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Stadtentwicklung und Denkmalpflege 17: Stadtstärken

ISBN 978-3-86859-237-5

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Herausgegeben von Jürg Sulzer

17 Die Robustheit des Städtischen

Stadt stär ken


Inhalt

Prolog

Die Moderne ist historisch geworden: Für eine längere Zeitperspektive im Städtebau 8

Thomas Sieverts

Stadtstärken – Die Robustheit des Städtischen 14

Jürg Sulzer, Christian Schneider und Benno Brandstetter

Städtische Gestaltung

Wirklichkeit, Körperlichkeit in der gebauten Stadt 20

Werner Oechslin

Robuste Stadtentwicklung – Schöne Stadt 30

Jürg Sulzer

1m 2 /sek 08/15 – Von der Negentropie zur Entropie 38

Marc Angélil und Nils Havelka

Gute Architektur schafft attraktive Lebensräume 54

Wolfgang Frey

Die (Un-)Verlässlichkeit des Planungssystems als Instrument der Qualitätssicherung

Am Beispiel des frei finanzierten Wohnungsbaus im Vereinigten Königreich 65

Dominic Church

Haus und Stadt 79

Hans Kollhoff

Łódz und Resilienz

Der Weg vom mitteleuropäischen Manchester zur mittelgroßen Stadt 88

Jan Salm

Städtisches Leben

Urbanität und die ungleiche Stadt – eine Chance? 102

Hartmut Häußermann


Stadt- und Regionalpolitik, Wettbewerb und die Produktion von Differenz 110

Christa Kamleithner

Ungleichartigkeiten. Wege zu mehr Nutzungsvielfalt in der Stadt 118

Marion Klemme

Zeittausch als neuer Baustein der Altersvorsorge – Stimulus für

Generationenbeziehungen im urbanen Umfeld 129

Katja Meierhans Steiner

Aktuelle Beobachtungen zur Resilienz attraktiver Innenstädte 139

Thomas Kuder

Planen im Konjunktiv 152

Gerhard Schmitt

Städtische Energien

Stadtentwicklung im Nexus von Ressourcenschonung und Klimaschutz 168

Daniel B. Müller

Wege zur Energieeffizienz in der Stadtentwicklung 179

Ingrid Krau

Energetischen Stadtumbau integriert planen 189

Alexa Bodammer und Benno Brandstetter

Von der autogerechten Stadt zu stadtverträglicher Mobilität 200

Hartmut Topp

Nachhaltige Architektur(lehre) 209

Matthias Böttger

Autorenverzeichnis 218

Abbildungsnachweis 223


Prolog

Die Moderne ist historisch geworden: Für eine

längere Zeitperspektive im Städtebau_

Thomas Sieverts

1

Ich erlebe bei mir seit einiger Zeit eine tief greifende

Einstellungsänderung, in Bezug auf die

Moderne: Die „Moderne“, in der ich sozialisiert

und erzogen worden bin, ist historisch geworden.

Bau- und Stadtgeschichte haben wieder an

Bedeutung gewonnen. In meiner Studienzeit in

den 1950er Jahren waren sie im Lichte der positivistischen

Moderne, die alle Entwicklungen

kausal aus der Mechanik der Gegenwart erklären

wollte, zu schönen Bildungsfächern degeneriert:

Sie hatten mit dem, was wir in den Zeichensälen

entwarfen, nichts zu tun. Jetzt sind sie in mei-

8 Die Moderne ist historisch geworden: Für eine längere Zeitperspektive im Städtebau


1_Die Kenntnis stadträumlicher Situationen aus der Geschichte sollte als Erfahrungsschatz genutzt werden. 2+3_Während der vergangenen

50 Jahre ist deutlich mehr Bauvolumen als in den 5000 Jahren davor entstanden.

nem Denken wieder zu lebendigen Wirkkräften

geworden. Ich spüre die Notwendigkeit, unser

gegenwärtiges Tun als Architekten und Städtebauer

wieder in den Kontext einer historischen

Perspektive zu stellen. Wenn ich heute als Hochschullehrer

für Städtebau noch einmal anfangen

könnte, würde ich zum Beispiel viel mehr Stadtbaugeschichte

lehren und von meinen Studenten

verlangen, dass sie sich einen Kanon stadträumlicher

Situationen aus der Geschichte einprägen

und maßstäblich aus dem Kopf aufzeichnen können

– als einen Fundus eines mittels Versuch und

Irrtum gehärteten, langjährigen räumlichen Erfahrungsschatzes.

Ein Denken in längeren Zeiträumen macht nicht

nur sensibel dafür, stabile Qualitäten stadträumlicher

Strukturen zu erkennen, sondern auch für

die Empfindlichkeiten und die Anfälligkeiten unserer

Städte in Krisen und Katastrophen und

auch für Entwicklungsphasen und -schwellen.

Gegenwärtig habe ich den Eindruck, dass eine

Epoche zu Ende geht. Dafür gibt es ein wichtiges

Indiz: Wenn wir die Stadtgeschichte der letzten

200 Jahre betrachten, stellen wir fest, dass

die großen Stadtumwälzungen und Stadtkrisen

mit Umstellungen in den Basisenergien ursächlich

zusammenhängen: Von der auf Holz, Torf

und Wasserkraft beruhenden Pferde- und Handwerkerstadt

über die auf Steinkohle gegründete,

dichte Eisenbahn- und Industriestadt schließlich

hin zu der auf Erdöl beruhenden, weitläufigen

Auto-, Konsum- und Dienstleistungsstadt.

Ich bin der Überzeugung, dass die Umstellung

auf erneuerbare Energien wieder zu krisenhaften

Umwälzungen führen wird, aber auch – wie bei

beiden genannten strukturellen Wandlungen – zu

neuen ökonomischen Chancen und zu neuen

Stadtformen. Die erneuerbaren Energien sind ja

– im Gegensatz zum Erdöl mit seiner weltweit

2, 3

vereinheitlichenden Wirkung – vielfältig und je

nach Ort ganz unterschiedlich zusammengesetzt,

sie könnten damit vielleicht wieder zu regional

unterschiedlichen Stadtformen führen!

Bau- und Stadtgeschichte und das städtebauliche

Erbe rücken damit in ein anderes Licht: Neben

9


Stadtstärken – Die Robustheit des Städtischen_

Jürg Sulzer, Christian SchneideR und Benno Brandstetter

Städtische Robustheit beschreibt die Fähigkeit,

auf sich wandelnde Rahmenbedingungen mit geeigneten

Anpassungs- und Entwicklungsstrategien

zu antworten. Aktuelle Anforderungen an

die Städte sind mit einer Vielzahl von Unsicherheiten

verbunden. Dazu gehören neben globalen

Kernthemen wie Klimawandel und Finanzkrise

auch lokal spezifische Formen unterschiedlicher

Bevölkerungsentwicklung, zunehmender Alterung

und Differenzen von Flächenangebot und

-nachfrage. Dessen ungeachtet erleben die europäischen

Städte derzeit eine Renaissance als

Folge veränderter Nutzungsansprüche und Standort

anforderungen. Im Gegensatz zu den Bestrebungen

einer Funktionstrennung durch die Moderne

begünstigt die heutige Dienstleistungs- und

Informationsgesellschaft eine stärkere Nutzungsmischung.

Der Trend zu einer verstärkten Innenentwicklung

geht einher mit Forderungen nach

einer Bestandsqualifizierung. Dieser Veränderungsdruck

erfordert ein behutsames Vorgehen,

welches einerseits geprägt ist durch Verlässlichkeit

und Kontinuität, andererseits aber auch

durch eine Offenheit für alternative Entwicklungsoptionen.

Unterschiedliche Wahrnehmungen von Gefährdungen

lassen sich in der Stadtgeschichte – mit

den entsprechend modifizierten Reaktionen der

jeweiligen Stadtgesellschaft – immer wieder finden.

Die europäischen Städte mit ihren über Jahrhunderte

gewachsenen Strukturen sind ein Erfahrungsfundus

für die Entstehung spezifischer

Stadtstärken. Wie sich diese Stärken weiter entwickeln

lassen, ist das Anliegen des vorlie genden

Bandes. Im Fokus stehen die Themen städtische

Gestaltung, städtisches Leben und städti sche

Energien.

Diesen drei Kapiteln ist ein Prolog von Thomas

Sieverts zu einem Denken in längeren Zeiträumen

vorangestellt. Die zunehmende Verwendung

anderer Energieformen ist ein entscheidender

Epochenwechsel, welcher genutzt werden

sollte. Auf Grundlage der Stadtgeschichte ist der

Frage nach der Anpassungsfähigkeit von Städten

nachzugehen. Die gewonnenen Erkenntnisse

können es nach Meinung des Autors ermöglichen,

die europäische Stadt künftig wieder geschichtsfähiger

zu gestalten.

Städtische Gestaltung_Die europäischen Städte

waren im Laufe ihrer Geschichte immer wieder

tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt und

sind im Ergebnis durch unterschiedliche Stadtschichten,

die sich vielfältig überlagern, gekennzeichnet.

An diese Strukturen anzuknüpfen und

sie als Grundlage für neue urbane Qualitäten weiterzuentwickeln,

sollte Voraussetzung aller zukunftssichernden

Strategien sein.

Aus der Verschiedenheit menschlicher Kulturen

leitet Werner Oechslin eine erforderliche Vielge-

14 Stadtstärken – Die robustheit des Städtischen


staltigkeit von Bauwerken ab. Für ihn liegt die

Aufgabe und Kompetenz der Architektur darin,

die Bedürfnisse der Menschen so zu berücksichtigen,

dass sich diese Vielfalt in entsprechenden

baulichen Formen niederschlägt. Sein Fokus richtet

sich auf den konkreten Ort, weshalb Planen

und Bauen die vorhandenen Stadt-Bedingungen

berücksichtigen muss, damit Stadt für ihre Bürger

lesbar und erfahrbar bleibt.

Schönheit und Robustheit der europäischen

Stadt resultiert für Jürg Sulzer aus einem Dialog

zwischen Stadtgeschichte, Tradition und Stadtgestaltung.

Um auch künftig Dauerhaftigkeit und

Beständigkeit in der Stadtentwicklung zu gewährleisten,

sind für ihn folgende Kriterien entscheidend:

eine auf die örtlichen Besonderheiten

bezogene Stadtbaugestaltung, welche sich auf

Gestaltungsverwandtschaften im Stadtensemble

statt auf individuelle Einzelobjekte bezieht sowie

die Abkehr vom Gestaltungsminimalismus zu

Gunsten einer identitätsfördernden Formgestaltung

und Fassadengliederung.

Thema des Beitrags von Marc Angélil und Nils

Havelka ist das oftmals planlose Erscheinungsbild

zeitgenössischer Stadtproduktionsprozesse

trotz der vorhandenen Vielzahl an Planungsinstrumentarien.

Anhand beispielhafter Agglomerationserscheinungen

wie Kreisverkehrsplätzen

und Großdiscountern untersuchen die beiden

Autoren de ren Mechanismen und Entstehungsprinzipien.

Nachhaltige Stadtentwicklung bedingt, dass Architektur

und Städtebau ihrer Rolle gerecht und

die Bedürfnisse der Bewohner mit einbezogen

werden. Wolfgang Frey zeigt am Fünf-Finger-Prinzip

der Nachhaltigkeit unterschiedliche Aspekte

auf, welche für die Gestaltung attraktiver städtischer

Lebensräume benötigt werden. Für ihn ist

es entscheidend, die Stadtbewohner ins Zentrum

architektonischer und städtebaulicher Gestaltung

zu rücken.

Die Hintergründe für sowohl quantitative als auch

qualitative Unzulänglichkeiten des britischen

Wohnungsbaus beschreibt Dominic Church. Im

Mittelpunkt seines Beitrags steht die von der

staatlichen Einrichtung CABE gemeinsam mit

dem Nationalen Verbund für lokale Bürgerinitiativen

gegründete Initiative Building for Life. Neben

dem Hauptziel, eine Aufmerksamkeit für alternative

Planungsansätze zu erzeugen, sollen Möglichkeiten

der Qualitätssicherung aufgezeigt und

bestehende Hindernisse behoben werden.

Für Hans Kollhoff ist Wohnen die Voraussetzung

für Identifikationsprozesse. In der Stadtgeschich te

lassen sich Prinzipien identifizieren, welche zu

beständigen Stadtstrukturen geführt haben, die

noch heute attraktiv sind. Seine Forderung ist

es, diese aufzugreifen und statt Megastrukturen

Häuser mit klar erkennbarer Adresse zu bauen,

von denen jedes einzelne einen Beitrag zum Gedächtnis

der Stadt leistet.

Einen Abriss der Stadtentwicklung und eine aktuelle

Zustandsbeschreibung seiner Heimatstadt

Łódź gibt Jan Salm in seinem Beitrag. Łódź befindet

sich in einem ständigen Prozess zwischen

Kontinuität und Wandel und seit mehr als zwei

Jahrzehnten in einer dauerhaften Krise. Auch

wenn neuere Strategieansätze einer stärkeren

Innenentwicklung durchaus Perspektiven und

Chancen aufzeigen, sieht der Autor in der Stadtgeschichte

seit 1989 ein weniger optimistisches

Beispiel für städtische Resilienz.

15


Wirklichkeit, Körperlichkeit in der gebauten

Stadt_Werner Oechslin

1

Welches sind die unverzichtbaren Voraussetzungen

und welches der Nutzen, die wir mit dem

Habitat, der Stadt insbesondere, verbinden? Alberti

stellte sich diese Fragen in der Einleitung

zu seinem De Re Aedificatoria (1452) und beantwortete

sie umfassend – und immer noch gültig

– mit dem Beweis all jener zum Vorteile des

Menschen gereichenden architektonischen Taten,

zu denen das „Abtragen von Felsen, Durchstechen

von Bergen“, die „Ausfüllung von Tälern“

genauso gehörten wie die Regulierung

von Flüssen und deren Überbrückung. 1 Nichts

gibt es, auch nicht den „Zugang zu allen Ländern

der Erde“ und umgekehrt den Schutz von Freiheit

und Besitzstand im Vaterland, was nicht

letztlich ganz besonders dem Architekten geschuldet

sei. Alberti weiß um die Grade von

Notwendigkeit, Nützlichkeit und bloßem Wohlbehagen,

situiert sie im Zusammenspiel von öffentlich

und privat und bezieht es auf das gemeinsame

Staatswesen, auf die „res publica“,

deren „stabilitas“, „dignitas“ und „decus“ der

Architekt im Auge behalten soll. 2 Tut er dies, so

wird er zum Garanten eines guten Lebens „in

ocio“ wie „in negocio“ – in heutigen Worten: in

Beruf wie Freizeit; er ist somit zuständig dafür,

dass der Bürger ohne Gefahr und in Würde,

„sine periculo et cum dignitate“, im gesellschaftlichen

Verband leben kann. 3

Diese ganze Begründung mitsamt dem Lob gesellschaftlicher

Ordnung im Staatsverband findet

sich in Albertis Vorwort eingebettet zwischen der

Definition des Architekten und seines Tuns und

andererseits der Umschreibung dessen, was Architektur

und genauer ein Gebäude sei. Der

20 Wirklichkeit, Körperlichkeit in der gebauten Stadt


1–7_Impressionen aus der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln

Architekt ist der, der all dies auf umsichtigste

Weise bedenkt und es in ein Werk überführt;

„certa admirabilique ratione et via“ 4 , er überlegt

und findet einen Weg, und so wird das, was zuerst

im Kopf und in der Vorstellung erarbeitet

wird, in eine Wirklichkeit überführt. Architektonisch

aufgefasst bedeutet dies – und so lautet

die Definition Albertis –, dass ein Gebäude ein

Körper ist („corpus quaddam“), der aus Linien

und Materie besteht, womit der ganze Prozess

des Überführens einer Vorstellung in eine Wirklichkeit

und Körperlichkeit mitbedacht ist. Er wird

all die grundsätzlichen und an Erfahrungen gebundenen

Vorstellungen mitsamt dem gerade an

dieser Stelle thematisierten Nutzen für Mensch

und Gesellschaft insgesamt in diesem Prozess

berücksichtigen. „Das Innere“ in ein „Äußeres“

zu überführen entspricht einer geläufigen Definition

künstlerischen Schaffens; in der Architektur

resultiert es im Körper.

Hier beginnt auch bei Alberti die genauere – wie

bei Vitruv über zehn Bücher ausgebreitete – Erörterung,

wie das denn alles im Einzelnen, in den

verschiedensten Lagen und zu den unterschiedlichsten

Bedingungen geschehen und zu einem

gültigen Resultat und einem guten Ende, einer

„finitio“, gereichen kann. Alberti geht dabei von

der Verschiedenheit der Bedürfnisse aus, gelangt

zur Verschiedenheit der Gebäude und der Notwendigkeit,

diese durch das Zusammenspiel von

„lineamenta“ und „materia“ in angemessener

Weise zu berücksichtigen, um auf diese Weise

Schönheit zu erreichen: „ex quo praecipue pulchritudinis

effectio emanerit“ 5 . Bis zur Wirkung der

Gebäude auf den Menschen ist hier alles beschrieben,

was der Architekt und die Architektur

zum Wohle des Menschen und der Gesellschaft

leisten können und sollen. Die Verallgemeinerung,

das Prinzip, liegt in dieser Zielsetzung begründet,

der Verschiedenheit wird im Prozess der

Umsetzung, der architektonischen Formfindung,

Rechnung getragen.

2

Alberti nimmt diese grundlegenden Gedanken

zu Beginn des vierten Buches erneut auf. Hier

geht es um die öffentlichen Gebäude, und Alberti

setzt dem voran, dass es unbezweifelbar sei,

dass die Gebäude auf die Bedürfnisse der Menschen

ausgerichtet und abgestimmt sein sollen:

21


Robuste Stadtentwicklung – schöne Stadt_

Jürg Sulzer

1

Die Schönheit der Stadt zeichnet sich seit Jahrhunderten

dadurch aus, dass die Gestaltung ihrer

Häuser stets sorgfältig an die Tradition anknüpfte.

In der Zeit vor der Moderne des 20.

Jahrhunderts wäre es kaum einem Baumeister

in den Sinn gekommen, ein neues Gebäude zu

entwerfen und zu bauen ohne eine vorgängige

Reflexion der vorgefundenen Gestaltungselemente

innerhalb des Stadtensembles. Erst die

ideologisch gefärbte Auslegung der Konzepte

zur „gegliederten und aufgelockerten Stadt“

(Göderitz/Rainer/Hoffmann 1957) oder die einseitige

Interpretation von Le Corbusiers Thesen

zur Trennung der Funktionen in der neuen Stadt

(Le Corbusier 1945, S. 48ff.) haben zum Abbruch

des kritischen Dialogs zwischen Stadtgeschichte,

Tradition in der Stadtbaugestaltung

und der neuzeitlichen Stadtgestaltung geführt.

Die Anbetung purer Zweckrationalität und gestalterischer

Andersartigkeit gegenüber der

überlieferten Tradition ist eine Folge der Moderne,

ganz besonders seit dem Zweiten Weltkrieg,

die mit der aktuellen Globalisierung von

Wirtschaft und Gesellschaft noch verstärkt

wird. Die absolut gesetzte Moderne mit ihrer

falsch verstandenen Autonomieforderung von

Gestaltungsfreiheit muss Schritt für Schritt hingeführt

werden auf eine kreative Interpretation

von Stadtbautradition, Stadtarchitektur und Ensemblegestaltung

und zwar ohne der einfa-

30 Robuste Stadtentwicklung – Schöne Stadt


1_Bauen im Kontext von Stadtbaugeschichte, Merianplan von Heidelberg (1620) 2_Maßstabsprengender Neubau in der gewachsenen

Stadt, Messe Basel

chen Logik folgend von „Retro-Architektur“ 1

oder Postmoderne zu sprechen. In der stadtgestalterischen

Anknüpfung und deren moderner

Interpretation liegt der eigentliche Kern einer

robusten Stadtentwicklung 2 , welche zur Schönheit

der europäischen Stadt maßgeblich beiträgt.

Im kritischen Verständnis von Tradition

liegen die eigentlichen Chancen einer Nachmoderne,

die Meisterwerke des Bauens im

Ensemble hervorbringen wird, statt isolierte

Architekturinszenierungen zu zelebrieren. Eine

zukunftsweisende und sorgfältige Gestaltung

der europäischen Stadt ist dringender denn je

geboten, um auch im Zeitalter der Globalisierung

für die Städte eine robuste und identitätsbildende

Stadtentwicklung sicherzustellen, damit

die Bürger ihre Stadt auch jenseits der

historischen Altstädte als schön empfinden.

Anknüpfen an die Tradition – Lernen für die Zukunft_„Was

lehrt uns heute ein Bild aus dem

Jahr 1499?“ fragt Jeffrey F. Hamburger (Hamburger

2013). 3 Es geht ihm um die Kostbarkeiten von

Bildern, die eigentlich nur verständlich werden,

wenn sie im Kontext anderer zeitgenössischer

Werke zu sehen und zu bestaunen sind. Für die

Künstler des ausgehenden 15. Jahrhunderts war

es, so Hamburger, eine Selbstverständlichkeit,

dass die damaligen Meister mit einem ganzen

Spektrum entliehener Vorbilder arbeiteten. Ihre

„[…] Kopien sind jedoch schöpferische Amalgame,

aus denen etwas Neues hervorgeht, unter

anderem ein tiefgründiges Verständnis der wahren

Bedeutung von Tradition, nicht etwas, das

man einfach übernimmt und wiederholt, sondern

etwas, das sich nur dann mit neuem Leben erfüllen

lässt, wenn es ständig der Gegenwart anverwandelt

wird, und das nicht nur durch einen

Meister, sondern durch viele“ (ebd.). Hamburger

verweist in diesem Zusammenhang auf T. S.

Eliot, der sinngemäß feststellte, dass das richtige

Verständnis von Tradition einen Sinn für Zeit und

für Zeitgenossenschaft erfordert. Tradition kann

2

man nicht erben, sie muss mit großer Mühe erworben

werden (ebd.).

Weshalb könnte der kunstgeschichtliche Blick

auf die Tradition des Stadtensembles für die zukünftige

Schönheit der Stadt wegleitend sein?

Während vieler Jahrhunderte galten auch im

Städtebau und in der stadträumlichen Gestaltung

stets ähnliche Regeln und Prinzipien: Die Städte

hatten sich gegenüber der Landschaft räumlich

abgegrenzt, waren kompakt gegliedert und es

galt ein Kodex, der die Baumeister verpflichtete,

an die gestalterischen Prinzipien der bereits

vorhandenen Häuser und städtebaulichen Ensembles

anzuknüpfen. Die Gestaltung städtischer

Häuser hatte den städtebaulichen Kontext

von Stadtbaugeschichte und Stadtbaugliederung

sorgfältig zu berücksichtigen (Abb. 1). Dank die-

31


1m 2 /sek 08/15 – Von der Negentropie zur Entropie_

Marc Angélil und Nils Havelka

1m 2 /sek ist die Geschwindigkeitsangabe eines

Prozesses, welcher mit dem Begriff der Zersiedlung

assoziiert wird: Jede Sekunde wird ein Quadratmeter

Land überbaut. Der Terminus 08/15

umschreibt in diesem Kontext das mit der Zersiedlung

assoziierte Mittelmaß: Die Normen,

Konventionen oder Standards sind gegeben und

die Mechanismen, die am Werk sind, genauestens

festgelegt.

In der Kombination der Einheit 1m 2 /sek mit der

Redewendung 08/15, das heißt der Verknüpfung

eines Landverbrauchswerts pro Zeiteinheit mit

bestimmten gesellschaftlich geregelten Durchschnittswerten,

lassen sich die Operationsmodi

zeitgenössischer Stadtproduktionsprozesse kennzeichnen.

Zum einen wird die Entwicklung des

urbanen Territoriums von Regelwerken beherrscht,

die mit bestimmten Geschwindigkeiten

und Frequenzen, gleichzeitig oder ungleichzeitig,

städtebauliche Strukturen determinieren. Zum

anderen implizieren die zur Anwendung gebrachten

Maßnahmen und Verfahren eine Ordnung,

die ihrerseits jedoch im Territorium kaum anzutreffen

ist – im Gegenteil, je größer der Ordnungsanspruch,

desto mehr Unordnung entsteht

im städtischen Gefüge.

Paradox mag die Feststellung sein, dass der

Raum heutiger Agglomerationen planlos erscheint,

obwohl sich dessen Komponenten

durch gängig auf planmäßige, rational nachvollziehbare

Entscheidungen stützen. Jedes Element,

jeweils für sich genommen, folgt der Logik

formal organisierter und normativ eingeübter Abläufe;

mit strategischer Präzision werden Straßen

gelegt, Bauten erstellt, ganze Landschaften erschlossen.

Demnach wird das städtische System

nicht durch eine bestimmte Formvorstellung geleitet,

geschweige denn von einem Gestaltungswillen,

sondern durch Operationen, die gleichsam

automatisch produziert und reproduziert

werden. Die Spielregeln sind bekannt, die Verhaltensnormen

und Leistungsanforderungen festgelegt.

Organisation, Management und Logistik

gewährleisten ein möglichst effizientes Vorgehen

nach der Devise: maximale Kontrolle. Jede Festlegung,

jedes Einschreiben eines Bauwerks im

Kontext der Stadt verweist auf ein sich gegenseitig

bedingendes Konglomerat von Prozeduren,

die darauf ausgelegt sind, Ordnung zu schaffen

und, um einen Begriff aus der Systemtheorie zu

verwenden, Negentropie 1 aufzubauen.

Im Gegensatz dazu, in beinahe umgekehrt proportionalem

Verhältnis, entzieht sich das Stadtgebilde

als Ganzes geregelten Ordnungskonzeptionen,

aller raumplanerischer Bestrebungen zum

Trotz. Eine stete Zunahme der Entropie ist dem

urbanen Aggregat inhärent. Während Zweckrationalität

das zentrale Prinzip bildet, nach welchem

38 1m 2 /sek 08/15 – Von der Negentropie zur Entropie


sich jeder einzelne Eingriff im städtischen Umfeld

richtet, scheint das Gesamtterrain der Stadt

mehr einem „Kriegsschauplatz“ zu gleichen als

dem Produkt eines durchdachten Gestaltungsprozesses.

Die Wahl der Terminologie mag fehl

am Platze sein, und doch muss hier von einem

Komplex gesprochen werden, der in den Annalen

der Ideengeschichte auf einen inneren Zusammenhang

zwischen territorialer Vereinnahmung

und den Funktionsstandards des gesellschaftlichen

Apparats verweist. Die Vorstellung des urbanen

Territoriums als „Schlachtfeld“ soll mitnichten

direkt bildlich-deskriptiv verstanden sein,

vielmehr stehen hier die Voraussetzungen operativen

Handelns im Vordergrund. Einen möglichen

Schlüssel dazu bietet der Terminus 08/15,

der in der Alltagssprache für Normalität steht und

abwertend verwendet wird, um ein Mittelmaß

zu umschreiben. Mehr als nur ein Synonym für

Durchschnittlichkeit, weist die Bezeichnung 08/15

auf eine Denkhaltung hin, die als Matrix rationalen

Handelns alle Aspekte des modernen Lebens

bestimmt, den organisatorischen Kern des politischen

Betriebs genauso wie denjenigen des ökonomischen

Systems – folglich auch die Mechanismen

urbaner Produktion.

Das Maschinengewehr_Obschon „null-acht-fünfzehn“

in die Umgangssprache eingegangen ist,

wissen nur wenige, dass die Redewendung ein

Maschinengewehr der deutschen Infanterieeinheiten

des Ersten Weltkriegs bezeichnet. Was ist

so besonders an dieser Schusswaffe, dass ihre

Benennung in die Alltagssprache einzugehen vermochte?

Das Maschinengewehr zeichnete ein

für damalige Verhältnisse neues System der Produktion

aus, namentlich das der seriellen Fabrikation

eines Gegenstands (Berz 2001). Es handelte

sich hier um ein Industrieerzeugnis, dessen Entwicklung

eine komplexe und eingespielte Koordination

zwischen den Institutionen der öffentlichen

Hand und den privaten Industrien des

Wirtschaftssektors erforderte. Um das kollaborative

Unterfangen steuern zu können, bedingte es

eines hohen Grads an Organisation. So steht am

Ende dieser Entwicklung der Name einer amtlichen

Einrichtung: der Normenausschuss der

Deutschen Industrie, heute allgemein als Deutsches

Institut für Normung bekannt, kurz DIN.

Zwei Aspekte, die dieser Entwicklung zugrunde

liegen, sollen hervorgehoben werden.

Erstens: Das Gewehr ist eine Maschine. Die Verbindung

von Präzisionsteilen, die Verkettung vorbestimmter

Prozessabläufe und die Möglichkeit

der Massenanfertigung des Produkts zeichnen

das Maschinengewehr 08/15 aus. Das Gewehr,

das 600 Schuss pro Minute feuern kann, verbindet

eine Reihe von Funktionen – Öffnen, Entladen,

Laden, Schließen, Sperren, Spannen, Schießen

–, die im Gleichtakt einförmiger Bewegung

und mit hoher Geschwindigkeit festgelegte Zyklen

durchlaufen. Dass es sich dabei unter an -

derem um Kinetik handelt, machen die Untersuchungen

am ballistischen Laboratorium der

Militärtechnischen Akademie Charlottenburg deutlich:

In einer Kombination von Film- und Telegrafentechnik

werden hier die Bewegungssequenzen

des Gewehrs kinematografisch erfasst. Von

Bedeutung ist der Aspekt der Geschlossenheit

des Systems; wie es ein Beobachter formulierte,

ist die Maschine „a fully-functioning, self-contained

system“ (Berz 2001, S. 631). Die durchlaufe-

39


gute architektur schafft attraktive

lebensräume_wolfgang frey

Ein Gefühl von Heimat kann nur dann entstehen,

wenn sich die Bürger mit dem Ort, an dem sie

leben, identifizieren. Dies geschieht durch autonome

Entscheidungsfreiheit. Die Krux der Architektur

ist häufig, dass sie gern zweckfreie Kunstwerke

kreieren möchte, die möglichst innovativ,

auffällig und preisverdächtig sind. Stadtplanung

dagegen hat zur vorrangigen Aufgabe, einen

identifizierbaren und attraktiven Lebensraum für

Menschen zu schaffen. Gute Ergebnisse können

dann erzielt werden, wenn zu Beginn einer bedarfsgerechten

Planung das Kennenlernen und

Verstehen der Bedürfnisse der künftigen Bewohner

steht. Die Fokussierung auf deren Bedürfnisse

darf nicht in einem formalistischen Prozess

abgearbeitet werden, sondern sollte in kommunikativer

Atmosphäre den Planungsverlauf begleiten.

Wir alle tragen Verantwortung für unsere gebaute

Umwelt. Um eine nachhaltige Stadtentwicklung

voranzutreiben, müssen sich Architekten und

Stadtplaner dieser Verantwortung bewusst sein

und zugleich die Bedürfnisse der Menschen

ernst nehmen. Die Zusammenarbeit mit Kommune,

Bewohnern und Handwerkern schafft dabei

eine Balance der verschiedenen Interessen

und bietet die Möglichkeit, dass alle ihre jeweiligen

Kenntnisse und Fähigkeiten zu jedermanns

Vorteil einbringen können. Freiburg, das als Umwelthauptstadt

Deutschlands gilt, stellt seit Jahrzehnten

einen geeigneten Nährboden für nachhaltige

Architektur und Stadtentwicklung dar. 1

Was bedeutet Nachhaltigkeit?_Nachhaltigkeit

wird erreicht, wenn ökologische und ökonomische

Aspekte im Fokus menschlicher Bedürfnisse

Hand in Hand gehen. Beispiellos ist der in

Deutschland einmalige Passivhausstandard für

Neubauten in Freiburg, der das Ergebnis eines

langen Entwicklungsprozesses ist. Die Bauvorschriften

Freiburgs gelten schon seit Jahrzehnten

als verschärft und übersteigen die gängigen Energiesparverordnungen

Deutschlands um ca. 30

Prozent. 2 Die lange Tradition der Stadt Freiburg,

ökologisch nachhaltige Stadtentwicklung und Architektur

zu betreiben, hat zu einem großen Erfahrungsschatz

geführt und gezeigt, dass nicht in

erster Linie Vorschriften, sondern vor allem das

Verstehen von Zusammenhängen und Konsequenzen

die Zukunft positiv mitbestimmt. Dennoch

war nicht jeder Ansatz der Stadt von Erfolg

gekrönt: Was zunächst nachhaltig zu sein schien,

hat sich manchmal als Irrweg erwiesen und

musste revidiert werden. Die Erkenntnisse jedoch,

die so gewonnen wurden, sind gemäß

dem Verständnis vom Weg als lernende Planung

54 Gute architektur schafft attraktive Lebensräume


1_Die Green City Freiburg (im Foto Stadtteil Rieselfeld) wurde für ihre nachhaltige Stadtentwicklung u.a. als deutsche Umwelthauptstadt,

als Bundeshauptstadt im Klimaschutz und als The European City of the Year ausgezeichnet.

von unschätzbarem Wert. Das Fünf-Finger-Prinzip

trägt diesem Wissen Rechnung und stellt einen

differenzierten Ansatz für nachhaltige Architektur

und Stadtentwicklung dar.

1

Das Fünf-Finger-Prinzip_Das Architekturbüro

Frey hat als Strategie für nachhaltige Architektur

und Stadtentwicklung das Fünf-Finger-Prinzip

entwickelt. Statt einer Ökoromantik, die ästhetische

Vorlieben und Dogmen vor eine pragmatische

und sinnvolle ökologische Gestaltung stellt,

wurde ein ganzheitlich nachhaltiges Konzept entwickelt,

bei dem die Verknüpfung unterschiedlicher

Aspekte reale Nachhaltigkeit erzeugt.

Diese Aspekte sind:


Ökologie: Ökologisches Handeln setzt auf einen

intelligenten Umgang mit Ressourcen.

Ressourcenverwendung steht gegen Ressourcenverschwendung.

In der Gebäudetechnik

bedeutet dies, dass die Eigenschaften der Materialien

und das Anforderungsprofil der Bauaufgabe

eine Symbiose eingehen; in der Heizungstechnik,

dass Ressourcen nicht einfach

verbrannt, sondern mithilfe einer langfristig

rentablen Technik verwendet werden.


Ökonomie: Die Wörter Ökonomie und Ökologie

entspringen dem gleichen griechischen

Wortstamm: „oikos“ = Hauswirtschaften. Gemeint

ist damit ein wirtschaftlicher und sinnvoller

Umgang mit den Ressourcen. Der wahre

Wert eines Gebäudes zeigt sich vor diesem

Hintergrund, wenn langfristige Kosten beachtet

werden; intelligente bautechnische Lö-

55


8_Gute Architektur kann die Kommunikation zwischen Bewohnern und Bürgern fördern – so können freie Plätze in der Stadt einen

Anreiz bieten, ins Gespräch zu kommen. 9_Beim Gebäude in der Freiburger Ökosiedlung Rieselfeld wurden Porträts der beteiligten

Handwerker als gestanzte Lochbleche in die Balkongeländer integriert.

verschiedene Bewohner von Gebäuden wirken

positiv auf nachhaltige Stadtentwicklung. Auch

heterogene Gebäudenutzung hat positive Effekte.

Statt etwa wie in französischen Vorstädten

Lebens-, Wohn-, und Arbeitsraum zu separieren,

werten kleinteilige Gewerbe das Gebäude auf.

Dadurch gewinnt nicht nur das ganze Viertel an

Attraktivität, auch stellen die Gewerbetreibenden

ein Korrektiv dar, dem es an einem gepflegten

Erscheinungsbild des Gebäudes gelegen ist: Jeder

Einzelne ist darum bemüht, die Wohnqualität

zu erhalten.

Der Gestaltungswille prägt die Entwicklung von

Orten. Diese sind für die Menschen identitätsbilnen

sich die Bewohner gerne und fühlen sich als

Teil dieser Hausgemeinschaft. In den Wohnhäusern,

die das Architekturbüro Frey in Freiburg realisiert

hat, wird den Bewohnern das Geld zur

tung der Würde ihres Gegenübers. In diesem Vertrauensraum

kann Verständnis wachsen für die

Bedürfnisse, Sorgen, Ängste und Nöte der Menschen,

die miteinander wohnen. Und nicht nur

8

Verfügung gestellt, um die hausöffentlichen Flure

zu möblieren. Während die Bewohner sich im Gespräch

auf eine bestimmte Gestaltungsvariante

einigen, entsteht einerseits ein Gruppenbildungsprozess,

andererseits vollzieht sich bei den Entscheidern

eine Wandlung zum Eigentumsbewusstsein.

Obwohl nicht faktisch Eigentümer,

entsteht ein Gefühl von Verbindlichkeit, das in

hoher persönlicher Verantwortlichkeit mündet.

Dadurch werden auch unterschiedlichste Bewohnerpersönlichkeiten

aufgenommen. Wenn es gelingt,

dass die Bewohner die ihnen entgegengebrachte

Achtung der eigenen individuellen Würde

empfinden können, gelingt ihnen auch die Ach-

62 Gute architektur schafft attraktive Lebensräume


Standardlösungen dagegen werden diesem Anspruch

nicht gerecht.

Oft wissen wir, was richtig ist, was wir tun sollten.

Trotzdem fällt es uns nicht immer leicht,

Dinge, deren Sinnhaftigkeit wir eingesehen haben,

auch umzusetzen. Was hierfür fehlt, ist ein

9

äußerer Anstoß. Dies gilt für alle bislang aufgezeigten

Bereiche: Ökologische, ökonomische

und soziale Belange in der Architektur sind allzu

oft zwar leicht zu verstehen und auch die Notwendigkeit

des Wollens ist nur allzu offensichtlich.

Langfristige Ziele stellen wir immer wieder

hinter kurze und nicht nachhaltige Erfolge zurück;

was uns direkt betrifft, ist uns immer näher als

Wechselwirkungen mit anderen. Solange ein

Mangel uns noch nicht gravierend in unserem Lebensentwurf

einschränkt, ein Problem noch nicht

akut ist, scheuen wir jede Veränderung, auch

wenn wir wissen, dass es uns nutzen würde.

Wenn die Handwerker Miteigentümer des Hauses

sind, das sie gerade bauen, wächst die persönliche

Bereitschaft zu erhöhtem Engagement.

Wenn die Bewohner sich alle gegenseitig kendend.

Richtig verstanden enthält der Gestaltungswille

also immer auch den Willen zur Verantwortung.

Nicht irgendwie zu gestalten oder

als Ausdruck persönlicher Handlungsmacht,

sondern nachhaltig einen Kulturraum mitzugestalten,

der Gemeinschaft erst zu dieser macht,

ist die Aufgabe von Architektur. Ist man sich der

Verantwortung bewusst, folgt die Notwendigkeit

der Miteinbeziehung der Menschen, die in

diesem Raum leben. Sie erst machen trockene

Stadtplanung zu einem lebendigen Ort kreativer

Prozesse und produktiver Wechselwirkungen.

Schaffen Stadtplanungskonzepte den Rahmen

von architektonischen und lebensweltlichen Entwicklungen,

dies wiederum mit den Bürgern

wechselwirkend, ist so auch die Entscheidung

des Einzelnen ein wichtiger Faktor in der Gestaltung

von öffentlichen, kulturellen und persönlichen

Lebensräumen. Auch hier meint Gestaltungswille

nicht, etwas um seiner selbst willen

zu bauen. Gebäude sind für den Menschen da.

Diese Erkenntnis durchzieht jedes der Anliegen

des Fünf-Finger-Prinzips. Jedes Bauvorhaben ist

Teil eines Viertels, einer Gemeinde und wird von

dieser maßgeblich bestimmt. Jedes Bauvorhaben

wirkt aber auch auf seine Umgebung.

Als Architekt gilt es, den Mut zu neuen Ideen zu

fördern und tragfähige Konzepte mitzuentwickeln.

Nicht nur innovative Bauweisen spielen

hierbei eine Rolle, auch neue Wohnformen sind

Ausdruck des Gestaltungswillens. Gerade selbstorganisierte

Finanzierungsmodelle und Wohninitiativen

entsprechen modernen Lebenskonzepten.

Dem Einzelnen können Freiräume und

Selbstverantwortung zugestanden werden,

ohne damit dessen Vereinzelung zu bedingen.

63


11_Oxley Wood, Milton Keynes 12_Cargo, Plymouth, Devon: Building for Life Award (Gold Standard). Die Blockrandbebauung im ehemaligen

Hafenareal von Plymouth bietet nicht nur Reihenhäuser und Etagenwohnungen, sondern auch Gewerbeflächen im Erdgeschoss.

und damit auf breiter Basis Einfluss auf die Qualität

des Wohnungsneubaus zu nehmen. Zunächst

wurden von 2003 bis 2010 zahlreiche Projekte mit

einem Silver Standard (14 Fragen positiv beantwortet)

oder Gold Standard (16 Fragen positiv beantwortet)

bewertet. Aus dieser engeren Wahl

wurden 74 Projekte mit einem Building for Life

Award ausgezeichnet und mit einer Fallstudie auf

der Webseite von Building for Life gewürdigt.

Von 2004 bis 2006 hat CABE auf nationaler Ebene

ein Gutachten über die Qualität neuer Wohnsiedlungen

aus den Jahren 2001 bis 2006 durchgeführt,

wobei die Fragen aus Building for Life als

Grundlage der Bewertung dienten. Ergebnis dieses

Housing Audit war, dass nur 18 Prozent der

293 untersuchten Projekte einem Silver oder Gold

Standard entsprachen, während bei fast 30 Prozent

weniger als die Hälfte der 20 Fragen positiv

beantwortet werden konnte. 19 Gleichzeitig mit

der Publikation des Housing Audit suchte CABE

das Gespräch mit den zehn größten privaten Wohnungsbauunternehmen

in England, um gemeinsam

Verbesserungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Trotz anfänglicher Berührungsängste ließ sich die

Mehrheit der angesprochenen house builder auf

die Einladung zum Gespräch ein. Die Empörung

über die schlechte Bewertung ihrer Produkte

konnte CABE durch gemeinsame Ortsbegehungen

der betreffenden Siedlungen als Ausgangspunkt

für die Gespräche nutzen. In der Tat brachten

die gemeinsamen Begehungen oft eine erste

Einsicht, da die Führungsebene der Unternehmen

die Siedlungen zuvor oft noch nie besucht

hatte. Gleichzeitig lernte CABE durch die gemeinsamen

Workshops mit den Unternehmen,

ihr Geschäftsmodell und ihre Motivationen besschmacksfrage

und für den Entscheidungsprozess

irrelevant sei. Daher war es den Projektpartnern

wichtig, bewusst eine stilneutrale Position

zu beziehen: Für Building for Life sollte es keine

Rolle spielen, ob eine Siedlung ein zeitgenössisches

Erscheinungsbild oder den traditionalistischen

Tudor-Stil pflegt.

11

Für andere Fragen, bei denen die Projektpartner

keinen Konsens finden konnten, musste eine für

alle vertretbare Vorgehensweise gefunden werden.

In diese Kategorie fiel die bereits erwähnte

Problematik der Mindestraumgrößen für den

Wohnbau. Innerhalb der Building-for-Life-Initiative

einigte man sich auf die allgemein gehaltene

Frage nach der typologischen Qualität. Mit diesem

Begriff wurde die Funktionalität der Grundrisse,

die Ausleuchtung durch natürliches Tageslicht,

die Materialwahl und die Bauausführung

betrachtet. 18

Mit der Konsensgrundlage Building for Life und

mit der Unterstützung der Home Builders Federation

hatte CABE nun die Möglichkeit, den direkten

Kontakt mit der Wohnbauindustrie zu suchen

74 Die (un-)verlässlichkeit des planungssystems als Instrument der Qualitätssicherung


geblich an den Neuauflagen der nationalen Planungsrichtlinien,

den sogenannten Planning Policy

Statements (PPS), beteiligt gewesen war

und dass die Fragen aus Building for Life effektiv

mit den Empfehlungen und Richtlinien auf nationaler

Ebene verzahnt werden konnten. Hinzu

12

kam, dass CABE im Jahre 2007 den Auftrag erhalten

hatte, in jedem Planungsamt mindestens

eine Person auszubilden, die Projekte mit den

Building-for-Life-Fragen bewerten konnte (bis

2011 wurden knapp 500 Personen ausgebildet).

Dadurch konnten die Planungsämter vor Ort

Baugesuche mit transparenten, an den nationalen

Richtlinien orientierten Kriterien bewerten,

die sich nicht nur gut für die Auseinandersetzung

mit Anwohnern im Zuge der Bürgerbeteiligung

eigneten, sondern auch juristischen Widerspruchsverfahren

standhalten konnten. Für die

house builder lag der Reiz darin, dass sie sich

nun besser darauf vorbereiten konnten, welche

Fragen ihnen im Zuge des Baugenehmigungsser

verstehen. Nachdem viele der Unternehmen

sich damit brüsteten, keine Architekten oder Planer

zu beschäftigen, war es für CABE zunächst

ein Ziel, überhaupt eine gemeinsame Sprache für

die Themen Architektur und städtebauliche Qualität

zu finden. Auf der Grundlage einer guten Vertrauensbasis

konnte CABE in einem nächsten

Schritt versuchen, ein Bewusstsein dafür zu

schaffen, wie Architekten oder Planer zu einer

Verbesserung des Produktes beitragen könnten

und inwiefern dieser Mehraufwand für die Unternehmen

auch einen entsprechenden Mehrwert

liefern könnte.

Um eine Argumentationskette dafür aufbauen

zu können, dass sich ein geringer Mehraufwand

für Planung und Entwurf der Wohnsiedlungen

bezahlt machen könnte, gab CABE eine Studie

in Auftrag, die untersuchen sollte, ob Siedlungen,

die durch Building for Life besser bewertet

wurden, ein besseres Verkaufsergebnis zeigten.

Die unveröffentlichte Studie konnte durchaus

eine Korrelation herstellen – beispielsweise berichteten

Makler vor Ort von Preissteigerungen

von 10 bis 25 Prozent – allerdings war die Aussagekraft

der Studie dadurch begrenzt, dass die

Unternehmen ihre Verkaufsergebnisse ungern

preisgaben und dass Externalitäten, beispielsweise

der allgemeine Anstieg der Wohnungspreise

im Umfeld, nicht ausreichend ausgeschlossen

werden konnten.

Als ein weiteres Argument für eine oft nur geringfügig

aufwendigere Planung führte CABE

die schnellere Genehmigung eines Bauantrags

bzw. die gesteigerte Berechenbarkeit von Entscheidungsprozessen

im Planungssystem an.

Hier erwies sich als hilfreich, dass CABE maß-

75


7_Dominium, Unter Sachsenhausen, Köln (Baujahr 2009, Prof. Hans Kollhoff Architekten)

Nach dem Prinzip der Trennung von Stadtbau

und Architektur, Infrastruktur und Hausbau hätte

man weiterbauen können bis heute. Das stößt

tionieren. Auch das Chrysler-Building ist nach

dieser Definition ein Haus. Klare Adresse, ein

Haupteingang und eine plausible Erschließung.

7

hin und wieder an Grenzen, etwa bei der Frage

der Hausgröße. Aber bis dahin kann man das

ausloten.

Ich glaube noch nicht einmal, dass die Gebäudehöhe

das Entscheidende ist. Wenn wir nach

Manhattan gehen, gibt es neben den Brownstones

40-geschossige Hochhäuser, und die

vertragen sich gut Seite an Seite. Es geht auch

nicht darum, eine Gestaltungssatzung aufzustellen

und die Traufhöhe gnadenlos durchzuhalten,

sondern das Entscheidende ist, dass die

Stadtbausteine nach dem Prinzip „Haus“ funk-

Eben keine Megastruktur. Das ist nicht eine

Frage der Größe, denn Megastrukturen gibt es

schon in viel kleinerem Maßstab. Das Prinzip

Haus also, damit kann man weitermachen im

Stadtbau.

Was in Frankfurt diskutiert wird mit der neuen

Altstadt, das ist ein Verzweiflungsakt. Dort wurde

eine solche Megastruktur, nämlich das technische

Rathaus, abgerissen, und zwar, nachdem

die Bürgerschaft ohne Unterlass, seit das Monstrum

gebaut wurde, dagegen opponiert hat. Und

die, die es schließlich zu Fall gebracht haben, wa-

84 Haus und Stadt


en zum großen Teil noch gar nicht geboren, als

es gebaut wurde. Man wollte dieses Haus nicht

mehr, weil man wusste, da gab es diese Altstadt,

von der Bilder zeugten, und hier und da noch ein

Haus, das vom Krieg verschont oder wieder hergestellt

wurde. Ja, man wollte noch nicht einmal

die Fachwerkseligkeit, denn es wurden schon im

frühen 20. Jahrhundert reihenweise Fachwerkbauten

abgerissen, um größeren Häusern Platz

zu machen. Auch das gehört zum Prinzip des

Stadtbaus, dass man Häuser abreißen kann. Es

geht ja nicht darum, immer alles zu konservieren.

Doch wenn ein neues Haus entsteht, dann muss

man es problemlos so nennen können und es

darf in seiner Substanz nicht schlechter sein als

das, was da vorher stand. Darüber hinaus muss

es einen Beitrag leisten zum Kollektivgedächtnis

der Stadt. Das heißt, wenn ich dort neu baue,

muss ich mich auch mit dem auseinandersetzen,

was vorher dort war. Das heißt nicht, dass ich

wieder die gleiche alte Kiste hinstellen muss. Ich

muss einfach berücksichtigen, dass der neue

Eingriff Teil eines Kontinuums baulicher, die Gesellschaft

verkörpernder Ablagerung ist. Aldo

Rossi hat das „Permanenz“ genannt.

Und ich sollte, wenn ich städtisch bauen will,

noch einige Gepflogenheiten berücksichtigen,

etwa eine klare Trennung zwischen öffentlichem

Raum und privater Wohnung. Letztlich

geht das bis hinein in die Materialisierung des

Gebauten. Aus lauter Glashäusern werde ich

keinen städtischen Raum schaffen können, der

dieser Anforderung genüge tut, einem erlaubt,

sich einerseits zurückziehen zu können, und

zwar auf diskrete Weise, und andererseits auf

dem Bürgersteig spazierengehen zu können,

um am öffentlichen Leben im Stadtraum, den

die Häuser bilden, zu partizipieren. Wir kommen

hier also doch nicht um das Architektonische

herum und wir kommen dann zu der Einsicht,

dass diese Bürgerlichkeit nichts weniger darstellt

als das konstitutive Prinzip der Stadt. Die

Häuser sind ja für den Bürger nicht nur Nutzfläche

und Rückzugsmöglichkeit, sondern der Bürger

wendet sich mit seinem Haus auch der Öffentlichkeit

zu, präsentiert sich der Öffentlichkeit.

Ja, das Haus, insbesondere dessen Gesicht, die

Fassade repräsentiert diesen Stadtbürger im

Stadtbild. Aus der Addition solcher Hausindividuen,

die in ihrer Physiognomie etwas vom Bauherren

verraten, entsteht also – wie wir zum

Beispiel in Görlitz sehen – ein vielfältiges, lebendiges

Bild, ein Abbild der Gesellschaften, die an

der Stadtstruktur mitgewirkt haben. Wenn ich

dieses Prinzip verlasse, indem ich wie in den

1920er Jahren oder auch noch in den 1950er

Jahren Zeilenbau praktiziere, die Häuser alle mit

ihrem Balkon nach Süden orientiert und im Norden

die Küche, Bäder und Toiletten, dann kann

man sich gegenseitig nicht mehr in die Augen

schauen, sondern nur mehr auf den Rücken.

Noch ungeselliger ist das schweizerische Prinzip

des Terrassenhauses, wo man sich gegenseitig

auf der Schulter hockt, ohne sich zur

Kenntnis nehmen zu wollen. Daraus entsteht

keine Stadt.

Nun kann man sich fragen: Welcher Art muss die

Kraft sein, die eine Stadt hervorbringt? In manchen

Diskussionen habe ich immer wieder die

Meinung vertreten, dass die Stadt kein Mangelwesen

sein kann. Aus noch so vielen zusammengekratzten

Subventionen wird man keine Stadt

85


Urbanität und die ungleiche Stadt – eine Chance?_

Hartmut HäuSSermann

1

Die drei Begriffe Ungleichheit, Ungleichwertigkeit

und Ungleichzeitigkeit habe ich vor Jahren in

einem Aufsatz nebeneinander gestellt, in dem es

mir vor allem darum ging, den inflationären Gebrauch

des Wortes urban zu kritisieren. Damals

war es üblich, jeden Entwurf eines Architekten –

ob das ein Toilettenhäuschen oder eine Verkehrsinsel

war – als urban zu kennzeichnen. Das war

so nichtssagend, dass die Vermutung nahe lag,

diejenigen, die den Begriff benutzten, wüssten

meistens gar nicht, wovon die Rede ist – nämlich

von Urbanität. Mit Urbanität kann zweierlei gemeint

sein: eine urbane Lebensweise oder eine

urbane Situation. Nur von Letzterer soll hier die

Rede sein.

Es gibt Städte, die wir nicht als urban empfinden,

zum Beispiel im Ruhrgebiet in der Mitte des 20.

Jahrhunderts. Aber wann empfinden wir etwas

als urban? Ich habe damals in meinem Aufsatz

als erste Dimension die Simultanität oder die örtliche

Gleichzeitigkeit von Ungleichheit definiert.

Das Gegenteil solcher Simultanität des Ungleichen

wäre Uniformität, absolute Gleichheit. So

empfinden wir das Gegenteil einer urbanen Situation

als langweilig: Kasernen, serielle Plattenbauten

oder einförmige Einfamilienhaussiedlungen.

Der Begriff Ungleichwertigkeit wiederum ist

gegen Megastrukturen wie die großen Einzelhandelszentren

gerichtet, die im Umland und inzwischen

auch in den Städten entstehen. Sie werden

von ihren Planern regelmäßig als Inbegriff

des Urbanen verkauft, aber sie haben mit Urbanität

nichts zu tun. Dort ist alles inszeniert, jeder

Winkel sorgfältig geplant, um ein Maximum aus

der Investition herauszuholen. Aber eben deshalb

fehlt all das, was wir, wenn wir durch Städte

gehen, interessant, anregend und aufregend

empfinden – das Nebeneinander von ungleichwertigen

Dingen: der Laden, der gebrauchte

Briefmarken verkauft, neben dem Zigarettenla-

102 Urbanität und die ungleiche Stadt – eine Chance?


1_Mit Urbanität kann zweierlei gemeint sein: eine urbane Lebensweise oder eine urbane Situation. 2–4_Das Nebeneinander, die Mischung

aus ungleichwertigen Nutzungen und die Überlagerung verschiedener historischer Schichten werden als urban empfunden.

2, 3, 4

den, neben dem Nike-Shop, neben der Bar –

diese Mischung aus ungleichwertigen Nutzungen

ist es, die eine Situation erst urban macht.

Der dritte Begriff, Ungleichzeitigkeit, meint die

Anwesenheit von Geschichte. Siedlungen, die

zu einem Zeitpunkt, in einem Stil, meistens sogar

noch von einem Investor gebaut wurden,

sind Orte, die schnell erfasst werden können,

sie bergen keine Aufregungen, keine Entdeckungen,

sie sind langweilig, nicht zuletzt, weil

nur ein Zeitpunkt dort repräsentiert ist. An urbanen

Orten finden wir Zeugnisse der Geschichte

– das Palimpsest, also die verschiedenen historischen

Schichten einer Stadt empfinden wir als

urban.

Urbanität lässt sich nicht planen. Sie ist das Ergebnis

von Entwicklung, von Geschichte. Was

ist die Konsequenz aus dieser Erkenntnis für

die Planung? Urbanität ist nicht das Ergebnis

bewusster planerischer Entscheidung, sondern

das Ergebnis einer Entwicklung, an der eine

Vielzahl unterschiedlicher Akteure, Interessen

und Initiativen usw. beteiligt sind. In diesem vielschichtigen

Prozess entsteht, wenn es gut geht,

ein urbaner Ort.

Planung behindert solche Prozesse eher, als

dass sie diese befördert. Wie ist Stadtplanung

entstanden? Ihre Anfänge liegen Ende des

19. Jahrhunderts, als sich die Städte gänzlich

ungeplant entwickelten. Bis zur Industrialisierung

bauten die Bürger ein Haus neben das andere.

Man hatte ein Grundstück, baute darauf

sein Haus und nutzte es selbst. Mit dem rasanten

Städtewachstum der Industrialisierung aber

kamen die Investoren, die Spekulation, Geschwindigkeit

und Unordnung – eine im Vergleich

103


3_Um Unternehmen wird mit technischen Infrastrukturen und steuerlichen Vergünstigungen geworben … 4_… aber auch mit dem gesamten

kulturellen Umfeld einer Stadt – die Karlsruher Kampagne „viel vor. viel dahinter“ endet 2013 nach zehn Jahren. 5_Kommunen

sind gefordert, unternehmerisch tätig zu werden und eine aktive Rolle bei der Initiierung von Unternehmensansiedlungen einzunehmen.

von Unternehmensansiedlungen zu spielen und

sich mit neuen, auch spekulativen Mitteln im globalen

Feld zu positionieren. Der interlokale Wettbewerb

ist, wie Neil Brenner gezeigt hat, keine

unabwendbare Konsequenz, sondern ein politisches

Projekt: Seit den 1980er Jahren lässt sich

eine staatlich betriebene Standortpolitik beobachten,

die diesen Wettbewerb befördert hat

und die auf den Ausbau wichtiger Metropolitanregionen

und Städtenetze setzt, während ländliche

Regionen ins Hintertreffen geraten (Brenner

2004, S. 172ff.).

Seit damals ist auch von der „unternehmerischen

Stadt“ die Rede. Als einer der ersten hat der Geograf

David Harvey die neue Situation beschrieben:

die Zunahme des Wettbewerbs zwischen

Städten, die sich als Produktionsstandort, Konsumzentrum

oder Drehscheibe internationaler

Finanztransaktionen zu behaupten versuchen

und die um die nationalen Fördermittel konkurrieren

müssen – dazu gehen sie öffentlich-private

Kooperationen ein und initiieren lokale Netzwerke,

die zu ökonomischem Aufschwung führen

sollen (Harvey 1989; Hubbard/Hall 1998). Das

Modell der Governance ist mit dieser Situation

eng verbunden: Nicht-hierarchische Aushandlungssysteme

abseits der traditionellen politischen

Institutionen werden etabliert, um das

wirtschaftliche Wachstum anzukurbeln. Da der

Zugang zu diesen Netzwerken in der Regel beschränkt

ist, die Zielsetzungen durch exklusive

Gruppen formuliert werden und eine Konvergenz

von ökonomischen Interessen und Stadtpolitik

festzustellen ist, gab es von Beginn an Kritik – die

sich bis heute nicht erübrigt hat (Mayer 1994, S.

324; Hubbard/Hall 1998, S. 10f.). Kritisch zu be-

3, 4

trachten ist die Unterordnung immer weiterer

Bereiche unter das Primat der Standortlogik,

denn um Unternehmen wird längst nicht nur mit

technischen Infrastrukturen und steuerlichen Vergünstigungen

geworben, sondern ebenso mit

Forschungs- und Bildungsinstitutionen, Wohnund

Freizeitangeboten, dem kulturellen Umfeld

insgesamt. Unternehmerische Städte betreiben

Imagepolitik und Profilbildung und betonen naturoder

kulturräumliche Differenzen (Mayer 1990, S.

112 Stadt- und regionalpolitik, Wettbewerb und die produktion von differenz


191). Auch räumliche Nähe wird dabei als Wert

gehandelt: Lokale Vernetzung steht für den Austausch

von Wissen und die Konzentration von

5

Fertigkeiten und erscheint als Wettbewerbsvorteil

(Röttger/Wissen 2005, S. 209ff.; Kröcher

2007, S. 71ff.). Städte und Regionen, auch städtische

Quartiere, verstehen ihre historische Spezifik

immer mehr als gewinnbringendes Kapital

und begreifen sich als wirtschaftliche Akteure,

die sich mit ihren lokalen Besonderheiten profilieren

können.

Regieren durch Community_In verschiedenen

Disziplinen, sei es Geografie, Soziologie, Planungs-

oder Politikwissenschaften, ist diese Hin-

wendung zum Lokalen bemerkt worden. Der Soziologe

Nikolas Rose bietet für diese Entwicklung

so etwas wie eine Metatheorie, die betont, dass

es dabei um ein politisches Konzept geht: Mit der

Formel „Regieren durch Community“ umschreibt

er ein neues Ordnungsmodell, das nicht mehr auf

den Nationalstaat, sondern auf kleinere Einheiten

setzt. „Das Soziale“, verstanden als sozialpolitisches

Modell, das Ende des 19. Jahrhunderts erfunden

wurde und das den Raum des Nationalstaats

als Einheit dachte, innerhalb derer es

gemeinsame Vorsorge, Solidarität und Wohlfahrt

gibt, ist für ihn eine historische Größe geworden.

An die Stelle des Nationalstaats scheinen nun

kleinere Einheiten als neue Bezugsgrößen zu treten:

Solidarität wird, so Rose, in diesem neuen

Modell nur mehr innerhalb kleinerer, vergleichsweise

homogener Gemeinschaften oder Communities

geübt, die durch gemeinsame Interessen

zusammengehalten werden – während der soziale

Raum insgesamt von Konkurrenz geprägt ist

(Rose 2000a). Diese Entwicklung ist für ihn kein

zufälliges Resultat. Politik, Stadt- und Raumplanung,

Sozialarbeit oder das Marketing großer Unternehmen

leiten diese Community-Bildung an;

sie wirken an der Bündelung und Homogenisierung

von Interessen mit, fördern das zivilgesellschaftliche

Engagement und versuchen, die Bevölkerung

zu aktivieren, unter anderem in Bezug

auf die räumlichen Einheiten des Quartiers, der

Stadt oder der Region.

Dass Communities gezielt initiiert werden können,

zeigt Rose an Gated Communities sowie an

der Orientierung von Sozialarbeit an sozialen

Nahräumen. In beiden – ganz unterschiedlich gearteten

– Fällen handelt es sich um von außen

113


che Stellen in der Pflege besetzt werden. Zusammen

mit dem Ersatz der bis dahin pensionierten

Erwerbstätigen hat das zur Folge, dass in den

Eines der größten individuellen Risiken im Alter

ist die Hilfs- und Pflegebedürftigkeit gegen Ende

des Lebens. In der Schweiz existiert im Unterschied

zu Deutschland keine Pflegeversicherung.

Ist aufgrund des Gesundheitszustandes oder der

zunehmenden Hilfsbedürftigkeit eine Aufnahme

in eine stationäre Einrichtung notwendig, können

die Kosten selten aus den Renteneinkünften allein

beglichen werden. Wenn das eigene Vermögen

nicht ausreicht, springt der Staat mit den sogenannten

Ergänzungsleistungen ein.

Nun ist die Hilfs- und Pflegebedürftigkeit nicht

allein ein finanzielles Risiko. Knappheit zeichnet

sich auch beim Personal im Gesundheits- und Sozialwesen

ab. Bis 2030 müssen gegenüber 2006

gesamtschweizerisch etwa 28 Prozent zusätzli-

kommenden 20 Jahren ebenso viele Gesundheitsfachleute

ausgebildet werden müssten, wie

heute überhaupt im Gesundheitswesen arbeiten.

Aufgrund der ungünstigen Altersstruktur der aktuellen

Belegschaft werden 90 Prozent dieses

Zuwachses in der Langzeitpflege anfallen, also in

den Alters- und Pflegeheimen sowie in der ambulanten

Hilfe und Pflege zu Hause (Jaccard Ruedin/

Weaver 2009, S. 11). Die Kommunen, in deren

Zuständigkeit diese Dienste fallen, sind gefordert,

mit ihren Planungen auf diese Knappheit zu

reagieren, um die künftige Versorgung sicherzustellen.

130 zeittausch als neuer baustein der altersvorsorge


Der Grundsatz „ambulant vor stationär“ ist die

Richtschnur der St. Galler Versorgungsplanung im

Altersbereich. Einerseits, weil es dem zunehmend

geäußerten Bedürfnis entspricht, so lange wie

möglich autonom im eigenen Haushalt zu leben,

zum anderen, weil die ambulante Pflege und Betreuung

bis zu einer mittleren Pflegebedürftigkeit

kostengünstiger ausfällt als Bereitstellung und

Betrieb eines Heimplatzes. Dementsprechend

wurden in den vergangenen Jahren die Planungsrichtwerte

für Betreuungsplätze in stationären Einrichtungen

deutlich gesenkt. Parallel ist die Nachfrage

nach ambulanten Pflege- und Hilfeleistungen

gestiegen. Um die Versorgung auch künftig sicherzustellen,

sind jedoch flankierende Maßnahmen

und Angebote in der Gesundheitsförderung und

Prävention, in der Entlastung pflegender Angehöriger,

im Case Management und in der Sozialberatung

unabdingbar.

In die Reihe dieser Maßnahmen fügt sich auch

die Zeitvorsorge ein. Ein zunehmender Anteil der

Bevölkerung befindet sich dank gestiegener Lebenserwartung

immer länger in der Nacherwerbsphase,

dies oft bei guter Gesundheit und durchaus

in der Lage, Leistungen zugunsten der

Allgemeinheit zu erbringen. Diese gewonnenen

Lebensjahre sind eine gesellschaftliche Errungenschaft.

Ihr Genuss fällt jedoch privat an und

ihre Finanzierung muss, wenn sich am bestehenden

Arrangement nichts ändert, zu einem großen

Teil von der erwerbstätigen Bevölkerung geleistet

werden. Heute kommen im Kanton St. Gallen auf

100 Personen im Erwerbsalter 27 Pensionierte,

2035 werden es 51 sein. Auch in der beruflichen

Vorsorge findet eine markante Umverteilung von

jung zu alt statt. Die Generationensolidarität wird

zu Lasten der Jungen übermäßig strapaziert.

Ohne Anpassungen ist der viel beschworene Generationenvertrag

gefährdet.

Eine Altersvorsorge, die sich nicht auf die Dimension

des Geldes beschränkt, könnte zum Baustein

eines neuen Generationenvertrags werden.

Ziele und Rahmenbedingungen des St. Galler

Zeitvorsorgesystems_Das St. Galler Zeitvorsorgesystem

soll den zunehmenden Ungleichgewichten

in der Versorgung mit Dienstleistungen

der Altershilfe entgegenwirken, indem es


die gegenseitige Unterstützung in der Art der

Nachbarschaftshilfe fördert;


die ungenutzten Mitwirkungspotenziale der

„fitten Alten“ weckt;


die Versorgungskette durch ein Element der

Laienhilfe ergänzt, das die subventionierten

professionellen Dienste und damit die öffentlichen

Finanzen entlastet;


alternden Bürgerinnen und Bürgern ein zusätzliches

persönliches, nicht monetäres Vorsorgeinstrument

zur Verfügung stellt und


für den Zeittausch über längere Zeiträume hinweg

einen verlässlichen Rahmen schafft.

Bildlich gesprochen möchte man mit der Zeitvorsorge

gewisse soziale Qualitäten des Dorfes in

die Stadt zurückholen. Vorgaben bei der Konzipierung

waren unter anderem die Vermeidung

von Parallelstrukturen und die frühzeitige Einbindung

der bestehenden Akteure auf dem Gebiet

der Altershilfe. In diesem Sinn wurde das Zeitvorsorgesystem

als eine Ergänzung zum Bestehenden

und nicht als dessen Umkrempelung

entwickelt. So sieht das Konzept vor, dass die

traditionellen Leistungserbringer in der Alters-

131


der konkreten Rahmenbedingungen und Ausprägungen

mit ganz bestimmten Interpretationen

verknüpft werden können. Unterschiedliche Einschätzungen

dürften hierbei allerdings die Regel

sein. Weniger vielleicht bei relativ objektiven

Schädigungen, zum Beispiel durch Naturkatastrophen,

denen man ausgesetzt ist, mehr

da für bei eher subjektiven, zum Teil diskussionswürdigen

„Bedrohungen“, zum Beispiel der Sauberkeit,

der öffentlichen Ordnung oder der für

manche Bewohner bedrohlichen Aufwertung

eines Wohnquartiers.

Dazu ein Extrembeispiel: Um Bedrohungen gegen

den eigenen Grund und Boden abzuwehren,

gibt es in Florida/USA seit 2005 die berüchtigten

Stand-Your-Ground-Gesetze. Diese erlauben die

Anwendung selbst von tödlicher Gewalt, um potenzielle

Bedrohungen wie Angriffe gegen und

Einbrüche in das eigene Haus abzuwehren. Erst

vor wenigen Monaten kostete dieses Gesetz einen

vermutlich unschuldigen jungen Mann das

Leben, als er nachts von einem sich bedroht fühlenden

und widerstehen wollenden Nachbarn auf

offener Straße erschossen wurde.

Dieses Beispiel dürfte verdeutlichen, wie subjektiv

die Einschätzung von Bedrohung und Resilienz

(hier: Widerstandsfähigkeit in punkto Sicherheit)

aufgefasst werden kann. Und es dürfte

deutlich werden, dass Begriffe wie Bedrohung

und Resilienz als Mindestanforderung in einem

rationalen gesellschaftlichen Diskurs und im Konsens

bestimmt werden sollten!

Es zeigt sich demnach, dass Resilienz als soziale,

bestenfalls diskursiv bestimmte und gegebenenfalls

mehrheitlich anerkannte Konstruktion anzusehen

ist, die zudem in der Regel auf eine ganz

bestimmte Bedrohung hin ausgerichtet ist. Die

Begrifflichkeiten rund um Resilienz können somit

im engeren Sinne nur relational erörtert werden,

also wenn die konkreten Rahmenbedingungen

und genauen inhaltlichen Festlegungen dessen,

was damit in einem bestimmten Fall gemeint ist,

berücksichtigt werden können.

Darüber hinaus bedarf es einer transparenten

und nachvollziehbaren Begründung, warum es

dabei zu welchen normativen Bewertungen

kommt. Diese Begründung ist unverzichtbar. Erst

wenn verständlich begründet wird, warum ein

Sachverhalt als bedrohlich und eine Reaktion als

resilient erachtet werden, und diese Begründung

im öffentlichen Diskurs standhält, kann es in demokratischen

Gesellschaften dazu eine allgemein

akzeptierte Übereinkunft geben.

Sind attraktive und lebenswerte Innenstädte

per se resilient?_Befasst man sich mit der Frage

der Resilienz, sollte beachtet werden, dass attraktive

und lebenswerte Innenstädte, den vorherigen

Feststellungen folgend, keinesfalls per se

als resilient zu erachten sind. Vielmehr sind sie

unterschiedlichsten subjektiven oder auch intersubjektiven

Bedrohungen ausgesetzt, die es in

andauernden Prozessen abzuwehren oder zu bewältigen

gilt. Je homogener – man denke zum

Beispiel an Funktionstrennung – oder je monotoner

bestimmte Strukturmerkmale ausgeprägt

sind, so lässt sich dabei unschwer schlussfolgern,

desto größer dürfte eine darauf bezogene

strukturelle Bedrohung ausfallen, man denke

zum Beispiel an die Verödung solcher Monostrukturen.

Und nur, wenn es in einer Innenstadt oder

mehreren strukturell ähnlich betroffenen Innen-

140 Aktuelle Beobachtungen zur Resilienz attraktiver Innenstädte


1–3_„Attraktiv“ sanierte Innenstädte in den neuen Bundesländern

1, 2, 3

städten bei einer bestimmten Bedrohung gelingt,

diese eine Bedrohung abzuwenden oder zu bewältigen,

dann erweisen sich diese Innenstädte

in dieser einen Hinsicht auch als resilient.

Gleichwohl gibt es bestimmte Bedrohungen, denen

Innenstädte durch eine (allgemein anerkannte)

attraktive und lebenswerte Gestaltung

gut widerstehen können und gegenüber denen

sie sich als besonders resilient erweisen. Dies

gilt vor allem, wenn die Innenstädte dem darauf

bezogenen Handeln zugänglich sind, das heißt

wenn sie bzw. ihre Bürger die Attraktivität und

Lebenswertigkeit selbst aktiv herstellen und pflegen

können. Dies dürfte zum Beispiel bei einem

durch wenig Dynamik geprägten Wohnungsmarkt

der Fall sein, bei dem es ein Überangebot,

aber keine Nachfrage nach Wohnungen gibt. Das

Überangebot stellt eine Bedrohung für die Wohnungsbestände

dar, wenn sie den qualitativen

Anforderungen der Nutzer nicht mehr gerecht

werden. In diesem Fall ist eine aktiv herstell- und

pflegbare Attraktivität und Lebenswertigkeit der

Wohnungsbestände eines Quartiers und eines

Wohnumfeldes – insbesondere unter Mitwirkung

aller Beteiligten – der sicherste Garant gegen die

Bedrohung eines wenig dynamischen Marktes.

Sind die Wohnungsbestände in einer solchen Situation

nicht ohnehin schon attraktiv und lebenswert,

also resilient gegenüber den Bedrohungen,

so lassen sie sich doch, wenn sie dem Handeln

zugänglich sind, anpassen und einem resilienten

Zustand annähern. Zum Beispiel kann man, unterstützt

von günstigen Baukrediten, Steueranreizen

oder Programmen der Städtebauförderung,

Gebäude modernisieren und zeitgemäß sowie

flexibel (das heißt ungleich) ausstatten oder

141


Planen im Konjunktiv_Gerhard Schmitt

1, 2

Die Entwicklung urbaner Systeme_Auf den ersten

Blick scheint es wenige Orte auf dieser Erde

zu geben, die sich in ihrer Geschichte und ihrer

Gegenwart mehr unterscheiden als Singapur und

Görlitz. Auf der einen Seite eine tropische Insel

von der Größe Hamburgs in der Mitte einer boomenden

Wachstumsregion, von der aus mehr als

drei Milliarden Menschen in kurzer Flugzeit zu

erreichen sind; auf der anderen Seite eine wunderschöne

historische Stadt in der Mitte Europas

in einem temperierten Klima, die sich an die Veränderungen

in der Folge der Wiedervereinigung

Deutschlands und an die demografischen Entwicklungen

in Europa anpasst.

Oft hat man den Eindruck, als gäbe es bei der

Planung in Asien keinen Konjunktiv, als sei dieses

sorgsame Abwägen verschiedenster Möglichkeiten,

die in einer ungewissen Zukunft liegen, eine

speziell europäische Eigenart. Es ist nicht die

Absicht dieses Beitrages, Regionen direkt miteinander

zu vergleichen, vielmehr will er die speziellen

Konditionen in den sich rapide urbanisierenden

Gegenden der Welt beschreiben und diese

mit ausgewählten örtlichen und zeitlichen Situationen

in Europa in Beziehung setzen. In einigen

Fällen ist es möglich, aus der Vergangenheit

Lehren zu ziehen und diese auf die neue Entwicklung

in beiden Regionen anzuwenden. Görlitz

und andere europäische Städte haben ihre

Nachhaltigkeit und Resilienz über Jahrhunderte

unter Beweis gestellt. Dieses Wissen kann ein

wesentliches Exportgut Europas in die aufstrebenden

Städte Asiens, Afrikas und Südamerikas

werden.

152 Planen im Konjunktiv


1+2_Untermarkt Görlitz, Deutschland, und Marina Bay Sands, Singapur: Unterschiede in der Auffassung und der Gestaltung des

öffentlichen Raums: Görlitz steht auf gewachsenem Boden, das Land für neue Bauten in Singapur ist dem Pazifik durch Aufschüttung

abgerungen. 3_Gardens by the Bay, Singapur, entstehend auf aufgeschüttetem Land im Meer. Blick von Marina Bay Sands auf die Marina

Barrage.

Nach vielen Jahrzehnten kolonialer Verwaltung

und nach der blutigen Okkupation durch Japan

im Zweiten Weltkrieg fiel Singapur 1945 in eine

Zeit der politischen und gesellschaftlichen Unruhen.

Seit seiner Gründung als Stadtstaat im Jahr

1965 hat es ein rasantes Wachstum vorgelegt,

denn noch Mitte der 1960er Jahre hatte es mit

einer Bevölkerung von weniger als zwei Millionen

Menschen die gleiche Größe wie London

130 Jahre zuvor. Die Regierung des unabhängigen

neuen Staates legte den Schwerpunkt auf

die Verbesserung der ausgesprochen schlechten

Lebensbedingungen in der Stadt: Singapur hatte

keine natürlichen Ressourcen, nicht genügend

Wasser, war dagegen aber konfrontiert mit fürchterlichen

hygienischen Bedingungen und täglicher

Gewalt. Eine Antwort darauf war die Null-

Toleranz-Politik gegenüber Korruption und

Drogen. Der soziale Wohnungsbau wurde zur

ersten Priorität. Ökonomisch durchlief das Land

verschiedene Phasen, beginnend mit der Niedriglohn-Produktion

von Spielzeugen und Unterhaltungselektronik,

gefolgt von biomedizinischer Innovation

und Produktion bis zum Einstieg in den

Markt interaktiver digitaler Medien. Zu Beginn

des zweiten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts ist

Singapur wahrscheinlich eine der am weitesten

fortgeschrittenen Wissensgesellschaften.

Das Wachstum der Bevölkerung in den letzten

fünf Jahrzehnten geschah hauptsächlich durch

Migration aus China, Malaysia und Indien. Heute

leben mehr als 5,2 Millionen Menschen auf einer

Fläche von 715 Quadratkilometern, von denen

mehr als 250 Quadratkilometer in den letzten

40 Jahren künstlich im Meer aufgeschüttet wurden.

Nach wie vor bietet die Insel umfangreiche

Grünflächen, Erholungsparks und offenen Raum.

Dieses Freihalten von Flächen verlangt auf der

anderen Seite hohe Verdichtung in den bebauten

Gebieten. Eine Besonderheit von Singapur ist,

dass mehr als 80 Prozent der Bevölkerung in sozialen

Wohnungsbauten leben, die vom Housing

3

Development Board (HDB) geplant und errichtet

werden. Weniger als 20 Prozent der Bevölkerung

leben in Einfamilienhäusern oder privaten

Hochhäusern. Die Architekten der frühen HDB-

Konstruktionen in den 1960er Jahren versuchten,

die Fläche zu maximieren und die Kosten für

die Bewohner zu minimieren, was auch gelang.

Typischerweise wurden die Wohnungen nicht

gemietet, sondern gekauft. Die Entwicklung begann

mit vier- bis sechsstöckigen Einbündern in

Stahlbeton und Ziegelkonstruktion. Die neuesten

HDB-Komplexe sind über 50 Stockwerke

hoch und bieten mehr als 6000 Menschen Lebensraum.

Eines der spektakulärsten Ensembles als Ausgangspunkt

eines neuen Hochhausstadtteils auf

153


Stadtentwicklung im Nexus von Ressourcenschonung

und Klimaschutz_Daniel B. Müller

Ressourcenverbrauch und Klimawandel sind

auf vielfältige Weise miteinander verknüpft.

Stadtentwicklung steht im Nexus dieser Problemfelder

und kann daher zur Lösung dieser

Probleme beitragen. Städte sind grundsätzlich

offene und daher im strengen Sinne nie nachhaltige

Systeme, welche von einem Güteraustausch

mit ihrem zunehmend globalen Hinterland

abhängen. Die Frage einer nachhaltigen

Entwicklung von Städten sollte daher ergänzt

werden um die Frage, wie Städte zu einer

nachhaltigen globalen Entwicklung beitragen

können. Eine Gesamtschau der urbanen Entwicklung

und deren Auswirkungen auf Ressourcennutzung

und Emissionen erscheint

mithilfe einer Erfassung des anthropogenen

Metabolismus auf unterschiedlichen Maßstabsebenen

möglich.

In diesem Beitrag wird anhand von Eisen und

Kohlendioxid grob skizziert, welche Verknüpfungen

es zwischen Stadtentwicklung, Ressourcenschonung

und Klimaschutz gibt, welche

Schwierigkeiten bei der Bewertung von einzelnen

Städten auftreten können und welche

Handlungsoptionen bestehen, um eine hohe

urbane Qualität zu erreichen und gleichzeitig einen

Beitrag zu den regionalen oder globalen Zielen

von Ressourcenschonung und Klimaschutz

zu leisten.

Städtewachstum, Ressourcenverbrauch und

Treibhausgasemissionen_Städte bieten ihren

Bewohnern auf kleinem Raum ein breites Angebot

an Dienstleistungen und Gütern, ermöglichen

soziale Kontakte und bilden damit eine Grundlage

– wenn auch keine Garantie – für kulturelle

Entwicklung, technologische Innovation, ökonomisches

Wachstum und Wohlstand. Die Erde

durchläuft zurzeit die größte Urbanisierungswelle

ihrer Geschichte. 2008 lebte zum ersten

Mal eine Mehrheit der Weltbevölkerung in Städten.

Bis 2030 wird diese Zahl auf fast fünf Milliarden

anwachsen, wobei das größte Wachstum in

Entwicklungsländern (vor allem in Asien und Afrika)

erwartet wird, während in vielen Industrieländern

mit einer Stabilisierung oder sogar mit

einer Schrumpfung der urbanen Bevölkerung gerechnet

wird (United Nations Population Division

2010).

Gleichzeitig sind Bau, Unterhalt und Nutzung von

urbanen Strukturen, zusammen mit dem veränderten

Konsumverhalten von Städtern, zum

großen Teil für den massiven Anstieg von Ressourcenverbrauch

und Treibhausgasemissionen

verantwortlich. Vonseiten der Politik besteht zunehmende

Einigkeit darüber, dass die globale

Erwärmung auf weniger als 2°C gegenüber dem

vorindustriellen Niveau zu begrenzen ist. Aktuelle

Klimaszenarien verdeutlichen, dass dieses Ziel

168 Stadtentwicklung im Nexus von Ressourcenschonung und Klimaschutz


1_Entwicklung der Weltbevölkerung in weniger und mehr entwickelten Ländern (eigene Darstellung auf Grundlage von UN-Daten). Die

künftige Zunahme der Weltbevölkerung wird vor allem in weniger entwickelten Ländern erwartet, während in Industrieländern mit einer

Sättigung der Bevölkerung gerechnet wird. Gleichzeitig konzentriert sich die Urbanisierung in den kommenden Jahrzehnten auch auf die

weniger entwickelten Länder. In der Summe tragen Bevölkerungswachstum und Urbanisierung zu einem massiven Bedarf an Primärressourcen

in weniger entwickelten Ländern bei.

Informationsaustausch rund um den Erdball. Aus

ökologischer Sicht führt die Globalisierung zu

einer geografischen Verschiebung von Ressourcen:

Rohstoffe werden in unterschiedlichen Ländern

abgebaut, zu Produkten verarbeitet, konsumiert,

rückgewonnen oder entsorgt. Die

Globalisierung hebt die Grenzen aber nicht vollkommen

auf: Sie führt eher zu ihrer Verschiebung

von der regionalen zur globalen Maßstabsebene.

Bei Massenrohstoffen, beispielsweise Wasser

oder Kies, welche teuer zu transportieren sind,

können regionale Verknappungen das Städtewachstum

immer noch vor größere Herausforderungen

stellen. Außerdem erhalten einzelne Rohstoffe

durch die Globalisierung eine erhöhte

geopolitische Bedeutung. Die Versorgung mit sogenannten

kritischen Rohstoffen (zum Beispiel

seltene Erden, Platinmetalle, Kobalt oder Lithium,

welche eine wichtige Rolle für die Produktion von

Windrädern, Solarzellen, Elektronikartikeln oder

Katalysatoren haben) wird nicht nur begrenzt

durch die natürlichen Vorkommen in der Erdkruste,

sondern wird zunehmend auch gefährdet

durch Störungen in der globalen Versorgungskette.

Auslöser dafür können unter anderem Monopole

bei Abbau oder Verarbeitung in Kombination

mit Naturkatastrophen, politischen Unruhen

oder nationalen Interessen (zum Beispiel Exportbeschränkungen)

sein.

Nachfolgend wird die Rolle von Siedlungen

(Städte können aufgrund mangelnder Daten

nicht von ruralen Siedlungen unterschieden werden)

für den Stoffhaushalt auf regionaler und

globaler Ebene am Beispiel von Eisen und Kohlendioxid

diskutiert. Es wird illustriert, wie ein

Sys temansatz zur Beschreibung des anthropogemit

großer Wahrscheinlichkeit nur erreichbar ist,

wenn die globalen Treibhausgasemissionen bis

2050 um 50 bis 85 Prozent gegenüber dem Wert

von 2000 reduziert werden (IPCC 2007). Uneinigkeit

und Unklarheit besteht hingegen da rüber, wie

eine solche Reduktion erreicht werden und welche

Rolle die Stadtentwicklung dabei spielen

könnte (Dodman 2009; Müller et al. 2012).

1

Die Urbanisierung und Industrialisierung einer

wachsenden Bevölkerung (Abb. 1) führt zu einer

Verschiebung von Ressourcen und Stoffen aus

der natürlichen Umwelt (zum Beispiel Erz- oder

Erdöllagerstätten) in die gebaute Umwelt (zum

Beispiel Infrastrukturen oder Konsumgüter) oder

in andere Umweltkompartimente (zum Beispiel

Verfrachtung von Kohlenstoff aus fossilen Lagerstädten

in die Atmosphäre und Ozeane).

Ein weiterer wichtiger Trend der Ressourcennutzung

hängt mit der Globalisierung zusammen:

Während in der Vergangenheit Wachstum durch

einen regionalen Mangel an natürlichen Ressourcen

begrenzt war (zum Beispiel Nahrungsmittel

in Alpentälern), hebt die Globalisierung – aufgrund

billiger und effizienter Transportsysteme –

diese Grenzen auf und erlaubt einen Güter- und

169


7_Binsfeld in Unterfranken 8_Siedlung Aubuckel Mannheim – Leitungsschemaplan

Energieeffiziente Quartierslösungen_Ein weiterer

evolutionärer Schritt wird in jüngerer Zeit

mit integrierten Nahwärme- und Quartierslösungen

erreicht. Damit erweitern sich die Optionen

im Sinne intelligenter Problemlösungen

durch das Einbeziehen der Energieversorgung

baukulturelle Strategie genutzt werden (Krau

2011).

Solarthermie, BHKW mit Biogas und Gewerbebetriebe

mit überschüssiger Abwärme können

ein Nahwärmenetz speisen, BHKW und Photovoltaik

zusätzlich ein Nahstromnetz – alles nicht

7

in eine Gesamtstrategie über das Einzelgebäude

hinaus. Entscheidungsprozesse, inwieweit

Energieeffizienz über bauliche oder anlagentechnische

Maßnahmen am Einzelgebäude

bzw. über Nahwärme- und Nahstromnetze erreicht

wird, werden zu einem Abwägungsvorgang,

der sich auf die Kosten-Nutzen-Seite, auf

die Durchführbarkeit wie auch auf qualitative

Dimensionen bezieht. Dies gibt auch dem architektonisch-städtebaulichen

Denken neue Spielräume,

indem es eigenständige architektonische

Dimensionen sowie diejenigen von

Stadtbild und Denkmalschutz einzubeziehen erlaubt.

Die Betrachtung des Hauses im energetischen

Quartiersverbund kann also explizit als

fossile Wege mit hohem Nutzungsgrad. Es lassen

sich neu erbaute Null- oder Plusenergiehäuser

mit Denkmalgebäuden verbinden, bei denen

dann auf Außendämmung und Dachpaneele

verzichtet werden kann. Gebäude mit Energieüberschüssen

versorgen solche mit Energiemangel

mit, so zum Beispiel das Denkmal mit in

unmittelbarer Nähe erzeugter Wärme. Damit

das neue Haus das alte auch rechnerisch mitziehen

darf, muss jedoch die EnEV geändert

werden, um den Denkmalen und stadtbildrelevanten

Ensembles in der energetischen

Quartiersbilanz niedrigere Standards gestatten

zu können. Die ländliche Gemeinde Binsfeld/Unterfranken

dürfte das früheste Beispiel sein, bei

186 Wege zur Energieeffizienz in der Stadtentwicklung


technisch und bilanziell mit hocheffizienten Neubauten

verbunden werden können (Rudolph-

Cleff 2010).

Quartierslösungen erfordern auch neue Gerechtigkeitsregeln.

Investitionen dienen dann dem

Quartier und nicht mehr dem Einzelgebäude.

Von der Umsetzung sind wir noch weit entfernt,

kommen aber mit dem Erproben von sozialen

Prozessen und ihrer Verrechtlichung dem Denkbaren

und Erwünschten ein Stück näher. Die

Pioniere werden wohl Baugemeinschaften und

Baugenossenschaften sein – erste Modellvorhaben

sind bereits mit diesem Thema konfrontiert.

4

dem über Photovoltaik, Biogas-BHKW und ein

in Selbsthilfe erbautes Nahwärmenetz die Denkmalsubstanz

auf wirtschaftlichem Wege ausgespart

wurde.

Es sind akkumulierte Erfahrungen vieler Jahre,

auf denen heute aufgebaut wird. Solare Nah-

8

wärme mit saisonalem Wärmespeicher war vor

gut zehn Jahren Thema an meinem Lehrstuhl.

Im Münchner Ackermannbogen wird heute sommerliche

Solarwärme vom Dach in einen saisonalen

Erdspeicher geführt. Eine technische

Weiterentwicklung, die auf großdimensionierte

Erdspeicher und lange Leitungswege verzichtet,

ist die von Prof. Annette Rudolph-Cleff an der

TU Darmstadt für die Aubuckel-Siedlung in

Mannheim konzipierte Solaranlage, welche sich

derzeit in der Realisierungsphase befindet. Hier

werden auch die Außenwände genutzt, um das

nötige Maß an Energie einzusammeln, das eine

Zusatzheizung überflüssig zu machen verspricht.

Dies ist ein Erfolg versprechendes Beispiel, wie

ältere Wohngebäude mit geringerer Effizienz

Fazit_Auch mit Blick auf Görlitz und vergleichbare

Städte, die Einwohner verlieren, bieten

Quartierslösungen sinnvolle Ansätze. Wenn

Siedlungsinseln übrig bleiben oder vorhandene

Fernwärmenetze nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben

sind, können quartiers- oder stadtteilbezogene,

effizientere Nahbereichslösungen an die

Stelle treten.

Wie verorten sich nun gebäudebezogene Effizienzstrategien,

Quartierslösungen und dezentrale

Energieversorgungslösungen im großen Technologieschub

der ersten Dekaden des 21. Jahrhunderts?

Es scheint, dass eine große Zahl technisch avancierter

lokaler Lösungen eine tragfähige Dimension

erreicht hat. Schon das Nullheizenergiehaus

existiert abgekoppelt vom großen Stromnetz und

vom Fernwärmenetz, soweit es den energetischen

Unterhalt des Gebäudes betrifft; das speicherfähige

Plusenergiehaus gestattet die Abkopplung

auch bei Anlagetechnik und Haushalt.

187


1_Der Häuserkampf hat begonnen… 2–4_Gebäudebestand im Fokus der bundesdeutschen Energieziele: Die bestehenden Prinzipien

von Förderprogrammen und der Handlungsdruck zur Gebäudesanierung ergeben oftmals ein Stückwerk, bei dem die Auswirkungen auf

die architektonische Gestaltung und die Bausubstanz kaum einzuschätzen sind – Beispiel Frankfurt am Main, Stadtteil Höchst.

des Primärenergiebedarfs im Gebäudebestand

in einer Größenordnung von 80 Prozent“ (BMWI

& BMU 2010, S. 22) ausgerichtet. Die verbleibenden

20 Prozent des Energiebedarfs im

Gebäudebestand sollen dann, so das Konzept,

mittels erneuerbarer Energien und somit klimaneutral

abgedeckt werden.

stellationen auftreten und unterschiedlich motiviert

sind, eine solche Vorgabe der Bundesregierung

mitzutragen. Es kann daher keine einzelne

Strategie geben, mit der alle Eigentümer für die

Sanierung der Gebäudebestände zu gewinnen

wären. Selbst finanzielle Anreize können nicht

zwangsläufig jeden Eigentümer mobilisieren. Um

1

Energie in der Stadt_Die Aufgaben der Städte in

Bezug auf den Klimawandel lassen sich in Anpassungen

an Klimaveränderungen (Adaption) und in

vorbeugende Maßnahmen durch Treibhausgasvermeidung

(Mitigation), unter welche auch die

Energieeffizienz fällt, einteilen. Entsprechend

dem aktuellen Energieflussbild für Deutschland

(AGEB 2012) stellt sich der Energieverbrauch

wie folgt dar: Der Endenergieverbrauch in den

Sektoren Industrie und Verkehr beträgt jeweils

ca. 30 Prozent, bei den privaten Haushalten ca.

25 Prozent und im Sektor Handel, Dienstleistung

und Gewerbe ca. 15 Prozent. 3 Der Gebäudeenergieverbrauch

ist für Wohngebäude bei den Haushalten,

für Nichtwohngebäude aber auch bei der

Industrie, dem Handel und dem Gewerbe zu verorten.

Die Gebäudesanierung selbst betrifft vorrangig

die Eigentümer, welche in verschiedensten Kon-

das Ziel der 80-prozentigen Primärenergieeinsparung

im Gebäudebestand zu erreichen, müsste

die energetische Sanierungsrate sofort von 1 Prozent

auf mindestens 2 Prozent pro Jahr verdoppelt

werden. Bislang konnte mit den bisherigen

Maßnahmen eine solche Steigerung nicht erreicht

werden. Ob der ausbleibende Aktionismus

nun ein Glück oder ein Unglück für die Bausubstanz

bedeutet, ist offen. Für die Energiewende

liegt hier in jedem Fall eine Herausforderung.

Die Umsetzung von übergeordneten politischen

Zielstellungen zu mehr Energieeffizienz und Klimaschutz

liegt zu einem großen Teil bei den Kommunen.

Dies ist aus mehreren Gründen naheliegend:

Es sind die Städte, in denen die meisten

Bauten stehen. Die Kommunen oder ihre Wohnungsgesellschaften

sind meist selbst Immobilieneigentümer

und können so einer Vorbildfunktion

gerecht werden. Darüber hinaus können sie

190 Energetischen Stadtumbau integriert Planen


2, 3, 4

ihre Einwohner (un)mittelbar ansprechen und

auch in Bezug auf den Energiekonsum im Alltag

aufklären. Schließlich verfügen sie über die Planungshoheit

und können so gestaltend Einfluss

nehmen. Insbesondere gilt dies für den Verkehr,

das Baurecht sowie die Energieversorgung. Es

existieren für die Kommunen also durchaus

große Bereiche, in denen sie tätig werden können.

Nicht zuletzt steht die Gestaltung der Städte

und des öffentlichen Raumes aber in engem Zusammenhang

mit den Gebäuden und deren

Form, Komposition sowie Fassaden. Die Stadtgestalt

kann im Rahmen der Energiewende durch

Dämmmaßnahmen, durch andere Dächer oder

andere Fenster verändert werden. Auch die Position

und Dichte von Gebäudeensembles haben

großen Einfluss auf die Effizienz des Energieeinsatzes.

Jede Stadt ist dabei besonders und mit

Entscheidungen zur Stadtgestaltung sind auch

ihr Image und ihre Identität einem Wandel ausgesetzt.

Der gewachsene Gebäudebestand steht mit

3 Prozent aller Gebäude nur zu einem geringen

Teil unter Denkmalschutz. Nur für diesen sind

Ausnahmen von den Energiestandards möglich

und eine Einzelfallprüfung der Verträglichkeit von

Maßnahmen auch aus gestalterischer Perspektive

vorgesehen. Aus Sicht der Stadt und vor allem

in kompakten historischen Quartieren machen

solche Einzelfälle als Ausnahmen aber

keinen Sinn. Um übergeordnete Abwägungen

im Sinne eines städtebaulichen Denkmalschutzes

vornehmen zu können, sollten eher Stadtstrukturtypen

auf Quartiersebene für die Bestimmung

von Maßnahmen betrachtet werden.

Für einzelne Quartiere ließen sich dann Lösun-

191


Von der autogerechten Stadt zu

stadtverträglicher Mobilität_Hartmut Topp

Anfang der 2000er Jahre bis zur stadtverträglichen

Mobilität und einer neuen Mobilitätskultur.

Ein Teil des Weges liegt noch vor uns.

1

Die autogerechte Stadt war städtebauliches Leitbild

des Wiederaufbaus nach dem Krieg und der

dann einsetzenden Massenmotorisierung. Mobilität

war Auto-Mobilität, und das Auto stand für

Freiheit und Moderne. Es hat Mobilität und

Städte geprägt: auto-mobil in der autogerechten

Stadt. Die zweite Moderne ist multimodal: stadtverträgliche

Mobilität, klimaneutral und postfossil.

Eine neue Mobilitätskultur zeichnet sich ab.

Radfahren hält fit, Fußgänger erzeugen Urbanität.

Das Auto wechselt seine Rolle: car2go, Shared

Space, Elektro-Auto, Auto nutzen statt besitzen,

städtebauliche Bemessung von Stadtstraßen,

Begegnungszonen… Es ist ein weiter Weg von

der autogerechten Stadt über die Verkehrsberuhigung

der 1980er Jahre und neuen Ansätzen seit

Die lange Abkehr von der autogerechten Stadt_

Die Anfänge der Verkehrsberuhigung_Verkehrsberuhigung

begann in Deutschland Ende der

1970er Jahre mit einem Großversuch in Nordrhein-Westfalen

mit verkehrsberuhigten Bereichen

in Wohnstraßen mit geringen Verkehrsbelastungen.

Vorangegangen waren woonerf-Projekte 1

in den Niederlanden und ähnliche Ansätze in

Skandinavien. Zu den Pionieren der Verkehrsberuhigung

gehört auch Chambéry in Frankreich mit

der erstmals 1982 eingerichteten Aire Piétonne

mit bis zu 20.000 Kraftfahrzeugen pro Tag. Mit

Vorrang für Fußgänger und mit Schrittgeschwindigkeit,

auch an höher belasteten Straßen, gilt sie

als Ursprung der schweizerischen Begegnungszone

2 .

Verkehrsberuhigung reagierte damals auf den

verkehrstechnischen Funktionalismus und die

autogerechte Stadt. Sie war eine (partielle)

Rückbesinnung auf die vielfältigen Nutzungen

und Funktionen von Stadtstraßen für Aufenthalt,

Erschließung und Verkehr, auf die ortsspezifischen

gestalterischen Ansprüche an Stadträume,

auf Straßen und Plätze als Lebensräume.

Verkehrsberuhigung war der Schlüssel für ein

200 Von der autogerechten Stadt zu Stadtverträglicher Mobilität


1_Die autogerechte Stadt als städtebauliches Leitbild des Wiederaufbaus nach dem Krieg 2_„Shared Space“ am Domplatz in Speyer

(1990) mit ca. 7.000 Kfz pro Tag 3_„Koexistenzzone“ im Ortszentrum Köniz bei Bern mit ca. 17.000 Kfz pro Tag

neues Denken in Teilen der Stadt- und Verkehrsplanung

und der zarte Beginn einer neuen Mobilitätskultur.

Aber auch heute, im Jahr 2012, ist

der verkehrstechnische Funktionalismus – trotz

einer Reihe guter Beispiele – noch längst nicht

überwunden.

Straße mit ca. 13.000 Kraftfahr zeugen pro Tag

gehört dazu (Baier/Ackva/Baier 1997/2000).

Beispiele wie Speyer oder Hennef waren die

Ausnahme, denn (flächenhafte) Verkehrsberuhigung

konnte damals letztlich nur auf Straßen

ohne Verkehrsbedeutung durchgesetzt werden.

2 3

Flächenhafte Verkehrsberuhigung_In den

1990er Jahren folgte das bundesweite Forschungsprojekt

„Flächenhafte Verkehrsberuhigung“

in sechs Modellstädten. Das Projekt

wollte die Hauptverkehrsstraßen in die Verkehrsberuhigung

einbeziehen. Es gab Forschungsarbeiten

zu weicher Separation 3 (Schweig 1991)

– seit 1993 in den Entwurfsrichtlinien für Stadtstraßen

und zu Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen

(Schleicher-Jester 1995) sowie einige

umgesetzte Beispiele, die man heute als Shared

Space 4 bezeichnen würde: Ingolstadt (historische

Altstadt), Lüneburg (Am Sande), Landshut

(Altstadt) oder Speyer 5 (Domplatz) und andere.

Auch Hennef (Sieg) mit dem Mehrzweck-Mittelstreifen

in der Ortsdurchfahrt der Frankfurter

Die Hauptverkehrsstraßen blieben in Deutschland

tabu, die Zeit war für weiteres Umdenken

noch nicht reif.

Ortsdurchfahrten nach Berner Modell_Anders

in der Schweiz: Das Berner Modell Koexistenz

statt Dominanz (Kobi 2007/08) steht für die

Rückgewinnung von Ortsdurchfahrten als multifunktionale

Hauptstraßen der Ortszentren. Das

erste Projekt war – beginnend 1987 – die Ortsdurchfahrt

von Zollikofen mit ca. 20.000 Kraftfahrzeugen

pro Tag (Baier/Ackva/Baier 1997/2000).

Kernelemente des Berner Modells sind der partizipative

Planungsprozess, eine lernende Wirkungsanalyse

der einzelnen Bauetappen und die

Weiterentwicklung des Ansatzes durch Erfah-

201


anfangen und trotzdem Visionen im Auge behalten.

Update heißt: permanente Veränderung.“

(von Borries/Böttger 2008, S. 11)

Updating Germany_In der Publikation zu „Updating

Germany“ sind fünf Kategorien möglicher

nächster Schritte mit Beispielen hinterlegt.

In der ersten, „Econic Architecture“, sind es

Gebäude, die ihren „nachhaltigen“ Ansatz

deutlich nach außen tragen: „form follows

green“. Gebäude mit luftreinigenden Fassaden,

Gebäude aus nachwachsenden Rohstoffen, recycelte

Gebäude. Architektur mit einer konkreten

Botschaft, Architektur, die mit solchen Updates

direkte Antworten gibt. In der zweiten

Kategorie, „Post-fossil Landscape“, geht es um

die Landschaft nach dem Ölzeitalter. Wie könnte

die Kulturlandschaft in Deutschland transformiert

und zur Energie- und Nahrungsmittelgewinnung

eingesetzt werden? Produktive und reproduktive

Arbeit könnten sie sehr verändern. Die

dritte Kategorie, „Ecotechnotopia“, stellt die

Frage: Wie wollen wir leben? Mit welchen

Techniken wollen wir uns umgeben? Werden

wir Häuser in Bioreaktoren züchten? Werden

genmanipulierte Pflanzen uns mit Strom, Wasser

und Mobilität versorgen? Lösen biologische

Innovationen elektronische ab? Nur in „Performing

Systems“, der vierten Kategorie, können

diese beiden Teile zusammenwirken. Intelligente,

vernetzte Häuser und Infrastrukturen

könnten sich hier weiter optimieren und so Material,

Wärme, Waren und Menschen zirkulieren

lassen. Was wird die Rolle der Menschen dabei

sein? Kategorie Fünf, „Responsible Consumption“,

zeigt die Macht des Einzelnen, des Kon-

sumenten. Denn wahrer Wandel beginnt zuhause.

Die versammelten 100 Projekte, 100 Updates

sind nur ein Anfang. Es kommen ständig neue

Updates hinzu. Manchmal sind es kleine Weiterentwicklungen,

manchmal bedeuten sie die radikale

Abkehr von einem Holzweg. Sie sind eine

Sammlung aktueller Reaktionen auf aktuelle Herausforderungen.

Vollendete Zukunft_Die Updates bergen Risiken

und sie sind nicht immer leicht umzusetzen.

Manchmal bedeuten sie Verzicht oder sind teuer.

Warum sollte man sich diesen anstrengenden

Veränderungen also aussetzen? Das Leben ist

doch gut. Kann es nicht so bleiben? Der homo

oeconomicus ist definiert als der Mensch, der rational

aus verschiedenen Handlungsoptionen diejenige

mit dem maximalen Nutzen wählt. Dieser

„Egoismus“ kann durchaus zu kooperativem Verhalten

führen, selten jedoch zu Entscheidungen

über die eigene Lebenszeit hinaus. Doch leider

haben viele „nachhaltige“ Strategien sehr lange

Vorlaufzeiten. Wie kann man also mit Herausforderungen

umgehen, deren Auswirkungen man

nicht erleben wird und die man doch verantwortet?

Der Sozialpsychologe Harald Welzer hat dazu

den neuen Imperativ des Futur II eingeführt (vgl.

Welzer). Wie sieht diese „vollendete“ Zukunft

aus? Wird diese vollendete, realisierte Zukunft

wirklich vollendet, perfekt sein? Er schlägt vor,

dass man sich schon heute Gedanken machen

sollte, wie man auf die kritischen Fragen der Enkel

antworten wird: Habe ich nach bestem Wissen

und Gewissen gehandelt? Habe ich versucht,

im Sinne einer klassischen Definition von Nach-

212 Nachhaltige architektur(lehre)


7_„The past went that-a-way. When faced with a totally new situation, we tend always to attach ourselves to the objects, to the flavor of

the most recent past. We look at the present through a rear-view mirror. We march backwards into the future. Suburbia lives imaginatively

in Bonanza-land.“ (McLuhan/Fiore 1967)

Nachhaltige Lehre_Wie kann man an der Hochschule

auf diese Herausforderungen vorbereiten?

Torsten Meyer, Professor für Kunst und ihre

Didaktik in Köln, schildert die besondere Herausforderung

der Ausbildung von KunstlehrerInnen

folgendermaßen: Wenn Kunst als eine Kulturtechnik,

eine Lesehilfe zum Verstehen der Gegenwart

verstanden wird, müsse die Hochschule

LehramtstudentInnen so ausbilden, dass sie als

Kunstlehrer Innen etwa 40 Jahre lang ihre SchülerInnen

auf ein Leben vorbereiten, in dem diese

bis ins hohe Alter in der Lage sind, sich in der

Welt zu orientieren und kulturellen Zugang zu hahaltigkeit

der nächsten Generation die gleichen

Möglichkeiten zu bewahren? Ziel könnte es sein,

die Möglichkeiten sogar mehr werden zu lassen.

die Menschheit sie überlebt, sondern wie

menschlich, nach heutigem Verständnis: human,

die Veränderungen ablaufen werden.

7

Mehr Freiheit, mehr Optionen… für die nachfolgenden

Generationen.

Viele Entscheidungen sind, abhängig vom Zeithorizont,

sehr unterschiedlich zu bewerten. Welche

Konsequenzen haben sie – sofort, morgen, bald,

in einem Jahr, Jahrzehnt, Jahrhundert oder darüber

hinaus? Das Anthropozän ist angebrochen.

Die Erde, auf der Menschen leben, ist keine unabhängig

existente, sondern vom Menschen mitdefiniert

und gestaltet. Die größte Sorge angesichts

drohender Folgen von demografischer

Entwicklung, schwindender Biodiversität, Klimawandel

und Ressourcenverknappung ist nicht, ob

213


8_Berlin Blade Runner 9_BERLinc 10_FundamentaliCITIES 11_ThinkTankstelle Berlin

(Illustrationen von Laleh Torabi – entstanden in Zusammenarbeit mit arch+ in einem Workshop in Berlin im November 2010)

8

9

214 Nachhaltige architektur(lehre)


10

11

215


Autorenverzeichnis

Prof. Dr. Marc Angélil_studierte Architektur an

der ETH Zürich. Lehrtätigkeiten an der Harvard

University und der University of Southern California

in Los Angeles. Seit 1997 Professor für Architektur

und Entwurf an der ETH Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte

liegen in gegenwärtigen

Entwicklungen der Peripherien großer Metropolregionen

und Strategieentwicklungen für nachhaltige

urbane Prozesse. Gemeinsames Büro

agps architecture in Los Angeles und Zürich mit

Sarah Graham, Reto Pfenninger, Manuel Scholl

und Hanspeter Oester.

AleXa Bodammer_studierte Architektur an der

Universität der Künste Berlin und der University of

Industrial Art and Design Helsinki. Ergänzend

schloss sie das Studium Polis – European Urban

Cultures in Helsinki, Brüssel, Tilburg und Manchester

mit dem Master of Arts ab. Stipendium am Bauhaus

Kolleg Dessau. Mitarbeit in verschiedenen

Planungs- und Architekturbüros sowie selbstständige

Tätigkeit seit 2002. Wissenschaftliche Mitarbeiterin

an der Stiftungsprofessur Stadtumbau und

Stadtforschung der TU Dresden und am Görlitz

Kompetenzzentrum Revitalisierender Städtebau

von 2004–13.

Matthias Böttger_studierte Architektur und

Städtebau. Wissenschaftliche Tätigkeit an der Stiftung

Bauhaus Dessau, der Universität Stuttgart

und der ETH Zürich. 2007–08 Gastprofessor für

Kunst und öffentlichen Raum an der AdBK Nürnberg.

2008 Generalkommissar des deutschen Beitrags

„Updating Germany“ auf der Biennale in Venedig.

2007–09 Stipendiat der Akademie Schloss

Solitude. Seit 2011 Kurator und künstlerischer Leiter

des DAZ – Deutsches Architektur Zentrum,

Berlin. Seit 2012 Professor für Sustainable Architecture

+ Spatial Tactics am Institut für Raum

und Design der Kunstuniversität Linz. Mit seinem

Büro raumtaktik – office from a better future arbeitet

er seit 2003 an räumlicher Aufklärung und Intervention.

Benno Brandstetter_studierte Wirtschafts- und

Sozialgeographie an den Universitäten Lüneburg

und Dresden, anschließend Mitarbeit an Forschungseinrichtungen

sowie selbstständige Tätigkeit.

Seit 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter an

der Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung

und am Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender

Städtebau. 2004–12 Mitherausgeber

des Newsletters Urbane Transformationen (ehemals

Schrumpfende Stadt/Stadtumbau Ost).

dominic church_ist Architekt und Stadtplaner.

Nach seinem Diplom an der Universität Stuttgart

1997 zunächst in Schweden, Israel und Großbritan-

218 Autorenverzeichnis


nien als Architekt tätig. Im Anschluss an ein Masterstudium

in Städtebau und Sozialwissenschaften

an der London School of Economics arbeitete er

dort 2001–05 in der Forschung und in der Lehre.

2005–11 leitete Dominic Church von CABE aus die

Building for Life Initiative. Seit 2011 für die Deutsche

Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen tätig.

wolfgang frey_studierte Architektur an der TU

Berlin. Das von ihm in zweiter Generation geführte

Büro (Bahlingen am Kaiserstuhl/Freiburg)

hat seit 1959 zahlreiche Projekte in Deutschland,

Frankreich und in der Schweiz realisiert. Im Fokus

seiner Arbeit steht die ökologische und nachhaltige

Architektur und Stadtentwicklung. Auf der

EXPO 2010 in Shanghai repräsentierten Frey

Architekten für die Stadt Freiburg Projekte, die

nach dem Fünf-Finger-Prinzip verwirklicht wurden.

2009 Gründung der Non-Profit-Solidarvermietungsgesellschaft

pro scholare. 2011 Gründung

der Freiburger Öko-Initiative „Free Energy“.

2012 Auszeichnung vom Land Baden-Württemberg

als einer von 60 „Übermorgenmachern“.

Prof. em. Dr. Hartmut HäuSSermann (1943–2011)_

war Soziologe und Stadtforscher. Zwischen 1964

und 1970 Studium der Soziologie, danach wissenschaftlicher

Assistent an der FU Berlin. 1976–93

Professor an den Universitäten Kassel und Bremen,

1993–2008 Professor für Stadt- und Regionalsoziologie

am Institut für Sozialwissenschaften

der HU Berlin. 2005 Mitbegründer und Sprecher

des Georg-Simmel-Zentrums für Metropolenforschung

an der HU Berlin. Er war Autor und Herausgeber

zahlreicher Publikationen und Fachbeiträge

sowie Mitglied verschiedener Gremien, u.a. der

Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung

und der Akademie für Raumforschung

und Landesplanung.

Nils Havelka_ist Assistent am Departement Architektur

der ETH Zürich. Seine Arbeiten wurden

mehrfach ausgestellt, unter anderem am Van Alen

Institute in New York, dem ZKM Karlsruhe, dem

Museum für Gestaltung in Zürich und an der Architekturbiennale

in Venedig. Er ist Gründer des Havelka

Verlags und Besitzer von Elektrokontor.

Christa Kamleithner_studierte Architektur und

Philosophie in Wien. Danach war sie Autorin und

Redakteurin bei dérive – Zeitschrift für Stadtforschung

sowie Vorstandsmitglied der Österreichischen

Gesellschaft für Architektur. 2004–05 war

sie wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der

TU Graz, 2006–12 wissenschaftliche Mitarbeiterin

am Studiengang Architektur der UdK Berlin. Im

Sommer 2011 lehrte sie als Gastprofessorin an der

AdBK in Nürnberg, seit 2007 ist sie Lehrbeauftragte

am Center for Metropolitan Studies der TU

Berlin. Sie arbeitet zurzeit an ihrem Dissertationsvorhaben

„Planung und Liberalismus – die Anfänge

der modernen Stadtplanung“.

Prof. Dr. Marion Klemme_studierte Angewandte

Geographie mit den Nebenfächern VWL, Soziologie

und Ethnologie an der Universität Trier. 1999–

2001 tätig am TAURUS Institut in Trier, 2001–03 bei

der Planersocietät in Düsseldorf und Dortmund.

2003–04 beschäftigt an der Fakultät Raumplanung

an der Universität Dortmund. Zwischen 2003 und

2011 arbeitete sie am Lehrstuhl für Planungstheorie

und Stadtentwicklung der RWTH Aachen, dort

219


Dissertation 2009. Seit 2011 Juniorprofessorin für

Governanceforschung und Angewandte Geographie

am Institut für Geographie der WWU Münster.

raum und Stadtentwicklung an der TU München.

Parallel Direktorin des Instituts für Städtebau und

Wohnungswesen der Deutschen Akademie für

Städtebau und Landesplanung bis 2010.

Prof. Hans Kollhoff_studierte Architektur an der

Universität Karlsruhe. Im Anschluss Stipendium

und Lehre an der Cornell University, New York. Seit

1978 selbständiges Büro in Berlin, seit 1984 in

Partnerschaft mit Helga Timmermann. 1981–85

Gastprofessuren in den USA, an der UdK Berlin sowie

der Universität Dortmund. Zwischen 1987 und

1989 Lehrtätigkeit an der ETH Zürich als Gastprofessor.

Dort seit 1990 ordentlicher Professor am

Lehrstuhl für Architektur und Konstruktion. 1999

Gründung der Ateliers Prof. Hans Kollhoff GmbH in

Rotkreuz/Schweiz, sowie 2000 Einrichtung des

Kantoors Kollhoff in Rotterdam/Niederlande. Überdies

Präsident der Internationalen Bauakademie

Berlin.

Prof. i. R. Dr. Ingrid Krau_studierte Architektur an

der TH Braunschweig und der TU Berlin. Nach Mitarbeit

in verschiedenen Architekturbüros Assistenz

an der Architekturfakultät der TU Berlin und anschließende

Promotion 1973 an der FU Berlin.

1973–78 Referentin für Stadtentwicklungsplanung

bei der Stadt Duisburg. 1985–87 Lehraufträge an

der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Dortmund,

der HBK Hamburg und der Universität Duisburg,

nachfolgend Gastprofessuren an der UdK

Berlin, der Universität Kassel und der ETH Zürich.

Ende der 1980er Jahre Mitherausgeberin der

Stadtbauwelt und bis 1998 Inhaberin eines Architektur-

und Planungsbüros in Bochum. 1994–2007

Universitätsprofessorin mit Lehrstuhl für Stadt-

Dr. Thomas Kuder_studierte Stadt- und Regionalplanung

an der TU Berlin. Nach Abschluss arbeitete

er für mehrere Jahre in der kommunalen

Stadtplanung in Berlin (Tiergarten). 1994 wechselte

er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die

TU Berlin, dort Promotion. 2003–09 wissenschaftlicher

Mitarbeiter in der Forschungsabteilung 4

„Regenerierung schrumpfender Städte“ im Institut

für Regionalentwicklung und Strukturplanung Erkner

(IRS) und dort Leiter der Bundestransferstelle

Städtebaulicher Denkmalschutz. Seit 2009 Wissenschaftlicher

Referent (Bereich Forschung) beim

vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung

e.V. in Berlin. Schwerpunkte seiner Arbeit

bilden die Themenfelder Integrierte Stadtentwicklung

sowie Governance und Partizipation.

Prof. Dr. Daniel Beat Müller_promovierte an der

ETH Zürich. Er war Post-Doc an der TU Delft und

wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Yale University.

Zurzeit Professor für industrielle Ökologie an

der Norwegischen Technisch-Naturwissenschaftlichen

Universität in Trondheim/Norwegen.

Hauptautor im Fünften Sachstandsbericht des

Weltklimarates (IPCC), Kapitel „Menschliche

Siedlungen, Infrastrukturen und Raumplanung“.

Ratsmitglied der Internationalen Gesellschaft für

industrielle Ökologie (ISIE) und Vorstandsmitglied

dessen Sektion für sozio-ökonomischen Metabolismus.

Seit 2009 Mitglied der Leitungsgruppe

des Nationalen Forschungsprogramms „Neue

220 Autorenverzeichnis


Urbane Qualität“ des Schweizerischen Nationalfonds

NFP.

Prof. em. Dr. Werner Oechslin_studierte Kunstgeschichte,

Archäologie, Philosophie und Mathematik

in Zürich und Rom. Seit 1971 Lehrtätigkeit an

verschiedenen Instituten, so in Zürich, am MIT in

Cambridge, am RISD in Providence sowie an der

FU Berlin. 1980 Habilitation an der FU Berlin, danach

Berufung an die Universität Bonn. 1985 Ecole

d'Architecture in Genf. Seit 1985 Professor für

Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH Zürich.

1987 Gastprofessor an der Harvard University.

1987–2006 Leiter des Instituts für Geschichte und

Theorie der Architektur an der ETH Zürich. Zudem

Gründer und Stifter der Stiftung Bibliothek Werner

Oechslin in Einsiedeln.

Prof. Dr. Jan Salm_studierte Architektur an der

Technischen Universität in Łódź und Denkmalpflege

an der Nikolaus Kopernikus Universität

Torun. 1996 Dissertation und 2007 Habilitation an

der Technischen Universität Wroclaw. Seit 2009 ist

er Professor am Institut für Architektur und Städtebau

der Technischen Universität Łódź und leitet

dort den Lehrstuhl für Architekturgeschichte und

Denkmalpflege. Seine Forschungsschwerpunkte

umfassen die Architektur und Stadtplanung Ostpreußens

und die Frage der Erhaltung historischer

Städte im Ermland und den Masuren.

University of California in Los Angeles und Berkeley.

Forschungs- und Lehraufenthalt an der University

of Manitoba in Kanada, ab 1984 Assistant Professor

und ab 1987 Associate Professor of

Architecture an der Carnegie Mellon University in

Pittsburgh, Pennsylvania. 1988 Berufung an die

ETH Zürich als Professor für Architektur und Computer

Aided Architectural Design. 1989–96 Leitung

der Informatikkommission, 1994–96 Vorsteher des

Departements Architektur der ETH. Gastprofessuren

an der Harvard University, der Katholieke Universiteit

Leuven, der TU von Dänemark und der TU

Delft.

Prof. em. Dr. Thomas Sieverts_studierte Architektur

und Städtebau in Stuttgart, Liverpool und Berlin.

1966 Gründung der Freien Planungsgruppe

Berlin. Seit 1978 eigenes Planungsbüro in Bonn

und 1996 Gründung der Partnerschaft Büro Prof.

Sieverts (Trautmann Knye-Neczas Stadtplaner und

Architekten). Er war Professor für Städtebau an der

UdK Berlin, an der Harvard University und zwischen

1971 und 1999 Professor für Städtebau an

der TH Darmstadt. Nebenher zwischen 1989 und

1994 Direktor der IBA Emscher Park. 1995 Deutscher

Städtebaupreis. 2000 Gründung von S.K.A.T.

Architekten und Stadtplaner, Köln/Bonn, dort seit

2006 als Fachberater tätig. 2002–05 Leiter des Forschungsprojekts

„Mitten am Rand“. 2010 Ehrendoktorwürde

der TU Braunschweig.

Prof. Dr. Gerhard Schmitt_ist Professor für Informationsarchitektur

der ETH Zürich, Gründungsdirektor

des Singapore-ETH Centre in Singapur und

Senior Vice-President ETH Global. Architekturstudium

und Doktorat an der TU München und an der

Christian Schneider_Maurerlehre; 2000–05 Studium

des Bauingenieurwesens an der Hochschule

für Technik und Wirtschaft in Dresden. Im

Anschluss Tätigkeit als Bauingenieur in der Altbausanierung.

Zwischen 2006 und 2008 Master-

221


studium Denkmalpflege und Stadtentwicklung

an der TU Dresden; nebenher Tätigkeit als Bauleiter.

Seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeit an

der Stiftungsprofessur Stadtumbau und Stadtforschung

und am Görlitz Kompetenzzentrum Revitalisierender

Städtebau.

Katja meierhans steiner_ist beim Amt für Gesellschaftsfragen

der Stadt St. Gallen tätig, wo sie die

Abteilung Grundlagen, Kontrakte und Projekte leitet.

Nach dem Lizenziat in Nordistik und Romanistik

an der Universität Zürich arbeitete sie beim Ingenieur-

und Beratungsunternehmen Ernst Basler

+ Partner AG in Zürich als Projektleiterin. Parallel

dazu erwarb sie einen zweiten Abschluss in Betriebswirtschaft

an der Fern-Universität Hagen.

Auslandsaufenthalte führten sie nach Schweden

und Italien. In ihrer aktuellen Tätigkeit beschäftigt

sie sich mit der kommunalen Versorgungsplanung

sozialer Dienstleistungen.

Karlsruhe. Im Anschluss Lehr- und Forschungstätigkeit

an der TU Darmstadt sowie Dissertation.

Als beratender Ingenieur in Frankfurt am

Main tätig, danach eigenes Planungsbüro in

Darmstadt. Zwischen 1981 und 2007 Professor

für Mobilität und Verkehr an der TU Kaiserslautern.

1991–93 dort Dekan des Fachbereichs Architektur,

Raum- und Umweltplanung, Bauingenieurwesen.

Ausgezeichnet mit dem Deutschen

Städtebaupreis 1998. Forschungssemester in

USA, Singapur, Australien, Brasilien, Chile und

Kolumbien.

Prof. Dr. Jürg Sulzer_Hochbauzeichnerlehre;

Studium Architektur und Städtebau an der HdK

und TU Berlin. Tätigkeit in der Stadterneuerung

und als freischaffender Stadtplaner in Berlin.

1983–2004 Leitung der Stadt- und Verkehrsplanung

der Stadt Bern. Seit 2004 Inhaber der Stiftungsprofessur

Stadtumbau und Stadtforschung

der TU Dresden und Leiter des Görlitz Kompetenzzentrums

Revitalisierender Städtebau. Seit

2009 Präsident der Leitungsgruppe des Nationalen

Forschungsprojektes „Neue Urbane Qualitäten“

des Schweizer Nationalfonds.

Prof. Dr. Hartmut Topp_studierte Bauingenieurwesen

an der TU Berlin und der Universität

222 Autorenverzeichnis


Abbildungsnachweis

Alinari Archives (Florenz): 79

Allwood, Julien M./Cullen Jonathan

M./Milford, Rachel L. (2010): Options

for Achieving a 50% Cut in Industrial

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Architekturbüro Werner Haase

(Karlstadt): 186

Architekturbüro Wolfgang Frey

(Freiburg): 55-63, 136

Archiv Berlin und seine Bauten nach:

Berlin und seine Bauten (2006), Teil X

Band A (2) Stadttechnik. Petersberg:

81

Barlieb, Christophe (Berlin): 210o

Baudirektion Kanton Zürich: 44

Bienas, Robert (Görlitz): 110

Bodammer, Alexa (Zürich)/

Stadtverwaltung Görlitz: 198

Brandstetter, Benno (Dresden): 13o,

14, 15, 17, 32, 91, 95, 97, 98, 99r,

104-108, 114, 119, 121, 125-127, 137,

152o, 177, 197, 200, 203u, 206

Brix, Joseph (1909) nach: Tepasse,

Heinrich (2001): Stadttechnik im

Städtebau Berlins - 19. Jahrhundert.

Berlin, S. 113: 82

Büro mrde (Dresden): 103o+m

CABE/Matrix (London): 73

Carsharing - cambio Mobilitätsservice

GmbH: 207

Chair of Information Architecture,

ETH Zürich: 162 (A. Kunze), 163 (D.

Shin), 164 (J. Haltsch/M. Bühler), 157,

158 (J.Haltasch), 155 (L. Treyer)

Church, Dominic (Stuttgart): 66-72,

74-76

Deutsches Architektur Forum, RMA

(Frankfurt Höchst): 191

DIE ZEIT, 11.04.2013, Nr. 16: 190

Eberstadt, Rudolf (1910): Handbuch

des Wohnungswesens und der

Wohnungsfrage. Jena, S. 66: 80r

Eisfeld, René (Erfurt): 211r

Elegant Embellishments, Berlin (A.

Dring/D. Schwaag): 209l

EURAC research (Bozen): 193

Gaissert, Martin (Köln): 84

Gemeinde Bohmte: 205

Gemeinde Köniz: 201r

Gerhard Schmitt (Zürich): 153

Görlitz Kompetenzzentrum: 194-195

(A. Bodammer/B. Brandstetter),

169,180 (C. Schneider)

HWKN HollwichKushner (New York):

210u

Klemme, Marion (Köln): 120, 122-124

Kuder, Thomas (Berlin): 141, 142, 149

LeCavalier, Jesse (New York): 46

.marqs, photocase.com: Cover vorn

McLuhan, Marshall/Fiore, Quentin

(1967): The Medium is the Massage.

An Inventory of Effects. New York:

213

Mimmo e.V., Mühldorf am Inn

(Design: mediapool.de) 116

Müller, Daniel (Trondheim): 170, 174

Müller, Daniel B./Wang, Tao/Duval,

Benjamin/Graedel, T. E. (2006):

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Sciences, U.S.A.: 173l

Müller, Jörg (1973): Alle Jahre wieder

saust der Presslufthammer nieder

oder Die Veränderung der Landschaft.

Aarau: 49, 51, 53

Nemec, Ivan (Prag): 86

Neustadtgeflüster, Anton Launer

(Dresden): 103u

Patentblatt: GB 189700207: 40

Pollak, Linda/Kennedy, Sheila/Violich,

Frano (Boston): 45

Professur Marc Angélil, ETH Zürich:

42

Regionalverband Ruhr (Essen): 179

Reisch, Michael (Düsseldorf): 217

Rudolph-Cleff, Annette (Darmstadt):

187

Schauhoff, Alice (Köln): 211l

Schneider, Christian (Dresden): 93,

99l, 102, 129

Schwartz, F.A. nach: Gut, Albert

(1987): Das Berliner Wohnhaus des

17. und 18. Jahrhunderts. Berlin, S.

203: 83

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

und Umwelt Berlin: 182, 184

Singapore-ETH Centre/ Future Cities

Laboratory (Singapore): 154

Skysails GmbH, Hamburg (S.

Wrange/T. Meyer): 209r

St. Gallen Bodensee Tourismus: 130,

132

Stadt Offenbach/Schäfer, Jessica

(Frankfurt/M.): 115

Stadtmarketing Karlsruhe GmbH:

112u

Stadtverwaltung Görlitz: 13u, 16

Stadtverwaltung Monheim (Design:

die-gutgestalten.de): 113

Stadtverwaltung Schweinfurt: 112o

Stadtverwaltung St. Gallen: 133, 135

Stadtwerke München: 183, 185

Stiftung Bibliothek Werner Oechslin

(Einsiedeln): 20-27

Sulzer, Jürg (Zürich): 31, 33, 34, 35

Taylor, J.W. nach: Zuckowsky, John

(Hg.) (1987): Chicago Architektur

1872-1922. München, S. 138: 80l

Theiler, Benjamin (Zürich): 47

Topp, Hartmut (Kaiserslautern): 201l,

202, 203o, 204

Torabi, Laleh/raumtaktik (Berlin):

214-215

Universitätsbibliothek Heidelberg: 30

urbancow, istock: Cover hinten

vhw e.V. (Berlin): 144-148, 150

Wesołowski, Jacek: Dziedzictwo

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223

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