Muli Teleskop Wels [205 kB] - Reform

reform.at

Muli Teleskop Wels [205 kB] - Reform

THEMEN

Sondereinsatzgerät für besondere Aufgaben:

Die Mini-Teleskopmastbühne

Bei den großen Hubrettungsfahrzeugen

stellt sich nicht

selten das Problem, dass

das Platzieren in Altstadtteilen,

bei Fabrikshallen etc.

nur sehr schwer oder gar

nicht möglich ist. Die Feuerwehr

Wels führt deshalb

bereits seit Jahren auch

eine „kleine“ Drehleiter.

Diese wurde nun ausgetauscht

und neu entwickelt.

Die Feuerwehr Wels wurde

als Fahrzeugentwickler aktiv

und das Resultat kann

sich sehen lassen.

Text: OBR Ing. Franz Humer

Fotos: Freiw. Feuerwehr Wels

Brandeinsatz in der historischen

Altstadt,

Einsatz in einer Fabrikshalle,

Person in Not -

Zufahrt mit „großer“ Leiter

nicht möglich, Baum droht

umzustürzen ...

Welche Feuerwehr kennt

diese Einsatzaufgaben und

die damit verbundenen Probleme

nicht. Die Feuerwehr

Wels unterhält für diese Einsatzaufgaben

bereits seit

Jahrzehnten eine kleine,

wendige Leiter.

Seit Oktober 2002 ist eine

moderne, kleine Teleskopmastbühne

als Sondergerät

im Einsatz.

Die Welser

Altstadt ist

bekannt als

der Stadtteil

mit den gemütlichen

Beisl´n, aber

auch wegen

der schmalen,

engen

Gassen. Unter

den vielen

historischen

Gebäuden

befinden

sich

auch wesentliche

Kulturdenk-

Gerade bei den heute sehr beliebten, 4-Geschoß-Wohnungen fehlen

häufig Stellflächen für die großen Hubrettungsfahrzeuge.

18 BRENNPUNKT 6-200

-2002


mäler der Stadt. Die Traufenhöhe

aller Gebäude ist

unter 15 Meter. Luftaufnahmen

der Altstadt zeigen untereinander

verschnittene

Dachflächen. Nur durch

Überlappung dieser Bilder

mit den Grundgrenzen werden

die einzelnen Gebäude

deutlich. Diese Situation bedeutet

für die Feuerwehr

eine große Herausforderung.

Oft kaum

Aufstellmöglichkeiten

Wels ist aber auch eine

Wohnstadt. Neben den großen,

meist mehrgeschossigen

Wohnanlagen gibt es vor

allem großflächige Wohnsiedlungen

mit Kleinhausbauten.

Früher wie heute

wird bei der Parzellierung in

erster Linie auf die Nutzfläche

der Hauseigentümer geachtet,

was zu Lasten der

Aufschließungsflächen geht.

Zusätzliche Stellplätze aufgrund

der immer noch steigenden

Mobilisierung gibt es

nur auf dem öffentlichen

Gut.

Straßeneinbauten, Gestaltungselemente

von Wohnstrassen

und unbewusstes

Falschparken machen den

Einsatz von Großfahrzeugen

sehr oft unmöglich. Für das

Wasser haben wir Schläuche

um Distanzen zu überwinden,

aber eine Drehleiter

und/oder eine Teleskopmastbühne

benötigt einen entsprechenden

Aufstellplatz,

um eingesetzt werden zu

können.

Die Stadt Wels verfügt auch

über eine breit gefächerte

Wirtschaft. Produktionsstätten

aller Branchen, Logistikunternehmen

verschiedenster

Art und Größe, große

Veranstaltungsstätten usw.

prägen die Anforderungen an

die örtliche Brandschutzbedarfsplanung

und die damit

verbundene Risikoanalyse.

Hohe Produktions-, Lagerund

Veranstaltungshallen

werden intensiv genutzt. Ein

brennender Gas-Deckenstrahler,

eine glimmende

Schallschutzmatte, ein

verletzter Arbeiter in großer

Höhe ...- alles Einsatzbeispiele

aus der Vergangenheit.

Nur mit viel Improvisation

und unter teilweiser Gefährdung

der eigenen Mannschaft

konnten diese Einsätze

positiv gelöst werden.

THEMEN

Enge Hofeinfahrten zu Wohnanlagen stellen nicht selten ein

Problem für große Feuerwehrfahrzeuge dar.

Kleines, leichtes

Nischenprodukt

Gefahr in Verzug während

und/oder nach einem Sturm

macht den Einsatz von

Drehleitern und Teleskopmastbühnen

notwendig. Das

Hubrettungsgerät wird für

den technischen Einsatz verwendet.

Nur eine - mit hohem

Aufwand betriebene

Reinigung - kann gravierende

Folgeschäden oder Fehlfunktionen

verhindern bzw.

auf ein Minimum reduzieren.

Ein für das Retten von Personen

gedachtes Einsatzgerät

steht während dieser Zeit

nur bedingt zur Verfügung.

Enge Gassen und Straßen,

verparkte Flächen sind das

Tagesproblem jeder Feuerwehr.

Die TRVB F 134 / 1987,

„Flächen für die Feuerwehr

auf Grundstücken“ stellt hier

keinen Lösungsansatz dar.

Bei den aufgezählten problembehafteten

Einsatzbeispielen

konnte und kann die

TRVB nicht angewandt werden.

Was bei hohen Gebäuden

und Hochhäusern vorgeschrieben

wird, ist in der Altstadt

und im Siedlungsbau

nicht anwendbar.

Fazit: Zur Lösung dieser Probleme

braucht man ein Nischenprodukt.

Klein, leicht,

wendig und mit einer Arbeitshöhe,

die als ausreichend

erachtet wird.

Unter der taktischen Bezeichnung

„Leiter 3“ war bis

zum Herbst 2001 eine, auf

einem Mercedes-Benz L 508

D aufgebaute, mechanische

17 Meter-Leiter im Einsatz

und unterstützte viele, wert-

Werbung

König

BRENNPUNKT 6-200

-2002

19


THEMEN

volle und wichtige Einsätze.

Das Fahrzeug - Baujahr

1970 - musste aufgrund eines

negativen Überprüfungsbescheides

nach einer § 57a

KFG Überprüfung und einer

nicht mehr durchführbaren

UVV-Prüfung außer Dienst

gestellt werden.

Suche nach einer

Alternative

Dieses plötzliche Manko an

Sicherheit konnte relativ

rasch behoben werden, da

wir uns bereits seit Anfang

der 90er Jahre mit der Ersatzbeschaffung

beschäftigten.

Allerdings wurde der

Beschaffungsvorgang

immer verschoben, solange

das „Altfahrzeug“ einsatzfähig

war. Im Zuge der früheren

Recherchen wurden neben

den klassischen Norm-

Klein-Hubrettungsgeräten

auch „Exoten“ wie eine Leiter

der BF Kopenhagen auf

einem Raupenfahrgestell

oder das Fahrzeug der BF

Helsinki auf einem Kleintransporter

angesehen.

Auch die bei österreichischen

Feuerwehren verwendeten

„alternative“

Drehleitern und Teleskopmastbühnen

auf Kleintransportern

wurden begutachtet.

Die in den letzten Jahren

vorgestellten Kombinationsfahrzeuge

(RLF + DLK oder

TMB) wurden sogar testweise

bei der Feuerwehr

Wels verwendet, jedoch aufgrund

der Größe der Fahrgestelle

und der damit verbundenen

Eigenmasse nicht

in die engere Wahl für dieses

Projekt genommen.

Muli“ als Lösung

Nur der pure Zufall führte

uns zur Firma Reformwerke

Wels als Partner für eine

Das Allround-Hubrettungsfahrzeug kann sogar innerhalb von

Produktionshallen etc. eingesetzt werden.

moderne Teleskopmastbühne.

Die Firma Reformwerke

Wels ist als Landmaschinenbaufirma

weit über die

österreichischen Grenzen

bekannt. Beim Topprodukt

Muli“ handelt es sich um ein

allradgetriebenes, alternativ

auch allradgelenktes, Fahrgestell,

das als universeller

Lastenträger verwendet

werden kann.

Dass diese Firma bereits vor

mehreren Jahren auf einem

Muli“ eine Teleskopmastbühne

für die Stadt Hamburg

aufbaute, war uns Welsern

nicht bekannt. Nach einer

Exkursion nach Hamburg

war klar: „Dieses Fahrgestell,

eine modifizierte Teleskopmastbühne,

feuerwehrspezifische

Ein- und Aufbauten,

und wir haben das, was

wir schon lange suchen!“

Es gibt nichts Schöneres,

wie eine Fachfirma vor der

eigenen Haustür. Wenn die

Mitarbeiter dann noch voller

Tatendrang nach etwas Neuem

sind, ist es perfekt, und

der Grundstein für eine intensive,

konstruktive Zusammenarbeit

gelegt.

Als Basis für die Ausschreibung

galt: Alles aus einer

Hand. Als Partner für die

Teleskopmastbühne ging die

Firma Iveco-Magirus mit

dem Produkt Simon-Cella als

Billigst- und Bestbieter

hervor.

Das Ergebnis einer

langen Vorarbeit

Bei der neuen Leiter 3 der

Freiwilligen Feuerwehr der

Stadt Wels handelt es sich

um einen Reform-Muli, der

Type 880 mit Allradlenkung.

Das Fahrzeug verfügt über

einen Antriebsmotor mit 59

KW. Die Länge über Alles

beträgt 5.400 mm, die Breite

1.800 mm (Abstützbreite

2.060 mm) und die Höhe

20 BRENNPUNKT 6-200

-2002


THEMEN

2.970 mm. Die Gesamtmasse

ist 5.000 kg. Die maximale

Bauartgeschwindigkeit

liegt bei 50 km/h.

17,5 Meter

Arbeitshöhe

Bei der Teleskopmastbühne

handelt es sich um ein Produkt

der Firma Simon-Cella,

Brescia, Italien, Type TJ-

Leitung fix zum Korb verlegt.

Am Podest der Teleskopmastbühne

wurde ein

13,2kVA Generator angebracht.

Die Konfektion zum Feuerwehrauto

wurde von der Firma

Lohr durchgeführt. Unmittelbar

hinter dem Fahrerhaus

(2 Mann Besatzung)

wurde ein Geräteraum montiert

und das Fahrzeug mit

Blaulicht und Folgetonhorn

ausgestattet.

Das ausgeschiedene

Vorgängermodell.

170. Die max. Arbeitshöhe

beträgt 17,5 Meter bzw. 13

Meter bei einer maximalen

Ausladung von 8,5 Meter.

Die maximale Korbbelastung

ist mit 200 kg begrenzt.

Der Betrieb ist herkömmlich

über den Fahrzeugmotor

möglich. Erstmals bei der

Feuerwehr Wels wurde auch

ein redundantes System in

Form eines Elektroantriebes

aufgebaut. Die gesamte Teleskopmastbühne

kann bei

uneingeschränktem Betrieb

mit 230V / 10A betrieben

werden.

Für den Löscheinsatz wurde

eine teleskopbierbare

Wasser-Verrohrung in 2 Zoll

Ausführung seitlich am Teleskoparm

angebracht und

beide Leitungsenden mit

Absperrelementen und C-

Festkupplungen versehen.

Ein Überdruckventil garantiert

die Sicherheit, dass beim

Einfahren des Teleskoparmes

ohne geöffnetem Ventil

die Leitung nicht zerstört

wird.

Zum Betreiben von Beleuchtungsgeräten

im Korb wurde

eine 12V und eine 230V

Beladung

Die Beladung umfasst folgende

Komponenten: C-

Schläuche, 1 C-Hohlstrahlrohr

und die notwendigen

Hilfsmittel wie Hydrantenschlüssel

etc., Verkehrsleitkegel

und Absperrbänder zur

Sicherung des Aufstellungsortes,

2 Stück 500 Watt Halogenscheinwerfer,

Kabeltrommel

und Verlängerungskabel,

1 Motorkettensäge, 1

E-Kettensäge, 2 Schnittschutzhosen,

Holz- und

Schanzwerkzeug, wie Forstaxt,

Sappel, Bogensäge,

Schaufel, Besen usw., Arbeitsleinen,

Abseil- und Sicherungssysteme

für die

Korbmannschaft, 1 tragbarer

Feuerlöscher ...

Mit den großen Drehleitern wäre hier an eine Zufahrt, ganz

zu Schweigen von einer Platzierung, nicht zu denken. Mit

dem Muli können auch schwierige Situationen wie diese

gemeistert werden.

Breiter

Anwendungsbereich

Aufgrund der Einsatzmöglichkeiten

dieses neuen Sonderfahrzeuges

wird auch der

Ausrücke- und Alarmplan

Diese Durchfahrtshöhe beträgt 2,70 Meter - kein Problem für

die Leiter 3 der Freiw. Feuerwehr der Stadt Wels.

geändert. Für Objekte in den

angeführten problematischen

Stadtteilen wird die

Leiter 3 als drittes Fahrzeug

bzw. bei Anforderung nachrücken.

Die DLK 23/12

fährt unverändert als zweites

bzw. drittes Fahrzeug weil

die Einsatzaufgaben neben

dem Einsatz als Rettungsgerät

auch Be- und Entlüften

(Hochleistungslüfter) sowie

Wasserförderung (200m B-

Schlauchhaspel) umfassen.

Die neue Leiter 3 ist kein

Norm-Hubrettungsfahrzeug,

aber ein für individuelle Einsatzaufgaben

abgestimmtes

Sondereinsatzfahrzeug mit

einer breiten Anwendungspalette.

Kontakt: Freiw. Feuerwehr

Wels, Hamerlinstraße 3-5,

4600 Wels, www.feuerwehr

-wels.or.at

22 BRENNPUNKT 6-200

-2002

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine