Titelthema als PDF-Datei - Steine + Erden

steine.und.erden.net

Titelthema als PDF-Datei - Steine + Erden

Titelthema

Weniger Vorschriften – kundenorientiertes Praxishandbuch – attraktives Anreizkonzept

Das neue 3-Säulen-Modell für eine

zukunftsorientierte Prävention

Einen mutigen Schritt nach vorn in der

Reformdebatte ist die Steinbruchs-

Berufsgenossenschaft jetzt als erste

Berufsgenossenschaft gegangen:

Die Vertreterversammlung hat in ihrer

Sitzung am 4. Dezember 2003 in

Hannover beschlossen, zwei Drittel

der Unfallverhütungsvorschriften außer

Kraft zu setzen. Diese Änderungen sind

bereits zum 1. Januar 2004 in Kraft

getreten.

Die Betriebe stöhnen unter einer in

den letzten Jahren immer weiter

angewachsenen Überregulierung des

Arbeitsschutzes, insbesondere durch

staatliche Verordnungen, EU-Richtlinien,

Technische Regeln und Normen,

aber auch durch BG-liche Vorschriften.

Dieser Vorschriftendschungel ist mit

vernünftigem Aufwand nicht mehr zu

reformieren. Deshalb erfolgt jetzt dieser

drastische Schnitt. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

leistet damit einen

spürbaren Beitrag zum Bürokratieabbau

und zu mehr Eigenverantwortung.

Der aktuelle Beschluss bedeutet

aber nicht, dass Investitionen für die

Prävention nicht auch zukünftig eindeutig

im Vordergrund aller Aktivitäten

der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

stehen sollen. Schließlich hat dieses klare

Bekenntnis zur Prävention in den

vergangenen Jahren zu einem drastischen

Rückgang der Schadensfälle (Arbeitsunfälle,

Wegeunfälle, Berufskrankheiten)

geführt. Seit 1995 bis heute ist

beispielsweise die Anzahl der meldepflichtigen

Arbeitsunfälle von 17.735

auf 7.081 um 60 Prozent gesunken!

Die Zahl der kostenintensiven Rentenfälle

lag vor 9 Jahren noch bei 711, im

Jahr 2003 führten nur noch 378 Schadensfälle

zu neuen Rentenleistungen

der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

– ein Rückgang um fast 47 Prozent!

(siehe auch Seite 14). Dabei steht der

Verzicht auf 2/3 der bisherigen Unfallverhütungsvorschriften

nicht alleine,

sondern in einem engen Zusammenhang

mit einer veränderten strategischen

Ausrichtung der Präventionsaktivitäten

der StBG – dem neuen

„3-Säulen-Modell für eine

zukunftsorientierte Prävention“

Die Kernelemente dieser neuen

Strategie sind:

• Säule 1:

Unfallverhütungsvorschriften sollen

künftig nur noch unverzichtbare,

unfallträchtige Kernbereiche erfassen.

Doppelregelungen, die u. a.

durch das Inkrafttreten der neuen

Betriebssicherheitsverordnung entstanden

sind, sollen im Interesse eines

transparenten, eindeutigen Vorschriftenwerkes

beseitigt werden.

Das bedeutet für Mitgliedsbetriebe

und Versicherte ein höheres Maß an

Eigenverantwortung – eröffnet aber

auch Freiräume für betriebliche Regelungen

und Innovationen.

• Säule 2:

In einem branchenspezifischen,

leicht verständlichen und mit Graphiken

bebilderten Praxishandbuch

werden die wichtigsten Arbeitshilfen

zur Prävention so zur Verfügung gestellt,

dass insbesondere kleine Unternehmen

sinnvolle Praxislösungen

zur Unfallverhütung und zum Gesundheitsschutz

auswählen können.

• Säule 3:

Last but not least soll noch in diesem

Jahr ein finanzielles Prämiensystem

nach dem Motto „Wer mehr

für den Arbeitsschutz tut, wird belohnt“

Innovationen im Arbeitsschutz

fördern und die Motivation

der Unternehmen, in Arbeitssicherheit

zu investieren, steigern. Die entsprechenden

Beschlüsse sollen in

der Sommersitzung 2004 der Vertreterversammlung

gefasst werden.

Mit dieser Neuorientierung kehrt die

Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ein

Stück weit zurück zu den Wurzeln der

gesetzlichen Unfallversicherung: Unfallverhütungsvorschriften

regeln nur

die tatsächlich unfallträchtigen Kernbereiche

– in Ergänzung stehen praxisgerechte

Handlungshilfen für unsere

Mitglieder und finanzielle Anreize für

vorbildliche Prävention noch stärker im

Vordergrund des Handlungsspektrums.

Insofern werden die Gestaltungsspielräume

des „Unfallversicherers“ StBG

24 Steine + Erden 1/2004


stärker in den Vordergrund treten – die

Rolle als Vorschriften- und Regelsetzer

wird dagegen nur noch im „Kerngeschäft“

der Branche eine Rolle spielen.

Historie der BG-lichen

Rechtsetzung

Wie früher die Reichsversicherungsordnung

(RVO), ermächtigt heute als

Nachfolgeregelung das Sozialgesetzbuch

VII (SGB VII) die Unfallversicherungsträger,

autonomes Satzungsrecht

zu erlassen. Die entsprechende Grundlage

findet sich in § 15 Abs. 1:

„Die Unfallversicherungsträger erlassen

als autonomes Recht Unfallverhütungsvorschriften

über

1. Einrichtungen, Anordnungen und

Maßnahmen, welche die Unternehmer

zur Verhütung von Arbeitsunfällen,

Berufskrankheiten und

arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren

zu treffen haben, sowie die

Form der Übertragung dieser Aufgaben

auf andere Personen.

2. das Verhalten der Versicherten zur

Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten

und arbeitsbedingten

Gesundheitsgefahren.

3. vom Unternehmer zu veranlassende

arbeitsmedizinische Untersuchungen

und sonstige arbeitsmedizinische

Maßnahmen vor, während und nach

der Verrichtung von Arbeiten, die für

Versicherte oder für Dritte mit arbeitsbedingten

Gefahren für Leben

und Gesundheit verbunden sind.“

Ass. Willi Lange, Hauptgeschäftsführer der

Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, steuert

einen mutigen, reformfreudigen Kurs.

Im Rahmen dieses als Dualismus in

der Rechtsetzung bezeichneten Rahmens

gab es zwischen Staat und Unfallversicherung

etwa bis Mitte der

80er Jahre eine klare Aufgabenteilung:

– Der Staat gab über Gesetze und

Verordnungen im Wesentlichen Eckpunkte

vor und überließ den Unfallversicherungsträgern

deren Konkretisierung.

– Die Unfallversicherungsträger setzten

ihr eigenes Recht durch praxisnahe

Unfallverhütungsvorschriften

(„mit Blut geschrieben“), welche

dann erlassen wurden, wenn das

Unfallgeschehen entsprechende Regelungen

erforderlich machte.

Etwa ab Mitte der 80er Jahre ist der

staatliche Gesetzgeber in zunehmendem

Maße dazu übergegangen, BG-liches

Satzungsrecht (Unfallverhütungsvorschriften)

in Gesetze und Verordnungen

zu übernehmen (Beispiel:

Früher: Unfallverhütungsvorschrift

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, Leiter des Geschäftsbereichs

Prävention der StBG, stellte das „3-Säulen-Modell für eine

zukunftsorientierte Prävention“ vor.

„Gesundheitsgefährlicher Mineralischer

Staub“ – Jetzt: Übernahme der

Inhalte in die Gefahrstoff-Verordnung

und Technische Regeln). Verbunden mit

dieser Entwicklung hat der Gesetzgeber

zu jeder seiner Verordnungen einen

staatlichen Ausschuss ins Leben gerufen,

dessen Aufgabe es ist, ein die Verordnung

konkretisierendes technisches

Regelwerk zu schaffen. Zurzeit existieren

staatliche Ausschüsse in folgenden

Bereichen:

• Gefahrstoffe

• Biologische Arbeitsstoffe

• Sicherheit und Gesundheitsschutz

auf Baustellen

• Betriebssicherheit.

Vor diesem Hintergrund kam es

mehr und mehr zu einer Konkurrenzsituation

zwischen den Regelungen der

staatlichen Verordnungen sowie den

dazugehörigen Technischen Regeln der

Am 4. Dezember

2003 beschlossen

die

Mitglieder der

Vertreterversammlung

der StBG die

neuen Grundlagen

der

Prävention.

Steine + Erden 1/2004 25


Titelthema

Liste der

bisher

gültigen

UVVen

der Steinbruchs-BG.

setzt werden. Berufsgenossenschaftliche

Unfallverhütungsvorschriften

konnten dies offensichtlich nicht leisten,

da sie von ihrer Systematik her in

den meisten Bereichen keine Flächendeckung

erzielen konnten und sich 35

autonome Berufsgenossenschaften

auch zu wenig einig in der Umsetzung

gezeigt haben.

Liste der

StBG-Vorschriften

nach

der Streichung

der UVVen.

staatlichen Ausschüsse und den Regelungen

der Unfallversicherungsträger in

Form von Unfallverhütungsvorschriften

und BG-lichen BG-Regeln. Waren auch

früher in gewissem Ausmaß Sachverhalte

sowohl in staatlichen Verordnungen

und Regeln als auch in berufsgenossenschaftlichen

Vorschriften zu

finden, so kam es jetzt dazu, derartige

„Doppelregelungen“ als unerwünscht

zu kennzeichnen. Dabei darf man nicht

vergessen, dass die Aktivitäten der Berufsgenossenschaften

in der Vergangenheit

immer dazu geführt haben, die

entsprechenden Vorgaben auch in

kleinen und mittleren Unternehmen

bekannt zu machen. Auf staatliche Verordnungen

und Regeln staatlicher Ausschüsse

trifft dies (zumindest bisher) im

gleichen Umfange nicht zu.

Einfluss der

Europäischen Union

Bei dieser Entwicklung ist auch zu

berücksichtigen, dass die Europäische

Rechtsetzung einen bedeutenden Einfluss

hatte. In Brüssel verabschiedete

EU-Richtlinien müssen von den Mitgliedsstaaten

flächendeckend umge-

Bürokratieabbau

jetzt!

Vor dem Hintergrund der bisher beschriebenen

Entwicklung existierten

bereits seit mehreren Jahren intensive

Bemühungen, zu einer neuen Aufgabenteilung

zwischen staatlicher und

berufsgenossenschaftlicher Rechtsetzung

zu kommen. Diese kontinuierliche

Weiterentwicklung des Dualismus in

der Rechtsetzung wird inzwischen allerdings

von einer heftigen Diskussion

um Überregulierung und Bürokratieabbau

im Arbeitsschutz überlagert. Dabei

war einer Pressemeldung des Hauptverbandes

der gewerblichen Berufsgenossenschaften

im Jahr 2003 zu entnehmen,

dass die BGen ihre früheren

180 Unfallverhütungsvorschriften im

Laufe des letzten Jahres bereits auf etwa

64 UVVen zurückgeführt haben

und mittelfristig nur noch einen Bedarf

für etwa 10 Unfallverhütungsvorschriften

sehen würden.

Die Arbeitgeber kritisierten, dass ein

mittelständischer Unternehmer in

Deutschland etwa 2.200 Gesetze und

Verordnungen mit insgesamt 46.800

Einzelvorschriften beachten müsse –

dies sei nie und nimmer zu leisten! Kritisiert

wurde auch, dass in der letzten Legislaturperiode

trotz der Forderung zur

Vereinfachung und zum Bürokratieabbau

durch die damalige Bundesregierung

336 neue Regelwerke geschaffen

wurden, jedoch nur 91 gestrichen worden

seien. Wirklichkeit und Wunsch

schienen also auseinander zu driften.

Die Diskussion zum Bürokratieabbau

hat auch dazu geführt, dass über

berufsgenossenschaftliche Rechtsetzung

zunehmend negativ in der Presse

berichtet wurde. So wurden beispielsweise

die verschiedenartigen Lösungen

der Berufsgenossenschaften zur Umsetzung

des Arbeitssicherheitsgesetzes

zu den „20 unsinnigsten Vorschriften

Deutschlands“ gezählt, weil sie zum

Teil unpraktikable und widersprüchliche

Regelungen enthielten.

26 Steine + Erden 1/2004


Eine kritische

Bestandsaufnahme

Würdigt man nun die verschiedenen

Argumente der laufenden Diskussion

und betrachtet die tatsächliche Entwicklung

der berufsgenossenschaftlichen

Rechtsetzung, so muss man zu

folgendem Ergebnis kommen:

1. Das berufsgenossenschaftliche Vorschriftenwerk

ist kein in sich geschlossenes,

schlüssiges Regelwerk mehr.

2. Es ist gekennzeichnet durch einen

zunehmenden fragmentarischen

Charakter und zu viele rechtsformale

Konstruktionen und Verweise.

3. Die permanente Überarbeitung und

Anpassung an staatliches Recht ist

zu zeitaufwändig und zu personalintensiv.

4. Insgesamt gesehen laufen die Berufsgenossenschaften

in punkto

Rechtsetzung seit Jahren und Jahrzehnten

der aktuellen Entwicklung

hinterher und sind in der Defensive.

5. Deshalb ist es aussichtslos, sich an

das bisherige Konzept zu klammern.

Erforderlich ist vielmehr eine offensive

Zukunftsstrategie im Bereich der

Rechtsetzung.

6. Für zeitgemäße und erfolgreiche

Prävention ist heute nicht mehr eine

Vielzahl von Vorschriften von Bedeutung

– vielmehr zählen Praxislösungen,

Überzeugungskraft, Motivation

der Entscheider und

überzeugende Argumente!

7. Vor diesem Hintergrund verliert der

Stellenwert von möglichst vielen

Vorschriften zunehmend an Bedeutung

– gefragt ist vielmehr „Klasse

statt Masse“!

8. Hinzu kommt, dass die vorhandenen

personellen und finanziellen

Ressourcen zur Erarbeitung, Überarbeitung

und Anpassung von Vorschriften

in den berufsgenossenschaftlichen

Fachausschüssen und

Gremien für eine zeitgemäße

Prävention wesentlich effizienter

eingesetzt werden können.

Jetzt neue Wege

beschreiten!

Vor diesem Hintergrund hat die

Selbstverwaltung der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

bereits seit Anfang

des Jahres 2003 eine intensive Diskussion

über eine tragfähige, zukunftsfähige

Strategie der BG-lichen Prävention

geführt. Hierbei wurden alle bisherigen

Erfahrungen gewürdigt – z. B.

aus dem Unternehmermodell, dem

Förderpreis Arbeit – Sicherheit – Gesundheit,

dem Organisationshandbuch

und Gütesiegel „Sicher mit System“,

den jüngsten Präventionskampagnen

und der betrieblichen Beratung. Auch

alle Technischen Aufsichtsbeamten,

Sicherheitsingenieure und Betriebsärzte

sowie alle Mitarbeiter des Präventionsbereiches

der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

haben sich an diesem

Reform- und Meinungsbildungsprozess

beteiligt. Am Schluss der Diskussion

stand der klare Auftrag, eine zukunftsfähige

Präventionsstrategie zu

entwickeln, welche die positiven Elemente

erfolgreicher Maßnahmen einbindet,

auf tragfähige Zukunftslösungen

setzt und nicht zwanghaft am

Vergangenen festhält. Das Ergebnis ist

das neue

3-Säulen-Modell für eine

zukunftsorientierte Prävention:

1. Säule: Weniger Vorschriften –

der Weg zu mehr Eigenverantwortung

Bisher hatte die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

43 Unfallverhütungsvorschriften

mit 820 DIN A4-Seiten

Regelungstext und 1.493 Paragraphen

erlassen. Der aktuelle Stellenwert dieser

Unfallverhütungsvorschriften

zur Erfüllung

des Präventionsauftrages

ist höchst unterschiedlich

ausgeprägt. Unter diesen

43 UVVen befinden sich

einige, welche auch aus heutiger Sicht

(noch) unverzichtbar sind, weil sie

Kernbereiche der Baustoff-Industrie betreffen.

Ein anderer Teil dieser Unfallverhütungsvorschriften

wird mit dem

Inkraftsetzen der neuen Grundlagenvorschrift

„Grundsätze der Prävention“

(BGV A1, siehe auch Seite 31) außer

Kraft gesetzt werden. Dabei handelt es

Steine + Erden 1/2004 27


Titelthema

Die Inhalte

des Praxishandbuchs:

kurze, verständlich

formulierte

Texte, optisch

durch Grafiken

aufbereitet.

sich um die Unfallverhütungsvorschriften

des sog. Maschinenaltbestandes

(für die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

sind dies 12 Unfallverhütungsvorschriften)

sowie um die Unfallverhütungsvorschriften

„Erste Hilfe“, „Umgang

mit Gefahrstoffen“ und „Biologische

Arbeitsstoffe“. Damit verblieben

von den bisherigen 43 Unfallverhütungsvorschriften

noch immer 28. In

der Zwischenzeit hatte der Hauptverband

der gewerblichen Berufsgenossenschaften

mitgeteilt, dass auch weitere

UVVen auf ihre Notwendigkeit

überprüft werden müssten. Dabei zeige

sich bereits jetzt, dass eine Vielzahl

dieser weiteren Unfallverhütungsvorschriften

aufgrund des Inkraftsetzens

der Betriebssicherheitsverordnung oder

anderer bestehender Doppelregelungen

a) entweder angepasst oder b) ersatzlos

außer Kraft gesetzt oder c) mit

anderen zusammengefasst oder d) in

BG-Regeln überführt werden müssen

bzw. können.

Eine StBG-interne Überprüfung der

erwähnten 28 verbliebenen Unfallverhütungsvorschriften

hat ergeben, dass

aus Sicht der Prävention weitere 13

UVVen bereits zum heutigen Zeitpunkt

durchaus zurückgezogen werden können,

ohne einen nennenswerten Substanzverlust

in der Prävention oder im

Vollzug hinnehmen zu müssen.

Bei der Überprüfung der verbliebenen

UVVen im Hinblick auf die Möglichkeit

der Außerkraftsetzung wurden

die folgenden Prüfkriterien angewandt:

• Wie groß ist der Umfang der Anwendung

und die Bedeutung für die

Baustoff-Industrie?

• Existieren staatliche oder europäische

Regelungen (auch Normen) für

den Bereich „Bau und Ausrüstung

von Maschinen bzw. Arbeitsstätten“?

• Existieren staatliche bzw. europäische

Regelungen (auch Normen) für

die Bereiche „Betrieb“ und „Prüfung“?

• Welche Bedeutung hat die entsprechende

Regelung in der Unfallverhütungsvorschrift

für das aktuelle

Unfallgeschehen, das aktuelle Berufskrankheitengeschehen

und die

Prävention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren

tatsächlich?

• Welche Bedeutung hat die in Frage

stehende Unfallverhütungsvorschrift

für den Vollzug durch die Technischen

Aufsichtsbeamten?

Bei der Diskussion um die Zurückziehung

dieser Unfallverhütungsvorschriften

ist zu berücksichtigen, dass UVVen,

welche nicht mehr als autonomes Satzungsrecht

erlassen sind, dennoch als

Regeln der Technik weiterhin ihre

Bedeutung haben. Sie sind also nicht

vollständig verschwunden, sondern

können im Sinne der Beratung der Unternehmen

oder als Anhaltspunkte für

eigene betriebsinterne Lösungen auch

weiterhin herangezogen werden.

Schließlich bestand auch niemals die

Verpflichtung, alle durch berufsgenossenschaftliche

Fachausschüsse entwickelten

Unfallverhütungsvorschriften

als autonomes Satzungsrecht der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

zu erlassen

– dies waren stets eigenständige

Entscheidungen der Selbstverwaltung.

Darüber hinaus können die Technischen

Aufsichtsbeamten diese außer

Kraft gesetzten Unfallverhütungsvorschriften

im Einzelfall im Rahmen ihres

Überwachungsauftrages auch weiterhin

nutzen, wenn Anordnungen zur

„Abwendung besonderer Unfall- und

Gesundheitsgefahren“ erlassen werden

müssen.

Im Rahmen der Diskussion wurde

darauf hingewiesen, dass nicht alle Regelungen

der außer Kraft zu setzenden

13 weiteren Unfallverhütungsvorschriften

(insgesamt 428 Paragraphen) ersatzlos

entfallen sollen. Vielmehr war

von Anfang an daran gedacht, Regelungen,

wie bspw. das sichere Benutzen

von Leitern in Zukunft in ein kundenorientiertes

Praxishandbuch für die

Baustoffbranche zu überführen.

Da der Prozess der Erarbeitung dieses

Handbuches aber einige Monate in

Anspruch nehmen wird (Erscheinungstermin

voraussichtlich Ende 2004),

wurden auf Wunsch der Selbstverwaltung

die außer Kraft zu setzenden 13

Unfallverhütungsvorschriften noch einmal

dahingehend geprüft, ob unter

den 428 Einzelregelungen nicht doch

wenige Bestimmungen enthalten seien,

welche auch für die Übergangszeit

nicht ersatzlos entfallen könnten. Ermittelt

wurden hierbei insgesamt 10

Komplexe, welche nun für die Übergangsphase

wortgleich in eine neue

BG-Regel „Besondere Arbeits- und Gesundheitsschutzregelungen

für die

Baustoff-Branche“ überführt wurden.

Diese Regel steht auf der Internetpräsenz

der StBG – www.stbg.de – unter

Medien/BG-Regeln zum Download bereit.

Insgesamt kann bilanziert werden,

dass nach dem richtungsweisenden Beschluss

der Vertreterversammlung ab

dem 1. Januar 2004 für Mitgliedsunternehmen

der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

nur noch 15 Unfallverhütungsvorschriften

gelten, die einen

Umfang von 532 Einzelregelungen umfassen.

Damit wurde auf einen Schlag

die Zahl der Einzelregelungen um zwei

Drittel reduziert.

Die Steinbruchs-BG hofft, mit diesem

mutigen Schritt, ein Beispiel so-

28 Steine + Erden 1/2004


wohl für andere Berufsgenossenschaften,

aber auch für staatliche Rechtsetzer

zu geben, unter dem Motto „Über

Reformen darf man nicht nur reden –

man muss auch den Mut zu einem

Neuanfang haben!“

2. Säule: Das neue kundenorientierte

Praxishandbuch: Eine verständliche,

transparente und aktuelle

Arbeitshilfe für den Betrieb

Das Präventionshandeln der StBG

wird mehr und mehr geprägt durch die

folgenden Leitgedanken:

• den Unternehmern und Betrieben

sowie allen Beschäftigten soll mehr

Eigenverantwortung und mehr Freiraum

im Hinblick auf sichere und

gesundheitsgerechte Gestaltung der

Arbeitsprozesse übertragen

werden.

• Mit praxisgerechten

Handlungshilfen (z. B.

dem Organisationshandbuch

„Sicher mit

System“, den StBG-Sicherheits-

Checks, Unterweisungshilfen im

Rahmen von BAUZ-Kampagnen) lässt

sich der Grad und das Niveau der

Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen

in den Betrieben positiv beeinflussen.

• Für jeden Sachverhalt ist zu prüfen,

ob Festlegungen in Unfallverhütungsvorschriften

zweckmäßig sind

oder praxisgerechte Lösungsvorschläge

die Inhalte besser vermitteln.

Im Rahmen dieser Leitgedanken hat

die Selbstverwaltung der StBG zeitgleich

mit der Verschlankung der Unfallverhütungsvorschriften

beschlossen,

die erforderlichen finanziellen Mittel

für die Entwicklung eines Praxishandbuches

für die Baustoff-Industrie bereitzustellen.

Das Handbuch soll sich

durch einen übersichtlichen klaren Aufbau

auszeichnen. Durch ein Baukastensystem

(Loseblattsammlung) bleibt das

Handbuch flexibel und ist schnell zu aktualisieren.

Bewährte Praxislösungen

(auch aus dem Förderpreis Arbeit –

Sicherheit – Gesundheit) werden in verständlicher

prägnanter Sprache unter

Verwendung eindeutiger Graphiken

dargestellt. Ein übersichtlicher, standardisierter

Seitenaufbau erleichtert die

Orientierung – über ein Register bestehen

gute Stichwort-Suchmöglichkeiten.

Entscheidend für den Umfang des

Handbuches ist, dass nur die tatsächlichen,

für die Praxisfragen relevanten

Sachverhalte aufgenommen werden –

deshalb muss jedes Thema auf zwei,

max. vier Seiten komprimiert werden.

Zusätzlich sollen auch wichtige Inhalte

aus den jetzt im Rahmen der Verschlankung

des Vorschriftenwerkes außer

Kraft gesetzten UVVen übernommen

werden. Geplant ist, das Handbuch sowohl

in gedruckter als auch in digitaler

Form herauszugeben.

Auf der Grundlage dieser Vorgaben

sind inzwischen Überlegungen angestellt

worden, wie ein solches Praxishandbuch

für alle Mitgliedsunternehmen

der Steinbruchs-BG gegliedert

werden kann. Demzufolge wird ein für

alle Branchen gültiger allgemeiner Teil

entstehen, in dem die Sicherheits- und

Gesundheitsschutzmaßnahmen für die

BaustoffIndustrie grundlegend

thematisiert werden.

Der zweite Teil ist

branchenspezifisch gegliedert

und bildet die

für Teilbranchen gültigen zusätzlichen

Sicherheits- und Gesundheitsschutzmaßnahmen

ab.

Die redaktionellen und gestalterischen

Arbeiten für die Entwicklung des

Praxishandbuches für die Baustoff-Industrie

sind inzwischen aufgenommen

worden, wobei im Laufe der Erarbeitung

daran gedacht ist, die vorgesehenen

Inhalte mit den Mitgliedsbranchen

der StBG eng abzustimmen.

3. Säule: Attraktives Anreizkonzept:

Wer mehr tut wird belohnt!

Das neue 3-Säulen-Modell für eine

zukunftsorientierte Prävention sieht neben

dem drastischen Abbau von Unfallverhütungsvorschriften

und der Entwicklung

eines Praxishandbuches auch

die Einführung eines Prämienkonzeptes

gemäß dem Grundsatz: „Wer mehr tut

wird belohnt!“ vor. Damit sollen einerseits

die immateriellen Anreize (z. B.

Verleihung des Gütesiegels) und die für

vorbildliche Einzelinnovationen bereits

vorhandenen materiellen Anreize (Förderpreis

Arbeit – Sicherheit – Gesundheit)

ergänzt werden. Andererseits soll

das Konzept finanzielle Anreize durch

die Gewährung von Prämien bieten,

um betriebliche Investitionen sowie erfolgreichen

Arbeits- und

Gesundheitsschutz systematisch

zu beeinflussen

und zu belohnen. Mit der

Einführung eines solchen

Prämiensystems würde die StBG auch

dem vielfachen Wunsch aus dem Kreise

der Mitgliedsunternehmen Rechnung

tragen. Zusätzlich könnten damit Innovationen

im Arbeitsschutz systematisch

gefördert werden und die Umsetzung

von prämierten Ideen in der Baustoffbranche

unterstützt werden.

Entwurf des Titelblattes des neuen

Praxishandbuch.

Die Einführung eines Prämiensystems

würde sich auf § 163 Abs. 2 des

Sozialgesetzbuches VII (SGB VII) stützen:

„Die Unfallversicherungsträger können

unter Berücksichtigung der Wirksamkeit

der von den Unternehmern getroffenen

Maßnahmen zur Verhütung

von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten

und für die Verhütung von arbeitsbedingten

Gesundheitsgefahren

Prämien gewähren.“

Bei dem zurzeit diskutierten Konzept

wird davon ausgegangen, dass die

prämienwürdigen Maßnahmen ihre

Wirksamkeit im Hinblick auf die Verbesserung

des Arbeits- und Gesundheitsschutzes

bereits nachgewiesen haben.

Soweit bekannt, vergeben derzeit

erst zwei Berufsgenossenschaften Prämien

auf dieser Grundlage.

Zum einen hat die

Fleischerei-Berufsgenossenschaft

seit zwei Jahren

ein umfassendes Prämi-

Steine + Erden 1/2004 29


Titelthema

Attraktives

Anreizsystem:

Wer mehr tut,

wird belohnt.

– Gesundheit oder auch herausragende

Ergebnisse in der Verhütung von Arbeitsunfällen

(gemessen am unfallfreien

Zeitraum) kommen.

Für jede einzelne Maßnahme würde

dann eine Beschreibung der geforderten

Maßnahme und eine Begründung

für die Auswahl sowie deren Wirksamkeit

entwickelt. Gleichzeitig sind die jeweiligen

Nachweiskriterien zu formulieren

sowie die Höhe der erzielbaren

Prämie zu definieren.

enverfahren für ihre Mitgliedsunternehmen

eingeführt, welches sich im

Grundsatz bereits bewährt hat. Des

Weiteren vergibt die Berufsgenossenschaft

für Gesundheitsdienst und

Wohlfahrtspflege für die Einführung

und Zertifizierung von Arbeitsschutzmanagementsystemen

in Verbindung

mit Qualitätsmanagementsystemen

gleichfalls Prämien.

Im Rahmen der bisherigen Erörterungen

innerhalb der Selbstverwaltung

der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft

wurde deutlich, dass ein solches

Prämienkonzept den folgenden

Randbedingungen Rechnung tragen

müsste:

• Prämien müssen einen „spürbaren“

– finanziellen – Anreiz geben, um

wirksam zu sein.

• Das Verhältnis zwischen betrieblichem

Aufwand und erzielbarer Prämie

ist von Bedeutung.

• Eine direkte Investitionsförderung ist

nicht beabsichtigt.

• Vielmehr geht es um die nachträgliche

Prämierung bereits realisierter

Maßnahmen (keine Absichtserklärungen).

• Die prämienwürdigen Maßnahmen

orientieren sich am aktuellen Unfallund

Berufskrankheitengeschehen

sowie an der erreichbaren Verringerung

arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren.

• Die ausgewählten Maßnahmen wirken

nachhaltig.

• Das Anreizkonzept (Prämienverfahren)

bietet für alle Unternehmen

unter Berücksichtigung unterschiedlicher

Unternehmensgrößen und

unterschiedlicher Branchen Chancengleichheit.

• Das Anreizkonzept ist transparent,

verständlich und vermittelbar sowie

nachvollziehbar.

• Daher empfiehlt sich eine Begrenzung

auf wenige (etwa fünf) prämienwürdige

Maßnahmen pro Ausschreibungszeitraum.

• Es werden nur solche Maßnahmen

prämiert, die entweder im Ausschreibungszeitraum

(laufendes

Jahr) oder im davor liegenden Kalenderjahr

realisiert wurden.

• Grundsätzlich wird von einem Vertrauensverhältnis

zwischen Mitgliedsunternehmen

und Berufsgenossenschaft

ausgegangen.

• Die Maßnahmen müssen nachvollziehbar

belegt werden können (z. B.

durch Rechnungsbelege, Fotodokumentationen,

Urkunden, Bescheinigungen).

Hieraus ergibt sich, dass

nur solche Maßnahmen ausgewählt

werden können, welche möglichst

konkrete Nachweiskriterien eröffnen.

• Die Technischen Aufsichtsbeamten

überzeugen sich im Rahmen von

Stichprobenkontrollen von den

durchgeführten Maßnahmen.

• Die finanziellen Auswirkungen für

die Berufsgenossenschaft sollen kalkulierbar

sein.

• Hieraus ergibt sich die Einplanung

eines festen Prämienhöchstbudgets

pro Prämienzeitraum.

Hinsichtlich der möglichen prämienwürdigen

Maßnahmen ist die Diskussion

derzeit noch im Gange. In Betracht

könnten z. B. präventive Maßnahmen

wie der Erwerb des Gütesiegels, der

Einbau von Kamerasystemen zur Verbesserung

der Rückraumsicherheit, die

Realisierung prämierter Innovationen

aus dem Förderpreis Arbeit – Sicherheit

Ausblick

Die bisherigen Diskussionen haben

gezeigt, dass die Selbstverwaltungsgremien

der StBG der Einführung eines

Prämiensystems positiv gegenüberstehen.

Im Zuge der jetzt folgenden Detaildiskussionen

sollen die erforderlichen

Konkretisierungen vorgenommen werden,

so dass in der Sommersitzung des

Vorstands und der Vertreterversammlung

der StBG die notwendigen Beschlüsse

gefasst werden können. Mit einer

erstmaligen Ausschreibung zur Teilnahme

am Prämienverfahren ist dann

frühestens im Herbst 2004 zu rechnen,

so dass die ersten Prämien 2005 vergeben

werden könnten.

Insgesamt ist davon auszugehen,

dass die vollständige Realisierung des 3-

Säulen-Modelles für eine zukunftsorientierte

Prävention eine gewisse Anlaufphase

benötigen wird, um die einzelnen

Elemente zu optimieren. Trotzdem muss

dieses „unternehmerische Risiko“ getragen

werden, um die berufsgenossenschaftliche

Prävention auf eine tragfähige

Basis für die Zukunft zu stellen. Im

Ergebnis darf man wohl sogar hoffen,

dass mit diesem zeitgemäßen neuen

Weg im Endergebnis eine Verbesserung

und Steigerung des Sicherheitsbewusstseins

und Sicherheitsniveaus erzielbar

ist und damit hoffentlich noch bessere

Ergebnisse in der Unfallbilanz als bisher.

Bereits jetzt möchten wir an alle Mitgliedsunternehmen,

an alle Unternehmer

und Führungskräfte, aber auch an

alle Versicherten appellieren, den eingeschlagenen

Weg tatkräftig zu unterstützen.

Wenn Sie uns Ihre Meinung schriftlich

übermitteln wollen, freuen wir uns

hierüber genauso wie über konstruktive

Verbesserungsvorschläge. Bitte nutzen

Sie hierzu meine E-Mail-Adresse:

ehnes@stbg.de!

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG,

Leiter des Geschäftsbereichs Prävention

30 Steine + Erden 1/2004


Staubgut-Logistik

vom Spezialisten

Neue Basisvorschrift:

„Grundsätze der

Prävention“ (BGV A1)

Mit der Umsetzung von EG-Richtlinien

– insbesondere der EG-Maschinenrichtlinie

– in nationales Recht

ergab sich eine Neuordnung des staatlichen

Arbeitsschutzrechts. Dies hatte eine

Einschränkung des Geltungsbereiches

von Unfallverhütungsvorschriften

zur Folge. Zunächst wurden die Beschaffenheitsanforderungen

(Bau- und

Ausrüstung), später auch die Anforderungen

an die Bereitstellung, Benutzung

und Prüfung von Arbeitsmitteln

eingeschränkt. Jüngstes Beispiel ist die

Betriebssicherheitsverordnung, deren

In-Kraft-Treten die Außerkraftsetzung

einer Vielzahl von Unfallverhütungsvorschriften

erforderlich macht.

Parallel zur Neuordnung des staatlichen

Arbeitsschutzrechtes hat sich

auch eine Neukonzeption des berufsgenossenschaftlichen

Vorschriftenwerkes

ergeben. Basisvorschrift im Rahmen

dieser Neukonzeption ist die neue Unfallverhütungsvorschrift

„Grundsätze

der Prävention“ (BGV A1), welche die

bisher geltende Unfallverhütungsvorschrift

„Allgemeine Vorschriften“ (VBG

1) ersetzt und eine Verknüpfung von

staatlichem Arbeitsschutzrecht und berufsgenossenschaftlichem

Satzungsrecht

ermöglichte. Die Inkraftsetzung

der BGV A1 erfolgte zum 1. 1. 2004.

Begründung für die Neugestaltung

Es gibt mehrere Gründe für die

Schaffung einer neuen Unfallverhütungsvorschrift

„Grundsätze der Prävention“

(BGV A 1).

Zum einen ist der Präventionsauftrag

der Berufsgenossenschaften durch

das Sozialgesetzbuch VII erweitert worden.

Demnach gehört zum Präventionsauftrag

der Berufsgenossenschaften

die Verhütung von Arbeitsunfällen,

Berufskrankheiten und neuerdings

auch die Verhütung arbeitsbedingter

Gesundheitsgefahren sowie weiterhin

eine wirksame Erste Hilfe.

Zum anderen ist, bedingt durch die

Neuordnung des Arbeitsschutzrechtes,

auch eine Inbezugnahme staatlicher

Vorschriften in berufsgenossenschaftliches

Satzungsrecht erforderlich. In die-

CR

1000 – 2000

CB

6000 – 13000

Wechselsilo

WS 6 – 29 m3

Klein-Container

Übergabestation

BERGER

Silo + Fördertechnik

befasst sich seit über

20 Jahren mit der technischen

Entwicklung von

Behältern für die Lagerung

von Staubgütern und

Granulaten,sowie mit der

Produktion von Maschinen

und Geräten für den

betriebsbedingten Abzug

aus diesen Behältern.

Zur Lagerung von staubförmigen

Stoffen werden stationäre

Silos bis 200 m 3 -Inhalt

und Transportsilos in vielen

Varianten z.B. Silo-Container

für Absetzkipper, Wechselsilos

für Hakenlift und

ASK-Systeme, Taschensilos,

Klein-Container und Sonderbehälter

von uns produziert,

verkauft, verleast oder vermietet.

Für den Materialfluss zur

Produktion und Verarbeitung

bietet der Betriebsbereich

Fördertechnik geeignete und

bewährte pneumatische Freifall-

und Druck-Förderanlagen,

Silo-Förderschnecken, Befeuchtungsschnecken,

Dosiergeräte,

Austragshilfen und

Filtereinrichtungen, d.h. komplette

Problemlösungen an.

Die Logistikkette des losen

Material-Transports ist damit

geschlossen, denn

Förderanlage

BS 70 – BS 200

BERGER transportiert,

lagert, fördert.

Bruckstr. 56

70734 Fellbach

Telefon (07 11) 5 75 55-0

Telefax (07 11) 5 75 55-22

www.silo-berger.de

Steine + Erden 1/2004 31


Titelthema

genossenschaftlichen Regelwerk (BG-

Regeln, BG-Informationen, sonstige

Schriften). Damit verbunden soll die

Umsetzung von Präventionsaktivitäten

in die betriebliche Praxis erleichtert und

den Unternehmen branchenspezifische

sowie am Arbeitssystem ausgerichtete

Hilfestellungen bei der Organisation

des betrieblichen Arbeitsschutzes an

die Hand gegeben werden (vgl. 3-Säulenmodell

der StBG).

Wesentliches Kernelement der

Grundlagenvorschrift ist die Verzahnung

von berufsgenossenschaftlichem

Satzungsrecht und staatlichem Arbeitsschutzrecht.

Diese Verknüpfung ergibt

sich durch § 2 Abs. 1 der BGV A1.

Demnach ist der Unternehmer verpflichtet,

bei seinen Maßnahmen zur

Prävention sowohl Unfallverhütungssem

Zusammenhang sollten auch Doppelregelungen

im staatlichen und berufsgenossenschaftlichen

Regelwerk

beseitigt werden, d. h. auf Wiederholungen

des staatlichen Arbeitsschutzrechtes

in berufsgenossenschaftlichen

Vorschriften zu verzichten.

Des Weiteren steht die politische

Zielsetzung einer Deregulierung des

Vorschriftenwerkes im Raum, so dass –

soweit möglich – Unfallverhütungsvorschriften

zusammengefasst werden

sollten.

Der Inhalt der neuen BGV A1.

Zielsetzung

Die Unfallverhütungsvorschrift

„Grundsätze der Prävention“ (BGV

A1) ist als zentrales Element eines neu

gestalteten berufsgenossenschaftlichen

Vorschriftenwerkes die Basisvorschrift

für die berufsgenossenschaftliche

Prävention. Mit ihr werden die Grundpflichten

von Unternehmern und Versicherten

für den Arbeitsschutz in

berufsgenossenschaftlichen Satzungsrecht

umgesetzt. In ihrem Aufbau, ihrer

umfassenden Geltung für alle Branchen,

Tätigkeiten, Arbeitsbereiche und Arbeitsverfahren

im Zuständigkeitsbereich

der gewerblichen Berufsgenossenschaften,

ist sie das Äquivalent der gesetzlichen

Unfallversicherung zu zentralen

staatlichen Arbeitsschutzvorschriften.

Wesentliche Inhalte

der neuen Vorschrift

Die BGV A1 ist als Grundlagenvorschrift

für die berufsgenossenschaftliche

Prävention einzustufen. Sie enthält

die wesentlichen Bestimmungen über

die Organisation des Arbeitsschutzes

und über die im Betrieb zu treffenden

Präventionsmaßnahmen. Eine Konkretisierung

dieser Basisvorschrift erfolgt

bedarfsorientiert in speziellen Unfallverhütungsvorschriften

und im berufs-

vorschriften als auch staatliche Arbeitsschutzvorschriften

zu beachten. Auf

diese Weise werden im berufsgenossenschaftlichen

Satzungsrecht Inhalte

des staatlichen Arbeitsschutzrechts in

Bezug genommen und deren Anwendung

als Unternehmerpflicht in der Unfallverhütungsvorschrift

verankert.

Mit diesem Konzept wird jedoch keine

Vermischung der Rechtssysteme aus

einerseits staatlichem Arbeitsschutzrecht

und andererseits berufsgenossenschaftlichem

Satzungsrecht vorgenommen.

Vielmehr haben die Träger des staatlichen

ebenso wie die Träger des berufsgenossenschaftlichen

Arbeitsschutzes

ihr jeweiliges Recht zu vollziehen.

Der Unternehmer kann davon ausgehen,

seiner Verantwortung für Sicherheit

und Gesundheitsschutz der

Versicherten gerecht zu werden, wenn

er die neue Vorschrift einhält und dabei

das staatliche und berufsgenossenschaftliche

Regelwerk heranzieht.

Wenn er andere, als die in den BG-Regeln

aufgezeigten, Lösungen für seinen

Betrieb wählt, ist er verpflichtet nachzuweisen,

dass seine Präventionsmaßnahmen

die in den Vorschriften festgelegten

Schutzziele erfüllen.

Verantwortlich für die Durchführung

der Präventionsmaßnahmen ist der Unternehmer.

Die Versicherten haben die

Pflicht, den Unternehmer dabei zu unterstützen.

Die Aufsichtspersonen der

Berufsgenossenschaften (Technische

Aufsichtsbeamte) haben die Aufgabe,

Unternehmer und Versicherte zu beraten

sowie die Durchführung der betrieblichen

Präventionsmaßnahmen zu überwachen.

Ihre Beratung und Überwachung

umfasst neben der Einhaltung

materieller Pflichten aus berufsgenossenschaftlichen

Unfallverhütungsvorschriften

auch die Einhaltung der Inhalte

des staatlichen Arbeitsschutzrechtes.

Die Unfallverhütungsvorschrift gliedert

sich in acht Kapiteln, welche die

Unternehmer- und Versichertenpflichten

sowie Anforderungen an die Organisation

des betrieblichen Arbeitsschutzes

enthalten. Das Kapitel zur betrieblichen

Organisation ist unterteilt in

Abschnitte über die sicherheitstechnische

und betriebsärztliche Betreuung

sowie die Bestellung von Sicherheitsbeauftragten,

über Maßnahmen bei besonderen

Gefahren, die Erste Hilfe und

Persönliche Schutzausrüstungen. Des

Weiteren sind Kapitel über Ordnungswidrigkeiten

aufgenommen.

32 Steine + Erden 1/2004


Geltungsbereich

Die Unfallverhütungsvorschrift

„Grundsätze der Prävention“ (BGV A1)

gilt für Unternehmer und Versicherte

aber auch für Unternehmer und Beschäftigte

von ausländischen Unternehmen,

die eine Tätigkeit im Inland

ausüben. Auch Versicherte anderer Unfallversicherungsträger

sind in die Fürsorgepflicht

des Mitgliedsunternehmens

einzubinden (z. B. bei Tätigkeiten

auf dem Betriebsgelände).

Pflichten des Unternehmers

Der Unternehmer hat entsprechend

seinen Grundpflichten Maßnahmen

zur Verhütung von Arbeitsunfällen und

Berufskrankheiten sowie arbeitsbedingten

Gesundheitsgefahren zu treffen

sowie für eine wirksame Erste Hilfe

zu sorgen. Dabei ist insbesondere das

staatliche und berufsgenossenschaftlichen

Regelwerk heranzuziehen. Kosten

für die Maßnahmen dürfen den

Versicherten nicht auferlegt werden.

Außerdem hat er eine Beurteilung der

Arbeitsbedingungen – insbesondere

unter Berücksichtigung der mit der Arbeit

verbundenen Gefährdungen –

durchzuführen und zu überprüfen, die

Versicherten zu unterweisen, die Vergabe

von Aufträgen zu regeln und die

Zusammenarbeit mit mehreren Unternehmern

zu koordinieren. Die Befähigung

von Versicherten für ihre Tätigkeiten

sind zu berücksichtigen. Bei gefährlichen

Arbeiten muss eine mit der

Arbeit vertraute Person die Aufsicht

führen

Des Weiteren sind auch die Pflichten

des Unternehmers bei der Besichtigung

durch Aufsichtspersonen (Technische

Aufsichtsbeamte), Erlass von Anordnungen

und bzgl. Auskünfte geregelt.

Maßnahmen bei Mängeln,

Pflichtenübertragung und Ausnahmen

von Unfallverhütungsvorschriften bilden

den Abschluss dieses Kapitels.

Pflichten der Versicherten

Zunächst einmal haben die Versicherten

eine allgemeine Unterstützungspflicht

für den Maßnahmen des

Unternehmers. Durch Konsum von Alkohol,

Drogen oder anderen berauschenden

Mitteln dürfen sie sich selbst

und andere nicht gefährden; dies gilt

auch für Medikamente. Sie müssen

außerdem unmittelbar festgestellte erhebliche

Gefahren melden sowie Einrichtungen,

Arbeitsmittel und Arbeitsstoffe

bestimmungsgemäß benutzen.

Organisation des betrieblichen

Arbeitsschutzes

Der Unternehmer hat nach Maßgabe

des Arbeitssicherheitsgesetzes Sicherheitsfachkräfte,

Betriebsärzte und

auf Grundlage dieser Unfallverhütungsvorschrift

Sicherheitsbeauftragte

zu bestellen. Außerdem hat er Maßnahmen

bei besonderen Gefahren

(Brände, Explosionen) zu treffen, die Erste

Hilfe zu organisieren und Persönliche

Schutzausrüstungen bereit zu stellen

sowie für deren Benutzung zu sorgen.

Die Versicherten müssen die

Schutzausrüstungen bestimmungsgemäß

benutzen.

Ordnungswidrigkeiten

Einige der in der Vorschrift aufgeführten

Paragraphen sind bußgeldbewährt,

d. h. wer vorsätzlich oder fahrlässig

gegen die aufgeführten Paragraphen

verstößt, handelt ordnungswidrig.

Nur hinreichend bestimmte und konkrete

Pflichten werden bei Zuwiderhandlung

als Ordnungswidrigkeit geahndet.

Übergangs- und Ausführungsbestimmungen

Es gilt – soweit nicht anders bestimmt

– eine Frist von drei Jahren

nach Inkrafttreten für die Durchführung

von Vorschriften, die über das

bisher gültige hinaus gehen. Außerdem

sind Übergangs- und Ausführungsbestimmungen

für die Unfallverhütungsvorschrift

„Erste Hilfe“

(BGV A5), die mit Wirkung vom

1. Januar 2004 außer Kraft gesetzt

worden ist, angegeben.

Aufhebung von

Unfallverhütungsvorschriften

Insgesamt werden mit In-Kraft-Treten

der neuen BGV A1 15 Unfallverhütungsvorschriften

außer Kraft

gesetzt. Dies sind die „Allgemeinen

Vorschriften“ (VBG 1), die „Erste Hilfe“

(VBG 109), „Umgang mit Gefahrstoffen“

(VBG 91) und „Biologische

Arbeitsstoffe“ (BGV B 12) sowie 12

weitere Unfallverhütungsvorschriften

die dem Maschinenaltbestand zuzuordnen

sind.

Anlagen

Insgesamt hat die Unfallverhütungsvorschrift

drei Anlagen.

Anlage 1 bezieht sich auf staatliche

Arbeitsschutzvorschriften, in denen vom

Unternehmer zu treffende Maßnahmen

näher bestimmt sind.

Beispiele sind:

• Arbeitsschutzgesetz,

• Arbeitsstättenverordnung und

• Betriebssicherheitsverordnung

in ihrer jeweiligen gültigen Fassung.

Die Auflistung ist nicht als abschließend

anzusehen.

Anlage 2 beinhaltet die Zahl der Sicherheitsbeauftragten,

die durch den

Unternehmer zu bestellen sind. Die

Zahlen sind aus der alten Unfallverhütungsvorschrift

„Allgemeine Vorschriften“

(VBG 1) übernommen worden.

Anlage 3 legt die Voraussetzungen

für die Ermächtigung als Stelle für die

Aus- und Fortbildung in der Ersten Hilfe

fest.

Dipl.-Ing. Jürgen Koch, StBG

BAUMASCHINEN Marktübersicht

Preise

Tel. +49-911-430899-0 · www.lectura.de · E-mail: info@lectura.de Bewertung

Steine + Erden 1/2004 33

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine