PRAXIS FÜR RHEUMAERKRANKUNGEN UND OSTEOPOROSE

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PRAXIS FÜR RHEUMAERKRANKUNGEN UND OSTEOPOROSE

PRAXIS FÜR RHEUMAERKRANKUNGEN UND OSTEOPOROSE

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Dr. med. Thomas Lehmann

FMH Rheumatologie und Innere Medizin

Bahnhofplatz 1, 3011 Bern

Tel: 031 312 29 19 / Fax 031 312 29 20

Osteoporose – die Epidemie des 21. Jahrhunderts

Bei der Osteoporose handelt es sich um eine Krankheit des gesamten Skeletts, die sich durch eine

erniedrigte Knochenmasse und vermehrte Knochenbrüchigkeit auszeichnet.

Leider erkennen sowohl Patienten als auch viele Ärzte die Krankheit noch immer nicht oder

nehmen sie als schicksalhafte Begleiterscheinung des normalen Alterungsprozesses hin - zum

Leidwesen der Betroffenen. Dabei kann eine Osteoporose einfach diagnostiziert und wirksam

behandelt werden.

Jede dritte Frau und jeder siebte Mann jenseits des 50. Altersjahres ist von Osteoporose betroffen.

Nach neusten Schätzungen leiden allein in der Schweiz 390‘000 Frauen und 150‘000 Männer an

dieser Art von Knochenschwund. Wie ein heimlicher Dieb wird die Knochenmasse so weit

abgebaut, bis ein erster Knochenbruch, meist nur anlässlich eines kleinen Traumas, entsteht. Bis

zu diesem Zeitpunkt bemerken die Betroffenen und die Ärzte die Krankheit nicht, da Schmerzen

erst durch einen Knochenbruch entstehen. In diesem Stadium ist die Krankheit aber bereits

fortgeschritten. Leider kommt es nicht selten vor, dass PatientInnen lediglich auf den

Knochenbruch hin behandelt werden und die eigentliche Ursache – die Osteoporose –

undiagnostiziert und unbehandelt bleibt. Das Resultat: weitere Knochenbrüche mit entsprechenden

Schmerzen und Behinderungen.

Was steckt dahinter?

Damit der Knochen stark und gesund bleibt, wird unser gesamtes Skelett kontinuierlich erneuert

und umgebaut, ähnlich wie die Zellen unserer Haut. Wird gleich viel Knochen gebildet wie

abgebaut, besteht ein Gleichgewicht. Bei Frauen in den Wechseljahren verschiebt sich das

Gleichgewicht zwischen Knochenabbau und -neubildung infolge der hormonellen Umstellung, es

wird mehr Knochen abgebaut als gebildet. So können im Laufe der Zeit Frauen mit Osteoporose

bis zur Hälfte ihrer Knochenmasse verlieren. Bereits der Verlust von 10 Prozent der

Knochenmasse kann das Risiko für einen Bruch der Wirbelkörper verdoppeln beziehungsweise

das Risiko eines Schenkelhalsbruchs, der die schlimmsten Auswirkungen hat und sogar zum Tode

führen kann, um das 2,5fache erhöhen.

Wer ist gefährdet?

Wer im Erwachsenenalter einen Knochenbruch nach einem banalen Sturz oder spontan erlitten

hat, sollte sich unbedingt bezüglich Osteoporose untersuchen lassen. Speziell gefährdet sind v.a.

Frauen, deren Wechseljahre früh, d.h. vor dem 45. Altersjahr eintrgetreten sind, deren Mutter an

einer Osteoporose leidet oder gelitten hat, sowie PatientInnen mit schlankem, feingliedrigem

Körperbau. Aber auch der Schlankheitswahn, den viele Mädchen in der Adoleszenz befällt, kann

eine Osteoporose begünstigen.

Weitere Risikofaktoren:

• schwere Allgemeinerkrankungen, z.B. rheumatoide Arthritis, andere entzündlich-rheumatische

Erkrankungen, entzündliche Darmerkrankungen (z.B. M.Crohn, Colitis ulcerosa,

Malabsorptionssyndrom), cystische Fibrose, Diabetes mellitus, Krebserkrankungen mit

erfolgter Chemo-/Strahlentherapie, Erkrankungen der Schilddrüse, Nebenschilddrüse oder

Nebenniere (Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, M.Cushing), Niereninsuffizienz, Dialyse

• Bewegungsmangel

• Rauchen, übermässiger Alkoholkonsum

• eine ungenügende Kalziumaufnahme mit der Nahrung (Meiden von Milchprodukten)

• mehrmonatige Behandlungen mit kortisonhaltigen Medikamenten

Eine Osteoporose kann auch ohne das Vorhandensein dieser Risikofaktoren auftreten!


Wie läuft die Abklärung?

Die Diagnose einer Osteoporose wird anhand einer Knochendichtemessung gestellt.

In dieser Praxis kann mit einer schmerzlosen und zuverlässigen Methode, der DEXA-Methode, die

Knochendichte an der Wirbelsäule und an der Hüfte gemessen werden. Da diese Untersuchung

einer Vorsorgeuntersuchung entspricht, muss sie von den Krankenkassen nicht obligat

übernommen werden – es sei denn, die Messung ergibt eine Osteoporose, oder es liegen

bestimmte Risikofaktoren vor (z.B. Bruch ohne adaequates Trauma, Einsetzen der

Wechseljahre/Entfernung der Gebärmutter vor dem 45. Altersjahr, mehrmonatige Behandlung mit

kortisonhaltigen Medikamenten, entzündliche Darmerkrankungen).

Wie kann man vorbeugen?

Wichtig ist eine regelmässige körperliche Aktivität – mindestens 3x pro Woche sollte ein

sogenanntes achsenbelastendes Training durchgeführt werden (Wandern, Walking, Joggen). Ein

regelmässiges Muskeltraining hilft nicht nur gegen Rückenschmerzen, sondern trägt auch zur

Erhaltung der Knochenmasse bei. Bei der Ernährung sollte auf eine kalziumreiche Diät geachtet

werden (Milchprodukte, Mineralwasser). Medikamentös werden Frauen nach den Wechseljahren

häufig Hormonpräparate empfohlen. Diese sind allerdings heute sehr umstritten.

Liegt eine Osteoporose vor, genügt es nicht, die Knochenmasse zu erhalten. Um Frakturen zu

verhindern, muss neuer, kräftiger Knochen aufgebaut werden. Die Einnahme von Kalzium und

Vitamin D oder einem Hormonpräparat reichen da nicht aus.

Behandlung

Es gibt verschiedene Medikamente, die gegen Osteoporose eingesetzt werden. In den letzten

Jahren hat sich die Gruppe der sog. Bisphosphonate durchgesetzt. Am besten bekannt und

untersucht ist das Präparat Fosamax ® , das den Wirkstoff Alendronat enthält. Dieses Medikament

wird einmal pro Woche morgens nüchtern mit einem Glas Wasser eingenommen. Es ist wichtig,

dass mit dem Morgenessen anschliessend 30 Minuten zugewartet wird und in dieser Zeit eine

aufrechte Körperhaltung beibehalten wird (nicht abliegen!). Damit wird gewährleistet, dass

einerseits der Wirkstoff unbehindert in den Blutkreislauf übertreten kann und andererseits nicht in

die Speiseröhre zurückfliesst. Unter Fosamax ® nimmt die Knochendichte im ersten

Behandlungsjahr um durchschnittliche 5% zu, nach 7 Jahren sind es deutlich über 10%. Die

Frakturhäufigkeit nimmt sowohl an der Hüfte (Schenkelhals) und an der Wirbelsäule um über 50%

ab. Die Verträglichkeit des Medikamentes ist in der Regel ausgezeichnet!

Seit Sommer 2001 sind mit Actonel ® und Evista ® zwei neue Medikamente erhältlich und von den

Krankenkassen zur Behandlung der Osteoporose zugelassen. Beide Medikamente haben sich als

ähnlich wirksam wie Fosamax ® erwiesen.

Zusammenfassung

- Die Osteoporose ist eine heimtückische und potentiell invalidisierende Erkrankung nicht nur für

Frauen, sondern auch für Männer – jede 3. Frau und jeder 7.Mann über 50 Jahre ist betroffen.

- Leider wird die Diagnose häufig gar nicht oder viel zu spät gestellt.

- Mittels Knochedichtemessung kann auf einfache Art festgestellt werden, ob eine Osteoporose

vorliegt.

- Prophylaktisch soll auf eine regelmässige körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung

geachtet werden (Milchprodukte, Mineralwasser).

- Liegt eine Osteoporose vor, so kann sie heute mit gut verträglichen Medikamenten wirksam

behandelt werden.

Dr. med. Thomas Lehmann

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