„Rüstzeug“ für das Projektgeschäft - Kolbenschmidt Pierburg AG

pierburg.ustinl.kspg.ag.com

„Rüstzeug“ für das Projektgeschäft - Kolbenschmidt Pierburg AG

BA-Lob für Ausbildung

Auszeichnung: Die Agentur für Arbeit Celle, eine

regionale Dependance der in Nürnberg beheimateten

Bundesagentur für Arbeit (BA), hat jetzt der

Firma Rheinmetall in Unterlüß das offizielle Zertifikat für Nachwuchsförderung

verliehen. Damit loben die Celler Arbeitsvermittler

das „herausragende Engagement“ der beiden am Standort ansässigen

Firmen Rheinmetall Waffe Munition GmbH (RWM) und Rheinmetall

Landsysteme GmbH (RLS) auf diesem Sektor. In Unterlüß,

wo knapp 960 Mitarbeiter beschäftigt sind, durchlaufen derzeit

53 junge Menschen eine berufliche Ausbildung (Details Seite 7).

Konzipiert und installiert von Rheinmetall Waffe Munition

Weltweit größte

Kondensatorbank

rds Dresden/Ratingen. Per Knopfdruck in die energetische Zukunft: Am 22.

Februar 2006 nahm der sächsische Ministerpräsident Prof. Dr. Georg Milbradt

das Herzstück des neuen Hochfeld-Magnetlabors Dresden des Forschungszentrums

Rossendorf (FZR) – die rund zehn Millionen € teure Kondensatorbank –

offiziell in Betrieb. Konzipiert und erstellt wurde diese gepulste kapazitive

Energieversorgungsanlage von Experten der Rheinmetall Waffe Munition GmbH

(RWM - Ratingen/Unterlüß), und zwar in enger Zusammenarbeit mit Physikern

des zur Leibnitz-Gemeinschaft gehörenden FZR. Bei dem Projekt handelt es

sich um die derzeit modernste und größte Kondensatorbank der Welt, die eine

Energie von 50 Megajoule speichern kann und mit deren Hilfe Magnetspulen

mit sehr hohen und superkurzen Energiepulsen angetrieben werden können.

Im neuen Hochfeld-Magnetlabor

Dresden (HLD), in dessen Errichtung

rund 24,5 Millionen € investiert worden

sind, sollen gepulste Magnetfelder

in bisher unerreichter Feldstärke erzeugt

werden, die Aufschluss über Eigenschaften

von Festkörpern, Flüssigkeiten

und Teilchen liefern sollen. HLD-

Institutsleiter Professor Dr. Joachim

Wosnitza: „Hohe gepulste Magnetfelder

sind von großem Interesse für Forschungen

etwa auf den Gebieten Hochtemperatursupraleiter,Charakterisierung

von Metallen

und Halbleitern

oder auch für ingenieurtechnische

Anwendungen wie

die Materialumformung.

So sind starke

Magnetfelder

zum Beispiel genauso wie Hochdruckpressen

in der Lage, Stähle oder Leichtmetalle

zu verformen. Damit lassen

sich spezielle Einzelteile für den Automobil-

oder Flugzeugbau herstellen.“

Aber auch die Charakterisierung von

modernsten halbleitenden oder optoelektronischen

Materialien erfolgt

idealerweise in hohen Magnetfeldern

und bei tiefen Temperaturen. Auf diese

Weise können z.B. die Elektronendichte

von halbleitenden Materialien hoch

präzise bestimmt bzw. optoelektronische

Eigenschaften mit besonderer

Genauigkeit charakterisiert werden.

Die Zeitung des Rheinmetall-Konzerns 1/2006

Ein weiteres Gebiet, dem die Experten

des Forschungszentrums Rossendorf

mit Hilfe des neuen Dresdner

Hochfeld-Magnetlabors zukünftig verstärkt

auf die wissenschaftliche Spur

rücken werden, ist die so genannte

Spintronik. Diese neue Technologie,

die sich noch im Forschungsstadium

befindet, nutzt das magnetische Moment

des Elektrons zur Informationsdarstellung

und -verarbeitung, also

nicht nur die Ladung wie die herkömmliche

Halbleiterelektonik; das magnetische

Moment der

Elektronen entsteht

durch ihre Eigenrotation,

den Spin.

Wosnitza: „Von

der Spintronik erwarten

Forscher

neue Bauelemente,

die mit dem Spin des Elektrons schalten

und damit um ein Vielfaches

schneller sein können als die heute üblichen

Elemente. Mit der im Hochfeld-

Magnetlabor Dresden betriebenen Vorlaufforschung

kann die Mikroelektronik-Industrie

zukünftig neue Bauteile

mit noch schnelleren Prozessoren oder

höheren Speicherdichten produzieren.“

Die Energie (Strompulse) für die bei

dieser Vorlaufforschung zwingend notwendigen

Erzeugung hoch gepulster

Magnetfelder wiederum liefert die von

RWM-Experten konzipierte und in en-

(Fortsetzung auf Seite 2)

Schutz vor Bedrohung

Als europäisches Systemhaus für Landstreitkräfte

bietet Rheinmetall Defence mit Protective Shield

ein Konzept zum Schutz von stationären Einsatzliegenschaften,

das sich an verschiedene Einsatzszenarien flexibel

und modular anpassen lässt. Basierend auf Führungs-, Aufklärungs-,

Überwachungs- und Wirksystemen aus dem Technologie-

Portfolio des Düsseldorfer Wehrtechnik-Spezialisten und seiner industriellen

Partner ist die umfassende Vernetzung aller Komponenten

der wesentliche Vorteil des Gesamtsystems – mit Konfigurationen

nach dem Baukastenprinzip (Systemübersicht auf den Seiten 9-12).

Zertifiziert managen

Nichts ist mehr Routine. Alles ist Projekt: die neue

Cabrioklasse, das Reformpaket im Gesundheitswesen,

selbst der Kindergeburtstag – die Vokabel „Projekt“

ist in aller Munde und wird mittlerweile inflationär gebraucht.

Die Rheinmetall Defence Electronics GmbH kennt diese Thematik

seit längerem genau: Der Bremer Systemspezialist betreibt – das

zeigen die Beiträge auf den „Profil“-Seiten 13-15 – seit Jahren Projektgeschäft.

Ein Geschäft, das die gezielte Qualifizierung von Projektpersonal

und zunehmend auch die Zertifizierung von Projektmanagern

für die erfolgreiche Abwicklung von Projekten voraussetzt.

Blick ins Herzstück des neuen Hochfeld-Magnetlabors Dresden des Forschungszentrums Rossendorf (FZR): Zu sehen ist die

rund zehn Millionen € teure Kondensatorbank, die weltweit modernste und größte ihrer Art. Konzipiert worden ist die hochmoderne

kapazitive Energieversorgungsanlage, die eine Energie von 50 Megajoule speichern kann und mit deren Hilfe

Magnetspulen mit sehr hohen und superkurzen Energiepulsen angetrieben werden können, von Experten der RWM GmbH.

Referenzprojekt für das neue Rheinmetall-Geschäftsfeld „Public Security“

Systemtechnik für den Küstenschutz

rds St.-Jean-sur-Richelieu. Gezielte

Kontrolle durch Systemtechnik aus dem

neuen Rheinmetall-Geschäftsfeld „Public

Security“: Der von der Oerlikon Contraves

Inc. (OCC) mit Sitz in St.-Jean-sur-

Richelieu (Kanada – Provinz Québec)

akquirierte Großauftrag umfasst 38

„Distress Calling“-Systeme (DSC), die

zum Schutz der kanadischen und USamerikanischen

Küstenregionen am Atlantik

und am Pazifik ebenso eingesetzt

werden wie auf den beiden Pazifikinseln

Hawaii und Guam sowie in Puerto

Rico. Die kanadische Tochtergesellschaft

von Oerlikon Contraves lieferte

diese DSC-Notrufsysteme vom Typ 911,

die ihrerseits wiederum Teil des welt-

ATAG: Grundstein

für neues Gebäude

he Neckarsulm. Umfangreiche Baumaßnahmen

am Standort Neckarsulm:

Die KS Aluminium-Technologie AG (ATAG)

erweitert ihren Bereich Fertigbearbeitung

um eine zusätzliche Produktionshalle

und schafft damit 100 neue Arbeitsplätze.

Mit einem Investitionsvolumen im

deutlich zweistelligen Millionenbereich

wird die ATAG eine 160 Meter lange, zweistöckige

Produktionshalle mit einer

Gesamt-Bruttogeschossfläche von über

16000 Quadratmetern errichten (s. S. 8). Wird bald auch der neue Firmensitz: der moderne Gebäudekomplex der ATAG.

Composing: Krapohl - Wirth Foundry Consulting GmbH

weiten maritimen Seenot- und Sicherheitssystems

GMDSS sind (Global

Maritime Distress Safety Systems). Diese

Anlagen ermöglichen es in Not geratenen

Schiffen, Notrufe abzusetzen,

damit Such- und Rettungsmannschaften

schneller Hilfe leisten können. Oerlikon

Contraves liefert die DSC-Kontrollzentren

an Land sowie die Anlagen für

Funkstationen; darüber hinaus bietet

das Unternehmen Training und „Life

Cycle Support“-Dienste an. Die Küstenwachen

der genannten Staaten nutzen

diese Systeme für Rettungsaktionen in

Küstengewässern und in den großen

Binnenseen Nordamerikas. Eine wichtige

Ergänzung des DSC-Konzeptes ist

Verstärkte Präsenz

im NAFTA-Raum

he Neckarsulm/Celaya. Der zur

Kolbenschmidt-Pierburg-Gruppe gehörende

Geschäftsbereich KS Kolben

hat mit Wirkung vom 3. Februar

2006 von der DESC Automotive

Gruppe (Mexiko City) den kompletten

Bereich Erstausrüstung des mexikanischen

Kolbenherstellers Pistones

Moresa in Celaya (Mexiko) übernommen.

An dem neuen Kolbenschmidt-Standort,

der künftig unter

dem Namen „KS de México“ firmie-

das automatische Identifizierungssystem

(AIS), das Schiffsdaten und genaue

Informationen über die Bewegung

von Schiffen in territorialen Gewässern

überträgt. Derartige Informationen

helfen Häfen und Küstenbehörden,

die jeweilige Situation genauer

zu erfassen, unterstützen Verkehrsmanagementleistungen

und verhindern

Schiffskollisionen. AIS liefert (und

empfängt) zum Beispiel automatisch

Daten unter anderem über die Identität

von Schiffen, deren Typ, Position, Kurs,

Geschwindigkeit sowie Navigationsstatus;

diese Daten gehen an entsprechend

ausgerüstete Landstationen, andere

Schiffe und Flugzeuge (s. S. 3+20).

ren wird, erwirtschaften etwa 200

Mitarbeiter einen Jahresumsatz von

rund 15 Millionen US-Dollar. Das mexikanische

Unternehmen produziert

seit 1956 Otto- und Diesel-Kolben für

Pkw- und Nutzkraftfahrzeuge-Hersteller

und verfügt über umfangreiche

Kapazitäten, ein langjähriges

Produktions-Know-how sowie alle

Standard-Fertigungstechnologien.

KS de México stellt neben der Erweiterung

der weltweiten Produktionskapazitäten

eine weitere Stärkung

der globalen Marktpräsenz in diesem

Geschäftsbereich der Kolbenschmidt-Pierburg-Firmengruppe

dar.

Foto: Jürgen Lösel / Sächsische Zeitung


Fotos (4)I: Forschungszentrum Rossendorf

Seite 2 Wirtschaft/Messen/Märkte

Das Profil 1/2006

Im neuen Hochfeld-Magnetlabor des Forschungszentrums Rossendorf wurde jetzt die weltweit modernste und von Experten der

Rheinmetall Waffe Munition GmbH konzipierte Kondensatorbank in Betrieb genommen; damit können Magnetspulen mit sehr

hohen und superkurzen Energiepulsen angetrieben werden. Mit Hilfe der auf unserem Foto gezeigten Spulenwickelmaschine

werden die Magnetfeldspulen in akribischer und relativ zeitaufwändiger Handarbeit gewickelt, die ihrerseits später mit der Energie

der Kondensatorbank angetrieben werden, um in der inneren Bohrung die hohen Magnetfelder für unterschiedlichste Forschungsprojekte

zu erzeugen. Die Teilansicht zeigt die Spezialfaser, die zur Verstärkung um die Kupferdrähte herumgewickelt wird.

as in Dresden gelegene

Forschungszentrum

Rossendorf (FZR) betreibtanwendungsorientierteGrundlagenforschung

mit den fachübergreifendenForschungsschwerpunkten

„Struktur der

Materie“, „Lebenswissenschaften“

und „Umwelt + Sicherheit“. Die rund

550 FZR-Mitarbeiter erbringen in diesem

Zusammenhang wichtige, grundlegende

Forschungs- und Entwicklungsbeiträge

zur

★ Aufklärung von Strukturen im nanoskaligen

und subatomaren Bereich

und der darauf beruhenden Eigenschaften

der Materie,

★ frühzeitigen Erkennung und wirksamen

Behandlung von Tumor- und

Stoffwechselerkrankungen als den

dominierenden Gesundheitsproblemen

in der modernen Industriegesellschaft,

★ Verbesserung des Schutzes von

Mensch und Umwelt vor technischen

Risiken.

Im Rahmen der Forschungsaufgaben

werden sechs Großgeräte eingesetzt,

die europaweit einmalige Untersuchungsmöglichkeiten

auch für

externe Nutzer bieten. Neben dem

neuen Hochfeld-Magnetlabor gehören

dazu die ELBE-Strahlungsquelle

(Elektronen-Linearbeschleuniger für

Strahlen hoher Brillianz und niedriger

Emittanz zur Erzeugung verschiedener

Sekundärstrahlen) einschließlich

Freie-Elektronen-Laser im IR-Bereich

sowie das Ionenstrahlzentrum zur Behandlung

und Untersuchung von Materialoberflächen.

Die Rossendorf-Beamline, zwischen

1996 und 1998 vom FZR an der EuropäischenSynchrotron-Strahlungs-

quelle in Grenoble (Frankreich) aufgebaut,

hat zwei Experimentierplätze,

einen für Radiochemie und einen für

Materialwissenschaften. Der radiochemische

Messplatz ist ausgerüstet

für Röntgenabsorptionsspektroskopie

(XAS) hochverdünnter Systeme

und erlaubt die Messung von hauptsächlich

alpha-strahlenden Radionukliden;

mit dieser Einrichtung besaß

die Rossendorf-Beamline lange

Zeit den einzigen XAS-Experimentierplatz

für Radionuklide in Europa. Der

materialwissenschaftliche Experimentierplatz

mit einem 6-Kreis-Goniometer

dient der Bestimmung und

Charakterisierung durch Ionenbestrahlung

oberflächenmodifizierter

Schichten und Interfaces mittels Diffraktion

und Reflektometrie. Eine Besonderheit

sind z.B. Untersuchungen

der Texturentwicklung von Magnetron-abgeschiedenen

dünnen Schichten

und nano-kristallinen Materialien

während des Wachstums.

Das PET-Zentrum (Positronen-Emissions-Tomographie)

– ein weiteres

Großgerät – wird als zentrale Versuchsanlage

gemeinsam vom FZR

und vom Universitätsklinikum der

Technischen Universität Dresden für

die molekulare Bildgebung (Molecular

Imaging) biochemischer Prozesse

sowie in begrenztem Umfang zur Untersuchung

von Patienten genutzt;

das Zentrum besteht aus einem dedi-

Die Grundlagenforschung im Fokus

„Mit der im Hochfeld-Magnetlabor

Dresden betriebenen Vorlaufforschung“,

so Institutsdirektor Prof.

Joachim Wosnitza (hier an einer Magnetspule

zur Erzeugung hoher Magnetfelder),

„kann die Mikroelektronikindustrie

zukünftig neue Bauteile mit

noch schnelleren Prozessoren oder höheren

Speicherdichten produzieren“.

zierten Zyklotron, pharmazeutischen

Herstellungslabors und zwei modernen

PET-Tomographen. Zu guter Letzt

ist die so genannte Topflow-Anlage

(Transient Two Phase Flow Test Facility)

zu nennen, ein hochmoderner

Mehrzweck-Thermohydraulik-Versuchsstand.

Das Forschungszentrum Rossendorf

ist mit rund 550 Mitarbeitern das größte

Institut der Leibniz-Gemeinschaft

und verfügt über ein jährliches Budget

von rund 54 Millionen €. Hinzu kommen

etwa sieben Millionen € aus nationalen

und europäischen Förderprojekten

sowie aus Verträgen mit der Industrie.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören

84 außeruniversitäre Forschungsinstitute

und Serviceeinrichtungen

für die Forschung. Leibniz-Institute

arbeiten interdisziplinär und

verbinden Grundlagenforschung mit

Anwendungsnähe. Die Leibniz-Institute

haben ein Jahresbudget von mehr

als einer Milliarde € und beschäftigten

rund 13 000 Mitarbeiter, davon etwa

5300 Wissenschaftler. cb/rds

Jüngster Institutsbereich des Forschungszentrums Rossendorf bei Dresden: das Hochfeldlabor mit Kondensatorbank.

Konzipiert und installiert von Rheinmetall Waffe Munition

Weltweit größte

Kondensatorbank

(Fortsetzung von Seite 1)

ger Abstimmung mit Wissenschaftlern

der Rossendorfer Forschungseinrichtung

in Betrieb genommene Kondensatorbank,

die weltweit ihresgleichen

sucht. Denn um ein – für derartige Versuche

notwendiges – Magnetfeld mit

der Feldstärke von 100 Tesla (das Dreieinhalbmillionenfache

des Erdmagnetfeldes)

zu erreichen, werden eine elektromagnetische

Energie von 50 Megajoule

(MJ) und ein Spitzenstrom von mehreren

hundert Kiloampere (kA) benötigt.

Die modernste und effizienteste Methode,

diese Energie zu speichern und

pulsartig in die Magnetfeldspule zu

übertragen, ist der Einsatz einer Pulsentladungs-Kondensatorbank.

In der

Praxis wird dabei, um ein anschauliches

Beispiel zu nennen, dieselbe Energie

freigesetzt, die beim Abbremsen einer

Diesellok von 150 Stundenkilometern

auf „null“ frei werden würde – und zwar

in dem unglaublich kurzen Zeitraum von

wenigen hundert Millisekunden.

Als Sachsens Ministerpräsident Milbradt

am Nachmittag des 22. Februar

2006 den offiziellen Startknopf des

Hochfeld-Magnetlabors drückte und die

hochmoderne Anlage – wie geplant – ihren

Betrieb aufnahm, fiel der RWM-Mannschaft

um Projektleiter Jürgen Hofmann

„doch schon mehr als nur ein Stein vom

Herzen“. Immerhin hatten der 45-jährige

Diplom-Ingenieur (Elektrotechnik) und

sein in Spitzenzeiten bis zu neunköpfiges

Team viel Zeit und jede Menge Know-how

investiert, um wirklich „ganze Arbeit“ zu

leisten und ein weltweit einmaliges Vorzeigeprojekt

„ans Laufen“ zu bringen.

Hofmann: „Die Planungen für die

Energieversorgungsanlage mit unserer

Kondensatorbank begannen im Jahre

2002; seit Anfang 2004 wurde die Anlage

vor Ort im Forschungszentrum

Rossendorf nach und nach installiert.

Alle Systemkomponenten – dazu gehören

im Wesentlichen das Eingangsmodul,

das Kondensatormodul und das

Ausgangsmodul – wurden zuvor in Unterlüß

im Verhältnis 1:1 aufgebaut und

auf Herz und Nieren getestet.“

Für Hofmann und seine Fachkollegen

unterstreicht der erfolgreich umgesetzte

FZR-Auftrag gleichzeitig die Kompe-

Herausgeber: Rheinmetall AG

Verantwortlich: Peter Rücker

Chefredaktion: Rolf D. Schneider

Anschrift: Redaktion „Das Profil“

Postfach 104261, 40033 Düsseldorf

das.profil@rheinmetall-ag.com

tenz, die Rheinmetall auch in diesem

ganz speziellen Marktsegment der

Energieversorgungssystemtechnik besitzt:

„Zum einen wurde das Dresdner

Großprojekt in der relativ kurzen Zeit

von nur drei Jahren erfolgreich realisiert.

Zum anderen sollten wir solide

deutsche Ingenieursarbeit leisten, eine

vertraglich festgeschriebene Bedingung

des Auftraggebers – und genau

diesen Nachweis haben wir erbracht.“

Ein weiteres Indiz für die gute Arbeit

sieht Jürgen Hofmann, der „ganz besonders

auch die intensive und fruchtbare

Zusammenarbeit mit den Rossendorfer

Wissenschaftlern während der

gesamten Projektzeit“ hervorhebt, in

der zwischenzeitlich erfolgten internationalen

Anerkennung: „Uns liegt

eine Anfrage des Forschungszentrums

Toulouse vor, das Interesse an zwei

ähnlichen Modulen zeigt.“ Das ist ein

Kompliment aus berufenem Munde:

Denn in Toulouse arbeitet das bisher

größte europäische Hochfeld-Magnetlabor;

die französischen Forscher am

Laboratoire National des Champs Magnetiques

Pulses nutzen eine Konden-

Per ministerialem Knopfdruck in die energetische Zukunft: Sachsens Ministerpräsident

Professor Dr. Georg Milbradt (l) nimmt die weltweit größte und modernste Kondensatorbank

im neuen Hochfeld-Magnetlabor des Forschungszentrums Rossendorf

(FZR) in Dresden offiziell in Betrieb. Mit ihm freuen sich Dr. Peter Joehnk (M.), kaufmännischer

Direktor des FZR, und der Wissenschaftliche Direktor der zur Leibniz-

Gemeinschaft gehörenden Forschungseinrichtung, Professor Bernd Johannsen (r.).

satorbank mit einer Speicherleistung

von lediglich 14 Megajoule.

Die Kompetenz zum Bau derartiger Anlagen

hat sich die RWM GmbH in vielen

Jahren bei militärischen Forschungs- und

Technologiearbeiten zu elektrischen Kanonen,

Laser- und Mikrowellenwaffen erarbeitet.

Dr. Gerd Wollmann, Bereichsleiter

Strahlenwaffen: „Dabei entstanden

portable und stationäre Energieversorgungsanlagen

der unterschiedlichsten

Leistungsklassen, beginnend von einem

Joule mit sehr hohen Wiederholraten

über 100 Kilojoule-Systeme bis hin zur 30

Megajoule-Anlage im Einzelschussbetrieb

auf dem Erprobungszentrum Unterlüß.“

Für den 49-jährigen promovierten

Diplom-Physiker ist das Dresdner Großprojekt

denn auch eine wichtige strategische

Referenz: „Die 50 Megajoule-

Anlage am Forschungszentrum Rossendorf

unterstreicht deutlich sichtbar die

Möglichkeit und die Machbarkeit, aus

wehrtechnischen Aufgabenstellungen

und Arbeiten zivile Themen herauszufiltern,

um damit erfolgreich Nischenlösungen

unter Wahrung der wirtschaftlichen

Interessen zu besetzen.“

Drucktermin dieser Ausgabe: 10. März 2006

Nachdruck gestattet, Belegexemplar erbeten.

Satz: Strack + Storch KG

Gladbacher Straße 15

40219 Düsseldorf

Druck: DAMO Digitaltechnik GmbH

Juliusstraße 9-21

47053 Duisburg


Das Profil 1/2006 Wirtschaft/Messen/Märkte

Seite 3

Public Security als strategisches Geschäftsfeld von Rheinmetall Defence

Systemverbund schafft Sicherheit

dp Ratingen. Das Wort Sicherheit hat in den vergangenen Jahren einen völlig

neuen Klang gewonnen. Innerhalb einer Dekade hat sich die Bedeutung der Sicherheit

von einem rein militärischen Begriff gelöst und wird heute viel stärker als

Schutz vor terroristischer Bedrohung, illegaler Einwanderung und Katastrophen

begriffen. Der eindrucksvollste Beweis dafür ist die Schaffung des Ministeriums

für Heimatschutz in den USA. Rheinmetall trägt diesem Paradigmenwechsel mit

dem neu geschaffenen strategischen Geschäftsfeld „Public Security“ konsequent

Rechnung. Darin fließen sämtliche Kompetenzen des Düsseldorfer Konzerns

rund um das Thema „Sicherheit und Gefahrenabwehr“ zusammen, um auf

diesem Wege neue Marktchancen zu erschließen – Chancen, die sehr gut sind.

ir sind auf vielen

Gebieten ein gefragterAnsprechpartner

in puncto

neuer Sicherheitslösungen“,

sagt

Hugo Wolf, der das

Geschäftsfeld Public Security bei Rheinmetall

Defence leitet. Und das mit gutem

Grund: In seiner neu geschaffenen

Funktion arbeitet Wolf mit allen vier Geschäftsbereichen

von Rheinmetall Defence

zusammen, die unterschiedliche

Leistungen und Systeme in das übergreifende

Geschäftsfeld einbringen

können. „Ob aus dem Bereich Landsysteme,

Defence Electronics, Waffe Munition

oder Luftabwehrsysteme – überall

finden wir Know-how aus dem militärischen

und auch zivilen Bereich, das

sich gewinnbringend für unsere neuen

Aufgaben einsetzen lässt“, beschreibt

Wolf die Stärken von Rheinmetall auf

diesem neuen und sich rasch entwickelnden

Markt für die öffentliche Sicherheit.

Ein Defence-Systemverbund,

der Sicherheit schafft.

Für Rheinmetall sind fünf Segmente

von großem Interesse: Grenzsicherung,

Schutz von Objekten und Einrichtungen,

maritimer Schutz, Katastrophenschutz

sowie Ausstattung und Training

von Sicherheitskräften. „Wir gehen davon

aus, dass Grenzsicherung, Objektschutz

und maritime Sicherheit dabei

die größte Rolle spielen werden“, bekräftigt

Hugo Wolf. Vor allem an der

Grenzsicherung haben die entwickelten

Staaten heute ein vitales Interesse:

Zahlreiche Beispiele rund um den Globus

belegen dies nahezu täglich – so

die Sicherung der Südgrenze der USA,

die Grenzzwischenfälle vor den spanischen

Enklaven in Nordafrika, die immer

wieder strandenden Flüchtlingsboote

an Europas Küsten oder die permanente

Schleusung von Menschen

über die heute weit vorgeschobenen

EU-Ostgrenzen.

Längst ist aus dem Menschenschmuggel

ein lukratives Geschäft geworden,

dem die Regierungen weit im Vorfeld

begegnen müssen. Dazu zählen nicht

nur die östlichen EU-Mitglieder, sondern

auch ihnen vorgelagerte Staaten

oder EU-Beitrittskandidaten. Hinzu

kommen die sich rasch entwickelnden

Staaten des Mittleren Ostens, die sich

vor illegaler Einwanderung schützen

wollen. In allen diesen Regionen stehen

entsprechende Mittel bereit und werden

neue Lösungen gesucht.

„Grenzzäune werden überflüssig“,

umreißt Hugo Wolf die Fähigkeiten von

Rheinmetall bei der Grenzsicherung.

Moderne optische und elektrooptische

Aufklärungssysteme erkunden, ob und

was sich innerhalb des jeweiligen

Grenzabschnittes tut. „So haben die

Grenzschutzkräfte stets ein Bild der La-

Foto: Christoph Schuhknecht

ge hinter der eigentlichen Grenze, das

sie im Lagezentrum stets aktuell aufbereiten

können. Wir bieten dafür die nötige

Aufklärungstechnik ebenso an wie

den Aufbau von Lagezentren“, erläutert

der gelernte Diplomkaufmann. Dabei

kommt Rheinmetall die umfangreiche

Kompetenz bei der sicheren elektronischen

Vernetzung der nötigen Sensoren

mit dem Lagezentrum zugute.

Auf diese Weise lassen sich, falls nötig,

rasch Einsatzkräfte für die Grenzsicherung

mobilisieren, bevor Unbefugte eine

Grenze erreichen und verletzen.

„Dies ist sicher ein großer Zukunftsmarkt“,

verdeutlicht Wolf.

Das Geschäftsfeld Public Security

kann neben dem breiten Angebot an

optischen und akustischen Sensoren

für diese Zwecke über den Geschäftsbereich

Rheinmetall Defence Electronics

(RDE) auch auf das luftgestützte

„Opale“-Überwachungssystem zurückgreifen.

Das Leichtflugzeug des österreichischen

Partners Diamond Air kann

zukünftig ohne Pilot fliegen, ist also als

so genanntes UAV-System verwendbar

(UAV: Unmanned Aerial Vehicles). Über

die entsprechenden Aufklärungstechniken

und Datenverbindungen verfügt

das Bremer Unternehmen aufgrund

seiner langjährigen Erfahrung auf dem

Gebiet der Drohnen-Technologie („Das

Profil“ 2/2005).

Mit der Zunahme terroristischer Bedrohungen

erhält heute auch der Objektschutz

eine völlig neue Bedeutung.

„Das ist für uns das zweite große Segment

im Bereich Public Security“, sagt

Hugo Wolf. Symbolträchtige Gebäude

und Verkehrsknotenpunkte sind zu bevorzugten

Zielen von Terrorgruppen geworden.

Dort sind die Opferzahlen,

ökonomischer Schaden und auch die

Medienwirksamkeit am größten. Dies

haben die Anschläge der vergangenen

Jahre deutlich gemacht, die sich zumeist

gegen Menschen richteten.

„Doch auch Einrichtungen der Grundversorgung

wie Gas- und Ölpipelines

oder Wasserleitungen können in politischen

oder terroristischen Konflikten

zur Zielscheibe werden. Wir sind auch

hier schon in Gesprächen mit Interessenten“,

verrät Wolf. Auch auf diesem

Gebiet ist Rheinmetall mit seinem Geschäftsfeld

Public Security bereits aktiv

geworden: Das Unternehmen ist, wie

berichtet („Das Profil“ 2/2005), von

deutschen Kraftwerksbetreibern damit

beauftragt worden, einen hochwirksame

Tarnschutz (z. B. durch passive Nebelwerfer-Schutzsysteme)

für Kernkraftwerke

in Deutschland zu installieren.

Durch den Einsatz optischer, elektrooptischer

und akustischer Sensoren

ist eine weiträumige Umfeldaufklärung

bei Versorgungseinrichtungen möglich

– eine wichtige Voraussetzung zur

rechtzeitigen Einleitung von Gegenmaßnahmen.

Für einen umfassenden

Objektschutz bietet sich darüber hinaus

ebenso wie bei der Grenzsicherung

die Installation einer Leitzentrale

an. Im Ernstfall werden in der Leitzentrale

voll- oder halbautomatisierte

Warnmeldungen und Schutzmaßnahmen

ausgelöst, die je Lage und Situation

des Objektes aktiver oder passiver

Natur sein können.

Neben der Sicherheit zu Lande wird

auch der Schutz maritimer Anlagen und

Objekte sowie der Küstengrenzen zunehmend

wichtiger. Dabei sind nicht

nur Angriffe auf Kreuzfahrt-, Öl- und

Gefahrgutschiffe oder deren Entführung

zu realistischen Bedrohungsszenarien

geworden. „Auch der systematische

Umweltschutz gewinnt an Bedeutung,

weil viele Staaten erkennen, dass

saubere Meere ihnen die Existenzgrundlage

durch den Schutz der Fischbestände

sichern“, schildert Wolf einen

weiteren Einsatzbereich für das

neue Geschäftsfeld von Rheinmetall

Defence. Hier lassen sich ebenfalls mit

der Überwachung aus der Luft schnell

und kostengünstig effiziente Lösungen

realisieren.

Was die gezielte Kontrolle maritimer

Grenzen angeht, so kann Rheinmetall

dabei bereits ein erstes erfolgreiches

Großprojekt vorweisen. Auf Basis des

international gültigen ISPS-Codes hat

Rheinmetall bereits umfangreiche Küstenschutzprojekte

in den USA und Kanada

realisiert. Der Großauftrag, der

von der Oerlikon Contraves Inc. im kanadischen

St.-Jean-sur-Richelieu (Provinz

Québec) akquiriert wurde, umfasst

38 so genannte „Distress Calling“-Notrufsysteme,

die entlang der Pazifikund

Atlantikküste der USA und Kanadas

sowie auf Hawaii, auf Guam und in

Puerto Rico installiert sind. In weiteren

Ausbauteilen werden die schiffseigenen

Aufklärungs- und Kommunikati-

Die kanadische Tochtergesellschaft von

Oerlikon Contraves ist der führende

Lieferant von so genannten „Distress

Calling“-Notrufsystemen (DSC) vom Typ

911, die Teil des weltweiten maritimen

Seenot- und Sicherheitssystems (Global

Maritime Distress Safety Systems =

GMDSS) sind. Diese Anlagen ermöglichen

es in Not geratenen Schiffen, Notrufe

abzusetzen, damit Such- und Rettungsmannschaften

schneller Hilfe leisten

können. Küsten-basierte Rettungsdienste

und in der Nähe befindliche

Schiffe werden unmittelbar alarmiert,

wobei letztere gewissermaßen als Relaisstation

für die Notruf-Übertragung

genutzt werden. Gibt es diese Möglichkeit

nicht, kann das Signal auch über

einen Satelliten übertragen werden.

Ein Defence-Systemverbund, der Sicherheit schafft: Die vier Geschäftsbereiche von

Rheinmetall Defence bringen unterschiedliche Leistungen und Systeme in das übergreifende

Geschäftsfeld „Public Security“ ein. Ob Landsysteme, Defence Electronics,

Waffe Munition oder Luftabwehrsysteme – überall findet der Kunde Know-how aus

dem militärischen und auch zivilen Bereich, das sich zur Grenzsicherung, zum

Schutz von Objekten und Einrichtungen, zum maritimen Schutz, zum Katastrophenschutz

sowie zu Ausstattung und Training von Sicherheitskräften einsetzen lässt.

onsmittel zu einem Gesamtsystem integriert

und vernetzt – eine der Schlüsselfähigkeiten

von Rheinmetall. Dadurch

ist eine lückenlose Überwachung

aller Bewegungen innerhalb des Küstenbereichs

und der Hafenzugänge

möglich.

Der International Ship and Port Facility

Code ISPS ist von der International

Maritime Organization (IMO) vorgeschrieben

und beschreibt verbindlich

Maßnahmen, Regeln und Abläufe zum

Schutz maritimer Einrichtungen. Selbst

die in den vergangenen Jahren vermehrt

auftretende Plage der Piraterie

auf den Weltmeeren könnte sich mit

Rheinmetall-Technologie ein Stück weit

in den Griff bekommen lassen. Da herkömmliche

Radare die meist kleinen

und leichten Kunststoffboote der Piraten

nicht erfassen, bedürfte es laut

Geschäftsbereichsleiter Hugo Wolf sieht gute Marktchancen: Im neu geschaffenen strategischen Geschäftsfeld „Public Security“

von Rheinmetall Defence fließen sämtliche Kompetenzen rund um das Thema „Sicherheit + Gefahrenabwehr“ zusammen.

Wolf einer ausgefeilten Sensor-Technologie

für den Nahbereich. „Wir verfügen

mit der Multisensorplattform unseres

Marinegeschützes über eine solche

Technologie“, so der 61-jährige

Defence-Fachmann.

Kommt es zum Äußersten, wie etwa

nach Naturkatastrophen, Unfällen und

Havarien aufgrund technischen oder

menschlichen Versagens oder als Folge

gezielter Anschläge, so ist rasches

Handeln erforderlich. Für den Fall atomarer,

biologischer oder chemischer

Störfälle kann Rheinmetall hochmoderne

ABC-Aufklärungstechniken anbieten.

Das Portfolio reicht von mobilen

Laboren über Erkundungs- und Spezialfahrzeuge

bis hin zu bewährten

Fernhantierungs-Robotiksystemen,

die Bomben entschärfen können.

Als Reaktionsmittel für Einsatzkräfte

bieten sich in speziellen Fällen zudem

nicht-letale Wirksysteme an. Rheinmetall

hat eine breite Palette von Irritationsmunition

entwickelt. Diese setzt

Personen kurzzeitig außer Gefecht, ohne

sie zu verletzen. Sie dient der Abschreckung,

aber auch dem Selbstschutz

von Polizei und Streitkräften.

Für die Früherkennung von Scharfschützen

wurde das aus dem Defence-

Geschäftsfeld „Protective Shield“ (siehe

„Profil“-Seiten 9-12) bekannte Sniper

Location System weiterentwickelt, das

ferngesteuert Zieloptiken potenzieller

Angreifer erkennt und lokalisiert.

Entscheidend ist zu guter Letzt, auch

das zeigen die Erfahrungen der vergangenen

Jahre, die richtige Reaktion im

Ernstfall. Diese lässt sich in allen erdenklichen

Szenarien in Echtzeit auf

den bewährten Simulatoren von Rheinmetall

trainieren. Für das Training von

Sicherheitskräften im Gelände verfügt

Rheinmetall zudem als einziges Unternehmens

weltweit über ein mehr als 50

Quadratkilometer großes Areal am

Standort Unterlüß, auf dem alle Systeme

und Wirkmittel bis hin zum scharfen

Schuss getestet werden können.

Rheinmetall ist im Geschäftsfeld Public

Security also vielfältig aufgestellt, wie

die Beispiele zeigen. Laut Geschäftsbereichsleiter

Wolf hat Rheinmetall „gute

Chancen, im rasant wachsenden Markt

für Public Security wesentliche Anteile

zu erringen“. (Lesen Sie dazu auch

„Profil“-Seite 20.)


Seite 4 Wirtschaft/Messen/Märkte

Das Profil 1/2006

Gebündelte Kompetenz und breit gefächertes Instrumentarium: Blick ins hochmoderne Chemielabor am Firmensitz der Pierburg GmbH in Neuss, in dem u.a. Kraftstoffproben auf Art und Reinheit analysiert werden.

Pierburg-Neuss: Kräftekonzentration nutzt Kunden

Zentrales Messlabor

bündelt die Kompetenz

akn Neuss. Im Zuge der Restrukturierung

und Neuorganisation am Neusser

Pierburg-Standort (z.B. Zentralisierung

Prüffeld) sind unlängst die drei Prüfbereiche

Werkstoff- und Bauteilprüfung sowie

dimensionales Messen im neuen

zentralen Messlabor zusammengefasst

und der Abteilung „Zentrale Qualität“ zugeordnet

worden.

„Bedingt durch die standortspezifische

historische Entwicklung am Firmensitz

in Neuss – hier das Verwaltungsgelände

mit den Zentralbereichen an der

Alfred-Pierburg-Straße, dort die Produktion

an der Düsseldorfer Straße – entstanden

in der Vergangenheit zwei räumlich

getrennte Prüflabore für die Arbeitsgebiete

Werkstoff- und Komponentenprüfung“,

erläutert Achim Brömmel, der

seit Anfang November 2005 die Hauptabteilung

„Zentrales Qualitäts- und Umweltmanagement“

leitet. „Im Rahmen einer

organisatorischen Straffung dieser

Laborbereiche sowie mit Blick auf das

neue Customer-Center an der Alfred-Pierburg-Straße

sollte ein Laborbereich entstehen,

der in unmittelbarer Nähe und

damit in direkter Erreichbarkeit der internen

Kunden liegt. Deshalb haben wir die

neu entstandenen Werkstofflabore inklusive

des hochmodernen Chemielabors

räumlich in das Prüffeld der zentralen

Entwicklung eingebettet.“

Entstanden ist das Zentrale Messlabor

(ZM) – ein Zentrum, das nunmehr alle

wichtigen Messkompetenzen (nicht nur

räumlich) bündelt und somit eine gesamtheitliche

Betrachtung bei Prüfaufträgen

ermöglicht. Durch die Zusammenfassung

diverser Labore und die damit

neue, örtliche Nähe zu den vor allem internen

Kunden wird die eigentliche Arbeit

nun deutlich effizienter gestaltet. Zu

den firmeninternen ZM-Kunden zählen

zum Beispiel der zentrale Einkauf, die

zentrale Vorentwicklung, die zentralen

Entwicklungs- und Versuchsabteilungen,

die fünf neugeschaffenen Business

Units, die Qualitätsabteilung der deutschen

und ausländischen Werke sowie

die zentrale Gewährleistung.

„Zu unseren Arbeitsschwerpunkten gehören

zum einen die Prüfung und die Erprobung

von Produkten und Komponenten

in allen Entwicklungsphasen, zum

anderen serienbegleitende Untersuchungen“,

erklärt Dipl.-Ing. Sven Wage-

n neuen und zum Teil deutlich vergrößerten

Räumlichkeiten präsentieren

sich die modernen Labore

des zentralen Messlabors der Pierburg

GmbH in Neuss. Seit Ende

2005 befinden sich die Labore der

Werkstoff- und Bauteilprüfung gebündelt

auf dem Gelände an der Alfred-Pierburg-Straße;

der bereits optimal

ausgestattete Bereich „Dimensionales

Messen“ hat sein Domizil auf

dem Produktionsgelände an der Düsseldorfer

Straße behalten. Insgesamt

zehn hoch qualifizierte Mitarbeiter unter

der Leitung von Dipl.-Ing. Sven Wagener

bearbeiten flexibel die unterschiedlichsten

Mess- und Prüfaufträge.

Das zentrale Messlabor besteht

aus drei Bereichen, die im Folgenden

näher vorgestellt werden.

★ Werkstoffprüfung: Diesem Bereich

stehen zwei Materialprüflabore (für

Metalle und Kunststoff) und ein modernes,

räumlich deutlich vergrößertes

Chemielabor zur Verfügung. Die Labore

dienen der Werkstoffidentifikation,

ner, der seit 1. November vergangenen

Jahres die Abteilung „Zentrale Qualität

Messlabor“ kommissarisch leitet: „Je

früher wir als Messlabor dabei in den

Entwicklungsprozess eingebunden sind,

um so besser. Durch die vielfältigen

Mess- und Prüfmöglichkeiten, die uns

zur Verfügung stehen, sowie die langjährige

Erfahrung können wir sehr früh im

Entwicklungsprozess mögliche Konstruktions-,

Werkstoffauswahl-, Werkstoffbehandlungs-

und Fertigungsfehler

erkennen und sind in der Lage, die entsprechenden

Fachabteilungen konstruktiv

zu unterstützen.“

Das zentrale Messlabor mit seinen insgesamt

zehn Mitarbeiten besteht aus

drei Bereichen: Werkstoffprüfung, Bauteil-

bzw. Komponentenprüfung und Dimensionales

Messen, die die unterschiedlichsten

Prüfaufträge flexibel und

auf hohem fachlichen Niveau bearbeiten.

So unterstützt beispielsweise die

Bauteilprüfung mit ihren Messmethoden

ganz konkret den Konstrukteur in seiner

Entwicklungsarbeit.

„Um dem Konstrukteur die Auslegung,

Anbindung oder das Verhalten seines

Bauteils dazulegen, stehen moderne Zug-

Druck-Prüfmaschinen mit bis zu 50 kN

Zugkraft zur Verfügung“, erklärt Maschinenbautechniker

Peter Schlabs. Mittels

Accrat-Analyse-Messsystem kann zum

Beispiel geprüft werden, ob eine Schraubverbindung

ordnungsgemäß funktioniert.

Dafür wird – neben Drehmoment und

Drehwinkel – auch die Vorspannkraft gemessen.

Diese Bewertung ist wesentlich

genauer und aussagekräftiger als die Festlegung

nur nach dem Drehmoment.

Schlabs weiter: „Zu unserer täglichen

Arbeit zählt ferner die Elastomer-Untersuchung.

Wir überprüfen Elastomere (elastische

Kunststoffe) auf ihre Medienbestän-

Sven Wagener: Haben Kräfte konzentriert.

Ermittlung der Werkstoffeigenschaften

und zur Klärung von Bauteilausfällen

(z.B. Beurteilung von Brüchen, Verschleißzuständen,

Korrosionsschäden,

Wärmebehandlungsfehlern). Dabei liefert

die Werkstoffprüfung objektive

Kennwerte, die das Werkstoffverhalten

in Überlagerung von mechanischen,

thermischen oder chemischen Beanspruchungen

beschreiben.

In den beiden Materialprüflaboren –

wesentlich organisiert durch die sehr

erfahrene Werkstofftechnikerin Andrea

Hensel – werden mittels Metallographie

(optische Untersuchung einer Metallprobe

zur qualitativen und quantitativen

Beschreibung des Gefüges) und

Mikroskopie Prüfungen durchgeführt,

die zum einen als Nachweis der geforderten

Qualitätseigenschaften dienen

und zum anderen zur Aufklärung von

war befinden sich die Räumlichkeiten

für das dimensionale

Messen an der Düsseldorfer

Straße, sie sind somit

vom neuen zentralen Messlabor

örtlich getrennt. Doch inhaltlich

ist dieser zentrale Messraum, der von

Dipl.-Ing. Ralf Gatzweiler koordiniert

wird, aus dem Bereich „Zentrale Qualität“

bei Pierburg nicht wegzudenken.

Denn die hier genutzte Messtechnik

ist als Qualitäts-Werkzeug für

die Entwicklung und zur Herstellung

von hochwertigen Produkten für die

Automobilindustrie unverzichtbar.

Im zentralen Messraum kommen für

das dimensionale Messen diverse Präzisionsmessgeräte

von namhaften Systemherstellern

(z.B. Leitz, Zeiss und

Perthen-Mahr) zum Einsatz.

An diversen Maschinen werden Regelgeometrien

(Abstände, Winkel),

digkeit hin. Dabei werden Änderungen

der Dimension, Zugfestigkeit, Reißdehnung

sowie Volumenzunahme ermittelt.

Untersuchungen zum so genannten

Druckverformungsrest (dieser gibt den

Anteil an bleibender Verformung nach

lang andauernder konstanter Druckverformung

bei vorgegebener Temperatur

an; je kleiner der Wert, desto besser ist

das Elastomer für die Dichtung geeignet)

und zur Kältebeständigkeit vervollständigen

die Elastomer-Untersuchung. Die ermittelten

Daten helfen dem Konstrukteur

ganz gezielt, rechtzeitig das richtige Elastomer

auszuwählen und eine exakte Vorgabe

für den Zulieferer dieses chemischen

Produktes zu erstellen.“

Neben der Messung von Entwicklungsmustern

(so genannte A-, B- und C-Muster)

und Erstmusterprüfungen an Kaufteilen

das sind Bauteile, die Pierburg von

einem externen Lieferanten bezieht –

finden auch regelmäßig serienbegleiten-

Schadensfällen beitragen. In speziellen

Fällen (z.B. beim Einsatz eines

Rasterelektronenmikroskops) wird in

den Laboren der Salzgitter Mannesmann

Forschung GmbH (SZMF) oder

der Uni Duisburg eine EDX-Analyse

(Energiedispersive Röntgenfluoreszenz-Analyse)

vorgenommen, die eine

Bestimmung der metallischen Legierungselemente

und deren Gehalte er-

möglicht und durch eine extrem hohe

Auflösung u.a. zur schnellen, zerstörungsfreien

Werkstoffidentifikation

dient. Zur Werkstoffbestimmung werden

auch diverse thermische Analyseverfahren

eingesetzt, mit denen z.B.

Schmelzpunkt, Glasübergangsbereich,

thermische Beanspruchung, Wärmeformbeständigkeit

oder Gewichtsänderungen

in Abhängigkeit von Temperatur

und Zeit gemessen werden können.

Form- und Lagetoleranzen (Symmetrie,

Rundheit, Zylinderform), Oberflächengüte

und Lauftoleranzen (Rundlauf,

Planlauf) gemessen. Das Herzstück

des Bereichs sind die hochpräzisen3D-Koordinatenmessmaschinen,

die auch Untersuchungen von

großen Bauteilen mit größeren Abmessungen

zulassen.

Zum Messprinzip: Koordinatenmessgeräte

erfassen die dreidimensionale

Geometrie eines Bauteils.

Über das Abtasten der Bauteilgeometrie

mittels Sensortastkopf wird die genaue

Position von zu prüfenden Zeichnungsmerkmalen

gemessen – jeder

Messpunkt wird also mit seinen kartesischen

x-, y- und z-Koordinaten ermit-

de Untersuchungen statt. Zum Alltag des

Messlabors gehören zudem die Schadensanalyse

und -rückverfolgung. Gerade

in diesen eher heiklen Fällen ist das

Messlabor gefragt, um die Frage nach

der Ursache des Produktausfalls zu klären.

Im Fokus steht dabei dann für alle

Beteiligten vor allem die Aufgabe, wie

der aufgetretene Fehler bzw. Schaden zukünftig

vermieden werden kann. „Neben

reinen Mess- und Untersuchungsdienstleistungen

begleiten wir unsere internen

Kunden auch fachlich bei Problemstellungen.

So unterstützen wir beispielsweise

bei der Materialauswahl in der Entwicklungsphase

eines Produkts mit.“

Zudem sei hier insbesondere die „Kooperation

mit der zentralen Gewährleistung

erwähnt“, so Wagener, der bis vor

kurzem Gruppenleiter der Werkstoffprüfung

und Akustik war: „Diese Zusammenarbeit

ist durch einen sehr regen

und vor allem offenen Informationsaus-

Im neuen Chemielabor untersucht

Chemotechnikerin Ranka Lubarda z.B.

Kraft- und Schmierstoffproben auf Art

und Reinheit oder führt Partikelanalysen

metallischer und polymerer Werkstoffe

zwecks Element- und Füllstoffbestimmung

durch.

Weiterhin werden Analysen zur Untersuchung

chemischer Einflüsse durchgeführt:

unterschiedlichste Substan-

Breit gefächertes Mess-Instrumentarium

zen, Medien und Werkstoffe werden

untersucht und auf ihre chemische Zusammensetzung

hin überprüft. Zum

Einsatz kommen dabei analytische Verfahren

wie AAS- und FTIR-Spektrometrie,

DC-Chromatografie, Photometrie,

Gravimetrie und Nasschemie.

★ Bauteil- bzw. Komponentenprüfung:

Beanspruchungsgerechtes Gestalten

und Dimensionieren von Bauteilen bzw.

Systemen bei gleichzeitiger Optimie-

telt. Diese ermittelten Punkte werden

mittels Computerprogramm ausgewertet

und als vollständiges Messergebnis

ausgegeben. Neben Längen

können somit auch Lagen, Formen

und Winkel erfasst werden. Enorm ist

die Genauigkeit der Messung: Die maximal

mögliche Messunsicherheit

liegt bei nur einem tausendstel Milli-

Unverzichtbare Werkzeuge

meter. Zum Vergleich: Ein menschliches

Haar ist fünfzig Mal dicker!

Keine noch so anspruchsvolle messtechnische

Herausforderung ist dem

hoch motivierten Spezialistenteam zu

kompliziert: Ulrich Bruderreck, Karl-

Heinz Stevens und Hans-Joachim

Müller finden immer die richtige

(Mess-)Lösung. akn

Mess-Alltag: Techniker Peter Schlabs (l.) und sein Pierburg-Kollege Rolf Schnakenberg bei der Ermittlung von Abzugskräften der

Lageraufnahmen eines Klappenrahmens. Hier wird konkret die Klebeverbindung zwischen Lagerbock und -aufnahme geprüft.

tausch gekennzeichnet. Das muss auch

so sein: Schließlich haben wir es beim

Stichwort Gewährleistung mit einem

sehr sensiblen Thema zu tun – es geht in

der Regel um Fehlfunktionen von Bauteilen

oder Systemen. Deshalb ist auch die

wechselseitige Unterstützung bei der

Problemlösung oberstes Gebot. Wir stellen

uns gemeinsam dem Kunden und offerieren

ihm Problemlösungen.“

Mit Blick auf die Zukunft soll das zentrale

Messlabor weitere wichtige Aufgaben

übernehmen. So ist zum Beispiel der im

so genannten Produktfreigabeprozess

durchzuführende Erstmusterprüfbericht

für die Firmenstandorte Neuss und Nettetal

im Gespräch. Weiterhin hat man zum

Ziel, das alle A- und B-Muster aus dem

Musterbau einer Gegenmessung durch

das Messlabor unterzogen werden. Und

noch ein wenig in der Ferne, aber deshalb

nicht aus den Augen zu verlieren, ist die

Anstrebung einer eigenen Zertifizierung.

rung der fertigungstechnischen Parameter

wird bei dem durch zunehmenden

Kostendruck geprägten Wettbewerb immer

wichtiger. Mit ihren äußerst präzisen

Komponenten- bzw. Bauteilprüfungen

hinsichtlich Funktion und Festigkeit

unterstützen die hoch qualifizierten Mitarbeiter

dieses Bereichs ihre Kollegen in

den diversen Pierburg-Entwicklungsabteilungen

bei der Suche nach optimalen

technischen Problemlösungen. Das gemeinsame

Ziel ist dabei klar abgesteckt:

Es heißt, Entwicklungszeiten und Kosten

zu reduzieren. Zum Einsatz kommen

dabei diverse Spezialvorrichtungen in

Kombination mit der Zug-/Druckprüfmaschine

oder Messsysteme, die das

Drehmoment, den Drehwinkel und die

Vorspannkraft messen. Weiterhin werden

Dauerfunktionsprüfungen unter

Simulation realer Einsatzbedingungen

durchgeführt, um zum Beispiel die

Funktionsfähigkeit oder das Verschleißverhalten

von beweglichen

Bauteilen bei wiederholten Belastungen

zu prüfen und zu testen. akn

Fotos (3): Ariane Gehlert


Das Profil 1/2006 Wirtschaft/Messen/Märkte

Seite 5

Pierburg: Eigenes

Werk in Brasilien

he Nova Odessa. Bereits seit einigen

Jahren ist der Automobilzulieferer Pierburg

auch in Brasilien mit einer Produktion

vor Ort und stellt für inländische

Kunden sowie für den nordamerikanischen

Markt Öl- und Wasserpumpen

her. Derzeit sind die 53 Mitarbeiter

der Pierburg do Brazil als Gäste im Produktionsgebäude

der Schwestergesellschaft

KS Bronzinas untergebracht.

Dies wird sich künftig ändern, denn

Pierburg baut auf dem insgesamt rund

Munition im

Großkaliber

oho Düsseldorf. Neue Aufträge für

Großkaliber-Munition im Wert von rund

79 Millionen € hat die Rheinmetall AG

in der Türkei und in den Niederlanden

akquiriert. Beide Aufträge unterstreichen

erneut die technologische Spitzenstellung

Rheinmetalls auf dem Feld

der Großkaliberwaffen und der dazugehörigen

Munition.

In Verbindung mit der Länderabgabe

von 298 Leopard-2-Kampfpanzern aus

Beständen der Bundeswehr an die türkischen

Streitkräfte ist Rheinmetall Defence

bereits im vergangenen Dezember

damit beauftragt worden, insgesamt

rund 15 000 Stück Munition im

Kaliber 120 mm (KE-Munition des Typs

DM 63 mit zugehörigen Übungspatro-

400 000 Quadratmeter großen und in

direkter Nähe der Millionenstadt Campinas

gelegenen Gruppenareal eine eigene

Produktionsstätte. Noch in diesem

Frühjahr – die entsprechende

Jahreszeit vor Ort ist dann Herbst –

wird die gut 100 Kilometer nordwestlich

von São Paulo gelegene Gießerei

und Fertigung für Öl- und Wasserpumpen

bezugsfertig und einsatzbereit

sein. Dazu Rainer von Siegert, Chef der

Pierburg do Brasil: „Mit dieser neuen

Produktionshalle mit Druckgießerei

können wir klare Kostenvorteile realisieren

und erhöhen nachhaltig unsere

internationale Wettbewerbsfähigkeit.“

nen) zu liefern. Der Auftragswert beläuft

sich auf rund 46 Millionen €. Die

Lieferung ist für den Zeitraum Juli 2006

bis Juni 2007 vorgesehen.

Dabei handelt es sich um eine so genannte

Wuchtmunition auf Wolfram-

Basis, die aufgrund ihres neuen temperatur-unabhängigen

Pulvers ohne Einschränkungen

zur Verwendung auch in

extremen Klimazonen geeignet ist.

Nachdem die Bundeswehr sich als

wichtiger Referenzkunde im Sommer

2005 zur Beschaffung dieser neuen

Munition entschieden hat, stellt der

vorliegende Auftrag den Durchbruch im

internationalen Umfeld dar. Ein Marktpotenzial

wird in rund zwanzig Staaten

gesehen, deren Streitkräfte Kampfpanzer

mit der 120mm-Großkaliber-Technologie

von Rheinmetall nutzen.

Im Artilleriebereich von großer Bedeutung

ist ein Auftrag der Streitkräfte

Defence ordnet

die Führung neu

dp Düsseldorf. Der Unternehmensbereich

Defence der Rheinmetall AG

(Düsseldorf) hat mit Wirkung vom 1.

Januar 2006 eine Änderung in der

Führung vorgenommen. Detlef Moog,

Mitglied des Bereichsvorstands von

Rheinmetall Defence und verantwortlich

für den Geschäftsbereich

Waffe Munition, hat auch den Vorsitz

in der Geschäftsführung der

Rheinmetall Landsysteme GmbH mit

Sitz in Kiel übernommen.

des Königreichs Niederlande, die sich

als Erstkunde für das neu entwickelte

und von der Bundeswehr qualifizierte

Geschoss des Typs Rh 40 DM 131 entschieden

haben. Nicht nur wegen seiner

Reichweite von mehr als 40 Kilometern,

sondern auch durch die Verwendung

eines insensitiven Sprengstoffes

markiert diese 155mm-Munition

weltweit die technologische Spitze

bei Artilleriegeschossen.

Der Auftrag hat ein Volumen von

rund 33 Millionen € und umfasst

10 000 Geschosse sowie 67000 dazugehörige

weiterentwickelte und

ebenfalls von der Bundeswehr qualifizierte

Module DM 92 des Treibladungssystems

MTLS. Die Lieferung

wird bis Ende 2007 abgeschlossen.

Die Niederlande beschaffen diese

Munition (Geschosse und MTLS) im

Rahmen ihrer Beschaffung der Panzerhaubitze

2000.

Die Leitung der Geschäftsbereiche

Air Defence und Defence Electronics

wurde unter die einheitliche Vorstandsverantwortung

von Heinz Dresia

gestellt, der bisher im Vorstand

von Rheinmetall Defence den Geschäftsbereich

Defence Electronics

vertreten hat. Dresia ist Vorsitzender

der Geschäftsführung der Rheinmetall

Defence Electronics GmbH

(Bremen).

Der Produktbereich Air Defence und

die Oerlikon Contraves AG in Zürich

(Schweiz) werden seit dem 1. Januar

2006 durch Bodo Garbe geführt, der

zuletzt den Bereich Schutzsysteme

der Rheinmetall Waffe Munition

GmbH geleitet hat.

Gert Winkler (61), Vorsitzender der

Geschäftsführung der Rheinmetall

Landsysteme GmbH (Kiel), ist mit

Wirkung zum 31. Dezember 2005

nach über 40-jähriger Unternehmenszugehörigkeit

in den Ruhestand

getreten. Gleichzeitig beendete

er seine Tätigkeit als Mitglied im

Bereichsvorstand der Defence-Sparte

der Rheinmetall AG, in der er die

Verantwortung für den Geschäftsbereich

Landsysteme innehatte. Er wird

für das Unternehmen in beratender

Funktion tätig bleiben.

Die neue R-Klasse von Mercedes-Benz: Die Kolbenschmidt-Pierburg-Firmengruppe liefert für diese Modellreihe unter anderem Magnesiumschaltsaugrohr, Leichtbaukolben sowie Gleitlager und Lagerschalen.

Mercedes-Benz ergänzt die Modellpalette mit einem Grand Sports Tourer

Auch die neue R-Klasse

fährt mit KSPG-Technik

akn Neuss/Neckarsulm. Mercedes-

Benz ergänzt seine Modellpalette um

die neue R-Klasse. Die R-Klasse – ist es

ein Van, ein Kombi oder gar Geländewagen?

Nein, es ist ein so genannter

Grand Sports Tourer – dahinter verbirgt

sich ein Sechssitzer mit großzügigen

Platzverhältnissen. Die neue Modellreihe

von Mercedes ging im Oktober

2005 zunächst auf dem nordamerikanischen

Markt an den Start und ist nun

auch in Europa erhältlich.

Die drei Begriffe, die den neuen Mercedes-Benz

beschreiben, sollen auch

seine Merkmale verdeutlichen:

★ Grand steht für Größe, Platzangebot

und Funktionalität;

★ Sports symbolisiert Dynamik, Leistungsbereitschaft

und Fahr-Erlebnis;

★ Tourer kennzeichnet die Qualitäten

eines bequemen Reisewagens auf langen

Strecken.

Mit diesem neuartigen Fahrzeugkonzept

versucht Mercedes, die Vorteile

bekannter Fahrzeugkategorien wie Limousine,

Kombi, Van und „Sport Utility

Vehicle“ zu einem neuen, eigenständigen

Charakter zu vereinen. Nachdem

die Studie „Vision GST“ im Jahr 2002

erstmals der Öffentlichkeit präsentiert

wurde, entstand innerhalb von nur drei

Jahren aus einem Konzeptfahrzeug das

Serienautomobil.

Für dynamischen Fahrspaß und hohen

Langstreckenkomfort sorgen kraftvolle

Motoren, deren Leistungsspektrum

von 165 kW/224 PS bis 225

kW/306 PS reicht und um die sich erneut

zahlreiche Kolbenschmidt-Pierburg-Produkte

gesellen. Darunter sind

zwei laufruhige Benziner – R 350 und R

500, die einen Sechs- bzw. Achtzylinder-V-Motor

mit 272 bzw. 306 PS (200

bzw. 225 kW) unter der Haube tragen –

und der neue V6-Dieselmotor von Mercedes-Benz.

Mit an Bord des R-350-6-Zylinder-

Benzinmotors ist die Pierburg GmbH:

Im Ansaugtrakt kommt ein zweistufiges

Magnesiumschaltsaugrohr, das bereits

in der S-Klasse von Mercedes mitfährt

und das am Standort Nettetal gefertigt

wird, zum Einsatz. Mithilfe des in bewährter

Magnesiumtechnik hergestellten

Saugmoduls lässt sich die Luftzufuhr

des Motors je nach Last und Drehzahl

variieren.

Die KS Kolbenschmidt GmbH liefert

sowohl den 5,0l- als auch den 5,5l-

Leichtbaukolben vom Typ LiteKS für

den V8-Motor der R-Klasse. Der ausschließlich

in Neckarsulm produzierte

Kolben zeichnet sich durch eine verbesserte

Dauerfestigkeit aus – bei

gleichzeitig deutlicher Gewichtsreduktion.

Im neu entwickelten Sechszylinder-

Dieselmotor R 320 CDI mit Common-

Rail-Direkteinspritzung der dritten Generation

sorgen die verschiedenen

Produkte der KS Gleitlager GmbH für

einen reibungslosen Ablauf unter der

Motorhaube. Vom Gleitlager-Standort

in Papenburg stammen die Hauptlager-

(pro Motor werden 8 Hauptlagerschalen

benötigt) sowie die Pleuellagerschalen

(pro Motor 12 Pleuellagerschalen).

Am Firmensitz in St. Leon-Rot werden

für das 224 PS starke Sechszylinder-Dieseltriebwerk,

das den R 320 CDI

in 8,8 Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer

beschleunigt und eine

Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h

ermöglicht, Anlaufscheiben (4 je Motor)

und Pleuelbuchsen (6 je Motor) gefertigt.

Alle in der neuen R-Klasse eingesetzten

Gleitlager – ob aus Stahl-Aluminium-,

Stahl-Bronze- oder Stahl-Messing-Verbundwerkstoffen

– unterliegen

enormen Belastungen. Es kommt also

auf die richtige Werkstoffauswahl, die

optimale Lagerauslegung und die

hochpräzise Fertigung an, damit die

Lager den sehr hohen Beanspruchungen

in den modernen Dieselmotoren

gewachsen sind.

Die am stärksten belasteten Lagerhälften

sind deshalb mit gesputterten

– also über ein spezielles PVD-Verfahren

abgeschiedenen – Gleitschichten

versehen. Diese Schichten zeichnen

sich neben der hohen Belastbarkeit

durch sehr gute Gleiteigenschaften

aus; sie wurden speziell für die Anwendung

in diesem Motor entwickelt.

In den kommenden Monaten wird direkt vor dem bisherigen Verwaltungsgebäude

an der Karl-Schmidt-Straße in Neckarsulm ein weiteres Bürogebäude entstehen,

das über einen lichten Atriumhof mit dem bisherigen Vorstandsgebäude verbunden

wird. Die geplante Bauzeit für das neue Customer Center beträgt rund ein Jahr.

Spatenstich für

Customer Center

he Neckarsulm. Mit dem ersten

Spatenstich gab der Vorstand der

Kolbenschmidt Pierburg AG am 17.

Januar 2006 den Startschuss für

den Bau des neuen Customer Centers

am Automotive-Standort Neckarsulm.

In den kommenden Monaten

wird direkt vor dem bisherigen

Verwaltungsgebäude an der

Karl-Schmidt-Straße ein weiteres

Bürogebäude entstehen, das über

einen lichten Atriumhof mit dem

bisherigen Vorstandsgebäude verbunden

wird. Die geplante Bauzeit

für das Customer Center beträgt

rund ein Jahr.

Architektonisch setzt der Neubau

einen neuen optischen Akzent entlang

der Gottlieb-Daimler-Straße als

zentraler Verkehrsachse in Neckarsulm

und trägt so dazu bei, das Erscheinungsbild

des Unternehmens

weiter abzurunden. Dabei ergänzt es

den vorhandenen Verwaltungsbau,

ohne ihn optisch zu übertrumpfen,

und schafft gleichzeitig den benötigten

zusätzlichen Raum für Büros und

Besprechungszimmer.

Das neue Customer Center wird

künftig für Kunden der Kolbenschmidt-Pierburg-Gruppe

der zentrale

Empfang und repräsentativer Zugang

zu den am Standort ansässigen Gesellschaften

werden. Der reine Werksverkehr

wird dahingegen über andere

Zufahrten auf das Gelände geleitet.

Zukunft im Visier: Der Vorstand der Kolbenschmidt Pierburg AG (v.l.) – Dr. Peter

Merten, Dr.Gerd Kleinert (Vorsitz) und Dr. Jörg-Martin Friedrich – sticht Spaten.

Animation: Mediaton

Foto: Uli Deck

Foto: DaimlerChrysler


Seite 6 Wirtschaft/Messen/Märkte

Das Profil 1/2006

Seit 1998 ist die Rheinmetall Defence Electronics GmbH (Bremen) an dem internationalen

Joint Venture Eurofighter Simulation Systems GmbH (ESS) in München

beteiligt, um das weltweit größte und modernste Kampfflugzeug-Schulungsprogramm

unter Einsatz von Ausbildungssimulatoren für zukünftige Eurofighter-

Piloten zu entwickeln. Die gesamte Ausbildung – also auch für die Teams aus den

anderen Ländern – erstreckt sich über den Zeitraum Mai 2004 bis Februar 2007.

Trainingskurs für

Eurofighter-Team

nil Laage/Bremen. Simulation für den

Ernstfall: Der erste ASTA-Trainingskurs

(Instructors Core Integrated Course) für

den deutschen Kunden fand jetzt beim

Jagdgeschwader 73 (JG) in Laage statt.

Dabei erhielten die Instruktoren einen

Überblick über den Simulator und lernen,

ihre „missions“ zu definieren bzw.

zu erstellen sowie diese zusammen mit

den zukünftigen Eurofighter-Piloten

durchzuführen. Seit 1998 ist die Rheinmetall

Defence Electronics GmbH

(RDE/Bremen) an dem internationalen

Joint Venture Eurofighter Simulation

Systems GmbH (ESS) in München beteiligt,

um das weltweit größte und modernsteKampfflugzeug-Schulungspro-

Die ATAG in Neckarsulm nutzt modernes System zur Betriebsdatenerfassung

Motorblöcke jetzt mit

„gläsernem“ Lebenslauf

Neckarsulm. Die KS Aluminium-Technologie AG (ATAG) beschreitet neue Wege zur

ganzheitlichen Datenerfassung im Qualitäts- und Logistikmanagement und nutzt jetzt

ein innovatives EDV-System, das die Betriebsdaten zu einem transparenten Qualitätsmerkmal

werden lässt. Von diesem neuen Betriebsdaten-Erfassungssystem (BDE) profitiert

das Neckarsulmer Unternehmen im betriebswirtschaftlichen Sinn durch den Gewinn

an Schnelligkeit und Reaktionsvermögen – zwei Faktoren, die sich positiv auf die

Fertigungssteuerung auswirken. Hinzu kommen eine effiziente Lagerhaltung, die Kapitalbindung

vermeidet, und eine Dokumentation, die zuverlässig wichtige Daten zur

Analyse für eine laufende Produktionsoptimierung festhält und gleichzeitig an wichtige

Stellen weiterleitet. Diese Analysen tragen zu stetigen Qualitätsverbesserungen bei.

uch die ATAG-Partner in

der Automobilindustrie

profitieren unmittelbar

von der Neuerung: Die

Kunden haben jetzt die

Möglichkeit, ein Protokoll

über jeden Motorblock zu

erhalten, dessen Weg durch die Fertigung

nachträglich im Detail nachvollzogen

werden kann. Dies ist für die Fahrzeughersteller

für Diagnosen, die den gesamten

Motor betreffen, von Vorteil. Außerdem

können Liefervorhersagen termingenau

bestimmt werden – dank einer nunmehr

möglichen, exakten Standort-Bestimmung

für jeden Motorblock, der sich

in der Fertigung befindet. Auch lassen

sich unter Umständen notwendige Produktmodifizierungen

durch eventuelle

Nacharbeiten unverzüglich durchführen.

Mit dem hochmodernen BDE-System

istesjetztmöglich, jeden einzelnen

Motorblock von der Gießzelle an zu registrieren

und seine Daten in jedem

Stadium der Be- und Verarbeitung – also

von der so genannten Teilegeburt

bis zum Online-Versand an den Kunden

– zu erfassen. Die Daten stehen unmittelbar

für elektronische Auswertungen

und Analysen zur Verfügung; nachfolgend

unter Umständen notwendige

Schritte zur Qualitätsverbesserung

können mithin sofort eingeleitet werden.

Weiterhin kann jederzeit eine

Standort-Bestimmung des Produktes

erfolgen, was unter anderem eine genaue

Liefertermin-Zusage gewährleistet.

Von jedem der im Moment bei der

ATAG bereits per BDE täglich erfassten

rund 5000 Motorblöcken entsteht also

ein detaillierter Lebenslauf, der dem

Unternehmen und den Kunden die bereits

genannten Vorteile bietet.

IT-Manager Rainer Schmidt, der das

BDE-Projekt bei der ATAG verantwortlich

betreut, erläutert: „Das Konzept ist

ein großer Schritt in Richtung ‚gläserne

Produktion‘. Messwerte und wichtige

Daten aus der Prozesskette der gesamten

Fertigung können dank des hochmodernen

und technisch überaus anspruchsvollen

Systems nun an jeder

Station registriert werden. So können

wir über jeden Motorblock eine lückenlose

Dokumentation erstellen. Wobei

die Systemtechnik einfach zu bedienen

ist: Der Input – zum Beispiel per Fingerdruck

auf Touch-Terminals – kann von

den Mitarbeitern in der Produktion bereits

nach kurzer Schulung direkt am

Arbeitsplatz vorgenommen werden, erfolgt

also zeitnah und mit wenig Aufwand“,

ergänzt der EDV-Spezialist in

Sachen Fertigungssteuerung.

Gerade diese Eingabe vor Ort macht

BDE so interessant, weil effizient: „Unser

System ist ein so genanntes ‚Shop

Floor Control‘-Konzept (sinngemäß

übersetzt: in den Betrieben, Werkstätten).

Dieses konzentriert sich auf die

Dateneingabe vor Ort, also direkt dort,

wo diese Informationen entstehen. Jeder

Mitarbeiter übernimmt zusätzlich

zur Verantwortung für die Qualität der

Motorblöcke jetzt auch Verantwortung

für die Datenqualität. Für diese Neuerung

wurden bei der ATAG umfangreiche

Investitionen in Sachanlagen und

Know-how getätigt, darunter u.a. neue

BDE-Terminals in der Produktion,

Scanner und bedienerlose Kameras

sowie spezielle Schulungen für die

Mitarbeiter.“

Das BDE-System ist im Übrigen Teil

des neuen TPM-Konzepts. TPM (Total

Productive Management) hat zum Ziel,

die Produktionsprozesse durch konkrete

Maßnahmen und Projekte zu verbessern

und dadurch die Wirtschaftlichkeit

des Unternehmens zu erhöhen. Ein

wesentlicher Punkt dabei ist, die Mitarbeiter

bei Problemlösungen mit einzubeziehen.

Das BDE-System wurde in den vergangenen

Monaten individuell auf die

Fertigungssteuerung und die Produktionsabläufe

des Neckarsulmer Spezialisten

für Zylinderkurbelgehäuse abgestimmt.

Zunächst war es notwendig, eine

geeignete Form zur Anbringung eines

Codes am Motorblock zu finden,

um diesen fortan registrieren zu kön-

nen. Rainer Schmidt: „Die Kennzeichnung,

die jeden Motorblock gewissermaßen

als Individuum darstellt, muss

resistent sein gegen hohe Temperaturen,

Bearbeitungsvorgänge jeder Art

(z.B. Fräsen und Sägen) sowie Feuchtigkeit

und Röntgenstrahlung“, erklärt

der 48-jährige Softwarespezialist.

„Deshalb“, so Schmidt weiter, „haben

wir den maschinenlesbaren ‚Data-

Matrix-Code‘ verwendet. Dabei wird

mechanisch eine Nadelprägung in

Form von Punkten eingeschossen, die

mit einem Barcode vergleichbar ist; die

Kennzeichnung wird zusätzlich auch in

lesbaren Zahlen (Klarschrift) dargestellt.

Diese Nadelung erfolgt sofort

nach dem Guss, also noch in der Gießzelle,

damit jeder Motorblock von Anfang

an intern registriert werden kann.

Hier muss der Code bei über 250 Grad

Celsius gleich seine erste ‚Feuerprobe‘

bestehen. Auch der Anforderung, von

Scannern und Kameras vollautomatisch

eingelesen werden zu können,

wird der Data-Matrix-Code gerecht.“

Für die lückenlose Verfolgung des Produktes

in der gesamten Prozesskette

sorgen hochwertige, der vergleichsweise

„rauen“ Umgebung angepasste Industriecomputer,

die als BDE-Terminals

installiert sind; hinzu kommen bedienerlose

Kameras.

In der Vergangenheit wurden Dokumentationen

handschriftlich von den

Mitarbeitern in der Produktion vorgenommen,

was zur Folge hatte, dass die

Übermittlungswege relativ lang waren

und sich durch die Übertragungen

eventuell auch Fehler einschlichen.

Schmidt skizziert den betriebswirtschaftlichen

Nutzen des neuen Systems:

„Früher mussten zum Beispiel im

Bereich der Bestandsaufnahme lange

Zahlenkolonnen zeitintensiv ausgewertet

werden. Der Clou beim neuen BDE-

Konzept: Man erkennt auf einen Blick,

wo etwas unter Umständen aus dem

Ruder läuft, um rechtzeitig gegensteuern

zu können. Das ist möglich, da die

Daten online erfasst und unverzüglich

ausgewertet werden. Dieses neue Konzept,

eine hochwertige IT-Technik direkt

– und damit zeitnah bzw. zeitsparend

– in der unmittelbaren Umgebung

der Produktion zu integrieren, haben

gramm unter Einsatz von Ausbildungssimulatoren

für zukünftige Eurofighter-Piloten

zu entwickeln. Die gesamte Ausbildung

– also auch für Teams aus anderen

Ländern – erstreckt sich über den

Zeitraum Mai 2004 bis Februar 2007.

Im Rahmen des ASTA-Programms (Aircrew

Synthetic Training Aids) führt die Eurofighter

Simulation Systems GmbH

(ESS) – ein Joint Venture, zu dem auch

Rheinmetall Defence Electronics gehört –

derzeit den Bau von Eurofighter-Flugsimulatoren

für die Konsortiumsstandorte

Laage (Deutschland), Coningsby (Großbritannien),

Grosseto (Italien) und Moron

(Spanien) durch. Der Auftrag umfasst,

wie berichtet, sechs „Full Mission“-Simulatoren

für das Training komplexer Szenarien

(z.B. Bedrohung durch Boden-Luft-

Lenkwaffen oder elektronische Kriegsführung)

sowie fünf Cockpit-Verfahrens-

wir erfolgreich umgesetzt“, ergänzt der

EDV-Fachmann.

Die Installation der neuen BDE-Terminals

und der bedienerlosen Kameras

erforderte viel Umsicht. Hier arbeitete

Rainer Schmidt Hand in Hand mit Thomas

Klein, der für die technische Umsetzung

des Systems im Betrieb zuständig

ist. Nachdem die Geräte installiert

wurden, sorgt Klein jetzt dafür,

dass sie in der bereits erwähnten „rauen

Umgebung“ stets funktionstüchtig

sind und gleichzeitig der Fertigungsablauf

nicht behindert wird.

Vor genau diesem Hintergrund waren

anfangs auch spezielle Problemlösungen

gefragt. Der 47-jährige Klein erin-

Die KS Aluminium-Technologie AG in Neckarsulm beschreitet neue Wege zur ganzheitlichen Datenerfassung im Qualitäts- und

Logistikmanagement: Sie nutzt, so der projektverantwortliche IT-Manager Rainer Schmidt, jetzt ein innovatives EDV-System,

das die Betriebsdaten zu einem transparenten Qualitätsmerkmal werden lässt – samt „gläsernem“ Lebenslauf für Motorblöcke.

nert sich: „Die Hardware musste an jeder

Fertigungsstation den verschiedensten

Kriterien angepasst werden.

Das betrifft beispielsweise die hohen

Temperaturen nach dem Guss oder den

Wärmebehandlungen (bis zu 500 Grad

Celsius), den beim Sägen bzw. Fräsen

entstehenden Feinstaub oder die auftretenden

Vibrationen der Maschinen.

Da der Data-Matrix-Code nur optisch zu

erfassen ist, wurden bedienerlose Kameras

installiert, die den Code während

der Bearbeitung abfotografieren,

um eine Identifizierung möglich zu machen.

Eine spezielle Software verwertet

dieses Bild und gibt die Daten online

weiter. Die Kamera muss dort ange-

trainer, mit denen Cockpit-Bedienung,

Notfallprozeduren sowie Szenarien mit

reduzierter Komplexitätgeübt werden.

Innerhalb der ESS-Arbeitsgemeinschaft

ist RDE verantwortlich für die Entwicklung

und Lieferung des „Training

Management Information Systems“

(TMIS), die Integration und Produktion

des „Data Base Generator“-Systems,

die Entwicklung und Integration der

deutschen Datenbasis, den Aufbau der

deutschen Simulatoren in Laage sowie

den „Integrated Logistics Support“

(ILS) für die Arbeitspakete. Das Arbeitspaket

ILS umfasst alle logistischen Leistungen

im Programm EF ASTA – von den

logistischen Vorgaben für die Entwicklung

und Produktion über die Beschaffung

und Ausbildung des Industrie- und

Kundenpersonals bis zum Betrieb der

Simulatoren in der Nutzungsphase.

Identifiziert: Mittels Handkamera erfasst ATAG-Mitarbeiter Albert Grötzinger den

„Data-Matrix-Code“ auf dem Motorblock. Dabei wird die jeweilige Identnummer des

Zylinderkurbelgehäuses an das im Hintergrund sichtbare BDE-Terminal übertragen.

bracht sein, wo der Code gut lesbar ist;

gleichzeitig darf sie Maschine und

Werkzeuge nicht behindern. Die vollautomatische

Kamera ist sehr robust –

sie hat ein speziell auf die Umgebung

abgestimmtes Gehäuse.“ Nach dem

Abfotografieren durch die Kamera gibt

der verantwortliche Mitarbeiter die

Daten über das BDE-Terminal ein.

Die Motorblock-Produktion profitiert

in mehrfacher Hinsicht von dem neuen

BDE-Konzept: Lunker und Porositäten

werden unverzüglich registriert, Nacharbeiten

sind sofort einplanbar; hinzu

kommt die optimale Terminsteuerung.

Für nachfolgende Schichten werden

die wichtigsten Daten gefiltert und weitergegeben.

Die Filterung der Daten – das nächste

Stichwort für Computer-Fachmann

Schmidt: „Die mit unserem BDE-System

mögliche Erfassung bringt natürlich

eine Flut von Daten mit sich, die

gefiltert werden muss, damit die wirklich

wichtigen Signale und Informationen

nicht übersehen werden. Wir haben

deshalb ein Ampel-System eingerichtet,

das auf ‚Rot‘ schaltet, wenn sofortige

Reaktion gefragt ist. Dies kann

Toleranzgrenzen sowie deren Überoder

Unterschreitung, aber auch die

Bestandsentwicklung betreffen. Hier

schaltet die Ampel zum Bespiel auf

Rot, wenn der Mindestbestand erreicht

ist. Nutznießer ist dabei die Logistik:

Die Bestandsanhäufung und eine damit

verbundene Kapitalbindung werden

vermieden. In der maximalen Ausbaustufe,

die wir im Moment anstreben,

könnten über diese Ampelmechanismen

Informationen, die zu sofortigem

Handeln Anlass geben, zusätzlich

zu der online-Information am Computer

etwa auch an ein Handy übermittelt

werden, so dass die verantwortlichen

Mitarbeiter immer und überall aktuell

informiert sind.“

Die zeitnahe Überwachung der Bestände

sowie die im Bedarfsfall möglichen,

gezielten Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung

durch das neue BDE-

System sind wesentliche Meilensteine

auf dem Weg zu einem ganzheitlichen

Qualitäts- und Logistikmanagement.

Die ATAG nutzt das hochmoderne System

der Datenerfassung und -bewertung

und avanciert auch auf diesem

betrieblichen Feld einmal mehr zum innovativen

Partner für die Kunden aus

der Automobilindustrie. Karin Brück

Fotos (2): Thomas Klink


Das Profil 1/2006 Aus dem Konzern

Seite 7

Das Niveau der Berufsausbildung am Rheinmetall-Standort Unterlüß ist hoch: So durchlaufen derzeit insgesamt 53 junge Menschen eine berufliche Ausbildung – mit Schwerpunkt in den metallbearbeitenden Berufen.

Bundesagentur für Arbeit zertifiziert Nachwuchsförderung in Unterlüß

Berufsausbildung auf hohem Niveau

rds Celle/Unterlüß. Auszeichnung

durch Zertifizierung: Die Agentur für Arbeit

Celle, eine regionale Dependance

der in Nürnberg beheimateten Bundesagentur

für Arbeit, hat jetzt der Firma

Rheinmetall in Unterlüß das offizielle

Zertifikat für Nachwuchsförderung verliehen.

Damit loben die Celler Arbeitsvermittler

das „herausragende Engagement“

der beiden am Standort ansässigen

Firmen Rheinmetall Waffe Munition

GmbH (RWM) und Rheinmetall

Landsysteme GmbH (RLS) auf diesem

Sektor.

In der Tat: Das Niveau der Berufsausbildung

am Rheinmetall-Standort Unterlüß,

an dem knapp 960 Mitarbeiter be-

schäftigt sind, ist nach wie vor vergleichsweise

hoch. So durchlaufen derzeit

insgesamt 53 junge Menschen eine

berufliche Ausbildung. Der Schwerpunkt

liegt mit 33 Industriemechanikern (Maschinen-

und Anlagenbau), 21 Zerspanungsmechanikern

(Dreh- bzw. Fräsmaschinensysteme)

und zwei Konstruktionsmechanikern

(Schweißtechnik) eindeutig

in den metallbearbeitenden Berufen;

hinzu kommen drei angehende

Industriekaufleute. Die Ausbildung

selbst wird unter der Federführung der

RWM (43 Auszubildende) gemeinsam

mit der RLS (zehn Azubis) getragen.

Nach Auffassung von RWM-Personalchef

Werner Wegat unterstreicht das

Zertifikat der Agentur für Arbeit einmal

mehr das anerkannt gute Image und

den hohen Standard der Ausbildung

am Rheinmetall-Firmenstandort in der

niedersächsischen Südheide: „Die Zertifizierung

durch die Bundesagentur für

Arbeit bzw. ihre Celler Dienststelle bestätigt,

dass wir ein anerkannter Ausbildungsbetrieb

sind, der im Rahmen

der Nachwuchsförderung zudem eine

wichtige regionale Funktion erfüllt.“

Diese Bewertung Wegats, der der

Agentur für Arbeit in Celle im Übrigen

eine „seit vielen Jahren vorbildliche Zusammenarbeit“

attestiert (z.B. bei der

Freuen sich über die offizielle Zertifizierung: Werner Wegat (l.) und Jörg Wagener.

Besetzung offener Stellen oder der gezielten

Azubi-Suche), wird allein schon

durch den Blick in die Statistik untermauert:

Im Bereich der Industrie- und

Handelskammer Celle (IHK) – dort bilden

derzeit 41 Unternehmen 328 Auszubildende

in metallbearbeitenden Berufen

aus – nimmt die Rheinmetall

Waffe Munition GmbH den zweiten

Rang ein nach der Standortverwaltung

der Bundeswehr in Faßberg.

Auf exakt diesen Aspekt weist auch

Hans-Jürgen Genz, Chef der Celler Arbeitsagentur,

hin: „Die Zahl der Ausbildungsplätze

bei Rheinmetall liegt erfreulicher-

weise auf gleich bleibend hohem Niveau

– also entgegen dem bundesweiten

Trend rückläufig gemeldeter Stellen.“

Genz, der ausdrücklich das bei Rheinmetall

offerierte, breit angelegte Spektrum

anerkannter Ausbildungsberufe erwähnte,

weiter: „Hervorzuheben ist darüber

hinaus die gute Zusammenarbeit mit unseren

Beratungsfachkräften: So konnten

zum Beispiel gute Hauptschüler vorgeschlagen

werden, die vom Unternehmen

berücksichtigt wurden.“

Dass das firmenspezifische Ausbildungsspektrum

von Rheinmetall in Unterlüß

auch inhaltlich Vorbildcharakter

in der vergleichsweise strukturschwachen

Region hat, zeigt seine teilweise

Nutzung durch externe Unternehmen.

Jörg Wagener, Abteilungsleiter Personal

bei der RWM: „Ergänzend zu unseren

jungen Leuten betreuen wir zeitweise

auch Azubis von Fremdfirmen, die

die Ausbildungsinhalte selbst nicht in

vollem Umfang vermitteln können. In

erster Linie werden dabei Grundfertigkeiten

der Metallbearbeitung (z.B.

thermisches Trennen und Fügen, Blechbearbeitung)

und der mechanischen

Bearbeitung vermittelt.“ Ein weiteres

Schwerpunktthema für die Gast-Azubis

sind die Vorbereitungen auf die Abschlussprüfungen.

Zum Schluss noch einmal etwas Statistik:

Die berufliche Erstausbildung

am Standort Unterlüß startete am 1.

August 1983; seither haben insgesamt

266 Auszubildende ihre Abschlussprüfung

erfolgreich abgeschlossen. Dabei

lag das durchschnittliche Prüfungsergebnis

bei einer Note von 2,15 – und

damit deutlich über dem Notendurchschnitt

im IHK-Bezirk Celle.

Modernste ABC-Aufklärungstechnik von Rheinmetall Defence übergeben

Sechs Spürfüchse für die Niederlande

oho Kassel/Kiel. Sechs hochmoderne

ABC-Aufklärungsfahrzeuge des

Typs Spürfuchs sind kürzlich von der

Rheinmetall Landsysteme GmbH

(RLS/Kiel) an die niederländischen

Streitkräfte ausgeliefert worden. Verteidigungs-Staatssekretär

Cees van

der Knaap nahm am 25. Januar 2006

den symbolischen Schlüssel bei der

Übergabe im Kasseler RLS-Werk in

Empfang, um die Fahrzeuge anschließend

an die ABC-Aufklärungskompanie

der Königlichen Streitkräfte der

Niederlande auszuhändigen.

Mit den neuen Fuchs-Fahrzeugen,

die Ende 2003 geordert wurden, verfü-

gen die niederländischen ABC-Aufklärungseinheiten

nun über das modernste

in Nutzung befindliche ABC-

Aufklärungssystem weltweit.

Bewährt hat sich die ABC-Spür-Variante

des in insgesamt über 1200

Exemplaren gebauten Fuchs-Fahrzeugs

in vielen Krisengebieten der Erde.

Von über 260 bislang gebauten

Spürfüchsen sind 123 bei den US-

Streitkräften in Gebrauch; weitere Systeme

sind u. a. in Deutschland, Norwegen,

Großbritannien und in Saudi-

Arabien in Nutzung. Hinzu kommen

künftig 32 weitere Systeme für die Vereinigten

Arabischen Emirate, die – wie

berichtet („Das Profil“ 1/2005) – im

März 2005 unter Vertrag genommen

wurden und bis Ende 2010 ausgeliefert

werden. Diese Spürpanzer werden

erstmals die Fähigkeit zum umfassenden

Nachweis von biologischen

Kampf- und Gefahrstoffen besitzen.

Der ABC-Spürfuchs ist ein geschütztes,

hochmobiles Transportfahrzeug

mit umfangreicher Geräteausstattung.

Dank seines hoch integrierten Sensorund

Analysesystems kann er vielfältige

Gefährdungen nuklearer und chemischer

Art erkennen, um rechtzeitig

wirksame Schutz- und Gegenmaßnahmen

zu ermöglichen.

Bewährt hat sich die ABC-Spür-Variante des in über 1200 Exemplaren gebauten Fuchs-Fahrzeugs in vielen Krisengebieten.

Ausbildungsalltag am Rheinmetall-Standort im niedersächsischen Unterlüß: Günter

Hackländer (r.), Gruppenleiter Ausbildung, und Alexander Rabe, Industriemechaniker

im 1. Lehrjahr, beim Programmieren einer CNC-Fräsmaschine. Daneben

trainiert Rabes Azubi-Kollege Christopher Klenner an einer Ständerbohrmaschine.

Nürnberg/Unterlüß. „Wir bringen

den Ball ins Rollen. Wir bilden aus!“

Dieser Slogan schmückt das offizielle

Zertifikat der Bundesagentur für Arbeit,

mit dem kürzlich die beiden Rheinmetall-Firmen

RWM und RLS in Unterlüß

ausgezeichnet wurden. Die Zertifizierung,

die Bestandteil der Ausbildungskampagne

2005 der Nürnberger Behörde

ist, wird an Betriebe verliehen, die

sich in besonderem Maße für die Ausbildung

von Jugendlichen eingesetzt

haben. Die ausgezeichneten Firmen

haben zusätzliche Lehrstellen zur Verfügung

gestellt und somit weiteren Jugendlichen

die Chance auf eine qualifizierte

Berufsausbildung ermöglicht.

Die Kampagne nutzt gezielt Motive

aus dem Bundesliga-Alltag, um auf

Probleme auf dem Ausbildungsmarkt

aufmerksam zu machen und Auszubildende

sowie Arbeitgeber zu infor-

Die Mannschaft kann sämtliche Aufgaben

vom Inneren des Fahrzeugs aus

durchführen und wird von einem speziellen

Belüftungssystem gegen ABC-

Kampfstoffe geschützt; die umfassende

Automatisierung der Messvorgänge

unterstützt sie bei der Bewältigung

ihrer Aufgaben selbst unter Stress.

Für die Bundeswehr hat Rheinmetall

Landsysteme zusätzlich ein mobiles

ABC-Feldlabor entwickelt, das schnell

per Lastkraftwagen, Zug, Schiff oder im

Lufttransport zum Einsatz gebracht werden

kann. Dieses ABC-Feldlabor hat

Fußball pro

Ausbildung

mieren. Der Deutsche Fußballbund

und zahlreiche Bundesligavereine –

darunter der FC Bayern München,

Werder Bremen, Hamburger SV, Hertha

BSC Berlin und Borussia Mönchengladbach

– unterstützen die

bundesweit ausgerichtete Aktion.

Das Spektrum der Ausbildungsberufe

bei Rheinmetall in Unterlüß ist

breit angelegt: Es umfasst vier anerkannte

Ausbildungsberufe (Industrie-,

Zerspanungs- und Konstruktionsmechaniker

sowie Industriekaufmann)

und wird unter der Federführung

der Rheinmetall Waffe Munition

GmbH getragen. rds

Verteidigungs-Staatssekretär Cees van der Knaap (l.) nimmt im Kasseler Werk der

RLS den symbolischen Schlüssel von Geschäftsführer Klaus Sander in Empfang.

sich auch in zahlreichen Einsätzen im

In- und Ausland als sehr effizientes

Werkzeug zur Identifikation von Kampfund

Schadstoffen aller Art erwiesen. Ein

weiteres System wird derzeit in die

schwedischen Streitkräfte eingeführt.

Im Bereich des Zivilschutzes hat

Rheinmetall Landsysteme bislang

372 ABC-Erkundungsfahrzeuge an die

deutschen Feuerwehren ausgeliefert.

Sie leisten dort einen wirksamen Beitrag

dazu, auch im zivilen Umfeld auf

entsprechende Gefahrenfälle bestmöglich

vorbereitet zu sein.

Foto: Annette Kaduhr

Fotos (8): Katja Knöfel


Seite 8 Wirtschaft/Messen/Märkte

Das Profil 1/2006

Dr. Daniel Berger zum Defence-Markt Spanien:

Auch in Zukunft aus den

Chancen Erfolge machen

Zürich/Kiel. Spaniens Streitkräfte befinden sich im Umbruch: Ein langfristiges, umfangreiches

Neubeschaffungs- und Modernisierungsprogramm bis 2018 mit einem Volumen

von rund 25 Milliarden Euro soll die neue Berufsarmee besser ausstatten und fit

machen für ihre verstärkten internationalen Verpflichtungen. Rheinmetall Defence genießt

in Spanien seit Jahren einen exzellenten Ruf als kompetenter Anbieter umfassender

Systemlösungen im Bereich Heerestechnologie und kann auf eine breite Basis eingeführter

Produkte blicken. Kein Grund, sich auszuruhen, meint Dr. Daniel Berger (56),

Vizepräsident Verkauf für Europa und Nordamerika bei der Oerlikon Contraves AG in Zürich

und Leiter des für Spanien zuständigen Länderteams des Rheinmetall-Unternehmensbereiches

Defence. „Das Profil“ sprach mit dem 56-jährigen Wehrtechnikexperten.

Profil: Welche Bedeutung hat der

Markt Spanien heute für Rheinmetall

Defence?

Berger: Spanien ist zunächst einmal

ein gutes Beispiel für einen Rüstungsmarkt,

der weniger für ein gewaltiges

Volumen steht – dafür aber für Kontinuität.

Solche Märkte zu vernachlässigen,

wäre sträflich, denn sie bilden – in

ihrer Gesamtheit und über die Zeitachse

betrachtet – das solide Rückgrat unseres

Geschäfts. Darüber hinaus bin

ich mir gemeinsam mit meinen Kollegen

im Länderteam sicher, dass für

Rheinmetall Defence mehr Potenzial im

Markt Spanien steckt. Dieses Potenzial

zu erschließen und maximal auszuschöpfen,

ist unser Ziel.

Profil: Und in welchen Bereichen sehen

Sie dieses Potenzial?

Berger: Wir haben den Markt Spanien

im engen Dialog mit der spanischen

Seite eingehend bewertet und im Zuge

dieser Analyse drei große Felder identifiziert,

in denen künftig Potenziale entstehen

können – oder bereits im Entstehen

sind: Das ist zum einen die Modernisierung

von bereits eingeführtem

Material, wie etwa des Flugabwehrsystems

Skyguard mit 35mm-Geschützen

oder des Kampfpanzers Leopard 2A4.

Zum anderen möchte ich die Bereiche

Internationale Kriseneinsätze und Public

Security nennen. Diese Potenziale

sind aufgrund konkreter und zum Teil

schmerzlicher Erfahrungen der Spanier

in der jüngsten Vergangenheit entstanden,

Stichworte sind hier der Irak-Einsatz

und das Attentat in Madrid. Wir sehen

Anzeichen dafür, dass sich dieser

Prozess verstärkt in der Beschaffungsplanung

widerspiegeln wird, und haben

uns entsprechend aufgestellt.

Profil: Auf welche Rheinmetall-Produkte

richtet sich dabei konkret das

spanische Interesse?

Berger: Wir haben im vergangenen

Herbst in Madrid aus gutem Grund ein

spanisch-deutsches Symposium zum

Thema „Ausrüstung für internationale

Kriseneinsätze“ veranstaltet, zu dem

wir mehr als 60 überwiegend hochrangige

Entscheidungsträger aus Militär,

Industrie und Ministerium begrüßen

konnten. Offenbar hatten wir mit unserem

Thema genau den Nerv getroffen.

Dabei zeigte die spanische Armee besonderes

Interesse an unseren Fähigkeiten,

eine Gesamtlösung für den

Schutz von im Auslandseinsatz befindlichen

Kontingenten anzubieten. Das

Stichwort heißt hier Feldlagerschutz:

Das Flugabwehrsystem Skyshield zum

Schutz gegen Kleinstziele wie Raketen,

he/rds Neckarsulm. Umfangreiche

Baumaßnahmen am Standort Neckarsulm:

Die KS Aluminium-Technologie

AG (ATAG) erweitert ihren Bereich Fertigbearbeitung

um eine zusätzliche

Produktionshalle und schafft damit

100 neue Arbeitsplätze. Dabei setzt

die ATAG den bereits vor Jahren mit

der Fertigbearbeitung der 8-Zylinder-

Motorblöcke für den Porsche Cayenne

eingeschlagenen Kurs der Erweiterung

ihrer Kernkompetenz konsequent

fort.

Vor fünf Jahren hatten die Neckarsulmer

Aluminium-Gussspezialisten ein

vollkommen neues Geschäftsfeld eröffnet

und seither ihre Kompetenz in

der mechanischen Fertigbearbeitung

von Motorblöcken unter Beweis gestellt.

Ziel der jetzigen ATAG-Investition

ist es deshalb, dieses neue Kompe-

Artillerie- oder Mörsergeschosse eignet

sich hervorragend zur Deckung eines

entsprechenden spanischen Bedarfs,

der im Irak-Einsatz festgestellt wurde.

Stark interessiert waren die Spanier

auch an unseren leichten gepanzerten

und lufttransportfähigen 4x4 Radfahrzeugen

Serval, Gavial und Caracal sowie

an dem fahrzeuggestützten mobilen

Flugabwehrsystem Skyranger mit

dem 35mm Ahead-Turm. Aber auch Produkte,

die besonders auf das Gefecht in

bebautem Gebiet zugeschnitten sind –

etwa elektronische Systeme zur Freund-

Feind-Erkennung oder so genannte

nicht-letale Wirkmittel wie Tränengas

oder Sound-/Flash-Granaten – fanden

erheblichen Zuspruch. Aber das sind

nur einige Beispiele. Im spanischen

Markt ist im Moment vieles in Bewegung,

und das Interesse an unseren

Systemen ist insgesamt sehr groß.

Profil: Und warum soll der spanische

Kunde sich für Lösungen aus dem Hause

Rheinmetall Defence entscheiden?

Nutzerspezifische Produkte mit einer

ordentlichen Performance können

schließlich auch andere bieten.

Berger: Darüber sind wir uns völlig im

Klaren; der Markt wartet nicht auf uns.

Völlig im Klaren sind wir uns aber auch

über eine unserer Stärken, die uns

maßgeblich von den anderen abhebt,

und die ich mit dem Begriff „System of

Systems“ beschreiben möchte: Als führender

europäischer Anbieter von Heerestechnik

haben wir ja ein breites Portfolio

an Plattformen und Komponenten.

Die sind als Einzellösungen, aber eben

auch als vernetzte Systemlösungen aus

einer Hand verfügbar und bieten im

Zeitalter von gestiegenen militärischen

Forderungen an Vernetzung und Interoperabilität

einen entscheidend höheren

Kundennutzen – und für uns einen

Wettbewerbsvorteil. Diese Fähigkeit zur

Integration von Komponenten zu vernetzten

Gesamtlösungen macht uns zu

einem starken Partner der spanischen

Streit- und Sicherheitskräfte. In der Art

und Weise, wie wir uns im Markt darstellen,

legen wir großen Wert darauf,

diesen Gesamtsystemanspruch deutlich

herauszustellen. Und wir registrieren

erfreut, dass dieser Ansatz auch

vom spanischen Kunden als richtig anerkannt

wird.

Profil: Was tut Rheinmetall Defence,

um im Markt zum Erfolg zu kommen?

Berger: Ich könnte Ihnen jetzt das

ganze Instrumentarium der Marktbearbeitung

von Kundengesprächen über

Präsentationen und Vorführungen bis

hin zu Kongressen aufzählen. Das ist

unser Handwerkszeug, und wir beherr-

tenzfeld als Komplettanbieter für Guss

und Bearbeitung auf weitere Hersteller

und Motorenmodelle auszudehnen.

Mit einem Investitionsvolumen im

deutlich zweistelligen Millionenbereich

wird die ATAG in der nächsten Zeit eine

160 Meter lange, zweistöckige Produktionshalle

mit einer Gesamt-Bruttoge-

schossfläche von über 16000 Quadratmetern

errichten. Dem Neubau, der das

Erscheinungsbild der ATAG prägen und

auch Sitz der Unternehmensführung

sein wird, weichen 9500 Quadratmeter

Bestandsgebäude, die noch aus der

ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts

stammen. So wird dem

Ein modernes System, das Potenzial im spanischen Wehrtechnikmarkt aufweist: das hochmobile Flugabwehrsystem Skyranger

von der Oerlikon Contraves AG – hier mit dem 35mm Ahead-Turm – auf einem gepanzerten Radfahrzeug vom Typ Piranha III 8x8.

schen es. Aber mir scheint ein Faktor

wichtiger zu sein, der – auch wenn er

fast banal klingt – für mich im Markt einer

der ersten Erfolgsfaktoren ist: Ohren

auf und zuhören. Das bedeutet,

dass wir gemeinsam mit dem Kunden

bereits im Vorfeld seinen Bedarf erfassen,

um dann im zielgerichteten Dialog

eine optimale Lösung zu erreichen.

Profil: Entscheidend ist auch …

Berger: … die professionelle Abwicklung

von Verträgen. Hierzu gehört auch

die präzise Erfüllung von Offset-Verpflichtungen,

eine Aufgabe übrigens,

die sich oft schwierig gestaltet, die aber

auch Chancen im Markt generieren

kann. Am Ende sollte eine Gesamtlö-

Dr. Daniel Berger: Gerade in Spanien

haben wir in den vergangenen Jahren

gezeigt, welche Aufträge man auch in

einem Land mit vergleichsweise kleinem

Verteidigungsbudget erlangen

kann. Daher sind wir optimistisch, dass

wir in Spanien auch in Zukunft aus unseren

Chancen Erfolge machen werden.

sung stehen, nicht bloß eine operationelle.

Dazu gehören Finanzierungsmöglichkeiten

und Kooperationen mit

der Industrie. Letztere haben in Spanien

oft einen erheblichen Umfang und beinhalten

Entwicklung, Produktion und

Marketing. Hier liegt ein wesentlicher

Schlüssel zum Markt. Kurz ausgedrückt:

Gerade in unserem hochsensiblen und

sicherheitsrelevanten wehrtechnischem

Markt braucht der Kunde keine

Schablonenlösungen von der Stange –

sondern maßgeschneiderte. Und dafür

stehen wir als Rheinmetall Defence.

Standort Neckarsulm auch optisch zu

einer deutlichen Verjüngung verholfen.

Horst Binnig, Vorstandsvorsitzender

der ATAG, unterstreicht deshalb auch

das „klare und positive Zeichen dieser

Investition für das Unternehmen und

den Standort Neckarsulm“: „Ich gehe

davon aus, dass wir schon in diesem

Frühjahr den 1000. Mitarbeiter einstellen

werden. In den zurückliegenden

fünf Jahren sind in diesem Geschäftsbereich

mehr als 300 zusätzliche Stellen

entstanden.“

Die Besetzung der jetzt neu entstehenden

Arbeitsplätze im Bereich Fertigbearbeitung

werde, so der ATAG-Chef

Foto: Peter Priebs

Profil: Nun bewegt sich das spanische

Verteidigungsbudget im Nato-Vergleich

eher im Mittelfeld der Skala.

Lohnt der Markt den Aufwand?

Berger: Klare Antwort: Ja. Und das sage

ich nicht im Eigeninteresse als Länderteamleiter

Spanien. Ich finde, dass

Spanien sich mit seinem Budget von

rund sieben Milliarden € nicht zu verstecken

braucht. Im Übrigen ist das

Verteidigungsbudget eines Landes für

mich zunächst einmal nur eine abstrakte

Größe und allenfalls ein Richtwert.

Wir haben uns im Länderteam Spanien

angewöhnt, vor allem unsere Chancen

im Markt zu sehen – und dann danach

zu handeln. Nach meiner Erfahrung

bringt diese Sichtweise einen gewaltigen

Schub in Richtung Erfolg.

Profil: Mit welchen Chancen?

Berger: Wenn ich von Chancen spreche,

meine ich natürlich die realistischen

– und keine Luftschlösser. Die

heißen im Englischen übrigens „Castles

in Spain“. Aber Spaß beiseite: Gerade

in Spanien haben wir doch in den

vergangenen Jahren gezeigt, welche

Aufträge man auch in einem Land mit

vergleichsweise kleinem Budget erlangen

kann. Ich denke etwa an den Bergepanzer

3 Büffel, das Flugabwehrsystem

Skydor mit 35mm-Geschützen oder

die 120mm Waffenanlage und die dazugehörige

Munition und Feuerleitanlage

für den Kampfpanzer Leopard 2,

um nur einige Beispiele zu nennen. Daher

sind wir optimistisch, dass wir in

Spanien auch in Zukunft aus unseren

Chancen Erfolge machen werden.

Profil: Welche Rolle spielt dabei das

Länderteam?

Berger: Eine sehr wichtige, wie ich

glaube. Und das gilt gewiss auch füralle

anderen Länderteams des Konzerns.

Sehen Sie, die Rheinmetall-Defence-

Firmengruppe mit ihren einzelnen Unternehmen

ist ja in gewisser Hinsicht

wie eine mehrköpfige Familie. Da ist

das Gremium Länderteam mit seinen

jeweiligen Marktexperten aus den einzelnen

Firmen eine ganz maßgebliche

Integrations- und Koordinierungsklammer.

Wir sind mit hoher Frequenz im

Markt präsent, wir erstellen eine regelmäßig

aktualisierte Marktbewertung,

wir koordinieren unsere Vertriebsaktivitäten

und stellen gemeinsame Vertriebsaktionen

auf die Beine, wir garantieren

einen effektiven Informations-

weiter, eine große Herausforderung für

den Personalbereich des Unternehmens

werden: „Diese Arbeitsplätze haben

ein hohes Anforderungsprofil und

müssen durch Qualifizierung heutiger

Mitarbeiter und externe Besetzung von

Facharbeitern realisiert werden. Insbesondere

die externe Besetzung gestal-

tet sich zunehmend schwieriger, denn

trotz vieler Arbeitsloser gibt es immer

weniger qualifizierte Facharbeiter.“

Darüber hinaus kommt der jüngsten

Investition am ATAG-Firmensitz in Neckarsulm

eine wichtige (markt)strategische

Bedeutung zu. Noch einmal Horst

Binnig: „Mit dem Neubauprojekt holen

austausch und erarbeiten eine zwischen

den Häusern abgestimmte Länderstrategie.

Profil: Soweit der funktionale Aspekt.

Berger: Richtig! Die andere – personelle

– Seite sind die handelnden Teammitglieder,

und das heißtfürunserLänderteam:

Versierte Vertriebs- und Marketingprofis

mit hoher Marktpräsenz,

die zum Teil seit vielen Jahren in Spanien

unterwegs sind, die über bewährte

Kontakte und Informationskanäle verfügen,

die überwiegend die Sprache des

Landes sprechen und die Mentalitätder

Menschen kennen. Das hat viel mit interkultureller

Kompetenz zu tun. Aber

auch mit Kontinuität: Unsere länderverantwortlichen

Teammitglieder sind seit

Jahren dabei, das muss auch so sein:

Ansprechpartner, die alle paar Monate

ausgewechselt werden, sind keine.

Auch erwähnen sollten wir, dass unsere

Vertreter im Lande voll in die Arbeit unseres

Länderteams eingebunden sind.

Im Grunde sind wir eine Art „Standing

Market Force“, für die der Markt absolut

im Mittelpunkt steht. Und das ist gut so,

denn Wertschöpfung entsteht ja letztlich

im Markt.

Profil: Zum Schluss mal der Blick

nach vorn: Wie schätzen Sie die Entwicklung

des Marktes Spanien in strategischer

Hinsicht ein?

Berger: Spanien spielt ja bereits seit

Jahren eine wichtige Rolle im Bereich

internationaler Einsätze im Rahmen

von Nato und EU sowie beim Aufbau einer

europäischen Beschaffungsbehörde.

Insgesamt gehe ich – bei aller angezeigten

Vorsicht bei Zukunftsprognosen

– davon aus, dass allein schon aufgrund

der geografischen Lage Spaniens

an der Südwestflanke Europas und

in direkter Nachbarschaft zu einer tendenziell

instabilen Region mit ihren militärischen

Unwägbarkeiten und ihren

Flüchtlingsströmen die geostrategische

Bedeutung Spaniens eher zunehmen

wird. Dies wird zweifelsohne langfristig

auch Auswirkungen auf die Verteidigungs-

und Sicherheitspolitik des Landes

und seinen Ausrüstungsbedarf haben.

Ferner glaube ich, dass die Rolle

Spaniens als Exportplattform für Drittmärkte,

ich denke speziell an Südamerika,

an Bedeutung gewinnen wird. Wir

als Rheinmetall Defence möchten unsere

Fähigkeiten auch weiterhin in diesen

Prozess einbringen. Peter Priebs

wir mittel- und langfristig zusätzliche

Wertschöpfung ins Haus und eröffnen

uns außerdem neue Märkte.“

Der Grundsteinlegung vorausgegangen

war – wie berichtet („Das Profil“

5/2005) – eine Erweiterung der Niederdruck-Gießerei

um eine Halle mit 2500

Quadratmetern Bruttogeschossfläche,

Guss und Bearbeitung bald unter einem Dach

die sieben neue Gießstellen erhalten

wird. Diesem bereits fertig gestellten

Komplex folgt jetzt das neue Bauprojekt

der Fertigbearbeitung, das nach

seiner Realisierung im Frühjahr 2007

mit 35 modernen Bearbeitungsmaschinen

für Aluminium-Zylinderkurbelgehäuse

einsatzbereit sein wird.

Foto: Angela Blattner


Das Profil 1/2006 Das aktuelle Thema

Seite 9

insätze „out of area“, Friedensmissionen,

Eingreiftruppen in Krisengebieten:

Mit der Zunahme der Operationen

im Ausland stehen die Streitkräfte

des 21. Jahrhunderts vor neuen

Herausforderungen. Die Errichtung

von dauerhaften Feldlagern, Landeplätzen

und anderen Einsatzliegenschaften ist

eine zwingende Konsequenz. Solche stationären

Einrichtungen sind aufgrund ihrer Lage und ihres

Aufbaus bevorzugte Ziele für Anschläge terroristischer

Gruppierungen. Ähnliches gilt – und das

haben die Terroranschläge vom 11. September

2001, in Madrid und London sowie auf der Ferieninsel

Bali gezeigt – für öffentliche Einrichtungen

und Objekte: Auch sie sind unterschiedlichsten

Gefahren ausgesetzt. Das Spektrum der Bedrohungen

reicht dabei vom Beschuss mit Mörsergranaten,

einfachsten Boden-Boden-Raketen

und Panzerfäusten bis hin zu Scharfschützenund

Sprengstoff-Attentaten. Darüber hinaus

muss eine Reihe denkbarer Szenarien (z.B.

Sprengstoff-Attentate mit Kleinstflugzeugen

oder ABC-Angriffe) einkalkuliert werden.

Die Konsequenzen asymmetrischer Bedrohungen

sind nahezu täglich sichtbar, das hohe Gefährdungspotenzial

– etwa für Soldaten im Ein-

Gezielter Schutz

vor EMV-Strahlen

EMV-Schutz: Die elektromagnetische

Umgebung, in der elektronische

Geräte im militärischen Einsatz

ihre Funktion erfüllen müssen,

erfährt gegenwärtig einen

dramatischen Wandel. Neben dem

breiten Spektrum ungewollt emittierter

Felder entsteht eine neue

Bedrohung durch elektromagnetische

Waffensysteme.

Geschirmte Zelte und Hüllen der

Firma Autoflug GmbH & Co. (Rellingen)

werden aus patentierten Textilien

hergestellt, die eine verlässliche

Schirmwirkung gegen elektromagnetische

Felder in allen für den

militärischen Einsatz relevanten

Fällen bieten. Sie sind einfach anzuwenden

und behalten ihre ausgezeichneten

Eigenschaften unter

harten Einsatzbedingungen für

lange Zeit. Modernste Bauweisen

ermöglichen den Aufbau des Zeltes

durch eine einzelne Person.

Das Innenzelt wird aufgeblasen

und bietet sofortigen Schutz vor

elektromagnetischen Angriffen. Es

ist selbstverständlich in verschiedenen

Größen erhältlich und enthält

neben elektrisch leitenden

Klettverschlüssen auch geschirmte

Fenster zur Belüftung. Das mit Polyurethanbeschichtung

versehene

Material ist äußerst robust und

einfach zu reinigen.

Einsatz auch über

Netzwerk möglich

First: Innerhalb eines Flugabwehrsystems

dient der Infrarot-Aufklärungssensor

First (Fast Infrared

Search and Track) der Detektion

von Luftzielen (z.B. Hubschraubern,

Marschflugkörpern oder Drohnen).

Da First (Rheinmetall/Diehl) ein pas-

satz – liegt auf der Hand. Allen diesen Bedrohungen

ist gemeinsam, dass sie nicht kalkulierbar

und vorhersehbar sind. Daher ist es an der Zeit,

den Schutz von Einsatzliegenschaften umfassend

zu organisieren, rund um die Uhr verfügbar

zu machen und als Gesamtsystem zu gestalten.

Die Basis dafür ist die gezielte Verknüpfung der

Komponenten, mit denen mögliche Einwirkungen

von außen frühzeitig erkannt und wirkungsvoll

unterbunden oder bekämpft werden können. Auf

diese Weise lassen sich z.B. Feldlager so absi-

chern, wie es die Situation erfordert. Zum Schutz

der Menschen, die dort leben und arbeiten.

Als führendes europäisches Systemhaus für

Landstreitkräfte bietet Rheinmetall Defence mit

Protective Shield ein Konzept zum Schutz von

stationären Einsatzliegenschaften, das sich an

verschiedene Einsatzszenarien flexibel und modular

anpassen lässt. Basierend auf Führungs-,

Aufklärungs-, Überwachungs- und Wirksystemen

aus dem umfangreichen Technologie-Portfolio

des Düsseldorfer Wehrtechnik-Spezialisten und

seiner industriellen Partner ist die umfassende

Vernetzung aller Komponenten der wesentliche

Vorteil des Gesamtsystems. So können alle

erdenklichen Konfigurationen nach dem Baukastenprinzip

verfügbar gemacht, bereits vorhandene

Systeme eingebunden und Schnittstellen

zu den Führungs- und Einsatzsystemen anderer

Nationen geschaffen werden.

Vorteilhaft ist dabei der Komponentenansatz:

Protective Shield – es wird in den Varianten

„Konvoischutz“, „Schutz von Einrichtungen und

Objekten“ und „Schutz von Schiffen und Häfen“

angeboten – ist kein starres System. Je nach Lage

und Einsatz lassen sich verschiedene – auch

bereits vorhandene – Technologien zu einem individuellen

Schutzsystem vernetzen. Ebenfalls

können zukünftige technologische Lösungen in

das System integriert werden.

Hinzu kommt: Die Vernetzung aller Aufklärungs-

und Einsatzmittel untereinander ist beim

Schutz von Einsatzliegenschaften oberstes Gebot.

Dank der offenen Schnittstellen und der

hoch entwickelten Führungssysteme von Rheinmetall

Defence ist es möglich, nicht nur das Führungs-

und Einsatzsystem Protective Shield in einem

lokalen Netz zu betreiben, sondern dieses

Netz seinerseits in höhere Kommandostrukturen

einzubinden. Unter dem Aspekt des Network

Centric Warfare sind dabei noch ganz andere

Szenarien denkbar. So können zum Beispiel Einrichtungen

in Küstennähe die Radaraufklärung

ihrer Schiffe zur Luftraumüberwachung nutzen.

Was sich hinter Protective Shield – das Konzept

Protective Shield – modularer Schutz vor Bedrohungen

Schutzsystem für

BW-Einheitszelt

Colpro 300: Das Colpro-System

(Beth El/Israel) ist ein hochmodernes

Schutzsystem für das Einheitszelt

der Bundeswehr. Es integriert

eine ABC-Schutzhülle in das Zelt

und schützt es so vor biologischen

und chemischen Waffen. Zwei eingebaute

Filteranlagen (FA 230 und

150 N) sorgen für 460 bzw. 300 Kubikmeter

Frischluft bzw. gefilterter

Luft in der Stunde. Darüber hinaus

werden am Eingang des Zeltes eine

Luftschleuse sowie eine Klimaanlage

installiert. Die einzelnen Komponenten

sind schnell und einfach

montiert und nach Aufbau innerhalb

von Sekunden zuschaltbar.

Auch für den Dauerbetrieb ist die

Schutzhülle dank neuer Imprägnierung

des Kohlefilters gerüstet.

Selbst nach monatelangem so genannten

24/7-Einsatz – dabei arbeitet

das Colpro-300-System rund

um die Uhr – treten keine Alterungserscheinungen

des Filters

auf. Das Standardzelt der Bundeswehr

wird so nicht nur wirksam vor

ABC-Angriffen, sondern ebenso effektiv

vor TIC (Toxic Industrial Components)

geschützt. Auf Kundenwunsch

können weitere Filter verbaut

werden, um die Effizienz des

Klimasystems zu steigern. Bereits

heute hat sich das Colpro-System

bei vielen Nato-Einsätzen bewährt.

siver Sensor ist, lässt er sich von

gegnerischen Radaren nicht orten.

Das System besteht aus einem Sensorkopf,

einer Signalverarbeitungseinheit

und einem Bedien- und Anzeigegerät.

Trotz großer Reichweite

erzeugt das Gerät eine hervorragende

Auflösung. Alle Bilddaten werden

in der Signalverarbeitungseinheit

ausgewertet; dabei erkennt die Software

fliegende Ziele autonom. Handelt

es sich um Ziele des Bedrohungsspektrums,

werden automatisch

ein Alarm erzeugt und die Daten

in ein Netzwerk eingespeist. Als

Alarmierungssensor kann First auch

zum Schutz von zivilen Objekten genutzt

werden. Durch seine leichte

und kompakte Bauweise lässt sich

das System unkompliziert bewegen;

es kann so flexibel eingesetzt werden.

Zudem können mehrere First-

Systeme via Netzwerk zu einem Verbund

zusammengeschlossen werden.

wurde Ende September vergangenen Jahres erstmals

einer fachspezifischen Öffentlichkeit vorgestellt

und stieß dabei „aus dem Stand“ auf großes

Interesse („Das Profil“ 4/2005) – systemtechnisch

im Detail verbirgt, ist hier dargestellt.

Die mehr als 30 Einzelsysteme von Protective

Shield sind den übergeordneten Themenaspekten

„Nachrichtengewinnung + Aufklärung“, „Führungsfähigkeit“,

„Wirksamkeit im Einsatz“,

„Überlebensfähigkeit + Schutz“ und „Unterstützung

+ Durchhaltefähigkeit“ zugeordnet. dp

Einsätze „out of area“, Friedensmissionen, Eingreiftruppen in Krisengebieten: Mit der Zunahme der Operationen im Ausland

stehen die Streitkräfte des 21. Jahrhunderts vor neuen Herausforderungen. Zu deren Schutz im Einsatz haben Rheinmetall

Defence und seine industriellen Partner mit Protective Shield ein umfassendes, flexibel anpassbares Konzept entwickelt.

Kleinfluggerät mit

großer Leistung

KZO: Das Kleinfluggerät zur Zielortung

(KZO) der Rheinmetall Electronics

GmbH (Bremen) wurde zur

Entdeckung, Identifizierung und

genauen Lokalisierung von Zielen

entwickelt. Von dem unbemannten

Fluggerät werden alle Daten in

Echtzeit zur Bodenkontrollstation

übermittelt. Dort wird die KZO-Position

verfolgt und die vom leistungsstarken

Infrarotsensor erfassten

Bilder ausgewertet. So

können alle aktuellen Informatio-

nen unter Verwendung digitaler

Karten den entsprechenden geographischen

Orten zugewiesen

werden. Dies gilt auch für Geschwindigkeit

und Richtung der

beweglichen Ziele. Die Drohne ist

allwetterfähig und sowohl tagsüber

als auch nachts einsetzbar.

Alle ermittelten Daten können über

große Entfernungen oder in Netzwerken

weitergeleitet werden. KZO

ist hochmobil und weltweit einsetzbar.

BKA analysiert

die Alarmursache

BKA: Die Kameraeinheit BKA der

Firma Securiton (Schweiz) dient zur

Überwachung des Geländes und

zur Analyse der Alarmursache bei

Sensoralarmen. Die Kameraeinheit

erzeugt Videobilder bei Tag und

bei Nacht, unterstützt durch Weißlicht-

oder Infrarotscheinwerfer.

Die fernbedienbare BKA verfügt

über einen elektrischen Schwenk-

Neigekopf. Über den eingebauten,

107 Dezibel starken Lautsprecher

können erkannte und nicht auto-

risierte Personen angesprochen

werden. Die Kamera lässt sich mittels

des zugehörigen Teleskoparmes

variabel in der Höhe fixieren.

Um den Wirkungsbereich zu maximieren,

kann ein zusätzlicher

Scheinwerfer montiert werden, der

ein Sichtfeld von bis zu 50 Metern

Distanz ermöglicht. Der eingebaute

Blitzschutz schützt das System

sicher vor elektrischen Störungen.

Das Gerät erreicht eine horizontale

Auflösung von 480 TV-Linien.

Kälteresistenter

Luftraumscanner

MSP 500: Ursprünglich für die

Land- und Luftstreitkräfte entwickelt,

später dann von der Deutschen

Marine erfolgreich verwendet,

kommt die stabilisierte Multi-

Sensor-Plattform zukünftig als

elektrooptisches System MSP 500

bei den Luftstreitkräften der norwegischen

Armee zum Einsatz. Geringe

Wartungsanforderungen und

ein minimaler Trainingsaufwand

unterstreichen die Effektivität dieser

Plattform. Das mobile optroni-

sche Sensorsystem wird der Verteidigung

von wichtigen Einrichtungen

dienen und soll auch bei den

Krisenreaktionskräften genutzt

werden. Im Verbund mit einem Radarsystem

detektiert MSP 500 Höhe

und Entfernung von Luft- und

Bodenzielen bei Tag und Nacht

über große Distanzen. Die Übermittlung

der Sensordaten an die

Feuerleitzentrale erfolgt über ein

Lichtwellenkabel von bis zu einem

Kilometer Reichweite.

Composing: Thorsten Ohmes/RDE


Seite 10 Das aktuelle Thema

Das Profil 1/2006

Erkennung von

Freund und Feind

ZEFF: Dies ist ein Freund-Feind-

Erkennungssystem auf der Ebene

„Soldat zu Soldat“. Von dem an

der Handwaffe montierten Abfrager

wird – ausgelöst durch den

Soldaten – per Laserstrahl eine

verschlüsselte Abfrage an den Antworter

gesendet. Dieser prüft die

Anfrage auf Gültigkeit und sendet

über Funk die ebenfalls verschlüsselte

Antwort. Der Abfrager empfängt

und wertet diese Antwort

aus. Das Ergebnis wird auf einem

Display und/oder akustisch angezeigt.

Verschiedene Sicherungsmechanismen

– etwa die Verwendung

von PIN-Nummern (Persönliche

Identifizierungsnummer) mit

nur zeitlich begrenzter Gültigkeit –

verhindern bei Verlust der Geräte

eine Verwendung zum Nachteil eigener

Kräfte.

Herzstück des

Schutzschildes

Operationszentrale: Die Operationszentrale

ist das Herzstück von

Protective Shield. Sie besteht aus

den beiden Hauptkomponenten Führungssystem

C3I und Alarmmonitor.

An dem Alarmmonitor sind die Videosignale

aller Sensoren der zu schützenden

Einrichtung angeschlossen;

sie werden permanent aufgezeichnet.

Nebelwerfer für

die Täuschkörper

Mass: Das Mass-Werfersystem

(Multi-Ammuniton Softkillsystem)

von Rheinmetall für den Täuschkörpereinsatz

in allen relevanten

Wellenlängenbereichen dient

dem Schutz von Einrichtungen

und Anlagen gegen sensorgesteuerte

Waffensysteme. Mass feuert

32 identische Täuschkörper zeitversetzt

so ab, dass die gegnerische

Rakete vom eigentlichen Ziel

(z.B. einer militärischen Anlage)

schrittweise abgelenkt wird.

Biometrische

Zutrittskontrolle

FacePASS: FacePASS (Viisage/

Bochum) ist ein Produkt zur Identitätsüberprüfung,

das auf Gesichtserkennungs-Technologie

basiert.

Es führt 1:1-Vergleiche durch, um

sicherzustellen, dass eine Person,

die ein Ausweisdokument oder einen

ID-Token vorlegt, auch wirklich

der rechtmäßige Eigentümer ist.

Das System vergleicht das Live-

Bild einer Person in Echtzeit mit einem

gespeicherten Referenzbild,

um die Identität zu bestätigen und

damit verbundene Rechte zu gewähren.

Höchste Zuverlässigkeit,

Sicherheit und Effizienz sind dabei

stets gewährleistet. Im Bereich der

Zutrittskontrolle schützt FacePASS

Eingänge zu Regierungs- und Industriegebäuden

sowie Hochsicherheitsbereiche

in Flughäfen,

Banken oder Kernkraftwerken.

Alarme und die zugehörigen Videosignale

werden dem Bediener akustisch

und optisch gemeldet sowie zusammen

mit einer Wirkmittelempfehlung

angezeigt und dokumentiert. Über

das Führungssystem ist die Sicherheitszentrale

mit anderen Ebenen

(z.B. S2/G2, der Wache und der Einsatzgruppe/FüWES

Wiesel) vernetzt.

Alle Bereiche verfügen dadurch über

dasselbe aktuelle Lagebild und können

so Befehle und taktische Informationen

digital austauschen.

Effektmunition

für viele Zwecke

Effektmunition: Rheinmetall Waffe

Munition bietet eine breite Palette

nicht-letaler Handwurfkörper

und Wirkmunitionen mit verschiedenen

Effekten. Das Produktspektrum

reicht von der klassischen Py-

rotechnik in Form von Leucht- und

Signalmitteln aller Kaliber über

Rauch- und Nebelkörper, präzise

Effektmunition bis hin zu Übungsmunition

sowie Blend-Schockwurfkörpern,

die heute schon von vielen

Spezialeinheiten genutzt werden.

SYSTEMTECHNIK FÜR SKY-MANAGEMENT: Für die Flugabwehrtruppen bietet Rheinmetall Battle-Management-

bzw. Führungs- und Waffeneinsatzsysteme, die alle für eine erfolgreiche Operation verfügbaren und erforderlichen

Daten zusammenführen und auch aus sehr komplexen Zusammenhängen Lagedaten und schnell interpretierbare Handlungsoptionen

ermitteln. Zu diesen Daten gehören beispielsweise eigene und gegnerische Kräfte, Geländemodelle, Bebauung

oder das Wetter. So können mit dem Battle-Management-System bisher autonom eingesetzte Flugabwehrsysteme

zur besseren Überwachung des Luftraumes und zur Optimierung des Waffeneinsatzes miteinander vernetzt werden.

Eine Zentrale

für die Daten

Überwachungszentrale: Das Protective-Shield-SystemmodulÜberwachungszentrale

(Securiton) dient

als Kontroll- und Steuerungsinstrument

aller Signale der angeschlossenen

Komponenten des Überwachungssystems.

Sämtliche Sensoren

übermitteln ihre Signale bzw.

Bilder an die Zentralsteuereinheit

im zentralen Überwachungscontainer.

Hier werden die eingehenden

Signale digital gespeichert. Dies ermöglicht

einen einfachen, und –

durch Netzwerkanbindung – auch

standortunabhängigen Zugriff auf

Bild-, Audio- und Videodateien.

Die Bedienung erfolgt standardmäßig

mit zwei Personen, die Alarme

auswerten und bei Bedarf eine

Aktion einleiten. Weiter kann das

Bedienpersonal über die Videobilder

der Außenkameras die Umgebung

überwachen und bei Bedarf

via Lautsprecher Meldungen absetzen.

Der Überwachungszentrale-Container

ist über die integrierte

Autokonfiguration schnell einsatzbereit

und dank eigener Klimaanlage,

Blitzschutz und unterbrechungsfreier

Stromversorgung autark

einzusetzen.

Senkrechtstarter

im Taschenformat

Kolibri: Kolibri ist ein Mini-VTOL

(Vertical Take of Landing), ausgelegt

für den Einsatz in urbanem Gelände.

Durch seine Eigenschaften

kann das System sowohl vom Boden

als auch von einem Fahrzeug

aus im schweren Gelände senkrecht

gestartet werden. Die Mission

wird vor dem Start in den Flugführungsrechner

übertragen und

kann auch während der Mission

verändert werden. Im Nahbereich

(z.B. Gebäuden) kann Kolibri mit

einem Joystick in die Endposition –

etwa vor einem Fenster – geflogen

werden und verweilt dort, um das

ausgesuchte Objekt zu beobachten.

Die Einsatzzeit des rund 1600

Gramm leichten Fluggeräts beträgt

ungefähr 20 Minuten. Die Payload

kann zwischen hochauflösend TV

(Zoom:10-fach optisch) oder IR gewählt

werden. Die Bilddaten werden

in Echtzeit an die Bodenstation

übertragen. Nach erfolgreicher

Mission fliegt Kolibri, gestützt

durch GPS-stabilisierte Navigation,

zu den Landekoordinaten und landet

punktgenau. Nach einem Austausch

der Akkus kann das Flugsystem

erneut eingesetzt werden.

Berechtigung

für den Zutritt

Personenkontroll-Container: Dieser

Container (Securiton) wird in

den Ring der äußeren Schutzzone

gestellt und regelt die Zutrittsberechtigung

der eintretenden Personen

in das Gelände. Er bildet somit

das „Tor“ des unter „Nachrichtengewinnung

+ Aufklärung“ zusammengefassten

Teils von Protective

Shield. Für die Überprüfung stehen

dem Personal verschiedene technische

Einrichtungen zur Verfügung,

die – einzeln oder kombiniert – den

jeweiligen Bedrohungssituationen

entsprechend eingesetzt werden.

Dazu zählen unter anderem biometrische

Zutrittskontroll-Leser, die

Schleusensteuerung zur Regulierung

des Personenflusses, ein Diagnostiksystem

und zwei Außenkameras.

Die Anlage verfügt über unterbrechungsfreie

Stromversorgung

sowie Blitzschutz und eine eigene

Klimaanlage. Je nach Bedrohungslage

können die Kontrollverfahren

verschärft oder erleichtert werden.

Bei einer Identifizierung über die biometrischen

Zutrittskontroll-Leser und

die Porträtkameras kann ein Personendurchsatz

von rund 400 Personen

pro Stunde erreicht werden.

Die Ultrabreitband-HPTM-Technologie von Rheinmetall bewirkt die Sprengung funkgesteuerter improvisierter Sprengfallen.

Composing: Thorsten Ohmes/RDE


Das Profil 1/2006 Das aktuelle Thema

Seite 11

Ferngesteuerte

Waffenstation

MLG 27: Als neues Standardgeschütz

im Mittelkaliberbereich wird

das Marineleichtgeschütz MLG 27 vorhandene

Geschütze der deutschen

Marine durch neue, zukunftsweisende

Technologien ersetzen und als Bewaffnung

auf neuen Einheiten – etwa

der Korvette K130 – eingesetzt werden.

Das MLG 27 ist fernbedient und

besitzt eine integrierte Feuerleitung.

Durch die hochleistungsfähige Waffe

und die neu entwickelte, leistungsstarke

FAPDS-Munition ist das Geschütz

für Einsätze von Kampf- und

Unterstützungsschiffen in Küstenund

Hafennähe optimal geeignet.

Flugzeuge, Hubschrauber, hochmobile

und leichte Seeziele sowie Punktziele

an Land können mit sehr hoher

Treffwahrscheinlichkeit bekämpft

werden. Zur Montage des mit nachtsichtfähiger

Zielfolge-Sensorik ausgestatteten

Systems ist der Durchbruch

eines Schiffdecks nicht vonnöten.

Das MLG lässt sich flexibel in vorhandene

Umgebungen integrieren.

Wurfanlage für

Flächen-Wirkmittel

WMWA: Die Wirkmittelwurfanlage

WMWA bietet flächigen Schutz

durch Sichtlinienunterbrechung;

dies kann mittels Nebel und/oder

Einsatz von CN/CS sowie Irritation

durch Flash-Bang geschehen. Zu

den Systemkomponenten gehören

die Abschussvorrichtung (Basiseinheit)

mit Magazinen sowie ein

Bediengerät mit Spannungsversorgungskabel

und Energie-/Datenkabel.

Optional lässt sich eine universale

oder fahrzeugspezifische

Halterung (starr oder richtbar) integrieren.

LUFTSCHILD MIT HOHER EFFIZIENZ: Skyshield bekämpft zuverlässig die wachsende Bedrohung durch Angriffe

von kleinen, beweglichen und schnellen unbemannten Flugkörpern. Die Feuereinheit Skyshield 35 ist ein modular aufgebautes,

kompaktes und leichtes Flugabwehrsystem. Ein Sensormodul steuert zwei 35/1000-Revolvergeschütze und einen

oder zwei Lenkwaffenwerfer. Sensormodul, Geschütze und Werfer sind unbemannt. Der Kommandoposten kann bis zu

500 Meter vom Sensormodul entfernt aufgestellt werden. Durch seine leichte Bauweise kann das System schnell positioniert

werden. Allwettertauglichkeit und Resistenz gegen elektronische Störmaßnahmen steigern seine Effizienz maßgeblich.

Personenerfassung

auf Bodenhöhe

O/BS: Mit dem Optischen Bodensensor

(O/BS) lassen sich nicht einsehbare

Wege und Pfade automatisch

überwachen. Das System ist

vorrangig zur frühzeitigen Erfassung

von Personen und Personengruppen

und von mitgeführten Lasttieren geeignet.

Passierende Fahrzeuge werden

mit dem Sensor ebenso aufgefasst

wie die Überwachung von abgelegenen

Landbahnen auf einfache

Weise möglich ist. Bewegt sich ein

Objekt im O/BS-Auffassbereich,

nimmt der Sensor automatisch ein

Einzelbild bzw. eine Bildsequenz auf.

Das Bild (bzw. die Bildsequenz) wird

mit Informationen zum Systemstandort,

der Bewegungsrichtung und dem

AGES: „Ages“ ist ein neues, luftgestütztes

Aufklärungssystem zur frühzeitigen

Erkennung von Geländemanipulationen.

Das innovative System

der Firma SSC basiert auf „Rapidogen

Marker HKNV“, einem speziell entwickelten

Geländemarkierungsmittel.

Das System ist in der Lage, unerlaubte

Geländemanipulation luftgestützt

zu detektieren. So können frühzeitig

Manipulationen (z.B. verdeckte

Sprengstoffe, Landminen sowie unerlaubte

Begehungen, Befahrungen

Zeitpunkt der Meldung an eine Darstellungseinheit

übermittelt. Die

Bildqualität erlaubt eine Identifizierung

des detektierten Objekts und

mitgeführter Ausrüstung (z.B. Gepäck,

Waffen, Nutzlasten) durch den

Nutzer.

Der Optische Bodensensor wird von

Hand ausgebracht und initialisiert

sich nach dem Einschalten eigenständig;

während der Einsatzdauer

arbeitet er wartungsfrei und unbeaufsichtigt.

Der O/BS basiert auf einem

IR-Bewegungsmelder in Verbindung

mit einem empfindlichen Bildsensor.

Die Bilder werden vor Ort digitalisiert

und komprimiert. Das integrierte

Funkgerät erlaubt eine Übertragung

der Ergebnisse über Entfernungen

von bis zu zehn Kilometern (je nach

Funkgerät und Ausbreitungsverhältnissen).

Die eingehenden Meldun-

und Schleuserwege) detektiert werden.

Durch das Besprühen mit einem

von Lanxess entwickelten Marker

können unterschiedlichste Areale

und Geländestrukturen diskret und

für das menschliche Auge unsichtbar

„versiegelt“ werden. Die Basis des

Der gezielte Schutz vor Manipulation

Markers ist biologisch und toxisch

unbedenklich und abbaubar. Durch

den Einsatz einer ebenfalls speziellen

Laser-Kamera-Entwicklung (SSC)

wird der Marker mittels einer Bildverarbeitungssoftware

am Monitor

gen werden in einer Datenbank abgelegt,

die einen einfachen Zugriff gestattet.

Eine Anbindung an Führungssysteme

(FaKom) ist realisiert. Die

Meldungen des O/BS sind kompatibel

mit dem Akustischen Bodensensor

(A/BS) und der Bodensensorausstattung

(BSA). Der gleichzeitige Betrieb

verschiedener Bodensensoren

ist problemlos möglich.

Schutzeinheit in

Modulbauweise

Modulares Schutzgebäude: Geschützte

modulare Gebäude werden

aus mehreren 20-Fuß-Spezialcontainern

zusammengesetzt. Seitenwand-

und Stirnwandelemente

können herausgenommen werden,

um Räume aus mehreren Containern

zu erzeugen. Die Spezialcontainer

werden wetterdicht verbunden

und mit einem Überdrucksystem

belüftet. Ein von der Firma

Drehtainer GmbH (Valluhn) patentiertes

Bodensystem entkoppelt

Personal und Ausrüstung von Explosions-Schockwellen.

Spezialschutz

für Wachtürme

Geschützter Wachturm: Wachtürme

mit ballistischem Schutz dienen

der Überwachung des Umfeldes militärischer

Einrichtungen. Diese sind

in verschiedenen Konfigurationen

erhältlich: Als 10- bzw. 20-Fuß-Container

sowie als 20-Fuß-Container

mit integrierter Ausziehkanzel. Häufig

werden Wachtürme in Kombination

mit Schutzwandmodulen verwendet,

um Lager oder sensible Bereiche

zu überwachen. Die Wachtürme

der 20-Fuß-Klasse werden auf eine

Stirnwand gestellt.

BSA: Autonomer

Fahrzeugscanner

BSA: Mit der Bodensensorausstattung

BSA können Fahrzeuge auf Straßen

und im Gelände in Echtzeit geortet,

klassifiziert und identifiziert werden.

Das modular aufgebaute System

umfasst Sensoreinheiten, die im

Aufklärungsgebiet in Stellung gebracht

werden, sowie Empfangs- und

Bildschirmeinheiten, die beispielsweise

in einem Aufklärungsfahrzeug

eingebaut sind. Die Aufklärung erfolgt

passiv. Alle erhaltenen Informationen

können in ein C3I-System eingespeist

und an höhere Führungseinheiten

weitergegeben werden.

Die Sensoreinheit ist so konzipiert,

dass ein autonomer Betrieb für mindestens

30 Tage gewährleistet wer-

Späh-Fuchs für

breiten Einsatz

FoxBot: Die Streitkräfte benötigen

für zukünftige Einsatzspektren

einen mobilen Kleinroboter, mit

dem vielfältige Aufgaben – insbesondere

bei der Spähaufklärung –

erfüllt werden können. Der Schutz

der Soldaten steht hierbei im Vordergrund.

Der mobile Roboter Fox-

Bot wird aus einer sicheren Position

heraus ferngesteuert und kann

sowohl im Wald- und Wiesengelände

als auch in Gebäuden eingesetzt

werden. Auf dem Roboter

sind optronische und akustische

Sensoren angebracht.

Datenlink für

die Echtzeit

Link 16: Link 16 bezeichnet einen

militärischen Datenaustauschstandard

der Nato und ist als digitaler

Dienst des Informationsübertragungssystems

MIDS im Stanag

5516 definiert. Dazu offeriert die

Firma IBM ihre als Tactical Data

Link Display & Control System

(DCS) bezeichnete Anzeigekomponente,

die zum Beispiel zusammen

mit dem von IBM entwickelten

Data Link Processor System

(DLPS) auf den Fregatten der Klassen

F122/123 eingesetzt wird.

den kann. In dieser Zeit können von

dem Gerät bis zu 20 000 Nachrichten

an seine Operationszentrale versendet

werden. Ein Positionswechsel

kann von zwei Soldaten innerhalb

von nur 15 Minuten vollzogen werden.

Somit wird den Anforderungen

an eine hohe Mobilität in Verbindung

mit Unauffälligkeit im Kampfgebiet

auf optimale Weise entsprochen.

sichtbar. Bei einer Erstbefliegung wird

das unberührte Areal als Sollzustand

gespeichert. Bei weiteren Befliegungen

kann so mittels der eingesetzten

Technologie jederzeit ein Soll-Ist-Zustand

ermittelt werden, wobei jegliche

Art von Oberflächenveränderungen registriert

und analysiert wird. Verdächtige

Veränderungen werden sofort erkannt

und als Bild mit Geo-Koordinaten

an eine Leitstelle transferiert. Das

System ist bei Tag und Nacht sowie

fast allen Witterungsbedingungen

(Ausnahme: Schnee und Nebel) einsetzbar.

Der Marker hält seine Wirksamkeit

bis zu drei Monate aufrecht.


Composing: René Dahlmanns

Seite 12 Das aktuelle Thema

Das Profil 1/2006

AUF EINEN BLICK: Führungsfähigkeit (Command + Control), Nachrichtengewinnung

und Aufklärung (Intelligence and Reconnaissance), Wirksamkeit im Einsatz

(Effective Engagement), Überlebensfähigkeit und Schutz (Survivability and Protection)

sowie Unterstützung und Durchhaltefähigkeit (Support and Sustainability)

das sind die wesentlichen Teilsysteme bzw. Fähigkeiten von Protective Shield.

Composing: Thorsten Ohmes/RDE

Ein Wiesel für die

Bodenaufklärung

Wiesel-Spähpanzer: Das Wiesel-1-

Aufklärungsfahrzeug wurde speziell

für die Anforderungen der Luftlandeaufklärungstruppen

entwickelt. Die

Besatzung besteht aus einem Kommandanten,

einem Späher und dem

Fahrer. Die Aufklärungsoptik AOZ

2000 (Autonomes Optronisches Zielgerät)

beinhaltet – neben einer

hochauflösenden CCD-Kamera – ein

Wärmebildgerät sowie einen Laserentfernungsmesser

und ist in einem

Mikrowellen zur

Konvoi-Sicherung

HPEM: Sprengsätze und sonstige

improvisierte Sprengfallen (IED: Improvised

Explosive Devices) stellen

für stationäre Einrichtungen wie Feldlager,

Landeplätze und andere Einsatzliegenschaften

eine große Gefahr

dar. Mit Hochenergie-Mittelwellensystemen

(HPEM = High Power Electro-

bis zu zwei Meter über dem Boden

ausfahrbaren Schwenk-/Neigekopf

integriert. Darüber hinaus ist das

RLS-Fahrzeug mit einer Hybridnavigationsanlage

(GPS und Inertialeinheit)

sowie einer VHF- und HF-Funkanlage

ausgestattet.

Außerdem verfügt das Wiesel-Aufklärungsfahrzeug

über das leistungsfähige

Führungs-, Kommunikations-

und Informationssystem Fa-

KoM, mit dem der Kommandant jederzeit

aktuelle Informationen über

die jeweilige taktische Situation

(z.B. die Stationierung feindlicher

Verbände) abrufen kann.

Magnetics) lässt sich die Fernzündung

eines Sprengsatzes im Umfeld

einer Einsatzliegenschaft verhindern.

Eine besondere Bedeutung kommt

den HPEM-Systemen beim Konvoi-

Schutz zu. Mit Hilfe der Mikrowellen

können die für den Konvoi höchst gefährlichen

Sprengfallen ausgeschaltet

oder auch gezielt gezündet werden.

Damit eignet sich das System nicht

nur für den militärischen, sondern

auch für den polizeilichen Einsatz.

Demonstrator zur

Minenbekämpfung

MMSR-Sydera: Bei diesem Konzept

handelt es sich um einen Technologiedemonstrator

für ein fahrzeugbasiertes

Minen- & IED-Bekämpfungssystem

(IED: Improvised Explosive Devices –

improvisierte Sprengfallen) im Auftrag

der Bundesrepublik Deutschland und

Wärmebild bei

jeder Witterung

BAA: Die Beobachtungs- und

Aufklärungsausstattung BAA ermöglicht

eine genaue Zielortung

bei Tag und Nacht bis zu einer

Entfernung von rund 20 Kilometern.

Die Sensoreinheit kann sowohl

direkt vom Fahrzeug aus bedient

als auch bis zu 40 Meter

von diesem entfernt in Stellung

gebracht werden. Die Sensorik

besteht aus den Hauptkomponenten

Wärmebildgerät, CCD-Kamera

mit hoher Auflösung und

Zoom-Objektiv sowie einem augensicherenLaserentfernungsmesser.

Die von den Sensoren gewonnenen

Bilder, einschließlich

der Ergebnisse des Laserentfernungsmessers,

werden auf dem

BAA Monitor dargestellt.

A/BS: Der Akustische Bodensensor

(A/BS) dient der dauerhaften automatischen

Flächenaufklärung von Fahrzeugen

und Hubschraubern. Die Richtung

der zu detektierenden Ziele wird

von dem Sensor eigenständig ermittelt

und während des Überwachungsvorgangs

kontinuierlich protokolliert.

Zu jedem Ziel wird eine Meldung an

die Darstellungseinheit übermittelt.

Die Meldung umfasst die Sensorkennung,

den Zeitpunkt des Ereignisses,

die Richtung zum Ziel sowie die Fahrtrichtung

des Zieles.

Der A/BS wird von Hand ausgebracht

und getarnt; er initialisiert

sich nach dem Einschalten eigenständig.

Während der Einsatzdauer

arbeitet der Sensor wartungsfrei und

unbeaufsichtigt. Mit Hilfe der in das

Gehäuse eingelassenen Mikrofone

vermag das System Ziele wie Fahr-

Frankreichs. Das von den drei Firmen

Rheinmetall Landsysteme GmbH

(Deutschland), MBDA France (Frankreich)

und Thales Systèmes Aéroportés

(Frankreich) gebaute Minenräumsystem

sichert bis zu 180 Kilometer

Strecke in nur acht Stunden. Das

MMSR-Sydera-System besteht insgesamt

aus fünf verschiedenen Fahrzeugen,

die unterschiedlichste Aufgaben

realisieren können. Dazu gehört die De-

Virtuelle Planung

mindert Kosten

Feldlagerplanungstool: Der

Schutz von Einrichtungen und Objekten

hat hohe Priorität im asymmetrischen

Bedrohungsumfeld der

Auslandseinsätze der Streitkräfte.

Rheinmetalls Camp Protection

Planning Suite CPPS ist ein leistungsstarkes

Planungsinstrument

zur Anpassung des gesamten

Schutzkonzeptes an die geografischen

Gegebenheiten und an die

dort herrschende Bedrohungssituation.

Durch die rein virtuelle

Konfigurierung des einzusetzenden

Protective-Shield-Konzepts

entstehen nur geringe Kosten. Das

System ist über eine intuitive Bedienoberfläche

zu steuern, wodurch

der Planungsprozess beschleunigt

wird.

zeuge und Hubschrauber frühzeitig

aufzufassen und zu verfolgen. Die

Richtung zum Ziel wird permanent

ermittelt und aktualisiert. Die Datenanalyse

und -bewertung erfolgt vollständig

im System. Der Akustische

Bondensensor wird aus einer externen

Batterie oder mittels Fernspeisung

(FM-Kabel) versorgt. Über Funk

(integriert) kann die Meldung draht-

los bis über zehn Kilometer (je nach

Funkgerät und Ausbreitungsverhältnissen)

übertragen werden.

Der A/BS kann mit weiteren Systemen

seiner Art vernetzt werden, so

dass über die Detektion, Peilung

und Verfolgung hinaus eine Ortung

der Ziele möglich ist. Durch Netzwerkintegration

lässt sich dieses

System mit anderen Bodensensoren

– auch unterschiedlichen Typs – zu

einem Verbund vernetzen.

tektion von feindlichen Sprengkörpern

ebenso wie deren gezielte Auslösung.

Die fünf Fahrzeuge werden unter dem

Namen Demonstrator zusammengefasst

und gehen 2007 in die Erprobungsphase.

Das Detektionsfahrzeug

(DEV) der Rheinmetall Landsysteme

ist vollständig fernbedienbar und verfügt

über diverse Sensoren zur Erkennung

von Minen und improvisierten

Sprengfallen.

SLS erkennt

Heckenschützen

SLS: Mit dem Sniper Locating

System (SLS) können Heckenschützen

noch vor dem ersten

Schuss auf große Distanzen sicher

geortet werden. Die Umgebung

wird aktiv sondiert und Optiken,

wie zum Beispiel Zielfernrohre

oder Feuerleitoptiken, unauffällig

geortet. Das Sniper Locating System

ist ein handliches, einfach und

sicher zu bedienendes Gerät, das

auch als konventionelles Fernglas

genutzt werden kann. Neben einer

bereits verfügbaren hand gehaltenen

Version werden derzeit autonome

SLS-Lösungen entwickelt,

die stationär oder fahrzeuggestützt

arbeiten. Eine Anbindung an

stationäre Überwachungssysteme

ist ebenfalls denkbar.

Die eingehenden Meldungen werden

in einer Datenbank abgelegt, die einen

einfachen Zugriff gestattet. Eine

Anbindung an Führungssysteme (Fa-

Kom) ist realisiert. Die A/BS-Meldungen

sind kompatibel mit dem Optischen

Bodensensor (O/BS) und der

Bodensensorausstattung (BSA). Der

gleichzeitige Betrieb verschiedener Bodensensoren

ist problemlos möglich.

Akustischer Bodensensor übernimmt die Flächenaufklärung


Foto: Angelika Killig

Das Profil 1/2006 Aus dem Konzern

Seite 13

ichts ist mehr Routine.

Alles ist Projekt: die

neue Cabrioklasse, das

Reformpaket im Gesundheitswesen,

selbst der

Kindergeburtstag. Die

Vokabel „Projekt“ ist in

aller Munde und wird mittlerweile inflationär

gebraucht. Dabei spielt es

keine Rolle, ob das so genannte Vorhaben

alle charakteristischen Merkmale

eines Projekts besitzt oder nicht.

Wirft man einen Blick in die Fachliteratur,

so wird „Projekt“ als „ein nicht

standardisierbares Einzelvorhaben“

definiert, als „eine zeitlich begrenzte,

umfangreiche und verflochtene Problemstellung,

die bereichsübergreifend

angegangen wird“. In Wirtschaft und

Industrie bedeutet dies vor allem, dass

mehrere Bereiche bzw. Stellen gemeinsam

an einem relativ neuartigen Vorhaben

arbeiten, das hinsichtlich seiner

Dauer, seiner Ressourcen und seiner

Ergebnisverantwortung klar definiert

ist. Kurz: Das, was ein Vorhaben

zum Projekt macht, sind das Neuartige

und die Komplexität der Aufgabenstel-

lung, die festen Zielvorgaben und Rahmenbedingungen

sowie die Beteiligung

zahlreicher Spezialisten.

Die Aufgabe des Projektmanagements

besteht im Wesentlichen darin,

die Einzellösungen der Spezialisten zu

einem systemoptimalen Gesamtentwurf

zu integrieren. Die Planung, Organisation

und Durchführung derartiger

Großvorhaben ist nicht neu. Der

Grundgedanke des modernen Projekt-

managements geht zurück auf die großen

Aufrüstungsvorhaben der USA

während des 2. Weltkrieges. In den

Folgejahren wurde das Projektmanagement

anhand der Großprogramme

der US-Luftwaffe und des Apollo-

Programms der NASA kontinuierlich

weiterentwickelt. Nach und nach übernahmen

auch internationale Organisationen

die neu entwickelten Managementmethoden

aus den USA. In

den sechziger und siebziger Jahren

entstand eine Fülle von Publikationen

zum Thema Projektmanagement, was

dazu beitrug, dass der Projektmanagement-Grundgedanke

sich auf viele

Industriezweige ausbreitete.

Auch wenn die Projektarbeit in der

Vergangenheit oftmals als Zauberbzw.

Allheilmittel missverstanden

wurde, ist nicht zu verkennen, dass

sie in der modernen Arbeitswelt eine

Notwendigkeit darstellt. Erfolgreich

operierende Unternehmen sehen sich

heute zunehmend mit Aufgabenstellungen

konfrontiert, die nur systemübergreifend

– d.h. via Projektarbeit –

gelöst werden können. Mit der Projektarbeit

reagieren sie einerseits auf

die veränderten und komplexer gewordenen

Umwelt- und Umfeldbedingungen

– zum Beispiel die starke Segmentierung

der Märkte, die die Fertigung

von immer kleineren Serien erfordert,

auf die kürzeren Lebenszyklen

von Produkten sowie auf den durch

die Öffnung der Märkte entstandenen

schärferen Konkurrenzdruck. Andererseits

antworten sie auf die zunehmende

Emanzipation der Mitarbeiter, die

eine erhöhte Verantwortungsbereitschaft

zeigen.

Vor allem in den zurückliegenden

zwei Jahrzehnten haben immer mehr

Industrie- und Wirtschaftsunternehmen

die Vorteile von Projektarbeit er-

Systemübergreifende Zauberformel

Rheinmetall Defence Electronics betreibt gezielte Projektmanagement-Zertifizierung

Wichtiges „Rüstzeug“

für das Projektgeschäft

ie Rheinmetall Defence

Electronics GmbH (RDE)

wickelt ihr Geschäft überwiegend

in Projekten ab.

Die Methoden und Verfahren

des Projektmanagements

(PM) sind

dort seit langem bekannt und werden

täglich angewendet. Das Bremer Unternehmen

beschäftigt derzeit insgesamt

55 Projektmanager, die in verschiedensten

Projekten Leitungsfunktionen

ausüben; ihr Tätigkeitsbereich umfasst

sowohl sach- als auch personenorientierte

Aufgaben.

Zum einen müssen die Projektmanager

komplexe Projekte planen, organisieren,

durchführen und kontrollieren

können – also unter anderem Projektziele

formulieren, einen Strukturplan

mit allen dazugehörigen Arbeitspaketen

aufstellen sowie Ressourcen und

Budgets zuordnen und verwalten. In jeder

Phase des Projektes müssen dann

Qualität, Leistungen und Kosten überprüft,

Risiken beurteilt und ggf. neu

eingeschätzt werden – inklusive ständigem

Abgleich mit dem Terminplan

und den darin verankerten „Meilensteinen“.

Dabei ist eine hohe fachliche

Kompetenz gefragt, z.B. hinsichtlich

technischer und betriebswirtschaftlicher

Qualifikationen sowie methodischer

Fähigkeiten.

Zum anderen müssen PM-Verantwortliche

mit den Menschen, auf deren Kooperation

sie fach- und sachbezogen

angewiesen sind, richtig umgehen können.

Dies erfordert ein hohes Maß an

sozialer Kompetenz.

Insgesamt „schlüpft“ der Projektmanager

im Laufe „seines“ Projektes in

etliche, zum Teil sehr unterschiedliche

Rollen: Er ist gleichermaßen Unternehmer,

Planer, Forderer und Förderer, Motivator,

Politiker, Moderator und

Schlichter, tritt als „Käpitän“ (seines

Teams) ebenso auf wie er Verhandlungen

führt, Projektabläufe gezielt steuert

oder als Finanzexperte Entscheidungen

fällt. Mit anderen Worten: Das

Anforderungsprofil an die Projektmanager

– nicht nur bei Rheinmetall Defence

Electronics – ist anspruchsvoll

und breit gefächert.

Vor einigen Jahren wurde von den damaligen

RDE-Anteilseignern (Rheinmetall

AG und BAE Systems) ein Benchmarking

aller Projektmanagement-Projekte

und -Prozesse initiiert. Mit Hilfe

dieses wettbewerbswirtschaftlichen

Analyseinstruments werden Produkte,

Dienstleistungen und Herstellungsmethoden

von Branchen-Unternehmen

verglichen und eventuelle Leistungsunterschiede

analysiert. Ziel der RDE war

es unter anderem, die Ursachen für bestimmte

damalige Wettbewerbsnachteile

zu ermitteln und diese dann gezielt,

also mit Systematik, zu beseiti-

gen; außerdem wollte man die eigene

Leistungsfähigkeit auf den internationalen

Märkten steigern.

Ilona Offermann, seit 2001 für die Personalentwicklung

bei dem Bremer Elektronikspezialisten

verantwortlich, fasst

die Benchmarking-Ergebnisse von damals

zusammen: „Ein Vergleich der im

Rahmen von Projektmanagement laufenden

Projekte und Prozesse hatte ergeben,

dass in verschiedenen Geschäftseinheiten

unseres Unternehmens

zum Beispiel unterschiedliche Begrifflichkeiten

kursierten und die Prozessab-

läufe nicht einheitlich waren. Ebenso

war das interne Chancen- bzw. Risikomanagement

nicht eindeutig definiert.“

Als Konsequenz dieser (selbst)kritischen

Ist-Analyse wurde ein Maßnahmenpaket

geschnürt, mit dem die aufgedeckten

Schwachstellen nach und

nach beseitigt sowie das interne Projektmanagement

vereinheitlicht und so

mit Nachdruck optimiert werden sollten.

Das definierte Ziel war, den PM-

Wissensstand im Unternehmen nachhaltig

anzuheben und vor allem an den

internationalen Standard anzugleichen.

Um dies zu erreichen, wurde mit ausgewählten

internen Wissensträgern

und externen Beratern die Prozessorganisation

in allen Bereichen des Unternehmens

überarbeitet. Regelwerke

und Formulare wurden entsprechend

geändert. Außerdem führte die RDE so

genannte Personalentwicklungsgespräche

mit verschiedenen Mitarbeiter-Zielgruppen,

um den tatsächlichen

Qualifizierungsbedarf zu ermitteln.

Daraus wurde dann ein spezielles, für

alle Mitarbeiter zugängliches, internes

PM-Weiterbildungsangebot erstellt, etwa

zu Themen wie Chancen- bzw. Risikomanagement,Änderungsmanagement,

PM-Grundlagen oder Vertragsrecht.

Die Trainingseinheiten (waren

und) sind auf die Belange des Bremer

Unternehmens zugeschnitten, so dass

Kompetentes „Rüstzeug“ für erfolgreiches Projektgeschäft: Wer sich wie RDE-Projektmanager Stefan Zarth – hier im Gespräch

mit Personalentwicklerin Ilona Offermann – zertifizieren läßt, der stellt auch die eigene Leistungsfähigkeit auf den Prüfstand.

die erlernten PM-Inhalte sofort in die

tägliche Praxis umgesetzt werden können.

Parallel dazu sollten die PM-Kompetenzen

aller Projektmanager durch

eine internatonal anerkannte Zertifizierung

überprüft werden.

Bei der Umsetzung dieser ehrgeizigen

Ziele griff (und greift) man in Bremen

auf das fundierte Know-how der

in Nürnberg ansässigen Gesellschaft

für Projektmanagement e.V. (GPM) zurück.

Der 1979 gegründete Verein,

dem über 3600 Mitglieder angehören,

ist in Deutschland die treibende Kraft

kannt. Auch in Deutschland hat die Projektarbeit

immens an Bedeutung gewonnen.

Heute werden bereits 30 Prozent

der Aufträge in Projekten bearbeitet.

Die Erkenntnis, dass für die optimale

Durchführung von Projekten die Einführung

von Projektmanagement vorteilhaft

ist, setzt sich jedoch erst langsam

durch. Das hat im Wesentlichen

zwei Gründe: Zum einem sind die Projektmanagement-Methoden

nicht genug

bekannt und verbreitet, zum ande-

für eine systematische Weiterentwicklung

des Projektmanagements (siehe

auch „Profil“-Beitrag „Anwendung im

Fokus“). Die GPM stellt sowohl PM-

Einsteigern als auch professionellen

Projektmanagern ein Bündel an modernsten

fachlichen und methodischen

Instrumenten bereit, mit denen

sie mehr oder minder komplexe Projekte

kompetent und erfolgreich zum

Ziel führen können. In den GPM-Workshops

und -Seminaren werden zum

Beispiel Methoden der Projektabwicklung

und -bewertung, moderne Verfahren

der Kostenschätzung, Techniken

der Teamarbeit, Strategien zur

kreativen Problemlösung, der Umgang

mit Projektmanagement-Software sowie

Rhetorik- und Verhandlungstechniken

vermittelt.

Im Jahr 2002 begann dann die intensive

Zusammenarbeit zwischen dem

Bremer Elektronikspezialisten und der

GPM. Alle RDE-Projektmanager, die

mindestens drei Jahre Erfahrung in

puncto Projektleitung besaßen, sollten

sich nach IPMA/GPM-Standard (Level

C) zertifizieren lassen (siehe auch

„Profil“-Beitrag zur GPM). Ilona Offermann:

„Level C ist der Einstiegslevel für

die Zertifizierung bei der RDE. Für diese

Zertifizierung ist ein von der GPM vorab

definiertes Erfahrungswissen zu PM-

Methoden, Projektleitungserfahrung

und PM-Fachwissen erforderlich.“

Auf allen Zertifizierungsstufen werden

die PM-Prüflinge bzw. -Zertifikanten

schwerpunktmäßig hinsichtlich ihrer

tatsächlichen Erfahrungen und ihres

bis dahin erworbenen Fachwissens

ren führt die konsequente Einführung

von Projektmanagement-Verfahren zu

Veränderungen, die in differenzierter

Hinsicht von allen Beteiligten auch als

Herausforderung anzunehmen sind.

Denn die konsequente Einführung von

Projektmanagement – übrigens selbst

ein komplexes, aufwändiges Projekt –

bringt Neuerungen mit sich, die sich in

organisatorischen Veränderungen und

neuen Akzenten bei der Erhebung des

innerbetrieblichen Bildungsbedarfs

ebenso niederschlagen wie in der Neudefinition

von Prozessen oder der Akzeptanz

bzw. Umsetzung der PM-Methodik

im Kreise der Betroffenen.

Die Rheinmetall Defence Electronics

GmbH kennt diese Thematik seit längerem

sehr genau: Der Bremer Systemspezialist

betreibt – das zeigen die

Beiträge auf diesen beiden „Profil“-

Seiten – bereits seit vielen Jahren Projektgeschäft.

Ein Geschäft, das die gezielte

Qualifizierung von Projektpersonal

und zunehmend auch die Zertifizierung

von Projektmanagern für die

erfolgreiche Abwicklung von Projekten

voraussetzt. db

geprüft. Vorab müssen unter anderem

Projekt-Kurzberichte angefertigt und eine

Selbsteinschätzung des eigenen,

fachspezifischen Wissens eingereicht

werden. Die Selbsteinschätzung erstreckt

sich über 42 Kompetenzbereiche,

die so genannte International

Competence Baseline (ICB). Zur eigentlichen

Prüfung (Level C) gehört – neben

schriftlichen Arbeiten – auch ein Projekt-Fallbeispiel,

das im Team bearbeitet

werden muss. Die Ergebnisse werden

dann in einem abschließenden

Gespräch mit den Prüfern (Assessoren)

reflektiert. Als Nachweis für die weitere

Nutzung des PM-Wissens nach der Zertifizierungsprüfung

ist alle drei Jahre eine

Rezertifizierung erforderlich.

Bis heute haben bereits 25 der insgesamt

55 Projektleiter des Bremer Unternehmens

das Zertifizierungsverfahren

erfolgreich durchlaufen. Der rund

sechs Monate dauernde Vorbereitungsprozess

zur Zertifizierung setzt

sich aus sieben Workshops sowie Einheiten

des individuellen wie gruppenorientierten

Lernens zusammen, an

dessen Ende die zweieinhalbtägige

Prüfung stattfindet. Offermann: „Erfreulicherweise

haben bisher alle RDE-

Zertifikanten ihre Prüfung bestanden

und tragen seither den Titel ‚zertifizierter

Projektleiter‘ (CPL = Certificated

Project Leader).“

Auf Initiative der Teilnehmer der Pilot-

Zertifizierungsrunde (2002) wurde ein

speziell auf die RDE und ihre Belange zugeschnittenes

PM-Handbuch konzipiert,

das seither auch allen anderen Mitarbei-

(Fortsetzung auf Seite 14)

Cartoon: Dirk Meissner


Cartoon: Dirk Meissner

Seite 14 Aus dem Konzern

Das Profil 1/2006

Rheinmetall Defence Electronics betreibt gezielte Projektmanagement-Zertifizierung

„Rüstzeug“ für das Projektgeschäft

(Fortsetzung von Seite 13)

tern im Konzernportal „gate2 defence“

zur Verfügung steht. Dazu die 41-jährige

Diplom-Betriebswirtin: „Die beim Projektmanagement

angewandten Methoden

und Begriffe sollten unbedingt auch

allen anderen Mitarbeitern vermittelt

werden, und zwar durch gezielte, bedarfsorientierteQualifikationsmaßnahmen.

Auf diese Weise wird Missverständnissen

bei der Projektabwicklung

vorgebeugt. Die Kommunikation wird erleichtert;

verbessert wird zudem das Verständnis

der Projektbeteiligten untereinander,

was insbesondere Aufgaben,

Kompetenzen und Verantwortungsbereich

angeht. Aufgrund der Erfahrungen

in unserem Haus sind wir davon überzeugt,

dass qualifiziertes Projektpersonal

zu besseren Projektergebnissen beiträgt

und somit den Gesamtunternehmenserfolg

grundlegend mitgestaltet.

Hinzu kommt der deutlich sichere Umgang

mit den PM-Instrumentarien.“

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich

den Schweiß gesetzt. Für die

Teilnehmer der Zertifizierung zum Projektleiter

bedeutet das Engagement zunächst

einmal jede Menge Arbeit. Neben

den Vorbereitungs-Workshops, die

in der Arbeitszeit stattfinden, sind je

nach Bedarf weitere Lernzirkel in Eigenregie

zu organisieren – diese finden

mithin in der Freizeit statt. Offermann:

„Es braucht auf jeden Fall engagierte

und vor allem auch neugierige Mitarbeiter,

die sich der Herausforderung einer

Zertifizierung stellen wollen. Insofern

ist auch klar, dass bereits zertifizierte

Projektleiter eine wichtige Vor-

db München/Bremen. Obwohl die

Aufgaben des Projektmanagers eine

große Portion an Talent, Eigeninitiative

und Engagement erfordern, reichen

diese Persönlichkeitsmerkmale

allein nicht aus, um den unterschiedlichen

Anforderungen dieses Berufsbildes

gerecht zu werden. Projektleiter

müssen auf ihre zukünftigen Aufgaben

durch Schulung oder „trainingon-the-job“

gründlich vorbereitet werden.

Denn gerade die interdisziplinäre

und breit gefächerte Sachkenntnis

der Management-Gesamtthematik ist

eine der wesentlichen Voraussetzungen

für methodisches und effizientes

Vorgehen im Projekt.

Eine Institution, die sich intensiv der

Aus- und Weiterbildung von Projektmitarbeitern

widmet, ist die 1979 gegründete

Gesellschaft für Projektmanagement

e.V. (GPM) in Nürnberg. Sie

führt seit 1980 Projektmanagement-

bildfunktion haben. Viele von ihnen geben

ihre Erfahrungen und ihr Wissen in

den regelmäßig stattfindenden Lernzirkeln

weiter und stehen so den Prüflingen

beratend zur Seite.“

Die bisherigen Erfahrungen der RDE-

Lehrgangsteilnehmer zeigen sehr deutlich,

dass sich der intensive persönliche

Einsatz lohnt (lesen Sie dazu auch den

„Profil“-Beitrag „Leistungsfähigkeit auf

den Prüfstand gestellt“). Denn die international

anerkannte IPMA/GPM-Zertifizierung

bringt dem Projektmanager mit

Zertifikat eine Reihe von Vorteilen: Zum

einen erhält er mit Bestehen der Prüfung

eine neutrale Bestätigung seiner PM-

Kompetenz. Zum anderen erfährt er –

durch das Führen eines weltweit renommierten

Titels – berufliche und persönliche

Anerkennung.

Dass die Qualifizierung und Zertifizierung

von Projektpersonal auch aus unternehmerischer

Sicht mit zahlreichen

Vorteilen verbunden ist, liegt – wie

schon gesagt – auf der Hand. Infolge

optimierter Methoden werden die Projekte

optimal bearbeitet und die Projektergebnisse

nachhaltig verbessert –

Aspekte, die sich letztlich vor allem

auch in höheren Deckungsbeiträgen

und damit besseren Ertragskennziffern

niederschlagen. Außerdem erfährt das

Unternehmen einen zusätzlichen Imagegewinn.

„Der Titel ‚Certificated Project

Manager‘ wird von unseren Kunden in

der Regel anerkennend aufgenommen.

In den USA werden kundenseitig zum

Beispiel grundsätzlich nur noch zertifizierte

Projektmanager angefordert. Insgesamt

besteht ein starker Trend in

Seminare durch. Ihre Referenten und

Trainer sind erfahrene Praktiker aus Industrie,

Wirtschaft und Beratung sowie

Vertreter wissenschaftlicher Einrichtungen,

die auf eine stark anwendungsorientierte

Wissensvermittlung

achten. Als Berufs- und Fachverband

für Projektmanagement engagiert sich

die GPM nicht nur in der Aus- und Fortbildung

von Projektmitarbeitern, sondern

unterstützt auch Forschungsvorhaben

auf diesem Gebiet.

Die Vereinigung, deren Know-how

auch die Rheinmetall Defence Electronics

GmbH in Bremen seit längerem gezielt

nutzt, ist gleichzeitig der deutsche

Vertreter der europäischen „International

Project Management Association“

(IPMA), die sich europaweit für die Förderung

des Projektmanagements einsetzt

und Projektmitarbeiter nach einem

speziellen 4-Level-Certification-

System ausbildet und zertifiziert. Die

IPMA unterscheidet vier Rollen für Füh-

diese Richtung – da wollten wir schon

2002 innovativ und beileibe nicht die

Letzten sein“, so Ilona Offermann: „Im

Übrigen gehen wir davon aus, dass die

PM-Zertifizierung im Rahmen von Verbundprojekten

zukünftig grundsätzlich

für das Managen komplexer Projekte

vorausgesetzt wird.“

Die Rheinmetall Defence Electronics

GmbH in Bremen geht, wie man sieht,

hier mit gutem Beispiel voran – sie

nutzt die PM-Zertifizierung ganz gezielt

als strategisches Instrument für zukünftigen

Markterfolg. Mit 25 aktuell

zertifizierten Projektmanagern ist sie

im gesamten Rheinmetall-Konzern führend.

Auch aus diesem Blickwinkel heraus

freut es Personalentwicklerin Ilona

Offermann, die das Zertifizierungsprojekt

bei der RDE seit seinen Anfängen

intensiv begleitet und unterstützt

hat, besonders, dass über die „bloße“

formale Zertifizierung hinaus im Unternehmen

Veränderungsprozesse angestoßen

wurden: „Ich hoffe, dass sich

diese Entwicklung bei uns fortsetzen

wird und dies auch auf andere Tochtergesellschaften

des Rheinmetall-Konzerns

positiv abfärbt. Die Einführung

von Projektmanagement ist an sich

schon ein hochkomplexes Projekt mit

vielfältigen Herausforderungen: Ob

nun zum Beispiel die bisherige Organisation

stärker projektorientiert ausgerichtet

wird oder man Projektmanagement

überhaupt erst einführt – die Umsetzung

dieser Aufgabenstellung

bringt automatisch Veränderungen mit

sich, die an alle Beteiligten hohe Anforderungen

stellen.“ Danijela Brekalo

rungspersonal in Projekten: Projektmanagement-Fachmann

(Level D), Projektleiter

(Level C), Projektmanager (Level

B) und Projektdirektor (Level A).

Die GPM führt ihre Projektmanagement-Schulungen

sowohl in der eigenen

Akademie als auch außer Haus, d.h. in

Unternehmen und Behörden, durch. Die

Lehrgänge setzen sich aus Workshops

und Einheiten des Selbststudiums zusammen.

Darüber hinaus bilden viele

Schulungsteilnehmer Lernzirkel, um

Anwendung im Fokus

sich intensiver austauschen und unterstützen

zu können. An den Präsenztagen

des Lehrgangs lernen sie aus Trainervortrag,

Übungen, Diskussionen,

Rollenspielen und dem Feedback der

Lehrgangskollegen. Durch gezielte

Lektüre im Lehrbuch „Projekt-Manager“

und die Bearbeitung eines Transferprojekts

bereiten sie sich auf die

Zertifizierung vor, die mit einer schriftlichen

Prüfung und einem Assessment

(Wirkungsanalyse) abschließt.

Drei zertifizierte RDE-Projektmanager ziehen Bilanz

Leistungsfähigkeit auf

den Prüfstand gestellt

db Bremen. Doris Lilkendey, Stefan

Zarth und Joachim Ostermann gehören

zu den Projektmanagern (PM) bei der

Rheinmetall Defence Electronics

GmbH, die die Zertifizierung bereits erfolgreich

durchlaufen haben. Der 45jährige

Ostermann, Abteilungsleiter für

Projektmanagement im Bereich „Maritime

und Prozess-Simulation“, war im

Rahmen der Pilotgruppe (2002) einer

der ersten zertifizierten Projektmanager

im Unternehmen; er wurde im Dezember

vergangenen Jahres als erster

auch erfolgreich re-zertifiziert. Bis

2002 hatte der diplomierte Elektrotechnik-Ingenieur

bereits zahlreiche

Projekte im Bereich Raumfahrt (in anderen

Unternehmen) und Wehrtechnik geleitet

(z.B. Neuentwicklung der Bodenkontrollstation

für die KZO-Drohne).

Auf die Frage nach seinen Motiven,

an Lehrgang und Prüfung zum zertifizierten

Projektleiter (CPL) teilzunehmen,

antwortet er: „Ich wollte ein

Benchmark für meine Leistung und Vorgehensweise

durchführen und mir dies

durch ein Zertifikat bestätigen lassen.

Außerdem war ich neugierig auf Themen,

bei denen ich noch dazulernen

konnte: Auch im Projektmanagement

gibt es ständig Weiterentwicklungen,

was Methoden und Tools anbelangt.“

Seine 43-jährige, im Bereich der Flugsimulation

tätige Kollegin und Projektmanagerin

Doris Lilkendey reizte die

Möglichkeit, ihre PM-Fähigkeiten mit

internationalen Standards vergleichen

und auf diese Weise eventuelle Defizite

erkennen und abbauen zu können. So

seien ihr Themen wie Stakeholder-Analyse

und Meilenstein-Trendanalyse in

ihrer tatsächlichen Bedeutung bzw. in

ihren vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten

bis dato nicht geläufig gewesen.

Dies ist zweifellos ein Beispiel dafür,

dass die Zertifizierungsteilnehmer in

der Schulung nicht nur eine Bestätigung

ihres Wissenstandes erhalten,

sondern diesen auch gezielt erweitern.

Joachim Ostermann nennt einen anderen

wichtigen Themenkomplex, der

in seiner Pilotgruppe zu neuen Erkenntnissen

geführt hat: „Besonders

herauszuheben ist aus meiner Sicht

der Bereich Chancen- und Risikomanagement.

Wir haben hier nicht nur dazugelernt,

sondern in Zusammenarbeit

mit der Personalentwicklung ein Schulungsprogramm

für alle Projektbeteiligten

entwickelt.“ Daran ist abzulesen,

dass die Weiterbildung von Projektverantwortlichen

einen positiven Veränderungsprozess

im gesamten Unternehmen

angestoßen hat. Durch ein erweitertes

Inhouse-Fortbildungsangebot,

das sich an den Standards der Gesellschaft

für Projektmanagement e. V.

(Nürnberg) orientiert, können auch andere

interne Zielgruppen des Bremer

Unternehmens profitieren.

Anders als seine Kollegen Ostermann

und Lilkendey spricht der 36-jährige

Stefan Zarth, Projektleiter für den Bereich

Trainingssimulatoren im maritimen

Bereich, auch von „enttäuschten

Erwartungen“. Er bedauert, dass in Be-

zug auf die relativ lange Fortbildungsdauer

– immerhin sechs Monate – zu

wenig neue Methoden vorgestellt worden

seien. Zarth hatte eine Verbesserung

der Methodenkompetenz erwartet.

Leider seien viele Themen auf zu

abstraktem Niveau und mit nur wenig

Relevanz für die tägliche Arbeit behandelt

worden.

PM-Kollege Ostermann sieht dies anders.

Er begrüßt, dass nicht nur die

pragmatischen und effizienten Ansätze

diskutiert wurden, sondern auch die

reine Lehre ein besonderes Gewicht

bekam: „Dadurch bot sich die Möglichkeit

zu überprüfen, ob man in dem einen

oder anderen Bereich nicht schon

zu pragmatisch vorgeht und die Regeln

des Projektmanagements am Ende

‚verletzt‘.“

Bieten zertifiziertes Projektmanagement: Doris Lilkendey und Joachim Ostermann.

Gleichwohl haben die drei hier zitierten

und zertifizierten RDE-Projektmanager

einen ausgesprochen positiven

Eindruck von der Professionalität der

Lehrgangsreferenten und -Trainer. Die

Betreuung sowie das Arbeitsklima in

den Workshops und Lerngruppen seien

zu jeder Zeit optimal gewesen. Die

Lehrgangsteilnehmer betonen auch,

dass der Austausch mit anderen Projektmanagern

des Unternehmens interessant

und lehrreich gewesen sei.

Auf die Frage, wie sich PM-Ausbildung

mit geregelter Berufstätigkeit und

Familie vereinbaren ließen, antwortet

Joachim Ostermann: „Die Vereinbarung

mit Beruf und Familie ist möglich, wenn

die Einschränkungen frühzeitig mit

dem Vorgesetzten und der Familie besprochen

werden. Es handelt sich hier

um eine anspruchsvolle Maßnahme,

die sicherlich mindestens acht Stunden

Freizeit pro Woche in Anspruch

nimmt; man muss sich deshalb aber

nicht vom Rest seines Lebens verabschieden.“

Stefan Zarth merkt in diesem

Kontext an, dass es wichtig sei,

die Qualifizierung bzw. Zertifizierung

nicht in einer Phase zu planen, in der

man beruflich oder privat zeitlich überdurchschnittlich

in Anspruch genommen

werde.

Im Rückblick sind sich Doris Lilkendey,

Joachim Ostermann und Stefan

Zarth einig, dass die Zertifizierung allein

kein Garant dafür ist, dass der jeweilige

Mitarbeiter auch in der Lage ist,

Gelerntes erfolgreich in der Praxis erfolgreich

umzusetzen. Die sozialen

Kompetenzen spielen – so die einheitliche

Meinung der drei Projektmanager

– eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Gleichwohl empfiehlt Lilkendey jedem

Kollegen, dem die Möglichkeit zur

Zertifizierung geboten wird, diese auch

zu nutzen. Für sie persönlich habe sich

der zu investierende Zeitaufwand gelohnt:

„Sich mit Kollegen bereichsübergreifend

über die Arbeitsschritte, die

Verfahren und die Herangehensweisen

beim Projektmanagement auszutauschen,

ohne dass es einen ganz konkreten

Projektanlass gibt, sich an der

‚reinen Lehre‘ zu spiegeln und sich damit

auch selbst einmal wieder zu hinterfragen

das war einfach positiv.“

Foto: Angelika Killig


Das Profil 1/2006 Aus dem Konzern

Seite 15

Foto/Composing: Angela Blattner

Effizientes Projektmanagement – ein wirkungsvolles Instrument für den ertragsorientierten unternehmerischen Erfolg.

Düsseldorf. „Alle Welt arbeitet an und in Projekten – die Frage ist nur, wie gut“,

bringt Harald Ehrlich, Leiter der Führungskräfteentwicklung der Rheinmetall AG,

das Thema gleich auf den Punkt. Projektmanagement – so Ehrlich – ist eine

Fachdisziplin, die systematisch gelernt werden muss, damit ein entsprechender

Erfolg entsteht. Denn darin sind sich die Experten einig: Das Thema erfordert

heute eine systematische Qualifizierung, um die notwendige Professionalitätzu

besitzen. Betrachtet man eine so dezentrale Welt wie den Rheinmetall-Konzern

mit seinen sehr unterschiedlichen Geschäften, so ist derzeit noch davon auszugehen,

dass die Herangehensweise an Projekte sehr unterschiedlich ist. Damit

soll, so Harald Ehrlich – der 45-Jährige ist seit 1999 in der Personalentwicklung tätig

–, überhaupt kein Urteil über die Qualität des jeweiligen Projektmanagements

gefällt werden: „Anzunehmen ist jedoch, dass der Know-how-Standard auf diesem

Feld sehr variiert und deshalb eine Professionalisierung notwendig ist.“

nterschiede in der Steuerung,

Bearbeitung und

Überwachung von Projekten

sind gerade dann

nachteilig, wenn mehrere

Gesellschaften gemeinsam

arbeiten müssen.

Dies wird gerade im Defence-Bereich

von Rheinmetall angesichts der

anstehenden Verbundprojekte besonders

deutlich. Als solche werden Vorhaben

bezeichnet, bei denen Gesamtleistungen

dadurch entstehen, dass

drei oder vier Defence-Firmen sehr

eng unter einer gemeinsamen Leitung

zusammenarbeiten. Schon jetzt ist

deutlich, dass der Erfolg dieser Verbundprojekte

maßgeblich von der

Professionalität der Projektmanager

abhängen wird. Denn diese müssen

die so wichtige Aufgabe der Systemintegration

leisten – also z. B.

Schnittstellen zwischen technischen

Systemen und Subsystemen entschärfen

oder Vorgehensweisen und

Ressourceneinsatz verschiedener Gesellschaften

aufeinander abstimmen,

mithin die unterschiedlichsten Instrumente

und Inhalte des Projektgeschäftes

in ein konstruktives und erfolgreiches

Zusammenspiel bringen.

Doch auch außerhalb dieser Verbundprojekte

ist Professionalität im Projektmanagement

im gesamten Unternehmen

wichtig. „Für einen Technologiekonzern

wie Rheinmetall ist Projektmanagement

eine Schlüsselkompetenz“,

betont Ehrlich: „Auch nach außen gerichtet

kommt es in der Zukunft darauf

an, dass wir darlegen können, dass unsere

Projektmanager top ausgebildet

sind. Die Zertifizierungsstellen verbuchen

einen sprunghaften Anstieg der

Zertifizierungen in den letzten Jahren

und dabei einen überdurchschnittlichen

Anstieg bei ausländischen Teilnehmern.

Es wird nicht lange dauern, bis erste

Kunden erwarten, dass ihre Vorhaben

von einem zertifizierten Projektmanager

betreut werden. Auch deshalb ist

es notwendig, auf diesem Gebiet sehr

schnell aktiv zu werden.“

Im Defence-Verbund gehen die Bremer

Rheinmetall Defence Electronics

GmbH (RDE) und die Schweizer Oerlikon

Contraves AG (OCAG) in Zürich mit

gutem Beispiel voran. Beide Gesellschaften

haben jeweils bereits mehr

als 20 Projektmitarbeiter nach IPMA-

Standard zertifiziert; allerdings nutzen

die jeweiligen Projektmanager unterschiedliche

Lernmethoden (lesen Sie

dazu auch die „Profil“-Beiträge „Wichtiges

,Rüstzeug‘ für das Projektgeschäft

und „Mit Blended Learning flexibel

zum Lernziel“).

Orientiert an den Erfahrungen der

RDE und bei Oerlikon Contraves, sei es

nun das Ziel, gezielte Maßnahmen zur

PM-Qualifizierung und -Zertifizierung

auch in den übrigen Defence-Gesellschaften

durchzuführen, so Ehrlich.

Derzeit bereiten sich drei Projektverantwortliche

der Rheinmetall Landsysteme

GmbH (Kiel) sowie vier Projektleiter

der Rheinmetall Waffe Munition

GmbH (RWM/Unterlüß) auf die Zertifizierungsprüfung

vor. Die sieben PM-

Aspiranten hatten zusammen mit dreizehn

RDE-Kollegen in der Nähe von

Bremen den ersten Workshop. Ehrlich:

„Jetzt geht es darum, den umfassenden

Wissensstoff im Selbststudium

und in Lerngruppen an den einzelnen

Firmenstandorten zu pauken, um sich

gut auf die Zertifizierung vorzubereiten.

In weiteren Workshops werden die

Themen mit Hilfe eines erfahrenen

Trainers vertieft.“

Die RDE in Bremen ist in puncto Qualifizierung

und Zertifizierung von Projektmanagern

ein Vorreiter im Düsseldorfer

Konzern. Das Unternehmen verfügt

über umfassende Erfahrung, und

seine Verantwortlichen wissen genau,

wo man kompetente externe Unterstützung

findet (z.B. Auswahl des Projektmanagement-Instituts

für die GPM-Zertifizierung),

wie man die PM-Zertifizierung

im Unternehmen vermarktet (Organisation

von Inforunden, persönliche

Gespräche oder die Bereitstellung von

Infos im Intranet), wie man den gesam-

ten Qualifizierungs- und Zertifizierungsprozess

plant, organisiert und

professionell begleitet und was nach

erfolgter Zertifizierung getan werden

muss bzw. kann (z. B. Ableitung von

weiteren Qualifizierungsmaßnahmen).

Ehrlich: „Da die bisherigen Zertifizierungsteilnehmer

ausnahmslos gute Erfahrungen

mit der Kombination aus

Einzellernen und Gruppenlernen (Lernzirkel)

gemacht haben, soll auch bei

der RWM und der RLS diese Art der

Prüfungsvorbereitung genutzt werden.

Daneben werden sicherlich auch die

langjährigen Erfahrungen von Oerlikon

Contraves (siehe Beitrag „Mit Blended

Learning flexibel zum Lernziel“) in die

Ausbildungs- und Zertifizierungsphase

der PM-Aspiranten einfließen.“

Was man auf jeden Fall von beiden

Gesellschaften übernehmen könne,

sei das organisatorische Vorgehen der

Personalentwicklung – also die gezielte

Auswahl geeigneter Kandidaten sowie

deren optimale, kompetente Betreuung.

Ehrlich: „Der Personalent-

wickler muss die Anforderungen an die

Projektmanager genau kennen und ihnen

eine optimale Lernumgebung ermöglichen.

Dafür muss er vorab die

Rahmenbedingungen mit den Teilnehmern

klären (z. B. Terminplanung, Belastung

in der Aufgabe, familiäre Situation).

Schließlich findet das Lernen zu

einem hohen Anteil in der Freizeit statt

und erfordert entsprechende Freiräume.

Der Personalentwickler sollte in

der Vorbereitungsphase und auch

während der Workshops ständige Kontaktperson

sein und auch sporadisch

an den Lernzirkeln teilnehmen, um bei

eventuellen Schwierigkeiten korrigierend

eingreifen zu können.“

Nach den konkreten Plänen für den

Bereich Automotive gefragt, gibt Harald

Ehrlich zu bedenken, dass die Voraussetzungen

für eine Zertifizierung

noch nicht überall gegeben sind. „In

manchen Gesellschaften werden gerade

die Trainings für die Grundlagen

des Projektmanagements geschaffen.

So z. B. bei Pierburg im Rahmen der

Umsetzung des ,Drive‘-Konzeptes

(‚Das Profil‘ 1/2005). Hier wird man

erst in den nächsten Jahren in Richtung

Zertifizierung gehen – und das ist

auch in Ordnung“, meint Ehrlich.

Darüber hinaus sei es wichtig zu sehen,

dass jede Gesellschaft auch spezifische

Anforderungen an das Management

von Projekten hat: „Jedes

Geschäft erfordert eine eigene Systematik

der Projektbearbeitung, die in

der Regel durch ein eigenes PM-Handbuch

bzw. entsprechende Prozessanweisungen

dokumentiert ist. Die Umsetzung

des theoretischen PM-Wissens

in die Praxis funktioniert aber nur

dann, wenn die spezifischen Regeln

und Prozesse der Gesellschaft berück-

„PM ist eine Schlüsselkompetenz“

Harald Ehrlich: Professionalität istgefragt

– Qualifizierung die Voraussetzung.

Foto: Ariane Gehlert

sichtigt werden. Und das gibt manchmal

auch Spannungen“, so der Rheinmetall-Personalentwickler.

Die Projektmanagement-Ausbildung

und die Zertifizierungsprüfung allein

sichern jedoch nicht den Erfolg. Denn

Wissen und Können sind – wie so oft

im Leben – zwei verschiedene Paar

Schuhe. Deshalb betont Harald Ehrlich:

„Erst die Anwendung des theoretischen

Wissens auf die Situation im

Unternehmen sorgt dafür, dass die

Projektmanagementaufgaben erfolgreich

wahrgenommen werden.“ So

sollten sich an die Zertifizierung nach

GPM-Standard praktische Trainings im

Rheinmetall-Kolleg anschließen, in denen

vor allem auch die „weichen Faktoren“

(Soft Skills) des Projektmanagements

eingeübt werden. Dazu gehören

unter anderem Verhandlungsführung,

Konfliktmanagement, Präsentation

und Moderation sowie die Führung im

eigentlichen Projekt (also außerhalb

der disziplinarisch definierten Führungsstruktur).

Zum Abschluss stellt Ehrlich noch

einmal heraus: „Gutes Projektmanagement

ist für das Unternehmen Rheinmetall

und für dessen Mitarbeiter ein

wichtiger Erfolgsfaktor.“ So lautet

denn auch seine Empfehlung an jeden

projektverantwortlichen Mitarbeiter im

Konzern, die Chance der Höher-Qualifizierung

und Zertifizierung unbedingt

zu nutzen, um die eigenen Aufgaben

professioneller angehen zu können,

die eigene Führungskompetenz zu erhöhen

und – last but not least – auch

in beruflicher Hinsicht zukunftsfähig

zu sein. Danijela Brekalo

PM-Zertifizierung bei der Oerlikon Contraves AG

Mit Blended Learning

flexibel zum Lernziel

Zürich. Seit 2003 zertifiziert auch die

Schweizer Oerlikon Contraves AG

(OCAG) ihre Projektmanager nach IP-

MA-Standard Level B/C (IPMA = International

Project Management Association).

Die Zertifizierung ist beim Züricher

Spezialisten für Flugabwehrsysteme

– ähnlich wie bei der Bremer

Rheinmetall Defence Electronics

GmbH (RDE) – Teil eines integrierten

Ausbildungskonzepts, das sich in

zwei Phasen gliedert: in eine Qualifizierungs-

und in eine Zertifizierungsphase.

Die komplette Fortbildungsmaßnahme

samt Zertifizierung nach

IPMA erstreckt sich bei Oerlikon Contraves

aber nicht über ein halbes, sondern

über ein ganzes Jahr.

Was die Schweizer Lehrgangsteilnehmer

darüber hinaus von ihren RDE-Kollegen

unterscheidet, ist, dass sie nicht

– wie jene – regelmäßigstattfindende

Lernzirkel besuchen,

sondern

auf die Lehr- und

Lernmethode des

Blended Learning

(„Das Profil“ 4/

2004) setzen, in

der sich klassischerPräsenzunterricht

und virtu-

elle Lernphasen

(zum Beispiel

eLearning, Chat,

virtuelle Teams,

Tutoren und Lernbegleitung) abwechseln.

Die Art der Wissensaneignung ist bei

Oerlikon Contraves also eine andere

als bei RDE. Den Züricher Projektmanagern

steht während der gesamten Ausbildung

eine elektronische Seminarplattform

zur Verfügung, die von jedem

PC (auch von zu Hause) mit Browser

angesteuert werden kann. Sämtliche

Informationen wie Lerninhalte, Kursunterlagen

und Fotoprotokolle stehen

dort zum Download zur Verfügung. Der

33-jährige Andreas Linder, diplomierter

Betriebsökonom und Projektleiter

im Bereich Wissensmanagement und

Management Development, hebt die

Vorzüge dieser Lernmethode folgendermaßen

hervor: „Dank der internetbasierten

Lernplattform sind die Lehrgangsteilnehmer

bei der Erarbeitung

des Lernstoffes und der Vorbereitung

der Präsenzseminare ort- und zeitunabhängig,

d.h. sie genießen diesbezüglich

größtmögliche Flexibilität.“

Was die Ausbildungsinhalte der Projektmanagement-Seminare

anbelangt,

so sind diese weitestgehend auf die

Anforderungen der IPMA ausgerichtet.

In Zürich werden die Lehrinhalte in

drei großen Themenblöcken präsentiert:

„PM-Grundlagen der Projektplanung“,

„Projektsteuerung und Projektführung“

und „Multiprojektmanagement

und Zusammenarbeit“.

Ähnlich wie RDE legt auch Oerlikon

Contraves in der Qualifizierung ihrer

Projektmanager einen eigenen

Schwerpunkt auf die Verknüpfung von

theoretischem Wissen und praktischer

Erfahrung. Denn die Fachbereiche entsenden

ihre Spezialisten gezielt in die

Präsenzseminare, um im Rahmen von

speziellen Tagesthemen die branchenspezifischen

Projekteigenheiten und

–Sichtweisen des Züricher Unternehmens

zu vermitteln. „Dadurch werden

eine optimale Verzahnung zwischen

Theorie und Praxis sichergestellt und

der Lerntransfer ins Arbeitsumfeld des

Teilnehmers positiv unterstützt“, so

Linder.

An die sechsmonatige Ausbildungsphase

schließt sich eine ebenso lange

Zertifizierungsphase an, die relativ

standardisiert ist und in der nicht nur

der Nachweis der eigenen Projektmanagementkompetenz,

sondern auch

das minuziöse Einhalten von Rahmenbedingungen,

Fristen und Regeln eine

große Rolle spielen. Aus diesem Grund

erhalten die Teilnehmer zur gezielten

Prüfungsvorbereitung zusätzliche Unterstützung

durch einen externen

Coach.

Alle Präsenzveranstaltungen sowohl

in der Ausbildungs- als auch in der Zertifizierungsphase

finden Inhouse

statt. „Dies birgt den Vorteil, dass keine

zusätzlichen Reisekosten entstehen

und eine für die Teilnehmer optimale

Lernumgebung geschaffen werden

kann“, erklärt der seit 2003 in der

OCAG-Personalentwicklung tätige Andreas

Linder.

Bisher haben bereits 28 Projektmitarbeiter

der Oerlikon Contraves AG die

Projektmanagement-Ausbildung besucht.

Das Gros der Teilnehmer kommt

aus den Bereichen Operations und

Entwicklung. Seit Januar dieses Jahres

werden auch andere Unternehmensbereiche

eingebunden. Da sich das

Projektmanagement

in Zürich

bereits auf einemvergleichsweise

hohen Niveau

befindet

und ein überaus

großes Interesse

seitens der Mitglieder

von Pro-

jektteams an einerZertifizierung

besteht,

überlegt man sogar,

diese künftig

auf allen Levels

anzubieten. Europaweit (siehe dazu

auch „Profil“-Beitrag „Anwendung

im Fokus“) wird in einem speziellen 4-

Level-Certification-System ausbildet

und zertifiziert. Die IPMA unterscheidet

vier Rollen für Führungspersonal in

Projekten: Projektmanagement-Fachmann

(Level D), Projektleiter (Level C),

Projektmanager (Level B) und Projektdirektor

(Level A).

Andreas Linder: Ein wichtiger PM-Schwerpunkt

ist die Verknüpfung von theoretischem

Wissen und praktischer Erfahrung.

Foto: Angela Blattner

Auf die Frage, wie das Feedback der

bisherigen Lehrgangsteilnehmer bezüglich

Referenten, Trainer und Ausbildungsmethode

gewesen sei, antwortet

Linder, dass das Konzept des virtuellen

Lernens großen Anklang finde

und sich die Wahl der professionellen

Ausbildungspartner (hier sind es die

SGO, Schweizerische Gesellschaft für

Organisation und Management, und

die ibo Beratung und Training GmbH.)

positiv auf den Lernerfolg und die Zufriedenheit

der Teilnehmer auswirke:

„Ausbildung ist und bleibt ‚peoplebusiness‘.

Und die Qualität respektive

Kompetenz des Dozenten entscheidet

maßgeblich darüber, ob ein Lernprozess

erfolgreich ist.“

Ebenso wie seine RDE-Kollegin Ilona

Offermann ist Personalentwickler Linder

überzeugt, dass eine über den gesamten

Konzern standardisierte PM-

Ausbildung und -Zertifizierung eine

positive Auswirkung auf die Qualität

und den Erfolg von Projekten hat. Aber

nicht nur mit Blick auf das Unternehmen,

sondern auch seitens der Mitarbeiter

seien zahlreiche Vorteile zu verzeichnen.

„Dank der Ausbildung und

Zertifizierung leistet jeder Mitarbeitende

einen Beitrag zur persönlichen Arbeitsmarktfähigkeit,

was sich zu guter

Letzt auch in der Zufriedenheit jedes

Einzelnen in seiner Arbeit widerspiegelt“,

so der 33-jährige Personalentwickler.

Auf die abschließende Frage, ob die

PM-Zertifizierung seiner Ansicht nach

im gesamten Rheinmetall-Unternehmensbereich

Defence (ggf. auch bei

Automotive) eingeführt werden solle,

antwortet Linder: „Ja. Der Anteil an abteilungs-,

bereichs- oder sogar unternehmensübergreifenden

Arbeiten wird

weiter zunehmen und gewinnt damit

immer mehr an strategischer Wichtigkeit.

Ob und wie wir erfolgreich sein

werden, wird somit maßgeblich darüber

definiert, wie wir innerhalb und

außerhalb des Konzerns zusammenarbeiten.“

db


Seite 16 Aus dem Konzern

Das Profil 1/2006

akn Neckarsulm. Gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter sind für jedes

Unternehmen wichtig, denn sie stellen eine wichtige Ressource für den wirtschaftlichen

Erfolg dar. Aus diesem Grund fördern viele Unternehmen gemeinsam

mit den Beschäftigten deren Gesundheit und Wohlbefinden. Sie betreiben

so eine aktive betriebliche Gesundheitspolitik. Denn das ist unstrittig:

Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter helfen gezielt, Unfälle zu vermeiden,

Krankheitskosten zu senken, den Krankenstand – und damit die

Fehlzeiten – zu verringern sowie, im Einzelfall, die Erwerbsfähigkeit älterer

Beschäftigter zu erhalten (Stichworte sind hier z.B. die demographische

Entwicklung der Bevölkerung und der steigende Altersdurchschnitt der Belegschaften).

Auf einen kurzem Nenner gebracht: Präventives betriebliches

Handeln hilft in diesem Kontext auf Sicht und ganz gezielt, Kosten zu senken.

Aktive Gesundheitsförderung in Neckarsulm

„Fit-at-all“-Konzept

bringt Figur „auf Trab“

uch die KS Kolbenschmidt

GmbH und die

MSI Motor Service International

GmbH in Neckarsulm

haben die Zeichen

der Zeit erkannt

und kürzlich ein Gesundheitsprogramm

gestartet. Erste

Projekte werden bereits seit Sommer

vergangenen Jahres umgesetzt. Dazu

Personalreferentin Samira Al-Hunaty,

die seit Mai 2004 die gewerblichen Mitarbeiter

aus der Kolbenschmidt GmbH

sowie der MSI Motor Service International

GmbH betreut und zudem für die

kaufmännischen Azubis und die kaufmännischenBerufsakademie-Studenten

zuständig ist: „Die Beweggründe für

die Einführung des Programms waren

unser relativ hoher Krankenstand und

die Erkenntnis, dass in dieser Hinsicht

etwas getan werden muss. Um den Gesundheitsstand

zu erhöhen, haben wir

im Juli 2005 eine Betriebsvereinbarung

Krankenrückkehrgespräche und im Dezember

2005 eine Betriebsvereinbarung

Gesundheitsmanagement abgeschlossen.

Zum einen kümmern wir uns

seither verstärkt um Mitarbeiter, die

häufiger fehlen. Zum anderen bieten

wir jetzt verstärkt auch gesundheitsfördernde

Maßnahmen an und stärken so

gezielt die Eigenverantwortung der Mitarbeiter

das neue Programm zur Gesundheitsförderung

macht’s auf sportliche

Weise möglich.“ Getreu der Devise:

Fitness bringt die Figur „auf Trab“.

m ersten „Fit-at-all“-Kurs

nahmen rund 20 Mitarbeiter

der KS Kolbenschmidt

GmbH und der

MSI Motor Service International

GmbH in Neckarsulm

teil. Zu ihnen

gehörte auch Sabine Heimberger, die

als Sachbearbeiterin in der Finanzbuchhaltung

arbeitet. „Ich habe schon lange

etwas Passendes zum Thema Ernährung

gesucht. Bisher musste ich mich in

Sachen Diäten mehr oder weniger alleine

durchschlagen, indes mit lediglich

kurzfristigem Erfolg. In einer Gruppe,

mit entsprechender Motivation und

flankiert durch die Informationsabende

ist es über einen längeren Zeitraum

möglicherweise einfacher und effektiver,

ein paar Pfunde ‚abzuspecken‘.

So wurden bereits im Juli und im September

2005 ein Hebe- bzw. Tragetraining

für die Mitarbeiter angeboten, ein

Gesundheitstag durchgeführt sowie ein

Walking-Kurs organisiert. Vor kurzem

startete zudem das achtwöchige „Fit-atall-Programm“

mit einem ersten Kurs.

Hinter „Fit-at-all“ verbirgt sich ein

Trainings- und Ernährungskonzept, das

individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse

der Teilnehmer zugeschnitten

wird. Fit-at-all ist die gezielte Verbesserung

der Figur innerhalb von acht Wochen

– sprich Fettgewebe schmelzen

zu lassen, Muskeln aufzubauen, den

natürlichen Energieverbrauch zu steigern,

den Stoffwechsel zu verändern

und natürlich Gewicht zu reduzieren.

Das Fitnesstraining besteht aus zwei

unterschiedlichen Bausteinen: zum einen

aus dem Ausdauertraining (Cardio-

Training) mit dem Ziel der Fettverbrennung,

zum anderen aus einem gezielten

Muskeltraining, um Muskeln aufzubauen.

Im Bereich Ernährung ist Fit-atall

kein Diätprogramm, bei dem man

nur von Wasser und Zwieback leben

muss. Vielmehr soll der bewusste Umgang

mit Lebensmitteln gelernt und die

Ernährung langfristig umgestellt werden.

Während spezieller Gruppenabende

erfahren die Teilnehmer daher alles

Wichtige über Ernährung, Training und

die notwendigen Motivationshilfen,

um die acht Programm-Wochen auch

durchzuhalten.

Gesunde und leistungsfähige Mitarbeiter sind für jedes Unternehmen wichtig, denn sie stellen eine äußerst wichtige Ressource für den wirtschaftlichen Erfolg dar. Aus diesem Grund fördern viele Unternehmen

gemeinsam mit den Beschäftigten deren Gesundheit und Wohlbefinden – so auch die KS Kolbenschmidt GmbH und die MSI Motor Service International GmbH in Neckarsulm. Man hat, wie Kolbenschmidt-

Personalreferentin Samira Al-Hunaty sportive-aktiv bekennt (Foto Mitte), die Zeichen der Zeit erkannt und ein spezielles Gesundheitsprogramm mit jeder Menge sportlicher Aktivität gestartet. Dazu gehören natürlich

auch die von Kursleiterin Renate Michelfelder (Foto rechts) „verordneten“ Dehnungsübungen fürs Warmup oder das so genannte Cycletraining an den verschiedensten Geräten im Sportstudio (Foto links).

Hinzu kommt: Die Ernährung ist sehr

abwechslungsreich, man braucht nicht

zu hungern, so dass man einiges auch

für ‚die Zeit danach‘ lernen kann und

dadurch der Erfolg nachhaltiger wird.“

Die Erwartungen der 36-Jährigen wurden

nicht enttäuscht: Im Kurs hat sie

viele Informationen über verschiedene

Lebensmittel – und wie diese vom Körper

aufgenommen werden – erhalten.

Gerade dieses Hintergrundwissen (z.

B. über die Optimierung des Stoffwechsels

durch richtige Ernährung und

sportliche Betätigung oder die Gestaltung

eines gesunden Sporttrainings)

haben ihr sehr geholfen.

Machen sich fit mit „Fit-at-all“ (von links): Armin Ingelfinger, Reiner Friede, Sabine Heimberger, Ralf Stier und Steffen Mack.

„Auf dieses Kurs-Konzept aufmerksam

geworden sind wir durch eine Mitarbeiterin,

die ganz begeistert davon berichtet

hat. Ich habe mich dann mit dem Fitness

Center Neuenstadt, das einen derartigen

Fit-at-all-Kurs seit gut einem Jahr anbietet,

in Verbindung gesetzt und mir von

den dortigen Experten nähere Informationen

geben lassen“, erklärt die ausgebildete

Juristin Al-Hunaty. Daraus entstanden

ist nun eine Zusammenarbeit

mit dem Neuenstädter Sport Center, die

wie folgt aussieht: Kolbenschmidt-Mitarbeiter

können an dem regulär im Fitnesscenter

angebotenen Kurs teilnehmen.

Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten

sie eine Teilnahmebestätigung, die Kurskosten

von 99 € werden vom Unternehmen

erstattet. „Das ist nicht selbstverständlich“,

erläutert Samira Al-Hunaty:

„Kein mir bekanntes Unternehmen übernimmt

die volle Kostenerstattung.“

Kein ganz so typischer Teilnehmer

war der 25-jährige Armin Ingelfinger. Er

ist bereits seit 1997 Mitglied im Sportcenter

Neuenstadt und betreibt fast

täglich Sport. „Im Laufe des vergangenen

Jahres habe ich sehr viele Teilnehmer

der Kurse persönlich kennen gelernt:

Deren sichtbare Erfolge haben ei-

ne gewisse Neugier bei mir geweckt.

Als dann das Programm durch Kolbenschmidt

gefördert wurde, stand meine

Entscheidung fest: Da nimmst du teil!“

Der sportliche Angestellte aus der

Vertriebsdisposition kann das Konzept

nur weiterempfehlen: „In den einzelnen

Seminaren erfährt man viel Nützli-

Auch die Kantine vor Ort macht bei

dem Projekt mit und begleitet den

zweimonatigen Kurs mit einem speziellen

Menü, das den Vorgaben des „Fitat-all“-Konzepts

entspricht. „So bieten

wir vor allem Geflügel- und Fisch-Gerichte

mit viel frischem Gemüse an. Auf

die Zugabe von Soßen wird dabei jedoch

konsequent verzichtet“, erläutert

Küchenchef Michael Schmid die speziellen

kulinarischen Akzente. Um dem

Konzept Genüge zu tun – die Teilnehmer

sollen bewusst mehrere, aber dafür

kleinere Mahlzeiten zu sich nehmen

– werden im firmeneigenen Kiosk zudem

verschiedene zusätzliche Zwischenmahlzeiten

wie Salate, Joghurts,

Milchprodukte und Obst angeboten.

Dieser im wahrsten Sinne des Wortes

„schmackhafte“ Service erleichtert den

Teilnehmern natürlich das Durchhalten

und ist zudem äußerst praktisch. Be-

ches sowohl über das richtige Ess- und

Trinkverhalten als auch über effektives

Training. Erfolge, Probleme und Fragen

zum ‚Fit-at-all‘-Programm werden in

der Gruppe ausgetauscht und beantwortet.

Man fühlt sich also nicht allein

gelassen. Im Gegenteil: Als Teilnehmer

erhält man ein neues Bewusstsein für

Gesunde Ernährung auf die sportliche Tour

die Ernährung – was natürlich auch dabei

hilft, sich langfristig seine Idealbzw.

Wunschfigur zu (er)halten.“

Zu den Teilnehmern gehörte auch Reiner

Friede. Für den 40-Jährigen wurde

„Fit-at-all“ genau zum richtigen Zeitpunkt

angeboten: „Ich wollte gerade vor den

Weihnachtstagen noch einiges an Ge-

reichsleiter Schmid weiter: „Unser Service

wird sehr gut angenommen. Gut

ein Drittel der Kantinenbesucher – mithin

auch viele Mitarbeiter, die nicht

speziell am Fit-at-all-Programm teilnehmen

– wählt das spezielle Menü. Es

gibt also viele ernährungsbewusste

Mitarbeiter, die froh über unser Angebot

sind. Deshalb werden wir auch zukünftig

an drei bis vier Wochentagen

ein ‚gesundes‘ Essen in Form von frischem

Fisch oder als vegetarisches Gericht

anbieten.“

„Uns war es vor allem wichtig, mit ‚Fitat-all‘

ein Programm aufzulegen, das

der Zielgruppe auch etwas für den Privatbereich

Interessantes bietet.

Schließlich profitiert natürlich auch

das Unternehmen davon, wenn unsere

Mitarbeiter Sport treiben und auf ihre

Ernährung achten“, so Personalreferentin

Al-Hunaty abschließend.

wicht verlieren; das ist mir auch gelungen.“

Das Ergebnis kann sich in der Tat

sehen lassen: Zehn Kilogramm hat der

Diplom-Ingenieur, der als Teamleiter

Produktkonstruktion Dieselkolben (Nutzkraftfahrzeuge)

bei Kolbenschmidt tätig

ist, innerhalb der acht Kurs-Wochen abgenommen

und dies, ohne wirklich zu

hungern. „Die Ernährungsberatung hat

mir bewusst gemacht, welche Faktoren

für Übergewicht verantwortlich sind und

wie man diesem Umstand durch entsprechende

Ernährung und Sport entgegenwirken

kann. Das Konzept bietet mir

Lösungsansätze, die auch jetzt und in

Zukunft umsetzbar sind – sprich: Es

fällt mir leicht, Änderungen in der Ernährung

beizubehalten und sportlich

aktiv zu bleiben, um einen längerfristigen

Erfolg zu ermöglichen.“ akn

Fotos (4): Thomas Klink


Das Profil 1/2006 Aus dem Konzern

Seite 17

ertriebs- und Außendienstmitarbeiter,

Field

Sales Manager, Regional

Sales Manager, Account

Executives und

Aftersales Engineers –

sie alle gehören zu der

großen Gruppe der Sales Manager. Darüber

hinaus gibt es noch zahlreiche

weitere Titel rund um die Vertriebstätigkeit:

verschieden je nach regionalem

oder fachlichem Einsatzgebiet, oftmals

sogar von Firma zu Firma.

Benannt nach der firmenspezifischen

und damit individuellen Aufteilung des

regionalen wie auch internationalen

Verkaufs- bzw. Vertriebsgebiets gibt es

Field Sales Manager, Area Sales Manager,

Regional Sales Manager oder Global

Sales Manager. Hinzu kommen Experten,

die sich speziell um einen Kunden

(Key Account Manager – siehe „Das

Profil“ 5/2005) oder ein Produkt (Account

Representative) kümmern.

Auch dies gehört zum Metier: Innerhalb

des technischen Vertriebs kann

es sowohl einen Presales- als auch einen

Aftersales Engineer geben. Das

Hauptaufgabengebiet des Presales-Ingenieurs

bildet die Identifikation, Selektion

und Akquise potenzieller Kunden.

Weiterführend ist er dafür zuständig,

Produkte seines Unternehmens

dem Markt zu präsentieren sowie auf

die Bedürfnisse des Käufers einzugehen,

um Lösungsvorschläge anbieten

zu können. Der Aftersales-Ingenieur

wiederum betreut den Kunden nach

der Verkaufsabwicklung weiter und

steht ihm mit seinem spezifischen

Fachwissen zur Verfügung.

Doch ganz gleich, wie sie sich nennen

oder wie sie genannt werden: Sales-Experten

ist gemeinsam, dass sie ein Pro-

Was macht Sales Manager(in) Sigrid Strobel (RWM)?

Engagement auf einem

facettenreichen Parkett

acettenreiches Parkett: Werdegang

und aktuelle Funktion von

Sigrid Strobel sind ein exaktes

Spiegelbild des „Jobs“, den die

heute 49-Jährige bei der Rheinmetall

Waffe Munition GmbH

(RWM), Niederlassung Mauser

Oberndorf, ausübt. Sie ist als Sales Manager(in)

in der Abteilung Vertriebsunterstützung

engagiert und bündelt damit

gleich mehrere Facetten des breit

gefächerten Berufsbildes eines Sales

Managers (lesen Sie dazu auch „Die Nähe

zum Kunden ist das wichtigste Pfund“).

Bis August vergangenen Jahres arbeitete

Sigrid Strobel als Regional Sales

Managerin in Oberndorf und war in dieser

Position in der Abteilung, die für

den Bereich Verkauf/Vertrieb Deutschland

und Europa zuständig war, tätig.

Das heißt, ihr Aufgabenbereich bestand

in der Identifikation, Ansprache

und Akquise von potenziellen Kunden

sowie der Betreuung bereits bestehender

Kunden. Unter anderem betreute

sie in diesem Zusammenhang länderverantwortlich

Irland, den Bereich Luftwaffe

für Großbritannien und Industriekunden,

darunter den EADS-Konzern.

Im Rahmen der Umstrukturierung im

Rheinmetall-Defence-Bereich und der

Neuformierung der Rheinmetall Waffe

Munition GmbH wurden die einzelnen

Regional Sales Manager (Groß- und

Mittelkaliber) aus Oberndorf, Zürich,

Ratingen und Unterlüß zusammengefasst.

Daraus entstanden ist ein rund

30-köpfiges Team aus Akquisiteuren

und Vertriebsunterstützern. Ein Akquisiteur

betreut mindestens ein wichtiges

Kundenland (z.B. Spanien) und

vertritt alle RWM-Standorte mit deren

gesamter Produktpalette. Die Vertriebsunterstützer

wiederum helfen

den Akquisiteuren in sämtlichen fachlichen

Belangen bis hin zum Kundenbesuch,

falls erforderlich.

„Ich arbeite als Sales Managerin in

der Abteilung Vertriebsunterstützung

und betreue hier wichtige Industriekunden,

zum Beispiel EADS (European Aeronautic

Defence and Space Company -

Cartoon: Dirk Meissner

dukt oder eine Dienstleistung verkaufen

wollen. Mit dem Ziel, den Umsatz

zu steigern, Marktanteile zu gewinnen

und neue Chancen auf den Absatzmärkten

wahrzunehmen und damit gezielt

zu nutzen.

Zu den eigentlichen Aufgaben eines

Sales Managers gehört es zunächst einmal,

Kunden zu akquirieren. Welche Unternehmen,

welche Handelsketten, welche

Arztpraxen kommen da infrage –

um nur einige Zielgruppen zu nennen?

Wer ist der konkrete Ansprechpartner?

Wie erreiche ich ihn? Diese Fragen stehen

am Anfang. Ist der Kontakt dann

hergestellt, geht es darum, im Telefongespräch

oder bei Besuchen vor Ort herauszufinden,

was der potenzielle Kunde

genau benötigt.

München), NETMA (= Nato Eurofighter

& Tornado Management Agency mit Sitz

in München) oder die Rheinmetall

Landsysteme GmbH. Ich gehöre zwar

zur Abteilung Vertriebsunterstützung,

übernehme aber in Bezug auf meine Industriekunden

typische Tätigkeiten einer

Sales Managerin“, erklärt Strobel,

die im Sommer dieses Jahres bereits 33

Jahre im Unternehmen tätig sein wird:

1973 begann sie, damals noch bei der

Mauser-Werke Aktiengesellschaft, eine

Ausbildung zur Industriekauffrau; doch

bereits während ihrer Ausbildung wechselte

sie in die Abteilung Vertrieb „Ersatzteile

und Instandsetzung“.

Heute betreut sie, wie gesagt, wichtige

Industriekunden, wenn es zum Beispiel

um spezielle Boden-Dienst-Prüfgeräte

– diese werden zum Betreiben

der Waffenanlage und der Munition benötigt

für den Eurofighter geht oder

ein Kunde sich zum Beispiel für die

27mm-Munition der Bordkanone BK 27

interessiert. Zurzeit hat sie es in dieser

Hinsicht mit einem britischen Ministerium

zu tun. Die Angebotspalette für

die BK 27 mm, die im Eurofighter, im

schwedischen Kampfflugzeug Gripen,

im Tornado-Kampfflugzeug und im

leichten Jagdbomber Alpha Jet eingesetzt

wird, umfasst Munition, Boden-

Dienst-Prüfgeräte, spezielle Besuchsprogramme

und Ausbildungskurse.

Auch beim Puma-Projekt, dem kurz

vor Weihnachten 2005 erstmals einem

Fachpublikum vorgestellten neuen

Schützenpanzer für die deutschen

Streitkräfte, ist Sigrid Strobel mit involviert.

Sie koordiniert die Beschaffung

der Maschinenkanone mit Air Burst

Munition (MK 30-2/ABM) für das hochmoderne

Fahrzeugkonzept von der

kaufmännischen Seite.

„Zu meinen Aufgaben im Rahmen

dieser Projekte gehört dann vor allem

die Akquisition von Aufträgen.“ Sprich:

Sigrid Strobel betreut die Kunden vom

ersten Kontakt an, geht auf Kundenwünsche

ein, arbeitet Verkaufsziele

und ein individuelles Kundenkonzept

(Kundenanalyse: Definition bzw. Fixie-

Sales Manager führen Präsentationen

bei interessierten Marktpartnern durch,

legen Angebote vor, fragen nach („nachfassen“),

wie sich der (potenzielle) Kunde

entschieden hat oder ob er noch Änderungen

wünscht. Hat der Sales Manager

erfolgreich gearbeitet, folgt der Vertragsabschluss.

Ein Abschluss, der in

Umsatz mündet.

Vertrieb bedeutet also vor allem Kundennähe.

Der existierende Kundenstamm

muss persönlich betreut und

EDV-technisch verwaltet, potenzielle

Neukunden identifiziert und akquiriert

werden. Auch der sog. „After Sales Service“,

die Betreuung der Kunden nach

dem Kauf, kann zum Aufgabenbereich

von Vertriebsmitarbeitern gehören:

Kommt der Kunde mit der Handhabung

Engagiert sich auf dem facettenreichen Vertriebsparkett der RWM: Sales Managerin Sigrid Strobel mit einem Dummy der 27mm

Munition für die Bordkanone BK 27, die u.a. im Tornado-Kampfflugzeug und im leichten Jagdbomber Alpha Jet eingesetzt wird.

rung der Bedürfnisse und Wünsche des

Kunden als wichtige Grundlage für das

spätere Verkaufsgespräch) aus, führt

erfolgreich das Projektmanagement

bei Ausschreibungen durch und erstellt

Angebote. Weiterhin plant und führt sie

so genannte verkaufsunterstützende

Maßnahmen durch, im Besonderen

Präsentationen und (Schieß-)Vorführungen.

Wird der Auftrag erteilt, kommen

noch bestimmte Aufgaben der

Auftragsabwicklung hinzu; dazu gehören

zum Beispiel die Durchführung

der technischen und kommerziellen

Vertragsprüfung in Zusammenarbeit

mit der Auftragsabwicklung ebenso wie

die Betreuung der Kunden bei Audits

und Abnahmen.

Das folgende Beispiel verdeutlicht

konkreter das Arbeitsspektrum der reisefreudigen

Vertriebsmitarbeiterin, die

privat schon viele Städte und Bundesstaaten

der USA mit ihrem Mann Roland

bereist hat und immer wieder von

der abwechslungsreichen Landschaft

begeistert ist: Eine neue Munition für

die Bordkanone 27mm wurde bei RWM

entwickelt. Um das Kundeninteresse zu

wecken, wurden die in Frage kommenden

Kunden zu einer Schießvorführung

der erworbenen Ware bzw. dem Einsatz

des gelieferten Produktes zurecht; oder

hat er konkrete Fragen zum Einsatz?

Die Fachkenntnis des angebotenen

Produktes bzw. der Dienstleistung

und eine hohe Identifikation mit der

offerierten „Ware“ machen den Vertriebsmitarbeiter

zu einem vertrauenswürdigen

Mittler zwischen Unternehmen

und Kunden.

Die tatsächlichen Aufgaben eines

Sales Managers sind indes so ähnlich

wie seine Berufsbezeichnungen von

Firma zu Firma unterschiedlich. Das

Pensum richtet sich vor allem nach der

Größe des Unternehmens und da-

nach, auf welchem Markt dieses aktiv

ist. Je kleiner eine Firma ist, desto weiter

bzw. breiter ist das Aufgabengebiet

des Sales Managers gefasst.

Berufseinsteiger beginnen normalerweise

im Vertriebsaußendienst. Erfahrung

im operativen Geschäft vor Ort ist

immer die beste Grundlage für eine

Karriere im Vertrieb. Im Anschluss

qualifizieren sich Sales Manager oft

im Innendienst weiter.

Wer sich für den Beruf eines Sales

Managers interessiert, hat die besten

Chancen, wenn er sowohl kaufmännisch

als auch branchenspezifisch

fachlich qualifiziert ist. Für Sales Manager

eines Flugzeugbauers zum Beispiel

ist Ingenieurwissenschaft die

richtige Richtung, für den Vertriebs-

eingeladen. „Ich übernahm die dafür

notwendigen Arbeiten, sprich Mithilfe

bei Ausarbeitung des Ablaufprogramms,

die Betreuung der Kunden vor

Ort und anschließend die Übersendung

der erfolgten Präsentation an die

Teilnehmer. Daraus ergab sich Potenzial

bzw. Interesse bei einem meiner

Kunden, so dass daraufhin eine gezielte

Akquise mit weiteren Präsentationen

inklusive Budgetpreisabgaben erfolgte.

Inzwischen hat sich der Kunde

für diese Munition entschieden, die

wir demnächst für ihn qualifizieren

werden.“

Grundsätzlich ist und bleibt Sigrid

Strobel jedoch eine „Verkäuferin“. Wobei,

wie schon skizziert, dazu eben

auch mehr gehört: Beim Kunden muss

der Bedarf am Produkt geweckt und –

bei konkretem Interesse – entsprechend

erfüllt werden. Auch dies gehört

zum Job: Treten Probleme auf, müssen

Lösungen gefunden werden. Unterstützt

wird die gebürtige Oberndorferin

bei ihrer Tätigkeit vor allem von der Entwicklungsabteilung.

Denn nur wer sein

Produkt genau kennt, kann es beim

Kunden auch „verkaufbar“ machen

bzw. diesem dessen Vorteile und Neu-

mitarbeiter eines Pharmaunternehmens

stehen Medizin oder Pharmazie

im fachlichen Vordergrund.

Betriebswirtschaftliche Kompetenz,

das Verständnis für kaufmännische

und wirtschaftliche Zusammenhänge,

strukturiertes Denken, das Wissen,

wie „die Branche redet“ sowie modernes

Marketing-Know-how, organisatorische

Fähigkeiten und Verhandlungsgeschick

das sind unverzichtbare

Voraussetzungen für Sales Manager.

Schließlich vermitteln sie das Firmen-

Know-how nach außen und bringen

Wünsche und Anregungen der Kunden

intern auf die richtige Schiene – etwa

Die Nähe zum Kunden

ist das wichtigste Pfund

für die Weiterentwicklung von Produkten

oder Innovationen in der Produktplanung.

Wer sich für eine Tätigkeit im Vertrieb

interessiert, sollte deshalb über

hohe Sozialkompetenz verfügen:

Kontakt- und Kommunikationsfreudigkeit,

vertrauenswürdiges Auftreten,

Durchsetzungsfähigkeit und Empathie

(die Fähigkeit, sich in andere

Menschen hineinzuversetzen) im Umgang

mit der jeweiligen Kundengruppe

sind besonders wichtige persönliche

Merkmale. Neben den produktspezifischen

Kenntnissen – sie sind

natürlich das „A + O“ – bilden generell

auch Sprachkenntnisse und internationale

Erfahrung ein weiteres

wichtiges Plus. akn

erungen genau erklären. Zu Verhandlungen

nimmt Strobel aus diesem

Grund auch schon mal den zuständigen

Entwickler oder Techniker bzw. Projektleiter

mit. Neben kaufmännischen

Fähigkeiten sind also auch gute technische

Kenntnisse über das zu verkaufende

Produkt gefragt.

Last but not least gehören Fingerspitzengefühl,

Einfühlungsvermögen und

Geduld sowie kommunikative Fähigkeiten

einschließlich sicherem Auftreten

zum Persönlichkeitsprofil des Sales

Managers, will dieser erfolgreich das

für gute Geschäftsbeziehungen unbedingt

erforderliche Vertrauensverhältnis

zum Kunden – oftmals bzw. überwiegend

sind dies auf dem Wehrtechniksektor

Behörden – schaffen.

„Gerade die geschilderte, vielseitige

Arbeit und die zahlreichen Aufgaben,

der Kontakt zu Menschen, nicht nur am

Schreibtisch sitzen zu müssen, sondern

auch auf Dienstreise gehen zu können

oder Besprechungen und Vorführungen

zu planen und durchzuführen – das alles

macht meinen Beruf so interessant

und spannend“, resümiert Sales Manager(in)

Sigrid Strobel, die in ihrer Freizeit

gerne Krimis und Thriller liest. akn

Foto: Thomas Klink


Seite 18 Aus dem Konzern

Das Profil 1/2006

it großen Ambitionen

ist sie seinerzeit

von Köln nach Düsseldorf

gekommen

und hat es schließlich

geschafft, den

Rat der nordrheinwestfälischen

Landeshauptstadt für ihr

neues Museumskonzept zu gewinnen.

Mit der Leiterin des Düsseldorfer Stadtmuseums,

Dr. Susanne Anne, sprach

„Das Profil“ über die neue Konzeption

des ältesten Düsseldorfer Museums.

Profil: Nach zweieinhalb Jahren Planungszeit

konnten Sie Mitte Februar

dieses Jahres das neue Stadtmuseum

wieder eröffnen. Worin besteht das

Neue, das eigentlich Revolutionäre Ihres

Konzeptes?

Anna: Unser Museum ist ein „fragendes

Museum“ geworden. Wir haben

mit unserem Ausstellungskonzept den

bisherigen Absolutheitsanspruch von

Forschungsergebnissen aufgegeben.

Unsere Besucher sollen das Museum

künftig mitgestalten. Wir bitten sie um

ihre Fragen und Kommentare, die allesamt

wissenschaftlich ausgewertet

werden. Dazu stehen Kommentarbögen,

unser neuer Internet-Auftritt,

aber auch die Mitarbeiter des Hauses

als direkte Ansprechpartner zur Verfügung.

Die daraus entstehenden Ergebnisse

fließen wiederum zurück ins

Haus, das so auch ein „lernendes“

Museum wird. Dieses Konzept gibt es

meines Wissens nach nirgendwo sonst

auf der Welt. Mehr noch: Internationale

Museen haben Interesse gezeigt –

Düsseldorfer Stadtmuseum in neuem „Gewand“

Firmengründer Ehrhardt

in voller Lebensgröße

Düsseldorf. Zweieinhalb Jahre hat es

gedauert, nun ist es wieder für das Publikum

zugänglich: Das „neue“ Düsseldorfer

Stadtmuseum wurde am 12. Februar

2006 eröffnet. Das historische Museum

der Stadt Düsseldorf vom Staub

der Jahrzehnte zu befreien – das war

das Anliegen von Dr. Susanne Anna, als

sie sich mit ihrem Team im September

2003 daran machte, die Konzeption

dieses ältesten Museums der Stadt umzukrempeln

und völlig neu zu überarbeiten.

Nicht mehr nur ein Speicher von

Wissen und Gegenständen sollte das

Haus zukünftig sein, sondern sich „aktiv

am Gestaltungsprozess gesellschaftlicher

Realitäten“ beteiligen.

Ob dies gelingen wird, ist eine Frage,

die erst in Zukunft beantwortet werden

kann. Nämlich dann, wenn sich die Besucher

intensiv mit den Fragen und Antworten,

die das neue Museum bereithält,

auseinander setzen werden – oder

es möglicherweise auch bleiben lassen.

Denn beides ist jetzt möglich: Der „klassische“

Museumsbesucher, der Exponate,

Bilder, Schriftstücke und Informationen

konsumieren möchte, kann dies

auch weiterhin tun. Und besonders die

Düsseldorfer finden zahlreiche der ihnen

bekannt und lieb gewordenen

Schaustücke auch im neuen Haus wieder.

Der Besucher kann sich – und da-

Industriegeschichte: Ein Originial-Bombenzünder

aus dem Zweiten Weltkrieg

sowie ein Modell eines Kampfpanzers

Leopard II A4 im Maßstab 1:20 sind

die neuen Rheinmetall-Dauerleihgaben.

Das Bildnis des Firmengründers

Heinrich Ehrhardt ist seit langem im

Besitz des Düsseldorfer Stadtmuseums.

rauf legt das Team unter Museumschefin

Anna ganz besonderen Wert – aber

auch mit der Stadtgeschichte und deren

Entwicklung bis heute und sogar in der

Zukunft auseinandersetzen, kritische

Fragen stellen, eigenes Wissen einbringen,

an Diskussionen teilnehmen und

so Stadt und Museum gewissermaßen

„in Bewegung erleben“.

Eines jedenfalls ist schon jetzt gelungen:

Die Neugestaltung des Museums

beeindruckt. Auf zwei Etagen kann der

Besucher nun wieder durch die Stadtgeschichte

wandern, sich von der Ur- und

Frühgeschichte über die mittelalterliche

Stadt in die prachtvolle Zeit der kurfürstlichen

Residenz hineinversetzen lassen

und sich über das Napoleonische Zeitalter,

die Industrialisierung, die Zeiten

von Revolutionen, Nazi-Terrorherrschaft,

Weltkriegen und Wirtschaftswunder sowie

über das heutige Düsseldorf umfassend

informieren – bis hin zur kostenlosen

Mitnahme der aktuellen Tageszeitung.

Informieren kann man sich nicht

nur zur Geschichte, sondern auch über

das gesellschaftliche Leben und – ganz

wichtig – die Kunst. Die Düsseldorfer

Malerschule, das „junge Rheinland“

oder auch Joseph Beuys spielen eine

große Rolle im Museum.

Ein spezieller Raum im Museum beschäftigt

sich mit „Produktion und Wa-

in Wien zum Beispiel beschäftigen sich

Museumskollegen mit diesem Konzept.

Profil: Und Ihre Besucher, die Sie ja in

Zukunft zahlreicher als früher erwarten,...

Anna: ... sollen sich in unseren Räumen

wohl fühlen. Die Menschen leben

in dieser Stadt, sie sind Teil der Stadt,

und sie sollen erfahren, dass das Stadtmuseum

ebenfalls ein Teil der Stadt ist.

Die Besucher sollen sich hier bei uns

wie zu Hause fühlen, und sie sollen

auch teilhaben an dem, was hier geschieht.

Deswegen geben wir auch eine

Museumszeitung heraus, die z. B. aktuelle

Projekte aus den Projekträumen

vorstellt. Und über den Kommunikationsbogen

oder über das Internet kann

der Gast wiederum den Kontakt zu uns

aufnehmen, Fragen stellen, Ergänzungen

oder Anregungen geben.

Profil: Sie haben zahlreiche Sponsoren,

auch aus der Düsseldorfer Wirtschaft,

für Ihr Museum gewonnen, darunter

auch die Firma Rheinmetall. Was

erwarten Sie – über die finanzielle Unterstützung

hinaus – von Ihren Sponsoren

und was können Sie wiederum ihnen

bieten?

Anna: Ohne Geld geht natürlich nichts,

das ist richtig. Aber das ist nicht das

Wichtigste. Vorrang hat fürunsdie Kommunikation

mit den Sponsoren. Wir

möchten sehr gerne mit ihnen im Gespräch

bleiben, von ihnen lernen, denn

Dr. Susanne Anna – hier mit den Exponaten der Rheinmetall AG – leitet seit 2003 das neu strukturierte Düsseldorfer Stadtmuseum.

renschau“, zeigt mithin einen kleinen

Ausschnitt der Düsseldorfer Wirtschaftsgeschichte.

Und hier ist auch Rheinmetall

mit einigen Exponaten vertreten: Herausragend

natürlich – wie auch schon

in der alten Sammlung – das lebensgroße

Bildnis von Heinrich Ehrhardt, angefertigt

von dem Künstler Albert Henrich.

Es stammt aus dem Jahre 1941 und orientiert

sich an einem früheren Werk

des Malers Franz Kiederich.

Zwei Produkte, die die Rheinmetall

Waffe Munition GmbH bzw. deren Wehrtechnische

Studiensammlung in Unterlüß

dem Stadtmuseum nun als Dauerleihgabe

zur Verfügung gestellt hat, präsentieren

neuerdings dem Besucher,

was Rheinmetall für den Wirtschafts-

– wie gesagt – wir sind ein „lernendes“

Museum. Erfahrungen z. B. im Management

oder in der Unternehmenskultur

sind uns sehr wichtig. Genauso wie Unternehmen

sich im ständigen Wandel

befinden, wird das auch mit dem Stadtmuseum

der Fall sein. Und wie auch Firmen

immer wieder Änderungen in ihrer

Unternehmenskultur erfahren, so muss

auch das Stadtmuseum Mut zeigen zu

Veränderungen. Von diesen Erfahrungen

würden wir sehr gerne profitieren.

Profil: Und umgekehrt...

Anna: ... haben wir natürlich auch den

Unternehmen etwas zu bieten. Wir stehen

z. B. eng in Kontakt mit den Bürgern

dieser Stadt, die uns etwa ihre Fotos,

Schriftstücke und Erinnerungen bringen.

Darunter befinden sich unter Umständen

Dinge, die wiederum zur Geschichte

der hiesigen Unternehmen gehören,

Gegenstände also, die ihrerseits

auch das (historische) Wissen der jeweiligen

Firma voranbringen. Da ist ein

ganz konkreter Wissenstransfer möglich.

Das Stadtmuseum möchte die Unternehmen

auch einladen, in unsere Räume zu

kommen. Wer seine Geschäftspartner

gerne einmal an einem eher ungewöhnlichen

Ort bewirten oder mit den Mitarbeitern

einer Abteilung ein Treffen oder

Essen veranstalten möchte, der ist herzlich

eingeladen, dies im Stadtmuseum

tun. In unseren Projekträumen lässt sich

zudem eine Firmenausstellung präsen-

standort Düsseldorf bis 1992 bedeutete.

Ein Bombenzünder aus den letzten

Kriegsjahren – er stammt ursprünglich

aus dem Besitz des besten Zünderentwicklers,

den die frühere Rheinmetall-

Borsig beschäftigt hatte: Herbert E. Rühlemann

– steht für die weit gespannte

Entwicklungs- und Produktionstätigkeit

vor und während des Zweiten Weltkriegs.

Das Modell des Kampfpanzers

Leopard II A4 im Maßstab 1:20 ist ein

wahrer Blickfang in diesem Raum. Er repräsentiert

das mittlerweile 50-jährige

Rheinmetall-Engagement für die Bundeswehr,

vor allem im Werk Düsseldorf,

in dem Teile von Waffenanlagen für Panzerfahrzeuge

und Artillerie entwickelt,

gefertigt und montiert worden sind.

tieren. Und wer Exponate hat, die er einem

größeren Publikum zeigen möchte,

der kann dies gerne zeitweise in unserer

Sammlungspräsentation tun, deren Exponate

ja immer wieder wechseln.

Profil: Zentrale Aspekte zwischen

Stadtmuseum und Sponsoren sind …

Anna: … der Kontakt und die Kommunikation

miteinander sowie der Knowhow-Tansfer.

Profil: In diesen Tagen wird eine Sonderausstellung

unter dem Titel „Überschreitungen.

Wechselspiel zwischen

Kunst und Wirtschaft“ eröffnet, an der

sich Rheinmetall ebenfalls mit einigen

Exponaten beteiligen wird. Was wird in

dieser Sonderschau ausgesagt?

„Ein Museum, das gezielt fragt und lernt“

Anna: Das 19. Jahrhundert ist für

Düsseldorf ja sehr bedeutsam gewesen,

weil die Industrie damals begonnen

hatte, große Teile der städtischen

Struktur zu bestimmen und zu verändern.

Ohne die damalige Industrialisierung

wäre Düsseldorf nicht zu dem geworden,

was es heute ist. In Düsseldorf

wiederum ist ein in diesem Maße fast

einzigartiges Engagement der Unternehmer

im kulturellen und wissenschaftlichen

Bereich anzutreffen, was

sich u. a. darin zeigt, dass einer ihrer

Treffpunkte der Künstlerverein Malkasten

war. Dieses Wechselspiel zwischen

Wirtschaft und künstlerischem, aber

auch sozialem Engagement möchten

wir gerne einmal darstellen. lb

In diesen Wochen wird zudem eine

Sonderausstellung eröffnet, die sich

ganz speziell dem Thema Düsseldorf

im 19. Jahrhundert widmen wird. Auch

hier wird Rheinmetall Exponate zur Verfügung

stellen, die Heinrich Ehrhardt

und die Gründung des Düsseldorfer

Rheinmetall-Werkes im Jahre 1889 darstellen.

Diese Sonderausstellung, die

vom 12. März bis zum 14. Mai 2006 zu

sehen sein wird, wird in der nächsten

„Profil“-Ausgabe vorgestellt.

Das Stadtmuseum Düsseldorf, Berger

Allee 2, ist dienstags bis donnerstags

und sonntags von 11 bis 20 Uhr sowie

freitags und samstags von 11 bis 24 Uhr

geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Dr. Christian Leitzbach

Fotografischer Blick ins Düsseldorfer Stadtmuseum (v.l.): Die Epoche des Kurfürsten Jan Wellem wird in zahlreichen Bildern und Exponaten dargestellt, die sowohl die internationalen Beziehungen des Pfalzgrafen als auch

das streng reglementierte Leben in der Stadt verdeutlichen.Das Bildnis Cosimos III. de Medici (Mitte), des Schwiegervaters des Kurfürsten Jan Wellem, der von 1679 bis 1716 in Düsseldorf residierte, wurde als Neuerwerbung

über den Freundeskreis des Düsseldorfer Stadtmuseums übereignet. Mit Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz verbinden sich die berühmten Anlagen des Hofgartens und der Schlösser Jägerhof und Benrath (Foto rechts).

Fotos (2): Ariane Gehlert

Fotos (3): Stadtmuseum Düsseldorf


GRENZSCHUTZ: NEUE HERAUSFORDERUNGEN IM

ZEITALTER VERÄNDERTER BEDROHUNGEN

Für ihre innere und äußere Sicherheit sind die Staaten auf bestmöglichen Grenzschutz

angewiesen. Zunehmend wird es notwendig, neben den klassischen Grenzanlagen auch

die zunehmende Zahl grüner und maritimer Grenzverläufe optimal zu sichern. Rheinmetall

bietet dafür eine Reihe spezifisch angepasster Lösungen. Zum Beispiel mit einem

breiten Angebot an luftgestützten Überwachungssystemen, optischen und akustischen

Sensoren und Kontrolleinrichtungen für Grenzübergänge. Zusätzlich gewährleistet Rheinmetall

die Vernetzung aller Informationen in einer oder mehreren Einsatzzentralen und

ermöglicht dadurch eine detaillierte Darstellung der Lage in allen Sektoren des Grenzüberwachungsbereiches.

Somit können Maßnahmen ergriffen werden, bevor ein illegaler

Grenzübertritt erfolgt. Weitere Informationen finden Sie unter: www.public-security.com

Rheinmetall AG

Geschäftsfeld Public Security

Pempelfurtstraße 1

40880 Ratingen

Telefon +49 2102 90-2313

Telefax +49 2102 90-2312

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