DIE WIRTSCHAFT

livingbox

Branchen &Betriebe: In

Coesfeld lockt das Bio-Eis

Seite 12/13

Geld &Geschäft: Risiko ist

ihr Geschäft: Hansekuranz

Seite 24

Leben &Wissen: Pummelige

Betonfiguren erobern Telgte

Seite 30

DIE WIRTSCHAFT

Ausgabe 3/15

Münster |Münsterland

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Gründer fördern

hilft

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Auch im Münsterland machen sich immer weniger Menschen

selbstständig. Das schadet der Wirtschaft und der Region.

29 Jahre jung, immer noch Student, und zugleich

sein eigener Chef. Patrick Bröckers ist

ein Gründer, wie man ihn sich vorstellt: Pfiffig,

idealistisch und kreativ. Vor zwei Jahren

brachte der Gronauer das Software-Unternehmen

„opwoco“ an den Markt.

Mit Erfolg.

Das Start-up entwickelt Apps für mobile

Anwendungen. „Opwoco“ ist

auf Wachstum gepolt. 18 Mitarbeiter

hat das Unternehmen derzeit, 30

sollen es in absehbarer Zeit sein.

„Und beim Umsatz wollen wir demnächst die Million-Grenze

knacken“, sagt Bröckers. „Opwoco“

ist Ringeltaube und Mut-Macher zugleich.

Denn: In Deutschland ist es um die

Gründungskultur schon seit Jahren

nicht mehr zum Allerbesten

bestellt.

Seit 2005 sinkt die

Zahl der gewerblichen

Gründungen

landauf, landab. Allein

im Jahr 2014

ging sie im Vergleich

zum Vorjahr um 28 000

auf rund 309 000 zurück. Das

ist ein Minus von immerhin 8,3

Prozent.

Im internationalen „Doing-Business“-Ranking,

das die Weltbank

jährlich veröffentlicht, ist

Deutschland um elf Positionen

zurückgefallen und belegt aktuell

Platz 114 – das ist die Liga, in der

auch die Dominikanische Republik und Ruanda

spielen …

Fortsetzung auf Seite 2/3

OFFEN GESAGT

Chef werden

Von einem „Gründerland“,

wie es politische und wirtschaftliche

Kräfte wünschen,

sind wir weit entfernt. Meilenweit

sogar, schaut man auf ein

Ranking, das die Weltbank in

Washington regelmäßig erstellt.

Gegenüber angloamerikanischen

Ländern nimmt sich

die Zahl der Neugründungen

und Start-Ups zwischen Kiel

und Konstanz geradezu bescheiden

aus.

Chef werden, das ist hierzulande

für die Allermeisten kein

Traum. Die gut dotierte abhängige

Beschäftigung wird dem

vermeintlichen Abenteuer

Selbstständigkeit gerne vorgezogen.

Bedauerlich, denn Existenzgründer

und Unternehmensnachfolger

sind gleichermaßen

gefragt.

Zum Glück zeigen junge und

frische Beispiele in Münster

und im Münsterland, dass sich

Risikobereitschaft und Engagement

auszahlen können. Kreative

neue Unternehmen sind

entstanden, die in ihren Märkten

mehr als nur den Fuß in

der Tür haben.

Wie wird man Gründer? Am

besten nicht aus der Not heraus,

sondern getrieben von

eigenem Engagement und dem

Willen, Neues zu schaffen. Die

Basis für diesen Wunsch muss

früh geschaffen werden –in

der Schule und in der Familie.

Wer schon dort darin bestärkt

wird, die Zukunft selbst in die

Hand zu nehmen, wird die

Stärke und den Mut mitbringen.

Und schon gar nicht, darf

das Unternehmerbild so verzerrt

werden, wie heute noch

in manchen Schulbüchern. wk

Ein Betrieb –ein Vertrag

Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen begrüßen Gesetz zur Tarifeinheit

Der Grundsatz „Ein Betrieb – ein

Tarifvertrag“ ist für die Praxis der

Betriebe und der Tarifautonomie

von enormer Bedeutung.

So bewertet Dirk W. Erlhöfer,

Hauptgeschäftsführer

der Arbeitgeberverbände

Ruhr/Westfalen

(Bochum) das verabschiedete

Tarifeinheitsgesetz. „Zustände

wie in den vergangenen Wochen

und Monaten mit Lokführerund

Pilotenstreiks bleiben uns zukünftig

erspart“, so Erlhöfer. Das sei

ein gutes Zeichen für die deutsche

4 198869 002009

2 0 0 2 6

Wirtschaft. „Die Tarifeinheit hat fast

60 Jahre sichergestellt, dass Klarheit

in den Betrieben herrscht, welcher Tarifvertrag

auf welche Arbeitnehmer

anzuwenden ist. Für identische

Arbeitnehmergruppen können nicht

gleichzeitig mehrere Tarifverträge

gelten“, erklärt Erlhöfer.

Das Bundesarbeitsgericht hatte im

Jahre 2010 die Tarifeinheit gekippt

und damit Spartengewerkschaften

den Weg bereitet, um als vergleichsweise

kleine Berufseinheiten große

Teile des öffentlichen Lebens und der

Wirtschaft durch Streiks lahmzulegen.

Es gehe nun nicht darum, Monopole

für bestimmte Gewerkschaften zu

begründen oder einzelne Gewerkschaften

aus der Tarifautonomie zu

drängen. Die Tarifeinheit stärkevielmehr

die Solidargemeinschaft im Betrieb

und verhindere die Zergliederung

der Belegschaften. Arbeitgeber,

Betriebsräte und Arbeitnehmer

müssten auf einer verlässlichen

Grundlage zusammenarbeiten können.

Auch wenn Erlhöfer einräumt, dass

mit dem neuen Tarifeinheitsgesetz

nicht alle Probleme des Tarifrechts

gelöst werden, ist er erleichtert: „Mit

dem Gesetz wird sichergestellt, dass

neue Spartengewerkschaften, die

kleine Minderheiten in Betrieben

vertreten, die Tarifordnung nicht

zerlegen können.“ Die Tarifautonomie

habe sich als ein großer Standortvorteil

für Wirtschaft und Arbeit

in Deutschland erwiesen. Ohne Tarifeinheit

könnte diese Tarifautonomie

auf Dauer atomisiert werden.

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2 MACHER &MÄRKTE

Keine rosaroten Zeiten

für Existenzgründer

In NRW hat sich ihre Zahl in den vergangenen zehn Jahren fast halbiert.

Vor allem die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt verhindert eine neue Gründerzeit.

„Durch die Ich-AGs wurde Ende des

vergangenen Jahrzehnts die Ausgangsbasis

bei den Unternehmensgründungen

künstlich erhöht.“

Wieland Pieper, IHK

Dieser Trend spiegelt sich in

NRW und auch in der Region.

Wenn auch dort nicht

ganz so dramatisch. Zum

vierten Mal in Folge sank

im Bezirk der Industrie- und Handelskammer

(IHK) Nord Westfalen die Zahl

der sogenannten „echten“ Unternehmensgründungen.

2014 wurden im Kammerbezirk

8145 neue gewerbliche Unternehmen

gegründet. Das entspricht einem

Rückgang von 5,5 Prozent im Vergleich

zum Vorjahr. Im Münsterland

selbst beträgt das Minus im gleichen Zeitraum

milde 3,2 Prozent. Nach unten gezogen

wird der eigentlich recht gute regionale

Schnitt vor allem durch die Entwicklungen

im

Kreis Warendorf.

Der Rückgang an

Gründungen beläuft

sich dort im

Vergleichszeitraum

auf fast elf

Prozent.

Demgegenüber

geradezu rosig sehen

die Entwicklungen

in den anderen

Kreisen und dem Oberzentrum

aus: Münster –minus 1,9 Prozent; Borken

–minus 0,9 Prozent, Steinfurt –minus

3,3 Prozent und der Kreis Coesfeld

als positives Beispiel mit plus 2,1 Prozent.

Im Landesdurchschnitt war der Drang,

Unternehmer zu werden, mit 5,8 Prozent

noch geringer. Deutlich wird die dahinterstehende

Dramatik erst, wenn man

längereZeiträume in den Blick nimmt. So

hat sich die Zahl der Gründungen in NRW

innerhalb von zehn Jahren fast halbiert.

2004 wurden noch 13 237 Gründungen

in den Handelsregistern eingetragen.

Der Rückgang hat viele Ursachen. Einige

liegen in Entwicklungen der Vergangenheit

begründet, die das Bild heuteverzerren.

Heißt: Ganz so dramatisch, wie die

aktuellen Zahlen vermuten lassen, ist die

Tendenz gottlob nicht. Da wären zum

einen die Ich-AGs zu nennen, „durch die

Ende des vergangenen Jahrzehnts die

Ausgangsbasis bei den Unternehmensgründungen

künstlich erhöht wurde“,

sagt Wieland Pieper, Leiter des Bereichs

Industrie und Unternehmensförderung

bei der IHK. Ihnen lag die Idee zugrunde,

dass ein großer Bedarf ankostengünstigen

Dienstleistungen bestünde, der von

bis dahin Arbeitslosen bedient werden

könne. Also gründeten unzählig viele

Menschen ohne Job Einzelunternehmen

–und wurden dabei vomStaat gefördert.

Wenn alles passt, können sich Existenzgründer am Markt wunderbar behaupten.

Zuwächse im satten zweistelligen Bereich

warenzwischen 2003 und 2006 keine

Ausnahme. 2006 wurde das Förderinstrument

abgeschaltet, prompt sanken

die Gründerzahlen.

Mit der Energiewende

gab es

später dann einen

weiteren, die Statistik

verzerrenden

„Sondereffekt“:

Zahlreiche

Wieland Pieper, IHK

Bürger „entschieden

sich, Strom

mithilfe einer Fotovoltaik-Anlage selbst

zu produzieren –und wurden in der Folge

Kleinunternehmer“, so Pieper.

Fortsetzung auf Seite 3

„Mit der Energiewende legten sich

viele Bürger Fotovoltaik-Anlagen

zu und wurden Kleinunternehmer.“

IMPRESSUM

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DIE WIRTSCHAFT Münster |Münsterland

Verlag und Herausgeber: Aschendorff Verlag GmbH &Co.

KG, Geschäftsbereich: Media &Sales, Soester Str. 13,

48155 Münster, Telefon: 0251.690-0, Telefax: 0251.690-

804801

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Anzeigen: Anzeigenleitung: Herbert Eick, E-Mail: anzeigen@die-wirtschaft-muensterland.de

Objektleitung: Katharina Heidmann, Telefon: 0251.690-

4701, Telefax: 0251.690-804801

Gestaltung/Layout: Lisa Stetzkamp

Druck: Aschendorff Druckzentrum GmbH &Co. KG, Ander

Hansalinie 1, 48163 Münster, Telefon: 0251.690-0, Telefax:

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MACHER &MÄRKTE 3

„Das kreative Potenzial ist groß“

Aber: Es gibt kaum noch öffentliche Hilfen für Existenzgründer. „Das wirkt natürlich wie eine

Motivationsbremse“, sagt Ulrike Wegener von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis Borken.

Gewerbliche Existenzgründungen,

Liquidationen und deren Saldo 2004 bis 2014

573

429

144

496

442

471

431

426

415

Angaben in 1000

399 412 413 418

393

401

384 383

Existensgründungen

Liqudidationen

Saldo

371

346

354

338

348

310

Quelle: IfM Bonn; Grafik: lisa

54 41

11

-12

19

33

18

-24 -16 -38

2004

2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014

„opwoco“ produziert Apps für Handy-Anwendungen. Das junge Unternehmen mit Sitz in

Coesfeld will demnächst beim Umsatz die Million-Grenze knacken.

Grundsätzlich aber gilt: Der

anhaltende Negativtrend

lässt sich allein damit weder

erklären noch begründen.

Die originären Gründe

für den Rückgang? Liegen zum Teil auf

der Hand. „Zu nennen ist da zum einen

und ganz zentral die gute Beschäftigungssituation“,

sagt Prof. Bodo Risch,

stellvertretender

Hauptgeschäftsführer

der IHK

Nord Westfalen.

Pfiffige Geschäftsidee

hin oder her:

Wereinen gut do-

„opwoco-Geschäftsführer Tobias Heinrich (l.) und Patrick Bröckers

haben sich am Markt behauptet.

„Gründer sind wichtig, weil sie allein

durch ihre Präsenz die Bestandsunternehmen

auffordern,

sich am Markt zu hinterfragen.

Auch im Münsterland gibt es jede

Menge kreatives Potenzial.“

tierten, attraktiven

und sicheren

Job hat, wagt natürlich

nicht so Prof. Bodo Risch, IHK

schnell den Schritt

in die möglicherweise

unsichere

Selbstständigkeit.

Seit knapp fünf Jahren ist im IHK-Bezirk

ein stetiger Beschäftigungsanstieg festzustellen.

Das sei natürlich „Fluch und

Segen zugleich“, sagt Risch. Viele gute

Jobs sind das Eine. Als Motivationsbremse

wirkt allerdings noch etwas Anderes:

Es gibt kaum noch öffentliche Hilfen. „Bis

vor zwei Jahren gab esstaatliche Gründerzuschüsse“,

sagt Ulrike Wegener von

der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im

Kreis Borken. Bis zu 15 000 Euro für die

ersten Monate gaben die Arbeitsagenturen

–das half bei der Entscheidung, den

Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Jetzt ist es in das

Ermessen der

Sachbearbeiter

gestellt, bei einer

guten Idee einen

Kredit zu gewähren.

„Das hemmt

natürlich“, sagt

die Gründungsberaterin.

Davon kann auch

„opwoco“-Chef

Bröckers ein Lied

singen. „Das Finanzielle

ist natürlich gerade am Anfang

ein großes Problem“, sagt er. Damit sein

Start-up sofort Fahrt aufnehmen konnte,

wollteereinen Kredit über 100000 Euro

aufnehmen. Das warimJahr 2011.Doch

die Banken wollten ihm das Geld nicht

geben. Klar,sagt der 29-Jährige, die Institute

seien natürlich auf Sicherheiten bedacht.

Die Folge: „Opwoco“ konnte seine Produktidee

fastzweiJahrelang nicht in die

Tatumsetzen. „Wenn wir ein Jahr schneller

gewesen wären“, so Bröckers, „wäre

unser Marktpotenzial größer gewesen.“

Am Ende half ihm schließlich ein Risiko-

Kapitalgeber, ein sogenannter Business-

Angel.

Unternehmen wie „opwoco“ sind wichtig.

Genauso wie der Schlosser, der den

Schritt in die Selbstständigkeit wagt,

oder der Schreiner. Weil sie zumeist von

einer enormen innovativen Kraft getragen

sind und wenn alles gut läuft, den

Markt aufmischen. „Sie fordern durch

ihre Präsenz die Bestandsunternehmen

auf, sich am Markt zu hinterfragen“,

nennt Wegener das. Und auch im Münsterland,

ergänzt Risch, „gibt es jede Menge

kreatives Potenzial“. Das sich jedoch

nicht immer entfalte, weil statistisch gesehen

ein Drittel aller Neugründungen in

den ersten fünf Jahren wieder vomMarkt

verschwinden –und in Deutschland die

Angst vorm Scheitern extrem groß ist.

„Wenn man bei uns eine Insolvenz hinlegt,

steckt einem das lange inden Klamotten“,

umschreibt Risch das.

Also gilt es, Existenzgründer zu unterstützen.

Auch, indem das Risiko amAnfang

minimiert wird. Darum gibt es in

Münster beispielsweise die Gründergaragen,

in denen vier Teams die Chance haben,

bis zu drei Monatelang in aller Ruhe

und kostenlos an ihren Ideen zu feilen.er

PROJEKT „GRÜNDERGEIST“

Um kreativen Köpfen dabei zu helfen, aus ihren Ideen ein marktgerechtes Produkt

zu formen, hat die regionale Management-Agentur „Münsterland e.V.“ ein

Projekt aufgelegt, das „Gründergeist“ heißt. Die Idee: In den vier Münsterland-

Kreisen und der Stadt Münster sollen sogenannte Gründerschmieden ins Leben

gerufen werden. „Das Ziel ist, diejenigen, die willig und in der Lage sind, ihre

Idee aber noch nicht konkret haben, abzuholen“, sagt Projektmanagerin Monika

Leiking. In den miteinander vernetzten Gründerschmieden, die vom Startercenter

NRW und den regionalen Wirtschaftsförderern unterstützt werden, sollen

Gründungswillige bis zu zwei Jahre gefördert werden. Projektstart soll 2016

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4 MACHER &

„Lieber Verbraucher,

willst du das alles auch bezahle

Der westfälische Bauernpräsident Johannes Röring freut sich über den Bewusstseinswandel der Kunden –doch

die entscheidende Antwort für die heimische Landwirtschaft steht seiner Meinung nach noch aus.

Herr Röring, die Öffentlichkeit diskutiert

im Moment sehr häufig über

die Landwirtschaft und deren Folgen.

Nach meiner Wahrnehmung

nicht immer positiv.Können Sie diesen

Eindruck bestätigen?

Röring: Wirnehmen deutlich wahr,dass

die Menschen in der Stadt und auf dem

Land sich heute sehr um die Frage kümmern,

welchen Wegihr Essen genommen

hat und welche Qualität es aufweist. Ein

derartiges Interesse an unserem Berufsstand,

an den Rahmenbedingungen

unseres Wirtschaftszweigs haben wir in

den vergangenen Jahren nicht erlebt. Zuletzt

stand doch häufig einzig und allein

die Frage im Mittelpunkt: Stimmt der

Preis? Diese veränderte Grundhaltung

des Verbrauchers ist aus unserer Sicht

erst einmal positiv zu bewerten. Eine kritische

Presse muss auch nicht immer

schädlich sein, denn sie zwingt zum

Nachdenken über das eigene Tun.

Aber natürlich gibt es auch Diskussionsansätze,

nach denen gerade

die Massentierhaltung sehr kritisch

gesehen wird. Nicht vonallen Gruppen,

aber doch von einem Teil der

Bevölkerung.

Röring: Aus meiner Sicht muss man genau

hinsehen, wie die Debatte geführt

wird. Ich sehe zunächst eine Gruppe, die

die Themen Ernährung und Landwirtschaft

für ihrepolitischen Zweckenutzen

will. Diese Fokussierung auf rein politische

Zwecke, das ist nicht unser Thema.

Damit können wir uns nicht konstruktiv

auseinandersetzen.

Sondern?

Röring: Wirschauen auf unsereKunden.

Und wenn der Verbraucher sagt: Wirwollen

etwas anderes, etwas Besseres im Regal,

im Laden und auf dem Teller, dann

ist das unser Thema. Dem stellen wir uns.

Es wärejaauch dumm, dies nicht zu tun.

Für uns Bauern steht die FrageimMittelpunkt:

Was will der Verbraucher? Was

will der Kunde? Eine offene Diskussion

beschränkt sich in der Regel nicht auf

Fundamentalkritik an den Bauern und

unseren Familien. Es geht meist um die

Frage: Wasist gut? Und wir sprechen mit

allen, die ein ehrliches Interesse an der

verträglichen Weiterentwicklung der

Landwirtschaft haben.

STICKSTOFF ALS BELASTUNG FÜR DIE UMWELT

Eine aktuelle Studie des Bundesumweltamtes sorgte im Frühjahr

für großes Aufsehen. Die Behörde sieht vor allem den Einsatz von

Pflanzenschutz- und Düngemitteln durch die Landwirtschaft verantwortlich

für eine ganze Reihe von Umweltproblemen. Besonders

negativ wirkt sich auf Gewässer und Böden der sogenannte Nährstoffüberschuss

aus. Das betrifft vor allem Stickstoff. Der Einsatz

mineralischer und organischer Stickstoffdünger zur Steigerung von

Erträgen ist gängige Praxis in der Landwirtschaft. Laut Bundesumweltamt

stammen 50 Prozent der Emissionen in Deutschland aus

dem Bereich der Landwirtschaft. Auch im Münsterland sind viele

Böden und Gewässer stark betroffen, da in der Region besonders

die Tierhaltung traditionell stark vertreten ist.

Verbessern ließe sich dieser Stickstoff-Überschuss nach Ansicht

des Bundesumweltamtes durch effizienten Verbrauch von Stickstoff

und Phosphor, die Begrenzung der Nährstoffüberschüsse, eine Flächenbindung

der Tierhaltung sowie ein besseres Stallmanagement

nebst Lagerung und Ausbringung von Düngern. Der Deutsche

Bauernverband verweist darauf, dass die Betriebe bereits Anstrengungen

unternommen haben, moderne und effektivere Produktionsmethoden

zu finden.

Können Sie denn angesichts dieses

Kostendrucks auf die Wünsche der

Kunden,der Verbraucher eingehen?

Röring: Im Prinzip können wir fast jedem

Kundenwunsch nachgehen und ihn

auch erfüllen. Auch wenn oft die Botschaft

lautet: Tierhaltung muss stets

schön auf der Wiese passieren. Dann

müssen wir natürlich auch eine Antwort

auf die Fragefinden: Lieber Verbraucher,

willst du das alles auch bezahlen? Wir

müssen dann über die Verbindung von

Tierwohl und Preis an der Ladentheke

sprechen. Wir Bauern waren niegegen

eine Erhöhung der Standards.

Spielen Sie damit auch auf die Initiative

Tierwohl an?

Röring: Ja, das ist ein Anfang und zeigt,

dass die Bauern fl

ächendeckend die Initiative

ergriffen haben. Es ist ja nichts

Neues, dass der Kunde aus einer Vielzahl

von Labels auswählen kann.

Doch wissen wir, dass der Marktanteil

sehr hochpreisiger Fleischprodukteunter

einem Prozent liegt. Die

Initiative Tierwohl ist ein ehrlicher

Versuch, bei dem der Verbraucher

für das Wohlergehen der Tiere geringfügig

mehr bezahlen kann und

soll und dadurch seinen Teil der Verantwortung

übernimmt.

Die Debatte über das Tierwohl ist ja

löblich. Aber angesichts des globalen

Marktes, lächeln da nicht viele

über uns?

Röring: Ja, gerade in Südeuropa schaut

man sehr verwundert auf uns Deutsche.

Unsere Diskussion über höhere Standards

spiegelt nicht die internationale

Debattewider.Deswegen kann es gerade

angesichts der offenen Märktenicht sein,

dass unseren Bauern ohne Kostenerstattung

höhere Standards abverlangt werden

als ihren ausländischen Berufskollegen.

Spielen Sie damit auf die Vorgaben

der Politik –gerade in NRW –an?

Röring: Nicht nur,sondern auch auf das

Einkaufsverhalten des Lebensmitteleinzelhandels.

Dieser kauft sehr preisaggressiv

ein und verlangt den

Bauern sehr viel ab. Da geht es

um die Frage der Nachhaltigkeit,

die Frage des Futters

und wie viel Platz die

Tiere haben sollen. Und

dann stellen dieselben

Händler in ihren Regale

unsere Ware gleich neben

billigere importierte Ware,

deren Standard eindeutig

nicht vergleichbar ist. Dann

haben wir heimischen Bauern

keine Chance.

die Landwirte in Gesetzesform gießen

zu wollen.

Röring: Ja, das ist richtig. Wirkönnen es

nicht akzeptieren, dass sich in Nordrhein-

Westfalen der größere Koalitionspartner

um die Themen Energie und Braunkohle

und damit um den Erhalt der industriellen

Arbeitsplätze kümmert, der kleinere

Koalitionspartner aber freie Hand erhält,

sich auf dem Themenfeld der Landwirtschaft

auszutoben. Damit treiben die

Grünen den Strukturwandel in der Landwirtschaft

weiter voran und fördern direkt

eine weitere Konzentration der

Strukturen. Das kann keiner wollen. Wir

jedenfalls werden diese Arbeitsteilung

im Rahmen der NRW-Regierung

nicht akzeptieren.

Letzte Frage: In Berlin sehen viele

Beobachter nach der nächsten Bundestagswahl

auch eine mögliche Koalition

der CDU mit den Grünen als

mögliches Regierungsbündnis. Sie

als Bauernpräsident und CDU-Bundestagsabgeordneter

müssen dies

doch kritisch sehen.

Röring (macht eine lange Pause):

Ich halte die schwarz-grüne Option für

die Landwirtschafts- und Ernährungswirtschaft

momentan nicht für wünschenswert.

Die Grünen mit ihrer heutigen

Position zur Landwirtschaft

sehe ich nicht in der

Lage, politische Verantwortung

zu übernehmen

für die Ernährung

von über 80

Millionen Menschen.

OFFEN GESAG

Es brauch

Vertrauen

Die Diskussion um

Verantwortung

schaft mit voller Wu

braucher stellen imm

Frage, woher ihr Ob

stammt und unter w

gen das zu kaufende

ziert“ wird. Diese Ab

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ßen. Dennoch ist die

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sein Grill-Vergnügen

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sen, das es eigentlich

aus Indien zu kaufen

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des deutschen Tierw

Es sollte nicht Aufga

die Rahmenbedingun

reich dahingehend z

sich die deutschen L

nationalen Wettbewe

haupten können. Ga

Es braucht Vertrauen

Betrachtet man die aktuelle

Landwirtschaftspolitik

in Nordrhein-Westfalen,

kann man den Eindruck gewinnen,

dass der Frieden im

ländlichen Raum doch gefährdet

ist. Erst verärgerte

NRW-Landwirtschaftsminister

Johannes Remmel (Grüne)

die Jäger, jetzt scheint er über

eine neue Bundesratsinitiative

verschärfte Vorgaben für Johannes Röring steht seit über drei Jahren an der Spitze des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Auch in Berlin gi


MÄRKTE

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die ökologische

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be der Politik sein,

gen imAgrarbeugestalten,

dass

andwirte iminterrb

nicht mehr benz

im Gegenteil:

in die Branche.

Frank Polke

Die Landwirtschaft gilt als großer Wirtschaftsfaktor auch in der Region. Doch die intensive Produktion wirft auch immer neue ökologische

Fragen auf. Darauf muss die Branche eine Antwort geben.

Foto: Fotolia

DIE LANDWIRTSCHAFT IN

ZAHLEN UND FAKTEN

In Nordrhein-Westfalen gibt es rund

47 500 landwirtschaftliche Betriebe, vom

kleinen Milcherzeuger bis hin zum großen

Ackerbaubetrieb. Auf ihnen arbeiten umgerechnet

rund 65 000 vollbeschäftigte

Arbeitskräfte –das sind neben den Betriebsleitern

die mithelfenden Familienangehörigen

und einige Tausend angestellte

Mitarbeiter.

Weiterhin sichert die nordrhein-westfälische

Landwirtschaft pro eigenen Arbeitsplatz

vier weitere in anderen Unternehmen.

Das sind fast 260 000 Arbeitsplätze

in vor- und nachgelagerten Branchen,

vom Landmaschinenhersteller über die

Lebensmittelverarbeitung bis hin zum

Tierarzt und Steuerberater. Insgesamt sind

so in NRW rund 320 000 Arbeitsplätze

von der Landwirtschaft abhängig.

In Westfalen ist –neben dem Niederrhein

–die Landwirtschaft ein noch wichtiger

Wirtschaftszweig. Neben Tiermastbetrieben

und Milchbauern ist auch der Maschinen-

und Anlagenbau im Agrarsektor

von großer Bedeutung. Firmen wie Claas

oder Krone sind Weltmarktführer.

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband

(WLV) mit Sitz in Münster

vertritt die Interessen der Landwirte aus

dem Münsterland und Westfalen. Neben

Beratung und Informationen für die Mitglieder

steht hier auch die politische Lobby-Arbeit

auf dem Programm –auf den

Ebenen Land, Bund und Europa versucht

der WLV, die Rahmenbedingungen für die

Landwirtschaft zu sichern. Die Landwirtschaftskammer

NRW mit dem Doppelsitz

Münster und Bonn ist dagegen die staatliche

Interessenvertretung der Landwirtschaft.

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6 MACHER &MÄRKTE

Stellschrauben für die

Zukunft der Zeitarbeit

Die große Koalition in Berlin plant eine Höchstgrenze von 18 Monaten bei der Überlassung von

Leiharbeitern. iGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz sieht noch Beratungsbedarf.

Die Gegner legen sich verbal ins

Zeug. Sie geißeln Zeitarbeit als „moderne

Sklaverei“, als „Schmuddelkind“

des Arbeitsmarktes. „Wir leben

mit vielen Klischees“, entgegnet

Werner Stolz. Der Rechtsanwalt

führt seit vielen Jahren den Interessenverband

Deutscher Zeitarbeitsunternehmen

(iGZ) –den mit rund

3000 Mitgliedsunternehmen größten

Arbeitgeberverband der Zeitarbeitsbranche.

Stolz weiß: „Die Branche

hat sich sehr professionalisiert.“

Und sie stellt sich für die Zukunft auf

–mit einem umfassenden Paket an

Personaldienstleistungen.

„Die Branche hat sich sehr professionalisiert.“

Werner Stolz, Hauptgeschäftsführer des Interessenverbandes

Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ)

Werner Stolz behält gerne

den Überblick.In

seinem Büro in der

siebten Etage eines

modernen Gebäudes

am Albersloher WeginMünster fällt dies

nicht allzu schwer.BodentiefeFenster an

fast allen Seiten. Man schaut auf Klinikum

und Kirchen, auf markante Gebäude,

sieht Kräne, die auf Neubauten hinweisen.

„Wir haben hier alles im Blick“,

scherzt der iGZ-Hauptgeschäftsführer.

Im Blick hat Werner Stolz, der sich lange

in Münsters Kommunalpolitik engagierte,

injedem Fall die Zeitarbeit. Viel wird

über sie gesprochen. „Tatsächlich sind

wir eher ein

Scheinriese wie

Herr Tur Tur in

Lummerland.“

Im Klartext: Der

Marktanteil der

Zeitarbeit liegt

seit Jahren stabil

bei 2,3 bis 2,5

Prozent der sozialversicherungspflichtig

Beschäftigten.

Zahlen, die auch

für Münster und

das Münsterland

gelten.

Also doch keine

„Boom-Branche“,

die Jahr

für Jahr enorme Zuwachsraten schreibt?

Es gab dieses Wachstum. 2004 waren in

Deutschland 200 000 Männer und Frauen

gemäß Arbeitnehmerüberlassungsgesetz

beschäftigt. Danach stieg die Zahl in

kurzer Zeit sprunghaft an. Heuteliegt sie

Fachkräfte sind gefragt: Auch die Zeitarbeitsbranche spürt, dass gut ausgebildete Mitarbeiter zur Mangelware werden.

bei etwa780 000. „Ein stabiler Wert“, berichtet

Stolz. Aber er rechnet mit einem

Anwachsen: „Industrie 4.0 und die Herausforderungen

der Globalisierung erfordern

in vielen Unternehmen eine noch

höhere Flexibilität.“ Neue Chancen für

die Branche, die sich weiterentwickelt

und Regelungen wie den Mindestlohn

von 8,50 Euro pro Stunde schon lange

kennt. „Wir liegen sogar schon darüber“,

betont Stolz.

Einfach gemacht wirdesder Branche der

Personaldienstleister, die nicht nur aus

Konzernen wie Randstad oder Adecco,

sondern überwiegend aus mittelständischen

Firmen besteht, allerdings nicht.

Im ihrem Vertrag widmetedie große Koalition

der Zeitarbeit einen kompletten

Absatz. Eine Ehre, auf die die Zeitarbeitsfirmen

gerne verzichtet hätten. Denn in

der zweiten Hälfte der Legislaturperiode

will die Bundesregierung auch hier die

Weichen neu stellen.

So soll die Höchstüberlassungsdauer für

Leiharbeit in einem Unternehmen gesetzlich

auf 18 Monate beschränkt werden.

„Wem nützt dies?“, fragt Werner

Stolz. Krankheitsvertretungen oder Projekte

in einem Unternehmen dauerten

häufig auch länger.Anfangs wardie Leiharbeitszeit

in einem Unternehmen auf

maximal drei Monate festgelegt, dann

wurde sie auf „unbegrenzt“ ausgedehnt.

Jetzt taucht im Koalitionsvertrag das

Wort „vorübergehend“ auf. „Wenn man

sich schon auf 18 Monate festlegen will,

dann sollten Tariföffnungsklauseln vorgesehen

werden. Die Sozialpartner können

dann entsprechende Regelungen

selbst ausgestalten“, fasst der iGZ-Hauptgeschäftsführer

eine Forderung seines

Verbandes zusammen.

Als problematisch werden auch Festlegungen

bei der Entgeltgleichheit eingestuft.

Diese soll automatisch nach neun

Monaten beginnen. Stolz: „Davon haben

wiederum die meisten Mitarbeiter in der

Praxis nichts. Denn in 50 Prozent der Fälle

endet die Entsendezeit etwa nach

sechs Monaten.“ Die iGZ plädiert hier für

ein gestuftes Lohnangleichungssystem.

In elf Branchen hat man solche Vereinbarungen

bereits getroffen.

Wiedie Politik entscheiden wird, ist noch

offen. „Man ist auf jeden Fall nachdenklich

geworden“, schätzt Stolz die aktuelle

Lage ein. Beschlüsse sollen voraussichtlich

erst 2016 getroffen werden.

Doch nicht nur neue gesetzliche Rahmenbedingungen

werden in der Zeitarbeitsbranche

mit Skepsis gesehen, die

Unternehmen spüren auch erste Auswirkungen

des Fachkräftemangels. Gerade

im starken Facharbeiterbereich, der bezogen

auf die Zeitarbeit etwa40Prozent

ausmacht, sinkt das Angebot. Stolz: „Wir

reagieren darauf unter anderem mit fachspezifischer

Weiterbildung, um unsere

Kunden passgenau bedienen zu können.“

Zwei Zielgruppen widmet man zudem

eine besondere Aufmerksamkeit –den

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MACHER &MÄRKTE 7

100 Megabit Datenrate pro Sekunde: Das ist die eine Zielmarke, die NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin schnellstmöglich erreichen will. Die andere sind dabei 100 Prozent des Landes. Foto: dpa

100 Prozent Breitband-Ausbau

NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin hat den digitalen Wandel zum wichtigsten Thema erklärt. In ganz NRW

soll schnellstmöglich das schnelle Internet verfügbar sein. Das ist ein ambitioniertes Ziel.

Hundert –das ist die doppelte Zielmarke

für Garrelt Duin. Erst zehn

Prozentder Gewerbe-und Industriegebiete

in NRW sind ans moderne

Glasfasernetz angeschlossen –somit

ans wirklich schnelle Internet. Der

Wirtschaftsminister will so schnell

wie möglich 100 Prozent erreichen.

Und zwar mit einer Datenrate von

100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s),

„im Download und vor allem im Upload“,

stellt Duin klar. Hohe Anforderungen

haben die Unternehmen.

Ebenso hohe Erwartungen weckt der

SPD-Politiker für den digitalen Wandel,

den erfür sein Ministerium zum

wichtigsten Thema der kommenden

zwei Jahre ausgerufen hat. Bis 2018

will Rot-Grün alle Haushalte mit

mindestens 50 Mbit/s versorgt haben.

Gleiches verspricht die große

Koalition inBerlin.

Wie es gehen soll –das

indesist noch nicht so

klar. Eine Studie der

NRW-Bank über Modelle

für einen nachhaltigen

Breitbandausbau mittels Glasfasernetz

geht von einem Investitionsbedarf

von 8,6 Milliarden Euro aus, wenn

die Versorgung flächendeckend laufen

soll. Wenn nur Kernlagen erschlossen

werden – immerhin 95 Prozent aller

Haushalte–kosteesnur noch 7,4Milliarden

Euro. Erst sechs bis sieben Prozent

der Haushaltehaben Zugang zum Glasfaserkabel.

Für Duins Ziel, die Gewerbegebietemit

Glasfaser zu erschließen, kalkuliert

die Studie 500 Millionen EuroInvestitionsbedarf.

Die Kosten seien mit alternativen Verlegemethoden

–wie in den Niederlanden

knapp unter Bordsteinniveau

– kein

Killerkriterium

mehr, betont Martin

Fornefeld, einer

der Autoren der

vonder MicusStrategieberatung

für

die NRW-Bank erstellten

Studie.

„Wir gehen davon

aus, dass ein Glasfasernetz, das wir heute

verlegen, locker 40 Jahre Lebenszeit

hat.“ Die Finanzämter akzeptieren inzwischen

die Abschreibung über diesen Zeitraum.

Unter Expertenund Interessenvertretern

tobt derweil der Streit, ob und in welchem

Umfang Kommunen noch auf das

großflächig verlegte Kupferkabel der Telekom

setzen sollen. Der Konzern will

„Wir gehen davon aus, dass ein

Glasfasernetz, das wir heute

verlegen, locker 40 Jahre Lebenszeit

hat.“

Martin Fornefeld

über die Vectoring-Technologie einen

Großteil der Haushalte mit den versprochenen

Surfgeschwindigkeit von 50

Mbit/s versorgen. Die Micus-Experten,

deren Fokus der nachhaltige Ausbau ist,

raten davon ab. Und auch Stephan Albers,

Geschäftsführer des Bundesverbandes

Breitbandkommunikation, warntdavor,

mit neuem Fördergeld das Kupferkabel

technischzuerweitern,wie es die Telekom

erreichen will, denn das bremse

den Glasfaserausbau

aus. Für den

Verband kommunaler

Unternehmen ist

dies indes als Brückentechnologie

unverzichtbar.Duin

hält es da pragmatisch:

„Wenn wirdas

Ausbauziel bis 2018

schaffen wollen,

werden wir es nicht ohne die Telekom

machen können. Aber siewirdesnicht alleine

machen.“

Wenn alles diskutiert ist –wie geht es

weiter? Im September will der NRW-

Wirtschaftsminister ein Förderkonzept

für den Breitbandausbau vorlegen. Dann

dürfte auch klar sein, wie viel Geld er

über die 60 Millionen Eurobisher bereitgestellteFördermittel

zur Verfügung hat.

Die sogenannte digitale Dividende aus

der laufenden Frequenzversteigerung

soll mindestens 100Millionen Euroindie

Kasse fließen lassen. Dazu kommen Mittel

des Bundes. Für Duins politischen

Konterpart, den wirtschaftspolitischen

Sprecher der CDU-Landtagsfraktion

Hendrik Wüst, geht das alles zu langsam.

„Die Landesregierung ist im Schneckentempo

unterwegs.“ Nordrhein-Westfalen

werde beim Ausbau in Kürze vonBayern

überholt. Obwohl 90 Prozent der Gewerbegebiete

nicht ans Breitbandnetz angeschlossen

seien, habe die Landesregierung

17 Monateaneiner Förderrichtlinie

gearbeitet. „Das ist für das Industrieland

Nordrhein-Westfalen inakzeptabel“, rügt

Wüst.

Im Herbstwill Duin mit der Förderrichtlinie

im Gepäck zur Roadshowindie Kreise

aufbrechen. Die Studie der NRW-Bank

weist auf die zentrale Rolle der Breitband-Beauftragten

in den Kommunen

hin. Sie müssten den Ausbau vor Ort koordinieren.

Im Märkischen Kreis brachte

der Testlauf Duin ein Schlüsselerlebnis:

Der Bürgermeister vonSchalksmühle habe

zuvor nicht gewusst, dass der Kreis

einen Breitbandbeauftragten habe. „Da

gelang es, alle Akteure–zuunserer Überraschungzum

ersten Mal –zusammenzubringen.“

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MACHER &MÄRKTE 8

„Wenn Du auf Autos stehst –

hol Dir meinen Job!“

Karosseriebauer Tamer Yildirim aus Warendorf macht bundesweit Werbung für seinen Handwerkszweig.

Die Erfinder der Kampagne wissen ganz genau: Ehrliche Begeisterung steckt an.

Bald wieder ein Hingucker: An dem alten SL-Cabrio ist noch einiges zu tun –aber Tamer Yildirim (r.) und seinem Kollegen Bülent Horzum macht die Arbeit sichtlich Spaß.

Foto: Ines-Bianca Hartmeyer

Was genau ihn an seinem Beruf begeistert?

Da muss Tamer Yildirim

nicht lange überlegen: „Für Autos

habe ich mich schon immer interessiert“,

sagt der 24-jährige Karosseriebauer,

der bei der Firma Taflan in

Warendorf angestellt ist. „Aber nur

Kfz-Mechaniker –das war mir zu alltäglich.

Die Arbeit als Karosseriebauer

ist abwechslungsreicher. Es

gehört sehr viel mehr dazu, als nur

aufs Blech zu dengeln. Dazu braucht

man Geduld, Konzentration und

Kraft. Und diese Botschaft möchte

ich auch jungen Leuten auf Lehrstellensucherüberbringen:

Wenn Du auf

Autos stehst –dann hol Dir meinen

Job!“Bei Aussagen wie diesen geht

Hubertus Kost, Pressesprecher

der Handwerkskammer

und verantwortlich für die

Imagekampagne des Handwerks,

das Herz auf. „Genau das wollen

wir mit unserer neuen Aktion erreichen:

über junge Menschen, die sich für ihren

Beruf begeistern, Lust machen aufs

Handwerk!“, sagt Kost. Die Rede ist von

„Abklatschen!Hol Dir meinen Job“, dem

jüngsten Ableger der großen Imagekampagne

des Handwerks. Zwölf Junghandwerker

aus ganz Deutschland werben dabei

mit Videobotschaften im Internet für

ihre Berufe –vom Maßschneider über

eine Bootsbauerin bis hin zum Zimmerer.

Mit ihrem Auftritt wollen sie symbolisch

neuen Auszubildenden den Staffelstab in

die Hand geben.

Mehrere Tausend hatten sich als Gesicht

für die Kampagne beworben, darunter

auch Tamer.„Ich hattebereits vonder Aktion

gehört, als mein Chef mich darauf

ansprach“, erzählt der gebürtigeEnnigerloher.

„Und weil

ich das interessant

fand, hab‘ ich

mitgemacht.“ Mit

Erfolg: Der 24-

Jährige, der bei

Kunden wie Kollegen

gleichermaßen

beliebt ist,

blieb Runde für

Runde im Rennen

„Meine Freunde waren begeistert

Die haben mich sofort angerufen

und mir gesagt: Hey, dubist ja

ein richtiger Werbestar!“

Tamer Yildirim

und landeteamEnde gemeinsam mit drei

weiteren Mitstreitern aus NRW unter den

zwölf Finalisten. Damit begann zugleich

eine „Model-Karriere“ für den türkischstämmigen

Ennigerloher, der in seiner

Freizeit Taekwondo trainiert: „Interviews,

Fotos, Dreharbeiten –das Kampagnen-Team

wardreimal hier“, erinnert

sich Tamer Yildirim schmunzelnd. „Allein

das Film-Team aus Berlin hat einen

kompletten Tag gebraucht, obwohl der

Clip selbst nur eineinhalb Minuten lang

ist!“

Das Ergebnis schlug aber ein wie eine

Bombe: „Meine Freunde waren begeistert

Die haben mich sofort angerufen und

mir gesagt: Hey, du bist ja ein richtiger

Werbestar!“

Dass sein Geselle nicht nur ein sympathisches

Auftreten, sondern auch Talent für

seinen Beruf hat, weiß sein Chef Hasan

Taflan ganz genau. „Um ein guter Handwerker

zu sein, braucht man drei Dinge:

den Willen, das handwerkliche Geschick

–und werdann noch diese spezielle Gabe

hat, die über das reine Handwerk hinausgeht,

ist unbezahlbar!“ All dies sieht er

bei seinem ehemaligen Auszubildenden,

der seit Anfang des Jahres bei ihm als Geselle

arbeitet.

Deswegen sei er

der Richtige für

die Kampagne

und erhalte die

volle Unterstützung

von seinem

Betrieb. Zwar habe

das Unternehmen

grundsätzlich

mehr Bewerber

als Lehrstellen –aber nicht immer

brächten diese die richtige Einstellung

mit. „Man muss für das Handwerk leben!“,

ist Hasan Taflan überzeugt. So

rührt er fleißig die Werbetrommel. „Wir

sind bei den Job-Messen dabei, machen

Aktionen an den Schulen, bieten Betriebsführungen

an und arbeiten mit der

Handwerkskammer zusammen“, schildert

Hasan Taflan. „Wenn man Erfolg haben

will, muss man die jungen Menschen

für das Handwerk begeistern, nur dann

hat unser Beruf auch eine Zukunft.“

Für Tamer Yildirim gilt das auf jeden Fall

schon jetzt: Er will erst einmal Erfahrung

als Geselle sammeln –und wer weiß:

Vielleicht ist dann sogar noch der Meistertitel

drin. Ob er sich auf jeden Arbeitstag

freut? „Klar“, meint der gebürtigeEnnigerloher.

„Man lernt jeden Tag was

Neues. Und wenn ich einen Wagen nach

einem Unfall wieder richtig gut hinbekommen

habe, dann macht mich das einfach

zufrieden.“

inb

IMAGEKAMPAGNE

„Abklatschen! Hol Dir meinen Job“ ist Teil der großen Imagekampagne, die das Handwerk vor fünf

Jahren gestartet hat. Die Idee hinter der neuen Aktion: Zwölf Junghandwerker, die ihre Ausbildung

abgeschlossen haben, suchen Nachfolger für ihre Lehrstelle. InVideos rufen sie Jugendliche auf, in

ihre Fußstapfen zu treten.

Rund 150 000 Ausbildungsplätze in130 Handwerksberufen stehen in jedem Jahr zur Verfügung. Bei

der Aktion „Hol Dir meinen Job“ vertreten sind ein Zimmerer, ein Gerüstbauer, eine Mechatronikerin

für Kältetechnik, ein Karosseriebauer, eine Bootsbauerin, eine Technische Modellbauerin, ein Maßschneider,

ein Fleischer, eine Bäckerin, eine Friseurin, eine Orthopädieschuhmacherin sowie ein Orgelund

Harmoniumbauer. Mit dieser Auswahl wollen die Macher die ganze Bandbreite des Handwerks

präsentieren –von traditionell bis modern, von kreativ bis technisch.

Das Konzept kommt an: Im April erst an den Start gebracht, hatten die Videos bereits in den ersten

vier Wochen 800 000 Klicks. Bei so viel Resonanz ist die Handwerkskammer überzeugt davon, nicht

nur die zwölf Ausbildungsplätze der Protagonisten neu besetzen zu können, sondern möglichst viele

weitere Lehrstellen –auch in Berufszweigen, die weniger populär sind.

www.handwerk.de

www.facebook.com/handwerk


9 BRANCHEN &BETRIEBE

Der lange Weg zur Zulassung

Die Cilian AG entwickelt einen Grippe-Impfstoff ohne Verstärker und peilt 2023 die europaweite Einführung an.

CILIAN AG

Das Start-up-Unternehmen Cilian wurde

2001 von Wissenschaftlern der Uni Münster

gegründet. Das Team beschäftigt sich

neben der Entwicklung von Grippeimpfstoff

mit der Entwicklung von Enzymen,

die eingesetzt werden, wenn die Bauspeicheldrüse

nicht funktioniert. Außerdem erforscht

Cilian Antikörper für die Behandlung

von Krebs. Das Unternehmen beschäftigt

14 Mitarbeiter.

Die Impfforschung des Biotech-Unternehmens Cilian ist fast auf der Zielgeraden. Sagt jedenfalls der Vorstand Dr. Marcus Hartmann (l.).

Foto: Köller

Läuft alles nach Plan, dann könnte

die Cilian AG aus Münster erstmalsin

der Grippesaison 2023 mit ihrem

neuen Impfstoff ohne Impfstoffverstärker

auf den Markt kommen. Diesen

Zeitraum peilen der Vorstandsvorsitzende

des Biotech-Unternehmens,

Gert-Christian Scheiner, und

der wissenschaftliche Vorstandsvorsitzende,

Dr. Marcus Hartmann, an.

Eine Zulassung für Europa, Amerika

und Kanada ist das Ziel.

Der Weg scheint geebnet.

Dem Paul-Ehrlich-Institut,

dem Bundesinstitut für

Impfstoffe, lag die Entwicklung

aus Münster zu

einer ersten Beurteilung vor. Die Chancen,

den Grippe-Impfstoff zu produzieren,

stehen nach Angaben der Cilian-Vorstände

gut.

Bis 2023 muss der Impfstoff weiter erprobt,

dann zugelassen und produziert

werden. Außerdem, betont Gert-Christian

Scheiner, bemühten sie sich parallel

um Investoren. In Münster, kritisiert der

Amerikaner, sei die Haltung gegenüber

Start-ups eher distanziert.

Dabei seien rund 20 Millionen Euro, so

schätzt der 53-Jährige, bis heute indie

Entwicklung des münsterischen Startup-Unternehmens

geflossen. Neben rund

drei bis fünf Millionen Euro als EU-Fördergelder

und Investitionen vonPartnern

beteiligesich seit 2006 als Haupteigentümer

mit Sebastian Schneberger ein

münsterischer Geschäftsmann maßgeblich

an der Entwicklung. Er habe das

Potenzial erkannt, freut sich Scheiner.

Der Cilian-Vorstand Scheiner selbst

kommt aus der Pharma-Branche und

pendelt zwischen Amerika und Deutschland.

Seit vier Jahren ist der Kaufmann,

der in New Jersey ein Beratungsunternehmen

betreibt, bei der Cilian AG engagiert.

Dr. Marcus Hartmann ist dagegen

als wissenschaftlicher Vorstand vor Ort.

Er erläutert die Entwicklung der Forschung:

Während herkömmlicher Impfstoff

seit 50 Jahren auf der Basis vonHühnereiern

produziert wird, verwendet Cilian

Wimperntierchen. Damit könnten Diskussionen

über Nebenwirkungen beendet

werden, wirbt Scheiner. Hartmann

zählt die Pluspunktefür ihreEntwicklung

auf: kein Quecksilber,keine Lösungsmittel,

kein Antibiotika, keine Impfstoffverstärker,

eine schnellere Produktion und

geringere Herstellungskosten. Scheiner

glaubt an eine realistische Chance ihrer

Entwicklung. Die Industrie werde langsam

aufmerksam.

gh

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Foto: duema media Gbr

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10 BRANCHEN &BETRIEBE

Ahoi auf dem

Spielplatz

Jörg Doehring baut Spielgeräte aus Holz – und hat sich

dabei das Kind im Manne bewahrt.

Auf zum Entern! Das 15Meter lange Spielschiff auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau in Gronau wird indiesen Tagen getauft und zum Erobern freigegeben.

Fotos: Susanne Menzel

Manchmal steckt jabekanntlich das

Kind im Manne. Und das sollte

durchaus gehegt und gepflegt werden.

Unternehmer Jörg Doehring

macht vor, wie’s geht: Der 50-Jährige

hat sich so als Spielplatzgeräte-

Hersteller seit mehrt als 15 Jahren

über die deutschen Grenzen hinaus

einen Namen geschaffen.

Den Außenbereich des Kindergartens „Regenbogenland“ der Berufsbildungsstätte Ahaus

hat Jörg Doehring mit seinen Mitarbeitern ebenfalls gestaltet. Vor allem die Klettertürme

ziehen die Kleinen magisch an.

Eswaren ursprünglich die beiden

Töchter,die den Maschinenbauingenieur,der

damals

noch als Projektleiter tätig

war, auf die Idee brachten.

„Die Kinder wollten Spielgeräte imGartenhaben.

Da habe ich mir halt überlegt,

selbst etwas für sie anzufertigen, abseits

des üblichen Standardprogramms“, sagt

Doehring rückblickend. Schaukel, Rutsche,

Wippe –das waren vor 20 Jahren

noch die gängigen Geräte auf den Spielplätzen.

Bekannte und Freunde standen

schnell als weitere Abnehmer für die Varianten

des ideenreichen Vaters Schlange.

Und nach den ersten Nebenerwerbs-

Anfängen wagteDoehring dann zunächst

in Vreden den Sprung in die Selbstständigkeit.

Fast eineinhalb Jahrzehnte ist

das nun her. Zwischenzeitlich erfolgte

aus Platzgründen die Betriebs-Umsiedlung

nach Ahaus. Und seitdem sind auch

die Ansprüche der Kinder landauf, landab

an einen abwechslungsreichen Spielplatz

ganz andere geworden.

„Mit Wippe, Schaukel und Sandkasten allein

kann man heute nicht mehr punkten“,

sagt Doehring klipp und klar. Es

müssen schon Großspielanlagen oder

Themenplätze sein.“ So wie beispielsweise

das Piratenschiff, das er jetzt auf dem

ehemaligen Landesgartenschau-Gelände

in Gronau installiert hat. Und da werden

dann die kleinen Vergnügungsinseln für

den Nachwuchs nicht mehr nur von

Handwerkern, sondern inzwischen von

Architekten kreiert. „Auftraggeber sind in

diesen Fällen natürlich weniger Privatleute,

die machen nur einen kleinen Teil

aus, sondern eher Kommunen, Campingplätze,

Kindergärten oder Schulen“, beschreibt

Doehring seinen Kundenkreis.

Die jüngste Meldung, dass aber gerade

Städteund Gemeinden bei diesen Aufträgenimmer

häufiger den Rotstift ansetzen

und abbauen statt zu ersetzen, kann er allerdings

nicht bestätigen: „Baugebiete

entstehen immer wieder,somit sind dann

auch Spielplätze notwendig. Unterm

Strich werden sie zwar wirklich weniger

–dafür aber anspruchsvoller.“ Und deshalb

will der Ahauser langfristig auch seine

Vertriebsbüros in Deutschland und

den Niederlanden weiter ausbauen.

Die zurzeit 15 Mitarbeiter fertigen die

Spielgeräte vorwiegend aus Holz –aus

natürlich gewachsener Robinie oder aus

zylindrisch gefräster Douglasie. Das verleiht

den Abenteuertürmen einen urigen

Charakter,gibt ihnen einen individuellen

Anstrich. „Kein Spielgerät ist somit wie

das andere“, ist der Chef stolz auf dieses

Qualitätsmerkmal: „Das unterscheidet

uns auch von der Konkurrenz.

Wir liefern nichts von der Stange,

sondern Sonderanfertigungen, die

etwas ganz Spezielles sind.“ Die haben

dann natürlich auch ihren

Preis.

Ganz speziell sind übrigens ebenso

die Sicherheitsvorschriften, die er

und seine Mitarbeiter einhalten müssen.

Nichts da von „Auf den Spielplatz,

fertig, los“ – der TÜV

überprüft jedes Gerät auf

Herz und Nieren, bevor

ein Kind überhaupt einen

Fuß draufsetzen

darf. Da sind Fingerund

Kopfmaße vorgeschrieben,

da müssen

alle Hölzer eine vorgegebene

Höhe und

einen genau definierten

Abstand

aufw

eisen können.

„Im Grunde

sind unsere Mitarbeiter

nicht

nur Praktiker,

sie müssen auch

theoretisch hinsichtlich

all der

Sicherheitsauflagen

perfekt geschult sein“, betont Jörg

Doehring. „Das sind verdammt dickeBücher,

die da vorliegen. Leute, die bei uns

neu anfangen, brauchen etwa ein Jahr,

bis sie all diese Richtlinien drauf haben.“

Da Doehring demnächst seine Produktionsfläche

von 2500 auf 3500 Quadratmeter

erweitern und zusätzliche Kräfte

einstellen will, wissen mögliche Bewerber

schon jetzt, was auf sie zukommt.

Und wasist aus den beiden Mädchen geworden,

die einst als Ideengeber für das

Unternehmen gestanden haben: „Die

sind inzwischen aus dem Spielalter raus“,

lacht der Vater: „Die

erste Tochter ist bereits

mit in die Firma

eingestiegen.“

Das ist

dann halt jetzt

ein berufl

icher

Spielplatz …

Susanne

Menzel

Der Unternehmer Jörg Doehring hat sich mit einer Idee seiner Töchter selbstständig gemacht.


BRANCHEN &BETRIEBE 11

Saertex geht jetzt

auch aufs Wasser

Der Saerbecker Spezialist für Faserverbundstoffe bekam durch Zufall

Kontakt zu einem portugiesischen Bootsbauer.

Auf Manager-Deutsch würde das

wohl „Win-Win-Win-Situation“ heißen,

auf Hochdeutsch„Eine tolle Sache

für alle drei Gewinner“. Eine

schöne Geschichte, die in Portugal

beginnt und dort auch weitergeschrieben

werden soll: mit dem Kapitel

„Junioren-Weltmeisterschaft“.

Beteiligt: die Firma Saertex aus Saerbeck.Und

das kamso: In den Osterferien

fuhren zwei Dutzend

Sportler und Trainer

der „Canu Clubs“ aus Emsdetten

und Rheine, darunter

mit Lennart Wermers und Finn

Ortmeier zwei Anwärter für die Junioren-

Weltmeisterschaft in Portugal, ins Trainingslager

nach Amarante imNordwesten

Portugals. Das hatte Gonçalo Matos

Mota, ein ehemaliger Kanute, organisiert,

der seit Kurzem auch mit einer

Handvoll Mitarbeitern Sportboote baut.

„Seine Boote waren schon von besonderer

Qualität“, sagt Guido Mikosch, Leiter

des Leistungsstützpunkts in Emsdetten,

„aber da ich ja wusste, dass sich dieser

jungeBootsbauer einer starken und überteuerten

Konkurrenz würde stellen müssen

und dass er natürlich viel bessere

Chancen mit einem sehr guten Werkstoff

Ein schwimmendes Fliegengewicht: Kanute Peter Börger präsentiert das erste Saertex-Carbon-Kajak.

Foto: Jürgen Christ

haben würde, kamfür uns nur die Firma

Saertex infrage.“ Das 1982 in Saerbeck

gegründete Familienunternehmen, das

inzwischen neun Standorte inacht Ländern

auf fünf Kontinenten unterhält –ein

Spezialist für Faserverbundstoffeauch im

Bereich des Sports.

Nachdem nun Gonçalo Matos Mota Kontakt

zu Saertex aufgenommen hatte,

packten die Kanuten für ihre Reise nach

Portugal nicht nur Paddel und Sporttaschen

in den Vereinsbus, sondern auch

verschiedene Materialproben von Saertexaus

Saerbeck. Mit durchschlagendem

Erfolg, denn Gonçalo entschloss sich sofort,

ein eigenes Saertex-Kajak zu bauen,

das er jetzt mit nach Saerbeck brachte.

Stefan Huge von der Geschäftsleitung

gab esgleich weiter an die Emsdettener

mit dem Wunsch, es bald mal in einer Regatta

zu sehen. Außerdem spendet Saertexnoch

2000 Euro, damit auch im kommenden

Jahr wieder junge Kanuten aus

Emsdetten und Rheine in das Trainingscamp

nach Portugal fahren können.

Gonçalo Matos Mota ist froh und glücklich,

dass er nun mit dem Spezialgelege

aus Saerbeck seine Boote bauen kann;

180 waren es im vergangenen Jahr, 250

sollen es im nächsten werden. Ganz wichtig

dabei: Die Boote müssen erschwinglich

bleiben; außerdem brauchen sie besondere

Eigenschaften, müssen leicht,

stabil, aber auch ein wenig flexibel sein.

All das kann Saertex bieten. Und das

Unternehmen fährt demnächst, falls die

Emsdettener Anwärter sich qualifizieren,

bei der Junioren-Weltmeisterschaft in

Portugal mit.


Unser Familienrezept: frische Ideen,

heiße Herzen und eine gesunde Portion

Vertrauen.

Annekatrin Wünsche, PE.WE. GmbH


12 BRANCHEN

Gefrorener

Eis ist nicht gleich Eis. Bei „GelatoMio“ inC

produziere keine Süßigkeiten, sondern gesu

Stilechter Werbeträger: Den fabrikneuen Piaggio-Ape nutzen Rosie und Toni Manusé auch, um die Einkäufe bei

den Bio-Bauern der Region zu erledigen. .

Fotos: Maike Harhues

Der gute Ruf dieser zart schmelzenden

Handwerkskunst schallt bis in

den Vatikan –als Komposition aus

Ziegenmilch, Boskoop-Äpfeln,

Mandeln und Zimt eroberte das

Bioeis „manufaktum im Münsterland“

schon den Gaumen

des Papstes. Offenbar ein Genuss

für Franziskus: Denn

über seinen Konvent ließ das

Kirchenoberhaupt den westfälischen

Eismeistern telefonisch

ausrichten, dass ihm die Kostprobe

aus Coesfeld gemundet

hat. Trotzdem soll dieser gefrorene

Gourmet-Gipfelsturm aus

Schafsjoghurt mit leichter

Minzenote ein schnödes

Lebensmittel sein?

So recht

nimmt das

Rosie Manusé

keiner ab.

Zumindest

keiner, der ihr Ergebnis

vonKönnen und

italienischer Kreativität

gekostet hat.

Doch der lebenslustigen

Sizilianerin ist es

eine Herzensangelegenheit:

„Ich produziere

keine Süßigkeiten,

sondern gesunde Nahr

mit Rohrzucker, die gut tun.“

ihrem Eis finden sich nur rein

Bio-Zutaten aus der Region, k

liches Aroma, kein Milchpu

Pflanzenfette, keine Gesch

stärker. „Es ist wie beim Ka

Der kommt bei uns auch aus e

toffeln und nicht aus Pfanni

den Tisch“, verdeutlicht die

Und wenn die Konditorin un

terin nur an blaues Schlump

verzieht sie gargequält das G

No-Go an ihren nostalgischen

in Coesfeld, Rosendahl, Bille

Münster und dem Eis-Fahrra

Bio-Markt am Domplatz in M

demnächst mit einem Franch

nehmer sogar in Stuttgart. „W

mit Anfragen für weitere De

von Cafés und Restaurants

bombardiert –aber es muss

Konzept passen. Sprich: We

cker mit 30 Filialen unser Eis

will, aber nicht ein Bio-Brot i

hat, dann passt das nicht zu

Toni Manusé klar. Eigentlich

Ehemann Rechtsanwalt: „Ab

Eissaison, da bin ich nur ein

Woche in meiner Kanzlei in

schmunzelt der 42-Jährige.

Der Sizilianer selbst stammt a

ten Eisdynastie, sein heute

Vater, ebenfalls mit Vorname

Handwerkskunst im Eislabor: Auch wenn die Rezepte, nach denen Rosie Mansusé ihr Eis herstellt, italienisch sind: Die Zutaten stammen aus der Region.

Branche fehltder Nachwuchs

Im Münsterland sind nur noch 81 Gelaterien Mitglied der Handwerkskammer

Die Zahlen geben zu denken:

Nur noch 81 Gelaterien

sind Mitglied der

Handwerkskammer Münster

für 78 Städte und Gemeinden

des Münsterlandes, 2013 waren

es noch 83 und 2003 sogar noch 114.

Trotzdem bietet eigentlich jede Stadt

mehr als eine Eisdiele und manchmal

schon eine Gemeinde mit bloß 15 000

Einwohnern sogar zwei. Die Fassade

könnte aber täuschen: „Nicht an jedem

Eiscafé mit schönem italienischem Ladenlogo

und Eismaschine in der Küche

wird das Eis auch nach italienischer

Machart handwerklich hergestellt“, stellt

Dr. Annalisa Carnio klar. Die Pressesprecherin

von Uniteis (Union italienischer

Speiseeishersteller in Deutschland) gibt

zu bedenken: „Viele Betreiber sind Filialisten,

kaufen also vonHandwerksbetrieben

zu.“

Die kostengünstigere und schnelle Alternative:

„Basismix+Ihre Geschmackspaste+Eismaschine

=Ihr Eis in nur acht Minuten,

große Volumenzunahme, deklarationsfrei

für Ihre 200 Sorten“ lautet das

Angebot der Privatmolkei Naarmann aus

Neuenkirchen bei Rheine an Großkunden.

Viele Betriebe stellten das Speiseeis in

dieser Art her, das sei dem Verband bekannt,

dessen Mitglieder sich hingegen

für eine Qualitätsoffensive starkmachten.

Denn werbei Uniteis sei, fügeseinem

Fruchteis selbstverpflichtend mindestens

20 Prozent frisches Obst hinzu, dem

Milcheis 70 Prozent Milch. Von den von

Uniteis geschätzten 9000 Eisdielen

Deutschlands sind allerdings nur 3300

Mitglied im Qualitätsverbund.

Nicht ausschließlich Italiener: „Als Berufsverband

müssen wir uns anderen Nationalitäten

öffnen“, weiß Carnio. Denn

die Branche plagten Nachwuchssorgen:

Die in Deutschland aufgewachsenen

Bambini der Gelatieri hätten oft einen

akademischen Abschluss .Diese Generation

habe längst nicht immer Lust, den elterlichen

Betrieb zu übernehmen.

Deshalb lautet die Devise: Mit einem exquisiten

Produkt bei den Kunden punkten.

Beispiel: „Unser Eis des Jahres 2015,

Erdbeeremit Balsamico, vereint ein Symbol

Italiens mit einer deutschen Frucht –

und lenkt die Aufmerksamkeit auf die

Qualität italienischen Speiseeises“,

glaubt Carnio. Gourmetanspruch im Zeichen

der Schnecke: „Die Philosophie der

Coesfelder Eismanufaktur, keine Süßigkeit

herzustellen, passt gut in unser Konzept“,

betont Manfred Wöstmann. Zusammen

mit Gleichgesinnten hat der Vorsitzende

des Conviviums Münster, das

Unternehmen auf Herz und Nieren geprüft.

„Die Slow-Food-Unterstützung ist

aber eine unternehmerische Selbstverpflichtung,

wir kontrollieren nicht regelmäßig,

ob noch alles so schön läuft wie

bei der Erstpräsentation“, schiebt der Havixbecker

hinterher.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg, den

Beruf auch für die Jugend außerhalb der

italienischen Gelatieri-Familie attraktiv

zu machen, ist der seit 2008 in Deutschland

anerkannte Ausbildungsberuf des

Speiseeisherstellers. Zehn Lehrlingewurden

seitdem im Münsterland ausgebildet.

Gebüffelt wird inden Wintermonaten,

um die Schüler in der Saison nicht

von den Betrieben fernzuhalten. ma

OFFEN GESAGT

Kein Einheitsschleck

Eine Kugel schlecken beim Shopping, einen

Becher vertilgen beim Bummeln, eine kühle

Erfrischung beim Familienausflug –Eis beschert

schnellen Spaß. Genuss mit zumindest einer

Garantie: In der Waffel landet der allgemein

erwartete Einheitsgeschmack.

Die Frage nach Herkunft und Qualität der Rohstoffe

kommt dabei meist gar nicht erst auf.

Wer sie (sich) dennoch stellt, der merkt rasch,

dass eine italienisch anmutende Fassade und

traditionelle Handwerkskunst aus der Stiefel-

Halbinsel längst nicht immer zusammentreffen.

Schade, denn der Markt für Schmelz mit Anspruch

ist da, wie die steile Nachfragekurve belegt,

die die Coesfelder Manufaktur erlebt.

Doch die Zahl der Betriebe, die diese Nische

nutzt, bleibt vorerst winzig. Sie verpassen eine

Chance: Ihr Profil zu schärfen, indem sie sich

von dem Eiscafé abzusetzen, das sich beim Flanieren

durch Innenstädte allenthalben findet.

Der höhere Preis pro „Bällchen“ dürfte viele

Kunden nicht abschrecken. Denn die Bereitschaft,

weniger oft oder weniger viel zu naschen,

dafür aber den Gaumen nachhaltig zu

kitzeln und echte Zutaten zu erschmecken,

setzt sich ebenso immer mehr durch wie die

Erkenntnis, dass wertvolle Lebensmittel

schlichtweg ihren Preis haben.

Maike Harhues


&BETRIEBE

13

Gourmet-Gipfelsturm

oesfeld wird dieser Satz gelebt. Dort kommen nur Bio-Zutaten indie Eismaschine. „Ich

de Nahrungsmittel“, sagt Inhaberin Rosie Manusé. Und die schmecken sogar dem Papst.

ungsmittel

Sprich: In

e saisonale

ein künstlver,

keine

macksverrtoffelbrei:

chten Kar-

Pulver auf

Gelatiere.

dEismeisfeis

denkt,

esicht. Ein

Eistheken

rbeck und

dauf dem

ünster und

ise-Unterir

werden

pendancen

praktisch

schon ins

nn ein Bäverkaufen

mAngebot

uns“, stellt

ist Rosies

er jetzt ist

mal in der

Münster“,

us einer al-

5-jähriger

nToni, hat

italienisches Eis sogar schon in Australien

zubereitet und verkauft. Der Senior

unterstützt die beiden Bio-Eispioniere

immer noch tatkräftig. „Natürlich gibt es

schon Bio-Eismanufakturen in Deutschland,

aber wir sind die ersten, die Bioeis

nach original italienischen Rezepten

herstellen“, darauf pocht Manusé junior.

Das Rezept des Erfolges ist einfach:

„Das Geheimnis ist, dass es kein Geheimnis

gibt. Unsere Küche ist praktisch

gläsern.“ Mit einem augenzwinkernden

Seitenhieb auf die Altvorderen

ihrer Branche, die viel Wind um jahrhundertealte

Familienrezepturen

machten und sich nicht in die Eisküchen

gucken lassen wollen. „Um dann

unter diesem Deckmantel das Eis mit

Aromen, Wasser,Milchpulver und Farbstoffen

zuzubereiten“, moniert die zweifache

Mutter. Während sie dabei die

Aromen-Kataloge zückt, die sie zur Abschreckung

und als Ansporn, dass die

wahren Handwerker es viel besser können,

ebenfalls in ihren Eisseminaren

präsentiert.

Der Lackmus-Test ist im Grunde simpel:

„Wenn im Vanilleeis keine dunklen Stückedes

Markes und im Zitroneneis keine

Zitronenstückchen sind, dann ist beides

nicht drin, und wenn das Erdbeereis

knallpink leuchtet, liegt das an den Farbstoffen.“

Das Erdbeereis von „Gelato-

Mio“ feiert gerade den Saisonstart –

„denn seit wenigen Wochen sind die erstenBio-Erdbeeren

im Münsterland reif“

–und der Schmelz kommt zartrosa mit

deutlich erkennbaren Erdbeerstückchen

daher.Leider ein Genuss für wenigeMonate,

denn außer frisch und saisonal

kommt bei den Manusés nichts in die nagelneuen

Eismaschinen.

„Das Geheimnis ist, dass es kein

Geheimnis gibt. Unsere Küche

ist praktisch gläsern.“

Toni Manusé

Zum Glück sprudelt Rosie förmlich vor

Ideen: Wildfenchel-, Spargel-, Rosenund

Lavendeleis, Sorten mit gerösteten

Pinienkernen oder Lakritze oder Rhabarber,

Muskatnuss, Maronen oder Safran,

Fruchtsorbets und viele Geschmacksrichtungen

mit dem Vorzeichen

„vegan“. Manchmal kommen die

Ideen extrem spontan: „Zum Abendessen

wollte ich Artischocken dünsten –

schwupp, hat meine Frau sich das Gemüse

geschnappt und bis in die Nacht hinein

im Eislabor Artischocken-Eis kreiert“,

kramt Toni Manusé eine der vielen

Unternehmensanekdoten hervor. Was

gewaltig gewöhnungsbedürftig klingt,

soll mit Crema di balsamico ein Hochgenuss

sein. „Kann ich mir auch in einem

mehrgängigen Menü gut als Zwischengang

vorstellen“, schwärmt der Gourmet.

Doch nicht nur kulinarisch sind die Manusés

sehr anspruchsvoll: IhreRezepturen

sind italienisch, doch die Bio-Zutaten

nicht weit gereist. Milch und Sahne

von Söbbeke, Eier aus Gescher, die

Früchte aus Gelmer und Tecklenburg.

Rigorose Regionalität mit klitzekleinen

Ausnahmen: Bei Pistazien und Zitronen,

da gibt es keine, in denen mehr Aroma

schlummert, als die aus der Heimat Sizilien.

Die Qualität hat seinen Preis: „Die

Pistazien aus Brontesind in diesem Jahr

40 Euro pro Kilo teurer, auf einen Preis

von130 €geklettert“, stöhnt Toni Manusé.

Trotzdem hat er nicht vor, den Preis

von 1,60 €pro Kugel noch zu erhöhen.

Stattdessen produziert er einigeZutaten

selbst: Auf Sizilien baut der Jurist jetzt

seine Bio-Mandeln an, die Kräuter

wachsen zum Glück im Garten neben

dem Offizierskasino – vis-à-vis zu 30

grasenden Schafen des Naturschutzzentrums

Coesfeld.

Doch nicht nur Schafe und Ziegen sind

der Eismanufaktur als Zutatenlieferantenans

Herz gewachsen: Unter dem Zeichen

der Schnecke brüstet sie sich als

Slow-Food-Unterstützer. Und schrieb

hier besondere Erfolgsgeschichte: Die

Jurydes „Feinschmecker“-Magazins hat

sich auf der letzten Slow-Food-Messe

nicht nur durch außergewöhnliche Sorten

wie Quitte und Hokkaido-Kürbis

und Wildstachelbeere geschleckt und

die Qualität gecheckt: Nein, die Fachleute

–beim Test selbstverständlich inkognito

–haben die Handwerkskunst aus

der Coesfelder Manufaktur sogar zum

„Feinschmecker-Eis 2015“ gekürt.

Ein großer Meilenstein in der

noch jungen Unternehmensgeschichteder

Familie

Manusé und

Motivation zugleich,

sich auf

das zu besinnen,

worauf es

der Chefin ankommt:

„Was

ich hier seit

vergangenem

Jahr täglich

mache, hat

einen hohen

Wert, auch wenn

er uns nicht reich

macht“, unterstreicht

die gebürtige

Sizilianerin in der Küche

des ehemaligen Offizierskasinos

der alten Kaserne Coesfeld.

Konversion im Zeichen der Kulinarik:

Jetzt umfunktioniert zum kreativen

Eislabor,indem Manusé ausbilden darf

und der jüngere Sohn Nicholas mit seinen

elf Jahren gern in die Eiseimer

schaut. Als besonderes Kompliment für

ihre Arbeit empfindet sie, dass ihr älterer

Sohn Christian Ökotrophologie studieren

und in die Eismanufaktur mit einsteigen

will. Maike Harhues

Alles imEimer: Joghurt, Eier, Rohrzucker

und Minze für den perfekten Schmelz.

Sparkasse ist, wenn man tut, was man versteht.

Und versteht, was man tut.

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14 BRANCHEN &BETRIEBE

Im Handwerk

geht die Post ab

Die Betriebe im Münsterland sind sehr innovativ –und

darum am Markt etabliert.

Das Münsterland. Seine Parklandschaft

und das westfälisch unaufgeregte Wesen

lassen es eher nicht vermuten, aber im

Handwerk geht hier mitunter die Post ab.

Innovative, erfolgreiche, meist mittelständische

Betriebe, von denen sich einige zum

Hidden Champion gemausert haben. An

den Slogan der deutschen Handwerkskammer

„Das Handwerk. Die Wirtschaftsmacht

von Nebenan“, lässt sich für das Münsterland

ein Haken machen: Knapp 19.000

Handwerksbetriebe mitüber134.000Beschäftigen,

die im Jahr nicht ganz 15,4 Millionen

Euro Umsatz erwirtschaften (Stand

Herbst 2014, Handwerkskammer Münster).

Manche entscheiden sich ganz bewusst

für den Schritt ineineNischeihrer

Branche.Diese Spezialisten, etwa für Innenausbau,

Anlagen-, oder Metallbau, sind

keine Seltenheit.

„An sich ist das Handwerk im

Münsterland sehr innovativ.

Das ist historisch gewachsen,

denn hier gab es

Aie n eine reine Montanindustrie

wie im Ruhrgebiet,

sondern das Münsterland war immer kleinteilig

geprägt. Das beflügelt automatisch, weil es

eine Vielzahl von unterschiedlichen Marktanbietern

gibt“, erklärt Thomas Harten, Geschäftsführer

des Bereichs Wirtschaftsförderung der

Handwerkskammer Münster. Auf den ersten

Blick liegen einige der erfolgreichsten Handwerksbetriebe

versteckt im „Hinterland“ und

haben sich aus einfachen Handwerksunternehmen

zu hoch spezialisierten Profis ihrer Branche

entwickelt. Besonders renommierte Beispiele

sind die Tischlerei „metrica Interior“, die den Innenausbau

für Luxusyachten leistet, die Metallbaufirma

Trendelkamp aus Nordwalde, die den

Bundesadler für den Bundestag fertigte sowie

die Firma „emsa“ aus Emsdetten, die Haushaltsund

Gartenartikel herstellt und erst 2014 mit

dem „TOP 100“-Siegel als eine der innovativsten

Firmen des deutschen Mittelstandes ausgezeichnet

wurde. Das „Hinterland“ kann aber gerade

ein Vorteil sein. „Kleine Unternehmen

wachsen in der Nähe zu großen Unternehmen

heran. Einerseits gibt es die rein wirtschaftlichen

Verbindungen untereinander, aber andererseits

kennt man sich einfach persönlich“, so

Harten.

Außerdem liegt das Münsterland in unmittelbarer

Nähe zu wichtigen Entwicklungsachsen. Etwa

von Amsterdam nach Berlin oder vom Norden

in den Süden Deutschlands. Diese leistungsfähigen

Verkehrsrouten machen das Münsterland

als gut erreichbaren Standort attraktiv.

„Als Unternehmer muss man sich immer fragen,

in welchem Preissegment man antreten möchte

und wie man sich qualitativ von der Konkurrenz

„Es ist immer ratsam, sich zu vernetzen,

sonst bekommt man keinen Input.“

Robert Kleinschmidt, Leiter des Kreisverbands Warendorf/

Coesfeld des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft

abheben kann. Qualitativ hochwertige Handwerksarbeiten

haben natürlich ihren Preis“, sagt

Niklas Esser von der Wirtschaftsförderung Coesfeld.

Einen richtigen Trend zur Spezialisierung

würde es in den unterschiedlichen Branchen im

Münsterland zwar nicht geben, die Unternehmen,

die sich auf ein bestimmtes Marktsegment

konzentriert hätten, würden aber selten

schlecht damit fahren.

„Manchmal lässt der Konkurrenzdruck auch keine

andere Möglichkeit zu, als sich am Markt neu

zu positionieren. Eine solide Bandbreite von Generalisten

ist Voraussetzung für ein funktionierendes

Handwerk, aber der besondere Reiz besteht

darin, sich eine Nische zu suchen, die man

besonders gut beherrscht und in die man viel

Herzblut hineinstecken kann“ erklärt Robert

Kleinschmidt, Leiter des Kreisverbands Warendorf/Coesfeld

des Bundesverbands mittelständischer

Wirtschaft. Seine Erfahrungen würden

zeigen, dass solche Unternehmen am erfolgreichsten

seien, die offen für Neues und gegenüber

anderer Branchen seien. „Es ist immer ratsam,

sich zu vernetzen, sonst bekommt man keinen

Input“, sagt Kleinschmidt.

Dass die Handwerker im Münsterland die Augen

nicht vor neuen Techniken verschließen, zeigt

auch die Preisträgerliste des Seifriz-Preises. Seit

27 Jahren zeichnet dieser bundesweite Transferpreis

erfolgreiche Kooperationen zwischen

Handwerk und Wissenschaft aus. Seit 1989 findet

sich jedes Jahr mindestens ein münsterländisches

Handwerksunternehmen unter den Preisträgern.

Im Jahr 2013 überzeugte zuletzt die „S. Steverding

GmbH“ aus Stadtlohn, zusammenmitden

beidenProfessorenHans-ArnoJantzenundKlaus

BaalmannvomFachbereichMaschinenbau der

Fachhochschule Münster. Das Team entw

ickelte

ein Hydromixer Paddelrührwerk, das in den Gärreaktoren

von Biogasanlagen zum Einsatz

kommt. Es durchmischt das Gärmaterial optimal

und sorgt für eine bessere Energieausbeute – bis

zu 25 Prozent mehr sollen es sein. Bisher sind

Spezialisierung im Handwerk nicht zwingend

notwendig und kommen für einige Branche eventuell

nie in Betracht. Trotzdem sollten sich Unternehmen

damit auseinandersetzen. „Kleine Handwerksbetriebe

werden den demografischen Wandel

stärker spüren als größere. Gerade bezüglich

der Frage zur Nachfolge sehen wir dieses Problem.

Deshalb ist es nötig, das eigene Unternehmen

stärker zu positionieren“, sagt Niklas Esser.

Nach Auswertungen der Industrie- und Handelskammer

Nord Westfalen, gab es im Jahr 2014 insgesamt

8145 Firmengründungen von Hauptniederlassungen

durch Kauf, Pacht oder Erbfolge.

Das sind 5,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Noch

deutlicher ist der Vergleich zu 2004: Innerhalb

von nur zehn Jahren hat sich die Zahl der Gründungen

in Nord-Westfalen nahezu halbiert, damals

waren es noch 13.237 Gründungen.

„Eine Spezialisierung ist vielleicht nicht für jeden

sinnvoll, kann aber interessant sein, um sich

als Arbeitgebermarke herauszustellen. Das

zeichnet ein klareres Bild vom Beruf und kann

für zukünftige Auszubildende interessanter

sein“, erklärt Thomas Harten. Trotz des „Akademisierungswahns“

in Deutschland sieht er für

das Handwerk im Münsterland eine positive

Entwicklung. „Wir müssen dementsprechend

frühzeitig an junge Menschen herantreten, um

die Berufsbilder des Handwerks lebendig zu halten“,

so Harten.

Maxi Krähling

Der Betrieb lernte mit Holzschuhen laufen

Die Tischlerei Spiekermann produziert indritter Generation hochwertige Möbel mit Ideen zum Anfassen.

Von Weitem ist um die Firma Spiekermann

nicht viel los. Felder, Wiesen,

ein paar Ponys grasen auf einer

Koppel. Innen gibt es dafür umso

mehr: Einrichtungsideen für jeden

Raum zum Anschauen und Anfassen,

bevor sie im eigenen Heim stehen.

Nicht in Reih und Glied wie in einem

x-beliebigen Einrichtungshaus, sondern

unaufdringlich, edel und sinnvoll

in den sogenannten „Ideenräumen“

verteilt und aufgebaut.

Die Tischlerei aus Havixbeck

gibt es seit 1950, sie hat

mittlerweile drei Generationen

Tischlermeister

hervorgebracht und konzentriert

sich seit 30 Jahren auf den Bau

von hochwertigen Möbeln und Inneneinrichtungen.

Sowohl für private als auch

für gewerbliche Kunden. „Wir haben gemerkt,

dass wir uns in eine Richtung spezialisieren

müssen, egal ob auf geschäftliche

oder privateKunden“, erklärt Juniorchef

Stefan Spiekermann.Die Möbel sind

nicht unbedingt etwas für den kleinen

Geldbeutel. „Die größte private Kundengruppe

sind Leute zwischen 50 und 60

Jahren. Leute, die sich zum zweiten Mal

in ihrem Leben einrichten und sich etwas

gönnen möchten“, sagt Spiekermann.

Der Juniorchef ist nach seiner Meisterprüfung

2007 in den elterlichen Betrieb

mit eingestiegen und hat sich besonders

um den Aufbau des privaten Kundenstamms

gekümmert. „Heute machen die

privaten Aufträge ein Drittel unserer

Arbeit aus“, so Spiekermann. Das Kernziel

der Tischlerei sind aber nach wie vor

die gewerblichen Kunden: Ladeneinrichtungen,

Hotel und Gastronomie sowie

Büros oder Arztpraxen.

Das warnicht immer so. Als TischlermeisterHeinrich

Spiekermann 1950 eine kleine

Tischlerei auf dem elterlichen Bauernhof

gründete, ging es darum, ein wenig

Geld dazuzuverdienen. „Die Arbeit beschränkte

sich hauptsächlich die Holzschuhherstellung,

auf kleinereReparaturen

und Bautischlereiarbeiten wie Fenster

und Türen und. Ab und zu wurden

auch Möbel produziert“, so Seniorchef

Werner Spiekermann. Relativ früh sei ein

Möbel bauen und präsentieren unter einem Dach: In der Tischlerei Spiekermann gehört

das zum Firmenkonzept.

Foto: Maxi Krähling

Auszubildender dazugekommen, bis in

die 1980er Jahre wuchs die Firma auf

fünf Mitarbeiter an. 1984 übernahm Werner

Spiekermann die Firma von seinem

Vater Heinrich und beschloss, sich neu

auszurichten. „Bis in die 1990er Jahren

sind wir vonfünf auf 20 Mitarbeiter angewachsen.

Deshalb haben wir uns damals

zuerst auf die gewerblichen Kunden konzentriert“,

erklärt der Seniorchef.

Heute laufen beide Kundenstämme nebeneinander

her. Die privaten Interessenten

fahren bis zu 50 Kilometer, um

sich bei Spiekermann beraten zu lassen,

für den Ladenbau ist das Unternehmen

bundesweit unterwegs.

Um alle Kunden einen richtigen Eindruck

vonder hochwertigen Arbeit der Tischlerei

zu vermitteln, investierte Spiekermann

in neue Ausstellungs- und Büroräume,

die Ideenräume, die sie 2014 bezogen

haben. Auf 512 Quadratmetern

wirdpräsentiert und gleichzeitig gearbeitet–Alltagstauglichkeit

und Funktionalität

in einem.

Die Tischlerei kann auf Insgesamt 420

unterschiedliche Materialien zurückgreifen.

Eine Großzahl von Materialbeispielen

können die Kunden direkt in den

Ideenräumen auswählen, in die Hand

nehmen, die Qualität erfühlen. „Heute

spielt natürlich die Optik eine viel größere

Rolle, früher musste ein Möbel hauptsächlich

funktionell sein. Die Kunden

kommen meistens mit bereits sehr konkreten

Vorstellungen, vorallem im privatenBereich

sind die Wünsche ausgefallener.

Deshalb legen wir Wert darauf, dass

der Mehrwert der Möbel sichtbar und erfahrbar“,

sagt der Juniorchef. Vonder Beratung

über die Planung, bis zum finalen

Einbau, gibt es bei Spiekermann alles aus

einer Hand.

Maxi Krähling


BRANCHEN &BETRIEBE 15

Mit Volldampf in die Luxusnische

„metrica Interior“: Eine Tischlerei hat sich auf den Ausbau von Mega-Yachten und Residenzen spezialisiert.

Erst ab 40 Metern Schiff steigt die

Tischlerei „metrica Interior“ mit ins

Boot. Vorher lohnt sich der Aufwand

finanziell nicht. Denn was 1681 mit

der kleinen Schreinerei der Familie

Rincklake van Endert in Münster begann,

ist heute zueinem der führenden

Handwerksbetriebe für Innenausbau

von Mega-Yachten und luxuriösen

Residenzen gewachsen.

Hier wird Handwerk großgeschrieben: „metrica Interior“ hat sich auf den Innenausbau

von Yachten spezialisiert –und avancierte so zum Weltmarktführer. Foto: Maxi Krähling

In Bösensell, weit weg vom Meer,

zwischen Bahnhof und dem Einrichtungshaus

Hardeck, hat „metrica

Interior“ seinen Hauptsitz.

Auf etwa 4.500 Quadratmetern

entstehen hier hochwertige Möbel, Böden,

Wände und Decken, aus den feinsten

und teilweise exotischsten Hölzern

und Materialien, die, in unzähligen Einzelpaketen

verpackt, zuerst in die Werften

geliefert werden und schließlich ihren

finalen Platz in den Yachten finden,

genau so und genau dort, wo der Kunde

es wünscht. Einen zweiten Standort unterhält

die Firma in Holtwick-Rosendahl,

wo sich alles um Umbau- und Reparaturarbeiten

an den Schiffen dreht. Insgesamt

beschäftigt die Tischlerei rund 200

Mitarbeiter.Trotz des Luxus, den die Firma

produziert, gehört sie zum Mittelstand.

„Wir legen Wert darauf, das wir ein

Handwerksbetrieb sind und verstehen

uns als Manufaktur. Trotzdem müssen

wir auch mit der Zeit gehen. Neben der

traditionellen Hobelbank, die manchmal

unersetzbar ist, haben wir mehrerehochtechnische

CNC-Maschinen“, erklärt Geschäftsführer

Kai Dittmar.

Rudolf Rincklake van Endert erkannte

bereits in den 1990er Jahren die Notwendigkeit,

sich aus dem typischen Innenausbau

in eine Nische hineinzuentwickeln,

um weiterhin erfolgreich zu sein.

„Hier stand der Zufall Pate. Denn es trat

ein Kunde auf Rudolf Rincklake zu, der

seine 30 Meter lange Yacht ausbauen

wollteund fragte, ob seine Firma das leisten

könne. Das war der Anfang und seitdem

haben wir uns in dieser Nische zu

einem der Weltmarktführer entwickelt“,

so Dittmar.Sich im Handwerk zu spezialisieren

sieht der Geschäftsführer heutzutage

als unerlässlich: „Natürlich muss es

Generalisten unter den Handwerkern geben,

aber die können eben nicht alle speziellen

Anforderungen abdecken. Was

wir hier machen, kann kein Schreiner aus

dem Stand, das erfordert jahrelange Erfahrung.“

Vor allem im internationalen

Wettbewerb könne sich ein Handwerksbetrieb

heutenur noch mit einer speziellen

Ausrichtung von der Konkurrenz abheben.

In Deutschland gibt es höchstens

acht Firmen, die „metrica Interior“ das

Wasser reichen können, die nächsten sitzen

in den Niederlanden. Trotzdem ist

der Wettbewerb groß. Jährlich setzen die

Bösenseller etwa 14Projekte um.

„Eigentlich ist diese Nische keine wirkliche

Nische mehr.Deshalb müssen wir immer

wieder neue Prozesse in Gang setzen,

um kontinuierlich besser zu werden:

Neue Märkte erschließen, neue Fertigungsprozesse,

Produktionswege und

Materialien ausfindig machen und andere

Unternehmen finden, die uns genau

das liefern können, was wir selbst nicht

machen können“, verdeutlicht Dittmar.

Gerne greift die Firma auf andere Unternehmen

aus der Region zurück.

Dass „metrica Interior“

dieses besondere

Marktsegment

für sich

erschlossen hat,

hindert die Firma

nicht daran, jedes

Jahr junge Leute

auszubilden. „Bei

uns werden die

Azubis ganz normal

zum Tischler

ausgebildet. Danach

sind sie nicht extrem spezialisiert,

haben aber sehr gute Voraussetzungen,

um einen Job zu bekommen. Ein großer

Vorteil ist, dass sie bereits in der Ausbildung

mit Materialien gearbeitet haben,

die manch Tischlermeister nicht kennt“,

gibt der Geschäftsführer zu bedenken. Allerdings

bekomme die Firma den demografischen

Wandel zu spüren: „Es wird

schwieriger, Auszubildende und qualifizierte

Mitarbeiter zu finden. Die Ausbildung

muss im Handwerk in den nächsten

Jahren großgeschrieben werden, sonst

bricht in zehn bis fünfzehnJahren etwas

weg, wofür Deutschland in der Welt bekannt

ist“.

Maxi Krähling

„Wir legen Wert darauf, dass wir

ein Handwerksbetrieb sind und

verstehen uns als Manufaktur.

Trotzdem müssen wir auch mit der

Zeit gehen.“

Kai Dittmar, Geschäftsführer von „metrica Interior“

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BRANCHEN &BETRIEBE 16

Praktikumsplatz

statt Spendenscheck

Sinnack Backspezialitäten möchte soziale Projekte mitgestalten /Der Erziehungsverbund Gerburgis profitiert davon.

In Zeiten leerer Kassen werden auch

die öffentlichen Gelder für soziale

Einrichtungen zusammengestrichen.

„Jetzt ist die freie Wirtschaft

gefragt“, sagt Maria Forsthövel, Leiterin

des Erziehungsverbundes Gerburgis.

Hartmut Wießner nimmt sie

beim Wort. Der Geschäftsführer der

Bocholter Firma Sinnack Backspezialitäten

hat einen besonderen Weg

des sozialen Engagements gefunden:

Bezahlter Praktikumsplatzstatt

Geldscheck heißt sein Motto. Doch

sachbezogene Spenden sind nicht

immer das Nonplusultra.

Maria Forsthövel weiß,

worauf es ankommt.

„Gute Mitarbeiter sind

das Aund Oineiner sozialen

Einrichtung“,

sagt die Verbundleiterin. Doch gutes Personal

ist teuer –zuteuer für klamme

Stadt-Kassen. Wichtige Projekte müssen

daher immer wieder auf Eis gelegt werden.

Hartmut Wießners Anruf im vergangenen

Jahr kam ihr daher gerade recht.

Der Geschäftsführer

von Sinnack

suchte ein lokales

Projekt, in das die

Firma Zeit und

„Gute Mitarbeiter sind das Aund

Oineiner sozialen Einrichtung.“

Geld stecken Maria Forsthöve

konnte. „Zeit ist

das Zauberwort,

wenn es um

zweckgebundene Spenden geht“, sagt

Christel Neff, Stellvertretende Leiterin

des Deutschen Instituts für soziale Fragen.

In den meisten Fällen rät sie vondieser

Art zu spenden ab.

Hartmut Wießners dunkles Sakko hängt

über einer Stuhllehne. Er sitzt im Hemd

auf einem dieser soliden Möbel im Mehrzweckraum

der Mutter-Kind-Einrichtung

und hört Maria Forsthövel aufmerksam

zu. Da steckt eine junge rothaarige Frau

ihren Kopf durch den Türspalt: „Findet

heute noch das Mutter-Kind-Turnen

statt?“, fragt Vanessa Blümel. Sie wohnt

mit ihrem Sohn in der Einrichtung. Viel

Zeit zum Reden bleibt also nicht mehr.

Gleich kommen die Praktikantinnen Ramona

Simeth und Anna Musion. Der

Mehrzweckraum wird dann zum Turnsaal.

Das neue Bewegungsangebot der

Einrichtung liegt seit einigen Monaten

fest in ihrer Hand.

Das Bewegungsangebot war eines der

Projekte, die Maria Forsthövel immer

wieder auf Eis legen musste. Einmal in

der Woche Mutter-Kind-Turnen und alle

zwei Wochen ein Sportkurs nur für die

Mütter –durchgeführt von Mitarbeitern,

die auch abseits des Angebots in dem

Wohnheim arbeiten. Als sie Hartmut

Wießner vonder Idee erzählte, warersofort

begeistert. „Die Mütter, die hier leben,

sind in einer sehr schwierigen Situation“,

erläutert die Verbundleiterin.

Schlimmstenfalls endet der Aufenthalt

mit einer dauerhaften Trennung von

ihrem Kind. Diesen Druck können die

meist jungen Frauen kaum ertragen.

„Durch Sport wirdStress abgebaut“, sagt

Maria Forsthövel. Sie schlug Sinnack daher

vor, sich an den Personalkosten für

das Programm zu beteiligen. „Seitdem

spenden wir einen

bezahlten

Praktikumsplatz“,

sagt der

Geschäftsführer.

Soziales Engagement

ist für Hartmut

Wießner ein

Bedürfnis. „Ich

möchteder Gesellschaft etwas zurückgeben“,

sagt er.Ermeint das ernst. Auch als

Vertreter vonSinnack setzt er sich für soziale

Projekteein und ist ein verlässlicher

Ansprechpartner für den Erziehungshilfeverbund

Gerburgis. „Wir mussten den

Mehrzweckraum schließlich neu ausstatten,

damit das Bewegungsprogramm

überhaupt stattfinden konnte“, erinnert

sich Maria Forsthövel. Schließlich fehlte

der Mutter-Kind-Einrichtung noch ein

Teppich. „Daran sollteesnicht scheitern“,

sagt Wießner schmunzelnd. Sinnack

zahlte. „Das ist einer der Vorteile, wenn

zwischen Unternehmen und Sozialen

Hartmut Wießner zahlt als Geschäftsführer von Sinnack einen Teil des Gehaltes der Praktikantinnen Ramona Simeth

und Anna Musion.

Einrichtungen ein direkter Kontakt besteht“,

sagt Maria Forsthövel.

Doch nicht immer bleiben Spender ansprechbar.

In solchen Fällen können

sachbezogene Spenden auch zum Problem

werden. „Angenommen, die öffentliche

Hand entschließt sich, mehr Gelder

in das Bewegungsprogramm zu stecken“,

sagt Christel Neff. Dann benötigt die Einrichtung

möglicherweise an dieser Stelle

keinen Praktikumsplatz mehr. Daessich

hier jedoch um eine zweckgebundene

Spende handelt, dürfe die Einrichtung

die Spende nicht anderweitig verwenden.

Christel Neff leitet auch die Spendenberatung

des Instituts und wird immer

wieder mit solchen Fällen konfrontiert.

„Die Spender sind oftmals garnicht

mehr erreichbar“, sagt sie. Die Spende

umzuwidmen ist dann nicht mehr möglich

und das Geld bleibt ungenutzt.

Trotzdem: Für Hartmut Wießner kommen

nur noch zweckgebundene Spenden

infrage. „Wir als Firma sehen einfach gerne,

welche Erfolge mit den Spenden erzielt

werden“, sagt der Geschäftsführer.

Das ist ihm der Mehraufwand wert.

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Arbeitsplatz spenden und Steuern sparen

„Ein gespendeter Arbeitsplatz ist eine zweckgebundene Spende“,

erläutert Christel Neff, Stellvertretende Leiterin des Deutschen Instituts

für soziale Fragen. Das dafür ausgegebene Geld kann also von

den Steuern abgesetzt werden. „Das ginge nicht, wenn Herr Wießner

nun selbst einen Mutter-Kind-Kurs geben würde“, sagt die

Stellvertretende Leiterin. In

diesem Fall würde es sich

nicht um eine Spende, sondern

um ehrenamtliche

Arbeit handeln. Würde er

nun –hypothetisch gesehen

–seine Sekretärin von

ihrer normalen Arbeit freistellen,

damit sie den Kurs

leitet, wäre die Sachlage

eine andere. Ihre Arbeitskraft

würde gespendet und

könnte in einen Geldwert

umgerechnet werden. Dieser

Geldwert kann bei der

nächsten Steuererklärung

berücksichtigt werden.

Christel Neff rät von zweckgebundenen

Spenden ab.


17 GELD &GESCHÄFT

Gold bleibt erste Wahl

Auch wenn Silber eine Renaissance erlebt –für den Kleinanleger ist Gold die ideale Form,

um etwas Edelmetall ins Depot zu nehmen.

Edelmetalle sind für Sparer immer

Krisenmetalle – so lautet die alte

Weisheit der Anlageberater. Doch

gilt das nur für Gold oder etwa auch

für Silber?

An den Finanzmärkten

wächst die Unsicherheit.

Das treibt die Nachfrage

nach Edelmetallen an. Vor

Allem a Silber erlebt zurzeit

eine Renaissance. Doch gerade beim

„kleinen Edelmetall“ sind die Risiken

groß: „Der Silberpreis unterliegt erheblichen

Schwankungen“, weiß Manfred Petermann,

verantwortlich für die Deutsche

Asset &Wealth Management Deutsche

Bank Münster.„Deshalb ist Silber für den

konservativen Anleger eher nicht geeignet.“

Hinzu komme, dass Silber im

Gegensatz zu Gold in Deutschland der

Mehrwertsteuer unterliege.

Stabilisiert hatte den Silberpreis im Jahr

2014 eine hohe Nachfrage aus Indien.

Dort gibt es Beschränkungen für den

Gold-Import. Folge: Immer mehr Anleger

auf dem Subkontinent setzen auf Silber

als Alternative. Somit wurde nach Indien

nicht nur viel Silber-Schmuck verkauft,

sondern es wurden dort im vergangenen

Jahr auch 10 950 Tonnen als Silber-Barren

(also zur Geldanlage) erworben.

Dennoch dürfte Gold für den deutschen

Anleger nach wie vor erste Wahl beim

Edelmetall-Investment sein. Petermann

rät aber lediglich zu einer maximalen

Beimischung im Depot vonfünf Prozent.

Der Deutsche-Bank-Experte verweist

noch auf ein anderes wichtiges Phänomen:

„Der Goldpreis auf Dollarbasis ist

seit mehr als drei Jahren rückläufig, der

gegenüber 2014 deutlich gestiegene Preis

auf Eurobasis ist der schwächeren Eurowährung

geschuldet.“ Gold werdeinDollar

gehandelt und schwanke inletzter

Zeit in der US-Währung nicht sehr stark.

„Investoren müssen berücksichtigen:

Gold wirft keine Zinsen ab“, betont Petermann,

räumt aber gleichzeitig ein, dass

dieses Faktum in der aktuellen Niedrigzinsphase

keine entscheidende Rolle

spielt.

Gold bleibt aber deutlich erkennbar ein

Krisenmetall: Die immer wieder aufkeimenden

Ängste umdie Finanzlage Griechenlands

haben den Preis des Edelmetalls

deshalb in den vergangenen Wochen

wiederholt gen 1200-Dollar-Marke getrieben.

Dennoch ist das Preisniveau derzeit vergleichsweise

niedrig. Noch im September

2011 hatte der Preis für das edle Metall

fast 2000 US-Dollar erreicht. Die Goldproduktion

aus Minen wird wegen der

aktuell tieferen Preisen wieder zurückgehen,

weil sie in vielen Fällen nicht mehr

Krügerrand aus Südafrika sind bei Gold-Anlegern gefragt.

wirtschaftlich möglich ist. Mittelfristig

könnte sich also das Angebot verknappen,

somit der Preis wieder steigen,

glaubt die Mehrheit der deutschen Anlageexperten.

Doch in Gold zu investieren, heißt nicht

zwingend, dass man Krügerrand-Münzen,

Maple Leaf oder Goldbarren ins

OFFEN GESAGT

Schutz vor Inflation

Inden vergangenen Monaten wurde

von Mario Draghi, dem Präsidenten

der Europäischen Zentralbank (EZB),

wieder und wieder die Gefahr einer

Deflation im Euro-Raum an die Wand

gemalt. Doch nun wird immer mehr

erkennbar: Die Inflation zieht an.

Folge: Selbst steigende Zinsen sind für

die Geldanlage inGold nicht zwingend

kontraproduktiv. Entscheidend ist ausschließlich

der Realzins. Steigen die

Preise schneller als der nominale Zins,

erleiden Anleger bei Tages- oder Festgeld

Vermögensverluste. Das Kilogramm

Gold bleibt hingegen was es

ist: ein Kilo Gold. Das Edelmetall

schützt Anleger somit vor Kaufkraftverlusten.

Außerdem ist der gezahlte Zinssatz

auch immer ein Maßstab für die

Bonität des Schuldners. Steigende Zinsen

bedeuten eine schwächere Zahlungsfähigkeit

und damit ein höheres

Ausfallrisiko des Schuldners. Bei der

Anlage inGold besteht dieses Risiko

nicht. Sollten Draghi und der Zentralbankrat

der EZB in Zukunft ihre Anleihekäufe

wieder reduzieren oder sogar

gar komplett einstellen, dürften die

Anleihekurse drastisch einbrechen.

Gold als stabilisierender Faktor

im Depot hilft kann dann

helfen, die Verlustgefahr

einzudämmen.


Foto: dpa

Schließfach seiner Bank legen muss.

Über Anlageinstrumente, wie beispielsweise

Zertifikate oder Derivate, können

Sparer auch an steigenden, fallenden

oder sogar seitwärts tendieren Goldpreisen

partizipieren. Die am häufigsten genutzte

Form der Investition in Anlagegold

ist aber dennoch der physische Erwerb

vonGoldbarren oder Goldmünzen.

Mit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise

ab dem Jahr 2007 erlebte

Gold insbesondere imangelsächsischen,

aber auch im deutschsprachigen Raum

kurzzeitig eine enorme Renaissance bei

den Kapitalanlegern. Doch die hielt nicht

lang an.


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18 GELD &GESCHÄFT

Vertrag zum Sparen

Wie Strom- und Gaskunden ihr Energiemanagement outsourcen: Contracting als Instrument zur

Finanzierung und Optimierung von Effizienzmaßnahmen gewinnt an Bedeutung.

Weil die Energiepreise weiter steigen,

lassen immer mehr Unternehmen

ihre Heizungs- oder Lüftungsanlage

von Dritten betreiben. Dieses

Vorgehen heißt Contracting: Dabei

übernehmen spezielle Dienstleister

die Verantwortung für die Anlage

und sorgen dafür, dass sie effizient

läuft. Die Unternehmen bezahlen

nur noch für die aus der Anlage gewonnene

Energie. Durch den Einsatz

moderner Technik entstehen weniger

Kosten. Außerdem lassen sich

Energieverbrauch und CO ²

-Ausstoß

senken, ohne selbst Geld in die Hand

für neue Anlagen nehmen zu müssen.Ve

Vraltete Heizungsanlagen

und stetig steigende Energiekosten

verhageln manchen

Unternehmen die Bilanz:

Vorvielen Jahren zahlten

Industriekunden für eine Kilowattstunde

Strom imSchnitt noch zirka fünf

Cent. Zwischenzeitlich lag er schon bei

knapp unter zehn Cent. Inzwischen pendelt

er um 8,5 Cent. Zur Begründung verweisen

Experten auf die mit dem Atomausstieg

eingeleiteteEnergiewende. Steigendie

Preise, müssen die Unternehmen

sparen: Kosten lassen sich durch einen

gut organisierten Energieeinkauf drücken.

Beim Energiesparen helfen neue

Geräte, die weniger Energie verbrauchen

und gleichzeitig mehr leisten.

Zwar lassen sich die größten Energiefresser

und Kostentreiber bei einem aufmerksamen

Rundgang durch das Unternehmen

–eventuell sogar mit Hilfeeines

speziellen Energieberaters –schnell erkennen.

Meist handelt es sich um lange

Stand-by-Laufzeiten, eine in die Jahre

gekommene Beleuchtungsanlage, den

alten Heizkessel oder die unzureichende

Dämmung. Doch um hier etwas zu ändern

und die Kosten dauerhaft zu senken,

muss man richtig Geld in die Hand

nehmen: Die modernisierte oder neue

Energieanlage erfordert umfangreiche

Investitionen. Auch der große Wurf,

einen Teil des benötigten Stroms beispielsweise

mit Solarzellen auf dem

Dach, einer Wärmepumpe, der Biogasanlage

imHinterhof oder einem Mini-

Blockheizkraftwerk im Keller selbst zu

erzeugen, muss umfangreich geplant

Beim Contracting geben Unternehmen die Verantwortung für ihre Energieanlage ab. Das spart eigenes Personal und die Kosten dafür.

werden und kostet erst mal.

Werdie Mittel für diese Maßnahmen auf

der hohen Kantehat, kann sich glücklich

schätzen. Bei den meisten kleinen und

mittleren Betrieben ist dies allerdings

nicht der Fall. Das Kapital ist gebunden

oder bereits für andere notwendige Investitionen

verplant.

Einen Ausweg bieten Programme wie der

„Sonderfonds Energieeffizienz für kleine

und mittlerer Unternehmen“ der Kreditanstalt

für Wiederaufbau. Damit unterstützt

die Bank die Anschaffung neuer,

energieeffizienter Produktionsanlagen,

Antriebe und Maschinen, sofern gewisse

Bedingungen erfüllt sind. Eine entsprechende

Beratung zu diesen Fördermöglichkeiten

sowie Tipps für einen optimiertenEnergieeinkauf

erhalten interessierte

Unternehmen unter anderem bei den Industrie-

und Handelskammern. Auch

Banken beraten in Fragen der Energieeffizienz

und helfen bei einer Finanzierung.

Einen Schritt weiter geht das sogenannte

Contracting. Dabei geben Unternehmen

die Verantwortung für ihre Energieanlage

perVertrag ab und zahlen nur noch für

die aus der Anlage gewonnene Energie.

Der Dienstleister, auch Contractor genannt,

liefert die geforderten Medien wie

beispielsweise Wärme, Kälteoder Druckluft

und führt die zu deren Erzeugung

notwendigen Investitionen auf eigene

Kosten durch. Er plant, finanziert, errichtet

und betreibt also die Anlage für den

Kunden. Im eigenen Interesse setzt er dabei

stets die effizienteste und modernste

Technik ein. Denn je günstiger der Contractor

die Energie erzeugt, destogrößer

ist sein Gewinn. Für das Unternehmen

lassen sich so Energieverbrauch,

CO ²

-Ausstoß und die Energiekosten

dauerhaft senken, ohne dass es sein

Eigenkapital antasten muss. Ein weiterer

Vorteil: Unternehmen können sich auf ihr

Kerngeschäft konzentrieren, um ihr

Energiemanagement brauchen sie sich

nicht mehr zu kümmern. Während der

gesamten Vertragslaufzeit voninder Regelfünf

bis 20 Jahren übernimmt das der

Contractor.Danach geht die Anlagemeist

in den Besitz des Unternehmens über.

„Contracting ist eine Erleichterung für

Unternehmen, die sich mit ihrer Energieversorgung

wegen des erforderlichen

Personalaufwands und der Kosten nicht

auseinandersetzen möchten oder können“,

sagt Carsten Mücke. unabhängiger

Energieberater aus Osnabrück. Grundsätzlich

unterscheidet man zwei Arten

vonContracting. Am weitesten verbreitet

ist das sogenannte Versorgungscontracting.

Dabei betreibt ein Dritter die Anlage

für den Kunden und versorgt ihn daraus

mit Energie. Beim Einsparcontracting

führt der Energiedienstleister eine Einsparmaßnahme

für den Kunden durch

und teilt sich mit ihm anschließend den

Gewinn.

Fortsetzung auf Seite 19

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GELD &GESCHÄFT 19

Sorglos-Paket hat seinen Preis

Contracting ist nichts für jedermann. Expertenrat: Verträge müssen unbedingt eine Ausstiegsklausel enthalten.

Bereits heute nutzen viele

Schwimmbäder, Krankenhäuser,

kommunale Gebäude

und größere Konzerne

dieses Instrument, um ihren

Energieverbrauch zu senken und die Kosten

inden Griff zu bekommen. Auch für

Mittelständler rückt der Service in den

Fokus. Deutschlandweit gibt es etwa 500

Anbieter,meist handelt es sich um private

oder kommunale Energieversorger.

Aber auch große Anlagenbauer wie beispielsweise

Siemens engagieren sich. Experten

schätzen den Markt für Contracting

auf 1,1 Milliarden €, Tendenz steigend.

Dabei ist die eigentliche Idee nicht wirklich

neu. Angeblich warb bereits vor 200

Jahren der schottische Erfinder James

Watt mit folgender Mitteilung um Kunden:

„Wir werden ihnen kostenlos eine

Dampfmaschine überlassen. Wir werden

diese installieren und für fünf Jahre den

Kundendienst übernehmen. Wirgarantieren

Ihnen, dass die Kohle

für die Maschine weniger kostet,

als sie gegenwärtig an

Futter für die Pferde aufw

enden

müssen, die die gleiche

Arbeit tun. Und alles, was wir von Ihnen

verlangen, ist, dass Sie uns 1/3 des Geldes

geben, das sie sparen.“

Doch das Contracting hat nicht nur Vorteile,

immerhin greift es tief in die innersten

Prozesse eines Unternehmens ein.

„Das Rundum-Sorglos-Paket hat seinen

Preis. Schließlich will der Contractor

auch etwas verdienen, und den Gewinn

aus der eingesparten Energie muss man

sich teilen“, sagt Ulrich Jantos, Spezialist

für Energiekonzepte vom Bundesverband

der Energie-Abnehmer e.V. (VEA)

in Hannover. Ein weiterer Nachteil

sind die langen Vertragslaufzeiten,

die Contractor und

Unternehmen eingehen.

„Man verheiratet sich

quasi, das erfordert

gegenseitiges Vertrauen.

Wie

in

einer Ehe kann es trotzdem zu Streit

kommen oder es treten Ereignisse ein, die

die Verbindung zerrütten“, gibt Jantos zu

bedenken. Deshalb sollten die Verträge

Ausstiegsklauseln enthalten, so dass man

sich bei Bedarftrennen könne, schlägt er

vor. Bei der komplexen Materie mit ihren

weitreichenden technischen, wirtschaftlichen

und rechtlichen Aspekten sei

außerdem eine unabhängige Beratung

im Vorfeld immens wichtig, betont er.

Perspektivisch sehen Experten für das

Contracting

eine

große Zukunft. Laut Andreas Gerhardy,

Geschäftsführer der zur „m+p-Gruppe“

gehörenden Meller Beratungsfirma „m+p

savemaxx GmbH“, ist das Marktpotenzial

erst zu höchstens 15 Prozent ausgeschöpft.

Im Zuge der massiven Energiepreissteigerungen

und sich abzeichnender

steigender Anforderungen für die

energetische Effizienz nicht nur neuer,

sondern auch bereits vorhandener Gebäude

und Anlagen bauen Contractoren

derzeit ihr Geschäftsfeld aus. So auch die

Stadtwerke Osnabrück, die schon seit

Mitteder 1990er Jahre Energiedienstleistungen

für Geschäftskunden anbieten.

„Vor allem in den letzten drei Jahren hat

die Nachfrageangezogen“, berichtet Vertriebsleiter

Klaus Siedhoff. „Unternehmen

müssen sich überlegen, ob sie das

erforderliche Know-how für ein immer

bedeutenderes und komplexeres

Energiemanagement selbst aufbauen

oder outsourcen“, sagt er.

Immer mehr entscheiden sich für

Letzteres: Allein 2014 hätten die

Stadtwerkerund 4,5 Millionen €in

die Erneuerung von Energieanlagen

neuer Contracting-Kunden investiert.

ph

Contracting

will überlegt sein

Nachgefragt: Fünf Fragen an Carsten Mücke,

unabhängiger Energieberater

Wir fördern

das Gute in NRW.

Herr Mücke, wie stehen Sie als unabhängiger

Energieberater zum

Contracting?

Carsten Mücke: Energie-Contracting

ist eine Dienstleistung. Je nach Anbieter

variiert der Leistungsumfang: In einigen

Fällen wird das Contracting auf eine Anlagenfinanzierung

reduziert, in anderen

Fällen wirdeine ganzheitliche Dienstleistung

angeboten. Diese Dienstleistung

kostet natürlich Geld und lässt sich in der

Regelnicht allein aus der Energieeinsparung

finanzieren.

Wo liegen die Stärken des Contractings?

Mücke: Das Energie-Contracting stellt

bei ganzheitlichem Ansatz einen Service

für den Kunden dar. Der Kunde braucht

sich nicht um die Planung, die Ausschreibung,

den Bau der Anlage, die Abrechnung,

die Finanzierung, den Energieeinkauf

und die Betriebsführung zu kümmern.

Er bezieht vomContractor einfach

das fertigeProdukt, beim Wärmecontracting

beispielsweise die Wärme. Das Betriebsrisiko

für Maschinenbruch etc. verbleibt

beim Contractor. Dadieser viele

Anlagen baut, hat er eine größereMarktmacht.

Dadurch kann er die Anlagemeist

günstiger bauen als der Kunde.

Worauf sollten Unternehmen bei

der Vertragsgestaltung achten?

Mücke: Ein Contractingvertrag hat in

der Regeleine langeLaufzeit, üblich sind

zehn bis 15 Jahremit weiteren Verlängerungsoptionen.

Im Vertrag muss geregelt

werden, was zum Ende der Laufzeit passiert.

Auch Preisanpassungen sollten festgeschrieben

werden. In der Vergangenheit

hat sich bei den stark schwankenden

Energiepreisen leider ein unausgewogenes

Verhältnis in den Preisanpassungen

gezeigt. Kündigt der Kunde dann nicht

rechtzeitig den Vertrag, zahlt er die hohen

Preise weiter,obwohl die Anlagebereits

refinanziert ist.

Für welche Unternehmen lohnen

sich Contracting-Modelle, wem raten

Sie ab?

Mücke: Contracting-Modelle sind für

Unternehmen interessant, die sich mit

ihrer eigenen Energieversorgung wegen

des erforderlichen Personalaufwands

und der damit verbundenen Kosten nicht

auseinandersetzten möchten oder können.

Für sie ist ein Contractor eine Erleichterung,

ähnlich wie im Hochbau ein

Bauträger. Unternehmen aber, die das

Kapital für den Bau einer Anlage haben

und sich die Errichtung und die Betriebsführung

zutrauen, fahren ohne das Contracting

deutlich kostengünstiger.

Welches Potenzial sehen Sie für

Contracting?

Mücke: Das Contracting ist Mitte der

1990er Jahre populär geworden. Fast jedes

Stadtwerk gründete eine eigene Abteilung

dafür.Eine wichtigeKundengruppe

wardabei der kommunale Bereich. Da

durch das Contracting aus Investitionskosten

laufende Kosten wurden, wardas

für die Struktur der öffentlichen Haushalte

interessant. Im Unternehmensbereich

ist das Contracting meines Wissens weniger

verbreitet.

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dank der Fördermittel der NRW.BANK

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20 GELD &

Foto: Netzwerk

Wirtschaftsfaktor Geodaten: Kau

Branche kommt heute noch ohne

In der sogenannten Geo-Informationswirtschaft hat das Münsterland die Nase weit vorn. Gebündelt sind die Kompetenzen

Allein 24 Unternehmen und Forschungseinrichtungen sind darin versammelt. Das ist in dieser Dichte bemerkenswert –u

Leporello des Geonetzwerkes.

Foto: Netzwerk

Spätestens seit dem Start von „Google

Earth“ sind Geodaten auch im Alltagsleben

der Menschen angekommen.

Navigationssysteme auf Basis

digitaler Straßenkarten gelten heute

als ebenso unverzichtbar wie das

Handy. Kaum eine Branche kommt

ohne Geodaten aus. Auch die Geoinformationsangebote

der Kommunen,

wie digitale Stadtpläne und Kataster,

haben zu einer breiten Nutzung

digitaler Geodaten beigetragen.

Mögliche Anwendungsbereiche

gehen allerdings

weit über diese

Basisanwendungen hinaus:

Viele komplexe

Planungs- und Entscheidungsprozesse

werden heute mit Hilfe raumbezogener

Daten realisiert. Naturschutz, Katastrophenschutz,

Landschaftsplanung und

Bebauungsplanung sind ohne Geodaten

garnicht mehr möglich. WeitereAnwendungsbereiche

wie das Geomarketing

entwickeln sich gerade erst. Von diesen

Entwicklungen profitiert die Geoinformationswirtschaft,

für die hervorragende

Wachstumsperspektiven erwartet

werden.

Warum ein Geonetzwerk für das Münsterland?

Mit dem europaweit ersten und

bis heute größten Institut für Geoinformatik

an der Universität Münster verfügt

die Region über eine der herausragenden

Forschungseinrichtungen auf diesem Gebiet.

„Das ist für die Firmen Gold wert“,

sagt Netzwerkkoordinator Jens Hinrichs,

Leiter des Vermessungs- und Katasteramtesdes

Kreises Warendorf. Außerdem habe

sich eine ganze Reihe von Unternehmen

aus der Region einen Spitzenplatz

im Geoinformationsmarkt erarbeitet. „Es

wardaher ein konsequenter Schritt, eine

gemeinsame Plattform zu schaffen“, erläutert

Hinrichs. Das Geonetzwerk Münsterland

ist ein Zusammenschluss regionaler

Institutionen, Hochschulen und

Unternehmen aus den Bereichen Geodaten,

Geoinformationsdiensteund -systeme,

die raumbezogene Informationen

bereitstellen und verarbeiten. Es will das

Münsterland als Kompetenzregion für

die Geoinformationswirtschaft etablieren–inBranchenkreisen

wie in der breiten

Öffentlichkeit. Fachlichen Austausch

und regionaler Technologietransfer, gezieltes

Marketing und Vermittlung von

Ansprechpartnern für die Geokompetenzen

der Region sind dabei wichtige Bausteine,

um langfristig eine regionale Geodaten-Infrastruktur

aufbauen zu können.

Das Geonetzwerk Münsterland steht allen

interessierten Institutionen und Firmen

der Region offen, die aktiv an der

DAS MÜNSTERLAND ALS REGION MIT GEO-KOMPETENZ

Von der Geodatengewinnung, über deren Veredelung, die Entwicklung von Software-Tools

zur Verarbeitung der Daten, die Vermarktung von Geodaten bis hin

zu den Anwendern professioneller Geo-Informationssysteme: Die gesamte Wertschöpfungskette

der Geoinformationswirtschaft findet sich im Münsterland,

zahlreiche Spezialisten machen es zu einer starken Region. Eine wichtige Rolle

nehmen hiesige Verwaltungseinrichtungen ein. Neben Kommunen und Kreisen

setzen die Bezirksregierung Münster, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe

und verschiedene Landesbehörden Geodaten intensiv ein, umihre Planungsprozesse

zu optimieren. Für hoch qualifizierten Nachwuchs und innovative Forschungsansätze

sorgen die Hochschulen. Das Institut für Geoinformatik der

Universität Münster (IfGI) ist das größte und leistungsfähigste Geoinformatik-

Institut in Europa. Die Forschungsschwerpunkte: Geodaten- und Geodienste-Infrastrukturen,

Sensornetzwerke, semantische Interoperabilität, räumliche Assistenzsysteme

und raumzeitliche Simulationsmodelle. Das Labor für Software Engineering

der Fachhochschule Münster setzt auf praxisnahen Wissens- und

Technologietransfer. Ein Schwerpunkt: die Entwicklung mobiler Lösungen mit

Raumbezug. Das Geonetzwerk Münsterland mit Sitz im Technologiehof Münster

will diese Kräfte bündeln, umsoeinen wichtigen Standortfaktor der Region

nachhaltig zu stärken.

„Für alle Mitglieder ist es eine

Win-win-Situation. Das Geonetzwerk

bedeutet für mich einen äußerst

guten Erfahrungsaustausch

mit anderen Mitgliedern, eine gut

funktionierende, da unkomplizierte

und intuitiv nutzbare Plattform

und ein nachhaltiger Geobasis-

Datenaustausch.“

Mischa Giese

Entwicklung des Netzwerks mitarbeiten

wollen. Das Netzwerk will Geodaten mit

regionaler Bedeutung für das Münsterland

erschließen, gemeinsam bereitstellen

und für die Bevölkerung, die Wirtschaft

und die Verwaltungen nutzbar machen.

Das Geonetzwerk entstand am 5. Mai

2006 aufgrund einer Wirtschaftsförderungsinitiative

des Landes. Hierdurch

konnten bei der Wirtschaftsförderung

Münster (Technologiezentrum) von

2007 bis 2009 Mittel zum Aufbau des

Geonetzwerkes zur Standardisierung

und Verbreitung von Geoinformationen

(zum organisatorischen und technischen

Aufbau einer Geoinfrastruktur auf der

Basis nationaler und internationaler

Standards) genutzt werden.

Zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerks

gehören: acadGraph GmbH (Velen),

con terra GmbH (Münster), EFTAS

GmbH (Münster), GIS Consult GmbH

(Haltern), g.on experience GmbH

(Münster), Institut für Geoinformatik der

Universität Münster, Labor für Software

Engineering der FH Münster, Technologiepark

Münster GmbH, Vermessungsund

Katasteramt der Stadt Münster und

Wirtschaftsförderung Münster GmbH.

Die Geschäftsstelle des Geonetzwerks

Münsterland ist im Technologiehof

Münster angesiedelt.

Inzwischen gibt es 36 Mi

runter 24 Firmen; vom Ge

Software-Unternehmen bis z

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wie hier im Münsterland ist

schwärmt Mischa Giese.

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GESCHÄFT

21

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des Geonetzwerks

Münsterland so: „Man kann

trotz des Fehlens vonstaatlichen Fördermitteln

und ohne Mitgliedsbeiträge gut

fortbestehen, wenn es genug Initiative

und Energie aus der Mitgliedschaft gibt,

Veranstaltungen durchzuführen und die

Webseite zupflegen. Natürlich braucht

dies eine materielle Unterstützung in

Form vonVeranstaltungsräumen, die uns

die Behörden zur Verfügung stellen.“

Als Erfolg wertet Zeidler auch die sehr

gute Resonanz auf zahlreichen Fachveranstaltungen.

So habe sich das Geonetzwerk

erfolgreich auf der „Intergeo“

(2006, 2008 in Bremen, 2010 in Köln)

oder auf der „Komkom“ 2009 in Essen

präsentiert. Mit jeweils über 250 Gästen

gut besucht waren auch die thematisch

breit aufgestellten „Geotage Münsterland“

in den Jahren 2009 und 2013 (mit

Referenten aus Wirtschaft und Verwaltung).

Jüngst beschäftigte sich ein Geonetzwerk-Thementag

im Kreishaus Steinfurt

mit dem Thema „Straßen und Geoinformationen“.

Steinfurts Landrat Thomas

Kubendorff hob hervor,dass für eine

klimafreundliche und nachhaltige Planung

eine zuverlässige (Geo-)Datengrundlage

unverzichtbar sei. Mit den

Instrumenten der Fernerkundung, Vermessung

und Geoinformatik würden effiziente

Planungs- und Verwaltungsprozesse

geschaffen. Nursolasse sich Sanierungsbedarf

erkennen und der Straßenraum

strategisch gezielt weiterentwickeln.

Etwa per Laserscanner –oder Kameramessung

(aus Flugzeugen oder

Autos heraus) des Dienstleistungsunternehmens

TopScan aus Rheine. Weiteres

Beispiel: Die Stadt Gronau konnte durch

systematische Nutzungs- und Zustandsanalysen

per Geodaten ein Wirtschaftswege-Konzept

etablieren, mit dessen Hilfe

die begrenzten Mittel zur Unterhaltung

des Wegenetzes künftig zielgerichteterund

nachhaltiger eingesetzt werden

sollen.

Peter Sauer

Erfolgreiche

Praxis-Projekte

Die „Platzhirsch-App“ für jedermann

Wie erschließt man die Flächenregion

Münsterland touristisch für die

digitale Welt? Was in Ballungsräumen

wie Berlin oder München ein

Selbstläufer ist, stößt bislang in

ländlichen Regionen noch an Grenzen.

Obwohl es viel zu entdecken

gibt, fehlen im Netz oft übergreifende

Plattformen für das Münsterland,

die als digitaler Treffpunkt oder Regionalführer

funktionieren.

Abhilfekommt aus dem Kreis

Warendorf als neue Spiel-,

Interaktions- und Info-App:

das Projekt Platzhirsch. Das

Aorschungsprojekt

F

wurde

vonder EU sowie vomNRW-Wirtschaftsministerium

gefördert. Die App wurde

entwickelt von der Fachhochschule

Münster und der EFTAS GmbH aus

Münster in Zusammenarbeit mit dem

Kreis Warendorf

als Modellregion

sowie der Siegener

Kommunikationsagentur

PSV

Marketing.

In Warendorf ist

„Platzhirsch eröffnet den Kommunen

neue Möglichkeiten bei der

Tourismusförderung und Öffentlichkeitsarbeit.“

diese Plattform Jens Hinrichs

als Prototyp gestartet

und soll

zukünftig bundesweit

eingesetzt werden. „Platzhirsch

eröffnet den Kommunen neue Möglichkeiten

bei der Tourismusförderung und

Öffentlichkeitsarbeit“, so Jens Hinrichs

vomGeonetzwerk Münsterland. „Die Angebote

vor Ort können über Platzhirsch

schnell in zeitgemäßer Form präsentiert

werden.

INFOS

Die App ist kostenfrei über die

App-Stores von Google und Apple

erhältlich. Informationen zur

Platzhirsch-App finden sich auf

der Webseite www.platzhirschapp.de;

oder bei Benno Schmeing,

Kreis Warendorf, Vermessungsund

Katasteramt, Geoinformation,

Geodatenzentrum, Telefon: (02581)

53-6230 ,E-Mail: benno.schmeing@kreis-warendorf.de

Platzhirsch ist speziell auch für kleinere

Städte und Gemeinden gedacht, die die

Entwicklung einer eigenen App finanziell

überfordern würde.“ Vorhandene amtliche

Geodaten und raumbezogene Informationen

können so sichtbarer und erlebbarer

gemacht werden. Sehr interaktiv

sogar, denn:

Die Bürger können

selbst mitmachen

und updaten.

Einfach mit dem

Smartphone interessante

Orte angeben,

beschreiben

und mit einem

Foto versehen.

Werdiese Orteteilt, markiert oder

sich anders einbringt, kann nach einem

Rating in einem interaktiven Spiel zum

„Platzhirsch vorOrt“ aufsteigen. So kommen

auch unbekannteSehenswürdigkeitenund

Geheimtipps zur Geltung. Touristischen

Daten und der Veranstaltungskalender

des Kreises Warendorf sind in die

App integriert.

Der Mitmachfaktor sei besonders

wichtig für eine touristische App,

betont Prof. Gernot Bauer,Leiter

des Labors für SoftwareEngineering

der FH Münster. „Der vielfältige

Spagat zwischen Funktion

und Gestaltung, amtlichen

Daten und Beiträgen von Nutzern,

Tourismus-Informationen

und spielerischen Elementen ist

auch eine wissenschaftliche

Herausforderung

und bei der

Platzhirsch-App

sehr gut gelungen.“

Peter Sauer

INFOS

Das Geonetzwerk Münsterland hat

einen ehrenamtlichen Lenkungskreis,

der als Ansprechpartner

und Organisator des Netzwerkes

fungiert. Ihm gehören aktuell an:

Geonetzwerk Münsterland wird ehrenamtlich von einem

ugehören: (v.l.) Christian B. Zeidler, (Informationstechnik

se (Esri Deutschland GmbH) und Jens Hinrichs, Leiter des

tes Kreis Warendorf.

Foto: Peter Sauer

•Jens Hinrichs, Kreis Warendorf

(Koordinator), 02581 /53-6200,

jens.hinrichs@kreis-warendorf.de

•Thorsten Hanns, Hansa Luftbild

AG, 0251 /2330-187, hanns@hansaluftbild.de

•Christoph Kirchhoff, Esri

Deutschland GmbH, 089 /07005-

1463, c.kirchhoff@esri.de

•Dr. Albert Remke, 52°North

GmbH, 0251 /396371-23, remke@52north.org

•Christian Zeidler, Informationstechnik

Consulting Zeidler, 0251 /

7602121, zeidler@i-cz.de

Erfolgreiches Produkt des Geonetzwerks Münsterland: Die „Platzhirsch-App“ des Kreises Warendorf

erleichtert die touristische und freizeitorientierte Entdeckung der Region. Foto: Peter Sauer


22 GELD &GESCHÄFT

Bei der Vollmacht gibt es

keinen Automatismus

Notarkammer rät, sich gründlich und überlegt auf den Betreuungsfall vorzubereiten.

In Deutschland werden die Menschen

dank moderner Medizin immer

älter. Kehrseite dieser Medaille

ist, dass immer mehr Ältere aufgrund

von Altersverwirrtheit, Krankheit

oder Behinderung nicht mehr in

der Lage sind, über die eigenen persönlichen

und finanziellen Belange

zu entscheiden. Wer sich für den Betreuungsfall

vorbehalten möchte,

den Betreuer des Vertrauens selbst

zu bestimmen, sollte eine sogenannte

Vorsorgevollmacht anfertigen. Ist

das Dokument durchdacht und präzise

formuliert, bewahrt es auch

Unternehmen vor fatalen Fehlentscheidungen.

Eine solche Vollmacht ist jederzeit

durch den Vollmachtgeber

widerrufbar, solange

der Betreuungsfall nicht eingetreten

ist.

Dass der Ehepartner oder ein naher Verwandter

in solchen Lebenslagen automatisch

im Namen der erkrankten Person

die Rechtsgeschäfte übernimmt, ist ein

weit verbreiteter Irrtum. Tatsächlich gibt

es in derartigen Situationen, aber auch

bei einer einfachen Abwesenheit, wie bei

einer Urlaubs- oder Geschäftsreise, keine

gesetzliche Stellvertretung.

Viele denken, eine Vollmacht sei nur

dann wirksam, wenn sie notariell beglaubigt

oder beurkundet wird–doch dies ist

in den meisten Fällen kein Muss. Zwingend

ist eine notarielle Vollmacht im Zusammenhang

mit Grundstückverträgen.

Meist jedoch genügt ein privatschriftliches

Dokument. Allerdings ist die notarielle

Form ratsam, vor allem wenn der

Vollmachtgeber hochbetagt ist oder

wenn aus anderen Gründen Anlass besteht,

seine geistige Gesundheit in Zweifel

zuziehen. Wer zueinem Notar geht

und seine Geschäftsfähigkeit beim Ausstellen

der Vollmacht bestätigen lässt,

vermindert das Risiko, dass die Vollmacht

voneinem Dritten nicht anerkannt

wird.

Eine Vollmacht, bei der nur die Echtheit

der Unterschrift durch den Notar bestätigt

wird, muss der Betroffene immer im

Original vorlegen. Eine beurkundete

Vollmacht hingegen bezeugt den gesamten

Inhalt der Erklärung und kann vom

Bevollmächtigten in einer sogenannten

Ausfertigung der Vollmachtsurkunde

vorgelegt werden. Das Original verwahrt

der Notar in seiner Urkundensammlung,

Vorsorgen für den Fall der Fälle: Wer nicht mehr selbst entscheiden kann, muss sich auf jemand anderen verlassen können.

dadurch ist es dem Notar möglich, auf

Wunsch auch später noch weitereAusfertigungen

der Vollmacht zu erteilen. Denn

bloße Vollmachtsabschriften sind zum

Nachweis einer Vollmacht niemals ausreichend.

Wichtig ist, dass sowohl das beglaubigte

Original als auch die Ausfertigung

einer beurkundeten Vollmacht für

den Bevollmächtigten im Ernstfall unbedingt

zugänglich sein müssen.

Der Bevollmächtigte sollte nicht nur das

volle Vertrauen des Vollmachtgebers haben,

er sollte seinen zugedachten Aufgaben

auch fachlich und charakterlich gewachsen

sein. Um die ermächtigtePerson

nicht in Entscheidungszwänge zudrängen,

ist es wichtig, dass der Vollmachtgeber

ihm möglichst konkrete Weisungen

erteilt. Solltedieser mit dem Bevollmächtigten

nicht über dessen Bereitschaft gesprochen

haben und der Bevollmächtigte

gar nicht bereit sein, die Vollmacht auszuüben,

bleibt das Dokument wirkungslos.

Empfehlenswert ist es daher, einen

oder mehrere Ersatzbevollmächtigte zu

benennen. Das kann sich dann als vorteilhaft

erweisen, wenn der Bevollmächtigte

im Fall der Fälle nicht zur Verfügung

steht. In der Regel will man als Vollmachtgeber

den Bevollmächtigen nicht

schon mit einer Vollmacht ausstatten, solange

man selbst handlungsfähig ist. Es

reicht in den meisten Fällen aus, dass die

Ausfertigung der Vollmacht in den Händen

des Vollmachtgebers verbleibt. Der

Bevollmächtigte sollte nur wissen, wo er

die Vollmacht auffindet.

Es steht dem Vollmachtgeber frei, den Bevollmächtigten

alle oder nur bestimmte

Rechtsgeschäfte ausführen zu lassen. Jedoch

solltenicht nur in einer Spezialvollmacht

genau definiert werden, worüber

der Bevollmächtigte entscheiden darf.

Auch der Inhalt einer Generalvollmacht

muss gründlich durchdacht und für seinen

Zweck möglichst präzise formuliert

sein.

Beim Erstellen einer Vollmacht machen

viele den Fehler, die Vollmacht in ihrer

rechtlichen Wirksamkeit einzuschränken.

Zum Beispiel führt die Vorgabe, die

Vollmacht solle erst dann wirksam werden,

wenn der Vollmachtgeber aufgrund

von Alter, Krankheit oder Gebrechen

nicht mehr in der Lage ist, für sich selbst

zu sorgen, dazu, dass gegenüber einer

dritten Person erst nachgewiesen werden

muss, dass diese Einschränkung tatsächlich

eingetreten ist. In der Praxis kann

sich das unter Umständen als schwierig

erweisen. Es ist deshalb vonelementarer

Bedeutung, dass die Vollmacht zwischen

dem Bevollmächtigten und demjenigen,

gegenüber dem sie verwendet werden

soll, möglichst uneingeschränkt gilt.

Werumfassend vorsorgenmöchte, ist gut

beraten, nicht nur eine Vollmacht in vermögensrechtlichen

Dingen, wie eine

Konto-, Depot- oder Postvollmacht, aufzusetzen.

Auch seine persönlichen Angelegenheiten,

betreffend die medizinische

Behandlung oder pflegerische Versorgung,

sollten für den Ernstfall geregelt

sein. Ergänzt um eine Patientenverfügung

und eine vorsorgliche Betreuungsverfügung,

in der bestimmt wird, werdie

erforderliche Betreuung des Vollmachtgebers

übernehmen soll, können die

Wünsche und Forderungen des Vollmachtgebers

sehr genau umgesetzt werden.

Um unnötige Betreuungsverfahren

zu verhindern, ist es sinnvoll, eine notarielle

Vollmacht über persönliche Bereiche

beim elektronischen Vorsorgeregisterder

Bundesnotarkammer zu registrieren.

Quelle: Westfälische Notarkammer

Foto: dpa

Existenzgründung?

Unternehmenserweiterung?

Gemeinsam bewegen wirwas!

• Verkehrsgünstige Lage (A31 / B67 / NL)

• Grundstückszuschnitte nach Maß

• Ideales Lebensumfeld für Familien

• Unbürokratische Unterstützung durch

die Wirtschaft

sförderung

Ruth Zwilich

Wirtschaftsförderin

Dr. Christian Schulze Pellengahr

Bürgermeister

Arbeitsrecht

Betriebsverfassungsrecht

Handelsvertreterrecht

Forderungseinzug

Verkehrsrecht

Seniorenrecht

25 € /m 2

inkl. Erschließung

Stadt Velen ·www.gewerbe-in-velen.de

Wirtschaftsförderung: Ruth Zwilich, Tel. 02863/926-202

Uta-Maria Gaubitz

Rechtsanwältin

Fachanwältin für

Arbeitsrecht

Fritz Klingsporn

Rechtsanwalt

Universitätsstraße 21 ·48143 Münster

Telefon (02 51)400 79 ·Telefax (02 51)565 47

www.anwalt-muenster.de ·info@anwalt-muenster.de


STANDORTPORTRÄT HAVIXBECK 23

Viele versteckte Vorzüge

Bürgermeister Klaus Gromöller möchte Existenzgründer nach Havixbeck holen

Im Havixbecker Gewerbegebiet Hohenholter Straße III stehen die ersten Unternehmensgebäude. Bürgermeister Klaus Gromöller hat die Entwicklung stets fest im Blick. Für die Zukunft wünscht er sich, dass viele

Existenzgründer den Weg inseine Gemeinde finden.

Foto: Annika Wienhölter

Havixbeck ist als grüne Kulturgemeinde mit vielfältigen

Bildungs- und Freizeitangeboten bekannt. Viele Menschen

–gerade Familien –bauen sich dort ihr Zuhause auf.

Aber:„Wir haben die Anforderung, dass unsere Gemeinde

nichtnur zum Wohnen und zur Naherholung wahrgenommen

wird“, sagt Bürgermeister Klaus Gromöller. Für die

Zukunft sei es wichtig, mehr Arbeitsplätze–auch Jobs für

Akademiker –anden Ort zu binden und die Auspendlerquote

zu verringern.

AmbitionierteZiele, aber laut Gromöller realisierbar.Schließlich

sei Havixbeck ein attraktiver Wirtschaftsstandort, viele Menschen

wüssten das nur einfach nicht. Nicht zuletzt deshalb hat

sich jüngst ein Marketingverein gegründet –mit Mitgliedern der

Werbegemeinschaft, des Verkehrsvereins und der Gemeinde. Gemeinsam

wollen sie ihre Kräfte bündeln und Havixbeck künftig

noch attraktiver gestalten und die Stärken betonen.

Neben den relativ günstigen Gewerbegrundstücken und der guten

Infrastruktur innerhalb der Gemeinde lobt Gromöller die

Verkehrsanbindungen: Bis zur A43und A1sind es jeweils

kaum mehr als zehn Kilometer, den Flughafen

Münster/Osnabrück erreichen Autofahrer inrund

20 Minuten. Havixbeck hat einen eigenen Bahnhof

und ein gut ausgebautes Netz des Öffentlichen Personennahverkehrs.

Die Nähe zur Westfälischen Wilhelms-Universität und

zur Fachhochschule Münster ist ein weiterer Pluspunkt.

Insbesonderedie fünf großen Verbrauchermärkteund der florierende

Einzelhandel inder Innenstadt sprechen laut Gromöller

für eine gute Kaufkraft. Fünf Gewerbegebiete existieren in der

Gemeinde, das größte liegt an der Hohenholter Straße. Derzeit

entwickeln Politik und Verwaltung den dritten, vier Hektar großen

Teilbereich. Die ersten Unternehmensgebäude stehen

längst, viele weitere sind in Planung.

Von der Nähe zu Uni und FH profitieren

Die Vermarktung der restlichen Grundstückesieht Gromöller als

eine wichtigeAufgabe an. Dabei denkt er auch an Firmen mit guten

Ideen, die Wert legen auf die Nähe zu den beiden münsterischen

Forschungseinrichtungen.

Bei Fragen helfe erpotenziellen Neu-Gewerbetreibenden

gerneweiter, ebenso alle anderen

Rathausmitarbeiter. Unbürokratisch und

zielgerichtet.

Aktuell dominieren zahlenmäßig die

Handwerksbetriebe, gefolgt vom Handel,

den Dienstleistungsunternehmen und dem produzierendem

Gewerbe, wie Gromöller informiert.

Für die Zukunft hofft er,dass noch viel mehr Chefs –und solche,

die es werden wollen –die VorzügeHavixbecks entdecken. Denn

dort könne man guteGeschäftemachen, betont der Bürgermeister.

„Und wenn es den Unternehmen gut geht, ist das auch für

die Gemeinde positiv.“

INFOS

Ansprechpartner der Gemeinde Havixbeck

für Wirtschaftsangelegenheiten:

Bürgermeister Klaus Gromöller

Fon: 02507 33-127

Fax: 02507 33-5127

gromoeller@gemeinde.havixbeck.de

Wirtschaftsförderin Martina Kerkhey

Fon: 02507 33-165

Fax: 02507 33-5165

kerkhey@gemeinde.havixbeck.de

HAVIXBECK

ca.12.000 Einwohner

GünstigeVoraussetzungen für Gewerbeansiedlungen

Verkehrslage

•2Autobahnanschlüsse(A43und A1)

•Bahnanschluss zurUniversitätsstadt Münsterund Coesfeld

•Flughafen Münster/Osnabrück ca.23km

Qualifiziertes Arbeitskräftepotenzial

Gewerbegrundstücke

•preiswerte, sofort bebaubareGewerbegrundstückemit Breitbandanschluss–

ausgewiesen und auf dieBedürfnisse der Gewerbebetriebe zugeschnitten

•leistungsfähigeAnlagen der Ver- undEntsorgung

HoherWohn- undFreizeitwert

•bevorzugteWohnlageinder westmünsterländischen Parklandschaft

•vollerschlossene, preisgünstigeBaugrundstückeinattraktiven Baugebieten

•alleSchulabschlüsse bis zumAbitur

•vielfältigeKultur-und Weiterbildungsmöglichkeiten

•vielseitigeFreizeitangebote

So sieht es auf dem Plan aus, das Gewerbegebiet Hohenholter Straße III. Zuletzt hat sich dort viel getan,

immer mehr Unternehmen siedeln sich an.

Foto: Gemeinde Havixbeck

WeitereInformationen erhalten Sie bei der

Gemeinde Havixbeck ·Willi-Richter-Platz 1·48329Havixbeck ·BürgermeisterKlaus Gromöller

T02507/33-128 ·F02507/33-5128·gromoeller@gemeinde.havixbeck.de


24 GELD &GESCHÄFT

Immer wenn es

brenzlig wird

Piraterie, Erpressung, Freiheitsberaubung,

Entführung von Menschen auf hoher See: Die

Hansekuranz ist mehr als ein Versicherer.

Mit Rettungsring und Schiffsglocke vor Anker gegangen: Für die Hansekuranz bieten (v.l.) Evi Eckert, Benjamin Kirchhoff, Carina Lohoff und Peter Bensmann Sicherheitskonzepte inden Krisengebieten weltweit.

Foto: ma

Im Geschäftsbereich der Hansekuranz

herrscht permanent raue See:

Der Kampf gegen Piraterie, erpresserischen

Menschenraub oder millionenschwere

Lösegeldforderungen für

entführte Öltanker. Peter Bensmann

hingegen ist mit seiner Schaltzentrale

am Kreativkai am ruhigen münsterischen

Binnenhafen vor Anker gegangen.

Mit Blick auf den Dortmund-Ems-Kanal

bringen der Kontorchef und seine zehn

Mitarbeiter schwerste Verbrechen in den

Krisengebieten dieser Welt meist zu

einem guten Ende: Die Erfolgsquoteliegt

um die 80 Prozent. Oft mit einer Klärungsdauer

zwischen einem und drei

Monaten, aber: „Ich habe auch schon erlebt,

dass ein Opfer viereinhalb Jahre in

der Hand der Entführer war“, gibt der

Münsteraner zu bedenken.

Als Assekuradeur zeichnet er in eigenem

Namen, aber auf Rechnung eines Versicherungsunternehmers

die Policen, vergleichbar

mit dem Underwriter des britischen

Versicherungsmarktes. Und das im

Schichtdienst 24 Stunden an 365 Tagen

im Jahr: „Wenn um 22 Uhr ein Reeder anruft,

dass er mit seinem Tanker am nächsten

Tag durch den Golf von Aden muss,

braucht er umgehend den Versicherungsschutz

für Schiff, Fracht und Mannschaft“,

schildert Bensmann Details des

Jobs. Viele Reeder schließen für Zeit- und

Wegstrecke durch die „high-risk-area“

begrenztePolicen ab, die für ein größeres

Schiff schon mal mehrere Zehntausend

Dollar pro Tag kosten können. Der genaue

Preis hängt vom Typ –tiefliegende

Öltanker sind viel leichter zu überfallen

als Containerschiffe, an deren Bordwand

die Piraten erst einmal meterhoch klettern

müssen –des Schiffes, der Ladung

und der Prävention gegen Piraten ab:

„Die deutschen Reeder nehmen ihreFürsorgepflicht

gegenüber der Crew sehr

ernst, sind nicht nur gut versichert, sondern

schützen ihre Schiffe aktiv gegen

kriminelle Übergriffe“, weiß Bensmann

über seine Kunden. Schon allein deshalb,

weil kein qualifiziertes Personal auf unversicherten

und ungeschützten Schiffen

anheuern würde.

Gemeint sind nicht nur Stacheldrähtean

Bord und eine Zitadelle, in der sich die

Mannschaft für längere Zeit an Bord

gegen die Kidnapper verschanzen und

von der aus sich im Notfall auch das

Schiff steuern lassen kann. Sondern vor

allem auch das Anbordnehmen einer bewaffneten

Schutztruppe, das die Piraten

weithin sichtbar abschrecke.

Was das Hansekuranz Kontor weiterhin

von einem Versicherungsmakler unterscheidet,

sind nicht nur die unbeschränkten

Vollmachten, sondern ist auch die

Durchführung der Schadensregulierung.

In diesem Fall nicht nur das bloße Auszahlen

von Geld, sondern die Zusammenarbeit

mit 140Krisenstäben weltweit

und in den Krisengebieten vor allem vor

Ort: Lösegeldverhandlungen und -übergaben,

sofortige medizinische und psychologische

Betreuung der Opfer, Koordination

mit den lokalen Behörden. „In

Deutschland und den europäischen Ländern

arbeiten wir natürlich eng mit der

Polizei zusammen, aber in einigen Krisenländern

sind die Behörden ähnlich

korrupt wie die Verbrecher und dann ist

es sehr wichtig, ein kompetentes Krisenteam

vorOrt zu haben“, ist die Erfahrung

Bensmanns.

65 Prozent ihres Umsatzes macht die

Hansekuranz im Seegeschäft, also hauptsächlich

mit den Reedern in Hamburg,

Bremen und an der Ems.

Fernab des Seeweges leistet das Kontor

Pionierarbeit in vielen mittelständischen

Unternehmendes Ruhrgebiets, die in Krisengebieten

Geld verdienen: „Stichwort

Fürsorgepflicht: Die Betriebe agieren

häufig in dem Empfinden, ,unseren Mitarbeitern

wird schon nichts passieren’.

Die trifft dann eine Entführung völlig unvorbereitet,

und die Firma hat weder

einen Krisenstab noch einen -plan“, erläutert

Bensmann.

Allein schon mit der Wahl des Raumes für

den Krisenstab, der alle Kommunikationsmöglichkeiten

nach außen haben

müsse, werden Weichen gestellt: „Gibt es

einen Entführungsfall, ist es von entscheidender

Bedeutung für einen positiven

Ausgang, ihn möglichst aus der Öffentlichkeit

herauszuhalten. Ist aber in

INTERVIEW RALF NAGEL, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied

des Verbands Deutscher Reeder (VDR)

Sind in 2014 bzw. imlaufenden Jahr Schiffe deutscher Reedereien gekidnappt

worden, wie viele Angriffe durch Piraten gab es?

„Am Horn von Afrika gab es bereits seit 2012 dank des Marineeinsatzes und der

Schutzmaßnahmen der Reeder keine Kaperungen mehr, allerdings haben es die

Piraten aus Somalia im letzten Jahr 14 Mal versucht. Die weltweite Piraterie ist

eine große Gefahr für das Leben der Seeleute und die Sicherheit der weltweiten

Handelswege. Im Jahr 2014 ist die Zahl der Piratenangriffe zwar erneut zurückgegangen,

jedoch wurden vier Seeleute getötet und 442 als Geiseln genommen.“

Welche Präventionsmaßnahmen gegen Piraterie haben sich am besten bewährt?

„Das Zusammenspiel aus Marinestreitkräften in der Region und den Schutzmaßnahmen

an Bord bietet bislang die beste Sicherheit für die Seeleute. Vor

allem der Einsatz von privaten bewaffneten Sicherheitskräften, die allein durch

ihre Anwesenheit an Deck für Abschreckung sorgen,

hat sich als zuverlässiger Schutz erwiesen.“

Ralf Nagel

Foto: Frank Krems

Wollen die deutschen Reeder in Bildung und

Entwicklung der Herkunftsländer investieren,

damit die Bevölkerung Perspektiven gegen

Piraterie erhält?

„Die deutschen Reeder können beispielsweise

mit ihrem Bildungszentrum inSomalia in der

Region nur ein wichtiges Signal setzen. Die wirtschaftliche

und soziale Entwicklung an Land

insgesamt zu verbessern, bleibt eine politische

Aufgabe.“

-ma-

der Firma XY nächtelang das Konferenzzimmer

weithin sichtbar erleuchtet, fragt

sich innerhalb kürzester Zeit die ganze

Stadt, wasdadenn los ist“, mahnt der 51-

Jährige.

Dagegen das Sicherheitskonzept, das

Bensmann für bezahlbar hält. So schlägt

der Versicherungsschutz für ein Jahr für

ein Unternehmen mit etwa200 Mitarbeitern,

von denen einige inKrisengebieten

tätig sind, mit 10 000 bis 15 000 €zuBuche.

Mitversichert sind auch Posten wie

Lohnfortzahlung im Entführungsfall

oder der Verlust des Lösegeldes.

Doch der Münsteraner verkauft nicht nur

den Schutz gegenSpezialrisiken und gibt

ein Handling für den Krisenfall an die

Hand. Herzensangelegenheit ist dem

zweifachen Vater die Prävention –und

zwar eine, die gratis ist: „Spricht man ein

Entführungsopfer nach der Befreiung, erzählt

es oft, es habe schon ein ganz komisches

Gefühl gehabt, in dieses Taxi zu

steigen oder durch diese Straße zu gehen.“

Der Experte appelliert an die Instinkte.

„Mein Rat: Vertrauen Sie unbedingt

diesem Gefühl und nehmen nicht in

diesem Taxi Platz oder spazieren durch

ebendiese Straße.“

Lebensrettend beispielsweise in Mexiko-

City, wo Menschenraub fast schon zu

einem Wirtschaftsfaktor geworden sei

und 100bis 1000 Fälle proTag registriert

werden.

„Für den Täter wirdesschwieriger,wenn

er auf ein vorbereitetes Opfer trifft“, erklärt

der Hansekuranz-Geschäftsführer.

Jemand, der nicht jeden Tagden gleichen

Weg zur Arbeit nimmt oder genau zur

gleichen Zeit startet und damit berechenbar

wird, auf dessen Visitenkarte nicht

prangt, Mitglied der Geschäftsleitung zu

sein. Ein Opfer, das weiß, wie es sich im

Fall einer Entführung zu verhalten hat,

wie es am Telefon seine eigene Identität

zweifelsfrei bestätigen kann: Beispielsweise

mit der Fragenach dem Namen seines

ersten Hundes oder seiner Grundschule.

„Im Krisenstab ist es wenig hilfreich,

die weinende Ehefrau mit am Tisch

zu haben, sondern sehr wichtig, mit den

Entführern eine Art professionellen Geschäftsmodus

aufzubauen. Er hat etwas,

was wir wollen und wir haben das Geld.

Dann kommt es auch nicht so schnell zu

unüberlegten Handlungen, die das Leben

des Opfers gefährden“, resümiert Bensmann.

Maike Harhues


25 LEBEN &WISSEN

Wurzel der Demokratie

Großbritannien feiert die Unterzeichnung der Magna Carta vor 800 Jahren.

Jetzt gelten für David Cameron keine

Entschuldigungen mehr. Zur Feier

des 800. Geburtstag der Magna Carta

verkündete der im Mai wieder gewählte

britische Premierminister

am 15. Juni , dass dieses Dokument

„die Welt verändert hat“. Noch im

September 2012 musste der Eton-

Schüler Cameron passen, als er von

US-Talker David Letterman nach der

Übersetzung des Begriffs „Magna

Carta“ gefragt wurde. „Er soll sich

was schämen“, meint Amanda Bryett

heute augenzwinkernd, während sie

Besucher über eine feuchte Wiese in

der Nähe von Schloss Windsor führt.

Immerhin wusste Cameron, dass

die Magna Carta 1215 unterzeichnet

wurde und warum sie so wichtig

ist. Erstmals wurde schriftlich

festgelegt, dass nicht nur ein König,

sondern auch das Volk Rechte habe.

„Die Wurzel der Demokratie“, wusste US-

Talker David Letterman. Und lieferte die

„Hierum lohnt es sich nicht zu

kämpfen.“

Amanda Bryett

Winzige Buchstaben in Latein auf Schafshaut: Detail aus einer Magna Carta der British Library von 1215.

Übersetzung gleich mit: great charter auf

Englisch. Auf Deutsch: große Urkunde.

Auch der Ort der Unterzeichnung fiel Cameron

noch ein: Runnymede, auf halbem

Weg zwischen London und Windsor.

Hier, auf der feuchten Wiese an der

Themse, haben sich vor 800 Jahren am

15. Juni, zwei verfeindete Parteien getroffen.

Warum gerade dort? Weil es kein

attraktiver Platz war. „Hierum lohnt es

sich nicht zu kämpfen“, erklärt Amanda

Bryett, die oft Touristengruppen über die

Wiese stapfen lässt. Die merken schnell:

Die Kämpfer mit den schweren Rüstungen

des 13. Jahrhunderts wären im

feuchten Boden nicht weit gekommen.

Und warum kam es zur Unterzeichnung?

„König John, der schlechteste König

unserer Geschichte“, so Amanda Bryett,

hatte sich mit dem Adel überworfen. Der

König, Bruder und Nachfolger des legendären

Richard Löwenherz, hatte im Krieg

mit Frankreich die Normandie verloren,

hohe Steuern erhoben und die Witwen

und Töchter seiner im Krieg gefallenen

Barone verkauft. Die verbliebenen Adeligen

starteten eine Revolte, brachten die

City of London auf ihre Seite und rangen

nach einigen Tagen Verhandlung dem

König einige neue Regeln ab. Festgehalten

in der Magna Carta. Erstmals wurde

hier niedergeschrieben, dass kein

Foto: British Library

Mensch unrechtmäßig festgehalten und

ohne Prozess ins Gefängnis gesteckt werden

darf. Die rund 60 Artikel, klein in Latein

auf Schafshaut geschrieben, werden

heute nicht nur von Historikern wie der

BBC-Größe David Starkey als Englands

größter Export nach der englischen Sprache

betrachtet. So finden sich Elemente

in der Verfassung der USA und der Menschenrechtserklärung

der UN wieder.

Fortsetzung auf Seite 26

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26 LEBEN &WISSEN

Eine feuchte Wiese

mit viel Geschichte

Vier Exemplare der Magna Carta von 1215 sind heute noch erhalten:

zwei in der British Library in London, und je eine in den Kathedralen von Lincoln und Salisbury.

In Runnymede ist heute das 21.

Jahrhundert sehr präsent. Im Minutentakt

starten und landen die

Flugzeuge am nur sieben Kilometer

entfernten Flughafen London-

Heathrow. Eine viel befahrene Straße

führt an der nah gelegenen Themse entlang.

Unterschlupf bietet einzig die Teestube

vom National Trust, dem die Wiese

gehört. Bis vor Kurzem erinnerte noch

nicht einmal ein offizielles Denkmal an

das historische Geschehen. Das ist seit

15. Juni anders. Zum 800. Jahrestag der

Unterzeichnung gab es auf der feuchten

Wiese eine große Feier. Wie es sich gehört,

mit viel Tamtam, einer Bootsparade

und vielen Würdenträgern. Der britische

Premierminister hielt eine Rede, Queen

Elizabeth enthüllte eine Gedenktafel und

Prinz William weihte das neue Denkmal

ein. Der Londoner Künstler Hew Locke

entwarf dafür zwölf große Bronzestühle,

die um einen imaginären Tisch stehen.

Sie tragen den Titel „Die Geschworen“. In

den Bronzereliefs auf den Stühlen tauchen

Themen der Rechtsgeschichte und

bekannte Kämpfer für die Menschenrechte

auf. Inspiriert wurde der Künstler von

der 39. Klausel der Magna Carta, in der

es um die Einführung von fairen Prozessen

geht. „Hier können sich die Menschen

hinsetzen und miteinander über

das Rechtssystem ins Gespräch kommen“,

beschrieb er kurz vor der Einweihung

seine Idee. Erst mit den Menschen

auf den Stühlen sei das Kunstwerk komplett,

sie würden in die Rolle der Geschworenen

schlüpfen.

Die Queen hatte es übrigens nicht weit

zur Feierstätte in Runnymede. Schloss

Windsor, wo sie lieber als im Londoner

Großer Auftrieb zum Jubiläum: Auf dem Gelände von Runnymede steht auch eine Stele der amerikanischen Bar Association. Für die

Vereinigung von Rechtsanwälten, Richtern und Jura-Studenten spielt die Magna Carta ein große Rolle. Sie hatte einen großen Einfluss

auf die US-Verfassung.

Foto: AFP

Buckingham Palast ihre Abende und ihr

Wochenende verbringt, liegt quasi um

die Ecke. Windsor ist das größte und älteste

durchgängig bewohnte Schloss der

Welt, seit über 900 Jahren residieren hier

die englischen Könige. Auch König John

schritt schon durch seine Mauern.

Vielleicht hat er sich auch dort überlegt,

dass er etwas gegen die soeben unterzeichnete

Urkunde unternehmen musste.

Er intervenierte bei Papst Innozenz III.

in Rom, der erklärte das Dokument innerhalb

von zehn Tagen für ungültig. Doch

Hochrangig besetzte Feierstunde: Zur 800-Jahr-Feier der Magna Carta kamen nicht nur

Queen Elizabeth II. und Prinz Philipp (dritte und vierter von links) nach Runnymede, sondern

auch der Erzbischof von Canterbury, der Premierminister, der Duke von Cambridge

sowie die Princess Royal und ihr Ehemann (von links).

Foto: AFP

der Inhalt verbreitete sich schnell im

Land. Es wurden Kopien angefertigt und

in die großen Kathedralen geschickt, um

dort dem Volke vorgelesen zu werden.

Von diesen Kopien existieren heute noch

vier. Zwei gehören der British Library in

London, eine der Kathedrale von Salisbury,

die vierte der Kathedrale von Lincoln.

Alle vier stehen im Mittelpunkt der 800-

Jahr-Feiern. Salisbury ist stolz darauf, die

„besterhaltene“ Magna Carta von 1215

im Besitz zu haben. Lincoln hat gerade 22

Millionen Pfund investiert und ein neues

Besucherzentrum eröffnet, das die dortige

Magna Carta in Szene setzt. Fehlt nur

noch die British Library, die rund um ihre

beiden Kopien die größte und umfassendste

Ausstellung zum Thema auf die

Beine gestellt hat. Rund 200 Exponate

haben die Ausstellungsmacher in vierjähriger

Arbeit aufgetrieben. Von einem

Zahn von König John bis hin zu politischen

Karikaturen des 21. Jahrhunderts,

in denen das Thema „Magna Carta“ präsent

ist. Und selbstverständlich den beiden

Exemplaren, die sich im Besitz der

größten öffentlichen Bibliothek Großbritanniens

befinden. Bis September ist

noch Zeit zum Anschauen. Danach gibt es

nur noch die Stühle in Runnymede. Endlich.

Stefanie Meier

INFOS

Die vier Originale der Magna Carta

können auf verschiedenen Routen

besichtigt werden.

www.magnacartatrails.com

Die Ausstellung in der British Library

ist noch bis 1. September zu sehen.

Eintritt: 12 Pfund. Unter 18

Jahren: frei. www.bl.uk

www.magnacarta800th.com

König John ging gerne auf die Jagd. So zu sehen

in dieser Szene einer Handschrift aus dem 14. Jahrhundert.

Foto: British Library


LEBEN &WISSEN 27

Erfolgsstory aufRasen

In Halle/Westfalen hält der Tennisboom seit 1993

ununterbrochen an. Die Gerry Weber Open sind

attraktiv fürSpieler, Fans und Sponsoren.

In den 80er und 90er Jahren war

Deutschland im Tenniswahn. Steffi

Graf und Boris Becker waren Stammgäste

in den Finals der Grand-Slam-

Turniere, Michael Stich gewann 1991

Wimbledon. Das Spielmit der gelben

Filzkugel hatte sich zum Volkssport

gemausert, der Tennisvirushatte die

Nation infiziert. Auch die Familie

Weber aus dem beschaulichen Halle

in Westfalen, die eine Vision hatte.

Aus dem mit nur 25 000 Dollar

dotierten Challenger-

Turnier, das 1991 und 1992

auf Asche in dem 20 000-

Ainwohner-Städtchen E

stattfand,

sollte ein internationales Großevent

werden. Und zwar auf Rasen. „Wir

hatten mit Graf, Becker und Stich drei

deutsche Wimbledonsieger. Da ist die

Idee entstanden. Das war schon ein

Abenteuer“, sagt Turnierdirektor Ralf

Weber, der mit

Vater Gerd die

Vorstellungen in

die Tat umsetzte.

Nachdem die

ATP-Tour den

Machern grünes

Licht erteilt hatten

und es auch

Turnierdirektor Ralf Weber

aus Wimbledon

keinen Gegenwind

gab, begann die einmalige Geschichte

der Gerry Weber Open. Im Mai

1992 wurde der erste Rasenplatz gelegt,

im Expresstempo entstand die schmucke

Anlage. Schon zur Premiere kam Top-

Star André Agassi, der Franzose Henri Lecontetrug

sich als Erster in die Siegerliste

ein. Auch Becker, Jimmy Connors oder

Rafael Nadal folgten den Weberschen

Lockrufen, später avancierte Roger Federer

zum Gesicht der Open, die der

Schweizer bis 2014 siebenmal gewann.

„Die Gerry Weber Open sind mit

Blick auf die globale Karte nun in

einer anderen Kategorie angekommen.“

Abseits des Feldes trieben die Webers die

Entwicklung des Turniers voran und perfektionierten

Stück für Stück die Anlage.

Mit einem beeindruckenden Ergebnis:

Schon bei der zweiten Auflagebekam der

Centre Court ein wandelbares Dach, das

sich in 90 Sekunden schließen lässt. Dabei

fliegen nicht nur Tennisbälle durch

die multifunktionale Arena, die auch anderen

Sportarten (Handball, Boxen) oder

musikalischen Konzertgrößen eine Stätte

bietet. Direkt neben dem Gerry-Weber-

Stadion entstand das Vier-Sterne-Sporthotel,

zur Infrastruktur gehört der 8500

Quadratmeter große Sportpark sowie ein

27-Loch-Golfkurs.

Sportlich machte das Turnier in diesem

Jahr den nächsten großen Schritt und gehört

nun zur 500er-Serie der ATP. Das

Preisgeld verdoppelte sich auf 1,56 Millionen

Euround steigt bald auf 1,8Millionen

Euro, in über 150 Ländern flimmert

das Geschehen aus Halle auf den TV-Geräten.

„Die Gerry

Weber Open sind

mit Blick auf die

globale Karte in

einer anderen Kategorie

angekommen“,

sagt Ralf

Weber, der zu

Kosten und Erträgen

keine Angaben

macht. „Diesbezüglich

nennen wir keine Zahlen. Aber

wir sind gut aufgestellt und schreiben seit

vielen Jahren schwarze Zahlen. Auch der

Modekonzern GerryWeber International

hat sich zu einer globalisierten Marke

entwickelt, was wiederum eng mit dem

Tennisturnier verbunden ist.“ AusverkaufteLogen,

vermarkteteWerbebanden

sowie über 110000 Zuschauer auf der

Anlage sind klare Zeichen, dass der Tennisboom

aus dem vergangenen Jahrhundert

zumindest in Halle anhält. hen

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ist der 18. September2015

Seit Jahren ist Roger Federer ein Stammgast bei den Gerry Weber Open, die Turnierdirektor Ralf Weber (r.) mit

seinem Vater Gerd von 1993 an zu einem international angesehenen Turnier entwickelte.

Foto: dpa

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Lachen mit

dem Diktato

Die zweite Saison des Wolfgang-Borchert-Thea

Flechtheimspeicher: Viel Neues und drei Klass

28 LEBEN &

Meinhard Zanger bleibt noch eine Weile „oben ohne“: Denn auch in der kommenden Saison spielt der Intendant des Borchert-Theaters in Kleists „Zerbrochnem Krug“ den Dorfrichter Adam. Fotos: Wolfgang-Borchert-Theater

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Im Bann des strahlenden Lichts

Westfälisches Landesmuseum zeigt 70 Kunstwerke des Zero-Künstlers Otto Piene (1928-2014).

„Es ist eine sehr sinnliche

Ausstellung.“

Museumsdirektor Hermann Arnhold

EVENT

MANAGER

muenster.business de

Das erfolgreiche Wirtschaftsportal

Es verhält sich ein wenig so wie bei

der Rückkehr eines alten Bekannten.

Denn Otto Piene ist mit dem Westfälischen

Landesmuseum in Münster

künstlerisch verbunden wie kaum

ein anderer Künstler. Seine „Silberne

Frequenz“ sendet ihre Lichtspiele

seit 1970/71 Nacht für Nacht über

die Museumsfassade. Schade nur,

dass Otto Piene, der im Sommer vergangenen

Jahres gestorben ist, die

große Retrospektive in Münster

nicht mehr miterlebt. Aber er hat sie

immerhin noch mit der ihm eigenen

Schaffensfreude vorbereitet.

70 Werke hat das Westfälische

Landesmuseum unter seinem

Direktor Dr. Hermann Arnhold

und mit Co-Kurator Dr.

Joachim Jäger aus Berlin auf

rund 1000 Quadratmetern im Neubau

zusammengestellt. Für den Besucher ergeben

sich sinnliche Lichtwelten, die

zum Staunen einladen.

War es die physikalische Qualität des

Lichts, die den jungen Zero-Künstler Otto

Piene begeisterte, warenesmetaphysische,

gar religiöse Motive? Vermutlich

waren esdie dunklen Bombennächte in

Ostwestfalen, die dem aus Laasphe stammenden

und in Lübbecke aufgewachsenen

Piene das Licht als Befreiung und

Entgrenzung entdecken ließ. So jedenfalls

deuten Experten die Hinwendung

des Künstlers zum Licht. Wer nun mit

Piene einzig und allein rotierende Lichtkugeln

und Projektionen verbindet,

greift, wie die Ausstellung in sechs Räumen

eindrucksvoll zeigt, zu kurz. Denn

Erstmals sind Pienes „Lichtgeister“ in Deutschland zu sehen. Museumsdirektor Hermann

Arnhold, Dr. Ursula Sinnreich (Kunststiftung NRW), Landesdirektor Matthias Löb und Kurator

Joachim Jäger (v.l.) zeigen sich angetan.

zunächst ist Piene, der an der Kunstakademie

in Düsseldorf mit Kommilitonen

wie Heinz Mack und Günter Grass studiert

und zu den Gründern der Künstlergruppe

„Zero“ zählt, ein Maler. Allerdings

ein Maler, den vor allem das Licht

fasziniert.

Arbeiten wie „Kleiner Durchblick“ oder

„Lichteinfall“, in den 1950er Jahren in

Mischtechnik auf die Leinwand gebannt,

verraten die Suche des Künstlers nach

raffinierten Farben und Kontrasten und

erinnern an Marc oder Macke. Zugleich

aber kommen Werkeinden Blick, die mit

ihrem Titel„Frequenz“ schon auf die später

realisierte „Silberne Frequenz“ am

Landesmuseum hindeuten. Mithilfe gelöcherter

Rückwände von Radioapparaten

bringt Piene Strukturen auf Leinwand

oder Ton. Es entstehen Bilder aus

vielen vorgewölbten Punkten, die, je

nach Lichteinfall, unterschiedliche

Schattenstrukturen hervorrufen.

Während solche Bilder das Licht aufnehmen

und verwandeln, sind die perforierten

Lichtkugeln oder Lichtquader selber

Spender des Lichts. Im „Lichtraum“ der

Ausstellung wähnt sich der Besucher

zunächst unter einem Sternenhimmel.

Zugleich nimmt er die Lichtprojektionen

der hier stehenden Objekte wahr

und verfolgt atemlos die sich stets wandelnden

Spuren des auf die Wände projizierten

Lichts.

Es verwundert nicht, dass Piene angesichts

seiner Licht-Begeisterung auch

eine Schwäche für Regenbögen und für

die Sonne hatte. Eines der schönsten gemalten

Kunstwerke aus Öl, Feuer und

Rauch auf Leinwand (1986) trägt folgerichtig

den Titel „High Noon“ und zeigt

eine majestätische, glutrote Sonne auf

„Die jetzige Präsentation seiner

Lichtkunstwerke soll eine erneute

Ehrung des großen Künstlers

sein.“

Landesdirektor Matthias Löb

knallig gelbem Hintergrund. Ein Symbol

purer Freude am Licht.

Hartnäckig halten sich übrigens in MünsterGerüchte,

wonach das reichlich klobige

LWL-Logo draußen in der „Silbernen

Frequenz“ irgendwann vielleicht doch

durch noch vorhandene Silberkugeln ersetzt

werde. Landesdirektor Matthias

Löb meinteauf Nachfragezwar, dass der

Künstler diese Veränderung im Zugedes

Neubaus und der Neuinstallation gebilligt

habe und dadurch ein neues, schützenswertes

Kunstwerk entstanden sei,

fügte aber vieldeutig diesen Satz hinzu:

„Ich will nicht ausschließen, dass wir uns

mit der Frage noch mal befassen.“

loy


WISSEN 29

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ters im

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gang-Borchert-Theater

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100 000 Euro für das

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tsein Vorstand für 2016

Antrag. „Wir schlagen

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0000 Zuschauern bis zum

on kann Zanger wieder von

einem Rekordergebnis schwärmen.

Durch das Kultursemesterticket lockt das

Theater verstärkt Studenten an. Speziell

an Jugendliche wendet sich die neue mobile

Produktion, eine Schauspielfassung

von Franz Kafkas „Verwandlung“, die in

Schulen gezeigt werden kann. Doch auch

wenn Zanger „jedes Mittel recht“ ist, junge

Leuteins Theater zu bekommen, bleibt

sein Anspruch umfassend. Wofür etwa

die Erfolgsproduktion „Tschick“ steht:

„Das Stück inszeniert man als

junger Wilder. Ich habe es vor 30

Jahren gemacht, jetzt macht es

Tanja Weidner.“

Meinhard Zanger

über Schillers „Kabale und Liebe“

„Unser größtes Projekt ist dieses

neue Theater.“

Meinhard Zanger über die Situation im von

Baustellen umgebenen Flechtheimspeicher

Das vermeintliche Jugendstück ist ein

Renner bei Zuschauern jeglichen Alters.

Im neuen Spielplan fallen neben Kafka

die Klassiker Shakespeare und Schiller

auf. Der deutsche Dramatiker ist mit „Kabale

und Liebe“ vertreten –was sich gut

mit den Schiller-Aufführungen des Theaters

Münster ergänzt. Und bei Shakespeares

Komödie „Was ihr wollt“ mögen

Borchert-Fans an den legendären „Sommernachtstraum“

im Gasometer zurückdenken,

denn abermals ist Meinhard

Zanger der Regisseur, und auch dieses

Stück hat er open air erprobt, nämlich bei

den Kreuzgangspielen

Feuchtwangen.

Vondort

her übernimmt er

auch das Komiker-Schauspielerpaar

Thomas Karl

Hagen und Peter

Kaghanovitch.

Die neue Inszenierung

im schicken Saal des Borchert-

Theaters werdeaber „kein Abklatsch von

Feuchtwangen“ sein, verspricht Zanger.

Die gestressten Damen vom Sozialamt: Im Stück „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller sind Alice Zikeli als Anika, Sabrina vor der

Sielhorst als Silvia und Monika Hess-Zanger als Barbara zusehen.

Unter den neuen Stücken finden sich eine

Bühnenversion des Bestsellers „Er ist wieder

da“ von Timur Vermes (Zanger: „Lachen

mit Hitler“), das ersteTheaterstück

von Daniel Glattauer und ein Werk des

altvertrauten Èric-Emmanuel Schmitt

mit dem Titel „Zurück auf Anfang“. Ein

Motto, das der Situation seines Ensembles

entspricht, meint Zanger.

Mit der gerade beschlossenen Vertragsverlängerung

kann er ja jetzt auch wieder

große Pläne für die kommenden Jahre

schmieden. Ein Pendant zum „Sommernachtstraum“

ist allerdings noch nicht in

Sicht: „Unser größtes Projekt“, sagt Zanger,

„ist momentan noch dieses neue

Theater.“

has

DAS PROGRAMM 2015/2016

22. August: Kabale und Liebe von Friedrich Schiller

23. September: Die Verwandlung von Franz Kafka

24. September: Gift. Eine Ehegeschichte von Lot Vekemans

19. November: Was ihr wollt von William Shakespeare

7. Januar 2016: Er ist wieder da von Timur Vermes

25. Februar 2016: Die Wunderübung von Daniel Glattauer

7. April 2016: Ich habe Bryan Adams geschreddert von Oliver Bukowski

26. Mai 2016: Zurück auf Anfang von Èric-Emmanuel Schmitt

15 Wiederaufnahmen: Tschick, Frau Müller muss weg, Lauf doch nicht immer

weg!, Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt), Kaspar Häuser Meer, Der

Vorname, Der Gott des Gemetzels, Der zerbrochne Krug, Männerhort, Benefiz,

Jeder rettet einen Afrikaner, Wir lieben und wissen nicht, Ihre Version des

Spiels, Gut gegen Nordwind, IHired aContract Killer, Titus

AUSSTELLUNGSDATEN

Die Ausstellung „Otto Piene:

Licht“ ist bis zum 22. September

2015 im Westfälischen Landesmuseum

zu sehen. Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag und feiertags

10-18 Uhr. Drei besondere

Lichtnächte mit Öffnungszeiten

bis 24 Uhr gibt es mit Sonderprogramm

am 9. Juli, 5. September

und 19. September. Zur Ausstellung

ist ein aufwendig bebilderter

Katalog erschienen.

|www.westfaelischeslandesmuseum.de

täglich

frisch

Glutrot strahlt die Sonne in den Raum: Das Meisterwerk „High Noon“ malte Otto Piene 1986. Dazu benutzte erÖl, Feuer und Rauch und bannte sodie Sonne auf die Leinwand. So viel gemaltes

Licht fasziniert auch diese Betrachterin.

Fotos: Jürgen Peperhowe

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Das erfolgreiche Wirtschaftsportal


30 LEBEN &WISSEN

Betonfiguren erobern Telgte

Christel Lechners „Alltagsmenschen“ sind der Renner.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Juli in der Emsstadt zu sehen.

Die Alltagsmenschen begeistern derzeit Telgte. Vor allem diese Throngesellschaft auf dem Marktplatz ist bei den Fotografen der Star. Diese Aufnahme entstand in einer speziellen HDR-Technik.

Foto: Jürgen Hangschlitt

Die Alltagsmenschen haben Telgte

im Sturmerobert und sorgen für jede

Menge gute Laune: Die Wittener

Künstlerin Christel Lechner stellt in

der Emsstadt 50 ihrer pummeligen

Betonfiguren aus, die die Innenstadt

zu einem großen Freiluft-Museum

machen. Noch bis

zum 26. Juli sind die

Kunstwerke zwischen

Bahnhof und Marktplatz,

Fußgängerzone und

Emspark zu

sehen.

Ob im Badeanzug oder im Arbeitskittel: Die Alltagsmenschen machen

immer eine gute Figur.

Foto: Jürgen Peperhowe

Die pummeligen Betonfiguren

hängen körbeweise

Kochwäsche auf, genießen,

im Blumenbeet sitzend,

das guteWetter oder

ringen gut gelaunt bei dem Spiel „Reise

nach Jerusalem“ nach dem noch verbliebenen

Stuhl: Die Skulpturen

der Künstlerin Christel Lechnersind

der Renner.Tausendfach

klickten in den ersten

vier Wochen seit der Eröffnung

Fotoapparate.

36 000 Flyer wurden bereits

verteilt. Insofern geht die Stadt

bislang auch von mindestens

ähnlich vielen Besuchern aus.

„Die Figuren machen ganz

Telgte verrückt“, sagt Simone

Thieringer, Leiterin von

„Tourismus + Kultur“ und

strahlt dabei unübersehbar. Das

Feedback sowohl der Einheimischen

als auch der Auswärtigen sei

unglaublich. Nahezu täglich kämen

Gedichte, kleine Filme oder Fotos in

der Stadtverwaltung an, fast immer

verbunden mit einem begeisterten

Schreiben.

„Ich möchte die Leute dort

abholen, wo sie ihren Alltag

verbringen.“

Christel Lechner

Das ist ganz im Sinne der Künstlerin.

Christel Lechner geht mit ihren Alltagsmenschen

gezielt zu den Menschen in die

Städte. „Ich möchte die Leute dort abholen,

wo sie ihren Alltag verbringen“, sagt

die Künstlerin. Um ihre Betonfiguren zu

sehen und sich daran zu erfreuen, müsse

niemand ins Museum gehen. Eine weitere

Besonderheit ist die Interaktion, zu der

„Die Figuren machen ganz Telgte

verrückt.“

Simone Thieringer,

Leiterin von „Tourismus +Kultur“

die Figuren trotz ihrer Unbeweglichkeit

geradezu einladen. Ein Beispiel ist die

Schützengesellschaft auf dem Telgter

Marktplatz. Wiefür ein Thronfotohaben

sich die Alltagsmenschen bereits positioniert,

und der noch verbleibendeStuhl in

der ersten Reihe wird nur zu gerne von

Passanten benutzt, die damit Teil des Projektes

werden.

Telgte ist nach Angaben von Christel

Lechner der ersteOrt, an dem sie bereits

zum zweiten Mal mit einer Ausstellung in

dieser Größenordnung vertreten ist. „Ich

mag die Stadt“, sagt die Künstlerin. Sie

selbst bezeichnete ihre Figuren als Sympathieträger.Ein

echter Renner sind auch

die Führungen, die „Tourismus+Kultur“

anbietet. Bereits 70 wurden in den ersten

vier Wochen gebucht. Bei einem rund

eineinhalbstündigen Rundgang durch

die Altstadt erfahren die Interessierten

nicht nur viel über die Ausstellung, ihre

Entstehung und die Künstlerin, sondern

auch über die Emsstadt.

Schon 2009 waren Betonfiguren von

Christel Lechner in Telgte zusehen. Die

Resonanz warbereits seinerzeit überwältigend.

„Insofern haben sich die Telgter

geradezu darauf gefreut, die Alltagsmenschen

wieder in ihrer Mitte zuhaben“,

sagt Bürgermeister Wolfgang Pieper. Finanziert

wird die Schau ausschließlich

über Sponsoren. Ein großer Teil davon

kommt aus den Reihen der örtlichen

Kaufmannschaft.

Auch nach dem Ende der Ausstellung, die

noch bis zum 26. Juli zu sehen ist, wird

etwas davon in Telgte bleiben. „Heinrich“,

eine pummelige Betonfigur eines

typischen Münsterländers, hat Christel

Lechner der Stadt bereits geschenkt. Er

wird „Paul“ Gesellschaft leisten. Der

Schwimmreifenmann lässt es sich bereits

seit 2009 in der Ems in der Nähe des

Christoph-Bernsmeyer-Hauses gut gehen

und ist ebenfalls ein begehrtes Fotomotiv

für die Tausenden Touristen und Wallfahrer,

die jährlich nach Telgte kommen.

Andreas Große Hüttmann

Heinrich, der typische Münsterländer, wird nach dem Ende der

Ausstellung in Telgte bleiben.

Foto: Andreas Große Hüttmann


LEBEN &WISSEN 31

Mit wahrer Leidenschaft

André Nyhues aus Rheine lässt Designteppiche zur Geltung kommen –

und reist dafür auf Wunsch der Kunden auch schon einmal umdie halbe Welt.

Umgeben von edlen Designteppichen fühlt sich André Nyhues wohl. Die Begeisterung für die Teppiche hat ervon seinem Vater geerbt.

Fotos: Matthias Ahlke

Teppiche sind eine Leidenschaft.

André Nyhues hat die Begeisterung

vom Vater geerbt. Der 42-Jährige

lebt sein Business. Krakau, Mallorca,

Shanghai –André Nyhues reist persönlich

mit einer ausgesuchten Auswahl

aus der Teppichkollektion zu

Kunden. „Die Raumwirkung können

wir nur vor Ort erfahren.“

Der gebürtige Rheinenser

spricht von einem „Familiengeschäft“,

denn viel

Freizeit bleibt dabei nicht.

Oft, sagt der Kaufmann,

versuchten darum seine Frau Nicole und

er gerade an den Wochenenden die Kundenbesuche

gemeinsam zu absolvieren.

Immer im Gepäck haben sie ihreJoggingschuhe.

„Beim Laufen haben wir unsere

besten Ideen.“ Gelernt hat André Nyhues

ganz bodenständig den Kaufmann im

Einzelhandel. Dann stieg er beim Vater

im Betrieb in Rheine ein. Heute ist der

Sohn der Chef über fünf Standorte und

22 Mitarbeiter. Der Vater kümmert sich

um den Büroalltag und hält ihm für den

kreativen Teil des Geschäftes den Rücken

frei.

Das Thema Teppich lässt Familie Nyhues

nicht los. Aber anders als vor 30Jahren

stehen heuteDesignerteppiche im Mittelpunkt.

Diese haben es allemal verdient,

nicht auf Teppichbergen mitten im Geschäft

zu liegen, sondern Stück für Stück

präsentiert zu werden. Auf dem Boden

liegend, sagt der Firmeninhaber, sei die

Demonstration unspektakulär.

Die Suche nach einem passenden Ambiente

für einen neuen Standort ist darum

für André Nyhues jedes Mal eine

neue Herausforderung. „Diesen zu finden

ist eine Kunst.“ Die hohen Räume in

einem ehemaligen Stadtschloss mitten in

Münster sind darum für das Teppich-Thema

geradezu ideal. Wenig Wandfläche,

um die Teppich neu auszurollen, fordertendennoch

Innenarchitekten aus Berlin

heraus, riesige Tafeln zu kreieren, auf

denen jetzt das Design großflächig gezeigt

wird. Rund 30 Kilogramm wiegt ein

solcher Teppich.

André Nyhues freut sich über die Expansion

des Unternehmens. „Deutschlandweit

stehen wir gut da“, sagt er.„Wirsind

die Einzigen, die im Teppichbereich expandieren.“

Nyhues ist inzwischen mit

zwei Geschäften in Berlin vertreten, betreibt

Standorte inKöln, Düsseldorf und

in Münster. Gabriele Hillmoth

Anders als vor 20Jahren stehen bei der Nyhues GmbH &Co. KG

heute Designerteppiche im Mittelpunkt.

„Kein Relikt aus einer alten Zeit“

High-End-Teppiche zielen nicht auf die totale Veränderung des Raumes ab, sondern beziehen das Bestehende ein.

Auch bei Teppichen gilt: Nicht kleckern,

sondern großflächig klotzen.

Die Materialien sind tibetische

Wolle, Seide und

Brennnesselstiele: André

Nyhues schwärmt von der

Maserung der Teppich-

Kunstwerke, vonunterschiedlichen Farbtönen,

von Mustern, die ineinander verfließen

und vonorganischen Strukturen.

Erlaubt ist, was gefällt –obLila, Türkis,

Rot, Grün oder Melange. Harmonisch

solltesich der Teppich in sein Umfeld einfügen,

sagt der Teppichhändler aus dem

Münsterland, sonst wirke der Teppich

aus wie eine Axt im Wald.

Weltweit gibt es für André Nyhues aber

nur noch zehn richtig gute Teppich-Designer.

Jan Kath aus Bochum gehört beispielsweise

dazu. Kath stehe für ein Teppichdesign

jenseits des Mainstreams,

sagt Nyhues. „Der Teppich-Designer

schafft durch moderne Kreationen ganz

neue Blickwinkel auf den Teppich als

Wohnaccessoire.“ Jan Kath vereint in seinen

Designs charakteristische Elemente

des Orientteppichs mit zeitgemäßen, modernen

Komponenten. In seinen Teppichen

wird der klassische Perserteppich

mit modernen Seideneffekten veredelt.

Nyhues ist überzeugt, dass ein solcher

Teppich in seiner klassischen Art auch

sehr gut in eine moderne Umgebung

passt. Er selbst hat sich mit seiner Frau

für einen Teppich in einem satten Rot-

Pink entschieden, der das moderne Mobiliar

noch unterstreicht.

Das ist momentan der Trend, stellt André

Nyhues fest, dessen Kundschaft

weltweit verstreut lebt. Teppiche von

Nyhues schmücken inzwischen Wohnräume

in Mexiko, in China oder Kanada.

Brücken und Läufer sind für den

Händler aus dem Münsterland längst ein

Tabu. Große Teppiche seien gefragt.

Rechteckige Formen. Runde Teppiche

sind eher selten geworden.

Früher galt die Faustformel: runter Esstisch,

runder Teppich und runde Lampe.

Diese Einheit wird heute aufgebrochen.

Nyhues weiß auch, warum heute vor allem

große Teppiche gelegt werden: „Die

Menschen wohnen offener.“ Einzelne

Räume seien nicht mehr so zu definieren

wie früher, sagt der 42-Jährige. Früher

gab esmeistens ein Wohnzimmer, Esszimmer

und eine Küche –heute besteht

zwischen den Räumen ein fließender

Übergang.

„Ein Design-Element, mit dem ein

Raum seinen eigenen unverwechselbaren

Charakter bekommt.“

André Nyhues

„Teppiche sind für uns kein Relikt aus alten

Zeiten, sondern ein Designelement,

mit dem ein Raum seinen eigenen unverwechselbaren

Charakter bekommt.“

André Nyhues möchte mit seinen Teppichen

die Sinne berühren, sowohl mit

ihrem Design als auch mit dem Material.

Um nun aber den idealen Teppich für genau

den Kunden zu finden, kommt Nyhues

mit Mustern ins Haus und betrachtet

dort vor Ort den Status quo. Der

Händler beobachtet, dass ein Teppich

heute im Wohnraum entweder eine

untergeordnete Rolle einnehmen soll

oder die eines eigenständigen Elements.

Durch die Möglichkeiten, mit den EntwürfeninFarbe,

Material und Größe zu

spielen, könne er aber auch gezielt auf

die individuelle Einrichtungen eingehen.

Nicht die totale Veränderung, sondern

das Einbeziehen des Bestehenden

–das sei ihr Ziel, erklärt der Händler.

André Nyhues spricht heute von einer

High-End-Teppichkollektion in seinen

Geschäften. Er legt Wert auf Materialien

und vor allem darauf, dass sie fair verarbeitet

werden.

Das Haus Nyhues ist Mitglied bei dem Label

Step, das sich seit 1995 für faire Bedingungen

in Produktion und Handel

von handgefertigten Teppichen engagiert.

Step ist in Teppichherkunftsländern

wie Afghanistan, Indien, Iran, Kirgistan,

Marokko, Nepal, Pakistan und in

der Türkei vorOrt. 90 Prozent ihrer Teppiche,

so Nyhues, werden heuteinNepal

angefertigt.

gh


GLASFASER –FÜR IHR UNTERNEHMEN,

IHRE MITARBEITER UND DEN WIRTSCHAFTSSTANDORT!

Gerade für Unternehmen ist das Thema

Breitbandversorgung von enormer Dringlichkeit.

Die Bedürfnisse von Kunden und

Geschäftspartnern müssen binnen kurzer

Zeit zufrieden gestellt werden. Dabei geht

es nichtnur darum, dassInternetseiten oder

Online-Shops schnell und jederzeit verfügbar

sein müssen.

Zahlreiche betriebliche Abläufe werden

entscheidend von der vorhandenen Breitbandtechnik

beeinflusst. So kann z.B. ein

effektives Kunden-Lieferantennetzwerk nur

mit einer schnellen und stabilen Datenleitung

umgesetzt werden. Einwandfreie

Videotelefonie kann nicht nur den Austausch

mit Geschäftspartnern und Kollegen

erleichtern, sondern zeit- und kostenintensive

Geschäftsreisen komplett erübrigen.

Die Abnahme einer Baustelle im Ausland

beispielsweise könnte per Tablet zwischen

Baustellenleiter und Geschäftsführung erfolgen,

ohne dass einer von beiden seinen

regulären Arbeitsplatz verlässt. Nur ein

paar Ideen, die verdeutlichen, welche Zeitund

Kostenersparnisse möglich sind.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt

ist die Attraktivität des Arbeitgebers.

Gut ausgebildete Arbeitskräfte möchte man

binden und dies ist längst nicht mehr eine

Frage des Geldes; Arbeitnehmer schätzen

flexible Arbeitszeiten und Möglichkeiten,

Aufgaben im Home-Office erledigen zu

können. Dies ist zweifelsfrei nur sinnvoll

und effektiv, wenn der Datenzugriff zu

Hause genauso schnell und sicher möglich

ist wie im Büro. Die Liste der Bereiche, auf

die Breitbandtechnik entscheidend Einfluss

nimmt, ließe sich beliebig erweitern.

Damit ist der Glasfaserausbau längst kein

Thema mehr für Privatleute, die schneller

surfen wollen. Insbesondere für die Gewerbegebiete

ergibt sich ein wesentlicher

Standortvorteil, den keiner missen möchte.

Das zeigt uns die Erfahrung: Mit jedem Glasfaserprojekt

wechseln die Orte, Ansprechpartner

und Rahmenbedingungen – was

aber bleibt, ist das große Engagement der

örtlichen Wirtschaftsförderungen, Gewerbevereine,

des Ortsmarketings und natürlich

auch der jeweiligen Verwaltung selbst bis

hin zum Bürgermeisteramt.

Wir bringen Glasfaser –

bis in Ihr Unternehmen!

Deutsche Glasfaser

WER IST

DEUTSCHE GLASFASER

• Die Unternehmensgruppe Deutsche

Glasfaser realisiert Glasfaser-Netze für

Privathaushalte und Unternehmen, die

das Leben, Arbeiten und Kommunizieren

für die Nutzer komfortabler und stabiler

machen.

• Der privatwirtschaftliche Investor fokussiert

dabei die ländliche Region und den

Ausbau nachhaltiger, flächendeckender

Infrastrukturen, die für sämtliche Diensteanbieter

offen sind.

• Kein anderes Unternehmen hat in 2014

deutschlandweit mehr Haushalten und

Unternehmen einen Glasfaseranschluss

(FTTH) ermöglicht.

Deutsche Glasfaser

Unternehmensgruppe

Service-Nr.: 01806 40910010*

E-Mail: business@deutsche-glasfaser.de

Ostlandstraße 5·46325 Borken

www.deutsche-glasfaser.de

*Die Geasprächskosten betragen 0,20€/Anruf aus dem

dt. Festnetz und max. 0,60€/Anruf aus dem Mobilfunknetz.

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