Forschungsbericht 2008 - Pädagogische Hochschule - Schwäbisch ...

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Forschungsbericht 2008 - Pädagogische Hochschule - Schwäbisch ...

Verkehrserziehung aus geographischer Perspektive

Institut für Gesellschaftswissenschaften – Geographie

Leitung: Prof. Dr. Burkard Richter

Kontakt: richter@ph-gmuend.de

Schlagwörter: Verkehrserziehung, Verkehr, Mobilitätserziehung

Kurzinhalt: Die Teilnahme am Verkehr hat eine gesellschaftliche Schlüsselposition

inne. Die sog. Verkehrserziehung (in diesem Falle auch den Begriff Mobilitätserziehung

vereinfachend einbeziehend) soll den Menschen zu einer regelkonformen

aber insbesondere auch umweltverträglichen Teilnahme befähigen.

Die bisherigen verkehrserzieherischen Ansätze haben sich als weitgehend wirkungslos

erwiesen. Daher ist das Hauptziel dieses Projekts die Entwicklung eines neuen

verkehrserzieherischen Ansatzes auf der Grundlage umfangreicher, differenzierter

Untersuchungen über das Mobilitätsverhalten Jugendlicher und dessen Faktoren.

Eine Darstellung der Entwicklung des Mobilitätsverhaltens zeigt auf, dass die

Verkehrssozialisation im Jugendalter abgeschlossen wird: Die spätere Mobilitätsausprägung

entwickelt sich in einem kontinuierlichen Lernprozess als Kombination

aus den bereits in der Kindheit durch Vorbildlernen etablierten Verhaltensdispositionen

Erwachsener und überwiegend situativ-punktuell in der Phase der Loslösung

von den primären Sozialisationsinstanzen.

Allerdings muss festgestellt werden, dass der Verkehrserziehung der wissenschaftliche

Unterbau weitgehend fehlt: Es existieren keine flächendeckenden Untersuchungen

über jugendliches Mobilitätsverhalten, auch wurden wichtige verkehrsgeographische

Aspekte bisher vernachlässigt. Zudem werden bei Verkehrserziehungsmaßnahmen

selten Wirkungen gemessen sowie Aufwand und Nutzen ins

Verhältnis gestellt. Entsprechend entfällt auch die Berücksichtigung diesbezüglicher

Erkenntnisse beim Design von neuen Programmen der Verkehrserziehung. Fundamentale

theoretische Irrtümer verstellen vielfach den Blick auf die Realität, der

traditionellen Verkehrserziehung fehlen zudem binnendifferenzierende Elemente.

Ergebnis: Als Zwischenergebnis ergibt sich, dass Multimodalität (die systematische

Benutzung diverser Verkehrsmittel, zumindest auch partielle Nutzung des öffentlichen

Verkehrs) eine anzustrebende Kompetenz ist. Voraussetzung hierfür ist die

Fähigkeit, den öffentlichen Verkehr spontan-situationsadäquat nutzen zu können.

Dies bedingt eine auf antrainierten Gewohnheiten basierende und gedanklich

durchdrungene, auf Normen bezogene, reflektierte Handlungskompetenz.

Literatur:

Richter, B.:(1985): Was bietet die Bahn der Jugend? Was sollte die Bahn der Jugend

bieten? Ein Ist-Soll Vergleich. In: 150 Jahre deutsche Eisenbahnen. Festschrift

der Bundsbahndirektion Karlsruhe. Karlsruhe.

Geiger, F. & Richter, B. (2000): Verkehr als überfachliches, didaktisches Problem.

Hannover (Beitrag zur Dokumentation der Jahrestagung des AK „Verkehr“ der

deutschen Gesellschaft für Geographie).

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