The Red Bulletin September 2014 - DE

theredbulletin.de

SEPTEMBER 2014 € 2,50

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

Die beste

Geheim-Party

New Yorks

„ IHR SOLLT

SCHREI E N “

MTB-Crack

Peter Henke

in Nürnberg

Und jetzt

A c t i o n :

Apnoe-Taucher

in zwei Tagen

Rock die

Gamescom mit

Lukas Podolski

Grillen wie ein

Weltmeister

MARC MÁRQUEZ

FAHR ZUR

GRÜNEN

HÖLLE

24 Stunden am

Nürburgring

Das MotoGP-Genie

EUR 2,50 September 2014


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DIE WELT VON RED BULL

34

PETER HENKE

Deutschlands bester Freestyle-

Mountainbiker fordert beim

Red Bull District Ride die Weltklasse.

WILLKOMMEN!

MotoGP hat Namen wie Agostini, Nieto,

Doohan oder Rossi hervorgebracht, Sport-

Ikonen weit über ihre Disziplin hinaus. Doch

ein gerade mal 21-Jähriger bricht derzeit all ihre

Rekorde: Marc Márquez, im Vorjahr jüngster

MotoGP-Weltmeister der Geschichte. Keiner

zuvor ging respektloser mit den Grenzen der

Physik um, wenn in den Kurven die Schultern

der Fahrer auf dem Asphalt streifen und

die Motorräder ihre Power gerade über zwei

scheckkartengroße Reifen flächen auf

den Boden übertragen. „Marc braucht ein

stabiles Vorderrad“, sagt sein Ingenieur in

der großen Analyse des Champs ab Seite 26,

„was das Hinterrad macht, ist ihm egal.“

Viel Vergnügen mit diesem Heft!

Die Redaktion

Was macht

Marc Márquez

so unglaublich

dominant?

EINE SPURENSUCHE

AB SEITE 26

4 THE RED BULLETIN


SEPTEMBER 2014

AUF EINEN BLICK

GALLERY

10 GALLERY Die Fotos des Monats

BULLEVARD

16 BULLEVARD Thema diesmal: TV (samt

der Formel für Sitcom-Reichtum)

DAVID CLERIHEW (COVER), FLO HAGENA/RED BULL CONTENT POOL (COVER), MARKUS GREBER/RED BULL CONTENT POOL (COVER), CHRISTOPH LAUE/RED BULL CONTENT POOL,

ROBERT ASTLEY SPARKE, FRITS VAN ELDIK, KARINE BASILIO, JULIE GLASSBERG, WWW.JDVOS.COM

58

NICOLE PACELLI

Die Weltmeisterin im Stand-

Up-Paddling setzt sich auch

gegen Männer durch.

38

CAPOEIRA VS. PARKOUR

Freiheit. Kreativität. Akrobatik. Tanz.

Die brasilianische Kampfkunst und ihre

erstaunlichen Parallelen mit Parkour.

50

NÜRBURGRING

Es war wieder mal Nordschleife at its

best: Wenn Fahrer 24 Stunden fahren

können, können Fans 24 Stunden feiern.

BANG ON NEW YORK CITY

Das sind New Yorks verrückteste

Underground-Partys. Wir feierten mit.

Bis der Feuerschlucker kam.

72

84

FREEDIVING

Nach zwei Kurstagen 20 Meter tief tauchen?

Drei Minuten lang? Ohne Atemgerät?

Geht. Kostet nicht mal die Welt.

FEATURES

26 Marc Márquez

Was den beispiellosen Erfolg des

MotoGP-Phänomens ausmacht.

34 Peter Henke

will beim Red Bull District Ride in

Nürnberg unter die Top Ten.

38 Capoeira/Parkour

Die Parallelen der alten Kampfkunst

mit Freerunning und Parkour.

48 New Beat Fund

sind die Erfinder von G-Punk.

50 Nürburgring

24 Stunden auf der Nordschleife: für

viele das größte Rennen des Jahres.

58 Nicole Pacelli

Die schöne Brasilianerin und die

Faszination Stand-Up-Paddling.

64 Peugeot goes Dakar

Die Reportage über die erste Ausfahrt

des Sensations-Buggys 2008 DKR.

ACTION!

72 TRAVEL So geht Freediving

73 TRAINING Jain Kim, Sportkletterin

74 CITY-GUIDE Schnell nach Almaty

76 PRO TOOLS Bob, der Grillmeister

78 MUSIK Sam McTrusty, Twin Atlantic

79 CLUB Pratersauna, Wien

80 UHREN Wie Regatta-Uhren ticken

82 GAMING Was die Gamescom kann

84 NIGHTLIFE BangOn! in New York

92 TV-HIGHLIGHTS Red Bulls TV-Fenster

94 SAVE THE DATE Was alles ansteht

96 READ BULL von Heinrich Steinfest

98 MAGIC MOMENT

THE RED BULLETIN 5


SEPTEMBER 2014 € 2,50

EUR 2,50 September 2014

0914Cover-DE_Marquez_Sale [P].indd 1 21.07.14 22:39

CONTRIBUTORS

MIT AN BORD

IM SEPTEMBER

K ARINE

BASILIO

Unser Auftrag an die brasilianische

Fotokünstlerin: die

schweißtreibende Ästhetik

von Capoeira und Parkour (ab

Seite 38) in einem Portfolio

festhalten. Eine neue Erfahrung

für Basilio, deren Bilder

normalerweise in der „Vogue“

erscheinen: „Ich bin Capoeira-

Fan, aber Parkour kannte ich

überhaupt nicht. Außerdem

war es meine Vorstellung, die

Sportler in der Anmutung

eines Fashion-Shoots zu

inszenieren.“ Wie man das

macht? „Ich habe sie ihre

Figuren springen lassen – bis

beide nach Luft schnappten.“

HEINRICH

STEINFEST

In einem Interview mit der

„Zeit“ erinnert sich der österreichische

Autor ans erste

Mal, als er als Kind wirkliche

Bücher lesen durfte, und an

die „absolute Erfüllung“ durch

Franz Kafka: „Ich hatte das

Gefühl, da kommt jemand,

der meine ganzen Ängste

in Sprache fasst und der sie

dadurch erträglich macht.“

Angst hat auch der Held der

Kurzgeschichte (ab Seite 96),

die der durch philosophische

Krimis bekannt gewordene

Steinfest für The Red Bulletin

geschrieben hat – bis er jäh

aus seinem Traum erwacht.

ROBERT ASTLEY

SPARKE

Seine Heimatstadt London

vertauschte der international

gut gebuchte Modefotograf

vor vier Jahren mit São Paulo,

wo er mit seiner brasilianischen

Frau lebt und arbeitet

(etwa für die „New York

Times“ und den „Esquire“).

Zu unserem Shooting mit

Stand-Up-Paddling-Weltmeisterin

Nicole Pacelli (ab Seite

58) reiste Sparke also per

Inlandsflug. Sein Ziel: der

Strand von Apoador in Rio.

„Nicole posierte

wie ein Profi:

Sie blieb cool,

obwohl alle

Männer sie

anstarrten.“

„Nicole posierte wie ein Profi“,

lobt Sparke sein Model, „sie

blieb cool, obwohl alle Männer

am Strand sie anstarrten.“

BACKSTAGE

Covershoot

des Monats

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

Die beste

Geheim-Party

New Yorks

„ IHR SOLLT

SCHREI E N “

MTB-Crack

Peter Henke

in Nürnberg

Wie man Weltstars für The Red

Bulletin in Szene setzt, weiß

Fotograf David Clerihew spätestens

seit seinem Covershoot

mit Neymar. Für unser

aktuelles Cover inszenierte

der Brite MotoGP-Weltmeister

Marc Márquez im Salzburger

Hangar-7. Exklusives Behindthe-Scenes-Video

auf:

www.redbulletin.com

Und jetzt

A c t i o n :

Apnoe-Taucher

in zwei Tagen

Rock die

Gamescom mit

Lukas Podolski

Grillen wie ein

Weltmeister

MARC MÁRQUEZ

FAHR ZUR

GRÜNEN Das MotoGP-Genie

HÖLLE

24 Stunden am

Nürburgring

So lächelt der MotoGP­

Dominator: Márquez beim

Shoot für das aktuelle

Cover mit Fotograf

David Clerihew

6 THE RED BULLETIN


RASSIGE

LEISTUNG

INFINITI Q50 EAU

ROUGE CONCEPT

www.infiniti.eu

INSPIRED PERFORMANCE

Abgebildetes Modell: Infiniti Q50 Eau Rouge Concept. Dieses Modell ist ein Konzeptfahrzeug und nicht im Handel erhältlich.

Serienfahrzeuge können von der Studie abweichen. Für mehr Informationen zum Infiniti Q50, besuchen sie www.infiniti.eu


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Freie Mitarbeiter: Muhamed Beganovic, Georg Eckelsberger,

Sophie Haslinger, Holger Potye, Clemens Stachel,

Manon Steiner, Raffael Fritz, Marianne Minar, Martina Powell,

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Grafik

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Lithografie

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Andreas Tzortzis

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Redaktionsadresse USA

1740 Stewart St., Santa Monica, CA 90404

8 THE RED BULLETIN


RED BULL AIR RACE

WORLD CHAMPIONSHIP 2014.

Sonntag | 27.07. live

15:45

© Andreas Schaad/Red Bull Content Pool

DAS EINZIGARTIGE LUFTFAHRT-

SPEKTAKEL LIVE.

ServusTV überträgt alle acht Saison-Rennen des spektakulären Events.

Vor atemberaubenden Kulissen wie Abu Dhabi und Las Vegas

kämpfen unter anderen die Top-Piloten Matthias Dolderer (DE) sowie

Red Bull Air Race-Routinier Hannes Arch (AT) um den Weltmeistertitel.

Nächster Stopp: Gdynia, Polen

ServusTV Deutschland ist über Satellit, Kabel und IPTV empfangbar.

Kostenfreie Service-Hotline 0800 100 30 70 | www.servustv.com

Wir wünschen Ihnen

bessere Unterhaltung.


BERCHTESGADEN, DEUTSCHLAND

GLEITZEIT

Paul Guschlbauer ist ein Abenteurer am Gleitschirm.

2012 flog der Grazer sechs Wochen lang quer durch Pakistan.

2011 und 2013 überquerte er beim Red Bull X-Alps-

Bewerb fliegend und laufend die Alpen. Am 6. September

erwartet Guschlbauer eine besonders fordernde Mission

als Paragleiter eines Viererteams beim Red Bull Dolomitenmann,

dem härtesten Staffelrennen unter der Sonne.

Immerhin stellte er im Vorjahr einen neuen Paragleitrekord

auf. „Der Event macht Einzelkämpfer zu Teamspielern“,

erklärt Guschlbauer, „wenn der Bergläufer an dich übergibt,

nimmst du seine Leidenschaft mit in die Luft.“

27. Red Bull Dolomitenmann: 6. September 2014, Lienz,

Live-Übertragung auf ServusTV: www.servustv.com

Bild: Philip Platzer/Red Bull Content Pool

10


SYDNEY, AUSTRALIEN

HANDARBEIT

Was macht ein Berliner B-Boy im honorigen State

Theatre in Sydney? Er tanzt das Programm Red Bull

Flying Bach, in dem die Breakdance-Weltmeister

Flying Steps J. S. Bachs „Wohltemperiertes Klavier“

mit zeitgenössischem Street Dance aufpeppen. Der

Mann im Bild heißt übrigens Khaled Chaabi, ist 27 und

trainiert seit 14 Jahren Headspins. Folgen für den

Tänzer-Körper: „Starke Nackenmuskeln und eine

kahle Stelle am Schädel – deswegen auch der Afro.“

www.redbullflyingbach.com

Bild: Incite Images/Red Bull Content Pool

13


MILOS, GRIECHENLAND

MONDLANDUNG

Manche Verschwörungstheoretiker behaupten ja bis

heute, die NASA und Stanley Kubrick hätten 1969 die

Mond-Mission in einem Hollywoodstudio gedreht. Was

für ein Blödsinn! Befindet sich die einzig taugliche

Kulisse doch auf der griechischen Vulkaninsel Milos.

„Ich bin schon in vielen Ländern Motorrad gefahren“,

beschreibt der französische Trial-Held Julien Dupont

seine Session auf dem Kykladen-Eiland in der Ägäis,

„aber nur Milos fühlt sich an wie ein fremder Planet.“

twitter.com/juliendupont

Bild: Samo Vidic/Red Bull Content Pool

15


SERIENSPEKTAKEL

BULLEVARD

W I L L K O M M E N I M G O L D E N E N T V - Z E I T A L T E R !

wurde dieser graue

Kasten in Japan zum

Hit: Das Nintendo Entertainment

System

brachte Videospiele

in die Wohnzimmer

dieser

Ganz schön

„Grimm“-ig: Seit

„Batman“ ist der

Fledermaus-Look

megatrendy.

Man kann es aber

auch übertreiben.

Porky!


NBC UNIVERSAL MEDIA(2), JOHN RUSSO/CORBIS OUTLINE, CBS BROADCASTING INC., WARNER BROS., THE KOBAL COLLECTION(2), SONY PICTURES TELEVISION INC.

SASHA ROIZ: MÄRCHENPRINZ

BASTARDE!

Frisches (Halb)blut für den

TV‐Adel: Übernehmen bald die

Bastardsöhne die Thronfolge?

In dem zur Zeit im TV äußerst populären

Fantasy-und-Märchen-Genre („Game of

Thrones“, „Once Upon a Time“, „Grimm“

etc.) scheint eine Jahreszeit besonders im

Trend zu liegen: der Frühling der Bastarde.

Das Produkt aus einer verbotenen

Adels-Liebschaft mit einem Normalo

sorgt für frischen Wind im Storytelling

und für tolle Quoten. Während sich

Eddard Starks Bastardsohn Jon Snow

(Kit Harington) in „Game of Thrones“

langsam zum Traumprinzen entwickelt,

ist in der Fantasy-Horror-Serie „Grimm“

Sean Renard, seines Zeichens Captain

beim Portland Police Department und

selbst adeliger Bastardsohn (er entstammt

zur Hälfte einer königlichen Blutlinie aus

einem der sieben Häuser), auf der Überholspur.

Wir haben den Märchenprinzen

in seiner Dienstzeit erwischt und zum

Vieraugengespräch gebeten. Er scheint

Zoff mit seiner Familie zu haben …

FRAGE AN DEN CAPTAIN

(Captain Sean Renard, in einem anderen

Leben Sasha Roiz, aus „Grimm“):

Welches Monster im „Grimm“-

Universum fürchten Sie persönlich

am meisten, Captain Renard?

Von der „Grimm“-Mythologie her sollte

ich mich als Hexenbiest-Sprössling vor

allem vor den Bienenwesen vorsehen.

Wir sind natürliche Feinde. Aber ehrlich

gesagt habe ich vor meiner eigenen

Familie mehr Angst. Sie ist gefährlich

und legt mir ständig Steine in den Weg.

Als Grimm-Adel – Bastard hin oder her –

stehe ich über den anderen Monstern.

Aber meine Familie ist eine echte Herausforderung

für mich – vor allem

emotional.

„Meine eigene

Familie fürchte

ich am meisten.“

Cpt. Sean Renard

FANTASY/HORROR

GRIMM

DIE BESTEN SERIEN AUS DEN …

… 1980ern

Vier Jahre nach E. T.

tauchte ALF auf der Erde

auf und lehrte uns, dass

Katzen very tasty sind.

COMEDY

THE BIG BANG THEORY

… 1990ern

Seltsamer FBI-Agent ermittelt

in einem Mystery-

Mord im merkwürdigen

Örtchen Twin Peaks.

… 2000ern

Ein Mob-Boss geht

zum Psycho-Doc, und

Die Soprano s schreiben

TV‐Geschichte.

BAZINGA!

Die schönste Versuchung,

seit Sitcoms

über Nerds für einen

Quoten-Big-Bang

sorgen: Penny (Kaley

Cuoco). Oder, um mit

Sheldon zu sprechen:

„Penny! Penny!

Penny!“ Schließlich

sind aller guten Dinge

drei. Oder doch zwei?

… 2010ern

Bitch! Ein Chemie-Genie

& sein Exschüler mixen

göttliches Crystal Meth.

Not bad, Breaking Bad!

17


BULLEVARD

T V-TR ENDS

FRISCHES BLUT

Neuartige Serien sorgen für große Quoten im Fernsehen. Nur die

Bedürfnisse, die sie bedienen, sind alt: die Lust auf Sex und Spannung.

TREND 1: COMIC-ADAPTIONEN

THE WALKING DEAD

Comics erobern nach dem Kino nun auch das TV: Die Zombie-Serie „The

Walkin g Dead“ (Comicvorlage von Robert Kirkman) erzielt Traumquoten.

Marve l beeindruckt mit „Agents of S.H.I.E.L.D.“. Und „Constantine“

(basier t auf dem DC-Comic „Hellblazer“) ist ein vorprogrammierter Hit.

WVG/AVAILABLE ON DVD AND BLUE-RAY


TREND 2: HOLLYWOOD GOES TV

TRUE DETECTIVE

Hollywoods A-Liga fühlt sich am Small Screen genauso wohl wie auf der

großen Leinwand. Ob Matthew McConaughey und Woody Harrelson in „True

Detective“, Kevin Spacey in „House of Cards“ oder Halle Berry in „Extan t“:

Viele Oscar-Preisträger vergolden derzeit das TV-Universum.

HBO(4)

TREND 3: HISTORY MEETS FANTASY

GAME OF THRONES

Phantastische Storys, basierend auf realen historischen Begebenheiten,

sind en vogue: „Game of Thrones“ ließ sich von den englischen Rosenkriegen

inspiriere n. „Vikings“ zeigt den legendären Wikingerkönig Ragnar

Lodbrok. Und „Reign“ romantisiert das Leben von Königin Maria Stuart.

THE RED BULLETIN 19


BULLEVARD

GUTE GENE

DER SERIEN-PRODUCER-STAMMBAUM

Wir haben sechs genreprägende Producer/Autoren rausgepickt und deren

Evolution im TV-Universum dokumentiert.

J. J.

ABRAMS

DONALD P.

BELLISARIO

D AV I D

CHASE

CHRIS

CARTER

RONALD D.

MOORE

VINCE

GILLIGAN

JAHR DRAMA

ADVENTURE COMEDY ACTION SCI-FI CRIME MYSTERY

2014

2013

2012

2011

2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

2003

2002

2001

2000

1999

1998

1997

1996

1995

1994

1993

1992

1991

1990

1989

1988

1987

1986

1985

1984

1983

1982

1981

1980

1979

1978

1977

1976

1975

1974

Die Genres Crime &

Mystery (grau unterlegt)

sind auffallend stark

verdichtet & daher

sehr beliebt.

FELICITY

LOST

QUANTUM LEAP

NORTHERN EXPOSURE

ALMOST HUMAN

PERSON OF INTEREST

ALIAS

MAGNUM

THE AFTER

BATTLESTAR GALACTICA

STAR TREK: D9

STAR TREK: TNG

BATTLE CREEK

BREAKING BAD

NAVY CIS

THE SOPRANOS

MILLENNIUM

JAG

THE ROCKFORD FILES

FRINGE

CARNIVÀLE

THE LONE GUNMEN

ROSWELL

THE X-FILES

THE X-FILES

J.J. Abrams

Donald Bellisario

David Chase

Chris Carter

Ronald D. Moore

Vince Gilligan

KLEINER

SCREEN …

… ganz groß!

Vier Dinge, die

unser TV-Universum

noch genialer

machen.

Netflix

Mit Eigenproduktionen & Binge-

Watching führte Netflix das

Fernsehen in eine neue Ära.

TVTag-App

Social-Media-Fun meets

Second-Screen-Infotainment.

Ergebnis: die perfekte TV-App.

4k Ultra-HD Smart-TV

Viermal so hoch wie unsere

bisherige Full-HD-Auflösung.

Da sieht man jeden Pixel.

BUY

Touch & Buy-Zapper

Mit der Fernbedienung direkt

vom TV-Screen einkaufen.

Gibt’s nicht, wäre aber toll.

GETTY IMAGES(5), CORBIS

20 THE RED BULLETIN


„ES IST WIE FRÜHER.

WENN ES MIR ZU DUMM WIRD,

GRÄTSCHE ICH DAZWISCHEN.“

THOMAS HELMER. MODERATOR SPORT 1.

ALLES FÜR DIE BUNDESLIGA.

ALLES FÜR DICH.

RUND UM DIE UHR AUF ALLEN KANÄLEN.

.DE

APP

.FM

TV


104 Tage, 8 Stunden

„GENERAL HOSPITAL“

In dieser Zeit könntest du: alle unten aufgelisteten

Serien schauen oder zur Venus fliegen

12 Tage, 5 Stunden

„DR. WHO“

In dieser Zeit könntest du: 1465 Kilometer

zu Fuß gehen (= von Wien nach Göteborg)

11 Tage, 12 Stunden

„THE SIMPSONS“

In dieser Zeit könntest du:

in den USA den Flugschein machen

10 Tage, 2 Stunden

„BAYWATCH“

In dieser Zeit könntest du:

5 bis 10 Kilo abnehmen – je nach Fleiß

8 Tage, 1 Stunde, 30 Minuten

„NAVY CIS“

In dieser Zeit könntest du:

dir alle Werke von Mozart reinziehen

7 Tage, 10 Stunden

„STAR TREK: THE NEXT GENERATION“

In dieser Zeit könntest du: plötzlich Ukulele spielen

mit der „Learning Ukulele in 7 Days“-App

„GENERAL

HOSPITAL“

„DOCTOR WHO“

„THE SIMPSONS“

„BAYWATCH“

„NAVY CIS“

4 Tage, 12 Stunden

„BUFFY“

In dieser Zeit könntest du: 2592 Popcorn-

Packungen in der Mikrowelle zubereiten

3 Tage, 8 Stunden

„TRUE BLOOD“ (STAFFEL 1 – 6)

In dieser Zeit könntest du: bei durchschnittlichem

Tempo die gesamte Bibel lesen

1 Tag, 16 Stunden

„GAME OF THRONES“ (STAFFEL 1 – 4)

In dieser Zeit könntest du: die vier höchsten

Gipfel Großbritanniens erklimmen

SERIEN-JUNKIES

DER GROSSE SOFA-MARATHON

Binge-Watching (das Konsumieren mehrerer Folgen oder gar

kompletter TV-Staffeln) ist in. Hier siehst du, wie viel deiner

Lebenszeit du deinen TV-Heroes womöglich schon geopfert hast.

1 Tag

„STAR TREK: THE

NEXT GENERATION“

„BUFFY“

„TRUE BLOOD“

„GAME OF THRONES“

1 Stunde

GETTY IMAGES, MAURITIUS IMAGES, 20TH CENTURY FOX(2), DDP IMAGES, PARAMOUNT PICTURES(2), LACEY TERRELL, HOME BOX OFFICE

22 THE RED BULLETIN


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LIVE STAGES

Rally live – up to three hours of rally action per event.

LIVE MAPS

Exclusive live tracking of drivers and cars.

ONBOARD ACTION

Unique rally experience through the eyes of the drivers.

FULL HIGHLIGHTS

The WRC video highlights in full length.


BULLEVARD

NORDISCH BY NATURE

EIN HAMMER!

Die norwegische Kultshow „Lilyhammer“

ist als erste Serie mit

Untertiteln ein Hit in den USA.

„IN CHARACTER“-

WORD-RAP MIT …

… Sheriff Joshua Nolan (Grant

Bowler) aus „Defiance“.

Was fällt Ihnen ein zu:

HELLBUG: sexy Time!

ALASKA: Wüste!

AMANDA ROSEWATER: heiß!

DATAK TARR: kleiner Strolch!

VOLGE: Schmecken gebraten gut

TERRAFORMING: Trouble!

VATERSCHAFT: Trouble!!!

Fun aus dem hohen Norden: „Lilyhammer“

Die Experten sind sich einig: Das goldene

Zeitalter des Fernsehens ist da. Einerseits

kann man in mehrstündigen Serien Charaktere

besser entwickeln als bei einem

zweistündigen Kinoabenteuer. Zudem

wechseln immer mehr Hollywoodstars

vom Big auf den Small Screen. TV-Serien

sind das bessere Kino. Und man traut sich

auch mehr. „Lilyhammer“ ist die erste

europäisch produzierte Serie, die trotz

Untertiteln in den USA funktioniert. Das

Sci-Fi-Spektakel „Defiance“ (re.) geht neue

Wege, indem es als TV-Show & Online-

Game-Universum daherkommt. Und

„Downton Abbey“ (re. u.) entführt Millionen

Zuseher weltweit ins Edwardianische

England. Wir haben für euch Interviews

mit den Darstellern in ihrer Rolle („in

character“) geführt. Viel Spaß!

„IN CHARACTER“-TALK MIT …

… mit Gangsterboss Frank Tagliano (Steven

Van Zandt) aus „Lilyhammer“.

Wenn Sie der mächtigste Mann in Lillehammer

wären, was würden Sie tun?

Das bin ich doch! Ich habe den Ort in ein

ein ziges großes Bordell verwandelt. Ich bin

eine Ein-Mann-Verbrechenswelle. In Lillehammer

gab’s keine Kriminalität, keine

Korruption – nur Bürokratie. So etwas

schockt einen Amerikaner wie mich. In

den USA kannst du vom Bürgermeisterbis

zum Präsidentenamt alles kaufen.

„Ich bin eine

Ein-Mann-Verbrechenswelle.“

Frank Tagliano

COMEDY/DRAMA

LILYHAMMER

Wenn Sie plötzlich

alle Freiheiten hätten,

was wäre das Erste,

was Sie täten?

Ich würde die erste

Schwulenbar des

Edwardianischen Zeitalters

eröffnen. Sie

würde „Barrow’s Law“

heißen. Der Ort, an

dem alle Männer das

Recht haben, zu küssen,

wen sie wollen – und

vor allem den Gastgeber

natürlich. Als DJ

SCI-FI/ABENTEUER

DEFIANCE

„IN CHARACTER“-TALK MIT ...

… Unterbutler Thomas Barrow (Rob James-Collier) aus „Downton Abbey“

würde ich Molesley (ein

Butler, dargestellt von

Kevin Doyle; Anm.)

engagieren. Er würde

traurig im Eck stehen

und melancholische

Radiohead-Scheiben

spielen. Ich würde zu

ihm sagen: „Verdammt,

Molesley! Gib doch

ein wenig Gas! Wie

wär’s mit ein bisschen

Abba?“ Und dann wäre

ich buchstäblich die

„Dancing Queen“.

KOSTÜMDRAMA

DOWNTON ABBEY

RED ARROW INTERNATIONAL(2), SYFY MEDIA(2),

CARNIVAL FILM & TELEVISION LIMITED

24 THE RED BULLETIN


BULLEVARD

DIE SITCOM-

FORMEL

Welche Zutaten/Charaktere

braucht eine Sitcom, um ein

globaler Hit zu werden?

TV-SHOWS EINST UND JETZT

WERTEWANDEL

Wie haben sich die Zeiten doch geändert: Was einst cool war, ist heute

cheesy. Der Wandel unseres Wertesystems anhand von TV-Shows.

WOMANIZER

Egal ob Charlie

Harper

(„TAAHM“)

oder Barney

Stinson

(„HIMYM“):

Ein Ladies’

Man muss her.

N E R D

Auf sozialer

Ebene ein Flop,

aber geistig

top und

liebenswert:

wie Sheldon

Cooper

(„BBT“).

CHEERS

(1982)

Frau wird von Mann

betrogen und beginnt

deshalb in einer Bar

zu arbeiten.

Marke: selbständige

Selbstversorgerin!

NUR HARMLOSE

ANSPIELUNGEN

vs.

PRÄMISSE

SEX & NACKTHEIT

ALKOHOL

NEW GIRL

(2011)

Frau wird von Mann

betrogen und zieht

daraufhin in einer

Männer-WG ein.

Marke: unselbständige

Draufgängerin.

SERIENHELDIN

JESS KOMMT SCHON

IN DER ERSTEN MINUTE

NACKT VOR.

FAMILIEN-

BANDE (1982)

Die Eltern sind Hippies,

den 68er-Idealen verpflichtet.

Der Sohnemann

kämpft als angehender

Banker um deren

Anerkennung.

PATRIARCHAT:

DER VATER GIBT

DEN TON AN.

vs.

PRÄMISSE

WER HAT DAS SAGEN?

FAMILIE

THE BIG BANG

THEORY (2007)

Eine Gruppe von Nerds

kämpft um die Anerkennung

ihrer

Normalo-Eltern und,

ganz nebenbei, um den

Nobelpreis.

MATRIARCHAT:

DIE MÜTTER GEBEN

DEN TON AN.

L O V E

I N T E R E S T

Die fesche

Maid, über die

Mann & Frau

sich freut:

wie Robin

(„HIMYM“)

oder Penny

(„BBT“).

Alkohol wird als Mittel

gegen Einsamkeit akzeptiert.

Die Bar ist ein

Zufluchtsort, um Sorgen

zu vergessen, und dein

Drink ein guter Kumpel.

FAZIT

Alkohol wird als Antwort

auf nahezu alle Fragen

und Problemchen des

Lebens präsentiert.

Na denn: Prost!

Männer sind damals wie heute Schweine.

Der Alkohol hat sein Image allerdings im Laufe der

Zeit mächtig aufpolieren können.

Es wird ein äußerst

harmonisch-idyllisches

Familienbild gezeigt.

Diese Familie

funktioniert.

FAZIT

Sämtliche unserer Helden

kommen aus dysfunktionalen

Familien

und kämpfen mit „Luxusproblemen“.

Zielstrebigkeit bewährt sich über alle Generationen

hinweg. Die Familie hat sich von einer klassischfunktionialen

zu einer dysfunktionalen „weiterentwickelt“.

Die heile Welt gibt’s nicht mehr.

Freunde sind die bessere Familie.

CHILLIGE

LOCATION

Ein Platz, an

dem wir uns

alle wohlfühlen

würden – egal

ob Pub oder

Wohnzimmer.

KOMA*

Unser Künstler Kainrath widmet sich

dem TV-Universum.

CAN TALK

Two and a half cans

TOM MACKINGER, DIETMAR KAINRATH

GLOBALES PHÄNOMEN

Coolness plus Hirnschmalz, ein bisschen

Sexappeal und eine Killerlocation sorgen

für rollenden Rubel. Und das jahrelang!

EMERGENCY ROOM

* KOMA: KAINRATH’S ŒUVRES OF MODERN ART

Nutzen Sie die Sendepause für

einen Toilettengang und zum

Snack-Holen. Gleich geht’s weiter!

THE RED BULLETIN 25


Ein junger Spanier dominiert lächelnd die Highspeed-

Welt der MotoGP. Selbst seine Gegner wissen: Er kann sich

nur selbst schlagen. Doch das hat er nicht vor. Was

macht MARC MÁRQUEZ so verdammt gut? Eine Spurensuche.

Text: Werner Jessner, Bilder: David Clerihew

GOLD & GOOSE/RED BULL CONTENT POOL

26


Einmal ohne Rennleder:

Marc Márquez,

das schnellste Wesen

auf zwei Rädern


ill man einen simultanen Blick in Marc

Márquez’ Zukunft und Vergangenheit

werfen, braucht man bloß in die Box des

Honda Repsol Teams zu schauen. Ganz

hinten an den Stellwänden steht ein drahtiger

Mann, braun gebrannt, kurze Haare,

Lachfalten und federt in den Schenkeln.

Man könnte ihn für einen ehemaligen

Rennfahrer halten, der sich da während

des Trainings mit Teamchef Livio Suppo

unterhält, doch die Ähnlichkeit mit dem

jungen Mann, der sich soeben seinen

maßgeschneiderten Shoei-NXR-Helm

über den Kopf gestülpt hat, ist zu groß:

Julià Márquez ist bei allen Rennen seines

Sohnes vor Ort. Unauffällig präsent, kein

Lautsprecher, kein Teamdress, aber: immer

da, wenn sein Erstgeborener ihn braucht.

Selbiges gilt freilich auch für Marcs um

drei Jahre jüngeren Bruder Álex, höchst

erfolgreich in der Nachwuchsklasse Moto3

unterwegs. Die Brüder wohnen immer

noch bei den Eltern zu Hause in Cervera,

eine gute Autostunde nördlich von Barcelona.

Marc fährt übrigens privat BMW M5

(die Trophäe für den besten Qualifyer des

Vorjahres) oder noch lieber – weil praktischer

– einen fensterlosen weißen Lieferwagen

mit eingerichteter Werkstatt.

Im Hause Márquez gibt es inzwischen

getrennte Trophäen-Räume, aber sonst ist

alles noch so wie früher: Man lebt zusammen,

isst zusammen, trainiert zusammen

und lässt die wilde Welt der Motorrad-

WM – die riesigen Motorhomes, die langbeinigen

Models, die Deals und Tricksereien

einer äußerst kompetitiven Welt

– so wenig wie möglich ins Leben hinein:

Auf der Strecke, da zählt’s.

Doch, zwei Dinge hätten sich schon

geändert, sagt Álex Márquez, der jüngere

Bruder, auf Nachfrage: „Früher musste ich

Marcs Helme, Handschuhe und Motorräder

auftragen. Bei einem Rennen hat

Papa Marc begleitet, während Mama

mich chauffiert hat, am Wochenende darauf

wurde getauscht. Seit wir beide im

MotoGP-Fahrerlager sind, braucht es das

nicht mehr.“

Seit er elf Jahre alt ist, wird Marc von

Emilio Alzamora gemanagt, dem 125er-

Weltmeister von 1999. Man kann die Rolle

des 41-jährigen Spaniers mit jener von

Helmut Marko im Formel-1-Rennstall

von Infiniti Red Bull Racing vergleichen:

Wenn du stark genug bist, um seinen

Ansprüchen zu genügen, kannst du es

sehr, sehr weit nach oben schaffen.

Welchen Diamanten Alzamora sich mit

dem jungen Marc Márquez geangelt hatte,

konnte er zu Beginn ihrer Zusammenarbeit,

2004, wohl auch nicht ahnen. Gut,

der Junge hatte es mit acht zum katalanischen

Enduro-Meister gebracht, hatte mit

fünfzehn in der WM debütiert und war mit

siebzehn in der kleinsten Klasse erstmals

Weltmeister geworden, aber das haben

andere auch geschafft. In der Moto2 fiel er

durch Stürze und Verletzungen auf, und

er brauchte zwei Jahre, um diesen Pflicht-

Titel abzuhaken, im ersten Jahr, 2011,

geschlagen vom Deutschen Stefan Bradl.

Dennoch wollte ihn das Honda-Werksteam

unbedingt als Nachfolger des zurückgetretenen

australischen Fahrergenies

MARC KOMMT

JEDES MAL

LACHEND ZUR

TÜR HEREIN UND

FREUT SICH, DA

ZU SEIN. DAS

STECKT DAS

GANZE TEAM AN.

ER MACHT UNS

ALLE JÜNGER.

28 THE RED BULLETIN


Diese Schnurre

wird immer wieder

gern erzählt: Marc

Márquez, 21, immerhin

dreifacher

Motorrad-Weltmeister,

hat noch

immer keinen Zweiradführerschein.


BEREITS DER

ERSTE TEST GAB

DIE RICHTUNG

VOR: MARC

HOCKTE SICH

AUFS BIKE UND

FUHR BESTZEIT.

Casey Stoner für die Königsklasse verpflichten,

selbst wenn dazu eine Regeländerung

erforderlich war: Normalerweise

müssen Einsteiger Erfahrung in

Satellitenteams sammeln, bevor sie auf

Werks-Material losgelassen werden.

Marcs ersten Test mit einem MotoGP-

Bike wird Teamchef Livio Suppo nie vergessen:

„Es war in Valencia, der erste Tag

war verregnet, wir konnten nicht auf die

Strecke. Andere wären nervös geworden,

doch als es am zweiten Tag endlich losging,

hockte sich Marc aufs Bike und fuhr

im ersten Stint eine Sektoren-Bestzeit.

Schneller als Stoner, Rossi, Pedrosa. Ich

habe den Screen mit meinem Mobil telefon

fotografiert, es war unglaublich.“

Suppo ist ein alter Fuchs, der das

Ducati-Team geleitet hatte, bevor ihn die

Japaner zur Honda Racing Corporation

lotsten, um den frechen Herrn Rossi auf

seiner Yamaha endlich in die Schranken

zu weisen. Einen wie Suppo beeindruckt

nichts so schnell: „Junge Fahrer kann man

nach ihrer ersten Saison beurteilen. Entweder

man hat es, oder man hat es nicht.“

Dass jemand jedoch gleich beim ersten

Outing schneller ist als die Benchmark,

war auch in Suppos darwinis tischer Welt

ohne Beispiel.

Treiben Fahrer wie Marc Márquez ihre

elektronisch optimierten 250-PS-Geschosse

um die Strecke, erreichen sie

Schräglagen von bis zu 69 Grad. (Für

Laien: Das sind jene Momente, in denen

auf den gyroskopisch gelagerten Bordkameras

der Kopf des Fahrers aus dem

Bild verschwindet und diese das Problem

haben, dass nicht nur Knie und Ellbogen,

sondern bisweilen sogar die Schulter den

Asphalt berührt.) Alle Kraft wird dabei

von zwei scheckkartengroßen Flächen

übertragen: der Auflagefläche der Bridgestone-Einheitsreifen.

Deren Oberfläche

erhitzt sich dabei auf über 200 Grad, und

GOLD & GOOSE/RED BULL CONTENT POOL

30 THE RED BULLETIN


So schnell, dass man

2013 für ihn die Regeln

änderte: Marc Márquez

durfte ohne Umweg

über ein Satelliten-Team

von der Moto2-Klasse

ins Honda-MotoGP-

Werksteam wechseln.

THE RED BULLETIN 31


Auf Twitter folgen

MM eine Million Fans,

und wenn es jemand

schafft, seine Karriere

zu gefährden, dann

nur ein Mädchen, das

ihn auf eine einsame

Insel entführt, sagt

sein Manager.

MEHR MÁRQUEZ IN

„ON ANY SUNDAY.

THE NEXT CHAPTER“.

EIN FILM, DER DIE

ZWEIRAD-LEIDENSCHAFT

ZELEBRIERT.

Teaser und Infos auf:

www.onanysundayfilm.com

32 THE RED BULLETIN


noch die Felgen werden so heiß, dass man

sie ohne Handschuhe nicht anfassen kann.

Cheftechniker Klaus Nöhles, einst selbst

als Fahrer in der WM unterwegs, kennt

alle Daten der Piloten und kann Rückschlüsse

ziehen: „Marc braucht ein extrem

stabiles Vorderrad. Was das Hinterrad

macht, ist ihm – vereinfacht gesagt – egal.

Er ist der Einzige, der es schafft, dass das

Hinterrad in voller Schräglage abhebt, so

stark bremst er in die Kurven rein.“ Und

Marc stürzt dennoch nicht.

Was nicht bedeutet, dass er nicht doch

manchmal zu Boden geht, ins Kiesbett

rodelt oder sich in einen Notausgang

bremsen muss. „Das Limit zu suchen

gehört dazu“, zuckt Marc Márquez grinsend

die Achseln. „Sonst bist du nicht

schnell genug.“ Früher sei er viel gestürzt.

Heute kenne er das Limit, ohne zwangsläufig

auf die andere Seite zu gehen.

Liegt sein Speed vielleicht daran, dass

er es gewohnt ist, mit elektronischen Fahrhilfen

zu fahren? Livio Suppo verneint

entschieden: „Er ist so schnell, weil er so

schnell ist. Im Gegenteil: Elektronik lässt

schwächere Fahrer überproportional gut

aussehen.“

Laut Cheftechniker Nöhles gehört die

Arbeitsweise von Repsol Honda zu den

strukturiertesten, die er in seiner Karriere

erlebt hat: „Sie kommen bereits mit einer

genauen Idee an die Strecke und ändern

dann immer nur ein Ding. Da gibt es keine

Panik-Aktionen.“ Das liege vor allem an der

ruhigen, klugen Art von Márquez’ Cheftechniker

Santi Hernández. Der in London

lebende (und hoheitsvoll Zigaretten

rauchende) Spanier ist jener bärtige junge

Mann, der sich bei Marcs Siegen im Hintergrund

so schön freuen kann, und er sagt

so erfrischende Dinge wie: „Mit Marc

zusammenzuarbeiten ist so einfach. Er

sagt genau, was er will, und fährt dann

noch schneller als berechnet. Außerdem

ist er wahnsinnig ehrlich: Wenn er einen

Fehler macht und stürzt, kommt er in die

Box und entschuldigt sich. So müssen wir

erst gar nicht damit beginnen, Fehler

beim Setup zu suchen.“

Enttäuschungen sind in kürzester Frist

verarbeitet, und schon verströmt Marc

Márquez wieder diesen unglaublichen

Sonnenschein, „den bei uns in der Familie

alle haben“, so Bruder Álex. Teamchef

Suppo: „Casey Stoner war am Motorrad

ebenfalls ein Wunderkind, allerdings sind

Casey und Marc völlig unterschiedliche

Charaktere. Marc kommt jedes Mal

lachend zur Tür rein und freut sich, hier

zu sein. Das steckt das gesamte Team an.

Dafür danke ich ihm jeden Tag. Es gibt

keinen, der nicht gern für ihn arbeitet.

Marc macht uns alle hier jünger.“

NUR ER SCHAFFT

ES, DAS HINTER-

RAD IN VOLLER

SCHRÄGLAGE

ABHEBEN

ZU LASSEN,

OHNE STURZ.

Unglaublich auch das Selbstvertrauen

des jungen Mannes. Im Vorjahr musste er

das letzte Saisonrennen vor 100.000

fanatischen Fans im spanischen Valencia

mindestens auf Platz 3 beenden, um als

jüngster Weltmeister der Geschichte festzustehen.

Vor dem Start klopfte Marc

seinem Teamchef beruhigend auf die

Schulter: „Mach dir keine Sorgen, auf

Platz 3 fahre ich sogar, wenn du mir eine

Hand auf den Rücken bindest.“ Genauso

geschah es: Platz 1 Jorge Lorenzo, Platz 2

Dani Pedrosa, dahinter Márquez. Kein

Risiko, voller Lohn.

Selbst mit dem Teamkollegen Dani

Pedrosa, nach konventioneller Lesart sein

erster Gegner, ist inzwischen ein gutes

Auskommen: „Sie verstehen sich, lachen

viel und gehen abends sogar miteinander

essen.“ Etwas, das in anderen Sportarten

so definitiv nicht denkbar wäre. Der

Schlüssel dazu ist wohl gemeinsamer

Respekt, zusätzlich befeuert von der Tatsache,

dass man einen extrem gefährlichen

Sport betreibt und man sich aufeinander

verlassen muss, wenn man mit

350 km/h Rad an Rad kämpft und es kein

Carbon-Monocoque gibt, das den Körper

schützt, wenn einmal etwas schiefgeht.

Das war nicht immer so: Letzte Saison

gerieten die zwei im Kampf um die Spitze

grob aneinander, kurz herrschte dicke Luft.

Doch davon ist nichts mehr zu spüren:

Man hat sich ausgesprochen, von Mann

zu Mann. Suppo: „Respekt, wie die beiden

die Situation gelöst haben.“

Dani Pedrosa hält sich seit einem Jahrzehnt

an der Spitze der MotoGP, er ist

neben Valentino Rossi der ausgebuffteste

Fuchs im Feld. Sein Urteil über den Kollegen:

„Marc fährt nicht nur schnell, er ist

außerdem schwer zu überholen. Er bremst

extrem schräg in die Kurven rein, dadurch

macht er sich sehr breit. Außen geht da

gar nichts. Die einzige Chance ist, sich

innen rein zu bremsen. Aber dann musst

du selber die Kurve noch kriegen.“

Stefan Bradl stimmt zu: „Wir versuchen

alle, ihn zu knacken, aber noch hat keiner

ein Mittel gefunden.“

Vielleicht macht das Training auf Dirt

Track den Unterschied, wo er gewohnt ist,

mit rutschenden Motorrädern zu spielen.

Noch einmal Klaus Nöhles: „Marc hat den

Fahrstil mit dem abgespreizten Bein beim

Anbremsen perfektioniert: Er stützt sich

mit dem Bein am Asphalt ab, während das

Motorrad scheinbar außer Kontrolle tanzt

und schlingert. Wenn man genau hinschaut,

erkennt man, dass er das Bike nur

ganz lose führt und es seinen Weg suchen

lässt, anstatt sich daran festzuklammern

wie andere Fahrer. Es wirkt, als hätte

Marc mehr Vertrauen in die Fähigkeiten

seiner Maschine als die anderen.“

Zu allem Überfluss und zusätzlich zur

ganz normalen Brillanz gibt es dann noch

diese magischen Márquez-Momente, in

denen er der versammelten Gegnerschaft

scheinbar aus dem Nichts, in beinahe

spie lerischer Manier eine überbrät und

sie zusätzlich demoralisiert. Etwa, wenn

er auf Yamaha-Strecken – solchen mit

offenen, schnellen Kurven – auf seiner

Honda mit Respekt abstand die Pole-Position

holt, vor drei Yamahas und einer

Ducati, und dann erst kommen die

anderen Hondas. Erklärung? Ein Grinsen

übers ganze Gesicht.

Für jede Pole-Position bekommt der

Pole-Setter von einem Sponsor eine Uhr.

Die erste des Jahres behält sich jeweils

Marc. Die zweite kriegt sein Vater. Dann

wird reihum das Team bedient. Crew-

Chief Santi besitzt inzwischen vier der

edlen Stücke, er trägt immer das jüngste.

Die anderen kommen in seine Wohnung

in London, zum signierten Helm vom

letzten Rennen des Vorjahres, das den

WM-Titel fixierte. „Eines Tages“, sagt

Santi, „werde ich zurückschauen und

nicht glauben können, Teil von alldem

gewesen zu sein und mit einem wie Marc

gearbeitet zu haben.“

Wer kann ihn stoppen, wenn schon

seine Gegner kaum noch an ihre Chance

glauben? Teamchef Suppo glaubt es zu

wissen: „Eine kurze erfolgreiche Karriere

zu haben ist das eine, eine lange erfolgreiche

etwas ganz anderes. Marc hat das

Zeug, noch erfolgreicher zu sein als

Valentino Rossi. Das könnte wahrscheinlich

nur eine wunderschöne Brasilianerin

verhindern, in die er sich verliebt und die

ihn auf eine einsame Insel entführt.“

www.redbull.com/faster

THE RED BULLETIN 33


„IHR

INTERVIEW:

SOLLT

DIE TOP TEN SIND DAS ZIEL:

DEUTSCHLANDS BESTER FREERIDE-

MOUNTAINBIKER PETER HENKE

FORDERT BEIM RED BULL

DISTRICT RIDE IN NÜRNBERG

DIE WELTSPITZE. VORBEREITET

HAT ER SICH UNTER ANDEREM

MIT MARIO KART.

MANUEL KURZMANN BILDER: NORMAN KONRAD

SCHREIEN“

CHRISTOPH LAUE/RED BULL CONTENT POOL

34


Vorbereitung auf den

Saison-Höhepunkt:

Peter Henke mit

einem Flatspin 360

beim Training in Terre

Rouge, Frankreich (li.)


P

Deutschlands Beitrag

zur Freestyle-MTB-

Weltklasse: Peter

Henke, 21, Spezialist

für „Mario Kart“ und

Double Backflips

eter Henke ist 21 Jahre alt und stammt

aus Ingelheim. Als Neunjähriger versuchte

er sich erstmals an Dirtjumps. Im Freeride

Mountainbike World Tour-Gesamtranking

2013 landete er auf Platz zehn. Beim Red

Bull District Ride in Nürnberg trägt er am

5. und 6. September die deutschen Hoffnungen

– vor allem freuen sich die Fans

auf seinen Double Backflip. „Technisch ist

der gar nicht so tricky“, sagt Henke im

Interview, „dafür umso gefährlicher.“

the red bulletin: Darf man Peter

Henke vor dem Start zu einem Run

ansprechen?

peter henke: Besser nicht. Da bin ich

dann doch ein wenig aufgeregt und lieber

in mich gekehrt. Ich wäre auch kein guter

Gesprächspartner. Gedanklich bin ich da

schon auf der Strecke.

Beim Red Bull District Ride wird das

mit der Ruhe ein wenig kompliziert:

Da flippen 50.000 Fans aus, wenn du

am Start stehst. Sollen wir die Leute

um Ruhe bitten? Quiet, please?

Haha, nee, die sollen ruhig schreien. Ich

kenn die Situation schon von den X Games

2013 in München. Damals hat der Heimvorteil

geholfen, ich wurde Neunter.

Bist du vor dem Start gar nicht aus der

Ruhe zu bringen?

Doch. Einmal ist mir ein Gedanke durch

den Kopf geschossen: „Mist, wo hast du

dein iPhone hingelegt?“ Dabei war’s noch

in meiner Hosentasche.

Und du hast einen Sicherheitslauf hingelegt,

dass dem Handy nichts passiert?

Neeein, natürlich nicht. Der Lauf war dann

auch ziemlich gut.

Was ist der schwierigste Trick in deinem

Repertoire?

Der Double Backflip. Also, um genau zu

sein, ist er technisch gar nicht so tricky.

Dafür umso gefährlicher. Und braucht

richtig viel Überwindung. Wenn du

„DAS WICHTIGSTE BEIM

DOUBLE BACKFLIP AUF DEM

MOUNTAINBIKE?

NICHT NACHDENKEN,

EINFACH MACHEN!“

MARKUS GREBER/RED BULL CONTENT POOL

36 THE RED BULLETIN


zögerst oder den Bewegungsablauf vermasselst,

stürzt du böse. Das Wichtigste:

nicht nachdenken, einfach machen.

Magst du den ersten oder den zweiten

Run lieber?

Hm. Der zweite wird heftig, wenn du den

ersten Lauf verbockt hast. Der erste dient

dazu, Sicherheit zu gewinnen und mit

einfacheren Tricks einen soliden Score

vorzulegen. Klappt das nicht, hast du

im zweiten Lauf massiv Druck. Vor allem

in der Quali: Da fliegst du raus, wenn du

nach einen Durchschnitts-Run beim

letzten Sprung nicht noch mal einen auspackst.

Der Gedanke daran kann dich

völlig aus dem Konzept bringen.

Klingt nicht sehr angenehm, wenn man

sich auf den letzten Sprung vorbereitet

und dann nachzudenken beginnt …

Kann man das nicht ausschalten?

Auf Augenhöhe

mit den Dächern

von Nürnberg

„DRUCK SPÜRST DU

SCHON IN DER QUALI:

EIN DURCHSCHNITTS-

RUN REICHT NICHT.“

Die einzige Möglichkeit ist: trainieren,

trainieren, trainieren. Bis die Sprünge

so sitzen, dass alles wie im Film abläuft.

Nur: Die Wettkampfsituation ist nervlich

halt noch einmal eine andere Nummer.

Und manchmal hat man einfach Pech –

das Bike kann Probleme machen, oder du

kannst wegrutschen.

Beim Red Bull District Ride sind Allrounder-Qualitäten

gefragt. Es gibt

Hangpassagen, große Sprünge, kleinere

RED BULL

DISTRICT

RIDE

Event:

Vorletzter Stopp der FMB

Diamond Series, der Champions

League der Freeride-

Mountainbiker. Schauplatz:

die Nürnberger Innenstadt.

Kurs:

Extrem herausfordernd.

Mit Slopestyle, Big Air,

Park und Dirt Jump werden

gleich vier Disziplinen vereint.

Allrounder-Qualitäten

sind also gefragt!

Programm:

Freitag, 16.45 Uhr: Quali 1;

18 Uhr: Best Trick Contest;

Samstag, 11 bis 12.30 Uhr:

Quali 2; 15 bis 17 Uhr:

Finale.

Kicker aus Erdhügeln und Park-Elemente

mit einer Quarterpipe. Ist da

irgendwo ein mulmiges Gefühl?

Das wird wohl der Skatepark sein, weil

ich Sprünge lieber habe. Da sollte ich mir

noch was überlegen. Im Moment muss

ich aber ohnehin erst einmal wieder in

Topform kommen.

Noch wegen der vor vier Monaten

gebrochenen Rippe?

Ja. Und Anfang Juli bin ich beim Crankworx

in Les Deux Alpes wieder gestürzt.

Das war für den Heilungsprozess nicht

eben optimal. Ich hätte dort noch nicht an

den Start gehen sollen – aber du weißt ja:

Wichtiger Wettkampf, will man nicht auslassen,

und die paar Schmerzen blendet

man aus. Hat man ja gelernt.

Du bist seit elf Jahren Mountainbiker.

Was hat sich da denn schon an Verletzungen

angesammelt?

Diverse Brüche, eben die Rippe, dann

zweimal der Arm, der linke Mittelhandknochen,

Kreuzbandeinriss, zertrümmerte

Kniescheibe. Kleinigkeiten wie Prellungen,

Bänderzerrungen und leichte Gehirnerschütterungen

zählt man nicht.

Nie Lust gekriegt auf

einen weniger riskanten

Sport?

Ach, so wild ist es ja nicht.

Mein Bruder Felix spielt

Handball und war schon

wesentlich schlimmer verletzt

als ich.

… die Henke-Brüder bei

gemeinsamer Reha auf

der Wohnzimmercouch?

Hehe, genau. Wir hatten so

eine Situation erst vor ein

paar Monaten: Er hatte sich

beim Snowboarden die

Schulter komplett zerstört,

und ich hatte ein geprelltes

Knie, das höllisch wehtat.

Wie habt ihr die Zeit

totgeschlagen?

Wochenlang „Mario Kart“

zocken auf der Wii. Im

Nachhinein eigentlich eine

superlustige Zeit.

Mit welcher Platzierung

wärst du beim Red Bull

District Ride zufrieden?

Alles unter den Top Ten wäre perfekt. Und

das habe ich auch drauf.

Wer ist der Topfavorit?

Der Kanadier Brandon Semenuk fährt im

Moment unfassbar konstant. Und Thomas

Genon aus Belgien kann alles, auch Skateparks.

Das ist grad beim Red Bull District

Ride, wo es um die Vielfalt des Freeride-

Mountainbikens geht, ein Riesenvorteil.

www.redbulldistrictride.com

37


BASIC

INSTINCTS

FREIHEIT. KREATIVITÄT. AKROBATIK. TANZ.

Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst mit Wurzeln im frühen 18. Jahrhundert.

Und vielen Ähnlichkeiten zu zeitgemäßem Parkour und Freerunning.

T e x t : F e r n a n d o G u e i r o s

B i l d e r : K a r i n e B a s i l i o

38


PARKOUR

VS. CAPOEIRA

Danilo Alves (links) und

Michael „Aranha“ („Die

Spinne“) zeigen auf den

folgenden Seiten Moves

aus Parkour und Capoeira.

Zugrunde liegen ihnen die

natürlichen Bewegungen

von Tieren.


PARKOUR

SIDE FLIP

Beim „Side Flip“

sorgt ein Bein für

den nötigen Impuls,

um das andere Bein

vom Boden und den

gesamten Körper

in eine Drehung zu

bekommen. Hier gibt

Danilo dem Ganzen

eine persönliche Note,

indem er ein Bein mit

der Hand festhält.

ARMADA

DUPLA

CAPOEIRA

Bei diesem Salto

springt der Capoeirista

mit geschlossenen

Beinen ab und versetzt

den Körper in eine

Drehung. Wenn er in

der Horizontalen ist,

können beide Füße

in Richtung des

Gegners treten.


HAND-

STA ND

PARKOUR

Der „Handstand“

(eng lisch ausgesprochen)

wird angewandt,

um Hindernisse wie

Mauern zu überwinden

oder um verschiedene

Moves geschmeidig

zu beenden.


CAPOEIRA

BANANEIRA

Auf einer oder beiden

Händen zu balancieren

ist eine der Capoeira-

Grundtechniken. Der

„Bananenbaum“ dient

als Ausweichbewegung

und als Basis für

nach folgende Moves.

43


as ist Instinkt? Eine Definition lautet: die Fähigkeit,

nur mit natürlichen Fertigkeiten Ziele zu erreichen.

Zu theoretisch?

Okay.

Dann praktisch: Man geht irgendwo entlang, und

eine Mauer versperrt einem den Weg. Instinkt ist,

was das Gehirn als erste Möglichkeit vorschlägt: raufklettern,

drüberspringen.

Ein anderes Beispiel für Instinkt, diesmal eines

aus dem 17. Jahrhundert, aus dem afrikanischen

Angola: Das Hindernis war der Nebenbuhler (der auch

das schönste Mädchen im Dorf bekommen wollte).

Die Lösung: den Kerl niederzukämpfen. Einen Fuß

auf den Kopf des besiegten Gegners zu stellen – so

sahen das die Regeln vor – und sich damit das Recht

der ersten Wahl zu sichern.

Der Wettkampf hieß N’Golo. Mit den Sklaven der

portugiesischen Kolonialherren kam der archaische

Mix aus Musik, Tanz und Kampf nach Brasilien. Dort

entwickelte er sich immer weiter und wurde unter

dem Namen „Capoeira“ bekannt – als Ausdruck des

kulturellen Erbes der Sklaven, die nach Brasilien

verschleppt wurden. (Südamerikas größtes Land ist

jenes Land, in dessen Geschichte weltweit die meisten

Menschen als Sklaven gehalten wurden.)

Heute ist Capoeira weit mehr als eine Kampftechnik

mit großer Tradition. Capoeira ist Kampfkunst,

Unterhaltung, Teil des brasilianischen Alltags,

eine eigene Kultur innerhalb des „Roda“ genannten

Rings, in dem zwei Capoeiristas einander begegnen.

Und Capoeira wurde in den vergangenen Jahren

immer populärer. „Capoeira wird in Fitnessstudios

trainiert“, sagt der 29-jährige Capoeirista Michael

„Aranha“ (portugiesisch für „Spinne“). Moves wie

„Armada Dupla“ (siehe Bild), „Folha Seca“ oder

„Bico de Papagaio“ sehen aber nicht nur toll aus,

sondern können in einem Kampf auch gefährliche

Waffen sein. „Dass man sich beim Spielen in der

‚Roda‘ mal trifft, ist fast unvermeidbar“, sagt er.

„Aber der Großteil der Bewegungen dient nicht dem

Angriff, sondern dem Ausweichen.“

Schnitt.

Ein paar Jahrhunderte nach den ersten N’Golo-

Kämpfen, in den 1980er Jahren, veränderte sich das

Leben der Teenager in den Metropolen der Ersten

Welt: Videospiele kamen auf, die Städte wurden

größer und enger, das Fernsehen bestimmte immer

stärker den Rhythmus der Menschen.

Der Franzose David Belle fühlte sich von alldem

wie erdrückt. In seiner Zeit bei der Armee hatte er

eine Reihe spezieller Fortbewegungstechniken

erlernt, die von instinktiven Bewegungsabläufen

verschiedener Tiere beeinflusst waren.

Belle verließ seine Stadtwohnung und begann

von einem Hochhaus zum nächsten zu springen –

und schuf damit eine neue Sportart, die seitdem

stetig Anhänger gewinnt und sich permanent weiterentwickelt:

Parkour.

Aus Belles „Erfindung“ entwickelten sich verschiedene

Varianten wie etwa Freerunning, bei dem

im Gegensatz zu Parkour auch akrobatische und

stylische Moves eingebaut werden – etwa aus dem

Kunstturnen und Breakdance –, während es beim

Parkour ja ausschließlich um die Effizienz der Fortbewegung

geht.

Freerunning hat viel mit Capoeira gemein. Da

wie dort handelt es sich um einen auf instinktiven

Bewegungen und Handlungen basierenden Sport, bei

dem es keinen Gewinner gibt.

„DU BRAUCHST

DEN RHYTHMUS,

UM ZWISCHEN DEN

BEWEGUNGEN DIESEN

FLOW ZU ERREICHEN.“

44


PARKOUR

Danilo Alves, 26, hat

als Neunjähriger mit

Parkour begonnen.


CAPOEIRA

Michael „Aranha“

(„Die Spinne“), 29,

ist seit dreizehn

Jahren Mitglied der

„Geração Capoeira“-

Crew von Mestre

Bambú.

Freerunner Danilo Oliveira, 26, berichtet von

vielen neuen Facetten, die sein Sport in Brasilien

entwickelt hat – eben wegen des Einflusses durch

Capoeira. „Der ‚Ginga‘ der Capoeira brachte ein neues

Element ins Freerunning“, sagt Oliveira. „Wir haben

diesen natürlichen Schwung, diese Geschmeidigkeit

in der Hüfte, den Ginga, den Samba.“ Ein Top-Freerunner

muss heute Capoeira-Moves draufhaben.

Freerunning ist ein urbaner Sport, und das kommt

in der Kleidung der Athleten auch deutlich zum Ausdruck.

Sie tragen Sneakers, Trainingshosen, weite

T‐Shirts oder Kapuzenpullis, Beanies oder Baseballkappen

– Hauptsache, die Bewegungsfreiheit des

Freerunners und damit die Präzision und Leichtigkeit

seiner Moves wird nicht eingeschränkt.

Capoeira wird auf ebener fester Erde oder in niedrigem

Gras gespielt – tatsächlich sagt man „gespielt“

–, Capoeiristas sind barfuß und tragen nur bequeme

lange Hosen.

Bei der Capoeira befinden sich die Spieler in der

Mitte der Roda, eines Kreises, in dem jeder um sie

herum singt und musiziert. (Ähnlich wie bei einer

anderen brasilianischen Tradition, dem Samba: Auch

dort wird ein Kreis aus Singenden und Tanzenden

um den Sambatänzer gebildet.)

Freerunning hingegen ist nomadisch, abenteuerlich.

Während bei der Capoeira viele Bewegungen

vom Gegner beeinflusst werden, zählt für den Freerunner

nur die Umgebung – sei sie natürlichen

Ursprungs oder künstlich geschaffen in Gestalt

von Treppen, Geländern oder Mauern.

Mehr über Parkour unter: leparkourbrasil.wordpress.com;

mehr über Capoeira unter: www.geracaocapoeira.com.br

46 THE RED BULLETIN


PARKOUR

Als „B Twist“ bezeichnet

man eine Rotation des

Athleten um die eigene

AchseḄ TWIST


NEW BEAT FUND

Punks von morgen

Die junge US-Band hat ein neues Musikgenre kreiert: G-Punk. Wie es klingt?

Laut, leichtfüßig – und vielseitiger als so mancher Plattenladen.

Interview: Florian Obkircher, Bild: Dustin Downing

Die Songs von New Beat Fund sind

Chamäleons. Kaum glaubst du, sie erkannt

zu haben, wechseln sie einfach

die Farbe. Gutes Anschauungsbeispiel:

die aktuelle Single „Peachez“. Das Stück

startet mit einer federnden Funk-Basslinie.

Dann kommt der fette Hip-Hop-Beat.

Und plötzlich biegt der Song mit einem

brüllend verzerrten Gitarrensolo Richtung

Punkrock ab. Um mit außerirdischen

Synthesizer-Sounds in einer Psychedelic-

Orgie zu enden. Als hätten Green Day,

Dr. Dre und Beck gemeinsam einen Song

aufgenommen.

Ihrem erfrischend überbordenden Stilmix

haben New Beat Fund den Namen

G‐Punk gegeben. Wie G-Punk klingt, lässt

sich auf dem im Oktober bei Red Bull

Records erscheinenden Debütalbum an

einer ganzen Reihe von Beispielen nachhören.

Was G-Punk soll, hat die Band

bereits definiert: die Welt erobern. Auch

wenn der Weg nach oben ein steiniger ist.

the red bulletin: Wie kommt man auf

die Idee G-Punk?

jeff laliberte: Das kommt von der

Musik, mit der wir aufwuchsen. Da war

Westküsten-Rap – auch G-Funk genannt –

und Punk. Wir hörten Snoop Dogg genau

wie Green Day und Rancid.

michael johnson: … und Reggae. Und

Psychedelic Rock, den unsere Eltern

hörten. Unsere Musik ist eine Mischung

aus all diesen Einflüssen.

Als Missionare des G-Punk seid ihr ständig

auf Achse. In den letzten 26 Tagen

habt ihr 20 Konzerte gespielt. In den

nächsten zwei Wochen kommen elf

dazu. Und euer Fleiß scheint sich auszuzahlen.

Letztes Jahr wart ihr Vorband

von Blink-182. Wie war’s?

laliberte: Das erste Konzert war in New

Jersey. Eine Riesenhalle, ausverkauft. Ich

machte mir fast in die Hose. Wir gingen

raus – und wurden prompt ausgebuht.

Die hatten keinen Bock auf eine Vorband.

johnson: Niemand kannte uns, niemand

wollte uns sehen. Aber ab der Hälfte des

Konzerts hatten wir das Publikum auf

unserer Seite. Wenn du mit einer großen

Band auf Tour bist, brauchst du eine dicke

Haut. Und genug Kraft, um aus Gegnern

in einer Stunde Fans zu machen.

Wie reagiert man auf Buhrufe, wenn

man auf der Bühne steht?

„Wenn du dich

wehrst, gewinnst du

den Respekt des

Publikums. Gerade

bei Punk-Konzerten.“

shelby archer: Wir schimpfen zurück.

laliberte: Es ist seltsam: Wenn du dich

wehrst, gewinnst du den Respekt des

Publikums. Gerade bei Punk-Konzerten.

Wie entgeht man auf Tour Lagerkoller?

laliberte: Das ist einfach. Jeden Tag gibt

es eine neue Stadt, neue Menschen und

neue Erfahrungen. Das hält dich frisch.

johnson: Wenn etwa der Tourbus in der

verschneiten Einöde von Iowa kaputtgeht

und du versuchst, trotzdem rechtzeitig

beim nächsten Konzert zu sein. Solche

Erlebnisse halten die Sache spannend.

Sie schweißen jedenfalls zusammen.

archer: So ist es. Oder als wir in Nebraska

verhaftet wurden.

Weswegen?

archer: Wegen Falschabbiegens. Außerdem

fanden sich gewisse Substanzen in

unserem Besitz. Als Hippie-Jungs aus

Kalifornien waren wir für die dortigen

Polizisten eine leichte Beute.

archer: Wir mussten eine Nacht hinter

Gittern verbringen. Wir waren bekifft und

total paranoid – es war fürchterlich. Aber

im Rückblick eigentlich saukomisch.

Was war der seltsamste Ort, an dem ihr

je aufgetreten seid?

johnson: Vor Jahren wurden wir gefragt,

ob wir am Fest einer lokalen Studentinnenverbindung

spielen wollen. Wir sagten

sofort zu. In unserer Vorstellung klang

das nach einer verrückten Party mit barbusigen

jungen Frauen.

laliberte: Wir hatten damals noch

keinen Plattenvertrag. Deshalb luden wir

interessierte Manager zu dem Konzert ein.

johnson: Als wir mit unseren Instrumenten

dort ankamen, machten wir Augen:

Asiatische Mathematik-Studentinnen

verkauften Kuchen und Kekse. Zwanzig

Leute, nicht mehr! Wir spielten auf der

Veranda vom Verbindungshaus. Die Anlage

war schlecht, und in der Mitte unseres

Konzerts fing es an zu schütten. Wir zogen

den Gig aber durch. Das beeindruckte die

Manager. Die meinten: „Jungs, ihr seid

echt hart im Nehmen.“

Wenn eure neue Platte eine Pizza wäre,

was würdet ihr draufpacken?

laliberte: So viele Zutaten wie möglich!

Bei eurer Stilvielfalt erscheint die Antwort

sinnvoll. Aber ehrlich, ist eine

gute Margherita nicht oft das Beste?

laliberte: Wenn du auf Margherita

stehst, hörst du besser The XX. Aber wenn

du eine Pizza willst, die dich ordentlich

satt macht, brauchst du New Beat Fund.

www.newbeatfund.com

48 THE RED BULLETIN


Besetzung (v. li. n. re.):

Paul Laliberte – Bass,

Shelby Archer – Gitarre,

Michael Johnson – Drums,

Jeff Laliberte – Gesang

Diskografie

„CoiNz ($)“: EP, 2013

Geschichte

Die vier lernten einander

in der Schule kennen und

machen seit zehn Jahren in

verschiedenen Bands

miteinander Musik. Vor zwei

Jahren gründeten sie

schließlich New Beat Fund.


MAN N EH M E ...

… 166 Rennwagen (zum Beispiel:

Audi R8 LMS ultra mit über 500 PS),

bekannt wechselhaftes Eifelwetter,

die Nordschleife des Nürburgrings

– und warte 24 Stunden lang, was

passiert. Action ist garantiert!

50


PARTY

IN DER

HÖLLE

ROBERT KAH/STEFAN BALDAUF/IMAGETRUST

24

STUNDEN AUF DER

NÜRBURGRING-NORDSCHLEIFE:

Es ist das verrückteste, wildeste, sicher das

schwierigste, für viele Fahrer schlicht das größte

Rennen des Jahres. Und was sagen die Fans?

TEXT: WERNER JESSNER


52

WIE AUF DER PLAYSTATION

Bubenträume zum Angreifen: All die

schönen Autos, die man sich im

Spieleklassiker „Gran Turismo“ hart

erdaddeln muss, den wunderbaren

Mercedes SLS GT3 in den Farben

von Rowe Racing (oben) etwa oder

den rattenschwarzen Nissan GT-R

der Nissan GT Academy, kann man

am Nürburgring live in Action erleben.

Charakteristisch für den Ring

sind die Fanbotschaften am Asphalt.

Die Fahrer lieben sie, fürchten sie

aber auch: Im Regen werden sie

ganz schön rutschig, wie auch Neueinsteiger

Felix Baumgartner am

eigenen Leib erfuhr (re.).


FEIERN AM LIMIT

Nur eine rechtzeitige Anreise

gewährleistet die besten Plätze

entlang der Strecke. Was folgt, ist

ein 24-Stunden-Grillfest mit den

205.000 besten Freunden. Es wird

nonstop gefeiert, getrunken, gelacht

und geliebt.

Das kulinarische

Erlebnis bezieht

auch die Fahrer

mit ein.

Von den

Grillplätzen

wabern Rauchschwaden

über

die Strecke.

ROBERT KAH/ STEFAN BALDAUF /IMAGETRUST (2),

GRUPPE C MOTORSPORT VERLAG GMBH, BERNHARD SPÖTTEL, FRITS VAN ELDIK


ERFOLGREICHES DEBÜT

Racing Rookie Felix Baumgartner

und seine erfahrenen Teamkollegen

Marco Werner, Frank Biela und Pierre

Kaffer brachten den Audi R8 mit der

Startnummer 502 nach einem fehlerlosen

Rennen auf Platz 9 ins Ziel.

Renault Twingo,

O p e l M a n t a ,

Aston Martin,

Audi R8:

Die Unterschiede

zwischen den

schnellen und

den langsamen

Autos sind

dramatisch.

54


BERNHARD SPÖTTEL , FRITS VAN ELDIK


ALLES, WAS RÄDER HAT ...

… fährt. Rap-Legende Smudo zählt

zu den Stammgästen der 24 Stunden

am Nürburgring. Dieses Mal hätte er

einen VW Scirocco mit Pflanzenölantrieb

beinahe an den Start gebracht:

Nach dem Qualifying war

leider der Motor hinüber. Doch 2015

kommt Smudo wieder, keine Frage.

56


ES GEHT UM

SEKUNDEN

24-Stunden-Rennen

haben sich zu einer

Serie von Sprints entwickelt.

Herumrollen

ist nicht mehr. Der

Vorsprung des siegreichen

Audi-Teams auf

den zweitplatzierten

Mercedes betrug in

diesem Jahr nicht einmal

eine halbe Runde.

Die Leistungsdichte

an der Spitze zwingt

die Teams zu permanentem

Vollgas – auf

der Strecke sowieso,

aber auch abseits

davon. Fahrer- und

Reifenwechsel weisen

die Präzision von

Ballettübungen auf.

GRUPPE C MOTORSPORT VERLAG GMBH, WWW.UFOP.DE, ROBERT KAH/STEFAN BALDAUF/IMAGETRUST

Dirk heißt er, und er ist verzückt. „Zwanzig

Jahre musst du hierher kommen“, japst

er, „zwanzig Jahre, um so was zu erleben!“

Der Grund seiner Euphorie ist leicht nachvollziehbar.

Fünf verschiedene Marken

auf den ersten sechs Plätzen, da pocht das

Herz des Motorsport-Fans. Dirk hat die

brüllenden Chrysler Viper hier erlebt, die

flüsternden Diesel-BMW, die DTM-Opel,

die immer wieder siegreichen Porsche,

er hat die Nachzügler angefeuert, mit

den Underdogs gelitten und sich mit den

Siegern gefreut. Stuck, Ludwig, Winkelhock,

immer wieder gaben sich ehemalige

Formel-1-Piloten auf der Nordschleife die

Ehre, Nick Heidfeld etwa in diesem Jahr.

Dirk kennt all die Geschichten, er hat

schon alles erlebt. Sagt er. Warum ist er

dann so aus dem Häuschen?

„Das Tempo, Mensch. Den Speed, den

die Spitze heuer geht, habe ich noch nicht

erlebt. Die fahren Slalom, Mann!“

Da hat Dirk – Mercedes-Käppi, Jeansjacke,

offenes Hemd – nicht unrecht. Die

8:10 Minuten, die Pole-Mann Kévin Estre

mit seinem McLaren MP4-12C für die

25,378 Kilometer gebraucht hat, sind

Streckenrekord. Und das, obwohl die

technische Entwicklung der Fahrzeuge

seit dem Vorjahr eingefroren ist.

Es war also angerichtet, Favoriten

nicht leicht auszumachen: Seriensieger

Porsche? Vorjahressieger Audi? Co-Favorit

Mercedes? Geheimfavorit BMW? Außenseiter

Aston Martin? Oder vielleicht doch

einer der McLaren, die im Qualifying die

Schnellsten gewesen waren? Dirk hatte

sein Geld auf einen Sieg von Rowe Racing

im Mercedes SLS GT3 gesetzt, doch da

hatte er die Rechnung ohne das wichtigste

Gesetz der Nordschleife gemacht, das da

heißt: „Du sollst dich nicht täuschen.“

Bereits in der dritten Runde, nach kaum

20 Minuten Renndauer, war der Ring ein

Trümmerfeld. Streckenabschnitt Flugplatz,

Versuch einer Rekonstruktion:

McLaren schneidet BMW, BMW trifft Leitplanke,

Rowe-Mercedes mit der Nummer

23 muss ausweichen und wird von einem

weiteren BMW torpediert. Dirks Siegertipp

desintegriert in den Leitschienen

und mit ihm die Tipps einer Reihe anderer

Experten. Doch der Rowe-Mercedes

schleppt sich in die Box, ist reparabel, die

Mechaniker wachsen über sich hinaus, das

Auto rollt später das Feld von hinten auf,

nur um zwei Stunden vor Schluss endgültig

abgeschossen zu werden. Immerhin:

Das Schwester-Auto, der SLS mit der

Nummer 22, stürmt aufs Podium. Rowe-

Racing-Teamchef Hans-Peter Naundorf:

„Schade für die Nummer 23, das war

Pech. Auch wenn es nur ein ziemlich

schwacher Trost ist: Immerhin konnten

beide Autos ihr Potential zeigen!“

Während sich die Fahrer nach dem

Schreck des Start-Crashs am Riemen

rissen, wurden entlang der Strecke die

Griller angeworfen und die Planschbecken

eingelassen. Das Schmuddelwetter der

Vorwoche wich pünktlich am Samstag

strahlendem Sonnenschein. Der ließ Zelte

und Kehlen trocknen; perfekte Voraussetzungen

für ein gelungenes Fest. Das

Fan-Leben entlang der Strecke ist nichts

für Zartbesaitete, aber das wusste man

schon im Vorfeld. Zum Schlafen kommt

hier keiner her, zumindest nicht freiwillig.

Wenn Fahrer 24 Stunden fahren können,

können Fans 24 Stunden lang feiern. Das

gilt es zu beweisen, Jahr für Jahr. (So weit

zumindest die Theorie von Dirk.)

Das Fan-Leben auf

der Nordschleife

ist nichts für

Zartbesaitete.

Aber das wusste

man schon vorher.

Das Match an der Spitze war episch,

ein Rennen, an das man sich in etlichen

Jahren noch erinnern wird. Selbst wenn

die BMW zu früh raus waren, die McLaren

nur zu Rennstart eine Rolle spielten und

sich Aston Martin wie Nissan in der Rolle

der wohlwollenden Beobachter gefielen:

Was kann es Schöneres geben als Audi

gegen Mercedes, auf der letzten Rille bis

zur letzten Runde, und nach 24 Stunden

liegen 2 Minuten 51 Sekunden und 737

Tausendstel zwischen Platz eins und zwei?

Nichts, beschließt Dirk und weiß schon

heute, dass er 2015 zum 21. Mal auf die

Nordschleife pilgern wird.

www.nuerburgring.de

57


KÖNIGIN

HIER KOMMT NICOLE PACELLI. WELTMEISTERIN IM STAND-UP-PADDLEBOARD-SURFEN.


der

WELLEN

DIE BRASILIANERIN IST NICHT NUR EINE PIONIERIN IHRES SPORTS.

SIE WEISS SICH AUCH GEGEN MÄNNER DURCHZUSETZEN.

TEXT: FERNANDO GUEIROS

BILDER: ROBERT ASTLEY SPARKE

59


m Strand von Arpoador, einer kleinen

Halbinsel zwischen Ipanema und Copacabana

in Rio de Janeiro, liegt Nicole Pacelli

auf ihrem Surfbrett und posiert im Bikini

für das Red Bulletin-Fotoshooting. Ein

Junge auf einem Fahrrad stoppt auf der

angrenzenden Ufer promenade, reckt seinen

Kopf über die Betonmauer, die den

Weg vom Strand trennt, und stößt einen

ziemlich eindeutigen Pfiff aus.

„Das nenn ich mal eine Meerjungfrau“,

sagt er gerade laut genug, dass jeder es

hören kann.

Pacelli bleibt ganz ruhig in Pose liegen,

nur ihre rechte Hand hebt sich langsam,

mit ausgestrecktem Mittelfinger.

Letztes Jahr, da war sie gerade 22

Jahre alt, krönte sich Nicole Pacelli zur

Siegerin der ersten Women’s Stand-Up

World Tour in der Kategorie „Wave“, in

der die Paddleboard-Surfer auf ihren

Brettern nicht einfach nur Entfernungen

zurücklegen, sondern auch richtig Wellen

reiten. Auch in diesem Jahr zählt sie zu

den Favoritinnen auf den Titel.

Aber die Brasilianerin ist mehr als nur

eine Pionierin ihres Sports.

the red bulletin: Sie kommen aus

einer Surf-Familie. Ihr Vater war Surf-

Profi, Ihre Mutter Bodyboarderin.

Schwer vorstellbar, dass Sie als Kind

irgendetwas anderes kennenlernten als

Surfen …

nicole pacelli: Ich bin in einer Welt

voller Boards aufgewachsen, ja. Klar, dass

da die Leidenschaft fürs Surfen ganz von

selbst kam. Und meine Eltern haben mich

auch immer unterstützt. Aber sie legten

zugleich großen Wert auf meine Ausbildung

… nun ja, mein Vater vielleicht

nicht ganz so wie meine Mutter. Wenn

gerade die richtige Welle reinrollte, kam

es schon vor, dass er meinte: „Surf ruhig

weiter, vergiss heute die Schule!“ (Lacht.)

Meine Mutter machte das verrückt.

Haben Ihre Eltern Sie auch gepusht?

Kennt man ja von vielen erfolgreichen

Sportlerkarrieren …

Nein, gar nicht. Das lief alles eher nebenbei

ab, es ging uns allen um den Spaß.

Erst als ich mit siebzehn von meinem Austauschjahr

in Neuseeland zurück nach

Hause kam, fing ich an, mehr und mehr

zu surfen. Ich war ja damals noch nie auf

einem richtigen Surf-Trip gewesen, hatte

also keine Ahnung, auf welchem Level

andere Mädchen anderswo surften und

ob ich gut war oder nicht. Ich wusste nur,

dass ich nichts lieber tat als surfen.

Sie begannen mit normalem Surfen,

nicht mit Stand-Up-Paddleboarding.

Wie kam’s zu dem Wechsel?

Durch meinen Vater. Er brachte vor

etwa fünf Jahren ein Board für Rettungsschwimmer

aus Kalifornien mit, in riesigen

Lettern stand RESCUE drauf. Es war kein

typisches Stand-Up-Board, aber weil es so

groß war, begann ich es mit einem alten

Paddel meines Vaters als Stand-Up-Board

zu verwenden. Ich ritt damit ein paar

60 THE RED BULLETIN


Family Business:

Pacellis Boards baut

ihr Vater, der einstige

Surf-Profi Jorge Pacelli.

„ICH HATTE KEINE

AHNUNG, OB ICH GUT

WAR. ICH WUSSTE

NUR, DASS ICH

N I C HTS LI EB ER TAT.“

kleinere Wellen und war sofort fasziniert.

Dann tat sich mein Vater mit einem

Betrieb aus der Gegend zusammen und

fing an Stand-Up-Boards zu erzeugen.

Ich benütze noch heute seine Boards.

Was kann Stand-Up-Paddling, das

Surfen nicht kann?

Kennen Sie das, wenn im Wasser zu viel

los ist und alle anfangen, um jede einzelne

Welle zu kämpfen? Klar, mittlerweile bin

ich eine Wettkämpferin, da hat sich vieles

geändert … Aber damals wollte ich ja vor

allem Spaß haben, im Wasser sein und

die Zeit im Wasser nutzen. Und wenn da

irgendjemand neben mir war und sich

meine Welle schnappen wollte, verlor ich

die Lust. Brach einfach ab und ließ es gut

sein. Ich betrachtete Stand-Up-Paddling

dann recht bald auch als Herausforderung.

Ich wollte mich weiterentwickeln, weil

ich Typen gesehen hatte, die mit SUP-

Boards ganz anständig Wellen ritten. Das

THE RED BULLETIN 61


„ZUERST HIELTEN SIE MICH FÜR

VERRÜCKT, ABER DANN ERNTETE ICH

JEDE MENGE RESPEKT.“

Pacelli in Action auf Hawaii und an

ihrem Lieblings-Spot Maresias Beach im

brasilianischen Bundesstaat São Paulo.

62


SEBASTIAN ROJAS (4)

wollte ich unbedingt auch schaffen. Und

mit jedem Sturz vom Brett lernte ich ein

bisschen dazu.

SUP war damals noch ziemlich neu.

Wie reagierten die Leute darauf, dass

ein junges Mädchen mit einem Paddel

daherkam?

Die meisten wussten gar nicht, was das

war. Es kam vor, dass mich Typen fragten:

„Was machst du mit dem Paddel?“ Aber

mir war das ehrlich gesagt völlig egal.

Das Wichtigste für mich war, dass ich

im Wasser war und Spaß haben konnte.

Und das konnte ich. Egal ob an einem Tag

große Wellen reinkamen oder kleine.

Wie wurde aus dem Spaß Ernst?

Der große Schritt erfolgte 2010. Ich war

damals schon auf dem College, Stand-Up-

Paddling kam gerade immer mehr in

Fahrt, ich machte mich ganz gut, hatte

sogar schon Angebote von Sponsoren.

Also sagte ich zu meiner Mutter: „Komm

schon, ich habe meinen Teil mit dem

College erledigt, kann ich jetzt Surferin

sein?“ Ich muss ziemlich überzeugend

gewesen sein. Denn sie sah schnell ein,

dass es keinen anderen Weg für mich gab.

Und erlaubte mir, 2010/11 zwei Monate

in Hawaii zu verbringen.

… man fährt aber nicht einfach nach

Hawaii und sagt: Hallo, da bin ich,

ich bin jetzt Profi.

Nein, darum ging es anfangs auch überhaupt

nicht. Es ging darum, mich selbst

einordnen zu können, also herauszufinden,

was ich draufhabe, auch im Vergleich

mit anderen. Als ich ankam, stürzte

ich mich gleich mal in die Wellen von Jaws.

Ich bin zwar nur die kleineren geritten,

aber wir sprechen hier noch immer von

30-Fuß-Wellen! (Rund 9 Meter, Anm.)

Gewaltigen Dingern. Als ich die geschafft

hatte, wusste ich, ich kann’s packen.

Wie hat es sich angefühlt, in diese

Monster zu droppen?

Einfach geil, unglaublich.

… ich meinte: wegen der Angst.

Im Vorhinein habe ich nie Angst. Manche

können in der Nacht vorher nicht schlafen,

aber da bin ich total entspannt. Ich schlafe

wie ein Baby. Erst als ich tatsächlich im

Revier stand, wurde mir die schiere Größe

dieser Dinger bewusst. Da war ich schon

ein wenig eingeschüchtert.

SUP erlebt in letzter Zeit einen echten

Boom. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Es hat sich vieles geändert, angefangen

bei den Boards bis hin zur Anzahl der

Leute, die den Sport betreiben. Ich glaube,

die Erklärung ist ganz einfach. Es hat deshalb

solchen Zulauf, weil es nicht aufs

Meer beschränkt ist. Du kannst auf Seen

paddeln, auf Stauseen. Und wenn man

mit einem großen Board anfängt, schafft

„... UND ICH ZU DEN

JUNGS NUR: ,GEHT MIR

AUS DEM WEG. ICH

WEISS, WAS ICH TUE.‘“

man es sofort, darauf zu stehen und loszupaddeln.

Es gibt sogar aufblasbare

Varianten. Jeder, einfach jeder kann es

machen, beinah überall. Das ist das Entscheidende.

Der Rest ist logisch: Aus der

Einfachheit entsteht Popularität, daraus

entsteht weiteres Wachstum, zusätzliche

Aufmerksamkeit der Medien, was zu mehr

Sponsoren führt, zu mehr Investitionen,

mehr Events und mehr Leuten, die zeigen,

was sie draufhaben. Das ist natürlich für

mich das Wichtigste. Was wäre es wert,

ein toller SUP-Boarder zu sein, wenn es

keine Wettbewerbe gäbe, in denen man

sich mit anderen messen kann?

Und wie steht es um das Verhältnis von

Stand-Up-Paddleboardern und Surfern?

Na ja, einige Leute mögen uns nicht wirklich

… (lacht). In Hawaii haben sie mich

mal aus dem Wasser gejagt. In Brasilien

hatte ich nie Probleme, aber in Waimea

(in Hawaii; Anm.) kam ein Einheimischer

und sagte, ich solle raus aus dem Wasser

und mich hier nicht mehr blicken lassen;

dass es gefährlich sei, wenn ich hier surfte.

Inwiefern gefährlich?

Das ist die Kehrseite des Erfolgs: Leute, die

nie zuvor gesurft sind, stellen sich einfach

so auf ein SUP-Board. Es ist von Anfang

an viel leichter, auf so einem Brett aufzustehen,

also kann es vorkommen, dass

Anfänger gleich mal überall rumkreuzen

… und das kann natürlich gefährlich

werden. Für sie selbst und für andere.

Wann haben Sie angefangen, an Wettkämpfen

teilzunehmen?

Während meiner zweiten Saison in

Hawaii, das war 2011/12. Es gab bereits

eine Weltmeisterschaft für Männer, aber

nur einen Demo-Bewerb für Frauen. Den

gewann ich, außer mir haben damals

15 Mädchen teilgenommen, alles Hawaiianerinnen.

Danach fragte ich den Organisator,

ob ich am Bewerb der Männer

teilnehmen könnte, der fand in Sunset

statt, einem Revier mit viel größeren

Wellen. Er sagte, ich könne, allerdings in

einer „Oh, das Mädchen ist verrückt, und

ich streite mich mal lieber nicht mit ihr“-

Art. Er ließ mich am Probetraining der

Männer teilnehmen. Die Wellen waren

richtig groß an diesem Tag, über zwölf Fuß

(knapp 4 Meter, Anm.). Mir war ein wenig

mulmig, und ich dachte: „Wo hab ich mich

da bloß reingeritten?“ Als ich im Wasser

war, brach gleich eine Reihe riesiger

Wellen über mir. Ich konnte aber natürlich

nicht mehr zurück. Und nach einiger

Zeit surfte ich sogar eine richtig gute

Welle … eine Sekunde nach Ende des

Heats – es zählte also nicht. Ich wurde

Dritte von dreien. Doch sie sagten mir,

wenn die letzte Welle gewertet worden

wäre, hätte ich mich für die nächste Runde

qualifiziert. Jeder kam zu mir, gratulierte,

ich erntete viel Respekt dafür, wie ich

diesen Heat durchgezogen hatte – sogar

von Typen, die ich bewunderte.

Werden weibliche Surfer nicht ganz

allgemein von Männern unterschätzt?

Auf Hawaii kam es vor, dass mich Typen

am Weg ins Wasser stoppen wollten und

mich fragten: „Bist du sicher, dass du das

packst?“ Und ich nur so: „Klar. Geht mir

einfach aus dem Weg.“ (Lacht.) Ich weiß

schon, was ich mir zutrauen kann.

Begleiten Ihre Eltern Sie auch ab und

zu auf Ihren Trips?

Nicht mehr. Wenn mir mein Vater beim

Surfen zusieht, gibt er mir ständig irgendwelche

Ratschläge … und er ist dabei

nicht wirklich, äh, zurückhaltend, sagen

wir es so.

Sie sind die Frau, die es derzeit zu

schlagen gilt. Ist es schwer, damit

umzugehen, dass alle auf Sie schauen?

Mir geht’s gut damit. Ich dachte, es würde

schlimmer sein. Natürlich höre ich bei

jedem Tour-Stopp den Sprecher: „Und

nun: die Weltmeisterin – Nicole Pacelli!“

Jeder will also sehen, ob es dieses Weltmeister-Mädel

wirklich draufhat. Beim

ersten Tour-Stopp dieser Saison in Hawaii

war mein Foto am Poster des Contests, da

dachte ich: „Okay, jetzt musst du zeigen,

was du kannst.“ Zum Glück war ich aber

wieder total entspannt, als ich ins Wasser

ging. Das ist eine meiner Stärken: Ich

bleibe locker und tu, was ich tun muss.

watermanleague.com

THE RED BULLETIN 63


DER

ERSTE

SCHREI

Zweiradantrieb, Dieselmotor: Peugeot

ist wild entschlossen, beim Dakar-

Comeback die Allrad-Gladiatoren zu

entthronen. The Red Bulletin war bei

den ersten Tests von Carlos Sainz mit

seinem 2008 DKR dabei.

T E X T : A L A I N P E R N O T

DER

BESTIE

64


FLAVIEN DUHAMEL/ REDBULL CONTENT POOL


Freitag, 27. Juni 2014, Domaine de Galicet,

eine Teststrecke am Rande der Normandie,

70 Kilometer westlich von Paris. Ein LKW

von Peugeot Sport rollt auf den Parkplatz,

Mechaniker machen sich an der Laderampe

zu schaffen. Vorsichtig entladen

sie ihre kostbare Fracht: einen martialisch

aussehenden Offroad-Buggy, der hoch

auf vier wuchtigen Stollenreifen thront.

Philippe Wambergue, dem Besitzer der

Anlage, ist deutlich anzusehen, wie sehr

ihn dieser Moment bewegt. Der Sechsundsechzigjährige

war früher selbst Rennfahrer,

der an der Rallye Paris – Dakar elfmal

teilnahm und 1989 und 1990 einen

Peugeot 205 T16 Grand Raid-Werks wagen

durch die afrikanische Wüste trieb.

Die Domaine de Galicet ist eines der

bevorzugten Testgelände für Peugeot,

Wambergue ist also daran gewöhnt,

Geburtsstunden kommender Motorsport-

Legenden zu erleben. Dieser Tag ist dennoch

ein ganz besonderer für ihn: „Die

Erinnerungen an große Zeiten werden

wach.“ Mit leuchtenden Augen erzählt der

Franzose von den vier Siegen in Serie, die

Peugeot bei der härtesten Offroad-Rallye

der Welt holen konnte, von 1987 bis 1990,

ehe man sich vom Rennen zurückzog.

Auch Carlos Sainz, zweifacher Rallye-

Weltmeister und Dakar-Sieger 2010, ist

aufgeregt: „Ein großer Augenblick, der

Beginn eines neuen Abenteuers. Die ersten

Meter im neuen Auto. Wir stecken voller

Hoffnungen und Erwartungen, die sich

heute erfüllen – oder enttäuscht werden.“

Der Champion steckt schon im Overall,

leert noch seine Taschen, bevor er in den

Wagen klettert. Sein Handy übergibt er

einem prominenten Zuschauer: Stéphane

Peterhansel, mit elf Siegen erfolgreichster

Fahrer in der Geschichte des Rennens,

wird ebenso wie Sainz und Cyril Despres,

der den Lenker seiner Yamaha gegen ein

Lenkrad eintauscht, im Januar die Dakar

in einem Peugeot in Angriff nehmen.

Frustriert, dass nicht er für die ersten

Meter im neuen 2008 DKR auserwählt

wurde? Peterhansel winkt ab. „Überhaupt

nicht. Ich verstehe, dass Carlos diese erste

Fahrt machen darf. Er hat mehr Erfahrung

mit dem Zweiradantrieb, schließlich hat er

die letzten zwei Dakars in Red Bull-Buggys

bestritten. Aber es ist trotzdem wichtig

für mich, hier zu sein. Der Spirit des Projekts

ist hier extrem intensiv. Eine wahre

Inspiration für jeden, der dabei sein darf.“

Der technische Leiter des Projekts,

Jean-Christophe Pallier, hält sich unterdessen

im Hintergrund. „Ich bin jedes Mal

angespannt vor der ersten Fahrt“, gesteht

er. „Aber diesmal vielleicht sogar noch

ein bisschen mehr als sonst.“ Der Grund

ist einfach: Pallier ist verantwortlich für

WELTPREMIERE

Das Cockpit des Peugeot

2008 DKR vor der ersten

Fahrt. Das Ziel des Projekts

könnte höher nicht gesteckt

sein: Man will den ersten Sieg

eines zweiradgetriebenen

Diesel-Autos bei der Dakar

Rallye einfahren. Für Jean-

Christophe Pallier, den

technischen Leiter des

Projekts, wäre das „nach

35 Auflagen der Dakar eine

sensationelle Premiere“.

DIE KORYPHÄEN

Carlos Sainz (u.), Rallye-Weltmeister

1990 und 1992, bildet

für die Dakar 2015 ein Team

mit dem fünfmaligen Dakar-

Motorradsieger Cyril Despres

und Stéphane Peterhansel,

der die Dakar auf zwei und

vier Rädern elfmal gewann.

FLAVIEN DUHAMEL/ REDBULL CONTENT POOL

66


„Die ersten Meter

im neuen Auto.

Wir stecken voll

Hoffnungen und

Erwartungen,

die sich heute erfüllen

– oder enttäuscht

werden.“

CARLOS SAINZ


Drückt Carlos

Sainz den Startknopf

seines

Peugeot 2008

DKR, dann

erwachen hinter

ihm 340 Diesel-

PS zum Leben.

die technische Umsetzung einer gewagten

Herausforderung – mit Zweiradantrieb

und Dieselmotor die Vormachtstellung

der Allradfahrzeuge zu brechen. Noch nie

gewann ein Auto mit dieser Kombination

die seit 1978/79 ausgetragene Dakar. „Wir

haben letztendlich dem besseren Fahrverhalten

des Zweiradantriebs den Vorzug

gegeben“, so Pallier. „Vor allem erlaubt uns

das Reglement im Vergleich zu 4×4 mehr

Freiheiten: geringeres Gewicht, größere

Räder, längere Federwege.“ Auf schlechten

Pfaden sind Allradler klar im Nachteil.

Auf den Weg gebracht wurde das ehrgeizige

Projekt beinahe auf den Tag genau

vor einem Jahr, unmittelbar nach Sébastien

Loebs Erfolg auf dem Pikes Peak in Colorado,

wo dem französischen Rallye-Superstar

beim legendären Bergrennen in einem

Peugeot-Prototyp ein Fabel-Streckenrekord

gelang. Wie viel Pikes Peak steckt

im Dakar-Peugeot? Fast nichts, verneint

Bruno Famin, Direktor von Peugeot Sport.

„Asphalt und Wüste sind grundverschiedene

Terrains, da gibt es keine Gemeinsamkeiten.

Der 2008 DKR ist quasi das

Gegenteil des 208 T16 Pikes Peak.“

Dass Peugeot dennoch nach einem

Vierteljahrhundert Dakar-Abstinenz so

schnelle Fortschritte bei der Entwicklung

des 2008 DKR erzielte, hat einen simplen

Grund: Bei Peugeot Sport war die Liebe

zu dieser Rallye nie erloschen.

Carlos Sainz drückt den Startknopf,

und hinter ihm erwachen die 340 PS des

V6-Biturbo-Dieselmotors zum ersten Mal.

Es ist nicht das wütende Bellen des 208

T16 Pikes Peak, das Geräusch erinnert eher

an den 908 HDi, der bei den 24 Stunden

von Le Mans 2009 den Sieg davontrug.

Einmal würgt Sainz beim Spiel mit der

Kupplung den Motor ab, nach dem zweiten

Start darf er dann die Muskeln spielen

lassen. Auf seinen hohen Rädern rollt der

Wagen auf die Piste, die ersten paar Meter

muten recht zögerlich, bei dem geringen

Tempo beinah unbeholfen an. Nach vier

Minuten sind Fahrer und Wagen sicher

zurück. Sainz wirkt ein wenig betreten,

Jean-Christophe Pallier beruhigt ihn

lachend: „Ist doch ganz normal, dass du

ihn abwürgst. Die Pedalanordnung ist ja

noch die vom Prüfstand.“

Carlos lässt die Position seines Sitzes

nachjustieren, während die Elektroniker

die von gut hundert Sensoren erfassten

Daten überspielen. Als der Sitz passt und

alle Daten gesichert sind, startet Sainz zur

zweiten Ausfahrt, schon etwas länger und

68


STARTSCHUSS

Am 27. Juni 2014 sind die

Peugeot-Techniker und die

Piloten auf der Teststrecke

Domaine de Galicet Zeugen

eines historischen Moments:

Die „Wüstenbestie“, das

Modell 2008 DKR, wird endlich

losgelassen. Bereits

Ende der 1980er Jahre hatte

das französische Werksteam

die Rallye Dakar dominiert.

Adurchaus forsch, was als gutes Zeichen zu

deuten ist. Als Sainz zurückkommt, wirkt

er nicht ganz zufrieden. „Keine Bodenhaftung“,

rapportiert er lakonisch.

n der Seite von Projektleiter Pallier hält

ein junger Ingenieur jeden Kommentar

gewissenhaft fest, über Motor, Fahrwerk,

Getriebeabstufung. Dann lässt Sainz die

Bestie wieder von der Leine, diesmal über

eine längere Versuchspiste, die den Dakar-

Bedingungen schon recht nahe kommt.

Der erste Härtetest: So sieht das offenbar

auch Sainz. Er fordert den 2008 DKR,

zwingt ihn in Sprünge, deren Landungen

den Federweg ausloten, Steine, Sand,

Staub spritzen aus den Kurven. Je fordernder

das Terrain, desto souveräner wirken

Fahrer und Wagen. Man sieht, wie sich

die wuchtigen 37-Zoll-Räder und der

gewaltige 460-mm-Federweg (gegenüber

250 mm bei der Allrad-Konkurrenz) auf

das Fahrverhalten auswirken.

Stéphane Peterhansel, bisher ebenso

stiller wie aufmerksamer Betrachter an

der Buckelpiste, nickt zufrieden: „Der

Wagen scheint mir ein bisschen zu hoch

eingestellt, aber das ist normal. Wir haben

ja noch gar nicht mit der Weiterentwicklung

begonnen. Der Test heute diente nur

dazu, sicherzustellen, dass alle Elemente

funktionieren.“ Sainz hatte bereits zuvor

ein befremdliches Fahrverhalten moniert

und die Testfahrt abgebrochen, um nichts

zu riskieren. Seine Vorsicht wird belohnt:

Als der 2008 DKR wieder zur Basis zurückgekehrt

ist, inspiziert das Mechanikerteam,

assistiert von einem interessierten

Peterhansel, den Buggy gewissenhaft.

Tatsächlich hatten sich drei Schrauben

am Getriebegehäuse gelockert. Wenige

Minuten nach der Reparatur kann Sainz

erneut starten, und dieses Mal stoppt er

erst wieder gegen 22 Uhr.

Es ist dunkel geworden, die Nacht ist

längst über die Domaine de Galicet hereingebrochen,

als Carlos Sainz eine erste

Bilanz zieht: „Wir sind erst wenig gefahren,

und noch dazu auf einer Strecke, die vom

Typ her eher einer WRC-Rallye-Strecke

als einer Rallye-Raid-Prüfung ähnelt.

Darum ist es schwierig, Vergleiche mit

anderen Autos zu ziehen, die ich vorher

fahren konnte.“ Er blickt ernst, aber dann

lächelt er: „Natürlich ist noch viel zu tun,

was Zuverlässigkeit und Performance

angeht, aber was das Wichtigste ist: Wir

wissen, der 2008 DKR hat das Potential,

auf das wir hingearbeitet haben.“

www.redbull.com/peugeot-returns

FLAVIEN DUHAMEL/ REDBULL CONTENT POOL


edbulletin

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persönliche Kamera!

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Dieser Lautsprecher

kennt Ihren Musikgeschmack,

Seite 78.

Ihr Programm im September

ACTION!

REISEN / EQUIPMENT / PARTY / WORKOUT / CITY GUIDE / MUSIK / EVENTS / TV

Luft

anhalten!

WIE MAN THAILANDS UNTERWASSERWELT

MIT EINEM ATEMZUG ERKUNDET.

REISEN, Seite 72

WWW.JDVOS.COM

THE RED BULLETIN 71


ACTION!

TRAVEL

Nach zweitägigem Training:

ein 20-Meter-

Apnoe- Tauchgang in

Thailands

A C T I O N

Ü B E R

W A S S E R

WAS KOH TAO NOCH

ZU BIETEN HAT

OFF ROAD

Koh Tao ist nur

21 km² groß. Also

an einem Tag auszukundschaften.

Am besten auf

einem Quad. Doch

Vorsicht: Das

Landesinnere ist

ebenso aufregend

wie zerklüftet.

kohtaomotor

bikes.com

Atemlose Tiefe

FREEDIVING EINMAL TIEF LUFT HOLEN: WER, BITTE,

BRAUCHT AUF KOH TAO PRESSLUFTFLASCHEN?

Ziemlich genau eine Minute lang kann ein durchschnittlicher

Mensch die Luft anhalten. Zu kurz, um

einen repräsentativen Teil der unendlichen Tiefen der

Weltmeere ohne Atemgerät zu erkunden. Während

manche nun mit Pressluftflaschen und Atemregler auf

Tauchstation gehen, suchen andere einen größeren

Thrill: Apnoetauchen, Tauchen mit angehaltener

Luft. Ein heißer Tipp dafür: die thailändische Insel

Koh Tao mit der Blue Immersion Freediving School.

Dort lernt man als Anfänger schnell eines: mit der

richtigen Technik die Zeit, die man mit einem Atemzug

auskommt, zu vervielfachen. Beim Apnoe- oder

Freitauchen macht man generell schnell Fortschritte.

Nach nur zwei Trainingstagen in Koh Taos Gewässern

erreichen Rookies Tiefen von 20 Metern – in ebenso

atemlosen wie atemberaubend schönen drei Minuten.

Was man in der Schule trainiert? Den Tauchreflex auszulösen:

eine Körperreaktion auf Sauerstoffmangel,

der Puls wird verlangsamt, der Kreislauf zentralisiert.

„Freitauchen ist Freiheit. Keine schwere Ausrüstung,

keine lauten Atemgeräusche“, sagt Carrie Miller, australische

Freitaucherin, „dafür fühlst du Klarheit und

eine tiefe innere Ruhe. Du bist eins mit dem Meer.“

Linda Paganelli, 15fache italienische Freedive-Rekordhalterin,

ergänzt: „Wichtig ist Entspannung, um Energie

zu sparen oder um Panik oder

Ein 2-Tages-Kurs

kostet 5500 Baht

(125 Euro):

blue-immersion.com

Blackouts vorzubeugen. Training

ist wichtig, doch beim Freediven

soll man relaxt sein. Dann kann

das Abenteuer beginnen.“

INSIDER-TIPP

NICHTS MACHEN!

„Je weniger du selbst übst, desto besser“, sagt

Linda Paganelli. „Man kann viel falsch machen,

wenn man versucht, sich selbst etwas beizubringen.

Für den Kurs brauchst du keine Vorbereitung.

Sei einfach entspannt und erwarte nicht zu viel.“

Das ist der Walhai.

Nicht hübsch, aber harmlos

Schnell runter

„Schon nach dem Anfängerkurs 20 Meter

tief tauchen?“, fragt Kursteilnehmer Tony

Newman und fügt hinzu: „Klingt unmöglich.

Ist aber eigentlich nur eine Kopfsache.“

ZU BERG

Koh Tao ist ein

Paradies für Boulderer.

Erfahrene

Kletter-Instruktoren

kennen die

besten Routen

auf teils noch unberührten

Felsen.

gtadventures.com

AM WASSER

Koh Taos ruhige

Gewässer sind perfekte

Playgrounds

für Wakeboarder.

Tipp: Die Sessions

am Abend starten,

dann kommt man

keinen Fischerbooten

in die Quere.

buddhaviewdiving.com

JDVOS.COM, GETTY IMAGES(3), CORBIS

72 THE RED BULLETIN


ACTION!

WORKOUT

Jain Kim, Südkorea,

1,52 m,

43 kg, Weltcupsiegerin

2013

im Lead-Klettern

SONSTAR/RED BULL CONTENT POOL, JUNG HOON LEE, PROHANDS.NET HERI IRAWAN

Power-Rumpf

LEAD CLIMBING JAIN KIM, DOMINIERENDE

K LETTERIN DER SAISON, IST VIELLEICHT

KLEINER, DAFÜR ABER BEWEGLICHER UND

AUSDAUERNDER ALS DIE KONKURRENZ.

„Von der Logik her dürfte ich gar nicht

Weltcupsiegerin sein“, sagt Jain Kim, Gesamtweltcupsiegerin

2013 in der Disziplin

Lead Climbing, dem Beklettern anspruchsvollster,

bis zu 20 Meter hoher Routen,

„denn ich bin nur 1,52 Meter groß. Und

habe weniger Reichweite auf der Kletterwand

als die meisten Top-Athletinnen. Ein

Riesennachteil.“ Den die 22-Jährige aber

mit konsequentem Beweglichkeits- und

Ausdauertraining seit Jahren erfolgreich

kompensiert: „Fünf Stunden täglich, fünfmal

die Woche drille ich meinen Körper.

Und zwar mit Hanteltraining für dynamische

Moves, Stretching, um Drehungen

und Biegungen an der Wand geschmeidig

auszuführen, und sehr vielen Ausdauereinheiten.

Zum Beispiel kletterst du die

gleiche Route immer und immer wieder –

bis du nicht mehr kannst. Tut richtig weh,

dafür bist du megahappy, wenn du es einmal

öfter hinauf schaffst als am Vortag.“

jainkim.co.kr

GREIF ZU!

WIE MAN SEINE FINGER TRAINIERT

KLETTERER-BODEN-WORKOUT

„Fingerkraft ist beim Klettern maßgeblich!

Je stärker die Finger, desto

schwieriger die Route, die

du meistern wirst. Mit dem

‚Gripmaster‘ erhöhst du

rasch und effektiv die

Power der Fingerbeuger.

Zudem

eignet er sich als

Aufwärm-Tool vor

dem Wettkampf.“

A

ZEIGE HALTUNG!

„Klettern ist ein Ganzkörper-Sport. Besonders wichtig ist aber ein starker Rumpf: Er entlastet andere

Muskelpartien. Ein großer Teil meines Ausdauertrainings findet auf dem Boden statt.“

Stärke den Rumpf: rechtes Bein anheben, linken Arm

strecken. 20 Sekunden verharren. Seitenwechsel.

B

Rechtes Bein maximal abspreizen, rechten Arm

strecken. Wechsel nach 20 Sekunden.

THE RED BULLETIN 73


ACTION!

MY CITY

Bekzat Amanjol,

Almatys Star-

Architekt

„Wo Asien mit

Europa flirtet“

ALMATY WESTEN UND OSTEN, VERGANGENHEIT UND

ZUKUNFT, NIGHTLIFE UND ABENTEUER: KASACHS-

TANS METROPOLE IST EIN GENIALER TREFFPUNKT.

KUDERIN-STR.

RYSKULOV-PROSPEKT

RAIYMBEK-PR.

TOLE-BI-STR.

I.-ZHANSUGUROV-PR.

1

FURMANOV-STR.

SUJUNBAI-PR.

2

3

MAILIN-STR.

TALGAR-ROUTE

KULDZHINSKIJ-PR.

„Was ich an Almaty liebe? Die Vielfalt. Ob Basar

oder Techno-Schuppen: An jeder Ecke findet man

die Kulturen Europas und Asiens im Einklang“, sagt

Almatys innovativster Architekt Bekzat Amanjol

über die kasachische Wirtschafts- und Kulturmetropole.

„Dann die Architektur: modernste Wolkenkratzer,

die zu den alten Sowjet-Bauten einen aufregenden

Kontrast bilden. Oder das pulsierende

Nachtleben: Clubs, Bars, verstreut über die ganze

Stadt. Und die atemberaubende Natur: von Almaty

ist man zügig im bis zu 5000 Meter hohen Tian-

Shan-Gebirge, wo man Gletscher bewandern kann

oder seltene Schneeleoparden bewundern.“

ABAY-PR.

ZHANDOSOV-STR.

SEYFULLIN-PR.

AL-FARABI-PR.

GORNAJA-STR.

TALGAR-GLETSCHER

4

TOP FIVE

WAS MAN IN ALMATY UNBEDINGT ERLEBEN MUSS

TIAN-SHAN-GEBIRGE

5

1 ARTiSHOCK-THEATER 2 GRÜNER BASAR

3 COFFEEDELIA

4 EISSTADION IN MEDEO 5 SHYMBULAK

Kunajevstr. 49/68

Zhibek-Zholy-Str. 53

Kabanbai-Batyr-Str.

Gornajastraße 465

Gornajastraße 640

„Ich mag an sich kein Theater. „Pures Orientgefühl am größten

„Almatys Nachtleben ist west-

„Eines der höchstgelegenen „Skifahren in City-Nähe? Klar!

Aber die Wucht dieser Improvisations-

Markt der Stadt – mit lich geprägt: Checkt den

Freiluft-Eisstadien der Welt – Nur 25 Kilometer von Almaty

und Pantomimekünstler

handgestrickten Fäustlingen, E‐Music-Club Da Freak oder 1690 Meter. Sowjet-Ära! Im liegt das Wintersport-Paradies

ist elektrifizierend. koreanischem Ziegenkäse und die Hip-Hop-Disco Chukotka. Winter wanken da beschwipste samt FIS-Strecke und vieler

Die Artishock-Shows werden Markenware zu verdächtig Zuvor aber im Coffeedelia (o.) Teenager abends auf Schlittschuhen

Offpist-Routen. Im Sommer

regelmäßig mit internationalen

niedrigen Preisen. Geldbörse für kulinarische Unterlage sor-

zu Popmusik und verwandelt sich Shymbulak in

Preisen überhäuft.“ besser sicher verwahren.“ gen. Kasachen sind trinkfest.“ Disco-Lichtern. Sehenswert!“ ein

MTB-Downhill-Resort.“

HINAUF!

KASACHSTANS BERGE:

25 KM VON ALMATY BE-

GINNT DAS ABENTEUER.

TREKKING

Die Tour auf den Khan Tengri

(7010 m hoch) gilt als eine

der schönsten Expeditionen

der Welt. Dauer: 28 Tage.

kantengri.kz

PARAGLEITEN

Üschqongyr (auf 1969 m)

ist Almatys Paragleit-Hotspot.

Top-Bedingungen

dank Warm/Kalt-Luftströme:

samuryk.kz (russisch)

TAUCHEN

Der auf 2000 Meter Höhe

gelegene Kaindysee ist ein

Geheimtipp. Atemberaubend:

der Nadelwald unter

Wasser. dive.kz

ARTISHOCK.KZ, CORBIS, GETTY IMAGES, PAVEL PROKHOROV/RED BULL CONTENT POOL

74 THE RED BULLETIN


3

besser anders.

Die 2-CD

Jetzt bei

iTunes und

im Handel

MØ // Alle Farben // Milky Chance // Moonbootica

Broken Bells // Sohn // Foster The People // Haim


ACTION!

PROFI-GEAR

Grad richtig

Die stufenlose

Temperaturregelung

macht

„Bob“ zum

Smoker (bei ca.

100 °C), Griller

(180 bis 320 °C)

und Pizzaofen

(400 °C).

Gar nicht verkehrt

Saftigkeit als

höchstes Ziel:

Steaks werden mit

direkter Hitze scharf

angebraten, große

Fleischstücke

indirekt gegart.

GRILL

GADGETS

KLEINE HELFER

FÜRS PERFEKTE BBQ

TORTILLA-KORB

Tortilla hinein und

auf den Grill. Dank

Antihaftbeschichtung

erspart man

sich das Putzen

(ca. 10 Euro).

outsetinc.com

Ganz schön

sauber

Bei der Pyrolyse

heizt der Grill auf

480 °C, Fett und

Reste verbrennen

zu Asche. Heißt:

nie mehr putzen.

iGRILL 2

Mini-Bluetooth-

Thermometer:

Mein iPhone weiß,

wann das Fleisch

durch ist

(ca. 75 Euro).

idevicesinc.com

Auf Achse

Trotz 120 kg: zwei

leichtgängige

Golf-Caddy-Räder

machen „Bob“

mobil.

Hitze des Gefechts

BOB GRILLSON HOLZPELLETGRILL WEGEN DER SACHE MIT DEM FLEISCH UND

DEM SOMMER: HIER DAS DING, MIT DEM PROFIS LAUE NÄCHTE AUFHEIZEN.

POTATO

GRILLER

Kartoffeln einfach

aufs Stahlrack

spießen – spart

Platz auf dem Griller

(ca. 18 Euro).

cuisinart.com

Der Ferrari unter den Grills heißt

wie ein Amerikaner und kommt aus

Deutschland: „Bob“ ist zugleich

Smoker, Griller und Pizzaofen. Der

für den gelungenen Sommerabend

unverzichtbare rauchige BBQ-Geschmack

ist dem Einsatz natürlicher

Holzpellets zu verdanken, die Temperatur

lässt sich stufenlos von 80 bis

480 °C steuern (übrigens: auch via

App). Bob, selbstredend mehrfach

ausgezeichnet, besteht aus feuerfestem,

rostfreiem Stahl und zwei

Millimeter starkem verzinktem,

pulverbeschichtetem Stahlblech. Mit

knapp 3700 Euro nicht billig, aber

das gute Stück ist für die Ewigkeit

konstruiert. www.grillson.com

GRILLBOT

Drei rotierende

Stahlbürsten befreien

den Griller

von bösen Essensund

Fettresten

(ca. 150 Euro).

grillbots.com

CARLY MILLER

76 THE RED BULLETIN


DIE 24 BESTEN FREERIDER DER WELT ROCKEN

DIE NÜRNBERGER ALTSTADT!

EINTRITT FREI!

NÜRNBERG

6.9.14

START 15 UHR

BEST TRICK CONTEST

5.9.2014 · 18 UHR

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ACTION!

LADEN & LAUSCHEN

Am Klavier

von Queen

PLAYLIST SPRINGSTEEN INSPIRIERT

IHN BEIM TEXTEN, COLDPLAY BEIM

GITARRESPIELEN: DER TWIN-ATLANTIC-

SÄNGER ÜBER FÜNF SONGS, DIE DAS

NEUE ALBUM SEINER BAND PRÄGTEN.

1

Kanye West

„Black Skinhead“

Sam McTrusty,

26, Sänger und

Gitarrist von

Twin Atlantic

Der Song erschien,

als wir

in Los Angeles

mitten in den

Aufnahmen

steckten. Und

wir waren

begeistert: So

experimentell

hatte Kanye noch nie geklungen. Davon

inspiriert stimmten wir unsere Gitarren

anders, spielten mit Effekten und nahmen

zwei Songs mit dem Laptop auf

anstatt im großen Tonstudio. Das war

ungewohnt, aber sehr erfrischend.

Pearl Jam

4 5

„Just Breathe“

Als Teenager

hörte ich Pop-

Punk-Bands,

aber Eddie

Vedders Stimme

fand ich zu

männlich. Erst

durch diesen

Song von 2009

wurde ich zum Pearl-Jam-Fan. Vor allem

der Text von „Just Breathe“ berührt

mich. Vedder ist ein Meister darin, Emotionen

in Worte zu packen – und dabei

Klischees zu vermeiden. Er findet neue

Metaphern, seine eigene Sprache.

Über acht Millionen Menschen sahen auf YouTube

zu, als Felix Baumgartner 2012 aus der Stratosphäre

sprang. So auch Sam McTrusty. Denn der Song „Free“

seiner Band Twin Atlantic begleitete Baumgartners

Rückkehr auf die Erde. Das gleichnamige Album

bescherte dem schottischen Quartett 2011 auch

einen Achtungserfolg: Platzierung in den englischen

Top 40, Tourneen mit Stars wie

Blink-182. Mit dem dritten Album

„Great Divide“ will die Band nun

international groß durchstarten.

Die Vorzeichen scheinen günstig:

Die Platte besticht mit zwölf stürmischen

Rockhymnen zwischen

Härte und Herz-Schmerz. Welche

Songs McTrusty und seine Jungs

bei der Arbeit inspirierten – und

warum –, erklärt der Sänger hier.

www.twinatlantic.com

Coldplay

2 3

„Fix You“

Jonny Buckland

von Coldplay

ist mein

Lieblingsgitarrist.

Er ist

kein Virtuose,

er spielt keine

argen Soli.

Im Gegenteil:

Buckland hält sich zurück. In „Fix You“

spielt er vier Noten. Aber jede davon sitzt

perfekt. In dem Moment, in dem seine

Gitarrenmelodie einsetzt, kriege ich

Gänsehaut. „Weniger ist mehr“, das war

auch unser Motto für das neue Album.

Queen

„Bohemian Rhapsody“

Der Song

begleitet uns:

Früher hörten

wir ihn an,

um uns von

der Aufnahme

studiotechnische

Kniffe

abzuschauen,

und spielten ihn bei Konzerten ab, bevor

wir auf die Bühne kamen – um das Publikum

in Stimmung zu bringen. Auf der

neuen Platte verwendeten wir sogar

das Klavier, mit dem Freddie Mercury

den Klassiker 1975 eingespielt hat.

Bruce Springsteen

„Thunder Road“

Ein Lehrstück

in Sachen

Songwriting.

Du hörst

„Thunder

Road“ nicht,

du fühlst es.

Springsteen

singt vom

Ausbruch aus dem Alltag, von der Sehnsucht

nach einem besseren Leben.

Inbrünstig, lyrisch, ehrlich. Jedes Mal,

wenn ich bei einem Text nicht weiterkomme,

höre ich mir dieses Stück als

Inspiration an. Es hilft immer.

WUNDERTÜTE

GADGET DES MONATS

AETHER CONE

Der Lautsprecher nimmt Songwünsche

via Sprachbefehl entgegen und erstellt

auf deren Basis ein individuelles Musikprogramm.

Praktisch. Was den Player

aber von seinen Artgenossen abhebt: Er

ist lernfähig. Welche Titel

Sie wiederholen und

überspringen, wird gespeichert,

sodass er

Ihren Geschmack

immer besser

kennenlernt.

TANZ-TV

HOUSE-MUSIK WIRD

DREISSIG. HIER

DREI DOKUS ÜBER

DAS DANCE-GENRE,

DIE SIE ZUM

HOUSE-EXPERTEN

MACHEN.

„MAESTRO“

Der Film zeigt den

Weg von der Disco-

Musik zu House:

Larry Levan legte

um 1978 mit seinem

neuen DJ‐Stil

im New Yorker Club

Paradise Garage

den Grundstein für

das neue Genre.

„PUMP UP

THE VOLUME“

2-Stunden-Doku

über die Acid-

House-Anfänge um

1984 in Chicago:

die wichtigsten

Tracks, die ersten

Clubs und Interviews

mit Gründervätern

wie Marshall

Jefferson.

„THIS AIN’T

CHICAGO“

1987 schwappte

House-Musik nach

Europa. In England

entwickelte sich

ein eigener Stil mit

Wiesen-Raves und

Pillen, die beim

Ausdauertanzen

halfen, wie Zeitzeugen

berichten.

TOM GRIFFITHS, KATHERINE HAWTHORNE

78 THE RED BULLETIN


ACTION!

FEIERABEND

An die tausend

Besucher fasst

das Areal der

Pratersauna.

ALLE MIT

ZU MIR!

DIE FEIER GEHT

NACH DEM CLUB

IM WOHNZIMMER

WEITER? HIER DREI

NÜTZLICHE APPS

FÜR DIE PARTY NACH

DER PARTY.

Pool-Party

WIEN SCHWIMMBAD, GALERIE, BISTRO,

CLUB: DIE PRATERSAUNA IST DER IDEALE

ORT, UM SICH LAUE SOMMERNÄCHTE UM

DIE OHREN ZU SCHLAGEN.

TRAKTOR DJ

Auf dem Touchscreen

mixen und

scratchen Sie sich

durch die Tracks

Ihrer iTunes-

Library. Damit die

DJ-Musik daheim

auch ohne Plattenspieler

weiterlaufen

kann.

CLAUDIO FARKASCH(4)

Geschwitzt wird in der Pratersauna seit

1965: Einst taten es die Gäste im Dampfbad,

heute die Nachtschwärmer auf der

Tanzfläche zu Deep House und Techno.

Vor fünf Jahren pachteten Hennes Weiss

und Stefan Hiess die alte Sauna und bauten

sie zum Club um. Oder genauer: Sie

schufen „einen ‚Social Life & Art Space‘,

der Leuten mehr bietet als Drinks und

DJ‐Musik“, sagt Weiss. Heute beherbergt

die Pratersauna auf 3000 m² einen Garten

mit Freiluft-Pool, in dem die Besucher

im Sommer tagsüber – mittwochs auch

nachts – baden. Dazu eine Galerie für

junge Kunst (aktuell: 100.000 Sticker des

aus Serbien stammenden Wiener Künstlers

Milan Mladenović) und ein Burger-Bistro

im Freien für die Stärkung am Weg von

der und zur Tanzfläche. Beinahe monatlich

kommen neue Ideen, Attraktionen

und Partykonzepte dazu: vom Flohmarkt

bis zum Elektronik-Festival „Praterunser“.

Neuerdings mietet sich auch die benachbarte

Wirtschaftsuni ein – um im Garten

bei Schönwetter Vorlesungen abzuhalten.

PRATERSAUNA

Waldsteingartenstraße 135

1020 Wien

www.pratersauna.tv

INSIDER-INFO

SAMMY ZAYED, 37, IST

FASHION-STYLIST DER

KREATIV-AGENTUR TATEN-

DRANG UND LEBT IN WIEN.

WIENS BESTES KATER-

FRÜHSTÜCK GIBT’S …

… im The Guesthouse im

ersten Bezirk. Die servieren

Frühstück bis 23 Uhr. Ich

empfehle: Eggs Florentine.

WIENS BESTE BAR ZUM

START IN DIE NACHT …

... ist Roberto’s American

Bar am Bauernmarkt. Wird

vom Ex-Chef der berühmten

Loos Bar geführt: super

Cocktails, gelassene Musik.

WIENER MUSIKER, DIE

MAN HÖREN MUSS …

... gibt es etliche, die Szene

floriert! Um nur einige zu

nennen: HVOB, Ogris Debris

und Holi Roly, ein Newcomer

am Hip-Hop-DJ-Himmel.

www.tatendrang.org

MIXOLOGY

Nur eine Handvoll

Spirituosen und

ein paar verirrte

Getränkereste im

Kühlschrank? Diese

App (7900 Titel

in der Datenbank!)

teilt mit, welche

Cocktails Sie aus

Ihrem Hausvorrat

mixen können.

DRUNK

DIAL NO!

Digitaler Selbstschutz:

Mit dieser

App können Sie

temporär Telefonkontakte

sperren.

Entgleist-impulsive

nächtliche SMS

an den Chef oder

die Ex-Partnerin

sind damit ausgeschlossen.

THE RED BULLETIN 79


ACTION!

STARKE UHREN

S TA R T

AM WIND

DREI REGATTA-

UHREN DER

SPITZENKLASSE

Duell der

Gewinde

REGATTA-UHREN FÜR SEGLER

BEDEUTET DIE WAHL DER RICH-

TIGEN UHR EINEN TATSÄCHLICHEN

WETTBEWERBSVORTEIL.

Jede Segelregatta hat genau

dieselben wichtigsten Minuten:

jene letzten fünf vor dem Start. In

diesen Minuten des Countdowns

tobt auf dem Wasser der Kampf

der Skipper um die strategisch

perfekte Position zur möglichst

punktgenauen Überquerung der

Startlinie – durchaus vergleichbar

mit dem Kampf um die Pole-Position

in der Formel 1.

Verständlich also, dass Wettkampfsegler

bei der Wahl

ihrer Uhren kaum

zu Kompromissen

neigen. Und dass

Regattauhren

genau in diesen

fünf Minuten vor

dem Start ihre

Topleistung bringen

müssen. Das Anforderungsprofil?

Die

verbliebene Zeit bis zum

Startsignal soll auch bei

stark motivierter See

auf den ersten Blick

präzise ablesbar, die

DAS KALIBER P.9100/R

mit Regatta-Countdown-Funktion

ist

eine Eigenentwicklung

von Panerai.

Uhr leicht und fehlerfrei zu bedienen

sein – abgesehen von vorauszusetzender

Unempfindlichkeit

gegen Wasser oder Stöße.

Die nach Meinung vieler

Segler derzeit perfekteste

Regattauhr ist

die 47 mm große

„Luminor 1950

Regatta 3 Days

Chrono Flyback

Titanio“ von

Panerai. Wohl

keine andere vereint

Bedien- und Ablesbarkeit

besser. Die Dauer

des Countdowns kann

ganz unkompliziert

flexibel festgesetzt

werden – wichtig, wird

PANERAI

LUMINOR REGATTA

Die Countdown-Zeit ist

ebenso frei wie simpel

zu programmieren;

je gewünschte Countdown-

Minute einfach einmal

den Drücker bei vier Uhr

betätigen.

doch bei verschiedenen Regatten

auch die Zeit vor dem finalen

5-Minuten-Countdown angezeigt.

Der Drücker bei vier Uhr – seine

Deckfläche ist orange eingefärbt

– reicht zur Programmierung des

Countdowns. Ist dieser abgelaufen,

läuft der Chronograph einfach

weiter und wird somit zur Stoppuhr

der Wettfahrt. Der Drücker bei

acht Uhr beendet die Zeitmessung

und stellt die beiden Chronographenzeiger

wieder auf null.

Wird er gedrückt, während sich

die Zeiger noch bewegen, aktiviert

er indes die Flyback-Funktion. So

lässt sich ein neues Zeitintervall

erfassen, ohne dass dabei der

Stopp- und der Nullstelldrücker

betätigt werden müssen.

OMEGA

SEAMASTER

Sehr vereinfachte

Anzeigemöglichkeit

eines 5-Minuten-

Starts mit Hilfe des

„Regatta Indicator“

am Minuten-Totalisator

(Hilfszifferblatt).

ROLEX

YACHT-MASTER

Die bis zu zehn Minuten

frei wählbare

Countdown-Zeit

wird im komplexen

Zusammenspiel

zwischen Drehlünette,

Drücker bei

vier Uhr und Krone

vorprogrammiert.

ALPINA

YACHTTIMER

Fix programmierter

10-Minuten-Countdown;

in der letzten

Minute vor dem

Start leuchtet

in Rot das Wort

„Start“ auf.

ALEXANDER LINZ

80


FLORIAN ZIMMER

ILLUSIONS

VARTAN BASS I L

CREATIVE DIRECTOR

KETAN & VIVAN BHATTI

MUSIC

19. – 21.09.

ARENA LEIPZIG

DIE NEUE SHOW DER FLYING STEPS.

DIE FUSION AUS BREAKDANCE UND ILLUSION.

TICKETS: REDBULLFLYINGILLUSION.DE


ACTION!

GAMES

LET’S

PLAY

DREI SPIELE, DIE AUF

DER GAMESCOM

PREMIERE FEIERN

Digitale Domstadt:

In Köln treffen Pro-

Gamer auf Spieleentwickler

und Fans.

HEROES

OF THE STORM

Multiplayer-Actionkracher

für den

PC. Modus: die

Helden aus „World

of Warcraft“,

„Starcraft“ und

„Diablo“ vereint

in einem Game.

Erscheinungstermin

unter:

heroesofthestorm.com

Zocker-Paradies

GAMESCOM VON 14. BIS 17. AUGUST STEIGT IN KÖLN DIE GRÖSSTE

GAMING-MESSE EUROPAS. HIGHLIGHT: VIRTUAL-REALITY-BRILLEN.

Das Areal: Keine andere Spielemesse

in Europa lockt mehr

Fans an. Bei der Gamescom auf

dem Areal der Koelnmesse werden

340.000 Besucher erwartet;

mehr als 650 Stände zeigen

auf 140.000 Quadratmetern

aktuelle Gaming-Trends.

Die Neuerscheinungen: Sony

präsentiert seine zukunftsweisende

Virtual-Reality-Brille

„Morpheus“. Zwei an der Innenseite

montierte Minibildschirme

versetzen den Benutzer in eine

dreidimensionale Spielewelt,

gesteuert wird per Bewegungssensor.

Branchenriesen wie

Valve oder Bethesda Game

Studios haben ebenfalls die Vorstellung

von neuen Produkten

angekündigt.

Gamescom Awards: Die besten

Spiele-Neuerscheinungen

werden in 17 Kategorien ausgezeichnet.

Unter anderem in

der Jury: Petra Fröhlich, „PC

Games“-Chef redakteurin. Die

Verleihung findet am 15. August

ab 18 Uhr auf der „Let’s Play

meets gamescom“-Bühne statt.

Die Live-Acts: Bereits bestätigt

wurden Maxïmo Park, Prinz Pi

und Thees Uhlmann. Gerockt

wird auf drei Bühnen.

Besucher-Tipp: am Vormittag

aufs Gelände kommen! In den

frühen Nachmittagsstunden

nimmt der Besucherandrang

erfahrungsgemäß stark zu, was

in den vergangenen Jahren bis

zu vierstündige Wartezeiten

beim Einlass verursachte.

Die Öffnungszeiten: am 14.

und 15. August 10 bis 20 Uhr,

am 16. August 9 bis 20 Uhr und

am 17. August 9 bis 18 Uhr.

Tickets: Vorverkaufskarten

kosten ohne Ermäßigung 11,50

Euro für Donnerstag & Freitag

und 15,50 Euro für Samstag &

Sonntag. Tickets unter:

www.gamescom.de

FACTBOX

RED BULL

GAMING GROUND

DAS BOOTCAMP FÜR E-GAMER:

Beim o∞ziellen Side-Event zur Gamescom

steigen von 11. bis 17. August Gaming-Workshops,

Live-Battles und Coaching-Sessions

in den ESL Studios Köln. Trainiert werden:

„League of Legends“, „Dota 2“, „StarCraft 2“,

„Hearthstone“ und „FIFA 14“.

DIE PROFI-

TRAINER:

Prominente Vortragende

bei

Red Bull Gaming

Ground: die Profis

von „n!faculty“.

Der 1999 in Köln

gegründete Verein

ist Deutschlands erste Anlaufstelle für die

E‐Gaming-Stars der Zukunft. Das vereinseigene

n!faculty-Profiteam zählt zu den besten

„League of Legends“-Clans der Welt. Auf dem

Lehrplan in Köln stehen neben Taktiktraining

auch Ernährung für E-Gamer sowie Wettkampfsimulation.

Zuschauer-Tickets und alle Workshop-

Highlights im Live-Stream unter:

www.redbull.com/gamingground

EVOLVE

Multiplayer-Shooter

für PC, Xbox

One und PS4. Die

Story: In der Zukunft

werden Rohstoffe

auf fremden

Planeten abgebaut.

Das Problem:

Dort lauern Monster.

Ab 21. Oktober

im Handel.

www.evolvegame.com

FIFA 15

Fußball-Klassiker

für PS4, Xbox One,

PlayStation 3, Xbox

360 und PC. Neu:

aufgepeppte Grafik

und überarbeitetes

Gameplay.

Erscheint am 25. 9.

www.fifa15game.com

KOELNMESSE GMBH

82 THE RED BULLETIN


01 02 03

Visual

Storytelling

Abseits des Alltäglichen

Der elektrische Stuhl stammt aus Robert Rodriguez’ Film „Sin City“ (2005), der Beichtstuhl

FOTOGRAFIE NEU ERFUNDEN

WIR ZEIGEN, WIE FOTOGRAFIE NEU ERFUNDEN WIRD.

aus „Desperado“ (1995). Die beiden Requisiten im Besprechungszimmer seiner Troublemaker

„MEINE EINZIGE ANGST

IST DIE ANGST SELBST“

„MEINE EINZIGE ANGST

IST DIE ANGST SELBST“

PHARRELL WILLIAMS –

DAS UNIVERSALGENIE

MARC MÁRQUEZ:

„ICH MAG DRUCK“

Studios sind mehr als bloße Souvenirs: Sie stehen für Verderben und Erlösung. Und sie

stehen einander so gegenüber, wie das diese beiden Grundthemen in Rodriguez’ Filmen

Entdecke die neue

redbulletin.com


Brooklyn,

Geheime Locations, nackte Poeten, Feuer-

Türsteher als Vampir: Das Event-Kollektiv

verrückteste Underground-Partys – wenn


BangOn!-Party im New

Yorker Stadtbezirk

Brooklyn: „Lasst eure

Hemmungen zu Hause!“

4.30 Uhr

Text: Andreas

Shows im Morgengrauen und ein

Rottenschlager

Bilder: Julie

Glassberg

BangOn! organisiert New Yorks

es sein muss, innerhalb von Stunden.

85

BRIDGETTE O‘LEARY


17 Uhr

Der Sugar Hill Club in Brooklyn ist kein

Tempel der New Yorker Party-Avantgarde.

Ein einstöckiges Backsteingebäude, eröffnet

1979, von den Wänden bröckelt der

Putz. Auf dem Stoff-Baldachin über der

Tür steht Supper Club – Restaurant – Disco.

Es ist früher Samstagabend, drinnen an

der Bar hypnotisiert ein Mann sein Bierglas.

Im Radio säuselt Barry Manilow. In

genau sieben Stunden soll hier New Yorks

wildeste Underground-Party steigen:

„BangOn! NYC“ mit mehr als tausend

Gästen, DJs aus Europa und Performance-

Shows der Künstler-Szene Brooklyns. Das

Motto der Nacht lautet „Danger Zone“.

In einem E-Mail an Kartenbesitzer steht:

„Lasst eure Hemmungen zu Hause!“

18 Uhr

Der Underground-Party-König von New

York hetzt durch den Hinterhof des Sugar

Hill und flucht. Brett Herman, 30, erstaunlich

bartloses Gesicht, hat 28 Arbeitsstunden

hinter und den Transport von

sechs Tonnen Equipment aus einer Fabrikhalle

in East Williamsburg ins Sugar Hill

vor sich.

Die Fabrikhalle, erklärt Brett, wurde

bis gestern Mitternacht als Veranstaltungsort

für die „Danger Zone“-Party umgebaut.

Dann wurde die Erlaubnis, Alkohol auszuschenken,

nicht erteilt – der Party- Super-

GAU. „Wir mussten irgendwie spontan

eine Ersatz-Location auftreiben“, sagt

Brett und reibt sich die Augen.

„Das Sugar Hill haben wir heute um

zwei Uhr früh gebucht. Seither bauen wir

hier ein Party-Set-up aus dem Nichts.“

Brett Herman (der Käpt’n)

gründete BangOn! 2008

gemeinsam mit Freunden:

„Wir glauben an die Kraft

des Verrückten.“

86


BangOn!

organisiert

Events wie

Kommandoeinsätze.

GENE BRADLEY , BRIDGETTE O‘LEARY

19:30 Uhr

Vor dem Sugar Hill hält ein gelber Dreiachser:

die BangOn!-Einsatztruppe. Männer

in Shorts und Unterhemden springen

von der Laderampe, schleppen Scheinwerfer

in den Disco-Saal. Wenig später

bremst im Hof ein 1996er-Dodge-Ram-

Van mit einer Bühne auf dem Dach, das

„Boom-Box-Car“. Es sieht aus wie ein

Sugar-Hill-Club,

ein Uhr früh:

Hipster, Models,

Feuerkünstler

Ghettoblaster auf Rädern. Trotz der Eile

läuft alles mit kühler Routine ab. Bang-

On! hat gelernt, Events wie Kommandoeinsätze

zu sehen – die Mission: verrückte

Partys an ungewöhnlichen Orten. Ninja-

Kämpfer duellieren sich in Lagerhäusern,

Blasmusikkapellen spielen in verlassenen

Getreidesilos. Es gibt Hüpfburgen für Erwachsene

oder Lesungen nackter Poeten

(Google-Suche: „Tommy D. Naked Man“).

87


88

Fünf Meter über dem Boden schrauben sie

ein Kanu auf zwei Stahlträger: eine Bühne

für die Go-go-Tänzerinnen dieser Nacht.

22 Uhr

Erster Höhepunkt des Abends: Ein

schwarzer Türsteher mit dem Nacken

eines Football-Linebackers zeigt seine

Vampirzähne. Der Mann sieht aus wie

Wesley Snipes in „Blade“ – nur doppelt so

groß. Er trägt Reptilienaugen-Kontaktlinsen

und einen Ledermantel, der bis an

die Spitzen seiner Bikerstiefel fällt. Wesley

Snipes will nicht interviewt werden.

22:30 Uhr

Tim Monkiewicz ist 30, brauner Lockenkopf,

ein Typ, den man für Strandmode-

Werbespots bucht. Er kniet vor dem DJ-

Pult im Disco-Saal und zieht Schrauben

fest. Tim ist einer der Gründer von Bang-

On! und der Soundtechniker der Crew.

Vor Mitternacht, sagt er, verirrt sich kein

Mensch auf die Party. Er hat also Zeit,

vom größten Polizeieinsatz der BangOn!-

Geschichte zu erzählen. „Zu Beginn war

natürlich alles illegal. Wir feierten an den

verrücktesten Locations. Gaben falsche

Adressen an, um die Cops in die Irre zu

leiten. An Dinge wie Notausgänge dachte

niemand. Einmal krachten morsche Holzbalken

aus dem Dach, als wir den Bass

aufdrehten.“

Im Juli 2008 gab es die ersten Dachterrassenpartys.

Erst kamen 300 Gäste,

dann 700, bald so viele, dass man in leere

Industriegebäude ausweichen musste.

2010 stürmten 20 Polizisten die Halle, in

der gerade 2000 Menschen Halloween

feierten. „Eine Razzia wie zur Zeit der

Prohibition“, sagt Tim, „brüllende Cops,

umgetretene Tische.“ Tim und die anderen

zwei BangOn!-Gründer beschlossen daraufhin,

ihre Events legal aufzuziehen. Das

Verhältnis zur New Yorker Polizei sei mittlerweile

gut, sagt Tim. „Die Cops schauen

bei fast jedem Event vorbei. Vielleicht

wollen sie einfach nur gratis mitfeiern.“

0:30 Uhr

Obwohl kein einziges Plakat die Feier

ankündigt, bildet sich vor dem Sugar Hill

eine Schlange. Als Reminiszenz an die

Zeiten des Versteckspiels mit der Polizei

werden die Locations bis zuletzt geheim

gehalten – das Fest zu finden ist Aufgabe

der Besucher, BangOn! streut lediglich

Hinweise auf Facebook.

Eine halbe Stunde nach Mitternacht

drängen sich im Hof und auf drei Indoor-

Tanzflächen rund 1400 Gäste. Der Groove

der Soundanlage lässt Dachrinnen vibrieren.

Zwei Go-go-Tänzerinnen klettern auf

die Kanu-Bühne. Sie tragen Kampfpilotenhelme.

„Danger Zone“ erweist Fliegerfilmen

à la „Top Gun“ die Reverenz.

Die Tänzerinnen salutieren. Auf ihren

BHs blinken Leuchtröhren. Sugar Hill ist

jetzt BangOn!-Land.

1:30 Uhr

Die drei BangOn!-Chefs (neben Organisator

Brett und Soundmann Tim gehört

noch Gene, ein Australier mit Vollbart,

dazu) stehen am Taco-Stand im Hof.

Wie stellt ihr das künstlerische Programm

eurer Feste zusammen?

Die drei zücken ihre iPhones und scrollen

durch die Kontakte. Danach lesen sie

TOD SEELIE


Links: Jeder

BangOn!-Event

braucht ein Motto.

Getanzt wird auf

„Secret Underwear“-

oder „Short

Shorts“-Partys.

Als der Star ans

DJ-Pult tritt, hat

es 35 Grad.

An den Wänden

beschlagen

Spiegel.

laut vor, was unter dem Künstlernamen in

der Zeile „Firma“ steht.

Brett: „Zwerg“.

Tim: „Nackt-Hula“.

Gene: „Spezialist für Body-Painting,

das im Dunklen leuchtet“.

2 Uhr

Normalerweise feiern in dem mit rotem

Teppichboden ausgelegten Disco-Saal

Hochzeitsgesellschaften.

Als Dan Ghenacia ans DJ-Pult tritt, ist

der Saal ein Treibhaus. Es hat 35 Grad.

An den Wänden beschlagen Spiegel.

Ghenacia, musikalischer Top-Act des

Abends, ist erst vor fünf Stunden, aus

Frankreich kommend, gelandet. Das

DJ‐Fachmagazin „Resident Advisor“

nennt ihn den „König des Pariser Undergrounds“.

Im Moment ist Ghenacia ein

König, der schwitzt. Im Publikum wirbeln

Mädchen fluoreszierende Hula-Reifen.

Hipster-Männer in Unterhemden versuchen

lässig zu tanzen. Der Saal taumelt

hypnotisiert durch einen Strudel aus

House-Beats und Hitze.

In einer Ecke schlürfen drei ultraschlanke

Mädchen stoisch ihre Drinks.

„Alexander-Wang-Models!“, wird Tim

später euphorisch berichten.

89


90

Oben: Colin (li.)

und Mark spucken

um ihr Leben.

Links: Top-Gun-

Tänzerinnen


BangOn!-Neujahrsparty

2014 in Brooklyn: Cirque du

Soleil trifft Massen-Rave.

Im Disco-Saal

reitet eine

zierliche Frau

auf einem

Bass-Verstärker.

ANYA WHITE (2)

2:30 Uhr

Der Fashion-Moment des Abends. Brett

präsentiert sein „Danger Zone“-Outfit –

die Galauniform der U. S. Navy: weiße

Hose, gestärktes Hemd, eine kühn schiefsitzende

übergroße Tellerkappe. Auf Bretts

Schultern glänzen die Rangabzeichen

eines Captains. Trotzdem ist er mit der

Nacht noch nicht zufrieden. „Zwei Künstler

fehlen noch.“ Brett trinkt einen kräftigen

Schluck Bier. Dann erklärt er seinen philosophischen

Party-Entwurf: „Wir bei Bang-

On! glauben an die kommunikative Kraft

des Verrückten. Wir glauben, dass sich

fremde Leute öfter anlachen und schneller

ins Gespräch kommen, wenn sie sich Farbe

ins Gesicht malen oder Tommy D Naked

Man bewundern. Wir wollen unsere Gäste

aus der Komfortzone schießen. Jeder muss

am Tag nach BangOn! eine Geschichte

erzählen können.“

3:15 Uhr

Im Disco-Saal reitet eine zierliche Frau

auf einem Bass-Verstärker.

3:45 Uhr

Die zwei Künstler, auf die Brett seit einer

Stunde wartet, schleichen unauffällig

hinter das Boom-Box-Car. Colin und Mark

sehen aus wie Statisten aus einem „Mad

Max“-Film. Colin trägt einen Wolverine-

Backenbart, eine speckige Lederjacke und

schwarze Stiefel. Fragt man ihn, woher

er kommt, zeigt Colin das Tattoo auf der

Innenseite seiner Unterlippe: „718“ in

zittrigen Ziffern – die Vorwahl Brooklyns.

Mark, bullig, Irokesenschnitt, trägt eine

ärmellose Weste aus schwarzem Plastik,

deren Schnittmuster mittelalterlich wirkt.

Mark sagt, er habe die Weste aus alten

Automatten genäht. Mark und Colin sind

stolze Söhne Brooklyns. Beide knacken

ihr erstes Dosenbier.

3:47 Uhr

Colin sagt, die Stimmung auf BangOn!-

Partys erinnere ihn an den rauen Charme

Brooklyns vor der Invasion betuchter

Hipster und der Erfindung regelmäßiger

Polizeikontrollen.

3:48 Uhr

Mark erzählt, im Brooklyn der Prä-Hipster-

Ära habe eine Freizeitbeschäftigung heranwachsender

Männer darin bestanden,

„Fensterscheiben fremder Autos mit

Steinen einzuschlagen, um auf den Rücksitzen

mit Freundinnen zu schlafen“.

Marks Stimme klingt melancholisch.

4:30 Uhr

Showtime. Mark und Colin klettern auf

das Boom-Box-Car. An ihren Gürteln

baumeln je zwei Poland-Spring-Mineralwasser-Plastikflaschen.

Auf dem Autodach

fischt Colin Fackeln aus seinem

Rucksack. Mark zündet sein Zippo-Feuerzeug.

Um das Boom-Box-Car drängen sich

jetzt Menschen. Colin und Mark nehmen

jeder einen großen Schluck aus ihren

Flaschen. In den Flaschen ist Lampenöl.

Dann blasen Colin und Mark die ersten

Feuerfontänen gen Himmel. Die Hitzewelle

ist kurz und intensiv. Am Fuß des

Boom-Box-Cars brennt sie im Gesicht.

Die Hipster weichen einen Schritt zurück.

Ungläubige Blicke. Colin bläst seine zweite

Flamme, er biegt seinen Rücken nach

hinten, spuckt Feuer, hustet. Über den

Häuserdächern dämmert es. Colin und

Mark spucken Feuer, als ginge es um ihr

Leben. Um Punkt 4.30 Uhr, der ganze Hof

starrt auf die Boom-Box-Bühne, vereinen

sie ihre zwei Flammentürme zu einer

gigantischen heißen Säule, die fünf Meter

hoch in den Himmel schießt. Es ist die

Geschichte, die man später über jene

Nacht erzählen wird: wie zwei Leder-

Freaks auf einem Dodge Ram Van die Luft

über dem Sugar Hill anzündeten. Wer

zuvor müde war, ist jetzt hellwach. Colin

und Mark verbeugen sich. Aus Colins

Mundwinkel rinnt Lampenöl.

8:15 Uhr

Nach einem 42-Stunden-Arbeitstag

schließt Brett die Tür zum Club. Sonne

blendet seine Augen. In seiner weißen

Kapitänsuniform spaziert er zur U-Bahn-

Station durch das morgendliche Brooklyn.

www.bangon-nyc.com

91


ACTION!

TV-HIGHLIGHTS

Volles Programm

DAS RED BULL TV-FENSTER BEI SERVUS-TV

MUST

SEE

HELDEN AUF

IHREM BILDSCHIRM

RED BULL

AIR RACE

Hannes Arch und

seine fliegenden

Gefährten sind zu

Gast am royalen

Ascot Racecourse.

17. 8., 16.45 Uhr

Samstag, 6. 9., 9.15 Uhr

Red Bull Dolomitenmann

Alle Jahre wieder geht in und um Lienz der Red Bull Dolomitenmann über

die Bühne, und dieses Mal sind Sie mit ServusTV live dabei. Bei dieser einzigartigen

Staffel müssen die vier Teilnehmer jedes Teams ihren jeweiligen Streckenabschnitt

berglaufend, paragleitend und mountainbikend bezwingen,

ehe sie schlussendlich per Kajak ins Ziel paddeln. Unterstützt werden sie

dabei von ihren Fans und hoffentlich von zehntausenden Schaulustigen.

Mittwoch, 13. 8., 22.20 Uhr

Zwischen Paris

und Dakar

Nach langer Vorbereitungszeit

starten die Brüder

Tobias Moretti und Gregor

Bloéb auf ihren Bikes ins

Abenteuer „Africa Race“.

Mittwoch, 20. 8., 21.15 Uhr

Mensch

2.0

Bertold Mayer, der selbst

eine künstliche Hand hat,

stellt sich der Herausforderung,

einen bionischen

Roboter zu erschaffen.

Mittwoch, 27. 8., 21.15 Uhr

Light and

Dark

Im ersten Teil dieser BBC-

Dokumentation geht der

Kernphysiker Jim Al-Khalili

den Geheimnissen des

Lichts auf den Grund.

Zum ersten Mal sendet

ServusTV live vom härtesten

Teambewerb der Welt – dem

Red Bull Dolomitenmann.

Sonntag, 24. 8., 11.50 Uhr

Live: WRC

Deutschland

Von Finnland geht es für die Weltelite

der Rallye-Piloten weiter

nach Trier, vor dessen Porta Nigra

die ADAC Rallye Deutschland

beginnt und auch endet. Gelingt

es Sébastien Ogier (FRA), hier

seine Gesamtführung auszubauen,

oder kann sich sein Hauptkonkurrent

Jari-Matti Latvala

(FIN) noch einmal näher an seine

Fersen heften? ServusTV ist für

Sie live an der Rennstrecke dabei.

UCI

WORLD CUP

Gee Atherton

(GBR) nimmt die

Downhillstrecke

von Méribel (FRA)

als Gesamterster

unter die Räder.

30. 8., 10.30 Uhr

RED BULL

X‐FIGHTERS

In Pretoria will

sich Levi Sherwood

(NZL) den

Titel sichern.

30. 8., 12.00 Uhr

Sie finden

ServusTV mit dem

Red Bull TV-Fenster

nicht auf Ihrem

Fernsehgerät?

Rat und Hilfe zum

Nulltarif unter

0800 100 30 70

MARTIN LUGGER/RED BULL CONTENT POOL, JÖRG MITTER/RED BULL CONTENT POOL, NATHAN GALLAGHER / RED BULL CONTENT POOL, MCKLEIN/RED BULL

CONTENT POOL, PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL, JÜRGEN SKARWAN/RED BULL CONTENT POOL, DARLOW SMITHSON PRODUCTIONS, BBC 2013

92 THE RED BULLETIN


PROMOTION

MUST-HAVES!

1

1 DAS FARBENSPIEL DER BOA

Massiv, kräftig und stylish präsentiert sich

die BOA von POLICE. Der Hingucker ist mit

Sicherheit das im Regenbogenlook beschichtete

Edelstahlgehäuse, welches die Farbe

je nach Blickwinkel verändert. Der Zeitmesser

punktet neben der Wasserdichtheit bis 10 bar

auch mit den Funktionen. Auf dem grauen

Zifferblatt stehen dem Träger dieser Multifunktionsuhr

Tag, Datum und 24-Stunden-

Anzeige zur Verfügung.

www.timemode.com

2

2 DOSH® AERO – DESIGN MEETS FUN-

CTION

Die in Sydney entwickelten und hergestellten

DOSH® Brieftaschen überzeugen durch ihr

einzig artiges Design, ihre Farben und Materialien

und sind der Eye-Catcher schlechthin.

Zudem ein Must-have für Extremsportler und

Abenteurer, weil handlich, wasserfest und

praktisch unzerstörbar! Befreie dich vom

überflüssigen Gepäck deiner alten Geldbörse

und rationalisiere den Inhalt auf das

Wesentliche!

www.doshbrand.com

3

3 iPONG® – INDIVIDUELLE MINI-TISCH-

TENNISPLATTE MIT EIGENEM FOTO

Liefern Sie sich packende Duelle mit Ihren

Freunden oder veranstalten Sie kleine Turniere

unter Kollegen. Ob zu Hause oder im Büro,

iPONG® ist die Trendsportart für alle Spaßjunkies.

Gestalten Sie jetzt Ihre Mini-Tischtennisplatte

mit eigenem Foto einfach online.

Passende Bälle, Schläger und Netz sind im

Lieferumfang enthalten. Länge: 100 cm,

Breite: 58 cm

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4

4 CITIZ TRAVEL MUG – GROSSER

GENUSS GEPAART MIT INNOVATIVEM,

URBANEM DESIGN

Der doppelwandige CitiZ Travel Mug ist

bestens geeignet, um heiße und kalte Getränke

perfekt zu genießen, ob im Auto, am

Weg zur Arbeit oder beim Spazierengehen.

Der CitiZ Travel Mug hält den Nespresso

Kaffee warm, während Ihre Hände kühl bleiben,

und bietet Nespresso Genuss für unterwegs!

Der aus rostfreiem Edelstahl gefertigte

Isolierbecher fasst ein Volumen von 345 ml,

dies entspricht der Menge von drei Lungos.

Der CitiZ Travel Mug ist in allen Nespresso

Boutiquen wie auch online zum Preis von

20 Euro erhältlich.

www.nespresso.com


ACTION!

EVENTS

21. – 24. August, Trier (Start- und Zielort)

ADAC Rallye

Härtetest auf Asphalt: Nach dem Eröffnungs-Shakedown am

Donnerstag steuern die World-Rally-Championship-Stars wie

Weltmeister Sébastien Ogier (FRA) ihre 300-PS-Kraftpakete

durch die Weinbaugebiete an der Mosel. Besonders tückisch:

die engen Spitzkehren, die aufgrund der Weinstöcke am Streckenrand

nur schwer einsehbar sind. Am Samstag gilt es, auf

den schwierigen, weil meist schmutzigen Betonpisten auf dem

Truppenübungsplatz Baumholder die perfekte Linie zu finden.

Und die endgültige Entscheidung fällt am Sonntag auf den

Highspeed-Passagen rund um St. Wendel im Saarland.

www.adac-rallye-deutschland.de

Ein Weltmeister gibt Gas:

Sébastien Ogier, WRC-Dominator

2013, startet in Trier.

94 THE RED BULLETIN


Ab 28. 8. deutschlandweit im Kino

„Guardians of the Galaxy“

Blockbuster aus dem Hause Marvel: In der mit

150 Millionen US-Dollar budgetierten Adaption

des seit 1969 erscheinenden Kult-Comics

führt der NASA-Pilot Peter Quill (gespielt von

Chris Pratt, Mi.) eine Gruppe außerirdischer

Krimineller und Sonderlinge an. Unter seinem

Kommando: ein waffenvernarrter Waschbär

namens Rocket oder der Baummensch Groot.

Seine Gegner: die tatsächlichen Bösewichter

wie The Collector (Benicio del Toro).

www.marvel.com/movies

20. – 30. 8., Trabrennbahn Bahrenfeld, Hamburg

Kultursommer

Im Rahmen der elftägigen Festival-Reihe gastieren internationale

Top-Acts in der Hansestadt. Pflichttermin: die US-Fun-Punker

Blink-182 (Bild), die am 20. August im Zuge des Crash Fests in

Hamburg-Bahrenfeld auftreten und den Singer-Songwriter-

Poeten Frank Turner im Vorprogramm dabeihaben. Weitere Highlights:

die Hip-Hop-Rabauken Fettes Brot, die am 22. August ihr

aktuelles Album „3 is ne Party“ präsentieren, und Rapper Max

Herre, der mit seinem Kahedi Radio Orchestra auftritt (29. 8.).

www.hamburgerkultursommer.de

S A V E

T H E

DATE

WEITERE PFLICHT-

TERMINE IN DEN

NÄCHSTEN WOCHEN

13

AUGUST

CHIEMSEE

REGGAE

SUMMER

Neunte Auflage

des Kult-Festivals.

Line-up-Highlights:

die Dancehall-Größen

Seeed und das

US-Hip-Hop-Duo

Macklemore &

Ryan Lewis.

13. – 17. 8., Übersee

am Chiemsee

17

AUGUST

GEPA PICTURES, MARVEL 2014, UNIVEVRERSAL MUSIC, OLAF PIGNATARO/RED BULL CONTENT POOL

7. 9., Kassel

„Breakout and

Run Free“-Lauf

Adrenalinkick für 4800 Hobbyläufer:

Nach einem simulierten

Gefängnisausbruch aus der

JVA Elwe warten 18 Kilometer

mit 21 Hindernissen wie Wasserkanälen,

Schlammparcours

und Kletterpassagen auf die

Teilnehmer. Besonders schwierig:

die Überquerung der Fulda

auf einer wackeligen Brücke.

www.breakoutandrunfree.com

23. und 24. 8., Gaildorf

ADAC MX

Masters

Rad-an-Rad-Spektakel: 270

Motocrosser aus 20 Nationen

fighten um 40 Startplätze für

das sonntägige Finale. Favoriten

auf der Naturrennstrecke

nordwestlich Stuttgarts: der

deutsche ADAC MX Masters-

Champion Dennis Ullrich

(KTM) und sein Markenkollege

Pascal Rauchenecker (AUT).

www.adac-mx-masters.de

24. 8., Red Bull Arena Leipzig

RB Leipzig –

Erzgebirge Aue

Die Roten Bullen im Aufstiegsfieber:

Am dritten Spieltag

der 2. Fußball-Bundesliga

fordern Kapitän Daniel Frahn

und Mitstreiter die „Veilchen“

aus dem Erzgebirge. Das

Match hat besondere Brisanz:

Es ist das erste Sachsen-Derby

der Saison – verlieren ist für

beide Teams tabu.

www.dierotenbullen.de

20. – 24. 8., Köln

c/o pop

Festival

Klangwolken in der Karnevalsstadt:

Das Festival mit Schwerpunkt auf

elektronischer Musik feiert sein zehnjähriges

Bestehen. Als Headliner für

die Geburtstagssause bestätigt: die

Brit-Rocker Elbow und das US-Electronic-Trio

The Glitch Mob. Die Konzerte

finden an zehn Veranstaltungsorten

in Köln statt, unter anderem

am Hans-Böckler-Platz, auf dem der

Red Bull Tourbus (li.) haltmacht.

c-o-pop.de

15. – 17. 8., Zoo Stukenbrock

Serengeti

Festival

Größtes Musikfestival Ostwestfalens

im Zoo Safaripark

Schloß Holte-Stukenbrock.

Headliner: die schottischen

Rocker Biffy Clyro und Rap-

Phänomen Casper. Empfehlung

für Nachtschwärmer: die

Red Bull Nachtschicht Stage,

auf der die Drunken Masters

und Dirk Siedhoff auflegen.

www.serengeti-festival.de

DTM AUF DEM

NÜRBURGRING

Hochspannung

beim Rennen auf

dem Nürburgring:

Gelingt dem kanadischen

Mercedes-

Piloten Robert

Wickens nach seinem

ersten DTM-

Sieg im Vorjahr in

der Eifel erneut

eine Sensation?

17. 8., Nürburg,

www.dtm.com

4

SEPTEMBER

NEU IM KINO:

„HERCULES“

Monumentale

Fantasy-Action: Ex-

Wrestler Dwayne

Johnson spielt den

Sohn des Zeus, der

sich in den Kriegen

um Thrakien dem

machthungrigen

Zentauren Rhesus

entgegenstellt.

Ab 4. 9. deutschlandweit

im Kino

THE RED BULLETIN 95


READ BULL

Alptraum

Von Heinrich Steinfest

Heinrich Steinfest

Geboren 1961 in Albury in Südostaustralien, aufgewachsen

in Wien, seit siebzehn Jahren in Stuttgart zu Hause. Der

österreichische Autor und bildende Künstler Steinfest

überzeugt speziell als Autor philosophischer Kriminalromane,

war zuletzt mit „Das himmlische Kind“ und „Der

Allesforscher“ auch ohne Krimi zugange. Der Autor einer

„Gebrauchsanweisung für

Österreich“ und Verfasser

von Essays über Gott und

alles Übrige befand sich

auf einer Reise durch

Frankreich, um die französische

Fassung seines

Romans „Ein dickes Fell“

vorzustellen, als er in

Le Havre viel zu früh erwachte,

zur Feder griff, die

ein Computer ist, und für

das Red Bulletin seinen

„Alptraum“ niederschrieb.

Eine halbe Minute die Luft anhalten und danach

sofort zwei Becher lauwarmes Wasser trinken.“

„Das ist nicht dein Ernst“, meinte der Mann, der

Konrad Badoit hieß und angesichts solchen Unsinns

seinen Freund auslachte.

Der Freund blieb jedoch ernst und bestärkte, es sei absolut notwendig,

sich der Atmung zu entsagen, sobald man erwacht war,

dreißig Sekunden, ein bißchen mehr könne es auch sein, aber

keinesfalls weniger, und man dürfe in dieser Zeit nicht aufstehen,

auch nicht, um sich die zwei Becher lauwarmen Wassers zuzubereiten.

Die müsse man sich schon vorher ans Bett gestellt und

sie in irgendeiner Weise am Erkalten gehindert haben. Nur so

könne es funktionieren.

Und wozu? Nun, wie der Freund erzählte, war dies angeblich

die geeignete Methode, um einen Traum, aus dem man gerade erst

erwacht war, weiterzuträumen, diesmal im vollständigen Bewußtsein,

ein Träumender zu sein, zudem alles in der klarsten Weise

erlebend. Und sich hinterher bestens daran zu erinnern. Man

müsse sich einzig an das Prinzip halten, sofort beim Erwachen

aus einem Traum – selten mit mehr als dem vagen Gefühl, gerade

etwas Gutes oder Schreckliches durchgemacht zu haben – die

Luft anzuhalten, besagte dreißig Sekunden durchzustehen, in

der Folge zügig die Becher zu leeren und erneut einzuschlafen.

Sodann erneut zu träumen.

Eine derartige Empfehlung war natürlich nicht ernst zu

nehmen, kam aber erstaunlicherweise von einem Mann, der als

Versicherungsmathematiker bisher eher nüchtern und völlig

unesoterisch erschienen war und selbst Fußballspiele weniger

als Resultat von Leidenschaft und Willenskraft ansah denn

als logisch-absehbare Folge glücklicher und unglücklicher Entscheidungen.

Anders gesagt: Es war statistisch durchaus zu

errechnen, wie oft Menschen unter bestimmten Bedingungen

auf Bananenschalen ausrutschten und damit bewirkten, daß

die bekannte Darstellung auf Witzbildern die reale Bedeutung

versicherungsrelevanter gebrochener Beine erhielt.

Und ausgerechnet dieser Versicherungsmensch redete also

von der traumfördernden und traumerhaltenden Wirkung von

lauwarmem Leitungswasser. Er schloß seine Ausführungen mit

einem „Probier es einfach mal“.

„Einen Teufel werd ich tun“, sagte Badoit und fragte seinen

Freund: „Bist du etwa religiös geworden auf deine alten Tage?“

Der antwortete nur: „Von Weihwasser war nicht die Rede,

oder?“, bezahlte die gemeinsame Weinrechnung und ließ Konrad

in der Bar zurück wie in einem vergoldeten Schlammloch.

Konrad gehörte zu den ganz wenigen Männern, die sagen

konnten, allen Ernstes der Frau ihres Lebens begegnet zu sein,

und nicht etwa einer Person, die man mit Ach und Krach in die

„Frau meines Lebens“ umdichten konnte, wenn jemand überhaupt

so weit ging, angesichts der eigenen Gattin ein „Gedicht“

zu verfassen beziehungsweise sich der Mühe einer Umdichtung

zu unterziehen.

Konrad Badoit aber konnte auch ohne Gedicht eine solche

Behauptung aufstellen. Selbst nach zehn Jahren war er ob seines

diesbezüglichen Glücks immer wieder fassungslos. Mathildes

Schönheit war seinen Gefühlen ein Faß ohne Boden. Er empfand

sich bei ihrer Betrachtung immer ein wenig siebzehnjährig, von

der Pubertät in Hitze und Aufregung versetzt. Natürlich gab es

auch Momente profanerer Art, etwa im Bett, wo die Leidenschaft,

bei aller Liebe, doch sehr hinter die Betrachtung zurückfiel. Einen

wirklich schönen Menschen anzusehen ist so viel erfüllender,

als ihn zu berühren. Sich den Reichtum zu wünschen so viel

anregender, als ihn zu besitzen. (Genau diese Wahrheit ist

übrigens der Grund dafür, daß wir Gott nicht sehen, auch wenn

er da ist. Ein sichtbarer Gott würde alles zunichte machen. Wir

BURKHARD RIEGELS

96 THE RED BULLETIN


READ BULL

würden ihn nicht erkennen wollen, selbst wenn er mit einem

Namensschild durch die Gegend liefe. Die Leute, die behaupten,

Gott gesehen zu haben, zerstören ihn und sind auf diese Weise

Atheisten.)

Konrad zählte sich ganz sicher nicht zu den armen Verrückten,

so wenig wie zu den Wundergläubigen, und war darum fest entschlossen,

die Sache mit dem Luftanhalten und dem lauwarmen

Wasser als „besoffene Geschichte“ abzutun.

Warum aber versuchte er es zwei Wochen später trotzdem?

Eine Laune? Eine Versuchung? Wie bei den Aufgeklärten und

den Antikapitalisten, die klammheimlich mal einen Lottoschein

ausfüllen? Vielleicht. Jedenfalls stellte er sich an einem Sonntagabend

zwei Gläser auf das Nachtkästchen, die er mit den Stoffwindeln

seines Sohnes vollständig umwickelte. Er hoffte, damit

den lauwarmen Zustand des zunächst heiß eingefüllten Wassers

zu erhalten.

„Was soll das denn?“ fragte seine Frau, als sie sich zu ihm ins

Bett legte.

„Paul braucht das für ein Experiment“, schwindelte Konrad,

seinen dem Windelalter entwachsenen achtjährigen Sohn vorschiebend.

– Immerhin, „Experiment“ stimmte ja.

Als Konrad in der Früh erwachte, tatsächlich direkt aus

einem Traum auftauchend, vergaß er völlig, die Luft

anzuhalten. Es dauerte drei Nächte beziehungsweise

drei Morgen, bis ihm rechtzeitig einfiel, seine Atmung zu stoppen,

er überlegte dann aber, ob er überhaupt kurz zuvor noch

geträumt hatte, und wenn ja, inwiefern positiv oder negativ.

Zudem mußte er feststellen, wie lange dreißig Sekunden werden

konnten, wenn man sie ohne Atmung zubrachte. Er beendete die

Aktion vor der Zeit, probierte aber immerhin das vorbereitete

Wasser, um recht zufrieden dessen gut temperierten Zustand zu

konstatieren. Das wenigstens klappte also. Und klappte auch

einige Tage später, als er mit dem deutlichen Gefühl erwachte,

soeben den Traum vom Fliegen geträumt zu haben. Er hielt rasch

die Luft an (etwas, was er in den vergangenen Tagen immer

wieder trainiert hatte), ergänzte die dreißig Sekunden um fünf

zusätzliche, und praktisch in sein zweimaliges Luftholen hinein

kippte er das bereits in der Hand gehaltene Glas lauwarmen

Wassers hinunter, nach einer sehr kurzen Keuchpause auch

das zweite.

Nichts geschah.

Doch während er noch dachte, daß nichts geschah, geschah

etwas. Als erstes spürte er den heftigen Luftzug. Dann den Druck

gegen die Vorderseite seines Körpers. Ein Kribbeln überall. Als

wäre er eingelegt in Mineralwasser. Gleich darauf war ihm, als

falle er nach oben, zum Plafond hin. Und fiel ja auch. Zurück

in den Traum. Nun jedoch nach unten stürzend, wie es sich

eigentlich gehört. Was konkret bedeutete, in der Montur eines

Fallschirmspringers, im freien Fall befindlich, auf die noch weit

entfernte Erde zuzurasen. Unter sich ein Gebirge, die Alpen vielleicht,

vielleicht der Himalaya oder etwas von dieser Art. Auch

registrierte er, nicht alleine zu sein. Zwei andere Springer kamen

näher. Bald würden sie alle drei sich an den Händen fassen und

einen kleinen Kreis bilden können. Wie man das macht, bevor

man sich wieder abstößt und beizeiten die Reißleine zieht.

Die beiden anderen hatten einander bereits erreicht. Hand in

Hand näherten sie sich ihm. Sie kamen jetzt so dicht heran, daß

er ihre Gesichter erkennen konnte. Keine Frage: seine Frau. Seine

Frau und … richtig, genau jener Freund, dem er die Erfahrung

verdankte, die er soeben machte. Diese Erfahrung. Und eine

andere gleich dazu.

Die beiden lachten ihn an, so ungemein breit, daß er dachte,

die Breite stamme wohl vom enormen Druck der Luft. Er lachte

Gleich darauf war ihm,

als falle er nach oben,

zum Plafond hin.

Und er fiel ja auch.

Zurück in den Traum.

in der gleichen Breite zurück. Bald würde man zu dritt sein.

Wobei er in keiner Weise an den Begriff einer Ménage-à-trois

dachte.

Sehr zu Recht dachte er nicht daran. Von einer Dreiheit

konnte keine Rede sein. Denn anstatt ihm, Konrad, ebenfalls die

Hand zu reichen, wendeten sich seine Frau und der, der sein

Freund war, einander im Flug zu, um sich nun auch die andere

Hand zu geben. Dergestalt vereint, wirbelten sie mehrmals um

einen wackeligen Mittelpunkt, stießen sich endlich ab, zogen

ihre Reißleinen und gerieten mit einem Schlag aus Konrads

Gesichtsfeld.

Er selbst stürzte ungebremst weiter. Und brauchte jetzt gar

nicht erst nachzusehen. Ihm war völlig klar: kein Fallschirm!

Denn darin bestand ja letztendlich der Sinn dieses Traums, ohne

einen solchen zu sein. Nicht nur einfach als betrogener Ehemann

dazustehen, so wie Millionen vor ihm (der Betrug ist sehr viel

natürlicher als etwa die Ehe), sondern zusätzlich dazu in den Tod

zu stürzen. Die Demütigung zu vervollständigen und auf diese

Weise auch noch aus dem Weg geräumt zu werden. Praktischerweise.

Freilich war das hier nur ein Traum, das wußte er bestens,

hatte noch den Geschmack von lauwarmem Wasser im Mund,

ahnte die Bettdecke, unter der er in Wirklichkeit lag. Zugleich

spürte sich dieser Flug schon ungemein real an, realer als bei

einer Simulation. Als sei er Teil eines naturalistischen Gemäldes.

Und wenn man sich in einem Gemälde befindet, ist natürlich es,

das Gemälde, die Realität. Man lebt als gemalter Mensch.

Es heißt ja immer, der Abstürzende verliere das Bewußtsein,

bevor er aufprallt. Konrad aber nicht. Er blieb wach bis zur letzten

Sekunde.

Als er die Augen aufschlug, das zweite Mal an diesem Morgen,

fühlte er sich ziemlich platt. Das war auch früher schon mal vorgekommen,

aber diesmal wußte er sehr gut, wieso. Er sah hinüber

zu seiner Frau. Sie schlief, und zwar in der Art der Engel.

Er dachte: „Schlampe!“ Es war der Moment, da er aufhörte, seine

Frau schön und begehrenswert zu finden.

Es war, wie die Leute gerne sagen, der Anfang vom Ende.

READ BULL

Lesevergnügen im Red Bulletin: Jeden Monat

widmet ein namhafter Autor unseren Lesern eine

Kurzgeschichte. Diesmal Heinrich Steinfest, dessen

Nacherzählung der Nibelungensage „Der Nibelungen

Untergang“ im Oktober bei Reclam erscheint.

THE RED BULLETIN 97


MAGIC MOMENT

Fernsteinsee, Österreich,

10. April 2014

„Für das Bild brauchten wir nur zwei Versuche“,

sagt Wakeboarder Felix Georgii über

sein Bergsee-Shooting nahe Imst in Tirol.

Der Grund: „Das Wasser war karibisch

schön, aber kalt wie ein Eismeer – bei vier

Grad machst du besser keine Fehler.“

Das Video: www.redbull.de/magicmoment

„Ich fuhr nach Tirol

und landete in

der Karibik.“

Felix Georgii, Profi-Wakeboarder

DIE NÄCHSTE AUSGABE DES RED BULLETIN ERSCHEINT AM 9. SEPTEMBER 2014.

LORENZ HOLDER

98 THE RED BULLETIN


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