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397 BDVI INTERN INHALT Gedanken des neuen BDVI-Präsidenten zur »Perspektive Zukunft« DES BERUFES KERN In diesem Jahr wird der BDVI 60 Jahre alt und dieser Verband hat dabei gerade mal fünf Präsidenten benötigt. Das zeugt von großer Kontinuität. Vor 30 Jahren war ich als Student das erste Mal mit meinem Vater auf einem Jahreskongress des BDVI in Lahnstein. Damals hieß das noch Jahreshauptversammlung. An diesem Tag vor 30 Jahren stand auch ein Präsidentenwechsel an: seinerzeit von unserem heutigen Ehrenpräsidenten Dr. Wil- helm Kühnhausen auf Ernst Simon. Herr Esser wurde damals zum neuen Justitiar gewählt, beglei- tet uns also heute auch schon 30 Jahre. Seinerzeit haben mich einige Personen als Protagonisten beeindruckt, die beispielsweise Kühnhausen, Leber, Hils und Kruse hießen. Damals und auch später, mit einem Präsidenten Dr. Otmar Schuster und einem Präsidenten Volkmar Teetzmann, in der De- pression der zweiten Hälfte der 80er Jahre und der Euphorie der Wiedervereinigung Anfang der 90er Jahre – immer fühlte ich mich dabei, wäre aber nie auf den Gedanken gekommen, einmal als Kandidat für das Präsidentenamt vor Ihnen zu stehen. 3 MICHAEL ZURHORST | WERNE Preiskampf wird als Honorarflexibilität verklausuliert. Man hätte vereinfacht auch schreiben können: Seht zu, wie ihr klarkommt! Aber bevor ich hier weiterrede, möchte ich es nicht versäumen, auch hier noch einmal in der Mitgliederversammlung meinen und unser aller Dank an den scheidenden Präsidenten Volkmar Teetzmann auszusprechen. Du, Volkmar, hast Großes geleistet und hinterlässt deinem Nachfolger ein großes Erbe im doppelten Sinne: 1 | hat der BDVI unter deiner Führung viel erreicht, worauf sich aufbauen lässt, und 2 | sind die Fußspuren und das Schrittmaß – kein Wunder bei deiner Statur – eine echte Vorgabe. Nun zurück: Vor sechs Monaten hat man die Frage an mich gerichtet, ob ich für das Präsidentenamt kandidieren wolle. Nachdem ich wie gesagt vor 30 Jahren das erste Mal mit meinem Vater dabei war, habe ich heute das Glück, mit meinem Sohn Alexander als jüngstem Neumitglied des BDVI an meiner Seite hier zu sein. Das mag Ihnen verdeutlichen, dass ich durch meinen Sohn gewisse Freiräume in der Zeitgestaltung gewonnen habe. Die nächste Generation schickt sich an, sich in unserem Beruf aufzustellen. Da es für ein Rentnerdasein mit 50 Jahren vielleicht ein wenig früh ist, habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet, heute vor Ihnen zu stehen und für das Präsidentenamt zu kandidieren. Damit Ihre Entscheidung für einen neuen Präsidenten nicht nur eine Formsache wird, möchte ich Ihnen ein paar Gedanken zur Zukunft unseres Berufsstandes unterbreiten, die auch eine Art Programm darstellen. Als Kommunalpolitiker habe ich zwar gelernt, dass bei Wahlen Programme kaum jemanden interessieren, aber trotzdem wage ich unter unserem Kongressmotto »Perspektive Zukunft« ein paar Ausführungen. PERSPEKTIVE ZUKUNFT Für den aufmerksamen Beobachter unterliegt der Berufsstand des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs (ÖbVI) seit Jahren einem intensiven Wandel, der eher an Dynamik gewinnt, als dass er als abgeschlossen betrachtet werden kann. Globalisierung, Europatauglichkeit, Entbürokratisierung, Harmonisierung, Wettbewerb, Honorarflexibilisierung, betriebswirtschaftliche Kalkulation sind Stichworte für sich verändernde Rahmenbedingungen, die die Freien Berufe im BDVI INTERN Allgemeinen und den ÖbVI-Beruf im Speziellen vor Orientierungsaufgaben für die Zukunft stellen. Professor Dr. Hommerich hat kürzlich in einem Interwiev für den Verband Freier Berufe (VFB) NRW unter dem Titel »Modernisierung versus Trivialisierung der Freien Berufe« angemahnt, dass die Freien Berufe in jeder Teildisziplin einen Wertekern erarbeiten und diesen im Sinne eines Vertrauensmarketings veröffentlichen müssen. Darüber hinaus müsse durch ein nachvollziehbares Qualitätsmanagement eine verbürgte Qualität dem Markt angeboten werden. Wenn man diese Fragen bezüglich des ÖbVI-Berufes reflektiert, muss man zu folgender Erkenntnis kommen: Die vordringlichen Baustellen zur Modernisierung unseren Berufsstandes würden sein: 1 | Wertekern definieren 2 | Vertrauensmarketing schaffen 3 | Qualitätsmanagement sichern Nach Auffassung von Prof. Hommerich liegt die Trivialisierung der Freien Berufe in der »ökonomistischen« Verengung der Perspektive, die das Thema Verbraucherschutz nicht kennen will. Der Verbraucherschutz wird von der Politik zwar häufig unter dem Stichwort »asymmetrische Wissensverteilung« grundsätzlich gesehen, aber unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung zugunsten des »mündigen Bürgers« weggewischt. Ein eklatantes Beispiel hierfür ist der gerade vorgelegte Referentenentwurf zur HOAI-Novelle. Die geplante HOAI ist das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden wird. Das gilt für alle Bauingenieur- und Architektenleistungen, aber für Vermessungsleistungen insbesondere. Man lasse sich die Wortwahl der Gesetzesbegründung auf der Zunge zergehen: Mit der neuen Honorarordnung für Architekten und Ingenieure soll der Wettbewerb gefördert und der Bürokratieabbau vorangebracht werden. Deshalb wird der Anwendungsbereich der Honorarordnung eingeschränkt, um Auftraggeberinnen und Auftraggebern sowie Auftragnehmerinnen und Auftragnehmern mehr Freiraum zur Vertragsgestaltung zu lassen. Damit soll in diesem Bereich eine höhere Honorarflexibilität, die für moderne komplexe Planungsprozesse unabdingbar ist, erreicht werden. Die Büros werden konsequenter als bisher zur betriebswirtschaftlichen Kalkulation und Vertragsgestaltung angehalten. 3 398

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