The Red Bulletin Mai 2015 - DE

theredbulletin.de

HEROES

„AUCH KAKERLAKEN

KÖNNEN FREUNDE SEIN“

EMILIA CLARKE ist die schönste Frau in der Superserie

„Game of Thrones“. Außerdem weiß sie,

wie man zur Heldin wird. Text: Rüdiger Sturm

Sie startete als Sexobjekt,

stieg auf

zur Kommandantin

einer Armee und

zur Königin in spe

– selbst im turbulenten

Universum

der erfolgreichsten

TV-Serie der Welt (inklusive

der Kontinente Westeros und

Essos) ist die Karriere der

Daenerys Targaryen außergewöhnlich.

Nicht zuletzt

verantwortlich dafür ist ihre

Darstellerin Emilia Clarke.

the red bulletin: Sie stecken

gerade in der fünften

Staffel. Glauben Sie, Sie werden

das „Game of Thrones“

am Ende gewinnen?

emilia clarke: Natürlich

(lacht). Ich sage zu meinen

Co-Darstellern immer: „Entspannt

euch. Ich bin es, die

auf dem Thron landen wird.“

Wären Sie knallhart genug,

um ein ganzes Reich in den

Griff zu kriegen?

Ich bin weit davon entfernt,

so zu sein wie meine Figuren.

Ich habe ja nicht mal Drachen.

Um ganz ehrlich zu sein, das

Coolste und Schwierigste, was

du als Frau erreichen kannst,

ist etwas ganz anderes: zu

akzeptieren, wer du bist, und

damit glücklich zu sein.

Wenn schon keine Drachen,

haben Sie andere Tiere gebändigt?

Oh ja, Kakerlaken. Vor vielen

Monden lebte ich in einem

Haus mit Kakerlaken. Mit

einer von ihnen hab ich mich

angefreundet. Ein riesiger Kerl

von einer Kakerlake. Ich habe

ihn Bob genannt.

Was wurde aus Bob?

Ich schätze, er ist nicht mehr

unter uns. Aber ich muss gestehen,

ich habe ihn aus den

Augen verloren.

Daenerys Targaryen wurde

vom naiven Mädchen zur

cleveren Herrscherin und

Sie von der Kakerlakendompteuse

zum Star …

Gute Parallelen. Vor „Game of

Thrones“ machte ich Catering

– also in der Zeit, in der ich

mit Bob zusammenwohnte.

Sind Sie noch gut beim Catering?

Was wäre, wenn ich

zum Beispiel jetzt ein Mittagessen

wollte?

Ich könnte Ihnen wirklich

guten Champagner und Kanapees

servieren.

Manche Leute tun das für

den Rest ihres Lebens, Sie

wurden ein Star. Was machte

den Unterschied?

Ich bin fest davon überzeugt,

wenn du etwas lange genug

wirklich willst, dich darauf

konzentrierst und nie aufgibst,

dann wirst du erreichen,

was du willst. Und seit ich

ganz, ganz klein war, wollte

ich immer Schauspielerin

werden.

„Ganz, ganz klein“ heißt …

… drei. Mit drei war ich im

Musical „Showboat“, und

ich war wie hypnotisiert.

Wenig später sah ich Audrey

Hepburn in „My Fair Lady“.

Ich entwickelte eine echte

Obsession für sie. Zwei Jahre

lang schaute ich mir jeden Tag

diesen Film an.

Vor „Game of Thrones“

waren Sie noch kein wirklicher

Star. Sie bekamen die

Rolle einfach so?

Ja, ein Jahr zuvor hatte ich die

Theaterhochschule beendet.

Ich sprach für die Rolle vor –

mit geringer Erfahrung, aber

großem Enthusiasmus – und

wurde besetzt. Man kann mein

damaliges Gefühl am ehesten

mit dem eines kleinen Mädchens

in einem Wirbelsturm

wie in einem geheimnis vollen

Märchen vergleichen.

Wahrscheinlich schlotternd

vor Angst, dass Sie an der

Aufgabe scheitern?

Vor Beginn der Dreharbeiten

war die Angst riesig. Aber

am Set blieb nur mehr das

klassische Lampenfieber wie

im Theater. Das ist das Tolle

am Spielen: Sobald du auf der

Bühne stehst, geht es nur um

deine Figur. Bammel hatte ich

nur vor einer Sache: Ich liebe

Pferde und Reiten, aber nicht

vor der Kamera. Wenn du so

viel Equipment herumstehen

hast, kann ein Idiot auf einem

Pferd alles kaputtmachen.

Und was war bei meiner allerersten

Szene? Ich durfte reiten.

Aber dann ging alles gut.

Hat Ihnen die Rolle beigebracht,

was es braucht,

ein Held zu sein?

„DU MUSST DEINE ZIELE ENTSCHLOSSEN, ABER OHNE EGOISMUS

VERFOLGEN. UND DABEI DER EIGENEN EITELKEIT ENTWISCHEN.“

Ich denke schon. Du musst

deine Ziele entschlossen verfolgen,

aber ohne Egoismus.

Der Trick für einen kühlen

Kopf ist, deiner eigenen Eitelkeit

zu entwischen.

Wenn Sie eine Herrscherin

in unserer Welt wären: Was

wäre Ihre erste Entscheidung

für das Gemeinwohl?

Hmmm … ich würde den

Bierpreis halbieren (lacht

schallend).

www.hbo.com/game-of-thrones

SOFIA SANCHEZ AND MAURO MONGI/TRUNK ARCHIVE

58 THE RED BULLETIN

Weitere Magazine dieses Users