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Marion Eichmann

ISBN 978-3-86859-257-3

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ERKUNDUNGSGÄNGEIMVERDICHTETEN

Marion Eichmanns Werk ist ein Panorama der beschleunigten

und vernetzten Dingwelt. Am Beispiel einiger großer Millionenstädte

orientiert, hat die 1974 in Essen geborene Künstlerin ihr

eigenes Pluriversum geschaffen, in dem sie sich zwischen verschiedenen

Wahrnehmungs- und Realitätsebenen hin- und herbewegt.

Bereits ihre 2002 vorgestellte Diplomarbeit 16.324.800 Maschen

war ein Paukenschlag (Seite 15–17). Ihr fulminanter Abschluss

als Diplom-Designerin an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee

bescherte ihr internationale Aufmerksamkeit. Der

Schlüssel für das Verständnis aller weiteren Projekte der Künstlerin

ist hier zu verorten. Er liegt in der Obsession, mit der Marion

Eichmann z.B. einen kompletten Raum mit Wolle in ein

ausufernd schwarz-beiges Wellen-Muster einstrickt, angefangen

bei den Wänden, ohne haltzumachen vor Tisch, Sessel und

Models. Dinge, ja ganze Räume zu verfremden, ohne sie zu verletzen

und die Garnfarben farbpalettenspezifisch zu sehen, darin

fand sie ihre Herausforderung. In der Rauminstallation Ping

Pong (2003) verstärkte sich der Grad der Komplexität und spielerischen

Verrücktheit (Seite 19–23). Offensiv kam noch mehr

Farbe ins Spiel, die Maschen überwucherten erst leichtherzig

ein Fahrrad, dann einen Mini Cooper.

Es ist diese Art des Mitreißens, das Stromartige, das Polyphone,

die sich miteinander verwebenden Stimmen, das Uferlose

eines Mitteilungsbedürfnisses am Rande des Nervenzusammenbruchs,

das ihre Kunst kennzeichnet. Im Ausgerichtetsein

auf die Gegenwart wächst eine eigene Ästhetik, eine andere

Kenntlichkeit, in der das Alltagsgegenständliche in Fläche und

Raum übersetzt wird und sich neue zeichnerische, malerische,

objekthafte und installative Kraftzentren ausbreiten.

Aufgrund ihrer Lust auf Stadt und den daraus resultierenden

Arbeitsaufenthalten in Tokyo (2004), New York (2005) und

Istanbul (2009) taucht Marion Eichmann ein in die Gegenwart

des Städtewachstums und entwirft parallel dazu ihre bildkünstlerischen

Szenarien.

Unter der Projektbezeichnung Tokyo Mono (2004) firmieren dutzende

Zeichnungen und in ihrer Bindung an den japanischen

Hintergrund aufschlussreiche Collagen sowie eine Ansammlung

von fünfzig Objekten (Seite 24–32). Für diese Objekte dienten

landestypische Badehocker als Kernmaterial, umhüllt von

sagenhaftem Detailreichtum und

experimenteller Leichtigkeit, sodass

nach Fertigstellung eine Batterie

von fünfzig Kleinstereignissen zu besichtigen

war, zum Teil mit Licht und

Klang animiert, die Kunde ablegte

von der Begeisterung und dem Zartsinn

der Künstlerin gegenüber der

japanischen Kultur und Geschichte.

Die biedere Kunstgebärde tötet einem

zunehmend den Sehsinn. Große

Kunst kann es in Zeiten der Dominanz

der Retrogarde nicht mehr geben. In

dieser Trostlosigkeit wartet Marion

Eichmann mit einer Universalherrschaft

des Papierschnipsels und einem

Energiepotenzial ganz eigener

Art auf. Das stimmt einen heiter.

Was sie nach ihren Erkundungsgängen

im Großstadtdschungel an

Erkenntnissen ans Tageslicht befördert,

ist so verdichtet wie die Strukturen,

von denen sie uns Bilder zur

Anschauung übermittelt. Um sich

ihnen zu nähern, hat sie sich verschiedene

Methoden ausgedacht:

Da ist die Eintauch-Methode, eine

heftige, expressive Einstiegsstufe,

um sich dem jeweiligen Geist des Ortes

anzuverwandeln – emotional, mit

Haut und Haar. Die andere Methode

weckt eher die Beobachterin in ihr,

die mit unbestechlichem Blick Detail

für Detail abtastet, um Werke zu erzeugen,

die wie präzise Zustandsprotokolle

aussehen.

Beides gehört zusammen in ihrem

Werk – das Heftige und das Kühle,

Emotionales und Rationales. Aber

beiden Methoden ist ein Hang zum

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EXPLORATORYJOURNEYSINCONCENTRATION

Marion Eichmann’s oeuvre is a panorama of the accelerated

and interlinked world of objects. The artist, who was born in

Essen in 1974, has used various metropolises as references

when creating her own pluriverse, in which she moves back and

forth between different levels of awareness and reality.

Even 16.324.800 Maschen, Eichmann’s diploma project, which

she presented in 2002, was a bombshell. Her brilliant conclusion

of her studies for a diploma in design at the Kunsthochschule

in Berlin-Weißensee brought her to the attention of the

international art scene. It is here that the key to understanding

all the artist’s subsequent projects can be found. It lies in

the obsession with which, for example, Marion Eichmann uses

wool to knit a complete room into a sprawling black and beige

wavy pattern, starting with the walls and not stopping when she

reaches the table, chair and models. For her, the challenge lay

in alienating things, even entire rooms, without damaging them

and in seeing the colours of the wool as specific to the colour

scheme. In the room installation Ping Pong (2003), the degree

(page 19–23) of complexity and playful eccentricity were increased

still further. Moving into the offensive, she brought even

more colours into play, and the knitted stitches light-heartedly

enveloped first of all a bicycle and then a Mini Cooper.

Eichmann’s art is characterised by this way of carrying the

viewer along: a torrent like a polyphonic structure of interwoven

voices, a boundless need to communicate on the verge of

a nervous breakdown. Her way of focusing on the present creates

a specific aesthetic, another form of recognition, in which

familiar everyday objects are translated into surface and space

and spread out to reveal new graphic and painterly object- and

installation-based centres of power.

Marion Eichmann loves cities and has accordingly spent periods

working in Tokyo (2004), New York (2005), and Istanbul

(2009). She immerses herself in the here and now of city

growth and correspondingly creates at the same time her own

artistic visual scenarios.

She has produced dozens of drawings under the heading Tokyo

Mono (2004), as well as collages, which are illuminating

in their association (page 24 –32) with the Japanese background

and a collection of fifty objects. Typical Japanese

bathing stools provided the starting material for the objects;

encased in a fabulous wealth of

detail and experimental lightness,

a battery of fifty miniature events

could be viewed after completion.

Some were animated with light and

sound and proclaimed the artist’s

enthusiasm and sensitive understanding

of Japanese culture and

history.

Petit-bourgeois artistic gestures increasingly

destroy our ability to see.

In times when the retro faction is

dominant, there can be no great art.

In this desolate environment, Marion

Eichmann is waiting with a universal

dominance of scraps of paper

and a unique energy potential. That

evokes a cheerful mood.

The knowledge that she unearths

after her exploratory tours of the

big-city jungle is as concentrated as

the structures whose pictures she

presents to us for examination. She

has thought up a number of methods

of approaching them: There is

the immersion method, an energetic,

expressive introductory level

in order to adapt to the spirit of the

place concerned – emotionally, and

with all one’s being. The other method

tends to arouse the observer in

her as she examines it with an unerring

eye, detail by detail, in order

to create works, that look like meticulous

records of the status quo.

Both aspects form part of her

work: the intense and the cool,

the emotional and the rational.

But both methods contain the

inherent tendency to exuberance

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DIPIT/16.324.800MASCHEN

→ MASCHEN AUFBAU | 2002

→→ 16.324.800 MASCHEN | Rauminstallation | 2002 | ca. 16 qm | Garn/Baumwolle

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PINGPONG


PING PONG | Rauminstallation ca. 17 qm | 2003 | verschiedene Garne

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↑ PING PONG | Detail | 2003

← PING PONG | Detail | 2003

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PING PONG | Objekt | 2003 | verschiedene Garne

→ PING PONG | Detail mit Telefon | 2003

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TOKYOMONO


TOKYO MONO | Rauminstallation, 50 Objekte auf ca.40 qm | 2004 | Japanische Badehocker als Grundgerüst, mixed media

TOKYO MONO | Detail; Riesenrad

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↑ ↑ TOKYO MONO | Detail; Ausschnitt Raum / ↑ TOKYO MONO | Detail; Stadtplan

↑ ↑ TOKYO MONO | Detail; Tempel / ↑ TOKYO MONO | Detail; Shibuja / → TOKYO MONO | Detail ; Fahrrad

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PINK LADY | Collage | 2005 | 21×18 cm | Bleistift, Pigmentliner, farbiger Karton auf Papier

SHIBUJA / PAAR | Collage | 2005 | 16,5×21 cm | Bleistift, Pigmentliner, farbiger Karton auf Papier

SHIBUJA / TASCHE | Collage | 2005 | 16,5×21 cm | Bleistift, farbiger Karton auf Papier

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SHINJUKU / 07 | Zeichnung | 2004 | 10×15 cm | Kugelschreiber, Zeitungspapier

SHINJUKU / 19 | Zeichnung | 2004 | 10×15 cm | Kugelschreiber, Zeitungspapier

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EIGENTLICHREISEICHIMMER

Marion Eichmann im Gespräch mit Christoph Tannert

CT: Sie sind schon als Kind weit gereist. Hatte das für Sie künstlerische

Folgen?

ME: Reisen, Schauen, Malen gehören für mich zusammen. Gemalt

habe ich solange ich denken kann. Bis heute hat das wohl

den Einfluss, dass ich in meiner gewohnten Umgebung intensiv

schaue, mich aber zugleich das Fremde anzieht.

Mit zwölf Jahren bin ich mit meinen Eltern und meinem Bruder

in einem Unimog ein Jahr lang von Europa nach Asien gereist.

Als ich fünfzehn war, ging’s durch ganz Afrika. Das war spannend

und manchmal auch gefährlich. Man hat die Augen offen und

sieht Dinge, die man vielleicht nur einmal im Leben sieht, z.B.

1986 in Teheran. Damals herrschte Krieg zwischen dem Iran und

Irak. Ich habe früh gelernt, welchen Wert Grundnahrungsmittel

haben, wie wichtig der Zugang zu frischem Wasser ist und was

Glück bedeuten kann.

Wenn ich zurückblicke, wird mir klar, dass man zum Reisen Zeit

und Beharrlichkeit braucht. Das wünsche ich mir auch für die

Betrachter, die meine Bilder anschauen.

Und ich weiß, dass mir Stillstand nicht liegt. Eigentlich reise

ich immer. Zumindest in Gedanken und in der Erinnerung. Als

Künstlerin bin ich ständig unterwegs, um geistige Räume zu erkunden.

CT: Was ist heute die Reiseerfahrung mit der größten Nachwirkung

für Sie?

ME: In der Ferne lässt sich besser verstehen, wer man eigentlich

ist. Dabei beziehe ich mich nicht auf einen bestimmten Ort. Ich

bin auch deswegen künstlerisch tätig, weil dieses Reisen und

Suchen anhält – als eine Idee zum Leben.

CT: Das Unterwegssein, das Nomadische des Künstlers hat ja

aber auch noch einen anderen, außerliterarischen Kontext: die

Globalisierung. Wie reagieren Sie darauf?

ME: Ich finde interessant, dass sich

gerade wegen der Globalisierung

mehr Menschen mit den Regionen

identifizieren, in denen sie sich zu

Hause fühlen.

Als Künstlerin bin ich aber eher in einer

ästhetischen Ausdrucksform zu

Hause als in einem Land. Insofern

existieren Grenzen für mich sowieso

nicht.

CT: Sie sind 1993 nach Berlin gekommen

und leben seither in dieser

Stadt.

Wie empfinden Sie die sich ständig

im Bau befindliche und aus allen

Nähten platzende Metropole?

ME: Berlin ist für mich nach wie vor

ein großes Abenteuer, wobei immer

der Blickpunkt, die Frage, wie man

auf etwas schaut, entscheidender

ist als der Standort. Ich bin von einem

Bezirk zum anderen gezogen,

habe in West und Ost, in Charlottenburg,

Tempelhof, Wedding, Weißensee,

Mitte, in attraktiven und weniger

attraktiven Gegenden gewohnt. Ich

weiß noch, was Ofenheizung und Außentoilette

bedeuten. Insofern habe

ich mir die Stadt ganz lebensnah und

alltäglich erschlossen. Außerdem

laufe ich viel oder fahre mit dem Rad.

CT: Die aktuellen Diskurse über

Berlin als Touristenhochburg, versäumte

Entscheidungen im Wohnungsbau,

Gentrifizierung betreffen

jeden, der in der Stadt lebt. Berlin war

eine bettelarme Stadt vor dem Mau-

erfall und rappelt sich gerade auf. Aber nun ist in einigen Bezirken

Spekulation die neue Realität. Die Immobilienpreise steigen.

Möglicherweise brechen die fetten Jahre an?

ME: Ich wohne derzeit in Kreuzberg und erlebe hautnah, wie

sich der Wrangelkiez verändert. Er ist ein Ort im Umbruch. Und

es ist erstaunlich, wie dabei die bekannte Lebensqualität modifiziert

wird. Alles wird schnelllebiger. Touristenbusse kommen.

Plötzlich gibt es überall Caffè Latte, der auf dem Bürgersteig

serviert wird. Das ist der Übergang von Kreuzberg zum hippen

»Kreuzkölln«.

CT: Was heißt für Sie Aneignung von Stadt?

ME: Das eigene Erleben ist für mich von großer Wichtigkeit, der

Kontakt mit möglichst vielen Leuten unterschiedlichster Herkunft.

Für einen Künstler sollte das Basisarbeit sein. Am Anfang

ist jede Stadt für mich als Fremde eine Terra incognita – Istanbul,

Tokyo, New York. Über den Kontakt zu ihren Bewohnern tauche

ich ein ins Unbekannte.

Mit 19 Jahren, gleich nach der Schule, hab ich in der Oberhemdenbekleidung

auf Akkord gearbeitet. Konkret bedeutete das:

finanzielles Niedrigniveau und, dass ich die einzige Deutsche in

der Belegschaft war. Später stand ich auch mal in einer Pommes-

Bude in Neukölln, war bei »Marché« am Ku’damm für vier Jahre

als Kellnerin angestellt und habe über’s Telefon Dampfstaubsauger

angeboten. Da kriegt man Stressresistenz beigebracht

und lernt eine Menge über Menschen. Ich verkaufte danach sogar

Zeitungsabos. Auch das hat mich weitergebracht als Künstlerin.

Heute vermag ich ande re für meine Ideen zu gewinnen. So

lernt man eine Stadt über die Arbeit und den Sozialraum kennen.

Berlin verschafft mir Energie – vielleicht gerade in seinen Umbruchphasen.

CT: Sie zeichnen oft auf der Straße und es gibt viele Dinge, die

sammeln Sie einfach im Vorbeigehen auf – weggeworfene Kleinteile,

sogar Möbelstücke.

ME: Gerade in diesen Fundstücken steckt für mich das Städtische.

Ich bin fasziniert von dem, was vor meinen Füßen liegt.

Der Mikro-Abfall sieht nicht nur interessant

aus, er sagt viel darüber

aus, womit wir uns umgeben und

wie wir miteinander leben. Ich lese

Schrauben, Deckel, Perlen, Knöpfe,

LEGO-Teile und Figuren auf, um sie

in meinen Installationen zu neuem

Leben zu erwecken. Diese Materialien

sind Keramik, Metall, Plastik, Glas

und Holz. Es ist die Füllschicht unserer

urbanen Existenz zwischen Asphalt,

Beton und Grasflächen.

Alles, was ich finde und in meine Werke

integriere, trägt seine z.T. bizarren

Formen in mein Werk und dazu die

Erinnerung an das, was dieses Dinge

in ihrem ursprünglichen Funktionszusammenhang

mal waren.

Ich durchforste darüber hinaus Flohmärkte

und Schrottplätze. Das hat

durchaus etwas mit Geistesgegenwart

und Zeitreflektion zu tun. Es

kommt darauf an, auch mal eine Pause

zu machen, beiseite zu treten und

den Dingen einen zweiten oder dritten

Blick zu gönnen und vielleicht

sogar ein Weiterleben. In diesem Zögern

steckt mein Respekt vor dem

Vergangenen und ich bin glücklich,

wenn ich wieder einen dieser Splitter

meiner Beobachtung gefunden

habe.

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INFACT,IAMALWAYSTRAVELLING

Marion Eichmann in conversation with Christoph Tannert

CT: Even as a child you travelled extensively. Did that affect

your art at all?

ME: For me, travelling, looking, and painting all belong together.

I have been painting for as long as I can remember. And the influence

it has had, and continues to have, is that I observe my

familiar surroundings very precisely, but at the same time I find

I am attracted to faraway places.

When I was twelve, I spent a year travelling from Europe to Asia

with my parents and my brother in a Unimog. When I was fifteen,

we travelled right across Africa. It was exciting, and sometimes

dangerous too. You keep your eyes open and see things that

you will perhaps only see once in your lifetime. Like in Teheran

in 1986, for example. At that time Iran and Iraq were at war. I

learned at an early age how important basic foods are; how important

it is to have access to fresh water; and what happiness

means.

When I look back, I realise that you need time and staying power

when you are travelling. And I hope that the viewers who

look at my pictures possess these same qualities too.

I know that I don’t like standing still. In fact, I am always travelling.

At least in my thoughts and in my memories. As an artist

I am always on the move in order to explore intellectual

spaces.

CT: Which of your travel experiences would you say today made

the greatest impression on you?

ME: When you are far from home it is easier to understand

who you really are. I am not referring to any specific place here.

One of the reasons why I am an artist is that this travelling and

searching continues – as an idea that governs my life.

CT: Being on the move – the artist as nomad – has another, nonliterary

context: globalisation. How do you react to that?

ME: I find it interesting that it is because

of globalisation in particular

that people increasingly identify

with the regions in which they feel

at home.

As an artist, however, I feel more

at home in an aesthetic form of expression

than in a specific country.

So, in that respect, boundaries don’t

exist for me.

CT: You came to Berlin in 1993 and

have lived here ever since.

How do you see this city in which

new buildings continue to shoot up

everywhere, but which is still nonetheless

bursting at the seams?

ME: Berlin, for me, is just one big

adventure, whereby it is always the

point of view, the question of how

you look at something, that is more

important than where you are actually

standing. I have moved from one

district to another; I have lived in

the West and in the East, in Charlottenburg,

Tempelhof, Wedding, Weissensee

and Mitte, in attractive and

not so attractive areas. I still know

what it’s like to live with stove heating

and an outside toilet. And so I

have got to know the city in a very

down-to-earth and everyday manner.

Apart from which I also walk a

great deal or use my bicycle.

CT: The current discussions about

Berlin as a tourist destination, the

failure to make decisions about

housing construction and gen-

trification affect everyone who lives in the city. Berlin was an

extremely poor city before the fall of the Wall, and is just beginning

to recover. But now speculation has become the new reality

in some districts. Property prices are rising. Is this the dawn

of an age of plenty?

ME: I live in Kreuzberg at the moment and am experiencing at

first hand how the Wrangelkiez district is changing. It is undergoing

a transformation. And it is amazing to see how the familiar

quality of life is changing too. The pace is increasing. The

tourist coaches are starting to arrive. And suddenly you can get

a caffè latte everywhere, served on the pavement. That is a sign

of the transition from Kreuzberg to hip “Kreuzkölln”.

CT: What is your way of adopting a city?

ME: My own experience is very important for me, and so is coming

into contact with as many people as possible from a wide

variety of backgrounds. That should form the basis of any artist’s

work. At the beginning, for me as a foreigner every city is

terra incognita, be it Istanbul, Tokyo or New York. Through my

contact with its citizens I immerse myself in the unknown environment.

At the age of 19, immediately after leaving school, I did piece

work in a shirt factory. That meant: I was on low pay and I was

also the only German in the team. Later I also worked in a chip

shop in Neukölln, as a waitress at “Marché” on the Kurfürstendamm

for four years; and then I sold steam cleaners over the

telephone. You learn how to cope with stress and you learn a lot

about people. After that I even sold newspaper subscriptions.

That helped me as an artist as well. Today I know how to win

people over for my ideas. That is the way you can get to know

a city, through work and through the social space. Berlin gives

me energy – maybe perhaps especially when it is undergoing

radical change.

CT: You often do your drawing on the street and there are lots

of things which you simply collect in passing – small items that

people have thrown away, even pieces of furniture.

ME: For me, these found objects

represent the essence of urban life.

I am fascinated by things I find lying

at my feet. Micro-refuse doesn’t

look very interesting, but it tells us

a lot about the things with which

we surround ourselves and how we

live together. I collect these screws,

lids, beads, buttons, pieces of LEGO

and figures in order to give them a

new lease of life in my installations.

They can be made of ceramic, metal,

plastic, glass or wood. This is

the infill of our urban existence between

asphalt, concrete and areas

of grass.

Everything that I find and that I integrate

into my works contributes

its often bizarre shape to the work

and at the same time the memory

of what these things once were and

what their function was in its original

context.

And I also rummage through flea

markets and scrapyards. I find it has

something to do with presence of

mind and thinking about time. It is a

matter of taking a break, standing to

one side and looking a second or a

third time at things and maybe even

letting them live on. This hesitation

is a sign of my respect for the past

and I am happy when I rediscover

one of these scraps of my observation.

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NEWYORKTOGO


50 WEST 30 TH | Collage/Zeichnung | 2008 | 81×65 cm | Pigmentliner, farbiger Karton auf Papier

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