The Red Bulletin Mai 2015 - DE

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SEI NIE

ZUFRIEDEN.

Um drei Uhr nachts saß Pep in einer Ecke,

auf dem Arm seine kleine Tochter, die

schon halb eingeschlafen war. Der FC

Bayern hatte soeben einen großen Sieg

im deutschen Pokalfinale gegen Borussia

Dortmund errungen. Doch Guardiola war

nicht zufrieden. „Wir haben nicht so gut

gespielt, wie wir hätten spielen können“,

antwortete er auf meine Frage.

Normalerweise gestattet er sich fünf

Minuten, um einen Sieg zu feiern. Fünf

Minuten, nicht mehr. Danach geht er

dazu über, das Spiel mit seinen engsten

Mitarbeitern kühl zu analysieren und sich

auf das nächste Spiel vorzubereiten.

Ja, er ist ständig unzufrieden. Gewinnt

er nicht gerne? Natürlich tut er das! Er

liebt es, zu gewinnen. Aber er verlangt

von sich selbst, nach dem perfekten Spiel

zu streben. Er weiß, dass es das nie geben

wird, aber er versucht es. Das Ergebnis ist

ihm wichtig, aber noch mehr interessiert

ihn, wie das Ergebnis zustande gekommen

ist. Denn der Sieg kann trügerisch sein.

Für Pep ist es wichtiger, die Dynamik

des Spiels zu analysieren, denn sie ist es,

die zukünftige Erfolge erst möglich

machen wird.

ER IST KEIN HARTER KERL.

UND ES MACHT IHM NICHTS

AUS, DAS ZU ZEIGEN.

ER UMARMT SEINE

SPIELER, KLOPFT

IHNEN AUF DEN

RÜCKEN, KÜSST

SIE, SCHUBST SIE

WEITER.

SEI

VERLETZLICH.

Pep hasst es, zu verlieren, obwohl er weiß,

dass er mit Niederlagen leben muss.

Er ist kein harter Kerl. Wenn er sich

Sorgen macht, kratzt er sich am Kopf.

Wenn er mit dem Training zufrieden ist,

schreit er herum, klatscht Beifall, verteilt

Küsse. Ist er unzufrieden, stellt er sich

abseits in eine Ecke. Er lässt seinen Emotionen

freien Lauf. Er ist davon überzeugt,

dass man bei Niederlagen gelassen

reagieren und bei Siegen nüchtern bleiben

muss. Aber er ist kein Superheld. Sondern

ein ganz normaler Mensch, dem es nichts

ausmacht, vor seinen Spielern zu weinen,

wenn ihn Gefühle übermannen, oder wie

ein Kind zu lachen, wenn Thomas Müller

einen seiner Witze reißt.

Nein, er ist kein harter Kerl. Und es

macht ihm nichts aus, das einzugestehen

und zu zeigen.

KLEIDE DICH

ANGEMESSEN.

Vor dem Training schlüpft Pep in den

Trainingsanzug, den seine Assistenten für

ihn bereitgelegt haben, und wenn es kalt

ist, stülpt er sich irgendeine Mütze über

den Kopf. Im Alltag interessiert ihn sein

Aufzug wenig. Doch alles ändert sich,

wenn es zu dem kommt, was für ihn die

Zeremonie ist: das Spiel, der magische

Tag. Dann achtet er auf sein Äußeres und

kleidet sich angemessen. Das hat wenig

mit Eitelkeit zu tun. Aber viel mit Respekt.

Das Spiel, meint er, ist der Höhepunkt

der Arbeit, und darum muss man sich

kleiden, als ginge man zu einem Fest.

Seine Kleidung ist ein Symbol, das seinen

Spielern deutlich macht, welchen Wert

Pep der Partie beimisst: Heute ist der

Tag der Zeremonie, der Tag des Spiels.

Heute müssen wir allen zeigen, was wir

erarbeitet haben.

THE RED BULLETIN 45

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