LUFTWAFFEN - Netteverlag

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LUFTWAFFEN - Netteverlag

LUFTWAFFEN

REVUE

DEUTSCHER

LUFTWAFFENRING e.V.

57. Jahrgang - Nr. 4 - Dezember 2009 - Schutzgebühr 5,- € - Z 3954

Ehrenmal für Angehörige der Bundeswehr

Eingeweiht am 8. September 2009

im Beisein von Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung

und Bundespräsident Prof. Dr. Horst Köhler.


VERBAND

2

Ehrenmal für Angehörige der Bundeswehr

Der Schriftzug wird enthüllt (Quelle: Bundeswehr/Bienert)

(Quelle: meck architekten/Florian Holzherr, München)

In einer feierlichen Zeremonie hat Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Jung im Beisein von Bundespräsident

Prof. Dr. Horst Köhler am 8. September das Ehrenmal der Bundeswehr am Bendlerblock eingeweiht.

Gemeinsam mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, enthüllten

Köhler und Jung die Inschrift des Ehrenmals.

„Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit“,

lautet die Inschrift des Monuments am Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums.

Nach der Enthüllung legten Vertreter der Verfassungsorgane und

Minister Jung Kränze in der Cella, dem Raum der Stille, des Ehrenmals nieder.

LuftwaffenRevue


Deutscher Luftwaffenring e.V.

Bonn, November 2009

- Die Redaktion -

An

alle Mitglieder und Freunde des

Deutschen Luftwaffenring e.V.

Liebe Freunde, Kameraden und Förderer des DLwR e.V.,

wir sind schon wieder im letzten Quartal 2009. Es scheint, als würde die Zeit schneller als je zuvor

voran schreiten, hatten wir doch eine ganze Reihe von großen und schwergewichtigen Entscheidungen

zu treffen und dieses unter zunehmendem Zeitdruck. Die Devise lautete und lautet: Nicht

nach hinten schauen, Blick nach vorne, gute Lagebeurteilung, konsequentes Handeln. Nun wird

uns immer wieder unkameradschaftliches Verhalten vorgeworfen, wenn wir die lautere Forderung

der Mehrzahl unserer Mitglieder nach Beseitigung bestehender Missstände umsetzen. Sie,

die Mitglieder des DLwR, haben einen Anspruch auf transparente, korrekte und wirtschaftliche

Führung. Gibt es hier offene Fragen, werden diese offen geklärt, gibt es hier Zweifel am korrekten

Umgang mit den Ressourcen des Verbandes, so werden diese durch gute Aufklärung beseitigt,

und gibt es in der Folge dann die Erkenntnis, dass dem Verband Schaden entstanden ist, dann

wird dieser Schaden wenn irgend möglich bereinigt. Unredlich und damit unkameradschaftlich

handelt derjenige, der den durch ihn entstandenen Schaden nicht bereinigen will, und nicht der,

der im Auftrag der Kameraden Wege zur Schadensbegrenzung sucht.

Der Vorstand des Verbandes ist betroffen durch den Vorwurf, in Wahrnehmung der ihm satzungsmäßig

auferlegten Pflichten unkameradschaftlich zu handeln, lässt sich aber dadurch nicht von

dem Auftrag zur Aufklärung abbringen.

Die letzten drei Monate in 2009 haben es in sich. Vollversammlung des DLwR und Treffen der

Präsidenten der EPAA Verbände. Beides Aktivitäten, die unsere volle Aufmerksamkeit verdienen.

Wir werden über die Ergebnisse natürlich berichten. Wenn Sie dabei sind, freue ich mich auf ein

Wiedersehen; können Sie nicht kommen, unterstützen Sie uns durch Ihre guten Wünsche. Und

lassen Sie uns nicht vergessen, Kameradschaft ist eine leicht verletzliche Tugend. Sie will intensiv

geschützt und gepflegt sein.

Anlässlich des sich zu Ende neigenden Jahres ergreife ich an dieser Stelle die Gelegenheit, Ihnen

allen meine besten Wünsche zum bevorstehenden Weihnachtsfest und dem Jahreswechsel zu

übermitteln. Ihnen, Ihren Angehörigen und Freunden wünsche ich gesegnete und erholsame

Festtage im Kreise Ihrer Familien. Möge Ihnen im kommenden Jahr beste Gesundheit, Wohlergehen

und Erfolg im privaten wie auch im beruflichen Bereich beschieden sein. In der Hoffnung

auf einen glücklichen Start ins Neue Jahr 2010 verbleibe ich

Ihr Dierk-Peter Merklinghaus

Brigadegeneral a.D.

In diesem Heft:

Die Ärmelbänder der Luftwaffe in der Bundeswehr

Eine schier ausweglose Situation - Teil1

Einweihung des Ehrenmals für Angehörige der Bundeswehr Vom Feindflug nicht zurückgekehrt

Fliegende Kampfverbände - Aufklärungsgeschwader 51 Chronologie Luftkrieg Bernkastell - Teil3

Reportage - 180 Eurofighter für die Luftwaffe

Reportage - Deutsche Beutemaschinen / Museum Finowfurt

Weihnachten 1942 an der Mündung des Don

PSK / PSV - Als Flugschriften in der DDR vom Himmel fielen Leserbrief / Service / Impressum

4. Quartal 2009 3


LUFTWAFFE

In der letzten Ausgabe hatten wir einen

ersten Bericht zum Aufklärungsgeschwader

74. In dieser Ausgabe berichten

wir über das

Aufklärungsgeschwader 51

Das Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“

ist der einzige fliegende

Verband der Luftwaffe, der über die

Fähigkeit zur bemannten Taktischen

Luftaufklärung verfügt.

Ausgerüstet mit 46 allwetter-flugfähigen

Kampfflugzeugen vom Typ Tornado,

moderner Aufklärungssensorik

sowie einer verlegefähigen Auswerteanlage

gehört das Geschwader zu den

Einsatzkräften der Bundeswehr.

Seit dem 1. Januar 2005 ist das Geschwader

auch mit der Rolle der „Seekriegsführung

aus der Luft“ beauftragt.

Der Auftrag im Frieden

Herstellen und Erhalten der personellen

und materiellen Einsatzbereitschaft. Beteiligung

an Einsätzen zur Landes- und

Bündnisverteidigung, aber auch Beteiligung

an Einsätzen unter dem Mandat

der Vereinten Nationen. Hilfe im Rahmen

des Katastrophenschutzes. Demonstration

der militärischen Präsenz. Flüge

im Rahmen der Amtshilfe für Behörden

des Bundes und der Länder

Auftrag in der Krise

Zusätzlich zum Auftrag im Frieden:

Erhöhung der personellen und materiellen

Einsatzbereitschaft. Intensivierung

der taktischen Ausbildung zur Erhöhung

der Einsatzbereitschaft. Einsatzbereitschaft

im Rahmen der Krisenbewältigung.

4

Die fliegenden Kampfverbände der Luftwaffe

Die Luftwaffe besitzt sieben fliegende Kampfverbände. Davon drei Jagdbomber-

sowie drei Jagdgeschwader und das

Aufklärungsgeschwader 51 „Immelmann“

Sonderlackierung eines RECCE-Tornados des AG 51“I“ anlässlich des Jubiläums 50 Jahre

Taktische Luftaufklärung. (Quelle: Luftwaffe/Ulrich Metternich)

Auftrag im Einsatz / Verteidigungsfall

Unterstützung der militärischen Operationen

durch Aufklärung der gegnerischen

Land- und Seestreitkräfte, Kampfanlagen,

Führungseinrichtungen und Versorgungseinrichtungen.

Darüber hinaus:

Zielaufklärung, Feststellung eigener

Waffenwirkung, Bekämpfung von Überwasserzielen

mit den Lenkflugkörpern

„HARM“ und „KOMORAN“.

Max Immelmann

(Quelle: Luftwaffe/Archiv)

Geschichtlicher Überblick

Bedingt durch die von der Wiedervereinigung

ausgelösten großen Umstrukturierungen

der Bundeswehr, werden bei der

Marine 1992 das Marinefliegergeschwader

(MFG) 1 in Schleswig / Jagel und

1993 die Aufklärungsgeschwader 51“Immelmann“

in Bremgarten und AG 52 in

Leck außer Dienst gestellt.

Während die RF-4E Phantom der beiden

Luftwaffen-Geschwader im Rahmen der

Militärhilfe an die Türkei und Griechenland

abgegeben werden, übernimmt die

Luftwaffe die Tornados des MFG 1. Im Januar

1993 nimmt die 1. Staffel des „Luftwaffen-Tornado-Geschwaders-Jagel“

den

Flugbetrieb auf - mit den Tornados der

Marine. Am 1. April 1993 hebt die letzte

RF-4E Phantom des AG 51 „Immelmann“

vom Fliegerhorst Bremgarten ab.

Im Dezember 1993 wird dann auch das

AG 52 offiziell außer Dienst gestellt. Die

letzte Phantom verlässt die Basis am

12.01.1994. Beide Geschwader waren

für mehrere Jahrzehnte Fundament und

Spitze der Taktischen Luftaufklärung der

Luftwaffe während des Kalten Krieges.

Quelle: Luftwaffe

LuftwaffenRevue


Einführung in die Luftwaffe

Die Luftwaffe beschafft mit den 180

EUROFIGHTER ein modernes Waffensystem

für den Einsatz in der

Luftverteidigungs- (Luft/Luft-) und

Luftangriffs- (Luft/Boden-) Rolle. Die

Außerdienststellung der Waffensysteme

F-4F Phantom und Teile der

Tornado-Flotte zur Erreichung der

Zielstruktur der Luftwaffe ist hierauf

abgestimmt. Der EUROFIGHTER ist somit

ein Kernelement zur Sicherstellung

des künftigen Beitrages der Luftwaffe

zum geforderten Fähigkeitsprofil der

Streitkräfte und den damit verbundenen

Bündnisverpflichtungen.

Die Gesamtzahl EUROFIGHTER leitet

sich aus den für Eingreif- und Stabilisierungskräfte

der Luftwaffe auszuplanenden

Modulen ab. Grundsätzlich besteht

zwischen Eingreif- und Stabilisierungskräften

ein enger operativer Zusammenhang,

da Einsätze zur Konfliktverhütung

und Krisenbewältigung den zeitlich eng

aufeinander folgenden Einsatz dieser

Kräfte erfordern können.

Darüber hinaus müssen zur Sicherstellung

der Durchhaltefähigkeit im Einsatz

bedarfsgerecht ausreichende Kräfte und

Mittel bereitgestellt werden. Dies bedeutet

unter anderem, dass einsatzbezogen

ausgebildete und damit einsatzfähige

Kontingente zeitgerecht bereitgestellt,

verlegt und abgelöst werden können.

180 EUROFIGHTER für die Luftwaffe

gegeben, so dass die Luftwaffe über 177

EUROFIGHTER in den Kampfverbänden

verfügen wird.

Die Auslieferung der 180 EUROFIGHTER

ist in drei Tranchen bis ca. 2017 geplant.

Mit den beiden ersten Tranchen erhält

Deutschland 112 Luftfahrzeuge. Die

Tranche 1 wurde bis März 2008 vollständig

an die Luftwaffe ausgeliefert und ist

für den Einsatz in der Luftverteidigungsrolle

vorgesehen.

Derzeit erfolgt die Übernahme der

Tranche 2 durch die Luftwaffe, die darüber

hinaus auch für den Einsatz in

der Luftbodenrolle vorgesehen ist. Zur

Deckung des Bedarfes der Luftwaffe zur

Wahrnehmung der ihr zugewiesenen

Aufgaben ist die geplante Beschaffung

weiterer 68 EUROFIGHTER der Tranche 3

zwingend notwendig.

LUFTWAFFE

Der EUROFIGHTER

- Zukünftiges Rückgrat der Luftwaffe

Verbunden mit dem Zulauf der EURO-

FIGHTER ist eine deutliche Reduzierung

der Anzahl an Kampfflugzeugen der

Luftwaffe, die den geänderten sicherheitspolitischen

Rahmenbedingungen,

aber auch der modernen technischen

Auslegung dieses Waffensystems Rechnung

trägt.

Mit Zulauf der EUROFIGHTER wird die

Anzahl der Kampfflugzeuge der Luftwaffe

ausgehend von 453 im Jahr 2003 über

derzeit noch 341 Luftfahrzeugen nach

der aktuellen Planung auf insgesamt

262 in der Zielstruktur (ca. 2017) reduziert.

Neben der bereits erfolgten Außerdienststellung

der MiG 29 betrifft diese

Reduzierung alle Luftfahrzeuge vom Typ

F-4F Phantom sowie einen Großteil der

Tornado-Flotte.

Von den insgesamt 180 erforderlichen

Luftfahrzeugen werden drei zur kontinuierlichen

Weiterentwicklung des

Waffensystems an das Bundesamt für

Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) ab-

4. Quartal 2009 5


LUFTWAFFE

Die Verringerung der Tornado-Flotte auf

85 Luftfahrzeuge ab ca. 2015 führt zu

einer „Verjüngung“ der verbleibenden

Kampfflugzeuge dieses Typs und ermöglicht

eine erhebliche Reduzierung der

ursprünglich durchzuführenden technischen

Maßnahmen zur Modernisierung

und Nutzungsdauerverlängerung dieses

Waffensystems.

Im europäischen Vergleich wird Deutschland

zukünftig über 262 Kampfflugzeuge

verfügen, Frankreich wird 390, Großbritannien

380 und Italien 270 Kampfflugzeuge

betreiben

EUROFIGHTER

- ein komplexes viernationales

Vorhaben

Das Waffensystem EUROFIGHTER wird

als viernationales Programm von den

Partnernationen Deutschland, Großbritannien,

Italien und Spanien entwickelt

und gefertigt. Mit Entwicklung und Produktion

wurden die beiden Industriekonsortien

EUROFIGHTER Jagdflugzeuge

6

GmbH (Flugzeugzelle und Ausrüstung)

und EUROJET Turbounion GmbH (Triebwerk

EJ 200) beauftragt, die für diesen

Zweck gegründet wurden. Diese Konsortien

setzen sich jeweils aus vier Konsortialfirmen

aus den beteiligten Nationen

zusammen. Insgesamt sind an Entwicklung

und Fertigung des EUROFIGHTER

Programms rund 100.000 hochqualifizierte

Arbeitsplätze in Europa in rund

400 Firmen beteiligt, das Programm ist

damit eines der größten europäischen

Rüstungsprojekte.

Abhängigkeiten und Regelungen zur Abstimmung

der Interessen der Nationen

sind durch sogenannte Memorandums

of Understanding (MoU) geregelt und

werden durch eine von den Nationen

eingerichtete Management-Agentur harmonisiert

und vertreten. Auf industrieller

Seite besteht zwischen den beteiligten

Firmen eine Vielzahl von Verträgen, die

gegenseitige Verpflichtungen und Beziehungen

festschreiben. Damit sind letztlich

über ein komplexes Geflecht von

Vertragsbeziehungen und Vereinbarun-

gen die Interessen der am EUROFIGHTER

Programm beteiligten Nationen und Firmen

abgesichert.

Technische Informationen

Triebwerke

Der Eurofighter wird von zwei EJ200

Triebwerken des Konsortiums Eurojet angetrieben.

Jedes Triebwerk erzeugt einen

Schub von etwa 60 kN ohne Nachbrenner.

Wird der Nachbrenner zugeschaltet,

so wird ein maximaler Schub von über

90 kN erzeugt.

Im Gegensatz zu F-4F Phantom II und

Tornado startet der Eurofighter im normalen

Flugbetrieb ohne Nachbrenner.

Dies führt zu einer Verringerung der

Lärmbelästigung an den Flugplätzen der

Luftwaffe.

Der Eurofighter kann auch ohne Nachbrenner

in den Überschallbereich beschleunigen

und über längere Zeit mit

Überschall fliegen. Über diese Möglichkeit,

die mit „Supercruise“ bezeichnet

wird, verfügen zur Zeit nur wenige

Kampfflugzeuge.

Bewaffnung

Der Eurofighter verfügt über ein IRST-

System (Infrared Search & Tracking), mit

dem er Feindflugzeuge bei gutem Wetter

auf eine Entfernung bis zu 50 Kilometer

erfassen und verfolgen kann, ohne sich

durch sein Radar selbst bemerkbar zu

machen. Die Ausstattung mit den IRIS-T-

Luft/Luft Kurzstreckenraketen, dem Captor

Radar sowie den künftigen Meteor

Luft/Luft-Langstreckenraketen machen

den Eurofighter zu einem leistungsstarken

Abfangjäger. Für Bodenoperationen

wird er zusätzlich mit den neuen TAU-

RUS-Luft/Boden Flugkörpern ausgestattet.

LuftwaffenRevue


Eurofighter in den Geschwadern

Die Luftwaffe plant, in den kommenden

Jahren 180 Eurofighter zu beschaffen,

die bei den fünf nachfolgend

aufgeführten Geschwadern die Waffensysteme

F-4F Phantom II, MiG-29

Fulcrum und Tornado ablösen.

Jagdgeschwader 73 „Steinhoff“

Das Jagdgeschwader

73

„Steinhoff“ ist

der erste Verband,

der auf

den Eurofighter

umrüstet. Hier

werden die zukünftigen Eurofighter-Piloten

umgeschult bzw. ausgebildet. Das

Geschwader verfügt hierzu über eine

hohe Anzahl Doppelsitzer.

Jagdgeschwader 74

Das in Neuburg

an der Donau

stationierte Geschwader

hat

im Juni 2008

die letzten F-4F

Phantom II abgegeben

und setzt als erster Einsatzverband

der Bundesluftwaffe den modernen

Eurofighter als Alarmrotte ein.

LUFTWAFFE

Jagdbombergeschwader 31 „Boelcke“

Das zur Zeit

noch mit dem

Tornado ausgerüsteteGeschwader

wird

als dritter Ver

band ab Ende

2009 auf den modernen Eurofighter umrüsten,

wobei diese Eurofighter in der

Luft-Boden-Rolle eingesetzt werden.

Jagdgeschwader 71 „Richthofen“

Das Jagdgeschwader

71

„ R i c h t h o f e n “

wird der vorletzte

Verband der

Luftwaffe sein,

der auf Eurofighter

umrüstet. Zur Zeit werden die Einsätze

des in Wittmund stationierten Geschwaders

mit dem Waffensystem F-4F

Phantom II erflogen.

Jagdbombergeschwader 33

Das Geschwader

ist in Cochem/

Büchel stationiert.

Derzeit

wird der Tornado

als Jagdbomber

eingesetzt.

Das JaboG 33 wird als letzter Verband

auf den Eurofighter umrüsten.

Quelle: Luftwaffe

Fotos: Stefan Gygas / Ingo Bicker

4. Quartal 2009 7


REPORTAGE

Dies war mein erster Besuch im Luftfahrtmuseum

Finowfurt und so stand

das Ganze für mich unter dem Motto:

„Erst mal reinschnuppern“.

Nach einem ersten Rundgang begann

ich mir die Exponate im Hauptgebäude

näher zu betrachten. Besonders fesselten

mich die Überreste von Beuteflugzeugen,

welche bei der Deutschen Luftwaffe geflogen

sind.

Abbildung 1 zeigt das Bombenschützenpanel

aus einer B-17 Flying Fortress,

welches noch deutlich den Schriftzug

„Bombenklappe“ sowie die Wörter „Auf“

und „Zu“ über zwei Signalleuchten trägt.

Ob hierfür durch die Deutschen die Verkabelung

geändert wurde, oder ob der

Beschrifter der englischen Sprache nicht

ganz mächtig war, ist nicht mehr zu

klären. Die rote Lampe ist jedenfalls mit

„BOMB RELEASE“ (Bombenabwurf) und

die braune Lampe mit „LIGHT ON BOMB

DOORS OPEN“ (Lampe leuchtet bei geöffneten

Bombenklappen) beschriftet.

Interessant ist an diesem Panel noch,

dass oben rechts der deutsche Grob- und

Feinhöhenmesser (Fl 22320) eingebaut

ist und dies an Stelle des amerikanischen

Höhenmessers. Ansonsten scheint

es erst einmal das Standardpanel des

Bombenschützen zu sein. Die drei anderen

Instrumente sind im Gegensatz zum

deutschen Höhenmesser, welcher mit

Stahlschrauben eingebaut wurde, wohl

mit den Original Messingschrauben befestigt

gewesen. Ein Austausch ist daher

unwahrscheinlich.

Nun fragte ich mich, ob es möglich ist,

8

Die Luftfahrthistorische Sammlung Finowfurt

Deutsche Beutemaschinen

dieses Panel einer bestimmten Maschine

zuzuordnen?

Als erstes überprüfe ich hierfür, ob es sich

tatsächlich um ein Panel aus einer B-17

Abbildung 1: Bombenschützenpanel aus einer B-17 Flying Fortress

handelt. Ich schlage dafür im Bedienhandbuch

des Piloten für die B-17F und

B-17G nach 1 .

Auf Seite 53 findet sich tatsächlich eine

Abbildung, auf dem das gleiche Panel

abgebildet ist (siehe Abbildung 2).

In dieser Abbildung sieht man den Einbau

des Höhenmesser vom Type C-12 (0

bis 50.000 ft) (5), des Geschwindigkeitsmesser

Type C-14 (40 bis 300 m.p.h.)

(1), der Borduhr Type A-11 (13) und die

Außentemperaturanzeige Type C-12 (-45

bis +45° C) (15) 3 . Das Panel gehört damit

zweifelsfrei zu einer B-17.

Der nächste Schritt ist, sich den Ersatzteilkatalog

für die B-17G anzusehen 4 .

Um es kurz zu machen, das Ergebnis ist,

dass es sich nicht um ein Panel aus einer

B-17G handeln kann. In diesem Typ

wurde ausschließlich ein Bombenschützenpanel

mit reduzierter Instrumentierung

verwendet, welche nur den C-12

Höhenmesser und einen Geschwindigkeitsmesser,

entweder vom Typ C-14, F-1

oder F-2, enthielt 5 .

Das reduziert die Anzahl der in Frage

kommenden Maschinen schon ein wenig.

Nach Heinz-Heiri Stapfer 6 flogen bei

der deutschen Luftwaffe fünf B-17F und

zwei B-17G. Die B-17G sind anhand des

Ersatzteilkatalogs somit auszuschließen.

Als nächstes wird der Ersatzteilkatalog

Abbildung 2: Bombenschützenpanel einer B-17 F 2

LuftwaffenRevue


der B-17F zu Rate gezogen. Die ganze

Serie der B-17F hatte zusätzlich zum Höhen-

und Geschwindigkeitsmesser eine

Borduhr vom Typ A-11 eingebaut. Aber

die Außentemperaturanzeige vom Type

Abbildung 3: Bombenschützenpanel

einer B-17 G

C-12 war nur in einer kleinen Serie früher

B-17F zu finden. Um es genauer zu

sagen: im USAAF-Seriennummerbereich

AF41-24340 bis AF42-5349 7 .

Geht man mit dieser Information wieder

in die Übersicht der B-17F der deutschen

Luftwaffe, so stellt man fest, dass nach

Stapfer nur eine einzige Maschine für

die Herkunft des Panels in Frage kommt.

Es ist die B-17F-27-BO, 41-24585, PU-B,

Wulfe Hound der 303rd Bomb Group

(BG), 360th Bomb Squadron (BS), welche

am 12. Dezember 1942 bei Leeuwarden,

Niederlande, erbeutet wurde 8 .

Zwar mag die Liste der B-17 mit dem

deutschen Balkenkreuz noch etwas länger

sein, doch die geringen Verlustzahlen

von Maschinen des Typs B-17F in dem

entsprechenden Seriennummerbereich

lassen den Schluss zu, dass das Panel

tatsächlich nur aus der genannten B-17

stammen kann.

Jetzt stand wieder eine kleine Internetrecherche

an. Von großem Vorteil ist, dass

Abbildung 4: Außentemperatur

Thermometer vom Typ C-12

die 303rd Bomb Group eine sehr gut organisierte

Homepage hat 9 . Dort fand ich

die gesamte Geschichte der Maschine

und auch Fotos der amerikanischen Besatzung

der B-17F 10 sowie der Maschine

mit deutschen Hoheitsabzeichen 11 .

Die abschließende Bestätigung für die

Herkunft des Panels brachte dabei ein

Bericht von Mario Schulze 13 über die Bergung

von B-17-Teilen auf dem ehemaligen

Flugplatz Oranienburg und deren

anschließende Identifizierung als Reste

der B-17F, 41-24585.

Eine Rücksprache mit dem Leiter des

Luftfahrtmuseums Finowfurt, Dr. Peter

Kobbe, ergab, dass das Panel tatsächlich

von Oranienburg stammt.

Weitere Fotos der Maschine fanden sich

auf der Webseite des „Luftwaffe Resource

Center“ 14 . Besonders interessant ist hier

eine seltene Aufnahme der B-17F, 41-

24585 im Flug (siehe Abbildung 6).

Ein weiteres faszinierendes Teil einer

Beutemaschine ist das Fragment eines

Steuerrades einer P-38 Lightning (siehe

Abbildung 7).

Auch hier stand die Frage im Raum, von

welcher Maschine das Fragment stammt.

Das Steuerrad (Assembly 246108) ist aufgrund

seiner Bauart aus einer P-38 bis

einschließlich USAAF-Seriennummer 42-

67101, welches die letzte P-38H ist, die

gebaut wurde 15 . Das heißt, Maschinen

ab dem Typ P-38J und später kommen

nicht in Frage. Dort wurde ein stark modifiziertes

Steuerrad (Assembly 197924-

2) eingebaut 16 .

Damit ergibt sich aber auch schon das

erste Problem. Die in der Vitrine dargestellte

P-38 ist nicht wie beschrieben eine

P-38F, sondern eine F-5E-3-LO. Dies ist

die Fotoaufklärervariante der P-38J-25-

LO und besitzt dementsprechend das

Steuerrad in der späten Ausführung.

Die Geschichte dieser Maschine ist aber

sehr kurios, so dass sie hier kurz geschil-

REPORTAGE

dert werden soll. Der Pilot der Maschine

war F/O Martin James Monti (T-2956). Er

gehörte wahrscheinlich zur 5th Photo Reconnaissance

Group (5. Fotoaufklärungsgruppe)

der 15th Air Force (15. Luftflotte)

in Italien. Am 13. Oktober 1944 startete

er mit seiner Maschine, der F-5E-3-LO 44-

23725, mit nur einem Ziel, zu den Deutschen

zu desertieren. Er landete auf dem

Mailänder Flugplatz und übergab seine

F-5E den dort stationierten deutschen

Truppen.

Er selbst trat einige Wochen später der SS

bei und erhielt den Rang eines SS-Untersturmführers.

Während des Krieges hielt

er noch einige Propagandaansprachen

im deutschen Radio. Nach Kriegsende

kam es dann, wie es kommen musste,

er wurde von den Amerikanern für seine

Desertation zu 15 Jahren Gefängnis

verurteilt. Doch seine Strafe wurde schon

nach einem Jahr erlassen, mit der Aufla-

Abbildung 5: B-17F, AF41-24585, DL+XC 12

ge, der US Army beizutreten. Dort diente

er bis 1948 als Sergeant (Feldwebel), um

dann erneut vom FBI verhaftet zu werden.

Zum zweiten Mal vor Gericht gestellt,

verurteilt man ihn dieses Mal wegen

Hochverrats zu 25 Jahren Gefängnis.

1960 wird er schließlich begnadigt 17 . Am

11. September 2000 verstirbt Martin J.

Monti kurz vor seinem 79. Geburtstag.

Seine Maschine wird nach Deutschland

überführt und dort bis Kriegsende für

Aufklärungszwecke verwendet 18 . Nach

Kriegsende wird das Wrack von den Amerikanern

auf dem Flugplatz Schwangau

gefunden 19 .

Wenn das Steuerrad aber nicht von der

T9+MK stammen kann, woher kommt es

dann? Während des Krieges sollen noch

zwei weitere P-38 im Mittelmeer erbeutet

worden sein, eine davon von den Italienern.

Die Identität dieser Maschine ist bisher

noch nicht endgültig geklärt. Eine italienische

Quelle gibt an, dass sie am 12.

4. Quartal 2009 9


REPORTAGE

Juni 1943 bei einem Überführungsflug

verloren ging. Als Einheit wird die 1st

Fighter Group (1. Jagdgruppe) der 12th

Air Force (12. Luftflotte) genannt. Der

Pilot landete wegen Spritmangel bei Capoterra,

in der Nähe von Cagliari, Sardinien.

Die gleiche Quelle liefert auch die

letzten vier Ziffern einer Werk- bzw. Seriennummer

der Maschine: „2278“ 20 .

Um die Werknummer des Herstellers

kann es sich in diesem Fall nicht handeln,

da diese in einem anderen Bereich

liegen. Ist es tatsächlich ein Teil der Air

Force Seriennummer, so ist die einzig

passende Maschine die P-38G-15-LO mit

der USAAF Seriennummer 43-2278. Leider

sind die amerikanischen Verlustdaten

im Mittelmeerraum für den Sommer

1943 sehr lückenhaft, so dass dies zur

Zeit nicht überprüft werden kann.

Verbürgt scheint aber zu sein, dass

Oberstleutnant Angelo Tondi, von der

italienischen Luftwaffe, mit dieser Maschine

mehrere Überraschungsangriffe

auf amerikanische Bomber geflogen hat.

Zumindest von einem dieser Angriffe

gibt es auch von amerikanischer Seite ei-

10

Abbildung 6: B-17F, AF41-24585, DL+XC im Flug

nen Augenzeugenbericht:

„…

Als die P-38 zum ersten Mal gesehen wurde,

waren wir ca. zwei bis drei Minuten

von der Küste entfernt. Sie wurde in 8 Uhr

Position gemeldet. Unser Seitenschütze

sah, wie sie einen kurzen Feuerstoss auf

eine Me 109 abgab. Dann kam sie auf 5

Uhr herum und wurde als befreundetes

Abbildung 7:Steuerradfragment einer P-38

Flugzeug identifiziert. Sie wackelte mit

den Tragflächen und näherte sich langsam

der Formation. Sie kam bis auf 270

m heran und eröffnete das Feuer. Unser

Seitenschütze schoss auf sie, woraufhin

sie nach 7 Uhr abdrehte, wo ich ihr dann

einen Feuerstoss verpasste. Sie flog nach

10 Uhr und griff die Maschine 42-30307

an. Sie traf die Maschine, welche aus dem

Verband ausscherte, unter unserem Heck

durchflog und anscheinend die Kontrolle

verlor. Als sie vorbeikam, sah ich, wie jemand

versuchte, aus dem Pilotenfenster

herauszukommen. Es war entweder der

Pilot oder der Bordingenieur, aber ich

glaube, es war der Bordingenieur, da die

Maschine außer Kontrolle war und alle

vier Motoren liefen. Wer auch immer

es war, er kam heraus und die Maschine

fing an zu trudeln. Danach sah ich

fünf weitere Fallschirme sich öffnen.

Abbildung 8: Die F-5E von F/O Monti mit der deutschen Kennung T9+MK

Kurz bevor das Flugzeug auf dem Wasser

aufschlug, ging es in einen Sturzflug

über und schlug mit der Nase voran im

Wasser ein. Alles in allem sah ich sechs

offene Fallschirme. Die P-38 unternahm

einen weiteren Angriff auf uns, gefolgt

von einem Angriff auf die Maschinen

zu unserer rechten Seite. Zuletzt sah ich

die Feindmaschine auf dem Rückflug zur

italienischen Küste. Ich glaube, als Tragflächenmarkierung

hatte sie den amerikanischen

weißen Stern. Es sah aus, als

wären zusätzlich, zu den Maschinengewehren

und der Maschinenkanone,

noch weitere „.30 calibre“ (Karabinerkaliber,

Anmerkung des Autors) Waffen in

der Tragfläche installiert gewesen. Das

Flugzeug war sehr dunkel angestrichen.

Ich flog als Heckschütze in der Maschine

3909, welche als Zusatzmaschine im letzten

Element flog.

JERALD E. TATE

S/Sgt“

...

LuftwaffenRevue

21

Dieser Vorfall geschah am 11. August


1943 über dem Mittelmeer in der Nähe

von Anzio. Von der neunköpfigen Besatzung

der B-17 wurden drei Besatzungsmitglieder

vom alliierten Seenotrettungsdienst

gerettet. Die anderen sechs

Abbildung 9: F/O Monti´s F-5E im

Juni 1945 in Schwangau

Besatzungsmitglieder sind bis heute vermisst,

darunter auch der Pilot und der

Bordingenieur.

Im September 1943 taucht eine P-38F

oder G beim „Wanderzirkus Rosarius“

mit der Kennung T9+XB auf. Die Identi-

tät bzw. die Herkunft dieser Maschine ist

ebenfalls ungeklärt.

Von ihr existiert aber eine Farbaufnah-

me22 Abbildung 11: P-38F oder G beim

„Wanderzirkus Rosarius“

(Abbildung 11), welche deutlich

den Anstrich dokumentiert. Interessant

ist das dunkle Olivgrün, welches an die

Aussage von S/Sgt Jerald Tate vom 11.

August 1943 erinnert. Was mit der Maschine

dann bis Kriegsende geschah,

ist nicht überliefert. Zum Fragment des

Steuerrades würde diese P-38 auf jeden

Fall sehr viel besser passen als die Maschine

von F/O Monti.

Im Zeitraum von Mitte August 1943 bis

Mitte September 1943, also zwischen

dem Zeitpunkt des Angriffs auf die amerikanischen

Bomber bei Anzio und dem

ersten Erscheinen der T9+XB beim „Wanderzirkus

Rosarius“, fällt am 8. September

1943 die Kapitulation Italiens und

der Waffenstillstand zwischen Italien

und den alliierten Mächten.

Es kann nun spekuliert werden, dass

Abbildung 10: P-38 mit italienischer Kennung

eventuell die italienische Beute-P-38

nochmals erbeutet wurde, und zwar dieses

Mal von den Deutschen. Damit gäbe

es keine zwei weiteren P-38-Beutemaschinen,

sondern nur eine, welche zuerst

bei den Italienern flog, um später in den

Besitz der Luftwaffe überzugehen. Dies

würde schließlich auch erklären, warum

über den weiteren Verbleib der italienischen

P-38 nichts bekannt ist.

Fussnoten

Fussnote 1: Pilot’s Flight Operating Instructions

for Army Models B-17F and G – British

Model Fortress II, AN 01-20EF-1, August 1,

LUFTFAHRTMUSEUM FINOWFURT

Museumsstraße 1 - 16244 Schorfheide,

Öffnungszeiten:

März - Oktober täglich 10 bis 17 Uhr

Oktober - März täglich 10 bis 16 Uhr

REPORTAGE

1943

Fussnote 2: Pilot’s Flight Operating Instructions

for Army Models B-17F and G – British

Model Fortress II, AN 01-20EF-1, August 1,

1943

Fussnote 3: Index of Army-Navy Aeronautical

Equipment - Instruments, T.O. NO. 03-1-67,

20 June 1944

Fussnote 4: Parts Catalog USAF Series B-17G

Aircraft, AN 01-20EG-4, 1 September 1945,

Corrected to 14 August 1950

Fussnote 5: Parts Catalog USAF Series B-17G

Aircraft, AN 01-20EG-4, 1 September 1945,

Corrected to 14 August 1950

Fussnote 6: Parts Catalog USAF Series B-17G

Aircraft, AN 01-20EG-4, 1 September 1945,

Corrected to 14 August 1950

Fussnote 7: Hans-Heiri Stapfer, Strangers in a

Strange Land, Carrolton, 1988

Fussnote 8: Airplane Parts Catalog Army Model

B-17F – British Model Fortress II, T.O. NO.

01-20EF-4, December 15, 1943

Fussnote 9: Hans-Heiri Stapfer, Strangers in a

Strange Land, Carrolton, 1988

Fussnote 10: URL: http://www.303rdbg.com/

Fussnote 11: URL: http://www.303rdbg.com/c-

360-flickenger.html

Fussnote 12: URL: http://www.303rdbg.com/

pp-wulfehound.html

Fussnote 13: URL: http://www.luftarchiv.de/

Fussnote 14: URL: http://www.303rdbg.com/

pp-wulfehound.html

Fussnote 14: URL: http://www.warbirdsresourcegroup.org/LRG/b17fortress.html

Fussnote 15: Interchangeable Parts List for

Model P-38 and F-5 Series Airplanes, AN 01-

75-28, 30 November 1944

Fussnote 16: Airplane Parts Catalog Models P-

38H, P-38J and F-5B Series, AN 01-75-4A, 25

September 1944

Fussnote 17: URL: http://en.wikipedia.org/

wiki/Martin_James_Monti

Fussnote 18: URL: http://www.luftarchiv.de/

Fussnote 19: Kenn C. Rust, Ninth Air Force

Story …in World War II, Temple City, U.S.A.,

1982

Fussnote 20: URL: http://www.1stfighter.com/

photos/P38%20Captured%20by%20Italians.

html

Fussnote 21 MACR 490

Fussnote 22 URL: http://www.luftarchiv.de/

Hans-Günter Ploes

Eintrittspreise:

Erwachsene: 5,- EUR, Kinder: 2,50 EUR

Ermäßigte (Schwerbeschädigte, Hartz

IV-Empfänger, Studenten, Rentner): 3,50

EUR - Preise von Sonderangeboten und

Führungen auf Anfrage.

4. Quartal 2009 11


GESCHICHTE

In der Hochphase des Kalten Krieges

forderte Bundesverteidigungsminister

Franz-Josef Strauß, „eine wirkungsvolle

geistige Auseinandersetzung mit dem

Weltkommunismus zu führen“. Zum einen

erkannte Strauß die Notwendigkeit,

sich gegen die „kommunistische Zersetzungsarbeit“

psychologisch zu rüsten:

„Der Kampfwert der Truppe hängt ja

entscheidend von ihrer inneren Festigkeit

und ihrer inneren Bindung an unser

Volk ab“, begründete der Minister seine

Bewertung. Zum anderen forderte er ein

aktives Handlungsmoment, um mit der

Bundeswehr psychologische Gegenangriffe

gegen den „aggressiven Weltkommunismus“

durchführen zu können.

12

Als Flugschriften in der DDR vom Himmel fielen

Luftgestützte, grenzüberschreitende Informationseinsätze der PSK- und PSV-Truppe von 1961 bis 1972

PSK-Soldat befüllt einen

Wetterballon mit Wasserstoff.

In der stetig zunehmenden „psychologischen

Offensive des Sowjetblocks“ sah

Strauß eine Bedrohung für die freiheitlich-demokratische

Grundordnung der

Bundesrepublik Deutschland: „Die Zahl

der sowjetzonalen Propaganda-Pamphlete,

die nach West-Deutschland und

West-Berlin eingeschleust (...) werden,

hat sich von rund 300.000 Exemplaren

monatlich im Jahre 1957 um rund 12

Millionen Stück im Monatsdurchschnitt

1960 erhöht.“ Hierauf galt es aus seiner

Sicht zu reagieren!

Im Herbst 1961 wurden von der politischen

Leitung im Bundesministerium der

Verteidigung sogenannte Informationseinsätze

in die Deutsche Demokratische

Republik (DDR) hinein angeordnet. Mit

der Planung und Durchführung wurde

die Psychologische Kampfführung (PSK)

der Bundeswehr betraut. Die Informationseinsätze

hatten zum Ziel:

1. Die Angehörigen der Nationalen

Volksarmee (NVA) über die realen Verhältnisse

in der Bundesrepublik Deutschland

und der NATO zu informieren,

2. Vorurteile und Hass gegenüber der

Bundeswehr und der Bundesrepublik

bei den ostdeutschen Uniformträgern abzubauen

sowie

3. die NVA-Grenztruppen zu menschlichem

Verhalten und zur Achtung des

Völkerrechts aufzufordern, insbesondere

sollten sie den Schießbefehl umgehen.

Die primäre Zielgruppe der Informationseinsätze

waren die Angehörigen der

bewaffneten Kräfte der DDR. Aber auch

die Zivilbevölkerung der DDR wurde von

der PSK angesprochen.

Die Notwendigkeit der Informationseinsätze

in die DDR hinein, erläuterte der

Nachfolger von Strauß, Kai-Uwe von

Hassel, vor dem Deutschen Bundestag

im Jahre 1965 mit folgenden Worten:

„Der Soldat in den Streitkräften der sowjetischen

Besatzungszone Deutschlands

ist in noch stärkerem Maße als die Bürger

Mitteldeutschlands von freier Information

ausgeschlossen. Außerdem wird ihm

im Politunterricht durch Lüge und Verleumdung

ein bewußt verfälschtes Bild

vom freien Teil Deutschlands gezeichnet.

Er wird zum Haß erzogen.

PSK-Soldaten befestigen die Last

(einschließlich der Flugschriften)

am Wetterballon.

Die Anwendung des verbrecherischen

Schießbefehls ist eine Auswirkung dieser

systematischen negativen Beeinflussung.

Um diesen Wirkungen entgegenzutreten,

versucht die Bundeswehr (...) die über

den NVA-Soldaten verhängte Isolierung

mit Informationen auf besonderen Wegen

zu durchbrechen, und zwar auf eine

Weise, die ihn nicht gefährdet“.

Ein Wetterballon steigt auf und

wird von den Westwinden auf

das Territorium der DDR getrieben.

Die Informationseinsätze stellten die PSK

von Beginn an vor große Herausforderungen.

Es mussten zunächst einmal

Wege gefunden werden, NVA-Soldaten

mit PSK-Botschaften überhaupt zu erreichen.

Das in der DDR vorherrschende

Verbot, Medien aus dem Westen zu empfangen,

wurde nämlich für die Uniformträger

weiter verschärft. Bereits das Lesen

sogenannter „Feindpropaganda“ aus

dem Westen wurde unter Strafe gestellt!

Um dennoch auf Einstellung und Verhalten

von NVA-Soldaten deeskalierend

einwirken zu können und das Feindbild

vom „militaristischen“ und „revanchistischen“

Westen zu entkräften, wählte

die PSK unterschiedliche Wege: den Weg

über das Land, den Weg über das Wasser

und den Weg durch die Lüfte. Die luftgestützten,

grenzüberschreitenden Informationseinsätze

der PSK – und ab 1970

ihrer Nachfolgeorganisation, der Psychologischen

Verteidigung (PSV) – werden in

diesem Beitrag vorgestellt.

PSK-Balloneinsätze

Die PSK-Truppe setzte zum Verbringen

ihrer Druckerzeugnisse auf dem Luftweg

im Schwerpunkt Ballone ein. Es handelte

sich dabei um handelsübliche Wetterballone,

wie sie auch vom zivilen meteoro-

LuftwaffenRevue


logischen Personal für Windmessungen

genutzt werden. Alternativ standen Flugblattraketen

zur Verfügung. Diese kamen

aber nicht zum „scharfen“ Einsatz.

Ein Ballonzug der PSK-Truppe lässt

in der Auflassstellung Ballone

mit Flugrichtung Osten steigen.

Für die Durchführung der Balloneinsätze

waren primär die Ballonzüge der

PSK-Einheiten zuständig. Im Herbst 1961

verbrachten sie erstmals Flugschriften

über die innerdeutsche Grenze. Bereits

zehn Jahre zuvor sammelte das Ostbüro

der SPD Erfahrungen im Einsatz mit

Flugblattballonen. Dieses Wissen machte

sich die PSK-Truppe zunutze. Bevor

ein Ballonzug einer PSK-Einheit zum Einsatz

aus der Kaserne ausrückte, holten

die Ballonsoldaten aktuelle Wettervorhersagen

von militärischen und zivilen

Wetterdiensten ein und werteten diese

aus. Im grenznahen Gebiet angelangt,

kamen die Soldaten aus dem Windmesstrupp

zum Einsatz. Sie ermittelten mit

Hilfe eines Theodoliten die Windverhältnisse.

Da die Balloneinsätze in der Regel

bei Dunkelheit durchgeführt wurden,

befestigten die Soldaten batteriegespeiste

Glühbirnen an den Messballonen, um

die Abdrift in den unterschiedlichen Höhen

ermitteln zu können. Die gemessenen

Werte zur Windgeschwindigkeit und

Windrichtung nutzten die Soldaten, um

die Flugbahn der Ballone zum Zielgebiet

zu berechnen. Angepasst an die vorherrschenden

Windverhältnisse wurden in

Grenznähe zur DDR Standorte erkundet,

die sich besonders für das Auflassen der

Ballone eigneten. Im Idealfall konnte

eine sogenannte Ballonauflassstellung

(BAST) in einer Entfernung von 2.000 bis

4.000 Metern zur innerdeutschen Grenze

erkundet und bezogen werden. Die Soldaten

füllten nunmehr Wasserstoff in

die Ballone. Anschließend wurden die

PSK-Flugschriften in eine Klarsichtfolie

eingeschlagen und auf ein Segelbrett aus

Styropor gelegt. Das Segelbrett wurde

über eine Fadenaufhängung mit einem

Uhrauslöser verbunden. Die Soldaten

befestigten dann die zu transportierende

Last mit einer speziellen Aufhängung an

die Ballone. Die Ballone stiegen bis zum

Auslösevorgang mit einer Geschwindigkeit

von 200 Metern pro Minute in Höhen

von 2.000 bis 4.000 Meter auf. Ein Ballonzug

der PSK-Truppe konnte innerhalb

von zwölf Stunden eine Tonne Papier in

ein vorgegebenes Zielgebiet verbringen.

Dieses Gewicht entspricht der Menge

von etwa einer Million Flugblättern! Mit

den Ballonen konnten Druckerzeugnisse

über eine Entfernung von 30 Kilometern

in einer Ausdehnung von 100 Quadratkilometern

zielgenau verbracht werden.

Es waren aber auch Weitflüge in bis zu

200 Kilometer entfernte Zielgebiete möglich.

Im Durchschnitt wurden wöchentlich

zwei Balloneinsätze durchgeführt.

Alternativ zu den Ballonen setzte die

PSK-Truppe zum Verbringen ihrer Botschaften

auf dem Luftweg sogenannte

„Minifol“ ein.

Es handelte sich dabei um bedruckte

Kunststoffkissen, die mit Wasserstoff befüllt

und vom Wind über die innerdeutsche

Grenze in die DDR getragen worden

sind. Die in Mitteleuropa vorherrschenden

Westwinde begünstigten die Ballon-

und Minifol-Einsätze der PSK-Truppe im

besonderen Maße und erschwerten zugleich

luftgestützte Aktivitäten der NVA.

GESCHICHTE

PSK-Flugblätter & -Flugzeitungen

Die PSK verbrachte mit Ballonen vor allem

Flugblätter und Flugzeitungen auf

das Territorium der DDR. Das Verbringen

von kleinen Büchern und Heften blieb die

Ausnahme. Bevor PSK-Flugschriften zum

Einsatz kamen, mussten sie stets von einem

Staatssekretär im BMVg freigegeben

werden!

Die Formate der PSK-Flugblätter variierten

zwischen DIN A7 und DIN A4. Das

am häufigsten genutzte Format für Flugblätter

war DIN A5. Die Auflage eines

Flugblattes variierte in der Regel zwischen

500.000 bis zu 1.000.000 Exemplaren.

Eine Ausnahme war ein Kleinstflugblatt

(DIN A7) aus dem Jahre 1963, das

in einer Auflage von 32.000.000 Stück

gedruckt wurde. Auf dem Flugblatt war

eine Ulbricht-Karikatur abgebildet mit

den Worten: „Dieser nicht, aber Neckermann

machts möglich“. Es handelte sich

dabei um einen in der DDR gängigen

Slogan gegen die dortige Planwirtschaft

und für die Marktwirtschaft in der Bundesrepublik.

Die PSK-Truppe produzierte neben Flugblättern

im Schwerpunkt Flugzeitungen

und brachte diese zum Einsatz. Flugzeitungen

wurden in den Formaten DIN A3

bis DIN A2 gedruckt und anschließend

gefalzt. Die PSK stellte verschiedene Titel

an Flugzeitungen her. Diese richteten

sich jeweils an ausgewählte Zielgruppen

in der DDR und waren inhaltlich sowie

gestalterisch auf sie abgestimmt.

Im Folgenden wird die Flugzeitung

„Volksarmee“ vorgestellt, die von der

PSK produziert und im Rahmen der Informationseinsätze

in die DDR verbracht

worden ist. Die PSK-Flugzeitung „Volksarmee“

richtete sich an die Soldaten der

Nationalen Volksarmee. Die Flugschrift

war gestalterisch ein Imitat der gleichnamigen

Wochenzeitung für die Uniformträger

der DDR. Auf den ersten Blick

sehen die PSK-Ausgaben dem Original

täuschend ähnlich. Um sich der Originalausgabe

möglichst exakt anzupassen,

wurde für den Druck sogar Papier aus der

DDR verwendet. Die detailgetreue Nachahmung

sollte Repressalien durch die

Vorgesetzten vorbeugen und somit NVA-

Soldaten gewissermaßen schützen. In der

NVA-Dienstvorschrift DV 10/9a hieß es

nämlich sinngemäß: Das Lesen, Verteilen

und Propagieren feindlicher Schriften

ist strengstens verboten. Verstöße werden

streng disziplinarisch geahndet! Wurden

NVA-Soldaten beim Lesen von PSK-

Flugschriften erwischt, erfolgten weitreichende

Strafen! Die Ausrede, dass der

Leser der PSK-Flugzeitung glaubte, eine

DDR-Ausgabe der „Volksarmee“ in den

4. Quartal 2009 13


GESCHICHTE

Händen zu halten, war von den Vorgesetzten

jedoch kaum zu widerlegen. Erst

beim genauen Hinsehen wurden die Unterschiede

inhaltlicher Art zum Original

deutlich. Das begann bereits beim Titel

der Flugzeitung. Während der vollständige

Titel der Originalausgabe „Volksarmee

– Für unsere Arbeiter- und Bauern-

Macht“ lautete, titelte die PSK-Ausgabe

abwechslungsreich „Volksarmee – Für

die Macht der Arbeiter und Bauern“ oder

„Volksarmee – Für unsere Arbeiter-und-

Mauern-Macht“. Das Layout der PSK-

Ausgaben trug den Veränderungen – im

Schriftzug und in der Aufmachung – der

Originalausgabe stets Rechnung.

In der Flugzeitung „Volksarmee“ wurden

bevorzugt militärische, aber auch

politische Sachverhalte thematisiert. Die

„Volksarmee“ wurde von der PSK- und

PSV-Truppe ab Oktober 1961 bis Juni

1972 mit Ballonen über die innerdeutsche

Grenze in die DDR verbracht. Die

14

Flugzeitung „Volksarmee“ wurde nicht

fortlaufend durchnummeriert. Auf diese

Weise war es für die DDR-Führung kaum

möglich nachzuvollziehen, wie viele Ausgaben

welchen Inhalts tatsächlich an

die NVA-Soldaten verbracht wurden. Die

PSK-Flugzeitung „Volksarmee“ erschien

zudem in unregelmäßigen Abständen.

Die durchschnittliche Auflage einer Ausgabe

betrug etwa 500.000 Exemplare.

Die erste „Volksarmee“ der PSK erschien

im Herbst 1961. Das bestimmende Thema

dieser Ausgabe war die Berlin-Krise.

Um die NVA-Soldaten über die Ansichten

unterschiedlicher Staaten zu dieser

politisch angespannten Situation zu informieren,

wurden Zeitungsbeiträge aus

der Bundesrepublik, Großbritannien,

Frankreich, Österreich und Burma veröffentlicht.

Die ausgewählten Pressestimmen

sollten dazu beitragen, Vorurteile

und Hass gegenüber der Bundesrepublik

abzubauen.

Zu einem weiteren bestimmenden und

immer wiederkehrenden Thema der

Flugzeitung „Volksarmee“ wurde ab der

dritten Ausgabe im November 1961 der

Schießbefehl der Grenztruppen. „Wer

unbekannte Zivilisten in den Rücken

schießt, ist nicht Soldat, sondern Mörder!“

heißt es in dieser Ausgabe und weiter:

„20 cm zu hoch geschossen, ersparen

20 Jahre Zuchthaus“ sowie „Schüsse können

befohlen werden, Treffer nie!“. In der

darauf folgenden Ausgabe der Flugzeitung

„Volksarmee“ wurde den Lesern ein

Fall geschildert, bei dem ein Flüchtling

von DDR-Grenzsoldaten erschossen und

daraufhin eine strafrechtliche Verfolgung

in der Bundesrepublik eingeleitet wurde.

Die Mordkommission Berlin-Schöneberg

suchte zur Aufklärung des Falls Zeugen,

um den Schützen zu ermitteln, und hatte

dafür eine Belohnung von 10.000 Deutschen

Mark ausgesetzt. Die PSK informierte

die Uniformträger der DDR von

Beginn der Balloneinsätze fortlaufend,

dass Tötungsdelikte und Grenzzwischenfälle

für eine spätere Strafverfolgung dokumentiert

wurden.

Der Bundesverteidigungsminister, Franz-

Josef Strauß, richtete in der Ausgabe

zum Jahresbeginn 1962 einen Appell

an die Soldaten der NVA: „Handeln Sie

so, daß Sie vor Ihrem Gewissen und vor

Ihrem Volk bestehen können!“ Strauß

führte weiter aus: „Die Propaganda der

SED und ihrer Politoffiziere überschüttet

Soldaten der Volksarmee und Volkspolizei

mit falschen Informationen über die

freie Welt, deren Teil die Bundesrepublik

ist, und redet ihnen ein, daß Vaterlandsliebe

nichts anderes sein dürfe als Haß

gegen die eigenen Landsleute im freien

Westen. (...) Wenn ich als deutscher Verteidigungsminister

und Abgeordneter

des frei gewählten deutschen Parlaments

heute zu Ihnen, den Soldaten der sogenannten

NVA oder Volkspolizei, spreche,

dann tue ich es, um an Ihr Gewissen zu

appellieren und Sie aufzufordern, jede

Handlung Ihrer Kameraden und Vorgesetzten

darauf zu überprüfen, ob sie

den allgemein gültigen Gesetzen der

menschlichen Nächstenliebe entspricht

oder nicht und ob sie im Einklang mit

menschlichem und göttlichem Recht

steht“. Die Flugzeitung „Volksarmee“

thematisierte den Schießbefehl kontinuierlich

über elf Jahre hinweg und machte

den NVA-Soldaten deutlich, dass Schüsse

auf Flüchtlinge strafrechtliche Konsequenzen

nach sich ziehen würden: „Es

bleibt nicht ungesühnt. Alle Gewaltakte

an der Demarkationslinie und in der

SBZ werden registriert. (...) Schießbefehl

ist Mordbefehl!“ titelte die Ausgabe Nr.

LuftwaffenRevue


2 aus dem Jahre 1965. Die Ausgabe Nr.

38 aus dem Jahre 1969 konkretisierte:

„Verjährung? Nicht mehr für Mord. (...)

Das trifft selbstverständlich auch auf die

Mordtaten an der Zonengrenze zu“.

Die Flugzeitung „Volksarmee“ enthielt

aber keinerlei Diffamierungen, weder

über die Soldaten der NVA noch über die

Bevölkerung der DDR. Ferner durfte sie

auch nicht zum Aufstand gegen die politische

Führung der DDR auffordern und

„keinerlei direkte Anregungen zu einem

Überlaufen in den Westen“ geben. Diese

Tabus galten für alle Flugschriften der

PSK und PSV.

Reaktionen aus der DDR auf

PSK-Balloneinsätze

Gegen die bei Dunkelheit in das Gebiet

des ostdeutschen Staates hineinschwebenden

Ballone waren Politiker und Militärs

der DDR gleichermaßen machtlos.

In den frühen 1960er Jahren wurden

Grenzsoldaten zunächst angewiesen,

Ballone mit ihren Handfeuerwaffen

abzuschießen. Jedoch erwies sich diese

Maßnahme als unzweckmäßig, denn

auch die Flugschriften abgeschossener

Ballone gerieten letztlich in die Hände

der Uniformträger der DDR und wurden

von ihnen trotz des Verbotes gelesen. Um

die Wirkung auf NVA-Soldaten möglichst

gering zu halten, teilte die DDR-Führung

zum Aufsammeln der PSK-Flugschriften

auch Grenzhelfer, Schulklassen und

Rentner ein!

Mit der Zielfehlerkarte informierte die

PSK NVA-Soldaten, die an der innerdeutschen

Grenze eingesetzt waren.

Die Abwehr der westlichen „Feindpropaganda“

aus der Luft wurde auf Seiten

der DDR aber nicht auf das Leseverbot

beschränkt. So verschoss die Propaganda-Truppe

der NVA Kleinraketen aus

Pappmaterial über die innerdeutsche

Grenze und forderte in ihren Flugschriften

das Ende der „provokatorischen Ballonaktionen“

aus der Bundesrepublik.

Ferner wurden in der DDR-Presse gezielt

Gerüchte über Gefahren durch die PSK-

Ballone verbreitet. Sie wurden mitunter

als gefährliche Offensivwaffen des westdeutschen

Militarismus bezeichnet, „die

mit ihren heimtückischen Sprengladungen

schon Kindern die Arme abgerissen

hätten“. Ferner hieß es: „In zahlreichen

Fällen haben vom westdeutschen Territorium

gestartete Hetzschriftenballons,

die in der DDR niedergingen und explodierten,

erheblichen Schaden angerichtet

und Menschenleben gefährdet“.

Weit verbreitet war das Gerücht, Balloneinsätze

gefährdeten die Flugsicherheit.

Die PSK der Bundeswehr widerlegte diese

Behauptungen mit folgender Argumentation:

Zivile und militärische Wetterdienste

ließen allein in Mitteleuropa monatlich

über 3.500 mit Sonden versehene

Wetterballone steigen, zum Teil in unmittelbarer

Nähe zu Verkehrsflughäfen.

Ferner wurden technisch-wissenschaftlich

angelegte Versuche im Windkanal

angeführt, die nachwiesen, dass weder

einzelne noch eine Vielzahl von Wetterballonen

die Flugsicherheit gefährden.

Überdies war eine Verwechslung der Ballone

mit militärischen Flugzeugen bei

der Radarbeobachtung ausgeschlossen.

In der Gesamtbetrachtung wird deutlich,

dass Politiker und Militärs der DDR sich

weniger an den technischen Komponenten

der Balloneinsätze störten, sondern

diese gegenüber der Öffentlichkeit lediglich

vorgeschoben wurden. Die eigentlichen

Schwierigkeiten der DDR-Führung

lagen in der inhaltlichen Auseinandersetzung

mit den Flugschriften der PSK.

Ein Beleg hierfür sind Ausführungen von

NVA-Oberst Karl-Heinz Kathert aus dem

Jahr 1967. Im Rahmen einer wissenschaftlichen

Konferenz an der „Militärakademie

Friedrich Engels“ in Dresden

äußerte sich Kathert über die Balloneinsätze

der PSK und die Wirkung der Flugschriften

auf die Grenzsoldaten wie folgt:

Die vom NVA-Oberst als „ideologische

Diversion“ bezeichneten Druckerzeugnisse

der PSK stürzten die Grenzsoldaten

in „Gewissenskonflikte“ und hielten

sie von der „konsequenten Anwendung

der Schusswaffe“ ab. Kahlert trug auch

zu den Problemen vor, die der Umgang

mit diesen Schriften bereitete: „Als nicht

zweckmäßig hat sich der Versuch einiger

Genossen erwiesen, beim Auftreten geg-

GESCHICHTE

nerischer Argumente eine einfache ‚Widerlegung’

vornehmen zu wollen“. Der

Minister für Nationale Verteidigung der

DDR, Armeegeneral Hoffmann, sah die

Lösung derartiger Probleme in der Intensivierung

der sozialistischen Wehrerziehung!

Dieses Kleinstflugblatt der PSK-Truppe

(Vorder- und Rückseite) wurde 1963

in einer Auflage von 32.000.000 Stück

gedruckt und mit Ballons in die DDR

verbracht.

Um das Ende der PSK-Balloneinsätze

herbeizuführen, unterbreitete die DDR-

Führung der Bundesrepublik schließlich

mehrfach Tauschgeschäfte. Im Gegenzug

für den Stopp der westlichen Flugschriften

schlug die DDR vor, entweder die eigenen

Flugblatteinsätze einzustellen, die

Lautsprechereinsätze zu beenden oder

die Propagandatafeln entlang der innerdeutschen

Grenze abzubauen. Diese

Tauschangebote standen qualitativ und

quantitativ in einem deutlichen Missverhältnis

zur Effektivität und Effizienz

der Balloneinsätze der PSK und wurden

von der Bundesregierung bis 1972 stets

abgelehnt. Auch die verschiedentlich gestellten

Ultimaten der DDR, mit denen

sie das Ende dieser Einsätze erzwingen

wollte, blieben ohne Erfolg. Ferner drohte

die SED westdeutschen Firmen, die

Wasserstoff und weitere Materialien für

PSK-Balloneinsätze lieferten, jeglichen

Transitverkehr ihrer Waren zwischen der

Bundesrepublik und Westberlin zu unterbinden.

Auf diese Weise wurde gezielt

Druck auf die Zulieferer der PSK-Truppe

ausgeübt.

4. Quartal 2009 15


GESCHICHTE

Thema: Schießbefehl!

Der Schießbefehl war ein zentrales

Thema der PSK-Flugschriften. Die Autoren

der Flugschriften zeigten ein großes

Verständnis für das Dilemma der

Grenzsoldaten, auf der einen Seite den

Schießbefehl ausüben zu müssen und

auf der anderen Seite keinen Menschen

töten zu wollen. Folgende Zeilen der PSK-

Flugschrift „Information“ (September

1966) aus dem Beitrag „Schießbefehl ist

Mordbefehl! – Alle Kulturvölker der Erde

erwarten von der NVA: Soldat sein und

Mensch bleiben!“ zeigen ein hohes Maß

an Empathie seitens der PSK-Redakteure:

„Der Konflikt zwischen Befehl und Gewissen

ist der zivilisierten Welt aus den

Kriegsverbrecherprozessen noch in frischer

Erinnerung; und eine Welle von

Sympathie für deutsche (NVA-)Soldaten

geht durch Presse, Rundfunk, Fernsehen

und private Gespräche, wenn wieder

einmal ein Flüchtling durchkam, weil

ein Soldat nicht geschossen oder ‚nicht

getroffen’ hat (...). Die freie Welt (...) bewundert

schon seit längerer Zeit die außerordentliche

Findigkeit und Tapferkeit

ganzer Grenzkompanien bei der Sabotage

des völkerrechtswidrigen Schießbefehls.

Die meisten Flüchtlinge sind sich

darüber einig, daß sie Leben und Gesundheit

jenen tapferen Männern in den

Grenzkompanien verdanken, die ihre

Waffe völlig zu beherrschen gelernt haben.

‚Beherrschen’ heißt in diesem Falle

z.B. auch kluges, geübtes Danebenschießen

unter Berücksichtigung der Streuung

des Maschinenkarabiners“.

Die PSK-Truppe stellte in hoher Auflage

eine sogenannte Zielfehlerkarte im Taschenformat

8,7 x 5,7 Zentimeter her

und verbrachte diese mit Ballonen in die

DDR. Die NVA-Soldaten wurden über

gängige Zielfehler beim Schießen informiert,

die das Trefferbild beeinträchtigen:

„Wer diese möglichen Zielfehler sorgfältig

beachtet, wird im Rest seiner Dienstzeit

nicht mehr zum Mörder. Schießbefehl

ist Mordbefehl!“

Der PSK war bekannt, dass die Schießleistungen

jedes einzelnen Soldaten ab

Beginn seines Militärdienstes kontinuierlich

schriftlich festgehalten wurden. Folglich

fiel es den Überwachungsorganen

der NVA auf, wenn ein guter Schütze die

Flüchtlinge nicht traf. Das absichtliche

Vorbeischießen führte zu disziplinarischen

Bestrafungen, welche in der Realität

häufig umgesetzt wurden! Die PSK

lieferte den Soldaten im Grenzdienst

eine plausible Begründung für schlechte

Schießleistungen, indem sie über Ballone

„Zielfehlerkarten“ verbrachte. Das

Verkanten der Waffe oder das Wählen

16

eines falschen Haltepunktes sollte von

den Soldaten im Grenzdienst fortan auch

bei Übungsschießen angewandt werden,

um beim absichtlichen Vorbeischießen

auf Flüchtlinge eine plausible Erklärung

zu haben.

Die DDR-Führung forderte fortlaufend

das Ende der PSK-Balloneinsätze aus der

Bundesrepublik – so auch mit diesem

Flugblatt.

Wer dennoch den Schießbefehl ausübte,

erhielt von den PSK-Redakteuren folgende

Botschaft (Quelle: PSK-Flugschrift „Information“

aus dem September 1966):

„Sicher ist jedoch, daß die, die treffen, vor

den Richter kommen (...). Die ‚Zentrale

Erfassungsstelle’ zur Ermittlung kommunistischer

Gewaltakte, die im Auftrag der

westdeutschen Justiz tätig ist, hat bis zum

31. Dezember 1965 2.469 Fälle verbrecherischen

Schußwaffengebrauchs registriert

und in 1.359 Verfahren einen oder

mehrere Täter namentlich ermittelt“.

Um dem Leser der Flugschrift zu verdeutlichen,

dass es sich hierbei nicht um einen

Bluff handelt, werden die Redakteure

konkret: „Der Stabsgefreite Hanke von

der 8. Reserve-Grenzkompanie in Schierke

hat seine Strafe wegen versuchten Totschlags

bereits erhalten. Schlimmer noch

als jede Strafe ist die Stimme des Gewissens,

die dem, der schießt und trifft, ein

Leben lang zuruft: Mörder!“

Kundig und kenntnisreich im Detail führten

PSK-Redakteure an: „Aus dem ‚Militärstrafgesetz’

der DDR vom 24. Januar

1962, § 9 (Befehlsverweigerung), Absatz

4: Die Verweigerung eines Befehls bleibt

straflos, wenn die Ausführung gegen die

anerkannten Normen des Völkerrechts

oder gegen Strafgesetze verstoßen wür-

de“. Mit einer gehörigen Portion Weitsicht

sprachen die PSK-Redakteure den

„anständigen“ NVA-Grenzsoldaten Respekt

und Anerkennung aus: „Den Anständigen

danken wir! Wir sind stolz auf

Euch, auf Euer Verständnis und Euren

Mut, menschlich zu handeln, Ihr anständigen

Grenzsoldaten! Wir möchten Euch,

Kameraden, zurufen, Euch in der harten

Bewährung einer herzlosen Zeit, bleibt

weiter anständig!“ (Quelle: PSK-Flugzeitung

“Volksarmee”, Nr. 15, 1968).

PSK-Einsätze mit Sportflugzeugen

Die PSK verbrachte am 18. und 22. Januar

1962 per Flugzeug Druckerzeugnisse

auf das Territorium der DDR. Diese beiden

Einsätze erfolgten unter dem Decknamen

„Albatros“. Durch den Türspalt

eines Sportflugzeugs vom Typ Piaggio

wurden von Zivilbeschäftigten und Soldaten

der PSK insgesamt 37.000 Exemplare

einer Flugzeitung abgeworfen. Die

Anflüge auf das Gebiet der DDR stellten

rechtlich eine Grenzverletzung dar. Die

PSK erkannte dieses und nahm es hin!

In die konzeptionellen Überlegungen für

weitere Flugzeugeinsätze wurden von

der militärischen Führung zum einen

Abwehrmaßnahmen der DDR und zum

anderen auch Auseinandersetzungen

mit der Luftraumüberwachung der Bundesrepublik

und verbündeter Staaten in

Betracht gezogen.

Bei der per Flugzeug verbrachten PSK-

Flugschrift handelte es sich vermeintlich

um eine albanische Zeitung mit dem Namen

„Zeri i Popullit“, was in der Übersetzung

„Stimme des Volkes“ heißt. Die

Originalausgabe „Zeri i Popullit“ ist das

seit 1942 erscheinende offizielle Blatt der

kommunistischen Partei Albaniens. In

LuftwaffenRevue


vergleichbarer Vorgehensweise zur DDR-

Zeitung „Volksarmee“ übernahm die PSK

auch hier detailgenau die gestalterischen

Elemente der Originalausgabe. Das Layout

der Flugschrift „Zeri i Popullit“ erweckte

folglich den Eindruck, dass es sich

tatsächlich um eine „Sonderausgabe für

die Genossen in der Deutschen Demokratischen

Republik“ handelte, die von albanischen

Kommunisten verfasst wurde.

Zur Flugzeitung „Volksarmee“ besteht

jedoch ein wesentlicher Unterschied.

Während der Inhalt der imitierten DDR-

Zeitung stets den tatsächlichen Verfasser

enttarnte, verhielt es sich bei der Flugzeitung

„Zeri i Popullit“ anders. Der Inhalt

der „Stimme des Volkes“ weckte beim

Leser in irreführender Absicht den Eindruck,

dass es sich tatsächlich um eine

Originalausgabe handelte!

Dieses Flugblatt wurde von der PSK-

Truppe zusammen mit drei Zigaretten in

Folie eingeschweißt und richtete sich als

Dank an die „Kameraden der 7. Grenzbrigade“

in der DDR. Im Rahmen einer

Bundeswehrübung hatten sich in der

Nacht vom 29./30. November 1962 drei

Soldaten vom Panzergrenadierbataillon

22 bei starkem Nebel über die zum Teil

noch offene innerdeutsche Grenze verirrt.

Auf dem Territorium der DDR wurden

die Bundeswehrsoldaten schließlich

von Grenzsoldaten festgenommen und

wenige Tage später wieder in die Bundesrepublik

entlassen. Für dieses anständige

Verhalten der NVA-Soldaten bedankten

sich die PSK-Soldaten mit einem Flugblatt

und mit Zigaretten!

Auf der Titelseite der PSK-Flugschrift „Zeri

i Popullit“ sind Auszüge einer Rede des

Genossen Enver Hodscha abgedruckt, die

er am 7. November 1961 zum 20. Jah-

restag der Gründung der kommunistischen

Partei Albaniens gehalten hatte.

Hodscha kritisierte darin offen die politische

Linie Chruschtschows. Er warf ihm

vor, die Entscheidungen der KPdSU allen

anderen kommunistischen Parteien

aufdrängen zu wollen. Damit verstoße

Chruschtschow nach Auffassung Hodschas

gegen das Prinzip der Gleichheit

und Unabhängigkeit der marxistischleninistischen

Parteien und widerspreche

dem proletarischen Internationalismus.

In einem inhaltlichen Zusammenhang

zur Rede Hodschas wurden die DDR-Bürger

unter der Schlagzeile „Von Genossen

zu Genossen“ gezielt angesprochen: „Wir

albanischen Kommunisten wenden uns

nicht in der Absicht an die Genossen der

Deutschen Demokratischen Republik,

uns in die inneren Verhältnisse der DDR

und der SED unter der Führung des Genossen

Walter U l b r i c h t einzumischen.

Natürlich wäre es uns lieber, wenn sich

die kampferprobte Partei der deutschen

Arbeiterklasse in der notwendigen Auseinandersetzung

nicht auf die Seite der

opportunistischen Chruschtschow-Clique

schlagen, sondern an der konsequenten

Zurückweisung und Liquidierung aller

Versuche teilnehmen würde, die Gleichberechtigung

und Unabhängigkeit der

marxistisch-leninistischen Parteien

durch ein Regime der Befehlsausgabe

durch die KPdSU zu ersetzen (...)“. Diese

Worte stammten jedoch keineswegs aus

der Feder eines albanischen Kommunisten,

sondern wurden von Mitarbeitern

der PSK geschrieben!

Einige Exemplare der Flugschrift „Zeri i

Popullit“ wurden vom Wind auf das Gebiet

der Bundesrepublik getragen. Der

bundesdeutschen Presse blieben die wahren

Verfasser der „Stimme des Volkes“ je-

GESCHICHTE

doch verborgen. Die Lübecker Nachrichten

druckten die Schlagzeile: „Albanien

wiegelt den Ostblock auf – Flugblattaktion

gegen Alleinherrschaft Chruschtschows“.

Die BILD-Zeitung machte den

Vorgang zur Titelstory: „Das tollste Ding

des Monats – Albanische Flugblätter über

Sowjetzone. Die Roten fordern: ‚Stürzt Nikita

Chruschtschow!’“. Ein weiteres Zeugnis

für das Gelingen der PSK-Aktion ist

die Tatsache, dass die Flugschrift „Zeri i

Popullit“ in dem Buch „Unser Jahrhundert

im Bild“ aus dem Bertelsmann Verlag

als Beleg für interne Zerwürfnisse in

der kommunistischen Gemeinschaft angeführt

wurde.

Im Unterschied zur westdeutschen Presse

empörte sich die Presseagentur der

DDR. Der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst

(ADN) teilte mit, dass „ein

Militärflugzeug der BRD einen provokatorischen

Überflug der Staatsgrenze der

DDR“ vollzogen hatte. Sie artikulierte

Protest und sprach eine Warnung im

Auftrag des Ministeriums für Auswärtige

Angelegenheiten der DDR aus, dass eine

Wiederholung solcher Handlungen Folgen

haben werde. Die Flugschrift „Zeri i

Popullit“ wurde in der Ostpresse mit keinem

Wort erwähnt.

Ein dritter Flugzeugeinsatz zum Verbringen

von Flugschriften der PSK wurde

am 5. September 1962 durchgeführt.

Bei diesem Einsatz mit dem Decknamen

„Radareinsatz“ wurde ein Flugzeug vom

Typ Cessna 320 verwendet. Für weitere

PSK-Flugzeugeinsätze wurde erwogen,

Abwurfschächte in die Maschinen einzubauen,

um pro Anflug eine höhere

Zahl an Flugschriften verbringen zu können.

Jedoch wurden die PSK-Einsätze mit

Sportflugzeugen schließlich eingestellt.

Die entsprechenden Einsatzprotokolle

und Konzeptpapiere können im Bundesarchiv-Militärarchiv

in Freiburg im Breisgau

unter der Signatur BArch-MA, BW /

2 6864 eingesehen werden.

Aussagen von geflüchteten

NVA-Soldaten

Eine wichtige Quelle über die Wirksamkeit

von PSK-Flugschriften waren Aussagen

von geflüchteten NVA-Soldaten.

Der in den Westen geflüchtete DDR-Politoffizier

Oberleutnant Busch berichtete

am 17. Juli 1967 Folgendes: „Nach einer

Flugblattaktion im vorigen Jahr machte

der Politstellvertreter der Grenzkompanie

Mendhausen nach einem ‚Aktuellen Gespräch’

zu den Flugblättern die Umfrage:

‚Gesetzt den Fall, Sie als Grenzposten

(zu den Soldaten gewandt) haben einen

schweren Grenzdurchbruch ‚DDR-West’

durch Anwendung der Schußwaffe ver-

4. Quartal 2009 17


GESCHICHTE

hindert. Die Grenzverletzer sind beide

tot. Sie erhalten vom Chef der Grenztruppen

die ‚Medaille für vorbildlichen

Grenzdienst’, zusätzlich Sonderurlaub.

Würden Sie die Medaille zu Hause tragen

und ihren Verwandten sagen, warum Sie

diese erhalten haben?’ Von 40 Mann

gab es nur insgesamt zwei ‚Genossen’.

Andere brachten Ausflüchte.

Es war ihnen

in starkem Maße peinlich.

Dieser Test sagt

mehr aus als hingeworfene

Worte“. Zahlreiche,

vergleichbare

Aussagen geflüchteter

Uniformträger aus der

DDR wurden im Leitreferat

PSK im BMVg

quartalsweise zusammengefasst

und weiteren

Bedarfsträgern in

der Bundeswehr zum

dienstlichen Gebrauch

zur Verfügung gestellt.

Der geflüchtete NVA-

Oberleutnant Busch

unterbreitete der PSK

aber auch konkrete

Vorschläge zur Steigerung

der Wirksamkeit

ihrer Produkte: „Die

erwähnte Flugschrift

könnte in ihrem Inhalt

noch wirksamer

sein, enthielte sie noch

mehr konkrete Begebenheiten

aus den

Grenzeinheiten und

Grenzgebieten“. Ferner

nannte er konkrete Ansatzpunkte

für weitere

Flugschriften, die bei

NVA-Soldaten auf ein großes Interesse

stoßen würden: „Das könnte auch mal

in Flugschriften (...) erscheinen:

- Wer soll das bezahlen

(Grenzsicherungsanlagen)?

- Wie lange sollen wir noch bewacht werden

(Bauern der Grenzgemeinden auf

den Feldern)?

- Wer kriegt das Uran, das in Königstein

abgebaut werden wird?“.

Die Informationen geflüchteter NVA-

Soldaten trugen maßgeblich dazu bei,

dass die PSK die psychologische Lage in

den ostdeutschen Streitkräften treffend

beurteilen und in Teilen sicherlich auch

erfolgreich beeinflussen konnte.

In einem Schreiben vom 14. Juni 1967 an

das Bundeskanzleramt führte der spätere

Generalmajor Dr. Johannes Gerber und

damalige Referatsleiter PSK im BMVg

zum Thema „Wirkungskontrolle von

18

PSK-Flugschriften“ aus: „Die Zuschriften

aus der SBZ und die Flüchtlingsaussagen

zeigen folgendes Bild: 92,3% positiv und

7,7% negativ. Die durch Fü S II ausgewerteten

Flüchtlingsaussagen ergeben,

daß etwa 90% aller Geflüchteten Kenntnis

von den westlichen Flugblättern haben

und sie nach Art und Durchführung,

Form und Inhalt positiv beurteilen. Die

Flugblätter sind die einzige Möglichkeit,

um die NVA-Soldaten über Bundeswehr

und Bundesregierung und deren Absichten

aufzuklären und somit der permanenten

Haßpropaganda im Politunterricht

entgegenzuwirken“.

Das Ende der Informationseinsätze

Mit dem „Vertrag über die Grundlagen

der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik

Deutschland und der Deutschen

Demokratischen Republik“ sollte das

politisch angespannte Verhältnis zwischen

den beiden deutschen Staaten normalisiert

werden. Die Vorgespräche zu

den Verhandlungen zum sogenannten

Grundlagenvertrag wurden am 15. Juni

1972 aufgenommen. Die Staatssekretäre

Egon Bahr (Bundesrepublik Deutschland)

und Michael Kohl (Deutsche Demokrati-

sche Republik) führten die Vorgespräche

und Verhandlungen im Auftrag ihrer

Regierungen. Es war bereits im Vorfeld

dieser Gespräche davon auszugehen,

dass die DDR erneut das Einstellen der

Balloneinsätze fordern würde. Bereits im

Rahmen der Vorgespräche zu den eigentlichen

Verhandlungen zum Grundlagenvertrag

trafen die Staatssekretäre

Bahr und Kohl

die mündliche Vereinbarung,

„dass mit Wirkung

vom 1. Juli 1972 beide

Seiten jegliche Propaganda-Aktivität

in Schrift,

Bild und Ton gegen die

Streitkräfte des jeweils

anderen Staates einstellen.

Diese Abrede verliert

ihre Verbindlichkeit, falls

sie von einer Seite nicht

eingehalten wird“.

Am 29. Juni 1972 erfolgte

zunächst der mündliche

Befehl vom Generalinspekteur

der Bundeswehr,

Admiral Armin Zimmermann,

die Balloneinsätze

sowie den Versand

von Informationsschriften

in die DDR bis auf

weiteres einzustellen.

Die PSV-Truppe beendete

am 30. Juni 1972 die Informationseinsätzeentlang

der innerdeutschen

Grenze „bis auf weiteres“.

Die Fähigkeit zum

Erstellen und Verbringen

von Flugschriften wurde

in der Bundeswehr aufrechterhalten.

Der DDR-

Führung war durchaus

bekannt, dass die PSV-Truppe die Balloneinsätze

jederzeit wieder aufnehmen

konnte. Bundeswehrintern wurde das

Abkommen nicht einhellig als Erfolg bewertet.

Kritische Stimmen äußerten, dass

die DDR einseitig begünstigt wurde. Über

kommunistische Parteien, Organisationen,

Presseorgane, Lehrer und sonstige

Meinungsmacher könne die DDR weiterhin

ihre Propaganda durchführen,

wo hingegen die Bundesrepublik jegliche

Möglichkeiten einer Einflussnahme verloren

habe.

Über den Autor:

Oberstleutnant Dr. Dirk Drews

ist eingesetzt in der Personalvertretung,

im Örtlichen Personalrat (ÖPR) beim

ZOpInfo und im Bezirkspersonalrat (BPR)

beim SKUKdo.

LuftwaffenRevue


GESCHICHTE

Aus der Uniformgeschichte:

Die Ärmelbänder der Luftwaffe der Bundeswehr

Bei der Schaffung der Uniform für die

neuen deutschen Streitkräfte 1955 wurde

zunächst bewusst und aus politischen

Gründen auf viele Militärtraditionen früherer

deutscher Armeen verzichtet. Aber

bereits 1956 wurden Effekten alter Zeiten

wieder eingeführt.

Die neue Uniform stieß nicht nur bei den

wieder eingestellten ehemaligen Soldaten

der Wehrmacht auf Ablehnung, sondern

wurde auch von der Bevölkerung

kaum akzeptiert. Ärmelbänder als deutsche

Tradition zur Kennzeichnung herausragender

Verbände hingegen wurden

jedoch schon von Beginn an auch in

der Bundeswehr vergeben. Erstmalig im

deutschen Heer wurde am 24. Januar

1901 ein Ärmelband an Truppenteile der

Alten Armee verliehen. Das preußische

Füsilier-Regiment Feldmarschall Prinz

Albrecht von Preußen ( Hannoversches )

Nr. 73, in dem der Pour-le-Merite-Träger

Ernst Jünger diente, das Infanterie-Regiment

von Voigt-Rhetz ( 3. Hannoversche)

sowie das Hannoversche Jäger-Bataillon

10 erhielten die Erlaubnis, das GIBRAL-

TAR-Band zu tragen.

Das GIBRALTAR-Ärmelband,

verliehen am 24. Januar 1901.

Dieses blaue Stoffband mit einer gelben

Aufschrift erinnerte an die Kämpfe der

hannoverschen Truppenteile in englischen

Diensten auf der spanischen Halbinsel

1783. Das GIBRALTAR-Band wurde

auch noch im Reichsheer beim 16. und

17. Infanterieregiment bis in die Mitte

der 20er Jahre vermutlich von Ehemaligen

der oben aufgeführten Verbände getragen.

Eine amtliche Verleihung hatte

offensichtlich nicht mehr stattgefunden

und bis 1927 war das Band völlig verschwunden.

Auch im III. Reich war das

Tragen von Ärmelbändern/Ärmelstreifen

in den verschiedensten Organisationen

weit verbreitet, und es kam fast zu

einer Schwemme dieser Kennzeichen,

auf die aber an dieser Stelle nicht näher

eingegangen werden soll. 1955 wurden

bei der neuen Heeresuniform anstelle der

Kragenspiegel zur Kennzeichnung der

Waffengattung sogenannte Truppengattungsabzeichen

in altgoldener metallgeprägter

Form eingeführt, um bereits

im Sommer 1956 wieder durch die alten

Kragenspiegel ersetzt zu werden. Die

Kragenecken der Luftwaffenuniform hin-

gegen waren zu diesem Zeitpunkt noch

„nackt“ und ohne Kennzeichen. Deshalb

wurde für die Luftwaffe zur Kennzeichnung

ihrer Teilstreitkraft ein Ärmelband

eingeführt. Dabei handelte es sich um

ein 3 cm breites Band, in dem sich eine

silberfarbene stilisierte Doppelschwinge

mit einem Randstreifen befand. Die Aus-

Die 4 Ärmelbänder zeigen das allgemeine Ärmelband der Luftwaffe

in den verschiedenen Varianten. Getragen von 1955 – 1972/73.

führungen waren für die Mannschaften

gewebt, für die Unteroffiziere maschinengestickt,

für die Offiziere handgestickt

und für die Generale in goldfarbener

Handstickerei. Zu tragen von allen Sol-

Die am 21. April 1961 vergebenen Traditionsbänder für das Jagdbombergeschwader

31 in Nörvenich/Kerpen mit dem Namen +Boelcke+, das Jagdgeschwader 71

in Wittmund, damals Ahlhorn, mit dem Namen +Richthofen+ und das Aufklärungsgeschwader

51, damals in Ingolstadt, später bis zur Auflösung in Bremgarten

stationiert. Der Traditionsname wurde vom AG 52 in Kropp übernommen.

4. Quartal 2009 19


GESCHICHTE

20

Das Foto von der Ärmelbandverleihung im April 1961 zeigt von links nach

rechts den Bruder Manfred von Richthofens, Volko von Richthofen,

Oberstleutnant Erich Hartmann und den damaligen Inspekteur der Luftwaffe,

Generalleutnant Kammhuber.

daten der Luftwaffe auf beiden Ärmeln

des Tuchmantels und dem Rock, 12 cm

von der Ärmelunterkante bzw. 3 cm von

der Oberkante des Ärmelaufschlags. Als

die Luftwaffe 1958 auch wieder Kragen-

spiegel einführen wollte, gab der Bundespräsident

Heuss zu verstehen, die Ärmelbänder

abzuschaffen. Als die Luftwaffe

daraufhin nur einen Kragenspiegel für

alle Luftwaffensoldaten einführen wollte,

gab der Bundespräsident schmollend

nach, und die Luftwaffe durfte Ihr Ärmelband

behalten. Am 21. April 1961 wurden

in der Luftwaffe dann die ersten 3

Ärmelbänder mit Traditionsnamen vergeben.

Das Jagdgeschwader 71, damals

Das Ärmelband für das Wachbataillon, früher Siegburg, heute in Berlin und

Siegburg stationiert. Eingeführt am 27. November 1962. Die beiden hand- und

maschinengestickten Ausführungen sind in blaugrauer Farbe für den Anteil

Luftwaffe beim Wachbataillon. Der Anteil Heer trägt dieses Band in Anthrazit.

in Ahlhorn bei Oldenburg stationiert,

erhielt den Traditionsnamen + Geschwader

Richthofen+ ( in Erinnerung an das

ehemalige Jagdgeschwader 2). Kommandeur

in Ahlhorn war Oberstleutnant

„Bubi“ Hartmann. Das Jagdbomberge-

Das Ärmelband des Jagdgeschwader 74 in Neuburg/Donau, welches dem

Verband als Traditionsnamen am 2. Oktober 1973 verliehen wurde.

Ebenfalls den Namen +Mölders+ erhielt ein Zerstörer der Bundesmarine,

der schon vor Jahren ausgemustert wurde. Dem Geschwader +Mölders+

wurde der Traditionsname im Januar 2005 entzogen.

schwader 31 in Nörvenich/Kerpen unter

Kommodore Oberst Barkhorn erhielt den

Namen +Geschwader Boelcke+ ( in Erinnerung

an das Kampfgeschwader 2) und

das Aufklärungsgeschwader 51, damals

in Ingolstadt stationiert, unter Kommodore

Oberstleutnant Grasemann erhielt

den Namen +Geschwader Immelmann+

( in Erinnerung an das Sturzkampfgeschwader

2). Die Ärmelbänder wurden

an die drei Kommodore durch den damaligen

Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant

Kammhuber, verliehen. Bereits

am 27. November 1962 wurde auch

das Ärmelband +Wachbataillon+ für die

Anteile Heer und Luftwaffe im Wachbataillon

eingeführt. 1973 kam dann noch

bei der Luftwaffe das Jagdgeschwader 74

in Neuburg an der Donau hinzu, welches

offiziell am 22. November 1973, der Wiederkehr

des Todestages von Werner Mölders

(22. November 1941), den Namen

+Geschwader Mölders+ erhielt ( in Erinnerung

an das Jagdgeschwader 51). Um

die Namen der Traditionsgeschwader der

Luftwaffe komplett zu machen, erhielt

das Jagdgeschwader 73 in Laage südlich

von Rostock am 18. September 1997 den

Namen +Geschwader Steinhoff+. Dieses

Geschwader entstand durch eine Fusion

des ehemaligen Jagdbombergeschwader

35 in Pferdsfeld, dem sogenannten

„Schinderhannes-Geschwader“, mit dem

Erprobungsgeschwader MiG-29 Preschen

in der Lausitz, ehemals 3. Jagdfliegergeschwader

3 „Wladimir Komarow“ der

1.Luftverteidiungsdivision Cottbus, NVA-

Luftstreitkräfte.Die offizielle Begründung

für diese Ärmelbänder anfangs war, dass

sich die Luftwaffe zu deutschen Fliegern

bekennt, die in ihrer Haltung und Leistung

beispielhaft sind. Auf diese Weise

sollte sich die Bundeswehr ihrer Tradition

und Verpflichtung bewusst werden

und wertvolle Überlieferungen der Vergangenheit

mit den Forderungen der Gegenwart

verbinden. So sah man das damals

noch! Wie sich die Zeiten ändern,

zeigt das Beispiel des Jagdgeschwader

74 +Geschwader Mölders+, dem am 28.

Januar 2005 der Traditionsname durch

den damaligen Verteidigungsminister

Struck entzogen wurde. Er hatte diese

Entscheidung auf Grund einer „Empfehlung“

des Bundestages getroffen. Am 28.

April 1998, ein Freitagabend, war diese

„Empfehlung“ von einer Minderheit von

25 anwesenden Abgeordneten, meist

PDS/Grüne, getroffen worden, Angehörige

der ehemaligen Legion Condor nicht

mehr als Namensgeber für Bundeswehr-

Einrichtungen zu verwenden. In der Geschichte

der Bundeswehr ein einmaliger

Vorgang. Ausschlaggebend war schließ-

LuftwaffenRevue


Das Ärmelband für das JG 73 +Geschwader Steinhoff+ in der maschinengestickten Ausführung.

lich ein biografisches Gutachten von

Mölders, durchgeführt von Historikern

des Militärgeschichtlichen Forschungs-

amtes der Bundeswehr in Potsdam. Tatsache

jedoch ist: Mölders wurde von der

Bundeswehr nicht geehrt, weil er unter

Hitler diente, sondern weil er in diesen

schweren Zeiten Anstand und Moral trotz

aller Härte zum Gegner nicht unterge-

hen ließ. Das war seine Vorbildfunktion

als Offizier. Mit der Aufstellung von Unteroffizierschulen

bei Heer und Luftwaffe

Das Ärmelband der Unteroffizierschule der Luftwaffe. Bemerkenswert die Tatsache,

dass alle Bänder mit Inschriften mit einer Frakturschrift versehen sind und nicht in

der heute gebräuchlichen Antiqua-Schreibweise. Da man anfangs diese

Frakturschrift gewählt hatte, wollte man bei den später folgenden Bändern

vermutlich diese Systematik beibehalten.

wurden auch diese mit Ärmelbändern

ausgestattet.. In der Luftwaffe wurde am

7. Oktober 1964 eine Unteroffizierschule

in Gürzenich-Wald bei Düren durch Generalleutnant

Panitzki indienstgestellt,

die das Ärmelband +Unteroffizierschule+

GESCHICHTE

erhielt. Diese Schule verlegte im August

1971 im Rahmen einer Zusammenlegung

mit der Truppendienstlichen Fachschule

der Luftwaffe nach Iserlohn und legte damit

ihr Ärmelband ab. Als am 6. Oktober

1988 eine neue Schule bei der Luftwaffe

in Appen-Pinneberg aufgestellt wurde,

erhielt diese kein Ärmelband mehr, da

der Inspekteur der Luftwaffe nur noch

Traditionsgeschwadern Ärmelbänder

zugestehen wollte. Weitere Ärmelbänder

werden in absehbarer Zeit in der Luftwaffe

wohl nicht verliehen werden. Das Heer

kennt ebenfalls Ärmelbänder, auf die an

dieser Stelle allerdings nicht näher eingegangen

werden soll. In der konservativen

Marine sind solche Effekten nicht gebräuchlich

und werden auch in Zukunft

keine Verwendung finden.

Walter Kunstwadl

Walter Kunstwadl

Von der „Affenjacke“ zum „Tropentarnanzug“

Die Geschichte der Bundeswehr im Spiegel ihrer

Uniformen und Abzeichen

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zu einem bisher kaum beachteten Aspekt deutscher Militärgeschichte

- umfassend und aktuell.

Der Autor: Walter Kunstwadl, Jahrgang 1940, ist ehemaliger

Soldat und langjähriger Sammler von Uniformen und Effekten.

Er hat zahlreiche Fachartikel über die Bekleidungsgeschichte

der Bundeswehr verfasst. Als Experte war er u.a. für

das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in

Bonn und für das Militärhistorische Museum der Bundeswehr

in Dresden tätig.

4. Quartal 2009 21


GESCHICHTE

Dieser Bericht wurde von unserem

Mitglied Dipl.-Ing. Hans Gaenshirt

– heute Vorsitzender der Kameradschaft

der ehemaligen Kampfgruppe

100 des KG 100 zur Verfügung gestellt.

Die hier geschilderte Begebenheit

verdeutlicht eindrucksvoll, dass die

hohe Tugend der Kameradschaft

auch in ausweglos erscheinenden

Situationen Wunder hervorbringen

kann, die beispielhaft im Sinne

bester soldatischer Tradition in die

Zukunft hineinwirkt. Die nachstehend

erzählte Geschichte von dem

sensationellen Rettungsflug der Besatzung

des OFw Jeckstat (I./KG 100)

kann der Kategorie einer ’Mission

Impossible’ zugeordnet werden und

war dennoch aufgrund des hohen

fliegerischen Könnens des Flugzeugführers

und seiner Besatzung sowie

einer tief verwurzelten Kameradschaftsverpflichtung

erfolgreich.

Und das war der sensationelle Rettungsflug

- dokumentiert vom Lt Gerhard

Puklitsch:

22

Teil 1

Eine schier ausweglose Situation

Die wundersame Rettung einer deutschen

Flugzeugbesatzung weit hinter den feindlichen Linien im II. Weltkrieg

Feldwebel Jeckstat mit Besatzung landet

mit seinem He 111-Bomber am 16.

Juni 1943 bei Nacht auf unbekanntem

Ackergelände ca. 300 km hinter

den feindlichen Linien, holt die notgelandete

Besatzung des damaligen

Lt Puklitsch von der I./KG 100 heraus

und rettet sie vor der russischen Gefangenschaft:

“Nach den Angriffen auf das Kraftwagenwerk

’Molotow’ in Gorkij, die wir in

den Nächten zwischen dem 03. und 06.

Juni 1943 von Seschtschinskaja/Mittelabschnitt

aus flogen, verlegt die I./KG

100 am 07.06. wieder zurück nach Stalino.

Von hier aus sollen wir Nachtangriffe

auf die Industriewerke von Saratow,

insbesondere die Ölraffinerie und

die Kugellagerfabrik, fliegen.

Der Angriff vom 13.06.1943 gilt der

Ölraffinerie und insbesondere dem

Kraftwerk. Es ist unser zweiter Angriff

auf dieses Ziel, und wir sind wie in der

vergangenen Nacht auf starke Flugabwehr

mit zahlreichen Scheinwerfern

eingestellt.

Nach einem normalen Start um 19.46

Uhr in die Abenddämmerung hinein

verläuft der Hinflug ohne besondere

Vorkommnisse. Im letzten Büchsenlicht

überfliegen wir bei Schachty die

Front in 3200 m Höhe. Wir fliegen im

Mondschein mit guter Sicht weiter. Unter

uns vereinzelt geringe Bewölkung.

Als Ansteuerungspunkt ist die große

Eisenbahnbrücke über die Wolga

südöstlich der Raffinerie vorgesehen,

um das Ziel von dort aus gegen das

Mondlicht anzugreifen. Die Ölraffinerie

selbst liegt im Süden von Saratow

am Rande eines Flugplatzes, daran

anschließend die Kugellagerfabrik.

Diese Objekte sind, ihrer Bedeutung

für die Kriegswirtschaft entsprechend,

weiträumig stark geschützt. Schon bei

der Annäherung an den Zielraum setzt

heftiges Flakfeuer und rege Scheinwerfertätigkeit

ein.

Über die Brücke drehen wir nach links

zum Zielanflug ein. Die Abwehr konzentriert

sich nun auf die anfliegenden

Maschinen. Jetzt hängen auch

einige Leuchtbomben über dem Ziel

und beleuchten es taghell. Zielanflug

- die Bombenklappen werden geöffnet.

Wegen der geringen Ausdehnung des

LuftwaffenRevue


uns als Zielschwerpunkt befohlenen

Ölkraftwerkes werfen wir nur eine

kurze Reihe von 8 Bomben, die genau

im Ziel liegen. Wir wiederholen

diesen Angriff noch dreimal, immer

von demselben Ablaufpunkt aus. Der

Bordschütze kann die Wirkung der

Einschläge gut beobachten und macht

mehrere Aufnahmen mit der Handkamera.

Beim letzten Anflug liegt im hellen

Feuerschein der Großbrände dichter

schwarzer Rauch über dem Ziel und

beeinträchtigt die Sicht. Die Flak feuert

nach wie vor aus allen Rohren, und

neben den Detonationen der schweren

Granaten sind es die Leuchtspurketten

der leichten und mittleren Kaliber,

die nach uns greifen. Die Scheinwerfer

suchen umher, mehrfach wischt einer

über uns hinweg. Plötzlich hat uns einer

gepackt und hält uns fest. Sofort

kommen weitere hinzu, und nun haben

uns drei, vier und dann fast ein

Dutzend Scheinwerfer im Strahlenbündel.

Gleißende Helle in der Kanzel!

Den Zielanflug können wir nur noch

mit herabgezogener Sonnenbrille, den

’Froschaugen’, zu Ende führen. Doch

jetzt haben sich die Batterien auf unser

angestrahltes Flugzeug eingeschossen,

wir werden von Druckwellen geschüttelt

und hören das Krachen der Detonationen.

Da zwei harte Schläge, wir

sind getroffen. Der linke Motor verliert

an Leistung und beginnt zu brennen.

Eine lange Rauchfahne hängt hinter

uns. Also den Motor sofort abstellen.

Zündung aus, Brandhahn zu und die

Luftschraube auf Segelstellung. Doch

das gelingt nicht mehr, weil auch die

Nabe offenbar getroffen ist. Die Maschine

zieht stark nach links, ich versuche

nachzutrimmen. Mittlerweile ist

das Feuer erloschen. In diesem Augenblick

ruft der Bordmechaniker: “Nachtjäger

von hinten“, und schon zieht eine

Geschossgarbe dicht über uns hinweg.

Der Funker mit dem schweren MG und

der Bordschütze mit dem Zwillings-MG

hämmern dem Angreifer entgegen.

Nur mit äußerster Kraftanstrengung

gelingt es, den Nachtjäger, der noch einige

Mal angreift, durch Ausweichmanöver

abzuschütteln und das Flugzeug

wieder auf Kurs zu bringen. Möglicherweise

hat die Hintermannschaft den

Nachtjäger getroffen, weil er plötzlich

steil wegkurvt und von uns ablässt.

Bei der wilden Kurbelei haben wir erheblich

an Höhe verloren und fliegen

kaum noch 2000 m hoch, immer noch

über dem Zielraum. Einige Scheinwerfer

haben uns weiter im Griff, aber die

Flak wird schwächer. Die Russen halten

uns wohl für erledigt. Vielleicht sind

aber noch weitere Nachtjäger im Luftraum,

die man nicht gefährden will.

Für uns ist das kein Trost, denn wir haben

jetzt große Probleme mit unserem

Flugzeug, das nicht auf Höhe zu halten

ist. Ich steigere den Ladedruck des

rechten Motors auf 30-Min-Leistung,

doch auch das reicht nicht aus. Trotz

Trimmung bis zum Anschlag zieht die

Maschine noch stark nach links. Die

Bremswirkung der linken Luftschraube

ist zu groß und mit Mühe halten wir

das Flugzeug auf Kurs. Um das Fluggewicht

zu senken, wird alles über Bord

geworfen, was entbehrlich ist. Waffen,

Munition, auch die Panzerplatten werden

ausgebaut. Trotzdem müssen wir

weiter Höhe aufgeben, um das Flugzeug

nicht wegen zu geringer Fahrt abschmieren

zu lassen. Der Fahrtmesser

zeigt noch knapp 170 km/h an, das

ist für die He 111 schon ein gefährlich

überzogener Flugzustand.

90 Minuten nach dem Angriff sind

wir noch nicht wieder über den Don

hinweg und haben noch 500 km bis

zur Front vor uns. Bei einer Flughöhe

von 200 m, auf die wir inzwischen gesunken

sind, haben wir keine Chance

mehr, das eigene Gebiet zu erreichen.

Der Funker gibt laufend unseren Kurs,

unsere Flughöhe und unsere Geschwindigkeit

zusammen mit SOS und Peilzeichen

an unsere Bodenfunkstelle durch.

- Wie wir später erfahren, haben zahlreiche

Peilstellen an der gesamten Ostfront

unseren Notruf gehört und Peilmesswerte

nach Stalino durchgegeben.

Dadurch war unser Standort zu Hause

bekannt. -

Wir entschlossen uns zur Notlandung.

Der Funker meldet sich bei der Funkstelle

ab und gibt Dauerpeilzeichen.

Jetzt Gas weg, Brandhahn zu, Landeklappen

heraus und den Scheinwerfer

an. Schon kommt der Boden näher,

es ist ein Acker. Dichter Staub wirbelt

durch den Innenraum. Die Kanzel ist

zerschlagen, die Bodenwanne abgerissen.

Glücklicherweise ist keiner verletzt.

Unheimliche Stille rings umher.

Da fängt der rechte Motor Feuer. Treibstoff

oder Öl entzünden sich am glühenden

Auspuff. Raus aus der Maschine

und Erde auf das Feuer geworfen, es

erlischt. Wir lauschen, nichts regt sich.

Also wieder hinein in die Maschine, Instrumente

zerstören, Funkunterlagen

und Zielkarten vernichten, Bordbeutel,

Feldflaschen, Handfeuerwaffen,

Leuchtpistole und Leuchtmunition

bergen. Die grünen und weißen Patronen

finden wir noch, dazu einige ES

GESCHICHTE

6, das Erkennungssignal dieses Tages.

Die roten Patronen sind mit der Halterung

im Dreck vergraben und nicht zu

finden. Inzwischen versucht der Funker,

ein letztes Mal Verbindung mit der

Funkstelle Stalino zu bekommen, doch

das Gerät schweigt. Nun zerstören wir

auch die Funkanlage. Die Sprengung

des Flugzeuges unterlassen wir, um

uns nicht durch den dadurch entstehenden

Feuerschein zu verraten. Es ist

anzunehmen, dass unser langer Anflug

in geringer Höhe nicht unbemerkt

geblieben war und die Suche nach uns

bereits begonnen hat.

Also schnellstens weg von der Maschine,

bevor man uns hier erwischt. Nach

dem Marschkompass laufen wir in

Richtung 235°. Der Mond geht unter,

es wird stockdunkel. Hohes Gras und

Gestrüpp behindern unser Vorwärtskommen.

Wir sind erschöpft. Nach

einer Stunde beginnt es im Osten zu

dämmern. Für eine kurze Verschnaufpause

lassen wir uns in das Steppengras

fallen, doch bald treiben uns die

Unruhe und die Sorge wegen einer

möglichen Entdeckung im offenen

Gelände wieder weiter. Endlich finden

wir einen einzelnen Strauch, der uns

in seinem Schatten aufnimmt. Wir

beschließen, den Tag in diesem Versteck

zu verbringen. Die Sonne steigt

höher und Scharen von Stechmücken

bedrängen uns. Hoch über uns hinweg

fliegt der morgendliche Fernaufklärer,

eine Ju 88. Nervenanspannung und

Mücken sorgen dafür, dass wir nicht

in festen Schlaf fallen, obwohl wir jetzt

rechtschaffen müde sind. Wir denken

über unsere Lage nach. Unseren Standort

kennt man zu Hause, davon gehen

wir aus. Was wird die Kampfgruppe

für uns unternehmen?

Genau vor einer Woche haben wir

anlässlich der Besichtigung unserer

Einheit in Stalino durch den kommandierenden

General des IV. Fliegerkorps,

General der Flieger Pflugbeil, mögliche

Maßnahmen zur Rettung von hinter

den feindlichen Linien notgelandeten

Besatzungen durchgespielt. Dabei

wurde auch der Einsatz von Suchflugzeugen

und unter besonders günstigen

Umständen auch der Einsatz von Bergungsflugzeugen

erwogen. Nun könnte

an uns bewiesen werden, ob so etwas

überhaupt möglich ist. Ob die Kampfgruppe

daran denkt? Ob der kommandierende

General sich an das Planspiel

erinnert? Um es vorwegzunehmen: Er

hat sich daran erinnert!

Mehr noch, er gab nach Erhalt der Verlustmeldung

und der Begleitumstände,

4. Quartal 2009 23


GESCHICHTE

dass wir wahrscheinlich notgelandet

sind, umgehend den Befehl, uns in

der kommenden Nacht zu suchen, um

dann gegebenenfalls eine Rettungsaktion

einzuleiten.

Wir in unserem Versteck irgendwo zwischen

Wolga und Don wissen an diesem

Morgen nicht, was sich zu Hause

bei unserer Einheit abspielt, doch hält

uns die Hoffnung aufrecht, dass es eine

Chance gibt, hier herauszukommen.

Wir sprechen darüber und planen die

Einzelheiten unseres möglichen Beitrages

zu unserer Rettung. Aufgeben

kommt für uns nicht in Frage. Auch

die Möglichkeit des Fußmarsches den

Don abwärts wird erwogen. Den Zeitbedarf

errechnen wir mit mindestens 4

Wochen. An das Nächstliegende den-

Suchanfrage

Herr Klaus Kruppka, Löbauer Str.

22a, 02708 Lawalde, hat sich an den

Deutschen Luftwaffenring e.V.mit

der Bitte um Unterstützung bzgl.

der Nachforschung des Schicksals

seines Vaters Richard Kruppka, geb.

27.09.1919, gewandt.

Die WASt in Berlin konnte aufgrund

verloren gegangener Personalunterlagen

aus den verbliebenen Dokumenten

noch folgende Auskünfte erteilen:

• Lt. Meldung vom 24.08.1939 Angehöriger

des I./Kampfgeschwader

General Wever 253, 2. Flughafenbetriebs-Kompanie

Luftwaffe trauert um

ehemaligen Inspekteur

Bad Reichenhall, 08.10.2009.

Im Alter von 91 Jahren verstarb am 4.

Oktober 2009 der ehemalige Inspekteur

der Luftwaffe, Generalleutnant

a.D. Günther Rall, in Bad Reichenhall.

GenLt a.D. Rall war von 1971 bis 1974

Inspekteur der Luftwaffe.

Günther Rall wurde am 10. März 1918 in

Gaggenau/Kreis Rastatt geboren. Nach

dem Einsatz im Krieg begann er seinen

Dienst in der Luftwaffe 1956 im Dienstgrad

Major. Er wurde in den darauffolgenden

Jahren auf verschiedenen Flugzeugmustern

ausgebildet.

GenLt a.D. Rall prägte die Luftwaffe in

entscheidender Phase. Seine Entschei-

24

ken wir zuletzt: Dass der Russe uns hier

finden könnte.

Doch werden wir jäh hieran erinnert,

als wir plötzlich Stimmen hören und

sehen, dass ein Pferdefuhrwerk mit einem

Mann und mehreren zu Fuß folgenden

Frauen auf uns zukommt. Wir

erstarren und ducken uns regungslos

auf den Erdboden unter dem Busch.

Dicht neben unserem Versteck vorbei

führt ein Feldweg, den wir nicht bemerkt

haben. Als die Gruppe vorbeigezogen

ist, überprüfen wir die Umgebung

auf mögliche Trittspuren von uns

im Steppengras und sorgen für Tarnung

unseres Versteckes. Von nun an

sind wir noch etwas vorsichtiger. Nicht

ohne Grund, wie sich bald zeigen wird,

denn bald danach fährt ein Milizsoldat

• Ab 02.01.1941 10. Kompanie Waffenmeisterschule

der Luftwaffe in Halle/Saale

• Lt. Meldung vom 06.06.1942 eingesetzt

bei 3. Kompanie Fallschirmersatzregiment

1, Standort Stendal

• Lt. Meldung vom 26.01.1944 eingesetzt

bei 5. Kompanie Fallschirmjäger-Regiment.

Lt. Meldung vom

26.03.1944 unterstellt der 1. Fallschirmjäger-Division

im Einsatzraum

Adria Küste (Januar 1944) und Monte

Cassino (Februar-März 1944).

• 16.03.1944 Kriegsgefangenschaft

Cassino

dungen zu den Vorbereitungen der Einführung

der Waffensysteme Tornado

und Alpha Jet waren Grundlagen für die

auf einem Motorrad mit Beiwagen an

uns vorbei in die Richtung, aus der wir

gekommen sind. Offensichtlich sucht

er unser Flugzeug. Oder haben sie es

schon gefunden? Dann würde die Suche

noch intensiver werden, weil zugleich

unsere Flucht entdeckt wäre.

Anmerkung der Redaktion

An dieser Stelle endet der 1. Teil des

Berichtes von Lt Gerhard Puklitsch

und findet mit dem 2. Teil in der kommenden

Ausgabe 1/2010 der LwRevue

einen spannenden und bewegenden

Abschluss.

Y. Esken

• Dienstgrade gem. vorliegender Meldungen

(Keine Beförderungsdaten):

02.01.1941 Unteroffizier

16.03.1944 Feldwebel

Gibt es noch ehemalige Zeitzeugen/

Kameraden aus den o.a. Dienststellen,

die Richard Kruppka kennen und weitere

Auskünfte erteilen können?

Informationen werden erbeten an:

Deutscher Luftwaffenring e.V.,

Rheinallee 55, 53173 Bonn

Tel.: 02241/8445987

yorck.esken@luftwaffenring.de oder

Herrn Klaus Kruppka,

Löbauer Str. 22a, 02708 Lawalde

Tel.: 03585/218526

Pinkyk@web.de

Steigerung der Fähigkeiten der Luftwaffe

in den 70er und 80er Jahren.

Nach Führungspositionen wie Kommodoreverwendung

im Jagdbombergeschwader

34, Kommandeurdienstposten

bei der 1. und 3. Luftwaffendivision übernahm

er 1971 als vierter Inspekteur den

höchsten Dienstposten der Luftwaffe. In

seiner letzten Verwendung vor dem Ruhestand

war er Deutscher Militärischer

Vertreter im Military Committee der

NATO in Brüssel.

GenLt a.D. Günther Rall gehört zu den

Gründervätern der Bundeswehr. Seine

Verdienste und sein Wirken für die Streitkräfte

und das Bündnis verdienen ein ehrendes

Gedenken.

(Quelle: Luftwaffe/Archiv)

LuftwaffenRevue


„Am 26. November 1943 von einem

Feindflug über der Deutschen Bucht nicht

zurückgekehrt, seitdem vermisst.“ So lautet

ein Eintrag im Wehrpaß des Feldwebel

Ludwig Reichenbacher am 30. Dezember

1943. Am 12. Februar 1944 erfolgt eine

Berichtigung durch den Staffelkapitän,

der Flugzeugführer sei am 26.11.1943

bei Großenging/Lostrup (Südoldenburg)

im Luftkampf gefallen. Seine Leiche wurde

erst am 06. Januar 1944 dort im Moor

gefunden. Darüber berichtet der Gendarmeriemeister

Georg Ripken in einem

persönlichen Schreiben vom selben Tag

an die Ehefrau Betty Reichenbacher, de-

Vom Feindflug nicht zurückgekehrt

Das Fliegerschicksal des Feldwebel Ludwig Reichenbacher

Verlustmeldung im Wehrpass

ren einjährige Tochter

Edeltraud ihren Vater

nicht mehr kennenlernen

wird. Als Augenzeuge

beschreibt er

die Angriffe der deutschen

Jagdflugzeuge

auf „die Übermacht

der fliegenden Festungen“.

Zum selben

Zeitpunkt, als Reichenbacher

abstürzt, muß

„ein anderer Jäger wegen

Verwundung eine

Bauchlandung vornehmen“.

Den Gefallenen

finden Bauern einige Kilometer

von seinem zerstörten Flugzeug

entfernt. Sein Oberkörper sei, so der Berichterstatter,

„gänzlich in das Moor eingedrungen,

so dass er in der Heide nicht

leicht zu finden war. Nachdem wir Ihren

GESCHICHTE

Ludwig Reichenbacher in seiner Fw 190 A-5 mit

dem Wappen der III./JG1 und dem Namenszug

seiner Tochter „Traudl“

Ausbildung und Geleitschutz

Ludwig Reichenbacher wird am 26. Juni

1920 in Siegelsdorf bei Nürnberg geboren.

Nach abgeschlossener Schulpflicht

Die Liberator B-24 mit der Serien-Nummer 42-7490 im Vordergrund

Mann gereinigt hatten, stellten wir fest, und Bäckerlehre leistet er seinen Arbeits-

dass er mehrere Schüsse in Hals und Kopf dienst ab. Im Jahre 1937 tritt er als Freiwil-

hatte. Nach dem Befund muß er gleich liger mit 12-jähriger Dienstverpflichtung

nach der Verwundung aus dem Flugzeug in die Luftwaffe ein. In München-Neu-

abgesprungen und dann sofort wegen biberg erhält er seine Grundausbildung,

der schweren Verwundung die Besinnung dort und in Eger schließen sich weitere

verloren haben, so dass er nicht mehr die Ausbildungsgänge und die Beförderung

Reißleine des Fallschirms ziehen konn- zum Unteroffizier an. Seine Ausbildung

te.“ Mit tröstlichen Worten im Sprachstil zum Flugzeugführer von Jagdflugzeugen

der Zeit schließt der Polizeibeamte seinen absolviert er vom 16.11.1940 bis zum

Brief ab und verweist noch darauf, dass 07.05.1941 an der Jagdfliegerschule 5.

man „den unerschrockenen Lufthelden Es folgen Verwendungen bei der Erg.Gr./

in einen schönen Sarg gebettet“ habe, Jagdgeschwader 51 und beim Jagdge-

„damit ihm ein würdiges Grab in heischwader 1. Eine Vielzahl von Einsätzen

Ludwig Reichenbacher als Gefreiter

der Luftwaffe

matlicher Erde bereitet werden kann.“ führt ihn zum Schutz deutscher Geleitzüge

von Flugplätzen in Norddeutschland,

4. Quartal 2009 25


GESCHICHTE

Dänemark und Südnorwegen aus in den

skandinavischen Raum. Bei Angriffen auf

alliierte Schiffseinheiten in der Nordsee

wird er zweimal abgeschossen und –auf

See treibend – gerettet. Für seine zahlreichen

Einsätze erhält er am 24.07.1942

die Frontflugspange in Bronze.

Im Abwehrkampf gegen Bomber

Am 03.04.1943 erfolgt die Versetzung

zur 1. Staffel des Jagdgeschwader 11. Ihr

Operationsgebiet ist vor der norwegischen

Küste und in der deutschen Bucht,

um einfliegende alliierte Bomberverbände

abzufangen. Hier erzielt der am

01.07.43 zum Feldwebel beförderte Reichenbacher

seine ersten Luftsiege. Am

04.10.1943 schießt er eine B-24 Liberator

und am 09.10.1943 eine B-17 Flying Fortress

ab. Am 05.11.1943 schießt er bei einem

Angriff der 2nd Bomb Division auf

Münster bei Uedem (Niederrhein) wieder

eine B-24 ab. Seinen 4. anerkannten Luftsieg

erringt er am 18.11.1943 bei einem

Angriff der 2nd Bomb Division auf Oslo

Kjeller nochmals über eine B-24.

Eine Besonderheit stellt die am 5. November

1943 von Reichenbacher abgeschossene

Liberator dar. Ihre Identität

lässt sich an Hand amerikanischer und

deutscher Quellen nachweisen: Eine B-24

26

Beisetzung eines gefallenen Kameraden

mit der Serien-Nummer 42-7490 von der

578th Bomb Squadron; neun von elf Besatzungsmitgliedern

finden den Tod.

Am 26.11.1943 schlägt dann die Schicksalsstunde

für Reichenbacher. Bei einem

Großangriff der gesamten 8. US-Luftflot-

LtCol David Carl Schilling

te starten 505 Viermotorige, deren Bomben

ausdrücklich dem Stadtgebiet der

alten Hansestadt gelten sollen. Tatsächlich

gelangen 440 B-17 und B-24 über

das Zielgebiet, wo sie zwischen 11.45

Uhr und 12.28 Uhr über 1200 t Bomben

abladen und damit sehr schwere Verluste

unter der Bevölkerung, aber auch er-

Mitglied werden im Deutschen Luftwaffenring e.V.

(gegründet 1952)

Tradition & Moderne treffen hier in einer einzigartigen Mischung aufeinander.

Wir würden uns freuen, auch Sie als Mitglied gewinnen zu dürfen.

hebliche Verwüstungen in verschiedenen

Industriegebieten anrichten. Geschützt

werden die Viermots bei ihrem Einflug

von 381 P-47 und P-38. Auf amerikanischer

Seite gehen zwar 28 B-17, 3 B-24

und P-47 verloren, aber auch die Verluste

der deutschen Jagdabwehr wiegen

schwer. Unter den zahlreichen deutschen

Jagdflugzeugen, die an diesem Tag abgeschossen

werden, ist auch die Maschine

von Reichenbacher. Zu den US-Begleitjägern

gehört auch die 56th Fighter Group

(genannt Wolfpack), eine Einheit, die

die meisten Abschüsse auf dem europäischen

Kriegsschauplatz erzielt hat. Zu

den Jagdfliegerassen der 56th FG zählt

LtCol David Carl Schilling. Ihm weist die

Victory List insgesamt über 22 Luftsiege

zu, darunter zwei am 26.11.1943. Es

handelt sich dabei um zwei Focke-Wulf

190, die südostwärts von Oldenburg zu

Boden gehen. Eine davon wird die Maschine

von Fw Reichenbacher gewesen

sein, der beim Absturz den Tod findet.

Am 9. Januar 1944 teilt der Oberleutnant

und stellv. Staffelführer Grützmacher der

Witwe den Tod ihres Mannes offiziell

mit. Mit der Beschreibung der Umstände

des Absturzes bemüht er sich zu erklären,

dass dem Gefallenen „so ein längeres

Leiden erspart geblieben“ sei. Dem Brief

liegt auch die Verleihungsurkunde zum

Eisernen Kreuz II. Klasse bei, das dem

Feldwebel Ludwig Reichenbacher für seine

bestätigten Abschüsse posthum am

13.12.1943 verliehen worden ist. Seine

letzte Ruhestätte findet er in einem Familiengrab

im mittelfränkischen Veitsbronn.

Quellen:

Wehrpaß und Flugbuch von Ludwig Reichenbacher.

Jochen Prien und Peter Rodeike, Einsatz in der

Reichsverteidigung von 1939 – 1945. Jagdgeschwader

1 und 11, Teil 1, 1939 – 1943, Eutin

1993

Frank J. Olynyk, USAAF (European Theater)

Credits for the destruction of enemy aircraft in

Air-to-Air combat World War 2, Aurora, Ohio,

1987 - Roger A. Freeman, Mighty Eighth War

Diary, London, 1981

Tony Wood, O.K.L. Claims, OO,OD

Bilder: Archiv AG Luftkriegsgeschichte

Rheinland (Repros: Claus Leonhardt).

Horst Schuh

LuftwaffenRevue


Die Focke-Wulf FW-190 A-5 mit der Werknummer 410246 von

Feldwebel Ludwig Reichenbacher von der 1./JG11

Quelle: Frank Tausche

Die P-47D-1-RE Thunderbolt mit der Air Force Seriennummer 42-7938 von

Lt. Col. David Carl Schilling „56th FG, 62nd FS“

( „56th Fighter Group, 62nd Fighter Squadron“ )

Quelle: URL: http://www.warbirdsresourcegroup.org/URG/schiling.html

GESCHICHTE

4. Quartal 2009 27


GESCHICHTE

Beginn Teil 3

28

Chronologie eines Luftkrieges

Der Kreis Bernkastel 1939 - 1945

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember

startet die deutsche Wehrmacht die

letzte groß angelegte Offensive im Westen.

Ihr Ziel ist es, durch Belgien an die

Kanalküste vorzustoßen und somit die

alliierten Kräfte zu teilen. Bedingt durch

das schlechte Wetter und das Fernbleiben

der alliierten Jabos, macht die Offensive

zu Beginn deutliche Fortschritte. Erst am

23. Dezember klart das Wetter soweit

auf, daß die taktischen Luftflotten der

Amerikaner und Briten dem deutschen

Ansturm ihre gesamten Einsatzkräfte

entgegenschicken können. Aber auch die

deutsche Luftwaffe zeigt sich seit langer

Zeit wieder in großer Stärke. So bleiben

schwere Luftkämpfe nicht aus.

Einer dieser Luftkämpfe tobt gegen Mittag

in der Südeifel. Nachdem mit B-26

”Marauder” ausgerüstete amerikanische

”Bomb Groups” mehrere Eisenbahnbrücken

bei Euskirchen, Ahrweiler und

Ediger-Eller angegriffen haben, treffen

sie auf dem Rückflug auf starke deutsche

Jagdkräfte. Es soll ein schwarzer Tag der

B-26-Verbände der ”US 9th Air Force” werden.

Insgesamt verlieren die Amerikaner

vor Eintreffen des eigenen Jagdschutzes

36 Bomber aus den einzelnen Pulks. Es ist

das erste Mal, und es wird auch das einzige

Mal bleiben, daß es deutschen Jagdverbänden

gelingt, den amerikanischen

B-26-Verbänden innerhalb eines Tages

so schwere Verluste zuzufügen. Aber sie

können ihren Triumph nicht lange auskosten.

Noch während sie in Kämpfe mit

den zweimotorigen Bombern verwickelt

sind, taucht der Jagdschutz auf, und aus

Jägern werden Gejagte. In den folgenden

Minuten müssen die Deutschen für ihren

Erfolg bitter bezahlen. Selbst wenn es ihnen

gelingt, den Feind im Tiefflug abzuschütteln,

müssen sie erst ihre angeschlagenen

Mühlen auf eigene Einsatzplätze

zurückbringen.

Zwei Flugzeugführern des JG 11 soll dies

nicht mehr gelingen. Kurz nach Mittag

hört man in Hilscheid das Motorengeräusch

einer Bf 109. Dieses erstirbt plötzlich,

Stille. Der Flugzeugführer versucht

eine Bruchlandung. In einem ansteigenden

Wiesenhang setzt er auf, durchbricht

eine Böschung und hebt noch einmal ab,

um dann schließlich fast auf der Höhe

mit seiner jetzt motorlosen Maschine in

einem Acker liegenzubleiben. Der Motor

ist vorher bei der harten Bruchlandung

abgerissen und liegt nur wenige Meter

neben dem Rest der Maschine. Der schwer

verletzte und bewußtlose Flugzeugführer

wird von Anwohnern aus den Trümmern

seines Flugzeuges gerettet und nach Hilscheid

gebracht. Von dort gelangt er

schließlich in das Lazarett nach Traben-

Trarbach.

Nur wenige Kilometer entfernt, kämpft

ein weitere Pilot des JG 11 mit seiner Bf

109. Über Hottenbach verläßt er seine

angeschlagene Maschine, die schließlich

am Ortsausgang an einem Hohlweg aufschlägt.

Im Gegensatz zu seinem Kameraden

ist er nur leicht verletzt und stößt

bald wieder zu seiner Einheit.

Die Lancaster, welche am 03. Februar

1945 bei Wolf abstürzte. Die Besatzung

auf dem Bild ist jedoch nicht die Besatzung

vom Absturz am 03. Februar!

Mit dem weiter aufklarenden Wetter

melden sich auch die Jabos zurück. Zudem

fliegen die strategischen Bomberverbände

mit ihren viermotorigen Bombern

taktische Einsätze zur Unterstützung der

alliierten Bodentruppen. In den Tagen

zwischen Weihnachten und Neujahr

muß infolgedessen das Kreisgebiet die

bisher schwersten Bombenangriffe des

Krieges über sich ergehen lassen. Am

24. Dezember fallen die ersten Bomben

in Niederemmel und Monzelfeld. Am

25. Dezember folgen Abwürfe auf Erden,

Etgert, Gutenthal, Riedenburg, Hoxel,

Wirschweiler und Allenbach. In Erden

und Etgert gibt es dabei Tote und Verletzte.

Zudem erhält die Hoxeler Brücke drei

Volltreffer. Zwei Pfeiler der Brücke sind

zerstört. Zwei Tage später folgen Abwürfe

auf Morbach, Bernkastel, Andel und

Zeltingen. Zusätzlich gibt es noch Bordwaffenbeschuß

in Gutenthal, Thalfang,

Bernkastel und Zeltingen. In Morbach

stirbt ein Kind. Der 28. Dezember bringt

einen Bombenabwurf auf Wenigerath,

und einen Tag später fallen Bomben auf

die Straße Filzen-Wintrich. Wiederum

Teil 3

einen Tag später schlagen Bomben bei

Wintrich in freies Feld ein. An Silvester

sind schließlich noch einmal Wehlen,

Thiergarten, Bernkastel und Zeltingen

Ziel der Bomben.

Die Ardennenoffensive geht an Neujahr

in ihre dritte Woche. Der schnelle, anfangs

durch das schlechte Wetter unterstützte

Vormarsch der Heeresverbände

gerät ins Stocken oder ist schon gänzlich

zum Stillstand gekommen. Vor allem

die Jabos, die selten von deutschen Jagdflugzeugen

gestört werden, machen den

Panzerspitzen schwer zu schaffen. Das

Heer verlangt Abhilfe, und am 1. Januar

1945 reagiert die deutsche Luftwaffe mit

einem groß angelegten Luftangriff auf

die Flugplätze der alliierten taktischen

Luftstreitkräfte. Ziel ist es, so viele alliierte

Flugzeuge wie möglich am Boden

zu zerstören. Trotz einiger Erfolge wird

der ”Unternehmen Bodenplatte” getaufte

Einsatz ein Desaster für die deutsche

Jagdwaffe, von der sie sich nicht mehr

erholt. Wer nicht von der alliierten Flak

oder von den schon in der Luft befindlichen

Jägern abgeschossen wird, gerät

auf dem Rückflug in die eigenen Flaksperren,

die, nur unzureichend über den

Einsatz unterrichtet, den Heimkehrern

weitere schwere Verluste zufügen. Eine Bf

109 des Jagdgeschwaders 4 (JG 4) muß

auf dem Rückflug von einem Einsatz in

Belgien in der Nähe der Ruine Baldenau

bei Hundheim aus Mangel an Sprit notlanden.

Der Flugzeugführer verletzt sich

leicht bei der Bruchlandung.

Am 2. Januar fallen Bomben bei Hochscheid

auf einen Zug. Hierbei gibt es

mehrere Tote unter den Insassen eines

Lazarettwagens, darunter auch ein amerikanischer

Flieger. Drei Tage später, am

5. Januar, sind Thalfang, Gräfendhron,

Weitersbach und Schönberg Ziele von

Bombenabwürfen. Des weiteren wird die

Straße Papiermühle-Dhron durch einen

Abwurf beschädigt. Wenigerath wird am

13. Januar mit Bordwaffen beschossen

und einen Tag später treffen Bomben

das Bootshaus in Zeltingen. Eine einzelne

Bombe wird am 15. Januar aus Niederemmel

gemeldet, das am 22. Januar

Ziel eines weiteren Angriffs ist. Einige

Bomben fallen dabei auf den Ortsteil

Müstert, der erhebliche Gebäudeschäden

zu verzeichnen hat. Der 24. Januar

bringt Bombenabwürfe auf Andel und

Bernkastel. In Andel erfolgt zudem noch

ein Bordwaffenbeschuß, der zwei Tote

LuftwaffenRevue


fordert. Die Moselbrücken und Verkehrswege

sind auch am Nachmittag des 26.

Januar Ziele der Jabos. In Niederemmel

fallen Bomben in der Nähe der Piesporter

Brücke. Die Müsterter Brücke wird sogar

getroffen, bleibt jedoch passierbar. Weitere

Bomben gehen bei Dhron und bei

Wehlen nieder. Die letzte Bombe des Januar

1945 fällt am 29. in der Nähe von

Neumagen.

Der Februar beginnt, wie der Januar

aufgehört hat. Im Verlauf des 2. Februar

fallen Bomben bei Rhaunen und entlang

der Straße Papiermühle-Thalfang.

Zudem wird Rhaunen mit Bordwaffen

beschossen.

In der darauf folgenden Nacht vom 2.

auf den 3. Februar stürzt wieder ein britischer

Bomber im Kreisgebiet ab. Eine

”Lancaster” der 419 Sqdn. der ”Royal Canadian

Air Force” wird auf dem Rückflug

von Wiesbaden von der Flak getroffen.

Der Pilot gibt sofort den Befehl zum Aussteigen.

Nur der Heckschütze kann gerade

noch aus seinem Drehturm mit dem

Fallschirm abspringen, der Rest der Besatzung

hat keine Chance, aus der steil

stürzenden Maschine zu entkommen, die

schließlich bei Wolf aufschlägt.

Jabo-Angriffe erfolgen wieder am 6. Februar

1945. Bomben werden dabei bei

Merschbach und Horath in freies Gelände

und in den Wald geworfen. Hottenbach

erhält zudem Bordwaffenbeschuß.

Wieder ist es ein britischer Bomber, der

in der Nacht vom 7. auf den 8. Februar

1945, nach einem Angriff auf Mainz, bei

Berglicht in den Wald stürzt. Aus der Maschine

kann sich nur der Navigator der

De Havilland ”Mosquito” der 692 Sqdn.,

einer Pfadfindereinheit, lebend retten.

Der Pilot kommt in den Trümmern seiner

Maschine ums Leben.

In den nächsten Tagen erfolgen wieder

Bordwaffenangriffe und Bombenabwürfe.

Am 8. Februar liegen die Ziele in Neumagen,

bei Hoxel und in Kempfeld. Zu

den erheblichen Gebäudeschäden kommt

noch eine 24stündige Unterbrechung der

Bahnlinie Simmern-Hermeskeil. Zudem

greifen die Jabos Langweiler, Sensweiler

und die Straße Kempfeld-Katzenloch

an. Der 9. Februar bringt weitere Bombenabwürfe,

diesmal auf Neumagen,

Longkamp und Monzelfeld. Nach einer

kurzen Pause geht es am 13. Februar weiter.

Ziel der Bomben sind Oberkirn und

Morbach. In Morbach wird wieder einmal

die Hunsrückhöhenbahn getroffen,

die für 24 Stunden unterbrochen ist. Am

14. Februar werden Bombenabwürfe bei

Noviand und Niederemmel gemeldet.

Nach dem Ende der Ardennenoffensive

und dem Desaster der deutschen Luft-

waffe vom 1. Januar kommt es in der

Folgezeit nur zu vereinzelten Luftgefechten.

Im Februar flauen diese noch weiter

ab, da zumeist nur alliierte Maschinen in

der Luft zu beobachten sind. Tatsächlich

werden die meisten deutschen Jagdverbände

an die Ostfront verlegt. Trotz der

aussichtslosen Lage in der Luft braucht

das Heer weiterhin Informationen über

die Truppenstärke des Feindes und dessen

Bewegungen. Die Überlebenschance

der am Anfang des Krieges entwickelten

Heeresaufklärer ist unter den gegebenen

Umständen sehr gering. Nur für diesen

Zweck umgerüstete moderne Kampfflugzeuge

haben noch Aussicht, diese Aufgabe

erfolgreich durchzuführen. So fliegen

im Westen die Nahaufklärereinheiten

nunmehr eine für diese Zwecke umgerüstete

Version der Bf 109.

Am Morgen des 16. Februar 1945 startet

ein Schwarm der ”Nahaufklärungsruppe”

1 (NAGr 1) zu einem Einsatz in den

Raum Diekirch-Metz-Saarburg. Auf dem

Rückflug werden sie bei Trier von Piloten

der ”354th Fighter Group” (354th FG) gesichtet

und sofort angegriffen. Die Deutschen

bemerken, daß sie verfolgt werden,

und spalten sich in zwei Rotten auf. Bevor

die Amerikaner auch nur in Schußweite

der ersten Rotte gelangen, dreht einer der

beiden deutschen Flugzeugführer seine

Maschine auf den Rücken und steigt aus.

Sein Fallschirm öffnet sich, und er landet

unweit von Horath in einem Waldgebiet

und bleibt in einer Baumkrone hängen.

Zur Landestelle eilende Volkssturmleute

helfen ihm schließlich aus dem Baum.

Unweit seiner Landestelle schlägt auch

seine Bf 109 auf, die fast völlig zerstört

wird. Auffallendster Gegenstand unter

den Überresten ist eine große Reihenbildkamera.

Der zweite Flugzeugführer wird

noch einige Kilometer gejagt, bis auch er

sich entschließt auszusteigen. Er landet

in der Nähe von Haag, und nachdem

er seinen Fallschirm zusammengeholt

hat, begibt er sich in den Ort. Seine Maschine

stürzt am Ortsrand von Odert ab,

wobei sie einen Trichter in ein Feld reißt.

Auch hier müssen die Amerikaner keinen

Schuß abfeuern. Die beiden anderen

Maschinen des NAGr 1 können vorerst

entkommen. Erst beim Landeanflug auf

ihren Heimathorst werden sie zum zweiten

Mal gestellt und abgeschossen.

Am Nachmittag des 19. Februar erfolgt

ein folgenreicher Bombenabwurf auf

Bernkastel. Ein Luftschutzkeller wird getroffen

und stürzt ein. In ihm finden 50

Menschen den Tod. Ebenfalls an diesem

Nachmittag fallen weitere Bomben neben

der Straße Allenbach-Katzenloch in

freies Gelände. Der folgende Tag bringt

GESCHICHTE

weitere Angriffe mit Bordwaffen auf Talling,

Berglicht und Thalfang sowie den

Abwurf einer einzelnen Bombe auf Wehlen.

Maring, Deuselbach und Morbach

sind das Ziel der Jabos am 21. Februar.

Die Bomben richten aber nur Schäden

auf dem Bahngelände in Morbach an.

Die Nacht vom 21. auf den 22. ist die dritte

Nacht im Februar, in der ein britischer

Bomber innerhalb des Kreises abstürzt.

Eine ”Halifax” der 10 Sqdn. ist dieses Mal

Opfer eines deutschen Nachtjägers. Wenige

Minuten nachdem sie ihre Bombenlast

auf Worms abgeladen haben, beobachtet

der Bordfunker den Schatten eines

einmotorigen Flugzeuges. Eine Minute

später gibt der Heckschütze eine Warnung

an den Piloten ab, als auch schon

Maschinengewehrfeuer zu hören ist und

die Leuchtspurgarben am Rumpf vorbeistreifen.

Der Pilot meldet über Bordnetz,

daß die Seiten- und Höhenruderkontrollen

beschädigt sind, und der Bordmechaniker

beobachtet gleichzeitig ein Feuer

im Hinterteil des Rumpfs, woraufhin der

Pilot den Befehl zum Aussteigen gibt. Vier

Mann springen aus dem vorderen Notausstieg

ab. Der Heckschütze läßt sich

wahrscheinlich aus seinem Turm fallen.

Sie geraten alle in Gefangenschaft. In der

Zwischenzeit gelingt es dem Bordfunker,

das Feuer im Heck der Maschine zu löschen,

und der Pilot entschließt sich, gegen

Westen weiterzufliegen und alliiertes

Gebiet zu erreichen. Nur wenige Augenblicke

später erfolgt ein zweiter Angriff

des deutschen Nachtjägers, und der Pilot

befiehlt, das Flugzeug endgültig zu verlassen.

Der Bordfunker springt sofort ab,

und auch der Pilot schafft es schließlich,

seine Maschine zu verlassen. Er landet

unweit von Kleinich und wird wie seine

fünf vorher abgesprungenen Kameraden

gefangengenommen. Im Gegensatz

zu diesen gelingt es dem Bordfunker, die

eigenen Linien zu erreichen, und wenige

Wochen später befindet er sich wieder in

England. Die Maschine beschreibt noch

einen Kreis und schlägt schließlich bei

Kleinich in einer Wiese auf.

Es gibt jetzt fast täglich Jabo-Angriffe auf

Ziele im Kreisgebiet, so auch am Morgen

nach dem Absturz bei Kleinich. Es fallen

Bomben bei Thalfang, und am Nachmittag

wird auch die Wetterdienststelle

auf dem Erbeskopf sowie das Sägewerk

Mettler in Hinzerath angegriffen. Bei

der Wetterdienststelle gibt es einen Toten.

Auch der 23. Februar bringt weitere

Bordwaffenangriffe und Bombenabwürfe.

Ziele sind Graach, Thalfang und

Katzenloch. Wehlen wird am 24. Februar

schwer getroffen. 25 Häuser sind zerstört,

14 Einwohner kommen ums Leben. We-

4. Quartal 2009 29


GESCHICHTE

nige Stunden vorher gab es schon Bordwaffenangriffe

und Bombenabwürfe bei

Thalfang und Hoxel. Schließlich wird

abends noch ein Lkw auf der Hunsrückhöhenstraße

bei Morbach beschossen.

Morbach wird auch am 25. Februar wieder

das Ziel der Jabos. Mehrere Bomben

fallen auf die Bahngleise Morbach-Hoxel.

Der Bahnverkehr ist vorübergehend

unterbrochen. Am Nachmittag des 28.

und letzten Tages im Februar 1945 wird

eine Panzersperrenbaustelle zwischen

Morbach und Rapperath mit Bordwaffen

angegriffen. Ein Mann kommt dabei ums

Leben. Wenige Stunden später erfolgt ein

zweiter Bordwaffenangriff bei Morbach

auf die Hunsrückhöhenstraße. Damit

endet für den Kreis Bernkastel der wohl

schwärzeste und verlustreichste Monat

des gesamten Krieges. Aber noch sind die

Amerikaner nicht da, und der Krieg ist

erst in zwei Monaten vorbei.

Nach Bernkastel und Wehlen wird Niederemmel

am Morgen des 1. März 1945

der dritte Ort im Kreis, der einem schweren

Bombenangriff ausgesetzt wird. Auf

den Ortsteil Reinsport fällt eine große

Anzahl von Bomben, die insgesamt 20

Gebäude zerstören, neun Tote werden

gezählt. Die Straße Neumagen-Bernkastel

und das Gleis der Moselbahn sind

ebenfalls getroffen, was den Verkehr auf

unbestimmte Zeit behindert. Auch die

Gleise der Strecke Simmern-Hermeskeil

werden an diesem Tag bei Hinzerath unterbrochen.

Der Verkehr kann hier nur

noch durch Umsteigen aufrecht erhalten

werden. Am 2. März wird Bernkastel

schließlich zum zweiten Mal schwer getroffen.

Die Bomben fordern an diesem

Tag weitere 18 Opfer.

Nur noch sehr selten sieht man deutsche

Maschinen. Meistens handelt es sich dabei

um Aufklärer, die immer noch versuchen,

dem Heer Informationen über den

Vormarsch der Amerikaner zu liefern.

Am 8. März 1945 kommt eine Bf 109 der

NAGr 13 in geringer Höhe vom Hunsrück

her, um schließlich die Mosel entlang

zu fliegen und auf einer Höhe bei Niederemmel

auf einem Acker aufzusetzen.

Der Flugzeugführer steigt unverletzt aus

und macht sich auf den Rückweg zu seiner

Einheit. Die Maschine bleibt dagegen

liegen, da der Feind schon so nahe steht,

daß ein Abtransport unmöglich ist.

In den folgenden Tagen rückt die Front

stetig näher, und zwischen dem 16. und

19. März marschieren die Amerikaner in

den einzelnen Orten des Kreises ein.

Doch bevor sie am 19. März auch in

Kempfeld sind, muß dort noch eine Douglas

A-20 ”Havoc” der ”410th Bomg

Group” (410th BG) notlanden. Nach ei-

30

nem Angriff auf Kaiserslautern am 17.

März bleibt eine der Maschinen des Verbandes

wegen Motorproblemen zurück.

Nach und nach verliert sie an Höhe.

Zwischen Schauren und Kempfeld setzt

sie schließlich auf einem Acker auf, wobei

sie noch einen Mast der Telefonleitung

Kempfeld-Schauren mitnimmt. An

diesem Tag befindet sich eine deutsche

Lazarettkompanie in Kempfeld, die aus

Benzinmangel mit ihren Lkws dort liegenblieb.

Ihnen kommt das Flugzeug

gerade recht. Nachdem sie die drei Besatzungsmitglieder

festgenommen haben,

beginnen sie den Sprit aus den Tragflächentanks

der A-20 in die Tanks ihrer eigenen

Fahrzeuge umzupumpen. Schließlich

sind sie damit fertig und verlassen

unverzüglich mit ihren Gefangenen den

Ort. Die Amerikaner finden zwei Tage

später nur noch die verlassene Maschine.

Mit dem Einmarsch der Amerikaner hören

die Bombenangriffe schlagartig auf.

Doch nach wie vor erfolgen Überflüge.

Vor allem die taktischen Verbände der

”9th Air Force” von ihren Basen nahe

der deutsch-französischen Grenze überfliegen

täglich den Kreis.

Am Ostermontag, dem 2. April 1945,

startet von einem Flugplatz bei Metz eine

Staffel von Republic P-47 ”Thunderbolt”

der ”362nd Fighter Group”. Ihr Ziel ist

der Flugplatz von Erfurt. Nachdem sie die

tief liegende Wolkendecke durchstoßen

haben, vermißt der Staffelführer eine der

Maschinen. Während er noch versucht,

den Piloten über Funk zu erreichen, setzt

er den Einsatz fort. Dieser kann ihn aber

nicht mehr hören, da er kurz vorher, aus

der Wolkendecke kommend, bei Kempfeld

mit seiner P-47 auf einem Acker aufgeschlagen

ist. Der Pilot ist sofort tot.

Am 8. Mai 1945 kapitulieren schließlich

die deutschen Heeres-, Marine- und

Luftwaffenverbände. Der Krieg ist für

Deutschland vorbei. In den Niederlanden

erfolgt jedoch erst zwei Tage später die

Kapitulation. An diesem 10. Mai kreist

eine Siebel Si 204 über dem Hunsrück.

Sie fliegt mit ihren letzten Spritreserven,

und der Flugzeugführer sucht angestrengt

nach einem Platz, auf dem er sein

Flugzeug notlanden kann. Endlich sieht

er ein geeignetes Gelände und setzt bei

Hausen auf einem Acker auf. Der Flugzeugführer

und seine drei Passagiere versuchen

sofort, sich vor den Amerikanern

zu verbergen, was den Passagieren aber

nicht lange gelingt. Sie werden noch am

gleichen Tag festgenommen und gelangen

in Kriegsgefangenschaft. Nur der Pilot,

der sich sofort auf den Weg in seinen

Heimatort macht, kann entkommen.

Der Krieg ist jetzt seit über sechzig Jahren

zu Ende, und es wird immer schwieriger,

einzelne Ereignisse genau zu erfassen.

Ist dies bei den meisten Abstürzen und

Notlandungen im Kreisgebiet gelungen,

so gibt es doch zwei Ereignisse, deren Zuordnung

bisher nicht möglich war.

Amerikanische Maschine und ihr Pilot,

welche am 16. Februar 1945 an dem

Luftkampf mit den beiden deutschen

Aufklärern beteiligt war.

An einem Tag mit tief hängender Wolkendecke

ist ein Luftkampf über Gonzerath

zu hören. Plötzlich kommt eine Maschine

durch die Wolkendecke hindurch

und fliegt in Richtung Kommen ab. Hinter

Kommen bleibt die deutsche Maschine

mit dem Leitwerk in einer Hochspannungsleitung

hängen und setzt wenig

weiter auf einem Acker auf. Der Flugzeugführer

steigt aus und geht in den

Ort, von wo er später abgeholt wird.

In Veldenz macht ein deutsches Jagdflugzeug

eine Bruchlandung in den

Weinbergen, wobei es sich überschlägt.

Dem verletzten Flugzeugführer kann aus

seiner auf dem Kopf liegenden Maschine

herausgeholfen werden.

In den fast sechs Kriegsjahren sind innerhalb

des Kreises Bernkastel fünfundvierzig

Flugzeuge notgelandet oder abgestürzt.

Dabei kamen achtundsechzig

Besatzungsmitglieder ums Leben, neunzehn

Amerikaner, sechs Australier, acht

Deutsche, dreiundzwanzig Engländer,

zehn Kanadier, ein Österreicher und ein

Slowene. Dreiundsiebzig gerieten in Gefangenschaft,

und zwei entkamen. Siebzehn

Deutsche konnten sich aus ihren

Maschinen retten, neun davon verletzt.

Insgesamt sind es einhunderteinundsechzig

Piloten und Besatzungsmitglieder.

Dem stehen über hundert Tote innerhalb

der Zivilbevölkerung entgegen. Vor allem

in Bernkastel, das zweimal schwer getroffen

wurde, in Niederemmel, Wehlen und

Etgert starben in den letzten Kriegsmonaten

viele Menschen durch alliierte Bombenangriffe.

Hans-Günther Ploes

LuftwaffenRevue


Weihnachten 1942

Rostow a. d. Donmündung

Flg.-Personal, 2. (F) Ob.d.L. – 2. (F)100, Feldpost-Nr. L 14354

Kriegsweihnacht – Weihnachten im Felde

– wer nicht in dieser Zeit gelebt hat,

kann vielleicht nur erahnen, wie es gewesen

sein mag. In der Heimat ist die

Familie in Sorge um den Ehemann, den

Sohn, vielfach um mehrere Söhne an der

Front – dort wird ebenfalls „Weihnachten

gefeiert“, mit den (noch lebenden)

Kameraden und in Gedanken an „zu

Hause“.

Unser langjähriges Mitglied Max Lagoda

hat an das Weihnachtsfest 1942, fern

der Heimat, besondere Erinnerungen. Er

befindet sich bereits ein knappes Jahr

als Fernaufklärer im Süden Russlands,

in der südlichen Ukraine am Schwarzen

Meer (seine Berichte sind teilweise hier

veröffentlicht). Er hat mit seinen Kameraden

nicht nur den Kaukasus umflogen

und aufgeklärt, sondern hat wichtiges

Bildmaterial von Fernflügen bis Teheran,

Baghdad und Basra mitgebracht.

Kriegsgerät für Russland auf Grund des

Lend-Lease-Vertrages wird in Basra ausgeladen

und weitertransportiert, bildlich

dokumentiert von Max Lagoda und bis

heute erhalten. In seinen Erinnerungen

zeichnet er die Frontverläufe nach, zunächst

den Vormarsch, ab Herbst 1942

den Rückzug der Truppen und die daraus

folgenden Verlegungen seiner Staffel.

„Am nächsten Tag, es war der 23.12.1942,

standen die russischen Panzer bereits ca.

5 km nördlich von Tazinskaja. Es war

jämmerlich kalt draußen. Die ersten Granaten

heulten schon über unsere Köpfe

hinweg. Als Ziel hatten sich die Russen

den Flugplatz ausgesucht. Jeder Treffer

richtete enorm viel Schaden an. Der Platz

war gespickt voll mit Flugzeugen, Material

und vielen Verwundeten. Neben dem

Flugplatz schlängelte sich eine Nebenstraße

in Richtung Westen. Auch hier

standen Schlangen von Fahrzeugen, die

sich in westlicher Richtung unkontrolliert

absetzten. Unser Feindeinsatz in „Tazi“

war um 07.00 Uhr. Auftrag wie immer,

wo steht der Feind? Das Wetter war noch

nicht besser geworden. Aber die Russen

haben wir sofort ausfindig gemacht. Sie

lagen bereits einige Kilometer nördlich

des Flugplatzes und der Stadt.“

Ohne Aufnahmen zu machen, landet

sein Flugzeug nach 55 Minuten wieder

auf dem Platz. Sie werden regelrecht

„ausgequetscht“, was zur Folge hat, dass

die vier Maschinen der 2. (F) Ob.d.L. eine

Stunde später nach Rostow a. Don verlegen.

„Die Staffel hatte uns wieder! Natürlich

lässt sich dies alles gut schreiben, aber

hier, auf dem Platz, war die Hölle los.

Dieses Chaos kann man gar nicht beschreiben.

Schneetreiben, minus 35° Kälte,

und rings um den Platz brannten die

Flugzeuge. Sogar beim Start rasten die

Flugzeuge gegeneinander und gingen

in Flammen auf. Die Granateinschläge

und Löcher in der Start- und Landebahn

taten das Übrige. Wir waren in der Luft

und hatten noch den 1. Wart unserer

Maschine mitgenommen. Wir flogen

–ausnahmsweise- einmal zu fünft in der

Maschine.

GESCHICHTE

Es war Krieg, und in dieser Hinsicht war

man nicht mehr so kleinlich. Die Landung

in Rostow erfolgte um 11.00 Uhr.

Also nur 65 Minuten Flugzeit. Eine andere

Maschine von uns, ebenfalls mit fünf

Mann besetzt, machte noch am Start

Bruch. Die „Mühle“ blieb liegen, und

keiner kümmerte sich mehr darum. Die 5

Mann Besatzung machten sich per LKW

aus dem Staub und kamen erst nach

Weihnachten bei der Staffel in Rostow

an. Von diesen Kameraden haben wir

vieles erfahren, was einen Tag vor Heiligabend

1942 in Tazinskaja abgelaufen

ist.

Die Zelte der Feldpost und der Verwundeten

wurden getroffen und gingen in Flammen

auf. Es muß sehr schlimm gewesen

sein, zumal keine Nachrichtenübermittlung

mehr möglich war. Auch die Stadt

Tazinskaja wurde beschossen. Das große

Verpflegungslager wurde für die Landser

freigegeben, und die Ölmühle stand

ebenfalls in Flammen. Jeder Landser holte

sich noch, was er wollte. Wir waren ja

so froh, dass wir in Sicherheit waren. Es

hatte uns gereicht, aber wir waren noch

am Leben, und am anderen Tag war Heiligabend.

Wir waren im Trockenen und in einer

Kaserne untergebracht. Wilhelm Hardis,

der für das fliegende Personal zuständig

4. Quartal 2009 31


GESCHICHTE

war, hat uns – trotz allem – auf Weihnachten

vorbereitet. In einem ehemaligen

Schulungsraum hat er Tannenbäume

und Kerzen auf die Tische gestellt. An

den Wänden, in 2 m Höhe, hingen Bilder

in Postkartengröße von den Kameraden,

die wir und Hardis gut gekannt hatten

und die nun nicht mehr unter uns waren.

Vermißt, lapidar einfach vermisst!

Die Tische hat er mit weißen Bettlaken

belegt und auf jedem Platz stand nicht

nur unser Abendessen, sondern auch

eine Flasche Rotwein als Sonderausgabe.

Den Rotwein hat natürlich die Staffel

spendiert. Damit noch nicht genug.

Unser Feldtelefon klingelte. Es war bereits

Spätnachmittag geworden. Hardis rief:

„Rudi und Max zum Staffelkapitän, im

Dienstanzug, sofort antanzen!“ In unserer

provisorischen Fliegermesse hat man

uns schon erwartet: Beförderung von

Rudi Kies und Max Lagoda zum Feldwebel!

Die Bestallung, also Urkunde, wurde

uns gleich ausgehändigt.

Jetzt feierten wir nicht nur Weihnachten,

sondern auch unsere Beförderung.

Nach dem Essen gedachten wir unserer

vermissten und toten Kameraden, die

nicht so viel Glück gehabt hatten wie

wir. Natürlich sangen wir auch einige

Weihnachtslieder, und da kam schon

Heimweh auf. Einige hatten wirklich

Tränen in den Augen. Als die fünf Rheinländer

unter uns das Lied von Willi Os-

32

termann anstimmten „Wenn ich su an

ming Heimat denke un sin d’r Dom su

vör mer ston, mööch ich direk ob Heim

an schwenke, ich mööch zo Foß no Kölle

jon“, ja, da kam der „Moralische“ auf.

Später, nachdem alle ihre Flasche Rotwein

geleert hatten, wurden auch andere

(Soldaten-) Lieder gesungen, das Stimmungstief

war überwunden. Jeder war

froh, noch einmal richtig Weihnachten

oder „Geburtstag“ feiern zu können. Wir

hatten einige Tage Ruhe verdient, und

wer wusste schon, was in den nächsten

Tagen auf uns zukommen würde?“

Max Lagoda

Willi Ostermann

*1. Oktober 1876 in Mülheim am Rhein

† 6. August 1936 in Köln

Heimweh nach Köln

Willi Ostermanns letztes Lied

In Köln am Rhing bin ich jebore,

ich han, un dat litt mir im Senn,

ming Muttersproch noch nit verlore,

dat es jet wo ich stolz drop ben.

Wenn ich su an ming Heimat denke

un sinn d’r Dom su vür mer stonn,

mööch ich tireck op Heim ahn schwenke,

ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn,

mööch ich tireck op Heim ahn schwenke,

ich mööch zo Fooß noh Kölle jonn.

Un deit d’r Herrjott mich ens rofe,

däm Petrus sagen ich alsdann:

Ich kann et räuhig dir verzälle,

dat Sehnsucht ich noh Kölle han.

Wenn ich su an ming Heimat denke…

Un luuren ich vum Hemmelspözje

dereins he op ming Vatterstadt,

well stell ich noch do bovven sage,

wie jän ich dich, mi Kölle, hatt.

Wenn ich su an ming Heimat denke…

LuftwaffenRevue


Leserbrief zum Thema

„Husaren der Nacht“ aus Heft 3-2009

In der Ausgabe der Luftwaffen Revue Nr.

3 vom September 2009 ist auf der Seite

25 - am Ende des Artikels

„Husaren der Nacht“ - von

1600 V1 Flügelbomben die

Rede, die während der Monate

Juli und August 1944

vom Fliegerhorst Venlo

mit dem Trägerflugzeug

He 111 zur Abwurfstelle

vor der niederländischen

Küste transportiert wurden.

Wenn man um die

mit der V1 verbundene Logistik

weiß, die sich unter

höchster Geheimhaltung

vollzog, dürfte die Zahl

von 1600 Einsätzen zu

hoch gegriffen sein. Die

V1 wurde in einem abgegrenzten

und bewachten

Bereich des Flugplatzes

gelagert, den nur eingewiesene Personen

betreten durften. Die V1 benötigte einen

speziellen Treibstoff, der auf Binnentankern

herbeigeschafft wurde. Kurz vor jedem

Flug musste nach den letzten Wind-

und Wettermeldungen die Kurssteuerung

der Flügelbombe eingestellt werden. Au-

Sonderausstellung vom 16.10.2009 - 03.01.2010

ßerdem war es 1944 aufgrund der Materiallage

schwierig, genügend flugklare

und einsatzbereite Trägerflugzeuge zur

Verfügung zu haben.

Es war die III. Gruppe des KG 3, die von

Venlo aus V1 Einsätze geflogen ist. Nach

Vorrücken der Alliierten verlegte die

Gruppe im September 1944 zurück ins

so genannte Heimatkriegsgebiet nach

Varelbusch und Ahlhorn und ab Oktober

1944 wurde sie als I. Gruppe in das

KG 53 eingegliedert. Die Staffeln der II.

SERVICE

und III.Gruppe des KG 53, die ab Oktober

erstmals mit der V1 zum Einsatz kamen,

lagen auf Flugplätzen im nordwestlichen

Niedersachsen und in Schleswig-Holstein.

Ich selbst war damals als Nachrichtenoffizier

(NO) im Stab

der III./KG 53 in Schleswig

tätig. Daher weiß ich

um die Problematik der

„V1 Fliegerei“. Der NO

der III./KG 3 in Holland

war Heinz Kutzner. Mit

diesem Freund aus alten

Kriegstagen habe ich mich

jetzt über besagte 1600 V1

Abwürfe unterhalten. Er

hält diese Zahl für übertrieben.

Nach seinen Tagebuchaufzeichnungen

waren bei den in Venlo

stationierten Staffeln im

Durchschnitt 12 He 111

einsatzbereit. Einsätze

wurden in der Zeit vom 7.

Juli bis 1. September 1944

geflogen, jedoch nicht jeden Tag. Nach

seiner Schätzung sind die genannten

Flugzeuge etwa zwei Drittel dieser Zeit im

Einsatz gewesen, was rund 450 V1 Starts

(statt 1600) ergibt.

Horst Willborn

Die Bundeswehr im Einsatz

Von der Bündnisverteidigung zum Auslandseinsatz

mit dem Mandat des Parlaments

Eine Wanderausstellung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes

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LUFTWAFFEN

MUSEUM

der Bundeswehr Berlin-Gatow

4. Quartal 2009 33


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staatlicher Unterdrückung nicht fehlen kann.

Das gilt in gleicher Weise für das Hakenkreuz, Hammer

und Sichel, den Sowjetstern und das DDR-Emblem.

Wir haben uns der historischen Korrektheit verschrieben

und wollen solche Darstellungen nicht als falsche Glorifizierung

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Die Zurschaustellung solcher Symbole in Museen und Publikationen

regelt der § 86 ff. des Strafgesetzbuches.

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Kameradschaft ehem. Transportflieger

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Akazienstraße 14, 86899 Landsberg

Tel.: 08191 - 46929

Deutsche Lastensegler Luftlande-

Fliegerkameradschaft e.V.

Vorsitzender: Dieter Heckmann

Einsteinstr. 15, 52353 Düren

Telefon / Fax: 02421 - 87960

E-mail: HeckmannDieter@gmx.de

KG 1 „Hindenburg“

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Tel.: 07851 - 2825 - Fax: 07851 - 482674

KG General Wever 4

Wilhelm Schultze,

Im Winkel 5, 31185 Hoheneggelsen

Telefon: 05129 / 360

LG 1 und KG 6

Karl Geyr, Diezweg 38, 81477 München

Tel./Fax: 089 - 797076

Kampfgeschwader 2

Hartmut Holzapfel

Richard-Wagner-Str. 19, 37269 Eschwege

Tel./Fax: 05651 - 13174

KG 30

Karl Bühler, OTL a.D.

Aribo Str. 11, 83700 Rottach-Egern

Tel.: 08022 - 28445

Kameradschaft Kampfgruppe 100

Kampfgeschwader 100

Hans Gaenshirt, Eichrodtstraße 4,

79117 Freiburg, Tel.: 0761 - 65019

Gemeinschaft Ehemaliger

der 1. Staffel (F) Aufklärungsgr. 124

Werner Horst

Stettiner Straße 15, 53119 Bonn

Kameradschaft des ehemaligen Flak-Rgt.12

Wolfg.-V. Böltzig, Friedrichstadt

Leipziger Str. 60/10.2, 10117 Berlin

Tel.: 030 - 2082767

Traditionsgemeinschaft JaboG 43 e.V.

Oberstleutnant a.D. Udo Reinsch

Liegnitzer Straße 8, 26215 Wiefelstede

Tel.: 0179 - 6907592

Sonstige Verbände und Arbeitsgemeinschaften,

mit denen wir

kameradschaftlich verbunden

sind

Gemeinschaft der Flieger

Deutscher Streitkräfte e.V.

Geschäftsführer: Oberst a.D. Rolf Chur

Südstr. 66a, 53797 Lohmar

Freundeskreis der Luftwaffe e.V.

Generalsekretär: GenMaj a.D. Botho

Engelin, im Haus der Luft- und Raumfahrt,

Godesberger Allee 70, 53175 Bonn

Ln-Truppe/Führungsdienste

GenMaj a.D. Siegfried Poschwatta

Hans-Vollmike-Str. 76, 53842 Troisdorf

Bund deutscher Fallschirmjäger e.V.

Geschäftsstelle: Kortumstr. 68, 47057

Duisburg, Tel.: 0203 - 3461498

Ordensgemeinschaft der

Ritterkreuzträger e.V.

GF und Leiter der Sektion Berlin-Brandenburg:

Dipl.-Kfm. Jürgen Heinze,

Ottokarstraße 15, 12105 Berlin,

Tel. + Fax: 030 - 75653756

Förderverein Luftwaffenmuseum

der Bundeswehr e.V.

Geschäftsführer: Andreas Bonsted,

Postfach 450 222, 12172 Berlin

Telefon 030 - 8110769

Stiftung Butzweilerhof Köln, Gebäude 1

Präsident: Dr. Edgar Mayer

Butzweilerstr. 35-39, 50829 Köln

Tel.: 0221 - 593538

Kameradschaftliche Vereinigung

der Marineflieger (KMF)

Vorsitzender: Kapitän zur See Gert Kiehnle,

Timmermannallee 5, 27580 Bremerhaven

Tel.: 0471-9020560,

E-Mail: Chrigeki@t-online.de

Verband der Reservisten der

Deutschen Bundeswehr

Generalsekretariat

Provinzialstraße 91, 53127 Bonn

Tel.: 0228 - 2590910

Deutsches Technik Museum Berlin

Prof. Dr. Dr. Holger Steinle

Trebbiner Straße 9

10963 Berlin-Kreuzberg

Tel: 030/90 254-118 - Fax: 030/90 254-175

Luftfahrt- und Technik

Museumspark Merseburg

Dieter Schönau

Kastanienpromenade 50 - 06217 Merseburg

Tel: 03461-525776 - Fax 03461-525778

Die Verbände werden gebeten, die Angaben auf Richtigkeit zu überprüfen und uns auch künftig Änderungen in der Anschrift bekanntzugeben.

Sollte die Aufnahme einer Telefon-Nummer und/oder E-Mail gewünscht werden, so bitten wir um Mitteilung.


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