Zeitschrift für Neurologie des Kindes- und Jugendalters und ihre ...

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Zeitschrift für Neurologie des Kindes- und Jugendalters und ihre ...

Habilitation

Neurologische Erkrankungen durch humane

Herpesviren bei Kindern und Jugendlichen

M. HÄUSLER¹, M. KLEINES²

¹ Kinderklinik und ²Lehr- und Forschungsgebiet Virologie, Universitätsklinikum,

RWTH Aachen

Priv.-Doz. Dr. med. Martin Georg Häusler

wurde in 2004 an der Kinderklinik

des Universitätsklinikums der RWTH Aachen

für das Fach Kinderheilkunde und

Jugendmedizin habilitiert. Nach seinem

Humanmedizinstudium an der Medizinischen

Fakultät der Universität des Saarlandes

in Homburg arbeitete er von 1991

bis 1992 als AiP an der Univ.-Kinderklinik

Homburg. Ab 1993 setzte er seine Weiterbildung

zum Facharzt für Kinder- und

Jugendmedizin an der Univ.-Kinderklinik

Aachen fort. 1995 absolvierte er am

Physiologischen Institut der Universität

Saarland seine Promotion zum Thema:

Abheilprozess verletzter Papillarmuskeln

aus dem Rattenherzen. 1999 wurde er

zum Facharzt für Kinderheilkunde. 2002

erwarb er EEG-Zertifikat der Deutschen

Gesellschaft für klinische Neurophysiologie

und funktionelle Bildgebung. Er ist

Mitglied der Gesellschaft für Neuropädiatrie.

2006 erwarb Dr. Häusler die Anerkennung

des Schwerpunktes Neuropädiatrie.

Er arbeitet z. Zt als Oberarzt an

der Kinderklinik des Universitätsklinikums

Aachen. Sein Forschungsschwerpunkt ist

die Untersuchung der Tiermodelle der

MHV-68-Infektion der Maus als Modell

der humanen EBV-Infektion.

Das Thema seiner Habilitationsschrift

lautete: „ Herpesvirusinfektionen, die

verkannte Ursache für entzündliche ZNS-

Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen“.

Nachstehend fasst Dr. Häusler auf

Aufforderung der Schriftleitung die wichtigsten

Ergebnisse seiner Habilitationsarbeit

zusammen.

Zusammenfassung

Infektionen durch humane Herpesviren

(HHV) sind gut bekannte Ursachen neurologischer

Erkrankungen. Aufgrund ihrer

hohen Durchseuchungsrate, durch virale

Persistenz und Reaktivierung, durch ihren

Neurotropismus und die Fähigkeit parainfektiös

Läsionen zu induzieren, führen sie

zu direkt Erreger-induzierten und immunvermittelten

Schäden. Dabei erfahren sie,

über klassische Manifestationen, wie die

Herpes-Simplex-Virusenzephalitis oder

130 Neuropädiatrie in Klinik und Praxis 5. Jg. (2006) Nr. 4

die konnatale Zytomegalie-Virusinfektion,

hinaus, einen erheblichen Bedeutungszuwachs.

So wurde die zerebrale Varizellen-

Vaskulitis in den letzten Jahren als eine der

wichtigsten fassbaren Ursachen pädiatrischer

Schlaganfälle erkannt. Daher lohnt

sich bei ätiologisch unklaren neurologischen

Krankheitsbildern eine großzügige

Suche nach HHV. Hierzu müssen die noch

unzureichenden Diagnose- und Therapiestrategien

dringend verbessert werden.

Schlüsselwörter

Herpes-Simplex-Virus, Zytomegalie-

Virus, Epstein-Barr-Virus, Varizella-Zoster-Virus,

Humanes Herpesvirus 6, Enzephalitis,

Meningitis, Zerebrale Vaskulitis,

Neuritis, Metamorphopsie.

Neurological Disease Related to

Human Herpesvirus Infections in

Pediatric Patients

Abstract

Human herpesvirus (HHV) infections

are well established causes of neurological

diseases. Their strong impact is related

to high prevalence, neurotropism, viral

persistence, viral reactivation and the ability

to induce parainfectious lesions. These

factors result directly in virus-related and

immune-mediated lesions. In addition to

classical manifestations, HHV infections

are increasingly recognized in various additional

neurological conditions. For example,

during recent years varicella zoster

virus has been identified as a major cause

of pediatric stroke. Therefore an intensive

search for HHV seems promising in all

patients with unexplained neurological

diseases. This more over necessitates the

improvement of diagnostic and therapeutic

modalities.

Key words

Herpes simplex virus, cytomegalovirus,

Epstein-Barr virus, varicella zoster virus,

human herpesvirus 6, encephalitis, men-

ingitis, cerebral vasculitis, neuritis, metamorphopsia

Bibliography

Neuropaediatrie 2006; 5: 130-136,

© Schmidt-Roemhild-Verlag Luebeck,

Germany; ISSN 1619-3873; NLM ID

101166293

Einleitung

Die große Bedeutung humaner Herpesviren

(HHV) für die Genese neurologischer

Erkrankungen im Kindesalter ist unumstritten.

Bisher wurden solche Erkrankungen

für das Herpes-Simplex-Virus (HSV),

das Zytomegalie-Virus (CMV), das Epstein-

Barr-Virus (EBV), das Varizella-Zoster-Virus

(VZV) sowie das Humane Herpesvirus 6

(HHV-6) beschrieben (3, 24, 26, 30). Dabei

wurden Häufigkeiten von 1:500000 für

die HSV-Enzephalitis, von 1:4000 für die

VZV-Ataxie bzw von 1:15000 für die zerebrale

VZV-Vaskulitis vermutet.

Das hohe pathogene Potential der HHV

beruht auf mehreren Faktoren, wie ihrem

Neurotropismus, der Fähigkeit, Nervenzellen

direkt zu infizieren und altersabhängigen

immunologischen Faktoren, wie die

hohe Anfälligkeit von Neonaten für das

HSV. Zudem ermöglicht die virale Persistenz

spätere endogene Reaktivierungen,

die symptomatisch verlaufen können.

Schließlich können verschiedene HHV

direkt B-Zellen unspezifisch zur Bildung

pathogener Autoantikörper anregen (3,

13, 19, 24). Histologisch resultieren vier

Grundformen zerebralen Schadens: nekrotisierende,

direkt Virus-induzierte Läsionen

(klassische Enzephalitis), ödematose

Veränderungen (toxisch, metabolisch),

Vaskulitiden großer Gefäße und demyelinisierende

Perivaskulitiden kleiner Gefäße,

bei immundefizienten Patienten häufig

mit Viruseinschlüssen, bei immunkompetenten

Patienten meist ohne Viruseinschlüsse

(2, 23, 33). Mit Blick auf diese Pathomechanismen

wäre zur Diagnose einer

durch HHV verursachten Erkrankung ein

differenzierter Einsatz spezifischer Tests

zu fordern (17, 35):

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