Privileg verspielt?

bdvi.forum.de

Privileg verspielt?

Zeitschrift des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e. V.

Privileg verspielt?

ÖbVI und ihre

Kostenordnungen

Zwei Wege – ein Ziel

Daniel Kehlmann zur

Vermessung der Welt

GIS-ASP by ÖbVI

Ein Praxisbericht

DPAG PVSt G 50591 »Entgelt bezahlt« BDVI Berlin

31. Jahrgang

2005

ISSN 0342-6165

H E F T 4


SAMMEL-

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_DEUTSCHE GEODÄTISCHE KOMMISSION (DGK)

BDVI als ständiger Gast der DGK

Am 3. November 2005 wurde der BDVI e. V. im Rahmen

der ordentlichen Jahrestagung zum ständigen Gast der

Deutschen Geodätischen Kommission bei der Bayerischen

Akademie der Wissenschaften ernannt.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat

sich im Rahmen der Überprüfung der

Zulässigkeit des Internetauftritts eines

ÖbVI in seinem Urteil vom 22. September

2005 – Az.: 4 K 204/05 – wie folgt

mit der Zulässigkeit von Werbemaßnahmen

der Katasterämter befasst:

»Soweit gemeindliche Katasterämter eine

auffällige, anpreisende, über die sachliche

Information hinausgehende Werbung

für ihre hoheitliche Tätigkeit enthalten,

überschreiten sie den Rahmen

ihrer auf der Verfassung und dem Gesetz

beruhenden und durch sie begrenzten

öffentlich-rechtlichen Legitimation.

Anders als die beliehenen Vermessungsingenieure,

deren grundsätzliche Befugnis

zu werben aus der Ausübung eines

Freien Berufes folgt (vgl. § 1 Abs. 1 Satz 2

ÖbVermInBO NRW), aber gesetzlich eingeschränkt

werden kann, bedarf die

Werbung durch die öffentliche Hand bei

der Wahrnehmung von Hoheitsaufgaben

einer gesetzlichen Ermächtigung.

Das Vermessungs- und Katastergesetz

enthält sie nicht. Als Annex zu den darin

den Katasterämtern überantworteten

Aufgaben ist, wenn überhaupt, allenfalls

die sachlich neutrale, unauffällige Informationswerbung

als besondere Form der

MOSAIK

In seiner Eigenschaft als ständiger Gast wird der BDVI e. V. die

satzungsmäßigen Ziele der DGK nach Kräften unterstützen:

Wissenschaftliche Forschung auf allen Gebieten der

Geodäsie einschließlich Photogrammetrie, Kartographie,

Geoinformationswesen und ländliche Neuordnung

Organisation und Unterstützung sowie Beteiligung

an nationalen und internationalen Forschungsprojekten

und Beobachtungskampagnen

Vertretung der Geodäsie im nationalen und internationalen

Rahmen

Koordinierung aller Bereiche geodätischer Forschung

in der Bundesrepublik Deutschland

Koordinierung des Geodäsiestudiums an den wissenschaftlichen

Hochschulen der Bundesrepublik

Deutschland

Publikation ihrer Forschungsergebnisse und deren

Verbreitung

_WERBUNG DER KATASTERÄMTER

Verwaltungsgericht Düsseldorf befasst

sich mit Werbung der Katasterämter

kommunalen Öffentlichkeitsarbeit erlaubt.

Was darüber hinausgeht, greift

wettbewerbswidrig in die berufliche Betätigung

der beliehenen Vermessungsingenieure

ein.

Die Verquickung öffentlicher Aufgaben

mit erwerbswirtschaftlicher Tätigkeit zu

Lasten privater Wettbewerber ist verboten


Überschießende Werbeauftritte kommunaler

Katasterämter im Internet sind

gesetzwidrig und durch die Aufsichtsbehörde

zu unterbinden …«

4

193


194

MOSAIK MOSAIK

_BACHELOR- UND MASTERAUSBILDUNG

Studiengang Geodäsie und Geoinformatik

an der Universität Hannover

Im Rahmen der Hauptvorstandssitzung am 11. und 12. November

2005 in Schwelm verlieh der BDVI seinem langjährigen

2. Vizepräsidenten, ÖbVI Gunther Lencer, die Goldene

Ehrennadel für hervorragende Verdienste um den Freien

Beruf des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs in

Deutschland.

Besonders hervorzuheben sind hierbei seine konstruktive

und fruchtbare Arbeit in den Verbandskommissionen »Internationale

Angelegenheiten«, »Grundsatzfragen des

Berufes«, sein unermüdliches Wirken um den Erhalt und die

Novellierung der HOAI in der Kommission »HOAI / Gebührenrecht«

und sein bedeutender Einsatz in der Ingenieurkammer

Thüringen sowie die effektive Mitwirkung im AHO.

Gunther Lencer hatte zuvor seinen Rücktritt vom Amt des

2. Vizepräsidenten des BDVI erklärt.

In seiner Dankesansprache äußerte er Bedauern über sein Ausscheiden

aus dem Kollegenkreis des Präsidiums und des Hauptvorstands,

sieht sich jedoch aufgrund gesundheitlicher Zwänge

zu dieser Entscheidung gedrängt.

4

Der bisherige Diplomstudiengang Geodäsie und Geoinformatik an der

Universität Hannover wurde zum Wintersemester 2005/2006 durch einen

entsprechenden Bachelor- und Masterstudiengang ersetzt. Die Leistungen

der Studierenden werden von nun an nach dem European Credit

Transfer System bewertet.

Einen ersten berufsbefähigenden Abschluss

in Geodäsie und Geoinformatik

soll nach sechs Semestern der

»Bachelor of Science« darstellen, auf

den ab dem Wintersemester 2008/

2009 mit einem Masterstudiengang

aufgebaut werden kann.

Inwiefern der Arbeitsmarkt auf

dieses neue Angebot reagieren wird,

bleibt abzuwarten – in jedem Fall

werden sich die Arbeitgeber umstellen

müssen, und zwar nicht nur

hinsichtlich der Terminologie, sondern

vor allem der Leistungsinhalte

der künftigen Bewerber und Mitarbeiter


_EHRUNG

Gunther Lencer mit der

Goldenen Ehrennadel des BDVI geehrt

MARTIN HENSSLER*, KÖLN

Der BDVI wünscht Gunther Lencer für die Zukunft ein etwas

ruhigeres Fahrwasser, eine stabile Gesundheit und etwas mehr

Muße für sich und seine Familie.

_RECHTSPRECHUNG ZUR WERBUNG

BGH macht den Weg für multiprofessionelle

Kooperationen unter Freiberuflern frei

In seiner Entscheidung vom 25. Juli 2005 – Az.: AnwZ (B) 42/04

– hatte der BGH darüber zu befinden, ob eine Rechtsanwaltskanzlei,

die in ihrem Briefbogen auf eine nicht sozietätsfähige

Berufsgruppe (hier einen Architekten) als Kooperationspartner

verweist, gegen § 43b der Bundesrechtsanwaltsordnung und /

oder gegen § 8 der Berufsordnung für Rechtsanwälte verstößt.

Der BGH kommt zu dem Schluss, dass Kooperationen auch mit nicht

sozietätsfähigen Berufsgruppen zulässig sind. Dementsprechend

müsse auch die Kundgabe der auf Dauer angelegten beruflichen

Zusammenarbeit erlaubt sein, zumal Werbung für eine Kanzlei

unter die von Artikel 12 Grundgesetz geschützte Berufsausübungsfreiheit

falle.

Ihre Einschränkung bedürfte daher einer besonderen Rechtfertigung,

die hier nicht vorliegt. Eine Irreführung des Rechtsuchen-

_IMMOBILIEN-

WIRTSCHAFT

Immobilienanteil

am Volksvermögen

bei 88 Prozent

Im Auftrag der Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche

Forschung e. V. (gif)

hat das Münchener ifo Institut für Wirtschaftsforschung

e. V. erstmals die gesamtwirtschaftliche

Bedeutung der Immobilienwirtschaft

in Deutschland analysiert.

Danach belief sich das Nettoanlagevermögen

der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

zu Beginn des Jahres 2003 auf

über 6,5 Billionen Euro. Stolze 88 % hiervon

entfielen dabei auf den Immobilienanteil!

In Anbetracht dieser herausragenden Beträge

kann kein Zweifel daran bestehen, dass

die verfassungsrechtlich in Artikel 14 des

Grundgesetzes geregelte Eigentumsgewährleistungsfunktion

insbesondere Immobilien

betrifft und somit in besonderem Maße unser

Eigentumssicherungssystem schützt.

den dadurch, dass nicht sozietätsfähige Kooperationspartner nicht

denselben strengen Verschwiegenheitspflichten unterlägen wie

Rechtsanwälte, liege nicht vor.

Dass ein Architekt nicht in gleicher Weise der Pflicht der Verschwiegenheit

unterliege, könne vielmehr als allgemein bekannt vorausgesetzt

werden.

Die vorgenommene Form der Werbung diene eher den Interessen

der Rechtsuchenden an einer sachgerechten und qualifizierten Beratung.

Eventuell eröffnet diese höchstrichterliche Entscheidung auch der

Berufsgruppe der ÖbVI weitergehende Kooperationsmöglichkeiten

als bisher, insbesondere mit verwandten Berufsgruppen wie beispielsweise

Rechtsanwälten und Notaren, aber auch Architekten.

_HOAI

Honorarordnung für

Architekten und Ingenieure gilt

auch bei eBay-Auktionen

Bei eBay werden immer wieder wettbewerbswidrige

Angebote von Architektenund

Ingenieurdienstleistungen eingestellt,

die gegen die gesetzlich festgelegte

Honorarordnung für Architekten

und Ingenieure verstoßen.

Deshalb hat die Bundesingenieurkammer

mit eBay Gespräche geführt, in deren

Ergebnis sich eBay verpflichtet hat, die

Einstellung derartiger Angebote zu verhindern

und dagegen vorzugehen. eBay

schaltet daher seit dem 28. Oktober 2005

beim Erstellen von Verkaufsangeboten,

in denen ingenieurspezifische Begriffe

wie z. B. »Bauantrag« oder »Statik« verwendet

werden, automatisch einen gut

sichtbaren Warnhinweis mit folgendem

Wortlaut:

»Bitte beachten Sie, dass für Ingenieurund

Architektendienstleistungen eine gesetzlich

verbindliche Honorarordnung

(HOAI) besteht. Verstöße gegen die HOAI

sind wettbewerbswidrig und können durch

die Ingenieur- und Architektenkammern

entsprechend geahndet werden.«

Außerdem wird mit einem Link auf die Internetseite

www.bingk.de/hoai-info.htm

bei der Bundesingenieurkammer verwiesen,

wo weitere Hinweise zum Geltungsbereich

der HOAI und die Sanktionsmöglichkeiten

der Kammern bei wettbewerbswidrigen

Angeboten gegeben werden.

Ingenieure, die trotz aller nun gegebenen

Warnhinweise ihre Angebote einstellen,

können durch die Ingenieurkammern der

Länder abgemahnt werden. Im Übrigen hat

eBay zugesagt, wettbewerbswidrige Angebote

nach entsprechenden Hinweisen der

Kammern unverzüglich aus dem Netz zu

entfernen. Ferner hat die Bundesingenieurkammer

mit eBay einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch

über die Wirksamkeit

der Warnhinweise und eventuell weitere

präventive Maßnahmen vereinbart.

41

195


EDITORIAL

196

4

31. Jahrgang, 2005, Heft 4

Wir müssen jetzt das Richtige tun MOSAIK 193

Als Carl Friedrich Gauß wieder einmal die Mühsal der Messvorbereitungen für sein weit gespanntes

Triangulationsnetz, das sich von Göttingen bis hoch zur dänischen Grenze erstrecken soll, in seinen Knochen

spürt, beginnt er (so beschreibt es jedenfalls Daniel Kehlmann in seinem Buch »Die Vermessung der Welt«)

zu sinnieren.

»Bald würde all das eine Kleinigkeit sein. Man würde in Ballons schweben und die Entfernungen auf magnetischen

Skalen ablesen. Man würde galvanische Signale von einem Meßpunkt zum nächsten schicken und

die Distanz am Abfallen der elektrischen Intensität erkennen. Aber ihm half das nichts, er musste es jetzt tun,

mit Meßband, Sextant und Theodolit, in lehmigen Stiefeln, mußte dazu noch Methoden finden, auf dem Weg

reiner Mathematik die Ungenauigkeiten der Messung auszugleichen: Winzige Fehler addierten sich jedesmal

zur Katastrophe. Noch nie hatte es eine genaue Karte dieser oder irgendeiner Gegend gegeben« (mehr darüber

in diesem Heft).

Worüber sinniert das Genie? Über die große Spannung zwischen einer sich anbahnenden technisch-wissenschaftlichen

Entwicklung und den immer wieder neu empfundenen Alltagsmühen. Natürlich sieht das Genie

die Zukunft auf seinem Wissensfeld deutlicher als wir Verstandeszwerge. Aber Gauß entzieht sich deshalb

nicht den gestellten Aufgaben. Ganz im Gegenteil! Mit Heliotrop und Fehlerrechnung – um nur einige Beispiele

zu nennen – werden die Aufgaben lösungsfähig gemacht und die Zukunft vorbereitet.

Und nun springen wir mal in unseren ÖbVI-Alltag und fragen uns (zum Jahreswechsel darf man das ja), ob

uns das was »lehrt«.

Die These lautet: Unser Problem liegt nicht in der Gestaltbarkeit der Zukunft,

sondern in der Gestaltung der Gegenwart. Auch uns gelingt es, Zukunft zu beschreiben.

Einige berufsstandsrelevante Entwicklungen der kommenden Jahre lassen sich

durchaus benennen. Im IT-Bereich: GIS, digitale Signatur, Datenverbund. Im Bürobereich:

Leistungs- und Qualitätsrevolution, Wissensverbund, Fortbildungsprimat.

Jeder wird diese Auswahl leicht ergänzen können.

Viel wichtiger ist aber die Frage danach, was wir mit unserer Gegenwart anfangen.

Wie bewältigen wir unseren Alltag? Stärken wir unseren Berufsstand durch unser

Tun und bereiten damit die Zukunft vor? Oder stehen die ÖbVI vielerorts im Begriff,

Gegenwart und Zukunft in ihrem Alltag zu verspielen? Das sind die Fragen, denen

wir in diesem Heft nachgehen. Deshalb widmen wir uns beispielsweise so ausführlich

dem Thema der Missachtung des Kostenrechts.

Den Brandenburgern gebührt das Verdienst, mit der Podiumsdiskussion in Rathenow

gegenwartsnah auf diese Berufsstandsseuche öffentlich aufmerksam gemacht zu

haben. Vielleicht gebührt Baden-württemberger Kollegen bald Verdienst, einen Weg

aus dieser Berufskrise gefunden zu haben.

Mit guten Wünschen für die Gestaltung des kommenden Jahres

Ihr

2 0

0

6

INHALT

EDITORIAL 196

BERUF

■ Zu warm unterm »Mäntelchen«?

Podiumsdiskussion in Rathenow zur Unterbietung von Kostenordnungen 198

GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG

■ Fläche ist nicht gleich Fläche

Axel Ziemann, Petra Schmökel 210

BERUF

■ Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure –

Ein freier Berufsstand mit staatlicher Bindung

Hubertus Brauer 216

GRUND UND BODEN

■ Gegen die Abschaffung des

öffentlich-rechtlichen Abmarkungszwanges

Ralph Schulze 220

HOCHSCHULE

■ Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge

Hubertus Brauer 222

INTERNATIONAL

■ The Global Land Information Explosion

Gunther Greulich 226

TECHNIK

■ GIS-ASP by ÖbVI

Wolfgang Glunz 231

RECHT

■ Nur in zweiter Linie befugt 236

FORUM FUNDUS

31. Jahrgang, 2005, Heft 4

■ Rechts- und Hochwert 240

FORUM FEDERALE

■ Statistik schafft Transparenz

Hubert Middrup 242

BÜCHER 244

FORUM FUTURA 250

MOSAIK 255

IMPRESSUM 256

Niemand

unterbietet

198

Ob in der ÖbVI-Hörerschaft einer gewagt hätte,

einen Missbrauch der Kostenordnung einzugestehen?

Wie hätten die Kollegen aus Büros

und Amtsstuben reagiert?

Aber darum ging es nicht in Rathenow. Niemand

wollte Kollegen bloßstellen. Die Podiumsdiskussion

war darauf ausgerichtet, die

Wichtigkeit und Dringlichkeit dieses Themas

allen Zuhörern – und nun im FORUM auch

allen Lesern – vor Augen zu führen.

Vision of

GIS-Cooperation 226

Vor dem deutschen FIG-Jahr eignet sich

eine Vision zur transatlantischen Verbindung

von GIS-Systemen hervorragend, die Chancen

globaler Kooperation herauszustellen.

Der Sache tut es keinen Abbruch, wenn

Mr. Greulich einräumen muss, dass es möglicherweise

realistisch ist, “to expect a transition

period from one to three generations,

before it can be happen in the United States”.

Übergriffig 236

Es ist einfach eine Unsitte, sich Kompetenzen

anzumaßen, die außerhalb des Rechtsrahmens

liegen. Das Verwaltungsgericht Hannover

hat die kommunalen Vermessungsstellen

eindeutig in ihre Schranken gewiesen. Hoheitliche

Vermessungsaufgaben sind in erster

Linie Sache der Vermessungsverwaltungen

UND der ÖbVI. Basta!

4

197


BERUF

198

ZU WARM UNTERM

»MÄNTELCHEN«?

Podiumsdiskussion in Rathenow |1|

zur Unterbietung von Kostenordnungen

TILLY |2| | Meine Damen und Herren, Kolleginnen und Kollegen, im Jahre 2003 haben einige Brandenbur-

ger ÖbVI Kosten für öffentlich-rechtliche Vermessungsleistungen in Höhe von 100.000 Euro, im Jahre 2004

sogar in Höhe von mindestens 200.000 Euro zu wenig abgerechnet. Aus Unkenntnis oder aus Kalkül? Bei

einer Architektenumfrage bieten ÖbVI ihre Leistungen in einer Spanne zwischen 750 und 1.500 Euro an.

Was geschieht da? Sind sich die beliehenen Unternehmer des Privilegs einer allgemein verbindlichen

Kostenordnung nicht mehr bewusst? Ist die von mir provokativ als »wärmendes Mäntelchen« bezeichnete

Gebühren- und Kostenordnung vielleicht inzwischen ein alter Zopf? Haben EU, Wirtschaftsministerien

und Industrieverbände Recht, wenn sie Kosten- und Honorarordnungen als nicht zeitgemäß und ent-

wicklungshemmend geißeln?

Unsere Podiumsrunde zum Thema »Unterbietung von Kostenordnungen« ist so besetzt, dass die ver-

schiedenen Facetten des Umgangs mit der Kostenordnung beleuchtet werden können. Neben Herrn Minis-

terialrat Reinhard Klöppel, zugleich Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen

Deutschlands (AdV), dem Vorsitzenden der BDVI-Landesgruppe Brandenburg, Herrn Wolfgang Schultz,

dem BDVI-Präsidiumsmitglied und FORUM-Schriftleiter, Herrn Dr. Walter Schwenk, begrüßen wir als An-

tipoden ganz besonders Herrn Frank Witte, Professor für öffentliches Management und vehementer Kriti-

ker verkrusteter Marktstrukturen.

4

|1| »Kleiner Brandenburger Geodätentag« am 2. September 2005, seit zwölf Jahren stattfindende gemeinsame

Dienstbesprechung der ÖbVI und der Vertreter der Kataster- und Vermessungsverwaltung des Landes Brandenburg

|2| Diskussionsleitung: Dipl.-Ing. Heinrich Tilly, Präsident der LGB-Brandenburg

WITTE | Ich freue mich, dass ich die Diskussion mit einer

wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive eröffnen darf. Ich

denke Folgendes: Eine Gebühren- oder Kostenordnung mit

festgelegten Preisen kann durchaus eine Möglichkeit sein,

Qualitätsstandards zu sichern. Sie ist aber nicht die einzige

Möglichkeit, Qualitätsstandards zu sichern. Wenn eine Aufsichtsbehörde

nicht nur formalrechtlich prüft, sondern auch

die Qualität der Arbeit, lässt sich dadurch auch der Qualitätsstandard

sicher vorgeben. Dann bedarf es keiner Kostenordnung.

Dazu kommt aus meiner Sicht, dass bei unterstellten

hohen Fixkostenanteilen (bei den ÖbVI) der in der Kostenordnung

festgelegte Preis eigentlich nur dann stimmen kann, wenn

die Zahl der zugelassenen ÖbVI an das Auftragsvolumen

angepasst ist. Nur dann kann eigentlich in der Theorie des

Kostenrechnungssystems der kostendeckende Preis erzeugt

werden, der in der Gebühren- und Kostenordnung vorgegeben

wird.

Natürlich haben wir da mit einigen gebührenrechtlichen Prinzipien

zu kämpfen: Kostendeckungsprinzip als Allererstes,

aber auch das Äquivalenzprinzip. Aber – Sie verzeihen mir die

Betrachtung eines Außenstehenden: Wenn ich die von Herrn

Tilly vorgetragene Angebotsspanne der Vermessungsbüros

höre, dann muss ja eigentlich gar nicht mehr über Prinzipien

diskutiert werden.

Das Auftragsvolumen geht zurück, und in Brandenburg gibt

es pro Kopf der Bevölkerung zehnmal so viele zugelassene Vermesser

wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen. Ist dies der

Schlüssel dafür, dass viele ÖbVI ihre eigene Kostenrechnung

aufmachen? Ich unterstelle, dass die von den Ingenieuren (im

Rahmen der Testbefragung) benannten Preise für die einzelnen

Büros immer noch kostendeckend sind. Das bedeutet aus

meiner Sicht, dass die Kostenordnung eigentlich eine sehr

schwierige Konstruktion in der heutigen Zeit ist. Sie ist nicht

wettbewerbsfreundlich. Es werden Gebühren festgelegt, die offensichtlich

zu hoch sind.

TILLY | Herr Witte, herzlichen Dank. Sie widersprechen nicht,

dass die Qualität der Leistung nicht in Frage gestellt werden

darf. Sie befragen lediglich das Instrument der Gebühren- und

Kostenordnung.

SCHWENK | Zum Thema »Unterbietung von Kosten- (und

Vergütungs)ordnungen für Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure«

möchte ich zwei Aspekte hervorheben:

Da ist zunächst der gesellschaftlich relevante Aspekt. Die Gesellschaft

entscheidet darüber, wie wichtig ihr die Ergebnisse

der hoheitlichen Vermessung sind. Sind diese gesellschaftlich

bedeutsam, dann gibt es Sinn, sie in gewisser Weise zu schützen,

etwa durch Kostenordnungen. Dadurch erreicht man, dass

die Berufsausübenden die gewünschte hohe Qualität erbringen

und relativ unabhängig von den wirtschaftlichen Wirrungen

arbeiten können. Das findet man bei Ärzten, bei den Notaren,

bei den Prüfingenieuren. Ist das Vermessungswesen vergleichbar

wichtig?

Wir als Berufsausübende sagen ja, weil wir davon

leben, aber – und das ist der berufspolitische Aspekt

– wir müssen diese Wichtigkeit auch selbst

begründen. Wir müssen wissen, was einen Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieur ausmacht,

in der Abgrenzung gegenüber den Behörden,

den berufsverwandten Freiberuflern, gegenüber

den Gewerbetreibenden in Deutschland und

Europa. Wir müssen uns definieren können.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der

stolz auf seine Berufsausübung ist und um seine

Bedeutung weiß, seine Tätigkeit »unter Niveau«

anbietet. Aber es findet statt. Folglich entspricht

entweder das Wertverständnis der Gesellschaft

nicht unseren Vorstellungen oder aber das Berufsverständnis

der Beliehenen ist defekt.

TILLY | Wir haben Ihre Fragestellung gehört: Kommt der

Eigentumssicherung in unserer Gesellschaft der von uns vermutete

hohe Stellenwert nach wie vor zu? Wenn dem so ist,

dann sollte und muss der Staat auch Rahmenbedingungen

schaffen, die dem Beliehenen ermöglichen, seine Berufstätigkeit

so auszuführen, dass die Eigentumssicherung mit ihrem

hohen Genauigkeits- und Sicherheitsanspruch aufrechterhalten

werden kann.

BERUF

4

199


BERUF

200

4

1.350 E

»Eigenleistung des Auftraggebers«

1.000 E

»kenne das Gebiet«

SCHULTZ | Die Antwort des Vertreters der BDVI-Landesgruppe

Brandenburg auf die Frage nach dem Erfordernis einer

Kostenordnung ist ein eindeutiges Ja.

Wenn der Staat möchte, dass es Berufsgruppen gibt, die Aufgaben

von besonderem Stellenwert für die Gesellschaft unabhängig

und objektiv wahrnehmen, dann brauchen wir eine

Kosten- und Gebührenordnung. Und das ist in den Gesetzen

auch so vorgesehen. Dann muss allerdings auch dafür Sorge

getragen werden, dass unsere Berufsgruppe diese Tätigkeit

auch frei von wirtschaftlichen Zwängen objektiv und mit guter

Qualität realisieren kann. Hohe Qualität und Objektivität können

nur dann sichergestellt werden, wenn der Berufsausübende

wirtschaftlich unabhängig arbeitet. Eine wirtschaftlich gesicherte

Einnahme muss mir auch die Möglichkeit geben, mich

ES BEGINNT MIT DER KOSTENSCHÄTZUNG …

720 E

»habe vor fünf Jahren dort gemessen«

Teilung + ALP – ein Blick in den Alltag

1.150 E

»komme Ihnen entgegen«

1.410 E

»Rabatt auf Absteckung«

… UND ENDET MIT DER KOSTENFESTSETZUNG

700 E

»Festpreis«

durch Weiterbildung, durch Beschäftigung mit neuen Technologien,

durch Investition, durch Studium von Rechtsvorschriften

den sich verändernden Gegebenheiten anzupassen.

Natürlich muss die Frage gestellt werden: Erfüllt der Kollege,

der unterbietet, noch den mit der Kostenordnung verknüpften

Qualitätsstandard? Ich kann mich Prof. Wittes Aussage nicht

anschließen, dass wir außerhalb eines solchen staatlichen Normativs

auch dauerhaft Qualität liefern können. Sicherlich

bilden wir in unserer Gesellschaft eine Qualitätsinsel. Die Gesellschaft

ist geprägt von den Begriffen »Geiz ist geil«. Das ist

ja das gängige Schlagwort in allen gesellschaftlichen Bereichen.

Und man versucht, die Dinge mit dem minimalsten Geldaufwand

zu erwerben. Aber ich glaube, Kostendumping geht

am Ende unweigerlich zu Lasten der Qualität. Wer z. B. einmal

ein Haus gebaut hat, weiß, wovon ich spreche. Das ist unstrittig.

Und ich meine dazu – und das betrifft nicht nur die Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieure, sondern die gesamte

Berufsgruppe der Freien Berufe – wenn diese Arbeit tatsächlich

ihren Stellenwert in der Gesellschaft behalten soll, dann

braucht es eine Gebühren- und Kostenordnung für diese wirtschaftliche,

unabhängige Tätigkeit.

TILLY | Herr Klöppel, ich begrüße Sie als hessischen Kollegen

und zugleich als Vorsitzenden der AdV, was wohl zwangsweise

zu einer ministerialen Distanz und Ausgewogenheit

führen wird. Trotzdem hoffen wir auf eine klare Aussage.

KLÖPPEL | Schönen Dank. Ich bin natürlich auch Gast in

diesem Kreis. Und da ist in erster Linie für mich maßgebend,

inwieweit ich mich in spezifisch brandenburgische Problemlagen

hineinversetzen kann. Ich bitte auch um Verständnis dafür,

dass ich das Thema etwas generalistisch angehen möchte,

und zwar aus der Sicht des AdV-Vorsitzenden. Der hat nach

seinen Statuten, nach seinem Pflichtenheft, die Belange, ich

sage es mal so, des gesamten öffentlichen Vermessungswesens

zu vertreten. Sie als Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure

sind natürlich Teil dieses öffentlichen Vermessungswesens.

Und wenn der Staat diesen Gesamtkomplex einer speziellen

technischen Daseinsvorsorge sieht und Sie mit einbezieht,

also praktisch das Outsourcen zum Prinzip erhebt, dann hat er

natürlich auch ein Interesse daran, dass die Standards, die er

in diesem Dienstleistungsbereich setzt, auch von denen, die

outgesourct staatliche Leistungen erbringen, eingehalten werden.

Und die Antwort auf die Frage von Herrn Tilly, die ja etwas

suggestiv gestellt wurde, schützendes Mäntelchen usw. ...

TILLY | Wärmendes Mäntelchen ...

KLÖPPEL | Ja, wärmendes ... ist für mich relativ klar und

einfach zu beantworten. Diese Kostenordnung ist nur eine Seite

der gleichen Medaille, die ich mit öffentlicher Beleihung benennen

möchte. Sie erfüllen hoheitliche Aufgaben, die sehr

staatsnah sind und direkt mit der Registerführung und all dem,

was im hoheitlichen Kataster und im Grundbuch passiert, zu

tun haben. Und systemimmanent ist, dass die Dienstleistung,

die aus diesem Bereich herausfließt, mit Gebühren belegt ist.

Und da Sie daran beteiligt sind, erheben Sie auch Gebühren.

Wenn jetzt wegen irgendwelcher wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

dieses System in Unordnung gerät, weil wir, wie

Prof. Witte sagt, zu viele Anbieter am Markt sind im Vergleich

zur Nachfrage oder weil man innerhalb dieses outgesourcten

Bereichs in einen – und das ist eigentlich der richtige Begriff

– unlauteren Wettbewerb hineingeht und damit im Grunde

genommen das ganze System aushöhlt, sägen Sie den Ast ab,

auf dem das gesamte öffentliche Vermessungswesen sitzt. Das

ist das, was ich als AdV-Vorsitzender zu dieser ganzen Problematik

hier eigentlich nur warnend sagen kann. Also, die

Gebührenordnung ist weniger ein wärmendes Mäntelchen als

systemimmanent für hoheitliche Leistungen. Wenn an dieser

Stelle das System erodiert, erodiert Ihr Status als beliehener

Unternehmer. Das ist im Endeffekt die Konsequenz. Und das

gilt nicht nur für Brandenburg. Das gilt für alle anderen Länder,

in denen Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure tätig

sind.

TILLY | Wenn hier Einigkeit darüber besteht, dass wir an der

Qualität keine Abstriche machen dürfen, dann stellt sich ja die

Frage: Wie garantiert denn der Staat die Qualität? Gibt es andere

Instrumente als Kostenordnungen, mit denen

der Staat diese eine gewünschte Qualität

garantieren kann? Soll der Staat die Qualitätsprüfung

selbst durchführen? Brandenburg geht

ja einen anderen Weg: Der Öffentlich bestellte

Vermessungsingenieur soll mit seinem Siegel und

mit seiner Unterschrift für diese Qualität geradestehen.

Die Katasterbehörden haben eigentlich

keinen Anlass, hier noch mal zu prüfen.

WITTE | Die Qualität der Arbeit der ÖbVI möchte

ich überhaupt nicht in Frage stellen. Sie erbringen

eine sehr hochwertige Dienstleistung, die in

unserem Land zur rechtlichen Sicherheit am

Eigentum beiträgt. Wenn wir jetzt fragen, wie wir

Qualität sichern können, dann denke ich, ist für

eine Qualitätssicherung immer ein großes Stück

Vertrauen erforderlich. Das haben Sie genauso bei

den Notaren, das haben Sie bei den Rechtsanwälten

und auch bei den Steuerberatern. Allerdings

erfolgt da eine Qualitätssicherung durch die

jeweilige Kammer und die Kammergerichtsbarkeit

mit den entsprechenden Auswirkungen. Wenn Sie

keine Kammer wollen, dann kann das, was hier vorgestellt

wurde, natürlich ganz genauso auch von einer Behörde übernommen

werden. Und dann ist es eben keine formalrechtliche

Prüfung der Geschäftsführung mit Prüfung des Geschäftsbuchs

und der Aktenführung, sondern dann bestimmt diese Prüfung

die Qualität der Vermessung. Das kann man stichprobenartig

machen. Es muss nicht jede Vermessung geprüft werden. Aber

das halte ich für einen ganz akzeptablen Weg der Qualitätssicherung.

SCHULTZ | Ja, also meine Auffassung ist, dass sich Bearbeitungsqualität

nicht durch eine behördliche Aufsicht prüfen

lässt. Wie gut oder wie schlecht ein Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur

seine Dienstleistung erbringt, lässt sich anhand

der Aktenlage nur oberflächlich bewerten. Wie gut er

berät, wie gut und unabhängig er Rechtsnormative dem Bürger

vermittelt, ergibt sich nicht aus den Vermessungsschriften.

Wir müssen anders anfangen. Wenn wir annehmen müssen,

BERUF

4

201


BERUF

202

»MAN HÖRT VIEL DAVON«

INTERVIEW ZUM THEMA

UNTERBIETUNG VON KOSTENORDNUNGEN

Die Kaffeepause vor der Podiumsdiskussion nutzte

die Redaktion für eine Kurzumfrage bei Teilnehmern

des »Brandenburger Geodätentages« 2005.

Klaus-Dieter Harth

FORUM | Es findet gleich eine Podiumsdiskussion zum

Kostenrecht, zur Frage des Einhaltens oder des

Unterbietens der Kostenordnung statt. Ist das

für Sie ein Thema?

Klaus-Dieter Harth | Ja, das ist ein wichtiges Thema.

FORUM | Unterbieten Sie die Kostenordnung?

Klaus-Dieter Harth | Nein, natürlich nicht, so etwas

macht man doch nicht.

FORUM | Wieso macht man das nicht?

Klaus-Dieter Harth | Na weil man das eben nicht macht.

FORUM | Ich hätte gern einen richtigen Grund.

Klaus-Dieter Harth | Ich würde schließlich auf Geld

verzichten, das mir rechtmäßig zusteht.

dass Kollegen aus unserer Berufsgruppe die Kosten- und Gebührenordnung

nicht einhalten, dann sollte der Staat veränderte

Rahmenbedingungen schaffen. Wenn wir in Brandenburg

157 ÖbVI haben und die Nachfrage nach dieser Art von

Vermessungsdienstleistung diese hohe Anzahl von ÖbVI einfach

nicht mehr rechtfertigt, dann sollte man darüber reden.

Auch darüber, inwieweit die Art und Weise, Kostenbescheide

zu erstellen, in den einzelnen Vermessungsbüros tatsächlich

noch dem ÖbVI-Status gerecht wird. Dahinter steckt auch die

Frage nach einer notwendigen Berufsmoral – ein Dauerthema

des BDVI.

4

TILLY | Was mich die ganze Zeit über bewegt, ist: Wie positioniert

sich denn der BDVI zum Status des Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieurs? Ist dieser nun ein Unternehmer,

der im Wettbewerb steht, oder sucht der Öffentlich Bestellte

doch die Nähe zum Notar? Mir ist aufgefallen, dass selbst im

FORUM 1/2005, das manchmal nicht ganz sauber auseinander

gehalten wird. Da spricht man einmal von einem staatlich

gebundenen Beruf wie dem Notar und an anderer Stelle vom

Öffentlich Bestellten als freiem Unternehmer. Was sind Sie

denn jetzt? Machen Sie Leistungs- oder Kostenwettbewerb?

Wie sieht denn da die Bundesauffassung aus?

SCHWENK | Die ÖbVI sind in 15 Bundesländern unterschiedlich

organisiert. Das Spektrum reicht vom öffentlichen

Amt bis zum so genannten beliehenen Unternehmer. Und

wenn sich die Landesgruppenvertreter treffen, dann dauert es

immer mindestens eine Stunde, bis man sich auf ein gemeinsames

Vokabular verständigt hat. Das gegenseitige Verstehen

ist mindestens so schwer wie in der AdV.

Der BDVI hat irgendwann mal angefangen, eine Musterberufsordnung

zu formulieren. Damals war die Musterberufsordnung

abgestellt auf den so genannten beliehenen Unternehmer. Der

BDVI hatte die Hoffnung, dass in dem zweigeteilten Berufsbild

das Verständnis des Beliehenen, des mit hoheitlichen Vermessungsaufgaben

betrauten Ingenieurs auf seine übrige Ingenieurtätigkeit

ausstrahlt – im freiberuflichen Bereich wie im

gewerblichen Bereich. So war das gedacht. Dann gab es verschiedene

Entwicklungen, die dazu geführt haben, dass etliche

gerufen haben: Dieses Modell wollen wir nicht. Wir wollen uns

stärker an der Verwaltung orientieren. Die Verwaltung soll uns

auch kontrollieren dürfen. Dann soll sie aber auch unsere Berufszukunft

sichern. Und wenn es dazu führt, dass es z. B. in

Zukunft in jedem Brandenburger Kreis nur einen ÖbVI gibt. Das

ist die andere Seite. Und zwischen diesen Positionen bewegen

wir uns. Und wenn Brüssel sagt: Wir überziehen euch mit einem

Vertragsverletzungsverfahren, dann wird gezittert und dann

werden alle Entwicklungen hin zu einem eigenverantwortlichen

Ingenieur gestoppt. Dann guckt man wieder erwartungsfroh

zu der Institution hin, die uns die Berufsausübung im hoheitlichen

Bereich überhaupt ermöglicht. So geht das hin und her.

»MAN BRAUCHT

KONKRETE BEWEISE«

FORUM | Nichteinhaltung der Kostenordnung, Gebührenunterbietung

– gibt es das?

Andreas Schmidt | Man hört viel davon.

FORUM | Haben Sie schon einmal unterboten?

Andreas Schmidt | Nein!

FORUM | Was können die Gründe sein, weshalb Kollegen

das Kostenrecht untergraben?

Andreas Schmidt | Ganz klar der Wettbewerbsdruck. Man

hat Kosten im Unternehmen und will versuchen,

den Umsatz, den man bisher hatte, zu

halten.

FORUM | Und die wirtschaftlichen Umstände sind hart

... Wenn Sie davon hören, wie gehen Sie damit

um?

Andreas Schmidt | Das ist schwierig. Im Regelfall hat man

keinen konkreten Beweis, sondern nur Indizien,

Anhaltspunkte, Meinungen und Aussagen. Und

nur die Tatsache, dass jemand etwas billiger anbietet,

heißt noch lange nicht, dass es sich wirklich

um eine Gebührenunterschreitung handelt.

Andreas Schmidt

FORUM | Werden Verstöße an den BDVI oder an die

Aufsichtsbehörde gemeldet?

Andreas Schmidt | Ja, es gibt verschiedene Vorgänge,

die auch beim BDVI diskutiert werden. Man

braucht aber immer – auch bei der Aufsichtsbehörde

– konkrete Hinweise.

TILLY | Hm, also alles hoch sensibel. Hoheitliche Katastertätigkeit

auf der einen, freiberufliche oder gewerbliche Ingenieurleistungen

auf der anderen Seite. Vermindert sich der hoheitliche

Teil, stellt sich wirklich die Frage: Wodurch wird ein

ÖbVI-Büro bestimmt? Können wir uns in Europa diesen »ÖbVI-

Zopf« noch erlauben?

KLÖPPEL | In der Tat ist für die Beantwortung dieses

Fragenkomplexes das europäische Recht mitentscheidend,

und hier insbesondere die Regeln

über den europäischen Binnenmarkt und ganz

speziell die so genannte Dienstleistungsfreiheit.

Was ist da der Maßstab für die Unterscheidung

zwischen dem hoheitlichen bzw. öffentlichrechtlichen

Bereich (synonyme Begriffe) und dem

freiberuflichen, nicht beliehenen Bereich? Die EU

hat Zweifel daran, dass der Leistungskern, wie er

in den Berufsordnungen als hoheitlicher Bereich

der ÖbVI definiert ist – Katastervermessung mit

anschließendem Verwaltungsakt, Grenzfeststellungsbescheid

oder Zerlegungsbescheid – dass

diese Leistungen überhaupt im Sinne der EU-

Nomenklatur noch öffentlich-rechtlicher Natur

sind. Und weil das dann natürlich die Grundfesten

des Berufsstandes und auch unseres beruflichen

Gesamtverständnisses berührt, hat sich der AdV

unterstützend hinter die Länder Nordrhein-Westfalen

und Rheinland-Pfalz gestellt, an denen

musterhaft ein EU-Konformitätsprüfungsverfahren

vollzogen werden sollte. Es befindet sich

ja inzwischen im auslaufenden Stadium – Sie

haben es vielleicht mitbekommen –, weil man es

wohl mangels Dringlichkeit einstellt.

Aber da liegt genau der Kern des Problems: EU-Referenz ist

ein Maßstab dafür, ob wir uns heute noch mit dem, was Sie

als Beleihung empfinden, im öffentlich-rechtlichen Bereich bewegen

oder nicht. Die Maßstäbe der EU sind wesentlich strenger

als die nationalen Regeln. Wenn ein Berufsstand durch sein

Verhalten zu erkennen gibt, dass er bei erstbester Belastung

aus dem hoheitlichen System heraus in gewerbliche Verhaltensweisen

zurückfällt, dann ist es natürlich der EU immer

weniger einsichtig, dass man in Deutschland diesen geschützten

Bereich noch braucht. Nur dieser schmale Bereich

– Katastervermessung, Verwaltungsakt, Führung des Eigentumssicherungssystems

– ist öffentlich-rechtlich. Diese Tätigkeiten

sind überhaupt der Grund dafür, dass Sie beliehene Unternehmer

sind. Beliehen heißt: mit staatlichen Aufgaben beliehen.

Dagegen sind im gesamten Bereich der Ingenieurvermessung

meines Erachtens die Grenzen fließend. Das betrifft

den Lageplan, Absteckungen, Höhenaufnahmen usw.. Diese

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»FREIHÄNDIGE VERGABE«

FORUM | Sie sind kein Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur?

Winfried Nowak | Nein, ich bin Regionalteamleiter im

Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft

und Flurneuordnung.

FORUM | Berührt Sie die jetzt folgende Podiumsdiskussion

über das Kostenrecht trotzdem oder ist

das kein Thema für Sie?

Winfried Nowak | Das Thema berührt mich schon. Meine

Aufgabe beim Landesamt ist u. a. das Vertragswesen

mit den ÖbVI. Da ist es schon

bedeutsam, ob es nach wie vor eine Kostenordnung

mit einer Preisfixierung gibt oder ob

mehr Freiheit auf dem Markt angesagt ist.

Winfried Nowak

FORUM | Haben Sie schon Gebührenunterbietungen erlebt?

Winfried Nowak | Nein, das ist bei uns nicht der Fall.

Ich habe die Möglichkeit der freien Vergabe.

Wir haben Landesmittel zu vergeben, deshalb

haben wir damit keine Konflikte.

FORUM | Sie vergeben freihändig Arbeiten aus dem öffentlich-rechtlichen

Bereich?

Winfried Nowak | Ja, das ist richtig, wir vergeben Vermessungsleistungen

an ÖbVI freihändig, gerade

weil wir eine Kostenordnung haben.

eindeutig nicht hoheitlichen Aufgaben sind voll dem rauen

Wind des Wettbewerbs ausgesetzt, der von der EU und auch

von unserer Wirtschaftspolitik ausdrücklich gewollt ist.

TILLY | Lassen Sie mich provozierend fragen: Kann es ange-

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hen, dass wir ständig Tätigkeiten als hoheitlich bezeichnen, die

möglicherweise deregulierungsfähig sind? Andererseits: Wie

steht es mit der Rechtssicherheit der Bürger? Gegen einen

Kosten- und Gebührenbescheid kann der Bürger Widerspruch

einlegen. Notfalls auch klagen. Das ist eine hohe Rechtssicherheit.

Bei privatrechtlicher Abrechnung vermindert sich möglicherweise

der Rechtsschutz oder die Anspruchshaltung des

Bürgers.

WITTE | Dazu habe ich vermutlich eine ganz andere Meinung.

Der Ausgangspunkt meiner gesamten Argumentation ist doch,

dass die in der Kostenordnung verankerten Preise für das

einzelne Vermessungsbüro auskömmlich sind. Davon gehe ich

aus. Ein Vermessungsbüro wird doch für einen Auftrag nur

Preise benennen, die bürointern wirtschaftlich vertretbar sind.

Natürlich gehört da auch das Rockefeller-Prinzip dazu: Verschenke

Petroleumlampen und verkaufe das Petroleum anschließend

teuer. Sie denken ja auch an morgen, und das ist

natürlich. Dieses Verhalten zerstört aber Ihr Rechtsgefüge.

Ich denke, dass Sie insgesamt an der Reputation Ihres Berufsstandes

arbeiten müssen, dass er gesellschaftlich präsenter wird,

dass überhaupt klar wird, welche – und jetzt kommen wir auf

den Anfangsteil – Wertigkeit eigentlich damit verbunden ist.

Ich versetze mich mal kurz in einen Bürger aus Brandenburg.

Wie oft hat der Kontakt mit Ihnen? Er hat doch nur dann Kontakt

mit einem ÖbVI, wenn er zur Einmessung seines Hauses

oder seiner Fertiggarage aufgefordert wird. Und das passiert

ein-, zweimal in seinem Leben. Und dann bekommt er einen

Kostenbescheid, den er stirnrunzelnd betrachtet: Jetzt waren

die Leute ein, zwei Stunden auf meinem Grundstück, und dann

kommt da eine Rechnung über 700 Euro. Und er liest, dass es

sich auch noch um eine öffentlich-rechtliche Forderung handelt.

Meine Damen und Herren, wissen Sie überhaupt, in welch komfortabler

Lage Sie sind? Eine öffentlich-rechtliche Forderung

in den Händen – das hätte ich auch gerne.

SCHWENK | Zur heutigen Wertigkeit der Eigentumssicherung,

liebe Kollegen: Es gab eine Zeit, da war Eigentumssicherung

in aller Munde, nämlich zur Zeit der Wende, als die

Eigentumsverhältnisse wieder neu begründet werden mussten.

Da hatten die ÖbVI auch gar keine Probleme, den Bürgern die

Bedeutung ihres Berufes verständlich zu machen. Was wir möglicherweise

in dieser Zeit versäumt haben, ist die Arbeit am

Berufsverständnis. Wir brauchen Antworten darauf, wie sich

der ÖbVI-Status heute gegenüber der Gesellschaft begründen

lässt. Dabei müssen die ÖbVI lernen, in ihrem beruflichen Spannungsfeld

zu leben. Sie sind auf der einen Seite den öffentlichrechtlichen

Vorschriften in besonderer Weise verpflichtet. Aber

sie sind eben auch unternehmerisch tätig. Vielleicht sollte der

BDVI seinen Mitgliedern nicht nur Fach-, sondern auch (wieder)

Berufsrechtsseminare anbieten, damit es nicht dahin kommt,

dass die Kollegen selbst ihren Berufsstand demontieren.

SCHULTZ | Ich bitte, Folgendes zu sehen: 157 ÖbVI in Brandenburg

stehen untereinander im Wettbewerb und kämpfen

um Aufträge. Das ist so. Wenn Sie sich in die Lage desjenigen

versetzen, der als Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur

um sein wirtschaftliches Überleben kämpft, dann sind Ihnen

Normative und Berufsordnung letzen Endes egal. Wir müssen

das zur Kenntnis nehmen. Die Gesellschaft bestimmt die Rahmenbedingungen.

Und die sind extrem schwierig.

TILLY | Vielen Dank für diese offenen Worte, Herr Schultz.

Lassen Sie mich darauf mit einer Perspektive antworten, wie

man diese Schieflage zwischen Status und Verhalten beseiti-

»ALLEIN AUS

EXISTENZGRÜNDEN«

FORUM | Ist die Unterbietung von Gebührenordnungen

ein Thema für den BDVI oder nicht?

Paul Telthaus | Natürlich, das ist wichtig.

FORUM | Haben Sie die Kostenordnung schon einmal

unterboten?

Paul Telthaus | Nein.

FORUM | Können Sie sich vorstellen, dass Kollegen

unterbieten?

Paul Telthaus | Ja, das ist tatsächlich der Fall.

FORUM | Und warum verhalten sich Kollegen derart?

Paul Telthaus | Ich denke, sie machen das allein aus

Existenzgründen.

FORUM | Warum unterbieten ÖbVI gerade dort, wo sie

durch klare verbindliche Regelungen unterstützt

werden?

Paul Telthaus | Die Kostenordnung ist für uns bindendes

Recht und ich frage mich, wie der, der dieses

Recht missachtet, mit anderen Vorschriften umgeht.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand,

der die Kostenordnung nicht einhält, andere

Vorschriften, wie z. B. die HOAI, beachtet.

gen könnte. Hilft eine ÖbVI-Kammer oder die LGB, der Landesbetrieb

Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg,

als zentrale Abrechnungsstelle? (Gelächter)

SCHWENK | In der Tat wäre hier eine Möglichkeit, zu sagen:

Wenn Ihr ÖbVI nicht richtig abrechnen könnt, dann tun wir es.

Herr Schultz hat aber richtig festgestellt, das ist unser Problem.

Das Unterbietungsverhalten ist ein Problem der ÖbVI, und

zwar nicht nur in Brandenburg, sondern in allen

Bundesländern.

Was ist zu tun? Der ÖbVI, der davon betroffen ist,

dass der Kollege XY um 50 % unterboten hat und

sich damit noch brüstet, fühlt sich zunächst versucht,

auch zu unterbieten. Vielleicht fällt ihm

aber auch ein, dass er sich mit Kollegen solidarisieren

könnte. Ich kenne Versuche, dass sich

vier, fünf, sechs Kollegen zusammenschließen und

bei Mondlicht schwören, sich bei allen großen

Aufträgen über 500 Euro abzustimmen. Das geht

14 Tage gut, und dann winkt ein Großauftrag –

und es ist alles vorbei. Aber das zeigt schon in

die richtige Richtung. Man muss sich mit Gleichgesinnten

zusammentun. Sie in Brandenburg

kennen das Modell der 40 Prüfingenieure, die gesagt

haben: Wir bilden eine zentrale Angebotsund

Abrechnungsstelle. Es müssen am Anfang

nicht alle mitmachen. Wenn es 60 % sind, dann

ziehen wir den Rest später nach.

Im BDVI wird ein Modell diskutiert, das bereits in

Baden-Württemberg im Entstehen ist: eine den

Prüfingenieuren vergleichbare Angebots- und Abrechnungseinrichtung,

aus meiner Sicht noch ein bisschen kompliziert.

Dahinter steht, dass die ÖbVI ein Stück ihrer Kompetenz

abgeben, aus der Selbsterkenntnis heraus: Allein packen wir

es nicht. Lasst uns eine Institution einschalten und darüber

wieder zu einem berufsrechtsadäquaten Verhalten kommen.

Die ÖbVI müssen sich selbst organisieren und die Schieflage

wieder in Ordnung bringen. Einen Versuch ist es wert.

TILLY | Gut, dann wäre das der Abschied vom individuellen

Kostenbescheid. Ein anderes Modell wäre die zentrale Abrechnungsstelle

durch eine hoheitliche Institution, oder?

KLÖPPEL | Sie fragen mich, was ich von diesen Modellen

halte. Eindeutige Antwort: Von allen drei Modellen, die ich hier

zur Kenntnis nehme – Inkasso-Abrechnungsstelle, verstärkte

Aufsicht oder Kammeraufsicht für die Öffentlich Bestellten –,

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»ES GEHT AUCH UM DIE

RAHMENBEDINGUNGEN«

– SAALDISKUSSION –

SCHRÖDERMEIER, ABTEILUNGSLEITER KVA

ELBE-ELSTER: | Ich denke mal, Herr Klöppel hat Recht.

Wir sollten mehr an die Ursachen herangehen. Und dazu gehört

auch Folgendes: Die Administration muss auch ihren Beitrag

leisten, indem sie das Gebührenrecht überprüft. Ich möchte

das mal ganz plakativ an einem Fall festmachen, der mitten

aus dem Leben gegriffen ist. Wenn Sie für einen Amtlichen

Lageplan (Herr Klöppel, der Amtliche Lageplan in Brandenburg

ist eine hoheitliche Aufgabe) einen Aufwand von eineinhalb

Tagen Außendienst und von eineinhalb Tagen Innendienst

haben – im Außendienst zwei und im Innendienst ein Mitarbeiter

–, ergibt sich für ein fünf Hektar großes Grundstück im

Ergebnis eine unverhältnismäßig hohe Gebühr, die kein Bürger

versteht. Da ist eine Schieflage. Da können Sie mir sagen,

was Sie wollen.

KLÖPPEL | Wir liegen gar nicht auseinander. Diese Fälle sind

längst von der Gerichtsbarkeit überprüft. Die verletzen ganz

einfach das Verbot des Übermaßes. Wenn also zwischen dem

ausufernden Äquivalenzprinzip und dem Kostendeckungsprinzip

dieser Spagat entsteht, ist diese Gebührenstelle eindeutig

rechtswidrig. D. h. also, wenn Sie hier keine Deckelung

eingeführt haben oder wenn dieses am Bodenwert oder am

Bauwert orientierte Modell mit offenem Ende nach oben weitergetrieben

wird, kommen Sie in eine Schieflage.

4

PÖTINGER | Man kommt nicht um die Feststellung herum:

Wettbewerb ist da. Aber es sollte meiner Ansicht nach ein Leistungswettbewerb

sein. Der Wettbewerb allein wird es nicht

richten (wie oft beschworen). Ich erinnere mich an die Zeit, als

jeder ÖbVI im Land herzlich begrüßt wurde. Wir brauchten

damals jeden Freiberufler, um die Situation nach der Wende

zu bewältigen. Als sich das wirtschaftliche Gefüge dann veränderte,

wurden Fragen nach einem neuen Rahmen mit dem Hinweis

auf den Wettbewerb abgewehrt. Jetzt kommen wir in eine

Lage, wo diese Dinge sich prekär entwickeln. Der Freiberufler

hat das Problem, dass er langfristige Verbindlichkeiten eingegangen

ist und dass er einen Personalstamm braucht. Wir haben

mit unseren Leuten 10, 15 Jahre lang hart gearbeitet und Höhen

und Tiefen durchgestanden. Wir können nicht sagen, jetzt entlassen

wir einfach mal großzügig. Ich glaube, so viel Ethos hat

jeder. Und da ist es verständlich, dass ein Kollege denkt: Wichtig

ist für mich nicht die Kostenordnung, sondern die Kostendeckung.

Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass diese

Haltung zu Fehlentwicklungen führt.

Ich bitte also auch den Aspekt zu beachten, dass die Rahmenbedingungen

für ÖbVI nicht nur von uns allein, sondern

eben auch vom Land Brandenburg mitgeschaffen wurden.

1. ZUHÖRER | Also ich finde, das Problem Unterbietung

ist nur dadurch entstanden, dass zu viele ÖbVI zugelassen worden

sind. Meiner Ansicht nach müsste so eine Art Gebietsschutz

hergestellt werden. Dass man jetzt sagt: Man deckelt, man lässt

keine mehr zu, man versucht ÖbVI da in der Region so zu halten,

dass die da ihr Auskommen haben. Denn das Problem

entsteht ja nur gerade dadurch, dass ein Kunde sich mehrere

Angebote einholen kann und dadurch eben auch mehrere

Angebote aus dem Gebiet erhält. Und wenn das nicht sein

würde, dann wäre eben die Gebühr fertig.

Zwischenruf | Nein.

ÖbVI | Na ist doch so.

Zwischenruf | Das ist nicht richtig.

2. ZUHÖRER | Zur Regulierung: Also das wundert mich,

dass die ÖbVI wieder nach dem Staat rufen. Die Entwicklung

in der bundesdeutschen Landschaft läuft doch woandershin:

zur Deregulierung und Privatisierung. Und das bedeutet auch

Wettbewerb. Das wundert mich, dass man sagt: Ich darf, die

anderen dürfen aber nicht.

TILLY | Dieses Thema hat lange unsere Diskussionen mit dem

BDVI bestimmt. Ich gestatte mir, die Zeitscheibe zurückzudrehen.

1990 bis 1995: Vermessungsbefugtenprüfung. Hätten

wir damals zu dem Zeitpunkt schon berechnen sollen:

50 ÖbVI reichen für das Land Brandenburg? Wir haben uns für

Niederlassungsfreiheit entschieden.

Also, das war und ist unsere Auffassung. Das bedeutet dann

aber auch Leistungswettbewerb. Wir setzen keine Bedarfsgrenzen.

Das ist wirklich eine Selbstentscheidung des Berufsanfängers,

der ja vor Berufsbeginn weiß, worauf er sich einlässt.

Und da sollte sich der Staat raushalten und nicht Amtsbezirke

zuweisen. Dass die Zeiten jetzt schwieriger werden,

okay, das ist die andere Seite der Medaille. Damit die Unterbietung

von Kostenordnungen begründen zu wollen, scheint

mir abwegig zu sein.

WITTES THESEN

BERUF

THESE 1 | Wenn Sie einen Bus mit 40 Sitzplätzen mieten, der von

Berlin nach Rathenow fährt, dann ist die Miete, die Sie zahlen, fix.

Die Kalkulation der Kosten pro Fahrgast ist erst dann möglich, wenn

feststeht, wie viele Personen mitfahren.

In einer Kostenordnung ist der Preis fixiert. Damit die Kosten punktgenau

stimmen (Kostendeckungsprinzip), muss also die Zahl der Sitzplätze

festgelegt werden.

Übertragen heißt das, dass man eigentlich entweder

ständig die Zahl der zugelassenen Vermesser

an das zur Verfügung stehende Aufgabenvolumen

anpassen oder ständig die Kostenordnung

anpassen müsste.

Da die Kostenordnung vergleichsweise langfristig

fixiert ist und das Aufgabenvolumen

nicht gesteuert werden kann, heißt das konkret,

dass eine Kostenordnung nur dann ihren

Sinn erfüllen kann, wenn eine staatliche Institution

in dem Maße, in dem die Fallzahlen

sinken, auch die Zahl der zugelassenen Vermesser

reduziert.

THESE 2 | In der Betriebswirtschaftslehre –

insbesondere in der Kosten- und Leistungsrechnung

– ist allgemein bekannt, dass wertmäßige

Bezugsgrößen relativ ungeeignet sind,

Kosten zuzurechnen. Viel geeigneter sind mengenmäßige

Bezugsgrößen, z. B. die Arbeitszeit.

Die Kosten, die im Rahmen einer Vermessung

entstehen, sind doch relativ unabhängig von

der Bausumme.

Viel eher ist die Arbeitszeit der Mitarbeiter ein Maß für die Kostenentstehung

im Rahmen einer Vermessung. Ob eine Garage mit einem

Gebäudewert von 5.000 Euro eingemessen wird oder ob eine (viereckige)

»Vorstand-Villa« mit einem Gebäudewert von eine Million Euro eingemessen

wird, ist vom Vermessungsaufwand lange nicht so unterschiedlich

wie die Bausumme!

D. h., eine Kostenordnung, die die Kosten nach der Bausumme bemisst,

kann zu außerordentlich großen Gebührenaufwandsverzerrungen

führen.

Eine Kostenordnung hat insbesondere:

• dem Kostendeckungsprinzip, dem Durchschnittsprinzip und dem

Äquivalenzprinzip zu entsprechen.

Eine Kostenordnung muss nach den Prinzipien ja nur »durchschnittlich«

abbilden. Im Einzelfall kann es immer zu Abweichungen kommen. Diese

Abweichungen müssen aber in einem akzeptablen Rahmen bleiben. Das

ist durch die aktuelle Kostenordnung nicht sichergestellt.

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207


BERUF

208

halte ich nichts, weil sie eigentlich nur Symptome kurieren und

nicht das eigentliche Problem anpacken. Meines Erachtens

sind zwei Fragen zu stellen: Wenn dieses Phänomen der Unterbietung

auftritt, dann liegt der Grund darin – so wie Herr

Witte sagte –, dass wir zu viel Angebot an Dienstleistungen

haben, aber zu wenig Nachfrage. Eine derartige Situation

fördert ruinöse Erscheinungen ans Tageslicht.

Oder aber: Wir haben materiell eine insgesamt zu hohe Gebührenordnung.

Das sind die beiden Erklärungen, die ich sehe

und die das Akzeptanzproblem bei den Bürgern bestimmen.

Sie als ÖbVI und wir als Verwaltung gehen zum Bürger und

sagen: Wir leisten für dich Daseinsfürsorge. Aber der Bürger

fragt nicht danach. Das ist genau das Imageproblem. Wir bringen

als Ingenieure leider ein ans Handwerkliche angelehntes

Level mit. Wir sind mit unserer Tätigkeit oft ganz nahe beim

Polier und bei dem Bauhandwerker. Der Bürger sieht uns nicht

in der Nähe des Notars oder des Arztes. Das ist unser Problem.

Wenn wir nun mit einer Gebührenordnung winken und sagen:

Die Gebühren begründen sich in der Werthaltigkeit der Ergebnisse,

dann will der Bürger dies nicht so recht einsehen. Deswegen

sind die ganzen Besserungsmodelle meines Erachtens

nur Symptomtherapien. Und bedenken Sie die Außenwirkung:

Jetzt brauchen die solche Hilfskonstruktionen, um ein (möglicherweise)

überholtes System zu stützen.

Eine Begründung noch dazu, warum auch mehr Aufsicht nicht

in Frage kommt: Der Staat macht natürlich auch eine »betriebswirtschaftliche«

Betrachtung. Es kann nicht sein, dass man erst

outsourct, aber hinterher in der Gesamtrechnung mit dem Aufsichtsaufwand

der nachsorgenden Aufsicht oder der repressiven

Aufsicht insgesamt kostenmäßig viel teurer käme, als

würde man es gleich mit eigenen Ressourcen machen. Deswegen

ist auch Verstärkung der Aufsicht nicht die Lösung des

Problems.

TILLY | Meine Damen und Herren, wir haben in der Diskussion

viele kritische Worte zur Unterbietung von Kostenordnungen

gehört. Auch Selbstkritik von den Vertretern der ÖbVI.

Und wir haben gehört, dass Qualität von Leistungen nicht

zwangsläufig staatlich gestützt und kontrolliert werden muss.

Die Gesellschaft sieht Kosten- oder Honorarordnungen eher als

Wirtschaftsbremse. Umso wichtiger scheint es zu sein, dass sich

die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure eindeutig verhalten.

In der Leistungserbringung wie in der Abrechnung der

Kosten. Alle Bemühungen dahin sollten unterstützt werden.

Aber letztlich entscheiden Sie mit ihrem Verhalten über die

Zukunftsfähigkeit Ihres Berufes. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

und gebe das Mikrofon zur Saaldiskussion frei.

4

»BEI 10 ANGEBOTEN KOMMT

NUR EIN AUFTRAG REIN«

FORUM | Gebührenrecht und Unterbieten – was halten

Sie von diesem Thema?

Thomas Mill | Wer das Gebührenrecht unterbietet, tut

sich selbst und dem Berufsverband keinen Gefallen.

Damit untergräbt er seine Stellung und

am Ende hat er den Schaden.

FORUM | Haben Sie schon einmal unterboten?

Thomas Mill | Ich würde aus dem Stand Nein sagen.

Thomas Mill

FORUM | Sie haben sicherlich auch noch niemanden

getroffen, aber es muss irgendwo einige geben,

die das machen.

Thomas Mill | Natürlich, in der Realität sieht es so aus,

dass man eine ganz normale, reguläre Kostenschätzung

herausschickt und bei zehn Angeboten

kommt nur ein Auftrag herein. Dann

fragt man sich schon, wo die anderen Aufträge

hingegangen sind.

FORUM | Wenn Sie so etwas hören, was machen Sie mit

dieser Kenntnis?

Thomas Mill | Man hat Wut im Bauch, kann aber nicht

so richtig etwas dagegen tun. Ich habe keine

Idee, außer dass man beim Verband prüft,

welche Möglichkeiten es gibt, gegen offensichtliches

Fehlverhalten vorzugehen. Aber

auf welche Weise, ob die Aufsichtsbehörde

etwas tut, ob der Berufsverband etwas tun

kann …?

FORUM | Darüber wird noch zu diskutieren sein.

ZAK BW

Komplementärin:

ZAK GmbH

Gesellschaft des BDVI Bund

GF ÖbVI Seitz

GmbH hat eine Stimme

GmbH ist von Vermögens- und Gewinnbeteiligung

ausgeschlossen

Sie erhält Entgelt für GF und Haftungseinlage

ZAK BW

Beirat

5 Gesellschafter

1 Mitglied aus dem Vorstand BDVI

BW delegiert, 4 von GV gewählte ÖbVI

RECHTLICHE KONSTRUKTION

ZAK GmbH & Co. KG

RECHTLICHE KONSTRUKTION

Gesellschafterversammlung wählt

Kommanditisten:

Alle ÖbVI in Baden-Württemberg

Jeder ÖbVI bzw. jede Sozietät hat eine Stimme

Einlage 600 oder 1.200 E je nach Bürogröße,

davon 100 E Haftungskapital,

der Rest Finanzierungseinlage

Schiedsgericht

Besteht aus 1 Juristen und 2 ÖbVI

Ist zuständig für alle Streitigkeiten zwischen

Gesellschaft und einzelnem Mitglied

ZENTRALE ABRECHNUNGSSTELLE DER ÖBVI – DIE LÖSUNG?

BERUF

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GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG

210

FLÄCHE IST NICHT

Im Sachwert- wie im Ertragswertverfahren ist die korrekte Ermittlung von Nutz- und Mietflächen

mitentscheidend für die Qualität der Bewertungsaussage.

Die Vorschriften und Richtlinien zur Flächenberechnung gehören daher zum Rüstzeug der Wertermittlung.

Da sich auf dem Gebiet der Flächenermittlungen in den vergangenen zwei Jahren teils durchgreifende

Änderungen ergeben haben, soll mit dem vorliegenden Beitrag ein kurzer Überblick über die derzeit maß-

geblichen Vorschriften und Richtlinien gegeben werden.

Je nach Nutzungsart und Verwendungszweck können folgende Berechnungsgrundlagen zutreffen:

(1) DIN 277 in der Fassung vom Februar 2005

(2) MF-G (gif) in der Fassung vom 1. November 2004

(3) Verordnung zur Berechnung von Wohnflächen (Wohnflächenverordnung – WoFlV)

in der Fassung vom 25. November 2003

(4) Baunutzungsverordnung in der Fassung vom 23. Januar 1990

4

GLEICH FLÄCHE

Zeitgemäße Ermittlung von Nutz- und Mietflächen

AXEL ZIEMANN, PETRA SCHMÖKEL, BERLIN

Auf Erläuterungen zur Berechnung von Grund- und Geschossflächen, GRZ und GFZ nach der BauNVO90

wird an dieser Stelle verzichtet, da sich diesbezüglich keine Änderungen für die Praxis ergeben haben.

1GRUND- UND NUTZFLÄCHENERMITTLUNG

VON BAUWERKEN GEMÄSS DIN 277

Das Deutsche Institut für Normung e. V. hat im Februar 2005

die Teile 1 und 2 der überarbeiteten DIN 277 veröffentlicht,

die für die Berechnung von Grundflächen und Rauminhalten

von Bauwerken gelten.

Die nach dieser Vorschrift berechneten Flächen bilden die

Grundlage der Ermittlung der »Kosten im Hochbau nach DIN

276«. Mit Hilfe dieser Kosten und weiterer Festlegungen (anrechenbare

Kosten, Honorarzonen) kann z. B. auch das Honorar

für die Entwurfsvermessung ermittelt werden (§ 97 HOAI).

Gegenüber der zuvor geltenden Fassung der DIN 277 aus dem

Jahr 1987 ergeben sich folgende wichtige Änderungen:

Teil 1: Begriffe, Ermittlungsgrundlagen

a. Die Norm wurde redaktionell überarbeitet und neu

gegliedert.

b. Die »Funktionsfläche (FF)« wurde in »Technische Funktionsfläche

(TF)« umbenannt.

c. Der Konstruktionsrauminhalt (KRI) wurde neu

aufgenommen.

d. Für die Zuordnung von Installationskanälen und

-schächten zur Nettogrundfläche (> 1,0 m 2 Querschnitt)

bzw. Konstruktionsgrundfläche (bis 1,0 m 2

Querschnitt) wurden Mindestabmessungen definiert.

e. Die getrennte Ermittlung von Grundflächen unter

Schrägen bis / über 1,50 m wurde aufgegeben.

f. Die Unterschreitung der Nutzfläche in Hauptnutzfläche

und Nebennutzfläche wurde aufgegeben;

beide Begriffe sind entfallen.

Teil 2: Gliederung der Nettogrundfläche

(Nutzflächen, technische Funktionsflächen

und Verkehrsflächen)

Gegenüber der DIN 277-2:1987-06 wurden folgende Änderungen

vorgenommen:

a. Norm inhaltlich der aktualisierten DIN 277-1:2005-02

angepasst

b. Begriff »Nutzungsgruppe« neu aufgenommen

c. Redaktionelle Überarbeitung

Die redaktionell überarbeitete Fassung von Teil 3 der DIN 277

(Mengen und Bezugseinheiten) erschien im April 2005. Sie enthält

aktualisierte normative Hinweise auf die Teile 1 und 2.

GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG

Für die Praxis ist es durchaus wichtig, auch die alte Fassung

der DIN 277 und damit die Unterschiede in der Flächenberechnung

zu kennen, weil es z. B. bei gerichtlichen Streitigkeiten

und damit verbundenen Gutachten auf den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses

und die zu diesem Zeitpunkt gültige Fassung

der DIN ankommen kann.

Alte DIN 277 (1987)

Bruttogrundfläche (BGF)

Konstruktionsgrundfläche

(KGF)

Nettogrundfläche (NGF)

NutzFunktionsfläche (NF) fläche (FF)

Nutzfläche (NF)

Hauptnutzflächen

(HNF)

Nettogrundfläche

(NGF)

Verkehrsfläche

(VF)

Nebennutzflächen

(NNF)

Gültige DIN 277 (2005)

Bruttogrundfläche (BGF)

Konstruktionsgrundfläche

(KGF)

Nettogrundfläche (NGF)

Nutzfläche (NF)

Nettogrundfläche

(NGF)

Nutz- Technische Verkehrsfläche

(NF) Funktionsfläche (VF)

fläche (FF)

Ohne weitere Untergliederung

Zur Ableitung der vermietbaren Fläche im gewerblichen Bereich

werden häufig die innen liegenden, der exklusiven Nutzung

durch den Mieter zur Verfügung stehenden Verkehrsflächen

getrennt von der Geschosserschließung (Treppenläufe und

-podeste) ausgewiesen, da Flächen mit Erschließungsfunktion

der Geschosse (Treppenhäuser) bei gemeinschaftlicher Mieternutzung

üblicherweise nicht einzelnen Mietflächen zuzurechnen

sind (s. auch Mietflächenberechnung nach gif).

Konstruktionsgrundfläche (KGF)

Die KFG ist die Differenz von BGF und NGF!

Folgende Grundflächen gehören dazu:

Wände, Stützen, Schornsteine, Pfeiler

Raumhohe Vormauerungen und Bekleidungen

Installationshohlräume der aufgehenden Bauteile

Wandnischen und -schlitze

Wandöffnungen (Türen, Fenster, Durchgänge)

Installationskanäle und -schächte bis 1 m 2

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GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG

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Nettogrundfläche (NGF)

Folgende Grundflächen gehören dazu:

Freiliegende Installationen

Fest eingebaute Gegenstände,

wie z. B. Öfen, Bade- und Duschwannen

Nicht raumhohe Vormauerungen und Bekleidungen

Einbaumöbel

Nicht ortsgebundene, versetzbare Raumteiler

(Gipskarton – keine tragende Funktion)

Installationskanäle und -schächte >1 m 2

Nutzfläche (NF)

Grundflächen mit Nutzungen nach Tabelle 1 Nr. 1-7

Technische Funktionsfläche (TF)

Grundflächen mit Nutzungen nach Tabelle 1 Nr. 8

Verkehrsfläche (VF)

Grundflächen mit Nutzungen nach Tabelle 1 Nr. 9

Allgemeine Ermittlungsgrundlagen

Folgende Grundflächen sind getrennt auszuweisen:

Überdeckt und allseitig in voller Höhe umschlossen

Überdeckt, jedoch nicht allseitig in voller Höhe

umschlossen

Nicht überdeckt

Grundflächen unter oder über Schrägen

Grundflächen von schräg liegenden Flächen,

z. B. Tribünen, Treppen, Rampen, sind aus ihrer

vertikalen Projektion zu ermitteln

2Mietflächenberechnung für

gewerblichen Raum nach gif

Seit November 2004 liegt die neue »Richtlinie zur Berechnung

von Mietflächen für gewerblichen Raum (MF-G)© gif Gesellschaft

für Immobilienwirtschaftliche Forschung e. V., 1. November

2004« vor. Mit dieser Richtlinie wurden die zuvor geltenden

Richtlinien für Büro- und Handel MF–B (1996) und

MF-H (1997) zusammengeführt und abgelöst, wobei inhaltlich

eine Weiterentwicklung und Harmonisierung erfolgte. Die

Richtlinie MF-G wurde vom Arbeitskreis Flächendefinition der

Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung gif e. V.

in Abstimmung mit dem Normenausschuss Bau DIN 277 veröffentlicht.

4

Die MF-G definiert die Mietfläche von gewerblich vermieteten

oder genutzten Gebäuden für das gesamte Gewerbespektrum

von Büro, Gastronomie und Einzelhandel über Industrie und

Gewerbehallen bis hin zu Freizeitimmobilien.

Die Richtlinie MF-G baut auf dem Definitionsvorrat der DIN

277 in der ab 2005 gültigen Fassung auf (BGF, KGF, VF, NF, TF).

Im Gegensatz zur DIN, welche keine Aussagen über Mietflächen

trifft, wird hier aber festgelegt, welche Flächen zur Mietfläche

zu rechnen sind und welche nicht. Nach der Richtlinie MF-G

ist die »Mietfläche nach gif« i. d. R. kleiner als die Bruttogrundfläche

der DIN 277, da bestimmte Flächen, die Bestandteil der

BGF sind, nicht zur Mietfläche zählen.

Außerdem kann eine Unterscheidung zwischen exklusiv

(MF-G 1) und gemeinschaftlich genutzten (MF-G 2) Flächen

vorgenommen werden.

Bruttogrundfläche (BGF)

MF-O

(Keine Mietfläche)

MF-0 Keine Mietfläche

Alle technischen

Funktionsflächen (TF)

MF-G

(Mietfläche nach gif)

MF-G 1

(Exklusives

Nutzungsrecht)

Von den Verkehrsflächen (VF):

Treppenläufe und Rampen und

deren Zwischenpodeste

(Ausnahme: Geschosspodeste),

Aufzugsschacht-Grundfläche

je Haltepunkt

Fahrzeugsverkehrsflächen

Wege, Treppen, Balkone, deren

überwiegender Zweck der

Flucht und Rettung dient

In Shopping-Centern:

Eingangshallen, Ladenstraße

und Atrien

MF-G Mietfläche

MF-G 2

(Gemeinschaftliche

Nutzung)

Alle Bruttogrundflächen,

die nicht zur MF-0 gehören,

zählen zur MF-G!

Die Grundfläche einer Mietbereichstrennwand

(z. B. Gipskartonplatten

– nicht ortsfest),

die nicht Teil der MF-0

ist, wird den Anliegern je zur

Hälfte zugerechnet.

Fahrzeugabstellflächen werden

nicht als MF-G ausgewiesen,

können aber vereinbarungsgemäß

Mietobjekte

sein (aber nur die Anzahl,

nicht die Fläche).

MF-G-Flächen mit einer lichten

Höhe unter 1,50 m müssen

getrennt ausgewiesen werden.

Keine Mietfläche MF-O

Vor der Konstruktionsgrundfläche

(KGF):

Außenwände

Grundflächen von aufgehenden

Bauteilen wie Wände und

Stützen, die zur konstruktiven,

d. h. tragenden und / oder

aussteifenden Raumbildung

eines Bauwerks notwendig

sind

Grundflächen der Umschließungswände

von zur

MF-0 gehörenden TF und VF

Grundflächen der Installationskanäle

und -schächte,

Schornsteine sowie

Kriechkeller, die gemäß DIN

277 KGF sind (bis 1 m 2 Fläche)

Achtung: Es kann zwischen

Mieter und Vermieter vereinbart

sein, dass es sich auch bei jeder

der aufgeführten Flächen um

einen Teil der Mietfläche handelt!

Mietfläche MF-G 1

und MF-G 2

MF-G-1-Flächen werden als

exklusive Mietflächen bezeichnet,

wenn sie einem

Mieter zuzuordnen sind.

MF-G-2-Flächen heißen

gemeinschaftlich genutzte

Mietflächen und werden den

beteiligten Mietern anteilig

zugeordnet (Vertrag). Die Art

der Zuordnung ist anzugeben

(z. B. über die Anzahl der

beteiligten Mieter oder den

Anteil der exklusiven Fläche

an der Gesamtfläche etc.).

Die Berechnung muss nachvollziehbar

erfolgen. Hier

existieren Vorschriften über

die Gliederung in Abschnitte

(Gebäude, Geschosse etc.)

und die Berechnung in diesen

Abschnitten.

Achtung: Im Einzelfall kann

eine Einstufung als Mietfläche

erfolgen, ohne diese in der

Mietberechnung monetär zu

berücksichtigen.

Grafische Erläuterungen zu den

Flächenarten der MF-G

GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG

Geschoss mit zwei Mietbereichen, oben mit Lochfassade, unten

mit Bandfassade, leichte Trennwand zwischen den Mietbereichen,

gemeinsames Treppenhaus und gemeinsamer Aufzugsvorraum

MF-0: Aufzugsschachtfläche, Treppe mit Zwischenpodest,

für den Betrieb des Gebäudes notwendige Schächte, Grundflächen

aller tragenden / aussteifenden Konstruktionsteile

sowie der Wände, die MF-0-Flächen umfassen

MF-G 1: die exklusive Fläche der Mieter 1 und 2; MF-G 2:

die gemeinschaftliche Mietfläche (Aufzugsvorraum / Geschosspodest)

4

213


GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG GRUNDSTÜCKSBEWERTUNG

214

Messung – Berechnung – Dokumentation

Die Messebene ist direkt über dem Fußboden festgelegt. Fußleistung

und nicht raumhohe Vorsatzschalen (siehe DIN 277)

bleiben unberücksichtigt. Bei Lochfassaden ist bis an die Wand

unter dem Fenster zu messen, bei vorgehängten Fassaden bis

an die Innenkante Glas. Die Berechnung kann entweder aufgrund

vorhandener CAD-Pläne oder nach Aufmaß erfolgen.

Die Art der Ermittlung ist anzugeben. Die Dokumentation erfolgt

in Tabellen und Plänen.

In den Tabellen sind folgende Flächen getrennt auszuweisen:

Gliederung in Abschnitte (Gebäude, Geschoss etc.)

Mietbereiche

gif-Flächenarten

(MF-0, MF-G bzw. MF-G 1 und MF-G 2),

Flächenarten nach DIN 277 Teil 1, Ziffer 3 (NF, VF, TF)

und Ziffer 4 (überdeckt und nicht oder nur teilweise

umschlossen)

Flächen mit lichter Raumhöhe unter 1,50 m

Die Pläne müssen mindestens den Maßstab 1:100 haben und

3 Berechnung

mit einem Mietflächenstempel pro zusammenhängender

Mieteinheit versehen sein, der den Bezug zur Tabelle

herstellt,

die unterschiedlichen gif-Flächenarten müssen unterscheidbar

dargestellt sein,

eine Bemaßung aufweisen (hier gilt DIN 1356, Linienarten,

Beschriftungen).

von Mietflächen nach

der Wohnflächenverordnung (WoFlV)

Nachdem die DIN 283 vor über 20 Jahren außer Kraft gesetzt

wurde, dominierte über einen langen Zeitraum die Berechnung

von Wohnflächen nach den §§ 42 bis 44 der 2. Berechnungsverordnung

(BV) in der Fassung von 1990. Diese war nur für

Wirtschaftlichkeitsberechnungen im geförderten Wohnungsbau

verbindlich, hat sich aber auch bei der Bemessung der

Mietfläche im frei finanzierten Wohnungsbau oder bei der Vermietung

und dem Verkauf von Eigentumswohnungen durchgesetzt.

4

Die Berechnung der Wohnfläche nach den §§ 42 bis 44 der

2. BV wurde zum 1. Januar 2004 durch die Wohnflächenverordnung

(WoFlV) abgelöst, die wiederum nur für nach dem

Wohnraumförderungsgesetz geförderten Wohnraum verbindlich

ist – ebenso wie die Regelungen der 2. BV –, aber auch für

die Mietflächenberechnung bei preisfreien Wohnungen herangezogen

werden kann.

Bei Fehlen eines Hinweises im Mietvertrag wird die Fläche nach

der »Verkehrssitte« (BGB) bestimmt, und das war überwiegend

die 2. Berechnungsverordnung.

Für den Fall, dass die Wohnfläche nach den Vorschriften der

2. BV ermittelt wurde und nach dem 31. Dezember 2003 keine

baulichen Veränderungen vorgenommen wurden, gilt die alte

Berechnung weiter (§ 5 WoFlV – Überleitungsvorschrift).

Streit gab es regelmäßig bei Fragen der Anrechnung von Balkonflächen

zur Wohnfläche. Gemäß der 2. Berechnungsverordnung

war eine Anrechnung von maximal der halben Fläche

möglich. Nach der neuen Vorschrift werden die Flächen

von Balkonen, Loggien, Dachgärten und Terrassen i. d. R. zu

einem Viertel, höchstens jedoch zur Hälfte angerechnet. Dies

geschieht vor dem Hintergrund, dass ein unbeheizter Wintergarten

nur zur Hälfte angerechnet werden darf.

Zur Wohnfläche gehören (§ 2)

alle Räume, die ausschließlich

zu dieser Wohnung

(Wohnheim) gehören

Wintergärten, Schwimmbäder

und ähnliche nach allen Seiten

geschlossene Räume

Balkone, Loggien, Dachgärten,

Terrassen

Zur Wohnfläche gehören

nicht

1. Zubehörräume, insbesondere

∑ Kellerräume

∑ Abstellräume und

Kellerersatzräume außerhalb

der Wohnung

∑ Waschküchen

∑ Bodenräume

∑ Heizungsräume

∑ Garagen

2. Räume, die nicht den Anforderungen

der Landesbauordnung

genügen

3. Geschäftsräume

Die Grundfläche ist nach den lichten Maßen zwischen den

Bauteilen zu ermitteln. 4 Fazit

Bei der Ermittlung der

Wohnfläche sind

einzubeziehen (§ 3)

Tür- und Fensterbekleidungen

und -umrahmungen

Fuß-, Sockel- und Schrammleisten

fest eingebaute Gegenstände,

wie z. B. Öfen oder Badewannen

freiliegende Installationen

Einbaumöbel

nicht ortsgebundene,

versetzbare Raumteiler

(Gipskarton)

Volle Anrechnung auf die

Grundfläche (§ 4)

alle Räume oder Raumteile,

die über 2 m hoch sind

Bei der Ermittlung der

Wohnfläche bleiben außer

Betracht

Schornsteine, Vormauerungen,

Bekleidungen, freistehende

Pfeiler und Säulen,

wenn sie eine Höhe von

mehr als 1,50 m und eine

Grundfläche von über 0,1 m 2

besitzen

Treppen mit über drei

Steigungen

Türnischen und Fenster- und

offene Wandnischen, die

nicht bis zum Fußboden

herunterreichen oder bis

zum Fußboden herunterreichen

und 0,13 m oder

weniger tief sind

Keine volle Anrechnung

auf die Grundfläche

Räume oder Raumteile mit

einer Höhe zwischen

1 m und 2 m: zur Hälfte

unbeheizte Wintergärten,

Schwimmbäder und

ähnliche nach allen Seiten

geschlossene Räume: zur

Hälfte

Balkone, Loggien, Dachgärten

und Terrassen:

i. d. R. zu einem Viertel,

höchstens zur Hälfte

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Änderungen

durch die Neufassungen der DIN 277 und der MF-G

eher moderat ausfallen. Der Schwerpunkt liegt auf Klarstellungen,

so dass die Berechnungsergebnisse im Vergleich zu den

Vorgängern überwiegend nur unwesentlich abweichen.

Dennoch ist es von besonderer Bedeutung, die eingehenden

Anfragen und Aufträge entsprechend dem konkreten Verwendungszweck

zutreffend in die Berechnungsnormen und

Richtlinien einzuordnen sowie im Einzelfall verbleibende

Zuordnungsfragen zu klären. Damit werden die eingangs erwähnten

Nachfragen und mögliche Auseinandersetzungen

minimiert.

In diesem Zusammenhang sind die maßgeblichen Gepflogenheiten

des Geschäftsverkehrs zu berücksichtigen, wonach sich

durchaus regionale Abweichungen und Besonderheiten ergeben

können, wie z. B. für den gewerblichen Bereich im Raum

München eine Büroflächenvermietung auf Grundlage der BGF

i. S. d. DIN 277.

Bei gerichtlichen Auseinandersetzungen ist zu beachten, dass

zum fraglichen Zeitpunkt (Stichtag) die seinerzeit geltenden

bzw. üblichen Berechnungsgrundlagen nutzungskonform anzuwenden

sind.

Dipl.-Ing. Axel Ziemann, Vermessungsassessor

Petra Schmökel, ÖbVS, Geprüfte Immobilienfachwirtin

(IHK), Mitglied der gif e. V.

Maxstraße 3a, 13347 Berlin

E-Mail p.schmoekel@rsw-vermessung.de

4

215


BERUF BERUF

216

ÖFFENTLICH BESTELLTE VERMESSUNGSINGENIEURE

EIN FREIER BERUFSSTAND

Wir haben den Beitrag nach vorn gestellt. Er passt genau zur Podiumsdiskussion

in Rathenow. Die Vermutung liegt doch nahe, dass einige Berufskollegen wieder

neu nachlesen müssen, was den ÖbVI ausmacht.

Berufsstandprägende Eigenschaften dürfen nicht zu »Hohlwörtern« verkommen. Eigen-

verantwortlichkeit, Unabhängigkeit, Gewissenhaftigkeit und Unparteilichkeit sind

Eckpfeiler des Berufes. Und nur dann, wenn das Persönlichkeitsbild eines ÖbVI diese

Berufskompetenz »ausstrahlt«, wird er auch in der Lage sein, neue Berufsfelder auf sei-

ner (privilegierten) Berufsebene zu erobern. Anderenfalls stürzt er ab …

4

MIT STAATLICHER BINDUNG

DER GRUND, AUF DEM WIR STEHEN

Dem Zugang zum Beruf des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs

(ÖbVI) geht eine umfängliche Ausbildung in

weiten Bereichen des Immobilienbereichs voraus. Zum Inhalt

der geodätischen Universitätsausbildung gehören neben den

vermessungstechnischen Grundlagen u. a.:

Allgemeines Recht

Wirtschaft

Grundstücksbewertung

Bodenordnung

Städtebau

HUBERTUS BRAUER, RATINGEN

Im Zuge der Referendarausbildung im Kataster- und Liegenschaftswesen

werden diese Grundlagen um den Aspekt des

Verwaltungsrechts ergänzt und mit der 2. Staatsprüfung

abgeschlossen. Da alle den o. g. Inhalten entsprechenden Verwaltungsbereiche

durchlaufen werden, sind ÖbVI sowohl

wissenschaftlich als auch rechtlich und praktisch durch die

Staatsprüfungen doppelt geprüfte Sachverständige in Immobilienangelegenheiten.

Vor der öffentlichen Bestellung liegen

dann noch praktische Anerkennungszeiten, die bei staatlichen

Vermessungsstellen zu absolvieren sind.

Für ihre Tätigkeiten und hinsichtlich der allgemeinen Berufspflichten

unterliegen die Öffentlich bestellten Vermessungs-

ingenieure der Dienst- und Fachaufsicht der Länder und teilweise

den zuständigen Ingenieurkammern.

BERUFSAUSÜBUNG

Die Berufsausübung erfolgt auf der Basis der Katastergesetze

und der Berufsordnungen der Bundesländer. In 15 Ländern der

Bundesrepublik ist die freie Berufsausübung möglich. Lediglich

im Freistaat Bayern ist auf dem Sektor des Liegenschaftskatasters

den Vermessungsingenieuren eine freie Berufsausübung

nicht möglich. Hier hält man an alten Traditionszöpfen

fest und setzt auf eine staatliche Aufgabenerledigung.

In den übrigen Ländern verfügen die ÖbVI über ein Netzwerk

von rund 1.500 Kollegen. Sie sind dort kompetente Partner von

Bürger, Wirtschaft und Verwaltung. Aufgrund der Katastergesetze

haben die Berufsträger hoheitliche Aufgaben zu erfüllen.

Dieses erfolgt entweder als Träger eines öffentlichen Amtes

oder in der Funktion des beliehenen Unternehmers.

KOMPETENZ UND BEWERTUNG

Das Beleihen, Verkaufen oder Vererben von Grundstücken und

Immobilien ist regelmäßig mit der Frage nach dem Wert dieser

»unbeweglichen Liegenschaftsgüter« verbunden. Im Katasterwesen

begleiten Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure

zunächst das Grundstück und dann das Bauen. Sie wissen wie

kein anderer akademischer Berufsstand um die wirtschaftliche

Bedeutung der Immobilien. Sie begleiten den Eigentümer oder

Investor in der Beleihungsphase, bei der Genehmigungsplanung,

während der Durchführung des Bauvorhabens und bei

der wirtschaftlichen Nutzung des Grundstücks. Diese Vorkenntnisse

der ÖbVI sind es, die bei jeder Verkehrswertermittlung

und bei jeder Feststellung von Beleihungswerten, verbunden

mit der Frage der Wirtschaftlichkeit, zu einem Marktwert

führen. Fundierte Feststellungen zu den individuellen Grundstückseigenschaften

sind unverzichtbar, wenn es um das einzelne

Grundstück geht.

Methodische Nachvollziehbarkeit der Wertaussagen gehört

ebenso zum Arbeitsprinzip wie die Recherche in den Kaufpreissammlungen

der bei den Kommunen eingerichteten Gutachterausschüsse

für Grundstückswerte.

Die Arbeit der ÖbVI beginnt dort, wo nach besonderen Kriterien

erstellte »Marktreports« in der Anwendbarkeit auf spezifische

Grundstücke nicht befriedigen können: »Lage, Lage und

nochmals die Lage« sind eben nicht die einzigen Merkmale, die

die Nutzbarkeit und die Werthaltigkeit eines Grundstücks bestimmen,

sondern kommunales Planungsrecht und andere öffentlichrechtliche

Festsetzungen sind mit zu berücksichtigen. Mit

jeder Grundstücksbewertung ist damit eine Aussage über den

nutzungsbezogenen Marktwert in der Zukunft möglich.

Der ÖbVI ist in seiner Funktion auch Sachverständiger für die

planungsbezogene Grundstücksbewertung. Das Ausschöpfen

von Spielräumen ist wichtig. Sowohl in ländlichen als

auch in städtischen Gebieten können die ÖbVI bei Projektentwicklungen

vom Anfang bis zum Ende ihren Beitrag leisten,

z. B. bei der Erarbeitung und Umsetzung städtebaulicher

Entwicklungsmaßnahmen nach dem Baugesetzbuch:

ÖbVI schaffen nicht nur die Planungsgrundlagen

und setzen sie für eine schnelle Bebaubarkeit in der

Örtlichkeit um. Sie beraten bereits während der Voruntersuchungen

und liefern die erforderlichen Gutachten

für

Wertanalysen

Kostenaufstellungen

An- und Verkaufspreise

Ablöse- und Ausgleichsbeträge

Entschädigungsleistungen

Die Gutachten können sich beziehen auf:

Bebaute und unbebaute Grundstücke

Grundstücksgleiche Rechte,

Lasten und Beschränkungen

In der Planungs- und Verhandlungsphase können Variantenberechnungen

zur Verfügung gestellt werden. Damit können

Spielräume für alle Seiten erarbeitet und nutzbar gemacht werden.

Als weitere Beispiele mögen die Umlegungsverfahren genannt

sein. ÖbVI erstellen Studien über die rechtliche und wirtschaftliche

Machbarkeit von Umlegungsverfahren. Auch hier beraten

sie durch Wertermittlungen über die wirtschaftlichen Konsequenzen

bei Planungsänderungen und helfen, gemeinsam

mit Planern und Juristen, die effektivste und wirtschaftlichste

Nutzung für ein Planungsgebiet zu ermitteln.

Darüber hinaus können Gemeinden den Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieuren neben der vermessungs- und katastertechnischen

Umsetzung auch die Entscheidungsvorbereitung

mit sämtlichen Ermittlungen zum Umlegungsverfahren

übertragen.

Eine weitere wesentliche Rolle kann der Berufsstand in der

steuerlichen Bedarfsbewertung übernehmen. Seit der Entscheidung

des Bundesverfassungsgerichts erfolgt eine Bedarfsbewertung

nach einem pauschalierten Feststellungsverfahren,

das für unbebaute und bebaute Grundstücke zu realitätsnäheren

steuerlichen Bemessungsgrundlagen führen soll. Aufgrund

der pauschalierten Wertermittlung kann die Grundbesitzbewertung

aber auch zu überhöhten Werten führen.

4

217


BERUF

218

Z. B. kann dieses bei unbebauten Grundstücken und rückläufigen

Bodenrichtwerten passieren. Auch das pauschalierte Ertragswertverfahren

hat bei einer geringen Restnutzungsdauer

seine bewertungstechnischen Probleme und damit auch seine

steuerlichen Tücken.

Das Bewertungsgesetz sieht deshalb vor, dass der Steuerpflichtige

einen niedrigeren gemeinen Grundstückswert ( Verkehrswert)

nachweisen kann. Als Nachweis ist ein fundiertes Wertgutachten

erforderlich. Vor der Anfertigung eines solches Gutachtens

prüfen und beraten die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure,

ob sich der mit der Fertigung eines Verkehrswertgutachtens

verbundene Kostenaufwand angesichts des

voraussichtlichen Steuereffektes lohnt.

In der kooperativen Arbeit mit den steuerberatenden Berufen

ist in den genannten Sachverhalten ein Mehrwert für die Mandanten

erzielbar.

Die von den Finanzbehörden zu Recht an den Verkehrswertnachweis

gestellten hohen Anforderungen, was inhaltliche

Richtigkeit und Schlüssigkeit des Gutachtens angeht, werden

von Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren aufgrund

ihrer Ausbildung, ihrer Rechtsstellung und ihrer Berufspraxis

voll erfüllt.

KOMPETENZ UND STEUERGERECHTIGKEIT

Ein anderer Bereich der Steuergerechtigkeit liegt dem Berufsstand

ebenfalls am Herzen. Es ist die reformbedürftige Grundsteuer.

Die zurzeit diskutierte Neuordnung der Grundsteuer

liest sich wie eine Anfrage an den Berufsstand der »Liegenschaftsingenieure«.

Auch bei der historischen Entstehung des

Liegenschaftskatasters standen Steuergerechtigkeit und Verwaltungsvereinfachung

im Vordergrund. Das deutsche Liegenschaftskataster

ist aus seinen Ursprüngen heraus ein »Steuerkataster«.

Auch die Vermessungsingenieure der behördlichen Vermessungsstellen

sind von jeher unabhängige und kompetente

Dienstleister in der Grundstücks- und Immobilienbewertung.

Deshalb ist ihnen die Auswertung der Grundstückskaufverträge

in den örtlichen Gutachterausschüssen übertragen worden,

um mit den Ergebnissen Markttransparenz (Bodenrichtwerte,

Marktberichte) zu erzeugen.

Die zurzeit diskutierten Reformvorschläge zur Grundsteuer

stützen sich bei der Besteuerungsgrundlage für den Grund und

Boden auf die Bodenrichtwerte. Diese stehen bundesweit zur

Nutzung zur Verfügung und sind ein geeignetes Instrument

für die Ableitung zeitnaher Immobilienwerte.

4

»VOM DATENSAMMLER UND -JÄGER ZUM HIGHTECH-SPEZIALISTEN«

Wer anderes als die beliehenen Stellen, die im Umgang mit

Grundstücksdaten, Bodenrichtwerten, Marktanalysen und

Nutzungseinschränkungen erfahren und in der kostenbewussten

Projektbehandlung erprobt sind, könnte die Kunden

besser bei der Überarbeitung der Besteuerungsgrundlagen mit

profunden Kenntnissen unterstützen?

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure bieten fachkompetente

Beratung aus einer Hand in allen Liegenschaftsangelegenheiten,

auch wenn es um Zukunftsfragen geht. Dank

geschickter Gestaltung von Überlassungsverträgen lassen sich

erbschaftsrechtliche Probleme bei der Überlassung von Immobilien

lösen.

Aus der Mitwirkung in allen Phasen des Baugeschehens, des

Grundstücksverkehrs und aus den regionalen Tätigkeitsschwerpunkten

resultiert eine besondere Kenntnis der Tendenzen auf

den verschiedenen örtlichen Grundstücksteilmärkten.

Aufgrund ihres technischen und rechtlichen Expertenwissens

über die Nutzung und Bebaubarkeit von Grundstücken, ihre

Lage, Größe und sonstige Beschaffenheit sind sie in der Grundstückswertermittlung

und Planung, bei der es auf diese Merkmale

i. d. R. entscheidend ankommt, als Sachverständige besonders

geeignet und anerkannt.

Gerade in der Grundstückswertermittlung setzt die Akzeptanz

des Sachverständigen bei den Verhandlungspartnern oder beteiligten

Stellen das Wissen um seine Objektivität voraus. Aufgrund

ihrer öffentlichen Bestellung, den in Berufsordnungen

festgelegten Berufspflichten und deren Überwachung durch

Aufsichtsbehörden bzw. die Ingenieurkammern der Länder ist

sichergestellt, dass ÖbVI eigenverantwortlich, unabhängig, gewissenhaft

und unparteiisch arbeiten.

BERUFSBILD IM WANDEL

Eine rasante technische Entwicklung hat zu drastischen

Veränderungen in der Nutzung der beruflichen Arbeitsmittel

geführt. Wenn vor zehn Jahren noch Messband und Messlatte

zum Handwerkszeug gehörten, so sind heute GPS-Antennen

(sie halten die Verbindung zu den Satelliten im All) und Lasermessgeräte

die »äußeren Erkennungsmerkmale« der Ingenieure.

Ein Ende der technischen Entwicklung und der damit verbundenen

beruflichen Wandlung ist noch nicht abzusehen. Der

Trend liegt in der Entwicklung des Berufsbildes vom »Geometer

zum Geomatiker«.

Für die Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure ist die

Grundstücks- und Gebäudevermessung nach wie vor Schwerpunkt

ihrer Arbeit, doch die Methodik hat sich durch Anpassung

an die veränderte Technik völlig gewandelt. Hinzuge-

kommen ist der erst ansatzweise erschlossene Markt der Geodatenbereitstellung

und Informationsverknüpfung und -nutzung.

Hier liegt ein großes Potenzial für neue Aufgabenfelder,

die man mit dem Begriff »Geomatik« umschreiben kann, weil

es auf diesem Arbeitsfeld ohne den Einsatz und den Nutzen

der Disziplin Informatik nicht geht.

Aufgabe der Vermessung ist es, Sachverhalte und Gegebenheiten

aus der Natur zu erfassen und zu digitalen Daten zu

abstrahieren. Diese Daten gilt es für Aufgaben der Planung,

des Rechts, der Verwaltung und der Bodenordnung aufzuarbeiten.

Die abstrahierten Daten müssen in einem besonderen

Prozess mit planungs- und bauordnungsrechtlichen Festlegungen

verknüpft und in Einklang gebracht werden. Als Voraussetzung

für alles investive Geschehen müssen im Anschluss

daran die abstrakten Planungsdaten in die reale Welt übertragen

werden. Für den ÖbVI ist die Sicherung und Ordnung der

Eigentumsverhältnisse am Grund und Boden die primäre Berufsaufgabe.

Die Beurkundungsbefugnis für Tatbestände und

Sachverhalte an Grund und Boden ist ein besonderes Privileg.

Darstellungen aus dem alten Babylon zeigen bereits diese Berufsinhalte.

Allerdings erkennt man auch, dass die angewendeten

mathematischen Grundlagen (z. B. der Satz des Pythagoras,

lebte ca. 570 v. Chr.) über die Jahrtausende bis in unsere

Zeit unverändert blieben; umso revolutionärer ist der Wandel

der Technik in den letzten Jahrzehnten.

Diese technischen Veränderungen zwingen den Geodäten, den

Geometer, zu einem dynamischen Prozess des sich Mitentwickelns.

Die früher mehr auf die Messmethodik ausgelegte

Ausbildung des Ingenieurs als »Datensammler und -jäger« muss

heute einen universeller ausgebildeten Hightech-Spezialisten

produzieren, den »Geomatiker«. Zusätzlich zum technisch geprägten

Ingenieurwissen, dass für sich genommen schon den

Spezialisten in der Messtechnik erfordert, muss er den komplexen

Bereich Grund und Boden, Planung, Bewertung, Eigentum

beherrschen. Er muss sich vom Geodatenexperten zum

Geomanager qualifizieren und sich permanent weiterbilden.

Diesem Berufsbild und diesen Anforderungen muss der

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur entsprechen.

Neben der technischen Vermessungsdienstleistung bedienen

ÖbVI im hoheitlich beliehenen Bereich der Katastervermessung

nach wie vor ihre »klassischen« Aufgaben wie Teilungsvermessungen,

Grenzfeststellungen, Anfertigung und Beurkundung

Amtlicher Lagepläne, Gebäudeabsteckungen und -einmessungen

zur Fortführung des Liegenschaftskatasters, Begleitung

von Umlegungen und Flurbereinigungsverfahren. Ingenieurvermessungen,

Aufbau von Geoinformationssystemen

(GIS) und die Datenveredelung von Geoinformationen gehören

zum Tätigkeitsfeld. ÖbVI bieten (Klappern gehört zum Handwerk!)

eine ganzheitliche Beratung und Liegenschaftsbetreuung.

In den Bereich der Informationssysteme gehören auch Facility-Management-Systeme

(FM). Über 70 % aller Entscheidungen

im Liegenschafts- und Gebäudemanagement stützen sich

auf Flächenangaben. Die Verknüpfung der Fläche mit allen

wirtschaftlichen Daten und Fakten lässt sich in einem Computed-Aided

Facility Management (CAFM) System abbilden.

Ent-scheidungen über die Ressource »Fläche« sind i. d. R. Stabsaufgaben.

Damit hat die Flächenangabe eine Basisfunktion mit

besonderen Anforderungen an die Verläßlichkeit. Aufbauende

Entscheidungen können nur so zuverlässig sein wie die Basisinformation.

Im gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes spielt

die Fläche die entscheidende Rolle als Kalkulationsbasis. Die

Flächeninformation ist faktisch das Fundament für ein CAFM-

System. Im Aufbau und in der Betreuung von CAFM-Systemen

ist die »Flächenkompetenz« des ÖbVI gefragt.

Die Digitalisierung der amtlichen Flurkarten war Voraussetzung

zum Aufbau des automatisierten Liegenschaftskatasters

und zur zwingenden Modernisierung des Eigentumssicherungssystems.

Es war ein Kraftakt des öffentlichen Vermessungswesens,

an dem ÖbVI mitgewirkt haben. Die digitale

Verknüpfung mit weiteren Daten der Oberflächennutzung und

der Demographie haben zum Durchbruch der GIS-Technologie

beigetragen. Ein weiterer Kraftakt des öffentlichen Vermessungswesens

steht bevor: die komplexe Verknüpfung

weiterer Geodatenbestände zur effizienten Nutzung durch

eine breite Öffentlichkeit. Berechtigter Datenschutz und freier

Datenaustausch müssen dabei in Einklang gebracht werden.

Der Ausbau des Geoinformationsmarktes ist gemeinsames Ziel

der öffentlichen und privaten Vermessungsbereiche. Bund und

Länder arbeiten an dem Aufbau einer Geodateninfrastruktur

(GDI) um den Rohstoff, die Geobasisdaten des Liegenschaftskatasters,

für E-Governement-Aufgaben zu erschließen. Zukünftig

prägen die Anwendung, Verknüpfung und Verarbeitung

von Geodaten das Berufsbild des ÖbVI, neue Tätigkeitsfelder

werden daraus abzuleiten sein.

Wertschöpfung wird künftig immer stärker aus angewandtem

Wissen erwachsen; der Weg in die »Wissensgesellschaft« gelingt

daher und naheliegend nur, wenn genügend Wissen von

uns als dynamisches Kapital angesammelt und angewendet

wird. Die erste Herausforderung an uns besteht also in der komplexen

Weiterentwicklung der Ressource »Wissen« und der

Beherrschung der verfügbaren und sich rasant entwickelnden

Werkzeuge oder neudeutsch »Tools«.

Dr.-Ing. Hubertus Brauer

Vizepräsident des Bundes der Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieure

BERUF

4

219


GRUND UND BODEN GRUND UND BODEN

220

GEGEN DIE ABSCHAFFUNG

DES ÖFFENTLICH-RECHTLICHEN

ABMARKUNGSZWANGES

Diskussionsbeitrag (gekürzt) auf dem

»Brandenburger Geodätentag« am 2. September 2005

Als Freiberufler und Beliehener möchte ich zum Entwurf

eines neuen Brandenburgischen Vermessungsgesetzes

einige kritische Anmerkungen machen.

Wir sind als Berufsverband frühzeitig in die Diskussion zum

Entwurf des Vermessungsgesetzes einbezogen worden. Trotzdem

löst dieser Entwurf, der durchaus zukunftsweisend ist, bei

vielen Kollegen der Kataster- und Vermessungsämter und des

Freien Berufes nicht nur Zustimmung aus. Es gibt Sorgen,

welchen Platz wir zukünftig im öffentlichen Vermessungswesen

einnehmen werden.

Dabei ist der in Rede stehende Wegfall des Abmarkungszwanges

von zentraler Bedeutung.

Im Gesetzentwurf ist im § 13 (1) ausgeführt: »Grenzpunkte einer

festgestellten Grenze sind auf Antrag oder aus Gründen

des öffentlichen Interesses in der Örtlichkeit durch dauerhafte

und sichtbare Grenzzeichen zu kennzeichnen.«

Demnach wird nur noch auf Antrag oder aus Gründen des öffentlichen

Interesses abgemarkt.

Es sei mir gestattet, auf den Sinn und Zweck der Abmarkung,

auch aus der Historie heraus, einzugehen. Bedingt durch den

Anspruch des Staates, das Eigentum an Grund und Boden zu

sichern, haben sich öffentliche Register, wie das Grundbuch

und das Liegenschaftskataster, herausgebildet. Um Rechtssicherheit

zu garantieren, hat sich in den letzten 150 Jahren

4

RALPH SCHULZE, SENFTENBERG

neben der privatrechtlichen Abmarkung (BGB § 919) auch ein

unterschiedlich strenger öffentlich-rechtlicher Abmarkungszwang

entwickelt.

Ziel dieser Abmarkungspflicht ist es, die Lage des Eigentums

vor Ort zu sichern und damit auch wesentlich zum Rechtsfrieden

zwischen den beteiligten Grundstückseigentümern

beizutragen.

Aufgrund eines gewandelten Staatsverständnisses und der

Rücknahme einer Obrigkeitsverwaltung sollen die Rechte der

Bürger gestärkt werden und die Verwaltung Aufgaben eines

Dienstleisters übernehmen.

Daraus resultiert auch die Lockerung des Abmarkungszwanges.

In Brandenburg hat diese Lockerung schon 1997 Eingang in

das Vermessungs- und Liegenschaftsgesetz gefunden. D. h., der

Bürger kann als Antragsteller selbst entscheiden, ob er eine

Abmarkung haben will oder nicht. Dadurch können unsinnige

Abmarkungen vermieden werden.

Allerdings wurde im Zuge dieser Deregulierung eine Verlangsamung

der Qualitätsverbesserung des Liegenschaftskatasters

bewusst in Kauf genommen. Als Stichworte seien hier der Wegfall

der Abmarkungspflicht für das Trennstück und die Einführung

der grafischen Flächenberechnung genannt.

In jedem Fall ist der Antragsteller bestrebt, nur die kostengünstigste

Variante in Auftrag zu geben.

Es gibt bereits einige Bundesländer, wie Berlin und Hamburg

als Stadtstaaten, aber auch Niedersachsen als Flächenland, die

auf eine öffentlich-rechtliche Abmarkungspflicht verzichten.

Begründet wird das mit der gestiegenen Eigenverantwortung

der Bürger. Ich fürchte jedoch, dass viele Bürger zunehmend

unfähig sind, Konflikte über eine ausreichende soziale

Kompetenz zwischenmenschlich zu lösen. Der Ruf nach dem

Rechtsanwalt, nach der Klage vor überlasteten Zivil- und Verwaltungsgerichten

wird immer lauter.

Mit dem Wegfall des Abmarkungszwanges begünstigen wir

diese Entwicklung und tragen damit nicht zum Rechtsfrieden

bei.

Die öffentlich-rechtliche Abmarkung als Teil der Daseinsvorsorge

soll aber gerade bewirken, Konflikte zu vermeiden.

Der Staat kann sich nicht nur auf eine Koordinate, die unterschiedlichsten

Fehlereinflüssen ausgesetzt ist, zurückziehen,

um dann im Konfliktfall tätig zu werden.

Nach meinem Dafürhalten als optimistischer Pessimist, ist dies

der Anfang vom Ende, das Kerngeschäft Liegenschaftsvermessung

vor Ort auszuführen.

WARUM?

Durch die ohne Frage in Kauf genommene Zurückdrängung

des operativen Geschäfts werden die Vermessungsstellen

kaum noch Verwaltungsakte setzen.

Dies wird sich noch verstärken, wenn die Gebührenordnung

hierzu nicht mehr kostenneutral bleiben wird.

Wenn der örtliche Grenzverlauf mittel- und langfristig verloren

geht, muss man sich als Behörde die Frage stellen, was

dann noch bei einer Grenzuntersuchung zu bewerten ist –

die Wertung vor Ort ist aber eine zutiefst hoheitliche

Tätigkeit, das Abdrehen von Koordinaten nicht –, dazu bedarf

es keines ÖbVI’s oder behördlicher Vermessungsstellen.

Die Bildung von Grundstücken ohne örtliche Tätigkeit wird

zur Regel werden.

Besitzstand und Rechtsgrenze werden auseinander fallen.

Ich bin skeptisch, ob das sicher gut gemeinte Grenzzeugnis

(Grenzwiederherstellung als Verwaltungsakt) dem o. g. Trend

entgegenwirken wird.

Die zunehmend hochgehaltene Koordinate mag in Berlin oder

Hamburg bereits in hoher Qualität vorliegen, aber nicht in

Brandenburg. Für den Bürger und Eigentümer ist und bleibt

das unveränderte Grenzzeichen (und nicht die Koordinate) Beweismittel

dafür, wie weit sich das Recht an einem Grundstück

erstreckt. Die öffentlich-rechtliche Abmarkung trägt damit

wesentlich zum Rechtsfrieden bei.

Der Entwurf zum Vermessungsgesetz verleiht den Gründen des

öffentlichen Interesses als primäre Abmarkungsvoraussetzung

ein erheblich höheres Gewicht als bisher.

Dieser unbestimmte Rechtsbegriff fasst die Eigentumssicherung,

den Rechtsfrieden und die Planungssicherheit zusammen.

Da es sich hier um ureigene Aufgaben des Liegenschaftskatasters

handelt, bleibt meiner Meinung nach kein Raum für

eine generelle Einzelfallprüfung.

Bleibt also über das öffentliche Interesse ein Quasiabmarkungszwang

bestehen, so führt das gegenüber einer gesetzlich fixierten

direkten Abmarkungspflicht zu einem erhöhten Konfliktpotenzial

im Umgang mit dem Kunden. (Gesetzentwurf § 13

(2): »Liegt ein öffentliches Interesse an der Abmarkung vor,

kann diese auf Kosten der Eigentümer vorgenommen werden.«)

Unstrittig ist die Abmarkung ein feststellender Verwaltungsakt,

wonach eine Behörde zur Regelung eines Einzelfalls eine Entscheidung

auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts trifft, die

auf unmittelbare Rechtswirkung nach außen gerichtet ist.

Die Ausübung der öffentlichen Gewalt kommt gerade hier

durch die Zwangsbefugnis der Vermessungsstelle zum Ausdruck,

auch gegen den Willen eines Grundstückseigentümers

eine Abmarkung durchzusetzen, die dieser bei Richtigkeit zu

dulden hat.

Da wir in einem gemeinsamen Europa um die Anerkennung

der nationalstaatlichen, gesetzgeberischen Zuständigkeiten

gemäß Artikel 45 ringen und dies zwingend am Anteil der so

genannten hoheitlichen Tätigkeit festgemacht wird, wäre es

nach meinem Dafürhalten verfrüht, den öffentlich-rechtlichen

Abmarkungszwang abzuschaffen, ich plädiere deshalb für die

Erhaltung des gelockerten Abmarkungszwanges.

Ralph Schulze, ÖbVI

Hörlitzer Straße 34, 01968 Senftenberg

E-Mail: vb.ralph.schulze@gmx.net

4

221


HOCHSCHULE HOCHSCHULE

222

Ingenieurkammer-Bau NRW führte

»Politischen Dialog«* zum Thema

EINFÜHRUNG DER

BACHELOR- UND

MASTERSTUDIENGÄNGE

Die Ingenieurkammer hatte Abgeordnete des Landtages sowie Vertreter und Vertreterinnen aus

4

Hochschulen, Wirtschaft und Verwaltung zu einem »Politischen Dialog« eingeladen.

Vor dem Hintergrund, dass es das deutsche Markenzeichen

»Diplom-Ingenieur« bald nicht mehr geben wird, sollte ein Dialog

mit der Politik angeregt werden. Mit der Einführung der

Bachelor- und Masterstudiengänge verfolgt die Bildungspolitik

des Landes das Ziel, deutsche Studienabschlüsse international

anzupassen. Diese tief greifende Veränderung in der Ausbildung

der Ingenieure kann nach Meinung der Kammer nur

erfolgreich sein, wenn mindestens das bisherige Qualifikationsniveau

der Ingenieurausbildung erhalten bleibt. Aus der

Umstellung der Ingenieurausbildung ergeben sich viele Fragen,

so z. B.:

Was bedeutet die Studienreform für die Qualität

der Ausbildung des Ingenieurnachwuchses?

Wie findet die Wirtschaft ihren qualifizierten

Ingenieur?

Welche beruflichen Perspektiven hat ein

»Bachelor-Ingenieur«?

Welche Bedeutung kommt der Weiterqualifizierung

zu?

HUBERTUS BRAUER,

RATINGEN

Unter der Leitung von Frau Julitta Münch, WDR-Hörfunkmoderatorin,

wurde eine rege Diskussion um Ausbildungsfragen

geführt.

Die Diskussion um das Ausbildungsniveau ist kein reines Ingenieurthema,

sondern eine gesamtgesellschaftliche Diskussion

wert. Es geht nicht darum, eine Ingenieurromantik oder einen

Titel zu retten. Es wurde diskutiert über die Transparenz und

die Qualität der Ausbildung. Allen Beteiligten war wohl klar,

es wird zu einem »verschulten« System führen. Eine praxisbezogene

Ausbildung wird weniger stattfinden.

Die Beteiligten mussten zur Kenntnis nehmen, dass der politische

Wille auf eine kompromisslose Umsetzung der neuen

Studienabgänge in fest vorgegebenem Zeitrahmen beharrt. Das

Wissenschaftsministerium NRW setzt auf eine strikte Umsetzung

von sechs Semestern Ausbildung für den Bachelor. In Anbetracht

der politischen Vorgaben sieht die Ingenieurkammer-

Bau NRW in der Schaffung eines Ingenieurregisters in Anlehnung

an europäische Vorbilder ein denkbares Modell, den

* am 20. April 2005 in Düsseldorf

organisatorischen Rahmen zur Umsetzung der Qualitätssicherung

des Ingenieurwesens insbesondere im Bau- und Vermessungswesen

zu gewährleisten. Durch eine gestufte Registrierung

in Abhängigkeit von Aus-, Fort- und Weiterbildung

erhält der Abnehmer von Ingenieurdienstleistungen eine umfassende

Information über Qualifikation und Leistungsfähigkeit

des beauftragten Ingenieurs.

Die Landesgruppe NRW des BDVI begrüßt und unterstützt den

begonnenen Dialog der Ingenieurkammer ausdrücklich. Wurde

doch bisher die Diskussion um die neuen Ausbildungsherausforderungen

allzu wenig wahrgenommen.

Welche Auswirkungen die neuen Abschlüsse auf die Laufbahnvoraussetzungen

für den höheren vermessungstechnischen

Verwaltungsdienst haben werden, ist bisher nicht klar definiert.

Die zukünftigen Studienabschlüsse haben keine fachlichen Berufsbezeichnungen

mehr.

Nach dem ersten berufsqualifizierenden Abschluss sind Wechsel

in andere Studiengänge möglich. Es sind die verschiedensten

Kreuzkombinationen der Abschlüsse möglich:

BA und MA in Geodäsie

BA in Geodäsie, MA in beliebiger Fachrichtung

BA in beliebiger Fachrichtung, MA in Geodäsie

BA = Bachelor; MA = Master

Unter der Berücksichtigung der auf der Intergeo 2004 begonnenen

Diskussion wird es dem Berufsnachwuchs geschuldet,

die zukünftigen Anforderungen an Studienabgänger mit den

Abschlüssen Bachelor und Master klar zu definieren.

Den zukünftigen Studierenden muss ein verlässlicher Orientierungsrahmen

zur Verfügung stehen. Auch die Hochschulen

benötigen diesen Orientierungsrahmen, damit sie ihren Beitrag

zur Sicherung des Berufsnachwuchses leisten können.

Demzufolge müssen die Zulassungsvoraussetzungen zum Vorbereitungsdienst

klar gestaltet und den neuen Studiengängen

angepasst werden.

Der BDVI geht davon aus, dass zur Berufsausübung des Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieurs ein Vorbereitungsdienst

zum höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst

gehört. Deshalb müssen die Eingangsvoraussetzungen

zum Vorbereitungsdienst eindeutig und klar definiert werden.

Dr.-Ing. Hubertus Brauer, ÖbVI

Am Brüll 19

40878 Ratingen

E-Mail: oebvi-br@brauer-glunz.de

4

223


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INTERNATIONAL INTERNATIONAL

226

The Global Land Information Explosion

GIS-ACSM-GLIS-GSDI-GITA-URISA-GE

AND THE ATLANTIC INSTITUTE

4

GUNTHER GREULICH, BOSTON

In Amerika haben der Begriff »Geographic Information Systems« und die entsprechende Abkürzung GIS schnell

die etwas sperrige Bezeichnung des »Multipurpose Cadastre« (Multifunktionales Kataster) ersetzt; letztere

bildete 1980 den Titel einer Studie des National Research Council (Nationaler Forschungsrat). Amerikanische und

kanadische Landdatenspezialisten, z. B. Geodäten, Vermesser und Kartographen, entwickelten dieses neue Daten-

management-Instrument und wurden dabei von Vertretern anderer Disziplinen unterstützt, die alle das enorme

Potenzial von GIS erkannten. Eine Reihe nationaler und internationaler Organisationen, die sich GIS widmen,

wurde in den letzten Jahren ins Leben gerufen. Sogar in Europa, das eine fast 300-jährige Tradition der Daten-

erfassung und des Datenmanagements unter dem Begriff »Kataster« aufweist, wurde der Begriff GIS adaptiert

und trug zu neuen, koordinierten Entwicklungen bei.

Schon seit langem hat sich dabei insbesondere eine Organisation, The Atlantic Institute, dem Ziel gewidmet,

zwischen den USA und Kanada auf der einen und Europa auf der anderen Seite eine professionelle GIS-Verbindung

aufzubauen und zu pflegen. In den USA haben bundesstaatliche Regierungen damit begonnen, ihr eigenes,

einzigartiges GIS zu entwickeln, und wurden dabei oft von lokalen, visionären Landvermessern inspiriert. GIS

wächst weltweit und wird nicht aufzuhalten sein.

Veröffentlicht in: Surveying and Land Information Science, Dec. 2004, by Greulich, Gunther.

Copyright: American Congress on Surveying and Mapping, Dec. 2004.

Provided by ProQuest Information and Learning Company. All rights reserved.

ABSTRACT

In America, the label Geographic Information Systems, or GIS

for short, has quickly replaced the somewhat awkward tide

“Multipurpose Cadastre,” which had been assigned to a 1980

study by the National Research Council. American and Canadian

land data specialists, such as geodesists, surveyors, and

cartographers, developed the new land management tool and

were joined by other related disciplines, which all recognized

the enormous potential of GIS. Several national and international

organizations, devoted to GIS, have sprung up in recent

years. Even in Europe, which has nearly a 300-year tradition

of land recording and management under the heading of

“Cadastre,” the term has been embraced and inspired new coordinated

developments. Early on, one particular organization,

The Atlantic Institute, has focused on building and maintaining

a professional GIS bridge between USA / Canada and

Europe. In the USA, state governments have begun to create

their own unique GIS, often inspired and prompted by local

visionary land surveyors. GIS is growing worldwide and will

be unstoppable.

INTRODUCTION

When in 1980 the National Research Council of the National

Academy of Science published its landmark study “Need for a

Multipurpose Cadastre,” it inspired new concepts for an old

problem and triggered a slew of new acronyms.

Cadaster is an old parcel-based European system of land registration,

presumably introduced by Napoleon. Although not

totally unknown in the United States – the Bureau of Land

Management (BLM) has used the term – it did not fly in America.

Even its broadening to “Multipurpose Cadastre” did not have

the desired appeal. And so, Geographic Information Systems or

GIS came into being and made the idea popular – very popular!

American and Canadian geodesists, cartographers, photogrammetrists,

surveyors, geographers, and land tenure administrators

quickly recognized the value of the emerging new

instrument of land management. The traditional land information

professionals of surveying and mapping were soon

joined and even overtaken by related disciplines, such as computer

experts and geographic information specialists. These,

in turn, branched out into use-oriented entities, where GIS was

enthusiastically developed into an unlimited range of applications.

There is still no end in sight to the GIS expansion.

While some traditional surveying and mapping professionals

have seen the trend as an encroachment on their discipline,

others now see it as a challenge and opportunity.

NATIONAL GIS ORGANIZATIONS

Reliable Geographic Information Systems require a broad educational

effort in order to function efficiently and to be economically

viable. Besides the National Geodetic Survey (NGS),

one of the first new organizations to pay attention to GIS was

the Urban and Regional Information System Association. URISA

is an association of government information technology professionals

interested in applying and facilitating spatial information

technology in public agencies. Details can be found on

the Internet at www.neurissa.org.

The American Congress on Surveying and Mapping (ACSM) has

represented spatial data professionals since 1941. In response

to the emerging technology, members formed a new division

in 1993, now called Geographic and Land Information Society,

Inc. (GLIS). One of its missions is to bring cooperation

among the various mapping disciplines (Zimmer 2003). Its new

website is www.glismo.org.

The Geospatial Information & Technology Association (GITA)

is another GIS organization promoting education and information

exchange by focusing on the infrastructure of the life

lines of our society and on utility applications worldwide. Its

website is www.gita.org.

GLOBAL SPATIAL DATA INFRASTRUCTURE

In order to promote international GIS cooperation and collaboration,

a brand new international organization was founded

in 2003. The Global Spatial Data Infrastructure Association

(GSDI) has among its founding members some leading American

organizations, such as the US Federal Geographic Data

Committee (FGDC) with strong support from USGS, ESRI, and

Intergraph. Its main goal is to “foster spatial data infrastructure

that supports sustainable social, economic, and environmental

systems integrated from local to global scales.” Its international

membership is open to individuals and organizations,

both public and private, whose programs and purpose

are consistent with the mission of GSDI. A very important part

of that mission is the promotion of informed and responsible

use of geographic information for the benefit of society. It is

claimed that the overall concept stems from “an originally

European initiative” (Aktuell 2004). In fact, we understand that

GSDI is very strong and strongly supported in Europe. Its current

American headquarters are at 43351 Spinks Ferry Road, Leesburg,

VA 20016. For more information try jampoler@gsdiassociation.org.

4

227


INTERNATIONAL

228

GEOMETER EUROPAS

European surveyors have indeed been active and energetic in

GIS matters since the 1980s. Leading among them has been

the regional German government institution of the North-

Rhein Westphalia Mapping Agency under the direction of Mr.

Klaus Barwinski. An umbrella organization has been created

in Bregenz, Austria, in 1996, by European surveyors under the

name “Geometer Europas” (GE). Its leading founders are Rudolf

Gutmann of Austria and Mathias Hoffmann of Switzerland.

Its by-laws are based on Belgian law. Brussels, Belgium, is the

seat of this European Union which includes Austria, Belgium,

Denmark, France, Germany, Luxemburg, and Switzerland.

The UK is not yet part of GE, but its lingua franca is English

(Schuster 2004a). The seven GE countries represent about

4500 private surveyors' offices with roughly two to seventy

employees each. Geometer Europas' current president is

Dr. Ing. Otmar Schuster, a private surveyor in Germany.

There is a general concern that the traditionally entrenched

bureaucracy in European countries may overly restrict free

market forces by limiting free flow of geo-information and by

over-regulating private practice. Although small in statistical

numbers, historically, geodesy, i.e., land surveying and geomatics,

has always been linked to economic development. New

technology and global market economy have accelerated that

trend. Nevertheless, the economic significance of geodesy has

been mostly underestimated (Schuster 2004b). In Europe, professional

isolation, fear of competition, and an increase in bureaucratic

regulations hamper the free market opportunities

of the private practitioner. To overcome these obstacles may

still be “light years away,” warned Schuster (id.).

Geometer Europas has drafted a Multilateral Agreement on

mutual recognition of professional qualifications of Public

Appointed Geometers. It is designed to provide “confidence in

the security of the legal system relating to land and property”

(Multilateral Agreement 2004). That agreement was reviewed

and approved by an EU Commission on November, 24,

2004, at the ACCORD 3 Conference in Brussels; the seven GE

member countries jointly agreed and signed the Multilateral

Agreement, as written.

High educational standards in the study of administrative law,

land law, and building and planning law are considered essential

for private surveying practice across Europe. In addition

to a baccalaureate degree in surveying technology, five

years of university study are required. The goal is to achieve a

"harmonization" of land recording laws, of surveying systems,

and of geodetic education for the benefit of a united Europe.

For more information try http://www.geometer-europas.org.

Similar to the 50 states of the USA, each European nation /

country has its own laws for registration or licensing of pro-

4

fessional land surveyors. Each country has “geometers” (private

surveyors) who are authorized to perform public functions.

Their official titles may be of interest, as follows:

Austria Ingenieurkonsulent für Vermessungswesen

Belgium Géomètre-Expert / Landmeter-Expert

Denmark Praktiseerende Landinspektoerer

France Géomètre-Expert

Germany Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur

Luxembourg Géomètre-Officiel

Switzerland Patentierter Ingenieurgeometer /

Ingénieur géomètre breveté

While Europe is celebrating its new size and has big plans for

2010, it is already plagued by “greed …, party economy and

nepotism” (Schuster 2004a). This notwithstanding, it is hoped

that high qualification requirements for surveyors and transparency

of regulations across Europe will be consistent with

the great public responsibility, trust, and performance expected

of private practitioners. Geometer Europas intends to make itself

heard on this matter, loud and clear.

Geometer Europas and GSDI have succeeded in causing the

European Parliament to create a EU-Commission to establish

an “Infrastructure for Spatial Information in the Community”

– INSPIRE for short (Aktuell 2004). The Commission has proposed

a directive that creates a legal framework for an infrastructure

for spatial information in Europe. The key objective

of INSPIRE at this time is to make spatial data available to local

communities for the implementation of environmental

policies. At a later date INSPIRE may be extended to agriculture,

transport, and energy. The awareness of the need for

“quality geo-referenced” information and “harmonized” (or

standardized) spatial data is growing in Europe (INSPIRE 2004).

With an expected investment of Euro 3.6 to 5.4 million per

year per EU member country, a cost-benefit ratio of 7.5 is estimated.

The GALILEO navigation system and access to GMES

(Global Monitoring for Environment and Security) by 2008 are

considered essential new tools in support of value-added joint

initiatives. Details are outlined in 34 articles to be adopted by

the European Parliament. This should be good news, not only

for European surveyors, but also for the American bridge

builders, who have diligently established and maintained professional

contacts across the Atlantic Ocean since the 1980s.

THE ATLANTIC INSTITUTE

Spearheading the Atlantic Institute on the American side were

ACSM members Fritz Petersohn, PLS, of Massachusetts and Dr.

John McLaughlin of the University of New Brunswick, Canada.

On the European side were Klaus Barwinski of Germany

and Michael Brand of Northern Ireland. Current major partners

include two professors each at the University of New

Brunswick (UNB), Université Laval of Québec, and the University

of Maine at Orono (UMO).

Over the years, the Atlantic Institute has organized several GIS

Think Tank sessions across the world. The next session has been

planned for August 2005, to be held in Boston, Massachusetts

(most likely at MIT). For further information check with its current

chairman, Dr. David Coleman at UNB, dcolman@unb.ca.

The mission of the Atlantic Institute is to encourage easy and

intelligent use of geospatial information and technologies that

help foster equitable, sustainable economic growth and improve

peace and security throughout the world. Recognizing

that at least 50 nations now have serious spatial data infrastructure

efforts underway, the Institute has captured the attention

of the United Nations and the World Bank (Coleman

2004). Among its several goals are to promote awareness, to

stimulate the business community, to share and transfer knowledge,

to facilitate merging of multipurpose land and geospatial

information, and to work with other institutions.

Acutely aware of the need for a coordinated approach to

geospatial frameworks, the former director of US FGDC, John

Moeller, has been advocating for a common set of data layers,

such as transportation, hydrography, soils, and land use.

Adhering to global standards, the Atlantic Institute is eager

to work with other, like-minded organizations such as GSDI,

ACSM / GLIS, FIG, GITA, and GE to facilitate the move from

local to global standards.

THE GIS DICHOTOMY

The enormous proliferation of GPS devices and the explosion

of computer use worldwide have brought both progress and

problems. Governments are facing the GIS dichotomy of openness

and access vs. privacy and security. Geodetic science provides

coordination arid the basis for location. Parcel-based land

records provide specific private information that may or may

not be wise to share with everybody. As an example, at the annual

New England's Geospatial Information Summit – NEGIS

2004 – a GIS manager of a small town in Massachusetts reported

that she had received a request from the local chief of

police for a map, identifying all street addresses of dog owners.

It seemed that the police were regularly hampered in the execution

of their duty when responding to an emergency 911

call to a house where a dog stood guard. They were finally fed

up with being bitten and discovered the marvel of local GIS.

The GIS manager was able to provide the information based

on local dog tax records. Needless to say, the particular GIS

data map sheets are not available to the general public – to

the great disappointment of potential burglars.

The program of the NEGIS 2004 conference was a good indicator

of the multipurpose and multifaceted components and

issues related to geodata. David Doyle of NGS explained the

concepts of the National Spatial Reference System, three USGS

representatives outlined the development of the National Map

of New England, Harlan Onsrud of UMO discussed GIS legal

issues, local private surveyors reported on their GIS surveying

activities. Other topics included master address files of urban

communities, GIS in banking, emergency management, remote

sensing, utility applications, base map scale issues, database

update strategies, coastal environment, homeland security,

web-based public access to GIS, data quality, and the new GIS

certification program.

GIS CERTIFICATION

The Geographic and Land Information Society (GLIS) has recently

joined URISA which has initiated GIS certification for

professional individuals (GLIS 2003). They have engaged the

GIS Certification Institute (GISCI) of lllinois to accept, process,

review, and certify individual applicants. Several pages of their

application form inquire about education, experience and

achievements. Since this is a new voluntary certification of a

new science, GISCI has provided a grandfathering clause during

a “Transition Period." It entitles certain experienced applicants,

such as surveyors and cartographers, to obtain a GIS certification

without all the modern educational requirements. A

code of ethics will have to be signed. The grandfathering provision

expires on December 11, 2008. All interested are encouraged

to apply at the GIS Certification Institute at

http://gisci.org.

EAST AND WEST COAST GIS

In 1996, county surveyors of the State of Washington began

to develop the Nation's first web-based warehouse for survey

control data (DLT Solutions, ACSM Bulletin 2004). Inspired by

a Japanese colleague at the Geophysical Institute of Sapporo,

the Washington Council of County Surveyors (WCCS) gradu-

INTERNATIONAL

4

229


INTERNATIONAL

230

ally created a statewide store house of survey control. As of

2003, 36 Washington state and city agencies have actively been

using the system to post and retrieve survey control data. A

unique GPS data template supports the GIS platform of the

WCCS database, using the Autodesk Map Guide. As funds become

available, the system will be linked to cadastral records

of deeds and survey plats.

The Massachusetts Executive Office of Environmental Affairs

began its GIS activity in 1988 and was designated as the Commonwealth's

Office of Geographic and Environmental Information

by the legislature in 1999. Its program is known as

MassGIS and can be downloaded via the Internet. The database

has over 200 different data layers, available on a free CD-

ROM product called the MassGIS Data Viewer. The data layers

include zoning districts, detailed wetlands, town boundaries,

road and rail networks, floodplains, and even underground fuel

tank locations. Among its current projects is an inventory

of water supply resources in 130 towns.

MassGIS enables users to view the state's local tax maps and

has a general-purpose map browsing tool called OLIVER (On-

Line Viewer). Users can compose their own custom map by

adding and deleting any of the MassGIS data layers. So far, 34

Massachusetts communities have submitted their digital parcel

data to the system. Cadastral records such as deeds and

recorded boundary and subdivision plans are not (yet) in the

system – for more information, contact www.mass.gov/mgis.

GIS is like our Universe – it keeps expanding.

THE OUTLOOK

The current GIS trend from local to global will eventually come

full circle: from local to global to local again. After all, land is

local and land tenure attributes are local. And yet, in our shrinking

world, the opposite is also true. Local issues can become

global problems. Air travel, oil spills, and earthquake tsunamis

are local events that have already exploded into global challenges.

As opposed to rigid global standards, a deliberate but

cautious “harmonization” and coordination of geodata and

geo-education may be more palatable to individual practitioners.

It may be a more realistic approach in overcoming local

resistance to change, which is inherent in human nature.

While GIS applications have mushroomed, a refinement of location

is inevitable. Sooner or later, GIS professionals, governments,

and the consumers will want to see and know more

than just inventory data layers and computerized index maps.

They will call on the geodesist for precise coordinates identifiable

on the ground, i.e., landmarks, topographical features,

4

and monuments. They will need the professional surveyor to

precisely relate it all to individual property boundaries and attributes

of land tenure issues. Land owners, developers, architects,

and permitting authorities will want to know precise and

reliable relationships to an official vertical datum and to old,

but still current, data of utility structures, including invert elevations

of underground pipes. Much transformation with field

surveys and calculations will have to take place.

All of such geographical information will eventually be incorporated

in each local GIS. But it will take time – and money.

Much like in the State of Washington, the desire and need are

there, but funds must first be generated. Important privacy issues

will have to be worked out. It is probably realistic – not

pessimistic – to expect a transition period from one to three

generations, before it can happen in the United States. But it

is important to take the first step now!

Gunther Greulich, PLS, PE,

Fellow and Life Member, Former President ACSM

803 Summer Street

Boston, MA 02127

E-mail contact: JmcGrady@GunterEng.com

REFERENCES

Aktuell. 2004. INSPIRE is coming. Aktuell, Geometer Europas

Website Newsletter, 8/2/2004.

Coleman, D. 2004. Embracing cultural differences in a global

spatial data infrastructure. First draft, The Atlantic Institute.

DLT Solutions. 2004. Nation's first web-based warehouse for

survey control data. ACSM Bulletin July/Aug. 2004, pp. 21-24.

GLIS Newsletter, Fall 2003.

INSPIRE. 2004. Proposal for a directive of the European Parliament

and of the Council. Brussels, 7/23/2004.

Multilateral Agreement – Multilateral Accord, draft. Geometer

Europas, Oct. 2004.

Schuster, O. 2004a. What is going on in Europe? Mühlheim,

Germany: Market Economy.

Schuster, O. 2004b. Geodesy in the German economy. FMWpean

Journal of Law and Economics 17, pp. 191-208.

Zimmer, R. J. 2003. Emerging opportunities for mapping

professionals. GLIS Newsletter, November, Fall 2003.

GIS-ASP BY ÖBVI

Ein Praxisbericht

WOLFGANG GLUNZ, RATINGEN

In der im FORUM bereits vielfach zitierten MICUS-Studie zur Neupositionierung der

ÖbVI, erstellt im Jahr 2002 für die Landesgruppe NRW, wurde die GIS-Dienstleistung

als eines der zukünftigen Hauptprodukte von Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren

herausgestellt. |1|

Als Datenbasis kommunaler und privater GIS eignen sich im Wesentlichen Daten des Liegen-

schaftskatasters und der Landesvermessung, an deren Erfassung die ÖbVI nicht un-

wesentlich mitwirken bzw. mitgewirkt haben. Bestrebungen der Vereinheitlichung und

besseren Zugänglichkeit dieser Daten innerhalb der einzelnen Bundesländer sowie darüber

hinaus sind im vollen Gange. »ALKIS« ist hier nur ein Stichwort. |2|

Die »Veredelung«, sprich Aufbereitung und themenbezogene Ergänzung und Ausgestal-

tung dieser Daten in Form von digitalen und in immer geringerer Zahl analogen Lage-

plänen, gehört bereits zum Kerngeschäft der ÖbVI.

Aber welche Chancen ergeben sich damit in der Praxis? Wo sind die Kunden? Wel-

ches Produkt kann man überhaupt anbieten?

Die folgende Projektbeschreibung zeigt, dass eine Zielgruppe existiert, die i. d. R. bereits

Auftraggeber herkömmlicher Katastervermessungen ist, und somit ein entsprechender

Kontakt besteht. Gemeint ist der Kundenkreis eines ÖbVI, der direkt oder indirekt mittlere

bis große Immobilienbestände zu verwalten hat. Es zeigt sich in zunehmendem Maße, dass

dort aktuelle und schnell verfügbare Geodaten unerlässlich geworden, jedoch nur selten

vorhanden sind.

|1| Fornefeld, M., Oefinger, P.: »Neupositionierung der ÖbVI«, FORUM 3/2002

|2| Guske, W.: »GIS ohne Grenzen«, FORUM 2/2005

TECHNIK

4

231


TECHNIK TECHNIK

232

DER WEG VON DER ANALOGEN LIEGEN-

SCHAFTSVERWALTUNG ZUM GIS

Bei einer großen privaten Liegenschaftsverwaltung kam es zu

einem nicht unerheblichen finanziellen Schaden, weil aktuelle

georeferenzierte Daten nicht vorlagen. Es wurde eine Zufahrt

zu einem Grundstück ausgebaut und asphaltiert. Nach Beendigung

der Arbeiten stellte sich jedoch heraus, dass auf dem

Grundstück des Nachbarn gearbeitet wurde. Der wenig begeisterte

Nachbar erzwang einen Rückbau der Zufahrt. Diese

musste dann an richtiger Stelle erneut gebaut werden.

Die Liegenschaftsverwaltung beschloss daher, den aus den 60er

Jahren stammenden und aus analogen, kolorierten Karten im

Maßstab 1:5.000 sowie Karteikarten bestehenden Eigentumsnachweis

mit Hilfe eines Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs

zu aktualisieren und zu modernisieren.

Das bundesweit verstreut liegende Immobilienvermögen war

zu erfassen und zunächst nur in einem analogen Kartenwerk

zu dokumentieren bzw. laufend zu halten. Zu diesem Zeitpunkt

waren die Voraussetzungen in der Liegenschaftsverwaltung

für ein digitales geographisches

Informationssystem noch

nicht vorhanden.

Vorgabe der Liegenschaftsverwaltung war

die Schaffung des Kartenwerkes auf Basis

der Deutschen Grundkarte 1:5.000 – Grundriss.

Die kleinste zu erfassende Einheit

sollte das Flurstück sein. Die Flurstücke sollten

nach ihrer größten Teilnutzungsfläche

thematisch dargestellt werden.

Zum Erstellen der aktuellen thematischen

Karten wurden zu Beginn umfangreiche

Informationen über die auf dem Markt

angebotene Software eingeholt, wobei der

Gedanke an eine spätere Umsetzung der

analogen Karten in ein computergestütztes

GIS schon berücksichtigt wurde.

In Zusammenarbeit mit dem ÖbVI Maraite

aus Erkelenz, der in beratender Funktion bei

der Entwicklung des späteren Programmsystems

hilfreich zur Seite stand, entschied

man sich in unserem Hause, auf Basis von Autocad Map aus

dem Hause Autodesk, damals noch in der Version 2.0, sowie

einer Microsoft-Access-Datenbank den Bestand zu erfassen.

Im Mai 1997 fiel der Startschuss zu diesem Vorhaben. In Zeiten

vor der gesteigerten allgemeinen Wertschätzung von Geobasis-

4

daten und der zwar bereits eingeleiteten, jedoch in der Praxis

nur punktuellen Vereinheitlichung der Datengrundlage bzw.

der Austauschformate des amtlichen Vermessungswesens

war die Beschaffung der Geoinformationen sehr aufwändig.

Es ergingen Aufträge an insgesamt 27 Kataster- und Landesvermessungsämter

in sieben Bundesländern zur Beschaffung

von analogen / digitalen Flurkarten, ALK-, ALB- und

Rasterdaten der DGK5 im TIFF-Format in Verbindung mit

dem Erwerb der entsprechenden Nutzungsrechte für den

Auftraggeber.

Soweit ALK-Daten vorlagen, konnten diese schnell in das

neue Kartenwerk übernommen werden. Die übrigen Flurstücke

im Vektordatenformat wurden nach Digitalisierung

der Flurkarten über die georeferenzierten Rasterdaten

gelegt. Die als ASCII-Dateien gelieferten Sachdaten aus dem

ALB- und BEDV-Bestand wurden in eine Access-Datenbank

importiert. Im Zuge dieser Arbeiten wurden über 3.000

Flurstücke mit einer Gesamtfläche von rund 8.000 Hektar

erfasst.

Die Digitalisierung der Flurstücksgrenzen mit Anbindung der

Sachdaten wurde mit Hilfe von Autocad Map durchgeführt.

Nach Auslieferung der Karten wurde eine überarbeitete Fassung

der Karten als transparente Deckblätter für Luftbilder

angefertigt und zusätzlich an den Kunden ausgeliefert.

Zur Vermeidung von Fehlern durch

das Arbeiten mit alten Kartenversionen

beschloss der Auftraggeber, den

Datenbestand als GIS im hauseigenen

Intranet zentral und redundanzfrei

bereitzustellen.

Seit 2001 wird der Datenbestand mit

Hilfe der Basissoftware Autodesk

MapGuide Server im Intranet über

einen hauseigenen Server zur Verfügung

gestellt. Dafür wurden die vorliegenden

grafischen Daten in das

MapGuide-eigene Format portiert

und die Sachdaten in das GIS eingebunden.

Die Möglichkeiten von MapGuide

wurden gezielt auf die Bedürfnisse

des Kunden zugeschnitten, indem

eine leicht zu bedienende Benutzeroberfläche

für den MapGuide-Viewer (als Client)

und nach Kundenvorgaben gestaltete Berichte

entwickelt wurden.

Die Fortführung der Katasterdaten erfolgt seitdem

durch Einpflegen der vom Auftraggeber zur

Verfügung gestellten Veränderungsnachweise

bzw. Kauf- oder Verkaufsmitteilungen ungefähr

halbjährlich.

Auf Wunsch des Auftraggebers wurden die Funktionalitäten

Schritt für Schritt erweitert. Aus

einem anfänglich reinen Liegenschaftsauskunftssystem

entwickelte sich ein System, das inzwischen

Pacht- und Mietdaten, objektbezogene

Speicherung von Dokumenten, Grundbuchdaten

mit Schwerpunkt Abteilung II und Leitungsinformationen

erfasst und verwaltet.

4

233


TECHNIK

234

Die Erfassung der zusätzlichen

Daten durch einfacheDigitalisierungsfunktionen

inkl. direkter Sachdateneingabe

mit Hilfe von

Assistenten und / oder Import

von GPS-Daten erfolgt

entweder vom Auftraggeber

selbst oder durch

den ÖbVI. Zusätzlich zum

DGK5-Grundriss wurden

auch in der digitalen Version

der Liegenschaftsverwaltung

Luftbilder hinterlegt.

Dem Auftraggeber ist eine

große Forstverwaltung angeschlossen.

Auch hier war der Bedarf

an einem digitalen Forstflächenmanagement

bis

hin zur computergestützten Erstellung von Forstbetriebskarten

gegeben. Trotz einer Vielzahl von Spezialsoftware

entschied sich der autarke Forstbereich zur Beauftragung

von Funktionserweiterungen für die Liegenschaftsverwaltung,

im Wesentlichen bezogen auf die Erfassung und

Dokumentation von Forstflächen, Biotopflächen, Holzabholpunkten,

Rückewegen und die Bereitstellung von freien (Planungs-)Layern.

4

Damit wächst das GIS zu einem »echten« webbasierten

Auskunftssystem, da auch die Außenstellen

der Forstverwaltung auf die Daten zurückgreifen

bzw. für ihren Bereich wiederum Daten

auf Grundlage der Informationsbasis erfassen.

ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure

haben große Erfahrung im Umgang mit Grundstücksdaten.

Beispielsweise vor dem Aufbau

einer leistungsfähigen Liegenschaftsverwaltung

ist eine umfangreiche, mitunter komplizierte

Recherche und Interpretation von Eigentumsdaten

und damit ein entsprechender fachlicher

»Background« zwingend erforderlich.

Die notwendige laufende Aktualisierung des

Datenbestandes und sukzessive Anpassung der

Programmfunktionalitäten an Kundenwünsche

durch den beratenden ÖbVI ermöglichen

den Aufbau bzw. die Festigung einer langjährigen

Geschäftsbeziehung zum Kunden.

Der Kunde wiederum hat den Vorteil, nicht nur

eine Software zu erwerben und damit allein

gelassen zu werden, sondern er gelangt in den

Genuss einer Komplettbetreuung durch einen

in allen liegenschaftsbezogenen Fragen kompetenten

Ansprechpartner.

Außerdem zeigt sich, dass eine GIS-Lösung auf

Basis einer Standardsoftware flexibel an jede

Kundenanforderung angepasst werden kann

und man »das Rad nicht zweimal erfinden«

muss, um entsprechende Dienstleistungen als

ÖbVI anzubieten.

Falls projektbezogene Programmelemente nach

Kundenwunsch entwickelt werden, können

diese im Anschluss an das Projekt gegebenenfalls

einem größeren Benutzerkreis als modularer

Softwareaufsatz zur Verfügung gestellt

werden.

Ist das diesbezügliche Geoinformatik-Knowhow

im ÖbVI-Büro nicht oder nicht genügend

vorhanden, kann auf das Wissen und die Erfahrungen

innerhalb der Kollegenschaft zurückgegriffen

werden. Hierzu wird ähnlich den Entwicklungen

im Wertermittlungsbereich |3| ein

GIS-Netzwerk zu entwickeln sein, welches lokal

durch Zusammenarbeit mehrerer ÖbVI bereits

an der einen oder anderen Stelle existiert.

Mit der Steigerung des Informationsdurchganges

im Internet sowie der Verfahrensentwicklungen

im Bereich der Datensicherheit ist

GIS-Studie

TECHNIK

Die Intergeo 2005 in Düsseldorf stand ganz im Zeichen des Geoinformationsmanagements.

Der »Runde Tisch GIS e. V.« analysierte die Messe hinsichtlich der angebotenen

GIS-Produkte. Es war der Trend zu erkennen, nicht Technologien in den Vordergrund

zu stellen, sondern Lösungen für diverse Anwendungsbereiche zu präsentieren.

Die Studie ergab, dass GIS und Verkehr ein wichtiges Thema für die Branche darstellen.

Kommunaler Besitz muss erfasst und digital verwaltet werden, wobei der Bedarf an

verschiedenen Katastersystemen, z. B. für Entwässerung, für den Baumbestand oder

für Ampelanlagen, ständig größer wird. Die Verschneidung mit anderen Anwendungen,

wie z. B. die Einbindung von 3D-Stadtmodellen in Fahrzeugnavigationssysteme,

stellt nur eine der vielseitigen Möglichkeiten von GIS dar.

Im Bereich der Energieversorgung ist GIS u. a. in den Bereichen Störungsmanagement

und Web-Anwendungen wie z. B. Online-Leistungsauskünfte von großer Bedeutung.

Der Einsatz von GIS im Katastrophenmanagement ist gerade in Hinblick auf die

aktuellen Tragödien unerlässlich und weit ausbaufähig, auf der Intergeo wurde dieser

Aspekt jedoch nur wenig beleuchtet.

Im Bereich der Hochschulen nimmt GIS eine immer bedeutendere Rolle ein, da zahlreiche

Entwicklungen auf den Forschungen der Universitäten beruhen. Um eine

Basis für die entsprechenden Studiengänge zu schaffen, soll auch an den Hochschulen

verstärkt GIS und der Umgang damit unterrichtet werden.

Insgesamt ist der GIS-Markt der am stärksten benutzer- und massenkompatible Part

der Geodäsiebranche, was auf der Intergeo deutlich zu spüren war.

(»Trendanalyse zur INTERGEO 2005«, Runder Tisch GIS e. V.,

Download der Studie unter http://www.rtg.bv.tum.de)

auch das Geodaten-Hosting durch den ÖbVI

selbst oder an zentraler Stelle innerhalb des

Netzwerks keine Utopie mehr.

Auch die Kernaufgaben des ÖbVI werden in

Zukunft nicht mehr fachgerecht ohne Kenntnis

der bundesweiten Entwicklungen einer

einheitlichen Geodatenbasis (»3A-System:

AFIS, ATKIS, ALKIS«) durchzuführen sein, wenn

auch nur im Hinblick auf die im Büro verwendete

Vermessungssoftware. Dies sollte aber

durch den Berufsstand nicht als Belastung,

sondern als Sprungbrett in den GIS-Sektor

gesehen werden.

Die überregionale Betreuung von grundstücksbezogenen

Datenbeständen kann nur durch

den Bezug auf bundeseinheitliche Geodatenbestandteile

und -austauschformate effizient

erfolgen.

Dipl.-Ing. Wolfgang Glunz

Am Brüll 19 • 40878 Ratingen

E-Mail: wolfgang.glunz@brauer-glunz.de

|3| Matzkows, J.: »Ein Jahr PROIMMO und 10.000 Aufträge«, FORUM 2/2005

4

235


RECHT RECHT

236

Das Verwaltungsgericht Hannover

zur Vermessungspraxis kommunaler Vermessungsstellen

NUR IN ZWEITER LINIE BEFUGT

Das Gericht hat sich mit dem Urteil gegen unzulässige, die Chancengleichheit im Wettbewerb

verletzende hoheitliche Maßnahmen kommunaler Vermessungsstellen ausgesprochen. Es

handelt sich um die erste Gerichtsentscheidung, mit der es ÖbVI gelungen ist, eine kommunale

Vermessungstätigkeit mit der Begründung abzuwehren, dass es sich bei der Vermessung nicht um

die Erfüllung einer eigenen Aufgabe der Kommune handelt.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts Hannover, wonach die Stadt dazu verpflichtet ist, es zu unter-

lassen, im Zuge der Veräußerung von städtischen Grundstücken (oder Teilen hiervon) an Dritte eine

Zerlegungsvermessung selbst auf Rechnung des Erwerbers durchzuführen, ist rechtskräftig. Das

Verwaltungsgericht hatte in seiner Entscheidung die Berufung zugelassen, die Landeshauptstadt

Hannover hat jedoch von der Möglichkeit der Einlegung der Berufung keinen Gebrauch gemacht.

4

TATBESTAND

Die Kläger sind im Land Niedersachsen zugelassene Öffentlich

bestellte Vermessungsingenieure, die ihren Betriebssitz in Hannover

bzw. den umliegenden Städten (…) haben. Sie streiten

mit der Beklagten um die Frage, welche Vermessungsleistungen

der Bereich Geoinformation der Beklagten – das frühere

Stadtvermessungsamt – zulässigerweise erbringen darf.

Im Jahre 2003 veräußerte die Beklagte eine noch zu vermessende

Teilflache des im städtischen Eigentum stehenden Flurstücks

xx, Flur xx, Gemarkung Hannover. Die Vertragsparteien

waren sich darüber einig, dass die Vermessung von der Beklagten

veranlasst und auf Kosten des Erwerbers durchgeführt

werden sollte (Punkte 8.2 und 9 des Kaufvertrages). Unter dem

23. Oktober 2003 stellte der Fachbereich Geoinformation der

Beklagten für die mittlerweile durchgeführte Zerlegungsvermessung

2.134,91 Euro in Rechnung. In diesem Betrag ist ein

Umsatzsteueranteil in Höhe von 284,95 Euro enthalten.

Mit Schreiben vom 6. und 26. November 2003 forderte der Bund

der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure e. V. die Bezirksregierung

Hannover auf, die Vorgehensweise der Beklagten

im o. g. Fall insbesondere im Hinblick auf die Zuständigkeit des

Fachbereichs Geoinformation der Beklagten nach dem Niedersächsischen

Gesetz über das amtliche Vermessungswesen zu

überprüfen. Die Bezirksregierung Hannover stellte daraufhin

unter dem 18. Dezember 2003 fest, dass die Vorgehensweise

der Beklagten nicht zu beanstanden sei. Der Fachbereich Geoinformation

habe die Zerlegungsvermessung durchführen dürfen,

da der Vermessungsauftrag von einem anderen Fachbereich

der Beklagten zur Erfüllung eigener Aufgaben erteilt worden

und das zu zerlegende Flurstück Eigentum der Beklagten

gewesen sei. Die Rechnungsstellung sei aufgrund der getroffenen

privatrechtlichen Kostenübernahmeerklärung erfolgt.

Am 1. Juni 2004 haben die Kläger Klage erhoben, die sie im

Wesentlichen wie folgt begründen: Der Bereich Geoinformation

der Beklagten sei als »andere behördliche Vermessungsstelle«

nur zur Vornahme von Vermessungsleistungen befugt,

soweit dies zur Erfüllung eigener Aufgaben erforderlich sei.

Die gesetzliche Regelung habe dabei Vermessungen im Blick

gehabt, die notwendigerweise bei der Erfüllung kommunaler

Aufgaben anfielen, etwa bei Umlegungs- bzw. Grenzregelungsverfahren

oder Verfahren zur Aufstellung von Bauleitplänen.

Die Vermessung kommunaler Grundstücke auf Kosten kaufinteressierter

Dritter gehöre selbst dann nicht dazu, wenn eine

solche Vermessung von einem anderen Fachbereich der Beklagten

veranlasst worden sei. Dies könne man bereits daran ersehen,

dass der Bereich Geoinformation der Beklagten in seiner

Rechnung Umsatzsteuer ausgewiesen habe. Nach der Umsatzsteuerrichtlinie

unterlägen nämlich nur solche Tätigkei-

ten der Umsatzsteuer, die ihrer Art nach auch von

Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren

durchgeführt würden. Auf den Umstand, dass das

zu vermessende Grundstück im Eigentum der

Beklagten stehe, komme es nicht entscheidend an.

Da die Beklagte meine, unzulässige Vermessungen

in Erfüllung hoheitlicher Befugnisse durchführen zu können,

beeinträchtige sie das Recht der Kläger auf Chancengleichheit

im Wettbewerb.

Der Kläger zu 1) hat den Rechtsstreit in der mündlichen Verhandlung

in der Hauptsache für erledigt erklärt. Die Beklagte

hat sich dieser Erledigungserklärung angeschlossen.

Die Kläger zu 2) bis 19) beantragen,

die Beklagte zu verpflichten, es zu unterlassen, im Zuge der

Veräußerung von in ihrem Eigentum stehenden Grundstü0cken

oder Teilen hiervon an Dritte eine Zerlegungsvermessung auf

Rechnung des Erwerbers durchzuführen.

Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Sie verteidigt ihre Vorgehensweise. Es gehöre zu den kommunalen

Aufgaben, stadteigene Grundstücke wirtschaftlich sinnvoll

zu verwerten. Wenn hierbei eine Vermessung erforderlich

werde, so sei diese Vermessung eben zur Erfüllung kommunaler

Aufgaben erforderlich. Diese Sichtweise verändere sich

auch nicht, weil aufgrund einer rein privatrechtlichen Vereinbarung

ein Dritter die Vermessungskosten trage. Schließlich

mache es bei ökonomischer Vorgehensweise keinen Sinn,

Grundstücke auf Vorrat zu vermessen, für die sich dann möglicherweise

kein Käufer finde.

Wegen des weiteren Sachverhalts wird auf den Inhalt der

Gerichtsakten und der beigezogenen Verwaltungsvorgänge

Bezug genommen.

ENTSCHEIDUNGSGRÜNDE

Soweit die Beteiligten die Hauptsache übereinstimmend für

erledigt erklärt haben, ist das Verfahren entsprechend § 92

Abs. 3 Satz 1 VwGO einzustellen.

Im Übrigen ist die Klage als allgemeine Leistungsklage zulässig,

für die gemäß § 40 Abs. 1 VwGO der Verwaltungsrechtsweg

gegeben ist. Die Beklagte stützt die von den Klägern beanstandete

Vermessungstätigkeit auf Vorschriften des Niedersächsischen

Gesetzes über das amtliche Vermessungswesen

vom 12. Dezember 2002 (NVermG – Nds. GVBl. 2003, Seite 5).

Besteht der von den Klägern behauptete unzulässige Eingriff

4

237


RECHT RECHT

238

in die Chancengleichheit ihrer Berufsausübung somit in einem

Tätigwerden der Beklagten auf dem Gebiet des öffentlichen

Rechts, so handelt es sich bei dem hier geltend gemachten Unterlassungsanspruch

auch um einen solchen aus einem öffentlich-rechtlichen

Rechtsverhältnis (so OVG Rheinland-

Pfalz, Urteil vom 28. Oktober 1987 – AZ: 8 A 107/86).

Die Kläger sind entsprechend § 42 Abs. 2 VwGO auch zur Erhebung

der Klage befugt. Sie können geltend machen, dass

die beanstandete Vermessungstätigkeit der Beklagten sie

möglicherweise in ihrem durch Artikel 2 Abs. 1 GG garantierten

Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit verletzt. Hierzu

gehört das Recht auf Teilnahme am freien Wettbewerb und

insbesondere das Recht auf Beachtung der Chancengleichheit

im Wettbewerb (vgl. BVerwG, Urteil vom 22. Mai 1980 – 3 C 2.80

– E 60, 154 ff.). Dieses Recht der Kläger kann durch die beanstandete

Vermessungstätigkeit der Beklagten beeinträchtigt werden.

Für die im Stadtgebiet der Beklagten ansässigen Kläger liegt

auf der Hand, dass sie auf dem Gebiet der Beklagten tätig werden

und mit der Beklagten konkurrieren, wenn es gilt, für

Grundstücksverkäufe erforderliche Vermessungen durchzuführen.

Für die im Umland der Beklagten ansässigen Kläger ist

dies zumindest nicht auszuschließen. Dies gilt umso mehr, als

die Beklagte beim Verkauf stadteigener Grundstücke dem Interessenten

quasi Vermessung und Verkauf »aus einer Hand«

bieten kann und es so dem möglichen Erwerber erspart, sich

der Dienste eines der Kläger zu bedienen, deren Betriebsadressen

er sich erst aus dem Branchenbuch heraussuchen

müsste.

Die Klage hat auch in der Sache Erfolg.

Die vom Fachbereich Geoinformation der Beklagten

geübte Praxis, die im Zuge der Veräußerung städtischer

Grundstücke anfallenden Zerlegungsvermessungen

auf Rechnung der Erwerber durchzuführen,

verstößt gegen das Recht der Kläger, in ihrer Berufsausübung

nicht durch unzulässige, die Chancengleichheit

im Wettbewerb verletzende hoheitliche

Maßnahmen beeinträchtigt zu werden. Nach § 6 Abs. 2

NVermG wirken die Kläger als Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure

bei der Erfüllung der Vermessungsaufgaben

nach dem NVermG mit und sind dabei nur den Einschränkungen

des Niedersächsischen Gesetzes über Öffentlich bestellte

Vermessungsingenieure vom 16. Dezember 1993 (NÖbVIngG –

Nds. GVBl., Seite 707) unterworfen. Mit der Durchführung der

im Zuge der Veräußerung städtischer Grundstücke anfallenden

Zerlegungsvermessungen auf Rechnung der Erwerber

beeinträchtigt die Beklagte die Wettbewerbsfähigkeit der

Kläger, weil sie damit Aufgaben wahrnimmt, die ihr vom Landesgesetzgeber

nicht zugewiesen werden.

4

»DIE VERÄUSSERUNG NICHT MEHR BENÖTIGTER GRUNDSTÜCKE

GEHÖRT NICHT ZU DEN KOMMUNALEN AUFGABEN …«

Nach § 6 Abs. 1 NVermG obliegt der Nachweis der Liegenschaften

und der Topographie für das Landesgebiet den Vermessungs-

und Katasterämtern des Landes. Nach § 6 Abs. 2

NVermG wirken bei diesen Aufgaben Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure

nach Maßgabe des NÖbVIngG mit. Andere

behördliche Vermessungsstellen wie der Fachbereich

Geoinformation der Beklagten sind gemäß § 6 Abs. 3 NVermG

nur befugt, Angaben zu Liegenschaften zu erfassen, Grenzfeststellungen

und Abmarkungen vorzunehmen sowie Grenzfeststellungsverträge

abzuschließen, soweit es zur Erfüllung

eigener Aufgaben erforderlich ist.

Dem Gesetzeswortlaut entnimmt die Kammer eine

eindeutige Rangfolge bei der Aufgabenzuweisung: In

erster Linie haben die Katasterämter Vermessungsaufgaben

wahrzunehmen, wobei die Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure mitwirken. Kommunale

Vermessungsstellen sind nur in zweiter Linie und

auch nur dann zu Vermessungstätigkeiten befugt,

wenn die Erfüllung eigener Aufgaben es verlangt.

Den im Gesetzgebungsverfahren geäußerten Wunsch, die an

die Erfüllung eigener Aufgaben gebundene Mitwirkung kommunaler

Vermessungsstellen an der Aufgabenerfüllung des

amtlichen Vermessungswesens zu erweitern, ist der Gesetzgeber

aus Gründen eines geordneten Vermessungswesens ausdrücklich

nicht gefolgt (so die Begründung zur 2003 erfolgten

Neuregelung, LT-Drs. 14/ 3350, Seite 20). Daher verbietet sich

nach Auffassung der Kammer eine großzügige Interpretation

des § 6 Abs. 3 NVermG.

Die vom Fachbereich Geoinformation der Beklagten auf Kosten

der Erwerber städtischer Grundstücke durchgeführten Zerlegungsvermessungen

sind i. S. d. § 6 Abs. 3 NVermG zur Erfüllung

eigener Aufgaben der Beklagten nicht erforderlich.

Denn entgegen der Auffassung der Beklagten gehört die Veräußerung

städtischer Grundstücke oder von Teilen städtischer

Grundstücke, die zu kommunalen Zwecken nicht mehr benötigt

werden, nicht zu den »eigenen Aufgaben« i. S. d. NVermG.

Mit »eigenen Aufgaben« i. S. d. § 6 Abs. 3 NVermG sind nämlich

nicht die Aufgaben der »anderen Vermessungsstellen« gemeint,

zu denen die beanstandete Vermessungstätigkeit der Beklagten

ohne weiteres zu zählen wäre. Der Begriff umfasst vielmehr die

in der eigenen Wahrnehmungszuständigkeit liegende Aufgabe

der Behörde, der die »andere behördliche Vermessungsstelle« angehört.

Dabei ist auf die Gesamtheit der Aufgaben abzustellen.

Zudem müssen die erforderlichen Vermessungen unabdingbarer

Bestandteil der eigenen Bundes-, Landes- oder Kommunalaufgabe

sein. Verwaltungsökonomische Gründe allein, Zweckmäßigkeit

oder bloßes (wirtschaftliches) Interesse an der Durchführung

der Vermessungen genügen nicht (Möllering / Bauer,

Niedersächsisches Vermessungs- und Katastergesetz, Wiesbaden

1990, Seite 56). Diesen Kriterien genügt die beanstandete

Vermessungstätigkeit des Fachbereichs Geoinformation der

Beklagten nicht.

Bei der Beklagten handelt es sich um eine kommunale Gebietskörperschaft

i. S. d. § 1 Abs. 2 NGO. Nach § 2 Abs. 1 NGO sind

die Gemeinden in ihrem Gebiet die ausschließlichen Träger der

gesamten öffentlichen Aufgaben, soweit die Gesetze nicht ausdrücklich

etwas anderes bestimmen. Sie stellen in den Grenzen

ihrer Leistungsfähigkeit die für ihre Einwohnerinnen und

Einwohner erforderlichen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen

öffentlichen Einrichtungen bereit. Als typische Aufgabenfelder

lassen sich benennen: die Grundversorgung, das

Bau- und Wohnungswesen, Bildung und Kultur, Kontaktpflege,

Öffentlichkeitsarbeit, Soziales, Sport, Freizeit, Erholung, Wirtschaft

und Verwertung von Abfällen (KVR Nds. – Göke, § 4 NGO,

Rn. 20). All diesen Aufgaben ist gemein, dass sie Handlungsbefugnisse

und Handlungspflichten begründen, die die Gemeinde

auf ihrem Gebiet nach außen gegenüber ihren Einwohnerinnen

und Einwohnern erfüllt. Die eigenen Angelegenheiten

im Sinne des Artikels 57 Abs. 1 NV, etwa die Gestaltung

der inneren Organisation der Gemeinde, gehören nicht

dazu (KVR Nds. – Göke, § 2 NGO, Rn. 5).

Entgegen der Auffassung der Beklagten gehört die

Veräußerung nicht mehr benötigter Grundstücke

bzw. Grundstücksteile nicht zu den kommunalen

Aufgaben i. S. d. § 2 NGO. Die Entscheidung, kommunales

Grundeigentum zu veräußern, und schließlich

die Veräußerung selbst, ist eine Angelegenheit der

Gemeinde, die die Gestaltung der inneren Organisation

betrifft. Derartige Grundstücksveräußerungen

erfolgen ausschließlich im Rahmen der Verwaltung

des Gemeindevermögens. Die insoweit anwendbaren

Vorschriften der §§ 82 Abs. 1, 97 Abs. 1 NGO

setzen aber bereits ihrem Wortlaut nach voraus, dass

die kommunale Vermögensverwaltung ein Mittel zur

Aufgabenerfüllung, nicht aber selbst Aufgabe im

Sinne des § 2 NGO ist.

Dies mag in besonders gelagerten Fällen anders zu beurteilen

sein, etwa wenn die Gemeinde im Rahmen der ihr obliegenden

Förderung der Wirtschaft oder des Bau- und Wohnungswesens

Bauland bereitstellt und veräußert. In einem solchen

Fall wäre die notwendige Außenwirkung der Grundstücksveräußerung

gegenüber der Gemeindebevölkerung gegeben.

Auch bei der Erfüllung der kommunalen Aufgabe »Straßenbau«

können Grundstücksgeschäfte und damit Vermessungen

erforderlich werden. In solchen Fällen wäre der Fachbereich

Geoinformation der Beklagten ohne weiteres befugt, das benötigte

Straßengrundstück selbst zu vermessen. Diese Befug-

nis erstreckt sich aber nicht auf die Vermessung

der beim Straßenbau unter Umständen übrig

bleibenden Grundstücksteile, denn eine Veräußerung

dieser Flächen ist nicht unabdingbarer

Bestandteil des Straßenbaus.

Letztlich kann die Beklagte die beanstandete Vermessungstätigkeit

ihres Fachbereichs Geoinformation aber deshalb nicht

auf § 6 Abs. 3 NVermG stützen, weil der Fachbereich Geoinformation

derartige Vermessungen für Rechnung außerhalb der

Kommunalverwaltung stehender Dritter ausführt. Zur Ausführung

derartiger Vermessungstätigkeiten auf Kosten einer dritten

Person ist der Fachbereich Geoinformation der Beklagten

nach Sinn und Zweck der Regelung des § 6 Abs. 3 NVermG nicht

befugt. Wie bereits dargestellt, regelt das NVermG die Zuständigkeiten

im Vermessungswesen im Rahmen eines Regel- / Ausnahmeverhältnisses.

Die Zuständigkeit kommunaler Vermessungsstellen

nach § 6 Abs. 3 NVermG ist gegenüber der Regelzuständigkeit

subsidiär und stellt nach Auffassung der Kammer

eine Privilegierung der Behörden dar, denen eine Vermessungsstelle

angegliedert ist. Die gesetzliche Regelung soll

diejenigen Kommunen wirtschaftlich entlasten, die zur Erfüllung

ihrer Aufgaben häufig Vermessungsleistungen benötigen.

Da die anfallenden Kosten für Vermessungsleistungen, die zur

Erfüllung kommunaler Aufgaben wie Bauleitplanung oder

Straßenbau vorgenommen werden müssen, typischerweise

nicht auf außerhalb der Kommunalverwaltung stehende Dritte

abgewälzt werden können, soll es den Kommunen ermöglicht

werden, eigene Vermessungsstellen einzurichten und aus dem

Kommunaletat zu unterhalten, um die erforderlichen Vermessungsleistungen

kostengünstiger vornehmen zu können, als

dies bei einer Inanspruchnahme der Katasterämter oder Öffentlich

bestellten Vermessungsingenieure der Fall wäre. Dieser hinter

der Regelung des § 6 Abs. 3 NVermG stehende Zweck entfällt,

wenn die Kommune die Kosten für eine Vermessung außerhalb

der Kommunalverwaltung quasi auf dem »freien« Markt in Konkurrenz

zu den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren

anbietet, um ihre Vermessungsstelle effektiver auszulasten.

Die Kostenentscheidung folgt aus §§ 154 Abs. 1, 161 Abs. 2

VwGO. Hinsichtlich des Klägers zu 1), der nicht mehr Öffentlich

bestellter Vermessungsingenieur ist, entspricht es billigem Ermessen,

die Kosten der Beklagten aufzuerlegen, da sie auch

insoweit unterlegen gewesen wäre. Die Entscheidung über die

vorläufige Vollstreckbarkeit beruht auf § 167 VwGO in Verbindung

mit §§ 708 Nr. 11, 711 Satz 1 ZPO.

Die Berufung war nach § 124 Abs. 2 Nr. 3 VwGO zuzulassen.

(Anm. der Redaktion: Die Beklagte hat von der Möglichkeit der

Einlegung der Berufung keinen Gebrauch gemacht. Das Urteil

ist somit rechtskräftig und das Verfahren abgeschlossen.)

4

239


FORUM FUNDUS

Werner-Dietrich Schmidt 15. April 2005

Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure

Luisenstraße 46

10117 Berlin

Betrifft: Hoch- und Rechtswert

Sehr geehrte Damen und Herren,

auf der Suche nach einer Erklärung der Begriffe Hochwert und Rechtswert

suchte ich vergeblich eine Lösung im neuen 20-bändigen Lexikon, das die

ZEIT kürzlich herausgebracht hat. Enttäuscht schrieb ich an den Verlag

(siehe Kopie) und erhielt die ebenfalls als Kopie beigefügte Antwort.

Ich bin nicht der Meinung, dass derart spezielle Termini aus einem eindeutig

fachspezifischen Kontext selbst die Möglichkeiten umfänglicher

Enzyklopädien überschreiten, und hätte gern Ihre Meinung dazu gehört.

Übrigens: In dem 15-bändigen Meyers Großen Universal-Lexikon aus den

80er Jahren sind die Begriffe genannt, aber nicht zur Gänze erklärt. Der

Hochwert gibt die Meter vom Äquator in Richtung Nordpol an, das ist noch

eine einfache Definition; aber beim Rechtswert kamen meine Informanten

auch ins Schwimmen. Sicher wird es Ihnen leicht fallen, mich schlau

zu machen!

Vorab schon recht herzlichen Dank für Ihre Mühe und

mit freundlichen Grüßen

Werner-D. Schmidt

240

RECHTS- UND HOCHWERT

SEHR GEEHRTER HERR SCHMIDT,

I hre

Anfrage zum Thema »Rechts- und Hochwert« hat die

FORUM-Redaktion veranlasst, sich dieser Problematik

anzunehmen. Sie beklagten in Ihrem Schreiben, dass beide

Begriffe im neuen 20-bändigen Lexikon der ZEIT völlig fehlen.

Die Antwort der ZEIT war eindeutig: zu speziell, zu fachspezifisch,

jenseits der Grenzen lexikalischer Berichterstattung.

Sie gaben an, dass in Meyers Großem Universal-Lexikon aus

der 80er Jahren die Begriffe zwar genannt, nicht jedoch zur

Gänze erklärt seien.

4

Um zu testen, ob Rechtswert und Hochwert tatsächlich keinerlei

lexikalische Bedeutung haben, wurde wie folgt recherchiert:

Meyers Großes Handlexikon aus dem Jahre 1996

kennt die Begrifflichkeiten nicht.

Im 20-bändigen dtv-Konversationslexikon des Jahres 1976

ist zwischen »Rechtsweg« und »Rechtswidrigkeit« ebenso

wie zwischen »Hochwasser« und »Hochwild« gähnende Leere.

Und selbst dem Großen Duden des Jahres 1986 sind die

fraglichen Wörter fremd. Es sei an dieser Stelle angemerkt,

dass man im nämlichen Duden Vokabeln wie »schlampampen«

oder »Hyetographie« antrifft, scheinbar weit umgangssprachlicher

und weniger fachspezifisch als Rechts- und

Hochwert.

Um Ihre Frage beantworten zu können, wurde daraufhin die

unendliche digitale Wissensgrube des Internets zu Rate gezogen.

Gibt man »Hochwert« in eine Suchmaschine ein, bekommt

man zunächst Antworten, welche nur bedingt geodätisch zu

deuten sind: »Qualitativ hochwert. Schuhmode zum günstigen

Preis« und Ähnliches wird dem Fragenden angeboten.

Bei »Wissen.de«, der Wissensplattform des Bertelsmann-Verlages,

ist zwischen »Rechtswendung« und »Rechtswesen«

nichts zu finden. Im Online-Lexikon »Xipolis.net« hat man

schließlich Erfolg, die Erklärungen lassen jedoch zu wünschen

übrig: »Rechtswert – Rechtswert Gauß-Krüger-Koordinaten.«

Aha. Aber immerhin schon ein Anfang.

Die genaue Definition findet man letztendlich im interaktiven

Nachschlagewerk »wikipedia.org«. Jeder Mensch, welcher

über einen Internetzugang verfügt, kann hier bisher Ungenanntes

erklären und bestehenden Einträgen Wissenswertes

hinzufügen. Und so hat die Recherche dann folgendes fachlich

geprüftes und für richtig befundenes Resultat:

»Als Rechtswert wird im Gauß-Krüger-Koordinatensystem der

rechtwinklige Abstand von der Abszissenachse (Hauptmeridian)

bezeichnet. Um negative Rechtswerte zu vermeiden, hat

Werner-Dietrich Schmidt 15. April 2005

DIE ZEIT Pressehaus

z. Hd. ZEIT-Lexikon Kundenservice

Speersort 1

20095 Hamburg

ZEIT-Lexikon, Kunden-Nr. 208371

Sehr geehrte Damen und Herren,

ob ich mit dem Kundenservice den richtigen Ansprechpartner gewählt

habe, da bin ich nicht ganz sicher; aber eine andere Adresse fand ich

nicht. Eigentlich geht das Folgende die Lexikon-Redaktion etwas an.

Gegebenenfalls leiten Sie meinen Brief bitte weiter.

Ich habe das ZEIT-Lexikon bestellt. Sie sind gerade bei der Auslieferung.

Gestern ist Band 16 (Zz) angekommen. Klar, dass ich meine neue Errungenschaft

bei der ersten Fragestellung in Anspruch nehmen wollte. Leider

war das Ergebnis negativ.

Bei verschiedenen Behörden, z. B. dem Katasteramt oder dem Umweltamt,

benötigt man zur Standortbestimmung eines bestimmten Punktes den

Hochwert und den Rechtswert. Was ist das eigentlich genau?, wollte ich

wissen. Da ist doch das neue Lexikon. Das Alphabet in 16 Bänden! Ich

schaute hinein und wurde bitter enttäuscht: GAR NICHTS! Nicht einmal

die Worte an sich werden genannt, geschweige denn ihre Bedeutung.

Das war meine erste praktische Begegnung mit dem neuen ZEIT-Lexikon.

Jetzt warte ich auf überwiegend – eigentlich ausnahmslos – positive

Begegnungen, die ich Ihnen natürlich nicht jedes Mal schildern werde.

Bei Häufung negativer Begegnungen hätte ich wohl eine Fehlinvestition

getätigt und müsste mir überlegen, die Ware zurückzugeben.

Ob Sie sich wohl dazu äußern werden?

Mit freundlichen Grüßen

Werner-D. Schmidt

der Hauptmeridian den Rechtswert 500.000 m. Außerdem wird

dem Rechtswert bei der Koordinatendarstellung noch die

Kennziffer des jeweiligen Meridianstreifens vorangestellt, um

weltweit eindeutige Koordinatenwerte zu erhalten. Ein weiterer

Bestandteil der Koordinate ist der Hochwert.«

(http://de.wikipedia.org.wiki/Rechtswert)

»Der Hochwert ist neben dem Rechtswert ein Bestandteil der

Koordinate im Gauß-Krüger-Koordinatensystem, in dem er

auf der X-Achse aufgetragen wird. Er bezeichnet die Entfernung

eines Punktes zum Äquator in Metern.«

(http://de.wikipedia.org/wiki/Hochwert)

FORUM FUNDUS

Als hätte man es in der Vorlesung mitgeschrieben. Klickt man

auf Wörter wie Koordinatensystem, Meridian, Gauß oder

Krüger, erscheinen die jeweiligen Definitionen in ebenso allgemein

verständlicher wie wissenschaftlich korrekter Ausführung.

Allein die Erklärung des Gauß-Krüger-Koordinatensystems

umfasst drei Seiten mit Abbildungen und zahlreichen

nützlichen Verlinkungen.

Sehr geehrter Herr Schmidt, wir bedanken uns für Ihr Interesse

an der Geodäsie und hoffen, mit dieser Erklärung etwas

Licht ins Dunkel gebracht zu haben. Unser Fazit jedenfalls

ist, zugunsten eines platzsparenden Computers auf das neue

20-bändige Lexikon der ZEIT zu verzichten. So bleibt im Regal

auch genügend Platz für die FORUM-Hefte.

Herzliche Grüße aus Berlin

Ihre FORUM-Redaktion

PS: »Hyetographie« ist übrigens die Beschreibung der Niederschlagsverteilung

und »schlampampen« bedeutet, sein Gut

zu verprassen. Wieder was gelernt.

4

241


FORUM FEDERALE

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JAHRESBERICHT 2004 DER ÖBVI IN NORDRHEIN-WESTFALEN

STATISTIK SCHAFFT TRANSPARENZ

Die ÖbVI in Nordrhein-Westfalen haben erstmalig zum Stichtag 31. Dezember 2004 neu strukturierte

4

Jahresberichte digital an die zuständigen Bezirksregierungen übermittelt. Über das Innenministerium

hat die BDVI-Landesgruppe die statistischen Auswertungen der fünf Regierungsbezirke (Arnsberg = AR,

Detmold = DT, Düsseldorf = D, Köln = K, Münster = MS) und des gesamten Landes NRW erhalten. Wegen

der 100 %-Stichprobe sind die Ergebnisse signifikant.

ZUR BÜRO- UND MITARBEITERSTRUKTUR

DER ÖBVI IN NRW

In NRW beschäftigen 481 ÖbVI insgesamt 2.596,65 Mitarbeiter

(durchschnittlich 5,4 je ÖbVI) und 305 Auszubildende (0,63 je

ÖbVI). Die beschäftigten Mitarbeiter unterteilen sich in 1.856,6

Fachkräfte (93,5 Verm.-Ass., 400,75 Verm.-Ing. 72,1 Staatl. gepr.

VT, 1.290,25 VT), 307,75 sonstige Angestellte (0,64 je ÖbVI) und

432,3 Messgehilfen (0,90 je ÖbVI). Erfreulich ist die hohe Ausbildungsquote.

Vergleicht man die fünf Regierungsbezirke, so gibt es große

Unterschiede bei der Zahl der ÖbVI und hinsichtlich ihrer

Beschäftigten. Die höchste Zahl der ÖbVI im Bezirk Köln mit

161 (im Vergleich: AR 97, DT 46, D 114, MS 63) bedingt infolge

der vielen Kleinstbüros die geringste Zahl der Beschäftigten

(4,4 je ÖbVI). Die Kollegen im Bezirk Münster beschäftigen mit

Abstand die meisten Mitarbeiter (6,7 je ÖbVI) und Auszubildenden

(0,79 je ÖbVI). Der Bezirk Detmold mit 0,37 Auszubildenden

je ÖbVI bleibt deutlich hinter dem Landesdurchschnitt

von 0,63. Die Zahl der Vermessungsgenehmigungen I

und II beträgt landesweit 766; das sind 1,6 je ÖbVI.

Von 481 zugelassenen ÖbVI arbeiten 185 Kollegen in 87 Arbeitsgemeinschaften.

Von den 383 ÖbVI-Büros sind 147 mit

GPS-Empfängern (38 %) und 124 mit Digitalnivellieren (32 %)

ausgestattet (insgesamt 234 GPS-Empfänger und 145 Digitalnivelliere).

Wenn der Einsatz eines GPS-Empfängers oder eines

Digitalnivelliers ein Zeichen für hohen technischen Standard

ist, so sind die Büros in Köln mit einem prozentualen Anteil

von nur 27 % (mit GPS) bzw. 21 % (mit Digitalnivellier) am

schlechtesten und die in Detmold (57 % bzw. 43 %) deutlich

am besten ausgestattet.

Grundbuchzugriffsberechtigungen haben in NRW mit insgesamt

14 nur ganz wenige Büros (AR 3, DT 0, D 3, K 7, MS 1).

Katasterzugriff hat dagegen deutlich die Mehrheit der ÖbVI-

Büros (227 oder 59 %), wobei die Verteilung in den Bezirken

sehr unterschiedlich ist. Während die Büros in Münster (96 %)

und Köln (78 %) überproportional zum Landesdurchschnitt

Zugriffsberechtigung haben, fallen Arnsberg (49 %), Düsseldorf

(33 %) und Detmold (30 %) deutlich ab.

FAZIT

Die Zahlen der Beschäftigungs- und Ausbildungsverhältnisse

je ÖbVI verdeutlichen gesellschaftspolitisch die Bedeutung des

Berufsstandes der ÖbVI für die Beschäftigung und für die Ausbildung

in NRW. Auffällig ist, dass teurere Fachkräfte wegen

des stärkeren Einsatzes von Technik (z. B. GPS) immer mehr die

Arbeit der ungelernten Hilfskräfte (Messgehilfen) früherer Zeit

ersetzen. Die absoluten Zahlen für den GPS-Einsatz und für

die Kataster- und Grundbuchzugriffsberechtigungen der Büros

im Land NRW und insbesondere die starken Unterschiede in

den einzelnen Bezirken lassen noch ein enormes Entwicklungspotenzial

in den Ausstattungsstandards der Büros erkennen.

Es wäre wünschenswert, wenn eine größere Anzahl von Kollegen

den Grundbuchzugriff nutzen würde, um ihre Beraterfunktion

in Liegenschaftsangelegenheiten stärker in den Vordergrund

zu stellen.

ZUR BERUFSTÄTIGKEIT DER ÖBVI IN NRW

Im Landesdurchschnitt beträgt der Anteil der hoheitlichen

Tätigkeit 79 % am gesamten Volumen:

Teilungsvermessung 22 %

Grenzvermessung 3 %

Gebäudeeinmessung 34 %

Amtliche Lagepläne 15 %

Amtliche Grenzanzeige 2 %

Landesvermessung 1 %

Sonstige hoheitliche Aufgaben 2 %

Der nicht hoheitliche Arbeitsanteil von 21 % gliedert sich

wie folgt:

Grundstückswertermittlung 1 %

Bodenordnerische Tätigkeit 1 %

Beratende und gutachterliche Tätigkeit 1 %

Privatrechtliche Vermessungstätigkeit 18 %

Die größten Abweichungen vom Durchschnitt treten in Detmold

auf. Der Anteil an hoheitlichen Vermessungen liegt hier

bei 92 % (+ 13 Prozentpunkte zum Durchschnitt), am geringsten

ist der Anteil in Arnsberg mit 74 %, wohingegen der Anteil

an hoheitlicher Berufstätigkeit in Düsseldorf bei 77 %, in

Köln bei 79 % und in Münster bei 81 % nahe dem Mittel liegt.

Auffällig ist der durchweg hohe Anteil der Gebäudeeinmessungen

(Landesdurchschnitt 34 %) an der Berufstätigkeit der

ÖbVI. Amtliche Lagepläne machen in NRW 15 % aus. Bei der

Anfertigung Amtlicher Lagepläne ist ein Stadt-Land-Gefälle

signifikant. Während Düsseldorf (20 %) und Köln (17 %) deutlich

über dem Durchschnitt liegen, wird der Amtliche Lageplan

in den mehr ländlichen Bezirken Detmold (7 %) und Münster

(10 %) wesentlich weniger gefordert.

Die ÖbVI in NRW haben 2004 insgesamt 17.472 Teilungsvermessungen

(im Durchschnitt 36,3 je ÖbVI), 1.938 Grenzvermessungen

(4,0 je ÖbVI), 17.575 Amtliche Lagepläne (36,5 je

ÖbVI) und 2.314 Amtliche Grenzanzeigen (4,8 je ÖbVI) erledigt.

Wegen der Eilbedürftigkeit dieser Arbeiten ist es nicht verwunderlich,

dass sich bei diesen Tätigkeiten die Zugangs- und

die Erledigungszahlen im Jahr in etwa die Waage halten.

Anders sieht das bei den Gebäudeeinmessungen aus. Hier

übertreffen die 2004 erledigten Anträge (53.768; durchschnittlich

112 je ÖbVI) deutlich die Anzahl der Zugänge des Jahres

2004 (43.443). Der Grund liegt in der landesweiten Anstrengung,

die hohe Zahl der rückständigen Gebäudeeinmessungen

abzubauen. Es wurden 2004 34.439 Gebäudeeinmessungen aus

den früheren Jahren abgeschlossen. Trotzdem verblieben am

31. Dezember 2004 im Durchschnitt je ÖbVI noch 33 Anträge

von unerledigten älteren Gebäudeeinmessungen, wobei es regional

große Unterschiede im Bearbeitungsstand gibt. An der

Abarbeitung dieser unerledigten Gebäudeeinmessungen muss

zügig weitergearbeitet werden, damit das Liegenschaftskataster

seinem Aktualitätsanspruch gerecht werden kann.

FAZIT

Der allgemein prognostizierte Rückgang der hoheitlichen Tätigkeit

in NRW muss wegen ihres hohen Anteils an der gesamten

Tätigkeit der ÖbVI Besorgnis in der Kollegenschaft auslösen.

Umso stärker müssen die Anstrengungen sein, die anderen Arbeitsfelder

(z. B. Immobilienwertermittlung, Bodenordnung,

Facility-Management) für den Berufsstand der ÖbVI weiter zu

erschließen.

Die Gebäudeeinmessungspflicht in NRW bewirkt den hohen

Anteil der Gebäudeeinmessungen an der gesamten hoheitlichen

Vermessungstätigkeit. Die Abarbeitung der Gebäudeeinmessungspflicht

in NRW steht auf dem Prüfstand. Ein Wegfall

der Gebäudeeinmessungspflicht wäre verheerend für die Aussagekraft

des Eigentumssicherungssystems »Liegenschaftskataster«.

Alle Kollegen sind aufgerufen, die Gebäudeeinmessungspflicht

der Grundstückseigentümer durch zeitnahe Auftragsbearbeitung

ernst zu nehmen, um eine hohe Aktualität

des Liegenschaftskatasters zu gewährleisten.

Die vorliegende statistische Auswertung wäre bei einem Vergleich

mit früheren Jahren noch interessanter. Wegen der erstmaligen

Vorlage der Jahresstatistik 2004 in dieser Form ist ein

Vergleich heute noch nicht möglich.

Nimmt man die Angaben aus dem Grundstücksmarktbericht

NRW 2005 hinzu, so rundet die Negativentwicklung bei der Zahl

der Verkaufsfälle im Jahre 2004 für unbebaute Baugrundstücken

(-19 % gegenüber 2003), für Ein- und Zweifamilienhäuser

(-14 %) und für Eigentumswohnungen (-10 %) das Bild ab.

Die wirtschaftliche Lage ist nicht rosig, angesichts der Qualität

unserer Mitarbeiter aber auch nicht hoffnungslos.

Hubert Middrup, Vorstand Landesgruppe NRW

FORUM FEDERALE

4

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BÜCHER

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PETER HOLZNER UND ULRICH RENNER

ROSS-BRACHMANN

ERMITTLUNG DES VERKEHRS-

WERTES VON GRUNDSTÜCKEN

UND DES WERTES

BAULICHER ANLAGEN

Die im Jahr 2005 herausgegebene, inhaltlich völlig neu gestaltete

29. Auflage folgt der Tradition, all denjenigen, die

in der beruflichen Praxis mit der Wertermittlung befasst sind,

einen Leitfaden in die Hand zu geben, in dem alles Wissenswerte

zu diesem Thema auf aktuellem Stand zusammengefasst

ist.

Im Rahmen des sich gegenwärtig vollziehenden Prozesses

starker wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen,

deren Ausmaß nur vage zu erahnen ist, stehen die Bewertungssachverständigen

vor einer Herausforderung, der sie nur gewachsen

sind, wenn ihre Fach- und Marktkenntnisse auf dem

neuesten Stand sind.

In diesem Prozess muss sich auch ein Bewertungsfachbuch der

ständigen Überprüfung durch wissenschaftliche Diskussion

sowie durch Grundstücksmarkt- und sonstige ökonomische

Rahmenbedingungen unterziehen.

Mit der 29. Auflage wird dem Nutzer erstmals in der Geschichte

des Ross-Brachmann eine grundlegend überarbeitete Version

zur Verfügung gestellt, die unter Berücksichtigung sowohl der

historischen Verpflichtung als auch neuer Entwicklungen und

Erkenntnisse zu einer Neupositionierung und stärkeren Ausrichtung

des Buches als »Leitfaden« geführt hat.

Unter dieser Prämisse wurde das seit Jahrzehnten in der Praxis

bewährte Bewertungshandbuch neben der verbesserten und

übersichtlichen Gliederung um einleitende modelltheoretische

Ausführungen, die Darstellung nicht normierter Bewertungsverfahren

sowie praktische Hinweise zur Gutachtener-

4

Theodor Oppermann Verlag, Isernhagen,

29. Auflage 2005, vollständig neubearbeitete

Ausgabe, 888 Seiten, DIN A5, gebunden,

ISBN 3-87604-000-0, 126,- E

stellung ergänzt. Des Weiteren werden Spezialthemen und

besondere Bewertungsfragen behandelt, ihre Problemstellungen

kommentiert und Lösungsansätze aufgezeigt.

Im Mittelpunkt der Neuauflage steht das Ertragswertverfahren

entsprechend der heutigen Bewertungspraxis. Neu aufgenommen

sind Bewertungsthemen wie Rechte und Belastungen auf

Grundstücken, Erbbaurechte, Grundstücke mit denkmalgeschützten

Gebäuden, öffentlich geförderter Wohnungsbau,

Spezialimmobilien wie Hotels, Freizeiteinrichtungen, Altenund

Pflegeheime sowie die Beleihungswertermittlung und

nicht normierte Bewertungsverfahren.

Außerdem erfolgte im Rahmen der Ermittlung des Wertes der

baulichen Anlagen auf der Basis der NHK 1913/14 die zusätzliche

Aufnahme der derzeit aktuellen NHK 2000 mit einer entsprechenden

Kommentierung.

Hintergrund der Gegenüberstellung sowohl der 1913/14 – als

auch der 2000-Werte ist, allen Bewertungssachverständigen

die Möglichkeit zu geben, anhand umfassenden Datenmaterials

zu sachgerechten und marktnahen Ergebnissen unter

Berücksichtigung der eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen

in der Bewertungstätigkeit zu gelangen.

Der »Alltagstest« ergibt zunächst einen klaren, übersichtlichen

und somit benutzerfreundlichen Aufbau. In den themenbezogenen

Kapiteln von den Grundlagen der Immobilienbewertung

über Wertermittlungsverfahren, besondere Bewertungsthemen,

praktische Hinweise bis hin zu den wichtigsten Gesetzen,

Verordnungen und Richtlinien findet der Bewertungssachverständige

grundlegende und darüber hinaus für ihn wichtige

Informationen und Hinweise zur Gutachtenbearbeitung.

Hervorzuheben ist die Behandlung

wirtschaftlicher und technischer Spezialfälle,

die unter den heutigen veränderten

gesellschaftlichen Bedingungen

immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Dabei sind neben besonderen mietvertraglichen

Vereinbarungen und deren

Auswirkungen, die Leerstandsproblematik

(»Struktureller Leerstand«), Altlasten

sowie Baumängel und Bauschäden

zu nennen. Positiv fällt die Untermauerung

der Sachverhalte anhand

von Beispielen auf.

Kritische Praktiker werden sich jedoch

hier und da Ergänzungen und teilweise

tiefgreifendere Ausführungen wünschen

bzw. inhaltlichen Erweiterungsbedarf

sehen. Trotzdem wird der neue

Ross-Brachmann seinem gefestigten

Anspruch als »Leitfaden« und kompaktes

Handbuch in der Bewertungsfachliteratur

gerecht. Die Neupositionierung

gegenüber den bisherigen Auflagen,

gemäß den aktuellen Rahmenbedingungen

der Märkte, ist meines Erachtens

gelungen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis bewegt

sich mit 126,– Euro im Rahmen üblicher

Preisspannen für Bewertungsfachliteratur.

Derzeit gibt es auf dem Markt ein umfassendes

Angebot an Fachliteratur zu

fast allen Bewertungsthemen mit gutem

fachlichem und teilweise noch umfangreicherem

Inhalt, so dass es für den

neuen Ross-Brachmann nicht leicht

sein wird, seine historische Stellung

auch weiterhin zu behaupten.

Zusammenfassend ist der Ross-Brachmann

all denen zu empfehlen, die ein

umfassendes, übersichtliches und dennoch

kompaktes Handbuch für ein

großes Spektrum an Bewertungsthemen

suchen.

Michael Hentschel, Berlin

KLAUS BERNHARD GABLENZ

GRUNDSTÜCKSWERT-

ERMITTLUNG

LEICHT VERSTÄNDLICH

Huss-Medien GmbH Verlag Bauwesen,

2., vollständig überarbeitete Auflage

2005, inkl. CD-Rom, 239 Seiten,

77 Abbildungen, Hardcover,

ISBN 3-345-00826-2, 58,– E

Zu beziehen über www.bau-fachbuch.de.

Nachdem die erste Auflage – wie der

Autor selbst schreibt – viel positive

Resonanz hervorgerufen hat und daraufhin

schnell vergriffen war, wird das

Erreichen dieses Ziels mit der zweiten,

vollständig überarbeiteten und erweiterten

Auflage ebenso verfolgt. Der

Schriftsteller Klaus Bernhard Gablenz ist

Experte für die Bewertung von Sonderund

Spezialimmobilien und Autor diverser

Fachpublikationen im Bereich der

Verkehrswertermittlung. Weiterhin führt

er seit 1990 ein eigenes Sachverständigenbüro, wodurch er seitdem viel Erfahrung

in dem Bereich der Grundstückswertermittlung sammelte.

Egal ob Kauf oder Erbfall, Beleihung oder Zwangsversteigerung, Anteilsbewertung

oder Renditeprognose – dieses Buch verspricht jedem Interessierten

eine leicht verständliche Einführung in die Grundstückswertermittlung. Mit

sinnvoller Anordnung der einzelnen Themenbereiche, detaillierten und leicht

verständlichen Erläuterungen (u. a. von Fachbegriffen), veranschaulichenden

Grafiken sowie mehreren Beispielen werden alle Arbeitsschritte zur Verkehrswertfindung

erläutert. Die beiliegende CD mit Mustergutachten und Arbeitshilfen

wirkt dabei unterstützend. Angefangen vom Zweck und Inhalt eines

Gutachtens über Informationsbeschaffung, Grundbuch und Kataster, Wertermittlungsverfahren

bis hin zu verschiedenen Tabellen und Indizes findet man

in diesem Buch zu den aufkommenden Fragen auch die passende Antwort.

Die Bewertung von Rechten und Belastungen an Grundstücken wird hier ebenfalls

gut verständlich dargelegt. So werden u. a. Erbbaurecht, Nießbrauch, beschränkt

persönliche Dienstbarkeit, Denkmalschutz – um nur einige zu nennen

– abgehandelt und auch in den Mustergutachten auf der CD mit berücksichtigt.

Zusammenfassend ist dieses Nachschlagewerk für Neueinsteiger und Interessierte,

die sich in die Materie der Grundstückswertermittlung einarbeiten

wollen, sowie für Sachverständige, die ihre Grundkenntnisse auf diesem Gebiet

auffrischen wollen, empfehlenswert.

Annelie Priefer, Berlin

BÜCHER

4

245


BÜCHER BÜCHER

246

Vermutlich wird es keinem Vermessungsfachmann gelingen,

den Buchtitel unvoreingenommen zu lesen. Der

Buchtitel schreit ja geradezu nach einer Chronologie der Geodäsie,

nach der Nennung aller Fachgenies, die sich um die Erdund

Weltraummessung verdient gemacht haben. Abbildungen

ehrwürdiger Männerporträts? Sicherlich. Algorithmen? Natürlich,

wenn auch leicht verständlich, aber wissenschaftlich

korrekt. Ein Buch, das man mit innerem Schlips und Kragen

lesen muss und irgendwo sichtbar herumliegen lässt. |1| Aha,

hier lebt ein Vermessungsexperte, der sich informiert. Hut ab!

Und nun das: Ein Roman zum Thema »Vermessung«. Besprochen

in der Tagespresse wie auch im Fernsehen. Warum? Der möglicherweise

neugierig gewordene Leser – und hier insbesondere

der Vermessungsfachmann – muss sich nach wenigen Seiten

entscheiden. Entweder er besteigt mit Professor Gauß die

Kutsche nach Berlin und rumpelt mit dem mürrischen alten

Herrn durch Hannover und Preußen oder er bleibt enttäuscht

zurück, weil sich der Autor so unerwartet anders der Vermessung

nähert.

Entweder er ist mit Carl Friedrich Gauß gespannt auf die Begegnung

mit dem klein gewachsenen großen Antipoden Alexander

von Humboldt oder er schließt dieses formelfreie Werk nach

wenigen Seiten.

Was versäumt unser Vermessungsschlipsmann, wenn er das

Buch zuklappt, ohne es zu lesen? Eine grandiose Charakterstudie

zweier Weltbürger. Hier das bodenständige Genie,

dessen Umwelt nur langsam und träge die Außerordentlichkeit

Gauß´schen Denkens anerkennt und der seine kleine bürgerliche

Alltagswelt immer nur mit Staunen und Verwunderung

über deren abgrundtiefe Trivialität wahrnimmt.

|1| Mit welchem Outfit Geodätinnen heute ehrwürdige

Geodäsiebücher lesen, ist dem Rezensenten nicht bekannt.

4

ZU VIELE LEUTE HALTEN IHRE

GEWOHNHEITEN FÜR DIE

GRUNDREGELN DER WELT

DANIEL KEHLMANNS

DIE VERMESSUNG DER WELT

Rowohlt Verlag, 19,90 E, 301 Seiten, ISBN 3-498-03528-2

Dort das Energie- und Motivationsbündel, das die entferntesten

Winkel der Erde gleichsam nach Erlebnissen und Erkenntnissen

durchgräbt. Er versäumt die Begegnung zweier Genies,

die sich gegen ihre Umgebung zur Wehr setzen müssen,

um – beide auf unterschiedliche Weise – die Gesetzmäßigkeiten

der Welt zu erkennen.

Als ihnen dazu die Kräfte schwinden, als die geistigen Kleinbürger

um sie herum damit beginnen, ihre Berühmtheit zu vermarkten,

bleiben ihre nach wie vor raumgreifenden Ideen ungesagt

oder ohne Widerhall.

Der verhinderte Leser versäumt auch eine freche Sprache. Die

handelnden Personen sprechen nicht das Preußisch oder Hannoveranisch

vergangener Jahrhunderte. Der Autor übersetzt

uns die Sprache von Humboldt und Gauß, er hebt die Inhalte

gewissermaßen über zwei Jahrhunderte hinweg und präsentiert

sie uns frisch und lebensnah. Ein mutiger und erfolgsentscheidender

Schritt.

Und ein wunderbarer Humor. Hier geht´s nun nicht mehr ohne

Beispiele:

»Er werde in die Neue Welt reisen, sagte Humboldt.

Das habe er noch keinem verraten, und er rechne

nicht damit, lebend zurückzukehren.

Goethe nahm ihn (Alexander von Humboldt) beiseite

und führte ihn durch eine Flucht in unterschiedlichen

Farben gestrichener Zimmer zu einem

hohen Fenster. Ein großes Unterfangen, sagte er.

Wichtig sei vor allem, die Vulkane zu erforschen,

um die neptunistische Theorie zu stützen. Unter

4

247


BÜCHER

ALEXANDER VON HUMBOLDT

Alexander von Humboldt (1769-1859) war

Naturforscher und Forschungsreisender,

Universalgenie und Kosmopolit, Gelehrter

und Mäzen. Seine große Südamerikareise

von 1799 bis 1804 wurde als die zweite, die

wissenschaftliche Entdeckung Südamerikas gefeiert. Naturwissenschaftliche

Disziplinen wie die physische Geographie,

die Klimatologie, die Ökologie oder die Ozeanographie sehen

in Humboldt ihren Begründer.

Sein Alterswerk, der fünfbändige »Kosmos. Entwurf einer

physischen Weltbeschreibung«, ist in seinem umfassenden

Ansatz bis heute einzigartig geblieben.

Alexander von Humboldt investierte sein Erbe nicht nur in

seine eigenen Untersuchungen, selbstlos förderte er auch andere

junge Wissenschaftler und Künstler, so z. B. Justus von

Liebig und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

248

4

der Erde brenne kein Feuer. Das Innerste der Natur

sei nicht kochende Lava. Nur verdorbene Geister

könnten auf solch abstoßende Gedanken verfallen.

Humboldt versprach, sich Vulkane anzusehen.«

Was er tat. Er lässt sich sogar in den Krater des Vulkans Jorullo

abseilen, was seinen Begleiter zu der Feststellung veranlasst,

der Kerl sei ja vollkommen irre.

»Als man Humboldt wieder heraufzog, war er grün

angelaufen, hustete erbärmlich, und seine Kleidung

war angesengt. Der Neptunismus, rief er blinzelnd,

sei mit diesem Tage zu Grabe getragen.«

In Bezug auf Gauß ist der Rezensent versucht, dem Leser die

besondere Verknüpfung zwischen Hochzeitsnacht und der

Methode der kleinsten Quadrate nahe zu bringen.

Aber auf dieser Seite des Buches mag jeder Leser selbst schmunzeln.

Stattdessen besuchen wir mit Gauß den Grafen Ohe zu

Ohe, um mit diesem über anstehende Aufgaben der Dreiecksvermessung

auf dessen Anwesen nördlich von Hannover zu verhandeln.

»Eine bloße Formsache, sagte Gauß. Um freie Sicht

auf den Scharnhorster Meßpunkt zu haben, müsse

er drei Bäume des gräflichen Waldes fällen und

einen offenbar seit Jahren leerstehenden Schuppen

abreißen.

CARL FRIEDRICH GAUSS

»Ein Blatt Papier vor sich und allenfalls

noch ein Fernrohr am Fenster«

geb. in Braunschweig am 30. April 1777

gest. in Göttingen am 23. Februar 1855

Zeittafel

1777 30. April: geboren in Braunschweig

1791 Juni: Gauß wird dem regierenden Herzog Carl

Wilhelm Ferdinand von Braunschweig

vorgestellt, Beginn der Stipendiengewährung.

Dezember: Beginn der mathematischen Schaffensperiode.

1792-1795 Collegium Carolinum in Braunschweig

(Keimzelle der heutigen Technischen Universität).

1792 Gauß beschäftigt sich mit der Frequenz der

Primzahlen und auch in der Folgezeit

bevorzugt mit zahlentheoretischen Problemen.

1796 Erste Veröffentlichung: Konstruierbarkeit

regelmäßiger Vielecke.

1799-1800 Briefliche Beratung des preußischen Oberstleutnants

C. L. von Lecoq bei der trigonometrischen

Aufnahme von Westfalen.

1801 Veröffentlichung des mathematischen

Hauptwerks: »Disquisitiones Arithmeticae«

(Untersuchungen über höhere Arithmetik).

Dezember F. X. von Zach findet aufgrund der Gauß’schen

Berechnung die Ceres wieder.

1802 13. November: Mitglied der königlichen

Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen

(heute: Akademie der Wissenschaften).

9. Mai: Ruf nach St. Petersburg, Gauß lehnt am

20. Oktober ab und bleibt in Braunschweig.

1802-1807 Triangulation in und um Braunschweig.

1807-1855 Professor in Göttingen.

1809 Juni: Veröffentlichung des astronomischen

Hauptwerks: »Theoria motus corporum

coelestium in sectionibus conicis solem

ambientium«.

1810 Ruf an die Universität Leipzig. Wilhelm von

Humboldt trägt Gauß an, einen Ruf nach

Berlin anzunehmen. In beiden Fällen lehnt

Gauß ab.

1813 Abhandlung über hypergeometrische Reihen

(Gött. Wissenschaften Gesellschaft).

1818 Beginn der geodätischen Schaffensperiode.

Oktober: Reise nach Lüneburg (geodätische

Beobachtungen, Anschluss an dänische

Triangulation von H. C. Schumacher).

1820 9. Mai: Gauß erhält den offiziellen Auftrag, die

Triangulation des Königreichs Hannover

vorzunehmen.

1821-1825 Leitung und Durchführung der hannoverschen

Gradmessung.

1821 Erfindung und Erprobung des Heliotropen.

(Dreieck Inselsberg – Brocken – Hoher Hagen).

Differentialgeometrische Untersuchungen (angeregt

durch die geodätischen Arbeiten).

1825-1845 Berechnung der ca. 2.600 trigonometrischen

Punkte durch C. F. Gauß.

1826 27. September: Besuch von Alexander von

Humboldt in Göttingen.

1827 Veröffentlichung des differentialgeometrischen

Hauptwerks: »Disquisitiones

generales circa superficies curvas« (Allgemeine

Untersuchung über krumme Flächen).

1831 Beginn der physikalischen Schaffensperiode.

1833 April: Erfindung und Bau des elektromagnetischen

Telegraphen (Drahtleitung vom

physikalischen Kabinett zur Sternwarte).

1833-1834 Dekan der philosophischen Fakultät.

1842 31. Mai: Verleihung der Friedensklasse des Ordens

Pour le mérite.

September: Ruf nach Wien abgelehnt.

1843 Erste Abhandlung »Untersuchungen über

Gegenstände der Höheren Geodäsie« (Vorlage

in der Societät der Wissenschaften am

23. Oktober); veröffentlicht 1844.

1855 23. Februar: Gauß stirbt morgens gegen 1 Uhr

in Göttingen.

König Georg V. von Hannover lässt eine

Gedenkmünze prägen, auf der Gauß als

»Mathematicorum Princeps« bezeichnet wird.

Scharnhorst? So weit könne doch kein Mensch

sehen!

Doch, sagte Gauß, sofern man gebündeltes Licht

verwende. Er habe ein Instrument entwickelt, welches

Blinksignale über ungeahnt weite Strecken

senden könne. Zum ersten Mal sei damit eine Verständigung

zwischen Erde und Mond möglich.

Erde und Mond, wiederholte der Graf.

Gauß nickte lächelnd. Er sah genau, was sich jetzt

im Kopf des alten Dummkopfs tat.«

Der Autor gibt uns einen Einblick darüber, wie schwer es Genies

in unserer Welt der Mittel- und Untermäßigkeit haben.

Und wir dürfen darüber lachen und uns dank einer pathetikfreien

Sprache sogar zum Nachdenken anregen lassen.

Der unbändige Wissensdrang, die Freude an der Entdeckung,

aber auch der Zwang zum Weiterforschen nehmen in dem Buch

einen breiten Raum ein. Der Autor sammelt dabei seine Protagonisten

nicht ein, er domestiziert seine Hauptfiguren nicht.

Gauß und Humboldt verstehen nicht ihre Unterschiedlichkeit.

Gauß meint, dass »ein Blatt Papier vor sich und allenfalls noch

ein Fernrohr und vor dem Fenster der klare Himmel« der Wissenschaft

nahe komme. Was sich in der Ferne verstecke, in

Löchern, Vulkanen oder Bergwerken, sei Zufall und unwichtig.

Die Welt werde so nicht klarer. So viel Ignoranz eines Genies?

Es bleibt dennoch ein tiefer, breiter Fluss zwischen uns Normalsterblichen

und den Motoren dieser Gesellschaft. Es verwundert

dann auch nicht, dass manches von Humboldt und

Gauß bereits Entdeckte oder Gedachte den Wissenserben vermacht

wird.

Er, Gauß, habe früh beschlossen, über manches nicht zu publizieren.

Er habe keine Lust gehabt, sich dem Gespött auszusetzen.

Zu viele Leute hielten ihre Gewohnheiten für Grundregeln der

Welt.

Walter Schwenk, Berlin

BÜCHER

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249


FORUM FUTURA

250

■ FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN ■ FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

■ GEOINFORMATION ■ BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

12. Januar 2006

Darmstadt

24. Januar 2006

Dresden

14. Februar 2006

Erfurt

14. bis 16.

Februar 2006

Zürich

21. bis 22.

Februar 2006

Darmstadt

1. bis 3.

März 2006

München

Geodätisches Kolloquium an der TU Darmstadt

SATELLITENGEODÄSIE – NEUES UND ZUKÜNFTIGES VON DEN

RAUMGESTÜTZTEN MESSVERFAHREN

Prof. Dr.-Ing. Matthias Becker

Geodätisches Kolloquium an der HTW Dresden

STAND DES EUROPÄISCHEN

SATELLITENNAVIGATIONSSYSTEMS GALILEO

Prof. Dr.-Ing. Günter Hein, Universität der Bundeswehr München

DVW-Seminar

»ALKIS« – HIER UND HEUTE

Leitung: Dipl.-Ing. Claus Rodig

Schweizerische Organisation für Geo-Information (SOGI)

GIS / SIT 2006

RÄUMLICHES INFORMATIONSMANAGEMENT FÜR WIRTSCHAFT

UND VERWALTUNG

Deutscher Verein für Vermessungswesen e. V. (DVW)

und die Technische Universität Darmstadt

GPS UND GALILEO –

METHODEN, LÖSUNGEN UND NEUESTE ENTWICKLUNGEN

RUNDER TISCH GIS E. V.

11. MÜNCHNER FORTBILDUNGSSEMINAR

GEOINFORMATIONSSYSTEME

■ FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

■ BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

11. bis 13.

Januar 2006

Berlin

4

Institut für Städtebau

FORUM LÄNDLICHER RAUM »INTEGRIERTE LÄNDLICHE ENTWICKLUNG

– BISHERIGE ERFAHRUNGEN UND STRATEGIEN FÜR DIE ZUKUNFT«

Mit Teilnahmemöglichkeit an der offiziellen Eröffnungsveranstaltung

der Internationalen Grünen Woche und der Bund-Länder-Schau 2006

Leitung: Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter

Fon 06151/16-21 47

Fax 06151/16-40 47

E-Mail geodesy@

geod.tu-darmstadt.de

Fon 0351/462 31 49

Fax 0351/462 21 91

E-Mail

vk@htw-dresden.de

www.htw-dresden.de/vk/

Fon 03621/35 82 33

Fax 03621/35 82 99

E-Mail crodig@

alfgth.thueringen.de

Fon 0041 (0)61/686 77 11

Fax 0041 (0)61/686 77 88

E-Mail admin@sogi.ch

www.sogi.ch

Fon 06151/16-6777, -2147

Fax 06151/16-4047

E-Mail gordon@

geod.tu-darmstadt.de

oder bott@

geod.tu-darmstadt.de

www.tu-darmstadt.de/

fb/bi/geod

Fon 089/28 92 28 57

Fax 089/28 92 28 78

E-Mail gabriele.aumann@bv.tum.de

www.runder-tisch-gis.de

Fon 030/230 82 20

Fax 030/230 82 222

E-Mail info@

staedtebau-berlin.de

www.staedtebauberlin.de

19. bis 21.

Januar 2006

Fulda

24. Januar 2006

Hannover

26. Januar 2006

Frankfurt

am Main

31. Januar 2006

Hannover

2. Februar 2006

Darmstadt

13. bis 16.

Februar 2006

Wien

23. bis 24.

Februar 2006

Berlin

1. bis 3.

März 2006

München

6. bis 7.

März 2006

Magdeburg

30. bis 31.

März 2006

München

WertermittlungsForum

XIV. JAHRESKONGRESS

IMMOBILIENBEWERTUNG – NEUE BERUFSFELDER UND PERSPEKTIVEN

IN DER IMMOBILIENBEWERTUNG

Geodätisches Kolloquium an der Uni Hannover

BODENWERTERMITTLUNG –

EIN KERNPROBLEM DES STADTUMBAUS IN OST UND WEST

Prof. Dr.-Ing. Franz Reuter, TU Dresden

Geodätisches Kolloquium an der FH Frankfurt

DAS DIGITALE 3D-STADTMODELL WIESBADEN

Dipl.-Ing. Karl-Heinz Gertloff, Landeshauptstadt Wiesbaden

Geodätisches Kolloquium an der Uni Hannover

IMMOBILIENWERTERMITTLUNG – NATIONAL UND INTERNATIONAL

Dipl.-Ing. Dieter Kertscher, GLL Braunschweig

Geodätisches Kolloquium an der TU Darmstadt

AUSWIRKUNGEN VON FLUGHÄFEN AUF DIE ENTWICKLUNG

DES IMMOBILIENMARKTES UNTER BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG

DES FLUGLÄRMS

Dipl.-Ing. Dietmar Weigt, ibs

CORP – Kompetenzzentrum für Stadtplanung und Regionalentwicklung

CORP2006 & GEOMULTIMEDIA06

11. Internationales Symposium zu Stadtplanung und Regionalentwicklung

in der Informationsgesellschaft

Baukammer Berlin / Deutsche Gesellschaft für Kartographie /

Hasso-Plattner-Institut Potsdam

2. INTERNATIONALES PRAXISFORUM

»VIRTUELLE 3D-MODELLE IM BAUWESEN«

Technische Universität München

11. MÜNCHNER FORTBILDUNGSSEMINAR GEOINFORMATIONSSYSTEME

DVW-Seminar

IMMOBILIENWERTERMITTLUNG UND FLÄCHENMANAGEMENT

BEIM STADTUMBAU. GRUNDLAGEN UND PRAXISBEISPIELE

Leitung: Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter, Prof. Dr.-Ing. Franz Reuter

mit Bischoff, Reinhardt, Dr. Schwenk u. a.

Olzog Verlag GmbH

1. MÜNCHNER IMMOBILIENFORUM ZUR WERTERMITTLUNG

Vorträge und Erfahrungsaustausch mit Fachleuten zur Wertermittlung

Rainer Möckel, Herbert Troff, Dr. Walter Schwenk, Bernhard Bischoff,

Prof. Dr. Bernd Falk, Prof. Dr. Holger Magel, Dr. Martin Leinemann,

Dieter Kronenbitter

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Fax 07171/18 97 55

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Fax 089/71 04 66 81

www.olzog.de

FORUM FUTURA

4

251


FORUM FUTURA FORUM FUTURA

252

■ FACHBEZOGENE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

■ BODENORDNUNG / STADTUMBAU / WERTERMITTLUNG

6. April 2006

Frankfurt

am Main

3. bis 4. April 2006

Karlsruhe

4

Geodätisches Kolloquium an der FH Frankfurt

DIE MODERNE INFORMATIONS- UND

KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIE IM FOKUS DER STADTPLANUNG

Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter, Uni Bonn

■ WEITERE FACHVERANSTALTUNGEN

10. Januar 2006

Dresden

12. Januar 2006

Aachen

19. Januar 2006

Braunschweig

2. Februar 2006

Braunschweig

2. Februar 2006

Weimar

22. bis 24.

Februar 2006

Belgrad

Geodätisches Kolloquium an der HTW Dresden

INGENIEURGEODÄSIE – GESTERN, HEUTE UND MORGEN

Prof. Dr.-Ing. Willfried Schwarz, Bauhaus-Universität Weimar

Geodätisches Kolloquium an der RWTH Aachen

LASERSCANNING UND PHOTOGRAMMETRIE –

EINE KOMBINIERTE AUSWERTUNG IN DER BESTANDSERFASSUNG

ÖbVI Dr.-Ing. Ralf Becker

Geodätisches Kolloquium der TU Braunschweig

DIE ENTWICKLUNG DES AMTLICHEN VERMESSUNGSWESENS

IM LAND BRANDENBURG

Dipl.-Ing. Heinrich Tilly

Geodätisches Kolloquium der TU Braunschweig

VERMESSUNGSKOORDINATION AM BAUVORHABEN

BERLIN HAUPTBAHNHOF

Geodätisches Kolloquium an der Bauhaus-Universität Weimar

VOM MESSSTAB ZUM THEODOLITEN – ZUR ENTWICKLUNG DER GEO-

DÄSIE UND KARTOGRAPHIE IM 16. BIS 18. JAHRHUNDERT

Prof. Dr.-Ing. Falk Helbig, HTW Dresden

Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung (IPF),

Universität Karlsruhe (TH), in Kooperation mit dem

Normenausschuss Bauwesen (NABau) im

DIN Deutsches Institut für Normung e. V.

DIN-TUTORIAL »QUALITÄTSANFORDERUNGEN UND

QUALITÄTSNACHWEISE FÜR DIE DIGITALE PHOTOGRAMMETRIE«

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INTERGEO EAST www.intergeo-east.com

www.ipf.uni-karlsruhe.de

■ SONSTIGE SEMINARE / MESSEN / TAGUNGEN

18. Januar 2006

Berlin; danach in

Hamburg, Frankfurt

a. M., Stuttgart

und München

3. bis 5. Mai 2006

Berlin

■ STUDIENREISEN

17. März bis

2. April 2006

Verband Beratender Ingenieure (VBI) und

Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU)

SEMINARREIHE ȆBERGABE UND NACHFOLGE

IN INGENIEUR- UND ARCHITEKTURBÜROS«

IMMOBILIA BERLIN

Internationale Fachmesse und Kongress

STÄDTEBAULICHE STUDIENREISE ARGENTINIEN / BRASILIEN

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Salvador da Bahia – Rio de Janeiro

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Weitere umfangreiche Informationen zu Fort- und Weiterbildungen finden Sie auch unter den folgenden Links:

www.zgdv.de • www.wertermittlungsforum.de • www.staedtebau-berlin.de • www.hdt-essen.de • www.tae.de

Nachruf

Die Landesgruppe Baden-Württemberg trauert um

HERRN DIPL.-ING.

ROLF JOERIS

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR I. R.

(EHEMALIGER AMTSSITZ IN HEIDELBERG)

* 28. OKTOBER 1929 † 31. OKTOBER 2005

Wir betrauern den Tod unseres Kollegen zutiefst und

werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Dipl.-Ing. Dieter Seitz, Vorsitzender

Nachruf

Am 21. November 2005 ist unser Berufskollege

DIPL.-ING.

JÖRG KUMMER

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR

im Alter von 64 Jahren verstorben.

Herr Kummer war ein allseits geschätzter und beliebter Kollege, der

sich in unserem Berufsverband insbesondere um die Ausbildung der

Vermessungstechniker und die Einführung neuer Technologien verdient

gemacht hat.

Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen.

Für die Landesgruppe Schleswig-Holstein

Klaus-Günter Nebel, 1. Vorsitzender

4

253


FORUM FUTURA

»Sehr geehrte Damen und Herren, dank Ihrer Hilfe konnte ich die angebotene

Stelle inzwischen besetzen. Das Stellenangebot … kann daher jetzt

entfernt werden.« Dipl.-Ing. Ulrich Wolff, ÖbVI

»Sehr geehrte Frau Wolkowa, ich wollte Sie bitten, meine Anzeige in Ihrer

Jobbörse herauszunehmen, da ich eine Stelle bekommen habe. Ich möchte

mich auf diesem Weg für Ihren hervorragenden Service bei Ihnen und Ihren

Mitarbeitern herzlich bedanken. Mit freundlichen Grüßen Nils Rosenberg«

254

GESUCHE

4

JOBBÖRSE

PLZ-Bereich 4/5

• 5539 Vermessungsassessor (31) mit Zulassungsvoraussetzung zum ÖbVI, ortsgebunden

und sehr motiviert, sucht zum 01.01.2006 Anstellung in ÖbVI-Büro,

vorzugsweise NRW. Sozietät / Büroübernahme langfristig angestrebt. 15 Monate

Katastervermessung, 9 Monate Büroleitung, Kundenbetreuung, Auftragsakquisition,

Baurecht. Diplomarbeit: Flurbereinigung, Vertiefung im Referendariat: Landesplanung

und Städtebau.

Bundesweit

• 5534 VT, Ausbildung bei KatA Wiesbaden – 21 Jahre – Zivildienst abgeleistet –

halbes Jahr Berufserfahrung bei FNO im Außendienst – EDV Office – Umgang

mit Leica-Geräten sowie GPS ist mir geläufig – FSK 3, ab 01.12.2005.

• 5535 Vermessungsingenieur (FH), 30 Jahre, 3 Jahre Berufserfahrung, Ausbildung

zum Vermessungstechniker, sucht eine Stelle bei einem ÖbVI oder Vermessungsbüro.

Kenntnisse in Geograf, Kavdi, MS Office. Erfahrung im Innen- und Außendienst

in der Kataster- und Ingenieurvermessung, Topographievermessung,

BFR 99, Amtliche Lagepläne, GPS, Sapos, CAD.

ANZEIGENAUFTRAG

Rückfragen richten Sie bitte an: Frau Wolkowa 030/240 83 83

Absender

Name

Straße

PLZ / Ort

Telefon / Fax

E-Mail

Datum / Unterschrift

Zahlungsform

[ ] VERRECHNUNGSSCHECK LIEGT BEI.

[ ] BETRAG LIEGT BAR BEI.

* Bewerbungsunterlagen nur ausreichend frankiert mitsenden!

ANGEBOTE

PLZ-Bereich 0/1

•5721AInnovative(r) Verm.-Assessor(in) für größeres ÖbVI-Büro in Leipzig gesucht.

Unser Leistungsangebot liegt über dem allgemeinen vermessungstechn.

Spektrum. Erwartet werden umfangreiche Berufs- u. Führungserfahrungen

in der Büroleitung sowie bei der Betreuung von Großprojekten. Sie verfügen

über fundierte Kenntnisse im Datenmanagement, CAD, GIS- u. CAFM-Bereich

sowie in der Netzwerkbetreuung. Durch Ihre mehrjährige Führungstätigkeit

besitzen Sie Verhandlungsgeschick, unternehmerisches Denken, Motivationsfähigkeit

und beherrschen den direkten und indirekten Vertrieb von erklärungsbedürftigen

Ingenieurdienstleistungen. Als Führungskraft entfalten Sie

den Ihnen zugeordneten Verantwortungsbereich mit großer unternehmerischer

Freiheit und bringen ihn schnell und sicher weiter. Zukünftige Büroübernahme

bzw. Partnerschaft wird angestrebt.

• 5722A Suche Nachfolger für den Geschäftsbereich (in Brandenburg) eines

Vermessungsbüros mit langfristigen Aufträgen. Interessenten wenden sich

unter Chiffre 5722 A an den BDVI.

Bundesweit

• 5719A Vermessungsassessor für gut eingeführtes Büro im Südwesten von

Deutschland gesucht. Angestrebt wird eine mittelfristige Büroübernahme.

Weitere Jobangebote und -gesuche finden Sie auf der BDVI-Homepage

unter www.bdvi.de im Bereich »Service«.

ZUSCHRIFTEN* erbeten an:

BDVI, »FORUM-Jobbörse«, Luisenstraße 46, 10117 Berlin

[ ] ICH INTERESSIERE MICH FÜR CHIFFRE-NR.

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENANGEBOT:

[ ] BITTE VERÖFFENTLICHEN SIE MEIN STELLENGESUCH:

Textanzeigen in der Jobbörse

[ ] Anzeigen je angefangene 300 Zeichen 20,00 E

Zusätzliche Optionen:

[ ] FETTDRUCK MIT EINER ZUSATZFARBE: + 13,00 E

[ ] FARBIGER RAHMEN: + 13,00 E

_VERWALTUNGSREFORM BADEN-WÜRTTEMBERG

Wirtschaftsminister Pfister

besucht ÖbVI-Büro Seitz & Stark

Zum ersten Mal in der Geschichte des BDVI Baden-Württemberg

besuchte der zuständige Wirtschaftsminister Pfister

das Büro eines ÖbVI. Seine Wahl fiel auf das ÖbVI-Büro

Seitz & Stark, das am 14. November 2005 hohen Besuch sah.

Neben dem Minister waren zu dem Besuch die Oberbürgermeisterin

Schreiner von der Stadt Offenburg gekommen, die

erste Landesbeamtin Götz vom Landratsamt Ortenaukreis, der

Offenburger Landtagsabgeordnete Schebesta, BDVI-Präsident

Teetzmann, Ministerialrat Rolli vom Wirtschaftsministerium

sowie der stellvertretende Präsident des Landesvermessungsamtes

Schärpf.

In seinen Worten bekräftigte der Minister, dass er zu dem politischen

Ziel der Verwaltungsreform steht, 80 % der operativen

Tätigkeit auf den Freien Beruf zu übertragen. Trotz derzeit noch

vorhandener Schwierigkeiten mit den Landratsämtern, wird das

Ministerium darauf hinwirken, dieses Ziel zu erreichen. Frau

Götz vom Landratsamt Ortenaukreis zeigte klar die Problematik

auf und machte die Haltung der Landratsämter deutlich, die

MOSAIK

eine konjunkturelle Anpassung

der Zuschüsse

für ihre Vermessungsämter

fordern. Herr

Seitz appellierte an

den Minister, auf die

Sorgen und Nöte der

ÖbVI einzugehen. Von

Seiten der Landratsämter

wird auf die Gemeinden

dahingehend

Druck ausgeübt, Aufträge den Vermessungsämtern bei den

Landkreisen zu erteilen, um so Defizite im Kreishaushalt zu vermeiden.

Die ÖbVI-Büros sind aber für ihr Überleben zum großen

Teil auf diese Aufträge der Gemeinden angewiesen. Wenn

hier nicht gegengesteuert wird, würden nur wenige Büros

bevorstehende Konjunkturschwächen der nächsten Jahre überstehen.

Herr Minister Pfister versprach, alles in seiner Macht

Stehende zu tun, um ein geregeltes Miteinander von ÖbVI und

Vermessungsamt zu erreichen.

_TEGOVA

Europäisches Meeting in Bratislava

An der diesjährigen TEGoVA-Frühjahrstagung

vom 26. bis 29. Mai 2005

in Bratislava nahmen 48 Delegierte

aus 15 europäischen Staaten teil.

Somit wurden insgesamt 25 Verbände

aus dem Bereich der Immobilienwertermittlung

repräsentiert.

Im Zentrum der Tagung standen die

Neuwahlen des Boards. Neuer Chair-

man ist Alfons Metzger vom Öll aus

Österreich, der im Board durch Wolfgang

Kälberer vom vdp, seinerseits

Kandidat der deutschen Delegation,

und durch Alexander Benedetti vom

Istituto Italiano di Valutazione Immobiliare

unterstützt wird. TEGoVA

will sich nun künftig als europäischer

Dachverband positionieren. Die

Generalversammlung (General As-

sembly) votierte mit großer Mehrheit

für die Weiterentwicklung der »Europäischen

Standards für die Wertermittlung«

(European Valuation Standards

– EVS) und betonte die Wichtigkeit

dieses TEGoVA-Produktes für

eine qualifizierte europaweite Immobilienwertermittlung.

Die EVS

sollen weiterhin das zentrale Produkt

von TEGoVA bleiben.

4

255


MOSAIK MOSAIK

»Alle Jahre wieder«, so

könnte man das Motto

überschreiben, nach

dem sich die freiberuflich

tätigen Rechtsanwälte,

in denjenigen

Bundesländern, in denen

man das Anwaltsnotariat

kennt, jährlich

aufs Neue um eine der

begehrten Notarstellen

bewerben und sich dem strengen Auswahlverfahren

mit Bedarfsprüfung nach der AVNot unterziehen.

Und das mit überwiegend nur sehr

bescheidenen Erfolgsaussichten …

Umso unverhoffter erreichte mich daher im November

die Nachricht, dass mich die Präsidentin

des Oberlandesgerichts Celle auf meine Bewerbung

hin zur Notarin mit dem Amtssitz Hameln bestellt

hatte – für mich wie sicherlich jeden Rechtsanwaltskollegen

eine Chance und zugleich Herausforderung,

der man sich stellen muss und will.

In meine neue Aufgabe gehe ich dabei in der

Überzeugung, dem BDVI und »meinen« ÖbVI nicht

256

4

_BDVI-GESCHÄFTSFÜHRUNG

Der Abschied fällt nicht leicht ...

den Rücken gekehrt zu haben, sondern den Belangen

der ÖbVI nicht nur als Rechtsanwältin und

Notarin, sondern auch als ÖbVI-Ehefrau weiterhin

offen zu stehen.

Auch wenn ich überzeugt bin, die berufliche

Zukunft der ÖbVI auf diese Weise miterleben zu

können und somit in das Bündnis der ÖbVI eingebunden

zu bleiben, werde ich doch vieles rund um

die Gemeinschaft, ebenden Bund der ÖbVI, vermissen

...

Ich hoffe sehr, dass Sie meine Entscheidung für das

Notariat verstehen und vielleicht sogar billigen

können, und möchte mich für die im BDVI erlebte

ebenso aufregende wie interessante »Aufbruchszeit«

sehr herzlich bei Ihnen – »meinen ÖbVI« – und

vor allem den Repräsentanten aus BDVI-Präsidium

und -Hauptvorstand bedanken.

Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja bei der

einen oder anderen Gelegenheit im Bündnis der

ÖbVI wieder …

Herzlichst

Ihre Andrea Fey

_EHRUNG

BDVI zeichnet Siegfried Adam

und Iven Drecoll aus

Siegfried Adam und Iven Drecoll

wurden auf der Mitgliederversammlung

der Landesgruppe Niedersachsen

am 4. November 2005

in Hildesheim jeweils mit der Silbernen

Ehrennadel des BDVI für

hervorragende Verdienste um den

Freien Beruf des Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieurs

geehrt.

Die Ehrungen wurden von BDVI-

Präsident Volkmar Teetzmann vorgenommen. Beide Geehrte haben die BDVI-Landesgruppe Niedersachsen

über mehrere Jahrzehnte in vielzähligen internen Kommissionen und nach außen gerichteten Gremien

mit Rat und Tat unterstützt.

IMPRESSUM

HERAUSGEBER

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e. V. (BDVI)

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Fon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

SCHRIFTLEITUNG

Dr.-Ing. Walter Schwenk

Dr.-Ing. Wolfgang Guske

Maxstraße 3a, 13347 Berlin

Fon 030/46 00 79-0

Fax 030/46 00 79-99

forum@bdvi.de

REDAKTION

Dipl.-Ing. Karin Reimers

Martina Wolkowa

Dipl.-Ing. Andreas Bandow

Robert Lehmann

Dipl.-Ing. Claudia Zimmermann

REDAKTION MOSAIK

Martina Wolkowa

KONZEPT + GESTALTUNG

Nolte | Kommunikation

Rückerstraße 4

10119 Berlin-Mitte

info@nolte-kommunikation.de

DRUCK

MEDIALIS Offsetdruck GmbH

Gedruckt auf Zanders Megamatt

MANUSKRIPTE

Bitte an die Schriftleitung richten. Gezeichnete

Beiträge stellen die Ansicht des

Verfassers dar, nicht aber unbedingt die des

BDVI oder der Schriftleitung.

Mit der Annahme des Manuskriptes und der

Veröffentlichung geht das alleinige Recht

der Vervielfältigung und der Übersetzung auf

den BDVI über.

Alle Rechte vorbehalten, auch die des

auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen

Wiedergabe und Übersetzung.

Der Abdruck von Originalartikeln ohne

vorherige Zustimmung der Schriftleitung ist

nicht gestattet.

ABONNEMENT

Bezugspreis im Jahresabonnement

34,95 E zzgl. MwSt. und Versand,

für das Einzelheft 9 E.

ISSN

0342-6165

ANZEIGEN

Bund der Öffentlich bestellten

Vermessungsingenieure e. V. (BDVI)

Frau Martina Wolkowa

Luisenstraße 46, 10117 Berlin

Fon 030/240 83 83

Fax 030/240 83 859

forum-anzeigen@bdvi.de

BILDNACHWEIS

Privat, BDVI, Photodisc


Das Bild zeigt Herrn Dr. Ernst Geissler, eingerahmt von

den beiden ÖbVI Wolfgang Stichling und Udo Stichling

während des Praktikums im Büro in Wuppertal.

_PORTRÄT

Ein etwas anderer

Praktikant

In der Zeit vom 5. bis 23. Oktober 2005 war Herr Dr.

Ernst Geissler für ein etwas anderes Praktikum in

Deutschland. Herr Dr. Geissler hat in den 30er Jahren

in Deutschland seine Lehre bei einem ÖbVI in Leipzig

gemacht, dann nach dem Krieg in Hannover studiert.

In den 50er Jahren wanderte er nach Amerika aus und

verbrachte dort seine berufliche Laufbahn mit Promotion

und Lehrtätigkeit (überwiegend in Kanada).

Nach der Wende in Ostdeutschland bemühte er sich in

Sachsen um die Zulassung als ÖbVI, was jedoch an Zulassungsvoraussetzungen

scheiterte. Jetzt denkt Herr Dr.

Geissler über die Möglichkeit einer beruflichen Neuorientierung

in Deutschland nach und hat dafür um eine

Praktikumsmöglichkeit bei einem ÖbVI in Deutschland

beim Präsidenten des BDVI nachgefragt. Durch Vermittlung

ergab sich für ihn die Chance, in Wuppertal (NRW)

Einblicke in den veränderten Ablauf im heutigen Berufsleben

eines ÖbVI zu bekommen. Nach einem ausführlichen

Besuch der Intergeo 2005 in Düsseldorf, natürlich

mit einem Besuch auf dem Stand des BDVI, konnte er im

Büro Stichling + Stichling in Wuppertal die täglichen

Höhen und Tiefen des Berufsalltages kennen lernen. Angefangen

von der klassischen Katastervermessung über

die Ingenieurvermessung bis zur Vorführung einer Vermessung

mit 3D-Laserscanning bei der Firma Tri.Las in

Schwelm zeigten sich für ihn neue Aspekte, die seine

Entscheidung sicherlich nicht leichter gemacht haben. Ein

Besuch des Wuppertaler Vermessungs- und Katasteramtes

sowie des Landesvermessungsamtes NRW in Bonn rundeten

die Info-Tour ab. Ein herzliches Dankeschön an alle

beteiligten Stellen für die Unterstützung.

MOSAIK

_VERBANDSGESCHEHEN

IGVB hat einen neuen Vorstand

Am Freitag, dem 18. November 2005, wählten die Mitglieder

des Ingenieurverbands für Geoinformation und Vermessung

Bayern e. V. (IGVB) einen neuen Vorstand.

Unter reger Beteiligung (60 % der Vollmitglieder) fand die

Mitgliederversammlung im Hotel Maritim in München statt.

Herr Fernkorn dankte dem scheidenden Präsidenten Karl-Heinz

Jobst für seine unermüdliche Arbeit, die er in den Jahren seiner

Amtszeit in den Dienst des IGVB stellte, insbesondere für

seinen Einsatz um die Ausgestaltung des Berufes des freien Vermessungsingenieurs

in Bayern.

Dem möchte sich der BDVI gerne anschließen und Karl-Heinz

Jobst ein »Herzliches Dankeschön« für die vertrauensvolle und

enge Zusammenarbeit überbringen.

Diese wünscht der BDVI auch mit dem neuen Vorstand fortzusetzen

und übermittelt seine »Herzlichen Glückwünsche« an

Herrn Fernkorn und den neuen IGVB-Vorstand.

Nachruf

Der Bund der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure trauert um

HERRN DIPL.-ING.

MANFRED FLOMMERSFELD

ÖFFENTLICH BESTELLTER VERMESSUNGSINGENIEUR

IN SAARLOUIS

* 26. DEZEMBER 1940 † 21. NOVEMBER 2005

Wir betrauern den Tod unseres Kollegen zutiefst und werden ihm

ein ehrendes Andenken bewahren.

Dipl.-Ing. Thomas Rickmann

Vorsitzender der Landesgruppe Saarland

41

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