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Ratgeber Schmerz - Schmerzzentrum Ludwigshafen

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Ein Engagement der betapharm

Schmerz

& Soziales

Wissenssystem für Krankheit & Soziales


Liebe Leserin, lieber Leser,

betapharm setzt sich seit Jahren aktiv für eine verbesserte

Versorgungsqualität im Gesundheitswesen ein. Aus diesem

Engagement hat sich betaCare – der Informationsservice für

Sozialfragen – entwickelt. Mit betaListe, betanet, betafon und

vielen weiteren Medien bietet er Antworten auf alle sozialen

Fragen rund um eine Krankheit.

Der vorliegenden RatgeberSchmerz und Soziales“ informiert

umfassend zu Themen wie Arbeitsunfähigkeit, Pflege und

Rehabilitation.

Die fachliche und inhaltliche Qualität von betaCare garantiert das

gemeinnützige beta Institut für angewandtes Gesundheitsmana -

ge ment. betapharm stellt Ihnen dieses Wissen zur Verfügung.

Weitere Fragen rund um das Thema Schmerz beantworten

Ihnen die Expertinnen des beta Instituts am betafon.

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Für Patienten und Angehörige Mo–Do 16–18 Uhr

Mehr Informationen zu betaCare finden Sie

unter www.betaCare.de

Mit herzlichen Grüßen

Dr. Wolfgang Niedermaier

Geschäftsführer betapharm

Horst Erhardt

Geschäftsführer beta Institut

Stand: Juni 2006


Chronische Schmerzen 3

Soziale Auswirkungen chronischer Schmerzen 4

Angehörige von Schmerzpatienten 5

Inhaltsverzeichnis

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 7

Arbeitsunfähigkeit 7

Entgeltfortzahlung 8

Krankengeld 8

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen

Krankenversicherung 15

Zuzahlungen 15

Zuzahlungsbefreiung bei Erreichen der Belastungsgrenze 17

Rehabilitation 21

Allgemeines zu medizinischen Leistungen der Rehabilitation 22

Anschlussheilbehandlung 25

Ambulante, teilstationäre und stationäre Rehamaßnahmen 27

Rehasport und Funktionstraining 29

Stufenweise Wiedereingliederung 30

Berufsfindung und Arbeitserprobung 32

Haushaltshilfe 34

Pflege 37

Häusliche Krankenpflege 37

Pflegebedürftigkeit und Pflegestufen 39

Pflegehilfsmittel 44

Praktische Hinweise zur Pflege von Menschen mit chronischen Schmerzen 46

Schwerbehinderung 48

Schwerbehindertenausweis 49

Grad der Behinderung bei Krankheiten mit chronischen Schmerzen 52

Parkerleichterung 59

Rente wegen Krankheit 66

Sexualität und Kinderwunsch bei Opioidanwendung 69

Autofahren und Führerschein 70

Autofahren unter Schmerzmitteln 71

Zweifel an der Fahrtauglichkeit 72

Inhaltsverzeichnis 1


Urlaub und Reisen 73

Schmerzmittel bei Auslandsaufenthalt 73

Hinweise für eine erholsame Reise 74

Inhaltsverzeichnis

Ernährung bei Opioidanwendung 75

Sport und Freizeit bei chronischen Schmerzen 76

Schmerzmittel und Sucht 78

Adressen und Links 79

Opioid-Ausweis 83

Hinweis:

Im Interesse einer besseren Verständlichkeit wurde bei Personenbenennungen die

männliche Form gewählt. Selbstverständlich sind beide Geschlechter gemeint.

2 Inhaltsverzeichnis


Chronische Schmerzen

In Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen unter

chronischen Schmerzen.

Der Entstehung von chronischen Schmerzen können die verschiedensten

Ursachen zugrunde liegen – neben körperlichen

Belangen spielen auch psychische und soziale Faktoren eine Rolle.

Auch Schmerzen ohne klare Diagnose sind sehr häufig.

Folgende Grunderkrankungen können zu chronischen

Schmerzen führen:

• Gelenkschmerzen, z. B. Morbus Bechterew,

Polyarthritis, Rheuma

• Bindegewebs- und Muskelschmerzen,

z. B. Fibromyalgie, Myopathien

• degenerative Wirbelsäulenerkrankungen, z. B. Osteoporose

• entzündliche Erkrankungen des Unterbauchs oder

der Verdauungsorgane, z. B. Morbus Crohn

Schmerzsyndrome durch fehlgeschlagene Operationen

an der Wirbelsäule

• Phantom- und Stumpfschmerz, z. B. CRPS (Morbus Sudeck)

• Nervenschmerzen: Neuralgien und Kausalgien,

z. B. Trigeminusneuralgie oder Polyneuropathie bei Diabetes

• Tumorschmerzen

• Psychische Erkrankungen

Laut den Spitzenverbänden der Ersatzkassen wird die

chronische Schmerzkrankheit folgendermaßen definiert:

„Chronisch schmerzkrank sind Patienten, bei denen der

Schmerz seine Leit- und Warnfunktion verloren und selbstständigen

Krankheitswert erlangt hat. In diesen Fällen führt

das Schmerzleiden zu psychopathologischen Veränderungen.

Der Patient erhebt den Schmerz zum Mittelpunkt seines

Denkens und Verhaltens. Dadurch wird er seinem sozialen

Umfeld entfremdet, was zu einer Vertiefung des psychopathologischen

Krankheitsbildes oder zu einem algogenen

Psychosyndrom führen kann. Kennzeichnend für diese

chronisch schmerzkranken Patienten sind auch Behandlungsversuche

über lange Zeit, welche nicht erfolgreich waren.

Chronisch schmerzkrank sind auch solche Patienten, bei denen

im Rahmen eines inkurablen Grundleidens der Schmerz zum

beherrschenden Symptom geworden ist.“

Chronische Schmerzen 3


Soziale Auswirkungen

chronischer Schmerzen

Chronische Schmerzpatienten geraten ohne schmerzlindernde

Therapie leicht in einen Kreislauf von Angst, Hoffnungslosigkeit

und Depression.

Dies hat soziale Auswirkungen auf das tägliche Leben:

• Manche Schmerzpatienten verlassen wegen ihrer starken

Beschwerden das Haus nur noch, wenn es unumgänglich ist,

z. B. für einen Arzt- oder Apothekenbesuch.

• Wer schmerzbedingt nicht mehr gut gehen oder während

eines Konzert- oder Restaurantbesuchs nicht längere Zeit

sitzen kann, zieht sich schnell zurück. Die Sorge, diesen

Situationen nicht mehr gewachsen zu sein, oder Bedenken,

diese Dinge unter Schmerzen auch nicht genießen zu können,

verstärken die Rückzugstendenzen bei Schmerzpatienten.

Soziale Isolation kann die Folge sein.

• Sport und Hobbys werden aufgegeben, z. T. weil Bewegung

unter Schmerzen nicht möglich ist, z. T. aus Schwäche und

Müdigkeit, denn viele Patienten mit starken chronischen

Schmerzen essen nicht genug oder schlafen sehr schlecht.

• Belastend für Schmerzpatienten kann der hohe

Rechtfertigungsdruck für den Verlust an Fähigkeiten werden.

Chronische Schmerzen sind nicht sicht- oder beweisbar, und

die Gefahr, als Simulant abgetan zu werden, ist hoch.

Auch die Familie des Patienten leidet oft unter der Situation.

Gesunde Menschen können sich kaum in die Lage eines schmerzkranken

Angehörigen hineinversetzen. Aber auch die eigene

Hilflosigkeit angesichts der Schmerzen des Angehörigen ist

schwer zu ertragen. Hinzu kommt, dass Schmerzpatienten oft

gereizt sind, die Freude am Leben verlieren und besonders nach

langem Leiden keine Hoffnung auf Besserung haben. Viele

Schmerzpatienten werden depressiv, fühlen sich in Beruf sowie

Alltag überfordert, und familiäre Konflikte häufen sich. Lange

Phasen der Arbeitsunfähigkeit und daran anschließende Arbeitslosigkeit

oder Erwerbsminderung sind nicht selten. Finanzielle

Probleme können die Folge sein.

Eine entsprechende Schmerztherapie mit dem Ziel, dem Patienten

tagsüber Aktivität bei geringen Schmerzen sowie eine erholsame

Nachtruhe zu ermöglichen, durchbricht diesen Kreislauf oder lässt

ihn bei rechtzeitigem Einsatz gar nicht erst entstehen.

4 Chronische Schmerzen


Folgende Hinweise können Betroffenen das Leben mit

chronischem Schmerz erleichtern:

• Führen eines Schmerztagebuchs, um die Wirksamkeit der

Schmerztherapie einzuschätzen und diese richtig anzupassen.

• eventuell Überweisung zu einem Schmerztherapeuten oder

in eine Schmerzklinik

• Besuch einer Selbsthilfegruppe für Schmerzpatienten:

Austausch mit anderen Betroffenen und gegenseitiges

Profitieren von Erfahrungen

• im Alltag so weit wie möglich von den Schmerzen ablenken

und die Konzentration auf Dinge richten, die Freude bereiten.

Die bewusste und konzentrierte Beschäftigung kann helfen,

die Schmerzen eine Zeit lang auszublenden.

• Entspannungsübungen (siehe Kapitel „Sport und Freizeit“)

lindern Schmerzen und erhöhen so die Lebensqualität.

Leben mit

chronischen Schmerzen

Der Umgang mit einem Schmerzpatienten hat einen gewissen

Einfluss auf die Erkrankung selbst. Anteilnahme verbunden mit

Motivation wirkt sich günstig aus. Dagegen können übermäßige

Bemitleidung und „Bemutterung“ das Schmerzempfinden des

Patienten verstärken.

Es wird empfohlen, dem Patienten Zuneigung und Aufmerksamkeit

zeitlich unabhängig von seinen Schmerzäußerungen zu

schenken. Das ist wichtig, um den Schmerz im Leben des

Patienten nicht zusätzlich zum Mittelpunkt zu machen, was

durch das Erleben „starker Schmerz = Aufmerksamkeit des

Partners“ leicht geschieht.

Hilfreich für schmerzkranke Angehörige ist alles, was vom

Schmerz ablenkt: Gespräche, gemeinsame Erlebnisse, z. B.

Spaziergänge oder Gesellschaftsspiele. Wohltuend und entspannend

wirken auch Massagen; der Patient erfährt damit ein

positives und angenehmes Körpergefühl sowie besondere

Verbundenheit zum Partner. Wichtig ist auch hier, dass die

Massage nicht nur bei Schmerzäußerung, sondern beispielsweise

zu festen Zeiten angeboten wird.

Angehörige

von Schmerzpatienten

Wenn ein Angehöriger schwer erkrankt ist, beeinflusst dies die

gesamte Familie. Das gilt besonders für Schmerzerkrankungen,

weil sie nicht immer sichtbar und selten wirklich nachfühlbar

sind. Eventuell muss der gesunde Partner mehr und mehr

Aufgaben übernehmen, so dass für eigene Belange und Sorgen

kaum noch Raum bleibt. Umso wichtiger ist es, sich diese Zeit

ganz bewusst zu nehmen. Besonders schwierig wird die Situation,

Chronische Schmerzen 5


wenn die Schmerzerkrankung sehr lange anhält, Therapieerfolge

ausbleiben und der Patient sich psychisch verändert. Falls durch

eine Erwerbsunfähigkeit des Schmerzpatienten der gewohnte

Lebensstandard einer Familie sinkt oder zum Beispiel die

Abzahlungsraten für ein Haus nicht mehr erbracht werden

können, häufen sich möglicherweise familiäre Konflikte. Wenn

die Familie diesen Belastungen nicht mehr gewachsen ist, sollte

fachmännische Hilfe in Anspruch genommen werden. Familienberatungsstellen

oder eine Paar- oder Familientherapie können in

schwierigen Lebenszeiten Hilfestellung bieten und zerstörende

Prozesse in der Partnerschaft aufhalten.

Falls der Schmerzpatient an Krebs leidet, sind auch psychosoziale

Krebsberatungsstellen eine sinnvolle Anlaufstelle bei familiären

Problemen – sofern deren Ursache in der Erkrankung liegt.

Eine chronische Schmerzerkrankung wird nicht zwangsläufig zur

Belastung für die Partnerschaft, sondern kann auch dazu führen,

dass aus einem vielleicht oberflächlichen „nebeneinander leben“

eine tief verbundene Gemeinschaft entsteht.

6 Chronische Schmerzen


Arbeitsunfähigkeit und

finanzielle Leistungen

Schwere Schmerzen, die z. B. durch einen Bandscheibenvorfall

oder durch den Verschleiß von Gelenkknorpeln entstehen, sind in

Deutschland einer der häufigsten Gründe für Arbeitsunfähigkeit.

Definition „Arbeitsunfähigkeit“

Arbeitsunfähigkeit (AU) ist ein durch Krankheit oder Unfall

hervorgerufener regelwidriger Körper- oder Geisteszustand,

aufgrund dessen der Patient seine bisherige Erwerbstätigkeit

nicht oder nur unter Gefahr der Verschlimmerung des

Zustands weiter ausüben kann.

Arbeitsunfähigkeit

Die Beurteilung anhaltender Schmerzen und der daraus

resultierenden Arbeitsunfähigkeit ist komplex. Neben Grunderkrankung

und Allgemeinzustand spielt auch die psychische

Stabilität des Patienten eine Rolle.

Bei Anwendung von Opioiden können aufgrund möglicher

Nebenwirkungen wie Sehstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen,

Übelkeit und Schwindel manche Schmerzpatienten

ihren Beruf vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr ausüben.

Opioidanwendung

Das gilt besonders für Berufe, in denen der Patient sich selbst

oder andere gefährden kann, z. B.:

• Absturzgefahr bei Schwindel

(Gerüstbauer, Dachdecker, Zimmerer)

• Verletzungsgefahr infolge Sehstörungen

(Arbeiter an laufenden Maschinen, handwerkliche Berufe,

Verkehrsteilnehmer)

• Fehlleistungen infolge von Müdigkeit und Aufmerksamkeitsstörungen

(Heilberufe, Therapeuten, handwerkliche Berufe,

Fernfahrer)

Bei vorübergehender Schmerzmitteleinnahme wird eine Krankschreibung

ausreichend sein, um unangenehme Folgen für

Schmerzpatienten weitgehend zu vermeiden. Bei dauerhaft auf

starke Schmerzmittel angewiesenen Menschen kann jedoch eine

Umsetzung im Betrieb oder eine Umschulung notwendig werden.

Manche Schmerzpatienten möchten auf die Einnahme von

Schmerzmitteln verzichten, aus Sorge, infolge der Nebenwirkungen

nicht mehr arbeiten gehen zu dürfen. Menschen mit

chronisch starken Schmerzen erhalten durch den Verzicht auf

Schmerzmittel nicht ihre Arbeitsfähigkeit, da unter solchen

Schmerzen die Bewegungs- und Konzentrationsfähigkeit zu stark

beeinträchtigt ist.

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 7


Ziel der Schmerzbehandlung ist die schnellstmögliche Wiederherstellung

der Arbeitsfähigkeit, denn mit zunehmender

Krankheitsdauer sinkt die Chance auf ein schmerzfreies Leben.

Wenn gesetzlich pflichtversicherte Patienten über die Zeit der

Entgeltfortzahlung hinaus krankgeschrieben sind, bekommen sie

Krankengeld.

Entgeltfortzahlung

Die Entgeltfortzahlung ist eine arbeitsrechtliche Regelung und

keine Leistung der Sozialversicherung.

Entgeltfortzahlung erhalten alle Arbeitnehmer, auch geringfügig

Beschäftigte und Auszubildende, unabhängig von der

wöchentlichen Arbeitszeit, sofern sie ein ununterbrochenes

Arbeitsverhältnis von 4 Wochen haben.

Die Arbeitsunfähigkeit muss dem Arbeitgeber unverzüglich mitgeteilt

werden. Die gesetzliche Anspruchsdauer auf Entgeltfortzahlung

beträgt 6 Wochen und wird in Höhe von 100 % des

üblichen Arbeitsentgelts bezahlt.

Falls während einer Arbeitsunfähigkeit eine neue Krankheit auftritt,

verlängern sich die 6 Wochen Entgeltfortzahlung nicht.

Wegen derselben Erkrankung besteht ein Entgeltfortzahlungsanspruch

nur für insgesamt 6 Wochen. Ein erneuter Anspruch

besteht erst, wenn der Arbeitnehmer mindestens 6 Monate wegen

derselben Erkrankung nicht arbeitsunfähig war, d. h. berufstätig

war oder als Arbeitsloser dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stand.

Dieselbe Erkrankung bedeutet, dass sie auf derselben Ursache und

demselben Grundleiden beruht.

Falls der Arbeitgeber keine Entgeltfortzahlung leistet und die

Krankenkasse noch nicht zahlt, keine Einkünfte oder kein verwendbares

Vermögen zur Verfügung stehen, ist es sinnvoll, sich

bezüglich finanzieller Hilfen an das Sozialamt oder die Agentur

für Arbeit zu wenden.

Krankengeld

Gesetzlich pflichtversicherte Schmerzpatienten, die länger als

6 Wochen arbeitsunfähig sind oder während der Arbeitsunfähigkeit

ihren Arbeitsplatz verlieren, erhalten Krankengeld

von der Krankenkasse.

8 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen


Das Krankengeld ist eine so genannte Lohnersatzleistung, d. h. es

wird nur gezahlt, wenn nach 6 Wochen kein Anspruch (mehr)

auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber besteht.

Voraussetzungen

Weitere Voraussetzungen sind:

• Versicherteneigenschaft zum Zeitpunkt des Eintritts der

Arbeitsunfähigkeit

• Arbeitsunfähigkeit aufgrund Krankheit oder

• stationäre Behandlung in Krankenhaus, Vorsorge- oder

Reha-Einrichtung auf Kosten der Krankenkasse.

• Es handelt sich immer um dieselbe Krankheit bzw. um

eindeutige Folgeerkrankungen derselben Grunderkrankung.

Tritt während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit

auf, verlängert sich die Leistungsdauer dennoch nicht.

Anspruch auf Krankengeld entsteht:

• bei Krankenhausbehandlung mit der stationären Aufnahme im

Krankenhaus bzw. in Vorsorge- oder Reha-Einrichtungen.

• bei Arbeitsunfähigkeit mit dem auf die ärztliche Feststellung

der Arbeitsunfähigkeit folgenden Tag.

Anspruch auf Krankengeld

Folgende Personengruppen haben keinen Anspruch auf

Krankengeld:

• versicherungspflichtige Personen in Einrichtungen der

Jugendhilfe

• Teilnehmer an Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben sowie

zur Berufsfindung und Arbeitserprobung, die nicht nach dem

Bundesversorgungsgesetz erbracht werden; Ausnahme bei

Anspruch auf Übergangsgeld

• Studenten, in der Regel bis zum Abschluss des 14. Fachsemesters

oder bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres

• Praktikanten

• Familienversicherte

• Bezieher einer vollen Erwerbsminderungsrente, Erwerbsunfähigkeitsrente,

einer Vollrente wegen Alters, eines

Ruhegehalts nach beamtenrechtlichen Grundsätzen, eines

versicherungspflichtigen Vorruhestandsgehalts

• Bezieher von Arbeitslosengeld II

Kein Anspruch

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 9


Mit dem Tage der Bewilligung einer Rente endet der Anspruch auf

Krankengeld. Wurden für eine gewisse Zeit gleichzeitig Rente und

Krankengeld gezahlt, so fordert die Krankenkasse das Krankengeld

zurück. Der Versicherte darf unter Umständen lediglich den

Teil des Krankengelds behalten, der über die Rente hinausging

(so genannter Spitzbetrag).

Freiwillig Versicherte

Die Satzung einer Krankenkasse kann den Anspruch auf Krankengeld

für freiwillig Versicherte, die selbstständig tätig sind, ausschließen

oder zu einem späteren Zeitpunkt entstehen lassen,

je nachdem, welchen Tarif der Versicherte gewählt hat.

Freiwillig Versicherte, die angestellt sind und deren Einkommen

über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, bekommen Krankengeld.

Höhe des Krankengelds

Die Höhe des Krankengelds beträgt

• 70 % des regelmäßigen Arbeitsentgelts

(so genanntes regelmäßiges Bruttoentgelt),

• maximal aber 90 % des regelmäßigen Nettoarbeitsentgelts.

Definition „regelmäßig“

Bezüge, die wegen außergewöhnlicher Umstände gewährt

wurden oder ausfielen, bleiben beim „regelmäßigen“ Entgelt

unbeachtet. Einmalige Zahlungen wie z. B. Weihnachtsgeld

oder Urlaubsgeld gehören, wenn sie tatsächlich regelmäßig

wiederkehrend geleistet werden, zum „regelmäßigen“ Bruttoentgelt.

Höchstbetrag des Krankengelds

Bei freiwillig Versicherten über der Beitragsbemessungsgrenze

wird nur das Arbeitsentgelt bis zur Höhe der kalendertäglichen

Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt, das ist

2006 ein Betrag von 118,75 € (= Beitragsbemessungsgrenze

42.750,- € : 360). Da das Krankengeld 70 % dieses

Arbeitsentgelts beträgt, kann es maximal 83,13 € täglich

betragen.

10 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen

Das Krankengeld wird kalendertäglich für 30 Tage je Kalendermonat

gezahlt.

Bei Bezug von Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld wird

Krankengeld in Höhe dieser Leistungen gezahlt.


Die Dauer des Krankengeldes wegen derselben Krankheit beträgt

maximal 78 Wochen (546 Kalendertage) innerhalb von 3 Jahren

ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit.

Dauer

Die Blockfrist beginnt mit dem erstmaligen Eintritt der

Arbeitsunfähigkeit für die ihr zugrunde liegende Krankheit. Bei

jeder Arbeitsunfähigkeit wegen einer anderen Erkrankung

beginnt eine neue Blockfrist. Es ist möglich, dass mehrere Blockfristen

nebeneinander laufen.

„Dieselbe Krankheit“ heißt: identische Krankheitsursache. Dazu

zählen Krankheitsschübe (z. B. bei Morbus Bechterew) oder

Folgeerkrankungen einer nicht ausgeheilten Grunderkrankung.

Die Leistungsdauer verlängert sich nicht, wenn während der

Arbeitsunfähigkeit eine andere Krankheit hinzutritt. Es bleibt bei

maximal 78 Wochen.

Nach Ablauf der Blockfrist (= 3 Jahre), in der der Versicherte

wegen derselben Krankheit Krankengeld für 78 Wochen

bezogen hat, entsteht ein erneuter Anspruch auf Krankengeld

wegen derselben Erkrankung unter folgenden Voraussetzungen:

• erneute Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit,

• mindestens 6 Monate lang keine Arbeitsunfähigkeit wegen

dieser Krankheit und

• mindestens 6 Monate Erwerbstätigkeit oder der Arbeitsvermittlung

zur Verfügung stehend.

Zeiten, in denen der Anspruch auf Krankengeld zwar theoretisch

besteht, aber tatsächlich ruht oder versagt wird, werden wie

Bezugszeiten von Krankengeld angesehen.

Erneuter Anspruch

auf Krankengeld wegen

derselben Krankheit

Beispiel

Der Arbeitgeber zahlt bei Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers

dessen Arbeitsentgelt bis zu 6 Wochen weiter (§ 3

Entgeltfortzahlungsgesetz). Das heißt: Der Anspruch auf

Krankengeld besteht zwar, aber er ruht (§ 49 Abs. 1 SGB V).

Erst danach gibt es Krankengeld. Die 6 Wochen Entgeltfortzahlung

werden aber wie Krankengeld-Bezugszeiten

behandelt, so dass noch maximal 72 Wochen (78 Wochen

abzüglich 6 Wochen = 72 Wochen) Krankengeld gezahlt wird.

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 11


!

Praxistipp

Zahlt der Arbeitgeber bei Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers

das Entgelt nicht weiter, obwohl hierauf ein Anspruch nach § 3

Entgeltfortzahlungsgesetz besteht, gewährt die Krankenkasse bei

Vorliegen der Voraussetzungen das Krankengeld, da das Krankengeld

nur bei tatsächlichem Bezug des Arbeitsentgelts ruht. Der

Anspruch des versicherten Arbeitnehmers gegen den Arbeitgeber

auf Entgeltfortzahlung geht dabei auf die Krankenkasse über.

Ruhen des Anspruchs

Der Anspruch auf Krankengeld ruht:

• bei Erhalt von (mehr als einmalig gezahltem) Arbeitsentgelt.

Das gilt besonders bei Entgeltfortzahlung (§ 3 EntgeltfortzahlungsG)

bis zu 6 Wochen. Wenn das Arbeitsentgelt

niedriger als das Krankengeld ist, wird die Differenz als

Krankengeld geleistet. Nicht darunter fallen Zuschüsse zum

Krankengeld, soweit sie zusammen mit dem Krankengeld das

Nettoeinkommen nicht übersteigen.

• bei Inanspruchnahme von Elternzeit (früher: Erziehungsurlaub)

nach dem Bundeserziehungsgeldgesetz (BErzGG)

bis zum dritten Geburtstag eines Kindes. Dies gilt nicht,

wenn die Arbeitsunfähigkeit vor Beginn der Elternzeit

eingetreten ist oder wenn das Krankengeld aus einer

versicherungspflichtigen (Teilzeit-)Beschäftigung während

der Elternzeit errechnet wird.

• bei Bezug von Versorgungskrankengeld, Übergangsgeld,

Unterhaltsgeld, Kurzarbeitergeld, Winterausfallgeld; auch

bei Ruhen dieser Ansprüche wegen einer Sperrzeit.

• bei Bezug von Mutterschaftsgeld oder Arbeitslosengeld.

• solange die Arbeitsunfähigkeit der Krankenkasse nicht

gemeldet ist. Meldefrist bis zu einer Woche nach Beginn

der Arbeitsunfähigkeit.

Kürzung des Krankengelds

Krankengeld wird gekürzt um den Zahlbetrag der

• Altersrente, Rente wegen Erwerbsminderung oder

Landabgabenrente, jeweils aus der Alterssicherung der

Landwirte

• Teilrente wegen Alters aus der Rentenversicherung

• Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung

(früher: Rente wegen Erwerbs- bzw. Berufsunfähigkeit)

• Knappschaftsausgleichsleistung, Rente für Bergleute

soweit die Leistung nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit oder

stationären Behandlung zuerkannt wird.

12 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen


Wenn eine der genannten Zahlungen eintrifft, ist dies der

Krankenkasse schnellstmöglich mitzuteilen. Das erspart spätere

Rückzahlungen.

Wegfall des Krankengelds bei Antrag auf Reha

Wenn die Erwerbsfähigkeit des Versicherten nach ärztlichem

Gutachten erheblich gefährdet oder gemindert ist, kann die

Krankenkasse dem Versicherten eine Frist von 10 Wochen setzen,

um einen Antrag auf Rehamaßnahmen zu stellen.

!Praxistipp

Wegfall des Krankengelds

Wegfall des Krankengelds bei Antrag auf Rente

Wird ein Patient, der Krankengeld bezieht, von der Krankenkasse

aufgefordert, einen Antrag auf abgestufte Erwerbsminderungsrente

zu stellen, wird die Krankengeldzahlung eingestellt und von

der Agentur für Arbeit auf Antrag im Sinne der so genannten

„Nahtlosigkeit“ eine Sonderform des Arbeitslosengelds bei

Arbeitsunfähigkeit gezahlt. Der Patient muss dazu nicht arbeitslos

sein.

Es liegt beim Vorliegen der genannten Voraussetzungen im

Ermessen der Krankenkasse, ob sie den Wegfall des Krankengelds

plant und den Versicherten auffordert, innerhalb von 10 Wochen

einen Antrag auf Reha oder Rente zu stellen.

Kommt der Versicherte dieser Aufforderung nicht fristgerecht

nach, entfallen mit Ablauf der Frist sowohl der Anspruch auf

Krankengeld als auch die Mitgliedschaft in der Krankenkasse.

Wird der Antrag später gestellt, lebt der Anspruch auf

Krankengeld mit dem Tag der Antragstellung wieder auf, nicht

jedoch die Mitgliedschaft.

Wird der Anspruch auf Krankengeld (78 Wochen Arbeitsunfähigkeit

innerhalb von 3 Jahren wegen derselben Erkrankung)

ausgeschöpft und ist der Versicherte noch immer arbeitsunfähig,

dann endet seine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Dieser Vorgang wird auch Aussteuerung genannt.

Die Krankenkasse informiert das Mitglied rund 2 Monate vor

der Aussteuerung darüber. Damit weiter ein Anspruch auf

medizinische Leistungen besteht, ist es wichtig, weiterhin Mitglied

der Krankenkasse zu bleiben.

Aussteuerung

Es gibt folgende Möglichkeiten:

• freiwillige Versicherung bei der Krankenkasse

• Familienversicherung (wenn z. B. der Ehemann/die Ehefrau

Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist)

• Beantragung von Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfähigkeit,

einer Sonderform des Arbeitslosengelds im Sinne der

Nahtlosigkeit

Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen 13


!

Praxistipp

?

Wer hilft weiter?

Ist abzusehen, dass der Krankengeldbezug endet, sollte sich der

Betroffene unbedingt rechtzeitig mit der Krankenkasse in

Verbindung setzen, um den künftigen Versicherungsschutz zu

klären.

Ansprechpartner sind die Krankenkassen.

14 Arbeitsunfähigkeit und finanzielle Leistungen


Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung

in der gesetzlichen Krankenversicherung

Durch häufige Verordnung von Arzneimitteln, Heilmitteln und

Hilfsmitteln fallen bei chronisch schmerzkranken Patienten

verschiedene Zuzahlungen an.

Versicherte ab 18 Jahren müssen zu bestimmten Leistungen der

gesetzlichen Krankenversicherung Zuzahlungen leisten. Die nachfolgenden

Regelungen gelten auch für Sozialhilfeempfänger.

Zuzahlungen

Die Praxisgebühr beträgt 10,– € pro Quartal und Arzt, Zahnarzt

oder Psychotherapeut.

Praxisgebühr

Die Praxisgebühr wird nicht fällig bei

• Überweisungen von einem anderen Arzt im selben Quartal,

• Vorsorge, Früherkennung, Kontrolluntersuchungen,

Schwangerschafts-, Zahnvorsorge, Gesundheits-Check-up ab

dem 35. Lebensjahr, Schutzimpfungen sowie bei

• Überschreiten der Belastungsgrenze.

Bei Arzneimitteln beträgt die Zuzahlung (umgangssprachlich

„Rezeptgebühr“): 10 % der Kosten, mindestens 5,– €, maximal

10,– €, in keinem Fall mehr als die Kosten des Arzneimittels.

Arzneimittel

Preis/Kosten

Zuzahlung

bis 5,– €

Preis = Zuzahlung

5,01 € bis 50,– € 5,– €

50,– € bis 100,– € 10 % des Preises

ab 100,– € 10,– €

Diese Tabelle gilt entsprechend auch für Verbandmittel, die

meisten Hilfsmittel, Haushaltshilfe, Soziotherapie und Fahrtkosten.

Zuzahlung: 10 % der Kosten, mindestens 5,- €, maximal 10,– €,

in keinem Fall mehr als die Kosten des Verbandmittels.

Verbandmittel

Zuzahlung: 10 % der Kosten zuzüglich 10,– € je Verordnung.

Heilmittel

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung 15


Hilfsmittel

Zuzahlung: 10 % der Kosten, mindestens 5,– € , maximal 10,– €.

Bei zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln beträgt die Zuzahlung

10 % je Packung, maximal jedoch 10,– € monatlich.

Häusliche Krankenpflege

Zuzahlung: 10 % der Kosten pro Tag, begrenzt auf 28 Tage im

Kalenderjahr, zuzüglich 10,– € je Verordnung.

Soziotherapie

Zuzahlung: 10 % der Kosten pro Tag, mindestens 5,–, € maximal

10,– €.

Haushaltshilfe

Zuzahlung: 10 % der Kosten pro Tag, mindestens 5,– €, maximal

10,– €.

Krankenhausbehandlung,

Anschlussheilbehandlung

Zuzahlung: 10,– € pro Kalendertag, für längstens 28 Tage pro

Kalenderjahr.

Bereits im selben Jahr geleistete Zuzahlungen zu Krankenhausund

Anschlussheilbehandlung werden angerechnet.

Ambulante und stationäre

Leistungen zur Rehabilitation

Zuzahlung: 10,– € pro Kalendertag an die Einrichtung, ohne zeitliche

Begrenzung.

28 Tage, wenn die ambulante Rehamaßnahme aus medizinischen

Gründen länger als 42 Behandlungstage bzw. die stationäre

Rehamaßnahme aus medizinischen Gründen länger als 6 Wochen

dauert.

Fahrtkosten

Zuzahlung: 10 % der Fahrtkosten, mindestens 5,- €, maximal

10,- €, in keinem Fall mehr als die Kosten der Fahrt.

Nicht befreiungsfähige

Zuzahlungen

Folgende Zuzahlungen werden bei der Berechnung der Zuzahlungsbefreiung

nicht berücksichtigt:

• Zahnersatz

Die Krankenkasse übernimmt:

50 % der Regelversorgungskosten,

60 % der Regelversorgungskosten bei 5 Jahren Vorsorge,

65 % der Regelversorgungskosten bei 10 Jahren Vorsorge.

Den Rest zahlt der Versicherte zu. Darüber hinaus gelten beim

Zahnersatz besondere Härtefallregelungen.

• Kieferorthopädische Behandlung bei Erwachsenen

20 % der Kosten und nur soweit zusätzlich kieferchirurgische

Behandlungsmaßnahmen erforderlich sind, ansonsten zahlt der

Versicherte voll.

16 Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung


Die Belastungsgrenze soll verhindern, dass insbesondere chronisch

Kranke, Behinderte, Versicherte mit einem geringen Einkommen

und Sozialhilfeempfänger durch die Zuzahlungen zu medizinischen

Leistungen unzumutbar belastet werden. Die Belastungsgrenze

liegt bei 2 % des jährlichen Bruttoeinkommens.

Frühere Regelungen wie Sozialklausel, Härtefälle und Überforderungsklausel

gelten seit 1.1.2004 nicht mehr.

Zuzahlungsbefreiung bei

Erreichen der

Belastungsgrenze

Als „belastet“ gilt, wer mehr als 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen

zum Lebensunterhalt für Zuzahlungen ausgeben

muss(te).

Voraussetzungen

Das Bruttoeinkommen zum Lebensunterhalt ist als Familien–

bruttoeinkommen zu verstehen. Es errechnet sich aus dem

Bruttoeinkommen des Versicherten und den Bruttoeinkommen

aller Angehörigen des Versicherten, die mit ihm in einem gemeinsamen

Haushalt leben.

Berechnung

„Angehörige" des Versicherten sind:

• Ehepartner

• Kinder, die familienversichert sind

• eingetragene, gleichgeschlechtliche Lebenspartner

(nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz)

• sonstige Angehörige nach § 7 Abs.2 KVLG

(Krankenversicherung der Landwirte)

Nicht zu den „Angehörigen" zählen Partner einer eheähnlichen

verschiedengeschlechtlichen oder nicht eingetragenen gleichgeschlechtlichen

Lebensgemeinschaft.

Kinder des Versicherten müssen dabei familienversichert sein.

Dasselbe gilt bei eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften.

Von diesem Bruttoeinkommen zum Lebensunterhalt wird ein

Freibetrag abgezogen:

• für den ersten im gemeinsamen Haushalt lebenden

Angehörigen des Versicherten 4.410,– €

(= 15 % der jährlichen Bezugsgröße)

• nur für Mitglieder in der Krankenversicherung der

Landwirte: für jeden weiteren im gemeinsamen Haushalt

lebenden Angehörigen des Versicherten und des eingetragenen

gleichgeschlechtlichen Lebenspartners 2.940,– €

(= 10 % der jährlichen Bezugsgröße).

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung 17


• für jedes Kind des verheirateten Versicherten und des eingetragenen

gleichgeschlechtlichen Lebenspartners 3.648,– €

• für das erste Kind eines allein erziehenden Versicherten⇔

4.410,– € (= 15 % der jährlichen Bezugsgröße)

• für jedes weitere Kind eines allein erziehenden Versicherten

3.648,– €

Einnahmen zum Lebensunterhalt sind:

• Altersrenten

• Arbeitsentgelt

• Krankengeld

• Arbeitslosengeld

• Arbeitseinkommen (bei selbstständiger Tätigkeit)

• Einnahmen aus Kapitalvermögen, Vermietung und

Verpachtung

• Witwen- oder Witwerrente und andere Renten wegen Todes

(Rente)

• Einnahmen von Angehörigen im gemeinsamen Haushalt

(Ehegatte, familienversicherte Kinder, eingetragene gleichgeschlechtliche

Lebenspartner). Nicht hierzu zählen Partner

einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft

Bei Empfängern von Hilfe zum Lebensunterhalt nach dem

SGB XII, von Arbeitslosengeld II, von Grundsicherung im Alter und

bei Erwerbsminderung und bei Heimbewohnern, die Leistungen

vom Sozialamt bekommen, wird jeweils nur der Regelsatz des

Haushaltsvorstands als Bruttoeinkommen für die gesamte

Bedarfsgemeinschaft gezählt.

Nicht zu den Einnahmen zählen zweckgebundene Zuwendungen,

die einen beschädigungs- oder behinderungsbedingten Mehrbedarf

abdecken sollen, wie z. B.:

• Pflegegeld (von Pflegeversicherung, Sozialhilfe oder

Unfallversicherung)

• Blindenzulage

• Grundrente nach dem Bundesversorgungsgesetz (BVG)

• Taschengeld vom Sozialamt für Heimbewohner

• Beschädigten-Grundrente nach dem BVG

• Rente oder Beihilfe nach dem Bundesentschädigungsgesetz

bis zur Höhe der vergleichbaren Grundrente nach dem BVG

• Verletztenrente aus der gesetzlichen Unfallversicherung,

soweit diese der Grundrente nach dem BVG entspricht

• Kindergeld

18 Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung


Zuzahlungen werden als „Familienzuzahlungen“ betrachtet, d. h.

es werden die Zuzahlungen des Versicherten mit den Zuzahlungen

seiner Angehörigen, die mit ihm im gemeinsamen Haushalt leben,

zusammengerechnet. Dasselbe gilt auch bei eingetragenen

gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften.

Überschreiten die Zuzahlungen 2 % der o.g. Bruttoeinnahmen im

Kalenderjahr (= Belastungsgrenze), erhalten der Versicherte sowie

sein Ehegatte und die familienversicherten Kinder, die mit ihm in

einem gemeinsamen Haushalt leben, für den Rest des Kalenderjahres

eine Zuzahlungsbefreiung bzw. den Mehrbetrag von der

Krankenkasse zurückerstattet.

Zuzahlungsbefreiung/

Rückerstattung der Zuzahlung

Verschiedene Krankenkassen bieten ihren Versicherten ein

Quittungsheft an, in dem sie übers Jahr alle Quittungen von

Zuzahlungen sammeln können.

Die Belastungsgrenze wird im Nachhinein wirksam, weshalb der

Patient immer alle Zuzahlungsbelege aufbewahren sollte, da

nicht absehbar ist, welche Kosten im Laufe eines Kalenderjahres

auflaufen. Wenn ein Versicherter im Lauf des Jahres die

„Belastungsgrenze“ erreicht hat, sollte er sich mit seiner Krankenkasse

in Verbindung setzen.

Die Krankenkasse wird dem Patienten die Zuzahlungen zurückerstatten,

die die „2 %-Belastungsgrenze“ übersteigen. Bei

Erreichen der Belastungsgrenze wird für den Rest des Jahres auch

eine Zuzahlungsbefreiung bescheinigt.

Quittungsheft

!

Praxistipp

Definition „schwerwiegend chronisch krank“

Als „schwerwiegend chronisch krank“ gilt, wer sich wenigstens

ein Jahr lang wegen derselben Krankheit mindestens einmal

pro Quartal in ärztlicher Behandlung befindet und mindestens

eines der folgenden Kriterien erfüllt:

• Pflegebedürftigkeit mit Pflegestufe 2 oder 3

• ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 60 oder

eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens

60 % (Schwerbehinderte)

• eine kontinuierliche medizinische Versorgung (ärztliche oder

psychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie,

Versorgung mit Hilfs- und Heilmitteln) ist erforderlich, ohne

die aufgrund der chronischen Krankheit nach ärztlicher

Einschätzung eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der

Erkrankung, eine Verminderung der Lebenserwartung oder

eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lebensqualität zu

erwarten ist

Sonderregelung für

chronisch Kranke

Zuzahlungen und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung 19


Für chronisch Kranke, die wegen derselben schwerwiegenden

Krankheit in Dauerbehandlung sind, gilt eine andere Belastungs–

grenze: Sie gelten bereits dann als „belastet“, wenn sie mehr als

1 % der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt für

Zuzahlungen ausgeben müssen/mussten.

!

Praxistipp

Überschreiten die Zuzahlungen 1 % der Bruttoeinnahmen im

Kalenderjahr (= Belastungsgrenze), erhalten der chronisch Kranke,

sein Ehepartner und die familienversicherten Kinder für den Rest

des Kalenderjahres eine Zuzahlungsbefreiung bzw. den Mehr–

betrag von der Krankenkasse zurück.

Grundsätzlich gilt:

Ist das Ehepaar bei verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen,

dann errechnet eine Krankenkasse, ab wann die Voraussetzungen

für die Zuzahlungsbefreiung erreicht sind und stellt ggf. eine

Zuzahlungsbefreiung aus. Dies wird der anderen Krankenkasse

mitgeteilt, so dass die Versicherten für den Rest des Jahres keine

Zuzahlungen mehr leisten müssen.

Nach Ablauf eines Kalenderjahres ist der Krankenkasse die

weitere Dauer der Behandlung nachzuweisen. Auf Verlangen der

Krankenkasse kann eine Überprüfung durch den MDK erfolgen.

Sonderregelung für Pflegebedürftige

Pflegebedürftige mit Pflegestufe 2 oder 3 müssen einen jähr–

lichen Nachweis über das Vorliegen einer schwerwiegenden

chronischen Erkrankung nicht mehr vorlegen.

Sonderregelung für Sozialhilfeempfänger

Berechnungsgrundlage für die Zuzahlungsgrenze bei Sozial–

hilfeempfängern ist der Regelsatz des Haushaltsvorstands

(Regelsätze der Sozialhilfe), das heißt: Ein Sozialhilfeempfänger

zahlt – je nach Bundesland – im Jahr ca. 70,– € zu, ein chronisch

kranker Sozialhilfeempfänger ca. 35,– €.

Sonderregelung für Sozialhilfebewohner im Heim

Seit 1.1.2005 müssen Heimbewohner, die Sozialhilfe beziehen,

nicht mehr Zuzahlungen leisten, bis sie die „1 %- bzw. 2 %-

Grenze“ erreicht haben und damit eine Zuzahlungsbefreiung

erhalten, sondern haben auch die Möglichkeit, dass der örtlich zu–

ständige Sozialhilfeträger den Gesamtbetrag (West/Ost: 82,80 € /

79,40 € bzw. bei chronisch Kranken West/Ost: 41,40 € /

39,70 €) an die Krankenkasse des Heimbewohners vorab überweist.

Dieser als Darlehen gewährte Gesamtbetrag wird sodann in

monatlichen kleinen Ratenbeträgen mit dem Taschengeld des

Heimbewohners verrechnet.

20 Zuzahlung und Zuzahlungsbefreiung in der gesetzlichen Krankenversicherung


Rehabilitation

Krankheiten, die mit schweren Schmerzen verbunden sind,

bedürfen häufig der medizinischen Rehabilitation.

Grundsätzlich gilt:

Reha(bilitation) geht vor Rente (§ 9 SGB VI).

Das heißt: Es wird möglichst versucht, mit Rehamaßnahmen den

Bezug von Erwerbsminderungsrente (auch bei Berufsunfähigkeit)

zu verhindern oder zu verzögern.

!

Praxistipp

Die verschiedenen Arten der Rehabilitation sind ein großer und

komplexer Bereich, für den sämtliche Versicherungsträger zuständig

sein können.

Die wichtigsten Leistungen der Rehabilitation sind:

• medizinische Leistungen zur Rehabilitation

• Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

• ergänzende Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe

• sonstige Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Für Schmerzpatienten können aus diesen Leistungen

folgende Maßnahmen relevant sein:

• ambulante Rehamaßnahmen

• teilstationäre Rehamaßnahmen

• stationäre Rehamaßnahmen

(umgangssprachlich „Kuren“ genannt)

• Rehasport und Funktionstraining

• stufenweise Wiedereingliederung

• Berufsfindung und Arbeitserprobung

Zuständig sind nahezu alle Träger der Sozialversicherung. Sie

übernehmen unter bestimmten Voraussetzungen und nach

ärztlicher Verordnung die Kosten für medizinische Rehabilitation.

Der Träger, der die vorhergehenden medizinischen Leistungen

erbracht hat, ist möglichst auch für die Rehabilitation zuständig

(so genannter Grundsatz der Einheitlichkeit der Trägerschaft).

Zuständigkeit

Nachfolgend eine Übersicht zur prinzipiellen Zuständigkeit:

• Die Krankenkasse

übernimmt die Kosten einer medizinischen Rehabilitation,

soweit es um den Erhalt oder die Wiederherstellung der

Gesundheit geht.

Rehabilitation 21


• Die Berufsgenossenschaften

zahlen, wenn die medizinische Rehabilitation aufgrund eines

Unfallversicherungsfalles (Arbeitsunfall, Wegeunfall oder

Berufskrankheit) notwendig wird.

• Die Rentenversicherungsträger

übernehmen die Kosten einer medizinischen Rehabilitation,

wenn die Erwerbsfähigkeit erheblich gefährdet oder schon

gemindert ist und durch die medizinische Rehabilitation

wesentlich gebessert oder wiederhergestellt werden kann.

Allgemeines zu

medizinischen Leistungen

der Rehabilitation

Die medizinische Rehabilitation ist ein Teilbereich der Rehabilitation.

Sie umfasst Maßnahmen, die auf die Erhaltung oder

Besserung des Gesundheitszustandes ausgerichtet sind und vorwiegend

die Durchführung medizinischer Leistungen erfordern.

Antrag auf medizinische

Rehamaßnahmen

!

Praxistipp

Der Patient muss die medizinische Rehamaßnahme beim zuständigen

Träger beantragen. Erforderlich sind eine ärztliche

Bescheinigung, Arztbericht(e) und möglichst ein vom Patienten

selbst verfasstes Schreiben. Der Leistungsumfang bei ambulanten,

teilstationären und stationären Rehamaßnahmen liegt im Ermessen

der Krankenkasse bzw. des Renten- oder Unfallversicherungsträgers

und wird aufgrund medizinischer Erfordernisse festgelegt.

Seit 1.4.2004 sind neue Rehabilitations-Richtlinien in Kraft. Der

behandelnde Arzt muss bei der Krankenkasse einen Antrag auf

„Einleitung zur Rehabilitation oder alternative Angebote“ stellen.

Kommt nach Ansicht der Krankenkasse eine Rehamaßnahme und

sie selbst als Kostenträger in Betracht, dann bekommt der Arzt die

„Verordnung von medizinischer Rehabilitation“ zugeschickt. Falls

der Antrag bei einem anderen Kostenträger gestellt werden muss

(z. B. Berufsgenossenschaft, Rentenversicherungsträger), wird dies

von der Krankenkasse mitgeteilt.

Bis zum 31.3.2006 (Übergangsfrist) dürfen noch alle Vertragsärzte

Leistungen zur medizinischen Rehabilitation verordnen, ab dann

nur noch dafür qualifizierte Ärzte.

Eigentlich genügt bei den Anträgen für Rehamaßnahmen die

Angabe der Indikationen nach der ICD 10 (Internationale

Klassifikation der Krankheiten). Es ist jedoch mittlerweile fast zur

Regel geworden, dass der Arzt die Notwendigkeit der medizinischen

Rehabilitation ausführlich begründet. Auf jeden Fall vermindert

es das Risiko einer Ablehnung beim Kostenträger,

wenn dem Antrag sofort eine ausführliche ärztliche Begründung

beigefügt wird. Es kann durchaus sein, dass der MDK über das

ärztliche Attest hinaus den Patienten zu einer Begutachtung

einlädt, um die Notwendigkeit der Rehamaßnahme zu prüfen.

22 Rehabilitation


Ambulante medizinische Rehamaßnahmen werden auf den

Urlaub angerechnet, außer wenn Arbeitsunfähigkeit bescheinigt

ist. Bei Arbeitsunfähigkeit besteht auch Anspruch auf Entgeltfortzahlung

durch den Arbeitgeber.

(Teil-)Stationäre medizinische Rehamaßnahmen dürfen nicht auf

den Urlaub angerechnet werden. Deshalb besteht auch Anspruch

auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber.

Urlaub

Zwischen zwei bezuschussten Rehamaßnahmen – egal ob ambulant,

teilstationär oder stationär – muss in der Regel eine Wartezeit

von 4 Jahren liegen.

Ausnahmen macht die Krankenkasse bei medizinisch dringender

Erforderlichkeit. Dies muss mit Arztberichten oder einem Gutachten

des behandelnden Arztes bei der Krankenkasse begründet

werden.

Der Rentenversicherungsträger genehmigt medizinische Rehamaßnahmen

vor Ablauf der 4-Jahres-Frist, z. B. bei onkologischen

Nachsorgeleistungen oder wenn vorzeitige Leistungen aus

gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich sind, weil

ansonsten mit einer weiteren Minderung der Leistungsfähigkeit

zu rechnen ist.

Wartezeit

Versicherte ab dem 18. Lebensjahr müssen bei den meisten

medizinischen Rehamaßnahmen Zuzahlungen leisten, welche je

nach Kostenträger unterschiedlich ausfallen.

Bei Reha-Leistungen der Unfallversicherung, Kinderheilbehandlungen

sowie bei Bezug von Übergangsgeld wird keine Zuzahlung

fällig.

Zuzahlung

Die Zuzahlung bei medizinischen Rehamaßnahmen der gesetzlichen

Krankenversicherung beträgt in der Regel 10,– € pro

Tag:

• Bei stationären Rehamaßnahmen ohne zeitliche Begrenzung.

• Bei einer ambulanten Rehamaßnahme, die länger als

42 Behandlungstage dauert oder bei einer stationären

Rehamaßnahme über 6 Wochen, muss für maximal 28 Tage

zugezahlt werden.

• Bei einer Anschlussheilbehandlung werden im selben

Kalenderjahr geleistete Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte

oder stationäre Rehamaßnahmen angerechnet,

so dass für längstens 28 Tage zugezahlt werden muss.

Die Befreiung von der Zuzahlung ist bei Überschreiten der

Belastungsgrenze möglich. Näheres dazu ist im Kapitel „Zuzahlungsbefreiung

bei Erreichen der Belastungsgrenze“ zu finden.

Rehabilitation 23


Die Zuzahlung bei medizinischen Rehamaßnahmen der

gesetzlichen Rentenversicherung beträgt bei stationären

Rehamaßnahmen in der Regel 10,– € pro Tag:

• Bei einer stationären Rehamaßnahme muss für längstens

42 Tage innerhalb eines Kalenderjahres zugezahlt werden.

• Bei einer Anschlussheilbehandlung muss für längstens

14 Tage zugezahlt werden.

• Bereits im selben Kalenderjahr geleistete Zuzahlungen für

stationäre Behandlung an den Rentenversicherungsträger

sowie für die Krankenhausbehandlung, die einer Anschlussheilbehandlung

vorausgegangen ist, werden angerechnet.

• Wenn der Versicherte mehrmals in einem Jahr stationär

behandelt wird, werden die Tage der Zuzahlung an die

Krankenkasse für Krankenhausbehandlung, ambulante und

stationäre Rehamaßnahmen sowie Anschlussheilbehandlung

angerechnet.

Ambulante und teilstationäre Rehamaßnahmen sind zuzahlungsfrei.

Zuzahlungsbefreiung

in der gesetzlichen

Rentenversicherung

Unter bestimmten Voraussetzungen liegt es im Ermessen der

Rentenversicherungsträger, den Versicherten vollständig oder

teilweise von der Zuzahlung zu befreien.

Vollständig befreit von der Zuzahlung sind Personen,

• deren monatliches Netto-Erwerbseinkommen maximal

980,- € beträgt oder

• die Hilfe zum Lebensunterhalt der Sozialhilfe beziehen,

unabhängig von Art und Höhe dieser Leistung.

Teilweise befreit von der Zuzahlung sind Personen,

• deren Einkommen bestimmte Grenzen nicht überschreitet und

• die ein Kind haben oder

• die pflegebedürftig sind, wenn ihr Ehegatte sie pflegt und

deshalb keine Erwerbstätigkeit ausüben kann oder

• deren Ehegatte pflegebedürftig ist.

Die Zuzahlung richtet sich dann nach folgender Tabelle:

Monatliches Nettoeinkommen Zuzahlung

bis 980,– € keine

ab 981,– € 8,– €

ab 1.020,– € 8,50 €

ab 1.080,– € 9,– €

ab 1.140,– € 9,50 €

ab 1.200,– € 10,– €

24 Rehabilitation


Antrag auf Zuzahlungsbefreiung

Wenn die Voraussetzungen vorliegen, kann die Befreiung von

der Zuzahlung beantragt werden. Dem Antrag sind eine Entgeltbescheinigung

des Arbeitgebers oder eine behördliche

Bescheinigung (Rentenbescheid) und ggf. weitere Hinzuverdienstbescheinigungen

beizufügen.

Die Anschlussheilbehandlung (AHB) ist eine im unmittelbaren

Anschluss an eine Krankenhausbehandlung oder eine ambulante

Operation erforderliche Weiterbehandlung in einer spezialisierten

Reha-Einrichtung. Eine Anschlussheilbehandlung muss in der

Regel innerhalb von 14 Tagen nach der Entlassung beginnen,

möglichst jedoch direkt im Anschluss an einen Krankenhaus-

Aufenthalt. Sie muss beim jeweiligen Sozialversicherungsträger

beantragt werden. Die Genehmigung einer Anschlussheilbehandlung

hängt von unterschiedlichen Indikationen ab,

deshalb muss die Diagnose in der AHB-Indikationsliste des

zuständigen Sozialversicherungsträgers enthalten sein.

Anschlussheilbehandlung

AHB-Indikationsgruppen sind:

• Krankheiten des Herzens und des Kreislaufs

• Krankheiten der Gefäße

• Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

• Degenerativ-rheumatische Erkrankungen und Zustand nach

Operationen und Unfallfolgen an den Bewegungsorganen

• Gastroenterologische Erkrankungen und Zustand nach

Operationen an den Verdauungsorganen

• Stoffwechselkrankheiten

• Krankheiten und Zustand nach Operationen an den

Atmungsorganen

• Krankheiten der Niere und Zustand nach Operationen an

Nieren, ableitenden Harnwegen und Prostata

• Neurologische Krankheiten und Zustand nach Operationen

an Gehirn, Rückenmark und peripheren Nerven

• Bösartige Geschwulstkrankheiten und maligne Systemerkrankungen

• Gynäkologische Krankheiten und Zustand nach Operationen

Ziel einer Anschlussheilbehandlung ist, verloren gegangene

Funktionen oder Fähigkeiten wiederzuerlangen oder auszugleichen

und den Patienten wieder an die Belastungen des

Alltags- und Berufslebens heranzuführen.

Ziel

Rehabilitation 25


Antrag

Die Anschlussheilbehandlung (AHB) muss von den behandelnden

Krankenhausärzten eingeleitet werden. Nach der Entlassung ist es

für niedergelassene Ärzte nur in Ausnahmefällen möglich, eine

Anschlussheilbehandlung zu begründen.

Eine Anschlussheilbehandlung muss unmittelbar (i. d. R. innerhalb

von 14 Tagen) nach Krankenhausentlassung angetreten werden.

Kostenträger

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Anschlussheilbehandlung,

wenn das Hauptziel der Anschlussheilbehandlung

die Wiedererlangung der Gesundheit ist.

Der Rentenversicherungsträger übernimmt die Kosten, wenn

das Hauptziel der Anschlussheilbehandlung die Wiederherstellung

der Arbeitsfähigkeit ist. Außerdem gelten die rentenrechtlichen

Voraussetzungen zur Rehabilitation.

Die Berufsgenossenschaft übernimmt die Kosten nach einem

Arbeitsunfall, Wegeunfall oder nach der Behandlung einer

Berufskrankheit.

In Einzelfällen tritt die Krankenhilfe des Sozialhilfeträgers ein.

Dauer

Die Kosten werden für eine Dauer von 3 bis 4 Wochen übernommen.

Eine Verlängerung ist möglich, wenn die behandelnden

Ärzte der Rehaklinik die Verlängerung medizinisch-therapeutisch

begründen.

Wahl der Reha-Einrichtung

Der Krankenhausarzt schlägt eine Reha-Einrichtung vor. Soll die

Maßnahme in einer bestimmten Einrichtung stattfinden, muss

der Arzt das ausdrücklich vermerken und möglichst auch

begründen. Dies ist allerdings nur in wenigen Fällen möglich.

!

Praxistipp

Das „Handbuch Reha- und Vorsorgeeinrichtungen“ enthält einen

Überblick über rund 1.400 Reha-Kliniken. Es erscheint jedes Jahr

im Verlag MMI und liegt bei Ärzten und Beratungsstellen aus. Die

Informationen stehen auch im Internet unter www.betanet.de >

Rehakliniken.

26 Rehabilitation


Ansprechpartner sind die Krankenkassen, Rentenversicherungsträger,

Berufsgenossenschaften und das Sozialämter.

?

Wer hilft weiter?

Die folgenden Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation

kommen bei schmerzkranken Patienten häufig zum Einsatz.

Ambulante, teilstationäre

und stationäre

Rehamaßnahmen

Eine ambulante Rehamaßnahme führt der Patient wohnortnah

durch. Er wohnt und isst dabei in der Regel zu Hause, nicht in der

Reha-Einrichtung. Eine ambulante Rehamaßnahme hat immer

Vorrang vor einer stationären.

Ambulante Rehamaßnahmen

Voraussetzungen für ambulante Rehamaßnahmen sind:

• Eine ambulante Krankenbehandlung reicht für den

angestrebten Rehaerfolg nicht aus.

• Die Rehamaßnahme ist aus medizinischen Gründen

erforderlich.

• Die ambulanten Rehamaßnahme wird in Einrichtungen mit

Versorgungsvertrag oder in wohnortnahen Einrichtungen

mit bedarfsgerechter, leistungsfähiger und wirtschaftlicher

Versorgung durchgeführt.

Voraussetzungen

Die ambulante Rehamaßnahme dauert längstens 20 Behandlungstage.

Eine Verlängerung ist aus medizinischen Gründen

möglich.

Dauer

Bei der teilstationären Rehamaßnahme kommt der Patient

morgens in die behandelnde Einrichtung und verlässt diese

abends wieder. Er nimmt die Mahlzeiten in der Einrichtung ein,

auch stehen Ruheräume zur Verfügung. Eine teilstationäre

Rehamaßnahme ist nur dann möglich, wenn es eine wohnortnahe

Einrichtung gibt, welche die Behandlung leisten kann.

Teilstationäre Rehamaßnahmen

Rehabilitation 27


Voraussetzungen

Dauer

Voraussetzungen für teilstationäre Rehamaßnahmen:

• Aus medizinischen Gründen reicht eine ambulante Rehamaßnahme

nicht aus, eine stationäre Rehamaßnahme ist

jedoch nicht unbedingt erforderlich.

• Die Durchführung einer teilstationären Rehamaßnahme

muss vom jeweiligen Medizinischen Dienst der Krankenversicherung

(MDK) oder des Rentenversicherungsträgers

genehmigt werden.

• Die teilstationäre Rehamaßnahme wird in einer wohnortnahen

Einrichtung mit bedarfsgerechter, leistungsfähiger

und wirtschaftlicher Versorgung durchgeführt.

Sie dauern längstens 3 Wochen.

Eine Verlängerung aus medizinischen Gründen ist möglich.

Stationäre Rehamaßnahmen

Voraussetzungen

Dauer

Bei stationären Rehamaßnahmen wohnt der Patient für die Zeit

der Rehamaßnahme in einer entsprechenden Einrichtung. Landläufig

wird die stationäre Rehabilitation auch als „Kur“ bezeichnet.

Voraussetzungen für stationäre Rehamaßnahmen:

• Eine ambulante oder teilstationäre Rehamaßnahme

reicht nicht aus.

• Die stationäre Aufnahme ist aus medizinischen Gründen

erforderlich.

• Die stationäre Rehamaßnahme wird in Einrichtungen mit

Versorgungsvertrag durchgeführt.

Sie dauern längstens 3 Wochen.

Eine Verlängerung aus medizinischen Gründen ist möglich.

Wahl der

Reha-Einrichtung

!

Praxistipp

Soll die Maßnahme in einer bestimmten Einrichtung stattfinden,

muss der Arzt das ausdrücklich vermerken und möglichst auch

begründen. Im Falle von Schmerzpatienten käme zum Beispiel

eine Rehaklinik in Frage, welche sich auf die Behandlung chronischer

Schmerzen spezialisiert hat. Auch der Patient kann die

Auswahl der Reha-Einrichtung beeinflussen, zum Beispiel aus

Erfahrungs- oder religiösen Gründen.

Der Kostenträger kann auf diesen Wunsch eingehen, ist aber nicht

dazu verpflichtet. Je plausibler die Begründung, desto größer die

Chance auf Zustimmung.

28 Rehabilitation


Bei chronischen Schmerzen richten sich Rehasport und

Funktionstraining oft auf die Grunderkrankung aus, denn eine

Verbesserung der Grunderkrankung kann auch die chronischen

Schmerzen reduzieren.

Rehasport und

Funktionstraining

Als Rehasport gelten zum Beispiel bewegungstherapeutische

Übungen. Sie dienen der Stärkung von Ausdauer, Koordination,

Flexibilität, Kraft und psychischer Leistungsfähigkeit. Hierzu

zählen unter anderem Gymnastik, Leichtathletik, Schwimmen,

Bewegungsspiele in Gruppen.

Rehasport

Funktionstraining wirkt besonders mit den Mitteln der Krankengymnastik

und der Ergotherapie gezielt auf körperliche

Strukturen (Muskeln, Gelenke etc.) und wird unter Anleitung und

Überwachung vor allem durch Krankengymnasten durchgeführt.

Funktionstraining ist immer organorientiert, es dient dem

Erhalt von Funktionen, der Beseitigung oder Verbesserung von

Funktionsstörungen sowie dem Hinauszögern von Funktionsverlusten

einzelner Organsysteme oder Körperteile. Es ist angezeigt

z. B. bei degenerativen und entzündlichen Veränderungen

der Bewegungsorgane wie Rheuma und Osteoporose. Als

Funktionstraining gelten z. B. auch Trocken- und Wassergymnastik.

Funktionstraining

Kostenträger sind die Rentenversicherungsträger, die Berufsgenossenschaften,

die Krankenkassen und die Agenturen für

Arbeit (ehemals Arbeitsämter).

Rehasport wird bei Bedarf als ergänzende Leistung zur Rehabilitation

ärztlich verordnet.

Die Verordnung ist von einem Arzt zu erstellen, der das Leiden

und dessen Folgen behandelt.

Kostenträger

Sie soll enthalten:

• Diagnose

• Gründe für die Notwendigkeit des Reha-Sports

• Dauer und Anzahl der wöchentlich notwendigen

Übungseinheiten

• Empfehlung zur Auswahl der geeigneten Sportart in

Gruppen unter ärztlicher Betreuung

Der Vordruck „Antrag auf Förderung von Rehabilitationssport/Funktionstraining“

ist bei Sportvereinen, Ärzten und den

zuständigen Leistungsträgern erhältlich.

Antrag

Rehabilitation 29


Zuständigkeit

Wenn während einer Leistung zur Reha die medizinische Notwendigkeit

einer Rehasport-Maßnahme festgestellt wird, vermerkt

der Arzt der Behandlungsstätte dies im so genannten

„Abschlussbericht“. Wenn der am Heimatort behandelnde Arzt

dieser Empfehlung zustimmt, kann der Patient Rehasport oder

Funktionstraining in Anspruch nehmen. Der Rehasport muss

innerhalb von 3 Monaten nach der Rehamaßnahme beginnen.

Kostenträger sind in der Regel die Rentenversicherungsträger.

Die Berufsgenossenschaften übernehmen Rehasport und

Funktionstraining im Anschluss an medizinische Maßnahmen,

vorausgesetzt, es liegt ein Unfallversicherungsfall vor (Arbeitsunfall,

Berufskrankheit).

Geht dem Rehasport oder Funktionstraining keine Leistung zur

Reha voraus, ist die Krankenkasse zuständig.

Bei Geringverdienenden oder nicht Versicherten kommt unter

Umständen das Sozialamt für die Kosten auf und orientiert sich

dabei an der Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

Dauer

Rehasport bzw. Funktionstraining dauert

• in der Rentenversicherung in der Regel 6 Monate,

bei medizinischer Erforderlichkeit längstens 12 Monate.

• in der Unfallversicherung in der Regel unbegrenzt.

• in der gesetzlichen Krankenversicherung bei bestimmten

Erkrankungen bis zu 36 Monate.

Danach kann der Arzt eine neue Verordnung ausstellen.

?

Wer hilft weiter?

Die Adressen von Reha-Sportgruppen in der Region sind bei den

Krankenkassen zu erfragen. Diese haben eine Übersicht über die

Sportvereine und -gruppen, mit denen sie vertraglich Kostenvereinbarungen

(regional unterschiedlich) getroffen haben.

Stufenweise

Wiedereingliederung

Statistisch gesehen verliert z. B. jeder fünfte Rückenschmerzpatient

in Europa seine Arbeitsstelle. Deshalb spielt besonders bei diesen

Patienten die berufliche Wiedereingliederung im Anschluss an

Akutbehandlung und medizinische Rehabilitation eine entscheidende

Rolle beim Erhalt des Arbeitsplatzes.

30 Rehabilitation


Ziel der stufenweisen Wiedereingliederung („Hamburger Modell“)

ist, arbeitsunfähige Arbeitnehmer nach längerer schwerer Krankheit

schrittweise an die volle Arbeitsbelastung heranzuführen und

so den Übergang zur vollen Berufstätigkeit zu erleichtern. Die

stufenweise Wiedereingliederung ist eine Maßnahme der

medizinischen Rehabilitation. Der Träger ist in den meisten

Fällen die Krankenkasse. Findet die stufenweise Wiedereingliederung

jedoch im unmittelbaren Anschluss an eine Leistung

zur medizinischen Rehabilitation statt, dann kann hierfür auch

die Agentur für Arbeit, die Berufsgenossenschaft oder der

Rentenversicherungsträger zuständig sein, je nachdem, wer die

medizinische Reha finanziert.

Voraussetzungen Krankenversicherung:

• Es besteht noch Anspruch auf Krankengeld bzw.

es liegt noch Arbeitsunfähigkeit vor für die Dauer der

Wiedereingliederungsmaßnahme.

• Der Versicherte ist mit der Maßnahme einverstanden.

• Der Arzt stellt einen Wiedereingliederungsplan auf.

• Der Arbeitgeber erklärt sich mit der Maßnahme

einverstanden.

• Der Versicherte wird am bisherigen Arbeitsplatz eingesetzt.

Voraussetzungen

Voraussetzungen bei anderen Kostenträgern:

• Arbeitsunfähigkeit

• ärztliche Feststellung, dass die bisherige Tätigkeit

wenigstens teilweise wieder verrichtet werden kann

• medizinische Rehamaßnahme, bei der festgestellt wurde,

dass eine stufenweise Wiedereingliederung notwendig ist

Der Arbeitnehmer ist während der Maßnahme weiterhin arbeitsunfähig.

Die Dauer der stufenweisen Wiedereingliederung ist

abhängig vom individuellen gesundheitlichen Zustand des

Arbeitnehmers. In der Regel dauert sie 6 Wochen bis 6 Monate.

Dauer

Grundsätzlich erhält der Versicherte während der stufenweisen

Wiedereingliederung weiterhin Krankengeld von der Krankenkasse

bzw. Übergangsgeld vom Rentenversicherungsträger, der

Berufsgenossenschaft oder der Agentur für Arbeit. Falls der

Arbeitgeber während der Maßnahme freiwillig Arbeitsentgelt

entrichtet, dann wird dies auf das Kranken- bzw. Übergangsgeld

angerechnet. Es besteht allerdings keine Vergütungsfortzahlungspflicht

des Arbeitgebers.

Entgelt durch die

Leistungsträger

Rehabilitation 31


!

Praxistipp

?

Wer hilft weiter?

Bei der stufenweisen Wiedereingliederung müssen in der

Vorgehensweise bestimmte Dinge beachtet werden:

• Der stufenweisen Wiedereingliederung dürfen keine

medizinischen Gründe entgegenstehen.

• Der Versicherte muss die stufenweise Wiedereingliederung

selbst wollen.

• Arzt und Patient erstellen gemeinsam einen „Wiedereingliederungsplan“

(Formular hat der Arzt vorliegen), aus

dem hervorgeht, mit welcher Tätigkeit und Stundenzahl der

Patient beginnt und in welchem Zeitraum Art und Umfang

der Tätigkeit gesteigert werden.

• Der Antrag wird dem Arbeitgeber vorgelegt – auch von ihm

hängt die stufenweise Wiedereingliederung ab: Er muss sein

Einverständnis mit der Maßnahme mit einer Unterschrift

bestätigen, ist dazu aber nicht verpflichtet.

• Es empfiehlt sich, eine Stellungnahme des Betriebsarztes

bzw. des MDK einzuholen.

• Der Antrag wird bei der Krankenkasse eingereicht.

Diese prüft, ob sie der Maßnahme zustimmt. Zum Teil

bezieht auch die Krankenkasse den MDK mit ein.

• Während der eingeschränkten Beschäftigung bleibt der

Versicherte weiterhin arbeitsunfähig geschrieben.

Ansprechpartner sind die Krankenkassen, die Agentur für Arbeit,

die Berufsgenossenschaften oder Rentenversicherungsträger, der

behandelnde Arzt sowie der Arbeitgeber.

Berufsfindung

und Arbeitserprobung

Berufsfindung und Arbeitserprobung dienen dazu, den geeigneten

Weg der beruflichen (Wieder-) Eingliederung zu finden. Sie zählen

zu den Leistungen der medizinischen Rehabilitation. In der Regel

geht es dabei um die Findung und Erprobung eines neuen beruflichen

Umfelds. Die Maßnahmen werden meist in Berufsförderungs-

und Berufsfindungswerken durchgeführt.

Die Berufsfindung

klärt das Leistungsvermögen, die Eignung und Neigung sowie die

Auswirkungen der Behinderung auf eine spätere berufliche

Tätigkeit des Versicherten.

32 Rehabilitation


Die Arbeitserprobung

soll nach weitgehender Klärung und Entscheidung für einen

Beruf noch bestehende Fragen zu bestimmten Ausbildungs- und

Arbeitsplatzanforderungen klären.

Beim Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen übernehmen

die Rentenversicherungsträger oder die Berufsgenossenschaft

die Kosten. Die Krankenkasse zahlt nachrangig.

Bei Geringverdienenden oder nicht Versicherten kommt unter

Umständen das Sozialamt für die Kosten auf.

Die Anmeldung erfolgt durch den Rehaträger in Abstimmung mit

den Fachdiensten der Agentur für Arbeit (ehemals Arbeitsamt).

Erforderliche Unterlagen:

• Eingliederungsplan, der vom Rehaträger zusammen mit der

Agentur für Arbeit vor Ort und dem Behinderten erstellt wird

• Eignungsgutachten des Fachpsychologen

• ärztliche Gutachten mit Befundunterlagen

• Kostenzusage des Rehaträgers

Der jeweils zuständige Sozialversicherungsträger: Berufsgenossenschaft,

Agentur für Arbeit, Rentenversicherungsträger,

Krankenkasse und das Sozialamt.

?

Wer hilft weiter?

Rehabilitation 33


Haushaltshilfe

Wenn für chronische Schmerzpatienten der Aufenthalt in

einem Krankenhaus oder einer Rehaklinik notwendig wird, stellt

sich bei Vorhandensein von Kindern oft die Frage, wer sich in

dieser Zeit um die Weiterführung des Haushaltes kümmert. Hier

kommt die so genannte Haushaltshilfe in Betracht.

Eine Haushaltshilfe ist eine fremde oder verwandte Person, die die

tägliche Arbeit im Haushalt erledigt. Sie übernimmt alle zur

Weiterführung des Haushalts notwendigen Arbeiten, z. B. Einkauf,

Kochen, Waschen oder Kinderbetreuung. Dies kann eine Leistung

der Krankenversicherung, der Unfallversicherung oder der

Rentenversicherung sein, bei Geringverdienenden oder nicht

Versicherten auch eine Leistung der Sozialhilfe, die sich dabei an

den Leistungen der Krankenversicherung orientiert.

Voraussetzungen

!

Praxistipp

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine

Haushaltshilfe, wenn

• die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist

wegen Krankenhausbehandlung, medizinischer Vorsorgeleistungen,

häuslicher Krankenpflege oder medizinischer

Rehabilitation und

• ein Kind im Haushalt lebt, das bei Beginn der Tätigkeit der

Haushaltshilfe das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat

oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist, z. B. für

Ernährung, Körperpflege, seelische Betreuung und

• keine im Haushalt lebende Person (auf Volljährigkeit kommt

es nicht an) den Haushalt weiterführen kann, z. B. wegen

Alters, schlechtem Gesundheitszustand, des Umfangs der

Haushaltsführung etc.

Wichtig ist hierbei, dass sich andere im Haushalt lebende

Personen (z. B. Ehepartner, Eltern, große Kinder) nicht wegen der

Weiterführung des Haushaltes von ihrer Berufstätigkeit oder

Ausbildung beurlauben lassen müssen, sondern ihre berufliche

oder schulische Rolle beibehalten können.

Individuell mit der Krankenkasse abklären, ob und in welchem

Umfang die Kostenübernahme für eine Haushaltshilfe in der

Satzung festgelegt ist.

Wurde der Antrag auf eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse

abgelehnt und leben Kinder im Haushalt, deren Versorgung

infolge Erkrankung der Mutter/des Vaters nicht gewährleistet ist,

kann beim Jugendamt ein Antrag auf ambulante Familienpflege

gestellt werden. Anspruch auf Haushaltshilfe besteht auch bei

Mitaufnahme der haushaltsführenden Person als Begleitperson

ins Krankenhaus.

34 Haushaltshilfe


Die Berufsgenossenschaft übernimmt die Kosten für eine

Haushaltshilfe, wenn

• der Versicherte aufgrund medizinischer Leistungen,

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben oder sonstiger

Leistungen (infolge Arbeitsunfall oder Berufskrankheit)

außerhalb des eigenen Haushalts untergebracht ist und

• deshalb die Weiterführung des Haushaltes nicht

möglich ist und

• keine andere im Haushalt lebende Person den Haushalt

weiterführen kann und

• im Haushalt ein Kind lebt, das bei Beginn der Tätigkeit der

Haushaltshilfe das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat

oder behindert und auf Hilfe angewiesen ist.

Berufsgenossenschaft

Der Rentenversicherungsträger übernimmt eine Haushaltshilfe

als ergänzende Leistung zur Rehabilitation, wenn

• der Versicherte wegen der Teilnahme an einer Rehabilitation

außerhalb des eigenen Haushalts untergebracht ist, wodurch

die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist, und

• keine andere im Haushalt lebende Person den Haushalt

weiterführen kann und

• ein Kind im Haushalt lebt, das bei Beginn der Tätigkeit der

Haushaltshilfe das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat

oder behindert und auf Hilfe angewiesen ist und

• der Versicherte den Haushalt bisher selbst geführt und

nicht etwa eine Hausangestellte beschäftigt hat.

• Außerdem sind die rentenversicherungsrechtlichen

Voraussetzungen zu erfüllen (Rehabilitation).

Wurde der Antrag auf eine Haushaltshilfe von der Rentenversicherung

abgelehnt und leben Kinder im Haushalt, deren

Versorgung infolge Erkrankung der Mutter/des Vaters nicht

gewährleistet ist, kann beim Jugendamt ein Antrag auf

ambulante Familienpflege gestellt werden.

Gesetzliche Rentenversicherung

!

Praxistipp

Vorrangig erbringen die Krankenkasse, die Berufsgenossenschaft

und die Rentenversicherungsträger eine Sachleistung, d. h., sie

stellen die Haushaltskraft.

Die Krankenkassen haben mit geeigneten Organisationen (z. B.

Trägern der freien Wohlfahrtspflege, ambulanten Pflegediensten

oder Sozialstationen) Verträge über die Erbringung von Haushaltshilfe

geschlossen. Haushaltshilfekräfte dieser Vertragsorganisationen

erbringen die Leistung und rechnen dann direkt

mit der Krankenkasse ab.

Sachleistungserbringung

Haushaltshilfe 35


Wenn die Sachleistungserbringung nicht möglich ist, werden die

Kosten für eine selbst beschaffte Haushaltshilfe in angemessener

Höhe, d. h. in Anlehnung an das tarifliche oder übliche Entgelt

einer Haushaltshilfe, von Krankenkasse oder Berufsgenossenschaft

übernommen. Dies muss unbedingt vorher mit dem

Leistungsträger abgesprochen und von diesem genehmigt sein.

Als „angemessen“ gilt ein täglicher Höchstbetrag (bei 8-stündiger

Tätigkeit) von etwa 2,5 % der monatlichen Bezugsgröße, d. h.

max. 61,- € täglich (maximal 7,65 € pro Stunde). Für eine

professionelle Haushaltshilfe ist dieser Satz höher.

Es gibt keine Kostenerstattung für Verwandte und Verschwägerte

bis zum zweiten Grad, d. h. Eltern, Kinder, Großeltern, Enkelkinder,

Geschwister, Stiefeltern, Stiefkinder, Stiefenkelkinder, Schwiegereltern,

Schwiegerkinder, Großeltern des Ehepartners, Schwager/

Schwägerin.

Fahrtkosten und

Verdienstausfall

Die Krankenkasse, die Unfallversicherung und die Rentenversicherungsträger

können die erforderlichen Fahrtkosten und

den Verdienstausfall für Verwandte und Verschwägerte bis zum

2. Grad erstatten.

Den Verdienstausfall muss der Arbeitgeber bestätigen. Ein entsprechendes

Formular gibt es bei den Krankenkassen bzw. der

Berufsgenossenschaft.

Ausnahmsweise können die Berufsgenossenschaft und die

Rentenversicherungsträger anstelle der Haushaltshilfe die Kosten

für die Mitnahme oder anderweitige Unterbringung der Kinder

bis zur Höhe der Haushaltshilfe-Kosten übernehmen, soweit

darunter der Rehaerfolg nicht leidet.

Zuzahlung

?

Wer hilft weiter?

Die Zuzahlung beträgt 10 % der Kosten pro Kalendertag, jedoch

mindestens 5,– € und höchstens 10,– €.

Antragsformulare auf eine Haushaltshilfe gibt es bei der

Krankenkasse, den Berufsgenossenschaften und den Rentenversicherungsträgern.

Sie beraten auch bei Detailfragen und

geben individuelle Auskünfte.

36 Haushaltshilfe


Pflege

Erkrankungen, die mit starkem Schmerz einhergehen, können je

nach Verlauf und Therapie möglicherweise auch zu einer vorübergehenden

oder dauerhaften Pflegebedürftigkeit führen.

Häusliche Krankenpflege bedeutet in der Regel, dass ein

Patient zu Hause von einer Fachkraft gepflegt wird. Die Krankenversicherung

und die Unfallversicherung stellen unter bestimmten

Voraussetzungen eine häusliche Krankenpflege oder

übernehmen die Kosten dafür. In Einzelfällen tritt die Krankenhilfe

des Sozialhilfeträgers für die Kosten ein.

Häusliche Krankenpflege

Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse:

• Die Pflege ist ärztlich verordnet zur Sicherung der ärztlichen

Behandlung.

• Keine im Haushalt lebende Person kann den Patienten im

erforderlichen Umfang pflegen und versorgen und

• Krankenhausbehandlung ist erforderlich, aber nicht

ausführbar (z. B. Bettenmangel, mangelnde Transportfähigkeit)

oder wird vermieden bzw. verkürzt oder

• es handelt sich um bloße Behandlungspflege, die zur

Sicherung der ärztlichen Behandlungsziele erforderlich ist

(z. B. falls der Arzt Injektionen in dem nötigen Umfang nicht

selbst vornehmen kann) – allerdings können Grundpflege

und hauswirtschaftliche Versorgung nur bis zum Eintritt von

Pflegebedürftigkeit verordnet werden.

Voraussetzungen

Krankenhausvermeidungspflege

Mögliche Dauer bis zu 4 Wochen je Krankheitsfall, in medizinisch

begründeten Fällen (Prüfung durch MDK) auch länger.

Dauer

Sicherungspflege

Die Dauer ist abhängig von den Satzungen der Krankenkassen

oder der Berufsgenossenschaft. Die Richtlinien des Bundesausschusses

der Ärzte und Krankenkassen sehen keine Befristung vor.

Pflege 37


Umfang

!

Praxistipp

Häusliche Pflege beinhaltet

• Grundpflege, das sind: pflegerische Leistungen nicht

medizinischer Art, wie z. B. Körperpflege, Ernährung, Mobilität

• Behandlungspflege, das sind: medizinische Hilfeleistungen,

wie z. B. Verabreichung von Medikamenten, Anlegen von

Verbänden, Injektionen, Messen der Körpertemperatur,

Spülungen und Einreibungen.

• hauswirtschaftliche Versorgung, wie z. B. Einkaufen, Kochen,

Putzen, Spülen, Waschen, Heizen

Voraussetzung für eine Kostenübernahme der häuslichen

Krankenpflege seitens der Krankenkasse ist, dass auf der

Verordnung des Arztes Behandlungspflege mitverordnet wird.

Grundpflege oder hauswirtschaftliche Versorgung ohne Notwendigkeit

von Behandlungspflege wird nicht übernommen.

Sachleistungserbringung

Vorrangig erbringen die Krankenkassen oder die Berufsgenossenschaften

eine Sachleistung, d. h., sie stellen die Pflegekraft.

Die Krankenkassen haben mit geeigneten Organisationen (z. B.

Trägern der freien Wohlfahrtspflege, ambulanten Pflegediensten

oder Sozialstationen) Verträge über die Erbringung von

Haushaltshilfe geschlossen. Haushaltshilfekräfte dieser Vertragsorganisationen

erbringen die Leistung und rechnen dann direkt

mit der Krankenkasse ab.

Wenn die Sachleistungserbringung nicht möglich ist, werden die

Kosten für selbstbeschaffte Pflegekräfte der Sozialstationen,

Krankenpflegevereine etc. von Krankenkasse oder Berufsgenossenschaft

übernommen. Dies muss unbedingt vorher mit dem

Leistungsträger abgesprochen und von diesem genehmigt sein.

Ausnahme

Ausnahmsweise erstatten die Krankenkassen und die Berufsgenossenschaften

die Kosten für eine selbst beschaffte Kraft

in angemessener Höhe (d. h. in Anlehnung an das tarifliche

oder übliche Entgelt einer Pflegekraft), falls:

• die Krankenkasse keine Kraft für die häusliche Krankenpflege

stellen kann, z. B. wenn die Kapazität der von der Krankenkasse

eingestellten Pflegekräfte erschöpft ist

• die selbst beschaffte Pflegekraft geringere Kosten verursacht

• die zu pflegende Person aus nachvollziehbaren Gründen nur

eine bestimmte selbst ausgewählte Kraft akzeptiert. Diese

Kraft muss geeignet sein, pflegerische Dienste zu erbringen,

was allerdings nicht notwendigerweise eine abgeschlossene

Ausbildung voraussetzt.

38 Pflege


Ansprechpartner sind die Krankenkassen und Berufsgenossenschaften.

?

Wer hilft weiter?

Damit die Pflegekasse Leistungen übernimmt, müssen zwei

Voraussetzungen erfüllt sein: Pflegebedürftigkeit und Vorversicherungszeit.

Pflegebedürftigkeit

und Pflegestufen

Im Unterschied zur häuslichen Krankenpflege muss die Pflegebedürftigkeit

für voraussichtlich 6 Monate bestehen.

Definition „Pflegebedürftigkeit“

Pflegebedürftig ist, wer wegen einer körperlichen, geistigen

oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen

und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im

Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für

mindestens 6 Monate, in erheblichem oder höherem Maße der

Hilfe bedarf. Die Schwere der Pflegebedürftigkeit wird in

Pflegestufen eingeteilt.

Krankheiten oder Behinderungen sind:

• Verluste, Lähmungen oder andere Funktionsstörungen am

Stütz- und Bewegungsapparat

• Funktionsstörungen der inneren Organe oder

der Sinnesorgane

• Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems, wie

Antriebs-, Gedächtnis- oder Orientierungsstörungen, sowie

endogene Psychosen, Neurosen oder geistige Behinderungen

Gewöhnliche und wiederkehrende Verrichtungen im Ablauf

des täglichen Lebens sind:

• Körperpflege

(z. B. Waschen, Baden, Zahnpflege, Kämmen, Rasieren, Darmoder

Blasenentleerung)

• Ernährung

(z. B. mundgerechte Zubereitung und Aufnahme der Nahrung)

• Mobilität

(z. B. Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen,

Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der

Wohnung)

• hauswirtschaftliche Versorgung

(z. B. Einkaufen, Kochen, Putzen, Spülen, Waschen, Heizen)

Pflege 39


Hilfe besteht in der

• Unterstützung bei diesen gewöhnlichen und wiederkehrenden

Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens.

• teilweisen oder vollständigen Übernahme dieser

Verrichtungen.

• Beaufsichtigung oder Anleitung bei diesen Verrichtungen.

Das bedeutet, dass z.B. die Beaufsichtigung eines Verwirrten,

der nur unter Anweisung seine Zähne putzen kann, zum

Hilfebedarf des Pflegebedürftigen zählt.

Antrag

Pflegeleistungen müssen bei der Pflegekasse beantragt werden.

Zwischen Antragstellung und Genehmigung können mitunter

mehrere Wochen vergehen. Falls in dieser Zeit bereits eine Pflegeperson

notwendig ist, muss diese selbst bezahlt werden.

Wird der Antrag genehmigt, übernimmt die Pflegekasse die

Kosten rückwirkend zum Tag der Antragstellung in Höhe der

genehmigten Leistungen. Diesbezüglich ist es wichtig, sämtliche

Belege vorweisen zu können.

Falls dazu kein Geld vorhanden ist:

Vorübergehend kann beim Sozialamt „Hilfe zur Pflege“ beantragt

werden. Liegen die Voraussetzungen vor, geht das Sozialamt in

Vorleistung und rechnet dann bei Bewilligung des Pflegeantrags

direkt mit der Krankenkasse ab.

Pflegetagebuch

Die Pflegekassen bieten ein Pflegetagebuch an, in das alle an der

Pflege beteiligten Personen ihre Pflegezeiten und Pflegetätigkeiten

eintragen. Es ist sinnvoll, dieses Pflegetagebuch

2 Wochen vor Erscheinen des MDK sorgfältig zu führen. Dabei

wird minutengenau festgehalten, wie viel Zeit die einzelnen

Tätigkeiten im Rahmen der Pflege und hauswirtschaftlichen

Versorgung einnehmen. So bekommt der Pflegende einen

Überblick über den gesamten Hilfebedarf und Zeitaufwand der

täglichen Pflege.

Das Pflegetagebuch ist in Spalten angelegt. Hinter jede

pflegende Tätigkeit kann der Zeitaufwand in Minuten und die Art

der Hilfe (Anleitung, Beaufsichtigung, Unterstützung, teilweise

oder volle Übernahme) eingetragen werden.

Als pflegende Tätigkeiten sind aufgelistet:

• Körperpflege: Waschen, Duschen, Baden, Rasieren, Kämmen,

Mund- und Zahnpflege, Blasenentleerung, Darmentleerung,

Intimpflege, Wechseln von Inkontinenzartikeln

40 Pflege


• Mobilität: Aufstehen vom Bett, Aufstehen vom Rollstuhl,

Zubettbringen, Ankleiden, Auskleiden, Gehen/Bewegen im

Haus, Stehen, Treppensteigen, Begleiten zum Arzt

• Ernährung: Mundgerechte Zerkleinerung der Nahrung,

Füttern

• hauswirtschaftliche Versorgung: Einkaufen, Kochen,

Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln der Wäsche,

Waschen, Bügeln, Beheizen der Wohnung

Bei der Begutachtung sollte das ausgefüllte Pflegetagebuch

zusammen mit allen medizinischen Unterlagen dem MDK vorgelegt

werden. Dieser sieht dann nicht nur eine „Momentaufnahme“,

sondern den ständigen Hilfebedarf, was die gerechte

Beurteilung vereinfacht.

Die Pflegekasse beauftragt den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung

(MDK) mit der Prüfung der Pflegebedürftigkeit. Die

Pflegebedürftigkeit bestimmt die Pflegestufe, die dann von der

Pflegekasse festgelegt wird.

Der MDK nimmt beim Pflegebedürftigen einen Begutachtungstermin

wahr. Er erfasst dabei die Aufwendungen für Verrichtungen

der Pflege im konkreten Fall des Pflegebedürftigen,

legt in einem Gutachten fest, welche Aufwendungen erforderlich

sind, und stellt einen Pflegeplan auf.

Die Pflegekasse stuft den Pflegebedürftigen nach Erhalt des

Gutachtens in eine Pflegestufe ein. Der Bescheid über Pflegegeld

bzw. Pflegesachleistungen geht dem Antragsteller zu.

Prüfung der Pflegebedürftigkeit

Die Begutachtungsrichtlinien für die Pflegebedürftigkeit sind für

das gesamte Bundesgebiet einheitlich und für alle Pflegekassen

und MDKs verbindlich. Diese Richtlinien können beim Dienst der

Spitzenverbände der Krankenkassen unter Telefon 0201 83270

bestellt werden.

!

Praxistipp

Die Pflegestufe ergibt sich aus der Schwere der Pflegebedürftigkeit

und bedingt die Höhe der Leistungen der Pflegekasse.

Pflegestufen der

Pflegeversicherung

Pflege 41


Pflegestufe I –

erheblich Pflegebedürftige

Bei Pflegestufe I besteht Hilfebedarf einmal täglich für

wenigstens zwei Verrichtungen aus den Bereichen Körperpflege,

Ernährung oder Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche

bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Der Zeitaufwand eines Familienangehörigen oder einer anderen

nicht als Pflegekraft ausgebildeten Pflegeperson beträgt für die

Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung wöchentlich

im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten. Davon müssen auf

die Grundpflege mindestens 46 Minuten entfallen.

Leistungen €

Monatliches Pflegegeld Pflegeversicherung 205,–

Monatliche Pflegesachleistungen 384,–

Bei teilstationärer Tages- oder Nachtpflege monatlich 384,–

Stationäre Kurzzeitpflege (längstens 4 Wochen/Jahr) 1.432,–

Vollstationäre Pflege monatlich 1.023,–

Ersatzpflege, Verhinderungspflege durch Fachkräfte

und nicht verwandte Laienhelfer 1.432,–

Ersatzpflege, Verhinderungspflege durch verwandte

Laienhelfer 205,–

Pflegestufe II –

Schwerpflegebedürftige

Bei Pflegestufe II besteht Hilfebedarf mindestens dreimal täglich

zu verschiedenen Tageszeiten für Verrichtungen aus den

Bereichen Körperpflege, Ernährung oder Mobilität und zusätzlich

mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Der Zeitaufwand eines Familienangehörigen oder einer anderen

nicht als Pflegekraft ausgebildeten Pflegeperson beträgt für die

Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung wöchentlich

im Tagesdurchschnitt mindestens 3 Stunden. Davon müssen auf

die Grundpflege mindestens 2 Stunden entfallen.

Leistungen €

Monatliches Pflegegeld der Pflegeversicherung 410,–

Monatliche Pflegesachleistungen 921,–

Bei teilstationärer Tages- oder Nachtpflege monatlich 921,–

Stationäre Kurzzeitpflege (längstens 4 Wochen/Jahr) 1.432,–

Vollstationäre Pflege monatlich 1.279,–

Ersatzpflege, Verhinderungspflege durch Fachkräfte

und nicht verwandte Laienhelfer 1.432,–

Ersatzpflege, Verhinderungspflege durch verwandte

Laienhelfer 410,–

42 Pflege


Bei Pflegestufe III besteht Hilfebedarf täglich rund um die Uhr,

auch nachts, bei der Körperpflege, der Ernährung oder der

Mobilität und zusätzlich mehrfach in der Woche bei der hauswirtschaftlichen

Versorgung.

Pflegestufe III –

Schwerstpflegebedürftige

Der Zeitaufwand eines Familienangehörigen oder einer anderen

nicht als Pflegekraft ausgebildeten Pflegeperson für die

Grundpflege und die hauswirtschaftliche Versorgung beträgt

wöchentlich im Tagesdurchschnitt mindestens 5 Stunden. Davon

müssen auf die Grundpflege mindestens 4 Stunden entfallen.

Leistungen €

Monatliches Pflegegeld der Pflegeversicherung 665,–

Monatliche Pflegesachleistungen 1.432,–

Monatliche Pflegesachleistungen im Härtefall 1.918,–

Bei teilstationärer Tages- oder Nachtpflege monatlich 1.432,–

Stationäre Kurzzeitpflege (längstens 4 Wochen/Jahr) 1.432,–

Vollstationäre Pflege monatlich 1.432,–

Vollstationäre Pflege monatlich im Härtefall 1.688,–

Ersatzpflege, Verhinderungspflege durch Fachkräfte

und nicht verwandte Laienhelfer 1.432,–

Ersatzpflege, Verhinderungspflege durch verwandte

Laienhelfer 665,–

Eine Höherstufung der Pflegestufe ist immer dann möglich, wenn

sich der Pflegeaufwand erhöht. Dazu ist ein Antrag bei der

Pflegekasse zu stellen und ein erneutes Feststellungsverfahren

über den MDK nötig, das auch als Wiederholungsgutachten

bezeichnet wird.

Als Wiederholungsgutachten gilt auch die Begutachtung im Auf–

trag der Pflegekasse, wenn diese den Hinweis erhält, dass die

häusliche Pflege nicht mehr in ausreichender Weise gewährleistet

ist.

Höherstufung

Pflege 43

Besteht Pflegebedarf unterhalb der Pflegestufe I, kann der MdK

in die inoffizielle „Pflegestufe 0" einstufen. Unter bestimmten

Umständen, die sich auf die gesundheitliche und finanzielle

Situation des Antragstellers beziehen, kann es finanzielle Hilfen

vom Sozialamt geben.

!

Praxistipp

43


Pflegehilfsmittel

Pflegehilfsmittel und technische Hilfen gehören im Rahmen der

Pflegeversicherung zur häuslichen Pflege. Sie können in der Regel

neben den anderen Leistungen der häuslichen Pflege gewährt

werden. Auch Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des

Wohnumfeldes zählen hierzu.

Prinzipiell müssen die Vorversicherungszeit erfüllt und die Pflegebedürftigkeit

festgestellt werden.

Pflegehilfsmittel sind Hilfsmittel

• zur Erleichterung der Pflege – Produktgruppe 50;

dazu zählen: Pflegebetten und Zubehör, Pflegebett-Tische,

Pflegeliegestühle.

• zur Körperpflege/Hygiene – Produktgruppe 51;

dazu zählen: Waschsysteme, Duschwagen, Bettpfannen,

Urinflaschen.

• zur selbstständigen Lebensführung – Produktgruppe 52;

dazu zählen: Hausnotrufsysteme.

• zur Linderung von Beschwerden – Produktgruppe 53;

dazu zählen: Lagerungsrollen und -halbrollen.

• die zum Verbrauch bestimmt sind – Produktgruppe 54;

dazu zählen: saugende Bettschutzeinlagen zum einmaligen

Gebrauch, Schutzbekleidung, Desinfektionsmittel.

Für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel übernehmen die

Pflegekassen die Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 31,- €

monatlich. Die Pflegehilfsmittel müssen als Sachleistung über

einen zugelassenen Leistungserbringer (gegenwärtig sind dies

Sanitätshäuser) bezogen werden. Adressen dieser Vertragspartner

erhält man von der Pflegekasse.

Die Pflegehilfsmittel der Produktgruppen 50 bis 53 sind so

genannte technische Hilfen, die von der Pflegekasse in erster Linie

leihweise überlassen werden.

Die Pflegekassen können die Bewilligung technischer Hilfsmittel

davon abhängig machen, dass sich die Pflegebedürftigen die

Hilfsmittel anpassen oder sich in deren Gebrauch ausbilden

lassen.

Nicht zu den Pflegehilfsmitteln gehören Mittel des täglichen

Lebensbedarfs, die allgemeine Verwendung finden und üblicherweise

von mehreren Personen benutzt werden oder in einem

Haushalt vorhanden sind.

Ein so genanntes Pflegehilfsmittelverzeichnis gibt Auskunft

darüber, welche Pflegehilfsmittel bzw. technische Hilfen vergütet

bzw. leihweise überlassen werden können.

44 Pflege


Es ist erhältlich:

• bei den Pflegekassen

• z. T. in Sanitätshäusern

• beim BV Medizintechnologie (siehe Adressteil)

Der Umfang der Versorgung mit Pflegehilfsmitteln umfasst:

• die Erstausstattung

• die erforderlichen Änderungen, z. B. aufgrund technischer

Entwicklung

• die erforderlichen Instandsetzungen, soweit technisch möglich

und wirtschaftlich sinnvoll

• die erforderliche Ersatzbeschaffung, soweit die Beschädigung

der Erstausstattung durch den Pflegebedürftigen nicht vorsätzlich

oder grob fahrlässig herbeigeführt wurde

Umfang der Versorgung

Die Pflegekasse zahlt Pflegehilfsmittel nachrangig gegenüber

anderen Hilfsmitteln, die bei Krankheit und Behinderung von den

Krankenkassen, den Berufsgenossenschaften oder den Rentenversicherungsträgern

bezahlt werden.

Das heißt: War beispielsweise bislang die Krankenkasse für

einzelne Hilfsmittel zuständig, bleibt sie dies auch weiterhin,

unabhängig davon, ob zur krankheitsbedingten Behinderung

auch Pflegebedürftigkeit im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes

hinzukommt.

Versicherte ab dem 18. Geburtstag müssen für technische

Hilfen folgende Zuzahlung leisten:

• 10 % der Kosten des Hilfsmittels

• maximal 25,- € je Hilfsmittel

Zuzahlungen

Die Kosten der zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel übernehmen

die Pflegekassen bis zu einem Höchstbetrag

von 31,- € monatlich, ohne Selbstbeteiligung des Pflegebedürftigen.

Die Kosten werden nur als Sachleistung von

Vertragspartnern der jeweiligen Krankenkasse erbracht.

Bei leihweiser Überlassung von technischen Pflegehilfsmitteln

entfällt die Zuzahlung, es kann jedoch eine Leihgebühr anfallen.

Befreit von der Zuzahlung können Personen werden, die die

Belastungsgrenze überschreiten (siehe Zuzahlungen der Krankenversicherung).

Quittungen über Zuzahlungen zu Pflegehilfsmitteln

sollten auf jeden Fall aufbewahrt werden, denn

diese Ausgaben werden bei der Ermittlung einer möglichen

Zuzahlungsbefreiung berücksichtigt.

Pflege 45


Kostenübernahme

Der Antrag für die Kostenübernahme eines Pflegehilfsmittels

kann ohne ärztliche Verordnung bei der Pflegekasse gestellt

werden.

Praktische Hinweise für

Angehörige zur Pflege

von Menschen mit

chronischen Schmerzen

Spezielle Pflegehilfsmittel (siehe Abschnitt Pflegehilfsmittel) wie

Matratzen und Lagerungssysteme können erheblich zur Schmerzlinderung

des Patienten beitragen.

Bestimmte Lagerungstechniken, die bei Kursen für pflegende

Angehörige erlernt werden können, verbessern das Wohlbefinden

des Patienten.

Angehörige können pflegebedürftigen Schmerzpatienten mit

leichten Massagen am Rumpf, an den Händen oder den Füßen

Erleichterung verschaffen. Massagen wirken auf den Patienten

entspannend und wohltuend, außerdem fördern sie die Durchblutung.

Der Patient sollte befragt werden, in welchen Körperbereichen

und in welcher Stärke er die Massage als angenehm

empfindet. Oft sind das Körperstellen, die am weitesten von den

schmerzenden Bereichen entfernt sind. Durch die angenehme

Berührung z.B. am Fuß wird der Patient von Schmerzen am

Rücken abgelenkt, seine Muskeln können sich entspannen und er

fühlt sich wohl.

Jede Beschäftigung mit dem Patienten, die ihm Ablenkung von

Eintönigkeit und Schmerzen verschafft, wirkt sich positiv auf

seine Lebenszufriedenheit aus. Beispielsweise kann man mit dem

Patienten Bilder oder Fotos anschauen und sich über deren

Inhalte oder entstehende Erinnerungen austauschen. Die Bilder

können zusätzlich mit doppelseitigem Klebeband an der Decke

über dem Patienten befestigt und regelmäßig ausgetauscht

werden, damit auch der liegende Patient Anregung hat und nicht

nur auf eine weiße Decke schaut. Auch Tücher in der

Lieblingsfarbe des Patienten können eine Alternative zur eintönigen

Zimmerdecke sein.

Palliative Pflege

Bei der Pflege von Menschen, welche sich aufgrund einer nicht

heilbaren, weit vorgeschrittenen Krankheit in der letzten

Lebensphase befinden, steht die Linderung der Schmerzen im

Vordergrund.

Durch Vorlesen oder Singen können Angehörige dem Patienten

vielleicht eine Freude machen. Dem Patienten kann auch durch

bewusst ausgewählte Musik oder Fernsehsendungen Ablenkung

von Schmerzen ermöglicht werden, denn Langeweile und monotoner

Lebensrhythmus können das Schmerzempfinden verstärken.

Eine Dauerbeschallung des Patienten durch Fernseher und Radio

sollte jedoch vermieden werden, da dies den Patienten nicht

anregt, sondern abstumpfend auf ihn wirkt.

46 Pflege


Die Angst vor starken Schmerzen des Kranken ist oft der Grund

dafür, dass Angehörige Bedenken haben, einen Sterbenden

zu Hause zu pflegen. Bei einer adäquaten Schmerztherapie in

Verbindung mit guter Aufklärung und Anleitung des Pflegenden

lässt sich ein Teil dieser Sorge mit Sicherheit nehmen.

Bei Patienten, die sich verbal nicht mehr äußern können, ist die

Schmerzeinschätzung durch den pflegenden Angehörigen ein

wichtiger Aspekt der Schmerztherapie.

Die Betreuungspersonen sollten vom behandelnden Arzt

angeleitet werden, auf folgende Anzeichen des Patienten zu

achten:

• Mimik – entspannt oder verzerrt?

• Schlaf – ruhig, unruhig oder gar nicht?

• Schonhaltungen (unnatürliche Körperhaltung zur

Vermeidung oder Verminderung von Schmerzen) – ständig

oder gelegentlich?

• Schutz von schmerzhaften Körperstellen – Abwehren von

Berührungen?

Die Beobachtungen des Pflegenden unterstützen den Arzt bei der

Auswahl der richtigen Schmerztherapie.

Oft wünschen sich Angehörige professionelle Unterstützung bei

der Pflege und Betreuung des Sterbenden. Hospizdienste bieten

praktische Hilfe, z.B. durch Nachtwachen, Sterbebegleitung sowie

Trauerarbeit mit den Zurückbleibenden (Hospizdienste siehe

Adressteil).

?

Wer hilft weiter?

Pflege 47


Schwerbehinderung

Schwere chronische Schmerzen bei Erwachsenen oder Kindern

können dazu führen, dass ein Patient als schwerbehindert eingestuft

wird. Unterstützung und Hilfen für behinderte Menschen

sind hauptsächlich im SGB IX – Rehabilitation und Teilhabe –

geregelt. Als schwerbehindert gilt, wem vom Versorgungsamt ein

Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 zugesprochen

wurde. In der Regel haben chronische Schmerzpatienten Anspruch

auf einen Schwerbehindertenausweis.

Definition „schwerbehindert“

Als schwerbehindert nach dem SGB IX (§ 2 Abs. 2 SGB IX)

gelten Personen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von

mindestens 50. Leistungen nach dem SGB IX erhalten sie nur,

wenn sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder

ihre Beschäftigung in Deutschland haben.

Als behindert nach dem SGB IX (§ 2 Abs. 1 SGB IX) gelten

Personen, deren körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder

seelische Gesundheit zu einer Beeinträchtigung führen, die

für einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten von dem für das

Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher ihre

Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt. Sie sind

von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu

erwarten ist.

Schwerbehinderte erhalten auf Antrag beim Versorgungsamt

einen Schwerbehindertenausweis. Dieser kann je nach Art der

Behinderung Merkzeichen enthalten, wodurch der Schwerbehinderte

Vergünstigungen in Anspruch nehmen kann.

Kündigungsschutz

Die Kündigung eines Schwerbehinderten bedarf in der Regel der

vorherigen Zustimmung des Integrationsamts. Die Kündigungsfrist

beträgt mindestens 4 Wochen.

Zusatzurlaub

?

Wer hilft weiter?

Schwerbehinderte haben Anspruch auf zusätzlich 5 bezahlte

Urlaubstage im Jahr. Bei mehr oder weniger als 5 Arbeitstagen

in der Woche erhöht bzw. vermindert sich der Zusatzurlaub entsprechend.

Arbeitsrechtliche Auskünfte (Kündigungsschutz, Zusatzurlaub)

erteilt das örtliche Integrationsamt.

48 Schwerbehinderung


Unter bestimmten Voraussetzungen kann von der Agentur

für Arbeit auf Antrag die Gleichstellung erteilt werden.

Personen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von weniger als

50, aber mindestens 30, erhalten die Gleichstellung, wenn sie

dadurch einen geeigneten Arbeitsplatz erlangen oder behalten

können. Gleichgestellte genießen wie Schwerbehinderte einen

besonderen Kündigungsschutz. Sie haben jedoch im Gegensatz zu

Schwerbehinderten keinen Anspruch auf Zusatzurlaub oder auf

vorgezogenes Altersruhegeld nach Vollendung des 60. Lebensjahres.

Gleichstellung

Der Antrag auf Gleichstellung muss unmittelbar bei der Agentur

für Arbeit gestellt werden, unter Vorlage des Feststellungsbescheids

des Versorgungsamts und eines Schreibens des Arbeitgebers,

der den Antragsteller als Schwerbehinderten einstellen

bzw. weiterbeschäftigen würde. Die Gleichstellung wird mit dem

Tag der Antragsstellung wirksam. Sie kann befristet werden.

Informationen zum SGB IX und zu „Jobs für schwerbehinderte

Menschen“ gibt die Agentur für Arbeit und das Integrationsamt.

!

Praxistipp

?

Wer hilft weiter?

Der Schwerbehindertenausweis belegt Art und Schwere der

Behinderung und muss vorgelegt werden, wenn Vergünstigungen

für Behinderte beantragt oder in Anspruch genommen werden.

Schwerbehindertenausweis

Die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises erfolgt auf

Antrag des Schwerbehinderten. Antragsformulare sind beim

Versorgungsamt erhältlich.

Schwerbehinderung 49


!

Praxistipp Folgende

Punkte sind beim Beantragen des Ausweises zu

beachten:

• Nicht nur die Grunderkrankung, sondern auch alle

zusätzlichen Beeinträchtigungen, z. B. Sehfehler, sowie

Begleiterscheinungen, angeben.

• Kliniken und Ärzte anführen, die am besten über die

angeführten Gesundheitsstörungen informiert sind. Dabei

unbedingt die dem Antrag beiliegenden Schweigepflichtsentbindungen

und Einverständniserklärungen ausfüllen,

damit das Versorgungsamt bei den angegebenen Stellen

die entsprechenden Auskünfte einholen kann.

• Antragstellung mit dem behandelnden Arzt absprechen.

Der Arzt sollte in den Befundberichten die einzelnen

Auswirkungen sowohl der Grunderkrankung als auch

der chronischen Schmerzen (z. B. die Höhe der körperlichen

Belastbarkeit) detailliert darstellen. Diese Kriterien, nicht

allein die Diagnose, entscheiden über den Grad der

Behinderung.

• Der Patient sollte sich etwa eine Woche lang selbst beobachten

und beobachten lassen und alles aufschreiben, was körperlich

beeinträchtigt, was Schmerzen verursacht, womit er sich

und/oder andere gefährdet oder wo er mehr Zeit benötigt

oder mehr Aufwand betreiben muss, als gesunde Menschen.

Außerdem sollte der Patient dem Antrag ein Schreiben

beifügen, in dem er alle aus der Erkrankung entstehenden

Nachteile gegenüber einem gesunden Menschen im gleichen

Alter auflistet. Die Nachteile sollten sich auf die Bereiche

Mobilität, Haushaltsführung, Freizeit und Beruf beziehen.

Auch krankheitsbedingte Umstände, welche den Patienten

finanziell belasten, sollten erläutert werden. Eine Kopie dieses

Schreibens sollte auch dem behandelnden Arzt gegeben

werden, damit dieser sich bei Nachfragen des Amtes darauf

beziehen kann.

• Bereits vorhandene ärztliche Unterlagen gleich bei Antragstellung

mit einreichen, z. B. Krankenhausentlassungsbericht,

Kurbericht, alle die Behinderung betreffenden Befunde in

Kopie.

• Lichtbild beilegen (erst ab Vollendung des 10. Lebensjahres

notwendig).

• Wenn der Behinderte niemals in der Lage ist, das Haus

zu verlassen, ist es auf Antrag möglich, einen Schwerbehindertenausweis

ohne Foto zu bekommen.

• Nach der Feststellung des Grades der Behinderung (GdB)

bekommt der Behinderte vom Versorgungsamt einen so

genannten Feststellungsbescheid. Ab einem GdB von 50

besteht die Möglichkeit, einen Schwerbehindertenausweis

zu erhalten.

50 Schwerbehinderung


Der Ausweis wird in der Regel für längstens 5 Jahre ausgestellt.

Gültigkeitsdauer

Ausnahme:

Bei einer voraussichtlich lebenslangen Behinderung kann der

Ausweis unbefristet ausgestellt werden.

Verlängerung:

Die Gültigkeit kann auf Antrag höchstens zweimal verlängert

werden. Danach muss ein neuer Ausweis beantragt werden.

Bei Schwerbehinderten unter 10 Jahren ist der Ausweis bis zur

Vollendung des 10. Lebensjahres befristet. Danach werden die

Voraussetzungen der Schwerbehinderung neu überprüft.

Bei Schwerbehinderten zwischen 10 und 15 Jahren ist der Ausweis

bis zur Vollendung des 20. Lebensjahres befristet. Danach

werden die Voraussetzungen der Schwerbehinderung neu überprüft.

Verschlechtert sich der Gesundheitszustand eines Menschen mit

Schwerbehindertenausweis oder kommt eine weitere dauerhafte

Einschränkung durch eine neue Erkrankung dazu, dann sollte

beim Versorgungsamt ein Antrag auf Erhöhung des GdB gestellt

werden. Der Vordruck für den Antrag wird auf Anfrage vom

Versorgungsamt zugeschickt und es wird geprüft, ob ein neuer

Schwerbehindertenausweis mit eventuell neuen Merkzeichen

ausgestellt wird.

Antrag auf Erhöhung

Es gibt folgende Merkzeichen:

Merkzeichen „G“: Erhebliche Beeinträchtigung der

Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr

sowie erhebliche Geh- und/oder

Stehbehinderung

Merkzeichen „aG“: Außergewöhnliche Gehbehinderung

Merkzeichen „H“: Hilflos

Merkzeichen „Bl“: Blind oder hochgradig sehbehindert

Merkzeichen „RF“: Rundfunk- und Fernsehgebührenbefreiung

Merkzeichen „B“: Ständige Begleitung bei Benutzung

öffentlicher Verkehrsmittel notwendig

Merkzeichen „Gl“: Gehörlos und an Taubheit grenzende

Schwerhörigkeit mit schwerer Sprachstörung

Schwerbehinderung 51


Grad der Behinderung

bei Krankheiten mit

chronischen Schmerzen

Der GdB wird durch das Versorgungsamt (= Amt für Familienförderung

und Versorgung) festgestellt, soweit er nicht bereits

anderweitig festgestellt wurde, z. B. durch Rentenbescheid oder

durch eine Verwaltungs- oder Gerichtsentscheidung.

Anhaltspunkte für die ärztliche Gutachtertätigkeit

Das Versorgungsamt richtet sich bei der Feststellung der

Behinderung, des Grades der Behinderung (GdB) und der

Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises nach den

„Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen

Entschädigungsrecht“.

Diese Anhaltspunkte enthalten allgemeine Beurteilungsregeln

und Einzelangaben darüber, wie hoch der Grad der Behinderung

bei welcher Behinderung festzusetzen ist.

Die Anhaltspunkte gelten bundesweit und sollen für eine

möglichst einheitliche Praxis sorgen. Vom Bundesministerium für

Arbeit und Sozialordnung wurden sie zuletzt 1996 neu gefasst

und zwischenzeitlich mehrfach geändert.

Der GdB bei chronischen Schmerzen wird meist an der zugrunde

liegenden Krankheit sowie an der durch die Schmerzen vorliegende

Funktionseinschränkung bemessen. Die in der GdB/MdE-

Tabelle (MdE – Minderung der Erwerbsfähigkeit) angegebenen

Werte schließen die üblicherweise vorhandenen Schmerzen mit

ein und berücksichtigen auch erfahrungsgemäß besonders

schmerzhafte Zustände. In den Fällen, in denen nach dem Sitz

und dem Ausmaß der pathologischen Veränderungen eine über

das übliche Maß hinausgehende und spezielle ärztliche

Behandlung erfordernde Schmerzhaftigkeit anzunehmen ist,

können höhere Werte angenommen werden. Dies gilt insbesondere

bei Kausalgien und bei stark ausgeprägten Stumpfbeschwerden

nach Amputationen (Stumpfnervenschmerzen,

Phantomschmerzen). Ein Phantomgefühl allein bedingt keine

zusätzliche GdB/MdE-Bewertung.

Beispiele für die Begutachtung von chronisch schmerzhaften

Erkrankungen:

Gesichtsneuralgien (z. B. Trigeminusneuralgie)

0-10 leicht (seltene, leichte Schmerzen)

20-40 mittelgradig (häufigere, leichte bis mittelgradige

Schmerzen, schon durch geringe Reize auslösbar)

50-60 schwer (häufige, mehrmals im Monat auftretende

starke Schmerzen bzw. Schmerzattacken)

70-80 besonders schwer (starker Dauerschmerz oder

Schmerzattacken mehrmals wöchentlich)

52 Schwerbehinderung


Gefäßerkrankungen:

arterielle Verschlusskrankheiten, Arterienverschlüsse an

den Beinen (auch nach rekanalisierenden Maßnahmen)…

0- 10 … mit ausreichender Restdurchblutung, Pulsausfall

ohne Beschwerden oder mit geringen Beschwerden

(Missempfindungen in Wade und Fuß bei raschem

Gehen) ein- oder beidseitig

… mit eingeschränkter Restdurchblutung

(Claudicatio intermittens Stadium II):

20 schmerzfreie Gehstrecke in der Ebene über 500 m

ein- oder beidseitig

30- 40 schmerzfreie Gehstrecke in der Ebene 100–500 m

ein- oder beidseitig

50- 60 schmerzfreie Gehstrecke in der Ebene unter 50 m

ohne Ruheschmerz ein- oder beidseitig

… Gehstrecke unter 50 m mit Ruheschmerz

(Stadium III) einschließlich trophischer Störungen

(Stadium IV)

80 einseitig

90-100 beidseitig

Erläuterung zu folgender Übersicht:

KMD bedeutet Knochenmineraldichte, immer gemessen an der

Wirbelsäule oder am Schenkelhals. SD bedeutet Standardabweichung

Osteoporose

10 KMD zwischen -1 und -2,5 SD unterhalb des

Normwertes junger Erwachsener (der maximalen

Knochenmasse) und Osteoporose mit KMD unter

-2,5 SD ohne Frakturen

20–30 KMD unter -2,5 SD mit Nachweis von 1 bis 2 Wirbelfrakturen

mit leichten statischen Veränderungen

(Zunahme der Kyphose der BWS oder des thorakolumbalen

Überganges, verminderte Beweglichkeit

und Belastbarkeit der Wirbelsäule),

leichte Abnahme der Körpergröße (2 bis 4 cm),

deutliche Schmerzen, besonders bei Belastung oder

Zustand nach Hüftendoprothese nach

Schenkelhalsfraktur mit guter Funktion

Schwerbehinderung 53


35–50 KMD unter -2,5 SD mit mehr als 2 Wirbelfrakturen,

deutlichen statischen Veränderungen der Wirbelsäule

(deutlich vermehrte Kyphose der BWS, Steilstellung

oder Hyperlordose der LWS, beginnende Hyperlordose

der HWS)

ständige Schmerzen auch bei geringen Belastungen,

weitere Abnahme der Beweglichkeit, wobei ein

deutlicher Bewegungsschmerz besteht,

Abnahme der Körpergröße über 5 cm oder Zustand

nach Schenkelhalsfraktur mit deutlichen Bewegungseinschränkungen

bzw. nach Hüftendoprothese mit

Komplikationen (Lockerung, Bewegungseinschränkung,

Infektion)

über 50 KMD unter -2,5 SD mit zahlreichen, immer wieder

neu auftretenden Wirbelfrakturen,

schweren statischen Veränderungen,

Abnahme der Körpergröße über 8 cm,

stark herabgesetzte Belastbarkeit und Beweglichkeit

der Wirbelsäule,

chronisches Schmerzsyndrom,

Hilfe bei Aktivitäten des täglichen Lebens notwendig

(teilweise bei Körperreinigung, An- und Auskleiden,

Haushaltsführung, Einkaufen),

Einschränkung der Gehfähigkeit (weniger als 100 m)

oder Vorliegen einer Schenkelhals-Pseudoarthrose

mit deutlicher Herabsetzung der Belastbarkeit des

betroffenen Hüftgelenks

Auch bei Osteoporose ist der GdB/MdE-Grad vor allem von der

Funktionsbeeinträchtigung und den Schmerzen abhängig. Eine

ausschließlich messtechnisch nachgewiesene Minderung des

Knochenmineralgehalts rechtfertigt noch nicht die Annahme

eines GdB/MdE-Grades. Außergewöhnliche Schmerzen sind ggf.

zusätzlich zu berücksichtigen.

Nachteilsausgleiche

Die Nachteilsausgleiche sind abhängig von den Merkzeichen und

dem Grad der Behinderung (GdB).

Merkzeichenabhängige

Nachteilsausgleiche

Merkzeichenabhängige Nachteilsausgleiche

aG – außergewöhnlich gehbehindert

• unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr

• Kraftfahrzeugsteuerbefreiung

54 Schwerbehinderung


• Anerkennung der Kfz-Kosten für behinderungsbedingte

Privatfahrten als außergewöhnliche Belastung:

bis zu 15.000 km x 0,30 € = 4.500,- €

• kostenloser Fahrdienst in vielen Gemeinden und Landkreisen

mit unterschiedlichen kommunalen Regelungen

• Parkerleichterungen, Parkplatzreservierung

B – Notwendigkeit ständiger Begleitung

• unentgeltliche Beförderung der Begleitperson im

öffentlichen Nah- und Fernverkehr, ausgenommen bei

Fahrten in Sonderzügen und Sonderwagen

• unentgeltliche Beförderung der Begleitperson bei innerdeutschen

Flügen der Lufthansa und der Regionalverkehrsgesellschaften,

Details regeln die Tarife der Fluggesellschaften

• unentgeltliche Beförderung von Begleitpersonen blinder

Menschen im internationalen Eisenbahnverkehr

(Internat. Personen- und Gepäcktarif (TCV))

BI – blind

• unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr

• Kraftfahrzeugsteuerbefreiung

• Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht

• Sozialtarif beim Telefon: Vergünstigung von 8,72 € netto

monatl. (siehe „RF“)

• Pauschbetrag als außergewöhnliche Belastung bei der

Einkommenssteuererklärung: 3.700,– €

• Parkerleichterungen, Parkplatzreservierung

• Gewährung von Blindengeld (Landesblindengeldgesetze)

• in vielen Gemeinden Befreiung von der Hundesteuer

G – erheblich gehbehindert

• unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr

oder Kraftfahrzeugsteuerermäßigung

• Abzugsbetrag für behinderungsbedingte Privatfahrten

bei einem GdB ab 70 und dem Merkzeichen „G“: bis zu

3.000 km x 0,30 € = 900,- €

• Mehrbedarfserhöhung bei der Sozialhilfe: 17 %

Schwerbehinderung 55


GI – gehörlos

• unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr

oder Kraftfahrzeugsteuerermäßigung

• Sozialtarif beim Telefon bei einem GdB von 90: Ermäßigung

bei den Verbindungsentgelten bis zu 8,72 € netto monatlich

im Rahmen des ISDN-Sozialtarifs und für Verbindungen im

T-Net durch die Deutsche Telekom, wenn diese dauerhaft als

Verbindungsnetzbetreiber voreingestellt ist

• Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht

H – hilflos

• unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr

• Kraftfahrzeugsteuerbefreiung

• Pauschbetrag als außergewöhnliche Belastung bei der

Einkommenssteuer: 3.700,– €

• in vielen Gemeinden Befreiung von der Hundesteuer

RF – Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht

• Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht

• Sozialtarif beim Telefon: Ermäßigung bei den Verbindungsentgelten

bis zu 6,94 € netto monatlich im Rahmen des

ISDN-Sozialtarifs und für Verbindungen im T-Net durch die

Deutsche Telekom, wenn diese dauerhaft als Verbindungsnetzbetreiber

voreingestellt ist

• bei zusätzlicher Blindheit, Gehörlosigkeit oder Sprachbehinderung

mit einem GdB von mind. 90

(Sprachbehinderung allein GdB von 30):

Vergünstigung von 8,72 € netto monatlich

GdB-abhängige

Nachteilsausgleiche

GdB-abhängige Nachteilsausgleiche

Nachteilsausgleiche, die bei einem niedrigen GdB angeführt sind,

gelten auch für alle höheren GdB.

GdB 20

• Teilnahme am Behindertensport

56 Schwerbehinderung


GdB 30 / 40

• Gleichstellung

• Kündigungsschutz bei Gleichstellung

• Steuerfreibetrag (nur bei zusätzlicher Beeinträchtigung):

GdB 30: 310,– €; GdB 40: 430,– €

• 3 Tage Zusatzurlaub für Arbeiter eines Landes im

öffentlichen Dienst

• Grundsteuerermäßigung bei Rentenkapitalisierung nach

dem BVG

GdB 50

• Schwerbehinderteneigenschaft

• Steuerfreibetrag: 570,– €

• bevorzugte Einstellung, Beschäftigung

• Kündigungsschutz

• begleitende Hilfe im Arbeitsleben

• Freistellung von Mehrarbeit

• eine Arbeitswoche Zusatzurlaub

• Schutz bei Wohnungskündigung

• Altersrente mit 60/63 Jahren, je nach Geburtsjahrgang

• vorgezogene Pensionierung von Beamten mit 60

• Befreiung von der Wehrpflicht

• bes. Fürsorge im öffentlichen Dienst

• Stundenermäßigung bei Lehrern: 2 Stunden/Woche

• Pflichtversicherung in der gesetzlichen Kranken- und

Rentenversicherung für Behinderte in Werkstätten

• Beitragsermäßigung bei Automobilclubs, z. B. ADAC, DTC

• Ermäßigung des Flugpreises für BVG-/SVG-Beschädigte

(Passagetarife der Lufthansa)

• Kfz-Finanzierungshilfen für Berufstätige

• Abzugsbetrag bei Beschäftigung einer Haushaltshilfe: 924,– €

• Abzug eines Freibetrages bei der Einkommensermittlung im

Rahmen der soz. Wohnraumförderung bei Pflegebedürftigkeit

nach § 14 SGB XI: 2.100,– €

• Freibetrag beim Wohngeld:

GdB 50 + Pflegebedürftigkeit i. S. d. § 14 SGB XI: 1.200,– € ⇔

• Ermäßigung bei Kurtaxen

Schwerbehinderung 57


GdB 60

• Steuerfreibetrag: 720,– €

• Abzug eines Freibetrags bei der Einkommensermittlung im

Rahmen der soz. Wohnraumförderung bei Pflegebedürftigkeit

nach § 14 SGB XI: 2.100,– €

• Stundenermäßigung bei Lehrern: 3 Stunden/Woche

GdB 70

• Steuerfreibetrag: 890,– €

• Werbungskostenpauschale: 0,30 €/km

• Abzugsbetrag für Privatfahrten:

GdB 70 + Mz „G“: bis zu 3.000 km x 0,30 € = 900,– €

GdB 80

• Steuerfreibetrag 1.060,– €

• Freibetrag beim Wohngeld:

GdB 80 + Pflegebedürftigkeit i. S. d. GB XI: 1.500,– € ⇔

• Abzug eines Freibetrages bei der Einkommensermittlung im

Rahmen der sozialen Wohnraumförderung: 4.500,– €

• Preisnachlass von verschiedenen Mobilfunkbetreibern

GdB 90

• Steuerfreibetrag 1.230,– €

• Freibetrag beim Wohngeld: GdB 90 + Pflegebedürftigkeit

i. S. d. § 14 SGB XI: 1.500,– €

• Sozialtarif beim Telefon: Sprachbehinderung + GdB 90:

Ermäßigung bei den Verbindungsentgelten bis zu 8,72 €

netto monatl. im Rahmen des ISDN-Sozialtarifs und für

Verbindungen im T-Net durch die Telekom, wenn diese

dauerhaft als Verbindungsnetzbetreiber voreingestellt ist

• Stundenermäßigung bei Lehrern: 4 Std./Woche

GdB 100

• Steuerfreibetrag 1.420,– € (§ 33b EStG)

• Freibetrag beim Wohngeld: 1.500,– €

• Abzug eines Freibetrages bei der Einkommensermittlung

im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung bei

Pflegebedürftigkeit nach § 14 SGB XI: 4.500,– €

• Freibetrag bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer in

bestimmten Fällen

• vorzeitige Verfügung über Bausparkassen- bzw. Sparbeträge

58 Schwerbehinderung


Schwerbehinderten wird – teilweise auf freiwilliger Grundlage

– eine Reihe von weiteren Nachteilsausgleichen zugestanden,

z. B.:

• Eintrittspreisermäßigungen

(z. B. Filme, Theater, Sportveranstaltungen, Museen)

• Benutzung der Abteile und Sitze, die Schwerbehinderten in

Verkehrsmitteln vorbehalten sind

• bevorzugte Abfertigung in Ämtern

• Beitragsermäßigungen für Mitglieder von Vereinen,

Interessenverbänden etc.

Weitere Nachteilsausgleiche

Als „Erleichterung im Personenverkehr“ bekommen Schwerbehinderte

einen Parkausweis und/ oder einen Sonderparkplatz.

Parkerleichterung

Schwerbehinderte mit Merkzeichen „aG“ oder „Bl“ erfüllen die

Voraussetzung für den blauen Parkausweis.

Beim blauen Parkausweis handelt es sich um eine Ausnahme–

genehmigung, die bei der örtlich zuständigen Straßenverkehrs–

behörde beantragt werden muss. Der Parkausweis ist gut sichtbar

hinter der Windschutzscheibe anzubringen.

Blauer Parkausweis

Er berechtigt dazu

• im eingeschränkten Halteverbot, im Zonenhalteverbot und

auf Anwohnerparkplätzen bis zu 3 Stunden zu parken.

• im Zonenhalteverbot oder an Stellen, an denen Parkzeitbegrenzungen

bestehen, die zugelassene Parkdauer zu überschreiten.

• in Fußgängerzonen während der Ladezeit zu parken,

• in verkehrsberuhigten Bereichen auch außerhalb der gekennzeichneten

Flächen zu parken, sofern der durchgehende

Verkehr nicht behindert wird,

• an Parkuhren und Parkscheinautomaten ohne Gebühr und

zeitlich unbegrenzt zu parken.

Einige Bundesländer räumen die oben genannten Parkerleichterungen

auch Schwerbehinderten ein, die nicht das

Merkzeichen „aG“ im Schwerbehindertenausweis haben (z. B. für

Osteoporose-Patienten).

Es lohnt sich, bei der jeweiligen Stadt-, Gemeinde- oder Kreisverwaltung

oder Verkehrsbehörde nach regionalen Parkerleichterungen

zu fragen, da diese nicht bundesweit einheitlich

festgelegt sind.

Schwerbehinderung 59


Folgende Auflistung ist nicht vollständig, sondern soll der

Orientierung dienen.

Schleswig-Holstein

• Schwerbehinderte mit dem Merkzeichen „G“, sofern die

Voraussetzungen für die Zuerkennung des Merkzeichens „aG“

nur knapp verfehlt wurden (GdB von mindestens 70 und

maximaler Aktionsradius ca. 100 m)

• Gehbehinderte und in ihrer Mobilität beeinträchtigte

Personen mit noch nicht abgeschlossenen Feststellungsverfahren

der Versorgungsbehörden, sofern sie sich nur in

einem maximalen Aktionsradius von ca. 100 m bewegen

können

• Personen, die aufgrund eines Unfalls, einer Operation oder

einer Krankheit vorübergehend, aber dennoch für einen

längeren Zeitraum in ihrer Mobilität erheblich eingeschränkt

sind (maximaler Aktionsradius 100 m).

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit einem

hierfür festgestellten Grad der Behinderung von wenigstens

60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma (künstlicher

Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und einem hierfür

festgestellten Grad der Behinderung von 70.

Berlin und Brandenburg

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge

Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder der

Lendenwirbelsäule und die Merkzeichen „G“ und „B“ festgestellt

sind.

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und die Merkzeichen

„G“ und „B“ festgestellt sind.

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von

wenigstens 60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma

(künstlicher Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von 70

(nur Berlin).

Mecklenburg-Vorpommern

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge

Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder der

Lendenwirbelsäule und die Merkzeichen „G“ und „B“

festgestellt sind.

60 Schwerbehinderung


• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und das Merkzeichen

„G“ festgestellt sind.

• gehbehinderte und in ihrer Mobilität beeinträchtigte Personen

mit noch nicht abgeschlossenen Feststellungsverfahren der

Versorgungsbehörde, sofern sie sich nur in einem maximalen

Aktionsradius von ca. 50 m bewegen können.

• Personen, die aufgrund eines Unfalls, einer Operation oder

einer Krankheit vorübergehend, aber dennoch für einen

längeren Zeitraum in ihrer Mobilität erheblich eingeschränkt

sind (maximaler Aktionsradius ca. 50 m).

Sachsen-Anhalt

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge

Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder der

Lendenwirbelsäule und die Merkzeichen „G“ und „B“ festgestellt

sind.

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und das Merkzeichen

„G“ festgestellt sind.

• Personen, die vor oder nach schweren Operationen stehen,

oder die sich in oder nach medizinischer Behandlungen

befinden und eine vorübergehende, weniger als sechs Monate

dauernde außergewöhnliche Gehbehinderung haben.

• Personen, die aufgrund ihrer Behinderung zum Ein- und

Aussteigen auf das vollständige Öffnen der Türen und somit

auf Parkmöglichkeiten von besonderer Breite angewiesen sind.

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit einem

hierfür festgestellten Grad der Behinderung von wenigstens

60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma (künstlicher

Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und einem hierfür

festgestellten Grad der Behinderung von 70.

Sachsen

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge Funktionsstörungen

der unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule

und die Merkzeichen „G“ und „B“ festgestellt sind.

Schwerbehinderung 61


• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und das Merkzeichen

„G“ festgestellt sind.

• Personen, die vor oder nach schweren Operationen stehen,

oder die sich in oder nach medizinischer Behandlungen

befinden und eine vorübergehende, weniger als sechs Monate

dauernde außergewöhnliche Gehbehinderung haben.

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von

wenigstens 60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma

(künstlicher Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von 70.

Hessen

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge

Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder

der Lendenwirbelsäule und die Merkzeichen „G“ und „B“

festgestellt sind.

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und das Merkzeichen

„G“ festgestellt sind.

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von

wenigstens 60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma

(künstlicher Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von 70.

Nordrhein-Westfalen

• Schwerbehinderte mit dem Merkzeichen „G“, sofern die

Voraussetzungen für die Zuerkennung des Merkzeichens „aG“

nur knapp verfehlt wurden (GdB von mindestens 70 und

maximaler Aktionsradius ca. 100 m).

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von

wenigstens 60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma

(künstlicher Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von 70.

62 Schwerbehinderung


Rheinland-Pfalz

• Schwerbehinderte mit dem Merkzeichen „G“, sofern die

Voraussetzungen für die Zuerkennung des Merkzeichens „aG“

nur knapp verfehlt wurden (GdB von mindestens 70 und

maximaler Aktionsradius ca. 100 m).

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von

wenigstens 60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma

(künstlicher Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von 70 .

Baden-Württemberg

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge

Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder

der Lendenwirbelsäule und die Merkzeichen „G“ und „B“

festgestellt sind.

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und die Merkzeichen

„G“ und „B“ festgestellt sind.

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von

wenigstens 60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma

(künstlicher Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und

einem hierfür festgestellten Grad der Behinderung von 70.

Bayern

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge

Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder

der Lendenwirbelsäule und die Merkzeichen „G“ und „B“

festgestellt sind.

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und die Merkzeichen

„G“ und „B“ festgestellt sind.

Thüringen

• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein Grad der

Behinderung (GdB) von wenigstens 80 allein infolge

Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder

der Lendenwirbelsäule und die Merkzeichen „G“ und „B“

festgestellt sind.

Schwerbehinderung 63


• Schwerbehinderte Personen, bei denen ein GdB von

wenigstens 70 allein infolge der Funktionsstörungen der

unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule und

gleichzeitig ein GdB von wenigstens 50 infolge Funktionsstörungen

des Herzens oder der Lunge und das Merkzeichen

„G“ festgestellt sind.

• Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa mit einem

hierfür festgestellten Grad der Behinderung von wenigstens

60 oder Stomaträger mit doppeltem Stoma (künstlicher

Darmausgang und künstlicher Harnleiter) und einem hierfür

festgestellten Grad der Behinderung von 70 .

In Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Sachsen, Sachsen-

Anhalt und Thüringen entspricht der Umfang der Parkerleichterungen

den Parkerleichterungen, die Personen mit dem

Merkzeichen „aG“, einschließlich der Benutzung des Schwerbehindertenparkplatzes,

eingeräumt wird.

In den übrigen Bundesländern ist die Benutzung der Schwerbehindertenparkplätze

ausgeschlossen.

!

Praxistipp

Zur Beantragung: Passfoto, Schwerbehindertenausweis und den

letzten Bescheid des Versorgungsamtes mitbringen. Ein blauer

Parkausweis kann auch beantragt werden, wenn der berechtigte

Schwerbehinderte nicht selbst in der Lage ist, das Fahrzeug zu

führen.

EU-Ausweis

Seit Anfang 2002 gibt es einen einheitlichen EU-Parkausweis für

Schwerbehinderte, der in allen EU-Ländern gilt. Zum Ausweis

gehört eine Broschüre, die über die jeweiligen Parksonderrechte

aufklärt. Im Ausland muss dann der Text in der Landessprache

aufgeklappt und sichtbar neben den Ausweis gelegt werden.

Sonderparkplatz

Für Schwerbehinderte mit Merkzeichen „aG“ können bestehende

Parkmöglichkeiten oder Einzelparkplätze in unmittelbarer Nähe

der Wohnung reserviert werden.

Voraussetzungen

Voraussetzungen hierfür sind:

• Es ist kein genügender Parkraum vorhanden.

• Der Behinderte hat keine Garage oder keinen Abstellplatz in

zumutbarer Entfernung zu seiner Wohnung.

64 Schwerbehinderung


Der Sonderparkplatz für Schwerbinderte mit Merkzeichen „aG”

ist bei der örtlich zuständigen Straßenverkehrsbehörde zu beantragen

und wird entsprechend beschildert. Die Behörde erteilt

auch weitere Auskünfte.

Die örtlich zuständige Straßenverkehrsbehörde.

!

Praxistipp

?

Wer hilft weiter?

Schwerbehinderung 65


Rente wegen Krankheit

Schmerzpatienten, die bei Ablauf des Krankengeldes noch nicht

wieder arbeitsfähig sind, und dies voraussichtlich innerhalb von

6 Monaten auch nicht werden, können eine „Rente wegen

Krankheit“, die so genannte abgestufte Erwerbsminderungsrente,

beantragen.

Es gibt zwei Arten der abgestuften Erwerbsminderungsrente:

die volle Erwerbsminderungsrente und die teilweise Erwerbsminderungsrente.

• Voll erwerbsunfähig ist, wer aus gesundheitlichen Gründen

auf nicht absehbare Zeit außerstande ist, eine berufliche

Tätigkeit von mindestens 3 Stunden täglich unter den

üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes

auszuüben.

• Teilweise erwerbsunfähig ist, wer aus gesundheitlichen

Gründen auf nicht absehbare Zeit eine berufliche Tätigkeit

von mindestens 3, aber weniger als 6 Stunden täglich unter

den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes

ausüben kann.

Diese Renten ersetzen seit 1.1.2001 die „Rente wegen Berufsunfähigkeit“

und die „Rente wegen Erwerbsunfähigkeit“. Sie

werden in allen Fällen nur auf Antrag gezahlt. Anspruch auf die

abgestufte Erwerbsminderungsrente besteht bis zur Vollendung

des 65. Lebensjahres.

Für vor dem 2.1.1961 Geborene gelten weiterhin

• die Regelung der Berufsunfähigkeitsrente, d. h. der bisherige

Beruf kann nur noch weniger als 6 Stunden täglich ausgeübt

werden, und

• der so genannte „Berufsschutz“, d. h. der erreichte berufliche

Status ist so weit wie möglich zu erhalten, was bei der

Erwerbsminderungsrente nicht der Fall ist, da hier von

„den üblichen Bedingungen des Arbeitsmarktes“

ausgegangen und geprüft wird, ob der Patient auch in

einem anderen Berufszweig einsetzbar ist.

Voraussetzungen

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein:

• Erfüllung der Wartezeit (= Mindestversicherungszeit)

von 5 Jahren und

• in den letzten 5 Jahren vor Eintritt der Erwerbsunfähigkeit

3 Jahre Pflichtbeiträge

66 Rente wegen Krankheit


Die Wartezeit gilt z. B. als erfüllt, wenn die Minderung der

Erwerbsfähigkeit aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer

Schädigung während des Wehr- oder Zivildienstes eingetreten ist.

Die Erwerbsminderungsrente ist in der Regel befristet.

Sie wird seit 2001 nur noch auf Zeit für längstens 3 Jahre gewährt.

Danach kann sie wiederholt werden. Unbefristet wird die Rente

nur gewährt, wenn keine Verbesserung der Erwerbsminderung

mehr absehbar ist.

Befristung

Bei Notwendigkeit der Weiterführung der Rente ist ein neuer

bzw. ein Verlängerungsantrag nötig. Im Antrag sind die

Einschränkungen des Versicherten durch den Arzt möglichst

genau zu beschreiben bzw. die Angaben aus dem Erstantrag zu

bestätigen, falls keine Verbesserung eingetreten ist.

Der Versicherte kann dabei mithelfen, indem er sich selbst genau

beobachtet bzw. sich von seiner Umgebung beobachten lässt,

um festzustellen, worin er im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen

behindert/eingeschränkt ist. Die meisten Ärzte schätzen es sehr,

wenn der Patient diese Aufzeichnungen mit zur Sprechstunde

bringt.

!

Praxistipp

Auch selbständig Erwerbstätige können eine volle Erwerbsminderungsrente

beanspruchen, wenn sie nach dem Ergebnis der

medizinischen Untersuchungen nicht mehr in der Lage sind,

3 Stunden täglich zu arbeiten. Die weitere Ausübung der selbstständigen

Erwerbstätigkeit auf Kosten der Gesundheit ist

rentenunschädlich. Das erzielte Einkommen ist dabei allerdings

auf die Rente wegen Erwerbsminderung anzurechnen und kann

den Rentenzahlbetrag mindern.

Selbständigkeit

Die volle Erwerbsminderungsrente wird nur dann ungekürzt ausgezahlt,

wenn der Hinzuverdienst monatlich 345,- € nicht übersteigt.

Bei höherem Hinzuverdienst kann die Rente nur noch in

geringerer Höhe oder überhaupt nicht mehr ausgezahlt werden.

Hinzuverdienst

Rente wegen Krankheit 67


!

Praxistipp

?

Wer hilft weiter?

Antrag:

Dem Rentenantrag sind zweckmäßige ärztliche Unterlagen (z. B.

Befundbericht des Hausarztes) sowie alle Versicherungsnachweise

beizufügen, damit er möglichst schnell bearbeitet werden kann.

Auskünfte und Beratungsstellen vor Ort vermitteln die Rentenversicherungsträger,

welche auch individuelle Rentenberechnungen

vornehmen.

68 Rente wegen Krankheit


Sexualität und Kinderwunsch

bei Opioidanwendung

Nur in seltenen Fällen wirken sich Opioide auf die Sexualität aus,

so kann z. B. die Libido herabgesetzt sein. Schon vorhandene

Probleme, z. B. Impotenz, können dadurch eventuell verstärkt

werden. Meist aber macht die Anwendung von Opioiden intimes

Zusammensein und erfüllende Berührung erst wieder möglich,

weil nicht mehr der Schmerz, sondern der Genuss im Vordergrund

stehen kann. Bei partnerschaftlichen oder sexuellen Problemen

können sich Betroffene z. B. an die deutschlandweit vertretenen

Beratungsstellen von Pro Familia wenden.

Sofern die Grunderkrankung es zulässt, dürfen Frauen, die

auf Opioide angewiesen sind, auch schwanger werden. Wichtig

ist, bei Patientinnen mit Kinderwunsch den Hormonstatus

zu kontrollieren und bei Bedarf entsprechend hormonell zu

substituieren. Das Kind einer mit Opioiden behandelten Frau

entwickelt während der Schwangerschaft eine körperliche

Abhängigkeit von den angewandten Schmerzmedikamenten, von

denen es nach der Geburt schrittweise entwöhnt werden muss.

Laut Experten stellt die Entwöhnung des Säuglings ein geringeres

Problem dar, als die Schwangerschaft unter großen Schmerzen

auszutragen.

Sexualität und Kinderwunsch bei Opioidanwendung 69


Autofahren und Führerschein

Viele Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen sind auf

das Auto angewiesen, da sie aufgrund ihrer Schmerzen oft nicht

in der Lage sind, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, längere

Strecken zu gehen oder Einkäufe zu tragen. Unter welchen

Umständen Schmerzpatienten selbst Auto fahren dürfen, soll in

diesem Kapitel beantwortet werden.

Führerschein und

schwere Krankheit

Auch nach einer Krankheit (z. B. Krebs) oder trotz einer Einschränkung

(Rheuma, Osteoporose) wollen viele Menschen

weiterhin selbstständig und mobil sein und deshalb Auto fahren.

Doch wer sich infolge körperlicher oder geistiger Mängel nicht

sicher im Verkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen,

wenn er selbst Vorsorge getroffen hat, dass er andere

nicht gefährdet (§ 2 Abs. 1 Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV)).

Die Internetseite www.fahrerlaubnisrecht.de/Anlage%20FeV/

Anlage04FeV.htm verzeichnet häufig vorkommende Erkrankungen

und Mängel, die die Eignung zur Führung von

Kraftfahrzeugen längere Zeit beeinträchtigen oder aufheben

können. Neben den einzelnen Erkrankungen sind mögliche

Beschränkungen oder Auflagen aufgeführt.

Ist ein Patient fahruntauglich und steuert dennoch ein

Kraftfahrzeug, macht er sich strafbar und muss für mögliche

Schäden selbst aufkommen. Bei einem Unfall muss er mit strafrechtlichen

und versicherungsrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Bei Führerscheininhabern, die auf Schmerzmittel angewiesen

sind, ist der behandelnde Arzt verpflichtet, den Patienten auf

mögliche Einschränkungen und Gefahren hinzuweisen. Der Arzt

sollte dem Patienten schriftlich bestätigen lassen, dass er auf die

Gefahr hingewiesen wurde, andernfalls könnten Ärzte für die

Kosten möglicher Unfälle haftbar gemacht werden.

Erstantrag auf Führerschein

Der Antrag auf Erteilung einer Fahrerlaubnis ist bei der

Führerscheinstelle im Landratsamt oder bei der Stadtverwaltung

zu stellen. Die Antragstellung kann auch über die Fahrschule vorgenommen

werden. Bei diesem Antrag ist anzugeben, ob eine

körperliche oder geistige Einschränkung vorliegt. Dies sollte der

Antragssteller wahrheitsgemäß angeben. Die Führerscheinstelle

entscheidet dann, ob und welche Gutachten beizubringen sind

und wer diese erstellen kann.

70 Autofahren und Führerschein


Laut Straßenverkehrsordnung ist das Autofahren bei Schmerzmitteleinnahme

erlaubt, sofern die Medikamente zur Behandlung

einer Krankheit notwendig und vom Arzt verordnet sind. Der

behandelnde Arzt sollte die Fahrtauglichkeit des Patienten beurteilen,

dokumentieren und dem Patienten entsprechende

Hinweise geben.

Bei nachgewiesener Intoxikation und anderen Wirkungen von

Arzneimitteln, die die Leistungsfähigkeit zum Führen eines

Kraftfahrzeugs beeinträchtigen, ist bis zu deren völligem

Abklingen die Voraussetzung zum Führen von Kraftfahrzeugen

aller Art nicht gegeben.

Autofahren

unter Schmerzmitteln

Dauerbehandlung mit

Arzneimitteln

Als einziges Opioid wurde bisher das Fentanyl-Pflaster vom

TÜV bezüglich der Verkehrstauglichkeit bei Langzeitanwendung

getestet. Dabei ergab sich, dass bei stabiler Dosierung im

Allgemeinen keine wesentlichen Einschränkungen bezüglich

Belastbarkeit, Konzentration, Orientierung, Aufmerksamkeit oder

Reaktionsfähigkeit des Anwenders zu beobachten sind.

Trotzdem muss auch bei Schmerzpflastern genau wie bei allen

anderen Opioiden Folgendes ernst genommen werden:

• Fahrtüchtige Patienten sollten einen Opioid-Ausweis

(siehe Kapitel „Opioid-Ausweis“, Seite 83) mit sich führen.

Im Opioid-Ausweis vermerkt der Arzt, dass der Betroffene

auf diese Medikamente angewiesen ist. Patienten können

sich auf Wunsch auch einer sachkundigen Prüfung durch

den medizinisch-psychologischen Dienst des TÜV unterziehen

und sich bei Bestehen eine offizielle Bescheinigung der

Fahrtüchtigkeit ausstellen lassen.

• Während der Einstellungsphase – z. B. von Morphin – wird

das Führen eines Fahrzeugs wahrscheinlich nicht möglich

sein, da in den ersten 14 Tagen sowie nach jeder Dosiserhöhung

aufmerksamkeitseinschränkende Nebenwirkungen

häufig sind. Bei gut eingestellten Patienten, die nicht mehr

unter Sehstörungen, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder

Schwindel leiden, steht dem Autofahren nichts entgegen.

• Auch wenn der Arzt die grundsätzliche Erlaubnis zum

Autofahren gibt, sollte der Patient vor jeder Fahrt seine

Fahrtauglichkeit selbst kritisch einschätzen. Bei Bedenken

bezüglich der Fahrtauglichkeit sollte der Patient besser ein

Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen.

• Da Alkohol die Nebenwirkungen von Schmerzmitteln

verstärken kann, sollte bezüglich des Autofahrens vollständig

darauf verzichtet werden.

Der Patient sollte darauf hingewiesen werden, dass ein plötzliches

Absetzen der Schmerzmedikamente oder der grundsätzliche

Verzicht auf Schmerzmittel trotz starker Schmerzen keineswegs

fahrtauglich machen.

Autofahren und Führerschein 71


Zweifel an der

Fahrtauglichkeit

Bestehen Zweifel an der Fahrtauglichkeit, fordert die Führerscheinstelle

in der Regel ein fachärztliches Gutachten. Der Facharzt

sollte nicht der behandelnde Arzt sein.

Bestehen laut diesem Fahrzeuggutachten noch immer Bedenken,

fordert die Führerscheinstelle ein medizinisch-psychologisches

Gutachten bzw. eine medizinisch-psychologische Untersuchung

(MPU). Die Untersuchung teilt sich in zwei Bereiche auf, den

medizinischen und den psychologischen.

Medizinischer Bereich:

Körperlicher Allgemeinzustand, Sinnesfunktionen, fachärztlicher

Befund, neurologischer Befund (falls erforderlich), Medikamenteneinnahme

werden berücksichtigt.

Psychologischer Bereich:

Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Orientierung, Reaktion, Belastbarkeit

werden beurteilt.

Im Gespräch mit dem Arzt und Psychologen geht es um die Einstellungen

zum Straßenverkehr (Vorausschauen, Planen, Erkennen

von Gefahren), aber auch um die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung

und den Umgang mit Schwierigkeiten.

Als dritte Möglichkeit kann die Führerscheinstelle ein technisches

Gutachten (vom TÜV oder der DEKRA) fordern. Dabei werden

Umbauten bzw. Zusatzgeräte am Kraftfahrzeug festgelegt, die

wegen der Behinderung erforderlich sind. Auch eine Fahrprobe

mit Prüfer kann gefordert werden. Nach dieser TÜV-Prüfung

werden die erforderlichen Auflagen bzw. Beschränkungen in den

Führerschein eingetragen. Will der behinderte Autofahrer diese

Auflagen oder Beschränkungen ändern, ergänzen oder streichen

lassen, weil sich z. B. sein gesundheitlicher Zustand verbessert hat,

muss er das bei der Führerscheinbehörde erneut beantragen.

Nur die Behörde kann ein erneutes technisches Gutachten veranlassen.

?

Wer hilft weiter?

Zu den Umbauten am Auto gehören beispielsweise:

• Handbedienung von Bremse, Kupplung und Gas

• Lenkhilfen

• Rollstuhl-Einstiegs- und Verladehilfen

Kommt der Betroffene der Forderung der Führerscheinstelle zur

Erstellung des oben genannten Gutachtens nicht nach, kann der

Führerschein eingezogen werden. Die Kosten des Gutachtens

trägt der Patient.

Bei Fragen helfen der behandelnde Arzt, die Führerscheinstelle,

TÜV oder DEKRA sowie Stellen, die medizinisch-psychologische

Untersuchungen durchführen.

72 Autofahren und Führerschein


Urlaub und Reisen

Da chronische Schmerzen oft über einen langen Zeitraum

anhalten, stellt sich natürlich auch die Frage nach der

Möglichkeit des Reisens.

Sofern die medizinische Versorgung des Schmerzkranken auch

außerhalb des Heimatortes möglich ist, steht einem Urlaub nichts

entgegen. Eine gute Planung der Reise sollte Voraussetzung sein.

Schmerz- und Betäubungsmittel können bei der Einreise in

andere Länder beschlagnahmt werden. Patienten, die auf

diese Medikamente angewiesen sind, müssen deshalb den

Beipackzettel sowie – in nichtdeutschsprachigen Ländern auf

englisch – ein ärztliches Attest vorweisen können, das erklärt,

dass der Patient das Medikament auf ärztliche Verordnung einnehmen

muss und es dazu dient, ihn während des Aufenthalts

gesund zu erhalten. Es wird empfohlen, diese ärztliche Erklärung

von der Gesundheitsbehörde des jeweiligen Bundeslandes beglaubigen

zu lassen.

Schmerzmittel bei

Auslandsaufenthalt

Bei Reisen ins europäische Ausland benötigen opioidpflichtige

Patienten laut „Schengener Abkommen“ eine ärztliche

Bescheinigung, welche die Notwendigkeit des Mitführens von

Betäubungsmitteln aufgrund ärztlicher Therapie bestätigt.

Der Patient darf die Menge an Schmerzmitteln mit sich führen,

die er wegen seines Gesundheitsproblems für die Zeit des Aufenthalts

benötigt. Bei der Zollerklärung müssen diese Medikamente

angegeben werden.

Bei Reisen außerhalb Europas ist es ratsam, bei der zuständigen

Botschaft in Deutschland die genauen Richtlinien des jeweiligen

Landes zu erfragen.

Die „Bescheinigung für das Mitführen von Betäubungsmitteln im

Rahmen einer ärztlichen Behandlung“ kann bei der Bundesopiumstelle

in Bonn unter Telefon 0228 20730 angefordert

werden.

In manchen Reiseländern ist die Gefahr relativ hoch, durch ungewohnte

Speisen oder verunreinigtes Trinkwasser Durchfall zu

bekommen. Manchen Reisenden wird auch bei Flügen oder

Seereisen übel, so dass sie sich übergeben müssen. Bei Durchfall

oder Erbrechen können oral zugeführte Schmerzmittel eventuell

nicht mehr ausreichend wirken. Eine Möglichkeit, die

Unterversorgung des Patienten zu vermeiden, sind Opioide, die

über ein Pflaster durch die Haut aufgenommen werden.

Urlaub und Reisen 73


Hinweise

für eine erholsame Reise

Reisen sind grundsätzlich positiv zu bewerten, da eine unbekannte

Umgebung und neue Eindrücke den Schmerz zeitweise

aus dem Lebensmittelpunkt rücken können.

Folgende Hinweise können eine erholsame Urlaubszeit

bewirken:

• Reise möglichst stressfrei planen, z. B. Hilfe eines Reisebüros

in Anspruch nehmen, Gepäck vorab einchecken, damit der

Schmerzkranke nicht lange in der Schlange stehen muss,

ausreichend Pausen einplanen.

• Eventuell muss die medikamentöse Therapie höher dosiert

werden als zu Hause, weil die An- und Abreise für viele

Patienten besonders belastend ist (z. B. langes, unbequemes

Sitzen im Flugzeug) und im Urlaub oft ein Teil des Therapiespektrums

wie Akupunktur, Physio- oder Psychotherapie

wegfällt.

• Wenn der Patient normalerweise ein Schmerzmittel in

oraler Form einnimmt, sollte er für den Urlaub zusätzliche

Schmerzmedikamente wie Pflaster, Spritzen, Nasensprays etc.

verordnet bekommen, weil Tabletten möglicherweise nicht

wirken, falls sich der Patient z. B. wegen Reiseübelkeit oder

einer Magen-Darm-Infektion übergeben muss.

• Für Migränepatienten kann der Jetlag problematisch werden.

Deshalb sollte auch im Urlaub der normale Tagesrhythmus

eingehalten werden. Eventuell ist Melatonin empfehlenswert.

• Opioid-Patienten sollten sich bei Zeitverschiebung sofort auf

den Tagesrhythmus vor Ort einstellen und Übergangsprobleme

mit niedriger dosierten Präparaten, z. B. Tropfen, überbrücken.

• Die Anwendung von Schmerzpflastern kann in heißen

Ländern problematisch werden, da schweißfeuchte Haut

eine höhere Dosis aus dem Pflaster schwemmt. Eventuell auf

niedriger dosierte Pflaster ausweichen.

• Patienten, die TENS-Geräte benutzen, kommen in heißen

Ländern mit einer geringeren Stromintensität aus als zu

Hause, da schweißfeuchte Haut besser leitet als trockene.

Am Flughafen gibt es keine Probleme mit dem Gerät, wenn

der Patient die Gebrauchsanweisung vorlegen kann.

Manchmal ist es stressfreier und erholsamer, die Reise von einem

– mit den Belangen Behinderter vertrautem – Reiseveranstalter

organisieren zu lassen oder sich einer entsprechenden

Reisegruppe anzuschließen. Dies ermöglicht auch schwerbehinderten

Menschen eine Reise ins entfernte Ausland.

Veranstalter und Anbieter von Behindertenreisen erfährt man:

• beim örtlichen Reisebüro

• im Internet unter www.betanet.de unter „Adressen“, Suchwort

„Behindertenreisen“

74 Urlaub und Reisen


Ernährung bei Opioidanwendung

Je nach Grunderkrankung oder zusätzlichen Erkrankungen sollten

Patienten bestimmte Diätempfehlungen beachten, z. B. eine

kalziumreiche Ernährung bei Osteoporose. Viele Krankenkassen

bieten Ernährungsberatung für eine gesunde Ernährung im

Allgemeinen und im Besonderen für ernährungsbedingte oder

durch die Ernährung zu beeinflussende Krankheiten.

Spezielle Empfehlungen gibt es für Schmerzpatienten, die auf

Opiate angewiesen sind. Sie leiden als Nebenwirkung der Opiate

oft unter Obstipation, die durch mangelnde Bewegung (siehe

Sport und Freizeit bei chronischen Schmerzen) und ungünstige

Ernährung verstärkt werden kann.

Hinweise zur Ernährung:

• Viele Betroffene – besonders Ältere und Frauen – trinken zu

wenig, so dass sie bereits vor der Opioid-Anwendung unter

Verstopfung leiden. Als Nebenwirkung der Opioide kommt

es bei ihnen dann häufiger zu Mundtrockenheit. Deshalb

sollten Schmerzpatienten besonders auf eine reichliche

Flüssigkeitszufuhr achten. 2 bis 3 Liter Flüssigkeit pro Tag

sind empfehlenswert, am besten eignen sich Wasser und

Kräutertees. Patienten, die Schwierigkeiten haben, ihre

tägliche Trinkmenge einzuschätzen, sollten sich die Tagesration

am Morgen bereitstellen oder einen Trinkplan erstellen.

• Opioide und Alkohol verstärken sich gegenseitig in ihren

Wirkungen und Nebenwirkungen. Schmerzpatienten sollten

deshalb grundsätzlich auf alkoholische Getränke verzichten.

Eine Ausnahme kann bei Tumorpatienten in fortgeschrittenem

Stadium und anderen Palliativpatienten gelten, sofern sich

diese nicht mehr außer Haus begeben. Alkoholgenuss darf

hier unter dem vorrangigen Aspekt der Lebensqualität

betrachtet werden, falls der Patienten den Wunsch danach

äußert.

Schmerzpatienten sollten eine ausgewogene Vollwerternährung

mit reichlich Obst und Gemüse anstreben. Wasserreiches

Obst und Gemüse, z. B. Melonen, Gurken, Tomaten,

helfen, genug Flüssigkeit (siehe oben) aufzunehmen. Lebensmittel,

welche die Verstopfung begünstigen, sollten durch

ballaststoffreiche Speisen ersetzt werden, z. B. Vollkornbrot

statt Weißbrot. Zusätzlich bringen eingeweichte Trockenfrüchte

oder Leinsamen einen trägen Darm in Schwung.

• Wichtig ist genussvolles Essen sowie langsames und

gründliches Kauen. Patienten ohne entsprechende Schmerztherapie

neigen z. T. dazu, nicht mehr genug zu essen,

möglicherweise aus Schwäche, Depression, Appetitlosigkeit

oder weil sie bei den Mahlzeiten vor Schmerzen nicht ruhig

sitzen können.

Ernährung bei Opioidanwendung 75


Sport und Freizeit

bei chronischen Schmerzen

Bei chronischen Schmerzerkrankungen kann regelmäßige,

gezielte Bewegung das Leiden bessern. Der Körper bildet bei

sportlicher Betätigung Endorphine, die ähnlich wie Opioide

schmerzstillend wirken und zusätzlich auf natürliche Weise die

Stimmung aufhellen.

Wenn Schmerzen bei bestimmten Bewegungen auftreten,

versuchen Patienten diese Bewegungen zu vermeiden oder stark

einzuschränken. Doch das Ruhigstellen verschlimmert auf Dauer

den Schmerz, da sich Muskeln, die nicht bewegt werden, fortschreitend

abbauen und Gelenkkapseln und Sehnen sich

zusammenziehen. Die Folge ist, dass die Bewegung gar nicht mehr

ausgeführt werden kann.

Vielen Patienten mit chronischen Schmerzen nützt ein gezieltes

Training der Muskulatur durch Rehasport und Funktionstraining

(siehe Kapitel Rehabilitation). Damit kann z. B. die Wirbelsäule

wieder besser stabilisiert werden, und Schmerzen, die durch

Fehlhaltungen und Verspannungen entstehen, reduzieren sich.

Grundsätzlich muss vor Beginn des Trainings eine Beratung durch

den Arzt oder Therapeuten erfolgen, da sich falsches Training

ungünstig auswirken kann. Voraussetzung für den gezielten

Muskelaufbau ist die vorherige Schmerztherapie. Physiotherapie

und sinnvolles Training sind unter großen Schmerzen nicht

möglich, aber mit Linderung der Schmerzen steigt der natürliche

Bewegungsdrang des Patienten.

Entspannungsübungen bei

chronischen Schmerzen

Ein bewährtes Mittel, Schmerzen zu mindern, sind Entspannungsübungen.

Dazu zählen z. B. Muskelentspannung nach Jacobsen,

Yoga, autogenes Training, Imaginationsverfahren oder Selbsthypnose.

Auch Bewegung, Tanz- oder Kunsttherapie tragen zur

Entspannung bei und können eine Schmerztherapie unterstützen.

Anleitung zu den verschiedensten Entspannungsmöglichkeiten

geben Rehakliniken für Schmerzkranke, Ergotherapeuten und

Krankengymnasten (Physiotherapeuten). Krankenkassen zahlen

häufig einen Anteil dazu.

76 Sport und Freizeit bei chronischen Schmerzen


Neben sportlicher Betätigung sollten chronische Schmerzpatienten

auch zu anderen Hobbys und Freizeitaktivitäten motiviert

werden. Alles, was dem Patienten Freude bereitet und Ablenkung

verschafft, erhöht seine Lebensqualität und rückt den Schmerz

eine Zeit lang in den Hintergrund. Besonders hilfreich zur Schmerzbewältigung

sind Hobbys, die hohe Konzentration erfordern, z. B.

das Erlernen und Spielen eines Musikinstruments oder Malen.

Auch die Beschäftigung mit Tieren oder das Engagement in einer

Selbsthilfegruppe, Kirchengemeinde oder einem Verein wirken

ausgezeichnet zum Erhalt der Lebensfreude und gegen Isolation

und Vereinsamung.

Freizeitgestaltung bei

chronischen Schmerzen

Sport und Freizeit bei chronischen Schmerzen 77


Schmerzmittel und Sucht

Weil Morphine von Drogenabhängigen missbraucht werden,

haben oft sowohl Arzt als auch Patient große Bedenken bezüglich

dieser hochwirksamen Schmerzmittel. Unter Sucht versteht man

das unbeherrschbare Verlangen eines Menschen, sich regelmäßig

eine bestimmte Substanz zuzuführen, obwohl er sich selbst oder

anderen schadet. Solch eine Sucht kommt bei medikamentösem

Gebrauch von Opioiden unter Überwachung eines erfahrenen

Arztes kaum vor. Da Opioide bei retardierten Präparaten ihre

Wirkung nicht schubartig entfalten, kommt es auch nicht

zu Rauschzuständen. Vorsicht ist aber dann geboten, wenn

der Patient von anderen Substanzen (z. B. Benzodiazepine)

abhängig ist.

Bei schwersten Schmerzen bieten Dosierungstechniken wie

Schmerzpflaster oder implantierte Schmerzpumpen einen noch

vorsichtigeren Medikamenteneinsatz.

Allerdings kann durch falsche Einnahmegewohnheiten eine

Medikamentensucht antrainiert werden. Schmerzmittel müssen

deshalb immer zur festgesetzten Zeit eingenommen werden.

Keinesfalls sollte der Patient die Einnahme hinauszögern, bis die

Schmerzen wieder stark geworden sind, da der Körper sonst

ähnlich wie bei Süchtigen nach Schmerzlinderung und der

nächsten Dosis verlangt. Wenn die Schmerzmittel nach Zeitschema

eingenommen werden – ohne dass der Schmerz wieder

stark zu spüren ist, bleibt die Suchtgefahr klein.

Eine körperliche Gewöhnung tritt bei fast allen Medikamenten

ein, die über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. So

sind z. B. auch Diabetiker körperlich abhängig von Insulin.

Medikamentengewöhnung ist jedoch keine Sucht im eigentlichen

Sinn, da die Gewöhnung bei Bedarf veränderbar ist. Unter einer

Opioid-Dauertherapie mit sehr hohen Dosen entwickeln

Patienten eine körperliche Abhängigkeit. Bei abruptem Absetzen

der Medikamente entstehen Entzugssyndrome wie Schwitzen

oder Übelkeit. Ein Ausstieg aus der Opioid-Therapie sollte deshalb

durch eine langsame Dosisreduzierung der Medikamente erfolgen,

um Entzugsreaktionen zu vermeiden.

78 Schmerzmittel und Sucht


Adressen und Links

Beratung und Informationsmaterial über die modernen

Methoden der Schmerzbehandlung sowie Kontakt zu Selbsthilfegruppen

und zu schmerztherapeutischen Einrichtungen sind

unter anderem bei folgenden überregionalen Organisationen

erhältlich:

Deutsche Schmerzliga e. V.

Adenauerallee 18, 61440 Oberursel

Telefon 0700 375375375 werktags von 9-12 Uhr

E-Mail: info@schmerzliga.de

www.schmerzliga.de

Deutsche Schmerzhilfe e. V.

Sietwende 20, 21720 Grünendeich

Telefon 04142 810434

E-Mail: geschaeftsstelle@schmerzhilfe.org

www.schmerzhilfe.de

FORUM SCHMERZ

im Deutschen Grünen Kreuz e. V.

Schuhmarkt 4, 35037 Marburg

Telefon 06421 293125 (Sekretariat)

E-Mail: schmerz@kilian.de

www.forum-schmerz.de

Deutsche Akademie für Ganzheitliche Schmerztherapie e. V.

Fortbildungsbüro DAGST

Amperstraße 20 A, 82296 Schöngeising

Telefon 08141 35553020

E-Mail: kontakt@schmerz-seminare.de

www.schmerz-arzt.de

Theodor Springmann Stiftung

Reuchlinstraße 10–11, 10553 Berlin

Telefon 030 44024079

Auskünfte am Patiententelefon:

Montag bis Donnerstag von 10-14 Uhr

E-Mail: auskunft@patiententelefon.de

www.tss-datenbank.de

Adressen und Links 79


Deutsche Hospiz Stiftung

Europaplatz 7, 44269 Dortmund

Telefon 0231 7380730

www.hospize.de

Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz

Frau Gerda Graf, Frau Dr. Christine Pfeffer

Am Weiherhof 23, 52382 Niederzier

Telefon 02428 802937

E-Mail: bag.hospiz@hospiz.net

www.hospiz.net

Geschäftszeiten: Montag bis Donnerstag von 9-15 Uhr

Speziell für medizinische Berufe

DGSS – Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes

DGSS Geschäftsstelle

Obere Rheingasse 3, 56154 Boppard

Telefon 06742 800121

E-Mail: info@dgss.org

www.dgss.org

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e. V.

Herr Prof. Dr. med. E. Klaschik

Von-Hompesch-Str.1 , 53123 Bonn

Telefon 01805 221401

E-Mail: dgp@dgpalliativmedizin.de

www.dgpalliativmedizin.de

Internet-Links

www.lebenohneschmerz.de

www.special-schmerz.de

www.painweb.de

www.schmerz-online.de

Überregionale

Informationsdienste für

spezielle schmerzhafte

Erkrankungen

Informationsdienst Krebsschmerz KSID

Deutsches Krebsforschungszentrum

Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg

Telefon 06221 422000

Montag bis Freitag von 12-16 Uhr

E-Mail: krebsschmerz@dkfz.de

www.ksid.de

80 Adressen und Links


Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.

Maximilianstraße 14, 53111 Bonn

Telefon 0228 766060

E-Mail: bv@rheuma-liga.de

www.rheuma-liga.de

Deutsche Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) e. V.

Postfach 1140, 74741 Seckach

Beratungstelefon: 06292 928760

Dienstag bis Donnerstag 13-15 Uhr

Geschäftsstelle: 06292 928758

Montag bis Donnerstag 10-12 Uhr, 14-15 Uhr

E-Mail: fibromyalgie-fms@t-online.de

www.fibromyalgie-fms.de

Aktion Gesunder Rücken (ARG) e. V.

Postfach 103, 27443 Selsingen

Telefon 0700 24711-111 (12 Ct./Min)

E-Mail: info@agr-e.v.de

www.agr-ev.de

Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e. V.

Metzgergasse 16, 97421 Schweinfurt

Telefon 09721 22033

E-Mail: DVMB@Bechterew.de

Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e. V. (BfO)

Kirchfeldstraße 149 , 40215 Düsseldorf

Telefon 0211 319165

E-Mail: bfo-aktuell@t-online.de

www.bfo-aktuell.de

Wirbelsäulenliga e. V.

WSL Geschäftsstelle

Widenmayerstr. 29, 80538 München

Telefon 089 21096966

E-Mail: info@wirbelsaeulenliga.de

www.wirbelsaeulenliga.de

MORBUS SUDECK Selbsthilfegruppe

Sympathic Reflex Dystrophy

Annegret Dreyer

Postfach 73 01 62, 22121 Hamburg

Telefon 040 6725586

Adressen und Links 81


Amputierten-Initiative e. V. /

Bundesverband für Arm- und Beinamputierte

Frau Dagmar Gail

Spanische Allee 140 , 14129 Berlin

Telefon 030 8032675

E-Mail: info@amputierten-initiative.de

www.amputierten-initiative.de

Sonstige Adressen

Ansprechpartner für Hilfs- und Pflegehilfsmittel:

Bundesverband Medizintechnologie

Reinhardtstraße 29 b, 10117 Berlin

Telefon 030 2462550

www.bvmed.de

82 Adressen


Opioid-Ausweis

Menschen, die dauerhaft auf Opioide angewiesen sind, sollten

einen so genannten Opioid-Ausweis mit sich führen. Im Opioid-

Ausweis sind die Schmerzmedikamente, die Dosierung und die

Einnahmedaten vermerkt. Neben einer schriftlichen Einnahmeanordung

können mit diesem Ausweis mitbehandelnde Ärzte über

die Notwendigkeit der Opioide und die Art der Dosierung

informiert werden.

Die Vorlage des Ausweises stellt in der Regel sicher, dass die

Schmerztherapie auch in fremden Krankenhäusern, z. B. nach

Unfällen oder bei Akuterkrankungen im Urlaub, fortgeführt und

der Patient weiterhin schmerzmedikamentös versorgt wird.

Betroffene sollten ihren Opioid-Ausweis in der Brieftasche mit

sich führen. Es ist unter Umständen notwendig, auch Angehörige

oder Freunde über den Ausweis in Kenntnis zu setzen, damit das

Dokument im Notfall dem fremden Arzt bzw. im Krankenhaus

vorgelegt wird.

Auch für Patienten, die gegenüber Behörden ihre Fahrtauglichkeit

nachweisen müssen, ist ein Opioid-Ausweis unerlässlich. Näheres

dazu im Abschnitt Autofahren unter Schmerzmitteln.

Ein entsprechender Ausweis kann über die Geschäftsstelle der

Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e. V. bezogen

werden:

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie e.V.

Adenauerallee 18, 61440 Oberursel

Telefon 06171 286020

E-Mail: info@dgschmerztherapie.de

www.dgschmerztherapie.de

Opioid-Ausweis 83


Impressum

Herausgeber

betapharm Arzneimittel GmbH

Kobelweg 95, 86156 Augsburg

Telefon 0821 748810, Telefax 0821 74881420

Redaktion

beta Institut für

angewandtes Gesundheitsmanagement gGmbH

Kobelweg 95, 86156 Augsburg

Text

Anja Wilckens

Leitung

Tanja Güntner

Die Informationen über Leistungsansprüche beziehen sich nicht

auf private Versicherungen oder die Beihilfe für Beamte.

Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.

Autoren und Herausgeber übernehmen keine Haftung für die

Angaben in dieser Broschüre.

Januar 2006

84 Impressum


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