Zeitschrift für Neurologie des Kindes- und Jugendalters und ihre ...

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Zeitschrift für Neurologie des Kindes- und Jugendalters und ihre ...

Originalien/Übersichten

Abb. 6: Okulographische Aufzeichnung hypermetrischer Sakkaden beider Augen nach rechts bei

Kleinhirnerkrankung

20°re.


20°re. Horizontale Stimulusposition 20° rechts


und Augenbosition

Abb. 7: Okulographische Aufzeichnung verlangsamter hypometrischer Sakkade beider Augen

nach rechts bei Hirnstammläsion

Die Kombination einer langsamen Augenfolgebewegung,

der am Ende eine

entgegengerichtete Sakkade zur Positionskorrektur

folgt, wird als Nystagmus

bezeichnet. Er ist physiologisch beim

Anblick eines bewegten Umgebungsreizes

(optokinetischer Nystagmus) und bei

Eigenbewegungen (vestibulo-okulären

Reflex), um das Abbild des Außenraumes

auf der Fovea stabil abzubilden und Bildverwacklungen

zu vermeiden. Ein unerschöpflicher

Nystagmus in Ruhe ist immer

pathologisch. Er kann spontan (Spontannystagmus)

oder nur beim Blick in eine

bestimmte Richtung (Blickrichtungsnystagmus)

auftreten. Man unterscheidet


40° links

Horizontale Stimulusposition 20° rechts und Augenposition

Abb. 8: Okulographische Aufzeichnung eines

Rucknystagmus nach links mit schneller und

langsamer Phase. Nystagmus ist die Kombination

einer langsamen Augenfolgebewegung

mit einer raschen Rückstell-Sakkade zum

Ausgangspunkt. Physiologisch stabilisiert er

das Umweltabbild auf der Retina bei Bewegungen

des eigenen Körpers (VOR) und der

Umwelt (OKN)

140 Neuropädiatrie in Klinik und Praxis 5. Jg. (2006) Nr. 4

einen Rucknystagmus mit schneller und

langsamer Phase (Abb. 8) von einem Pendelnystagmus

mit gleichmäßiger Bewegung

und Mischformen. Entscheidend

für die Beurteilung sind neben Frequenz,

Amplitude und Ruhezone die Umstände,

unter denen der Nystagmus auftritt

bzw. klinisch provoziert werden kann. Die

Schlagrichtung wird nach der schnellen

Phase benannt, obwohl im pathologischen

Fall fast immer die langsame Phase

Ausdruck der Störung ist.

Der Optokinetische Nystagmus (OKN)

stabilisiert großflächige, bewegte, visuelle

Umgebungsreize auf der Retina (Eisenbahnnystagmus).

Er ist spätestens im 2.

Lebensmonat auslösbar und wird mit einer

Optokinetiktrommel untersucht, die

ca. 40 cm vor den Augen des Patienten

langsam horizontal und vertikal gedreht

wird. Dabei muss die Augenfolgebewegung

glatt in gleicher Richtung und

Geschwindigkeit erfolgen und bei monokulärer

Untersuchung ab dem 5. LM zwischen

rechtem und linkem Auge gleich

sein. Eine Minderung oder ein Ausfall des

OKN kommt bei Läsionen des Großhirns

entgegengesetzt zur erkrankten Seite

vor und bei Läsionen im Hirnstamm zur

Läsionsseite. Eine Inversion (umgekehrte

Schlagrichtung) des OKN ist pathognomonisch

für den kongenitalen Fixations-

Nystagmus (s. u.).

Der Vestibulookuläre Reflex (VOR)

stabilisiert das retinale Abbild von Blickzielen

bei Kopfbewegungen über einen

3-Neuronen-Reflexbogen vom Vestibularorgan

zu den Hirnnervenkernen. Er ist

bereits im 1. Lebensmonat (LM) auslösbar.

Wichtig ist, dass er durch visuelle Fixation

unterdrückt wird, sonst kommt es

zu Scheinbewegungen, sog. Oszillopsien.

Deshalb muss die Fixation bei der Untersuchung

durch eine Frenzelbrille mit

starken Vergrößerungsgläsern verhindert

werden. Eine Änderung der Kopfbewegung

des Patienten führt zu einer entgegengesetzten

Änderung der Augenbewegung

(Puppenkopfphänomen). Bei

großen Kopfbewegungen kommt es durch

die vom VOR generierte sakkadische Rückfixation

zum vestibulären Nystagmus. Er

sollte in allen Raumebenen gleich stark

auslösbar sein. Mit dem Halmagyi-Test

wird der VOR untersucht, indem der Patient

die Nase des Untersuchers fixiert,

während er seinen Kopf rasch nach rechts

oder links dreht (Abb. 9). Nur wenn die

Augenbewegung die Kopfbewegung voll

Kopfdrehung nach links => Augendrehung nach rechts

Fixationspunkt

Abb. 9: Beim Fixieren führt eine rasche horizontale Bewegung des Kopfes zu einer entgegengerichteten

kompensatorischen Augenbewegung durch den horizontalen VOR (Halmagyi-Test).

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