Ostern 2012 - Kath. Pfarrgemeinde Hl. Dreikönige, Neuss

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Ostern 2012 - Kath. Pfarrgemeinde Hl. Dreikönige, Neuss

Sonntag

Den Sonntag als Priester erleben

Wie verbringt eigentlich ein Priester den

Sonntag? Herzlich lade ich Sie ein, mich mit

diesen Zeilen einmal zu begleiten.

Sonntag als Tag des Herrn

Meine Mitbrüder und ich hören hin und

wieder den Satz: „Am Sonntag müssen Sie

ja besonders viel arbeiten…“ Ich habe einmal

einen evangelischen Pfarrer darauf antworten

hören: „Ich arbeite die ganze Woche, am

Sonntag feiere ich!“ Das hat mir gefallen.

Die Feier der Heiligen Messe ist nicht Arbeit,

sondern Höhepunkt im geistlichen Tun. An

jedem anderen Tag der Woche arbeiten wir

Priester mehr als am Sonntag. Am Sonntag

gibt es keine Sitzungen, die Büros sind nicht

geöffnet, es rufen weniger Gemeindemitglieder

an. Es herrscht eine unausgesprochene

Einigung, dass dieser Tag reserviert ist für

den Gottesdienst.

Mein Wecker schellt am Sonntag um 6 Uhr.

Die Messfeiern wollen natürlich gut vorbereitet

sein. Die Stimme muss klar sein zum

Singen, Predigen und Vorbeten. Wenn man

drei Messfeiern hintereinander hat, dann

kommen immer andere Menschen zusammen,

die Räume sind verschieden, es sind

unterschiedliche Absprachen zu treffen.

Habe ich eine Kindermesse oder das lateinische

Hochamt, ist ein Hirtenwort zu verlesen

oder sind Trauernde in der Kirche – immer

präsent sein und auch in der letzten Messfeier

genau so prägnant predigen, ist nicht

immer leicht. So übernehme ich gerne die

Antwort, dass der Sonntag nicht Arbeitstag,

wohl aber mit einer Anspannung verbunden

ist. Drei bis vier Stunden vor 500 Menschen

zu stehen, das geht nicht spurlos an einem

vorüber.

Sonntag als Tag der Ruhe

Ich bemühe mich, am Sonntag nur das am

Schreibtisch zu tun, was für die Liturgie nötig

ist. Leider klappt das nicht immer. Die Sonntagsheiligung

durch die Messfeier versuche

ich in meinem Alltag fortzusetzen. Mittags

decke ich mir den Tisch schön, auch wenn ich

alleine esse. Ich koche etwas und trinke auch

ein Glas Wein zum Essen. Ein Mittagsschlaf

ist werktags fast nie möglich, anders am

Sonntag. Oft habe ich nachmittags als Kreisdechant

Verpflichtungen: Sommerfeste und

Basare in Einrichtungen des Caritasverbandes

besuchen und bei öffentlichen Terminen

die katholische Kirche vertreten, Grußworte

halten. Habe ich die Sonntagabendmesse

um 18 Uhr, so gilt es dann nochmals an den

Altar zu treten. Für die Gläubigen die erste

und einzige Messe am Tag, für uns als Priester

oft die dritte. Dabei ist die Messfeier nie

Routine, sondern Höhepunkt. Höhepunkte

kann man aber nicht beliebig oft wiederho-

len. Am Abend besuche ich meistens meine

Mutter. Eine Stunde Autofahrt steht dann

gegen 20 Uhr an.

„Der Montag ist ja der Sonntag der Priester…“

höre ich manchmal. Stimmt und

stimmt nicht. Der Sonntag bleibt der durch

die Messfeier geheiligte Tag, ob man Priester

ist oder nicht. Die Ruhe zur Erholung aber, die

bekomme ich wirklich erst am Montag. Dann

erfülle ich Gottes Gebot, am siebten Tag

ruhen zu sollen. Abends komme ich zurück.

So ganz schaffe ich den Ruhetag dann doch

nicht. Um 22 Uhr sehe ich, dass in den letzten

24 Stunden über 30 Emails angekommen

sind und 2 Unterschriftenmappen vorliegen.

Der Alltag hat mich dann wieder.

Aber, der nächste Sonntag kommt auch…

Msgr. Guido Assmann

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