Drift - Night Space, Café Moskau Berlin (g), MUSEUTOPIA

steps in other worlds, Osthaus Museum Hagen (g,p), The Invisible, Hyperkult 11 Lüneburg (g,p), UIA XXI World Congress of Architecture, ICC

Berlin (g,p) I 2000 People of Berlin, Expo 2000 Hannover, Sarajevo, Zone C & C1, Institute for Urban Planning Sarajevo, Bosnia-Herzegovina

(g,p), St. Emile Art award, Apollotheater Düsseldorf (g) I 1999 ring Art Prize, St.Gallen, Switzerland (s) I 1998 Hans-Schäfers Award, DAZ German

Architecture Center Berlin (g), Water, Passagen Köln (g,c), Water, Stilwerk-Design-Center Hamburg, Water, Design-Center Dresden (g,c) I 1997

UnFolding, Atelier Berlin (s,c), Ideal Realities, Design Transfer Gallery Berlin (g,c) I 1996 Governors Island Van Alen Institute New York, USA (g),

Architekturzeichnen Holzhausenschlösschen Frankfurt/Main (g,c) I 1995 Skin, Kunsthalle Berlin (g) I 1994 Museum for the Future, Künstlerhaus

Bethanien Berlin (g).

Editions (include): 2011 Figure of Motion (ed.) I 2010 Update! 90 years of the Bauhaus what now? (ed.), Jour Fixe. Zeitgenössische Positionen

in Architektur, Kunst, Design (ed.) I 2008 welt[stadt]raum. Mediale Inszenierungen (ed.), City + War. A trip to Sarajevo I 2005 Constructing Utopia.

Konstruktionen künstlicher Welten (ed.) I 2002 Plattenbau oder die Kunst, Utopie im Baukasten zu warten (ed.), Memodul. Digital memory

game about Plattenbau and other modular utopias, (CD).

Catalogs (include): 2012 Tracing the Grid, Ed. Ulrike Groos, Simone Schimpf, Kunstmuseum Stuttgart I 2011 Plattenbau. Artprojects by Annett

Zinsmeister, card-box, ethicdesign Berlin, (In)visible Cities ed. Simone Kraft, Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen I 2010 ZEIGEN. Audiotour

through Berlin by Karin Sander, Temporäre Kunsthalle Berlin I 2009 Urban Hacking Paraflows 09 ed. mono, monochrom Vienna I 2007

Brandherde Vol. 11 Münchner Kammerspiele I 2006 Vorfahrt ed. Wolfgang Seitz / Talking CitiesThe Micropolitics of Urban Space ed. Francesca

Ferguson, urban drift I 2005 Solitude yearbook 05 ed. Akademie Schloß Solitude Stuttgart I 2003 MUSEUTOPIA. Steps in other worlds ed.

Michael Fehr, Thomas Rieger, Karl Ernst Osthaus Museum Hagen I 1997 Crossing the waters I 1996 UnFold. Works by Annett Zinsmeister.

157

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!