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Broschüre "Das schönste Haus am Platz"

Die Broschüre "das schönste Haus am Platz" von Dr. Renate Grimmlinger widmet sich im Auftrag der darin beheimateten Rechtsanwaltskanzlei von Dr. Nina Ollinger der alten Poststation am Purkersdorfer Hauptplatz 5, der Heimat der Wohlfühlkanzlei im Wienerwald

Die Broschüre "das schönste Haus am Platz" von Dr. Renate Grimmlinger widmet sich im Auftrag der darin beheimateten Rechtsanwaltskanzlei von Dr. Nina Ollinger der alten Poststation am Purkersdorfer Hauptplatz 5, der Heimat der Wohlfühlkanzlei im Wienerwald

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Renate Grimmlinger<br />

DAS SCHÖNSTE HAUS<br />

AM PLATZ<br />

ist wohl die „alte Poststation“<br />

in Purkersdorf, Hauptplatz 5.


Dr. Renate Grimmlinger, MSc.,<br />

1948 in Wien geboren, verheiratet, zwei erwachsene<br />

Kinder, Studium von Pädagogik und Psychologie an<br />

der Universität Wien, Coaching an der Europäischen<br />

Ausbildungsakademie, lebt seit 1988 in Gablitz und<br />

leitet seit 2010 das Gablitzer Heimatmuseum.<br />

Bildnachweis:<br />

<strong>Das</strong> von Emil Hütter (1865) gemalte, 1938 von Anton Musina kopierte<br />

Bild „Kaufmannshaus in Purkersdorf“ st<strong>am</strong>mt vom Cover des Buches von<br />

Winna F. (1983)<br />

Die Ansicht aus 1930 st<strong>am</strong>mt von Heinrich Lux und ist der <strong>Broschüre</strong> von<br />

Franz Atzinger (1930) entnommen.<br />

Die aktuellen Fotos wurden von Gerhard Glazmaier (GG) aufgenommen.<br />

Titelbild: Bild C 2011 Ailura, http://commons.wikimedia.org<br />

Danksagung:<br />

Auch bei diesem Aufsatz waren hilfreiche Menschen förderlich.<br />

Dank gebührt:<br />

Gerhard Glazmaier, Gablitz, für die fotografischen Aufnahmen<br />

Herrn und Frau Dr. Derka, Wien, für wertvolle Informationen und Kopien<br />

Dr. Christian Matzka, Purkersdorf, für Hinweise und kooperativen Gedankenaustausch.<br />

Impressum:<br />

Rechtsanwaltskanzlei Dr. Ollinger<br />

Hauptplatz 5<br />

3002 Purkersdorf<br />

T: 02231 / 22365<br />

F: 01 / 342 42 300 300<br />

E: office@ra-ollinger.at<br />

W: www.ra-ollinger.at


Sehr geehrte D<strong>am</strong>en und Herren!<br />

Als ich – bedingt durch das erfreuliche Wachstum<br />

meiner Rechtsanwaltskanzlei – den Entschluss gefasst<br />

habe, eine zentrale Anlaufstelle für die Bevölkerung<br />

und die Unternehmen in der Wienerwald Region zu<br />

eröffnen, war relativ rasch klar, dass diese in Purkersdorf<br />

sein wird. Auch das Ziel, eine Lokalität auf<br />

dem Hauptplatz zu finden, war rasch formuliert.<br />

Doch mit der Verwirklichung eines Traumes – meine<br />

eigene Rechtsanwaltskanzlei in einem historischen<br />

Gebäude, in dem der Anspruch, hochwertige Rechtsberatung<br />

in Wohlfühl-Atmosphäre anzubieten, auch<br />

durch die Räumlichkeiten unterstrichen wird – habe<br />

Dr. Nina Ollinger<br />

ich nicht gerechnet.<br />

Ich pflichte Renate Grimmlinger bei, wenn sie vom <strong>schönste</strong>n <strong>Haus</strong> <strong>am</strong> Platz<br />

spricht – ich empfinde es jedenfalls so. Für mich ist dieses Gebäude und die<br />

Räumlichkeiten, in denen ich die Wienerwald-Wohlfühlkanzlei mit meinen Mitarbeitern<br />

betreiben darf, jedoch vieles mehr. Allein die Tatsache, dass ich als auch<br />

auf Pferderecht spezialisierte Rechtsanwältin meine Dienstleistungen in einer<br />

ehemaligen Pferdepoststelle anbieten kann, bedeutet für mich sicherlich mehr<br />

als eine Anekdote, die regelmäßig für Schmunzeln sorgt.<br />

Für mich ist es eine große Ehre, in diesem Gebäude, in diesen Räumlichkeiten<br />

der rechtssuchenden Bevölkerung eine Anlaufstelle zu sein. Und die vielen seit<br />

der Eröffnung der Kanzleiräumlichkeiten im Dezember 2014 geführten Gespräche<br />

mit Mandanten, Volksvertretern und den Purkersdorfern bestätigen meine<br />

Ansicht, dass ich mit dem Bezug der Räumlichkeiten auch eine Verantwortung<br />

für ein historisches Erbe übernommen habe.<br />

Schon vor der Eröffnung – mitten im Vorbereitungstrubel für die Eröffnung –<br />

habe ich den Entschluss gefasst, mehr über dieses historische Gebäude erfahren<br />

zu wollen. <strong>Das</strong>s ich Renate Grimmlinger gebeten habe, Recherchen anzustellen,<br />

lag für mich auf der Hand. <strong>Das</strong>s daraus eine so wunderbare Erforschung werden<br />

sollte, war für mich letztendlich doch überraschend. Umso klarer war jedoch,<br />

dass diese Arbeit keinesfalls nur für meine Augen bestimmt sein darf.<br />

Nicht zuletzt möchte ich diese <strong>Broschüre</strong> als Dank an die vielen Menschen, die<br />

zur Verwirklichung meines Herzensprojektes beigetragen sowie jene, die mich<br />

die letzten Jahre durch ihr Vertrauen wie auch ihre Unterstützung gefördert<br />

haben, gesehen wissen. So freut es mich ganz besonders, mit dieser Festschrift<br />

auch Ihnen die wunderbare, ehemalige Poststation <strong>am</strong> Purkersdorfer Hauptplatz<br />

näher bringen zu dürfen. Ich hoffe, dass auch Sie – so wie ich – viel Freude <strong>am</strong><br />

Lesen haben und bei nächster Gelegenheit einen tieferen, aber auch aufgeklärteren<br />

Blick auf das wohl <strong>schönste</strong> <strong>Haus</strong> <strong>am</strong> Platz werfen werden.<br />

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Unterhaltung und freue mich auf Ihren<br />

Besuch bei der Wienerwald Wohlfühlkanzlei.<br />

3


Sehr geehrte D<strong>am</strong>en und Herren!<br />

Die vorliegende Darstellung der Geschichte des<br />

„<strong>schönste</strong>n <strong>Haus</strong>es <strong>am</strong> Platz“ von Frau Dr. in Renate<br />

Grimmlinger ist ein wunderbarer Beitrag zur Sichtbarmachung<br />

der langen Geschichte und Tradition<br />

dieses <strong>Haus</strong>es und seiner Bedeutung für die Entwicklung<br />

der heutigen Wienerwaldstadt Purkersdorf.<br />

Dr. Christian Matzka<br />

Vizebürgermeister<br />

Stadtrat für Kultur und<br />

Wissenschaft<br />

Aus heutiger Sicht fast undenkbar, war der Transitverkehr<br />

die Lebensader und Lebens grundlage der<br />

Menschen und der lokalen Wirtschaft des 18. und<br />

frühen 19. Jahrhunderts. Die Instandsetzung der<br />

Reichs- und Kommerzialstraßen unter Kaiser Karl VI.<br />

zur Belebung der Wirtschaft, gemäß den Grundsätzen<br />

der merkantilistischen Wirtschaftstheorie,<br />

brachte für Purkersdorf eine heraus ragende Stellung<br />

an der Krönungsstraße nach Frankfurt/Main und der<br />

Poststraße nach Linz.<br />

Die erste Poststation auf der Reise von Wien nach Westen, beziehungsweise die<br />

letzte Station vor Wien, ist ein repräsentatives Gebäude, das auch als eine Form<br />

der Begrüßung der Reisenden vor den Toren der Reichs-, Haupt- und Residenzstadt<br />

Wien interpretiert werden kann.<br />

Viele berühmte Menschen k<strong>am</strong>en durch Purkersdorf durch, verweilten hier kurz<br />

und erholten sich von den Reisestrapazen. So berichten die Quellen von W. A.<br />

Mozart, Papst Pius VI., der späteren Königin von Frankreich Erzherzogin Maria<br />

Antonia, Erzherzogin Marie Luise, spätere Gattin Napoleons, Casanova, Erzherzogin<br />

und Königin Maria Theresia, Napoleon I., Prinz Murat und vielen anderen.<br />

Somit bek<strong>am</strong> Purkersdorf den Status eines „Transitortes der europäischen<br />

Geschichte“.<br />

Ein Empfangskomitee begrüßte in Purkersdorf die Diplomaten, die <strong>am</strong> Wiener<br />

Kongress teilnahmen, bevor sie nach Wien weiterreisten. Denkwürdig ist der<br />

25. April 1785, da an diesem Tage Wolfgang. A. Mozart seinen Vater Leopold auf<br />

der Rückreise nach Augsburg bis Purkersdorf begleitete und sich vor der Poststation<br />

von seinem Vater für immer verabschiedete.<br />

Diese historisch bedeuts<strong>am</strong>e Tradition wohnt dem „<strong>schönste</strong>n <strong>Haus</strong> <strong>am</strong> Platz“<br />

inne und kann von allen Menschen, die es wollen, gespürt und nachempfunden<br />

werden.<br />

Ich darf Frau Dr. Nina Ollinger und Ihren MitarbeiterInnen alles Gute wünschen.<br />

Der „Genius loci“ dieses <strong>Haus</strong>es soll weiterhin Grundlage des Erfolges der Rechtsanwaltskanzlei<br />

sein.<br />

4


<strong>Das</strong> <strong>schönste</strong> <strong>Haus</strong><br />

<strong>am</strong> Platz<br />

ist wohl die „alte Poststation“<br />

in Purkersdorf, Hauptplatz 5.<br />

1797 1 ließ der Erbpostmeister Joseph Edler von Fürnberg, Reichsritter und<br />

k.k. Oberst 2 das Gebäude im frühklassizistischen Stil errichten.<br />

Schon 1572 war an dieser Stelle ein „<strong>Haus</strong> mit halber Hofmarch und Garten nächst<br />

dem Schloßgraben“ genannt. Als Besitzer schienen „Caspar Schmelzer“ bzw. „Steffan<br />

Schmelz“ auf. Es folgten Hannß und Margaretha Ruesch (1602), Hannß und<br />

Margaretha Rainer, geb. Ruesch (1623), Hannß Ruesch 3 und Sophia (1639), die wiederum<br />

mit ihrem 2. Ehemann Michael Edlinger (1653) genannt ist. Es folgten weitere<br />

Besitzer mit N<strong>am</strong>en Reisinger, Schindler, Weiß, Weingartner, Püttner, Greysing<br />

(1734). 4<br />

Besonders interessant wird es 1737. D<strong>am</strong>als verlegte der Postmeister Ferdinand<br />

Pruckhmayr die Poststation von der Gäblitzgasse (Herrengasse 17 5 ) an die neu<br />

ausgebaute Reichsstraße. 6 Ferdinand Pruckhmayr war übrigens mit Elisabeth<br />

Zäch 7 verheiratet. Diese st<strong>am</strong>mte aus einer wohlhabenden Gablitzer F<strong>am</strong>ilie, sie<br />

war wohl mit dem Bräumeister und Richter Hans Christoph Zäch 8 verwandt, der<br />

1726 die kleine Nepomuk-Statue in Gablitz, die heute in der Bachgasse beim<br />

Kirchenaufgang steht, errichtet ließ. 9 F<strong>am</strong>ilie Pruckhmayr hatte das Amt fast 150<br />

Jahre inne.<br />

Postmeister waren sehr vermögende Leute, die die Poststation inne hatten. Purkersdorf<br />

war die erste Poststation auf der Straße von Wien nach Linz. Es war<br />

die Raststation der Reisenden, während die Pferde gewechselt wurden. So fiel<br />

nicht nur die Beförderung der Passagiere und der Transport von Briefen und<br />

Paketen in den Aufgabenbereich des Postmeisters, sondern auch Geldgeschäfte<br />

und Versorgung der Pferde. Auch die Organisation der Durchreise oder eines<br />

möglichst kurzfristigen Aufenthaltes hochgestellter Persönlichkeiten und ihrem<br />

Gefolge gehörte zu seinen Aufgaben.<br />

„Mit Joseph von Fürnberg, einem Unternehmer großen Stils, k<strong>am</strong> es sofort zum Neubau<br />

der prachtvollen Poststation“ 10 – das Gebäude wurde 1797 einstöckig errichtet,<br />

nach einem Brand 1842 wurde es ebenerdig wieder hergestellt, 1947 nach<br />

alten Plänen mit einer Mansarde aufgestockt, 11 1980 renoviert.<br />

5


Die alte Poststation im Bild 1865 bis 2014<br />

Original 1865 von E. Hütter, Kopie 1938 von A. Musina 12 –<br />

Auf diesem 1865 von Emil Hütter 13 gemalten, 1938 von Anton Musina kopierten<br />

Bild „Kaufmannshaus in Purkersdorf“ ist auf der linken Seite das „Bierhaus“ auf<br />

rechten Seite die d<strong>am</strong>als ebenerdige Poststation zu sehen.<br />

6<br />

Ansicht aus 1930, Aufnahme von Heinrich Lux 14 –<br />

<strong>Das</strong> Bild zeigt die alte Poststation nach dem Brand von 1842.<br />

Der Doppeladler wurde nach Auflassung der Poststation abmontiert.


Ansicht von 2014 – Foto Gerhard Glazmaier<br />

Der Eingangsbereich<br />

„Tritt man vor das <strong>Haus</strong> – und es ist wert, dass man<br />

es näher ins Auge faßt –, dann läßt sich im Giebelfelde<br />

über dem Säulenportal ein durch den Wald reitender<br />

Postbote erkennen,“ vermerkt Franz Atzinger<br />

1930.<br />

Über dem großzügigen<br />

Eingangsbereich ist ein Giebelfeld<br />

angebracht, das einen reitenden<br />

Postillion zeigt, darunter<br />

sind vergoldete Symbole wie<br />

Pferdekopf, Posthorn und<br />

Posttasche zu sehen.<br />

Zwischen den Fenstern sind Figurenreliefs<br />

angebracht, die symbolhaft die Aufgaben<br />

der Post versinnbildlichen.<br />

7


Bedeutung der Reliefs<br />

nach Franz Atzinger (1930) und Dr. Kurt Schlintner (1992) 15<br />

Der Götterbote Merkur/<br />

Hermes mit einem Brief in<br />

der Hand<br />

Frau mit Laterne und<br />

Maske versinnbildlicht die<br />

Erweiterung des Gesichtskreises<br />

durch Reisen<br />

Frau mit Schlüssel in der<br />

Hand: Sicherheit der Post<br />

Hahn und Huhn verweisen<br />

auf die Wachs<strong>am</strong>keit<br />

<strong>Das</strong> Mädchen mit dem<br />

Herz in der Hand und<br />

Liebes botschaft: Was das<br />

Herz bewegt: Liebe und<br />

Treue, Vertrauen<br />

Zeigefinger <strong>am</strong> Mund:<br />

Verschwiegenheit<br />

Bewahrung des Briefgeheimnisses<br />

Den Abschluss bildet wieder<br />

der eilende Götterbote,<br />

nun aus anderer Richtung<br />

16 , wieder mit einem<br />

Brief in der Hand<br />

8


Über Joseph Edler von Fürnberg, der neben Purkersdorf die Poststationen in<br />

Melk, in Luberegg, Pöckstall, Gutenbrunn und Perschling besaß, ist im von Karl<br />

Kurz verfassten „Gedenkbuch von Purkersdorf“ 17 folgendes zu lesen:<br />

„<strong>Das</strong> Posthaus<br />

Manchen der hehren Ankömmlinge mag wo[h]l auf das schön gebaute Posthaus mit<br />

seinen oberhalb des tempelartigen Portals angebrachten Glockenspieles mit Vergnügen<br />

betrachtet haben und der alte Fürnberg, dem Erbauer des jetzigen Posthauses mit den<br />

mythologischen Figuren, hätte die Congress-Zeit zu den <strong>schönste</strong>n Tagen seines Lebens<br />

gezählt, wen[n] er sie erlebt hätte. Dieser Sonderling, der die Post von einem gewissen<br />

Ignaz von Sawa kaufte, war Oberst in Pension und ein reicher Mann, der den Aufwand<br />

liebte und als Hagestolz zu Anfang dieses Jahrhunderts starb. Noch leben viele Züge aus<br />

seinem Leben in den Andenken aller Leute, die ihn als Kinder gekannt hatten und als<br />

einen strengen aber wohlthätigen Mann schilderten. Zum Bepudern und Kräuseln der<br />

Köpfe und Zöpfe seinen auf glänzendste<br />

adjustierte Postillons hielt er einen eigenen Seifner, ebenso war ein eigener <strong>Haus</strong>kaplan<br />

angestellt, der für ihn um 11 Uhr die Messe lesen mußte. Zu Besuchen im Orte oder<br />

wenn er sich in den ihm gehörigen Carmeliterhof begeben wollte, bediente er sich<br />

einer von 2 Trägern bewegten Sänfte. Wen[n] er es aber vorzog zu Fuß zu gehen, so ließ<br />

er seine Wege mit Treggen 18 belegen. –<br />

Er gab gerne kleine Feste, wozu alle Be<strong>am</strong>ten und Honoratioren des Ortes geladen wurden.<br />

Einst war wieder offene Tafel und ein Affe tummelte sich, zum Vergnügen seiner<br />

Gäste, mit possierlichen Gebärden im Zimmer herum. Als sich nach aufgehobener Tafel<br />

die Gäste entfernten, ließ der Affe den jungen Be<strong>am</strong>ten Gstöttner nicht zur Thür hinaus.–<br />

„Sie haben vermuthlich etwas eingesteckt, was nicht ihnen gehört“, sagte Fürnberg.–<br />

„daher läßt der kluge Spion Sie nicht fort.“ In höchster Angst gestand Gstöttner, einen<br />

Pfirsich eingesteckt zu haben, die zu dieser Jahreszeit noch sehr selten waren, Gstöttner<br />

wurde nach diesem Vorfall nie wieder eingeladen. –<br />

Fürnbergs Maitresse<br />

Daß solche Männer wie der Edle von Fürnberg auch oft hintergangen wurden, läßt sich<br />

denken; aber ein Streich, den ihn seine Maitresse spielte, mag ihn doch richtig geärgert<br />

haben. Fürnberg besaß mehrere Realitäten und darunter auch die Post zu Pasching.<br />

Nachdem er auch diese Realität geschmackvoll hergerichtet hatte, wußte es seine Maitresse<br />

durch Anwendung der ihr zu Gebothe stehenden Schmeichelkünste dahin zu<br />

bringen, daß er ihr dieses Besitzthum urkundlich schenkte und zuschreiben ließ.- Bald<br />

danach nahm er herzlichen Abschied von der Beschenkten, denn er mußte auf längere<br />

Zeit verreisen, und als er nach einigen Wochen mit der Freude des Wiedersehens im<br />

Herzen, zurück kehrte, fand er seine Geliebte an einen Anderen verheirathet.- Fürnberg<br />

hatte das Nachsehen und es blieb ihm nichts übrig, als sich zu trösten und das d<strong>am</strong>als<br />

noch sehr beliebte Volkslied zu singen: O du lieber Augustin – Alles ist hin! –<br />

Über dem schönen Vorhaben, den Kirchenplatz mit einem lebenden Brunnen zu zieren,<br />

ereilte den alten Junggesellen der Tod.-“<br />

9


Joseph Edler von Fürnberg starb nur zwei Jahre nach Erbauung der Purkersdorfer<br />

Poststation, 1799, an Tollwut. Universalerbe war sein unehelicher Sohn, der<br />

aber schon im Kindesalter starb. So gelangte die Poststation 19 schließlich an seinen<br />

Neffen Vinzenz Edler Ritter von Pelsen-Fürnberg.<br />

• 1832 wurde dessen Sohn Carl Ritter von Pelsen-Fürnberg Nachfolger.<br />

Der letzte Erbpostmeister war Heinrich Conrad The Losen, der<br />

• 1852 gemeins<strong>am</strong> mit seiner Frau Anna die Poststation und die Überländgründe<br />

um 38.000 fl.C.M. erwarb. Erbe war<br />

• 1868 seine d<strong>am</strong>als noch minderjährige Tochter Luise The Losen, später<br />

vereh. Hulgerth.<br />

• 1874 wurde das <strong>Haus</strong> von Michael und Therese Schneider gekauft<br />

• 1879 k<strong>am</strong> es ins Eigentum von Karl und Barbara Pummer<br />

• 1898–1909 Karl Neunteufel<br />

• 1909–1925 Josef Berger<br />

• 1931 Kauf durch Leopold und Anna Maria Riedmüller<br />

• 1931 Riedmüller Leopold, Maria und Leopold jun.<br />

• 1941 Fa. Leopold Riedmüller & Sohn, 1947 Aufbau des Stockes<br />

• 1963 KG Riedmüller Leopold & Sohn<br />

Für Jahrzehnte war in der „alten Poststation“ das Verkaufsgeschäft der Fleischfabrik<br />

Riedmüller untergebracht, es folgten Restaurants, eine Bar, eine Galerie,<br />

Arztpraxen. Durch Umbau und Zubau wurden Wohnungen geschaffen. 1980<br />

wurde das Gebäude renoviert.<br />

Seit 2014 betreibt Dr. Nina Ollinger im rechten Teil des denkwürdigen Gebäudes<br />

ihre Rechtsanwaltskanzlei.<br />

D<strong>am</strong>it schließt sich wohl wieder der Kreis.<br />

<strong>Das</strong> alte <strong>Haus</strong> im Ortszentrum von Purkersdorf „nächst dem Schlossgraben“ war<br />

durch den zugehörigen Besitz einer „halben Hofmark“ bevorrechtet. 20 Heute ist<br />

es wohl dadurch, dass es nur wenige Schritte zum „Schloss“ und d<strong>am</strong>it zum Purkersdorfer<br />

Gericht entfernt ist, auch für die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Ollinger<br />

„bevorrechtet“, von Vorteil.<br />

Und die durch die Figurenreliefs symbolisierten Themen: Vertrauen, Verschwiegenheit,<br />

Sicherheit und Zuverlässigkeit werden nunmehr durch die Rechtsanwaltskanzlei<br />

Dr. Nina Ollinger weiter tradiert.<br />

10


Fußnoten:<br />

1<br />

1796/97 Schlintner (1992) S. 176<br />

2<br />

Winna (1983) S. 43<br />

3<br />

Ob jene F<strong>am</strong>ilie Ruesch mit den ab 1737<br />

in Gablitz aufscheinenden Ruiß verwandt<br />

sind, ist unbekannt. 1737 übernahmen<br />

Jacob und Maria Regina Ruiß den<br />

Zäch’schen lt. Wald<strong>am</strong>tsbücher.<br />

4<br />

vgl. Winna (1983) S. 42-45<br />

5<br />

vgl. Schlintner (1992) S. 175<br />

6<br />

Winna (1983) S. 43<br />

7<br />

Elisabeth Zäch scheint 1701 erstmals in<br />

den Wald<strong>am</strong>tsbüchern auf. Die Brauerei-F<strong>am</strong>ilie<br />

Zäch gehörte zu den Wohlhabendsten<br />

von Gablitz, sie zahlten neben<br />

Johann Heinrich von Schmidt die höchsten<br />

Abgaben. In den Trauungsbüchern<br />

der Pfarre Purkersdorf scheint Elisabeth<br />

geb. Zäch nicht auf, vermutlich hat das<br />

Ehepaar Pruckmayer nicht in Purkersdorf<br />

geheiratet.<br />

8<br />

Er starb 1730, in den Wald<strong>am</strong>tsbüchern<br />

scheinen ab 1730 „Zächin fünf Kinder“<br />

auf.<br />

9<br />

Grimmlinger (2014): Von Zäch zu Cech<br />

10<br />

Winna (1983) S. 45<br />

11<br />

Schlintner (1992) S.176<br />

12<br />

Buchdeckel von Winna (1983)<br />

13<br />

Emil Hütter, Zeichner, Radierer und<br />

Lithograph (*1835 Wien, †1886 Wien).<br />

Hütter trat nach kurzer Tätigkeit in<br />

einer Buchhandlung in den Dienst der<br />

Gemeinde Wien. Daneben betätigte er<br />

sich autodidaktisch als Maler und schuf<br />

zahlreiche naturgetreue Zeichnungen<br />

und Aquarelle des Wiener Stadtbildes<br />

und der Umgebung Wiens. Der Wert seiner<br />

Bilder, von denen das Wien Museum<br />

allein rund 400 verwahrt, liegt vor allem<br />

im Topographischen, weniger im Künstlerischen.<br />

http://data.onb.ac.at/nlv_lex/perslex/H/<br />

Huetter_Emil.htm Zugriff 11.12.2014<br />

14<br />

Dr. Derka wird für die Übersendung des<br />

Fotos aus der <strong>Broschüre</strong> von Franz Atzinger<br />

gedankt.<br />

15<br />

Atzinger (1930) und Schlintner (1992)<br />

S.176<br />

16<br />

Auch <strong>am</strong> <strong>Haus</strong> Gablitz, Hauptstraße 17<br />

ist ein Hermeskopf montiert, in diesem<br />

<strong>Haus</strong> gab es ein Post<strong>am</strong>t.<br />

17<br />

Karl Kurz (1855): handschriftl. Gedenkbuch<br />

der Gemeinde Purkersdorf S. 354-<br />

356, transkribiert von Dr. R. Grimmlinger<br />

2014<br />

18<br />

Teppiche? Holzbretter??<br />

19<br />

Die Besitzer siehe Winna (1983) S. 41-44<br />

20<br />

vgl. Winna /1983) S. 42<br />

Literatur:<br />

Atzinger Franz (1930): in: Purkersdorf. Eine<br />

Bilderfolge zur 800-Jahrfeier 1130–1830.<br />

Herausgeben von der Zweigstelle Purkersdorf<br />

des Vereins für Landeskunde und Heimatschutz<br />

von Niederösterreich und Wien.<br />

Erschienen im Selbstverlag, Druck Josef<br />

Eberle, Wien<br />

Grimmlinger Renate (2014): Von Zäch zu<br />

Cech<br />

Kurz Karl (1855): Gedenkbuch von Purkersdorf,<br />

Auszug transkribiert von Dr. R. Grimmlinger<br />

2014<br />

Schlintner Kurt (1992): Stichwort Purkersdorf.<br />

Die Wienerwaldstadt von A-Z. 2. erweiterte<br />

Ausgabe. Hsg. Stadtgemeinde Purkersdorf<br />

Wald<strong>am</strong>tsbücher im WStLA<br />

Winna Friedrich (1983): Purkersdorfer Häuserchronik<br />

1572 bis 1819 (bis 1978) und die<br />

Schicksalsjahre 1683 (Türkennot) und 1713<br />

(Pest). Eine wirtschafts-, sozial- und rechtsgeschichtliche<br />

Ortskunde nach Archivaufzeichnungen<br />

von Dr. Anton Schachinger<br />

(†1960) und Rudolf Pölzl bearbeitet und<br />

herausgegeben von OSR Friedrich Winna.<br />

Im Selbstverlag der Stadtgemeinde Purkersdorf<br />

mit Unterstützung der Kulturabteilung<br />

des Amtes der NÖ Landesregierung.<br />

11

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