green - Berliner Zeitung

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green - Berliner Zeitung

HERBST/WINTER 2012/13

FASHION / TRENDS / INTERVIEWS

NR. 3

03.07.2012

Go green


HAVE YOU SEEN B?

WWW.BRIGHTTRADESHOW.COM

4 - 6 JULY 2012, BERLIN

Greetings from Davide Biondani, Verona, Italy

Fotograf: Lukasz Wolejko-Wolejszo, wolejko-wolejszo.com | Produktion & Styling: Nele Schrinner, neleschrinner.com | Haare & Make-up: Sarah Marx, sarahmarx.com | Models: Lena @ Model Management, model-management.de & Kara @ M4 Models, m4models.de

Lena: Strickjacke Malaikaraiss, Bluse Michalsky, Rock Michael Sontag, Armband Royal Blush | Kara: Strickjacke Moods Of Norway, Hemd Aluc, Hose Raphael Hauber

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RIGHT AS RAIN

Biologischer Anbau mal anders: Das italienische

Label pflanzt kein Gemüse, sondern Hemden

FASHION WEEK NEWS

Alles, was man wissen muss – die wichtigsten

Termine rund um die Berliner Modewoche

MAGDALENA SCHAFFRIN

Die Organisatorin des GreenShowroom über

Bioäpfel, H&M und die Zukunft von Ecowear

APOKALYPSE

Auf der letzten Mercedes-Benz Fashion Week

waren die Designer in Weltuntergangsstimmung

GREEN DENIM

Auch die Jeansbranche denkt um – über alternativen

Baumwollanbau, Wasch- und Färbetechniken

TIME FOR REVOLUTION

Der grüne Lifestyle erobert die Kleiderschränke –

mit Sachen, die modisch und ökologisch sind

LALA BERLIN

Nicht öko, aber trotzdem nachhaltig: Leyla

Piedayesh ist mit ihrem Label von Anfang an dabei

GO GREEN

Ecowear, die uns auf den Berliner Modemessen

aufgefallen ist. Hier kommen unsere Favoriten

MODE FÜR DIE MASSEN

Von wegen nur für Fachbesucher. In Berlin gibt

es viele Events, die für alle zugänglich sind

WEDDING DRESS

Wie Degewo-Vorstand Frank Bielka mit seinem

Modefestival das Brunnenviertel belebt

WINTERTRENDS 2012/13

Auf und ab -– während bei Frauen die Säume

fallen, ist bei Jungs Hochwasser angesagt

DAS LETZTE WORT

Warum Michael Michalsky wieder an alte

Werte glaubt, verrät er in seiner Kolumne

Inhalt

MODESTRECKE 26 }

LALA BERLIN 36 |

GREEN FASHION 38 ~

TEXTILE KETTE 18 |

WELTUNTERGANG 22 ~


editorial

impressum

Vert

en Vogue

Wir kaufen Kleidung, um unsere Persönlichkeit

zu unterstreichen. Wie sie hergestellt wird,

interessiert uns dabei kaum. Sollte es aber.

Denn unser Spaß am neuesten „Must-have“

geht oft auf Kosten der Umwelt und derer,

die es herstellen. Eine neue Generation von

Labels und Designern hat nun damit angefangen,

über die Konsequenzen nachzudenken.

Sie stellen Kleidung her, die nicht nur schick, sondern auch umwelt- und menschenfreundlich

ist. Dieser Trend spiegelt sich auch auf der Fashion Week wider:

In Berlin gibt es mittlerweile fünf Plattformen für ökologisches Design – und es

werden immer mehr. Eine Pionierin ist Magdalena Schaffrin. Vor drei Jahren hat

sie den GreenShowroom ins Leben gerufen. Daneben organisiert sie auch noch

die Ethical Fashion Show Berlin. Schaffrin ist überzeugt davon, dass Ecowear ein

Zukunftsthema ist. Im Interview erzählt sie uns, warum.

Auch auf allen anderen Messen gibt es grüne Labels, die sich zusammen mit konventionellen

Marken präsentieren. Zwischen ihnen erkennt man meist keinen Unterschied.

Dass das Klischee von handgestrickter Ökomode nicht mehr stimmt,

beweisen wir in unserer Modestrecke, in der wir grüne Labels mit den Entwürfen

von Designern, die auf der Mercedes-Benz Fashion Week zeigen, kombinieren.

Eine, die dort von Anfang an präsentiert, ist Leyla Piedayesh. Ihr Label

Lala Berlin ist zwar nicht öko, aber als Urgestein der Berliner Designszene ist sie

trotzdem in gewisser Weise nachhaltig. Dass man mit Fashion sogar einen Stadtteil

nachhaltig verändern kann, erfahren wir im Interview mit Frank Bielka, dem Vorstand

der Wohnungsgesellschaft Degewo. Das ist ihm nämlich gelungen mit seinem

Modefestival Wedding Dress.

Viel Spaß beim Lesen unserer dritten Ausgabe von VUEberlin, deren Motto

wir Ihnen wärmstens ans Herz legen möchten: Go green!

WoLFGAnG ALTMAnn

Chefredakteur

VUEberlin ist ein Produkt der Berliner Verlag GmbH, www.vue-berlin.de | Geschäftsführer Michael Braun, Stefan Hilscher | anzeigenleiter Mathias Forkel | anschrift Postfach 02 12 84, 10124 Berlin

anzeigenannahme Tel. (030) 23 27–53 24, vueberlin@berliner-verlag.de | realisation und Produktion Raufeld Medien GmbH, Tel. (030) 69 56 65–0, info@raufeld.de, www.raufeld.de

Chefredaktion Wolfgang Altmann | artdirektion Karoline Gorman-Rigaud | layout Nastasja Schäfer, Adam Sommerfeld | Mode Nele Schrinner

Projektkoordination Arne Gniech, Marcus Jürgens | druck BVZ Berliner Zeitungsdruck GmbH, Am Wasserwerk 11, 10365 Berlin

f

Das

Shirt

aus der

erde

p

www.right-as-rain.com

Klingt makaber. Ist aber wirklich so: Dieses Shirt lag drei Monate

unter der Erde. Designer Francesco Mugnaini möchte damit

eine Ästhetik schaffen, wie sie nur die natur hervorbringen

kann. Der 31-jährige Mailänder kam zusammen mit dem Schotten

Sebastian Runde, der in Umbrien einen Biobauernhof betreibt,

auf die Idee. Sie wollten wissen, ob es natürliche Schönheit

überhaupt gibt. Und wenn ja: Wie sieht sie aus? Also begannen

die beiden, Hemden anzubauen. Zunächst aber musste

ein Material gefunden werden, das mit der Erde korrespondiert.

nach mehreren Tests stellte sich heraus, dass das mit italienischer

naturseide am besten geht. Gefertigt werden die Shirts ganz in der

nähe der Biofarm in Città della Pieve. „Wir hatten nach lokalen

Möglichkeiten gesucht und großes Glück mit dem Atelier“, freut

sich der 41-jährige Runde. Es näht die Leinwand, auf der die natur

ihre Spuren hinterlässt: durch Wurzeln, die daran vorbei wachsen.

oder durch Witterungsverhältnisse. All diese Einflüsse färben das

Shirt einzigartig. Wenn es ausgegraben ist, wird das Rückteil noch

mit einer Stahlplakette versehen. Darauf steht eine Seriennummer,

mit der sich zurückverfolgen lässt, wann das Hemd eingepflanzt

wurde, wie die Wetterlage war. Und wer es letztlich geerntet hat.

05


FASHION WEEK

ÖKOFASHION

d VON ELISA GIANNA GERLACH e

Fünf Plattformen für grüne Mode und

Eco-Lifestyle bieten alles, was das Herz

begehrt – auch für Nichtfachbesucher

Der GreenShowroom präsentiert diesmal seinen

Pop-up-Shop zusammen mit der Ethical

Fashion Show Berlin im E-Werk. Wie in der

letzten Saison bieten dort die Aussteller ihre

Kollektionen aus der Vorsaison an. Neben den

Looks für nächsten Winter kann man hier auch

traditionell gefertigte Handwerksprodukte erstehen

sowie Bioerzeugnisse und ein buntes

Allerlei aus recycelten Materialien. Neu ist die

Kooperation des Shops mit dem Verkaufsportal

Fair-queen.de und dem Berliner Conceptstore

De la Reh. Auch der Lavera Showfloor Berlin

geht wieder ins Rennen und zeigt diesmal ökologisch

zertifizierte Designermode im Kosmos

Berlin. Das Event, das bereits zum siebten Mal

stattfindet, bietet Platz für mehr als 10.000 Zuschauer.

Sponsor Lavera feiert übrigens dieses

Jahr sein 25-jähriges Jubiläum.

Ein Neuzugang in Berlins grüner Messelandschaft

ist die Modeplattform Scoop. Sie präsentiert

junge, internationale Designer mit ökologischem

Hintergrund – mit Shop, Show und

Orderflächen in der alten Reichsbankfiliale

Neukölln. Am Mittwoch steigt eine Auftaktparty

mit einer Kollektiv-Modenschau von allen

Ausstellern. An die Messe angeschlossen ist der

Upcycling Fashion Store, der speziell zur Modewoche

Designer aus Österreich präsentiert.

Labels wie Milch, Steinwidder und Kontiki sind

dort erhältlich. Ein besonderes Plus ist der von

Scoop organisierte Toyota-Shuttle-Service, der

alle Veranstaltungen miteinander verbindet. Und

auch der Eco Showroom ist wieder mit dabei:

Der ökologisch ausgerichtete Conceptstore lädt

zum Networking und Shopping mit Biosnacks

ein. Die neuesten Produkte aus Mode, Beauty

und Lifestyle können dort bestaunt und erstanden

werden.

06

Das Schweizer Label

ACLA interpretiert die

alte Klöppelkunst neu.

Zu sehen auf der Scoop

GREENSHOP & ETHICAL FASHION STORE

E-Werk, Halle C, Wilhelmstraße 43, Mitte, Mi 4. + Do 5.7., 10–20 Uhr & Fr 6.7., 10–18 Uhr

www.green-showroom.net

LAVERA SHOWFLOOR BERLIN

Kosmos Berlin, Karl-Marx-Allee 131a, Friedrichshain, 4.–6.7., Fashionshows um 18, 19:30,

21 und 22:30 Uhr, Freitickets unter tickets@catwalk-enterprises.com

www.showfloor-berlin.com

SCOOP

Ehemalige Reichsbank Neukölln, Ganghoferstraße 2, Neukölln, Mi–Fr 4.–6.7., 14–22 Uhr

& Sa 7.7., 12–18 Uhr, Opening-Event Mi 4.7., 21 Uhr

www.berlin-efect.net

UPCYCLING FASHION STORE

Linienstraße 77, Mitte, 2.–7.7., 11–20 Uhr

www.upcycling-fashion.de

News

ECO SHOWROOM STORE

Almstadtstraße 35, Mitte, Mo–Fr 2.–6.7., 12–18 Uhr & Sa 7.7., 12–16 Uhr

www.ecoshowroom.de

Foto: Marc & Louis Photography | Haare & Make-up: Lilith Amrad (Time)

Model: Eliane Noemi Gisi (Option)

Jean Paul Gaultier

vu par Jean-Paul Goude


Foto: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

FASHION WEEK

capSule ShOw ~

Ohne viel Tamtam hat sich die Messe für Designer-Streetwear in

Berlin etabliert. 2007 wurde sie in Manhattan mit 50 Labels gegründet.

Mittlerweile sind es mehr als doppelt so viele, darunter

Kultmarken wie Wood Wood, Pendleton und Won Hundred. Neben

ihrer Heimatstadt New York, gibt es die Modeplattform auch in

Paris, Las Vegas und zum dritten Mal in Berlin. Sie ist vor allem bei

Stylisten beliebt, die sich dort Inspirationen holen. Aber auch internationale

Einkäufer schätzen deren ausgesuchtes Portfolio.

Spricht für sich – das Artwork der

aktuellen Capsule Show

marc’S Back in TOwn

Nach einem Jahr Abstinenz übernimmt Marc Jacobs wieder

die Schirmherrschaft für den „Designer for Tomorrow“-

Award. Das Ziel, das Peek & Cloppenburg mit seinem Nachwuchspreis

verfolgt, habe ihn überzeugt, heißt es aus der

Düsseldorfer Zentrale. Zusammen mit einer hochkarätigen

Jury hat er aus 350 Bewerbern fünf Finalisten ausgewählt, die

ihre Kollektionen nun auf der

Mercedes-Benz Fashion Week

präsentieren. Der Gewinner

kann sich auf ein nachhaltiges

Förderprogramm freuen.

DESIGNER FOR TOMORROW

BY P&C DÜSSELDORF

(nur mit Einladung)

Mercedes-Benz

Fashion Week,

Straße des 17. Juni,

Mi 4.7., 16.30 Uhr

Marc Jacobs,

wie immer, mit

eingebauter

Klimaanlage

CAPSULE SHOW (für Fachbesucher)

Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8, Friedrichshain, 5.–6.7.

www.capsuleshow.com

News Foto:

08

Vom Brandenburger Tor an die Siegessäule

unTer Der gOlDelSe |

Die Kollektionen der Frühjahr-/Sommersaison 2013 präsentiert die

Mercedes-Benz Fashion Week Berlin diesmal an der Siegessäule.

Mit Spannung erwartet werden folgende Neuzugänge: die Labels

Barre Noire, Marc Philippe Coudeyre sowie die Designer aus Istanbul

Burce Bekrek, Günseli Türkay und Zeynep Erdogan. Ein weiteres

Highlight sind die Schauen der Männermode-Labels Ubi Sunt,

Sopopular und Hannes Kettritz. (E GG)

MERCEDES-BENZ FASHION WEEK BERLIN

Straße des 17. Juni, 4.–7.7.

P&C Düsseldorf


Foto: Premium

FASHION WEEK

Der Denim-Tempel }

Wohin geht die Jeans? Um diese Frage zu beantworten,

hat Bread & Butter-Chef Karl-Heinz

Müller einen Tempel errichten lassen. Er ist

30 Meter breit und ragt 100 Meter ins Rollfeld

hinein. Gezeigt werden neue Kollektionen, Stoffentwicklungen

und Modenschauen. Mit dabei:

7 for all Mankind, AG Adriano Goldschmied

und Denham the Jeanmaker. Aber auch junge

Talente bekommen dort eine Plattform. Außerdem

präsentieren internationale Denimweber

ihre Innovationen in der Stoffherstellung

und -veredelung. „Der Schwerpunkt liegt auf

Waterless-Finish und Laser-Behandlung“, sagt

Karl-Heinz Müller. Wie die funktionieren, dürfte

besonders jene Besucher interessieren, die eine

Alternative zur konventionellen Jeansproduktion

suchen.

BREAD & BUTTER (für Fachbesucher)

Flughafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke 5,

Tempelhof, 4.–6.7.

www.breadandbutter.com

10

Huldigung des blauen Stoffs

NewsFoto: BREAD & butter GmbH

True

Blue

+ Schmuck |

Die Modemesse Premium setzt verstärkt auf Accessoires.

Dafür wurde die Belegung verändert: Halle 2

beherbergt nun die „Accessories Galore“, eine Fläche,

auf der das Hauptaugenmerk auf Schmuck liegt – von

etablierten Marken wie Sabrina Dehoff, Bjørg und

David Aubrey. Aber auch Newcomer sind mit dabei,

wie die Uhren- und Schmuckkollektion von Maripossa.

Halle 4 konzentriert sich auf Taschen und Schuhe.

Ein weiteres Novum ist Halle 7. Unter dem Motto

„7th Heaven“ präsentieren sich Avantgardedesigner

wie Hannes Roether, Unconditional und Sleep is

Commercial.

PREMIUM (für Fachbesucher)

Station Berlin, Luckenwalder Straße 4-6, Kreuzberg, 4.–6.7.

www.premiumexhibitions.com

Das australische Schmucklabel Maripossa gewann vor

anderthalb Jahren den Premium Young Designers Award

Auszeichnung für ihr handgelenk: Zürich heißt die markanteste NOMOS-Uhr, deren Varianten

bereits mehr als ein Dutzend Preise erhielten: etwa den iF, den Good Design, den red dot

design award. Ganz neu kam die Nominierung für den „Preis der Preise“, den Designpreis der

Bundesrepublik Deutschland, hinzu. Mit Glashütter Automatikkaliber, die Uhr fürs Leben.

Für 2960 Euro etwa bei: Augsburg: Bauer & Bauer; Berlin: Christ KaDeWe, Lorenz; Bielefeld: Böckelmann; Bonn: Hild; Bremen: Meyer; Darmstadt: Techel; Dortmund: Rüschenbeck;

Dresden: Leicht; Düsseldorf: Blome; Erfurt: Jasper; Hamburg: Becker; Koblenz: Hofacker; Köln: Berghoff, Kaufhold; Ludwigsburg: Hunke; Lübeck: Mahlberg; München:

Bucherer, Fridrich, Kiefer; Münster: Freisfeld, Oeding-Erdel; Stuttgart: Niessing; Ulm: Scheuble. Und überall bei Wempe. www.nomos-store.com und www.nomos-glashuette.com

zürich


FASHION WEEK

BrighT FeSTival ~

Die 15. Tradeshow für Skatermode lockt 15.000

Fachbesucher in das ehemalige Stasi-Hauptquartier.

Dort präsentieren rund 300 Sneaker- und

Streetwearmarken ihre Kollektionen für nächsten

Sommer. Wie ihre aktuellen Sachen ankommen,

können sie direkt vorm Messegelände

testen. Viele Labels haben dort ihre Stände aufgebaut,

wo sich auch Nichtfachbesucher ausstatten

können. Hauptattraktion ist, wie im letzten Jahr,

der temporäre Skatepark – mit Halfpipe und allem,

was dazugehört. Immer nachmittags findet

dort ein Skateboard-Contest statt. Plus Open-

Air-Konzert und Barbecue am Abend.

SKATEPARK & MARKT

Normannenstraße 19, Lichtenberg, 4.–6.7., ab 12 Uhr,

Eintritt frei

www.brighttradeshow.com

Warme Atmosphäre

im kalten Kraftwerk

12

News

anD The nOmineeS are ...

Bereits zum dritten Mal wiederholt sich der Modewettbewerb „Start

Your Fashion Business“ (SYFB). Die Senatsverwaltung für Wirtschaft

möchte mit ihm junge Talente beim Aufbau eines eigenen Labels

unterstützen. Die drei Finalisten Blaenk, Blame und Sissi Goetze, die

vorher von einer Jury ausgesucht wurden, zeigen ihre Kollektionen. Im

Anschluss daran findet die Preisverleihung statt. (EG G)

START YOUR FASHION BUSINESS AWARD (nur mit Einladung)

Parochialkirche, Klosterstraße 67, Mitte, Fr 6.7., 18:30 Uhr

pre-view |

Die High Fashion-Plattform Show & Order öffnet ihre Tore bereits einen

Tag vor offiziellem Beginn der Modewoche. „Dieser Termin ist eine Antwort

auf die Bedürfnisse des Marktes“, so Projektleiterin Verena Malta.

Nach einem gelungenen Start in der letzten Saison kann sie sich über

40 Prozent internationalen Zuwachs freuen. Unter anderem mit Marken

wie Odd Molly, Lucky Lu und M Missoni.

SHOW & ORDER (für Fachbesucher)

Heizkraftwerk, Köpenicker Straße 59-73, Mitte, 3.–6.7.

www.showandorder.de

Die lustigen Buchstaben tanzen in der ganzen Stadt

... Blame, Sissi Goetze und Blaenk (v.l.n.r)

Foto: Vera Albers

MICHALSKY

URBAN NOMADS

michalsky.com


Foto: Galeries Lafayette

FASHION WEEK

5 Fragen an

vincenT SenecaT ~

(Direktor, Galeries Lafayette Berlin)

Monsieur Senecat, was erwartet uns zur Fashion Week?

Wir sind stolz darauf, dass wir auch in diesem Jahr zusammen

mit der Premium die Gewinner von deren

Young Designers Award feiern. Dafür stellen wir über

einen Zeitraum von vier Wochen eines unserer Schaufenster

zur Verfügung, damit die Nachwuchstalente einen

optimalen Raum für ihre Präsentation haben.

News

14

ZweiTe runDe }

Nach einem erfolgreichen Start im Januar

vermeldet The Gallery Berlin ein Wachstum

an Internationalität und Qualität. Nach

wie vor bilden designorientierte Mode und

Accessoires den Schwerpunkt. Das bestehende

Portfolio wurde durch neue internationale

Labels ergänzt. Darunter Minx, Bitte Kai Rand

und Senatex.

THE GALLERY BERLIN (für Fachbesucher)

Café Moskau, Karl-Marx-Allee 34, Mitte, 4.–6.7.

www.the-gallery-berlin.com

Ein Franzose in Berlin –

Galeries Lafayette-Direktor

Vincent Senecat

Ich habe gehört, dass Sie Ihr Erdgeschoss neu gestalten?

Ja, das stimmt. Die Umstrukturierung ist das größte Projekt

seit 15 Jahren. Wir haben bereits Anfang des Jahres

damit begonnen, und peu à peu wird bis Ende August der

gesamte Bereich komplett umgestaltet.

Warum, Ihr Haus ist doch ohnehin so schön?

Die neue Architektur in hellem, französischem Design

soll unseren Kegel noch stärker in den Mittelpunkt rücken.

Und es soll Platz geschaffen werden für neue Marken.

Wir konzentrieren uns verstärkt auf eine größere

Schuh-, Accessoires- und Schmuckauswahl – von erschwinglich

bis hin zu exklusiven Luxusbrands.

Was gibt es sonst für Neuigkeiten?

Viele Kunden fragen bis heute, wann es wieder eine „La

mode c’est vous“-Modenschau geben wird. Vor zwei

Jahren haben wir dafür einen Teil der Friedrichstraße

gesperrt und einen Catwalk aufgebaut, auf dem sich

200 Kunden mit ihrem eigenen Streetstyle präsentierten.

Wir haben große Lust, etwas Ähnliches erneut zu initiieren.

Wann entscheidet sich das?

Alle Modefans sollten unsere Website verfolgen oder

Facebook-Freunde werden. Darauf wird alles Weitere bekannt

gegeben.

Sommer

Mode

Das Label Azizi ist ein Highlight auf der Modeplattform

Foto: The Gallery Berlin

CONFIDENT, STRONG, ELEGANT

WITH A DOWN-TO-EARTH ATTITUDE.

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green mind

Die

KONSUM-

KRITIKERIN

Ökologische Messen, wie der GreenShowroom und die im Januar gegründete

Ethical Fashion Show Berlin, ziehen ein immer größeres Publikum an.

VUEberlin traf Organisatorin Magdalena Schaffrin (33) in ihrem Kreuzberger Büro

und sprach mit ihr über Bioäpfel, H&M und warum wir alle bald umdenken sollten

VON WOLFGANG ALTMANN

N

ach einem Traineeprogramm bei H&M

war alles klar für sie: Die diplomierte Designerin

wollte die „schwarzen Abgründe“

der Modeindustrie nicht länger unterstützen.

Als Konsequenz gründete sie

ihr eigenes Ökolabel. Und im Sommer

2009 die passende Modeplattform gleich

dazu: den GreenShowroom, der inzwischen

von der Messe Frankfurt übernommen wurde. Nach wie vor

verantwortet sie dessen inhaltliches Konzept. Das macht sie auch für

die Ethical Fashion Show Berlin, die ebenfalls zur Messe Frankfurt

gehört. Mittlerweile hat sie ihr Label zugunsten ihrer Messeaktivitäten

eingestellt. Denn damit erreicht sie ein größeres Publikum.

Frau Schaffrin, warum sollten wir ökologische Mode tragen?

Das sollte jeder versuchen, der selbständig denkt und vernünft ig

ist. Vor allem aus Empathie für die Menschen, die in der Textilindustrie

oft unter schlimmen Bedingungen arbeiten. Konsumiert

man ökologisch, trägt man dazu bei, dass sie anständig bezahlt

werden und man verhilft ihnen zu einem besseren Leben. Ein weiterer

Grund ist der Umweltaspekt.

Sind Ökoklamotten auch gut für einen selbst?

Ja, weil sie schadstoff frei sind. Konventionelle Kleidung hat oft Rückstände

von Insektiziden und anderen schädlichen Chemikalien. Das

ist nicht nur für die Leute, die sie produzieren, ungesund, sondern

kann auch dem Träger Probleme bereiten. Denn diese Stoff e können

Allergien auslösen. Ich zum Beispiel trage kaum konventionelle Stoffe.

Wenn man einmal angefangen hat, die schönen Biomaterialien

auf der Haut zu spüren, möchte man sie nicht mehr missen.

Man fühlt sich wohler darin?

Dazu trägt natürlich auch eine psychologische Komponente bei.

Das Wissen, dass das Kleidungsstück, das man trägt, korrekt hergestellt

wurde.

Verständlich. Bioäpfel schmecken ja auch besser als herkömmliche

...

Ja, genau. Wer einmal angefangen hat, biologisches Essen zu konsumieren,

möchte auch nicht mehr darauf verzichten. So ähnlich

verhält es sich auch mit der Mode. Nur haftet ihr noch immer

dieses Müsli-Image an.

Zu Unrecht?

Ja. Die Zeiten, in denen ökologische Mode handgestrickt war, sind

längst vorbei. Ecowear ist mittlerweile Mode wie jede andere auch.

So wie Bioäpfel heute auch ganz normale Äpfel sind. Früher waren

Bioäpfel verschrumpelt und wurden in kleinen verschachtelten

Bioläden verkauft . Heute gibt es Shops wie die Bio Company, die

hell und ansprechend sind.

Mittlerweile gibt es ja auch in jeder Großstadt grüne Fashion-

Stores, die sehr attraktiv sind.

Wobei ich gar nicht sicher bin, ob grüne Mode in eigenen Stores

verkauft werden muss. Biolebensmittel sind ja auch im Supermarkt

erhältlich. Manche Labels, wie Nudie und Kuyichi, gibt es

in ganz normalen Jeansläden.

Um Begehrlichkeit zu wecken, werben Modelabels gerne mit

Celebritys. Gibt es in der grünen Mode auch prominente Vorbilder?

Die Labels hinken da noch ein bisschen hinterher. Die Einzigen, die

16 17

Foto: Andreas Strauss, Illustration/Montage: Nastasja Schäfer


green mind

mir einfallen, sind die Betreiber des Online-Shops Armed angels, die mit

Cosma Shiva Hagen und Eva Padberg zusammengearbeitet haben. Ich

denke, dass es auch andere Wege gibt, um grüne Mode zu vermarkten.

Und welche?

Ich habe das Gefühl, dass Menschen Qualität wieder mehr zu schätzen

lernen. Sich mit Freunden treff en, gemeinsam kochen und genießen

... Dieses Bewusstsein zieht sich mittlerweile durch alle Lebenslagen.

Und Mode gehört natürlich dazu. Ich fi nde, hier sollte man ansetzen.

Qualität suggerieren aber auch konventionelle Marken.

Ja, das stimmt. Allerdings denke ich, dass Nachhaltigkeit ein neuer

Qualitätsaspekt ist. Konventionelle Marken verkaufen ein Image.

Und Image bedeutet Sicherheit, um von außen besser eingeordnet

werden zu können. Wenn man grüne Mode trägt, ist einem das

Image nicht so wichtig. Dafür braucht man natürlich ein gewisses

Selbstbewusstsein. Habe ich ein geringes, ist es mir vielleicht

wichtiger, große Markennamen zu tragen.

Sind Menschen denn noch immer so markenfixiert?

Ich denke, mittlerweile hat sich das geändert, weil sich auch der Modemarkt

gewandelt hat. Heute gibt es so viele Labels, dass es leichter

geworden ist, sich abseits der Autobahnen zu bewegen. Zudem ist es

inzwischen schick geworden, verschiedene Labels zu mixen.

Die Marken, die auf der Autobahn fahren, stecken oft viel Geld

in ihre Werbebudgets. Geht das auf Kosten der Qualität?

Das liegt auf der Hand. Wenn große Firmen viel Geld in ihre Anzeigenkampagnen

stecken, müssen sie das ja über ihre Kollektionen

reinholen. Und das geht oft auf Kosten derer, die sie produzieren.

Kauft man kleinere Labels, – egal ob ökologisch oder nicht – kann

man davon ausgehen, dass sie mehr in ihre Stoff e und die Produktion

investieren. Viele Marken, die bei uns ausstellen, haben diese

Kalkulation. Deswegen sprechen wir auch von ehrlichen Preisen.

Nicht das Marketing, sondern Material und Produktion sind deren

Kostenfaktoren.

02 Ernte

zu fairen Arbeitsbedingungen

01 Anbau

ohne Pestizide

und Düngemittel

03 Spinnen

separat von

herkömmlichen Fasern

Alles andere ist in Ihren Augen unfair?

Ja, denn die konventionelle Modeindustrie übt ja mit ihrer Preispolitik

einen Wahnsinnsdruck auf die textile Kette aus. Dadurch

wurden diese schrecklichen Zustände in den Billiglohnländern ja

erst hervorgerufen. Für mich sind das die schwarzen Abgründe

der Mode. Es ist doch viel besser, Labels zu unterstützen, die in

ihre Produkte investieren, als die, die das meiste Geld in Werbung

stecken und ihren Gewinn an ihre Aktionäre auszahlen.

Sind die Produkte großer Marken automatisch von schlechter

Qualität?

Natürlich nicht. Es gibt sehr gute Produkte von Weltkonzernen. Was

ich nicht unterstützenswert fi nde, ist billig oder schlecht hergestellte

Mode nur des Namens wegen zu kaufen.

Wie erkennt man ein gutes Produkt?

Ich glaube, jeder Mensch hat ein Gefühl für Qualität. Auch wenn man

kein Fachmann ist, kann doch jeder sehr wohl unterscheiden, ob ein

Kleidungsstück gut gemacht ist oder nicht. Das ist wie mit gutem

Wein. Je länger man probiert, desto stärker schult man seine Sinne.

Und irgendwann schmeckt einem der Wein, den man am Anfang

noch super fand, gar nicht mehr so toll.

Familien mit wenig Einkommen können sich nachhaltige Mode

trotzdem nicht leisten.

Die Preisfrage ist die eine. Die andere ist, wie man sein Konsumverhalten

nachhaltig verändert. Denn man kann durchaus Geld

sparen, wenn man teurer, dafür aber qualitativ hochwertig kauft .

Dabei gibt man manchmal weniger Geld aus, als wenn man viele

billige Teile konsumiert, die schnell kaputtgehen.

Das klingt ein bisschen nach Nachkriegsmentalität: ein Mantel

für ein Leben?

Diese Denke steckt dahinter, aber aus einem anderen Grund:

Nicht aus Mangel, sondern aus der Freude, Gutes zu genießen.

Wenn die breite Masse erst einmal ihr Konsumverhalten verändert

teXtiLe Kette DER öKOLOGISCHE WEG ZUR KLEIDUNG

04 Weben

getrennt von konventioneller

Baumwolle

05 Färben

ohne giftige Chemikalien

06 Zuschnitt & Produktion

zu angemessenen Löhnen

Illustration: Nastasja Schäfer

hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man damit auch den unteren

Massenmarkt erreicht. Ich bin da guter Hoff nung, dass irgendwann

auch die Politik in das Business eingreifen wird.

In welchem Zeitraum etwa?

In den nächsten 20 Jahren vielleicht? Das ist eine gesellschaft liche

Entwicklung, die sich schwer vorhersagen lässt. Die Mode ist als

Spiegel der Gesellschaft so schnell oder langsam, wie sich eben die

Gesellschaft verändert.

DIE ZEITEN,

IN DENEN

ÖKOMODE

HANDGESTRICKT

WAR, SIND

VORBEI

Bis dahin müssten Firmen doch schon längst umgedacht haben.

Eigentlich schon. Auch vor dem Hintergrund, dass die Bevölkerung

immer größer und die Ressourcen immer knapper werden.

Wenn wir in diesen Massen und in dieser Geschwindigkeit

weiter konsumieren, werden unsere Ressourcen bald nicht mehr

reichen. Bisher dachten immer alle: Na ja, die Rohstoff e sind unerschöpfl

ich. Doch jetzt merkt man langsam, dass sie keinesfalls

unbegrenzt sind.

Die Rohstoffpreise sind auf dem Weg nach oben, die steigenden

Baumwollpreise ein großes Thema.

Ja, und je mehr Geld man für die Rohstoffe zahlt, desto mehr

07 Verpacken

mit recyceltem Papier

Wertschöpfung muss man in das Produkt stecken. Das heißt: Dieser

schnelle Wahnsinnskonsum wird bald nicht mehr funktionieren.

Wer relativ früh eine Ökolinie auf den Markt brachte, ist H&M.

Wie ist das zu bewerten?

Wenn H&M das Th ema aufgreift , hat das zwar eine große Bedeutung

für die Produktionsländer. Andererseits verfolgt H&M ein

Geschäft smodell, was ja erst zu diesen Zuständen geführt hat. Und

das ist grundsätzlich fragwürdig. Deswegen ist es für mich schwierig,

da eine klare Position einzunehmen. Mein Wunsch wäre, dass

all diese Konzerne das Th ema Nachhaltigkeit integrieren und über

ihr Geschäft smodell nachdenken. Denn ich glaube nicht, dass dieser

maßlose Konsum von Kleidung langfristig funktioniert.

Kann man aber schon davon ausgehen, dass, wenn H&M Biobaumwolle

ins Etikett schreibt, es dann auch wirklich Biobaumwolle

ist? Wie erkennt man eigentlich Biobaumwolle?

Im Etikett steht, wo und aus welchem Material etwas hergestellt wurde.

Das ist die Visitenkarte eines Kleidungsstücks. Und die gilt für

H&M genauso wie für andere Labels. Wenn also 100% Bio oder Organic

Cotton drin steht, kann man davon ausgehen, dass die Baumwolle

ohne Einsatz von Pestiziden angebaut wurde. Wenn aber das

Kleidungsstück mit GOTS (Global Organic Textile Standard, Anm.

d. Red.) gelabelt ist, kann man sicher sein, dass ökologische Richtlinien

auch in der Weiterverarbeitung der Faser berücksichtigt wurden.

Was sind das für Richtlinien?

Beispielsweise müssen Webstühle, auf denen konventionelle Fasern

verarbeitet werden, komplett ausgefädelt sein, bevor man darauf

Biofasern verarbeiten darf – um Verunreinigungen zu vermeiden.

Auch müssen Biostoff e getrennt gelagert und verschifft werden. Im

Prinzip muss man sich die ganze textile Kette anschauen.

Wann ist ein Produkt 100 Prozent ökologisch?

Wenn die Produktionsschritte nach der Stoffh erstellung auch ökologischen

Grundsätzen folgen. Also das Färben des Stoff s, dessen

09 Lager

Versorgung mit ökostrom

08 Transport

mit niedriger CO 2 -Bilanz

10 Handel

unter umweltfreundlichen

Aspekten

18 19


green mind

Ausrüstung, die Produktion, die fair bezahlt werden sollte. Aber

auch Verpackung, Verkauf und Transport.

Was wäre ein optimaler Transport?

Beim Verschiffen ist der CO 2 -Ausstoß viel geringer, als wenn per

Flugzeug transportiert wird. Im Idealfall lässt man Kleidungsstücke

regional – also dort, wo die Fasern angebaut werden – produzieren.

So dass zwischen den einzelnen Produktionsschritten

keine große Distanz liegt.

GOTS, Fairtrade, Fair Wear Foundation – warum gibt es so

viele unterschiedliche Siegel?

Das hat mit der Geschichte zu tun: In der Vergangenheit haben

sich viele verschiedene Organisationen parallel entwickelt. Fairtrade

kümmert sich zum Beispiel um die gerechte Bezahlung

der Arbeiter, aber nicht um den Bioanbau. Die Fair Wear Foun-

dation begutachtet auch nur die Arbeitsbedingungen in den Produktionsstätten,

während GOTS die ganze textile Kette zertifiziert.

Mittlerweile gibt es aber die Tendenz, dass sich immer mehr

Organisationen zusammenschließen. So ist beispielsweise GOTS

entstanden.

Was das ökologische Bewusstsein betrifft, ist Deutschland sehr

weit vorn. Gibt es auch Länder, die ähnlich fortschrittlich sind?

Das ist schwierig zu sagen (überlegt). Ich glaube, die Deutschen

sind da echt schon sehr weit: Wir sind aufgeklärt über Mülltrennung,

über biologisches Essen und letztlich auch über Mode. Aber

auch in England gibt es eine große Eco-Modeszene. In der Schweiz

zertifizierung DIE öKOLOGISCHEN SIEGEL

Der Global Organic

Textile Standard (GOTS)

gehört zu den strengsten Siegeln in der Branche

und setzt Richtlinien sowohl für kontrolliert biologischen

Anbau von Naturfasern und umweltschonende

Verarbeitung als auch für Sozialstandards

innerhalb der gesamten Produktionskette. Um die Einhaltung zu

garantieren, werden Produzenten von unabhängigen Agenturen

durch Vor-Ort-Audits und Rückstandsuntersuchungen überwacht.

Das EU Ecolabel

wird von der EU an Produkte und Dienstleistungen vergeben,

die im Vergleich zu ähnlichen Produkten geringere

Umweltauswirkungen haben. Das Label kann neben Textilien

auch für Schuhe, Möbel, Farben und Lacke, Bodenbeläge

und Matratzen vergeben werden. In der Gruppe

Textilien wird die Reduktion von Wasserverschmutzung in den Bereichen

Faserherstellung, Spinnen, Weben, Stricken, Bleichen, Färben und Fertigstellung

priorisiert.

20

Die Fair Wear Foundation

ist eine unabhängige Non-Profit-Organisation mit

dem Ziel, die Arbeitsbedingungen besonders in der

Nähindustrie zu verbessern, in der viele schwerwiegende

Arbeitsrechtsverletzungen auftreten. Die FWF

gibt es ebenfalls Akteure. Und in Kopenhagen gab es kürzlich einen

großen Kongress zu diesem Thema.

Ich habe gehört, dass Sie in Estland als Botschafterin für nachhaltige

Mode unterwegs waren. Wie war das?

Das Goethe-Institut Tallinn hatte die Idee, seine jährliche interkulturelle

Veranstaltung unter das Motto Nachhaltigkeit zu stellen

– mit einem Verkaufsevent, einer Modenschau und Seminaren.

Ich habe als Kuratorin einige deutsche Labels ausgesucht, die sich

zusammen mit estnischen Modemachern präsentiert haben.

Wie fanden Sie die estnische Mode?

Besonders toll fand ich einen Designer – er heißt Karl Annus –, der

Brillen aus Holz nach Maß anfertigt. Ich finde es generell spannend,

dass Estland das Thema Nachhaltigkeit als Zukunftsthema aufgenommen

hat.

Was muss geschehen, damit ökologische Mode noch ein stärkeres

Zukunftsthema wird?

Die Mode müsste vom Design her noch anspruchsvoller werden,

so dass man sie länger als nur eine Saison tragen kann. Wichtig wäre

auch, dass die Sachen umweltfreundlich in der Pflege sind. Also dass

man sie bei niedrigen Temperaturen waschen kann. Und, was bisher

noch kaum bedacht wurde, dass man sie umweltgerecht entsorgen

kann. Die einzige Firma, die das derzeit macht, ist Trigema mit ihrer

Change-Kollektion. Ihre T-Shirts sind 100 Prozent biologisch

abbaubar und können der Natur ohne Rückstände zurückgeführt

werden. Aber da kommt in Zukunft noch mehr auf den Markt.

bietet eine Plattform für verschiedene Akteure, die an der Textilherstellung

beteiligt sind. Die Richtlinien für Arbeitsrecht von FWF basieren

auf ILO-Standards, wie Koalitionsfreiheit, Mindestlöhne und

Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit.

Das Fairtrade-Zertifikat

garantiert Mindestpreise für Baumwollproduzenten

und langfristige Handelsbeziehungen. TransFair,

ein Verein, der mit Fairtrade kooperiert, unterstützt

mit dem Siegel besonders Kleinbauern, aber auch

Spinnereien und Webereien und trägt zu einer deutlichen

Verbesserung deren Lebens- und Arbeitsbedingungen bei. Das

Fairtrade-Certified-Cotton-Siegel ist ein reines Sozial-Zertifikat, unterstützt

den Bioanbau, kann aber nicht mit Bio gleichgesetzt werden.

Der Bluesign Standard

ist ein Umweltlabel für Textilprodukte und

umfasst die fünf Hauptprinzipien Verbrauchersicherheit,

Luft- und Gewässeremission,

Arbeitsschutz und Ressourcenproduktivität. Dabei wird besonders

auf die Produktions- und Arbeitsabläufe in der Textilveredelung geachtet.

Im Vergleich zu anderen Labels werden auch Chemie- und

nicht nur Naturfasern zertifiziert. Damit ist Bluesign eines der wenigen

Zertifikate, die auch in der Street- und Sportswearbranche

verbreitet sind.


apokalyp s e

Laut Mayakalender ist am

21. Dezember Zapfenstreich.

Die Designer haben dafür

die passenden Outfits kreiert.

Falls nicht, kann man sie

auch an Silvester tragen

kavIar gauche

Moderedaktion: Nele Schrinner

Fotos: Biliana De Giglio, Kai Jakob, Dan & Corina Lecca, Mercedes-

Benz Fashion Week Berlin (3), Max Merz

dawId toMaszewskI

MalaIkaraIss

elIn eng

von BardonItz

Blacky dress

augustIn teBoul

lever couture

guIdo MarIa kretschMer

Issever BahrI

Mongrels In coMMon

reBekka ruétz

vladIMIr karaleev

guIdo MarIa kretschMer

IrIna schrotter

hugo By hugo Boss


Green Denim

Jeans

die Produktion von denim ist alles andere als eine saubere angelegenheit.

doch auch in dieser Branche gibt es Pioniere, die für ein umdenken

sorgen – damit liegen sie voll im trend

Foto: k.o.i.

d von Wolfgang altmann e

oben ich bin ein Öko

Links k.o.i.-Jeans sind aus recyceltem denim gefertigt

Foto: kuyichi

Levi Strauss patentierte 1873 seine arbeiterhosen

aus indigogefärbter Baumwolle. Heute sind sie ein

massenprodukt. Um bei der Baumwollernte einen

möglichst großen Ertrag zu erzielen, sind Düngemittel

und Pestizide beim konventionellen anbau

üblich. Rund 20 Prozent des global verstreuten

gifts landen auf den feldern in den Hauptanbaugebieten

China, Indien und USa. nur ein winziger

Bruchteil der weltweiten Baumwollproduktion, nämlich 0,1

Prozent, stammt aus biologischem anbau. Einer, der bereits vor

zwölf Jahren damit begonnen hat, Denim aus Biobaumwolle zu

verwenden, ist der niederländer tony tonnaer. Zusammen mit

der holländischen Entwicklungshilfeorganisation Solidaridad

gründete er 2000 das label Kuyichi, das bis heute an seinen ökologischen

grundsätzen festhält. Damals startete auch die Schwedin

maria Erixon mit Nudie Jeans. anfangs bot sie nur eine kleine

auflage an organic Denim an. In der kommenden Winterkollektion

hat sie nun ihr angebot komplett auf öko umgestellt.

Der Erfolg gibt beiden Jeansmarken recht: Kuyichi und nudie

Jeans sind heute die beliebtesten Ökobrands in der Denimbranche.

tonnaer, der Kuyichi 2010 verlassen hat, gründete indes sein

eigenes label, mit dem er noch einen Schritt weiter geht. für seine

Jeanslinie K.O.I. Kings of Indigo benutzt er recycelten Denim, den

er aus abfällen aus der Jeansproduktion gewinnt. „Der anbau von

Biobaumwolle ist längerfristig keine lösung“, findet er, „weil man

dafür zu viel Wasser und Bodenfläche verbraucht.“ So kam er auf

die Idee, Stoffreste aufzutrennen und aus den gewonnenen fasern

neuen Denim zu weben.

Doch nicht nur der konventionelle Baumwollanbau belastet

mensch und Umwelt, auch die Weiterverarbeitung von Jeans, weil

sie eine Unmenge Wasser verbraucht. „Um eine Jeans industriell

zu waschen, benötigt man 150 liter“, weiß der franzose françois

girbaud, der das Stonewash-verfahren 1977 entwickelt hat.

Bei dieser Waschung sorgen Bimssteine in der trommel für eine

verblasste oberfläche. Um einen modischen Used-look zu erzielen,

– heute bei fast allen marken Standard – bedarf es härterer

Bandagen: Den gewünschten verschleißeffekt erzeugen Sandkörner,

die mit hohem Druck auf die Hosen abgefeuert werden. Ein

gefährliches Spiel, das trotz verbots in vielen ländern Praxis ist.

Denn der Staub, der dabei entsteht, kann die atemwege schädigen.

„Dass arbeiter an einer Staublunge sterben, kann ich nicht verantworten“,

sagt Selma Yasdut vom Jeanslabel Sey aus dem hessischen

Hainburg. anstelle von Used-look setzt sie auf Passform. für ihre

Jeans verwendet sie ausschließlich Denim aus unbehandelter Biobaumwolle.

„Sie ist besonders weich, weil sie im gegensatz zum

konventionellen anbau nur aus ausgereiften fasern gesponnen

wird“, sagt sie. Und das spüre man auch auf der Haut. Doch es

gibt auch alternativen zum Sandstrahlverfahren. Zum Beispiel die

Wattwash-methode, die Girbaud 1996 erfunden hat. Bei ihr entsteht

der abgewetzte look mithilfe von licht und laser bei einem

Wasserverbrauch von nur fünf litern pro Hose. Eine andere möglichkeit

ist die ozontechnologie, die das französische Jeanslabel

Le Temps Des Cerises letztes Jahr vorgestellt hat. girbauds vorbild

machte Schule: auch Levi’s hat nun seinen Wasserverbrauch bei

seiner Waterless-linie gesenkt – um 25 Prozent. Dem Erfinder

levi Strauss hätte das sicher gefallen.

oben saubere optik trotz weniger wasser

unten mit sey Jeans ist man mit gutem Gewissen sexy

Nicht Nur der

koNveNtioNelle

BaumwollaNBau

Belastet meNsch

uNd umwelt

24 25

Foto: levi's

Foto: sey Jeans

Foto: levi's


o

time

Revolution

p

Fotograf Lukasz Wolejko-Wolejszo

Produktion Nele Schrinner

Der grüne Lifestyle erobert die Kleiderschränke.

Die Bio-Bohème von morgen konsumiert

modisch und ökologisch

lena STRICKJACKE MARKUS LUPFER BLUSE MONGRELS IN COMMON ROCK PERRET SCHAAD STIEFELETTEN SANTONI

kara HEMD RAPHAEL HAUBER HOSE SISSI GOETZE GÜRTEL ROYAL BLUSH SCHUHE SANTONI


kara JACKE SISSI GOETZE LONGSLEEVE JULIAN ZIGERLI GÜRTEL RAPHAEL HAUBER HOSE DANIEL KROH

lena STRICKJACKE MALAIKARAISS BLUSE MICHALSKY ROCK MICHAEL SONTAG ARMBAND ROYAL BLUSH

kara STRICKJACKE MOODS OF NORWAY HEMD ALUC HOSE RAPHAEL HAUBER

lena JACKE LAURèL BLUSE MARKUS LUPFER


lena JACKE ISABELL DE HILLERIN TOP PERRET SCHAAD ROCK ALMA & LOVIS

kara PULLOVER JULIAANDBEN T-SHIRT SCHMIDTTAKAHASHI


lena PULLOVER & HOSE LALA BERLIN BLUSE STUDIO ECOCENTRIC SCHUHE CAMPER TOGETHER WITH VERONIQUE BRANQUINHO

lena KLEID HUGO BY HUGO BOSS PULLOVER MINT & BERRY STIEFEL ZIGN ARMBAND GLOWYBOX

kara JACKE SISSI GOETZE LONGSLEEVE JULIAN ZIGERLI GÜRTEL RAPHAEL HAUBER HOSE DANIEL KROH SOCKEN FALKE SCHUHE CAMPER TOGETHER WITH ROMAIN KREMER


Fotograf: Lukasz Wolejko-Wolejszo, wolejko-wolejszo.com

Produktion & Styling: Nele Schrinner, neleschrinner.com

Haare & Make-up: Sarah Marx, sarahmarx.com

Models: Lena @ Model Management, model-management.de & Kara @ M4 Models, m4models.de

lena MANTEL MARTIN NIKLAS WIESER TOP ISSEVER BAHRI ROCK BLAME

kara JACKE DANIEL KROH HOSE MICHALSKY


hauptstadt style

Nicht öko, aber trotzdem nachhaltig – Leyla

Piedayesh mischt mit ihrer Mode seit der ersten

Mercedes-Benz Fashion Week mit. Wir haben sie in

ihrem Atelier in Mitte besucht und festgestellt, dass

sich hinter dem coolen Label eine ebenso coole

Person verbirgt

36

d VoN WoLFGANG ALTMANN e

Lalala

Berlin

Leyla Piedayesh empfängt mich in ihrem Büro. Nebenan

im Atelier arbeiten Praktikantinnen an ihrer

Sommerkollektion. Die Lala Berlin-Designerin sitzt

an einem weißen Holztisch mit Laptop und Bergen

von Unterlagen. Zackig begrüßt sie mich mit einem

„Willkommen im kreativen Chaos.“ Das riesige

Schwarz-Weiß-Bild hinter ihr an der Wand zeigt Rainer

Werner Fassbinder, der grimmig auf uns herunterschaut.

Wie immer trägt Leyla Lala: dunkle Röhre mit Leoparden-

Print, eine schwarz-weiß gemusterte Bluse, darüber eine halblange

Strickjacke. Wir plaudern ein wenig über begabte Designabsolventen.

Und warum Männer in der Mode meistens schwul sind. Dann

springt sie auf und bringt Pralinen an den Tisch, von denen sie mir

verheißungsvoll welche anbietet. Mmh, köstlich.

In die Hauptstadt kam sie vor zehn Jahren, um als Redakteurin

für MTV zu arbeiten. Für die Doku-Reihe „MTV Masters“ interviewte

sie sämtliche Stars. „Außer Madonna habe ich alle getroffen“,

erzählt sie. Nachdem sie dort aufgehört hatte, begann sie aus

Langeweile zu stricken: Pulswärmer, Mützen, Schals, die sie 2004

auf der Modemesse Premium zeigte. Damit legte sie den Grundstein

ihrer Designkarriere. „Im Nachhinein war alles, was ich gemacht

habe, perfekt“, resümiert die gebürtige Iranerin und schiebt

sich genüsslich eine Praline nach der anderen in den Mund. Nach

Deutschland kam sie als kleines Mädchen. „Ich bin ein Produkt

dessen, wo ich gelebt habe“, sagt sie. Das fleißig Emsige habe sie

von hier. Das Schwermütige, Impulsive seien ihre persischen Eigenschaften.

Leyla redet nicht gern um den heißen Brei. Auch

beim Thema Nachhaltigkeit kommt sie schnell auf den Punkt. „Ich

habe jetzt aufgehört, mit Kaschmir zu arbeiten“, sagt sie, weil sie

Foto: Michael Mann

links Impulsiv und schwermütig –

die gebürtige Iranerin ist beides

rechts Nicht nur Strick – in der

kommenden Winterkollektion gibt

es auch konfektionierte Teile

nicht glaube, dass das alles echter Kaschmir sei, der heute zu diesen

günstigen Preisen angeboten wird. „Es fehlt nur noch, dass

Kik jetzt auch eine Kaschmir-Linie herausbringt – für 1,99 im

Doppelpack“, empört sie sich. Von einer Billigproduktion wie dieser

ist Leyla weit entfernt. Den Großteil ihrer Kollektion lässt sie

in Deutschland fertigen. „Warum die Kohle woanders verstreuen,

wenn man sie auch zu Hause ausgeben kann?“, sagt sie und lacht.

2005 gründete sie offiziell ihr Label. Sie verdreht die Augen bei der

Frage, wie sie zu ihrem Markennamen kam. „Lala, weil das mein

Spitzname ist. Und Berlin, weil eben Berlin.“ Später kommt sie

doch noch richtig ins Schwärmen: „Ich liebe Berlin“, sagt sie. „Es

ist die einzige Stadt auf der Welt, in der ich leben will.“ Ihre Affinität

zur Hauptstadt sieht man ihrer Mode an. Sie ist wie Berlin:

hip, cool, lässig ... Mit einer urbanen Eleganz, die sowohl auf der

Straße als auch im Geschäftsleben funktioniert. Im Sommer 2007

betrat sie damit das erste Mal die Modebühne – auf der ersten

Mercedes-Benz Fashion Week – und spielte gleich ihren besten

Trumpf aus: Strick mit grafischen Mustern in allen Varianten. Das

ist nach wie vor ihr Markenzeichen, obwohl sich ihr Label längst

zu einer Gesamtkollektion entwickelt hat. Leylas Mode verleiht

ihrer Trägerin Präsenz. Das wissen auch Stars wie Kate Moss, Jessica

Alba und Cameron Diaz zu schätzen. „Und Rachel Bilson“,

betont sie. „Das war die Letzte, die mich gewundert hat.“ Wieso

gewundert? „Na ja, die lief da auf einmal im Park mit unserem

Tuch herum. Da habe ich mich schon gefragt, wo sie das herhat.“

Vermutlich hat sie das aus dem Calypso Store, einem der angesagtesten

Läden auf dem Sunset Boulevard. Bei weltweit 250 Shops,

in denen sie heute ihre Mode verkauft, kann man schon mal den

Überblick verlieren. An welche Stars sie sich aus ihrer Zeit bei

MTV noch erinnern kann, möchte ich zum Abschied wissen: „Im

Gedächtnis blieben mir nur Sade und Billy Corgan, der Sänger

von den Smashing Pumpkins. Die restlichen waren hohl.“

Fotos: Dan & Corina Lecca (Prag PR)

37


eco Fashion

go

Von wegen, Ökomode sieht aus wie sack und Asche. Vueberlin hat sich auf den Berliner

modemessen umgeschaut und sich vom gegenteil überzeugt. hier kommen unsere favoriten

tWiStEd talEntS }

gegründet 2010 in Berlin

designduo miCAelA BernhArdt & Arlen sChAel

Ökologisches Bewusstsein und Spaß? Dass das kein

Widerspruch ist, beweisen die beiden Talente mit

ihrer T-Shirt-Kollektion. Für ihre Motto-Shirts, die

sie in Berlin per Siebdruck produzieren, verwenden

sie ausschließlich Biobaumwolle. Darauf stehen

dann weniger ernst gemeinte Slogans. Zum Beispiel

„Something twisted“, „Sometimes you have to express

yourself “ oder „Pay me with Diamonds“.

38

foto: Jeremias urban

green

annE GoRKE |

gegründet 2010 in weimAr

designerin Anne gOrKe

Die Stadt Weimar übt einen besonderen Einfluss auf ihre

Arbeit aus. Der Geist des Bauhauses, der dort immer

noch spürbar ist, spiegelt sich auch in ihrer Frauenkollektion

wider. Ihre Zwanzigerjahre-Ästhetik spricht eine

klare Formsprache und überzeugt durch zurückhaltende

Eleganz. Den modernen Twist bringen ökologische

Stoffe, die sie sorgsam auswählt: Für den Winter kommen

cremeweißer Seidensatin und zinnoberroter Baumwollsatin

zum Einsatz. Die Verarbeitung erfolgt vollständig

in Deutschland.

kk

mEliSSa

gegründet 1979 in riO de JAneirO, BrAsilien

verschiedene designer

Als das Unternehmen gegründet wurde,

war Plastik nicht besonders umweltfreundlich.

Heute gibt es leicht abbaubare, recyclefähige

Kunststoffe wie Melflex, der Stoff aus dem

Melissa-Schuhe sind. Die Weichheit und

Formbarkeit des Materials schätzen auch

internationale Gastdesigner, die bereits

für das Label entworfen haben.

Zuletzt kreierten Gareth Pugh und

Vivienne Westwood exzentrische

Modelle für Melissa.

gegründet 2009 in Berlin

designer dAVide grAziOli

PLaSTe

&

eLaSTe

atEliER aWaSh |

Bereits als Künstler setzte er sich mit der Umweltproblematik

auseinander. In Mailand geboren, hatte er aber

auch schon immer einen Bezug zur Mode. Als er sein

Männerlabel startete, – damals noch unter dem Namen

Banuq – arbeitete er im Rahmen eines Hilfsprojekts

mit fairen Produktionsstätten in Äthiopien zusammen.

Heute lässt er in der Toskana produzieren, wo alles nach

ökologischen Richtlinien erfolgt: von der Stoffherstellung

über das Färben bis hin zur Produktion.

39


eco Fashion

Studio EcocEntRic ~

gegründet 2009 in Berlin

designerin KAtrin Kummer

Sobald sie ihren Kleiderschrank öffnet, blickt

sie in die Vergangenheit: Weite Röcke aus den

Fünfzigern hängen darin, Varianten des kleinen

Schwarzen, 30er-Jahre-Blusen und elegante Morgenmäntel.

Diese Perlen interpretiert sie neu und

gibt ihnen einen besonderen Vintage-Touch mit

alten Knöpfen und Schnallen. Ihre zeitlosen Entwürfe

aus Biostoffen aus der Schweiz sind Lieblingsstücke,

die man länger trägt als eine Saison.

Royal BluSh }

gegründet 2006 in Birsfelden, sChweiz

designerin JAnA Keller

Inspiriert von der Schweizer Bergwelt, entwirft

die Designerin Stücke, mit der sie die Wanderlust

wecken möchte. Etwa mit Knotenschmuck, der

an Kletterausrüstungen erinnert, oder mit edlen

multifunktionalen Taschen. Dafür verwendet sie

italienisches Leder, das nicht mit Chemikalien,

sondern mit einer Geheimrezeptur aus Rinde

und Wurzeln gegerbt wird. Zudem verarbeitet sie

das aus Lachshaut gewonnene Nanaileder.

k

40

foto: mercedes-Benz fashion week Berlin

Rita in Palma }

gegründet 2010 in Berlin

designduo Ann-KAthrin CArstensen & AnA nuriA sChmidt

Diese filigranen Krägen häkeln nicht etwa die Designerinnen

selbst. Sie beauftragen türkische Frauen in Berlin damit, die

sie nach traditioneller „Igne Oyasi“-Technik fertigen. Dabei

knüpfen sie mit Nähnadeln winzige Schlaufen, die aussehen

wie Spitze. In türkischen Familien wird diese Handwerkskunst

meist von Mutter zu Tochter weitergegeben. Diese Tradition

hat nun das Duo für seine avantgardistischen Entwürfe entdeckt.

Auch mit der Absicht, den interkulturellen Austausch zu

fördern. Eine Idee, die bei beiden Seiten Anklang fand.

Go

foto: ellin Anderegg i haare & make-up: nadia smug i models: helena (Option) & Corinna (scout)

green

dEEPmEllo ~

gegründet 2010 in BernBurg

verschiedene designer

Drei Wissenschaftler schlossen sich zusammen, um eine

Alternative zur konventionellen Ledergerbung zu finden

– ohne Chrom, Schwermetalle oder andere Schadstoffe.

Ihre Lösung: die Kraft der Rhabarberwurzel.

Durch ihren natürlichen Extrakt, der 100% biologisch

abbaubar ist, kann Leder vegetabil gegerbt werden. Es

ist die Basis für ihre avantgardistische Kollektion aus

raffinierten Lederjacken, -kleidern und Accessoires.

umaSan }

gegründet 2009 in Berlin

designduo AnJA & sAndrA umAnn

Die Zwillinge kommen in ihren Kollektionen ganz ohne

tierische Stoffe aus: Wolle, Kaschmir, Leder, Pelz – all

das ist tabu. Stattdessen verwenden sie ökologische

Baumwolle, Modal- und Proteinfasern. Überhaupt

lehnen sie den Modezirkus ab: Statt Farbexplosion und

Dekoration setzen sie auf zurückhaltende Eleganz.

Diesen Stil teilen sie mit Yohji Yamamoto, bei dem Anja

Umann vorher als Designerin tätig war.

foto: sandra umann

100%

vegan

41


eco Fashion

foto: daniela glunz

NATUR-

gegeRBT

foto: Amos fricke

alinaSchuERFEld |

gegründet 2009 in hAmBurg

designerin AlinA sChÜrfeld

Mit Männerschuhen hat sie angefangen. Mittlerweile stellt

sie auch Frauenschuhe und Taschen her. Eine klare Linie und

die Kombination aus Zeitgeist und Zeitlosigkeit zeichnen ihre

Kollektion aus. Darin setzt sie auf Material-Mix aus Glattleder,

Rautensteppung und organischen Oberfl ächen. Für sie

kommen nur zertifi ziertes Lachsleder und vegetabil gegerbtes

Nappa- und Nubukleder in Frage. Produziert wird in

Italien. Dort, wo man noch die alte Handwerkskunst versteht.

Das Besondere: Die Machart „Blake“ wird nicht

nur bei Männermodellen verwendet, sondern auch

bei fl achen Dandy-Schnürern für Frauen.

BaGJacK ~

gegründet 1997 in Berlin

designer Peter BrunsBerg

Fahrradkuriere schwören auf das patentierte 3-Punkt-Gurtsystem.

Damit können sie in die Tasche greifen, ohne sie abnehmen

zu müssen. Ein weiterer Pluspunkt ist ihre Lebensdauer.

Gefertigt aus festem Nylon, sind die Messenger Bags

praktisch unverwüstlich. Produziert werden sie in Berlin,

wo der Zuschnitt nach einem besonders sparsamen Prinzip

erfolgt: 95 Prozent des Materials wird dabei ausgenutzt.

iSaBEll dE hillERin |

gegründet 2009 in Berlin

designerin isABell de hillerin

Die Designerin hat eine Mission. Sie möchte die Textiltradition

Rumäniens bewahren und bezieht von dort handgewebte

Stoff e, weil sie sonst kaum mehr hergestellt werden. Auch

lässt sie ihre Kollektion in Rumänien fertigen. Ihre Liebe zum

Land sieht man an ihrer Mode, die mit folkloristischen Elementen

spielt. Ein gelungener Brückenschlag zwischen traditioneller

Handwerkskunst und zeitgemäßem Design.

foto: Bagjack redline messenger

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FASHION WEEK FÜR ALLE

44

Mode FÜR

DIE Massen

Wenn Berlin zur Fashion Week im Modefieber ist, sind es hauptsächlich

Fachbesucher, die sich in der Hauptstadt tummeln. Doch es gibt auch Veranstaltungen,

die für alle zugänglich sind. Unsere Autorin Elisa Gianna Gerlach hat sich auf

der letzten Modewoche im Januar umgesehen

VON ELISA GIANNA GERLACH

ILLUSTRATION MICHI SCHNAUS

Bereits am Dienstag vor dem o ziellen Startschuss

läutet die Projektgalerie die Fashion Week ein. Diese

Messe setzt sich im Kulturzentrum HBC, einem

großen Glasbunker in der Karl-Liebknecht-Straße,

mit viel Berlin-Style-Appeal in Szene. Im ersten

Stock stellen Jungdesigner ihre avantgardistische Verkaufsware

vor nackten weißen Wänden aus. Ein langer Mantel von Franzius

hängt neben weiten asymmetrischen Kleidern. Schwarze

Lederschuhe stapeln sich in Boxen auf dem Betonboden. Beim

Blick auf die Preisschilder kommt einem unweigerlich der Gedanke,

dass so viel Bargeld gar nicht ins Portemonnaie passt. Unter

dem Postulat des Verscherbelns müsste man doch so einiges

hinblättern für die vermeintlichen Designerschnäppchen. Ich

nehme stattdessen ein paar Flyer mit,

die die Designer ausgelegt haben. „Was

kostet denn diese Tasche?“, fragt mich

eine Unbekannte. Ganz o ensichtlich

kommt es zu Verwechslungen, wer hier

Verkäuferin ist und wer modeinteressiert.

Trotz der überschaubaren Räumlichkeiten

verirrt man sich leicht, was

an den unnatürlichen Lichtverhältnissen

und der originellen Raumaufteilung

liegt. Macht nix: Die Party, die

um 21 Uhr beginnt, werde ich garantiert

nden. „Echte Supermodels und

Berliner Szenegänger haben sich angekündigt“,

schwärmt der Veranstalter

am Treppenabsatz. Schon zwei Stunden

vorher nden sich die ersten Gäste ein.

Es verspricht voll zu werden. Eine gute

Möglichkeit also, um neue Kontakte zu knüpfen. Für Unwissende

wäre jetzt ein Who-is-Who-Fashion-Guide von Vorteil, um

die wirklich wichtigen Leute von den Nobodys zu unterscheiden.

Am nächsten Tag beginnt meine Tour im Hotel Adlon. Es

ist 11 Uhr, als ich mich durch die Drehtür schwinge. Die sanfte

Klaviermusik bringt mich gleich in eine entspannte Stimmung.

Im ersten Stockwerk breitet sich der GreenShowroom

für nachhaltige Designermode auf mehrere Zimmer aus. Im

GreenShop nebenan bieten ausstellende Designer Kollektionen

aus der Vorsaison an. Auf großen Tischen liegen gehäkelte

Krägen von Rita in Palma und Ledertäschchen aus gegerbter

Fischhaut. Entlang der Wände reihen sich auf Kleiderständern

Baumwolljacketts, Seidenblusen und schöne Wollcardigans in

schlichten Farben aneinander. Ein wahres Shopping eber bricht

hier nicht aus. Vermutlich, weil sich eine Anprobe als schwierig

erweist: Wohin nur mit den eigenen Habseligkeiten bei null Ablage

äche und ohne Umkleidekabine? Ein absoluter Pluspunkt

ist dafür die Verp egung mit Heiß- und Kaltgetränken im Foyer:

Der Løv Organic Tea in vielen Geschmacksrichtungen und

in Bioqualität sorgt für ein rundum innerliches und äußerliches

Green-Feeling.

Perfekt auf die Eco-Welle eingestimmt, geht es weiter

zur Ethical Fashion Show Berlin, einer Messe für nachhaltige

Street- und Casualwear. Austragungsort ist die beliebte

E-Werk-Event-Location. In die Halle rechts dürfen nur Fachbesucher

rein, der Pop-up-Shop links mit dem Namen Changing

„WAS KOSTET

DENN DIESE

TASCHE?“,

FRAGT MICH EINE

UNBEKANNTE.

HIER GEHT'S ZU

WIE AUF EINEM

BASAR

Room ist für alle zugänglich. Dieser lockt mit Fairtrade-Produkten

wie Ka ee oder Schokolade, kleinen Handarbeiten und Nippes

aus Entwicklungsländern sowie mit ökologischem Allerlei für

den Haushalt aus Übersee. Kleidung gibt es auch: weiße T-Shirts

aus Biostoffen und leichte Strickwaren aus Einzelanfertigung.

Eine ausgesprochen hilfsbereite Studentin von der Modeschule

Esmod zeigt mir die kuriosesten Produkte. Wirklich liebenswert,

jetzt bringt sie mir auch noch den Geheimtipp: einen Kakao mit

Nussgeschmack aus der Metalldose. Lecker. Auf der Suche nach

kleinen Geschenkideen für die Liebsten würde man hier sicherlich

fündig werden. Am Ausgang entdecke ich noch einen Stand, an

dem der Produktionsprozess von „LemonAid“-Limonade vorgeführt

wird: zwei Zitronen auspressen, ein Esslö el Zucker dazu,

mit Soda aufgießen – fertig ist die öko-

logische Erfrischung.

Um meinen umweltbewussten Tag

abzurunden, besuche ich am Abend

den Lavera Showfloor. Die von der

gleichnamigen Naturkosmetikfirma

unterstützte Plattform bietet Catwalk-

Impressionen für Branchenfremde im

Energieforum am Stralauer Platz. Vier

Fashionshows von nachhaltigen Designern

finden dort täglich statt. Per

E-Mail kann man sich Freitickets reservieren.

Ich gebe meinen Mantel an der

Garderobe ab und bekomme dafür ein

silberfarbenes Überraschungsbeutelchen

mit Selbstbräuner, Mascara und

Lippenbalsam vom Sponsor Lavera.

Das modeinteressierte Publikum sitzt

auf Treppen seitlich des weißen Laufstegs. Getränke gibt es an

der Bar nebenan, dazu Biostudentenfutter aus Bechern auf den

Bistrotischen. „Dies ist unsere neue Produktpalette“, o eriert eine

Dame vom Lavera-Stand. „Den goldenen Eyeshadow haben wir

als Make-up für die Models in der nächsten Show verwendet.“

Beim Slow Fashion Award, der heute Abend vergeben wird, zeigen

unterschiedliche Designer Mode zum ema Nacht- und Bettwäsche.

Das Publikum ist begeistert von den Pyjamakreationen im

Patchworkstil, den Nachthemden aus recycelten Altkleidern und

den weichen Bettbezügen aus reiner Biobaumwolle.

Als letzte Station für heute peile ich den Voo Store an. Spitzenklasse,

der Toyota-Shuttle-Service mit Hybridtechnologie

bringt mich direkt nach Kreuzberg in die Oranienstraße. Dort

präsentiert das Label Reality Studio seine Wintermode, die unter

dem orientalischen Motto „Ali“ steht. Das passt wie die Faust

aufs Auge, denn hier geht es zu wie auf einem Basar. In einem

nüchternen Innenhof liegt der Conceptstore, dessen Eingangstür

sich vor lauter Leuten kaum ö nen lässt. Zu viele Besucher hatten

anscheinend von diesem Event Wind bekommen. Entlang der Betonwand

laufen die Models auf und ab. Ich sehe leider überhaupt

nichts. Tröstlich, dass es 95 Prozent der Besucher ebenso ergeht.

Dank des Gedränges lande ich beim Büfett mit Falafel, Fladenbrot

und Hummus, das leider schon stark abgegrast ist. „Das Highlight

der Kollektion ist das Tunikakleid aus Seide im Perserteppich-

Stil“, erzählt die PR-Managerin. Das Event scheint wirklich das

coolste gewesen zu sein!

45


Fashion Week Für alle

WEDDING

Degewo-Vorstand Frank Bielka über sein

Modefestival und wie er damit das

Brunnenviertel nachhaltig verändert hat

Eingebettet in ein buntes Rahmenprogramm aus Modenschauen

und Konzerten, präsentieren sich rund 150 Jungdesigner beim

siebten Weddinger Fashion-Spektakel. Veranstalter ist die Degewo,

mit rund 72.000 Objekten Berlins größte Wohnungs gesellschaft.

Auch am Austragungsort, dem Brunnenviertel, gehören ihr rund

80 Prozent des Mietbestands. Eine Ecke, die vor

ein paar Jahren noch als miese Adresse galt. Doch

mittlerweile hat sich das geändert.

Herr Bielka, wie kamen Sie auf die Idee, ein

Modefestival zu initiieren?

Auslöser war eine Umfrage bei den Bewohnern

im Brunnenviertel 2004. Dabei kam heraus, dass

viele das schlechte Image des Quartiers beklagten.

Einige dachten sogar darüber nach, von dort

wegzuziehen.

Es war eine Provokation! Aber die Rechnung ging auf: Über einen

Modewettbewerb – unser ursprüngliches Konzept – konnten wir

Designstudenten, denen wir kostenlos Ateliers zur Verfügung gestellt

hatten, an das Viertel binden. Sie brachten frischen Wind.

Ist für Sie die Unterstützung junger Kreativer reine Imagesache?

Gründer als Gewerbetreibende zu gewinnen – das machen wir schon

lange. Das liegt bei uns in der DNA. Nur das Thema Mode war neu.

Hat sich Ihre Investition gelohnt?

Auf jeden Fall. Seitdem Wedding Dress eine Publikumsveranstaltung

ist, interessieren sich immer mehr junge Kreative für die leer

stehenden Ladenlokale. Heute herrscht dort fast schon wieder eine

normale Nachfrage. Das geht sogar soweit, dass wir während des

Wedding Dress unseren Hauptveranstaltungsort, das Festival-Café,

zurückmieten müssen.

46

d VON WOLFGANG ALtMANN e

Schrecken die Siebzigerjahre-Bauten nicht ab?

Nein, im Gegenteil. Denn die Gebäude haben eine schöne Innenhofstruktur

mit sehr viel Grün. Das ist auch für Familien mit Kindern

interessant. Hinzu kommt, dass die Wohnungszuschnitte in

den Siebzigern oft sehr gut waren.

Ist denn die Nachfrage bei „normalen“ Wohnungsinteressenten

auch gestiegen?

Durchaus. Wir stellen eine gewisse Zuwanderung von Leuten aus

Mitte und Prenzlauer Berg fest, denen es dort inzwischen

zu touristisch und zu teuer geworden ist.

Von der Lage her ist das Brunnenviertel ideal. Es ist

nur drei Kilometer vom Alexanderplatz entfernt.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Designer,

die bei Wedding Dress zeigen, aus?

Gespür für Mode und Design ist natürlich Grundvoraussetzung.

Hinzu kommt Qualität, Originalität und

Ideenreichtum. Wir wollen, dass das Event in seiner

Gesamtheit abwechslungsreich und vielfältig ist.

Was lief falsch?

Stellen dort auch bekannte Modemacher aus?

Fast alles. Das fing bei der Sicherheit im Viertel an Frank Bielka (64) ist seit 2003 Ja, wir haben zum Beispiel Franzius, Manikó,

und endete bei der Sauberkeit. Zudem gab es viele im Vorstand der Degewo Mila Miyahara ... Es gibt sogar welche, die auf der

gewerbliche Leerstände. Das wollten wir mit Wed-

Mercedes-Benz Fashion Week zeigen, wie Kilian Kerding

Dress ändern.

Das Thema Mode ist für eine Wohnungsgesellschaft eher

ner. Bei uns waren schon eine Reihe Jung designer dabei, von denen

wir behaupten können, dass wir für sie eine Art Beschleuniger waren.

un gewöhnlich, oder ?

Ein Novum ist Ihre Fashion-WG. Was hat es damit auf sich?

Ab Mitte Juli bieten wir fünf jungen Kreativen für ein Jahr Wohnraum

an. Die Miete beträgt monatlich 100 Euro. Damit ist, außer

Strom, alles abgegolten. Die Fashion-WG ist ein weiterer Aspekt,

um nachhaltig im Gespräch zu bleiben.

Gehen Sie eigentlich auch zur Veranstaltung?

Klar. Meine Frau zum Beispiel liebt die Handtaschen von Gretchen,

die es dort gibt (lacht).

DEGEWO WEDDING DRESS #7

Brunnenstraße zwischen Bernauer Straße und Voltastraße, Wedding,

Sa 7.7., 12–21 Uhr & So 8.7., 11–19 Uhr

DaWaNDa KINDERmODENSchau

Festivalwiese Stralsunder Straße, So 8.7., 15 Uhr

www.weddingdress-berlin.de

Foto: Degewo

BERLINS GRÖSSTE

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Herbst/Winter-trends 2012/13

Kilian Kerner

Julian zigerli

Ben sherman

e

adidas slVr

hanniBal

leVi's

leVi's

Up

Fällt der Rocksaum, geht es

der Wirtschaft schlecht,

heißt es. Keine Panik.

Bei den Jungs ist

Hochwasser angesagt.

Das gleicht es

wieder aus

Julian

AND

zigerli

Down e

Moderedaktion: Nele Schrinner

lee

Fotos: Amanda Camenisch, Jerome Cazenave, Biliana De Giglio, Amos Fricke (2), Michael Strasser

reality studio

mint & Berry

isseVer Bahri

michael sontag

reality studio

Vladimir KaraleeV

reBeKKa ruÉtz

awareness & consciousness

Boessert/schorn

adidas slVr


DAS LETZTE WORT

Personal

Sunshine

VON MICHAEL MICHALSKY

Mit heutigem

Stand habe ich

auf Facebook

552 Freunde.

Bis Sie diese

Ausgabe der

VUEberlin in

den Händen halten, sind es wahrscheinlich

20 bis 30 mehr. Wie viele Facebook-

Freunde haben Sie? Und wie läuft bei Ihnen

der Austausch mit denen?

Wir leben in einer schnellen, aufregenden

Zeit. Der Börsen-Hype funktioniert

wieder. Manchmal jedenfalls. Aber auch

Unsicherheiten und merkwürdige Meldungen

nehmen zu. Oder wissen Sie etwa,

was in Südeuropa wirklich schie äu ? Und

was sollen wir mit unserem gesparten Geld

machen? Als Selbständiger habe ich nicht

einmal eine Rentenversicherung. Ich muss

schon für mich selber sorgen. Vielleicht

mit einer Immobilie in Berlin? Grundbesitz

ist immer sicher, heißt es. Doch es gibt

auch warnende Stimmen. Experten sagen,

dass die Preise zu schnell zu hoch gestiegen

seien. Kommt jetzt der Absturz? Ich könnte

meine 500 Freunde fragen. Aber das ginge

zu weit. Solche Themen sind nicht facebook-relevant.

Meinen Online-Freunden

teile ich mit, wenn ich ins Restaurant einchecke.

Das ist persönlich genug.

50

Wir sammeln Mini-Communitys, um

Banalitäten auszutauschen. Wer braucht

heute noch Substanz? Ich bitte Sie! Stecken

wir doch lieber den Kopf in den Sand

und tun so, als wäre alles okay. Wem nützen

schon politische Diskussionen? Die

bringen selbst die Piraten an den Rand des

Kenterns. Noch bevor sie das System wirklich

entern konnten. Was also bleibt?

Ich empfehle einen Reset. Vielleicht

auch einen für die politischen und wirtschaftlichen

Systeme. Aber das würde

meinen Ein ussbereich übersteigen. Also

dann lieber im persönlichen Umfeld: Ich

habe jetzt damit angefangen, mir eine Liste

von meinen wirklich echten Freunden zu

machen. Es sind sieben. Immerhin. Mit denen

tre e ich mich wieder ö er. Ich nenne

das „Quality Time“. Wir reden über private

emen und Dinge, die wir wirklich beein

ussen können. Über Mode natürlich

auch. Und über unsere Art zu leben: Musik,

Kunst und was sonst so los ist in der

Stadt. Auch Umweltthemen spielen eine

Rolle. Die sind leider komplett aus der großen

Politik verschwunden. Dabei sind sie

nach wie vor genauso dringlich. Ich habe

jetzt meine Kollektion mit dem WWF ausgebaut.

Das nden alle gut.

Bei unseren Tre en und Gesprächen

stelle ich fest, dass die alten Werte immer

noch gelten: Geborgenheit und Nähe,

Austausch und gegenseitige Hilfe. Wenn

die großen Systeme versagen, bleibt mir

noch immer mein persönliches Umfeld.

Daraus ziehe ich Kra und Gelassenheit.

Personal Sunshine!

Michael Michalsky ist einer der einflussreichsten

Modemacher Deutschlands. Nach

Stationen als Chefdesigner bei Levi’s und

Adidas gründete er 2006 sein Label in Berlin.

In seinen Kollektionen setzt er sich mit gesellschaftlichen

Themen und Fragestellungen

unseres modernen Lebens auseinander. Damit

beschäftigt er sich auch in unserer Kolumne.

Foto: Cem Guenes

INDEX

ADIDAS SLVR adidas.de/SLVR

ALINASCHUERFELD alinaschuerfeld.com

ALMA & LOVIS almalovis.de

ALUC aluc.eu

ANNE GORKE annegorke.com

ATELIER AWASH atelierawash.com

AUGUSTIN TEBOUL augustin-teboul.com

AWARENESS & CONSCIOUSNESS

awarenessandconsciousness.com

BAGJACK bagjack.com

BLACKY DRESS blackydress.de

BLAENK blaenk.net

BLAME blame-fashion.com

BOESSERT/SCHORN boessert-schorn.de

BREAD & BUTTER breadandbutter.com

BRIGHT brighttradeshow.com

CAMPER camper.com

CAPSULE SHOW capsuleshow.com

DANIEL KROH danielkroh.com

DAWID TOMASZEWSKI

dawid-tomaszewski.com

DEEPMELLO deepmello.com

DEGEWO degewo.de

ECO SHOWROOM ecoshowroom.de

ELIN ENG elineng.com

ETHICAL FASHION SHOW BERLIN

ethicalfashionshowberlin.com

FALKE falke.com

GALERIES LAFAYETTE galerieslafayette.de

GLOWYBOX glowybox-jewelry.com

GREEN SHOWROOM green-showroom.net

PARTNER: ExklusivER MAkE-uP PARTNER:

GUIDO MARIA KRETSCHMER

guidomariakretschmer.de

HANNIBAL hannibal-collection.com

HUGO BY HUGO BOSS hugoboss.com

IRINA SCHROTTER irinaschrotter.ro

ISABELL DE HILLERIN isabelldehillerin.com

ISSEVER BAHRI isseverbahri.com

JULIAANDBEN juliaandben.com

JULIAN ZIGERLI julianzigerli.com

KAVIAR GAUCHE kaviargauche.com

KILIAN KERNER kiliankerner.de

K.O.I kingsofindigo.com

KUYICHI kuyichi.com

LALA BERLIN lalaberlin.com

LAURÈL laurel.de

LAVERA SHOWFLOOR BERLIN

showfloor-berlin.com

LEE lee.com

LEVER COUTURE lever-couture.com

LEVI’S levi.com

MALAIKARAISS malaikaraiss.com

MARITHÉ ET FRANÇOIS GIRBAUD

girbaud.com

MARKUS LUPFER markuslupfer.com

MARTIN NIKLAS WIESER

martinniklaswieser.com

MELISSA melissa.com.br

MERCEDES-BENZ FASHION WEEK

mercedes-benzfashionweek.com

MICHAEL SONTAG michaelsontag.com

MICHALSKY michalsky.com

MINT & BERRY mint-and-berry.com

MONGRELS IN COMMON

mongrelsincommon.com

MOODS OF NORWAY

moodsofnorway.com/moods

NUDIE JEANS nudiejeans.com

PEEK & CLOPPENBURG KG DÜSSELDORF

peek-cloppenburg.de

PERRET SCHAAD perretschaad.com

PREMIUM premiumexhibitions.com

RAPHAEL HAUBER raphaelhauber.com

REALITY STUDIO realitystudio.de

REBEKKA RUÉTZ rebekkaruetz.com

RIGHT AS RAIN right-as-rain.com

RITA IN PALMA ritainplama.com

ROYAL BLUSH royalblush.ch

SANTONI santonishoes.it

SCHMIDTTAKAHASHI schmidttakahashi.de

SCOOP berlin-efect.net

SEY JEANS sey-fashion.com

SISSI GOETZE sissigoetze.com

SHOW & ORDER showandorder.de

STUDIO ECOCENTRIC studio-ecocentric.com

SYFB startyourfashionbusiness.com

THE GALLERY BERLIN the-gallery-berlin.com

TWISTED TALENTS twistedtalents.de

UMASAN umasan-world.com

UPCYCLING FASHION STORE

upcycling-fashion.de

VON BARDONITZ vonbardonitz.net

VLADIMIR KARALEEV vladimirkaraleev.com

WEDDING DRESS weddingdress-berlin.de

ZIGN zignshoes.de

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