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Die Gärten des Bauhauses

978-3-936314-34-2

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Inhalt

Heinz W. Hallmann: Vorwort 6

Walter Gropius und die Gärten des Bauhauses 8

Das Bauhausgebäude 22

Die Meisterhaussiedlung 60

Das Kornhaus 128

Die Siedlung Törten 148

Nachwort 170

Dank 172

Bildnachweis 174


14

Der Lageplan für das Haus Kallenbach von 1922 zeigt in der Freiraumgestaltung

analog zum Baukörper eine auffallend ausdrucksstarke Formgebung. Gropius hat

zu diesem Zeitpunkt mit Adolf Meyer, der bis 1925 sein engster Mitarbeiter war,

an diesem Projekt gearbeitet. Möglich wäre daher, dass Meyer die außergewöhnliche

Entwurfsarbeit beeinflusst hat. 15

Die formale Anlage von Beeten an der Gartenseite setzt sich in diesem Entwurf

fort, allerdings formiert sich jetzt der gesamte Gartenentwurf unmittelbar aus

der Gestalt des Hauses. Die dreieckigen Erker an der Rückseite des Hauses

wiederholen sich im Konzept des Gartens. Ein rhythmisierendes Zickzackmuster,

das sich aus einer Erkerspitze ableitet, wird an einer großen Platzfläche aufgefangen,

die gleichzeitig als Endpunkt einer Achse fungiert. Das Konglomerat

aus auffälligen geometrischen Flächen und Linien lenkt den Blick des Betrachters

geradezu weg von der Architektur und auf die expressionistisch gehaltene

Gartengestaltung.

Interessant ist über die Konzeption hinaus die plakative Kolorierung des Originalplans.

Der Obst- und Gemüsegarten und die Rasenflächen sind blau dargestellt,

bauliche Elemente einschließlich der Blumenbeete gelb. 16 Durch die eingehende

Achtung des Außenraums und den intensiven räumlichen und formalen

Dialog zwischen Haus und Garten bildet der Entwurf ein einzigartiges Beispiel

im gartenkünstlerischen Schaffen von Walter Gropius.


24

Bauhausgebäude vor der Einweihung:

Das Gelände ist noch

ungestaltet. Im Hintergrund sind

bereits die Holzpflöcke für die

geplanten Bäume beidseitig der

Straße zu erkennen.


Fotografische Dokumentation über die Entstehung des

Sportplatzes

Auf der Mensaterrasse, Sommer 1930: Der Sportplatz

liegt deutlich tiefer als das benachbarte Gelände. 1929

wurden entlang der Hardenbergstraße Bäume gepflanzt.

Der Platz wurde nicht eingefriedet.

Vorbereitungen für den geplanten

Sportplatz des Bauhauses,

Herbst 1926/Frühjahr

1927

Ansicht von Süden auf das Bauhausgebäude mit dem

Sportplatz, der als Lehmtennenplatz hergestellt wurde. 1929

wurden an der Hardenbergstraße ebenfalls Pflanzungen

durchgeführt (im Vordergrund eine neue Heckenpflanzung).

42


Heckenpflanzungen vor dem Bauhausgebäude,

im Vordergrund die Gropiusallee

mit Linden, 1969

Rasenflächen vor dem

Bauhausgebäude nach

dessen Zerstörung im

Zweiten Weltkrieg, 1945

55


Die Zeichnung von Carl Fieger bringt aber auch den Dialog von Natur- und Innenraum

deutlicher zum Ausdruck als die zahlreichen Schwarzweiß-Fotografien nach

der Errichtung der Bauten. Tatsächlich entwickeln sich die Vertikalen der großen

Fensteröffnungen in der visuellen Weiterführung zu Baumstämmen und die Flächen

der Flachdächer aus tragenden Balkonen und Terrassen zur Ergänzung der

Baumkronen. Die oft zitierten Worte von Gropius sind an dieser einfachen Strichzeichnung

sehr gut nachvollziehbar: „das einweben von baum- und pflanzenwuchs

zwischen die baukörper, der den blick öffnet und schließt, sichert wohltuenden

Kontrast, lockert und verlebendigt das schema, vermittelt zwischen

bauwerk und mensch und schafft spannungen und maßstab. denn architektur

erschöpft sich nicht in zweckerfüllung“. 10

Die Architektur der Meisterhäuser wird oft mit der Baukunst von Le Corbusier

in Verbindung gebracht – auch in diesem Zusammenhang erweist sich der Vergleich

als äußerst treffend. Beim Pavillon de l’Esprit Nouveau, der 1925 in Paris

für die „Exposition des arts décoratifs“ erbaut wurde, hat Le Corbusier in der

67


Ansicht der Terrasse, September 2004: Stufenanzahl und

Steigungshöhe sind unverändert, links neben der Treppenwange

das Grabungsprofil. Die ehemals durchgehende

Treppenwange ist nach der Zerstörung des Hauses abgetragen

worden. Auf der ursprünglichen Sandfläche unterhalb

der Terrasse entwickelte sich im Laufe der letzten 76

Jahre eine etwa 38 cm hohe Humusschicht. Durch gartenarchäologische

Grabungen konnte anhand des vorgefundenen

Grabungsprofils ein starkes Geländegefälle an dieser

Stelle nachgewiesen werden. Es beginnt unterhalb der Terrasse

und verläuft bis zum Ende des Gartens.

80


Straßenansicht, September 2004: Blick auf die heute noch

bestehende Doppelhaushälfte von Feininger und zur Rechten

der befestigte Bürgersteig, der mit Granitkleinstein und Betonplatten

gepflastert ist

eigenes Haus bezieht, trifft auch auf die Häuser der Meister zu. Aber nicht nur

die auskragenden Terrassen und Dachgärten stellen eine Beziehung zwischen

bebauten Strukturen und dem natürlich gewachsenen Umfeld dar. Beispielsweise

signalisieren bis an die Gebäudekante heranführende Sandflächen in ihrer

unbefestigten Bauweise einen behutsamen künstlichen Eingriff in den Kiefernwaldbestand.

Auf die ursprünglich von Gropius geplante Parzellierung des

Kiefernwaldes wurde verzichtet, das ursprüngliche Konzept der Privatgärten verworfen.

Das Doppelhaus von Feininger/Moholy-Nagy wurde direkt neben dem Wohnhaus

von Walter Gropius errichtet. 21 Die Aufnahme offenbart das linear zu den Doppel-

86


Eingangs

bereich des

Hauses

Feininger,

September

2004

Haus Feininger,

Gartenseite,

Ansicht

von Süden,

März 2003

Blick vom

Haus Gropius

auf das Haus

von Feininger/

Schlemmer,

2005

109


Gesamtansicht

des Gasthauses,

Terrasse

und Wallweg,

1930

Kornhaus von

Norden, um

1930

140


Blick auf den

ehemaligen

Konzertgarten,

September

2004

gebundene Wegedecke ohne Bordsteinkante, so wie von Carl Fieger vorgesehen.

Die Bepflanzung der Böschung an der Terrasse ist für das Gesamtbild störend

(siehe S. 136). Es entsteht ein ungepflegter Eindruck, der durch die, wie es

scheint, willkürliche Bepflanzungsart noch verstärkt wird.

Nach Abschluss des Forschungsprojektes im September 2004 bot sich ein in keiner

Weise nachvollziehbares Gesamtbild des Kornhauses. So scheinen der Einbau

der neuen Treppenanlage in die Böschung an der Ostseite und ebenso die

massiven Betonwände zum Hochwasserschutz die ehemalige Gestaltungsabsicht

für die Gartenanlage um das Kornhaus vehement zu zerstören.

Kornhaus,

Westansicht,

Juni 2004

143

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