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Ratgeber Depressionen 1 - Schmerzzentrum Ludwigshafen

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<strong>Ratgeber</strong><br />

Depression und Soziales<br />

Familie, Beruf, Rehabilitation …<br />

Ein Service der betapharm


Liebe Leserin, lieber Leser,<br />

der <strong>Ratgeber</strong> zum Thema Depression bietet umfassende<br />

Informationen zu den sozialen Auswirkungen dieser Erkrankung.<br />

Behandelt werden Themen wie: Umgang mit <strong>Depressionen</strong>,<br />

Krankengeld, Arbeitsunfähigkeit, Rehabilitation und vieles mehr.<br />

Fachkräften im Gesundheitswesen möchten wir damit bei der<br />

Kommunikation mit ihren PatientInnen hilfreich zur Seite<br />

stehen. Betroffenen und Angehörigen möchten wir umfassende<br />

Informationen an die Hand geben, damit sie mit dieser Krankheit<br />

im Alltag besser umgehen können.<br />

Die fachliche und inhaltliche Qualität garantiert das gemeinnützige<br />

beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement<br />

Entwicklung, das 1999 von der betapharm gegründet wurde.<br />

In diesem Institut entwickeln Sozialexperten Angebote, die<br />

helfen, Patienten ganzheitlich zu betreuen.<br />

Sollten Sie noch Fragen über die Inhalte dieses <strong>Ratgeber</strong>s<br />

hinaus haben, stehen Ihnen die Expertinnen des<br />

betafon – Infodienst für Sozialfragen gerne zur Verfügung.<br />

Für Fachkräfte im Gesundheitswesen:<br />

Mo–Do 9–18 Uhr und Fr 9–16 Uhr.<br />

Für Patienten und Angehörige Mo–Do 16 –18 Uhr.<br />

betafon 01805 2382366 (12 Cent/Minute).<br />

QUALITÄTSSICHERHEIT<br />

sozialmed. Forschung & Entwicklung<br />

Mit herzlichen Grüßen<br />

Dr. Wolfgang Niedermaier<br />

Geschäftsführer betapharm<br />

Horst Erhardt<br />

Geschäftsführer beta Institut


<strong>Depressionen</strong> 3<br />

Umgang mit <strong>Depressionen</strong> 5<br />

Inhaltsverzeichnis<br />

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 8<br />

Arbeitsunfähigkeit 8<br />

Entgeltfortzahlung 8<br />

Krankengeld 9<br />

Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung 15<br />

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen<br />

Krankenversicherung 17<br />

Zuzahlungen 17<br />

Zuzahlungsbefreiung bei Erreichen der Belastungsgrenzen 19<br />

Rehabilitation 23<br />

Allgemeines zur Rehabilitation 23<br />

Stationäre Rehamaßnahmen 25<br />

Psychotherapie 27<br />

Stufenweise Wiedereingliederung 29<br />

Berufliche Rehabilitation 32<br />

Schwerbehinderung 36<br />

Allgemeines zu Schwerbehinderung 36<br />

Schwerbehindertenausweis 38<br />

Grad der Behinderung bei <strong>Depressionen</strong> 40<br />

Ernährung bei <strong>Depressionen</strong> 41<br />

Sport und <strong>Depressionen</strong> 42<br />

Urlaub bei <strong>Depressionen</strong> 43<br />

Adressen 44<br />

Hinweis:<br />

Zur besseren Lesbarkeit wird im Text häufig die männliche Form verwendet.<br />

Gemeint sind grundsätzlich weibliche und männliche Personen.<br />

Inhaltsverzeichnis 1


<strong>Depressionen</strong><br />

Die Depression ist eine psychische Erkrankung, die die Stimmung,<br />

das Denken, das Verhalten und die Körperfunktionen der<br />

Betroffenen tiefgreifend und langfristig verändert.<br />

Nicht zu verwechseln ist sie mit vorübergehenden Phasen von<br />

Niedergeschlagenheit oder Antriebsschwäche, die fast jeder<br />

aus seinem Leben kennt. Oft folgen solche Phasen auf Ereignisse<br />

wie Trennungen, Verlust des Arbeitsplatzes oder Tod eines<br />

Angehörigen. Der Körper braucht die Zeit, um sich von einschneidenden<br />

oder emotional belastenden Ereignissen zu erholen.<br />

Mit einer krank machenden Depression hat das nichts zu tun,<br />

solange die Phasen von gesunder Traurigkeit bald wieder vorüber<br />

sind und ihren Zweck erfüllt haben, dass der Betroffene wieder<br />

Mut und Kraft hat.<br />

Bei der Depression kommt es langfristig zum Verlust der<br />

Fähigkeit, sich an wichtigen Dingen des Alltags zu freuen bzw.<br />

daran teilzunehmen. Depressive Menschen empfinden oft eine<br />

innere Leere und es fehlt den meisten an Antrieb und der<br />

Motivation zur Durchführung einfacher Alltagsaktivitäten wie<br />

Putzen, Kochen oder Pflege von sozialen Kontakten oder Hobbys.<br />

Selbst die Motivation zu essen bis hin zur Körperpflege fehlt bei<br />

den meisten Erkrankten.<br />

In Deutschland leiden mindestens 4 Millionen Menschen an behandlungsbedürftigen<br />

depressiven Störungen, in den westlichen<br />

Industrieländern sind <strong>Depressionen</strong> hinter den Herz-Kreislauf-<br />

Krankheiten das zweithäufigste Leiden. Frauen erkranken ca.<br />

zwei- bis dreimal so häufig wie Männer.<br />

Es gibt leichte, mittelschwere und schwere Verlaufsformen von<br />

<strong>Depressionen</strong>. Bekannt ist auch die saisonal abhängige Depression<br />

(SAD), die so genannte „Winterdepression“, die jedoch innerhalb<br />

der <strong>Depressionen</strong> nur eine kleine Gruppe darstellt.<br />

Die meisten <strong>Depressionen</strong> können durch Behandlung mit<br />

Medikamenten und eventuell begleitende Psychotherapie geheilt<br />

werden.<br />

Formen von <strong>Depressionen</strong><br />

<strong>Depressionen</strong> 3


Symptome von <strong>Depressionen</strong><br />

<strong>Depressionen</strong> haben sehr unterschiedliche Auswirkungen auf<br />

seelischer und körperlicher Ebene. Sie können sich sehr unterschiedlich<br />

und über eine Vielzahl von Beschwerden äußern.<br />

Hier eine Auswahl der häufigsten Symptome:<br />

• Schwäche, Energieverlust, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit,<br />

gedrückte Stimmung<br />

• Störung des Antriebs, Unentschlossenheit,<br />

Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen<br />

• geringes Selbstbewusstsein, Schuldgefühle<br />

• geminderte Konzentrationsfähigkeit<br />

• Spannung, Angst, Hilflosigkeit, Panikattacken<br />

• Unruhe und Rastlosigkeit oder Bewegungslosigkeit<br />

und Ausdruckslähmung<br />

• Schlafstörungen: Oft wachen Patienten am frühen Morgen<br />

auf und können nicht mehr einschlafen.<br />

• körperliche Schmerzen, Verlust der Libido<br />

• Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Verstopfung<br />

Ursachen von <strong>Depressionen</strong><br />

Die Ursachen depressiver Erkrankungen sind noch nicht eindeutig<br />

geklärt. Man geht davon aus, dass bei der Entstehung mehrere<br />

Faktoren eine Rolle spielen. Dazu gehören die genetische und<br />

neurobiologische Grundausstattung eines Menschen sowie die<br />

seelischen Belastungen, denen er ausgesetzt ist. Es besteht in der<br />

Wissenschaft wenig Zweifel daran, dass die Wahrscheinlichkeit,<br />

an <strong>Depressionen</strong> zu erkranken, auch eine erbliche Komponente<br />

hat. Bei depressiven Menschen ist ein Mangel an den chemischen<br />

Botenstoffen (Neurotransmittern) Serotonin und Noradrenalin zu<br />

beobachten.<br />

Besteht durch biologische oder lang andauernde Einflüsse<br />

(Familie und Erziehung) eine gewisse Anfälligkeit, können<br />

Ereignisse wie Partnerverlust, Dauerüberlastung im Beruf,<br />

Todesfälle im Umfeld oder lang andauernde Belastungen durch<br />

Krankheit, Beziehungskonflikte und Stress <strong>Depressionen</strong> auslösen.<br />

<strong>Depressionen</strong> und Licht<br />

Man vermutet als Ursache der Winterdepression einen Lichtmangel.<br />

Dieser wird mit einer Lichttherapie ausgeglichen. Dabei<br />

schaut der Patient täglich (am besten vormittags) in ein Licht mit<br />

mindestens 2.500 Lux. Dies bewirkt über die Reizung der Netzhaut<br />

und des Sehnervs eine vermehrte Ausschüttung von<br />

Serotonin und Melatonin, was den Krankheitsverlauf günstig<br />

beeinflusst. Die Behandlung dauert mehrere Tage bis Wochen.<br />

Allerdings sollte die Lichttherapie als unterstützendes Verfahren<br />

zur medikamentösen und psychologischen Behandlung betrachtet<br />

werden.<br />

4 <strong>Depressionen</strong>


Umgang mit <strong>Depressionen</strong><br />

Eine depressive Erkrankung hat nichts mit einer „Verstimmung“<br />

oder einer schlechten Phase zu tun. Wird die Erkrankung nicht<br />

behandelt, sondern bagatellisiert („Das wird schon wieder...“),<br />

fühlen sich Betroffene noch weniger verstanden und sinken möglicherweise<br />

noch tiefer in die Depression. <strong>Depressionen</strong> sind ernst<br />

zu nehmende Erkrankungen. Depressive Menschen können ihre<br />

Traurigkeit und die Unfähigkeit, aktiv zu sein, nicht willentlich<br />

beeinflussen.<br />

Menschen, bei denen eine depressive Erkrankung vorliegen<br />

könnte, sollten sich unbedingt in ärztliche Behandlung begeben.<br />

Da vielen Betroffenen dazu die Kraft fehlt, wäre eine Unterstützung<br />

durch Angehörige oder Freunde ideal.<br />

Eine medikamentöse Behandlung wird vom Arzt/Facharzt, je nach<br />

Schweregrad, in die Wege geleitet. Die Behandlung verschafft<br />

meist Linderung der Symptome und führt in der Regel zu einer<br />

Heilung der Krankheit. Dazu müssen aber die Medikamente regelmäßig<br />

und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.<br />

Einige Antidepressiva entfalten ihre Wirkung erst nach einigen<br />

Wochen. Deshalb kann es hilfreich sein, wenn Angehörige an die<br />

Medikamenteneinnahme erinnern und darauf achten, dass diese<br />

den Anweisungen des Arztes entsprechend ausgeführt wird.<br />

Kommt es zu einer Besserung durch die medikamentöse Therapie,<br />

dürfen die Medikamente auf keinen Fall eigenmächtig niedriger<br />

dosiert oder abgesetzt werden. Es bestünde dann die Gefahr eines<br />

Rückfalls.<br />

Antidepressiva sind keine Beruhigungsmittel, sie machen nicht<br />

abhängig. Eine vertrauensvolle und offene Zusammenarbeit<br />

zwischen Betroffenem und behandelndem Arzt ermöglicht die<br />

Auswahl des richtigen Medikaments und aller weiteren<br />

Therapieschritte. Besonders am Anfang der Therapie wird der Arzt<br />

meist mehrmals pro Woche nachfragen, wie das Medikament<br />

anschlägt, welche Nebenwirkungen auftreten und was sich in<br />

Bezug auf Schlaf, Antrieb etc. verändert.<br />

Ärztliche Behandlung und<br />

Medikamente<br />

Es ist wichtig, dass Betroffene, Angehörige und Freunde wissen,<br />

dass <strong>Depressionen</strong> eine behandelbare Krankheit sind. Beratung<br />

und Informationen rund um <strong>Depressionen</strong> helfen sowohl den<br />

Betroffenen als auch ihrem Umfeld. Informationen über die<br />

Erkrankung und über Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen<br />

gibt vor allem der behandelnde Arzt. Ab Seite 44 ist eine erste Auswahl<br />

wichtiger Adressen aufgelistet. Außerdem können Adressen<br />

und Anlaufstellen über das betafon – Infodienst für Sozialfragen<br />

angefordert werden (Telefon 01805 2382366, 12 Cent/Minute)<br />

oder sind im Internet nachzulesen unter www.betanet.de.<br />

Beratung<br />

Umgang mit <strong>Depressionen</strong> 5


Gestaltung des Tagesablaufs<br />

Viele depressive Menschen haben keinen Antrieb, und es scheint<br />

ihnen nicht möglich, morgens aufzustehen, sich zu waschen und<br />

anzukleiden, daher spielt die Gestaltung des Tagesablaufs eine<br />

wichtige Rolle. Angehörige können dabei unterstützen und<br />

Hilfestellungen anbieten. Daneben kann z. B. täglich um die<br />

gleiche Zeit ein Spaziergang vereinbart werden. Bewegung an der<br />

frischen Luft und bei Tageslicht ist in jedem Fall positiv für die<br />

Erkrankten.<br />

Es hilft Betroffenen, ihren Tagesablauf zu strukturieren und sich<br />

am Vortag einen konkreten Plan zu schreiben, kleine Aufgaben<br />

wie Duschen, Einkaufen, Aufräumen mit der konkreten Uhrzeit zu<br />

versehen und dann zu kontrollieren, ob sie erledigt wurden. Die<br />

Aufgaben sollten überschaubar und zu bewältigen sein. So haben<br />

die Betroffenen Erfolgserlebnisse und fühlen sich weniger hilflos.<br />

Angehörige können den Tagesablauf unterstützen, indem sie an<br />

solchen Aktivitäten teilnehmen und damit den Erkrankten unterstützen.<br />

Keine wichtigen<br />

Entscheidungen treffen<br />

Weitreichende Entscheidungen beruflicher oder privater Art<br />

können bzw. sollen in einer Krankheitsphase nicht getroffen<br />

werden. Depressive Menschen empfinden und bewerten anders,<br />

deshalb bereuen sie möglicherweise Entscheidungen, wenn sie<br />

wieder gesund sind.<br />

Körperliche Aktivität<br />

So schwer dies depressiven Menschen auch fällt, sie sollten selbst<br />

versuchen und von ihrem Umfeld angehalten werden, so weit es<br />

geht körperlich aktiv zu sein. Viele können morgens kaum das<br />

Bett und tagsüber die Wohnung verlassen. Dies wäre jedoch ein<br />

sehr großer Schritt zur Besserung. Bewegung kann helfen, den<br />

negativen Gedanken- und Gefühlskreislauf zu stoppen. Jede<br />

körperliche Aktivität, Aufstehen nach dem Aufwachen, Aufräumen,<br />

kleine Einkäufe und kurze Spaziergänge, kann als Erfolg<br />

betrachtet werden.<br />

Suizidale Äußerungen<br />

ernst nehmen<br />

Haben depressive Menschen Selbstmordgedanken, muss dies sehr<br />

ernst genommen werden. Es ist wichtig und richtig, auf die<br />

Gedanken und Gefühle einzugehen. Äußerst wichtig ist eine<br />

schnelle Kontaktaufnahme zum behandelnden Arzt. Dieser kann<br />

dann mit dem Betroffenen und den Angehörigen überlegen,<br />

welche weiteren Schritte angebracht sind.<br />

Geduld und Zuwendung<br />

Mitleid, gut gemeinte Ratschläge oder Schuldgefühle sind nicht<br />

hilfreich. Dagegen brauchen Betroffene Geduld und Zuwendung.<br />

Der Umgang mit depressiven Menschen sollte akzeptierend,<br />

respekt- und vertrauensvoll sein.<br />

6 Umgang mit <strong>Depressionen</strong>


Appelle an den Willen von Betroffenen sind nicht empfehlenswert.<br />

Die Betroffenen leiden an einer Erkrankung, das hat nichts<br />

mit Willensstärke zu tun. Die täglichen Anforderungen dürfen<br />

zwar nicht ausbleiben, sollten jedoch der Leistungsfähigkeit<br />

angepasst werden. So ergeben sich eher Erfolgserlebnisse.<br />

Depressive Menschen empfinden in aktiven Phasen zum Teil<br />

wenig positive Emotionen und wirken auf ihr Umfeld dadurch<br />

„eisig“. Partner dürfen dies nicht persönlich nehmen, es ist Teil der<br />

Krankheit. Partner und Betroffene sollten sich immer wieder<br />

sagen, dass es die Depression ist, die verändert, und dass dies<br />

wieder anders wird.<br />

Die Belastung für Angehörige mit einem über Wochen und<br />

Monate depressiven Menschen kann sehr groß sein. Die Entlastung<br />

der Angehörigen oder des Umfelds spielt hier eine große<br />

Rolle. Daher ist es wichtig, dass auch Angehörige sich nicht übernehmen<br />

und auch an ihre eigenen Bedürfnisse denken. Es ist<br />

wichtig, dass sie sich selbst etwas Gutes tun.<br />

Möglicherweise hilft dem Betroffenen und auch seinem Umfeld<br />

ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik. Hilfreich kann auch<br />

der Austausch mit anderen Angehörigen von psychisch kranken<br />

Menschen sein.<br />

In jedem Bundesland gibt es die Angehörigengruppen ApK<br />

(Angehörige psychisch Kranker). Der Bundesverband ist im<br />

Internet unter www.bapk.de zu finden.<br />

Entlastung der Angehörigen<br />

oder des Umfelds<br />

Umgang mit <strong>Depressionen</strong> 7


Arbeitsunfähigkeit und finanzielle<br />

Leistungen<br />

Insgesamt sinken die Krankenstände in den Unternehmen, gleichzeitig<br />

steigt aber die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen<br />

psychischer Leiden (v. a. <strong>Depressionen</strong>) krankgeschrieben sind.<br />

Das geht aus einer Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts<br />

der AOK in Bonn hervor, die im Mai 2005 veröffentlicht wurde<br />

Seit 1997 ist die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer<br />

Probleme um 70 % gestiegen. Eine DAK-Studie (Deutsche Angestellten<br />

Krankenkasse) macht den steigenden Leistungsdruck<br />

dafür verantwortlich. Die Deutschen lassen sich immer weniger<br />

krankschreiben, aber immer öfter aus psychischen Gründen.<br />

Auslöser dieses Trends könnte die Krise auf dem Arbeitsmarkt<br />

sein – zu diesem Ergebnis kommt der Gesundheitsreport 2005.<br />

Arbeitsunfähigkeit<br />

Definition „Arbeitsunfähigkeit“<br />

Arbeitsunfähigkeit (AU) ist ein durch Krankheit oder Unfall<br />

hervorgerufener regelwidriger Körper- oder Geisteszustand,<br />

aufgrund dessen der in der Kranken- und Unfallversicherung<br />

Versicherte seine bisherige Erwerbstätigkeit nicht oder nur<br />

unter Gefahr der Verschlimmerung des Zustandes weiter ausüben<br />

kann. Die Arbeitsunfähigkeit ist Voraussetzung für<br />

Krankengeld. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, dem<br />

Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche<br />

Dauer unverzüglich mitzuteilen.<br />

Entgeltfortzahlung<br />

Die Entgeltfortzahlung ist eine arbeitsrechtliche Regelung und<br />

keine Leistung der Sozialversicherung. Sie ist im Entgeltfortzahlungsgesetz<br />

geregelt. Das Gesetz regelt die Zahlung des<br />

Arbeitsentgelts an gesetzlichen Feiertagen und die Fortzahlung<br />

des Arbeitsentgelts im Krankheitsfall. Entgeltfortzahlung erhalten<br />

alle Arbeitnehmer, auch geringfügig Beschäftigte, unabhängig<br />

von der wöchentlichen Arbeitszeit, die ein ununterbrochenes<br />

Arbeitsverhältnis von 4 Wochen haben. Die Arbeitsunfähigkeit<br />

muss ohne Verschulden des Arbeitnehmers eingetreten sein. Die<br />

Arbeitsunfähigkeit muss dem Arbeitgeber unverzüglich mitgeteilt<br />

werden. Die gesetzliche Anspruchsdauer auf Entgeltfortzahlung<br />

beträgt 6 Wochen. Die Entgeltfortzahlung beträgt 100 % des<br />

bisherigen üblichen Arbeitsentgelts.<br />

8 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen


Krankengeld erhalten versicherte Patienten von der Krankenkasse,<br />

wenn sie länger als 6 Wochen arbeitsunfähig sind.<br />

Krankengeld<br />

Das Krankengeld ist eine so genannte Lohnersatzleistung, d. h.,<br />

sie wird nur gezahlt, wenn nach 6 Wochen kein Anspruch (mehr)<br />

auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber (§ 3 EntgeltfortzahlungsG)<br />

besteht.<br />

Voraussetzungen für den Erhalt von Krankengeld:<br />

• grundsätzlicher Anspruch auf Krankengeldbezug durch die<br />

Krankenversicherung<br />

• Es handelt sich immer um dieselbe Krankheit bzw. um eindeutige<br />

Folgeerkrankungen derselben Grunderkrankung.<br />

• Arbeitsunfähigkeit aufgrund Krankheit oder stationäre<br />

Behandlung in Krankenhaus, Vorsorge- oder Reha-Einrichtung<br />

auf Kosten der Krankenkasse<br />

Keinen Anspruch auf Krankengeld haben:<br />

• versicherungspflichtige Personen in Einrichtungen der<br />

Jugendhilfe<br />

• Teilnehmer an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sowie<br />

zur Berufsfindung und Arbeitserprobung, die nicht nach dem<br />

Bundesversorgungsgesetz erbracht werden; Ausnahme bei<br />

Anspruch auf Übergangsgeld<br />

• Studenten (in der Regel bis zum Abschluss des 14. Fachsemesters<br />

oder bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres)<br />

• Praktikanten<br />

• Familienversicherte<br />

• Bezieher einer vollen Erwerbsminderungsrente, Erwerbsunfähigkeitsrente,<br />

einer Vollrente wegen Alters, eines<br />

Ruhegehalts, eines versicherungspflichtigen Vorruhestandsgehalts<br />

• Bezieher von Arbeitslosengeld II<br />

Voraussetzungen<br />

Kein Anspruch<br />

Die Satzung einer Krankenkasse kann den Anspruch auf<br />

Krankengeld für freiwillig Versicherte, die selbstständig tätig sind,<br />

ausschließen oder zu einem späteren Zeitpunkt entstehen lassen,<br />

je nachdem welchen Tarif der Versicherte gewählt hat.<br />

Freiwillig Versicherte, die angestellt sind und deren Einkommen<br />

über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, bekommen Krankengeld.<br />

Als monatliches Bruttoeinkommen wird dann die Beitragsbemessungsgrenze<br />

herangezogen.<br />

Anspruch für<br />

freiwillig Versicherte<br />

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 9


Anspruch auf Krankengeld<br />

Anspruch auf Krankengeld entsteht :<br />

• bei Krankenhausbehandlung mit der Aufnahme, also vom<br />

Beginn der Krankenhausbehandlung bzw. der Behandlung in<br />

Vorsorge- oder Reha-Einrichtungen<br />

• bei Arbeitsunfähigkeit mit dem auf die ärztliche Feststellung<br />

der Arbeitsunfähigkeit folgenden Tag<br />

Höhe<br />

Das Krankengeld beträgt 70 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts<br />

(so genanntes regelmäßiges Bruttoentgelt), maximal aber 90 %<br />

des regelmäßigen Nettoarbeitsentgelts.<br />

Definition „regelmäßig“<br />

Bezüge, die wegen außergewöhnlicher Umstände gewährt<br />

wurden oder ausfielen, bleiben beim regelmäßigen Entgelt<br />

unbeachtet. Einmalige Zahlungen wie z. B. Weihnachtsgeld<br />

oder Urlaubsgeld gehören, wenn sie tatsächlich regelmäßig<br />

wiederkehrend geleistet werden, zum regelmäßigen Bruttoentgelt.<br />

Höchstbetrag des Krankengelds<br />

Bei freiwillig Versicherten über der Beitragsbemessungsgrenze<br />

wird nur das Arbeitsentgelt bis zur Höhe der kalendertäglichen<br />

Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt, das ist 2006 ein Betrag<br />

von 118,75 € (= Beitragsbemessungsgrenze 42.750 € : 360).<br />

Da das Krankengeld 70 % dieses Arbeitsentgelts beträgt, kann es<br />

maximal 83,13 € täglich betragen.<br />

Das Krankengeld wird kalendertäglich für 30 Tage je Kalendermonat<br />

gezahlt.<br />

Berechnungsbeispiel (ohne regelmäßige Zusatzleistungen)<br />

Monatlich brutto 3.000,- €<br />

3.000,- € : 30 für Kalendertag = 100,- €<br />

davon 70 % = 70,- €<br />

Folgt: Krankengeld beträgt 70,- € täglich<br />

Monatlich netto 1.800,- €<br />

1.800,– € : 30 für Kalendertag = 60,- €<br />

davon 90 % = 54,- €<br />

Folgt: Krankengeld beträgt 54,- € täglich<br />

10 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen<br />

Abgezogen vom Krankengeld werden Sozialversicherungsbeiträge<br />

für die Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung. Die<br />

Krankenkasse übernimmt die Beiträge der Krankenversicherung<br />

und jeweils die Hälfte der drei genannten Versicherungen. Damit<br />

ergibt sich in der Regel ein Abzug von 13,85 % bei Krankengeldempfängern<br />

mit Kindern, bzw. von 14,1 % bei kinderlosen<br />

Empfängern.


Bei Bezug von Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld wird<br />

Krankengeld in Höhe dieser Leistungen gezahlt.<br />

Sonderregelung<br />

Die Dauer des Krankengelds beträgt wegen derselben Krankheit<br />

längstens 78 Wochen (546 Kalendertage) innerhalb von je 3 Jahren<br />

ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit. Dabei handelt es sich um die so<br />

genannte Blockfrist.<br />

Die Blockfrist beginnt mit dem erstmaligen Eintritt der Arbeitsunfähigkeit<br />

für die ihr zugrunde liegende Krankheit. Bei jeder<br />

Arbeitsunfähigkeit wegen einer anderen Erkrankung beginnt eine<br />

neue Blockfrist. Es ist möglich, dass mehrere Blockfristen nebeneinander<br />

laufen.<br />

Dauer<br />

„Dieselbe Krankheit“<br />

bedeutet, dass eine identische Krankheitsursache zugrunde liegt.<br />

Es genügt, dass ein nicht ausgeheiltes Grundleiden Krankheitsschübe<br />

bewirkt, z. B. eine erneute Arbeitsunfähigkeit wegen Überlastung<br />

am Arbeitsplatz.<br />

Die Leistungsdauer verlängert sich nicht, wenn während der<br />

Arbeitsunfähigkeit eine andere Krankheit hinzutritt. Es bleibt bei<br />

maximal 78 Wochen.<br />

Nach Ablauf der Blockfrist entsteht ein erneuter Anspruch<br />

auf Krankengeld unter folgenden Voraussetzungen:<br />

• erneute Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit,<br />

• mindestens 6 Monate lang keine Arbeitsunfähigkeit wegen<br />

dieser Krankheit und<br />

• mindestens 6 Monate andauernde Erwerbstätigkeit oder der<br />

Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehend.<br />

Erneuter Anspruch auf<br />

Krankengeld wegen derselben<br />

Krankheit<br />

Zeiten, in denen der Anspruch auf Krankengeld zwar theoretisch<br />

besteht, aber tatsächlich ruht oder versagt wird, werden wie<br />

Bezugszeiten von Krankengeld angesehen.<br />

Beispiel<br />

Der Arbeitgeber zahlt bei Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers<br />

dessen Arbeitsentgelt bis zu 6 Wochen weiter (§ 3<br />

EntgeltfortzahlungsG), d. h., der Anspruch auf Krankengeld<br />

besteht zwar, aber er ruht. Erst danach gibt es Krankengeld.<br />

Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung werden aber wie Krankengeld-Bezugszeiten<br />

behandelt, so dass noch maximal 72<br />

Wochen (78 Wochen abzüglich 6 Wochen = 72 Wochen)<br />

Krankengeld gezahlt wird.<br />

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 11


!<br />

Praxistipp Zahlt<br />

der Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers<br />

das Entgelt jedoch nicht weiter, obwohl hierauf ein Anspruch<br />

nach § 3 EntgeltfortzahlungsG besteht, gewährt die Krankenkasse<br />

bei Vorliegen der Voraussetzungen das Krankengeld, da das<br />

Krankengeld nur bei tatsächlichem Bezug des Arbeitsentgelts<br />

ruht. Der Anspruch des versicherten Arbeitnehmers gegen den<br />

Arbeitgeber auf Entgeltfortzahlung geht dabei auf die Krankenkasse<br />

über.<br />

Ruhen des Anspruchs<br />

auf Krankengeld<br />

Ruhen des Anspruchs auf Krankengeld:<br />

• Bei Erhalt von (mehr als einmalig gezahltem) Arbeitsentgelt.<br />

Das gilt besonders bei Entgeltfortzahlung bis zu 6 Wochen.<br />

Wenn das Arbeitsentgelt niedriger als das Krankengeld ist,<br />

wird die Differenz als Krankengeld geleistet. Nicht darunter<br />

fallen Zuschüsse zum Krankengeld, soweit sie zusammen mit<br />

dem Krankengeld das Nettoeinkommen nicht übersteigen.<br />

• Bei Inanspruchnahme von Elternzeit (früher: Erziehungsurlaub)<br />

nach dem Bundeserziehungsgeldgesetz bis zum<br />

3. Geburtstag eines Kindes. Dies gilt nicht, wenn die Arbeitsunfähigkeit<br />

vor Beginn der Elternzeit eingetreten ist oder<br />

wenn das Krankengeld aus einer versicherungspflichtigen<br />

(Teilzeit-)Beschäftigung während der Elternzeit errechnet<br />

wird.<br />

• Bei Bezug von Versorgungskrankengeld, Übergangsgeld,<br />

Unterhaltsgeld, Kurzarbeitergeld, Winterausfallgeld; auch<br />

bei Ruhen dieser Ansprüche wegen einer Sperrzeit.<br />

• Bei Bezug von Mutterschaftsgeld oder Arbeitslosengeld.<br />

• Solange die Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse nicht<br />

gemeldet ist. Meldefrist bis zu einer Woche nach Beginn<br />

der Arbeitsunfähigkeit.<br />

Ausschluss des Krankengelds<br />

Ausschluss des Krankengelds bei Bezug von:<br />

• Vollrente wegen Alters aus der Rentenversicherung<br />

• Rente wegen voller Erwerbsminderung oder Berufsunfähigkeit<br />

aus der Rentenversicherung<br />

• Ruhegehalt nach beamtenrechtlichen Grundsätzen<br />

• Vorruhestandsgeld<br />

Mit Beginn dieser Leistungen bzw. mit dem Tage der Bewilligung<br />

einer Rente endet der Anspruch auf Krankengeld. Wurden für<br />

eine gewisse Zeit gleichzeitig Rente und Krankengeld gezahlt, so<br />

fordert die Krankenkasse das Krankengeld zurück. Der Versicherte<br />

darf unter Umständen lediglich den Teil des Krankengelds behalten,<br />

der über die Rente hinausging (so genannter Spitzbetrag).<br />

12 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen


Krankengeld wird gekürzt um den Zahlbetrag der:<br />

• Altersrente, Rente wegen Erwerbsminderung oder<br />

Landabgabenrente, jeweils aus der Alterssicherung der<br />

Landwirte (ALG)<br />

• Teilrente wegen Alters aus der Rentenversicherung<br />

• Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung<br />

(früher: Rente wegen Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit)<br />

• Knappschaftsausgleichsleistung, Rente für Bergleute,<br />

soweit die Leistung nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit oder<br />

stationären Behandlung zuerkannt wird<br />

Wenn eine der oben genannten Zahlungen eintrifft, ist dies der<br />

Krankenkasse schnellstmöglich mitzuteilen. Das erspart spätere<br />

Rückzahlungen.<br />

Krankengeld wird gekürzt<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Wenn die Erwerbsfähigkeit des Versicherten nach ärztlichem<br />

Gutachten erheblich gefährdet oder gemindert ist, kann die<br />

Krankenkasse dem Versicherten eine Frist von 10 Wochen setzen,<br />

um einen Antrag auf Rehamaßnahmen zu stellen.<br />

Wegfall des Krankengelds,<br />

Antrag auf Reha<br />

Werden Arbeitslose, die Krankengeld beziehen, von der Krankenkasse<br />

aufgefordert, einen Antrag auf abgestufte Erwebsminderungsrente<br />

zu stellen, wird die Krankengeldzahlung eingestellt<br />

und von der Agentur für Arbeit (ehemals Arbeitsamt) im<br />

Sinne der so genannten „Nahtlosigkeit“ eine Sonderform des<br />

Arbeitslosengeldes bei Arbeitsunfähigkeit gezahlt.<br />

Wenn mit Vollendung des 65. Lebensjahres der Bezug von<br />

Regelaltersrente oder Altersrente aus der Alterssicherung der<br />

Landwirte eintritt, kann die Krankenkasse dem Versicherten eine<br />

Frist von 10 Wochen setzen, um einen Antrag hierfür zu stellen.<br />

Wegfall des Krankengelds,<br />

Antrag auf Rente<br />

Es liegt beim Vorliegen der genannten Voraussetzungen im<br />

Ermessen der Krankenkasse, ob sie den Wegfall des Krankengelds<br />

plant und den Versicherten auffordert, innerhalb von 10 Wochen<br />

einen Antrag auf Reha oder Rente zu stellen.<br />

Kommt der Versicherte dieser Aufforderung nicht fristgerecht<br />

nach, entfällt mit Ablauf der Frist der Anspruch auf Krankengeld,<br />

und seine Mitgliedschaft in der Krankenkasse endet. Wird der<br />

Antrag später gestellt, lebt der Anspruch auf Krankengeld mit<br />

dem Tag der Antragstellung wieder auf, aber nicht die<br />

Mitgliedschaft.<br />

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 13


Ende des Anspruchs auf<br />

Krankengeld – Aussteuerung<br />

Wird der Anspruch auf Krankengeld (78 Wochen Arbeitsunfähigkeit<br />

innerhalb von 3 Jahren wegen derselben Erkrankung)<br />

ausgeschöpft und ist der Versicherte noch immer arbeitsunfähig,<br />

dann endet seine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung.<br />

Dieser Vorgang wird auch Aussteuerung genannt.<br />

Die Krankenkasse informiert das Mitglied rund 2 Monate vor der<br />

Aussteuerung darüber. Damit weiter ein Anspruch auf medizinische<br />

Leistungen besteht, ist es wichtig, weiterhin Mitglied der<br />

Krankenkasse zu bleiben.<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Es gibt folgende Möglichkeiten:<br />

• freiwillige Versicherung bei der Krankenkasse<br />

• Familienversicherung (wenn z. B. der Ehemann/die Ehefrau<br />

Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist)<br />

• Beantragung von Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit,<br />

einer Sonderform des Arbeitslosengelds im Sinne der<br />

Nahtlosigkeit<br />

Ist abzusehen, dass der Krankengeldbezug endet, sollten sich<br />

Betroffene unbedingt rechtzeitig mit der Krankenkasse in<br />

Verbindung setzen, um den künftigen Versicherungsschutz zu<br />

klären.<br />

14 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen


Die Grundsicherung soll den grundlegenden Bedarf für den<br />

Lebensunterhalt von Menschen sicherstellen, die wegen Alters<br />

oder aufgrund voller Erwerbsminderung aus medizinischen<br />

Gründen endgültig aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind<br />

und deren Einkünfte für den notwendigen Lebensunterhalt nicht<br />

ausreichen.<br />

Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung war<br />

bis 31.12.2004 ein eigenes Gesetz und wird seit 1.1.2005 im<br />

SGB XII – Sozialhilfe – geregelt.<br />

Grundsicherung<br />

im Alter und bei<br />

Erwerbsminderung<br />

Leistungsberechtigt sind Menschen mit gewöhnlichem<br />

Aufenthalt in Deutschland,<br />

• die das 65. Lebensjahr vollendet haben oder<br />

• die das 18. Lebensjahr vollendet haben und – unabhängig von<br />

der jeweiligen Arbeitsmarktlage – aus medizinischen Gründen<br />

dauerhaft voll erwerbsgemindert sind und<br />

• wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht selbst aus ihrem<br />

Einkommen und Vermögen bestreiten können.<br />

Voraussetzungen<br />

Nicht leistungsberechtigt sind<br />

• Personen, wenn das zu versteuernde Gesamteinkommen der<br />

Eltern oder Kinder jährlich 100.000,– € übersteigt.<br />

• Personen, die ihre Bedürftigkeit in den letzten 10 Jahren vorsätzlich<br />

oder grob fahrlässig herbeigeführt haben<br />

Die Grundsicherung ist abhängig von der Bedürftigkeit und entspricht<br />

in der Höhe der Hilfe zum Lebensunterhalt der Sozialhilfe.<br />

Umfang und Höhe<br />

Die Grundsicherung umfasst folgende Leistungen:<br />

• den für den Antragsberechtigten maßgebenden Regelsatz der<br />

Sozialhilfe<br />

• die angemessenen tatsächlichen Aufwendungen für<br />

Unterkunft und Heizung (bei nicht getrennt lebenden<br />

Ehegatten oder bei einer eheähnlichen Partnerschaft jeweils<br />

anteilig)<br />

• Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, soweit keine<br />

Pflichtversicherung besteht<br />

• einen Mehrbedarfszuschlag von 17 % des maßgebenden<br />

Regelsatzes bei Schwerbehinderten, die einen Schwerbehindertenausweis<br />

mit Merkzeichen „G“ besitzen<br />

• einmalige Leistungen<br />

• Hilfe zum Lebensunterhalt in Sonderfällen, insbesondere<br />

Übernahme von Mietschulden<br />

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 15


Von diesem Bedarf werden die eigenen Einkünfte abgezogen und<br />

die Differenz wird als Grundsicherung ausgezahlt. Sind die<br />

Einkünfte höher als der Bedarf, besteht kein Anspruch auf eine<br />

Grundsicherungsleistung.<br />

Anrechnung von<br />

Einkommen und Vermögen<br />

Grundsicherungsleistungen erhalten nur Bedürftige, die ihren<br />

Lebensunterhalt nicht oder nicht vollständig bestreiten können.<br />

Angerechnet werden<br />

• eigenes Einkommen und Vermögen wie in der Sozialhilfe und<br />

• Einkommen und Vermögen des nicht getrennt lebenden Eheoder<br />

Lebenspartners, soweit es dessen Eigenbedarf übersteigt.<br />

Dauer<br />

Die Grundsicherung wird in der Regel für 12 Kalendermonate<br />

bewilligt.<br />

Bei Erstbewilligung beginnt die Auszahlung am Ersten des Monats,<br />

in dem der Antrag gestellt worden ist.<br />

Bei Änderung der Leistung beginnt die Auszahlung am Ersten des<br />

Monats, in dem die Voraussetzungen für die Änderung eingetreten<br />

und mitgeteilt worden sind. Bekommt der Berechtigte<br />

infolge der Änderung weniger Leistungen, beginnt der neue<br />

Bewilligungszeitraum am Ersten des Folgemonats.<br />

?<br />

Wer hilft weiter?<br />

Der Antrag kann beim zuständigen Sozialamt gestellt werden, in<br />

dessen Bereich der Antragsberechtigte seinen gewöhnlichen<br />

Aufenthaltsort hat. Auch die Rentenversicherungsträger nehmen<br />

den Antrag entgegen.<br />

16 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen


Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung<br />

in der gesetzlichen Krankenversicherung<br />

Durch die Verordnung von Arznei- und Heilmitteln können bei<br />

Patienten mit <strong>Depressionen</strong> verschiedene Zuzahlungen anfallen.<br />

Versicherte ab 18 Jahren müssen zu bestimmten Leistungen der<br />

gesetzlichen Krankenversicherung Zuzahlungen leisten. Die nachfolgenden<br />

Regelungen gelten auch für Sozialhilfeempfänger.<br />

Zuzahlungen<br />

Die Praxisgebühr beträgt 10,– € pro Quartal und Arzt, Zahnarzt<br />

oder Psychotherapeut.<br />

Praxisgebühr<br />

Die Praxisgebühr wird nicht fällig bei<br />

• Überweisungen von einem anderen Arzt im selben Quartal,<br />

• Vorsorge, Früherkennung, Kontrolluntersuchungen,<br />

Schutzimpfungen sowie bei<br />

• Überschreiten der Belastungsgrenze.<br />

Zuzahlung (umgangssprachlich „Rezeptgebühr): 10 % der Kosten,<br />

mindestens 5,– €, maximal 10,– €, in keinem Fall mehr als die<br />

Kosten des Arzneimittels.<br />

Arzneimittel<br />

Preis/Kosten<br />

Zuzahlung<br />

bis 5,– € Preis = Zuzahlung<br />

5,01 bis 50,– € 5,– €<br />

50,– bis 100,– € 10 % des Preises<br />

ab 100,– € 10,– €<br />

Diese Tabelle gilt entsprechend auch für Verbandmittel, die<br />

meisten Hilfsmittel, Haushaltshilfe, Soziotherapie und Fahrtkosten.<br />

Zuzahlung: 10 % der Kosten, mindestens 5,- €, maximal 10,– €,<br />

in keinem Fall mehr als die Kosten des Verbandmittels.<br />

Verbandmittel<br />

Zuzahlung: 10 % der Kosten zuzüglich 10,– € je Verordnung.<br />

Heilmittel<br />

Zuzahlung: 10 % der Kosten, mindestens 5,– €, maximal 10,– €.<br />

Bei zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln beträgt die<br />

Zuzahlung 10 % je Packung, maximal jedoch 10,– € monatlich.<br />

Hilfsmittel<br />

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung 17


Häusliche Krankenpflege<br />

Zuzahlung: 10 % der Kosten pro Tag, begrenzt auf 28 Tage im<br />

Kalenderjahr, zuzüglich 10,– € je Verordnung.<br />

Soziotherapie<br />

Zuzahlung: 10 % der Kosten pro Tag, mindestens 5,– €, maximal<br />

10,– €.<br />

Haushaltshilfe<br />

Zuzahlung: 10 % der Kosten pro Tag, mindestens 5,– €, maximal<br />

10,– €.<br />

Krankenhausbehandlung,<br />

Anschlussheilbehandlung<br />

Zuzahlung: 10,– € pro Kalendertag, für längstens 28 Tage pro<br />

Kalenderjahr.<br />

Bereits im selben Jahr geleistete Zuzahlungen zu Krankenhausund<br />

Anschlussheilbehandlung werden angerechnet.<br />

Ambulante und stationäre<br />

Leistungen zur Rehabilitation<br />

Zuzahlung: 10,– € pro Kalendertag an die Einrichtung, ohne zeitliche<br />

Begrenzung.<br />

28 Tage, wenn die ambulante Rehamaßnahme aus medizinischen<br />

Gründen länger als 42 Behandlungstage bzw. die stationäre Rehamaßnahme<br />

aus medizinischen Gründen länger als 6 Wochen<br />

dauert.<br />

Fahrtkosten<br />

Zuzahlung: 10 % der Fahrtkosten, mindestens 5,– €, maximal<br />

10,- €, in keinem Fall mehr als die Kosten der Fahrt.<br />

Nicht befreiungsfähige<br />

Zuzahlungen<br />

Folgende Zuzahlungen werden bei der Berechnung der<br />

Zuzahlungsbefreiung nicht berücksichtigt:<br />

• Zahnersatz<br />

Die Krankenkasse übernimmt:<br />

50 % der Regelversorgungskosten (= Festzuschuss),<br />

60 % der Regelversorgungskosten bei 5 Jahren Vorsorge<br />

(= Festzuschuss + 20 % Bonus),<br />

65 % der Regelversorgungskosten bei 10 Jahren Vorsorge<br />

(= Festzuschuss + 30 % Bonus).<br />

Den Rest zahlt der Versicherte zu. Darüber hinaus gelten beim<br />

Zahnersatz besondere Härtefallregelungen.<br />

• Kieferorthopädische Behandlung bei Erwachsenen<br />

20 % der Kosten und nur soweit zusätzlich kieferchirurgische<br />

Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind, ansonsten zahlt der<br />

Versicherte voll.<br />

18 Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung


Die Belastungsgrenze soll verhindern, dass insbesondere<br />

chronisch Kranke, Behinderte, Versicherte mit einem geringen<br />

Einkommen und Sozialhilfeempfänger durch die Zuzahlungen<br />

zu medizinischen Leistungen unzumutbar belastet werden. Die<br />

Belastungsgrenze liegt bei 2 % des jährlichen Bruttoeinkommens.<br />

Zuzahlungsbefreiung<br />

bei Erreichen der<br />

Belastungsgrenzen<br />

Frühere Regelungen wie Sozialklausel, Härtefälle und Überforderungsklausel<br />

gelten seit 1.1.2004 nicht mehr.<br />

Als „belastet“ gilt, wer mehr als 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen<br />

zum Lebensunterhalt für Zuzahlungen ausgeben<br />

muss(te).<br />

Voraussetzungen<br />

Das Bruttoeinkommen zum Lebensunterhalt ist als Familienbruttoeinkommen<br />

zu verstehen. Es errechnet sich aus dem<br />

Bruttoeinkommen des Versicherten und den Bruttoeinkommen<br />

aller Angehörigen des Versicherten, die mit ihm in<br />

einem gemeinsamen Haushalt leben.<br />

Berechnung<br />

„Angehörige" des Versicherten sind:<br />

• Ehepartner<br />

• Kinder, die familienversichert sind<br />

• eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner<br />

(nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz)<br />

• sonstige Angehörige nach § 7 Abs.2 KVLG<br />

(Krankenversicherung der Landwirte)<br />

Nicht zu den „Angehörigen" zählen Partner einer eheähnlichen<br />

verschiedengeschlechtlichen oder nicht eingetragenen gleichgeschlechtlichen<br />

Lebensgemeinschaft.<br />

Kinder des Versicherten müssen dabei familienversichert sein.<br />

Dasselbe gilt bei eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften.<br />

Von diesem Bruttoeinkommen zum Lebensunterhalt wird ein<br />

Freibetrag abgezogen:<br />

• für den ersten im gemeinsamen Haushalt lebenden<br />

Angehörigen des Versicherten 4.410,– €<br />

(= 15 % der jährlichen Bezugsgröße)<br />

• für jeden weiteren im gemeinsamen Haushalt lebenden<br />

Angehörigen des Versicherten und des eingetragenen<br />

gleichgeschlechtlichen Lebenspartners 2.940,– €<br />

(= 10 % der jährlichen Bezugsgröße).<br />

Dieser Punkt gilt nur für Mitglieder in der Krankenversicherung<br />

der Landwirte<br />

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung 19


• für jedes Kind des verheirateten Versicherten und des eingetragenen<br />

gleichgeschlechtlichen Lebenspartners 3.648,– €<br />

• für das erste Kind einer/s allein erziehenden Versicherten<br />

4.410,– € (= 15 % der jährlichen Bezugsgröße)<br />

• für jedes weitere Kind einer allein erziehenden Versicherten<br />

3.648,– €<br />

Einnahmen zum Lebensunterhalt sind:<br />

• Altersrenten<br />

• Arbeitsentgelt<br />

• Krankengeld<br />

• Arbeitslosengeld<br />

• Arbeitseinkommen (bei selbstständiger Tätigkeit)<br />

• Einnahmen aus Kapitalvermögen, Vermietung und<br />

Verpachtung<br />

• Witwen- oder Witwerrente und andere Renten<br />

wegen Todes<br />

• Einnahmen von Angehörigen im gemeinsamen Haushalt<br />

(Ehegatte, familienversicherte Kinder, eingetragene gleichgeschlechtliche<br />

Lebenspartner). Nicht hierzu zählen Partner<br />

einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft<br />

Bei Empfängern von Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem<br />

SGB XII, von Arbeitslosengeld II, von Grundsicherung im Alter und<br />

bei Erwerbsminderung und bei Heimbewohnern, die Leistungen<br />

vom Sozialamt bekommen, wird jeweils nur der Regelsatz des<br />

Haushaltsvorstands als Bruttoeinkommen für die gesamte<br />

Bedarfsgemeinschaft gezählt.<br />

Nicht zu den Einnahmen zählen zweckgebundene Zuwendungen,<br />

die einen beschädigungs- oder behinderungsbedingten Mehrbedarf<br />

abdecken sollen, wie z. B.:<br />

• Pflegegeld (Pflegegeld/Pflegeversicherung,<br />

Pflegegeld/ Sozialhilfe, Pflegegeld/Unfallversicherung)<br />

• Blindenzulage<br />

• Grundrente nach dem Bundesversorgungsgesetz (BVG)<br />

• Taschengeld vom Sozialamt für Heimbewohner<br />

• Beschädigten-Grundrente nach dem BVG<br />

• Rente oder Beihilfe nach dem Bundesentschädigungsgesetz<br />

bis zur Höhe der vergleichbaren Grundrente nach dem BVG<br />

• Verletztenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung,<br />

soweit diese der Grundrente nach dem BVG entspricht<br />

• Kindergeld<br />

20 Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung


Zuzahlungen werden als „Familienzuzahlungen“ betrachtet, d. h.<br />

es werden die Zuzahlungen des Versicherten mit den Zuzahlungen<br />

seiner Angehörigen, die mit ihm im gemeinsamen Haushalt leben,<br />

zusammengerechnet. Dasselbe gilt auch bei eingetragenen<br />

gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften.<br />

Überschreiten die Zuzahlungen 2 % der o. g. Bruttoeinnahmen im<br />

Kalenderjahr (= Belastungsgrenze), erhalten der Versicherte sowie<br />

sein Ehegatte und die familienversicherten Kinder, die mit ihm in<br />

einem gemeinsamen Haushalt leben, für den Rest des Kalenderjahres<br />

eine Zuzahlungsbefreiung bzw. den Mehrbetrag von der<br />

Krankenkasse zurückerstattet.<br />

Zuzahlungsbefreiung/<br />

Rückerstattung der Zuzahlung<br />

Verschiedene Krankenkassen bieten ihren Versicherten ein<br />

Quittungsheft an, in dem sie übers Jahr alle Quittungen von<br />

Zuzahlungen sammeln können.<br />

Die Belastungsgrenze wird im Nachhinein wirksam, weshalb<br />

der Patient immer alle Zuzahlungsbelege aufbewahren sollte, da<br />

nicht absehbar ist, welche Kosten im Laufe eines Kalenderjahres<br />

auflaufen. Wenn eine Versicherte im Lauf des Jahres die<br />

„Belastungsgrenze“ erreicht hat, sollte sie sich mit ihrer<br />

Krankenkasse in Verbindung setzen.<br />

Die Krankenkasse wird dem Patienten die Zuzahlungen zurückerstatten,<br />

die die „2 %-Belastungsgrenze“ übersteigen. Bei<br />

Erreichen der Belastungsgrenze wird für den Rest des Jahres eine<br />

Zuzahlungsbefreiung ausgestellt.<br />

Quittungsheft<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Definition „schwerwiegend chronisch krank“<br />

Als „schwerwiegend chronisch krank“ gilt, wer sich wenigstens<br />

ein Jahr lang wegen derselben Krankheit mindestens einmal<br />

pro Quartal in ärztlicher Behandlung befindet und mindestens<br />

eines der folgenden Kriterien erfüllt:<br />

• Pflegebedürftigkeit mit Pflegestufe 2 oder 3<br />

• ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60 oder<br />

eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens<br />

60 % (Schwerbehinderte)<br />

• eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder<br />

psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie,<br />

Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln) ist erforderlich, ohne<br />

die aufgrund der chronischen Krankheit nach ärztlicher<br />

Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der<br />

Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder<br />

eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu<br />

erwarten ist<br />

Sonderregelung<br />

für chronisch Kranke<br />

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung 21


Für chronisch Kranke, die wegen derselben schwerwiegenden<br />

Krankheit in Dauerbehandlung sind, gilt eine andere Belastungs–<br />

grenze: Sie gelten bereits dann als „belastet“, wenn sie mehr als<br />

1 % der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt für<br />

Zuzahlungen ausgeben müssen/mussten.<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Überschreiten die Zuzahlungen 1 % der Bruttoeinnahmen im<br />

Kalenderjahr (= Belastungsgrenze), erhalten der chronisch Kranke,<br />

sein Ehepartner und die familienversicherten Kinder für den Rest<br />

des Kalenderjahres eine Zuzahlungsbefreiung bzw. den Mehr–<br />

betrag von der Krankenkasse zurück.<br />

Grundsätzlich gilt:<br />

Ist das Ehepaar bei verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen,<br />

dann errechnet eine Krankenkasse, ab wann die Voraussetzungen<br />

für die Zuzahlungsbefreiung erreicht sind und stellt ggf. eine<br />

Zuzahlungsbefreiung aus. Dies wird der anderen Krankenkasse<br />

mitgeteilt, so dass die Versicherten für den Rest des Jahres keine<br />

Zuzahlungen mehr leisten müssen.<br />

Nach Ablauf eines Kalenderjahres ist der Krankenkasse die weitere<br />

Dauer der Behandlung nachzuweisen. Auf Verlangen der<br />

Krankenkasse kann eine Überprüfung durch den MDK erfolgen.<br />

Sonderregelung für Pflegebedürftige<br />

Pflegebedürftige mit Pflegestufe 2 oder 3 müssen einen jährlichen<br />

Nachweis über das Vorliegen einer schwerwiegenden<br />

chronischen Erkrankung nicht mehr vorlegen.<br />

Sonderregelung für Sozialhilfeempfänger<br />

Berechnungsgrundlage für die Zuzahlungsgrenze bei Sozial–<br />

hilfeempfängern ist der Regelsatz des Haushaltsvorstands<br />

(Regelsätze der Sozialhilfe), das heißt: Ein Sozialhilfeempfänger<br />

zahlt – je nach Bundesland – im Jahr ca. 70,– € zu, ein chronisch<br />

kranker Sozialhilfeempfänger ca. 35,– €.<br />

Sonderregelung für Sozialhilfebewohner im Heim<br />

Seit 1.1.2005 müssen Heimbewohner, die Sozialhilfe beziehen,<br />

nicht mehr Zuzahlungen leisten, bis sie die „1 %- bzw. 2 %-Grenze“<br />

erreicht haben und damit eine Zuzahlungsbefreiung erhalten,<br />

sondern haben auch die Möglichkeit, dass der örtlich zuständige<br />

Sozialhilfeträger den Gesamtbetrag (West/Ost: 82,80 € / 79,40 €<br />

bzw. bei chronisch Kranken West/Ost: 41,40 € / 39,70 €) an die<br />

Krankenkasse des Heimbewohners vorab überweist.<br />

Dieser als Darlehen gewährte Gesamtbetrag wird sodann in<br />

monatlichen kleinen Ratenbeträgen mit dem Taschengeld des<br />

Heimbewohners verrechnet.<br />

22 Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung


Rehabilitation<br />

Die Rehabilitation ist ein sehr großer und komplexer Bereich, für<br />

den alle Versicherungsträger zuständig sein können. Hier eine<br />

Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten von Rehabilitationsmaßnahmen.<br />

Grundsätzlich gilt:<br />

Reha(bilitation) geht vor Rente (§ 9 SGB VI).<br />

Das heißt: Es wird möglichst versucht, mit Rehamaßnahmen den<br />

Bezug von Erwerbsminderungsrente (auch bei Berufsunfähigkeit)<br />

zu verhindern oder zu verzögern.<br />

!Praxistipp<br />

Neben den Rentenversicherungsträgern übernehmen nahezu alle<br />

anderen Träger der Sozialversicherung Rehamaßnahmen.<br />

Zuständigkeit<br />

Nachfolgend eine Übersicht zur prinzipiellen Zuständigkeit:<br />

• Die Krankenkassen<br />

sind zuständig bei medizinischer Rehabilitation.<br />

• Die Berufsgenossenschaften<br />

sind zuständig bei Arbeitsunfall oder Wegeunfall für die<br />

gesamte Rehabilitation.<br />

• Die Rentenversicherungsträger<br />

sind zuständig bei erheblicher Gefährdung oder Minderung der<br />

Erwerbsfähigkeit und Vorliegen bestimmter versicherungsrechtlicher<br />

Voraussetzungen für die Leistungen zur medizinischen<br />

Rehabilitation und zur Teilhabe am Arbeitsleben.<br />

Medizinische Leistungen zur Rehabilitation dienen insbesondere<br />

der Ausheilung einer Erkrankung und der Wiederherstellung der<br />

Gesundheit.<br />

Unter anderem beinhalten sie:<br />

• Anschlussheilbehandlung (AHB)<br />

• stationäre Rehamaßnahmen<br />

• teilstationäre Rehamaßnahmen<br />

• ambulante Rehamaßnahmen<br />

• Reha-Sport und Funktionstraining<br />

• Berufsfindung und Arbeitserprobung<br />

Allgemeines zu<br />

medizinischen Leistungen<br />

der Rehabilitation<br />

Rehabilitation 23


Dauer<br />

Die Dauer beträgt in der Regel 3 bis 4 Wochen (ambulante Rehamaßnahme<br />

– 20 Behandlungstage, Reha-Sport und Funktionstraining<br />

– zwischen 6 und 36 Monaten je nach Träger der<br />

Leistung), Verlängerung ist aus medizinischen Gründen überall<br />

möglich.<br />

Zuzahlung<br />

Versicherte ab Vollendung des 18. Lebensjahres müssen bei fast<br />

allen ambulanten und (teil-)stationären Rehamaßnahmen<br />

10,– € Zuzahlung pro Tag leisten:<br />

• zeitlich unbegrenzt für ambulante und (teil-)stationäre<br />

Rehamaßnahmen der Krankenkasse<br />

• 28 Tage, wenn die ambulante Rehamaßnahme aus<br />

medizinischen Gründen länger als 42 Behandlungstage bzw.<br />

die stationäre Rehamaßnahme aus medizinischen Gründen<br />

länger als 6 Wochen dauert<br />

• längstens 42 Tage innerhalb eines Kalenderjahres für<br />

stationäre medizinische Rehamaßnahmen des<br />

Rentenversicherungsträgers<br />

Bereits im selben Kalenderjahr geleistete Zuzahlungen an den<br />

Rentenversicherungsträger und die Krankenkasse werden angerechnet<br />

• für längstens 28 Tage innerhalb eines Kalenderjahres bei einer<br />

Anschlussheilbehandlung der Krankenkasse; in Einzelfällen<br />

kann als Kostenträger auch das Sozialamt (Krankenhilfe) nach<br />

Maßgabe der Bestimmungen, wie sie die Krankenkasse vorsieht,<br />

auftreten.<br />

Bereits im selben Kalenderjahr geleistete Zuzahlungen für eine<br />

Krankenhausbehandlung an die Krankenkasse und für eine<br />

Anschlussheilbehandlung an den Rentenversicherungsträger<br />

werden angerechnet<br />

• für längstens 14 Tage innerhalb eines Kalenderjahres bei einer<br />

Anschlussheilbehandlung des Rentenversicherungsträgers.<br />

Die bereits im selben Kalenderjahr geleistete Zuzahlung an den<br />

Kostenträger (wie Krankenkasse oder Rentenversicherungsträger)<br />

für die stationäre Krankenhausbehandlung kann im Fall einer<br />

Anschlussheilbehandlung angerechnet werden.<br />

Wenn der Versicherte mehrmals in einem Jahr stationär behandelt<br />

wird, werden die Tage der Zuzahlung an die Krankenkasse für<br />

Krankenhausbehandlung, ambulante und stationäre Rehamaß–<br />

nahmen sowie Anschlussheilbehandlung angerechnet.<br />

24 Rehabilitation


Keine Zuzahlungen sind erforderlich<br />

• bei ambulanten Reha-Leistungen der Rentenversicherung<br />

• bei Reha-Leistungen der Unfallversicherung<br />

• bei Bezug von Übergangsgeld<br />

• bei Kinderheilbehandlungen<br />

Keine Zuzahlung<br />

Zwischen zwei bezuschussten Rehamaßnahmen – egal ob<br />

ambulant oder (teil-)stationär – muss in der Regel ein Zeitraum<br />

von 4 Jahren liegen.<br />

Wartezeit<br />

Ausnahmen macht die Krankenkasse nur bei medizinisch<br />

dringender Erforderlichkeit. Dies muss mit Arztberichten oder<br />

einem Gutachten des behandelnden Arztes bei der Krankenkasse<br />

begründet werden.<br />

Der Rentenversicherungsträger genehmigt medizinische Reha–<br />

maßnahmen vor Ablauf der 4-Jahresfrist, wenn vorzeitige<br />

Leistungen aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich<br />

sind, weil ansonsten mit einer weiteren Minderung der Leistungsfähigkeit<br />

zu rechnen ist.<br />

Darunter versteht man eine Kur: Betroffene wohnen für die Zeit<br />

der Rehamaßnahme in einer entsprechenden Einrichtung.<br />

Stationäre Rehamaßnahmen sind z. B. bei Nachbehandlungen<br />

schwerer Erkrankungen wie Herzinfarkt, Geschwulstleiden oder<br />

psychischen Erkrankungen wie <strong>Depressionen</strong> möglich.<br />

Stationäre<br />

Rehamaßnahmen<br />

• Eine ambulante oder teilstationäre Rehamaßnahme reicht<br />

nicht aus.<br />

• Die stationäre Aufnahme ist aus medizinischen Gründen<br />

erforderlich.<br />

• Die stationäre Rehamaßnahme wird in Einrichtungen mit<br />

Versorgungsvertrag durchgeführt.<br />

Voraussetzungen<br />

Stationäre Rehamaßnahmen dauern längstens 3 Wochen. Eine<br />

Verlängerung aus medizinischen Gründen ist möglich.<br />

Dauer<br />

Rehabilitation 25


Antrag<br />

Patienten müssen die medizinische Rehamaßnahme beim zuständigen<br />

Träger beantragen. Erforderlich sind eine ärztliche<br />

Bescheinigung, Arztbericht(e) und möglichst ein eigenes,<br />

persönliches Schreiben. Der Leistungsumfang bei ambulanten,<br />

teilstationären und stationären Rehamaßnahmen liegt im<br />

Ermessen der Krankenkasse bzw. des Renten- oder Unfallversicherungsträgers<br />

und wird aufgrund medizinischer<br />

Erfordernisse festgelegt.<br />

Vorgehensweise<br />

bei der Antragstellung<br />

Seit 1.4.2004 sind neue Rehabilitations-Richtlinien in Kraft.<br />

Der behandelnde Arzt muss bei der Krankenkasse einen Antrag<br />

auf „Einleitung zur Rehabilitation oder alternative Angebote"<br />

stellen.<br />

Kommt nach Ansicht der Krankenkasse eine Rehamaßnahme und<br />

sie selbst als Kostenträger in Betracht, dann bekommt der Arzt<br />

das Formular „Verordung von medizinischer Rehabilitation" zugeschickt.<br />

Falls der Antrag bei einem anderen Kostenträger (z. B.<br />

Berufsgenossenschaft, Rentenversicherungsträger) gestellt werden<br />

muss, wird dies von der Krankenkasse mitgeteilt.<br />

Bis zum 31.3.2006 (Übergangsfrist) dürfen noch alle Vertragsärzte<br />

Leistungen zur medizinischen Rehabilitation verordnen, danach<br />

nur noch dafür qualifizierte Ärzte.<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Eigentlich genügt bei den Anträgen für Rehamaßnahmen die<br />

Angabe der Indikationen nach der ICD 10 (Internationale<br />

Klassifikation der Krankheiten). Es ist jedoch mittlerweile fast<br />

zur Regel geworden, dass der Arzt die Notwendigkeit der<br />

medizinischen Rehabilitation ausführlich begründet. Auf jeden<br />

Fall vermindert es das Risiko einer Ablehnung beim Kostenträger,<br />

wenn dem Antrag sofort eine ausführliche ärztliche Begründung<br />

beigefügt wird. Es kann durchaus sein, dass der Medizinische<br />

Dienst der Krankenversicherung (MDK) über das ärztliche Attest<br />

hinaus Patienten zu einer Begutachtung einlädt, um die<br />

Notwendigkeit der Rehamaßnahme zu prüfen.<br />

Wahl der Reha-Einrichtung<br />

Der Arzt schlägt eine Reha-Einrichtung vor. Soll die Maßnahme<br />

in einer bestimmten Einrichtung stattfinden, muss der Arzt das<br />

ausdrücklich vermerken und möglichst auch begründen. Auch<br />

Patienten oder deren Eltern können die Auswahl der Reha-<br />

Einrichtung beeinflussen, z. B. aus Erfahrungs- oder religiösen<br />

Gründen. Die Leistung wird in der Regel im Inland erbracht.<br />

26 Rehabilitation


Zwischen zwei bezuschussten Rehamaßnahmen – egal ob ambulant<br />

oder (teil-)stationär – muss in der Regel ein Zeitraum von<br />

4 Jahren liegen.<br />

Wartezeit<br />

Ausnahmen macht die Krankenkasse nur bei medizinisch<br />

dringender Erforderlichkeit. Dies muss mit Arztberichten oder<br />

einem Gutachten des behandelnden Arztes bei der Krankenkasse<br />

begründet werden.<br />

Der Rentenversicherungsträger genehmigt medizinische Rehamaßnahmen<br />

vor Ablauf der 4-Jahresfrist, wenn vorzeitige<br />

Leistungen aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich<br />

sind, weil ansonsten mit einer weiteren Minderung der<br />

Leistungsfähigkeit zu rechnen ist.<br />

Ausnahmen<br />

Bei psychischen Störungen mit Krankheitswert übernimmt die<br />

Krankenkasse die Kosten bestimmter psychotherapeutischer<br />

Behandlungen. Lebens-, Ehe- und Erziehungsberatung zählen<br />

nicht zu den Leistungen der Krankenkasse. In Einzelfällen tritt<br />

die Krankenhilfe des Sozialhilfeträgers für die Kosten ein.<br />

Psychotherapie<br />

Derzeit anerkannt sind psychoanalytisch begründete Verfahren,<br />

Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.<br />

Für andere Therapien übernehmen die Kassen die Kosten<br />

nur im Einzelfall und auf Antrag.<br />

Behandlungsverfahren<br />

Für eine Psychotherapie ist keine Überweisung durch einen Arzt<br />

erforderlich. Die gewählten Psychotherapeuten müssen allerdings<br />

eine Kassenzulassung haben, damit die Krankenkasse die Kosten<br />

übernimmt.<br />

Therapeuten können entweder Psychologen („Psychologischer<br />

Psychotherapeut“) oder Mediziner („Ärztlicher Psychotherapeut“)<br />

sein – beide dürfen Kinder, Jugendliche und Erwachsene<br />

behandeln – oder Pädagogen, die für die Therapie von Kindern<br />

und Jugendlichen ausgebildet sind („Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten“).<br />

Alle drei Arten von Psychotherapeuten<br />

haben zusätzlich zu ihrem „Grundberuf“ eine psychotherapeutische<br />

Zusatzausbildung abgeschlossen.<br />

Therapeutenwahl<br />

Rehabilitation 27


Probesitzungen<br />

Es ist möglich, bis zu 5 Probestunden (bei einer analytischen<br />

Psychotherapie bis zu 8) bei einem gewählten Therapeuten<br />

zu machen, bis man entscheidet, ob man dort die Therapie durchführen<br />

will. Nach diesen „probatorischen“ Sitzungen, auf jeden<br />

Fall bevor die eigentliche Therapie beginnt, sollte ein Arzt, z. B.<br />

Hausarzt oder Internist, aufgesucht werden, um abzuklären, ob<br />

eventuell eine körperliche Erkrankung vorliegt, die zusätzlich<br />

medizinisch behandelt werden muss. Dieser Arztbesuch ist jedoch<br />

nur nötig, wenn es sich bei dem behandelnden Therapeuten um<br />

einen psychologischen Psychotherapeuten handelt. Handelt es<br />

sich um einen ärztlichen Psychotherapeuten, erübrigt sich dieser<br />

Arztbesuch. Das Antrags- und Genehmigungsverfahren wickelt<br />

der Psychotherapeut dann direkt mit der Krankenkasse ab.<br />

Dauer<br />

Nach Klärung der Diagnose und Indikationsstellung werden vor<br />

Beginn der Behandlung der Behandlungsumfang und die<br />

-frequenz festgelegt. Die Dauer einer Psychotherapie ist abhängig<br />

von der Art der Behandlung, wobei Probesitzungen nicht zur<br />

Therapie zählen. Eine Sitzung dauert mindestens 50 Minuten.<br />

Kurzzeittherapie:<br />

maximal 25 Sitzungen, auch in halbstündigen Sitzungen mit entsprechender<br />

Vermehrung der Gesamtsitzungszahl, ebenso bei<br />

Gruppentherapie<br />

Analytische Psychotherapie:<br />

bis 160 Stunden, in besonderen Fällen bis 240 Stunden; bei<br />

Gruppenbehandlung bis 80, in besonderen Fällen bis 120 Doppelstunden<br />

Verhaltenstherapie:<br />

45, in besonderen Fällen bis 60 Stunden<br />

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie:<br />

50, in besonderen Fällen bis 80 Stunden, bei Gruppenbehandlung<br />

bis 40, in besonderen Fällen bis 60 Doppelstunden.<br />

Gruppentherapie:<br />

Eine Gruppensitzung (100 Minuten) zählt wie zwei Einzelsitzungen;<br />

maximal 90 Sitzungen.<br />

Analytisch und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie<br />

bei Kindern:<br />

70, in besonderen Fällen 120 Stunden; bei Gruppenbehandlung<br />

bis 40, in besonderen Fällen bis 60 Doppelstunden<br />

Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen:<br />

bis 45 Stunden, in besonderen Fällen bis 60 Stunden einschließlich<br />

Gruppentherapie in Doppelstunden<br />

28 Rehabilitation


Analytisch und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie<br />

bei Jugendlichen:<br />

90, in besonderen Fällen bis 140 Stunden; bei Gruppenbehandlungen<br />

bis 40, in besonderen Fällen bis 60 Doppelstunden<br />

Eine Überschreitung ist dann zulässig, wenn mit der Beendigung<br />

der Therapie das Behandlungsziel nicht erreicht werden kann,<br />

aber bei Fortführung der Therapie begründete Aussicht darauf<br />

besteht.<br />

In den meisten Geschäftsstellen der Kassenärztlichen Vereinigung<br />

(KV) auf Länderebene gibt es Vermittlungsstellen für psychotherapeutische<br />

Behandlungen. Unter www.kbv.de stehen die<br />

Internetadressen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Dort gibt es<br />

unter dem Stichwort „Arztsuche“ ein Verzeichnis der Ärzte aller<br />

Fachrichtungen, auch der psychologischen Psychotherapeuten<br />

und der Kinder- und Jugendpsychotherapeuten vor Ort.<br />

In einigen KVen gibt es eine telefonische „Koordinierungsstelle<br />

Psychotherapie“. Dort bekommt man u. a. Auskünfte über<br />

Therapieverfahren, die von der Krankenkasse bezahlt werden.<br />

Außerdem werden dort freie Therapieplätze vermittelt.<br />

Manche Psychotherapeuten stehen auch im Telefonbuch unter<br />

„Ärzte“ oder in den Gelben Seiten unter „Psychotherapie“ oder<br />

„Psychologie“.<br />

Falls Patienten nachweisen können, dass erst nach mehrmonatiger<br />

Wartezeit ein Therapieplatz in der Region frei wird,<br />

kann die Krankenkasse auf Antrag auch die Therapie bei einem<br />

Psychotherapeuten mit Berufszulassung, jedoch ohne Kassenzulassung<br />

genehmigen. Daher sollte eine Liste der vergeblichen<br />

Suche mit Namen der Psychotherapeuten, Anrufdatum und<br />

Wartezeit angefertigt und bei der Krankenkasse vorgelegt<br />

werden. Diese prüft jedoch selbst nach, ob tatsächlich kein Platz<br />

bei Therapeuten, mit denen Verträge bestehen, zu bekommen ist.<br />

Erst wenn die Genehmigung der Krankenkasse vorliegt, kann die<br />

Therapie dort begonnen werden.<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Viele Patienten mit <strong>Depressionen</strong> sind arbeitsunfähig und über<br />

Wochen und Monate nicht am Arbeitsplatz. Einen ganzen<br />

Arbeitstag durchzustehen ist für viele nicht möglich. Allerdings<br />

kann die stufenweise Wiedereingliederung eine gute Möglichkeit<br />

sein, die Patienten wieder schrittweise an die Belastungen des<br />

Arbeitsalltags heranzuführen. Für das Selbstbewusstsein der<br />

Patienten ist diese Maßnahme in vielen Fällen gut, nur alleine zu<br />

Hause zu sein kann bei einigen das Gefühl der Leere weiter<br />

verstärken.<br />

Stufenweise<br />

Wiedereingliederung<br />

Rehabilitation 29


Ziel der stufenweisen Wiedereingliederung (so genanntes<br />

„Hamburger Modell“) ist, arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach<br />

längerer schwerer Krankheit schrittweise an die volle Arbeitsbelastung<br />

heranzuführen und so den Übergang zur vollen<br />

Berufstätigkeit zu erleichtern. Die stufenweise Wiedereingliederung<br />

ist eine Maßnahme der medizinischen Rehabilitation.<br />

Der Träger ist in den meisten Fällen die Krankenkasse. Findet die<br />

stufenweise Wiedereingliederung jedoch im unmittelbaren<br />

Anschluss an eine Leistung zur medizinischen Rehabilitation statt,<br />

dann kann hierfür auch die Agentur für Arbeit, die Berufsgenossenschaft<br />

oder der Rentenversicherungsträger zuständig<br />

sein, je nachdem, wer die medizinische Reha finanziert.<br />

Voraussetzungen<br />

Voraussetzungen bei der Krankenversicherung:<br />

• Es besteht noch Anspruch auf Krankengeld bzw. es liegt<br />

noch Arbeitsunfähigkeit vor für die Dauer der Wiedereingliederungsmaßnahme.<br />

• Der Versicherte ist mit der Maßnahme einverstanden.<br />

• Der Arzt stellt einen Wiedereingliederungsplan auf.<br />

• Der Arbeitgeber erklärt sich mit der Maßnahme einverstanden.<br />

• Der Versicherte wird am bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt<br />

Voraussetzungen bei anderen Kostenträgern:<br />

• Arbeitsunfähigkeit<br />

• ärztliche Feststellung, dass die bisherige Tätigkeit<br />

wenigstens teilweise wieder verrichtet werden kann<br />

• medizinische Rehamaßnahme, bei der festgestellt wurde,<br />

dass eine stufenweise Wiedereingliederung notwendig ist<br />

Dauer<br />

Arbeitnehmer sind während der Maßnahme weiterhin arbeitsunfähig.<br />

Die Dauer der stufenweisen Wiedereingliederung ist<br />

abhängig vom individuellen gesundheitlichen Zustand des Arbeitnehmers.<br />

In der Regel dauert sie 6 Wochen bis 6 Monate.<br />

Entgelt durch die Leistungsträger<br />

Das durch die stufenweise Wiedereingliederung erzielte Entgelt<br />

wird auf das Krankengeld (Krankenkasse) bzw. auf das Übergangsgeld<br />

(Agentur für Arbeit, Berufsgenossenschaft oder Rentenversicherungsträger)<br />

angerechnet, sofern der Arbeitgeber freiwillig<br />

Arbeitsentgelt entrichtet. Es besteht allerdings keine<br />

Vergütungsfortzahlungspflicht des Arbeitgebers.<br />

30 Rehabilitation


Bei der stufenweisen Wiedereingliederung müssen in der<br />

Vorgehensweise bestimmte Dinge beachtet werden:<br />

1. Dem Arbeitsversuch muss als Erstes aus medizinischer Sicht<br />

zugestimmt werden: Nach Überzeugung des Arztes dürfen<br />

einer stufenweisen Wiederbeschäftigung keine medizinischen<br />

Gründe entgegenstehen.<br />

2. Zudem muss der Versicherte selbst die stufenweise<br />

Wiedereingliederung wollen.<br />

3. Arzt und Patient füllen gemeinsam den Antrag auf<br />

stufenweise Wiedereingliederung aus. Dieses Formular hat<br />

jeder Arzt vorliegen.<br />

!<br />

Praxistipp<br />

4. Arzt und Patient erstellen gemeinsam einen „Wiedereingliederungsplan“,<br />

aus dem hervorgeht, mit welcher Tätigkeit<br />

und Stundenzahl dieser beginnt und in welchem Zeitraum<br />

Art und Umfang der Tätigkeit gesteigert werden.<br />

5. Der Antrag wird dem Arbeitgeber vorgelegt – von ihm<br />

hängt die stufenweise Wiedereingliederung ab: Er muss sein<br />

Einverständnis zu der Maßnahme mit einer Unterschrift<br />

bestätigen, ist dazu aber nicht verpflichtet.<br />

6. Es empfiehlt sich, eine Stellungnahme des Betriebsarztes<br />

bzw. des MDK einzuholen.<br />

7. Der Antrag wird bei der Krankenkasse eingereicht. Diese<br />

prüft, ob sie der Maßnahme zustimmt. Zum Teil bezieht<br />

auch die Krankenkasse den MDK mit ein.<br />

8. Haben alle Beteiligten zugestimmt, kann die Maßnahme<br />

beginnen.<br />

9. Während der eingeschränkten Beschäftigung bleiben<br />

Versicherte weiterhin arbeitsunfähig geschrieben.<br />

Bei der stufenweisen Wiedereingliederung sind meistens<br />

Krankenkassen, behandelnde Ärzte und Arbeitgeber beteiligt.<br />

Es können aber auch die Agentur für Arbeit, oder Rentenversicherungsträger<br />

Kostenträger und deshalb Ansprechpartner<br />

sein.<br />

?<br />

Wer hilft weiter?<br />

Rehabilitation 31


Berufliche<br />

Rehabilitation<br />

„Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ sind mit Inkrafttreten<br />

des SGB IX die Nachfolger der ehemaligen „Berufsfördernden<br />

Maßnahmen zur Rehabilitation“. Sie werden von den<br />

Versicherungsträgern (Rentenversicherungsträger, Berufsgenossenschaften,<br />

Jugendamt, Sozialamt, Bundesagentur für<br />

Arbeit) (§§ 5, 6 SGB IX) übernommen, um die Erwerbsfähigkeit<br />

herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern und die Teilhabe am<br />

Arbeitsleben zu sichern. Sie zählen zur Rehabilitation.<br />

Zuständigkeit<br />

Die Rentenversicherungsträger übernehmen die Leistungen zur<br />

Teilhabe am Arbeitsleben, wenn die Maßnahmen geeignet sind,<br />

eine Wiedereingliederung ins Erwerbsleben zu erreichen. Es<br />

gelten die rentenrechtlichen Voraussetzungen zur Rehabilitation.<br />

Daneben übernehmen unter Umständen auch die Bundesagentur<br />

für Arbeit, das Jugendamt oder das Sozialamt Leistungen zur<br />

Teilhabe am Arbeitsleben.<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Die Anträge auf Kostenübernahme für die jeweiligen Leistungen<br />

zur Teilhabe am Arbeitsleben sollten gestellt werden, bevor die<br />

Maßnahmen in die Wege geleitet werden.<br />

Stationäre Leistungen, Unterkunft, Verpflegung<br />

Aus Gründen der Art oder Schwere der Behinderung oder zur<br />

Sicherung des Erfolgs der Reha können die Maßnahmen auch<br />

stationär erbracht werden. Das umfasst neben der Unterkunft<br />

auch die Verpflegung, wenn die Unterbringung außerhalb des<br />

eigenen oder elterlichen Haushalts erforderlich ist, d. h. wenn<br />

aufgrund der Behinderung ein begleitender medizinischer, psychologischer<br />

und sozialer Dienst notwendig ist.<br />

Leistungen der beruflichen<br />

Rehabilitation<br />

Es gibt mehrere Arten von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben,<br />

unter anderem:<br />

• Hilfen zur Erhaltung oder Erlangung eines Arbeitsplatzes<br />

sowie zur Förderung der Arbeitsaufnahme<br />

• Berufsvorbereitung<br />

• berufliche Bildung<br />

32 Rehabilitation


Vorrangiges Ziel ist es, den bisherigen Arbeitsplatz zu erhalten. Ist<br />

dies nicht möglich, wird nach einem anderen geeigneten Arbeitsplatz<br />

im bisherigen oder aber in einem anderen Betrieb gesucht.<br />

Hilfen zur Erhaltung oder<br />

Erlangung eines Arbeitsplatzes<br />

In diesem Rahmen übernehmen vorwiegend die Rentenversicherungsträger<br />

in Zusammenwirken mit der Bundesagentur<br />

für Arbeit folgende Leistungen:<br />

• Kosten für Arbeitsausrüstung, Hilfsmittel und technische<br />

Arbeitshilfen, welche die Folgeerscheinungen der Behinderung<br />

für eine bestimmte berufliche Tätigkeit ausgleichen. Ein<br />

Ausgleich von ausschließlich medizinischen Funktionsstörungen<br />

genügt nicht zur Kostenübernahme bei der<br />

Rentenversicherung.<br />

• Umsetzung im Betrieb, Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes<br />

in Form beruflicher Anpassung, Weiterbildung und<br />

Ausbildung<br />

• Fahrtkostenbeihilfe für die täglichen Fahrten zwischen<br />

Wohnung und Arbeitsstelle, soweit der Versicherte ansonsten<br />

unzumutbar belastet wäre und das Rehaziel absehbar ist.<br />

Bezugsdauer: in der Regel 1 Jahr, maximal 2 Jahre<br />

• Trennungsbeihilfe bei erforderlicher auswärtiger Arbeitsaufnahme<br />

und damit verbundener doppelter Haushaltsführung.<br />

Das tägliche Pendeln oder der Umzug der Familie zum<br />

Arbeitsort müssen unzumutbar sein.<br />

Bezugsdauer: 2 Jahre<br />

• Überbrückungsbeihilfe bei Arbeitsaufnahme bis zur ersten<br />

vollen Lohnzahlung. Die Überbrückungsbeihilfe wird in der<br />

Regel als Darlehen gewährt.<br />

Höhe:<br />

– als Leistung zum Lebensunterhalt: 400,- DM<br />

(umgerechnet: 204,52 €) wöchentlich<br />

– für sonstige Aufwendungen (z. B. für Kindergarten):<br />

500,- DM (255,65 €) wöchentlich<br />

– in Härtefällen maximal 1.000,- DM (511,29 €) wöchentlich<br />

als Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss<br />

• Umzugskosten, soweit eine Arbeitsaufnahme am Wohnort<br />

unmöglich ist. Als Umzugskosten gelten z.B. Transportkosten<br />

und Reise des Familienversicherten samt Familie, nicht aber<br />

Wohnraumbeschaffungskosten wie Maklergebühren,<br />

Kautionen, Renovierungskosten. Der Umzug darf nicht später<br />

als 2 Jahre nach der Arbeitsaufnahme stattfinden.<br />

• Um- und Ausbaumaßnahmen im Wohnbereich, die zum<br />

Erlangen oder Erhalten des Arbeits- oder Ausbildungsortes<br />

erforderlich sind.<br />

Rehabilitation 33


Berufsvorbereitung<br />

Zu den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zählt die Berufsvorbereitung<br />

einschließlich der wegen eines Gesundheitsschadens<br />

erforderlichen Grundausbildung. Darunter fallendie ganzheitliche<br />

Stabilisierung der Persönlichkeit und des sozialen Umfelds neben<br />

Aufbau und Festigung der Motivation und berudlichen<br />

Fähigkeiten.<br />

Berufliche Bildung<br />

Zur beruflichen Bildung zählen Maßnahmen zur Anpassung an<br />

den Beruf, Ausbildung und Weiterbildung einschließlich des<br />

dafür erforderlichen Schulabschlusses. Nicht dazu zählen allgemeinbildende<br />

Maßnahmen.<br />

Weitere Kosten<br />

Die Rentenversicherungsträger übernehmen auch Kosten, die mit<br />

den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben in unmittelbarem<br />

Zusammenhang stehen.<br />

Hierzu zählen z. B.: Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren, Lernmittel,<br />

Arbeitskleidung einschließlich Schuhwerk und Schutzkleidung,<br />

Arbeitsgeräte (z. B. Werkzeuge, Kleinmaschinen), Kosten<br />

für Unterkunft und Verpflegung, wenn für die Teilnehmer an einer<br />

Maßnahme eine Unterbringung außerhalb des eigenen oder des<br />

elterlichen Haushalts nötig ist (z. B. unzumutbar weiter Anfahrtsweg)<br />

– wegen Art und Schwere der Behinderung oder zur<br />

Sicherung des Erfolgs der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.<br />

Dauer<br />

Die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sollen für die Zeit<br />

erbracht werden, die vorgeschrieben oder allgemein üblich ist, um<br />

das angestrebte Berufsziel zu erreichen.<br />

Die berufliche Eingliederung dauert in der Regel bis zur<br />

Erreichung des angestrebten Berufsziels in der hierfür vorgeschriebenen<br />

oder allgemein üblichen Zeit im Sinne der notwendigen<br />

Ausbildungsdauer.<br />

Die Weiterbildung dauert in der Regel bis zu 2 Jahren bei ganztägigem<br />

Unterricht.<br />

Eine Teilförderung (eines Ausbildungsabschnitts) innerhalb einer<br />

geschlossenen Weiterbildungsmaßnahme ist nicht möglich.<br />

Eine Verlängerung ist denkbar bei:<br />

• bestimmter Art und Schwere der Behinderung<br />

• Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes<br />

• voller Ausschöpfung des Leistungsvermögens des Behinderten<br />

• Erlernbarkeit des Ausbildungsberufs nicht unter 2 Jahren<br />

Bei Teilnahme an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben werden<br />

Beiträge zur Kranken-, Unfall-, Pflege- und Rentenversicherung<br />

sowie Beiträge zur Arbeitslosenversicherung übernommen.<br />

34 Rehabilitation


Die Rehaträger können Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben<br />

auch als Zuschüsse an den Arbeitgeber leisten. Anspruchs- und<br />

antragsberechtigt ist der Versicherte; der Arbeitgeber ist „nur“<br />

Begünstigter ohne eigenes Antragsrecht.<br />

Zuschüsse an den Arbeitgeber<br />

Die Gewährung eines Zuschusses kann von Auflagen und<br />

Bedingungen abhängig gemacht werden. Zuschüsse an den<br />

Arbeitgeber gibt es z. B. als:<br />

• Ausbildungszuschüsse zur betrieblichen Ausführung von<br />

Bildungsleistungen<br />

Zuschusshöhe: 100 % der laut Ausbildungsvertrag für das<br />

letzte Ausbildungsjahr vereinbarten monatlichen Vergütung<br />

Dauer: für die gesamte Dauer der Maßnahme<br />

• Eingliederungszuschüsse<br />

Zuschusshöhe: 50 %, in Ausnahmefällen bis zu maximal 70 %<br />

des tariflichen bzw. ortsüblichen Brutto-Arbeitsentgelts,<br />

Kürzung bei einer Bezugsdauer von mehr als 1 Jahr um<br />

mindestens 10 %<br />

Dauer: in der Regel 1 Jahr, in begründeten Einzelfällen<br />

maximal 2 Jahre<br />

• Zuschüsse für Arbeitshilfen im Betrieb<br />

• Kostenerstattung für eine befristete Probebeschäftigung<br />

Sie soll die vollständige und dauerhafte berufliche<br />

Eingliederung verbessern oder überhaupt erst erreichen.<br />

Zuschusshöhe: teilweise oder voll<br />

Umschulung, Aus- oder Weiterbildung im Betrieb<br />

Technische Veränderung des Arbeitsplatzes<br />

Die Rentenversicherung finanziert ihren Versicherten<br />

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben nicht bei:<br />

• Bezug oder Beantragung einer Altersrente von mindestens<br />

2/3 der Vollrente (d. h.: kein Ausschluss bei Bezug/Antrag<br />

von 1/3 bzw. 1/2 der Vollrente)<br />

• Anwartschaft auf Versorgung nach beamtenrechtlichen<br />

Vorschriften<br />

• Versicherungsfreiheit als Bezieher einer Versorgung wegen<br />

Erreichens einer Altersgrenze, so genannte Vorruhestandsleistungen<br />

• Bezug einer Leistung, die regelmäßig bis zum Beginn einer<br />

Altersrente gezahlt wird<br />

• Untersuchungshaft oder Vollzug einer Freiheitsstrafe<br />

oder freiheitsentziehender Maßregeln oder einstweiliger<br />

Unterbringung<br />

Fragen zur beruflichen Rehabilitation beantwortet das<br />

Integrationsamt oder der jeweilige Kostenträger.<br />

Ausschluss von Leistungen<br />

?<br />

Wer hilft weiter?<br />

Rehabilitation 35


Schwerbehinderung<br />

Psychische Erkrankungen wie <strong>Depressionen</strong> können dazu führen,<br />

dass der Erkrankte als schwerbehindert eingestuft wird. Unterstützung<br />

und Hilfen sind hauptsächlich im SGB IX – Rehabilitation<br />

und Teilhabe – geregelt.<br />

Allgemeines zur<br />

Schwerbehinderung<br />

Als schwerbehindert nach dem SGB IX gelten Personen mit einem<br />

Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50. Leistungen nach<br />

dem SGB IX erhalten sie nur, wenn sie ihren Wohnsitz, ihren<br />

gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung in Deutschland<br />

haben.<br />

Als behindert nach dem SGB IX gelten Personen, deren<br />

körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit<br />

zu einer Beeinträchtigung führt, die für einen Zeitraum von mehr<br />

als 6 Monaten von dem für das Lebensalter typischen Zustand<br />

abweicht und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft<br />

beeinträchtigt. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die<br />

Beeinträchtigung zu erwarten ist.<br />

Schwerbehinderte erhalten auf Antrag beim Versorgungsamt<br />

einen Schwerbehindertenausweis. Dieser kann je nach Art der<br />

Behinderung Merkzeichen enthalten, wodurch der Schwerbehinderte<br />

Vergünstigungen in Anspruch nehmen kann.<br />

Kündigungsschutz<br />

Die Kündigung eines Schwerbehinderten bedarf in der Regel der<br />

vorherigen Zustimmung des Integrationsamts. Die Kündigungsfrist<br />

beträgt mindestens 4 Wochen.<br />

Zusatzurlaub<br />

Schwerbehinderte haben Anspruch auf zusätzlich 5 bezahlte<br />

Urlaubstage im Jahr. Bei mehr oder weniger als 5 Arbeitstagen in<br />

der Woche erhöht bzw. vermindert sich der Zusatzurlaub entsprechend.<br />

Gleichstellung<br />

behindert/schwerbehindert<br />

Personen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von weniger als<br />

50, aber mindestens 30 erhalten die gleichen Leistungen wie<br />

Schwerbehinderte (außer „Erleichterungen im Personenverkehr“),<br />

wenn sie infolge ihrer Behinderung keinen geeigneten Arbeitsplatz<br />

erlangen oder behalten können. Die Gleichstellung stellt die<br />

Agentur für Arbeit (ehemals Arbeitsamt) auf Antrag fest.<br />

36 Schwerbehinderung


Gleichgestellte genießen wie Schwerbehinderte einen besonderen<br />

Kündigungsschutz. Sie haben jedoch im Gegensatz zu Schwerbehinderten<br />

keinen Anspruch auf einen Zusatzurlaub von<br />

5 bezahlten Arbeitstagen im Jahr und auf vorgezogenes Altersruhegeld<br />

nach Vollendung des 60. Lebensjahres (Altersrente für<br />

Schwerbehinderte).<br />

Die Gleichstellung erfolgt durch die zuständige Agentur für Arbeit<br />

(ehemals Arbeitsamt). Der Antrag muss unmittelbar bei<br />

der Agentur für Arbeit gestellt werden unter Vorlage des Feststellungsbescheids<br />

des Versorgungsamts und eines Schreibens des<br />

Arbeitgebers, der den Antragsteller als Schwerbehinderten einstellen<br />

bzw. weiterbeschäftigen würde. Die Gleichstellung wird mit<br />

dem Tag der Antragsstellung wirksam. Sie kann befristet werden.<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Der Grad der Behinderung (GdB) wird durch das Versorgungsamt<br />

(= Amt für Familienförderung und Versorgung) festgestellt, soweit<br />

er nicht bereits anderweitig festgestellt wurde, z. B. durch<br />

Rentenbescheid oder durch eine Verwaltungs- oder Gerichtsentscheidung.<br />

Abhängig vom GdB sind die Nachteilsausgleiche für Behinderte.<br />

Das Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung hat<br />

so genannte „Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit“<br />

erstellt; sie bilden eine Richtlinie bei der Beurteilung des<br />

Grades der Behinderung.<br />

Schwerbehinderten wird – teilweise auf freiwilliger Grundlage<br />

– eine Reihe von Nachteilsausgleichen zugestanden, z. B.:<br />

• Eintrittspreisermäßigungen (z. B. Filme, Theater,<br />

Sportveranstaltungen, Museen)<br />

• Benutzung der Abteile und Sitze, die Schwerbehinderten in<br />

Verkehrsmitteln vorbehalten sind<br />

• bevorzugte Abfertigung in Ämtern<br />

• Beitragsermäßigungen bei Vereinen, Interessenverbänden etc.<br />

Informationen zum SGB IX und zu „Jobs für schwer behinderte<br />

Menschen“ gibt die Agentur für Arbeit.<br />

Arbeitsrechtliche Auskünfte (Kündigungsschutz, Zusatzurlaub)<br />

erteilt das Integrationsamt.<br />

Grad der Behinderung<br />

!<br />

Praxistipp<br />

?<br />

Wer hilft weiter?<br />

Schwerbehinderung 37


Schwerbehindertenausweis<br />

Der Schwerbehindertenausweis belegt Art und Schwere der<br />

Behinderung und muss vorgelegt werden, wenn Vergünstigungen<br />

für Behinderte beantragt oder in Anspruch genommen werden.<br />

Antrag<br />

!<br />

Praxistipp<br />

Die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises erfolgt auf<br />

Antrag des Schwerbehinderten. Antragsformulare sind beim<br />

Versorgungsamt erhältlich.<br />

Folgende Punkte sind beim Beantragen des Ausweises zu<br />

beachten:<br />

• Nicht nur die Grunderkrankung, sondern auch alle<br />

zusätzlichen Beeinträchtigungen, z. B. Sehfehler, sowie<br />

Begleiterscheinungen angeben.<br />

• Kliniken und Ärzte anführen, welche am besten über die<br />

angeführten Gesundheitsstörungen informiert sind. Dabei<br />

unbedingt die dem Antrag beiliegenden Schweigepflichtsentbindungen<br />

und Einverständniserklärungen ausfüllen,<br />

damit das Versorgungsamt bei den angegebenen Stellen die<br />

entsprechenden Auskünfte einholen kann.<br />

• Antragsstellung mit dem behandelnden Arzt absprechen.<br />

Der Arzt sollte in den Befundberichten die einzelnen<br />

Auswirkungen der Erkrankung (z. B. die Höhe der körperlichen<br />

Belastbarkeit) detailliert darstellen. Diese Kriterien, nicht allein<br />

die Diagnose, entscheiden über den Grad der Behinderung.<br />

• Patienten sollten sich etwa eine Woche lang selbst beobachten<br />

und beobachten lassen und alles aufschreiben, was körperlich<br />

beeinträchtigt, was Schmerzen verursacht, womit sie sich<br />

und/oder andere gefährden (z. B. zu langsam im Straßenverkehr,<br />

Autos nicht gehört oder gesehen).<br />

• Bereits vorhandene ärztliche Unterlagen gleich bei Antragstellung<br />

mit einreichen, z. B. Krankenhausentlassungsbericht,<br />

Kurbericht, alle die Behinderung betreffenden Befunde in<br />

Kopie. Lichtbild beilegen (erst ab Vollendung des 10. Lebensjahres<br />

notwendig).<br />

• Wenn der Behinderte niemals in der Lage ist, das Haus zu<br />

verlassen, ist es auf Antrag möglich, einen Schwerbehindertenausweis<br />

ohne Foto zu bekommen.<br />

• Nach der Feststellung des Grades der Behinderung (GdB)<br />

bekommt der Behinderte vom Versorgungsamt einen so<br />

genannte Feststellungsbescheid. Ab einem GdB von 50<br />

besteht die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis zu<br />

bekommen.<br />

Gültigkeitsdauer<br />

Der Ausweis wird in der Regel für längstens 5 Jahre ausgestellt.<br />

Ausnahme: Bei einer voraussichtlich lebenslangen Behinderung<br />

kann der Ausweis unbefristet ausgestellt werden.<br />

38 Schwerbehinderung


Verlängerung: Die Gültigkeit kann auf Antrag höchstens zweimal<br />

verlängert werden. Danach muss ein neuer Ausweis beantragt<br />

werden.<br />

Bei Schwerbehinderten unter 10 Jahren ist der Ausweis bis zur<br />

Vollendung des 10. Lebensjahres befristet. Danach werden die<br />

Voraussetzungen der Schwerbehinderung neu überprüft.<br />

Bei Schwerbehinderten zwischen 10 und 15 Jahren ist der<br />

Ausweis bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres befristet. Danach<br />

werden die Voraussetzungen der Schwerbehinderung neu überprüft.<br />

Verschlechtert sich der Gesundheitszustand eines Menschen mit<br />

Schwerbehindertenausweis oder kommt eine weitere dauerhafte<br />

Einschränkung durch eine neue Erkrankung dazu, dann sollte<br />

beim Versorgungsamt ein Antrag auf Erhöhung des Grades der<br />

Behinderung (GdB) gestellt werden. Der Vordruck für den Antrag<br />

wird auf Anfrage vom Versorgungsamt zugeschickt und es wird<br />

geprüft, ob ein neuer Schwerbehindertenausweis mit evtl. neuen<br />

Merkzeichen ausgestellt wird.<br />

Verschiedene Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis kennzeichnen<br />

die Behinderung und signalisieren, welche Vergünstigungen<br />

der Behinderte erhält.<br />

Antrag auf Erhöhung<br />

Es gibt folgende Merkzeichen:<br />

Merkzeichen „G“: erhebliche Beeinträchtigung der<br />

Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr<br />

sowie erhebliche Geh- und/oder<br />

Stehbehinderung<br />

Merkzeichen „aG“: außergewöhnliche Gehbehinderung<br />

Merkzeichen „H“: hilflos<br />

Merkzeichen „Bl“: blind oder hochgradig sehbehindert<br />

Merkzeichen „RF“: Rundfunk- und Fernsehgebührenbefreiung<br />

Merkzeichen „B“: ständige Begleitung bei Benutzung<br />

öffentlicher Verkehrsmittel notwendig<br />

Merkzeichen „Gl“: gehörlos und an Taubheit grenzende<br />

Schwerhörigkeit mit schwerer Sprachstörung<br />

Schwerbehinderung 39<br />

Bei Fragen zur Schwerbehinderung und dem Schwerbehindertenausweis<br />

hilft das Versorgungsamt weiter.<br />

?<br />

Wer hilft weiter?<br />

39


Grad der Behinderung<br />

bei <strong>Depressionen</strong><br />

Das Versorgungsamt richtet sich bei der Feststellung der<br />

Behinderung, des Grades der Behinderung (GdB) und der<br />

Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises nach den<br />

„Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen<br />

Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertengesetz“.<br />

Diese Anhaltspunkte enthalten allgemeine Beurteilungsregeln<br />

und Einzelangaben darüber, wie hoch der Grad der Behinderung<br />

bei welchen Behinderungen festzusetzen ist.<br />

Die Anhaltspunkte gelten bundesweit und sollen für eine<br />

möglichst einheitliche Praxis sorgen. Vom Bundesministerium für<br />

Arbeit und Sozialordnung wurden sie zuletzt im Mai 2004 neu<br />

überarbeitet und herausgebracht.<br />

Hier die Angaben zu Neurosen, Persönlichkeitsstörungen, Folgen<br />

psychischer Traumen (darunter sind auch <strong>Depressionen</strong> eingeordnet):<br />

GdB 0–20<br />

leichtere psychovegetative oder psychische Störungen<br />

GdB 30–40<br />

stärker behindernde Störungen mit wesentlicher Einschränkung<br />

der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit (z. B. ausgeprägtere<br />

depressive Störungen)<br />

GdB 50–70<br />

schwere Störungen (z. B. schwere Zwangskrankheit)<br />

mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten<br />

GdB 80–100<br />

schwere Störungen (z. B. schwere Zwangskrankheit )<br />

mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten<br />

40 Schwerbehinderung


Ernährung bei <strong>Depressionen</strong><br />

Grundsätzlich gibt es keine „Depressions-Diät“. Eine ausgewogene<br />

Ernährung mit wenig Fett und vielen Ballaststoffen ist jedem<br />

Menschen zu raten.<br />

Allerdings besteht ein nachgewiesener Zusammenhang zwischen<br />

zuckerreicher Ernährung und der Serotoninproduktion des<br />

Körpers. Kohlenhydrate werden im Körper größtenteils zu<br />

Traubenzucker (Glukose) umgewandelt, der wiederum die<br />

Bauchspeicheldrüse zur Insulinbildung anregt. Insulin erhöht den<br />

Tryptophanspiegel des Gehirns. Tryptophan ist für die Bildung<br />

von Serotonin von Bedeutung, das bei der Entstehung von<br />

<strong>Depressionen</strong> eine große Rolle spielt. Bei <strong>Depressionen</strong> ist<br />

ein Mangel der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin zu<br />

beobachten.<br />

Daraus folgt, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung die<br />

Erkrankung günstig beeinflussen könnte. Außerdem enthalten<br />

einige Lebensmittel natürliches Serotonin, z. B. Bananen, Weintrauben,<br />

Äpfel und Pflaumen.<br />

In der wissenschaftlichen Forschung gibt es einzelne Studien, die<br />

belegen, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Konsum<br />

bestimmter Nahrungsmittel und dem Auftreten von <strong>Depressionen</strong><br />

gibt. Der Verzehr von raffiniertem Zucker und Milchprodukten<br />

fördert ein Auftreten von <strong>Depressionen</strong>, hoher Konsum von<br />

Fischen und Meeresfrüchten sowie stärkehaltigen Wurzelgemüsen<br />

hingegen vermindert das Depressionsrisiko.<br />

Allerdings können <strong>Depressionen</strong> auf keinen Fall durch eine<br />

entsprechende Ernährungsumstellung verhindert oder geheilt<br />

werden.<br />

Ernährung bei <strong>Depressionen</strong> 41


Sport und <strong>Depressionen</strong><br />

Körperliche Betätigung steigert das psychische Wohlbefinden<br />

durch die Ausschüttung körpereigener Stoffe wie Serotonin,<br />

Endorphin und Dopamin. In vielen Forschungen der letzten Jahre<br />

konnte nachgewiesen werden, dass körperliche Aktivitäten<br />

leichte bis mittelschwere <strong>Depressionen</strong> positiv beeinflussen<br />

können. Der Nutzen ist besonders bei regelmäßigem Ausdauertraining<br />

(zwischen 30 und 60 Minuten) mindestens dreimal<br />

(besser fünfmal) wöchentlich nachweisbar.<br />

Die Forscher gehen davon aus, dass regelmäßige sportliche<br />

Betätigung die chemischen Prozesse im Gehirn beeinflusst und<br />

die Produktion von stimmungsaufhellenden Hormonen (Endorphinen)<br />

anregt. Diese so genannten „Glückshormone“ haben eine<br />

antidepressive Wirkung.<br />

Sport soll Spaß machen und depressive Patienten weder unternoch<br />

überfordern. Es darf kein Leistungsdruck entstehen, der<br />

dann evtl. mit Versagensängsten und Stress einhergeht. Wird<br />

Sport in der Gruppe ausgeübt, entstehen dadurch auch soziale<br />

Kontakte.<br />

Günstige Sportarten für depressive Patienten sind beispielsweise<br />

(Nordic) Walking, Joggen, Radfahren, Schwimmen, Wandern,<br />

Aerobic oder Langlauf.<br />

Weniger geeignet sind Sportarten, bei denen Aggressivität,<br />

Leistung und Konkurrenz im Mittelpunkt stehen, beispielsweise<br />

Kampfsportarten oder Boxen.<br />

42 Sport und <strong>Depressionen</strong>


Urlaub bei <strong>Depressionen</strong><br />

Während schwerer <strong>Depressionen</strong> ist es nicht ratsam, in einen<br />

Urlaub zu „flüchten“. Durch die Krankheit fühlen sich depressive<br />

Menschen schon vom Alltag überfordert. Eine fremde Umgebung<br />

könnte den Druck, funktionieren zu müssen, und die Angst, zu<br />

versagen, zusätzlich verstärken.<br />

Eine fremde Umgebung führt nicht automatisch dazu, dass<br />

Patienten weit weg von ihrem Alltag wieder gesund werden. Die<br />

Depression und die damit verbundenen Probleme und Symptome<br />

fahren mit. Ziel bei der Behandlung von <strong>Depressionen</strong> ist es, im<br />

bzw. mit dem Alltag wieder klarzukommen.<br />

Geht es Betroffenen durch medikamentöse und psychologische<br />

Behandlung wieder besser, kann ein Ortswechsel sich allerdings<br />

gut auf die Verfassung auswirken. Den Mut aufzubringen, die<br />

eigenen vier Wände zu verlassen und sich für neue Erfahrungen<br />

zu öffnen, kann Betroffenen ein neues Selbstwertgefühl und<br />

Stolz auf das eigene Verhalten vermitteln.<br />

Wichtig für einen gelungenen Urlaub ist, dass die verordneten<br />

Medikamente weiterhin gewissenhaft eingenommen werden. Die<br />

eigenen Grenzen sollten beachtet werden, Urlaub ist zur Erholung<br />

da. Aktivitäten sollten angemessen geplant und angegangen werden,<br />

Überforderung kann zu Rückschlägen führen.<br />

Urlaub bei <strong>Depressionen</strong> 43


Adressen<br />

Kompetenznetz Depression<br />

Psychiatrische Klinik der LMU München<br />

Herr Prof. Ulrich Hegerl<br />

Nußbaumstraße 7, 80336 München<br />

Telefon 089 51605553<br />

presse@kompetenznetz-depression.de<br />

www.kompetenznetz-depression.de<br />

Das Kompetenznetz Depression stellt in seiner Struktur und<br />

seinen Zielen einen qualitativ neuen Ansatz dar.<br />

Das Kompetenznetz bindet die niedergelassenen, insbesondere<br />

hausärztlich tätigen Ärzte sowie andere wichtige an der Versorgung<br />

depressiver Patienten beteiligte Partner ein und will<br />

damit der Fragmentierung im Gesundheitswesen entgegenwirken<br />

und neue Kommunikationsstrukturen verankern.<br />

Aktion Psychisch Kranke e. V.<br />

Herr Jörg Halke, Herr Ulrich Krüger<br />

Brungsgasse 4–6, 53117 Bonn<br />

Telefon 0228 676740<br />

E-Mail: apk-bonn@netcologne.de<br />

www.psychiatrie.de/aple<br />

Geschäftszeiten: Montag bis Donnerstag 8–16 Uhr und<br />

Freitag 8–12 Uhr<br />

Emotions Anonymous – Selbsthilfegruppen für emotionale<br />

Gesundheit – Kontaktstelle Deutschland<br />

Katzbachstraße 33, 10965 Berlin<br />

Telefon 030 7867984<br />

E-Mail: Info@EmotionsAnonymous.de<br />

www.EmotionsAnonymous.de<br />

Geschäftszeiten:<br />

Die Kontaktstelle ist donnerstags von 18–22 Uhr telefonisch<br />

erreichbar. Ansonsten ist ein Anrufbeantworter geschaltet.<br />

Familien-Selbsthilfe/Bundesverband der Angehörigen<br />

psychisch Kranker (BApK)<br />

Am Michaelshof 4b, 53117 Bonn<br />

Telefon 0228 632646<br />

E-Mail: bapk@psychiatrie.de<br />

www.bapk.de<br />

44 Adressen


Impressum<br />

Herausgeber<br />

betapharm Arzneimittel GmbH<br />

Kobelweg 95, 86156 Augsburg<br />

Telefon 0821 748810, Telefax 0821 74881420<br />

Redaktion<br />

beta Institut für angewandtes Gesundheitsmanagement gGmbH<br />

Kobelweg 95, 86156 Augsburg<br />

Text<br />

Sabine Bayer<br />

Leitung<br />

Tanja Güntner<br />

Der Inhalt des <strong>Ratgeber</strong>s „Depression“ basiert auf sorgfältigen<br />

Recherchen und gibt die gesetzlichen Rahmenbedingungen<br />

zum Zeitpunkt der Drucklegung wieder. Einen Anspruch auf<br />

Vollständigkeit erheben wir nicht.<br />

Autoren und Herausgeber übernehmen keine Haftung für die<br />

Angaben in dieser Broschüre.<br />

Dezember 2005<br />

Impressum 45


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