Forschungsbericht 2008 - Pädagogische Hochschule - Schwäbisch ...

phgmuend

Forschungsbericht 2008 - Pädagogische Hochschule - Schwäbisch ...

Untersuchungen zur fremdsprachlichen Entwicklung bei

Kindern einer Montessori-Kinderhausgruppe

Institut für Sprache und Literatur – Englisch

Leitung: Prof. Dr. Thorsten Piske, Prof. Dr. Eva Schumacher

Kontakt: thorsten.piske@ph-gmuend.de

Projektmitarbeit: Alexandra Häckel (Wiss. Mitarbeiterin)

außerdem beteiligt: Stefanie Arnsperger,

Vanessa Regner, Manuela Rohrer

Schlagwörter: Frühes Fremdsprachenlernen, bilinguale Betreuung,

Montessori-Pädagogik

Kurzinhalt: An immer mehr Kindertageseinrichtungen in Deutschland erhalten Kinder

die Möglichkeit, mit einer ersten Fremdsprache, zumeist Englisch, in Kontakt zu

kommen. Die meisten Kindertageseinrichtungen bieten in diesem Zusammenhang

AGs an, bei denen die Kinder einmal in der Woche für etwa 30 bis 60 Minuten

englische Lieder singen, Reime nachsprechen oder sprachlich einfache Geschichten

auf Englisch hören. Die Ergebnisse der Zweitspracherwerbsforschung sowie der

Sprachlehr- und -lernforschung weisen kritisch darauf hin, dass diese bisher übliche

Praxis unzureichend ist. Vielmehr zeigt sich, dass größere Fortschritte beim Erlernen

einer Fremdsprache nur dann zu erwarten sind, wenn die Kinder über einen längeren

Zeitraum kontinuierlich und in anschaulichen, kindorientierten Umgebungsfaktoren

einen intensiven Kontakt zu dieser Sprache haben. Bei diesen Voraussetzungen

setzte das vorliegende Projekt an. Im Rahmen einer im Sinne der Montessoripädagogik

‚vorbereiteten Umgebung’ wurden Kinder einer Montessori-Kindergartengruppe

in Schwäbisch Gmünd-Herlikofen über einen Zeitraum von drei Jahren täglich

ca. zwei Stunden bilingual deutsch-englisch betreut. Dabei wurde sowohl die sprachliche

Entwicklung der Kinder als auch die Bedeutung des Lernumfeldes untersucht.

Computergestützte Tests zur Grammatik- und Wortschatzentwicklung kamen hierbei

ebenso zum Einsatz wie bildgestützte und halbstandardisierte Befragungen. Vergleichsdaten

wurden u. a. in Kindertageseinrichtungen in Tübingen und Heidenheim

erhoben.

Ergebnis: Die Analyse der im Projekt erhobenen Daten ergab, dass ein täglicher

Kontakt von höchstens zwei Stunden zur Fremdsprache Englisch über einen Zeitraum

von drei Jahren bei allen Kindergartenkindern zu einem messbaren Anstieg

des Wortschatzverständnisses und zumindest bei einigen Kindern auch zu einem

messbaren Anstieg des Grammatikverständnisses im Englischen geführt hatte.

Dabei zeigten Gruppenvergleiche, dass Jungen und Mädchen sowie Kinder mit und

ohne Migrationshintergrund vom bilingualen Programm in gleicher Weise profitierten.

Was die Entwicklung des Sprachstandes im Deutschen bei deutsch-englisch bilingual

betreuten Kindergartenkindern betrifft, ergab die Analyse der erhobenen

Daten, dass bilinguale Betreuung nicht automatisch negative Folgen für die Deutschkenntnisse

von Kindergartenkindern hat und sich offenbar sogar positiv auf die

Entwicklung des Deutschen auswirken kann.

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