The Red Bulletin Juli 2014 - DE

theredbulletin.de

Juli 2014 € 2,50

Abseits des Alltäglichen

Linkin

Park

„Rock ’n’ Roll

ist schlappschwänzig“

Lukas

Podolski

„Elferschießen

ist geil“

12

Seiten

Reiseziele für

Extremsportler

Neymar Júnior,

Brasiliens

Fußballstar

N EY M AR !

Ring frei für das Interview

zur Schicksals-WM

EUR 2,50 Juli 2014


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Die Welt von Red Bull

64

Hauptsache zweirad

Moto-GP-Champion Marc

Márquez pflügt mit uns über

seinen privaten Dirt Track.

david clerihew (cover), jim krantz heri irawan (cover)

Willkommen!

Kein Sportler steht diesen Sommer so im

Mmittelpunkt, keiner so unter Erwartungsdruck

wie Neymar: Der 22-Jährige, 64 Kilo, 1,75 Meter,

soll Brasiliens Nationalteam zum Fußballweltmeister

machen. Neymar hat The Red

Bulletin in Barcelona zu einem seiner seltenen

Interviews empfangen, die Frage nach dem

Druck war die erste. Er schüttelte den Kopf,

„da sind nur Freude und Stolz“. Und dann sagte

er ein paar Worte, in denen alle Kraft und alle

Zerbrechlichkeit des Neymar da Silva Santos

Júnior stecken: „Wenn man glücklich ist,

klappen Dinge ganz von selbst; wenn man

unglücklich ist, klappt gar nichts.“

Viel Vergnügen mit diesem Heft!

Die Redaktion

„Druck? Nie.

Ich bin immer

locker.“

neymar, SEITE 58

the red bulletin 5


Juli 2014

Auf einen Blick

Bullevard

34

Extrem Reisen

Urlaub abseits des Reisebüros:

Extremsportler empfehlen ihre

aufregendsten Playgrounds.

16

Rebellen für den Frieden

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg

aus. Wir ehren 101 Helden, die seither

für eine friedvollere Welt kämpften.

78

Die Salzwasser-Rakete

Im Super Aviator wie ein Hai durch

Hawaiis Unterwasserwelt tauchen. Wir

haben die Gebrauchsanleitung für Sie.

Bayrischer jäger

Vom Operationstisch direkt zum Interview:

Der deutsche MotoGP-Pilot Stefan

Bradl kann mit Schmerz umgehen.

79

48

Bunter Vogel

Rickie Fowler bringt Farbe auf die

Golf-Tour. Diese Ausrüstung verhilft

ihm zu Birdies und Eagles.

10 Gallery Die besten Bilder

16 Bullevard Kämpfer für den Frieden:

101 Rebellen für eine bessere Welt.

Features

34 Into the Wild

Zu Wasser, zu Lande, durch die Luft:

wo Urlaub machen richtig weh tut.

46 Lukas Podolski

Die geheimen Leidenschaften des

deutschen Teamstürmers.

48 Stefan Bradl

Ein Interview über das Leben eines

Motorradfahrers an der Rutschgrenze.

54 New-Metal-Media

Wie Linkin Park der zunehmenden

Beliebigkeit des Rock ’n’ Roll trotzen.

58 Interview: Neymar

Brasiliens WM-Hoffnung über Druck,

Dribblings und Kabinen-Gospel.

64 Vollgas mit Márquez

Der Racer als Dirt-Dämon: am privaten

Track des MotoGP-Champions.

Action!

78 Travel Im Panorama-U-Boot

79 Pro Tools Damit golft Rickie Fowler

80 city-Guide Schanghai

82 club Das „Fabric“ in London

84 Training Tipps vom Hochsprungprofi

86 Musik Owen Palletts Playlist

88 Starke Uhren 50 Faden tief tauchen

90 Gaming Neue Konsolen-Challenges

92 TV-Highlights Red Bulls TV-Fenster

94 save the date Events zum Merken

96 Read Bull Bernhard Aichner

98 Magic Moment

Kolesky/Nikon/Red Bull Content Pool, picturedesk.com, lcr honda, stephen frink,getty images

6 the red bulletin


wir Danken aLLen,

Die Zur HöcHStLeiStung aufgeLaufen SinD.

Den Läufern. Den SponSoren. Den HeLfern an Der Strecke.

iHr wart rieSig.

BiS ZuM näcHSten MaL:

03.05.2015

jetZt inforMieren:

wingSforLifeworLDrun.coM


Contributors

mit an Bord

im Juli

bernd aichneR

Sein aktueller Thriller „Totenfrau“

wird gerade von Feuilleton und

Publikum gelobt, obwohl die Titelheldin

eine höchst aktive Serienmörderin

ist. Für das Red Bulletin

ließ Aichner im Text „Der letzte

Zahn des Paul Glückmann“ nicht

ganz so viel Blut fließen, wiewohl

auch in dieser

Kurzgeschichte zu

spüren ist, dass

der Autor gerne

auf nachdrückliche

Bilder setzt,

die geeignet sind,

sich im Hirn des

Lesers festzu krallen. Das hat wohl

mit Aichners zweitem Beruf zu

tun: Der gebürtige Tiroler ist ausgebildeter

Fotograf.

Der Mann

mit dem

gefährlichen

Lächeln

Brasiliens Fußballstar

Neymar kam, sah und

wickelte sowohl Red

Bulletin-Fotograf

David Clarihew als

auch unseren Autor

Simon Kuper um den

Finger. Clarihew: „Er

ist cool, sieht gut aus,

war entspannt – die

Hälfte des Jobs war

bereits vor dem ersten

Foto erledigt.“ Kuper:

„Kaum ein Fußballer

ist pünktlich, wenn er

sich mit Leuten trifft,

die nichts mit Fußball

Simon

Kuper

David

Clerihew

zu tun haben. Neymar

schon.“ Und dann war

da dieses Lächeln, das

man lieben müsse, so

Kolumnist („Financial

Times“) und Buchautor

(„Football

Against the Enemy“)

Kuper: „Nach seinem

Dribbling sicher seine

gefährlichste Waffe.“

Das Interview mit

Neymar hält Kuper für

das beste, das dieser

jim

krantz

Für Jim Krantz

und Assistent

Ethan Sharkey war es ein echter

Herzensauftrag, Marc Márquez,

21, den aktuellen MotoGP-Weltmeister,

zu fotografieren, sind

die beiden doch selbst sportlich

ambitionierte Motorrad fahrer. Die

Chemie zwischen dem amerikanischen

Starfotografen und dem

spanischen MotoGP-Dominator

stimmte jedenfalls von der ersten

Sekunde an: „Der Kerl ist verrückt“,

lautete die wechselseitige

Einschätzung nach dem gemeinsamen

Tag, an dessen Ende ein

infizierter Krantz ein Superbike-

Training buchte – allerdings nicht

beim Weltmeister, sondern einem

privaten Anbieter in den USA.

David Clarihew (knieend), Neymar: „Es machte Spaß!“

je gegeben hat – und

Kuper hat sich intensiv

vorbereitet. Noch

etwas fiel ihm auf:

„Ist es nicht unfair,

dass Barcelona nicht

nur eine der bezauberndsten

Städte der

Welt ist, sondern

auch einen der besten

Fußballklubs besitzt?

Sollte sich die Stadt

nicht für das eine oder

andere entscheiden?“

THE RED BULLETIN

Deutschland, ISSN 2079-4258

Herausgeber und Verleger

Red Bull Media House GmbH

General Manager Wolfgang Winter

Verlagsleitung Franz Renkin

Chefredaktion Alexander Macheck, Robert Sperl

Editor-at-large Boro Petric

Creative Director Erik Turek

Art Director Kasimir Reimann

Fotodirektion Fritz Schuster

Chefin vom Dienst Marion Wildmann

Managing Editor Daniel Kudernatsch

Redaktion

Werner Jessner (Leitender Redakteur),

Lisa Blazek, Ulrich Corazza, Florian Obkircher,

Arek Piatek, Andreas Rottenschlager

Mitarbeit Stefan Wagner

Bullevard

Georg Eckelsberger, Sophie Haslinger, Holger Potye,

Clemens Stachel, Manon Steiner und das Konsorten-Kollektiv

(Raffael Fritz, Marianne Minar, Martina Powell,

Mara Simperler, Lukas Wagner)

Lektorat Hans Fleißner, Monika Hasleder

Grafik Miles English (Ltg.), Martina de Carvalho-Hutter,

Silvia Druml, Kevin Goll, Carita Najewitz, Esther Straganz

Fotoredaktion Susie Forman (Creative Photo Director),

Rudi Übelhör (Deputy Photo Director),

Marion Batty, Eva Kerschbaum

Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.),

Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher

Herstellung Michael Bergmeister

Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.),

Walter O. Sádaba, Matthias Zimmermann (App)

Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg

Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits

Marketing & Country Management

Stefan Ebner (Ltg.), Elisabeth Salcher,

Lukas Scharmbacher, Sara Varming

Marketing-Grafik Julia Schweikhardt, Peter Knehtl

Abo und Vertrieb Mag. Klaus Pleninger (Vertrieb),

Mag. Peter Schiffer (Abo), Nicole Glaser (Vertriebsmarketing),

Alexandra Ita (Abo-Marketing), Yoldas Yarar (Abo-Marketing);

Abopreis 25,90 Euro, 12 Ausgaben/Jahr,

www.getredbulletin.com, abo@de.redbulletin.com

Anzeigenverkauf

Alfred Vrej Minassian (Koordinator AT, DE, CH),

Martin Olesch (Ltg. DE);

anzeigen@at.redbulletin.com

Internationaler Anzeigenverkauf Patrick Stepanian

Anzeigendisposition Sabrina Schneider

O∞ce Management/Verlagsassistenz

Manuela Geßlbauer (Assistentin der Geschäftsführung),

Kristina Krizmanic

IT Michael Thaler

Firmensitz Red Bull Media House GmbH,

Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg,

FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700

Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien

Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809

Kontakt redaktion@at.redbulletin.com

Web www.redbulletin.com

Erscheinungsweise

The Red Bulletin erscheint in Deutschland monatlich

im Abonnement, im alternativen Vertrieb und

als Eigenbeilage der Leipziger Volkszeitung.

Weiters wird The Red Bulletin monatlich in folgenden Ländern

vertrieben: in Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Irland,

Kuwait, Mexiko, Neuseeland, Österreich, der Schweiz,

Südafrika und den USA.

Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

8 the red bulletin


TM

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Hiendelaencina, Spanien

Freizeitvergnügen

Alfredo Gómez ist einer der besten Enduro-Piloten

der Welt und als solcher üblicherweise im Gelände zu

Hause. Denn Enduro heißt: das Bike über Steilhänge

prügeln, bis man erschöpft aus dem Sitz fällt. Dieses

Bild zeigt den Spanier beim Freizeit vergnügen, er

pflügt seine Husqvarna über den flachen Dirt Track.

Kann der Kerl nie abschalten? „Ich liebe einfach

alles, was Benzin verbrennt.“

www.alfredogomez.com

Bild: Alberto Lessmann/Red Bull Content Pool

11


Melbourne, Australien

Schneller Russe

Daniil Kvyat ist Experten zufolge eines der weltweit größten

Motorsport-Talente. Beim Saisonstart in Melbourne – sei nem

Formel-1-Debüt – holte der Toro Rosso-Russe Platz neun.

Erstes Rennen, erste WM-Punkte mit 19 Jahren und 324 Tagen,

das ist neuer Rekord. Den alten hielt kein Geringerer als

Sebastian Vettel. Bei Redaktionsschluss hat Daniil seinen

20. Geburtstag hinter sich und beachtliche vier WM-Punkte

auf dem Konto. Ist er ein Wunderkind? „Im Motorsport gibt’s

keine Wunder“, sagt er. „Nur harte Arbeit.“

www.scuderiatororosso.com

Bild: Robert Cianflone/Getty Images/Red Bull Content Pool

12


Algarve, Portugal

Wasser-Fall

Jari-Matti Latvala ist einer der schnellsten Rallyepiloten

der Gegenwart – genau wie sein Teamkollege,

der amtierende Weltmeister Sébastien Ogier. Wer das

VW-interne Duell gewinnt, hat gute Chancen auf den

Sieg. Bei der Portugal-Rallye – wo dieses Foto entstand

– erwischte Jari-Matti leichtes Untersteuern

und überschlug sich spektakulär. „So ist Rallye“,

kommentiert er gewohnt lakonisch, um gleich da r-

auf die Argentinien-Rallye souverän zu gewinnen.

www.jmlatvala.com

Bild: Richard Balint/Volkswagen Motorsport

14


GIVE PEACE A CHANCE!

1914

Menschlichkeit

Lieber kICken

statt töten

weihnachtswunder Nach Monaten heftiger

Kämpfe im „Großen Krieg“ vereinbaren

hunderte deutsche und britische Soldaten

in Flandern einen privaten Waffenstillstand.

Das Weihnachtsfest geht vor. Und so

schießen die verfeindeten Truppen einen

Nachmittag lang Tore statt Blei. Das Niemandsland

zwischen den Schützengräben

wird zum Fußballplatz, Mützen werden zu

Torpfosten. Die deutsche Auswahl siegt der

Legende nach 3:2. Dafür spendieren die

Gewinner dann auch ein Fass Bier.

Vor hundert Jahren begann der Erste Weltkrieg, ein Ausbruch

des globalen Wahnsinns. Wir ehren 101 Menschen und Ideen,

die seither diesem Wahn sinn trotzten und sich für Frieden und

einsetzten. Krieg dem Krieg!

1915

Working

Woman

Die Sozialistin Rosa

Luxemburg sagt:

Streiken statt streiten!

Sie setzt sich für

Arbeiterrechte und

den Frieden ein –

und wird wegen „Aufforderung

zum Ungehorsam“

eingesperrt.

Blutbank Oswald Hope Robertson

gelingt erstmals eine Transfusio n

mit gelagerte m Blut. Ein medizinischer

Durchbruch, der Millionen

Menschen das Leben rettet – und

ein echter Fortschritt, verglichen

mit der ersten bekannten „Transfusion“

im Jahr 1492: Damals

trank der im Sterben liegende

Papst Innozenz VIII. das Blut

dreier zehnjähriger Knaben. Das

Resultat: Erst starben die Blutspender,

dann der Papst.

1916

1917

NOBELPREIS

Noch bevor der Krieg

zu Ende ist, bekommt

das Rote Kreuz für

seine Verdienste den

Friedensnobelpreis.

Bis heute sind

Lazarett e und Persona l

mit dem rote n Symbo l

per Völker recht im

Krieg tabu.

imperial war museum, Getty Images

16 the red bulletin


Bullevard

1914

WeihnachtSWunder

1915

Rosa LuxemBurg

1916

BlutBank

1917

rotes kreuz

1918

Nelson Mandela

Der spätere Überwinder

der Apartheid

und das große Vorbild

für Vergebung wird

in Süd afrika geboren.

1919

Suffragetten

1922

radio Die British Broadcasting

Company (BBC)

geht on air und wird

zum globalen Grundpfeiler

der Presse- und

Redefreiheit. Menschen

in Kriegs- und Krisengebieten

auf der ganzen

Welt hören – oft unter

Lebensgefahr – die BBC

News. Hear, hear!

1920

Elektromusik

Friedlicher kann

technologischer Fortschritt

nicht sein: Das

Theremin, der Vorreiter

des Synthesizers,

wird erfunden.

1921

PEACE DOLLAR

Lady Liberty schaut

entspannt: Die USA

prägen Friedensdollars

im Art-déco-Stil.

1922

BBC

1925

Clarence Darrow ist ein grimmiger Mann

auf großer Mission: Gerechtigkeit und

Lieb e möchte der Anwalt aus Ohio

verbreite n. Deshalb vertritt er in einem

spektakulären Prozess eine Gruppe

schwarzer Männer, denen völlig zu Unrecht

der Mord an einem Weißen vorgeworfen

wird. In seinem sieben stündigen Schlussplädoyer

überzeugt Darrow die Geschworenen

von der Unschuld der Angeklagten

– und rettet ihnen so das Leben. Seine

Mandanten werden alle freigesprochen.

1923

Hitler Raus!

Anwältin Anita Augspurg

und Frauenrechtlerin

Lida Gus tava

Heymann beantragen

Hitlers Ausweisung

aus Deutschland

wegen Volksverhetzung

– erfolglos.

corbis martin udovicic

1919

Sie haben

die Wahl

powerfrauen Ohne sie gäb’s keine Demokratie:

Die Suffragetten der 1910er Jahre

wollen nicht mehr in der Küche stehen,

sie wollen ihr Kreuz auf dem Wahlzettel

machen. Dafür krempeln sie die Puffärmel

hoch, streiken, demonstrieren und werfen

auch so manchen Pflasterstein. Nach dem

Ersten Weltkrieg tragen die Bemühungen

in Nordamerika und Europa Früchte – das

Frauenwahlrecht kommt. Schlusslicht: die

Schweiz. Im Kanton Appenzell Innerrhoden

dürfen Frauen erst seit 1990 wählen.

1924

Peace Award

Der von Edward W.

Bok gestiftete und

mit 100.000 Dollar

dotierte American

Peace Award wird

erstmals vergeben.

Das zweite Mal: 2008.

1925

clarence darrow

1926

„Pu der Bär“

Ferkel und Bär? Eule

und Esel? Kaninchen

und Tiger? Kein Problem!

Alle leben sie

im Wald. Denn das

Wichtigste ist Freundschaft.

Und Honig.

„Ich glaube nicht an

das Gesetz des Hasses.

Ich mag meinen

Idealen nicht immer

treu sein, doch ich

glaube an das Gesetz

der Liebe, und ich

glaube, dass man

mit Hass nichts

erreichen kann.“

c l a r e n c e d a r r o w (18 5 7 — 1 9 3 8)

the red bulletin 17


Bullevard

1927

12.000 PUPPEN

sendet der US-

Missiona r Sidney

Gulick nach Japan,

um Freundschaften

zwischen Kindern

zu knüpfen.

1928

erich maria remarque

schreibt mit „Im Westen

nichts Neues“ den

pazifistischen Kultroman

des 20. Jahrhunderts.

Umsonst?

1929

Mutter Teresa

kommt nach Indien.

Ihre Mission: ein

Lebe n im Dienste

der Ärmsten.

1930

Mahatma Gandhi

lebt Gewaltfreiheit

und führt Indien in die

Unabhängigkeit.

1931

KRIEG DEM KATER

Und Frieden dem

Magen: Alka-Seltzer

ist das neue Wundermittel

gegen Brummschädel

und Übelkeit.

1932

Einstein und Freud

1933

Mutige Oma

Die 91-jährige Julie

Bonhoeffer durchschreitet

eine Nazi-

Absperrung und kauft

demonstrativ im

„jüdische n“ Kaufhaus

des Westens in Berlin

ein. Eine große Frau!

1934

Mutter mit

totem Sohn

Die deutsche

Bildhauerin Käthe

Kollwitz verewigt den

Schmerz von Millionen

Frauen in Stein.

1935

ANONYME ALKOHOLIKER

treffen einander zum

ersten Mal: Bleibt

trocke n und redet

darüber!

1936

PHANTOM

rettet als erster

Strumpfhosen-Comic-

Superheld die Welt.

1937

GUERNICA

1937

GUERNICA

Deutsche Bomber zerstören

im Spanischen

Bürgerkrieg die baskische

Stadt Gernika.

Pablo Picass o bannt

die Ruinen und Leiden

in seinem berühmten

Gemälde auf Leinwand

und verfügt, das Bild

soll der künftigen

spanischen Republik

gehören. Das Geschenk

wird erst 44 Jahre

später, nach Ende der

faschistischen Franco-

Diktatur, übergeben.

Picasso ist da schon

acht Jahre tot.

„ Ich bi n

militanter

Pazifist. Ich will

für den Frieden

kämpfen.“

a l b e r t e i n s t e i n

1932

Warum Krieg? Alber t

Einstein ist der klügste

Kopf der Welt, aber ein

Problem kann er nicht

lösen: „Gibt es einen

Weg, die Menschen von

dem Verhängnis des

Krieges zu befreien?“

Die Frage stellt er

einem anderen Genie,

Sigmund Freud. Der

antwortet: „Ein Blick auf

die Erfolglosigkeit der

Bemühungen der letzten

Jahrzehnte, dieses Ziel

zu erreichen, lässt jeden

deutlich fühlen, dass

mächtige psychologische

Kräfte am Werke

sind, die diese Bemühungen

paralysieren.“

Heißt übersetzt? Die

Menschen lieben es

dummerweise, Dinge

kaputtzumachen.

Getty Images dietmar kainrath


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Bullevard

1939

Das Revue-gIrl

der RésistaNCE

josephine baker Ein Mädchen aus Missouri

tanzt sich in skandalösen Revuen

zuerst in die Herzen des Pariser Publikums

und bezaubert dann ganz Europa. Als die

Nazis 1940 Frankreich besetzen, will sie

„nicht mehr singen“. Stattdessen arbeitet

sie für die Résistance, bezirzt Offiziere,

um ihnen Informationen herauszulocken,

und schmuggelt geheime Dokumente über

die Grenzen. Nach dem Krieg ist vor dem

Krieg: Baker unterstützt nun die afroamerikanische

Bürgerrechtsbewegung.

1945

Gründung

der Vere

i n t e n

Nation e n

„Den Frieden auf der

Welt dauerhaft zu

sichern“, lautet die

Mission der internationalen

Organisation

mit 51 Gründungsmitgliedern

(heute: 193).

Auch wenn nicht alle

ihre Aktionen erfolgreich

sind: Ambitionierter

kann man

einen Auftrag wohl

nicht formulieren.

1938

NEIN sagen!

„Dieser Zug fährt

in die Hölle“, soll der

fromme Franz Jägerstätter

im Traum

gehört haben, weshalb

er als Einziger in

seinem Heimatdorf

gegen den Anschluss

Österreichs an Nazi-

Deutschland stimmt.

1939

Josephine baker

1940

SPORT ALS PROTEST

Als Norwegen von

Hitler besetzt wird,

radelt der Marineoffizier

Olaf Kullmann

protestierend durch

das ganze Land.

Was ist der größere

Skandal: nackte

Frauen auf der

Bühne – oder

Männer in Uniform?

Josephine Baker

kennt die Antwort.

1941

Mutter Courage

zieht in Bertolt

Brechts Theaterstück

durch den Dreißigjährigen

Krieg.

1942

anne Frank

bekommt zum 13. Geburtstag

ein rot-weiß

kariertes Notizbuch

geschenkt. Eigentlich

als Poesie album gedacht,

verwendet sie

es als Tagebuch und

schreibt darin statt

über die erste Liebe

über den Krieg. Anne

stirbt 1945 im KZ.

1943

Ehrensache

Der albanische Ehrenkodex

Besa rettet

nahezu allen Juden

des Landes das Leben.

Besa besagt: In Zeiten

der Not muss jeder

die Verantwortung für

das Leben anderer

übernehmen.

1944

Lebensliste

Der deutsche Industrielle

Oskar Schindler

listet für die Nazi-

Büro kratie alle Mitarbeiter

auf, die für den

Betrieb seiner Munitionsfabrik

unersetzbar

sind – und rettet

so 1098 Juden das

Leben. Ein Gerechter

unter den Völkern.

1945

Vereinte Nationen

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20


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Bullevard

1946

VOLL BRIGHT

Das Fulbright-Stipendium

lässt Studenten

die Welt entdecken.

Ein Projekt für die

Völkerverständigung.

1947

Gegen Genozid

Raphael Lemkin prägt

den juristischen

Begrif f des Genozids

und schafft damit die

Grundlage der Verhütung

und Bestrafung

von Völkermord.

1948

Friedenstruppen

Die junge UNO entsendet

erstmals

Peacekeeper – nach

Israe l und Palästina.

1949

Friedenstaube

1958

EIN ZEICHEN Gerald Holtom soll für die

„Campaign for Nuclear Disarmament“ ein

Logo entwerfen. Dafür wählt er zwei Buchstaben

aus dem Winker alphabet: N und D

für N(uclear) D(isarmament). Bei den

Matrosen sehen diese Zeichen halt etwa s

ungewöhnlich aus: nämlich wie ein „I“ und

ein verkehrtes „V“. Übereinandergelegt

in eine m Kreis bilden sie das Peace Sign.

1950

HELGOLAND

Zwei Studenten

bewahren die Nordseeinsel

vor militärischer

Nutzung.

1951

Recht auf Flucht

Die UNO regelt den

humanitären Umgang

mit Flüchtlingen.

1952

„MAD“

Satire und Kritik des

US-Magazins inspirieren

Studentenbewegungen

in aller Welt.

1953

IMRE NAGY

setzt sich im kommunistischen

Ungarn

für Neutralität und

Demokratie ein.

1954

ALBERT SCHWEITZER

warnt vor den

Gefahren des atomaren

Wettrüstens.

1955

ROSA PARKS

1956

NIKITA CHRUSCHTSCHOW

Leitet die Entstalinisierun

g der

Sowjetunion ein.

1957

SPUTNIK 1

1958

PEACE-ZEICHEN

„ E s dauer t

sehr lange,

bis man

jung wird.“

pa b l o p i c a s s o

( 18 8 1 — 1 9 7 3)

1949

Das Genie

Für Frieden

pablo picasso erfindet das Symbol nicht

neu – denn schon in der Bibel steht die

weiße Taube mit Olivenzweig im Schnabel

für Frieden. Doch der Maler aus Málaga

ist es, der den Vogel zum Wappentier der

modernen Friedensbewegung macht. Als er

gebeten wird, für den Pariser Weltfriedenskongress

ein Plakat zu entwerfen, setzt

Picasso die weiße Taube ins Zentrum des

Sujets. Vielleicht hat er sich aber auch bloß

von seinem Vater inspirieren lassen, der

in Pablos Kindheit am liebsten Bilder von

Vögeln malte – fürs heimische Esszimmer.

1957

sputnik 1 wird vom heutigen

Kasachstan aus in

den Weltraum geschossen.

Mit dem sowjetischen

„Weggefährten“

beginnt das Zeitalter

der Raumfahrt. Und es

eröffnet sich ein neuer

Blick auf die Erde: Denn

bald reift die Erkenntnis,

dass unser Planet

kleiner und schützenswerter

ist, als wir immer

angenommen haben.

1955

rosa parks, eine afroamerikanische Sekretärin aus

Alabam a, weigert sich, im Bus ihren Sitzplatz einem

weiße n Fahrgast zu überlassen – der Beginn der afroamerikanischen

Bürgerrechtsbewegung in den USA.

picturedesk.com(2)


Bullevard

„T rot z der

Schwierigkeiten

von heute und

morgen habe ich

einen Traum ...“

m a r t i n lu t h e r k i n g

1959

EisIGER FRIEDEN

IM KALTEN KRIEG

Zwölf Staaten, darunter

die Sowjetunion

und die USA, einigen

sich darauf, dass die

unbewohnte Antarktis

ausschließlich friedlich

und zur wissenschaftlichen

Forschung

genutzt

werden soll.

1960

IMRE KERTÉSZ

1963

Getty Images

1961

AMNESTY

INTERNATIONAL

1962

DAS TELEGRAMM

Der britische Philosoph

Bertrand Russell

meldet sich mit Telegrammen

an Kennedy

und Chruschtschow

in der Kuba-Krise zu

Wort. Er warnt vor den

Folge n des drohenden

Atomkriegs – und

finde t Gehör.

1963

MARTIN LUTHER KING

Ich habe

einen Traum

hunderttausende Menschen versammeln

sich vor dem Lincoln Memorial in

Washington, D. C., als der Bürgerrechtler

Martin Luther King seine Rede über

Gleichheit und gegen Rassismus hält.

Eigent lich hatten ihm seine Berater die

Passage „I have a dream …“ schon rausgestrichen,

King improvisiert den Satz

jedoc h wieder hinzu und geht damit in

die Geschichte ein.

1960

Buch des

Schicksals

Das ungarische Regime

übt politischen

Druck auf ihn aus,

doch der ungarische

Autor Imre Kertész

schreibt weiter. An

seinem „Roman eines

Schicksallosen“ –

einem der bedeutendsten

Werke über

den Holocaust – wird

er 13 Jahre lang

schreiben.

Zwei Studenten stoßen in Lissabon

auf die Freiheit an und werden

deshalb festgenommen. Diese

krasse Ungerechtigkeit soll der

Anlass für die Gründung von

Amnesty International gewesen

sein. Ob das nun stimmt oder

nicht: Die Organisation kämpft fortan

für politische Gefangene in aller

Welt – nicht nur für Studenten.

1961

23


Bullevard

1964

„Dr. Seltsam

oder: Wie ich lernte,

die Bombe zu lieben“.

Der verrückte US-

General Jack D. Ripper

versucht einen Atomkrieg

anzuzetteln, den

keine der beiden Seiten

überleben würde.

Stanley Kubrick führt

in seinem satirischen

Kultfilm den Unsinn

des Wettrüstens vor.

1965

Flower-Power

Der Slogan der Antikriegsbewegung

fiel

dem US-Poeten Allen

Ginsberg vermutlich

während eines LSD-

Trips ein. Oder war’s

doch Marihuana?

1966

Stimme des Friedens

Abie Nathan fliegt mit

der „Shalom 1“ von Israel

nach Ägypten, um

Friedensgespräche zu

erwirken. 1973 gründet

er ein israelischpalästinensisches

Piratenradio an Bord

des „Peace Ship“.

1967

Gänseblümchen

Jane Rose Kasmir

hält bei einer Demo

vor dem Pentagon ein

Gänseblümchen vor

die Bajonette der Soldaten

und wird zur

Ikone der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung.

1968

Black Power

Die 200-m-Sprinter

Tommi e Smith und

John Carlos strecken

bei der olympischen

Siegerehrung in Mexico

City die Faust empor

aus Protest gegen

den US-Rassismus.

1969

Bed in

1970

Óscar Romero

Unermüdlich kämpft

der Geistliche gegen

Armut und kriminelle

Banden in El Salvador.

1971

greenpeace

Tierschützer aus

Vancouve r ziehen mit

Schlauchboot und

Video kamera gegen

Walfänger.

Frieden im bett So verbringen John Lennon und

seine große Liebe Yoko Ono ihre Flitterwochen. In

der Prä sidenten suite des Amsterdamer Hilton Hotels

empfangen sie eine Woche lang Journalisten, um den

Weltfrieden zu promoten. Die Pressemeute erwartet

einen großen Skandal – doch das Pärchen bleibt

züchtig. Sie sitzen einfach da zwischen Polstern und

1969Postern. „Wie Engel“, soll John Lennon gesagt haben.


Bullevard

AFP/picturedesk.com

the red bulletin 25


1972

Napalm-Mädchen

Nick Úts Foto flüchtender

Kinder ist der

Anfang vom Ende des

Vietnamkrieges.

1973

Aloha from Hawaii

Über eine Milliarde

Menschen sehen ein

Elvis-Presley-Konzert,

das als erstes live via

Sat übertragen wird.

1974

Rumble in the Jungle

1975

FREUNDE im All

1976

community of

peace people

ist Nord irlands erste

Friedensbewegung,

die von Katholiken

und Protestante n

getrage n wird.

1977

MUTIGE GROSSMÜTTER

In Argentinien wollen

die Abuelas de Plaza

de Mayo wissen, was

mit ihren Enkeln passiert

ist, die während

der Militärdiktatur

verschleppt wurden.

1978

bob marley

versöhnt on stage

verfeindete jamaikanische

Politiker beim

One Love Peace-

Konzer t in Kingston.

1979

„Apocalypse now“

kommt ins Kino.

1974

Gib endlich Frieden!

Muhammad

Ali gegen George

Foreman – und für

Menschen rechte

Fäuste für

den Frieden

rumble in the jungle Muhammad Ali

und George Foreman schlagen sich die

Nase n blutig – und das soll Frieden sein?

Nicht unmittelbar im Ring, aber auf der

ganzen Welt: Der legendäre Kampf in

Kinshasa, Zaïre (der heutigen Demokratischen

Republik Kongo), hebt das Selbstwertgefühl

eines ganzen Kontinents. Noch

nie hatte ein solches Mega-Sportereignis

mit angehängtem Großkonzert in Afrika

stattgefunden. Es gewinnt Muhammad

Ali, der Kriegsdienstverweigerer.

1 9 7 5

Star

Peace

In 230 Kilometer Höhe

herrscht in den

1970ern höchstens

George Lucas’ „Krieg

der Sterne“. Im echten

Leben kuschelt der

Kosmonaut Alexei

Leono w schwerelos

mit dem Astronauten

Deke Slayton (li.). Die

Apollo-Sojus-Mission

ist das erste russischamerikanische

Weltraummeeting

– zehn

Jahre vor Perestroika.

AP Photo, nasa

26 the red bulletin


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Bullevard

„Give us as much money

as we know you have.“

b o b g e l d o f

1980

Ein Baum

Jadav Payeng pflanzt

einen Baum am öden

Ufer des Brahmaputra

in Indien, heute

stehen dort über fünf

Millionen Bäume.

1981

ein Zelt

William Thomas

schlägt aus Protest

gegen Atomwaffen

vor dem Weißen Haus

sein Zelt auf. Er wird

27 Jahre bleiben.

1982

Ein Brief

Samantha Smith, 10,

schreibt einen Brief

an Juri Andropow,

KPdSU-Generalsekretär.

Der antwortet ihr.

Samantha erkennt:

„Die sind ja wie wir!“

1983

Muhammad yunus

gründet die Grameen

Bank. Sie vergibt

Mikro kredite an die

Ärmsten der Armen.

1984

Ein T-Shirt

Designerin Katharine

Hamnett mogelt sich

zu einem Shakehands

mit Margaret Thatcher

– angetan mit einem

großen „58 % don’t

want Pershing“-T-Shirt

gegen Atomraketen.

1985

live-aid-konzert

1986

brennstoff Hexenverbrennungen sind so

„1586“ – und helfen wirklich niemandem.

Vierhundert Jahre später brennt am Baker

Beach in San Francisco zum ersten Mal die

namensgebende Holzskulptur des Burning-

Man-Festivals. Mittlerweile treffen sich die

Pyromanen in der Black-Rock-Wüste, Nevada,

und huldigen ihren zehn Geboten: radikale

Inklusion, Beschenken, Dekommodifizierung,

radikale Selbstverantwortung, radikale

Selbstverwirklichung, gemeinschaftliche

Bemühungen, bürgerliche Verantwortung,

keine Spuren hinterlassen, Teilnahme und

Unmittelbarkeit. Kurz gesagt: Peace!

beste Peace-Songs

der Pop-Geschichte

1985

Wir singen, lasst

was springen

klingelbeutel Wenn Queen, Elton John,

Madonna, Tina Turner und Bryan Adams

gemeinsam gratis ein Konzert geben, hat

wohl Bob Geldof wieder mal eine Rundmail

geschickt (pardon, 1985 nannte man

das noch Kettenbrief). Für die Bekämpfung

des Hungers in Äthiopien (und ein bisschen

Publicity) tun sich sogar Led Zeppelin,

The Who und Black Sabbath wieder

zusammen. Über 1,5 Milliarden Menschen

schauen zu – und spenden (umgerechnet)

über 100 Millionen Euro für Live Aid.

1986

burning-man-festival

1987

Wütende Omas

In Kanada protestieren

die Raging

Grannies gegen das

atomare Wettrüsten.

1988

„Die letzten

Glühwürmchen“

Einer der stärksten

Antikriegsfilme (Zeichentrick

aus Japan)

kommt ins Kino.

1989

BERLINER MAUER

David Hasselhoff

singt vor 100.000

Berlinern „Looking for

Freedom“. Und die

Mauer bricht zusammen.

So erzählt es

zumindest The Hoff.

1967

The Youngbloods

„Get Together“

„Come on people now.

Smile on your brother.

Everybody get together.

Try to love one another.

Right now! “

1971

Cat Stevens

„Peace Train“

„Everyone jump upon

the peace train

Come on, come on,

come on.

Yes, come on

the peace train.

Yes, it’s a peace train.“

1985

Queen

„One Vision“

„No hate no fight

Just excitation!

All through the night

It’s celebration.

Wowowowo yeah.“

2003

Michael Franti

„Bomb the World“

„We can chase down

all our enemies, bring

them to their knees.

We can bomb

the world to pieces.

But we can’t bomb

it into peace.“

getty images(3), corbis, Reuters

28 the red bulletin


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Bullevard

1991

Abschiedskuss

für Kommunisten

polit-erotische kunst Leonid Breschnew

und Erich Honecker haben sicherlich viel

Zeit miteinander verbracht. Dieser Kuss

war jedoch keine Liebesbekundung, sondern

politisches Statement zweier kommunistischer

Politbonzen: Der Bruderkuss

sollte für Solidarität und Gleichheit stehen.

1991 zeigt sich die UdSSR endlich mit der

DDR solidarisch und vertschüsst sich aus

der Weltgeschichte. Und auf der Berliner

Mauer, als Teil der East Side Gallery, malt

der Moskauer Künstler Dmitri Wrubel sein

berühmtestes Bild – ein Abschiedsbussi.

1990

tim Berners-Lee

erfindet das World

Wide Web. Dank ihm

können wir heute

Liebesbotschaften als

Hyperlink twittern.

1991

Bruderkuss

1992

cellist von sarajevo

1993

Wiktor Popkow

Der russische Pazifist

liefert Lebensmittel in

von Russen belagerte

Städte Georgie ns.

1994

Sex Bomb

1995

Peace Villages

schaffen gewaltfreie

Zonen in krisengebeutelten

Regionen

Lateinamerikas.

1996

Wunschzettel

Yoko Ono bittet Fans,

Wünsche auf Papierblättern

auf den Wish

Trees in ihren Ausstellungen

zu befestigen.

1992

In den Ruinen sarajevos sitzt

Vedran Smajlović und spielt auf

seinem Cello das Adagio in g‐Moll

von Remo Giazotto, während die

Stadt von bosnisch-serbischen

Truppen umzingelt ist und heftig

beschossen wird. Es wird tausende

Tote geben. 22 Zivilisten, die um

Brot anstehen, zählen zu den

ersten Opfern. Für sie gibt der

Cellist an 22 aufeinanderfolgenden

Tagen 22 Solokonzerte –

exakt am Ort und zum Zeitpunkt

des verhängnisvollen Granateinschlags,

jedes Mal im Frack und

stets unter eigener Lebensgefahr.

„Ich bin ein Teil dieser Stadt.

Ich tue, was ich kann.“

v e d r a n s m a j l ov i ć ( i m b i l d i n s a r a j e v o s

z e r b o m b t e r nat i o n a l b i b l i o t h e k )

die Sex-

Bombe

Love Kills Das US-Pentagon

entwickelt das Konzept dieser

neuartigen „Waffe“: der Sex

Bomb – produziert sie aber

(leider?) nie. Aphrodisiaka sollen

den Gegner in sexuelle Ekstase

bringen und ihn ganz ohne

Waffengewalt außer Gefecht

setzen. Auch in die Schublade

verbannt: die Mundgeruchs-

Bombe.

Sex-Hormone

Musik

Körperduft

Drogen

1994

Liebe

action press, Mikhail EvSTAfiev tom mackinger

30 the red bulletin


Bullevard

„Hört auf, euch

zu beschweren.

Wenn ihr etwas

nicht mögt,

ändert es.“

ta r a s t i l e s

1997

Bücher-esel

Luis Soriano reitet

mit seinen Eseln durch

entlegene Dörfer Kolumbiens

und verleiht

von ihren Rücken aus

Bücher (Biblioburro).

Von 70 Titeln wuchs

seine Bibliothek in

den folgenden Jahren

auf über 4500 an.

1998

viagra

1999

Anna Politkowskaja

Die russische

Journalisti n beginnt

ihre Kreml-kritischen

Kolumnen über die

Schrecken des Tschetschenien-Kriegs.

Sieben Jahre fällt sie

einem Schussattentat

zum Opfer.

2000

Peng!

2001

Radtour um die WElt

2002

sports united

bringt Amerikaner ins

Ausland und Jugendliche

aus aller Welt in

die USA, um gemeinsam

Sport zu treiben.

Soll internationalen

Dialog und Zusammenarbeit

fördern.

CARLOS SERRAO

1998

Geile Pille

Bei der Suche nach

eine m Mittel gegen

Bluthochdruck wird

ausgerechnet ein

Wirkstoff entdeckt, der

an einer ganz speziellen

Stelle Hochdruck

auslöst. Fortan sorgt

Viagra für Bettfrieden.

2000

PENG!

Die britische Royal

Navy befiehlt ihren

Soldaten, keine scharfe

Munition mehr zu

verwenden. Stattdessen

sollen sie nur

„Peng!“ rufen. Leider

gilt das nur während

des Trainings. Und nur

für neue Rekruten.

2004

2001

Friedenscrashkurs

Der Koreaner Okhwan

Yoon macht sich auf

den Weg. Er radelt

zehn Jahre lang um die

Welt, um Nord- und

Südkorea zu versöhnen.

Bereiste Länder:

192. Autounfälle: 6.

yoga: Für den

inneren Frieden

„Sonnengruß“ und „ruhender Berg“. Yoga

sorgt seit Jahrtausenden für Harmonie von

Körper und Geist. Die verschiedenen Yoga-

Stellungen hat aber erst Bellur Krishnamachar

Sundararaja Iyengar (*1918) systematisiert.

So wurde Yoga im Westen

populär. Vom „Time“-Magazin wurde der

Guru dafür sogar unter die 100 einflussreichsten

Menschen der Welt gewählt. Eine

Ehre, die Yoga-Starlet Tara Stiles (o.) wohl

nie zuteil werden wird. Dafür, finden wir,

sieht sie weit besser aus als der alte Guru.

2003

Peace Race

Tegla Loroupe gewinnt

als erste Afrikanerin

den New York

City Marathon. In ihrer

Heimt Kenia organisiert

sie ein alljährliches

„Peace Race“:

Politiker und Soldaten

aus ganz Ostafrika

laufen gemeinsam,

statt einander zu

bekriegen.

2004

Yoga

2005

Fussball-Friede

Als die Elfenbeinküste

sich für die Fußball-

WM in Deutschland

qualifiziert, bittet

Didier Drogba die

Bürgerkriegsparteien

seines Landes via TV:

„Legt die Waffen nieder!“

Und es passiert.


2006

grenzöffnung

Nach 44 Jahren wird

der Grenzübergang

zwischen Indien und

China am Nathu-La-

Pass wieder geöffnet.

2007

Skateistan

2008

fussball-diplomatie

Der armenische

Präsiden t Sersch

Sargsjan und der

türkisch e Präsident

Abdulla h Gül schauen

gemeinsam das WM-

Qualifikationsspiel

ihre r beiden Länder

im TV. Hoffnung auf

eine Versöhnung nach

dem osmanischen

Völker mord an den

Armeniern im Ersten

Weltkrieg.

2009

KRIEGERISCHE KLÄNGE

Das britische Post

War Orchestra macht

aus alten Waffen

Musik instrumente.

Aus Schädlingen

werde n Nützlinge.

2010

Doppelt gut

spielen der Inder

Rohan Bopanna und

der Pakistani Aisamul-Haq

Qureshi und

zeigen, dass Sport

politische Differenzen

überbrücken kann.

Die beiden erreichen

das Doppelfinale bei

den US Open.

2011

Tomo Križnar

2012

Brown Moses

2013

Kid President

2014

PEACE EVENT SARAJEVO

100 Jahre nach dem

Attentat von Sarajevo,

das den Ersten Weltkrieg

auslöste: In

Bosniens Hauptstadt

treffen sich tausende

Jugendliche, Aktivisten

und Friedensforscher

aus aller

Welt – zum Informieren,

zum Diskutieren

und zum Feiern.

Za mir u svijetu! Für

Frieden auf der Welt!

2007

Ein Ollie in Afghanistan

oliver percovich reist 2007 zum ersten Mal aus seiner Heimat

Australien ins kriegsgebeutelte Kabul. Mit drei Skateboards im

Gepäck. Es dauert nicht lange, und die Bretter entfalten ihre

Magie: Die Kids fahren drauf ab, soziale Grenzen verschwinden,

Glück erhellt den Alltag. Ollie hat eine Idee, und er nennt sie

„Skateistan“. Er gibt Lehrgänge, organisiert den Bau einer Skate-

Halle. Bald sieht man seine jungen Freestyle-Schüler überall

in der Stadt. Fast die Hälfte davon sind übrigens Mädchen.

Skateistan


Bullevard

Frieden auf Knopfdruck

Das Internet hat den Peace-Aktivismus entdeckt: Wofür setzt du

dich ein? Welcher Pazifismus-Typ bist du? Ein Peace-Test.

j

Sind soziale

Medien dein

Revier?

N

j JA N NEIN

j

Teilst du

Inhalte,

ohne nachzudenken?

n

Schaust du

gerne Videos

auf YouTube?

N

Gehst du

gerne feiern?

2012

KONY 2012 wollte

gleich ganz Afrika

retten. Die naive

Mega-Kampagne

wurde mega kritisiert

und verpuffte.

N

Kennst du

dich mit

Waffen aus?

J

J

N

J

Motivierst

du dich

selbst vorm

Spiegel?

N

J

2013

kid president

hält Motivationsreden

auf YouTube.

Danach glaubst du

an das Gute im

Menschen.

Sitzt du am

liebsten

vor dem

Computer?

N

J

Schreibst du

gerne in

Nullen und

Einsen?

J

N

2011

Katzenvideos

Wer stundenlang

der Nyan Cat zuschaut,

kann nicht

an Böses denken.

J

Schnurrst du,

wenn dir was

gefällt?

N

2012

Brown Moses

analysiert Waffen

aus dem syrischen

Bürgerkrieg –

anhand von You-

Tube-Videos.

2011

Tomo Križnar

bringt Kameras

zu den Nuba in

den Südsudan.

Sie solle n Kriegsverbrechen

filmen.

Legst du dich

gerne mit

Politikern und

Konzernen an?

N

J

you tube, Getty Images, shutterstock(2)

Peace PartYs gibt

es überall auf der

#royalbaby

Welt, nicht nur in

war 2013 einer der Sara jevo. Tanz mit

häufigsten Hash-

Freunden. Setze dein

tags. Bringt gar

persönliches Zeichen

Knuddel-George

für eine bessere

den Weltfrieden?

Welt. Oder stoße

ganz einfach nur auf

den Frieden an.

2014

2013

2014

anonymous

hacken für mehr

Freiheit, mehr Unabhängigkeit

und

mehr großspurige

Sprüche im Netz.

33


extrem reisen

into

the

wild

Paragleiten vor Riesen-Wasserfällen,

Klettern in einer glühenden Wand,

Wildwasser-Kajakfahren über Ruinen.

Hier verraten Extremsportler die Playgrounds,

von denen sogar sie träumen.

Text: Arek Piatek

eric parker

34


Die zweistufigen Toketee-

Wasserfälle im US-Bundesstaat

Oregon – 36 Meter

hoch, abgeschieden, anspruchsvoll,

gefährlich –

ziehen Extrem-Kajakfahrer

unwiderstehlich an. Fred

Norquist (USA) nahm einiges

auf sich, seilte sein Kajak

und sich ab, um zu den

Fällen zu gelangen. „Die

Belohnung rechtfertigte

alle Strapazen: ein grandioser

Ausblick und am Ende

ein 20-Meter-Freifall im

tosenden Wasser. Herrlich!“


„Ich kenne keine

höheren Wellen

als hier.

Zu Atem Kommen?

Keine Chance.“

eric parker, John Rathwell/Red Bull Content Pool


Wildwasserkajak

Ottawa River ·

Kanada

Faszinierend und gefährlich: die

Deschênes-Stromschnellen des

Ottawa River kurz vor Kanadas

Metropole Ottawa. „The Ruins“,

die Ruinen eines Staudamms

aus dem 19. Jahrhundert, verwandeln

die Stromschnellen in

ein Kajak-Paradies aus Strudeln

und Wellen. Vor allem wenn der

Fluss im Frühjahr Hochwasser

führt, gibt es für Wildwasser-

Freaks keinen besseren Platz.

Das sagt der Pro

Dane

Jackson

Regierender

Freestyle-Kajak-

Weltmeister

Vor zehn Jahren wollte die Stadt

den verfallenen Damm wieder

aufbauen. Zum Glück haben sie es

nicht getan. Die Ruinen werfen

extreme Wellen auf, die größten,

die ich kenne. Das bedeutet:

enorme Airtime bei Sprüngen –

du kannst also Tricks performen

wie nirgendwo sonst. Dazu ist

der Fluss verdammt schnell,

stark und konstant. Du musst

nie auf eine Welle warten. Oder

anders gesagt: Du kommst nie zu

Atem. Ein Paradies!

37


Johannes Mair/Red Bull Content Pool, Elias Holzknecht


„Der rote Sandstein

wird in der Sonne

Brennheiss,

doch für dieses

Klettergefühl

nimmst du das

gern in Kauf.“

Sportklettern

Badami · Indien

Etwa 150 Kilometer südöstlich

des bekannten indischen

Boulder-Spots Hampi liegt die

Kleinstadt Badami – ein Geheimtipp

für Sportkletterer.

Herrlich zu kletternder Sandstein,

viele unberührte Routen.

Dass Badami touristisch kaum

erschlossen ist, hat den Vorteil

der freien Routenwahl und des

erfrischenden Abenteuer-Feelings.

Und den Nachteil, sagen

wir, authentisch indischer Infrastruktur

und Hygienestandards.

Das sagt der Pro

Kilian

Fischhuber

Sportkletterer

& Boulderer

der absoluten

Weltklasse

Ein Sandsteinparadies. Du kannst

aus einem genial großen Angebot

anspruchsvoller, unberührter

Routen wählen. Das Allerbeste ist

die Felsqualität: Der kompakte

Sandstein hat nur angenehme

Gri≠flächen ohne scharfe Kanten

oder Risse. Ein echter Luxus,

selbst wenn der Fels bei Hitze so

sehr aufheizt, dass Freiklettern in

diesem Schwierigkeitsgrad unmöglich

wäre. Apropos: aufpassen

auf die Affen hier! Sie sind

wieselflink und überzeugte Kleptomanen.

Egal ob Essen, Rucksack

oder Feuerzeug. Niemals deinen

Kram aus den Augen lassen!

39


Surfen

Tahiti · Französisch-

Polynesien

Gesurft wird auf Tahiti seit

den 1960er Jahren. Besonders

von Mai bis September herrschen

konstant gute Bedingungen.

Da erzeugt der Wind in den

sogenannten „Roaring Forties“,

also rund um den 40. Breitengrad,

permanent Wellen, die vor

Tahitis Küste brechen.

Das sagt der Pro

Michel

Bourez

Frankreichs Top-

Surf-Pro, Sieger

des Margaret

River Pro 2014

Auf Tahiti findet das Leben im

Wasser statt. Und wir haben mit

Teahupoo einen der berüchtigtsten

Surfspots der Welt: Seine

kraftvollen Wellen und das

knapp unter der Wasseroberfläche

liegende Riff sind eine

gefährliche Kombination und

jagen auch Top-Surfern Angst

ein. Mein Tipp für deinen ersten

Teahupoo-Surf-Trip: Warte auf die

harmlosesten Bedingungen! Am

besten paddelst du bei Ebbe

raus, so zwischen fünf und neun

Uhr früh. Optimal wären noch

Wellen von Südwest, Nordwind

und klares Wasser. Viel Glück!

„Zum

erSTen Mal

auf Teahupoo?

warte beSSer auf die

harmloseSTen

Bedingungen.“

Ben Thouard/red bull content pool, alex laurel/red bull content pool

40


Fallschirmspringen

Eloy (Arizona) · USA

„Skydive Arizona“ nennt sich

das größte Skydive-Areal der

USA, und das Städtchen Eloy

mitten in Arizonas Wüste ist

sein Zentrum. Die Bedingungen

an dieser Pilgerstätte für unzählige

Skydiving-Clubs aus

aller Welt sind phantastisch:

ganzjährig mildes Klima, kaum

Regen, Wind und Wolken, atemberaubende

Fernsicht.

michael clark,/red bull content pool(2), Dimitrios Kontzias/Red Bull Illume

Das sagt der Pro

Jon DeVore

17.000 Absprünge,

500

BASE-Jumps,

Leader der„Red

Bull Air Force“

Ein echtes Paradies für uns Skydiver.

Ein riesiges Gebiet, perfekt

isoliert mitten in der Wüste – also

garantiert kein Stress mit Anrainern

–, Himmel, so weit das Auge

reicht, über die Wüste und Berge

kannst du im Freifall sogar nach

Mexiko hinübersehen. Ein unvergessliches

Erlebnis: Sprünge bei

Sonnenuntergang. Herrlich, wenn

sich in der Wüste Sand, Felsen und

Kakteen in orangenes Licht hüllen,

während du mit 300 Sachen kopfüber

auf die Erde zurast.

coverfoto

Extratipp

BASE-Jump-

Hotspot: Navagio-Strand,

Zakynthos

(GRE).

Sonne, Meer

und 200 Meter

hohe Klippen.

„Mit 300 km/h

Richtung Erde –

und den Sonnenuntergang

geniessen.“


Paragleiten

Victoria Falls ·

Sambia/Simbabwe

Die Victoria Falls im Grenzgebiet

von Simbabwe und Sambia

sind Afrikas größte Wasserfälle:

Auf fast 1700 Meter

Breite stürzt der Sambesi über

100 Meter tief in eine kleine

Schlucht. Den dabei entstehenden

300 Meter hohen Sprühnebel

nennen Einheimische

„Mosi-oa-Tuny“ („donnernder

Rauch“). Wer die Falls von oben

sehen will, muss einen hiesigen

Helikopter mit Pilot buchen.

Andere Arten des Sightseeings

aus der Luft sind verboten.

Das sagt der Pro

Thomas de

Dorlodot

Paragleit-Star,

längster Flug:

225 km in

acht Stunden

Um fünf Uhr früh flogen wir mit

Motorschirmen los, bei Sonnenaufgang,

knapp über den Bäumen. Der

Plan: ein – nicht ganz legaler –

Rundflug über die Victoria Falls,

bevor die ersten Sightseeing-

Hubschrauber kommen. Denn

dann wird’s gefährlich: Touristen-

Helis in der Luft, Militär, das Paragleiter

hier gar nicht gern sieht,

und keine Lande-Option, falls der

Motor Probleme hat. Aber alles

ging gut, das Erlebnis war atemberaubend:

unglaubliche Regenbögen

im Nebel, das gewaltige

Tosen des Wassers. Angesichts

des weltgrößten Wasservorhangs

fühlten wir uns wie Livingstone,

der 1855 die Falls als Erster sah.

Thomas de Dorlodot/Red Bull Content Pool, Vitek Ludvik/Red Bull Content Pool

42


„Das Erlebnis war

atemberaubend.

Regenbögen im Nebel,

gewaltig tosendes

Wasser.

Unvergesslich!“


„Jeder Eispickelschlag

ging durch

Mark und Bein.

Das Eis

schrie

richtig.“


Eisbergklettern

Labrador · Kanada

Nur 400 Einwohner zählt das

Nest Makkovik an Kanadas

Nordküste. Jahres-Durchschnittstemperatur:

null Grad

Celsius. Das heißt: Selbst im

Hochsommer ziehen zahlreiche

Eisberge an der Küste vorbei.

Eine Besonderheit der weißen

Kolosse: Die enormen Temperaturunterschiede

zwischen

Kern und Oberfläche setzen sie

unter derart große Spannung,

dass der Eisberg jederzeit

explodieren und in zahllose

Teile zer brechen kann.

Das sagt der Pro

Will Gadd

Einer der

erfahrensten

und besten

Eiskletterer

der Welt

Wer in Makkovik Eisberg klettern

will, muss zunächst Locals

überzeugen, einen per Boot zum

Eisberg zu bringen. Nicht einfach,

denn die Leute halten dich für verrückt,

wenn du sagst, was du vorhast.

Der Eisberg rollt ständig und

kann dabei brechen, was ihn extrem

gefährlich macht: Jeder Eispickelschlag

fuhr mir bis in die

Zehen. Das Eis schrie! Bei jedem

Einschlag glaubte ich, der Teil, an

dem ich hing, würde abbrechen

und mich in die Tiefe reißen. Als

ich wieder im Boot saß, wusste ich:

Das Klettern war ein unglaubliches

Erlebnis, aber ich werd’s

nie – niemals! – wiederholen.

Christian Pondella/red bull content pool

45


Lukas Podolski

Der Scharfschütze

Der Kölner Teamstürmer über seine Lehrjahre als Straßenkicker, den Kampf gegen

Kinderarmut, gebrochene Torhüter-Hände und seine Liebe zum Elfmeter.

Interview: Andreas Rottenschlager

the red bulletin: Im Anfang März erschienenen

Buch über Ihren Weg vom

Straßenfußballer zum Nationalspieler

schreiben Sie, dass Sie als Junge mit

Ihrem wuchtigen Schuss drei Torhütern

die Hand gebrochen haben …

lukas podolski: … och, am Bolzplatz

in Bergheim (bei Köln; Anm.) standen ja

keine Profis im Tor. Die haben bei der

Abwehr oft die Hand falsch hingehalten.

Trotzdem: Wie kriegt man so einen

Hammer?

Mein linker Fuß war immer schon stark.

Als ich kleiner war, habe ich gemeinsam

mit meinem Vater trainiert oder allein

Bälle gegen Betonwände geknallt, stundenlang,

nur mit links. Ich bin eben drangeblieben

– auch bei der Schusstechnik.

Gab’s Ärger wegen der gebrochenen

Hände?

Nein. Aber wenn ich mit dem Ball unterm

Arm am Platz auftauchte, wollte niemand

mehr ins Tor.

Von welcher Straßenkicker-Tugend

profitieren Sie heute noch, als Profi?

Man lernt auf dem Bolzplatz, dass man

nie aufgibt. Und dass man sich behauptet.

Ich bin in einer Hochhaussiedlung aufgewachsen.

Ich kam aus Polen und war

der einzige blonde Junge unter Türken,

Tunesiern und Marokkanern. Bei uns ging

es zur Sache. Trotzdem hatten wir Spaß.

Wir kannten keine Vorurteile. Einige der

Bolzplatz-Jungs sind heute enge Freunde.

Als Nachwuchskicker sammelten Sie

Pfandbecher, um Ihr Taschengeld aufzubessern.

Heute stürmen Sie für den

FC Arsenal, Ihr Marktwert beträgt

23 Millionen Euro. Komisches Gefühl?

Das ist eine Summe, die irgendjemand

geschätzt hat. Die bedeutet nichts. Ein

hoher Marktwert macht dich nicht zu

einem besseren Menschen.

Wie man hört, fahren Sie in London

gelegentlich auch mal Bus?

Klar, wozu sind Busse denn da?

Nun, Sie könnten auf Fans gegnerischer

Mannschaften treffen. Die Rivalität

unter den Londoner Vereinen ist sehr

ausgeprägt.

Die Medien dramatisieren das oft: „Der

Podolski fährt Bus!“; „Der Podolski stellt

sich in die Fan-Kurve!“ Für mich sind das

normale Sachen.

Die Medien schreiben aber auch:

„Der Podolski hilft Kindern aus sozial

schwachen Familien.“ Wie sieht das

aus, wenn der Podolski mit seiner 2010

gegründeten Stiftung hilft?

„Das ganze Stadion

ist still, der Druck

unbeschreiblich.

Ich gehe hin und hau

den Ball rein.“

Wenn du helfen willst, musst du zuerst

verstehen, dass es um mehr geht als um

Kohle. Du kannst nicht einfach einem

Kind 100 Euro zustecken und sagen: „Geh

mal schön spielen.“ Es geht um Zeit, um

Geborgenheit. Ich investiere auch Zeit.

Erzähle den Jungs zum Beispiel meine

Geschichte. Ich sage ihnen aber auch, dass

nicht jeder Profifußballer werden kann.

Und dass es genauso viel wert ist, wenn

einer Mechaniker, Büroangestellter oder

Feuerwehrmann wird.

Ein Moment, der Sie berührt hat?

Meine Stiftung unterstützt ja den Kölner

Verein „Die Arche“, in dem die Kids Sportkurse

bekommen, Hilfe bei den Haus-

aufgaben und eine warme Mahlzeit. Als

ich dort im Dezember auf Besuch war, kam

ein Junge im T-Shirt, weil er keine warmen

Klamotten hatte. Solche Dinge …

Also geht es doch vor allem um Kohle?

Nicht nur. Zu Weihnachten haben wir

gemeinsam Plätzchen gebacken. Mit

meiner Stiftung bringen wir die Idee der

Arche nun ins Ausland. Wir sind nach

Warschau gefahren und haben dort ein

Haus gemietet, in dem bald fünfzig Kinder

betreut werden sollen. Ich telefoniere

fast täglich mit meinen Mitarbeitern.

Polen, mein Geburtsland, liegt mir am

Herzen. Nach meiner Karriere möchte ich

die Arche dort noch öfter besuchen.

Aber zuvor haben Sie noch in Brasilien

einen wichtigen Job zu erledigen. In

Ihrem Buch steht, Sie würden Elfmeterschießen

lieben – die extremste Drucksituation,

in die ein Fußballer bei einer

Weltmeisterschaft geraten kann. Sagen

Sie uns: Was soll daran toll sein?

Elferschießen ist einfach eine geile

Situation.

Das glaube ich Ihnen nicht.

Nehmen Sie meinen Elfmeter bei der WM

2006 im Viertelfinale gegen Argentinien.

Im Stadion ist die Hölle los: Die argentinischen

Fans pfeifen, die deutschen Fans

jubeln. Du schnappst dir den Ball. Legst

ihn auf den Punkt. Plötzlich ist das ganze

Stadion still. (Podolski verwandelte zum

4:2; Anm.) Diese Atmosphäre, der Druck,

das ist unbeschreiblich. Der Torwart hat

nichts zu verlieren. Schießt der Schütze

daneben, heißt es, er hätte gar nicht erst

hingehen sollen.

Was denken Sie in so einer Situation?

Ich denke an gar nichts. Ich gehe hin und

hau den Ball rein.

Podolskis Buch „Dranbleiben!“ ist im Handel

erhältlich; Infos: www.lukas-podolski-stiftung.de

Nina Stiller

46 the red bulletin


Nationalspieler

Podolski (29):

Tore schießen,

Plätzchen backen


Stefan Bradl ist der einzige Deutsche in der MotoGP.

In seiner erst zweiten Saison jagt der junge Bayer

einem Werks-Cockpit hinterher. Ein Interview über

das ganz normale Leben am Limit. Text: Werner JeSSner

Bayrischer

Getty Images


Jäger

49


Auf der Straße fährt Stefan Bradl gemütlich: „Zum Austoben hab ich eh die Rennstrecke.“

Und Kollegen, die Probleme haben, dem 24-jährigen Zahlinger zu folgen.

Vim Rennen kommt dafür der Faktor Stress

dazu. In der MotoGP ist diese Operation

nahezu Standard: Andrea Dovizioso, Cal

Crutchlow und viele andere. Dani Pedrosa

hat es einen Tag vor mir machen lassen.

Deine heftigsten Verletzungen?

or fünf Stunden noch am OP-Tisch, jetzt

beim Interview: Was wurde repariert?

stefan bradl: Der rechte Unterarm. Es

nennt sich Kompartmentsyndrom, auch

bekannt als Faszienspaltung. Vereinfacht

gesagt hat jeder Muskel eine Hülle, und

die wurde bei mir durch die ständige

Beanspruchung zu eng. Das resultiert in

Taubheit, Schmerzen und vermindertem

Gefühl bis hin zu Lähmungserscheinungen

– ungünstig, wenn du mit rechts ein

340 km/h schnelles Bike dirigieren musst.

Am Bremspunkt ziehen wir mit voller

Kraft am Hebel, um die Carbonbremsen

auf Temperatur zu bringen, und dosieren

tief in die Kurve rein, reduzieren also sehr

feinfühlig den Bremsdruck und ziehen

mit derselben Hand gefühlvoll das Gas

auf. Dafür brauchst du volle Sensibilität.

Die Narbe am Unterarm war aber

schon vorher da …

Ich habe diese Operation vor eineinhalb

Jahren schon einmal durchführen lassen.

Weil wieder Beschwerden aufgetreten

sind, habe ich mich am vorderen und am

hinteren Ansatz des Muskels noch mal aufschneiden

lassen. Somit ist der gesamte

Unterarmmuskel freigelegt.

Krass. Du erzählst das so locker. Hätte

sich die OP verhindern lassen?

Manche sagen, du sollst nicht mit Gewichten

trainieren, damit der Muskel nicht

wächst. Andererseits brauchst du halt die

Kraft. Dehnen und aufwärmen hilft, aber

50

Offener Schien- und Wadenbeinbruch.

Handgelenk links. Knöchelbruch rechts.

Mittelhand links.

Wessen bedarf es, um einen Motorradfahrer

vom Bike fernzuhalten? Jorge

Lorenzo ist einst mit gebrochenem

Knöchel gefahren.

Wenn der Rennarzt sagt, dass du fit to

race bist, dann fährst du. Und du tust alles

dafür, fit to race zu sein. Die besten Ärzte,

die beste Behandlung, die besten Painkiller.

Wenn es um die WM geht, lohnt es,

auf die Zähne zu beißen. Der Schmerz ist

da, aber der Wille ist stärker.

Es gibt Serienmaschinen mit 200 PS

und mehr, die auch 300 km/h schaffen.

Wie weit ist die MotoGP da entfernt?

Das kann man überhaupt nicht vergleichen.

Ein MotoGP-Bike kostet allein

drei Millionen Euro an Leasinggebühren

pro Jahr und ist ausschließlich zum

Schnellfahren konstruiert. Wenn du nur

zehn Sekunden auf die Bestzeit verlierst

– was ein guter Fahrer vielleicht schaffen

könnte –, funktioniert das Bike nicht:

Bremsen nicht auf Temperatur, Fahrwerk

zu hart, die steinharten Reifen nicht in

dem schmalen Temperaturfenster, in dem

sie richtig arbeiten, die Regel-Elektronik

nicht in ihrem Bereich, in dem sie dir was

bringt. Da hat man keine Freude.

Ertappst du dich beim Fahren manchmal

beim Gedanken: Boah, wie geil ist

das denn?

Spaß machen tut’s schon, aber es ist auch

immer Stress dabei. Du musst immer ans

Limit gehen, und an einem Rennwochen-

ende arbeitest du dein Programm ab. Viel

mehr als ein keiner Wheelie aus Spaß hie

und da ist leider nicht drin.

Wie fühlt es sich an, wenn in der Kurve

nicht nur die Knie, sondern auch die

Ellbogen am Asphalt streifen?

Unsere Motorräder erlauben Schräglagen

von 63 Grad. Wir wissen nicht mehr,

wohin mit den Armen. Wir tragen an den

Ellbogen inzwischen ganz normal auswechselbare

Schleifpads. Der Fahrstil hat

sich so gewandelt, dass wir in Schräglage

mit dem durchdrehenden Hinterrad lenken,

während das Vorderrad stabil bleibt.

Um schnell zu sein, musst du die Phase der

Schräglage möglichst kurz halten, damit

du beim Beschleunigen die volle Aufstandsfläche

der Reifen nutzen kannst. Sonst

verpufft die viele Leistung im Reifen.

Was brauchst du, um so fahren zu

können?

Das Motorrad muss mir Gefühl fürs Limit

vermitteln. Dann kann ich Gas geben.

Das ist einerseits Erfahrung und Talent,

andererseits akribische Arbeit am Setup.

Wie viel von der Abstimmungsarbeit ist

Hardware, wie viel Software?

Der elektronische Teil wird immer mehr.

Traktionskontrolle, Launch Control,

Motorbrems-Kontrolle: Die Kontaktfläche

mit der Straße hat die Größe einer Kreditkarte.

Wenn du in Schräglage ohne Trak-

„Die besten Ärzte,

die beste Behandlung,

die besten

Painkiller. Der

Schmerz ist da,

aber der Wille ist

stärker.“

Getty Images, James Pipino


Schau mir in die Augen:

Unter dem Helm von

Vettel-Designer Jens

Munser steckt ein Racer.


tionskontrolle das Gas aufmachen würdest,

würdest du sofort am Boden liegen.

Wie weit ist deine LCR-Honda von den

Repsol-Werksmaschinen entfernt?

Wenn ich das bloß wüsste!

Was fehlt zum ersten Sieg?

Von überall muss ein bisschen kommen.

An einem sehr guten Wochenende kann

ich jetzt schon ums Podium kämpfen, das

ist das Ziel für heuer. In der jüngsten

Vergangenheit hat kein Fahrer aus einem

Satelliten-Team einen Sieg geschafft.

Von den vier Plätzen in Werksteams,

zwei bei Honda, zwei bei Yamaha,

werden nach dieser Saison zwei frei.

Ich probiere natürlich, diesen nächsten

Schritt zu tun, den Werksfahrern Feuer

unterm Hintern zu machen und zu beweisen,

dass ich ein Werksmotorrad verdiene.

Lernst du schnell?

Schneller als die meisten. Aber langsamer

als Márquez.

Was zeichnet ihn aus?

Wir alle versuchen, ihn zu knacken. Er ist

der beste Fahrer der Gegenwart, vielleicht

aller Zeiten. Seine Lernkurve war brutal,

dazu kommt Selbstbewusstsein. Er bremst

da, wo wir auch bremsen, aber alles, was

er am Limit macht, schaut spielerisch

leicht aus. Der macht mit dem Bike, was

er will, und hat immer noch Spielraum.

Der junge Rossi war auch spektakulär,

aber Márquez legt noch was drauf.

Was kann Altmeister Rossi noch?

Er mag zwar auf eine Runde nicht mehr

der Schnellste sein, aber seine Konstanz

ist brutal. Und strategisch ist er mit allen

Wassern gewaschen.

Ex-Weltmeister Lorenzo?

Mit der Yamaha wie verheiratet. Schnell,

gleichmäßig, und sein größtes Problem

kommt aus dem gleichen Land wie er.

Wie auch der Vierte im Bunde, Dani

Pedrosa. Der wurde von Teamkollege

Márquez im ersten Jahr entzaubert.

Der Konkurrenzkampf der drei Spanier ist

enorm. Dani ist es gewohnt, starke Teamkollegen

zu haben. Auch hat er oft Pech

Werkscockpit im Auge:

In seiner zweiten Saison

im Satellitenteam

von Lucio Cecchinello

hat sich Stefan als

schärfster Verfolger

der Werkspiloten

etabliert.

gehabt und war viel verletzt, dazu kommt

seine geringe Körpergröße: Es ist in der

MotoGP kein Vorteil, wenn du so klein und

leicht bist wie er (158 cm, 51 kg; Anm.).

Wer wird der nächste Márquez, der aus

der Moto2 nach oben drängt?

Da fällt mir der nächste Spanier ein:

Maverick Viñales. Die Spanier haben die

beste Nachwuchsarbeit gemacht. Strecken,

Sponsoren, Medien: Da findest du Förderer.

Davon profitiert das Land.

Deine Landsleute?

Vielleicht schafft es Philipp Öttl, wenn er

das schwierige zweite Jahr in der WM gut

meistert. Bei Sandro Cortese und Jonas

Folger muss man sehen, wie sie sich in

der Moto2 entwickeln.

Dein Weg war mit dem WM-Rücktritt

2007 denkbar ungewöhnlich. Würdest

du das heute wieder so machen?

Es war hart, aber heute bin ich da, wo ich

hinwollte. 2005 war ich Deutscher Meister.

Der Start in die WM 2006 war wie ein

Schlag ins Genick. Die Deutsche Meisterschaft

war wie ein Kindergarten, plötzlich

stand ich im richtigen Leben. Danach die

Spanische Meisterschaft zu fahren war

genau die richtige Entscheidung und hat

den Grundstein für alles Spätere gelegt.

„Jedem Jungen

muss klar sein,

dass es nicht

leicht ist,

Motorrad-

Rennfahrer

zu werden.“

Viel schneller hätte ich es auch bei einem

linearen Karriereverlauf nicht in die

MotoGP geschafft. Immerhin muss man

nebenbei ja auch die Pubertät bewältigen.

Brauchen junge Fahrer Härte?

Unbedingt. Zuckerbrot und Peitsche.

Jedem muss klar sein, dass es nicht leicht

ist, Rennfahrer zu werden.

Seit wann lebst du vom Motorrad?

Seit dem WM-Titel 2011, auch wenn ich

weit von Gagen der Formel 1 entfernt bin.

Wirst du auf der Straße erkannt?

In Spanien ja, daheim ist mein Name

bekannter als mein Gesicht. Liegt wahrscheinlich

daran, dass wir mit Helm

fahren. Wenn du in Deutschland bekannt

werden willst, musst du Fußball spielen

oder F1 fahren. Crazy Typen tun sich bei

der Selbstvermarktung leichter. Ich hingegen

will mich über Leistung verkaufen.

Überlegt, nach Spanien zu übersiedeln?

Das Wetter ist besser, aber ich bin eh nicht

sonderlich kälteempfindlich. Ich könne mir

nicht vorstellen, auf Dauer meiner Heimat

den Rücken zu kehren. Alt werden möchte

ich in Zahling (bei Augsburg; Anm.).

Publikumslieblinge am Sachsenring?

Motorrad hat im Osten einen höheren

Stellenwert als im Westen. Valentino

Rossi ist überall Fan-Liebling Nummer 1,

Márquez holt auf. Am Sachsenring werde

ich wohl auch ein paar Fans anlocken.

Dein Vater war 1991 Vizeweltmeister.

Sprecht ihr über die Unterschiede zwischen

damals und heute?

Für uns wurde die Strecke in Laguna Seca

völlig umgebaut. Bei ihm gab’s fünf Meter

hinter der Zielkurve ein paar Strohballen,

dann die Betonmauer. Unvorstellbar!

www.sachsenring-gp.de

honda(2)

52 the red bulletin


Die Beachvolleyball-Stars machen die Welle:

Das Baggern ist des Sommers Lust!

Kostenlose FIVB LIVE-Streams auf www.laola1.tv

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auch in der LAOLA1.tv

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Bei LAOLA1.tv gibt´s zudem LIVE-Streams

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- Handball

- u.v.m.


Die Musikindustrie steckt in der Krise, Linkin Park

geht’s besser denn je: 60 Millionen verkaufte Alben,

62 Millionen Fans auf Facebook. Mehr als jede andere Band.

d i g i t a l

Chester Bennington, Dave Farrell, Brad Delson,

Joe Hahn, Rob Bourdon, Mike Shinoda (v. li.).

Oder mit zwei Wörtern: Linkin Park

54


ist

b e s s e r

W i e s i c h d i e k a l i f o r n i s c h e n P l a t i n - R o c k e r s e i t

1 4 J a h r e n a n d e r S p i t z e h a l t e n ? M i t t e c h n i s c h e r

i n n o v a t i o n , m u s i k a l i s c h e r H ä r t e – u n d S e l b s t i r o n i e .

interview: Ann Donahue

Bill Boyd


Vor knapp 14 Jahren veröffentlichten Linkin

Park ihr Debütalbum „Hybrid Theory“.

Im Jahr 2000. Als Alben noch auf

Kassette veröffentlicht wurden, Napster

sich im Teststadium befand und die Menschen

Radio noch mit, ähm, Radiogeräten

hörten. Viele Bands überlebten den radikalen Wandel

der nächsten Jahre nicht. Linkin Park dagegen sind

populärer denn je. Das neue Album der Kalifornier

erscheint dieser Tage – und stürmt garantiert auf Nummer

eins der US-Charts. Warum so sicher? Weil dem

Sextett das auch mit den letzten vier Platten gelang.

Dabei klingt „The Hunting Party“ richtig ungestüm. Es

ist ein Album, das in seiner Härte an die Anfangstage der

Band erinnert. Als wir Rapper Mike Shinoda und Bassist

Dave Farrell trafen, wollten wir wissen: Wie begeistert

man eine junge Generation für den Nu-Metal-Sound?

Und wie hält man 62 Millionen Facebook-Fans bei Laune?

The Red Bulletin und Linkin Park, ein Gespräch über

Technologie, Telefonzellen und Schlappschwänze-Rock.

the red bulletin: Euer neues Album

klingt entschlossen und hart. Härter als

die meisten Rockplatten momentan.

Woher kommt dieses Feuer?

mike shinoda: Da war vor kurzem ein

Artikel im Internet mit einer coolen Überschrift:

„Aktueller Rock ’n’ Roll klingt

scheiße und depressiv.“ Der Schreiber verglich

die Musik zur Zeit von Nirvana mit

der von heute. Er meinte: „Mumford and

Sons geht heute als Rockmusik durch?

Ernsthaft?“ Er beschrieb die Bands der

Gegenwart als „schlappschwänzig“.

Was du wohl auch so empfindest?

shinoda: Ich fand das sehr treffend. Es

gibt derzeit zu wenig geile, harte Bands.

Und dieses Vakuum wollen wir mit unserem

neuen Album füllen. Wir holten uns

dazu Inspiration von den Helden unserer

Jugend. Von Bands wie Refused, Helmet

und At the Drive-In. Wenn du die frühen

Platten dieser Gruppen anhörst, spürst du

diese Spontaneität, diese Räudigkeit, die

der Rockmusik heute fehlen.

Songs, die dich zum Schwitzen und Mitgrölen

bringen …

dave farrell: Ja, Mann! Ein wichtiges

Kriterium beim Schreiben eines neuen

Songs war: Wird er auf der Bühne ab-

56 the red bulletin


Corbis, getty images

„Anfangs

fragten wir

Besucher bei

Konzerten nach

ihren Adressen,

um sie über uns

auf dem Laufenden

zu hALten.

Per Brief!

E‐mAil-Adresse

hatte ja noch

KAum wer.“

gehen? Werden wir Spaß daran haben,

ihn live zu spielen?

Wird der Plan aufgehen?

shinoda: Das sehen wir auf unserer

Sommer-Tour mit 30 Seconds to Mars. Wir

haben uns dafür viel vorgenommen und

uns eine ganz neue Show einfallen lassen.

Mit Laser-Blitzen und Pyro-Kanonen?

shinoda: Das nicht (lacht). Es geht nicht

um eine pompöse Lichtshow. Sondern

wie wir unsere Konzerte aufbauen.

Was meinst du damit?

shinoda: Als wir mit unserer ersten Platte

auf Tour gingen, mussten wir alle Songs

spielen, die wir hatten – einfach um auf

Konzertlänge zu kommen. Nach dem zweiten

Album konnten wir selektieren. Bei der

dritten Platte wurde es dann aber heikel.

Wir hatten schon so viele Hits und Songs,

die unsere Fans unbedingt hören wollten,

dass es immer schwieriger wurde, einige

davon wegzulassen. Weil das Publikum

bei Konzerten lautstark danach verlangte.

Das nennt man Jammern auf sehr

hohem Niveau …

shinoda: Klar. Trotzdem wird es einfach

langweilig, immer wieder die gleichen

Songs in der gleichen Reihenfolge abzuspulen.

Deshalb wollen wir für die

Als Neunzehnjähriger gründete Mike Shinoda

(re.) Linkin Park mit zwei Schulfreunden. Inzwischen

hat man weltweit 60 Millionen Platten

verkauft und zwei Grammys gewonnen.

kommende Tour einen neuen Weg finden,

um unsere Fans zufriedenzustellen – und

die Konzerte für uns spannend zu halten.

Der Plan: Wir gestalten die Setlist flexibel.

Jedes Konzert klingt anders. Und wir

mischen die Songs des neuen Albums

unter die Hits, bei jeder Show neu.

Euer erstes Album wurde 2000 auch

noch als Musikkassette veröffentlicht.

Das sagt ziemlich viel über eure Karriere

aus, findet ihr nicht?

shinoda: Du wirst es nicht glauben, aber

unsere Alben werden heute noch auf Kassette

gehört. In Asien erleben wir das oft.

Die stehen total auf Kassetten.

farrell: Genau wie Trucker in Nashville.

shinoda: Es ist schon absurd. Als wir mit

der Band anfingen, fragten wir Besucher

bei Konzerten nach ihren Adressen, um

sie über die Band auf dem Laufenden zu

halten. Per Brief! E-Mail-Adresse hatte ja

damals noch kaum wer.

Und keine Handys.

farrell: Ja! Hahaha! Wenn wir auf Tour

telefonieren wollten, zum Beispiel, um

den Club in der nächsten Stadt anzurufen,

musste sich der Busfahrer auf die Suche

nach einer Telefonzelle machen. Bizarr!

Statt Briefe zu schreiben, promotet

ihr eure Musik heute über den Musik-

Identifikationsdienst Shazam.

shinoda: Weil die App genial und sehr

verbreitet ist. Ich verwendete sie zum

ersten Mal in einer Hotelbar in Mexiko.

Im Radio lief ein Song, den ich großartig

fand. Aber ich hatte keine Ahnung, von

wem er stammte. Ich startete also Shazam,

und binnen Sekunden hatte ich Künstler

und Songtitel auf meinem Handy-Display.

Wie hilft das euren Albumverkäufen?

shinoda: Wir arbeiten mit den Jungs

zusammen. Wenn du einen unserer Songs

via Shazam suchst, bekommst du das Ergebnis

– und dazu einen Link zu unserer

neuen Single. Die kannst du dann auf

Shazam exklusiv vorab hören.

Ihr komponiert Tracks für Computerspiele

und entwickelt Musik-Software:

Habt ihr als Band die digitale Revolution

aufgrund eurer Technologie-

Affinität überlebt?

shinoda: Das könnte sein. Technologie

war immer ein wichtiger Motor der Band.

Nicht, weil wir das Gefühl hatten, mit dem

Zeitgeist mithalten zu müssen. Es hat uns

einfach immer interessiert. Schon als Kinder

waren wir verrückt nach Videospielen

auf der Amiga-Konsole. Heute teste ich

ständig neue Apps am Smartphone.

Eine Empfehlung?

shinoda: Kennst du Facetune? Damit

kannst du Falten auf Porträtfotos wegretuschieren.

Die meisten Leute verwenden

die App, um sich hübscher zu

machen. Ich mache genau das Gegenteil

damit: Menschen entstellen. Erst jage ich

das Foto durch meine Zombify-App, damit

das Gesicht schön halbtot aussieht – und

dann lasse ich Facetune die Visage glattbügeln.

Sieht irre aus: wie ein Zombie,

geschminkt für einen Fernsehauftritt.

Solche Dinge machen mir Spaß.

Klingt, ähm, nach einem amüsanten

Zeitvertreib.

shinoda: Ich finde Technologie nicht

deshalb spannend, weil man damit die

Welt verändern kann. Sondern weil du

damit Zeit totschlagen und deine Freunde

zum Lachen bringen kannst.

Für jemanden, der 62 Millionen Facebook-Fans

hat – mehr als jede andere

Band –, klingt das aber gar kokett,

nicht?

farrell: Da musst du unterscheiden:

Klar ist Facebook für Künstler heute

extrem wichtig. Auf unserem Band-Profil

geben wir uns Mühe, unsere Fans zu verwöhnen.

Wir haben Online-Spiele für sie,

posten Videos aus dem Studio und lassen

unsere Fans so gut wie möglich am Band-

Geschehen teilhaben. Aber daneben hab

ich noch mein privates Profil, auf dem ich

meinen eigenen Sinn für Humor pflege.

Der mit der Band nicht unbedingt etwas

zu tun hat.

… das heißt?

farrell: Nimm zum Beispiel mein

Instagram-Profil. Da habe ich kein Interesse

daran, den Leuten unter die Nase zu

reiben, wie geil das Rockstarleben ist. Viel

lieber poste ich Fotos von den hässlichsten

Dingen, die ich finden kann. Nicht, weil

ich ein schlechter Mensch bin. Es ist mehr

ein soziales Experiment: Folgen mir Leute

auch, wenn ich nur Bilder meiner Mülltonne

hochlade?

Noch hast du 31.000 Instagram-Fans.

farrell: Verdammt, wirklich? Dann muss

ich wohl noch radikaler werden (lacht).

www.linkinpark.com

the red bulletin 57


Seit Sommer 2013

spielt Neymar in

Europa, bei Barcelona,

an der Seite des

großen Argentiniers

Lionel Messi. „Ich

habe ihm schon mal

gesagt: Diesmal

gehört der Pott uns!“


Ich bin nICht unter Druck.

Ich bin

glucklich.

Neymar im Interview am Vorabend jener

Weltmeisterschaft, die das Leben von

192 Millionen Menschen verändern wird.

Und sein eigenes.

Interview: Simon Kuper, Bilder: David Clerihew, Produktion: Josef Siegle

Das Erste, was einem bei der persönlichen Begegnung an Neymar

auffällt, am einzigen wirklich großen Fußballer, den Brasilien

im letzten Jahrzehnt hervorgebracht hat, am Mädchenschwarm,

am globalen Superstar: Der Bursche ist noch viel dünner und

kleiner als im Fernsehen. Der Stürmer, der mit 22 Jahren die

Hoffnungen seines Landes auf den sechsten WM-Titel auf seinen

Schultern trägt, wirkt zerbrechlich.

Als er das alte, zum Studio umgebaute Industrie-Loft in einer ruhigen Ecke Barcelonas

betritt, grüßt er uns mit diesem magischen Lächeln, mit dem er dich zugleich

um den Finger wickelt und auf Distanz hält. Dann geht er in die Umkleidekabine,

und wir bekommen das zu sehen, wofür einige wohl töten würden: Neymar zieht

sein Shirt aus. Unter den Tätowierungen steckt ein zierlicher, sehniger Körper. Man

wundert sich fast darüber, wie unversehrt der nach einem Jahr in Europa aussieht,

Ende Juli des Vorjahres bestritt er sein erstes Spiel für den FC Barcelona.

Die Kamera liebt Neymar. Er ist nicht klassisch schön, nicht im David-Beckham-

Sinn schön, doch sein Lächeln ist zauberhaft, und er hat Ginga – diese ureigene

brasilianische Art, sich rhythmisch-schwungvoll zu bewegen, es ist fast ein Tanzen.

Schließlich setzt er sich hin, die Schultern hochgezogen, dieses Lächeln im

Gesicht, und spricht eine Stunde lang darüber, wie es ist, Neymar zu sein.

59


Ich bin glucklich,

wenn ich spiele.

Wenn man glücklich ist, klappen Dinge

ganz von selbst. Wenn man unglücklich

ist, klappt gar nichts.“

the red bulletin: Wie erträgt man den Druck

von 192 Millionen Menschen, die einen WM-Titel

von einem erwarten?

neymar: Von der WM träume ich, seit ich ein Kind

war. Jetzt ist dieser Traum zum Greifen nah. Ich bin

Brasiliens Nummer zehn, ich werde an der Weltmeisterschaft

teilnehmen, noch dazu in meiner Heimat.

Da ist kein Druck. Nur Freude und Stolz.

Kein bisschen Unsicherheit, Angst?

Ich höre zwar ständig: „Du stehst unter Druck, weil

du der große Name in der Mannschaft bist“, ich höre

es von allen Seiten. Aber ich stehe nicht unter Druck.

Ich bin glücklich. Nichts als glücklich. Wissen Sie, ich

habe die Dinge immer schon auf meine Art gemacht.

Seit ich dreizehn bin, stehe ich unter Beobachtung

der Presse, der Öffentlichkeit. Ich bin jemand, der

sich über so was nicht wirklich den Kopf zerbricht.

Ich verspüre keinen Druck. Vielleicht fehlt mir das

Sinnesorgan, mit dem man Druck wahrnimmt.

Sie waren zehn Jahre alt, als Brasilien 2002

zuletzt Weltmeister wurde. Ihre Erinnerungen?

Ich bin noch vor Tagesanbruch aufgestanden, um mir

das Finale anzusehen, es wurde ja in Japan gespielt.

Ich trug sogar Ronaldos Frisur. Meine Eltern und

meine Schwester sahen sich das Spiel gemeinsam mit

mir an. Danach grillten wir bei meiner Oma, und wie

es sich für richtige Fans gehört, brüllten wir die ganze

Zeit „Wir sind die Champions!“.

Wie war Ihre Kindheit?

Wir hatten wenig Geld, aber mein Vater

sorgte dafür, dass ich nie hungern musste.

Ich glaube nicht, dass ich jemals unglücklich

war – auch wenn ich nicht alles hatte,

was meine Freunde hatten. Zu meiner

Mutter sagte ich mal: „Wenn ich reich

werde, kaufe ich mir eine Keks-Fabrik.

Dann kann ich Kekse essen, wann immer

ich will.“ An solche Dinge erinnere ich

mich. Aber ich habe mich nie beschwert,

habe nie gejammert. Ich habe immer

um alles gekämpft. Meine ganze Familie

tat das.

Sie gelten als begnadeter Dribbler.

Haben Sie sich Tricks von anderen

Spielern abgeschaut?

Ich habe Robinho studiert, als ich zu

Santos kam, er war dort der absolute

Star. Ich habe mir Ronaldinho, Ronaldo,

Messi und Cristiano Ronaldo angesehen.

Von jedem talentierten Spieler habe ich

mir immer wieder Videos angesehen, bis

zu Zidanes „Roulette“. Im Training oder

beim Rumkicken habe ich dann jeden

60

Name

Neymar da Silva

Santos Júnior

Geburtsdatum/-ort

5. Februar 1992, Mogi

das Cruzes, São Paulo

Größe, Gewicht

175 cm (das sind 6 mehr

als Lionel Messi), 64 kg

(3 weniger als Messi)

Vereine

2003 – 2013 FC Santos

(Brasilien), ab Sommer

2013 FC Barcelona

(Spanien, Vertrag läuft

bis 2018)

Rückennummer

10 (Seleçao),

11 (Barcelona)

Erfolge (Auswahl)

Copa Libertadores 2011,

Olympia-Silber 2012,

spanischer Supercup

2013, Confed-Cup 2013

Trick so lange probiert, bis er mir in Fleisch und Blut

übergangen war. So sehr, dass ich ihn in einem

Match einsetzen konnte.

Woher kommt dieses Talent zum Dribbling?

Es ist nicht so sehr eine Frage des Talents. Es geht einfach

um Üben, Üben, Üben. Ich beobachte, kopiere,

übe. Ich habe noch keinen Trick selbst entwickelt.

Ihr Fußball sieht nach purer Freude aus. Empfinden

Sie noch immer Freude beim Spielen, oder

ist es mittlerweile eher ein Job?

Es ist geordneter Spaß. Ja, so kann man das sagen,

geordneter Spaß. Spaß, den man ernst nehmen muss.

Aber ich bin immer glücklich, wenn ich spiele. Wenn

man glücklich ist, klappen Dinge ganz von selbst;

wenn man unglücklich ist, klappt gar nichts.

Was würden Sie über Ihre erste Saison in Barcelona

rückblickend sagen?

Sie war nicht perfekt, aber sie war auch nicht schlecht.

Es ist das erste Mal, dass ich außerhalb meines Heimatlandes

lebe. Ich vermisse meine Freunde und meine

Familie. Anfangs war das wirklich hart. Aber ich habe

in Europa vor allem eine Menge gelernt, auf professioneller

wie auf persönlicher Ebene. Ich lerne von

meinen Mitspielern, worüber sie sprechen, wie sie mit

anderen Leuten umgehen. Ich schaue mir von vielen

Spielern Kleinigkeiten ab und passe sie meinem Stil

an. Manche Leute sind gut auf dem Spielfeld, andere

abseits davon, manche zeigen besonders gutes Verhalten

im Training. Man kann von jedem

lernen.

Hat Sie an Lionel Messi etwas überrascht,

nachdem Sie ihn ja nun jeden

Tag sehen?

Er hat mich in jeder Hinsicht überrascht.

Bevor ich hierher kam, hörte ich nur die

Dinge, die die Leute über ihn erzählen:

dass er sehr reserviert sei und mit niemandem

rede. Aber er ist völlig anders.

Abgesehen davon, dass er auf dem Feld

ein Genie ist, ist er auch sonst immer toll

zu mir – und nicht nur zu mir. Es gibt nur

Gutes, was ich über ihn sagen könnte.

Beschreiben Sie uns die Stimmung in

der Barça-Kabine.

Es geht echt lustig zu, jeder plaudert,

albert rum, ähnlich wie bei den Brasilianern.

Das ist wahrscheinlich der Grund,

warum sie so gut zusammenspielen. Es

wird auch Musik gespielt in der Kabine –

vor dem Match und danach, wie in

Brasilien. Auch bei Santos haben wir

immer Songs gespielt, wenn wir aufs

Feld gelaufen sind.


Beim exklusiven

Shooting für The Red

Bulletin in Barcelona:

Neymar und sein

Lächeln, mit dem er

zugleich Nähe und

Distanz schafft.


Oh Gott,

Lass mich

ein so berühmter Fussballer

werden, damit ich meiner

Familie alles geben kann,

was sie will – Darum habe

ich schon Als Kind gebetet.“


Die WM ist das

harteste Turnier.

Sie ist so kurz, du darfst dir keinen Fehler

erlauben. Du muSSt von der ersten bis

zur letzten Sekunde alles geben.“

Es könnte passieren, dass Sie bei der WM gegen

einige Teamkollegen von Barça spielen. Sprechen

Sie mit denen über so was?

Wir scherzen rum, klar. Jeder von uns sagt: „Wir

gewinnen die WM!“ Wir wissen, dass die WM für uns

alle ziemlich schwierig wird. Deshalb machen wir

Witze. Ich habe mit Messi rumgeblödelt und ihm

schon mal gesagt: „Diesmal gehört der Pott uns!“

Wie kam es zu Ihrer Social-Media-Kampagne

#somostodosmacacos („Wir sind alle Affen“) gegen

Rassismus? Das Bild von Ihnen und Ihrem Sohn

mit Bananen ging um die Welt …

Rassismus ist eine Sache von Hirnlosen. Und ich weiß

aus eigener Erfahrung, aus anderen Spielen, wie es

sich anfühlt, von Rassismus betroffen zu sein. Also

wollten wir etwas dagegen tun. Ich sprach mit meinem

Vater und mit ein paar Leuten, die für uns arbeiten,

und wir entwarfen diese Kampagne. Die war quasi

startklar, dann passierte dieser Zwischenfall mit Dani

Alves (Barça-Teamkollege, hob eine Banane, die man

während eines Matchs nach ihm geworfen hatte, einfach

auf und aß sie; Anm.). Ich dachte, das ist der

richtige Moment, um die Kampagne zu starten.

Sie stehen mit Ihren Fans über Social-Media-Plattformen

in engem Kontakt, aber die Fans verlangen

Ihnen auch eine Menge ab. Stört Sie das?

Nicht wirklich. Was mich stört, ist, wenn man vor

meinem Privatleben nicht haltmacht. Ich verstehe,

dass die Fans gerne alles wissen wollen, aber wenn’s

um mein Privatleben geht, bin ich wie jeder andere.

Das soll meine Sache sein und bleiben.

Diego Maradona hat sich nach den Tagen vor dem

Ruhm zurückgesehnt. Geht es Ihnen auch so?

Nein. Ich verstehe aber, worum es ihm geht. Es ist

schwierig für mich, Dinge zu machen, die eine

normale Person macht. Zum Beispiel kann ich nicht

mit meinem Sohn in Santos an den Strand gehen.

Unmöglich. Wir hätten sofort eine Menschenmenge

um uns, die Leute würden Fotos machen und alles.

Auf der Straße erkennt mich ein Brasilianer aus einem

Kilometer Entfernung. Dann kommt er angerannt und

brüllt „Neymar, Neymar!“. Hier in Barcelona sind die

Leute relaxter, mehr in die Richtung „Neymar, dürfte

ich ein Foto mit dir machen?“.

Fehlt Ihnen dieses normale Leben?

Man vermisst es natürlich, mit seinem Kind an den

Strand gehen zu können, ganz normale Sachen zu

machen. Ich glaube, das ist, was Maradona gemeint

hat. Aber ich beklage mich nicht darüber, denn ein

berühmter Fußballer zu werden ist das, worum ich

Gott gebeten habe. Ich habe immer zu Ihm gesagt: Ich

möchte als Fußballer so gut werden, dass ich meiner

Familie alles geben kann, was sie will. Da gehört die

Kehrseite dazu. Wenn ich mit fünfzig Leuten reden

muss, rede ich eben mit fünfzig Leuten. Sobald ich

auf die Straße gehe, muss ich mich daran erinnern,

dass ich Neymar bin, dass das jeder weiß, dass ich

mich entsprechend verhalten muss. Aber zu Hause

bin ich der Neymar, den die Familie kennt. Zu Hause

bin ich nicht mal „Neymar“. Da bin ich „Juninho“.

Sprechen wir über die brasilianische Nationalmannschaft,

die Seleção. Wer wählt die Musik in

der Umkleidekabine aus?

Mal der, mal der. Die Stereoanlage ist da, und jeder

kann sich einen Song aussuchen. Am häufigsten

spielen wir Pagode, Funk, Sertanejo. Auf meinem

Weg zum Stadion höre ich immer Gospelmusik aus

dem Kopfhörer. Bevor wir rausgehen, spielen wir in

der Kabine einen Pagode-Song über die Stereoanlage,

laut. Wir stehen da, scherzen rum, die Egos bleiben

draußen vor der Tür. Wir wissen, wir haben nur ein

Ziel, und das ist ein gemeinsames Ziel.

Brasiliens Nationaltrainer Felipe Scolari gewann

die WM 2002. Was erzählt er darüber?

Er sagt, dass die WM das härteste aller Turniere ist.

Weil sie ein so kurzes Turnier ist, darfst du dir keine

Fehler erlauben. Du musst von der ersten Sekunde an

alles geben. Und er spricht häufig darüber, wie phantastisch

es sich anfühlt zu gewinnen.

Wie unterscheidet sich das Spiel Brasiliens vom

Spiel Barcelonas?

Taktisch und technisch ist es sehr ähnlich.

Mit weniger brasilianischem Ginga bei Barcelona?

Mit ein bisschen weniger, ja.

Während des Confed-Cups im Vorjahr gab’s in Brasilien

Proteste gegen Korruption, den Zustand des

öffentlichen Diensts und die Kosten der Stadien.

Auf einem der Banner war zu lesen: „Ein Lehrer

ist mehr wert als Neymar.“ Was sagen Sie dazu?

Lehrer sollten genauso viel verdienen wie Leute in

anderen Berufen. Auch wie Fußballer, denn man

vergisst so leicht, dass vielleicht fünf Prozent von uns

mehr verdienen als die anderen. Ich stimme voll zu,

dass wir alle für eine bessere Welt mit Bildung,

Gesundheit und Sicherheit kämpfen müssen.

Soll auch während der WM protestiert werden?

Solange es ohne Gewalt passiert, sehe ich kein Problem

darin, dass Leute für ein besseres Brasilien

kämpfen. Ich stehe auf ihrer Seite. Aber wir sollten

die WM genießen, denke ich. Wir haben die Gelegenheit,

der Welt zu zeigen, was für ein Gastgeber wir

sind, und wir sollten vor allem zeigen, was toll ist an

Brasilien, nicht nur die schlechten Seiten.

Wird Brasilien Weltmeister?

Das wünsche ich mir mehr als alles andere.

www.neymaroficial.com

63


MáRQU

DEMon

of DiRt

Lleida, Spanien, ein schöner Frühlingstag: Heimspiel

bei Motogp-Weltmeister Marc Márquez. Kumpels,

Bikes, Girls, Dirt Track. Keine Vorderbremse, kein

Führerschein, aber viel SpaSS. Aufsteigen bitte!

Text: Werner Jessner, Bilder: Jim Krantz

64


66

„Motocross schult die

Kreativität“, sagt Marc Márquez.

„Die Strecke ändert sich in jeder

Runde, du musst permanent

improvisieren. Diese Fähigkeit

hilft dir auf der Rundstrecke.“


„An mein erstes Mal an einer

Rennstrecke kann ich mich nicht

erinnern. Ich war erst ein Jahr alt,

da hat mich mein Vater schon zu

Motocross-Rennen mitgenommen.“

68


Training in der Gruppe

macht mehr SpaSS.

Die Herausforderung iST,

schneller als die anderen

zu sein. Und sie wollen

den WeltmeiSTer schlagen.


„Mein perfekter

Tag? Motocross

in der Früh, Dirt

Track zu Mittag,

Motogp am

Nachmittag. Und

abends vielleicht

Essen mit einer

schönen Frau.“

v


or 30 Jahren platzte ein junger Mann in die Straßenmotorrad-Rennszene

und machte allen Rekorden

den Garaus: Debüt in der Königsklasse mit 19 Jahren,

Weltmeister mit 21. Die Experten waren sicher: Niemals

würden diese Rekorde gebrochen werden. Der

Name des Genies war „Fast“ Freddie Spencer, und

Dirt Track war sein Geheimnis: Eine Jugend auf den

amerikanischen Sandbahnen hatte sein motorisches

Feingefühl geschult. Dirt Track Bikes haben keine

Vorderbremse. Man lenkt sie mit Gas und Gewichtsverteilung,

permanent sideways im leichten Drift.

2013 platzte wieder ein junger Mann in die

Königsklasse. Er war so gut, dass speziell für ihn die

Regeln geändert wurden: Normalerweise müssen

sich Rookies in Satelliten-Teams hochdienen, bevor

sie in Werksteams fahren dürfen. Doch der mächtige

Honda-Konzern sah im amtierenden Weltmeister der

„kleinen“ Moto2-Kategorie die Zukunft: Man würde

ihm auf jeden Fall ein Werksmotorrad geben. So kam

es, dass Marc Márquez, gerade 20 Jahre alt geworden,

bei Repsol Honda fahren durfte, an der Seite seines

erfahrenen Landsmanns Dani Pedrosa. Im ersten

MotoGP-Rennen fuhr Márquez aufs Podium, sein

zweites gewann er. Im Herbst wurde er, mit 20 Jahren

und 266 Tagen, jüngster MotoGP-Weltmeister der

Geschichte. Sein Erfolgsgeheimnis: Dirt Track.

Die Wiege von Marcs Erfolgen ist idyllisch in die

Weinberge eingebettet, die seine Heimatstadt Lleida

umgeben, 135 Kilometer westlich von Barcelona

gelegen. Unten im Flachen ein gepflegter Dirt Track

und eine Motocross-Piste, Container zum Umziehen

und für eine kleine Kantine. Nicht unbedingt der Platz,

an dem man einen Weltmeister vermuten würde, der

in seinem Heimatland – wie sonst nur noch Fußballstars

– nicht mehr unerkannt vor die Tür gehen kann:

„Das erste gemeinsame Foto mit einem Fan löst in der

Regel eine Kettenreaktion aus. Auf einer Tribüne in

Spanien habe ich ein Transparent entdeckt, auf dem

stand: ‚Ich ziehe meine Unterwäsche aus für ein Foto

mit dir.‘ Letztes Jahr habe ich Frauen brüste signiert,

einen Männerhintern, ein Baby und einen 500-Euro-

Schein. Wahrscheinlich hofft der Besitzer, dass der

im Wert steigt.“

Hier in Lleida trainieren Marc Márquez, sein

jüngerer Bruder Álex, selbst erfolgreicher Rennfahrer

in der Moto3, und „Tito“ Rabat aus der Moto2: „Sie

wollen mich schlagen; ich will eine halbe Sekunde pro

Runde schneller sein als sie.“ Genau wie in der Moto-

GP schenken sich die Jungs auf der Strecke nichts:

„Ich mag harte Kämpfe. Siege mit vier, fünf Sekunden

Vorsprung geben mir nicht so viel wie ein adrenalinsattes

Rennen, das in der letzten Kurve entschieden

wird. Als mich zum Beispiel Jorge Lorenzo in Silverstone

in der letzten Kurve aus der Bahn rempelte, hat

the red bulletin 73


„Der Moment bis zum Crash

dauert ewig, vor allem wenn sich

ein Highsider ankündigt. Du

kämpfst, kämpfst, kämpfst – und

Bamm!, dann geht es blitzschnell.“


Als amtierender MotoGP-Weltmeister hätte Marc Márquez das

Recht auf Startnummer 1. Er behält aber seine vertraute 93.

Gold & Goose/Red Bull Content Pool

mich das nicht aufgeregt. Es gibt ein Limit, aber es ist

situationsabhängig. In der letzten Kurve versucht jeder

alles.“ Einschätzung seiner Gegner: „Lorenzos Stärke

ist seine Konstanz, Rossi ist vor allem in der letzten

Runde eine Macht.“ Márquez sieht auf jedem Bike

aggressiv aus, driftend, scheinbar außer Kontrolle:

„Wenn ich schnell sein will, muss ich so fahren. Ein

runder, entspannter Stil funktioniert bei mir nicht.“

Obwohl er WM-Titel in allen Kategorien gewonnen

hat, wohnt Marc noch zu Hause in seinem Jugendzimmer,

an den Wänden Poster des FC Barcelona und

Valentino Rossis. „Rossi war mein Vorbild, Pedrosa

mein Maßstab.“ Inzwischen hat er beide hinter sich

gelassen und ist Team-Leader des traditionsreichen

HRC-Teams: „Vielleicht wird es diese Saison härter,

weil jeder Großes von mir erwartet. Aber ich mag

Druck.“ Auf die japanische Arbeitsweise hat er sich

inzwischen eingestellt: „Japaner evaluieren und besprechen

gern. Beim ersten Test wollte ich die Lenkergriffe

tauschen. Das hatte nichts mit der Performance

des Bikes zu tun, bloß mit persönlichem Geschmack.

Es hat ein Meeting gebraucht, um sie zu wechseln.

Aber diese Akribie macht Hondas Erfolg aus.“

Marc, der „Big Balls“-Strecken wie Phillip Island mit

ihren blinden Vollgaskurven liebt, verbindet Furchtlosigkeit

mit tiefer Entspanntheit: „In der Nacht vor

Rennen schlafe ich exzellent: neun, manchmal zehn

Stunden.“ Einziges Zugeständnis an den Renntag: „Im

Training trage ich blaue Unterhosen, im Rennen rote.“

Eine Überlegung war, diesen Winter endlich den

Motorrad-Führerschein zu machen. Der weltschnellste

Mann auf zwei Rädern darf auf der Straße zwar legal

Auto fahren, nicht aber Motorrad. Doch wenige Tage

nach dem entspannten Tag mit Kumpels und dem

Red Bulletin in Lleida ist Marc Márquez eine Hauptmeldung

der Motorsportnachrichten: Er habe sich ein

Bein gebrochen – beim Dirt-Track-Fahren. Was war

passiert? „Der Crash war ein bissl blöd: Ein Freund

kam vor mir zu Sturz. Ich wich ihm aus, die Situation

war schon bereinigt, da drehte ich mich noch mal um,

um nach ihm zu sehen. Dabei blieb ich mit einem Fuß

an der Streckenbegrenzung hängen. Kein Sturz, aber

das rechte Wadenbein war durch.“ Erst zu Saisonbeginn

konnte er wieder auf steigen und begann eine

große Siegesserie, als wäre nichts gewesen. Ist nun

trotzdem Schluss mit Dirt Track? „Aber wo. War ja

das erste Mal, dass ich mir dabei weh getan habe.“

„On Any Sunday: The Next Chapter“ mit Marc Márquez,

Travis Pastrana und Co ab Herbst im Kino

www.onanysundayfilm.com

75


RED BULL fÜR

jEDEn gEschmack.

CRANBERRY LimEttE HEidELBEERE

RED BULL vERLEiht fLÜÜÜgEL.


iPhone-Boxen aus

Holz: bambustischer

Sound ohne Strom.

Seite 86

Ihr Programm im Juli

action!

REisen / Equipment / Party / WorkOut / city guide / MUSIk / Events / TV

Stephen Frink

Runter!

An Bord des „Super Aviator“ erleben

Sie Hawaiis Unterwasserwelt

wie nie zuvor: Ein Tipp mit Tiefgang.

Reisen, Seite 78

the red bulletin 77


Action!

travel

Der Unterwasser-

Flieger taucht bis

300 Meter tief.

Hawaii

mal drei

Was Sie im Inselparadies

sonst

noch unternehmen

sollten

Paddeln

Ein 25-Kilometer-

Kajak-Trip durch die

raue See entlang

Kauais abgelegener

Na-Pali-Küste ist

nichts für schwache

Oberarme –

aber ein unvergessliches

Erlebnis

für Abenteurer.

hawaiiactive.com

Torpedoooh!

Unterwasser extrem Der knapp sieben Meter

lange Super Aviator schwimmt nicht, er fliegt.

Sagen Sie niemals U-Boot zu ihm. Der Super Aviator,

6,7 Meter lang und 1,7 Tonnen schwer, sieht aus wie

eine ins Meer gefallene Rakete und verhält sich – zumindest

ein bisschen – auch so: schnell, stark, wendig.

Der Zweisitzer mit der völlig intuitiven Steuerung

kann abrupt anhalten und auf der Stelle schweben,

enge Kurven ziehen. Und jetzt das Allerbeste: Wenn

der Super Aviator gerade nicht für Film- oder Wissenschaftsprojekte

im Einsatz ist, kann man ihn tageweise

mieten. Freilich nicht für den romantischen

Ausflug mit der Dame des Herzens, sondern mit John

Lewis als Co-Pilot, dem Geschäftsführer von Sub

Aviator Systems. Trotzdem geil. „Der Unterwasser-

Flieger beschleunigt auf immerhin 11 km/h“, sagt er.

„Bubble-Subs (motorisierte Glaskuppeln; Anm.) sind

nur halb so schnell. Das reicht, wenn du in der Nähe

eines Riffs tauchst. Aber bei Strömung kommst du

nicht voran. Mit dem Super Aviator dagegen kannst

du als Taucher völlig neue Gefilde erkunden.“ Der

US-Ozeanograph John Englander verwendete das

Vehikel vor der Küste von Hawaii. „Ich steckte schon

tausende Stunden in Taucheranzügen“, sagt er, „ich

steuerte U-Boote und Flugzeuge. Aber den Ozean im

Super Aviator zu erforschen war selbst für mich eine

Die Tagesmiete für

den Super Aviator

auf Hawaii beginnt

bei 3350 Dollar.

www.incredibleadventures.com

neue, faszinierende Erfahrung:

Die Ausrüstung ist dir nicht im

Weg. Es ist faszinierend: Du sitzt

im Trockenen und hast einen

ganz klaren Blick auf die Meereswelt

um dich herum.“

Tipps vom Profi

Videospielen

„Beim Tauchgang mit dem Super Aviator gibt es keine

Passagiere. Nur Piloten“, sagt John Lewis. „Beide Cockpits

sind mit Steuergeräten ausgestattet. Das Tolle dran: Jeder

mit etwas Videospiel-Erfahrung gewöhnt sich mühelos an

den Umgang mit Joystick und Steuerpedal.“

Unterwasser-Cabrio

„Wer den Film ‚Das Boot‘ gesehen hat,

erwartet, dass eine Unterwasserfahrt zur klaustrophobischen

Grenzerfahrung gerät“, sagt John Englander. „Aber

wenn der Super Aviator ins Wasser eintaucht, verschwindet

die Glaskuppel scheinbar. Der Ausblick ist klar, es fühlt

sich an, wie in einem offenen Doppeldecker zu fliegen.“

Schwitzen

Die Besteigung

des Kilauea, eines

der aktivsten Vulkane

der Erde, ist

spektakulär: Man

kann sich den glühenden

Lava-Ausläufern

bis auf wenige

Meter nähern.

kalapanalavaboat.com

Staunen

Es gibt nicht viele

Surfer, die es mit

den Wellen der

Jaws-Bucht aufnehmen.

Aber die

Weltbesten dabei

zu beobachten ist

schon ein Erlebnis

für sich.

gohawaii.com

Stephen Frink, shutterstock(2), Brian Bielmann/Red Bull Content Pool

78 the red bulletin


Action!

Profi-Gear

Bissig

Rickie Fowler

spielt Schläger

der Marke Cobra.

Sein Equipment:

Erleichtert

Die neue Rovencia-Plus-Mikrofaser

reduziert

das Gewicht des

Schuhs auf

366 Gramm.

Gebunden

Das Schnürsystem

ist vom Obermaterial

abgesetzt

und verbessert

dadurch den Halt

am Mittelfuß.

Cobra Bio Cell

Pro Driver

Acht verschiedene

Loft-Einstellungen:

Über die Neigungswinkel

der

Schlagfläche lässt

sich die Flugkurve

des Balles feinjustieren.

Tiefer gelegt

Standfest: Die

austausch baren

Swing Speed Quill

Spikes reduzieren

die Standhöhe

um 32 Prozent.

Farbenspiel

Golf Rickie Fowler bringt Farbe auf die Grüns. Sein HiGH-

Tech-Schuh ist aber weit mehr als ein Modegag.

Angepasst

Die 1,4 mm dünne

Power-Frame­

Außensohle mit

Flex-Fugen macht

sämtliche Fußbewegungen

mit.

Cobra Bio

Cell Eisen

Mehr Fehlertoleranz:

Lange und

mittlere Eisen sind

an Spitze und Ferse

mit dem Schwermetall

Wolfram

gewichtet.

Jungstar Rickie

Fowler, 25, gilt bei

den 114. US Open

(12. bis 15. Juni)

als einer der Mitfavoriten.

2009 tauchte Rickie Fowler als

Zwanzigjähriger auf der PGA Tour

auf. Und fiel nicht nur mit seinem

Spiel auf (der Kalifornier war 2010

„Rookie of the Year“), sondern auch

mit individuellen Fashion-Statements.

Einen Hang zu extravaganten

Outfits drückt er auch in seinem

neuen Schuh aus (gibt’s derzeit in

sechs verschiedenen Farben), den

er gemeinsam mit Wissenschaftlern

und Technikern entwickelt hat.

„Flexibilität, Seitenhalt und Tragekomfort

sind perfekt – der Biofusion

ist der beste Schuh, den ich je

ge tragen habe, die perfekte Unterstützung

für meinen Schwung.“

www.rickiefowler.com

Cobra Bio

Staff Bag

Rund 20 Kilo Ausrüstung

und Verpflegung

schleppt

Fowlers Caddie auf

der Runde.

www.cobragolf.com

the red bulletin 79


Action!

City Guide

Schanghai

Changshou Road

3

D a c h

& Fac h

Indoor-SpaSS

in Schanghai

Xinjian Road Tunnel

Schanghai, China

Beijing Road

4

5

Yan’An Road

Huaihai Road

2

Xietu Road

1

Xizang South Road

Lujiabang Road

inner Ring Elevated Road

Huangpu river

DISC KART

Eine geniale Indoor-Rennstrecke,

4500 Quadratmeter

groß, und

dazu eine Bar, die

alle Stücke spielt.

„Drive and drink“,

genau in dieser

Reihenfolge.

kartingchina.com

Zhongshan North Road

Cheng Liang,

Rregisseur und

Filmemacher

aus Schanghai

Der Westen

im Osten

Schanghai RegiSSeur Cheng Liang über

fünf Lieblingsplätze in seiner Heimatstadt –

zwischen gedämpften Teigtaschen, kämpfenden

Grillen und Grossmüttern beim Tai-Chi.

„Das Besondere an Schanghai? Es ist eine Metropole,

in der sich die modernsten und traditionellsten Seiten

der chinesischen Gesellschaft zeigen“, sagt Cheng

Liang, einer der wenigen jungen Regisseure, die sich

intensiv mit Schanghai auseinandersetzen. Und das

mit Erfolg: Sein Kurzfilm „City of Black and White“

wurde über zwei Millionen Mal gesehen, in diesem

Jahr will Cheng in Cannes an den Start gehen.

„Schanghai hat als Kolonialstadt Weltoffenheit gelernt,

ja lernen müssen“, sagt er. „Die westliche und

die chinesische Kultur sind hier miteinander verschmolzen

wie nirgends sonst.“ Cheng absolvierte

die Pekinger Filmakademie, kehrte aber nach dem

Studium bald in seine Heimatstadt zurück. „Keine

andere Stadt inspiriert mich so wie Schanghai.“

bit.ly/1rYhkjZ

TOp Five

CHENGS CITY-HIGHLIGHTS

1 Fuxing Park

2 Gaolan Road

Dieser Park im französischen Stil

steckt für mich voller Jugenderinnerungen.

Du triffst dort

Lleute aus allen Schichten, junge

Liebespaare ebenso wie Großmütter

beim täglichen Tai-Chi.

2 Yongkang Road,

Die Bar-Meile

Globalisierungs-Trubel neben

chinesischer Kontemplation. Ich

lebte hier und castete meine

Nachbarin, eine elegante ältere

Dame, für einen meiner Filme.

3 SchloSS am FluSS

400 North Suzhou Road

Für mich Schanghais schönstes

Gebäude im Kolonialstil. Am

Ufer des Suzhou gelegen, britisches

Art déco, innen erinnert

es an ein Labyrinth. Ein kleines

Hotel ist darin untergebracht,

die Aussicht aus den Zimmern

ist schlicht phantastisch.

4 Wanshang Flower

& Bird Market

417 South Xizang Road

Für mich der beste Blumen- und

Vogelmarkt in ganz China: ein

einziges atemberaubendes

Spektakel mit Grillenkämpfen

und traditionellen Spielen wie

dem „Goldfischschöpfen“.

5 Shanshan Restaurant

774 Xianxia Road

Ein völlig unscheinbares Restaurant,

aber für mich ein Fixpunkt.

Ich frühstücke immer hier. Hier

gibt es die besten gedämpften

Teigtaschen, die man sich vorstellen

kann, zu unschlagbaren

Preisen.

Big E Entertainment

Lasergames,

Minigolf? Na ja.

Aber wer in Chinas

einzigem fluoreszierendem

Freizeitpark

weiße Klamotten

trägt, hat

garantiert Spaß.

bigecn.com

CR Wind

Lust auf Skydiving-

Abenteuer, aber

keine Lust auf Skydiving-Risiko?

Die

einfachste Art, die

Schwerkraft zu

überwinden, bietet

Chinas einziger

vertikaler Indoor-

Windtunnel.

www.crwind.com

corbis(4), shutterstock(3) Xifan Yang

80 the red bulletin


edbulletin

Infiniti Red Bull Racing

Fan PACkage

12 Ausgaben

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Action!

Feierabend

Der britische

Rapper JME ist

Stammgast auf

der Fabric-Bühne.

Club-

Klang

Seit 13 Jahren

veröffentlicht

Fabric Mix-CDs

SEiner Stamm-

DJs. Die bESten

drei von biSHEr

150 rELEaSES:

Bass-Massage

london Vom Kühlhaus zum coolsten

Club der Insel: Seit 15 Jahren setzt

Fabric auf Underground-MusIK und

einen vibrierenden floor.

Volles Fabric, das heißt: 2500

Tänzer, drei Nächte pro Woche

JacqUES

Lu Cont

Ultimativer Party-

Mix des Madonna-

Produzenten. Sein

eleganter Übergang

von „Also

sprach Zarathustra“

auf „Sweet

Dreams“ von

Eurythmics ist bis

heute unerreicht.

Früher baumelte im Fabric Fleisch von der

Decke. Vor der Club-Eröffnung 1999 war

das Gebäude in Ostlondon ein Kühlhaus

des Fleischmarkts nebenan. „Kulturell

war die Gegend damals Brachland. Keine

Szene, nicht einmal Taxis“, erinnert sich

Betreiber Cameron Leslie. „Wie wir die

Besucher anlockten? Wir starteten parallel

ein billiges Taxi-Unternehmen. Vor

dem Club standen immer Wagen, die dich

heimbrachten.“ Die Raver waren begeistert.

2300 m² Tanzfläche, bassige Underground-Sounds

von Techno bis Dubstep,

drei Floors. Einer davon heißt Bodysonic:

Der Boden ist mit 400 Sensoren ausgestattet,

die Schallwellen in Vibrationen

umwandeln. Dreimal wurde Fabric vom

Szene-Organ „DJ Mag“ zum besten Club

der Welt gewählt. Was liebt Leslie an seinem

Laden? „Viele finden den labyrinthartigen

Aufbau des Clubs verwirrend“,

sagt Leslie. „Aber genau darin liegt seine

Stärke: Oft landest du zufällig in einem

Raum – und entdeckst so neue DJs.“

Fabric

77A Charterhouse Street

London EC1M 6HJ, England

www.fabriclondon.com

After-Party

Es ist Sonntag, 8 Uhr

Früh. Das Fabric macht

dicht, doch du bist noch

HELLWach. Was tun?

Frühstücken

Im Fox & Anchor nebenan

treffen einander morgens

Marktarbeiter und Raver,

Speck und Spiegelei.

115 Charterhouse Street,

London EC1M 6AA

Stöbern

Vom Fabric aus sind’s vier

U‐Bahn-Stationen bis zum

coolsten Flohmarkt: Am

Brick Lane Market gibt’s

Hipster-Klamotten und Retro-

Möbel zu fairen Preisen.

Brick Lane, London E1 6PU

Weitertanzen

Londons beste Afterhour-

Party heißt Jaded und startet

sonntags um 5 Uhr. Ausdauer-Tänzer

sowie Frühaufsteher

feiern dort bei Tee

und Techno-Beats.

Corsica Studios, 4 Elephant

Road, London SE17 1LB

David Rodigan

Der bald 63-jährige

Radio-DJ gilt als

Volksheld, weil er

Reggae in den

1970ern in England

populär machte.

Auf seiner CD mixt

er sich durch vier

Dekaden jamaikanischer

Musik.

Four Tet

Der Meister der

feingliedrigen

Electronica trat

mit diesem Mix

ein Revival des

britischen Dance-

Genres Garage los:

Vergessene Klassiker

treffen auf Hits

junger Talente wie

der Floating Points.

jasper Brown(2), Sarah Ginn(2)

82 the red bulletin


LIVE-KONZERT GLASPERLENSPIEL

GARY PAFFETT

MERCEDES-BENZ

MIKE ROCKENFELLER AUDI

AUGUSTO FARFUS BMW

1.– 3. AUgust

2014

Spielberg

TICKETS DTM.COM

ODER 0720 303097-72

Folge der #DTM

LIVE IN DER ARD

QUALIFYING SAMSTAG 18:00 UHR

RENNEN SONNTAG 13:15 UHR


Action!

workout

Stabhochsprung: ,

das Parade beispiel

leicht athletischer

Körperbeherrschung

Raphael Holzdeppe holte

2012 in London Olympia-

Bronze und wurde 2013

in Moskau Weltmeister.

Höhentraining

Leichtathletik Wie macht sich Stabhochspringer

Raphael Holzdeppe

zum Champion?

Training mit Mehrzweck

Rumpf und Bauch kräftigen, Gleichgewichtssinn fördern – alles mit nur einer Übung.

1 2

„Mein tägliches Training ist ein brutales

Ganzkörper-Workout“, sagt Raphael Holzdeppe,

24, seit vier Jahren einer der besten

Stabhochspringer der Welt, „denn für

unseren Sport brauchst du jeden Muskel:

starke Beine für einen schnellen Anlauf,

einen durchtrainierten Oberkörper, um

dich am Stab aufwärts zu ziehen, ausgeprägte

Bauchmuskeln für einen raschen

Hüftknick in der Luft sowie einen kräftigen

Rumpf für die Stabilität: Je stabiler

und ruhiger du deinen Körper in der Luft

halten kannst, desto mehr Höhe gewinnst

du.“ Der Zweibrücker trainiert sechseinhalb

Stunden täglich von Montag

bis Freitag: „Gewichte stemmen in der

Kraftkammer, Sprints auf der Laufbahn,

Balancetraining mit Medizinbällen – und

nicht zu vergessen: Stabhochsprünge,

rund hundert die Woche.“

raphael-holzdeppe.net

Teil 1: Seitenlage, Arme und Beine strecken, Körperspannung

aufbauen, Oberkörper und Unterschenkel

anheben, die Balance zehn Sekunden halten.

Schneller, härter, höher: „Als Stabhochspringer

darfst du keinen Muskel vernachlässigen.“

Es folgt Teil 2 für die Bauchmuskeln: Oberschenkel

und Arme zusammenführen, Balance zehn Sekunden

halten. Gesamte Übung fünfmal wiederholen.

Rollenspiele

Auf dieses Tool schwört der Weltmeister.

Blackroll

„Die Blackroll ist Trainingsgerät, Physiotherapeut

und Masseur in einem. Für mich ein unverzichtbares

Tool. Die Blackroll legst du unter eine beliebige

Muskelpartie, etwa den Unterschenkel, und rollst

aktiv mit deinem Körpergewicht hin und her. Das

Ding löst Verspannungen und

fördert die Regeneration

in Rekordzeit.

Und

passt in jede

Reisetasche.“

Ray Demski/Red Bull Content Pool(3), blackroll heri irawan

84 the red bulletin


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3. Juni 1965

US-Weltraumspaziergang,

Edward White

beim ersten

HOLEN SIE SICH DIE WELT NACH HAUSE

Begeben Sie sich mit Terra Mater, dem Natur- und Wissensmagazin, auf eine spannende Reise

durch Raum und Zeit: zu entlegenen Orten, exotischen Völkern

und erstaunlichen Naturphänomenen.

aufbruch ins all

45 Jahre Mondlandung –

eine amerikanische Heldensaga

wassErmEnschEn

Wie das „venedig afrikas“ gegen den untergang kämpft

NEPALS

LEBENDE GÖTTINNEN

Wie der Kumari-Kult aus Kindern Gottheiten macht

WEISSE HAIE, HAUTNAH Mit einem Forscher den Rätseln des Raubfischs auf der Spur

BRASILIEN UND DIE LIEBE ZUM FUSSBALL Bilder, die ein Land erklären

GEFAHR AUS DEM ALL Wie die Erde vor Asteroiden geschützt werden soll

DAS BEDroHTE PArADIES Drama im brasilianischen Regenwald

NEUSEElANDS SCHrÄGE vöGEl kiwi, kakapo & Co

EINE PUBLIKATION VON

AlTErNATIvE ENErGIE algen – der treibstoff der Zukunft

EINE PUBLIKATION VON

AUS DEM ALL Wie die Erde vor Asteroiden geschützt werden soll

GEFAHR

BRASILIEN UND DIE LIEBE ZUM FUSSBALL Bilder, die ein Land erklären

Mit einem Forscher den Rätseln des Raubfischs auf der Spur

HAUTNAH HAIE, WEISSE eine publikation von

Edward White

beim ersten

US-Weltraumspaziergang,

3. Juni 1965

UNBEKANNTE MEGACITY 24 Stunden in Chinas Monsterstadt Chongqing

DEr lETzTE KöNIG voN AMErIKA Julio pinedos kurioses Reich in bolivien

DAS GroSSE FlATTErN Rendezvous mit 12 Millionen Flughunden

JETZT

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Rendezvous mit 12 Millionen Flughunden

DAS GroSSE FlATTErN eine publikation von

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N AMErIKA Julio pinedos kurioses Reich in bolivien

DEr lETzTE Kö

NIG

eine publikation von UNBEKANNTE MEGACITY

Chongqing

Monsterstadt Chinas in Stunden 24 Wie der Kumari-Kult aus Kindern Gottheiten macht

– der tre

ibstoff der Zukunft

algen

AlTErNATIvE ENErGIE

LEBENDE GÖTTINNEN

NEUSEElANDS SCHrÄGE vöGEl

kiwi, kakapo & Co

DAS ERWARTET SIE IN DER AKTUELLEN AUSGABE

NEPALS

DAS BEDroHTE PArADIES Drama im brasilianischen Regenwald

FOTOS: DOMENICO PUGLIESE, TUI DE ROY

DAS BEDROHTE PARADIES

Im Regenwald Brasiliens leben die Awá-Indianer. Weil illegale Holzfäller

ihre Reservate zerstören, gilt dieses Volk als das am stärksten

bedrohte der Welt. Unser Autor Tiemo Rink hat Zeit mit den Awá

im Dschungel verbracht und erfuhr, dass ihre Hoffnung auf eine

fried liche Zukunft nicht ganz unberechtigt ist.

NEUSEELANDS SCHRÄGE VÖGEL

Die Insel überrascht mit einzigartigen, vom Aussterben bedrohten

Kreaturen: Flugunfähige Vögel, die wie Fahrradpumpen klingen,

und einfältiges Federvieh, das die Kappe eines Rangers für einen

Artgenossen hält. Wir berichten über die Bemühungen, den schrägen

Vögeln das Überleben zu sichern.

SICHERN SIE SICH IHR JAHRESABO

Das Terra Mater-Jahresabo (6 Ausgaben) inklusive der DVD

„Die wunderbare Welt der Enten“ zum Preis von 29,20 Euro* –

oder das Terra Mater-DVD-Jahresabo (6 Ausgaben inkl. DVD

zu jeder Ausgabe) zum Preis von 39,90 Euro*.

*Österreich, Deutschland inkl. Versandkosten, andere Länder zzgl. 15 Euro Versandkosten.

Einfach und bequem bestellen:

per Telefon: +43/1/361 70 70-740

per E-Mail: abo@terramatermagazin.com

im Internet: www.terramatermagazin.com/abo

oder per QR-Code


Action!

laden & Lauschen

Owen Pallett, 35,

kanadischer

Indie-Pop-

Musiker und

Film komponist

Songs, durchdacht

wie ein

Schachspiel

Playlist Gespenstische Gitarren,

primitive Grooves: Der Arcade-Fire-

Geiger über die fünf Platten, die

in seinem neuen Album stecken.

In den letzten zehn Jahren hat sich Owen Pallett den

Ruf eines Paganini des Pop erarbeitet: 2004 heuerte

er als Violinist bei Arcade Fire an und schreibt seitdem

alle Streicher-Arrangements für ihre Alben.

Heute lassen auch Kollegen wie Robbie Williams

und The National ihre Songs von ihm symphonisch

veredeln. Palletts Herzensangelegenheit ist aber sein

Soloprojekt. Seine emotionalen,

melodiös komplexen Indie-Pop-

Songs klingen, als würde Brian Eno

den jungen David Bowie auf einer

Stradivari begleiten. Im Februar

war Palletts Soundtrack für Spike

Jonzes Film „Her“ für einen Oscar

nominiert, nun veröffentlicht er

sein viertes Album „In Conflict“.

Welche Songs ihn bei der Arbeit

daran inspirierten, verrät er hier.

www.owenpalletteternal.com

Feiern

m i t

Plan

Drei Must-haves

für den Festival-

Sommer:

Yelpie

Der mobile Tresor

für kleine Wertsachen.

Wird seine

Position ohne Eingabe

der Nummernkombi

verändert,

ertönt ein

90-Dezibel-Alarm.

1

Eurythmics

„Love Is a Stranger“

2

Silver Apples

„Program“

3

The Luyas

„Moodslayer“

Als ich fünf

Jahre alt war,

hörte ich fast

nur klassische

Musik – Bach,

Mozart. Aber

Eurythmics

passten auch

irgendwie

dazu. Weil der Synth-Pop des Duos so

präzise und mathematisch ist, so durchdacht

wie ein Schachspiel. Dieser Song

ist die perfekte Fusion aus sterilen, synthetischen

Klängen und emotionaler

Tiefe in der Melodie.

Ich war 19, als

mir ein Schallplattenverkäufer

diese

Scheibe in die

Hand drückte.

„Brauchst du“,

meinte er. Und

hatte recht.

Der trockene Beat dieses Psychedelic-

Klassikers ist genial. Auf meinem Album

kopierte ich den Drum-Sound. Der Trick:

Mein Schlagzeuger spielte ohne Tempovorgabe.

Dadurch klingen Songs wie

The Sky Behind the Flag“ sehr lebendig.

Das Hauptinstrument

dieser kanadischen

Band

heißt Moodswinger.

Eine

Kreuzung aus

Zither und Gitarre,

die aussieht,

als hätte sie ein Kind entworfen.

Der Klang ist gespenstisch, die Sounds

der Saiten verschwimmen ineinander.

Genial! Auf Songs wie „The Passions“

stellte ich den Klang mit meiner Geige

und vielen Effekten nach.

SpeakaBoo

Handlicher Bambus-Lautsprecher

fürs iPhone. Verstärkt

die Musik

ohne Stromquelle,

daher perfekt für

lauschige Partys

am Lagerfeuer.

The Blue Nile

4 5

„A Walk Across the Rooftops“

Diese schottische

Band

brachte in den

1980ern zwei

Alben raus.

Das erste

trägt den Titel

dieses Songs

– und ist ein

Meisterwerk. Seine eisige Stimmung

und klangliche Klarheit hatten großen

Einfluss auf meinen Song „The Secret

Seven“: Die Stille am Anfang, dazu trillernde

Synthesizer – den Aufbau hab

ich mir von The Blue Nile abgeschaut.

Green Velvet

The Stalker“

Bis vor kurzem

konnte ich

mit House-

Musik wenig

anfangen. Das

änderte sich,

als ich auf diesen

Klassiker

aus Chicago

stieß. Er besteht aus zwei primitiven

Rhythmus-Mustern, die übereinandergeschichtet

einen extrem packenden

Groove erzeugen. Ebendiese rohe Atmosphäre

versuchte ich auch mit den

Beats auf meiner Platte zu kreieren.

Mobiles Mixen

Gadget des Monats

Monster Go-DJ

Das erste Profi-DJ-Pult für die Jackentasche:

auf den zwei Touchscreens die

am Gerät gespeicherten Tracks auswählen

und in Echtzeit bearbeiten.

Mit dem Mikro-Mischpult in der Mitte

die Stücke einfach ineinandermixen.

Danach an die Clubanlage anschließen

und loslegen!

Opteka

BP-SC4000

Solar-Ladegerät,

kleiner als ein

Smartphone. Nach

acht Sonnenstunden

reicht die

Energie, um Handys

oder Kameras

voll aufzuladen.

Peter Juhl

86 the red bulletin


Aufgenommen mit Nokia Lumia 1020

Foto: Ray Demski

Norwegisches Eis

„Ich war das erste Mal im nördlichen Norwegen unterwegs und ich

muss sagen: es war einmalig. Die Landschaft ist atemberaubend und

wohin das Auge auch blickt – überall ist Eis. Und das Licht ist unglaublich.

Noch nie in meinem Leben habe ich solches Licht gesehen. Wie ein

Sonnenuntergang, der den ganzen Tag andauert.

Angesichts der ganzen Ausrüstung, die ich fürs Eisklettern mit mir

herumschleppen musste, war ich froh, mit dem Nokia Lumia eine leichte

Kamera dabei gehabt zu haben, die bequem in die Tasche passt.

Nach dem Aufstieg kamen die Jungs herunter und ich begann, meine

Ausrüstung zu packen. Ich schaute mir kurz die Fotos an und da waren

einige ganz erstaunliche Aufnahmen dabei. Schier unglaublich, welche

Details in diesen Aufnahmen beim Vergrößern sichtbar werden. Einsame

Klasse, wie ich finde.“

Nokia Lumia 1020

Weitere Informationen über Red Bull Photography in

Zusammenarbeit mit Nokia Lumia finden Sie unter

www.redbullphotography.com/partners

– Ray Demski, Red Bull-Fotograf


Action!

Starke Uhren

Die Taucher-

U(h)rmutter

Blancpain „Fifty Fathoms“

Ein visionärer Tüftler und

ein Kampfschwimmer entwickelten

die erste moderne

Taucheruhr der Welt.

Frische

Fifties

Aktuelle VErsionen

der Legende:

Taucheruhren? Haben keine

Zzukunft. Das war die generelle

Meinung der Schweizer Uhrenhersteller

zu Beginn der 1950er

Jahre. Ein Mann sah das jedoch

anders: der Sporttaucher Jean-

Jacques Fiechter. Er war CEO von

Blancpain und tüftelte gerade an

seiner ersten Taucheruhr.

Etwa zur selben Zeit gründete

Hauptmann Robert „Bob“ Maloubier

die „École des Nageurs de

Combat“, eine Kampfschwimmer-

Einheit der französischen Armee.

Maloubier suchte Armbanduhren,

die seine Männer bei Unterwassereinsätzen

tragen konnten.

Fiechter und Maloubier fanden

zusammen. Der Hauptmann

wünschte sich eine bis zu

100 Meter wasserdichte,

robuste, gut ablesbare Uhr

mit drehbarer Lünette

(Ring am Außenrand

der Uhr). Zifferblatt und

Lünette sollten schwarz

sein, die Indexe und Zahlen

hell, groß und auch im

Dunkeln ablesbar.

Fiechter entwickelte ein

doppeltes Kronen-Dichtungssystem,

verpasste dem Gehäuse einen

verschraubten Boden, verbaute ein

Automatikwerk, schützte es durch

einen Weicheisen-Innenkäfig vor

Magnetfeldern und brachte am

Zifferblatt auf sechs Uhr einen

Feuchtigkeitsindikator in Form

eines blau-rosa Kreises an. Wurde

er feucht, wechselte er seine Farbe

von Blau-Rosa zu Rosa.

Nebenbei revolutionierte Fiechter

die Lünette: Sie war nur noch

gegen den Uhrzeigersinn drehbar.

Drehte man versehentlich an ihr,

so veränderte man den markierten

Eine „Fifty

Fathoms“ aus

dem Jahr 1953

„No Radiations“-Zeichen

auf dem Zifferblatt

einer „Fifty“

aus 1968

Beginn des Tauchgangs in Richtung

„früher“, aber nicht „später“.

Tauchgänge konnten also nicht

irrtümlich (und damit über den

Atemluftvorrat hinaus) „verlängert“

werden.

Maloubier bekam mit der

„Fifty Fathoms“ (50 Faden

entsprechen einer Tiefe

von 91,44 Metern) die

erste moderne Taucheruhr

der Welt. Aber nicht nur

er, auch amerikanische,

deutsche, israelische und

spanische Spezialeinheiten

und sogar Jacques Cousteau

kauften sie. Letzterer

verschaffte der „Fifty

Fathoms“ einen prominenten Auftritt

in dem preisgekrönten Unterwasserfilm

„Silent World“.

Radioaktiv? Besonders beliebt

unter Sammlern sind alte „Fifty

Fathoms“ mit einem „No Radiations“-Zeichen

auf dem Zifferblatt.

Hintergrund: Für eine „Mil-Spec 1“-

Einstufung durch das US-Militär

ist die uneingeschränkte Ablesbarkeit

der Uhrzeit bei Dunkelheit

erforderlich. Deshalb kam bei einigen

Modellen ein Promethium-Isotop

als Leuchtmittel zum Einsatz.

Am Gehäuseboden dieser US-Navy-

Uhren war eingraviert: „Danger.

If found return to nearest military

facility.“ Um damals rein zivile

Ausführungen klar von militärischen

zu unterscheiden, ersetzte

Blancpain den Feuchtigkeitsindikator

durch das gelbe Radioaktiv-

Zeichen, strich es zweimal durch

und schrieb „No Radiations“ darunter.

Eine Legende war geboren.

Robert „Bob“

Maloubier heute

(li.) und 1955 (u.)

bei der Rückkehr

von einem Tauchgang,

mit seiner

„Fifty“ am

Handgelenk

KLassisch

Die „Fifty“ von

heute ist bis 300

Meter wasserdicht.

MassivgoLD

Die Edelmetall-

Version des Blancpain-Klassikers

500 Fathoms

Auf 500 Stück

limitiert. Wasserdicht

bis 914,4 m

Alexander Linz

88 the red bulletin


EINTRITT

5 EURO

TICKETS NUR VOR ORT

KINDER BIS 12 JAHRE HABEN

FREIEN EINTRITT

MIT DEN BESTEN WAKEBOARDERN DER WELT!

SONNTAG 22. JUNI ’14

WASSERSKIANLAGE HAMM

AB 12 UHR CONTEST START

16 UHR BIG AIR FINAL

MEHR INFOS: REDBULL.COM/RISINGHIGH

#RISINGHIGH


Action!

games

12.000 E-Sport-Fans

besuchten die

„Dota 2“-Finals

2013 in Katowice.

Let’s

Play

drei der erfolgreichsten

Multiplayer-Games

der Welt

League

oF lEGEnds

Das mit monatlich

rund 67 Millionen

aktiven Usern

populärste kostenlose

Multiplayer-

Strategiespiel. Bei

Pro-Turnieren geht

es um sechs- bis

siebenstellige

Beträge.

leagueoflegends.com

E-Gaming-Profi:

Kuro „KuroKy“

Salehi Takhasomi

(21) aus Berlin

Krieger mit Grips

ESL ONE FRANKFURT Profi-Gamer KUROKy kämPFT bei Europas

GRöSSTEm „DOTA 2“-TURNiER um 200.000 Dollar PREiSGELD.

the red bulletin: Mehr als

sieben Millionen Menschen

zocken das Multiplayer-Game

„DotA 2“. Du bist einer von

nur 109 Profis weltweit. Wie

hast du das geschafft?

kuroky: Ich spiele seit acht

Jahren und wollte schon immer

der Beste sein. Dafür trainiere

ich oft acht Stunden täglich.

Wir arbeiten mit Videoanalyse

und Ernährungsplan.

Softdrinks und Pizza?

Nein, ungesundes Essen verschlechtert

die Hand-Augen-

Koordination. Als Profi isst du

Fleisch, Fisch, Reis und viel

Gemüse.

Deine größte Stärke?

Strategisches Denken. „DotA 2“

ist wie Schach, du musst die

Aktionen deiner Gegner

vorhersehen.

Wie trainierst du das?

Ich simuliere Spielsituationen

mit meinem Team. Nebenbei

studiere ich Psychologie und

lerne so, eine positive Wettkampfmentalität

aufzubauen.

Wie viel verdient man als

Pro-Gamer?

Vor ein paar Jahren ging es

noch um Headsets, mittlerweile

um Beträge von 100.000 Dollar

aufwärts. Die Preisgelder haben

sich 2013 verzehnfacht.

Beim europaweit größten

„DotA 2“-Turnier der ESL One

Frankfurt winken 200.000

Dollar Preisgeld. Dein Team

Na’Vi zählt zu den engeren

Favoriten. Eure Siegchancen?

Es wird hart. Jedes der acht

Teams hat reelle Chancen auf

den Sieg. Entscheidend ist die

Tagesform. Und dir muss egal

sein, vor über 20.000 Leuten in

einem Stadion zu spielen.

„DotA 2“-Turnier, ESL One Frankfurt:

28./29. 6. in der Commerzbank-Arena

factbox

ESL ONE

Die Zahlen zum

Gaming-Gipfel

An die 20.000 Besucher

werden erwartet. Bisheriger

Europarekord für E-Sport-

Events: 12.000 (Katowice 2013).

Eine 400 m² große Leinwand wird in der Commerzbank-Arena

aufgebaut, der laut Stadionbetreiber

weltgrößten Public-Viewing-Stage. Veranstalter

Electronic Sports League rechnet mit

über 40 Millionen Streaming-Aufrufen im Netz.

Das Tagesticket für den Event kostet 19,90, ein

Wochenendticket 34,90 Euro. www.esl-one.com

DOTA 2

Worum

geht’s?

2003 von Hobby-

Programmierern

als Nachfolger

des Multiplayer-

Games „Defense

of the Ancients“

entwickelt. Zwei

Teams mit je fünf

Spielern treffen

aufeinander und

versuchen, das

Hauptgebäude

des Gegners zu

zerstören. Im Rahmen der gamescom Köln fand

2011 das erste internationale „DotA 2“-Turnier

statt. 2013 kürte das Computer-Onlinemagazin

„IGN“ das Spiel zum „Best PC Multiplayer

Game“. www.dota2.com

World

of Warcraft

2004 vom amerikanischen

Spieleentwickler

Blizzard

erstveröffentlicht,

wird das Multiplayer-Rollenspiel

derzeit von zirka

8,7 Millionen aktiven

Abonnenten

genutzt.

worldofwarcraft.com

fifa 14

Der Fußballklassiker

ist auch online

ein Hit: Weltweit

werden Ligen ausgetragen,

allein an

der virtuellen

„Bundesliga

2013/14“ nahmen

mehr als 200.000

Gamer teil.

www.ea.com/fifa-14

Helena Kristiansson

90 the red bulletin


promotion

Must-haves!

1

2

1 gloryfy – Icon

by Werner Schreyer

Die Icon „Werner!“ im Havanna-Look mit

schwarzen Bügeln und goldenen Metall-

Logos ist das neueste Mitglied in der gloryfy

LIFEstyle Kollektion. Ein modischer Schnitt,

kombiniert mit innovativer Technologie, macht

aus der Icon ein unverzichtbares modisches

Must-have. Durch den filigranen, dennoch

unzerbrechlichen Rahmen mit unbreakable

STRATOS Gläsern in Anthrazit ist diese Brille

noch dazu ein absolutes Leichtgewicht und

bietet besten Tragekomfort.

www.gloryfy.com

3

2 Ich steh auf Edeltreter

Zünftig, rockig und frech sind die EDEL-

TRETER-Schmuckstücke der Trachtenmarke

EDELZEIT! Der ausgelatschte Bergschuh aus

gelb- oder roségoldbeschichtetem Edelstahl

baumelt an einem Lederband als Kette. Doch

auch als Schlüsselanhänger oder als Charm-

Anhänger verwendet, ist seinem Träger die

Aufmerksamkeit auf jedem zünftigen Fest

von Bayern bis Brandenburg gewiss!

www.timemode.com

4

3 JOOP! lanciert MADE TO MOVE

Die internationale Fashion- und Lifestylemarke

JOOP! lanciert ab Herbst 2014 die

Limited Edition „MADE TO MOVE“. Von der

Dynamik und Präzision eines Parkourläufers

inspiriert, vereint die exklusive Business-Kollektion

traditionelle Bekleidungsstücke mit

Hightech-Elementen und kommt dem Bedürfnis

nach avantgardistischer, stilvoller und

trotzdem bequemer Bekleidung entgegen.

joop.com

5

4 Kompromisslos kompakt

Das neue Sony Xperia Z1 Compact verbindet

Premium-Ausstattung mit einem Gerät in

Hosentaschen-Format: Die 20,7-Megapixel-

Kamera hält die wichtigen Momente im Leben

fest, die extralange Akkulaufzeit ermöglicht

bis zu 94 Stunden Musikgenuss, und obendrein

ist das schicke Smartphone auch noch

wasserdicht (bis zu 1,5 Meter für 30 min.).

dare-to-compare.at

5 Danny MacAskills Traumwelt –

jetzt auf DVD/Blu-Ray

Ein riesiges Kinderzimmer mit lebensgroßen

Spielfiguren und Fahrmanöver auf allerhöchstem

Niveau – so verwirklichte Street-Trial-

Legende Danny MacAskill seinen Kindheitstraum

im jüngsten Meisterwerk „MacAskill’s

Imaginate“. Dieses gibt es ab sofort zusammen

mit einer packenden Behind-the-Scenes-

Doku und dem Bonusfilm „Way Back Home“

als DVD (14,99 Euro) und Blu-ray Disc

(16,99 Euro) zu kaufen.

www.imaginate.redbull.com


Action!

TV-HighligHTs

Volles Programm

das red bull tv-fenster bei servus-tv

Must

See

Helden AUF

ihrem Bildschirm

Ring frei für

die SPeedgang

Die Speedgangster

rund um David

Coulthard treiben

Schabernack mit

schellen Geräten.

11. 6., 22.20 Uhr

Erstbegehung: Berger (hi.) und Vettel

(2. v. re.) 2011 bei der Eröffnung des Red

Bull Rings mit Bernie Ecclestone, Niki

Lauda und Heinz Kinigadner (3. v. li.)

Freitag, 20. 6., 20.15 Uhr

Das Comeback der Formel 1

1997 bestritt Gerhard Berger in Spielberg seinen letzten Großen Preis von

Österreich. 2014 fährt Sebastian Vettel auf dem Red Bull Ring seinen ersten

– und dreht zuvor mit Berger einige Aufwärmrunden. Berger sitzt dabei in

einem 1988er-Ferrari, Vettel im RB8 (mit dem er 2012 Weltmeister wurde).

Und die Kamera ist dabei. Zudem gibt’s auf ServusTV noch zwei Sendungen

zum Thema Motorsport am Ring („Drehmomente“, 16./23. 6., 20.15 Uhr).

Samstag, 21. 6., 12.00 Uhr

Red Bull Cliff

Diving: USA

Nach ihrem ersten Stopp

in der kubanischen Hauptstadt

machen die Red Bull

Cliff Diver nun Halt im

texanischen Fort Worth.

Mittwoch, 2. 7., 21.15 Uhr

Operation

Erebus

1979 stürzt in der Antarktis

ein Jet mit 257 Passagieren

ab. Elf Polizisten sollen daraufhin

das mysteriöse Unglück

vor Ort untersuchen.

Samstag, 5. 7., 12.00 Uhr

X-Fighters:

Madrid

Die weltbesten Freestyle-

Motocrosser gastieren einmal

mehr in Madrids gewaltiger

Stierkampfarena Plaza

de Toros de Las Ventas.

Mittwoch, 18. 6., 21.15 Uhr

Weekend

of a Champion

Für den Grand Prix von Monaco

1971 hatte Jackie Stewart, britischer

Formel-1-Weltmeister 1969,

nur ein Ziel – zu gewinnen, um

jeden Preis. Filmemacher Roman

Polanski begleitete Stewart damals

das gesamte Wochenende

mit seiner Kamera und gewann

Einblick in das Leben des Rennfahrers,

auf der Strecke und abseits

davon. 40 Jahre später treffen

die zwei erneut aufeinander.

Mountain bike

World cup

In Leogang will

Steve Smith

(CAN), Gesamtsieger

2013, neuerlich

gewinnen.

21. 6., 10.30 Uhr

Polen-Rallye

Auf der Strecke in

Mikołajki steht er

im Mittelpunkt:

Lokalmatador und

Ex-Formel-1-Pilot

Robert Kubica.

30. 6., 22.45 Uhr

Sie finden

ServusTV mit dem

Red Bull TV-Fenster

nicht auf Ihrem

Fernsehgerät?

Rat und Hilfe zum

Nulltarif unter

0800 100 30 70

GEPA pictures/Red Bull Content Pool, Dean Treml/Red Bull Cliff Diving, Rogue Films, Jörg Mitter/Red Bull Content Pool, JoachimHausleitner,

Alfred Jürgen Westermeyer/Red Bull Content Pool, Paris Gore / Red Bull Content Pool, McKlein/Red Bull Content Pool

92 the red bulletin


RING FREI

FÜR DIE SPEEDGANG.

Das etwas andere Motorsport-Magazin.

Mittwoch

22:20

© Philip Platzer/Red Bull Content Pool

© Philip Platzer/Red Bull Content Pool © Philip Platzer/Red Bull Content Pool

JUNGS MIT SPRIT IM BLUT.

Die Speedgang geht in die 3. Staffel. David Coulthard hat als kreativer

Kopf der Truppe erneut viele Ideen im Gepäck. Unterstützt wird er

dabei von anderen PS-Junkies wie Mark Webber, Heinz Kinigadner

oder Sébastien Loeb. Das Ergebnis sind waghalsige Duelle, rasante

Tests und spektakuläre Aktionen, die man in keinem anderen

Motorsport-Magazin zu sehen bekommt.

ServusTV Deutschland ist über Satellit, Kabel und IPTV empfangbar.

Kostenfreie Service-Hotline 0800 100 30 70 | www.servustv.com

Wir wünschen Ihnen

bessere Unterhaltung.


Action!

Events

28./29. 6., Aichwald (bei Stuttgart)

ADAC Motocross Masters

Europas beste Motocrosser messen sich vor 18.000 Fans „in den Horben“. Noch gut in Erinnerung

ist Max Nagls Sensationsshow aus dem Vorjahr: Von Platz elf ins Rennen gehend, raste

der Weltmeisterschaftszweite von 2009 nach unwiderstehlicher

Aufholjagd mit 16 Sekunden Vorsprung zum Sieg. Nagl ist, ebenso

wie Dennis Ullrich (Bild), auch in diesem Jahr Aushängeschild.

www.adac-mx-masters.de

ab 6. 7., Musik-Arena, München

Max Herre

Der Rapper und Singer/Songwriter

geht mit seiner „MTV

Unplugged Kahedi Radio Show“

auf eine 30-Konzerte-Tour quer

durch Deutschland.

Alle Termine: www.maxherre.de

5. 7., Reitstadion, Stuttgart

HipHop Open

Wieder lockt ein Weltklasse-

Line-up 14.000 Besucher zu

Deutschlands größtem Hip-

Hop-Festival. Internationale

Highlights in diesem Jahr: Nas,

der seit seinem Rap-Meilenstein

„Illmatic“ aus dem Jahr 1994

die Szene wesentlich mitprägt,

und Angel Haze (im Bild), die

Hits von Eminem oder Jay Z neu

interpretiert. Dazu Deutschlands

erste Rap-Liga mit

Casper oder Genetikk.

www.mixeryhiphopopen.de

Einer der Sieganwärter

in Aichwald:

Dennis Ullrich

22. 6., Wasserskianlage, Hamm

Red Bull Rising High

Dieser Big-Air-Contest für Wakeboarder

ist weltweit einzigartig: Top-Rider wie

die Deutschen Dominik Gührs und Felix

Georgii oder der Thailänder Daniel

Grant duellieren sich auf der größten

Rampe ihres Sports (ab 12 Uhr). Das

Obstacle mit einer Gesamtlänge von

60 Metern erlaubt Sprünge an die

24 Meter, die Athleten führen ihre

Tricks in bis zu acht Meter Höhe aus.

www.redbull.com/risinghigh

ADAC/Steve Bauerschmidt, Erik Weiss, Florian SüSS/Red Bull Content Pool, Richard Walch/Red Bull Content Pool, TRANSFILM INTERNATIONAL,

Dutch Photo Agency/Red Bull Content Pool, Jörg Mitter/Red Bull Content Pool, Michael Kremer

94 the red bulletin


20. – 22. 6., Porsche Arena, Stuttg.

27. – 29. 6., Lanxess Arena, Köln

Red Bull

Flying Illusion

Nach ihrem Welterfolg Red

Bull Flying Bach präsentiert

die Breakdance-

Crew Flying Steps nun

ihre neue Show. Einige

der weltbesten Tänzer inszenieren

einen packenden

Kampf zwischen Gut und

Böse, bei dem die Grenzen

zwischen Realität und Illusion

verschwimmen. Tickets:

www.redbullflyingillusion.com

seit 5. 6. in den Kinos

„Brick Mansions“

Der am 30. November 2013

tragisch ums Leben gekommene

Hollywoodstar Paul Walker in

seiner letzten vollständig abgedrehten

Hauptrolle. Walker

sorgt als Undercover-Cop Damien

Collier für Action, Rapper

RZA verkörpert seinen Gegenspieler,

Drogenboss Tremaine.

Schauplatz des Duells: ein fiktives,

durch eine Mauer abgetrenntes

Ghetto in Detroit.

www.universumfilm.de

29. 6., Norisring, Nürnberg

DTM

Das „Monaco Deutschlands“ nennt man den Stadtkurs

in Nürnberg. Eigenschaften: 2,3 Kilometer

lang, Top-Speed bis 260 km/h und die berüchtigte

„Grundig-Kehre“, in der die Autos von 250 km/h

auf 50 gebremst werden müssen. Ende Juni gastiert

hier wieder der populärste Tourenwagenbewerb

der Welt. Bei der spektakulären Materialschlacht

– mit dabei: der amtierende DTM-Champ

Mike Rockenfeller (Audi) – werden wie jedes

Jahr 140.000 Motorsport-Fans erwartet.

www.dtm.com

6. 7., Suhl

Red Bull Vogelfrei

Zum 50-jährigen Jubiläum der „Schwalbe“ findet

in Thüringen Deutschlands kultigstes Mopedrennen

statt. Am Start: die Modelle „Schwalbe“,

„Spatz“, „Star“, „Sperber“ oder „Habicht“ aus der

Simson-Vogelserie. Im Rahmen der 50 Kilometer

langen Ausfahrt sind sechs Wertungsprüfungen

zu absolvieren, Rad-an-Rad-Duelle sind dabei

unerwünscht, der Top-Speed ist unwichtig. Preise

winken unter anderem jenem Fahrer, der bei

seiner Ausfahrt der Durchschnittsgeschwindigkeit

aller Teilnehmer am nächsten kommt.

www.redbull.com/vogelfrei

S a v e

t h e

Date

Unverzichtbare

Termine in den

nächsten Wochen

19

juni

24-Stunden-

Rennen

Die „Grüne Hölle“

wird für einen Tag

zum Spielplatz

der Tourenwagen-

(Neo-)Stars. Unter

anderen am Start:

Stratosphären-

Springer Felix

Baumgartner.

19. – 22. 6.,

Nürburgring

24h-rennen.de

27

Juni

The

BossHoss

Die Rock-’n’-Roll-

Cowboys live –

mit ihrem aktuellen

Hit-Album

„Flames of Fame“,

von dem bereits

über 100.000

Stück verkauft

wurden.

27. 6., Balingen;

28. 6., Meiningen

thebosshoss.com

19. 7., Olympiapark, München

Red Bull X-Fighters

Nach dem umjubelten Debüt 2012 gastiert die Elite des

Freestyle-Motocross erneut in Bayerns Landeshauptstadt.

Dabei wird auch eine Weltneuheit präsentiert: Erstmals in

der Freestyle-Motocross-Geschichte messen sich die Rider

vor 28.000 Zuschauern auf einem FMX-Kurs auf dem

Olympiasee. Unter anderen am Start: das erst 16-jährige

deutsche Ausnahmetalent Luc Ackermann und der

amtierende World Tour Champion Thomas Pagès aus

Frankreich. Tickets ab 39 Euro, ServusTV überträgt live.

www.redbullxfighters.com; www.servustv.com/redbullxfighters

26

Juni

„Unter Be­

OBACHTUNG“

Actionthriller mit

Eric Bana: Nach

einem vermeintlichen

Terroranschlag

in London

kommt der

Anwalt Martin

Rose einer gigantischen

Verschwörung

auf die Spur.

ab 26. 6. in den Kinos

the red bulletin 95


ead bull

Der

letzte

Zahn

des Paul

Glückmann

Von Bernhard Aichner

Bernhard Aichner,

geboren 1972, lebt als Schriftsteller in Innsbruck. Für

seine Arbeiten erhielt Aichner bereits mehrere Literaturpreise

und -stipendien. Neben Romanen schreibt er Theaterstücke

und Hörspiele, er veröffentlicht in Zeitschriften und

Anthologien. Nach den Spannungsromanen „Nur Blau“

und „Schnee kommt“ erschienen drei Krimis mit dem auf

eigene Faust ermittelnden Totengräber Max Broll, „Die

Schöne und der Tod“

(2010), „Für immer tot“

(2011) und „Leichenspiele“

(2012). Der Thriller

„Totenfrau“ erschien im

März 2014 bei btb und

schaffte es auf Anhieb in

die Bestsellerlisten. Die

„Totenfrau“ wurde bereits

in mehr als 15 Länder

verkauft, unter anderem

in die USA und nach Großbritannien,

eine Verfilmung

ist in Vorbereitung.

Immer schon war ich neugierig. Ich will mehr wissen,

frage nach, höre zu. Es sind diese Momente, die

überraschen und schockieren, die inspirieren und

wärmen. Irgendwo aufgeschnappt, eingeatmet,

bewegende Schicksale, Begegnungen, einfach das

Leben. Wahre Geschichten. Oder auch nicht.

Irgendwo in Südamerika war ich. Unterwegs im Spätherbst,

um meinen Thriller fertig zu schreiben. Auszeit

von Familie und Alltag, nur mein Text und ich, irgendwo

am Ende der Welt, auf einer Hochebene in einem kleinen

Dorf. Exotisch alles, was ich gesehen, gerochen und

gegessen habe, drei Wochen lang nur mein Schreiben,

die Landschaft und die Menschen, die dort lebten. Anders

alles, langsamer, stille Tage, die am Abend bei einem Bier

zu Ende gingen. In der einzigen Bar weit und breit saß

ich und schaute der untergehenden Sonne und spielenden

Kindern zu, als der Zahnarzt sich einfach neben mich

setzte. Der einzige Mensch weit und breit, der Deutsch

sprach. Er wollte sich unterhalten und trinken mit mir.

Begeistert war ich von dem, was er erzählte. Über das

Leben im Hochtal, über einen jungen Sportler, den er

behandelt hatte. In langen Schlucken die Geschichte von

Paul Glückmann.

Einer der weltbesten Kletterer, verschollen seit Jahren.

Von heute auf morgen verschwunden. Glückmann, ein Star

in der Szene, einer, der tatsächlich gut von diesem Sport

leben konnte, einer, der ständig Rekorde brach, immer noch

weiter ging als andere. Schneller, höher. Ein Verrückter.

Lebensmüde, sagten die einen, visionär, die anderen. Free

Solo heißt dieser Sport, beeindruckend und verstörend

zugleich. Klettern ohne Seil und Sicherung, kein Karabiner,

kein Haken, nur der Mensch und der Fels, hunderte Meter

über dem Boden. Nur die Luft unter den Füßen, immer

bereit, zu sterben, das Leben in sich aufzusaugen, Adrenalin,

wo man hinfühlt, russisches Roulette. Momente des Glücks.

Solange man nicht fällt.

Ich fand ihn dort, wo mich sein Zahnarzt hingeschickt

hatte. Eine kleine Holzhütte am Waldrand, ein Mann und

eine Frau, wie sie nebeneinandersaßen und Kartoffeln

schälten. Ein offenes Feuer und ein Topf, in dem eine Suppe

kochte. Kein Luxus, kein Strom, nur das Leben. Reduziert

alles, nur das Wesentliche war an diesem Ort, Paul Glückmann

und seine Frau Luiza. Wie sie mich anlachten und

einluden, zu bleiben. Mit eigenen Worten erzählte er mir

alles noch einmal. Noch eindringlicher war alles. Dieses

Gesicht vor meinen Augen, unwirklich alles, ein Aussteiger

mitten im Nirgendwo, diese Zufriedenheit, der ich nicht

trauen wollte, die mir unangenehm war. Mit so wenig glücklich

zu sein, auf so vieles zu verzichten. Kein Strom, kein

Telefon, nichts. Was sein Name sagte, es stand in seinem

Gesicht. Glück war in seinen Augen. Ich hatte den Eindruck,

dass er alles hatte, als er mit mir zu dieser Wand

ging und mir zeigte, wo es passiert war.

fotowerk aichner

96 the red bulletin


EAD bull

Siebenhundert Meter steil nach oben. Spiegelglatter

Fels, fast kein Griff. Unvorstellbar war es für mich, dass er

ohne Hilfsmittel sein Ziel erreicht hatte. Wie ein Hohn,

dass er es sich zugetraut hatte und dass es ihm tatsächlich

gelungen war. Nach zwei Stunden und vierunddreißig

Minuten war er oben angekommen. Das YouTube-Video, das

seinen Aufstieg zeigte, habe ich mir mittlerweile unzählige

Male angesehen. Der Blick nach oben, nach unten, die

Kamera auf seinem Kopf befestigt. Der Beweis, dass es

gelungen ist, dass er geschafft hat, woran viele vor ihm

gescheitert waren. Eine der schwierigsten Wände der Welt,

Paul Glückmann hat sie bezwungen, heil und glücklich am

Ende seines Traumes. Dann der Abstieg. Auch den sieht man

auf dem Video. Der Weg zurück. Wie er atmet, der Fels, wie

sich seine Finger festklammern. Und dann wie er fällt.

Dokumentiert alles. Zuerst rutscht Paul Glückmann die

Wand entlang, dann der freie Fall. Wie er den Halt verliert,

wie er schreit, wie er versucht, sich irgendwo festzuhalten.

Man sieht einen Mann kurz vor seinem Tod. Keine Sekunde

glaubt man daran, dass es gut ausgehen könnte, dass er überleben

würde. Man hat gesehen, wie er nach oben gestiegen

ist, wie weit es nach unten ging. Keine Hoffnung mehr in

diesem Moment, vier Millionen Klicks, vier Millionen Mal

Angst. Die Welt kann zusehen, wie er stirbt. Neugier, Voyeurismus,

auch ich habe es mir immer wieder angesehen, weil

ich es nicht glauben konnte, dass seine Hand diesen Griff

noch finden würde. Dass er weiterleben würde. Finger, die

sich festhalten. Und sein Kopf, der wild auf den Stein schlägt.

Mit Wucht verschont. Wie ein Tausch war es, sagte

er. Seine Zähne für sein Leben. Fünf Stück hat

er verloren, zwei oben, drei unten. Paul Glückmann

hat den Absturz wie durch ein Wunder überlebt.

Kein Schädeltrauma, kein Kieferbruch, nur eine Gehirnerschütterung,

ein gebrochener Arm und seine verlorenen

Zähne. Aus seinem Mund in die Tiefe. Wie es ihm gelang,

nach unten zu kommen, zurück ins Dorf zu laufen. Der

Schock ließ ihn einfach immer weiter rennen, er spürte

keine Schmerzen, er lief einfach. Ein junger Mann am Ende.

Wie er am Dorfplatz stand und nach Hilfe schrie. Kaputt

alles in diesem Moment, sein Leben, seine Träume, nichts

mehr war ganz. Da war nur noch ein Mund voller Blut.

Paul Glückmann beschrieb es. Alles, woran er sich

noch erinnerte. Der Transport in die Klinik, der Arzt, der

ihm sagte, dass er die Zahnhälse und die Wurzeln entfernen

müsse, die Narkose, aus der er erwachte. Ein Albtraum war

es. Alles, was kurz vorher noch gut gewesen war, war jetzt

kaputt. Von diesem Tag an war da nur noch Angst. Angst zu

sterben, Angst zu leben, Angst, nie wieder zurückzufinden,

dorthin, wo er hergekommen war. Angst. Ein Gefühl, das er

nicht gekannt hatte, gegen das er sich immer gestellt hatte.

Von diesem Tag an beherrschte sie ihn, lähmte ihn. Paul

hatte sein Glück verloren.

Vier Millionen Klicks,

vier Millionen Mal Angst.

Die Welt kann zusehen,

wie er stirbt.

Aber Paul blieb. Anstatt nach Hause zu fliegen,

versuchte er mit den Löchern in seinem Mund

zu leben. Keine Brücken, kein Zahnersatz, nur die

Erinnerung an den Sturz, jedes Mal, wenn er in den Spiegel

starrte. Ein widerliches Bild. Und trotzdem weigerte er sich,

neue Zähne machen zu lassen. Paul hörte nicht auf den

Zahnarzt, er wollte nicht, dass sein altes Leben damit aufhörte.

Er wollte es zurück. Mit Gewalt hielt er daran fest, er

war davon überzeugt, dass sein Glück nicht zurückkommen

würde, solange er seine Zähne nicht wiedergefunden hatte.

Aberglaube, der ihn immer wieder zu dieser Wand gehen

ließ. Gesichert stieg er nach oben und suchte den Fels ab,

die Wiese unten. Jeden Zentimeter Erde grub er um. Er

suchte nach seinen Zähnen. Kleine weiße Stummel, die sich

vor ihm versteckten. Paul Glückmann wollte daran glauben,

dass die Angst verschwinden würde, wenn er alles wiederherstellte,

wie es gewesen war. Zahn für Zahn zurück. Vier

Monate lang suchte er. Besessen am Anfang. So, als wäre

ihm nichts wichtiger. Als würde er sterben müssen, würde

er scheitern. Ein Mann am Boden. Wie er herumkroch und

seine Zähne suchte. Ein Spinner, über den man sich lustig

machte im Dorf.

Woche um Woche verging. Und Paul begann wieder zu

leben. Aber anders als vorher. Früher sei da nur diese Leidenschaft

gewesen, sagte er. Plötzlich war da noch vieles andere

mehr. Der Alltag im Dorf, die Hütte, die er sich baute, die

Menschen, die er kennenlernte, der Tischler, bei dem er

arbeitete. Und Luiza. Zahn für Zahn veränderte sich alles.

Der Wunsch, in sein altes Leben zurückzukehren, wurde

von Tag zu Tag kleiner. Der Wunsch, in die Wand zu steigen,

verging. Weit weg war plötzlich alles.

Vier Zähne hat Paul Glückmann gefunden. Vier

Implantate hat er sich von dem deutschen Zahnarzt einsetzen

lassen. Vier, nicht fünf. Eine Zahnlücke ist geblieben.

Als ich ihn fragte, warum er aufgegeben hatte, nach dem

letzten Zahn zu suchen, schüttelte er nur den Kopf. Ich habe

nicht damit aufgehört, sagte er. Zufrieden schaute er mich

an. Paul Glückmann lächelte.

Read Bull

Lesevergnügen im Red Bulletin: Jeden Monat

widmet ein namhafter Autor unseren Lesern

eine Kurzgeschichte. Diesmal der Österreicher

Bernhard Aichner, der aktuell mit seinem Krimi

„Totenfrau“ (btb Verlag) von sich reden macht.

the red bulletin 97


Magic Moment

Donautal, Österreich,

4. Mai 2014

35.397 Läufer legten gleichzeitig

an 34 Orten weltweit insgesamt

530.928 Kilometer im Dienst der

Rückenmarksforschung zurück,

ehe sie von den Catcher Cars, die

ihnen mit zunehmendem Tempo

folgten, eingeholt wurden. Last

Man Running war der Äthiopier

Lemawork Ketema. Nach 78,58 km

setzte er sich gegen den Peruaner

Remigio Huamán Quispe durch –

der in Lima, 11.200 km entfernt,

um bloß 90 Meter zurücklag.

www.wingsforlifeworldrun.com

Nach 78 Kilometern:

„Ich wusste, am Ende

muss ich sprinten.

Dafür sparte ich Kraft.“

Lemawork Ketema, 28, aus Äthiopien, Sieger des Wings for Life World Run

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 8. Juli 2014.

Philip Platzer/Red Bull Content Pool

98 the red bulletin


Daniel Ricciardo für Pepe Jeans London

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