ARD-Jahrbuch 2010 - Chronik und Berichte 2009

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ARD-Jahrbuch 2010 - Chronik und Berichte 2009

Chronik und

Berichte


_ Januar

Chronik 2009

25 Jahre WDr 4

1. Januar / 9. Mai

Seit 1. 1. 1984 auf Sendung, feiert das vierte und

derzeit meistgehörte Hörfunkprogramm des

WDR 25-jähriges Jubiläum. Geprägt von melodiöser

Musik für die mittlere und ältere Generation

band WDR 4 schnell und dauerhaft die

Hörer zwischen Rhein und Weser an sich. Das

Team von WDR 4 sucht auch bei zahlreichen

öffentlichen Veranstaltungen wie dem »Schlagerexpress«,

dem »WDR 4 Hafenkonzert« oder

der öffentlichen »Schallplattenbar« Kontakt

zu seinem Publikum. So auch bei der großen

Jubiläumsparty im Mai in der Düsseldorfer Altstadt:

Beliebte Stars wie die Flippers, Nicole,

Heino und Dieter Thomas Heck feiern mit den

Besuchern auf dem Burgplatz den Geburtstag

des Programms. WDR 4 überträgt die Open-

Air-Schlager-Party.

Robert Guttmann gestorben

7. Januar

Der Vorsitzende des Deutschlandradio-Hörfunkrats,

Dr. Robert Guttmann, stirbt im Alter

von 69 Jahren in München. Der promovierte

Jurist gehörte dem Aufsichtsgremium seit des-

sen Konstituierung 1994 als Vertreter des Zentralrats

der Juden an. 1997 wurde Guttmann

zum stellvertretenden Vorsitzenden des Hörfunkrats

gewählt, 2006 erfolgte die Wahl zum

Vorsitzenden.

BR sendet Borns »Die Fälschung« als Hörspiel

11. Januar – 8. Februar

Mit der fünfteiligen Hörspielfassung von Nicolas

Borns 1979 erschienenem Roman »Die

Fälschung« adaptiert der BR ein weiteres wichtiges

literarisches Werk fürs Radio. In der Bearbeitung

und Regie von Michael Farin und

des Musikers Zeitblom gelingt die akustische

Umsetzung dieser Geschichte von Entfremdung

und Sprachlosigkeit angesichts der Bürgerkriegswirren

im Libanon des Jahres 1976. Dorthin

sind der Reporter Georg Laschen und der Fotograf

Hoffmann von ihrer Redaktion geschickt

worden (vgl. Hörfunk 2009).

Volker Herres nebenamtlicher

Degeto-Geschäftsführer

16. Januar

Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches

Fernsehen, ist jetzt auch nebenamtlicher

Geschäftsführer der Degeto Film GmbH.

Die Gesellschafterversammlung und der Auf-

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 125


sichtsrat der ARD-Filmeinkaufsorganisation

stimmten seiner Berufung zu. Hauptamtliche

Geschäftsführer bleiben weiterhin Hans-Wolfgang

Jurgan und Jörn Klamroth.

Die Degeto erwirbt für die Programme ihrer

Gesellschafter Lizenzen an Fernsehsendungen,

auch in Form von Kofinanzierungen, Produktionsbeteiligungen

und betreut redaktionell Auftrags-

und Koproduktionen.

Landtagswahl in Hessen

18. Januar

Der Wahlgewinner: Ministerpräsident Roland

Koch scheint zufrieden mit dem Ergebnis.

Knapp ein Jahr nach der Landtagswahl 2008

sind die Bürger des Landes erneut aufgerufen,

über die Zusammensetzung des hessischen

Landtags abzustimmen. Nachdem 2008 keine

regierungsfähigen Mehrheiten zustande gekommen

waren, hatten sich die Parteien im November

auf Neuwahlen geeinigt.

Als Spitzenkandidat der SPD geht nicht

mehr die Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti

ins Rennen, sondern Thorsten Schäfer-Gümbel.

Mit einem Online-Special und Sondersendungen

in Hörfunk und Fernsehen informiert

der HR wieder ausführlich über die Kandidaten,

Programme und die Wahlkreise. Den

Wahlabend begleitet das hr-fernsehen mit einer

siebeneinhalbstündigen Sondersendung, und es

zeigt sich schnell, dass es in Hessen eine stabile

schwarz-gelbe Regierung geben wird. Noch am

Wahlabend tritt Andrea Ypsilanti von ihren

Ämtern als Landes- und Fraktionsvorsitzende

zurück.

_ februar

arD-Programme würdigen

felix Mendelssohn bartholdy

3. Februar

Am 3. 2. 2009 jährt sich der Geburtstag von Felix

Mendelssohn Bartholdy zum 200. Mal. Anlass

für die ARD-Kulturwellen, umfassend an den

in Hamburg geborenen Komponisten der Romantik

zu erinnern, der mit nur 38 Jahren in

Leipzig starb. MDR FIGARO richtet im Auftrag

der Europäischen Rundfunkunion (EBU)

bereits am 1. 2. einen »Mendelssohn Special

Day« aus, an dem mehr als 20 Radiostationen

die Konzertaufzeichnungen aus Berlin, London

und Leipzig übertragen.

NDR Kultur widmet Mendelssohn am 3. 2.

einen Thementag, WDR 3 beschäftigt sich vom

25. 1. an mit zahlreichen Musiksendungen und

einem Radiotag ausführlich mit dem Ausnahmekomponisten,

der als Wiederentdecker Johann

Sebastian Bachs gilt. Auch SWR2 widmet

Mendelssohn vom 1. bis 8. 2. eine ganze Themenwoche,

und Bayern 2 gestaltet einen »Tag

mit Mendelssohn Bartholdy«.

Auch die Fernsehprogramme der ARD, 3sat

und ARTE befassen sich in Dokumentationen

und Konzertübertragungen mit dem Komponisten

(vgl. Hörfunk 2009).

GVK-forum zum Thema Qualität

4. – 5. Februar

»Qualität – machen, messen, managen« ist das

Thema der zweiten Gremienfachtagung, zu der

die Gremienvorsitzendenkonferenz der ARD

die Gremienmitglieder der Landesrundfunkanstalten

nach Hamburg eingeladen hat. Rund

150 Gremienmitglieder diskutieren mit internen

126 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Auf dem Podium: Reinhard Grätz, Engelbert

Tacke, Walter Klingler, Stephan Abarbanell (v.r.)


und externen Experten über Fragen der Qualitätsbewertung

und Qualitätssicherung sowie

über die bereits angewandten Qualitätsmanagementsysteme.

Ziel ist es, die Erkenntnisse und

Ergebnisse des GVK-Forums mit Programmverantwortlichen

und -machern weiterzuentwickeln

und einen ARD-weiten Leitfaden zur

Qualitätsbewertung zu erstellen. Die Qualitätsdebatte

ist für die Gremienmitglieder auch im

Hinblick auf die Dreistufentest-Verfahren von

praktischer Relevanz.

Hr-rundfunkrat unter neuem Vorsitz

6. Februar

Der Rundfunkrat des HR wählt Jörn Dulige zu

seinem neuen Vorsitzenden. Seine Amtszeit beträgt

zwei Jahre. Dulige, Beauftragter der Evangelischen

Kirche in Hessen und seit 1999 im

Rundfunkrat, folgt auf Alfred Möhrle, der nicht

erneut für den Vorsitz kandidiert hat.

Im Amt des stellvertretenden Vorsitzenden

bestätigt wird Prof. Dieter Weidemann,

Vertreter der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände.

Weidemann gehört dem

Rundfunkrat seit 1999 an und ist seit 2001 stellvertretender

Vorsitzender.

IPTV: arD und ZDf schließen Vertrag mit Hansenet

11. Februar

ARD und ZDF schließen erstmals mit einem

deutschen DSL-Provider einen regulären

Vertrag über die Verbreitung ihrer digitalen

Angebote. Kunden, die bei HanseNet die

DSL-Pakete »Alice Fun« oder »Alice Comfort«

abonniert haben, können alle Hörfunk- und

Fernsehprogramme von ARD und ZDF als Internet

Protokol Television (IPTV) empfangen

(vgl. Produktion und Technik 2009).

arD-Programme erinnern an Charles Darwin

12. Februar

2009 wurde international zum Darwin-Jahr erklärt.

Der Anlass: Vor genau 200 Jahren kam

Charles Darwin auf die Welt, vor 150 Jahren veröffentlichte

er sein Buch Ȇber die Entstehung

der Arten«. Auch die Landesrundfunkanstalten

der ARD und das Deutschlandradio nehmen

dieses doppelte Jubiläum zum Anlass, an den

britischen Naturforscher zu erinnern. Darwins

Evolutionstheorie revolutionierte damals die

Naturwissenschaften und stellte die christliche

Schöpfungsgeschichte infrage. Bis heute sind

seine Thesen umstritten und sorgen vor allem

aufseiten der Kreationisten für heftige Kritik.

PHOENIX zeigte »Darwins neue Welt«.

Teil 1: »Der Entdecker«, Klassifikation der

von Darwin auf den Galápagos-Inseln

gesammelten Pflanzen

Zahlreiche Sendungen in Hörfunk und

Fernsehen beschäftigen sich ausführlich mit

Darwins Erbe und dem Stand der Evolutionstheorie

heute. MDR FIGARO beispielsweise

widmet dem berühmten Naturforscher am 12. 2.

einen ganzen Thementag. In ihren Wissenssendungen

und Online-Angeboten nehmen alle

ARD-Anstalten in vielfältiger Weise Bezug auf

Darwin und seine Theorien. 3sat sendet unter

dem Titel »Der Darwin Code« ab 12. 1. eine

ganze Themenwoche, die den Einfluss Darwins

auf die Wissenschaft und Gesellschaft bis heute

thematisiert (vgl. Hörfunk 2009).

rbb-rundfunkrat mit neuem Vorsitzenden

12. Februar

Der Rundfunkrat des RBB wählt Hans Helmut

Prinzler zu seinem neuen Vorsitzenden. Prinzler,

Vertreter der Akademie der Künste im Gremium,

folgt auf Dr. Ulrike Liedtke, die aus dem

Rundfunkrat ausscheidet.

Als stellvertretender Vorsitzender wird Suat

Bakir bestätigt, der von den Ausländerbeauftragten

Berlins und Brandenburgs in den Rundfunkrat

entsandt ist. Die Amtszeit des Vorsitzenden

und seines Stellvertreters beträgt zwei

Jahre.

WDr fernsehen modifiziert Programmschema

25. Februar

Mit neuen Unterhaltungssendungen und einem

optimierten Programmschema präsentiert sich

das WDR Fernsehen seinen Zuschauern. Kernstück

der Reform ist der neue Mittwochabend,

der seit der Verlegung von »hart aber fair« ins

Erste viele Zuschauer eingebüßt hat. Nun ste-

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 127


hen Unterhaltungsformate auf dem Programm,

darunter die neuen Sendungen »Beste Freund

und »Familienbande«; weitere Formate sind

in der Entwicklung. »frauTV« und »Menschen

hautnah« sind jetzt statt mittwochs am Donnerstag

zu sehen. Auch tagsüber gibt es einige

Veränderungen, die das Programm noch klarer

strukturieren (vgl. Fernsehen 2009).

elke Herrmann gestorben

26. Februar

Elke Herrmann, frühere Moderatorin der »Tagesthemen«

und Fernseh-Chefredakteurin des

SR, stirbt im Alter von 66 Jahren. Die gebürtige

Völklingerin arbeitete seit 1962 für den SR, zunächst

als Sprecherin für den Frauenfunk, später

als Moderatorin und Redakteurin im Hörfunk,

danach auch fürs Fernsehen.

Überregional bekannt wurde sie 1984 als

Moderatorin und Kommentatorin der »Tagesthemen«.

Von 1991 bis zum Eintritt in den Ruhestand

2002 war Elke Herrmann Hauptabteilungsleiterin

Politik und Zeitgeschehen sowie

Fernseh-Chefredakteurin des SR.

SR-Intendant Raff würdigt Elke Herrmann

als »starke Persönlichkeit mit klarem journalistischem

Profil . . ., die sowohl im Saarland als

auch in der ARD höchste Anerkennung fand«.

_ MärZ

Deutschlandradio-Hörfunkrat unter neuem Vorsitz

5. März

Dr. Erwin Vetter, Vertreter des Landes Baden-

Württemberg, wird vom Hörfunkrat des

Deutschlandradios zum neuen Vorsitzenden

gewählt. Vetter gehört dem Gremium seit der

Gründung des Deutschlandradios 1994 an und

ist Vorsitzender des Wirtschafts- und Finanzausschusses.

Die Wahl war notwendig geworden,

weil der bisherige Vorsitzende Dr. Robert Guttmann

im Januar nach langer Krankheit verstorben

ist.

arD startet eigenen Kanal

auf der Videoplattform YouTube

5. März

Unter www.youtube.com/ARD präsentiert die

ARD ab sofort ausgewählte Inhalte aus den

Bereichen Wissen, Information und Unterhaltung

auf der beliebten Internet-Videoplattform

YouTube. Zum Start des ARD-Channels stehen

rund 100 Clips zum Abruf bereit. Der Kanal ist

frei von Werbung. Mit diesem Angebot möchte

die ARD die »neuen Zielgruppen genau dort

ansprechen, wo sich die junge Generation heute

aufhält«, so der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust.

Ingrid felgenträger

neue Landessenderdirektorin baden-Württemberg

6. März

Mit Wirkung zum 1. 4. wird Ingrid Felgenträger

Direktorin des SWR-Landessenders Baden-

Württemberg in Stuttgart. Auf Vorschlag des

Intendanten wählt der Landesrundfunkrat

Baden-Württemberg die bisherige Leiterin der

Hauptabteilung Programmkoordination und

Service in der SWR-Fernsehdirektion zur Nachfolgerin

von Willi Steul. Steul wechselt am 1. 4.

als neuer Intendant des

Deutschlandradios nach

Köln.

Felgenträger kam

nach ihrem Studium mit

Abschluss als Diplom-

Übersetzerin 1979 zum

SR, wo sie nach Stationen

in der Intendanz

und als Referentin in

der Fernsehprogrammdirektion

zuletzt den Bereich Programmplanung

Fernsehen des SR leitete. Im September

1998 wechselte sie in gleicher Funktion in die

Programmplanung des SWR nach Baden-

Baden, seit 2005 leitete sie die Hauptabteilung

Programmkoordination und Service. Das dort

angesiedelte digitale Angebot EinsPlus wurde

maßgeblich von ihr konzipiert.

arD-Kulturwellen senden radionacht der Hörbücher

13. März

9. ARD-Radionacht der Hörbücher von der

Leipziger Buchmesse: Vier Stunden lang geben

die Radio-Kulturwellen der ARD live einen

Andreas Fröhlich (l.), Martin Zylka

zu Gast bei der ARD-Radionacht

128 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Überblick über die aktuellen Produktionen der

Landesrundfunkanstalten und der Hörbuch-

Verlage. Von Kabarett bis zur Weltliteratur

reicht das Spektrum des Abends: Bastian

Sicks »Happy Aua« steht ebenso auf dem Programm

wie Gespräche über die Entstehung der

»Stammheim-Bänder«. Kabarettist Matthias

Deutschmann nimmt die Hörer mit auf »Eine

Reise nach Jerusalem«.

Koeppens nachkriegstrilogie als Hörspiel

15. März – 10. Mai

Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Bundesrepublik

haben HR, SWR und WDR Wolfgang

Koeppens Romane »Tauben im Gras«

(1951), »Das Treibhaus« (1953) und »Der Tod in

Rom« (1954) fürs Hörspiel adaptiert. In der »Tri-

logie des Scheiterns« gab Koeppen Anfang der

1950er Jahre eine kritische Bestandsaufnahme

der sich formenden Bundesrepublik und erteilte

allen Hoffnungen auf einen politischen Neuanfang

der jungen Republik mit Blick auf Wiederaufrüstung,

Restauration und Besatzungsalltag

der Adenauer-Ära eine Absage.

Leonhard Koppelmann und Walter Adler

(Bearbeitung und Regie) haben die literarische

Vorlage für das akustische Medium übersetzt

und 425 Minuten lang den Zeitgeist dieser Ära

wiederbelebt. Zu den mitwirkenden Schauspielern

gehören Ulrich Noethen, Felix von

Manteuffel, Irm Hermann und Axel Milberg;

Günter Lenz und Hermann Kretzschmar sind

als Komponisten eingebunden. hr2-kultur

sendet die Trilogie in vier Teilen vom 15. 3. bis

10. 6.; SWR2 strahlt sie am 17., 21. und 24. 5. aus;

WDR 5 sendet in sechs Folgen vom 15. 3. bis

11. 6. 2009.

Das erste zeigt vierteilige Doku über »Kriegskinder«

16. März – 6. April

Um die Kinder, denen der Zweite Weltkrieg

ihre Kindheit raubte, geht es in der vier -

teiligen Dokumentation im Ersten. Anhand

von Zeitzeugenberichten wird die Geschichte

einer Generation lebendig, die bisher kaum

über ihre Erlebnisse gesprochen hat. Die

»Kriegskinder« selbst kommen zu Wort, und

zwar nicht nur die deutschen, sondern auch

jene in den einst überfallenen und besetzten

Ländern. Fotos, Zeichnungen, Archivmaterial

und Tagebuchaufzeichnungen verbildlichen

das Erzählte. So entsteht in der Produktion von

MDR und SWR ein differenziertes Bild über

das Schicksal der Generation der Kriegskinder

in Europa.

»Tauben im Gras«: Calvin E. Burke Kinderzeichnung Bombenangriff

Tolstois »Krieg und frieden« im arD-Hörfunk

16. März – 5. Mai

Die Kulturradios von RBB, NDR, SWR und

Radio Bremen starten mit einer ungewöhnlichen

Lesung: Tolstois 1868/69 erschienenes

Epos »Krieg und Frieden« ist in einer ungekürzten

Fassung im Radio zu hören. Der RBB

hat gemeinsam mit NDR, SWR und Radio

Bremen das über 2 000 Seiten umfassende

Werk, das die Zeit der napoleonischen Kriege

schildert, in rund 250 Stunden aufgenommen.

Ulrich Noethen hat dem gesamten Text

seine Stimme gegeben, unterstützt von Regisseur

Ralph Schäfer (Kulturradio des RBB). Sieben

Monate wurde das Material anschließend

geschnitten. Vom 16. 3. bis 5. 5. ist zunächst in 33

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 129


Folgen das erste Buch zu hören. Auch der Audio

Verlag beteiligt sich mit einer Hörbuchauflage

von 1 000 Stück an diesem Projekt.

früherer fernsehchefredakteur des SWr gestorben

22. März

Reinhard Kleinmann, von 1986 bis 1993 Fernsehchefredakteur

und Leiter der Hauptabteilung

Information beim SWR-Vorgänger SWF, stirbt

im Alter von 76 Jahren. Sein journalistisches

Handwerk hatte Reinhard Kleinmann nach

dem Studium der Soziologie und Geschichte

bei den »Westfälischen Nachrichten« in Münster

erlernt. Später ging er zur »Stuttgarter Zeitung«,

bevor er 1963 in die »heute«-Redaktion

zum ZDF kam. 1966 wechselte er zum WDR.

Dort arbeitete er anfangs als Korrespondent

und Kommentator für Landespolitik in Düsseldorf,

leitete später die Abteilung »Aktuelles

Fernsehen«, bis er 1986 als Chefredakteur zum

SWF-Fernsehen wechselte.

Thomas Hengelbrock neuer Chefdirigent

des nDr Sinfonieorchesters

27. März

Thomas Hengelbrock wird von der Saison

2011/2012 an die Position des Chefdirigenten des

NDR Sinfonieorchesters übernehmen. In der

Nachfolge von Christoph von Dohnányi wird

er zunächst für drei Jahre an der Spitze des Or-

Joachim Knut (l.), Thomas Hengelbrock (M.),

und Lutz Marmor (r.)

chesters stehen. Einen entsprechenden Vertrag

unterzeichnet er beim NDR in Hamburg (Foto).

Hengelbrock, Jahrgang 1958, wurde in Wilhelmshaven

geboren. Er ist gleichermaßen als

Opern- wie auch als Konzertdirigent international

gefragt. Regelmäßig dirigiert er an der

Opéra National de Paris. Unter der neuen In-

tendanz von Gerard Mortier wird er ab 2010

jährlich eine Opernproduktion am Teatro Real

in Madrid leiten. Gastdirigate führen ihn wiederholt

zum Symphonieorchester des BR, den

Münchner Philharmonikern, dem Chamber

Orchestra of Europe und zu den Sinfonieorchestern

des WDR und des SWR Stuttgart.

axel balkausky wird hauptamtlicher

Sportkoordinator

30. März

Die Intendanten der Landesrundfunkanstalten

berufen Axel Balkausky zum hauptamtlichen

Sportkoordinator der ARD. Bereits seit September

2008 war er nebenamtlicher Sportkoordinator,

blieb aber weiterhin als Sportbereichsleiter

für den NDR tätig. Ab 1. 11. 2009 wird er die

Funktion des Sportkoordinators hauptamtlich

ausüben und zur Programmdirektion nach

München wechseln.

_ aPrIL

rbb erhält zinsfreies arD-Darlehen

1. April

Eine Liquiditätshilfe in Höhe von 20 Mio Euro

stellen WDR, SWR, NDR, BR und MDR dem

RBB zur Verfügung. Das zinsfreie Darlehen

ist zurückzuzahlen und wird 2009 und 2010 in

Raten von je zehn Mio Euro an den RBB ausgezahlt.

Das vereinbaren die Intendanten der

ARD-Landesrundfunkanstalten auf ihrer Arbeitssitzung

in München.

Der RBB ist seit 2005 überdurchschnittlich

stark von Gebührenbefreiungen besonders im

Großraum Berlin betroffen. Wegen der daraus

resultierenden Einnahmerückgänge musste der

RBB bereits Einschnitte im Programm vornehmen.

arD beschließt federführungen bei

Sport-Großveranstaltungen

1. April

Für die Übertragung sportlicher Großereignisse

gibt es in der ARD künftig eine feste Zuständigkeit

einzelner Sender. Das beschließen die

Intendanten der Landesrundfunkanstalten auf

ihrer Arbeitssitzung in München.

Nach der neuen Festlegung hat der WDR

die Federführung für die Berichterstattung von

den Fußball-Europameisterschaften, der SWR

130 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Siebenkampf der Frauen, hier 200-Meter-Lauf

für alle Fußball-Weltmeisterschaften, BR oder

MDR für die Olympischen Winterspiele und

der NDR für die Olympischen Sommerspiele.

Bisher richtete sich die Zuständigkeit für die

Sport-Großveranstaltungen überwiegend nach

den Korrespondentengebieten der Landesrundfunkanstalten.

arD-Kulturwellen widmen

Georg friedrich Händel Programmschwerpunkt

14. April

Der Todestag Händels jährt sich am 14. 4. zum

250. Mal. Für fast alle Kulturwellen der ARD

Anlass, sich ausführlich mit dem Werk und

der Wirkungsgeschichte des überaus produktiven

Barockkomponisten zu befassen. Mit

25 Oratorien und über 40 Opern, zahlreichen

Konzerten, Kammermusik, Cembalowerken, lateinischer

Kirchenmusik und italienischen Solokantaten

hinterließ Händel ein gewaltiges Werk.

MDR FIGARO ehrt den großen Komponisten,

der seine Kindheit und Jugend in Halle

verlebt hat, eine ganze Woche lang mit zahlreichen

Beiträgen. Bayern 4 Klassik widmet dem

Künstler vom 5. 4. bis 14. 4. ein Radiofestival

und sendet neben Opern, Oratorien und Konzerten

auch Musikfeatures und Hörspiele. Auch

SWR2 und WDR 3 setzen im April je eigene

Händel-Schwerpunkte. In NDR Kultur erzählt

der Journalist Rolf Seelmann-Eggebert in einer

20-teiligen Reihe Händels Lebensgeschichte.

hr2-kultur strahlt am 19. 4. als Übernahme der

Union Europäischer Rundfunkorganisationen

(EBU) bzw. von EURORADIO eine 16-stündige

akustische Reise zu Händel-Konzerten aus

zahlreichen europäischen Metropolen aus (vgl.

Hörfunk 2009).

Der NDR hat anlässlich des 250. Todestags

von Händel zwei Filme produziert: »Händel –

Der Film« wird am 12. 4. im Ersten und am 14. 4.

in 3sat ausgestrahlt sowie »Händel in Norddeutschland

– Wanderjahre eines Musikstars«

am 13. 4. im NDR Fernsehen.

Das erste zeigt reich-ranickis »Mein Leben«

15. April

WDR, ARTE und ARD Degeto haben in Koproduktion

mit Trebitsch Entertainment Marcel

Reich-Ranickis Autobiografie »Mein Leben«

fürs Fernsehen adaptiert. Drehbuchautor Michael

Gutmann hat die literarische Vorlage

bearbeitet. In Rückblenden erzählt der Film

die Lebensgeschichte des einflussreichen Literaturkritikers

Reich-Ranicki, der 1920 als deutschpolnischer

Jude in Wloclawek an der Weichsel

geboren wurde, als Kind nach Berlin kam, von

dort ins Warschauer Ghetto deportiert wurde,

wo er in größter Not auch die Liebe seines Lebens

fand und mit ihr nur knapp dem Tod entging.

Seine Eltern wurden im Vernichtungslager

Treblinka getötet.

Auf diese Zeit und auf die frühen 50er Jahre

konzentriert sich der Regisseur Dror Zahavi in

seinem Fernsehfilm. Matthias Schweighöfer

spielt die Hauptrolle, Katharina Schüttler seine

Ehefrau Teofila, genannt Tosia. In der Rolle der

Reich-Eltern sind Maja Maranow und Joachim

Król zu sehen.

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 131


Im Anschluss an den Fernsehfilm zeigt Das

Erste die Dokumentation »Eine Begegnung mit

Marcel Reich-Ranicki«, vom WDR fürs Erste

produziert. Der deutsch-französische Kulturkanal

ARTE strahlte »Marcel Reich-Ranicki: Mein

Leben« bereits am 10. 4. aus.

Handball-eM weiter bei arD und ZDf

15. April

ARD und ZDF erwerben die exklusiven TV-

Ausstrahlungsrechte an den Handball-Europameisterschaften

der Männer, die im Zeitraum

von 2011 bis 2015 stattfinden. Eine entsprechende

Vereinbarung treffen die ARD/ZDF-

Sportrechteagentur SportA und eine Agentur,

die von der Europäischen Handball Föderation

(EHF) mit der Vermarktung der Rechte beauftragt

ist. Auch die nächste Handball-EM, die

vom 19. bis 31. 1. 2010 in Österreich stattfindet,

wird im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen.

folletts »Die Tore der Welt« als Hörspiel-Mehrteiler

19. April – 1. Juni

WDR 5 sendet eine spannende Radiofassung

von Ken Folletts neuem Bestseller »Die Tore

der Welt«. Die Fortsetzung von »Die Säulen

der Erde« – vor zehn Jahren ebenfalls vom

WDR als szenisches Epos umgesetzt – entführt

die Hörer in die Intrigen und Machtkämpfe

Englands im Jahre 1327. In mehr als 100 Produktionstagen,

mit 20 Haupt- und rund 50 Nebendarstellern

und einem eigens engagierten Geräuschemacher

wurde dieses Mittelalter-Epos in

den WDR-Studios szenisch umgesetzt.

Wolfram Koch (l.), Irina Wanka (M.) und Wanja

Mues (r.) während der Produktion

WDR-Regisseur Martin Zylka hat die zehnteilige

Bearbeitung dieses 1 300 Seiten dicken

Werks selbst geschrieben und die Realisierung

überwacht. Als Erzähler fungieren Rosemarie

Fendel und Peter Matic (vgl. Hörfunk 2009).

arTe kooperiert mit griechischem fernsehen erT

29. April

Der europäische Fernsehkulturkanal ARTE kooperiert

künftig mit dem Fernsehen der staatlichen

griechischen Rundfunkanstalt ERT. Eine

entsprechende Vereinbarung unterzeichnen die

Spitzenvertreter beider Sender in Athen. Die

Vereinbarung sieht vor allem die Durchführung

von Koproduktionen – unter anderem von Themenabenden,

Fernsehfilmen und Dokumentationen

– mit einem jährlichen Gesamtvolumen

von 300 000 Euro vor.

Es ist die achte Vereinbarung dieser Art, die

ARTE mit öffentlich-rechtlichen Sendern in Europa

eingegangen ist.

_ MaI

arD-Themenschwerpunkt: 60 Jahre bundesrepublik

Mai

60 Jahre nach der doppelten Staatsgründung

im Mai bzw. Oktober 1949 werfen die ARD-

Programme einen Blick zurück auf die Geschichte

beider deutscher Staaten; vom Kalten

Krieg und Mauerbau, vom Rüstungswettlauf,

Entspannung und Mauerfall bis zur Gegenwart.

Politische Ereignisse werden mit dem Alltagsgeschehen

jener Jahre verwoben. Als multimediales

Gemeinschaftsprojekt von RBB (Federführung),

NDR, PHOENIX, WDR, MDR, SWR

und DW-TV geht am 2. 3. »60 x Deutschland

– Die Jahresschau« auf Sendung: Die 60-teilige

Chronik fasst herausragende Ereignisse der

vergangenen 60 Jahre in je 15-minütigen Bilderbögen

zusammen. Die beteiligten Sender

wiederholen die Reihe in ihren Dritten Programmen.

Zwei Hörfunkprogramme des RBB und

SWR cont.ra senden vom 2. 3. bis 22. 5. 15-minütige

Radiofeatures, ergänzend begleitet die Website

www.60xDeutschland.de die Fernseh- und

Hörfunksendungen.

Anlässlich des Inkrafttretens des Grundgesetzes

im Mai vor 60 Jahren gestaltet das

Kulturradio des WDR am 23. 5. einen großen

WDR 3 Radiotag. Auch SR 1 Europawelle prä-

132 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


sentiert einen Thementag und blickt auf die

wichtigen Ereignisse der deutschen Geschichte

zurück.

PHOENIX überträgt den Staatsakt zum 60.

Geburtstag der Bundesrepublik am 22. 5. live aus

Berlin.

rbb legt fernseh- und Hörfunkdirektion zusammen

1. Mai

Der RBB vereint die Fernseh- und die Hörfunkdirektion

zu einer multimedialen Programmdirektion,

an deren Spitze Dr. Claudia Nothelle

steht. Statt bisher 13 getrennte Radio- und

Fernsehbereiche gibt es jetzt nur noch fünf inhaltlich

gegliederte Bereiche. Planungs- und Abstimmungsprozesse

sowie die medienübergreifende

Zusammenarbeit von Fernsehen, Radio

und Online sollen dadurch optimiert werden.

arD-Themenwoche zum ehrenamt

10. – 16. Mai

»Engel im Nebenjob – Vom Alltag mit dem

Ehrenamt« lief am 13. 5. im rbb Fernsehen.

»Ist doch Ehrensache! Wie Menschen sich für

die Gesellschaft engagieren« lautet das Motto

der diesjährigen ARD-Themenwoche. Sieben

Tage lang widmen sich alle Landesrundfunkanstalten

der ARD in ihren Radio- und Fernsehprogrammen

sowie im Internet dem bürgerschaftlichen

Engagement und dem wachsenden

Wert des Ehrenamts für den Zusammenhalt der

Gesellschaft. Immerhin sind mehr als 20 Millionen

Menschen in Deutschland ehrenamtlich

tätig, sei es im Verein, bei der freiwilligen Feuerwehr

oder in Bürgerinitiativen. Insgesamt 1 300

Beiträge – von Reportagen, Talks, Features bis

zum Spielfilm – mit einer Gesamtsendezeit von

mehr als 800 Stunden befassen sich mit dem

Thema.

Eröffnet wird die ARD-Themenwoche mit

einem bundesweiten Aktionstag, an dem sich

über 500 Organisationen und Initiativen beteiligen.

Als Paten unterstützen die Violistin Anne-

Sophie Mutter, der Schauspieler Miroslav Nemec

und der Fußballer Philipp Lahm die vierte

ARD-Themenwoche, die in diesem Jahr vom

BR koordiniert wird (vgl. Themenwoche 2009).

Jan Metzger neuer Intendant von radio bremen

14. Mai

Der Rundfunkrat von Radio Bremen wählt Jan

Metzger als Nachfolger von Prof. Dr. Heinz

Glässgen zum neuen Intendanten der Rundfunkanstalt.

Glässgen steht seit Oktober 1999

an der Spitze von Radio Bremen und tritt am

30. 6. 2009 in den Ruhestand.

Metzger, zuletzt Leiter der »heute-journal«-

Redaktion beim ZDF, absolvierte nach seinem

Studium der Geschichte, Soziologie und Politik

zunächst ein Volontariat beim HR und arbeitete

dort anschließend

als Redakteur, Moderator

und Reporter. Von 1988

bis 1994 war Jan Metzger

ARD-Hörfunkkorrespondent,

zunächst für

Spanien und Portugal,

anschließend für die damalige

Tschechoslowakei.

Ab 1995 leitete er beim

HR »hr1«, ab 1997 das

hessen fernsehen, bis er

2004 zum Leiter der erweiterten

Hauptabteilung

Programmmanagement Fernsehen des HR berufen

wurde. 2006 wechselte Metzger zum ZDF.

Sein Amt als Radio-Bremen-Intendant tritt er

am 1. 8. an, die Amtszeit beträgt fünf Jahre.

»Projekt D – eine schwarz-rot-goldene Zeitreise«

im KI.Ka

19. Mai – 9. November

Um politische Zeitgeschichte des deutschen

Staates – von Bismarck bis zur Gegenwart –

geht es im »Projekt D«. Der Anlass: Zahlreiche

für die deutsche Geschichte wichtige Ereignisse

jähren sich 2009 – von der Gründung der Weimarer

Republik vor 90 Jahren über den Beginn

des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren und die

Gründung beider deutscher Staaten vor 60 Jahren

bis zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. KI.KA

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 133


arbeitet diese Themen in zwei Schwerpunkten

kindgerecht auf; zunächst im Mai, dann noch

einmal im Herbst.

»Projekt D«: Willi Weitzel mit einem Foto

von Kaiser Wilhelm II.

radio bremen begleitet evangelischen Kirchentag

20. – 24. Mai

Der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag steht

unter dem biblischen Motto »Mensch, wo bist

Du?«. Rund 100 000 Besucher kommen zu

dem größten evangelischen Laientreffen nach

Bremen. Radio Bremen als gebietszuständige

Rundfunkanstalt ist Host-Broadcaster und beliefert

sämtliche Landesrundfunkanstalten der

ARD mit Beiträgen, Umfragen, Kommentaren,

Features, Reportagen und Live-Sendungen.

arD legt Telemedienkonzepte für Dreistufentest vor

29. Mai

Die ARD legt den zuständigen Aufsichtsgremien

ihre Telemedienkonzepte für die gemeinschaftlichen

Angebote vor, dazu zählen u. a. die

Online-Portale DasErste.de, ARD.de., tagesschau.de

und boerse.de sowie die kooperierten

Angebote kika.de und KI.KA.-Text. In den

Konzepten wird im Detail der aktuelle Bestand

beschrieben und dargelegt, wie die ARD mit

ihren Telemedienangeboten in Zukunft ihren

Auftrag erfüllen will.

Die Telemedienangebote werden von den

Gremien dem Dreistufentest unterzogen, wie

es der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag vorsieht.

Bis zum 31. 8. 2010 müssen sämtliche Verfahren

abgeschlossen sein (vgl. Rundfunkpolitik

2009).

arD-Programme erinnern an Joseph Haydn

31. Mai

Vor 200 Jahren starb Joseph Haydn. Mit zahlreichen

Programmaktivitäten erinnern die

Klassik- und Kulturprogramme der ARD an

den Komponisten, der lange im Schatten Mozarts

und Beethovens stand: In Bayern 4 Klassik

ist vom 1. 1. 2009 an jeden Tag ein Werk aus

Haydns Nachlass zu hören. Außerdem widmet

sich ein kompletter Programmtag im Mai dem

vielfältigen Werk Joseph Haydns. hr2-kultur

würdigt den Komponisten am 1. 5. mit einem

14-stündigen Thementag. Auch das Kulturradio

WDR 3 widmet sich in Konzerten und Musikfeatures

dem Leben und umfangreichen Werk

Haydns (vgl. Hörfunk 2009).

_ JunI

arD-Programme berichten

über Wahlen zum europaparlament

7. Juni

Zwischen dem 4. und 7. 6. finden in den 27 Mit -

gliedstaaten der Europäischen Union Direktwahlen

zum Europaparlament statt, die Bundesbürger

wählen am 7. 6. Die Fernseh- und Radioprogramme

der ARD berichten in Nachrichten

und Sondersendungen ausführlich über die

heiße Phase des Wahlkampfs und die Tage der

Entscheidungen. Das Erste sendet beispielsweise

eine Diskussion der Spitzenkandidaten

live aus Brüssel zu den aktuellen Themen Finanzkrise,

Klimawandel und EU-Außenpolitik.

Auch ARTE und PHOENIX bieten umfangreiche

Online-Dossiers mit Wissenswertem zu

Europa. Das Erste und PHOENIX informieren

am Wahlabend live über Hochrechnungen, Ergebnisse

und Wahlbeteiligung.

Tom Buhrow und Sven Lorig auf Europatour

134 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Initiative für analog-Digital-umstieg

bei Satellitenübertragung

15./16. Juni und später

Nach ihrer Arbeitssitzung in Bremen unterstreicht

die ARD ihr Ziel, den Umstieg von

analoger auf digitale Satellitenverbreitung zügig

voranzutreiben. Entsprechende Informationskampagnen

werden u. a. auf der Internationalen

Funkausstellung (IFA) im September realisiert.

Als Ergebnis von Gesprächen zwischen den

Landesmedienanstalten, der Kommission für

Zulassung und Aufsicht (ZAK) und Marktteilnehmern

folgen die TV-Veranstalter der Empfehlung

der Medienanstalten, die analoge Verbreitung

über Satellit spätestens am 30. 4. 2012

zu beenden.

Eine gemeinsame Kommunikationsinitiative,

die im Frühjahr 2010 unter dem Titel »klardigital«

startet, soll das Publikum begleitend auf die

Umstellung vorbereiten. Sie informiert die Sat-

Zuschauer und den Fachhandel über das Ende

der analogen Satellitenverbreitung und damit

verbundene technische Details.

Sr weiht grundsaniertes fernsehgebäude ein

18. Juni

Nach gut zweijähriger Sanierung bei laufendem

Betrieb weiht SR-Intendant Raff das baulich

erneuerte und technisch modernisierte Fernsehgebäude

auf dem Saarbrücker Halberg ein.

Viel Glas und Aluminium geben dem Gebäude

eine moderne und futuristische Optik, auch

die technische Infrastruktur wurde auf den neuesten

Stand gebracht und ins digitale Zeitalter

überführt. So entstand auf Studioebene eine

durchgängige Produktionsstraße. Zwar ist die

Digitalisierung im Bereich des Fernsehens noch

nicht komplett abgeschlossen, aber einige Sendungen

werden bereits digital produziert. Der

Umbau und die Modernisierung der Infrastruktur

seien wichtige Maßnahmen zur Sicherung

des Medienstandorts Halberg, so der SR-Intendant

(vgl. Produktion und Technik 2009).

berthold Tritschler neuer betriebsdirektor des Hr

22. Juni

Berthold Tritschler wird

neuer Betriebsdirektor

des HR. Der Verwaltungsrat

der Anstalt folgt

dem Personalvorschlag

des Intendanten und

wählt Tritschler als Nachfolger

von Dr. Joachim

Weinmann, der Ende

September in den Ruhestand

tritt. Weinmann

war 1995 zum Verwaltungsdirektor

und 2002 – nach Zusammenlegung

der Verwaltungs- und der technischen

Direktion – zum Betriebsdirektor gewählt worden.

Tritschler, Diplom-Ingenieur für Nachrichtentechnik,

war seit 1984 in unterschiedlichen

Funktionen für das ZDF tätig; seit 2004 arbeitet

er als Bereichsleiter Fernsehproduktion für den

HR. Sein neues Amt tritt er am 1. 10. an.

_ JuLI

eu-rundfunkmitteilung verabschiedet

2. Juli

Die EU-Kommission legt aktualisierte Regeln

für die (in einigen Ländern staatliche) Finanzierung

der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten

vor, die die Rundfunkmitteilung aus

dem Jahr 2001 ersetzen. Die Überarbeitung war

notwendig, da sich die Medienlandschaft durch

die Digitalisierung stark verändert hat.

Die EU-Kommission stellt jetzt klar, dass der

öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht auf ein

Nischendasein begrenzt werden kann. Technologieneutralität

und journalistische Unabhängigkeit

seien Grundlage für die Weiterentwicklung

des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im

digitalen Zeitalter.

Insgesamt legt die neue Rundfunkmitteilung

der EU mehr Gewicht auf die Rechenschaftspflicht

und die Kontrolle auf einzelstaatlicher

Ebene.

hr-infO strukturiert sein Programm neu

10. Juli

Das Informationsradio des HR – täglich von

6.00 Uhr früh bis Mitternacht auf Sendung –

bekommt ab sofort eine neue Struktur: Kern-

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 135


punkt der Reform sind Nachrichten im 20-Minuten-Takt,

eine neue Verteilung der Themen

und mehr Meinungsvielfalt. Am Abend und

am Wochenende sind neben halbstündigen

Themensendungen auch die »Tagesschau« und

»Anne Will« im Wortprogramm des HR zu

hören. Die Berichterstattung aus der Landeshauptstadt

und den hessischen Regionen ist

fester Bestandteil der Nachrichten und anderer

Sendungen (vgl. Hörfunk 2009).

Hörfunk-Kulturwellen der arD

bieten erstmals gemeinsames »radiofestival«

12. Juli – 12. September

»Sophisticated Gentleman – Der Pianist Hank

Jones« lief am 31. 8. beim »ARD Radiofestival«.

Unter dem Titel »ARD Radiofestival« bieten

die Kulturwellen der neun Landesrundfunkanstalten

während des Sommers zwei Monate

lang ein gemeinsames Kultur-Abendprogramm.

Neben einer gemeinsamen Musikstrecke mit

Konzerten aus den besten Sommer-Musikfestivals

in Europa gibt es eine 61-teilige Lesung des

Thomas-Mann-Klassikers »Buddenbrooks«. Im

Anschluss an die halbstündige Strecke für Jazz-

Liebhaber stellen die beteiligten Kulturwellen

unter dem Titel »Echtzeit« hörenswerte Radiodokumente

aus 60 Jahren deutscher Geschichte

vor. Mit den vertonten Gedichten aus dem

»Hör-Conrady« wird das gemeinsame Angebot

kurz nach Mitternacht beschlossen (vgl. ARD-

Jahrbuch 09, S. 82).

Kef lehnt freigabe der Projektmittel für Dab ab

15. Juli

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs

der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten

(KEF) gibt die von ARD und Deutsch-

landradio eingestellten Projektmittel für den

Digitalen Hörfunk nicht frei. Ihre Ablehnung

begründet sie damit, dass es nicht gelungen sei,

zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten

Hörfunkanbietern einen tragfähigen Konsens

für die Einführung des Digitalen Hörfunks herbeizuführen.

Damit ist der weitere Ausbau der

DAB-Systemfamilie vorerst blockiert.

Als Konsequenz kündigt Deutschlandradio

seine DAB-Verträge und strahlt nur noch eingeschränkt

mit verringerter Datenrate aus. Andere

ARD-Anstalten können Pilotprojekte zu DAB

plus noch zu Ende führen (BR, MDR) oder

streichen einige ihrer DAB-Angebote (NDR)

(vgl. Produktion und Technik 2009).

_ auGuST

DW: Marc Koch

neuer Chefredakteur Hörfunk und Online

1. August

Marc Koch, zuletzt Hörfunkkorrespondent im

ARD-Studio Madrid, verantwortet als neuer

Chefredakteur der DW ab sofort die Hörfunk-

und Online-Angebote des deutschen Auslandssenders

in 30 Sprachen. In dieser Funktion folgt

Koch auf Miodrag Soric, der als Leiter ins DW-

Studio Washington wechselt. Marc Koch hat

in Mainz und München

Germanistik, Geschichte,

Philosophie und Romanistik

studiert und anschließend

ein Volontariat beim

HR absolviert. Danach war

er für den HR-Hörfunk als

freier Redakteur, Moderator,

Reporter und Korrespondent

in Frankfurt,

Wiesbaden, Bonn und

Paris tätig. Von August 2006 an berichtete Koch

für die ARD aus Madrid.

bayerisches fernsehen modifiziert Programm

9. August

Kernstück der Programmreform ist der Ausbau

von Aktualität und Regionalität: Das Informationsangebot

am Nachmittag wird mit einer

zusätzlichen »Rundschau«-Ausgabe und den

stundenaktuellen »Rundschau-News« weiter

ausgebaut und die regionale Kompetenz stärker

betont. Ferner sieht das neue Schema mehr

136 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Flexibilität bei der Ausstrahlung von Themenabenden

vor, die künftig nicht nur samstags,

sondern anlassbezogen ausgestrahlt werden.

Das Jugendmagazin »on3-südwild« wird

künftig nicht mehr im Bayerischen Fernsehen,

sondern im Verbund mit BR-Online und BRalpha

angeboten (vgl. Fernsehen 2009).

arD und ZDf zeigen

Leichtathletik-WM im HD-format

15. – 23. August

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009

in Berlin kämpfen rund 2 500 Athleten aus 47

Ländern eine Woche lang um Medaillen. Unter

Federführung von NDR und RBB berichten die

ARD-Anstalten ausführlich im Hörfunk, Internet

und Fernsehen über die Wettkämpfe, Sportler

und Hintergründe. Im Fernsehen senden

ARD und ZDF im Wechsel rund 55 Stunden

live von den Leichtathletik-Weltmeisterschaften

und produzieren – unter Federführung des

ZDF als Host-Broadcaster – das internationale

Sendesignal für Fernsehstationen in aller

Welt, und zwar erstmals in hochauflösender

HDTV-Technik. Vor Beginn der geplanten Regelausstrahlung

in HDTV zu den Olympischen

Winterspielen in Vancouver im Februar 2010 ist

das einer der letzten großen Probeläufe mit der

neuen Technik. HDTV bietet den Zuschauern

auch auf großen Bildschirmen schärfere und

farbintensivere Bilder von diesem internationalen

sportlichen Großereignis (vgl. ARD-Jahrbuch

09, S. 99).

Landtagswahlen im Saarland, in Sachsen und

Thüringen – arD-anstalten berichten ausführlich

30. August

In gleich drei Bundesländern entscheiden die

Bürger über die Zusammensetzung ihrer Landtage

und die Wahl der Ministerpräsidenten.

Im Saarland strebt der amtierende Ministerpräsident

Peter Müller von der CDU eine Verlängerung

seiner Amtszeit an. In Thüringen

versucht die CDU unter Ministerpräsident

Dieter Althaus eine Mehrheit zu erlangen, und

in Sachsen möchte Ministerpräsident Stanislaw

Tillich (CDU) eine Regierungsmehrheit. Die

gebietszuständigen Landesrundfunkanstalten

SR und MDR informieren im Vorfeld der

Wahlen auf allen Verbreitungswegen ausführlich

über Programme, Spitzenkandidaten und

Prognosen. Am Wahltag selbst präsentieren die

Landesrundfunkanstalten ab Schließung der

Wahllokale Hochrechnungen und Ergebnisse in

Fernsehen, Hörfunk und Internet.

_ SePTeMber

rbb und arTe senden filmisches Großprojekt

»24h berlin – ein Tag im Leben«

5. September

ARTE und der RBB präsentieren ein Fernsehprogramm

besonderer Art: die Dokumentation

»24h Berlin – ein Tag im Leben«. Von Samstagmorgen

6.00 Uhr bis Sonntagmorgen 6.00 Uhr

läuft in beiden Programmen 24 Stunden lang

nonstop das filmische Porträt der Metropole

Berlin. Genau ein Jahr vor der Ausstrahlung,

im September 2008, waren 80 Drehteams mit

namhaften Regisseuren 24 Stunden in Berlin

Deutscher Reichstag, Berlin:

Blick von der Terrasse an der Glaskuppel

unterwegs, filmten Menschen, Kulturen, Stadtansichten

und Milieus. Die rund 900 Stunden

Filmmaterial wurden auf 24 Stunden zusammengeschnitten.

Die Dokumentation entstand

nach einer Idee des Regisseurs Volker Heise.

Neben der Ausstrahlung im Fernsehen gibt es

auch öffentliche Vorführungen an mehr als 30

Orten der Stadt (vgl. Fernsehen 2009).

arD lässt HYbneT modernisieren

9. September

Das ARD-interne digitale Breitband-Übertragungssystem

HYBNET wird modernisiert und

ausgebaut. Nach einer EU-weiten Ausschreibung

erhielt Vodafone den Zuschlag, das neue

Netzwerk zu realisieren. Einen entsprechenden

Vertrag unterzeichnen Vertreter von ARD und

Vodafone im September.

Das dienste-integrierte Netzwerk der ARD

ist ein digitales Programm- und Informationsaustauschnetz

und seit 2003 im Regelbetrieb.

Es verbindet die Landesrundfunkanstalten,

Deutschlandradio und DW miteinander und

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 137


ermöglicht den Programm-, Daten- und Informationsaustausch

unter den Sendern. Die

Modernisierung soll u. a. höhere Datenraten bereitstellen,

die durch die Einführung des hochauflösenden

Fernsehens HDTV notwendig sind.

Die Inbetriebnahme ist für den Jahreswechsel

2010/11 vorgesehen (vgl. Produktion und Technik

2009).

einsfestival erneuert Programmschema und Design

10. September

Einsfestival, das digitale TV-Programm für

junge Erwachsene, präsentiert sich in modernem

Design und mit Neuerungen im

Programmschema (vgl. Fernsehen 2009). Um

20.00 Uhr kommt ab sofort die 100-Sekunden-

Fassung der »Tagesschau« anstelle der Originalfassung.

Die einzelnen Wochentage gliedern

sich nach Programmschwerpunkten: so bietet

Einsfestival seinen Zuschauern beispielsweise

montags Kino international, dienstags preisgekrönte

Dokumentationen und an Donnerstagen

Comedy, wie etwa »NightWash« mit Gastgeber

Klaus-Jürgen »Knacki« Deuser (Foto).

nDr-Verwaltungsrat wählt neuen Vorsitzenden

11. September

Dr. Wolfgang Peiner wird neuer Verwaltungsratsvorsitzender

des NDR. Das zwölfköpfige

Gremium wählt den Hamburger Wirtschaftsprüfer

zum Nachfolger von Hartmut Tölle aus

Niedersachsen. Neue stellvertretende Vorsitzende

wird Dr. Rosemarie Wilken aus Mecklenburg-Vorpommern.

Der Vorsitz wechselt alle

15 Monate unter den Staatsvertragsländern; die

Amtszeit des neuen Vorstands beginnt am 14. 9.

Jerry van rooyen verstorben

14. September

Der ehemalige Chefdirigent der WDR Big

Band Köln, Jerry van Rooyen, stirbt im Alter

von 81 Jahren. 1983 begleitete der Komponist

und Arrangeur van Rooyen als Gastdirigent die

erste große Tournee der WDR Big Band nach

Südostasien. Nach diesem Erfolg begann er 1985

als Chefdirigent und leitete die WDR Big Band

bis 1995.

Heinz burghart verstorben

15. September

Heinz Burghart, früherer Chefredakteur des

Bayerischen Fernsehens, stirbt im Alter von 83

Jahren. Seine journalistische Laufbahn startete

Burghart beim »Münchner Merkur«, bevor er

1964 zum Bayerischen Fernsehen kam. Nach

Stationen bei der »Abendschau« und als Programmbereichsleiter

»Bayern – Information«

wurde er 1987 Chefredakteur Fernsehen. Bekannt

wurde Burghart als Kommentator der

»Tagesthemen«, aber auch als Moderator der

Bürgersendung »Jetzt red i«.

arD-Intendanten verständigen sich auf

fortentwicklung der »bonner beschlüsse«

15. September

Die Intendanten der Landesrundfunkanstalten

beschließen weitere Hilfsmaßnahmen zur finanziellen

Absicherung der kleineren und mittleren

ARD-Anstalten. Das am 15. 4. 2008 beschlossene

Maßnahmenpaket – die sogenannten »Bonner

Beschlüsse« – zur Entlastung der finanzschwächeren

ARD-Anstalten wird damit weiterentwickelt.

Im Zeitraum bis 2012 werden sich NDR

und SWR durch verstärkte Kooperationen überproportional

an der Schließung der Deckungslücke

von Radio Bremen und SR beteiligen (vgl.

Dokumente).

arD-Vorsitz auch 2010 beim SWr

16. September

Der SWR wird auch 2010 den ARD-Vorsitz führen.

Diesem Vorschlag der Intendanten haben

die ARD-Gremien bei der Hauptversammlung

138 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


in Hamburg zugestimmt. Damit bleibt SWR-

Intendant Peter Boudgoust ein weiteres Jahr

Vorsitzender der ARD.

bayern 2 sendet Hörspielbearbeitung

von alexander Kluges »Chronik der Gefühle«

20. September – 21. Dezember

In der Bearbeitung von Karl Bruckmaier hat

der BR Alexander Kluges von 1962 bis 1998 veröffentlichte

Erzählungen – bei Suhrkamp 2000

unter dem Titel »Chronik der Gefühle« erschienen

– als Hörspielprojekt umgesetzt. Das 14-teilige

Hörspiel folgt der Struktur der Vorlage:

Jedem der Teile ist ein Minutensong vorangestellt

– angelehnt an Kluges »Minutenfilme« –,

in dem ein Kluge-Zitat zu Techno, Electro oder

Pop verarbeitet wird. Ferner ziehen sich Melodiefragmente

aus Wagners »Götterdämmerung«

durch das Hörspiel. Alexander Kluge wirkt in

der Bearbeitung mit und reflektiert seine Texte.

Weitere Sprecher sind u. a. Ilja Richter, Hanns

Zischler und Hannelore Hoger (vgl. Hörfunk

2009).

arD berichtet ausführlich über Wahlen

zum bundestag und zu zwei Landtagen

27. September

Im Vorfeld der Bundestagwahl und am Wahlabend

selbst berichtet Das Erste ausführlich

über Spitzenkandidaten, politische Forderungen

und die inhaltlichen Schwerpunkte der Parteien

– ab August auch mit Sondersendungen.

Zu der Vielzahl der Wahl-Sondersendungen

gehört auch das »TV-Duell« zwischen Angela

Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter

Steinmeier am 13. 9. (Foto unten).

Am Tag der Entscheidung berichtet Das Ers-

te ab 17.00 Uhr live aus dem Wahlstudio im

Deutschen Bundestag. Die Unionsparteien und

die FDP erreichen eine Mehrheit für die von

beiden Seiten angestrebte schwarz-gelbe Koalition;

die SPD erzielt das schlechteste Bundestagswahlergebnis

ihrer Geschichte.

Auch die Radioprogramme der ARD beschäftigen

sich ausführlich mit den Wahlen; die

jungen Radios beispielsweise bringen am 15. und

16. 9. den »Kanzlercheck«, bei dem sich Merkel

und Steinmeier je eine Stunde lang den Fragen

der Reporter stellen. Unter wahl.tagesschau.de

können sich die Nutzer jederzeit informieren.

Auch die Landtagswahl in Schleswig-Holstein,

vorzeitig herbeigeführt durch den Bruch

der Großen Koalition und die verlorene Vertrauensfrage

von CDU-Ministerpräsident Carstensen,

bringt eine stabile Mehrheit für ein

schwarz-gelbes Regierungsbündnis. Peter Harry

Carstensen bleibt Ministerpräsident.

Bei der Landtagswahl in Brandenburg wird

die SPD knapp vor der Linken stärkste politische

Kraft. Nach langwierigen Koalitionsverhandlungen

bildet die SPD unter Ministerpräsident

Matthias Platzeck im Potsdamer Landtag

eine rot-rote Koalition mit der Linken. Die

gebietszuständigen Landesrundfunkanstalten

RBB und NDR berichten ausführlich bis zur

Regierungsbildung.

Olaf von Wrangel gestorben

29. September

Im Alter von 81 Jahren stirbt der frühere Hörfunkdirektor

des NDR, Olaf Baron von Wrangel.

Von Wrangel begann seine Tätigkeit für

den damaligen NWDR 1947 als Archivassistent

und besuchte die Rundfunkschule des NWDR

in Hamburg, wo er anschließend volontierte.

Nach einem Studium wurde er 1954 in Bonn

Parlamentskorrespondent des NWDR und leitete

nach Gründung des NDR dessen Bonner

Büro. 1961 wurde von Wrangel zum Chefredakteur

berufen, 1962 zum stellvertretenden Programmdirektor

Hörfunk.

Von 1965 bis 1982 unterbrach von Wrangel

seine Tätigkeit für den NDR, kandidierte für

die CDU für den Bundestag und wurde parlamentarischer

Geschäftsführer der Unionsfraktion.

1982 kehrte er als Hörfunkdirektor zum

NDR zurück, nachdem er sein Bundestagsmandat

niedergelegt hatte, und blieb bis zu seiner

Pensionierung 1988 in diesem Amt.

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 139


_ OKTOber

bayern 4 Klassik heißt jetzt br-Klassik

1. Oktober

Die BR-Radiowelle für klassische Musik firmiert

ab sofort unter dem Namen BR-Klassik. Zum

gleichen Zeitpunkt wird mit neuen Sendungen

der Musikanteil des Programms neu akzentuiert.

Unter dem Label BR-Klassik werden neben

dem Radioprogramm noch weitere Aktivitäten

im Klassikbereich gebündelt, etwa eigene CD-

Veröffentlichungen oder Konzerte der BR-

Klangkörper (vgl. Hörfunk 2009).

25 Jahre »Lokalzeit« im WDR Fernsehen

1. Oktober

Als 15-minütige regionale »Fensterprogramme«

im Rahmen der »Aktuellen Stunde« ging die

»Lokalzeit« am 1. 1. 1984 für zunächst drei Regionen

an den Start. 25 Jahre später sind daraus

elf »Lokalzeit«-Ausgaben geworden, die montags

bis samstags ab 19.30 Uhr eine halbe

Stunde verlässliche Nachrichten und gut recherchierte

Hintergrundberichte aus den Regionen

Nordrhein-Westfalens bieten. Die Akzeptanz

dieser regionalen Sendung ist sehr hoch: Fast 21

Prozent der Zuschauer in NRW schalten jeden

Abend »ihre« »Lokalzeit« ein.

Die Überlegungen zur Regionalisierung

und Dezentralisierung gehen auf den früheren

WDR-Intendanten Friedrich-Wilhelm Freiherr

von Sell zurück. Er wollte die »Schätze der Region

heben«, der Vielfalt des heterogenen Bundeslandes

gerecht werden und die programmliche

Präsenz vor Ort stärken.

25 Jahre »SWr2 Musikstund

1. Oktober

Am 1. 10. 1984 von den SWR-Vorgängern, SWF

und SDR, sowie dem SR für ihre Kulturprogramme

ins Leben gerufen, kann diese monothematische

Musiksendung auf ein Vierteljahrhundert

Radiogeschichte zurück blicken. Die

Sendung widmet sich ausführlich musikalischen

Themen aus allen Epochen, Ländern und Gattungen,

stellt Zusammenhänge her und sendet

zum jeweiligen Inhalt viel Musik.

Mit einer speziellen Musikstunde am 3. 10.

feiert der SWR das Jubiläum im Radio, auf dem

Funkgelände in Baden-Baden gibt es am darauffolgenden

Tag ein großes Fest.

Jürgen Kellermeier gestorben

3. Oktober

Der frühere Fernsehprogrammdirektor des

NDR, Jürgen Kellermeier, stirbt im Alter von

70 Jahren in Hamburg. Kellermeier kam nach

Studium, Promotion und Erfahrungen als politischer

Zeitungsredakteur 1965 zum NDR. Er

arbeitete erst lange für den Hörfunk, u. a. als

Hörfunkkorrespondent des Senders in Bonn,

war Hörfunkchefredakteur und von 1988 bis

1990 Hörfunkprogrammdirektor des NDR. 1990

wurde Kellermeier Fernsehprogrammdirektor

des NDR und bekleidete diese Position bis zu

seiner Pensionierung im April 2004.

Länderchefs unterzeichnen

13. rundfunkänderungsstaatsvertrag

30. Oktober – 20. November

Die Ministerpräsidenten der Länder unterzeichnen

auf ihrer Jahrestagung in Mainz die 13. No -

velle des Rundfunkstaatsvertrags. Der Staatsvertrag

setzt wesentliche Teile der EU-Richtlinie

über Audiovisuelle Mediendienste (AVMD-

Richtlinie) in nationales Recht um. Kernstück

dabei sind neue Regelungen zu Werbung – für

private Veranstalter werden bestehende Beschränkungen

weitgehend gelockert – sowie die

teilweise Legalisierung von Produktplatzierungen.

140 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU)

und Christian Wulff (CDU) 2010 bei den Beratungen

über ein neues Finanzierungsmodell


Den privaten Rundfunkveranstaltern ist

es danach zukünftig erlaubt, unter gewissen

Voraussetzungen Produkte gegen Entgelt in

Unterhaltungssendungen, Spielfilmen, Serien

und Sportsendungen zu platzieren und diese

entsprechend zu kennzeichnen. In den öffentlich-rechtlichen

Produktionen wird es hingegen

auch in Zukunft kein bezahltes Product Placement

geben. Die ARD hatte bereits Ende 2006

erklärt, dass sie unabhängig von einer Liberalisierung

der Vorschriften durch die EU an ihrer

Linie festhalten wird, auch weiterhin keine Produktplatzierungen

gegen Entgelt in ihren Eigen-

und Auftragsproduktionen zuzulassen.

Wie schon nach der alten Rechtslage dürfen

jedoch auch in den öffentlich-rechtlichen Produktionen

unentgeltliche Produktplatzierungen

(sog. Produktbeistellungen), wie die kostenlose

Zurverfügungstellung von Requisiten, eingesetzt

werden. Auch diese sind zukünftig zu

kennzeichnen, wenn sie einen bestimmten Wert

überschreiten. In Nachrichten, Sendungen zum

politischen Zeitgeschehen sowie in Ratgeber-

und Verbrauchersendungen sind auch diese für

alle Rundfunkveranstalter verboten. In Kindersendungen

sind Produktplatzierungen jeglicher

Art unzulässig.

Ferner haben sich die Länder im Rahmen

der Staatsvertragsnovelle darauf geeinigt, dass

die Landesrundfunkanstalten der ARD pro

Land jeweils ein weiteres ausschließlich über

Digitalradio plus verbreitetes neues Hörfunkprogramm

veranstalten können. Nach Ratifizierung

durch die Länderparlamente soll der 13.

Rundfunkänderungsstaatsvertrag am 1. 4. 2010 in

Kraft treten (vgl. Dokumente; vgl. Rundfunkpolitik

2009).

_ nOVeMber

angelica netz neue WDr-Chefredakteurin Hörfunk

1. November

WDR 2-Programmchefin Angelica Netz ist seit

1. 11. zusätzlich Chefredakteurin Hörfunk. Der

Verwaltungsrat des Senders stimmt dem Vorschlag

der Intendantin am 6. 11. zu. In dieser

Funktion folgt sie auf Helga Kirchner, die seit

2000 Leiterin des Programmbereichs Politik und

Hörfunkchefredakteurin des WDR war und

zum 31. 10. 2009 in den Ruhestand trat.

Nach Stationen bei verschiedenen ARD-

Anstalten arbeitet Angelica Netz seit 1993 für

den WDR. Von 1998 bis 2000 war sie in der

Hörfunkdirektion Referentin von Monika Piel,

im Jahr 2002 war sie WDR/NDR-Hörfunkkorrespondentin

in Washington. Seit April 2003 ist

Frau Netz Programmchefin von WDR 2.

Sporta mit neuen Geschäftsführern

4. November

Michael Amsinck und Dr. Adrian Fikentscher

sind neue Geschäftsführer der ARD/

ZDF-Sportrechteagentur SportA. Nach dem

Ausscheiden von Dagmar Brandenstein Ende

September 2007 lag die Unternehmensleitung

kommissarisch bei Maike Bremer und Jörg Augustin,

beide Senior Director Sportrechte und

seit Gründung der Agentur im Unternehmen.

Michael Amsinck verantwortet den Sportrechteeinkauf

des ZDF und war bereits von 1996

bis 2003 Geschäftsführer der SportA. Der Jurist

Adrian Fikentscher kam von der Europäischen

Rundfunkunion EBU zum BR, wo er u. a. für

Sportrechtefragen der ARD zuständig ist. Beide

werden neben der SportA-Geschäftsführung

weiterhin ihre Funktionen bei ARD und ZDF

wahrnehmen.

arD-Schwerpunkt zu 20 Jahre Mauerfall

9. November

Nach 28 Jahren Teilung der beiden deutschen

Staaten fiel am 9. 11. 1989 die Berliner Mauer,

die DDR-Führung musste die Grenzen öffnen.

20 Jahre danach befassen sich die ARD-Programme

mit dem historischen Ereignis, erinnern

an die Hintergründe und den Weg bis zur

Vereinigung beider deutscher Staaten.

Das ARD.de-Special »20 Jahre Mauerfall«

blickt zurück auf die Geschichte von Teilung

und Wiedervereinigung; tagessschau.de rekapituliert

die Ereignisse, die 1989 zum Fall der

Mauer geführt haben. Die »Tagesschau«-Aus-

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 141


gaben vom 1. 10. bis 10. 11. 1989 – zu sehen auf

EinsExtra – liefern ein präzises Protokoll des

politischen Geschehens vor 20 Jahren.

Unter dem Titel »Grenzenlos im Norden –

20 Jahre Mauerfall« erinnert der NDR in zahlreichen

Sondersendungen an die Ereignisse im

Herbst 1989. »20 Jahre – 20 Orte« ist der Titel

des RBB-Online-Spezials zum Thema, daneben

sendet der RBB in Hörfunk und Fernsehen

zahlreiche Beiträge zum Fall der Mauer. Auch

der MDR erinnert mit unzähligen Beiträgen in

Fernsehen, Hörfunk und Internet an die friedliche

Revolution vor 20 Jahren.

DW-TV sendet am 9. 11. 24 Stunden live aus

Berlin von den Feierlichkeiten am Brandenburger

Tor und Potsdamer Platz, und auch Das

Erste zeigt Ausschnitte der Feiern. Deutschlandradio

kooperiert am Tag des Mauerfalls u. a. mit

Radio France, das 24 Stunden aus Berlin sendet.

Das erste zeigt fernsehfilm und Dokumentation

zum Leben romy Schneiders

11. November

Nach einem Drehbuch von Benedikt Röskau

und in der Regie von Torsten C. Fischer zeigt

Das Erste zur Prime Time einen Film über das

Leben Romy Schneiders. Der Film »Romy«

schildert das facettenreiche Leben der Schauspielerin,

beginnend mit ihrer Einlieferung in

ein Pariser Krankenhaus 1981, dann in Rückblicken

auf Kinder- und

Jugendjahre bis zum

verzweifelten Ende des

Weltstars. In der Rolle

Romy Schneiders ist

Jessica Schwarz (Foto) zu

sehen, ihren Ehemann

Harry Meyen spielt

Thomas Kretschmann.

Ergänzt wird das

Porträt der Schauspie-

lerin durch die anschließende Dokumentation

»Romy Schneider – Eine Nahaufnahme« von

Julia Benkert, in der Weggefährten der Schauspielerin

zu Wort kommen. Der SWR bietet ein

ergänzendes Web-Special (vgl. Fernsehen 2009).

50 Jahre »unser Sandmännchen«

22. November

Rund 18 000 Mal war es inzwischen im Einsatz

mit Gute-Nacht-Geschichten und einem

Säckchen Traumsand, seit es im November 1959

zum ersten Mal im Fernsehen der DDR zu sehen

war. Bühnen- und Kostümbildner Gerhard

Behrend hat die Figur unter hohem Zeitdruck

entworfen, damit sie acht Tage vor dem West-

»Sandmännchen« des SFB auf den Bildschirmen

erscheinen konnte. Literarischer Vorgänger

beider Varianten ist der Sandmann aus dem

gleichnamigen Märchen von Hans Christian

Andersen. Nach der Wiedervereinigung beider

deutscher Staaten setzte sich der Ost-Sandmann

durch und streut seitdem gesamtdeutsch Traumsand

in Kinderaugen, koproduziert von RBB,

MDR und NDR.

Zum 50. Geburtstag dieser ältesten Figur des

deutschen Kinderfernsehens gibt es zahlreiche

Sendungen und Aktionen vom dreistündigen

»Sandmann«-Special und der großen Samstagabendshow

»Danke für die Träume« über eine

Ausstellung im Filmmuseum Potsdam und

ein Kinderfest bis zur Produktion des Kino-

Trickfilms »Das Sandmännchen – Abenteuer im

Traumland«.

»Der baader Meinhof Komplex« im ersten

22. / 23. November

Das Erste strahlt den Kino-Erfolg »Der Baader

Meinhof Komplex« als TV-Zweiteiler aus. Der

Film schildert Vorgeschichte und Aktionen der

Rote Armee Fraktion von 1967 bis 1977 und

folgt dabei weitgehend dem gleichnamigen

142 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Sachbuch von Stefan Aust. Produzent Bernd

Eichinger verfasste das Drehbuch, Regie führte

Uli Edel. In der Rolle der Ulrike Meinhof ist

Martina Gedeck zu sehen, Andreas Baader wird

von Moritz Bleibtreu verkörpert. Im Anschluss

an die Ausstrahlung des ersten Teils diskutiert

Anne Will mit Zeitzeugen, politischen Amtsträgern,

mit Opfern und Tätern über ihre Erfahrungen

und Einschätzungen. Nach Ausstrahlung

des zweiten Teils am 23. 11. spricht »Report

München« unter dem Titel »Der Baader Meinhof

Komplex und die Folgen« mit Angehörigen

der Opfer und Zeitzeugen.

3. arD-radionacht für Kinder

27. November

Unter dem Motto »Verdacht nach 8« laden die

Kinderradio-Redaktionen ihre jungen Hörer

diesmal zu einer spannenden Ermittlungsnacht

vor die Radios. Fünf Stunden lang stehen auf

neun Kultur- und Infowellen der Landesrundfunkanstalten

Mitrate-Krimis, Hörspiele und

spannende Lesungen auf dem Programm. Der

Liedermacher und Schriftsteller Herman van

Veen präsentiert seinen extra für diese Nacht

verfassten Krimi »Der Wind«. In Schulen, Büchereien,

Jugendherbergen und Familien werden

Wachbleibepartys gefeiert – bundesweit

haben sich allein 2 100 Schulen angemeldet.

Historische Kommission der ARD

bekommt neuen Vorsitzenden

30. November / 1. Dezember

Prof. Dr. Heinz Glässgen wird ab Oktober 2010

neuer Vorsitzender der Historischen Kommission

der ARD. Darauf verständigen sich die

Intendanten der Landesrundfunkanstalten.

Glässgen wird damit Nachfolger von Dietrich

Schwarzkopf, der den Vorsitz der Kommission

1992 – nach dem Tod von Hans Bausch – übernommen

hat.

Neuer Leiter der ARD-Trailerredaktion

30. November / 1. Dezember

Die Intendanten der Landesrundfunkanstalten

stimmen der Berufung von Sascha Klein zum

neuen Leiter der ARD-Trailerredaktion durch

SR-Intendant Raff zu. Klein folgt in dieser

Funktion zum 1. 2. 2010 auf Harald Klyk, der

– neben weiteren Aufgaben für den SR – die

Trailerredaktion seit 2003 geleitet hat und nun

in den Ruhestand tritt. Klein ist seit Ende der

1990er Jahre für den SR tätig, zuletzt als Referent

des Intendanten.

Die beim SR beheimatete Trailerredaktion

ist eine Gemeinschaftseinrichtung der ARD

und mit der Herstellung von Trailern zur Programminformation

und Eigenwerbung betraut.

_ DeZeMber

25 Jahre 3sat

1. Dezember

Der deutschsprachige Fernseh-Kulturkanal

3sat wird 25. Seit 1. 12. 1984 zunächst von ZDF,

ORF und SRG in Deutschland, Österreich

und der Schweiz ausgestrahlt, hat sich 3sat als

anspruchsvolles öffentlich-rechtliches Angebot

etabliert und genießt eine hohe Akzeptanz bei

den Zuschauern. 1993 kam die ARD als vierter

Partner dazu und liefert seither rund 30 Prozent

des Programms.

Georg Schramm beim »Dreiländergipfel«

anlässlich des 25. Geburtstags von 3sat

Markenzeichen dieses hochwertigen TV-Programms

sind Wissenschafts- und Kulturmagazine,

Thementage und Programmschwerpunkte,

anspruchsvolle Spiel- und Fernsehfilme sowie

Dokumentationen.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens von 3sat

bekräftigen die beteiligten Partner ihr Engagement

für dieses Gemeinschaftsangebot, das sie

konsequent weiterentwickeln und fortführen

möchten (vgl. ARD-Jahrbuch 09, S. 108).

WDr-Gesetz novelliert

2. Dezember

Mit den Stimmen von CDU und FDP beschließt

der Landtag von Nordrhein-Westfalen

das 13. Rundfunkänderungsgesetz NRW, mit

dem WDR-Gesetz und Landesmediengesetz

NRW novelliert werden. Nach der Neufassung

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 143


des WDR-Gesetzes können weitere gesellschaftliche

Gruppen – die Vereinigung Industrie- und

Handelskammer, BITKOM/eco, der Verband

freier Berufe und Familienunternehmen/Wirtschaftsjuroren

– Vertreter in den Rundfunkrat

entsenden. Danach steigt die Zahl der Rundfunkratsmitglieder

von 43 auf 47.

Ferner findet das Informationsfreiheitsgesetz

NRW Anwendung auf den WDR – es sei denn,

journalistisch-redaktionelle Informationen sind

betroffen. Neu aufgenommen werden auch

Transparenz- und Korruptionsvorbeugungsregeln:

So sind u. a. die Intendantin und die Direktoren

des WDR künftig verpflichtet, ihre Bezüge

zu veröffentlichen. Das novellierte Gesetz

tritt am 15. 12. in Kraft (vgl. Dokumente).

WDr-rundfunkrat konstituiert sich neu

2. Dezember

Die beiden neuen Rundfunkratsvorsitzenden

Ruth Hieronymi und Friedhelm Wixforth

Mit 26 neuen Mitgliedern konstituiert sich der

Rundfunkrat des WDR für seine elfte Amtsperiode.

Das Gremium, dem nach der Novelle des

WDR-Gesetzes 47 statt bisher 43 Mitglieder angehören,

wählt Ruth Hieronymi, CDU-Politikerin

und frühere Europaabgeordnete, zu seiner

neuen Vorsitzenden. Hieronymi folgt auf Reinhard

Grätz, der den WDR-Gremien mehr als 30

Jahre lang angehörte und dem Rundfunkrat 24

Jahre lang vorstand.

Neue stellvertretende Vorsitzende sind Friedhelm

Wixforth, Vertreter der Evangelischen

Kirchen in Nordrhein-Westfalen, und Petra

Kammerevert, Abgeordnete der SPD im Europäischen

Parlament. Die Amtszeit des WDR-

Rundfunkrats beträgt sechs Jahre.

MDr-rundfunkrat neu konstituiert

7. Dezember

Der Rundfunkrat des MDR tritt zu seiner konstituierenden

Sitzung für die vierte sechsjährige

Amtsperiode zusammen. Turnusgemäß übernimmt

Sachsen den Vorsitz über das 43-köpfige

Aufsichtsgremium.

Neuer Rundfunkratsvorsitzender wird Johannes

Jenichen, seit 2003 als Vertreter der

Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens im

Gremium. Erster stellvertretender Vorsitzender

wird Horst Saage vom Landesbauernverband

Sachsen-Anhalt, zweiter Stellvertreter ist Dr.

Karl-Heinz Ducke von der Katholischen Kirche

Thüringens. Der Jenaer Pfarrer Ducke war von

2007 an Vorsitzender des Rundfunkrats.

arD und Produzentenallianz

einigen sich auf eckpunktepapier

8. Dezember

Die ARD-Anstalten und die Allianz Deutscher

Produzenten – Film & Fernsehen verständigen

sich auf »Eckpunkte der Zusammenarbeit«.

Danach erhalten die Produzenten künftig zusätzliche

Möglichkeiten, ihre Filme finanziell

zu verwerten. Ferner werden sie an den Erlösen

durch kommerzielle Verwertung – etwa bei

On-demand-Rechten oder bei der Auslandsvermarktung

– beteiligt.

Die Hersteller erhalten die Möglichkeit,

nicht genutzte Rechte selbständig zu verwerten.

Überdies können die Produzenten künftig

dort Rechte behalten, wo sie sich an der Finanzierung

beteiligen. Eine Clearingstelle wird

die Umsetzung der neuen Vereinbarung, die

zunächst bis 31. 12. 2013 gültig ist, in der Praxis

bewerten (vgl. Christoph E. Palmer und Johannes

Kreile: Qualitätspartnerschaft; vgl. Rundfunkpolitik

2009).

reinhard Metz verstorben

9. Dezember

Reinhard Metz, bis 2008 Rundfunkratsvorsitzender

von Radio Bremen, stirbt im Alter von

72 Jahren. Der frühere Präsident der Bremischen

144 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Bürgerschaft war Radio Bremen über viele Jahre

verbunden: Von 1974 bis 1976 war er stellvertretendes

Mitglied des Rundfunkrats, von 1996

bis 2000 gehörte er dem Verwaltungsrat an, im

Jahr 2004 schließlich wurde er als Nachfolger

von Roswitha Erlenwein zum Vorsitzenden

des Rundfunkrats gewählt. In dieser Phase hat

er maßgeblich die Neustrukturierung und den

Standortwechsel des Senders begleitet.

»Das Haus«: WDr sendet

Hörspiel auf drei radiowellen

10. Dezember

Der WDR hat Mark Z. Danielewskis Kultbuch

»Das Haus« (»House of Leaves«) für das Hörspiel

bearbeitet und davon drei Varianten produziert,

die von unterschiedlichen Regisseuren

für verschiedene Wellen inszeniert wurden. Am

10. 12. ab 23.05 Uhr laufen die Bearbeitungen

gleichzeitig auf 1LIVE, WDR 3 und WDR 5, so

dass die Hörer zwischen den unterschiedlichen

Perspektiven wechseln können und sich das

Unheimliche der Story in ganzer Dimension

entfalten kann.

Im Zentrum der Geschichte steht das Haus

der Familie Navidson, unter dessen vermeintlich

festem Fundament sich ein gespenstisch

labiles Höhlensystem befindet, dessen Erkundung

Opfer fordert. Die drei Regisseure für

die unterschiedlichen Versionen sind Claudia

Johanna Leist, Jörg Schlüter und Martin Zylka

(vgl. Hörfunk 2009).

nDr-rundfunkrat unter neuem Vorsitz

19. Dezember

Dagmar Gräfin Kerssenbrock, Vertreterin des

Landesnaturschutzverbands Schleswig-Holstein,

ist neue Vorsitzende des NDR-Rundfunkrats.

Das 58-köpfige Gremium wählte sie am 4. 12. zur

Nachfolgerin von Dr. Karl-Heinz Kutz aus

Mecklenburg-Vorpommern. Zu stellvertretenden

Vorsitzenden gewählt wurden Dr. Volker

Müller aus Niedersachsen, Ulrike Fürniß

aus Hamburg sowie der bisherige Vorsitzende

Karl-Heinz Kutz. Nach dem NDR-Staatsvertrag

wechselt der Vorsitz alle 15 Monate unter den

Vertretern der vier Staatsvertragsländer, und

zwar in der Reihenfolge Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern,

Schleswig Holstein und

Niedersachsen.

Hr stellt Mittelwellenverbreitung ein

31. Dezember

Der HR stellt zum Jahresende die Mittelwellenverbreitung

in seinem Sendegebiet ein. Die Mittelwellen-Frequenzen

in Rodgau/Weiskirchen

und am Sender Hoher Meißner werden abgeschaltet.

Damit entfallen auch die auf diesem

Übertragungsweg verbreiteten Sendungen wie

die fremdsprachlichen Angebote oder auch die

Übertragung von Bundestags- und Landtagsdebatten.

Die Abschaltung der Mittelwelle ist Teil

eines bereits im April beschlossenen Sparpakets.

DW beendet aSTra-ausstrahlung in europa

31. Dezember

Die DW verbreitet DW-TV Europa und die

Hörfunkkanäle DW 01 Deutsches Programm

und DW 04 Fremdsprachenprogramme aus

Einspargründen nicht mehr über den Satelliten

ASTRA. In Europa ist DW-TV weiterhin über

den Satelliten Hotbird 8 empfangbar, ebenso

verschiedene Fremdsprachenprogramme. Ferner

gibt es alternative Empfangsmöglichkeiten via

Internet-Livestream, Podcast und on demand,

die zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Bei den Aufnahmen zum Hörspiel »Das Haus«:

Wax (Florian Seigerschmidt, l.) und Jed (Marlon

Kittel) erkunden »Das Haus«.

Chronik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 145


Wettbewerbe

und Veranstaltungen 2009

UltraSchall – Festival für neue Musik

23. Januar – 1. Februar

»UltraSchall« – das Festival für neue Musik,

ver anstaltet vom Kulturradio des RBB und

Deutschlandradio Kultur, stellt dieses Jahr vor

allem die deutsche Avantgarde-Szene in den

Mittelpunkt. 20 Jahre nach dem Fall der Berliner

Mauer liegt ein Schwerpunkt auf dem musikalischen

Erbe der DDR: Wichtige Werke aus

den DDR- und Wendejahren werden der Musik

junger ostdeutscher Komponisten gegenübergestellt.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet der

Einfluss des Mittleren Ostens, der finnischen

und der japanischen Tradition. Nahezu alle 30

Konzerte werden von Deutschlandradio Kultur

und dem Kulturradio des RBB übertragen.

Hörbücher des Jahres 2008

25. Januar

hr2-kultur und das Börsenblatt des Deutschen

Buchhandels prämieren die besten Hörbücher

des Jahres 2008. Bei der Preisverleihung im Foyer

des Hessischen Staatstheaters in Wiesbaden

wird Peter Kurzeck in der Kategorie Erwachsenen-Hörbuch

für »Ein Sommer, der bleibt –

Peter Kurzeck erzählt das Dorf seiner Kindheit«

ausgezeichnet. Der Preis ist mit 15 000 Euro

dotiert.

146 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Bestes Kinder- und Jugendhörbuch 2008 ist

die Lesung »Rico, Oskar und der Tieferschatten«

von und mit Andreas Steinhöfel. Den Preis

stiftet die Landeshauptstadt Wiesbaden.

SR/ZDF-Drehbuchpreis

31. Januar

Im Rahmen des Saarbrücker Max-Ophüls-Festivals

verleihen SR und ZDF wieder ihren mit

13 000 Euro dotierten Drehbuchpreis an Nachwuchsautoren.

Die Auszeichnung geht an Ina

Weisse und Daphne Chariaza, Autorinnen des

Buches für den Film »Der Architekt« (Szenenfoto

unten mit Hauptdarsteller Josef Bierbichler): Die

Reise zur Beerdigung seiner Mutter wird für


den Architekten Georg erst zu einer Reise in die

eigene verdrängte Vergangenheit und dann zu

einem familiären Horrortrip.

Kinderbuchpreis Luchs 2008

11. Februar

Die Auszeichnung von Radio Bremen und der

»ZEIT« für das beste Kinder- und Jugendbuch

des Jahres 2008 geht an Sally Nicholls’ »Wie

man unsterblich wird – Jede Minute zählt«. In

ihrem Debütroman erzählt die britische Autorin

die Geschichte des an Krebs leidenden Jungen

Sam, der entschlossen ist, seine Krankheit

und seine Gedanken in einem Buch für die

Nachwelt zu dokumentieren. Der Luchs ist mit

8 000 Euro dotiert und wird seit 1986 verliehen.

Förderpreis Alte Musik

20. Februar

Der Förderpreis Alte Musik des SR und der

Fritz-Neumeyer-Akademie wird 2009 erstmals

an ein Ensemble verliehen: »Metro Marina«

– fünf junge Musiker aus fünf Ländern – überzeugt

die Jury mit intensiven und vielversprechenden

Interpretationen mittelalterlicher Lieder

und Madrigale. Bei der Preisverleihung in

der Hochschule für Musik Saar sind anlässlich

der »5 Jahre Förderpreis« auch frühere Preisträger

zu hören. Die Auszeichnung ist mit 1 500

Euro dotiert und schließt darüber hinaus eine

Studioproduktion beim SR ein.

Deutscher Hörbuchpreis

15. März

Im Rahmen einer festlichen Gala verleiht der

Verein Deutscher Hörbuchpreis zum siebten Mal

seine Trophäen für die besten Hörbuchpro duktionen

des Vorjahres. Der Deutsche Hörbuchpreis

2009 wird in sieben Kategorien verliehen:

Als »Bester Interpret« wird der renommierte

Schauspieler Manfred Zapatka für seine Sprecherleistung

in Homers »Ilias« ausgezeichnet.

Der Preis für die »Beste Information« geht an

Maximilian Schönherr für die »Stammheim-

Bänder«. Sven Strickers Hörstück »Herr Lehmann«

nach dem gleichnamigen Roman von

Sven Regener wird als »Beste Fiktion« gewürdigt.

Der Deutsche Hörbuchpreis ist mit insgesamt

23 331 Euro dotiert; rund 310 Hörbücher

waren von Verlagen zum Wettbewerb eingereicht

worden.

AS&S Radio-Club on Tour 2009

17. März – 1. April

»Zukunftsvisionen für die Medienmärkte« ist

Thema der diesjährigen AS&S Radio-Club-Tour

durch fünf deutsche Großstädte. Neben Frankfurt,

Düsseldorf, München und Hamburg steht

2009 erstmals Berlin auf dem Tourplan. Im Mittelpunkt

dieser Eventreihe für geladene Fachbesucher

steht je eine hochkarätige Talkrunde, die

über mögliche Zukunftsszenarien der Medien-

und Werbebranche diskutiert.

Stuttgarter Besen

18. März

Zwölfter Kabarett-Nachwuchswettbewerb um

die Stuttgarter Besen, wieder präsentiert von

ARD-Moderator Dieter Moor: Große Gewinnerin

des Abends ist die Kabarettistin und

Musikerin Carmela de Feo (Foto) aus Oberhausen,

die neben dem mit 2 500 Euro dotierten

Goldenen Besen auch noch den Publikumspreis

gewinnt. Den Silbernen Besen (1 500 Euro) bekommt

der Berliner Andreas »Spider« Krenzke.

Nepo Fitz aus München und die Hamburger

Bidla Buh teilen sich den mit 1 000 Euro dotierten

Hölzernen Besen. Der SWR zeichnet die

Veranstaltung auf und sendet sie zeitversetzt in

seinem Dritten Fernsehprogramm und in der

»SWR2 Spätvorstellung«.

Kurt-Magnus-Preis

27. März

Die ARD zeichnet vier junge Nachwuchskräfte

für ihre außergewöhnlichen Leistungen im Hörfunkjournalismus

mit dem Kurt-Magnus-Preis

der ARD aus. Den ersten Preis, dotiert mit

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 147


7 000 Euro, erhält Stella Luncke vom Deutschlandradio

für ihren Erfindungsreichtum in der

Kategorie Feature. Alexander Göbel von der

DW bekommt den mit 6 000 Euro dotierten

zweiten Preis für seine bewegenden Reportagen

aus Äthiopien. Den dritten Preis in Höhe von

5 000 Euro vergibt die Jury an Verena Hussong

vom SWR, Nadine Kreuzahler vom RBB wird

mit dem vierten Preis und 4 000 Euro ausgezeichnet.

Der HR verleiht den Kurt-Magnus-

Preis seit 1962 federführend für die ARD; die

ARD-Rundfunkanstalten und das Deutschlandradio

können je einen Kandidaten im Alter bis

zu 35 Jahren nominieren.

Peter-Huchel-Preis

3. April

Der vom SWR und dem

Land Baden-Württemberg

gestiftete Peter-Huchel-

Preis für deutschsprachige

Lyrik geht 2009 an

Gerhard Falkner. Der in

Schwabach geborene und

in Berlin lebende Autor

erhält den mit 10 000 Euro

dotierten Preis für seinen

Band »Hölderlin Reparatur«,

erschienen im Berlin

Verlag.

Der Preis wird jährlich an Huchels Geburtstag

in Staufen im Breisgau verliehen.

MDR-Publikumspreis

ARTE-Kurzfilmpreis

18. April

Im Rahmen des 21. Filmfests Dresden vergeben

MDR und ARTE wieder eigene Preise für herausragende

Kurzfilme:

Der mit 2 000 Euro dotierte Publikumspreis,

den der MDR im Nationalen Wettbewerb

stiftet, geht an »Herrengedeck« von Minu

Shareghi: Oswald und Bernd sind mundfaul,

sparsam mit ihren Gefühlen und skeptisch gegenüber

Neuem, bis ein unerwarteter Gast ihren

Alltag ins Wanken bringt.

Der mit 6 000 Euro dotierte ARTE-Kurzfilmpreis

für einen Beitrag des Internationalen

Wettbewerbs geht an den kirgisischen Film

»Kamsanabanyz« (»Everything is OK«, Regie:

Akjoltov Bekbolotov), eine Tragödie um zwei

Bettlerjungen.

148 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Wittener Tage für neue Kammermusik

24. – 26. April

41. Auflage der Wittener Tage für neue Kammermusik,

veranstaltet von WDR 3 und der

Stadt Witten. Mehr als 20 Ur- und Erstaufführungen

von Komponisten aus elf Nationen

bietet das diesjährige Festival für Gegenwartsmusik.

Die Mehrzahl der Werke entstand im

Auftrag von WDR 3.

Einen Schwerpunkt bilden in diesem Jahr

die Arbeiten des Franzosen Hugues Dufourt.

Der Komponist ist mit sechs erstmals in

Deutschland zu hörenden Werken vertreten.

Das »Labor Witten« richtet sich mit Workshops,

Probenbesuchen und Diskussionen an

den musikalischen Nachwuchs.

WDR 3 überträgt alle Aufführungen aus Witten,

das Eröffnungskonzert live.

RBB-Nachwuchsförderpreis

25. April

Beim 38. Internationalen Studentenfilmfestival

»sehsüchte« verleiht der RBB erneut einen Preis

für den besten Dokumentarfilm. Die mit 5 000

Euro dotierte Auszeichnung beim Internationalen

Nachwuchswettbewerb wird Ilian Metev für

»Goleshovo« zuerkannt: Metev reiste für seinen

Abschlussfilm aus England zurück nach Bulgarien

und lebte mehrere Monate in dem nur

noch von 59 alten Menschen bewohnten Dorf

Goleshovo. Seine Hauptdarsteller sind drei sehr

alte Frauen mit viel Witz und Weisheit sowie

ein zauseliger alter Priester.

Schwetzinger Festspiele

29. April – 13. Juni

58. Auflage der Schwetzinger Festspiele unter

Schirmherrschaft des SWR. Fast 50 Veranstaltungen

stehen während der sechs Festival-

Händels »Ezio«, Oper in drei Akten nach einem

Libretto von Pietro Metastasio, Varo (Marcell

Bakonyi, l.) und Valentiniano (Witalij Kühne)


Wochen auf dem Programm. Die beiden Musiktheater-Inszenierungen

– Wolfgang Rihms

Uraufführungsoper »Proserpina« in der Inszenierung

von Hans Neuenfels sowie Georg Friedrich

Händels »Ezio«, inszeniert von Günter

Krämer – gehören zu den Höhepunkten der

Festspiele.

Im Konzertbereich sind insgesamt fünf Veranstaltungen

dem Komponisten Jörg Widmann

gewidmet. Eine weitere Serie mit sechs Konzerten

befasst sich mit Joseph Haydn.

In der Reihe »Klavierissimo« begeistern u. a.

die Pianistenstars Elisabeth Leonskaja, Radu

Lupu und Marc-André Hamelin ihr Publikum

mit Klaviermusik aus drei Jahrhunderten.

SWR2, 3sat und das SWR Fernsehen übertragen

zahlreiche Konzerte; über den Programmaustausch

der Europäischen Rundfunkunion

(EBU) werden die Schwetzinger Festspiele weltweit

in mehr als 35 Länder übertragen.

MDR-Literaturpreis

4. Mai

Wie schon in den Vorjahren entscheidet sich

der 14. Literaturwettbewerb des MDR beim öffentlichen

Wettlesen der sieben Finalisten im

Leipziger Haus des Buches.

»Aber man hat ja noch den Sicherheitsgurt«

heißt die Siegergeschichte, die Jury und Publikum

gleichermaßen überzeugt. Die 25-jährige

Katharina Hartwell aus Köln erzählt darin einfühlsam

von der Entfremdung und Sprachlosigkeit

eines Geschwisterpaares. Der Hauptpreis ist

mit 5 000 Euro dotiert.

Der mit 2 000 Euro verbundene zweite Preis

geht an Andreas Stichmann, Absolvent des

Leipziger Literaturinstituts, für seine Kurzgeschichte

»Warum schon wieder zu Watan«. Den

dritten Preis in Höhe von 1 500 Euro bekommt

Stefan Petermann für seine groteske Geschichte

»Hagar«.

Fast 2 000 deutschsprachige Schriftsteller

hatten sich mit Prosa-Texten beteiligt. Die Finalteilnehmer

gehen auf Lesereise durch das

MDR-Sendegebiet.

Bayerischer Kabarettpreis

4. Mai

Bereits zum elften Mal verleiht der BR in Zusammenarbeit

mit dem Lustspielhaus München

den Bayerischen Kabarettpreis in vier Kategorien:

Der Hauptpreis 2009 geht an Alfred Dorfer,

der Musikpreis an Rainald Grebe; als Senk-

rechtstarter wird Philipp Weber ausgezeichnet,

den Ehrenpreis bekommt der kurz darauf verstorbene

Jörg Hube für sein Lebenswerk.

Der Haupt- und der Musikpreis sind mit je

5 200 Euro dotiert, der Senkrechtstarter des Jahres

erhält 2 600 Euro.

Das Bayerische Fernsehen überträgt die Veranstaltung

zeitversetzt.

3sat-Förderpreis

ARTE-Preis für europäischen Kurzfilm

4. Mai

Zum Abschluss der 55. Internationalen Kurzfilmtage

Oberhausen verleihen 3sat und ARTE

wieder Preise im internationalen bzw. im deutschen

Wettbewerb:

Den mit 2 500 Euro dotierten ARTE-Preis

für einen europäischen Kurzfilm erhält Duncan

Campbell für »Bernadette« (Szenenfoto oben),

einen Beitrag über die nordirische Bürgerrechtskämpferin

Bernadette Devlin.

Der 3sat-Förderpreis für einen Beitrag des

deutschen Wettbewerbs, der sich durch eine

neue Sichtweise auszeichnet, wird Gonzalo H.

Rodriguez zuerkannt. Er erhält die mit 2 500

Euro dotierte Auszeichnung für »Rebeca«. Der

Preis umfasst darüber hinaus das Angebot, den

Beitrag zu erwerben und im 3sat-Programm auszustrahlen.

CIVIS Medienpreis

7. Mai

Im Rahmen einer festlichen TV-Gala in Berlin

zeichnet der WDR insgesamt sieben europäische

Radio- und Fernsehprogramme mit dem

CIVIS Medienpreis für Integration und kulturelle

Vielfalt aus. Der mit insgesamt 41 000 Euro

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 149


dotierte Preis wird für Programmleistungen

vergeben, die das friedliche Zusammenleben

in der europäischen Einwanderungsgesellschaft

fördern, und geht 2009 an Produktionen von

BBC, BR, MTV Italy, ORF, SWR, ZDF und

der Hamburg Media School.

Mit dem Europäischen CIVIS Fernsehpreis

im Bereich Unterhaltung werden Drehbuchautorin

Beate Langmaack und Regisseur Tomy

Wigand für ihren Fernsehfilm »Willkommen im

Westerwald« ausgezeichnet.

In der Kategorie »Kurze Programme« geht

der Europäische CIVIS Radiopreis an die Hörfunkjournalistin

Zulayat Suli Kurban für ihre

Reportage über das Theaterprojekt »Win-Place-

Show«, die auf on3-radio (BR) gesendet wurde.

Insgesamt 524 Programmbeiträge waren in

diesem Jahr eingereicht worden, 2o davon kamen

in die Endrunde. Die Preisverleihung wird

u. a. im Ersten, im WDR Fernsehen, im rbb

Fernsehen und in 3sat übertragen.

WDR Europaforum

8. Mai

Unter dem Titel »Europa in der Krise: Wer

schützt die Bürgerinnen und Bürger?« diskutieren

europäische Spitzenpolitiker und Medienexperten

beim 12. internationalen WDR

Europaforum über die Herausforderungen

der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise für

Deutschland und Europa. Zu den Teilnehmern

gehören Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-

Kommissionspräsident José Manuel Barroso

und Franz Müntefering.

Das Europaforum findet im Deutschen Bundestag

in Berlin statt. Veranstalter ist der WDR

gemeinsam mit der Europäischen Kommission,

dem Europäischen Parlament und dem Deutschen

Bundestag in Zusammenarbeit mit dem

NDR, dem SWR und dem ORF.

Pressekonferenz und Pressegespräch zur

Bekanntgabe der CIVIS-Medienpreisträger

2009 im ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Die Veranstaltungen werden in den Hörfunk-

und Fernsehprogrammen von WDR,

NDR und SWR übertragen, ebenso auf

PHOENIX und im österreichischen Fernsehen

ORF.

BR-Dokumentarfilmpreis

10. Mai

BR und TELEPOOL verleihen beim 24. Münchner

Dokumentarfilmfestival (DOK.fest) den

Hauptpreis des Internationalen Wettbewerbs:

Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung

geht an die französisch-algerische Dokumentation

»La Chine est encore loin« (»China is

still far away«) von Malek Bensmaïl. Der Film

erhellt am Beispiel des algerischen Dorfes Ghassira

die Schwierigkeiten eines postkolonialen

Landes und seiner Menschen.

SWR Medienforum Migration

11. / 12. Mai

Im Mittelpunkt des elften Medienforums Migration,

veranstaltet von SWR International in

Stuttgart, steht das Thema »60 Jahre Bundesrepublik

– 60 Jahre Einwanderungsland«. Dabei

geht es auch um die Politik der vergangenen

Jahre: Integrationsgipfel, Islamkonferenz und

nationaler Integrationsplan. Wie steht es heute

um die Migration und Integration in Deutschland?

Politiker, Migrationsexperten und Integrationsbeauftragte

stellen sich in Gesprächsforen

der Diskussion. Rund 250 Journalisten, Wissenschaftler

und Vertreter von Migrantenorganisationen

nehmen an der Fachtagung teil.

150 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


AS&S Radiostars

14. Mai

Im Rahmen einer Gala »Die Nacht der Stars«

verleiht die AS&S Radio GmbH wieder ihre Radiostars

in unterschiedlichen Kategorien für die

besten Hörfunkwerbespots. Für herausragende

kreative Leistungen wurde erstmals der »Radio-

Superstar« ausgelobt, der an Volkswagen für die

Spots »Tankwarte« und »Gedicht« aus der Kampagne

»Absurd geringer Verbrauch« geht. Die

Produktionsfirma Studio Funk geht mit insgesamt

sieben Auszeichnungen als großer Gewinner

aus dem Wettbewerb hervor.

Salzburger Stier

16. Mai

MDR FIGARO ist 2009 Gastgeber bei der Verleihung

des renommierten Radio-Kleinkunstpreises

»Salzburger Stier«.

Der Stier 2009 geht an die Dresdnerin Anna-

Maria Scholz alias »Annamateur«, an Joesi Prokopetz

aus Österreich und an Manuel Stahlberger

aus der Schweiz.

Der Salzburger Stier wird 2009 zum 28. Mal

verliehen und ist mit je 6 000 Euro dotiert.

Getragen wird er von den ARD-Landesrundfunkanstalten,

dem ORF, dem Schweizer Radio

DRS und der RAI Bozen. ORF und MDR FI-

GARO übertragen die Preisverleihung live aus

Erfurt.

3sat-Preis beim Berliner Theatertreffen

18. Mai

3sat verleiht zum 13. Mal seinen mit 10 000

Euro dotierten Preis für zukunftweisende,

künstlerisch-innovative Leistungen an eine der

zum Theatertreffen geladenen Inszenierungen

bzw. an beteiligte Künstler.

2009 werden drei Schauspieler aus »Der

Weibsteufel« von Karl Schönherr, in der Inszenierung

von Martin Kušej, ausgezeichnet: Birgit

Minichmayr, Nicholas Ofczarek (beide Szenenfoto

unten) und Werner Wölbern. In der Begründung

der Jury heißt es: »Die drei Schauspieler

verkörpern das, was Theater ist. Menschen, die

Menschen darstellen, Menschen, die Theater

erzählen.«

Mouvement – Festival für Neue Musik

20. – 24. Mai

»American Dreams – Amerikanische (T)Räume«

lautet das Motto des SR-Festivals für Neue

Musik 2009. Während der Veranstaltungstage

präsentiert der SR exponierte Musiker der aktuellen

New Yorker Szene sowie Werke der wichtigsten

Komponisten der zeitgenössischen amerikanischen

Musik wie Steve Reich, John Cage

und Morton Feldman.

»Artist in Residence« ist diesmal das norddeutsche

Ensemble »L’ART Pour L’ART«, dessen

Musiker sich sowohl bei der Programmgestaltung

als auch bei den Konzerten engagieren.

WDR Musikfest

23. Mai – 13. Juni

Rund 40 Veranstaltungen präsentieren der

WDR und die Stadt Münster den Kulturinteressierten

der Region beim diesjährigen WDR

Musikfest. Ensembles und Solisten von internationalem

Rang, darunter die Klangkörper des

WDR, sowie ein Querschnitt der Musikszene

der Stadt Münster prägen das Programm mit

Musik aus allen Epochen und Genres. Außer

in den Städtischen Bühnen und im Rathaus

finden die Aufführungen auch in barocken

Adelshöfen und Schlössern sowie in den Osmo-

Hallen, einer ehemaligen Industrieanlage, statt.

Das Kulturradio WDR 3 überträgt rund

15 Konzerte, das Eröffnungskonzert mit dem

WDR Sinfonieorchester Köln unter Leitung

von Andris Nelsons live.

Kinder-Medien-Festival Goldener Spatz

Kinderfilm-/Fernsehpreis des MDR

24. – 30. Mai

189 Filme und Fernsehbeiträge für Kinder bis

zwölf Jahre bewerben sich um die Goldenen

Spatzen 2009, 39 davon schaffen es in den Wettbewerb.

Die Jurys – eine aus Vertretern des jungen

Publikums und eine Fachjury – bewerten

in sechs Kategorien. Großer Gewinner dieses

17. Wettbewerbs ist Moderator Ralph Caspers

und »Die Sendung mit der Maus« sowie »Die

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 151


Sendung mit dem Elefanten«. Den goldenen

Webspatz für die beste Kinderseite im Netz bekommt

www.kika.de.

Neben dem Wettbewerb gibt es ein Informationsprogramm

mit weiteren Filmreihen – u. a.

zu 30 Jahren Goldener Spatz – sowie ein umfangreiches

Workshop-Angebot und Fachveranstaltungen.

Der mit 3 000 Euro dotierte Kinderfilm-/

Fernsehpreis des MDR-Rundfunkrats wird

Matthias Schmidt zuerkannt. Er erhält die

Auszeichnung für sein Drehbuch zu dem Film

»Höllenritt«. Der Preis wird am 29. 5. während

des Kinder-Medienfestivals in Erfurt überreicht.

Erfurt Exchange

Vorschul-Fernsehprogramm-Messe

26. – 28. Mai

Zum fünften Mal ist der Kinderkanal von ARD

und ZDF Gastgeber der »Erfurt Exchange«.

Während der internationalen Fachtagung für

Kinderfernsehen treffen sich Programmverantwortliche

aus Europa, Asien, Afrika und

Südamerika beim KI.KA, um Filmbeiträge für

Kinder im Vorschulalter untereinander auszutauschen.

Daneben dient die Fachtagung dem

Informationsaustausch zu Trends im Vorschulfernsehen

auf internationaler Ebene.

Das EBU-Gemeinschaftsprojekt findet bereits

zum 35. Mal statt: 1975 in Saarbrücken als

»EBU Exchange« ins Leben gerufen, wird die

Austauschbörse seit 2005 in Erfurt veranstaltet.

Deutsche Welle Global Media Forum

3. – 5. Juni

»Konfliktprävention im Multimedia-Zeitalter«

lautet das Thema der zweiten internationalen

und interdisziplinären Konferenzreihe der DW.

Rund 55 Workshops, Podiumsdiskussionen,

interaktive Präsentationen und Ausstellungen

laden zu Diskussionen mit Vertretern aus Medien,

Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur

und Entwicklungszusammenarbeit. Es geht um

die Auswirkungen der digitalen Revolution auf

die Medien, aber auch um die Frage, welche

Rolle die Medien in internationalen Konflikten

spielen.

Mehr als 1 200 Teilnehmer aus rund 100

Ländern besuchen die Veranstaltung im World

Conference Center in Bonn. Mitveranstalter

der Konferenz ist die Stiftung Internationale

Begegnung der Sparkasse Bonn.

152 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Deutscher Dokumentarfilmpreis

18. Juni

Der ehemals Baden-Württembergische Dokumentarfilmpreis

von SWR, MFG Medien- und

Filmgesellschaft Baden-Württemberg und Haus

des Dokumentarfilms firmiert nun als Deutscher

Dokumentarfilmpreis. Den mit 20 000

Euro dotierten Hauptpreis 2009 bekommt der

Autor und Regisseur Erwin Wagenhofer für

seinen Dokumentarfilm »Let’s Make Money«.

Der Film folgt der Spur des Geldes dorthin, wo

spanische Bauarbeiter, afrikanische Bauern oder

indische Arbeiter das Geld der westlichen Welt

vermehren, aber selbst bettelarm bleiben, und

enthüllt die aktuelle Finanzkrise als eine Gesellschaftskrise

(Szenenfoto unten).

Das Preisgeld soll den Preisträgern die Vorbereitung

eines neuen Filmprojekts ermöglichen.

Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre im Rahmen

des Branchentreffs »Dokville« verliehen.

Deutscher Kamerapreis

21. Juni

In Rahmen einer großen Gala werden zehn Kameraleute

und Cutter mit dem Deutschen Kamerapreis

ausgezeichnet, der von BR, SWR und

WDR mitgetragen wird. Für den diesjährigen

Wettbewerb waren mehr als 400 Produktionen

eingereicht worden.

In der Kategorie »Fernsehfilm / Dokudrama«

erhält Christian Rein den Kamerapreis für seinen

Fernsehfilm »Die zweite Frau«. Die Filmgestalterin

Sophie Maintigneux wird für ihre filmische

Beobachtung von acht magersüchtigen

jungen Frauen in »Die dünnen Mädchen« mit

dem Preis in der Kategorie »Dokumentation«

geehrt. Als Ehrenkameramann 2009 wird Joseph

Vilsmaier ausgezeichnet.

Zusammenschnitte der Preisverleihung zeigen

WDR Fernsehen, SWR Fernsehen, Einsfestival

und das Bayerische Fernsehen.


PHOENIX-Dokumentarfilmpreis und -Förderpreis

22. Juni

Unter dem Thema »Wandel und Veränderung

in der modernen Welt« loben der ARD/ZDF-

Ereignis- und Dokumentationskanal PHOENIX

und die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen erstmals

zwei Preise für dokumentarische Formate

aus: den PHOENIX-Dokumentarfilmpreis

für einen bereits fertiggestellten Film und den

PHOENIX-Förderpreis für Projektideen.

Der mit 10 000 Euro dotierte Dokumentarfilmpreis

wird den Filmemachern Jens Schanze

und Judith Malek-Madahvi für ihre Langzeit-

Reportage »Otzenrath 3 Grad kälter« zuerkannt.

Gewinner des Förderpreises ist der Filmemacher

Marcel Ahrenholz für »14 Arten, den

Regen zu beschreiben«. Der mit 25 000 Euro dotierte

Preis ist mit einer Finanzierungshilfe der

Filmstiftung NRW in Höhe von 75 000 Euro

für die Projektrealisierung verbunden.

Die Resonanz auf diese erste Ausschreibung

war groß: über 100 Filme und Projektideen wurden

eingereicht. Die Preisverleihung findet im

Rahmen des medienforums.nrw statt.

MDR MUSIKSOMMER

27. Juni – 1. September

18. Klassikfestival des MDR in Sachsen, Sachsen-Anhalt

und Thüringen. An 34 Spielorten im

Sendegebiet präsentiert der MDR 49 Konzerte

mit rund 1 000 internationalen und einheimischen

Künstlern. Renommierte Künstler wie

Ton Koopman und Hille Perl stehen ebenso auf

dem Programm wie preisgekrönte junge Stars,

darunter der Geiger David Garrett und die

Trompeterin Alison Balsom.

Der Magdeburger Dom bietet die Kulisse

für den Auftakt des MUSIKSOMMERS 2009:

ein Konzert des MDR SINFONIEORCHES-

TERS und des MDR RUNDFUNKCHORS

unter Leitung von Chefdirigent Jun Märkl und

Chordirektor Howard Arman mit der lettischen

Organistin Iveta Apkalna. Auch das Ab-

Innerhalb von sechs Jahren wurden die Einwohner

des 700 Jahre alten Dorfes Otzenrath

umgesiedelt: Dorfmitte von Alt-Otzenrath

schlusskonzert im Leipziger Gewandhaus mit

Benjamin Brittens »War Requiem« gestalten die

MDR-Klangkörper.

MDR FIGARO überträgt gut ein Drittel der

Konzerte.

3sat-Preis

28. Juni

Beim 33. Klagenfurter Wettbewerb um den

Ingeborg-Bachmann-Preis verleiht 3sat wieder

seinen Förderpreis an einen talentierten Nachwuchsautor

aus dem Kreis der 14 Teilnehmer.

Die mit 7 500 Euro dotierte Auszeichnung erhält

Gregor Sander für seine Erzählung »Winterfisch«.

Deutsch-Französischer Journalistenpreis

29. Juni

Verleihung des Deutsch-Französischen Journalistenpreises,

2009 in Paris. Der SR und seine

Partner würdigen mit dieser Auszeichnung Autoren

und Redaktionen, die mit ihren Arbeiten

zu einem besseren Verständnis zwischen beiden

Ländern beitragen. Der Preis wird in den Bereichen

Fernsehen,

Hörfunk, Print und

Internet vergeben

und ist mit insgesamt

28 000 Euro

dotiert.

Mit dem Hörfunkpreis

wird Clarisse

Cossais (Foto)

ausgezeichnet, und

zwar für den Beitrag

»La Sehnsucht.

Franzosen in Berlin«,

der auf SWR2 ausgestrahlt

wurde. Die in

Marseille geborene

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 153


Autorin beschreibt darin die deutsche Metropole

aus französischer Sicht und eröffnet so

neue Perspektiven.

Der Medienpreis (früher Ehrenpreis) geht

an die französische Publizistin und Politikerin

Simone Veil, die sich als Überlebende des Holocaust

stets ohne Zögern für die Aussöhnung

zwischen Deutschen und Franzosen einsetzt.

Treatment-Wettbewerb

für Dokumentarfilm / Dokumentationen

29. Juni

Zum siebten Mal verleihen BR und TELE-

POOL ihren Doku-Preis im Rahmen des Filmfests

München. Die diesjährige Ausschreibung

erfolgte in der Kategorie Dokumentarfilm.

Der erste Preis in Höhe von 5 000 Euro,

verbunden mit einem Produktionsangebot bis

240 000 Euro, geht an den US-Amerikaner

Matthew R. Sweetwood für seinen Dokumentarfilm

»Beerland«. Den zweiten, mit 3 000 Euro

dotierten Preis bekommt Diana Näcke für den

Filmentwurf »Meine Freiheit, deine Freiheit«;

der dritte Preis und 2 000 Euro gehen an Sven

Zellner für »Tsogzol – Goldgräber in der Mongolei«.

SWR-Jazzpreis 2009

2. Juli

Die in London lebende Saxofonistin Ingrid

Laubock (Foto) bekommt den vom SWR und

dem Land Rheinland-Pfalz gestifteten Jazzpreis

2009, der erstmals mit 15 000 Euro dotiert

ist. Die Auszeichnung wird Laubock für eine

beim Schweizer Label »Intakt« unter dem Titel

»Sleepthief« veröffentlichte Trio-CD zuerkannt,

die sie mit dem Pianisten Liam Noble und dem

Schlagzeuger Tom Rainey eingespielt hat.

Der Jazzpreis wird im Rahmen des Preisträgerkonzerts

mit dem Trio »Sleepthief« im

Funkhaus Mainz verliehen. SWR2 sendet eine

Aufzeichnung des Konzerts.

Georg-K.-Glaser-Preis

8. Juli

Jörg Matheis wird mit dem Georg-K.-Glaser-

Preis des SWR und des rheinland-pfälzischen

Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Jugend

und Kultur ausgezeichnet. Der mit 10 000 Euro

dotierte Preis wird ihm für seine Erzählung

»Landschaften in der Ferne« zuerkannt. Darin

erzählt er die spannungsreiche Geschichte einer

Hausgemeinschaft: Ein deutsch-iranisches Paar

lebt mit Tochter und tschechischer Haushälterin

im Haus des dement gewordenen Vaters.

Den Förderpreis in Höhe von 3 000 Euro,

der am Abend der Preisverleihung durch Publikum

und Jury ermittelt wird, bekommt Jan

Becker.

Schleswig-Holstein Musik Festival

11. Juli – 30. August

24. Auflage des Schleswig-Holstein Musik Festivals

mit rund 160 Veranstaltungen an 49 Orten.

Der NDR beteiligt sich mit seinen Klangkörpern

und überträgt zahlreiche Konzerte. Unter

dem Motto »Heimspiel – Deutschland entdecken«

geht es in den sieben Veranstaltungswochen

um deutsche Musikgeschichte.

Klassikstars wie Anne-Sophie Mutter, Janine

Jansen, Lang Lang und Annette Dasch ziehen

das Publikum ebenso in Bann wie Weltmusik

mit den »17 Hippies« oder Jazz mit Till Brönner

und der NDR Bigband.

Ein besonderes Projekt im Rahmen des

Deutschland-Schwerpunkts ist die Aufführung

von Bachs »Johannes-Passion« in der Inszenierung

von Starregisseur Robert Wilson. Das

NDR Sinfonieorchester unter Leitung von

Christoph von Dohnányi eröffnet das Festival

mit Beethovens Neunter Sinfonie.

154 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


ARD-Musikwettbewerb

31. August – 18. September

Insgesamt 15 Preise werden am Ende des 58.

Internationalen Musikwettbewerbs der ARD

verliehen, für den sich junge Musiker der

Jahrgänge 1980 bis 1992 aus allen Nationen beworben

haben. Insgesamt 217 junge Musiker

konkurrieren in den Fächern Gesang, Harfe,

Kontrabass und Violine.

Am Ende vergibt die Jury vier erste, fünf

zweite und sechs dritte Preise in einem Gesamtwert

von über 150 000 Euro. Einen ersten

Preis im Fach Gesang bekommt die australische

Sopranistin Anita Watson. Den ersten Platz im

Fach Violine erringt virtuos die erst 17-jährige

Koreanerin Hyeyoon Park. Auch zwei Deutsche

können Preise mit nach Haus nehmen:

Der Bassist Wilhelm Schwinghammer erspielt

sich einen zweiten Preis, Bariton Falko Hönisch

wird mit dem dritten Preis im Fach Gesang ausgezeichnet.

Internationale Funkausstellung IFA

4. – 9. September

Mit der bewährten Mischung aus Informationsständen

und unterhaltsamen Angeboten ist

die ARD – unter Federführung des RBB – auch

2009 auf der IFA in Berlin präsent. Die Digitalisierung

der Fernsehhaushalte bildet einen

thematischen Schwerpunkt: Die bevorstehende

Einführung von HDTV und die neuen Möglichkeiten

durch hybride Geräte, mit denen

Inhalte aus dem Netz auf dem TV-Bildschirm

abrufbar sind, stehen im Mittelpunkt. Die Präsentation

der neuen Technik und weitere Showcases

in HDTV veranschaulichen für die Besucher

den Nutzen der Digitalisierung.

Ein attraktives Unterhaltungsprogramm mit

Stars der ARD, darunter Dieter Pfaff, Sabine

Postel, Tim Mälzer und das Sandmännchen,

mit »Tagesschau«-Sprechern sowie Live-Sendungen

direkt von der Messe locken das Publikum.

ARD/ZDF-Förderpreis

»Frauen und Medientechnologie«

7. September

ARD, ZDF, DW und Deutschlandradio verleihen

im Rahmen der Medienwoche auf der

IFA erstmals den mit insgesamt 12 000 Euro

dotierten Förderpreis »Frauen und Medientechnologie«.

Der Preis für Medientechnologie-

Absolventinnen zielt darauf ab, den Frauenanteil

in diesem immer noch stark von Männern

dominierten Bereich zu erhöhen und Frauen

darin zu bestärken, sich im Rahmen ihres Studiums

mit technischen Fragestellungen aus dem

Bereich der audiovisuellen Medienproduktion

und -distribution auseinanderzusetzen.

Honoriert werden die drei besten Abschlussarbeiten

an deutschen, österreichischen und

schweizerischen Fachhochschulen und Universitäten.

Originalität, fachliche Exzellenz sowie

praktische Relevanz sind die entscheidenden

Bewertungskriterien.

Erste Preisträgerinnen sind Zora Schärer

(Foto oben) von der TU Berlin (1. Preis), Janine

Liebal von der TU Ilmenau (2. Preis) und Friederike

Maier von der Leibniz Universität Hannover

(3. Preis). Die Auszeichnung wird künftig

jährlich verliehen.

Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis

7. September

Die Schweizer Übersetzerin Lis Künzli erhält

den Eugen-Helmlé-Preis 2009 des SR und der

Stiftung ME SAAR. Künzli, die in Berlin und

Toulouse lebt, hat vor allem zeitgenössische

Belletristik ins Deutsche übertragen, u. a. von

Martin Page und Pascale Hugues.

Die Jury lobt Künzlis Genauigkeit, ihre

große Ausdruckskraft und ihren Sinn für

sprachliche Nuancen. Die Auszeichnung ist mit

6 000 Euro dotiert; die Preisverleihung wird auf

antenne saar (SR) live übertragen.

Radio Bremen Krimipreis 2009

16. September

Im Rahmen des 12. Bremer Krimifestivals verleiht

Radio Bremen seinen Krimipreis an den

Österreicher Stefan Slupetzky. Die Jury zeichnet

Slupetzky für seine schrägen Lemming-Ro-

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 155


mane aus und lobt den bitter-satirischen Blick

des Autors. »Titel«-Held der bisher vier Romane

ist Leopold Wallisch, genannt Lemming, frisch

entlassen aus der Mordkommission der Wiener

Polizei.

Der mit 2 500 Euro dotierte Preis wird im

Wechsel an deutschsprachige und ausländische

Autoren verliehen.

SWR 3 New Pop Festival

17. – 19. September

Zehn Künstler aus Europa und Übersee sowie

diverse Sonder-Events stehen auf dem Programm

des New Pop Festivals in Baden-Baden.

Den Anfang machen die französische Soul-Pop-

Sängerin Soha, das Rock-Trio White Lies und

der australische Newcomer Daniel Merriweather.

Sämtliche Auftritte werden live auf einer

Videowand vor dem Kurhaus übertragen und

Kelly Rowland beim »New Pop Special«

mit »When Love Takes Over«

– für alle Ortsfernen – vom ARD-Digitalprogramm

EinsPlus live gesendet. Zeitversetzt sind

alle zehn Einzelkonzerte auch im SWR Fernsehen

zu sehen; SWR 3 und ARTE streamen die

Konzerte live im Internet.

RadioAward für neue Musik

18. September

Zum zweiten Mal verleihen die jungen ARD-

Hörfunkwellen MDR SPUTNIK, Fritz (RBB)

und YOU FM (HR) ihren gemeinsamen Musik-

preis für noch unbekannte Musiker oder Gruppen.

Nach der Hörer-Abstimmung auf der Online-Plattform

schaffen es vier Acts ins Finale:

Fjäril, My New Zoo, Jona:S und Mega Mega.

Die Fachjury verleiht den RadioAward an

Jona:S aus Gießen. Neben der Trophäe bekommt

die Band einen Gutschein für Musikequipment

in Höhe von 10 000 Euro.

Festival der ARD-Preisträger

19. September – 4. Oktober

Herausragende Teilnehmer aus den Wettbewerbsjahrgängen

2007 und 2008 studieren in

Schloss Elmau wieder ein gemeinsames Programm

ein, das sie u. a. in München, Wien,

Gauting und Landshut präsentieren.

Auf dem Konzertprogramm stehen diesmal

Werke von Robert Schumann, György Kurtág,

Johannes Brahms und anderen.

Preis der SWR-Bestenliste / SWR-Literaturpreis

21. September

Kathrin Schmidt wird für ihren Roman »Du

stirbst nicht« mit dem Preis der SWR-Bestenliste

ausgezeichnet. In dem stark autobiografisch

gefärbten Roman erzählt Schmidt die Geschichte

einer Frau, die nach einer Hirnblutung

im Krankenhaus aus dem Koma erwacht und

sich ganz allmählich die Sprache und die Welt

zurückerobert.

Die Jurymitglieder der Bestenliste vergeben

den mit 10 000 Euro dotierten Preis jährlich an

einen Autor, der zuvor auf der Liste vertreten

war.

RADIO DAY

22. September

AS&S Radio und die RMS Radio Marketing

Service laden Radiomacher und -vermarkter zur

15. Auflage des RADIO DAY in die Koelnmesse

an den Rhein. Rund 3 000 Fachbesucher kommen

zum diesjährigen Branchentreff, der unter

dem Motto »Ideas for Ears. So wirkt Radio«

steht.

Zu den Referenten des Radio-Kongresses

gehören der Kreative Edward de Bono, der Philosoph

Peter Sloterdijk sowie Smudo von den

Fantastischen Vier. Die Radio Lounge bietet

reichlich Gelegenheit zum Austausch und zur

Kontaktpflege.

156 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


WDR Hörwelten

25. – 27. September

Bereits zum vierten Mal präsentiert das WDR-

Radiofestival »Hörwelten« im Kölner Funkhaus,

was Radio zu bieten hat rund um Hörspiel, Feature

und Literatur.

Live-Hörspiele, öffentliche Aufführungen,

offene Produktionsstudios und der Kinderhörspieltag

gehören zum festen Bestandteil der Veranstaltung.

Ken Folletts Mittelalter-Spektakel

»Die Tore der Welt« wird dem Publikum auf

dem Wallraf-Platz open air zu Gehör gebracht.

Mehr Raum bekommt diesmal die Literatur, ob

in Gesprächen mit Autoren oder in Lesungen.

Erstmals kooperieren die WDR Hörwelten

mit dem »NRW Hörspielforum«, einer Arbeitskonferenz

freier Radiomacher, die den Diskurs

zwischen Autoren, Redakteuren und Hörern

fördert. Rund 4 000 Besucher kommen zu den

WDR Hörwelten.

Am Kinderhörspieltag geben sich die jungen

Zuhörer ganz entspannt dem Hörgenuss hin.

Deutscher Fernsehpreis

26. September

Zum elften Mal verleihen ARD, ZDF, RTL und

Sat.1 ihren gemeinsamen Fernsehpreis und würdigen

damit hervorragende Leistungen für das

Fernsehen. Ausrichter der Preis-Gala ist diesmal

Sat.1, der Anke Engelke und Bastian Pastewka

als Volksmusikantenpaar »Wolfgang und Anneliese«

satirisch durch den Abend führen lässt.

Die Preise werden in insgesamt 21 Kategorien

verliehen, davon gehen zahlreiche an ARD-Produktionen:

Als »Bester Fernsehfilm« wird »Mogadischu«

über die Entführung der Lufthansa-

Maschine »Landshut« ausgezeichnet. »Beste

Schauspielerin in einer Hauptrolle« ist Senta

Berger in dem Fernsehfilm »Schlaflos«. In der

Kategorie »Beste Dokumentation« bekommt

»Freundschaft! Die Freie Deutsche Jugend« von

Lutz Hachmeister und Mathias von der Heide

die begehrte Trophäe.

Mit dem diesjährigen Ehrenpreis der Stifter

wird Alfred Biolek für sein Lebenswerk »als

Ikone guter Unterhaltung« ausgezeichnet.

RBB-Dokumentarfilmpreis

9. Oktober

Die RBB-Programmdirektorin überreicht im

Rahmen der Babelsberger Medienpreise den

vom RBB gestifteten Förderpreis für den besten

Absolventenfilm im Bereich Dokumentarfilm.

Die Auszeichnung ist mit 18 000 Euro dotiert

und wird Thaïs Odermatt (Buch/Regie) für

»Nid hei cho« zuerkannt. In ihrem Abschlussfilm

an der Hochschule Luzern führt Odermatt

die Zuschauer in einen abgelegenen, nur mit

der Luftseilbahn erreichbaren Ort in der Innerschweiz.

Hier lebt Anna Arnold. Sie spricht

über ihren Mann und seine Leidenschaft – das

Wildern.

Hessischer Fernsehpreis

16. Oktober

Gleich drei Schauspieler werden 2009 mit dem

Hessischen Fernsehpreis ausgezeichnet, den der

HR mit der Hessischen Filmförderung jährlich

für herausragende schauspielerische Leistungen

im Fernsehspiel verleiht.

Als »Beste Darstellerin« wird Nina Kunzendorf

für ihre Leistung im Frankfurter »Tatort«:

»Neuland« ausgezeichnet. »Beste Darsteller«

2009 sind Florian Bartholomäi und Peter Lerchbaumer:

Lerchbaumer überzeugte die Jury mit

seiner Rolle als Kioskbesitzer in »Der Mann auf

der Brücke«. Bartholomäi wird für seine Doppelrolle

in der Folge »Schattenkind« der Fernsehfilm-Reihe

»Bloch« ausgezeichnet.

Der Preis ist undotiert und wird an Darsteller

verliehen, die aus Hessen stammen, in Hessen

wohnen oder in einer hessischen Produktion

mitgewirkt haben.

Donaueschinger Musiktage

16. – 18. Oktober

Das internationale Festival für Neue Musik bie -

tet 16 Uraufführungen mit Künstlern aus neun

Nationen. Kammermusikalische Werke mit

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 157


Live-Elektronik bilden einen Schwerpunkt dieser

Musiktage: Das Freiburger Experimentalstudio

des SWR bringt Werke von Dai Fujikura,

Jimmy López und Christopher Trebue Moore

zur Uraufführung.

Weiterer Höhepunkt: die Eröffnungskonzerte

»doppelt bejaht«, Etüden für Orchester

ohne Dirigent, von Mathias Spahlinger und

»Batsheba. Eat the history!« von Manos Tsangaris

mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-

Baden und Freiburg sowie dem SWR Vokalensemble

Stuttgart.

Rund 10 000 Kulturinteressierte kommen

zum Festival. Das Kulturprogramm SWR2 berichtet

an allen drei Tagen vom Festival und

überträgt nahezu alle Konzerte live im Radio.

Karl-Sczuka-Preis

17. Oktober

Der Autor Wolfgang Müller wird im Rahmen

der Donaueschinger Musiktage mit dem Karl-

Sczuka-Preis für avancierte Werke der Radiokunst

ausgezeichnet. Er erhält den mit 12 500

Euro dotierten Preis für sein vom BR produziertes

Radiostück »Séance Vocibus Avium«.

SWR2 strahlt das preisgekrönte Werk und

Ausschnitte der Verleihung zeitversetzt aus. Insgesamt

waren zu diesem Wettbewerb 88 Beiträge

aus 16 Ländern eingesandt worden.

PRIX EUROPA

17. – 24. Oktober

Im Wettbewerb um die besten europäischen

Fernseh-, Hörfunk- und Multimediabeiträge

ist das Interesse so groß wie nie: Von den 665

Bewerbungen aus 40 Ländern schaffen 231

Produktionen die Nominierung, 37 davon aus

Deutschland.

Bewertet wird in zwölf Kategorien: Zwei

deutsche Produktionen gehören zu den Wettbewerbsgewinnern:

Als bestes Radiofeature

gewinnt die Produktion »Lost in Music: Die

Cornel Chiriac Story« (BR, SWR, WDR) von

Patrick Banush. Es erzählt die Geschichte des

rumänischen DJs Cornel Chiriac, der dem

Ceausescu-Regime entfloh und bis zu seiner Ermordung

beim Radio Free Europe in München

arbeitete.

Die RBB-Produktion »Anstoß in Teheran«

von David Assmann und Ayat Najafi wird als

bestes multikulturelles TV-Programm prämiert.

158 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

NDR Kultur Sachbuchpreis

25. Oktober

NDR Kultur verleiht erstmals einen Sachbuchpreis:

Prämiert werden herausragende Autorenleistungen,

mit denen gesellschaftlich und

wissenschaftlich relevante Themen in möglichst

lesernaher Form für ein allgemeines Publikum

verständlich gemacht werden.

Eine Fachjury aus Literaturexperten, Autoren,

Journalisten und Lektoren wählt ihre Favoriten

in einem dreistufigen Verfahren. Erster

Preisträger ist Jürgen Osterhammel, Professor

für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität

Konstanz, der für seine monumentale

Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts »Die

Verwandlung der Welt« ausgezeichnet wird. Die

Preisvergabe findet in Zusammenarbeit mit dem

Festival Göttinger Literaturherbst statt.

Der Sachbuchpreis ist mit insgesamt 14 000

Euro dotiert – der Gewinner erhält 10 000 Euro,

die beiden anderen Finalisten je 2 000 Euro –

und wird jährlich verliehen.

Deutsches Jazzfestival

29. Oktober – 1. November

Die 40. Ausgabe des Deutschen Jazzfestivals

lässt sich – 40 Jahre nach dem legendären Rockfestival

in Woodstock –

von dessen Strahlkraft

inspirieren: Unter dem

Motto »Woodstock

Vibes« erinnern die

Bläserformation »World

Saxophone Quartet«

und das Piano-Trio

»Flower Power« um

Aldo Romano einen

Abend lang an den

Aufbruchsgeist von

damals.


Wie schon in den Vorjahren stehen herausragende

Künstler der internationalen Jazzszene

in spannenden Kombinationen – u. a. mit der

hr-Bigband – auf der Bühne des HR-Sendesaals,

darunter der Saxofon-Gigant Joe Lovano und

der Multistilist Anthony Braxton (Foto unten

links). hr2-kultur überträgt die Konzerte live.

Neu sind ein Kinderkonzert »Im Super Mario

Land« und eine After-Show-Party im Künstlerhaus

Mousonturm.

WDR Jazzpreis

30. Oktober

Im Rahmen des Festivals jazz.cologne verleiht

der WDR zum sechsten Mal seine Jazzpreise in

vier Kategorien: Die Auszeichnung für »Jazz-

Improvisation« und 10 000 Euro gehen an die

Rhythmusgruppe des Kontrabassisten Robert

Landfermann und des Schlagzeugers Jonas

Burgwinkel. Steffen Schorn bekommt den

ebenfalls mit 10 000 Euro dotierten Preis in der

Kategorie »Jazz Komposition«. In der Sparte

»Jazz Nachwuchs« wird die Big Band der Musik-

und Kunstschule Bielefeld ausgezeichnet

und bekommt ein Preisgeld von 5 000 Euro.

Der Ehrenpreis für »Radiojournalismus im

Jazz« – ebenfalls mit 5 000 Euro dotiert – wird

Michael Naura zuerkannt.

MDR-Filmpreis

31. Oktober

Auch 2009 verleiht der MDR im Rahmen des

Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar-

und Animationsfilm seinen Preis für

den besten osteuropäischen Beitrag. Die mit

3 000 Euro dotierte Auszeichnung geht an den

polnischen Filmemacher Pawel Lozinski für seinen

Film »Chemia« (»Chemo«): Ein Jahr lang

hat Lozinski Patienten einer Krebsstation begleitet

und ihnen zugehört.

ARD Hörspieltage

4. – 8. November

Mehr als 50 Hörspiele, Konzerte und Radioaufzeichnungen

stehen auf dem Programm der

diesjährigen Hörspieltage der ARD in Karlsruhe,

die wieder von SWR und HR in Zusammenarbeit

mit dem ZKM und der Staatlichen

Hochschule für Gestaltung durchgeführt werden.

Den Auftakt machen »Bout du Monde –

Ende der Welt« (SR) sowie die RBB-Produktion

»Tötet den Schiedsrichter«.

Einer der Höhepunkte des Festivals ist der

Wettbewerb um den renommierten Hörspiel-

Preis der ARD. Zehn von den ARD-Rundfunkanstalten

und dem Deutschlandradio eingereichte

Hörspiele werden im ZKM vorgeführt

und von der Jury öffentlich diskutiert, bis am

Ende der Preisträger feststeht. Die mit 5 000

Euro dotierte Auszeichnung geht 2009 an Stefan

Weigl für »Moment, das wird Sie interessieren!«

(WDR). Weigls Satire über den Versuch,

seinen Internet-Account bei einer Service-Hotline

zu kündigen, gewinnt auch den mit 2 500

Euro dotierten Publikumspreis »ARD Online

Award«.

LaBrassBanda – Blechmusik zwischen Orient

und Okzident bei den ARD-Hörspieltagen 2009

Beim Wettbewerb für unveröffentlichte Projekte

freier Hörspielmacher »Premiere im Netz«

setzt sich »030 – Der Anrufbeantworter« von

Benjamin Kloß gegen die Konkurrenten durch.

Kloß gewinnt eine professionelle Hörspielproduktion

in einem ARD-Studio.

Den Deutschen Kinderhörspielpreis der ARD

und der Filmstiftung NRW wird Maja Nielsen

zuerkannt für »Feldpost für Pauline« (WDR).

Die mit 5 000 Euro dotierte Auszeichnung wird

am letzten Tag verliehen, der traditionell dem

Kinderhörspiel gewidmet ist.

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 159


»Musique des Dames« am 15.11. zu Gast

bei den Tagen Alter Musik in Herne

3sat- und ARTE-Dokumentarfilmpreis

7. November

Bei der 33. Duisburger Filmwoche verleihen 3sat

und ARTE wieder ihre mit je 6 000 Euro dotierten

Preise:

3sat verleiht seinen Preis für den besten

deutschsprachigen Dokumentarfilm an die Österreicherin

Katharina Copony für »Oceanul

Mare«: Anhand der Lebenswege dreier chinesischer

Immigranten in Bukarest lotet der Film

auf vielschichtige Weise Formen des Fremdseins

aus.

Der ARTE-Preis für den besten deutschen

Dokumentarfilm wird Harun Farocki zuerkannt

für »Zum Vergleich«. Darin begleitet er die Arbeit

des Häuserbauens in einer traditionellen, in

einer frühindustriellen und in hochindustriellen

Gesellschaften mit der Kamera und entwirft so

einen kulturgeschichtlichen Vergleich.

Kinderbuchpreis Luchs 2009

12. November

Gewinnerin des Kinder- und Jugendbuchpreises

von Radio Bremen und der ZEIT ist die

ameri kanische Autorin Meg Rosoff. Sie erhält

den Luchs 2009 für ihren Roman »Damals das

Meer«: Darin schildert sie die Geschichte eines

Internatszöglings, dem sich inmitten von Einsamkeit

und Bedrängnis eine neue Freundschaft

eröffnet, in der er Geborgenheit und Liebe erfahren

kann.

Der Preis ist mit 8 000 Euro dotiert und wird

im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung in

der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

verliehen.

Tage Alter Musik in Herne

12. – 15. November

Um »Tabus in der Musik vom Mittelalter bis ins

19. Jahrhundert« geht es in der 34. Auflage dieses

renommierten Festivals für Alte Musik von

WDR und der Stadt Herne. Einer der Höhepunkte

2009 ist die Live-Übertragung des skandalträchtigen

Barock-Oratoriums von Paolo

Colonnas über den Fall Jerusalems.

Volksnahe, höchst lebendige geistliche Gesangsmusik,

die im 16. Jahrhundert aus einem

Tabubruch gegen die Normen des Vatikans als

Gegenkultur entstand – interpretiert vom Ensemble

Concerto Romano –, begeistert die Zuhörer

in der ausverkauften Herner Kreuzkirche.

Zahlreiche Spitzenensembles der Alten Musik

aus Deutschland, Holland, der Schweiz und

Italien bereichern das Festival.

WDR 3 überträgt zehn Konzerte. Bei der parallel

stattfindenden Musikinstrumenten-Messe

geht es um Blas- und Saiteninstrumente der

Alten Musik.

RBB-Regiepreis

14. November

Beim 19. FilmFestival Cottbus verleiht der RBB

wieder seinen Spezialpreis für die beste Regie.

Die mit 7 500 Euro dotierte Auszeichnung teilen

sich zwei Filme und drei Regisseure: Zvonimir

Juric und Goran Devic aus Kroatien für

»Crnci – Die Schwarzen« sowie Aleksey Mizgirev

aus Russland für »Buben Baraban«.

Der RBB ist Medienpartner des Festivals für

osteuropäischen Film, sendet begleitend eine

Filmreihe und berichtet ausführlich in seinen

Programmen.

160 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Kinder-Online-Preis des MDR-Rundfunkrats

16. November

Der Rundfunkrat des MDR verleiht erstmals

seinen Kinder-Online-Preis an herausragende

Websites und Internet-Beiträge für Kinder und

Jugendliche. Kinderfreundlichkeit, Gewaltfreiheit,

Verständlichkeit und die pädagogischen

Inhalte sind dabei wichtige Bewertungskriterien.

Bei der ersten Preisvergabe werden gleich

zwei Portale ausgezeichnet: das Lernportal

»www.notenmax.de« des Berliner Vereins Kinder

und Musik e.V. und die Website »Die Gürbels«

(www.die-guerbels.de), eine Seite mit ma-


gischen Gute-Nacht-Geschichten für Groß und

Klein. Der mit 2 000 Euro dotierte Preis wird

unter den Ausgezeichneten geteilt.

Hans Bausch Mediapreis

18. November

Der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier

wird für seine »hervorragend recherchierten

Analysen und klugen Entwürfe zum

Medienschaffen in Deutschland« mit dem Hans

Bausch Mediapreis des SWR ausgezeichnet. Die

Jury würdigt besonders, dass Niggemeier »die

journalistischen Tugenden der ›alten‹ Medien in

das neue Medium Internet« überführt und damit

»wesentlich zur Etablierung journalistischer

Standards im Netz« beiträgt.

Die Auszeichnung ist mit 10 000 Euro dotiert

und wird seit 1983 verliehen. SWR Fernsehen

und 3sat senden zeitversetzt eine 45-minütige

Zusammenfassung der Preisverleihung.

3sat-Zuschauerpreis

21. November

Aus den Wettbewerbsbeiträgen beim Fernsehfilm-Festival

Baden-Baden, die eine Woche

lang in 3sat ausgestrahlt werden, wählen die

Zuschauer wieder ihren Favoriten. Die meisten

Stimmen kann »Frau Böhm sagt nein« für sich

verbuchen. Die WDR-Produktion um eine

aufrechte Sachbearbeiterin, die sich weigert, Bonuszahlungen

in Millionenhöhe an scheidende

Vorstandsmitglieder anzuweisen, führt mitten

in aktuelle Wirtschaftsthemen wie Korruption

und maßlose Gewinnsucht. In der Rolle der

Frau Böhm brilliert Senta Berger.

HR-Klangbiennale

21. / 22. November

Im Mittelpunkt der Klangbiennale_2 des hr-

Sinfonieorchesters und mehrere seiner Ensembles

steht der Komponist, Dirigent und Visionär

Bruno Maderna. Maderna, 1920 in Venedig

geboren und 1973 in Darmstadt gestorben, war

Botschafter der Neuen Musik und gab als Pionier

elektronischer Musik maßgebliche Impulse.

Unter dem Titel »Satellit Maderna« präsentieren

das hr-Sinfonieorchester, die hr-Bigband,

das Bärmann-Trio, das hr-Ensemble für Neue

Musik und das Hába Quartett sowie weitere

Mitwirkende zwei Tage lang einen Querschnitt

aus Madernas Werk.

Werkstattgespräche und Installationen ergänzen

das Programm. hr2-kultur sendet zeitversetzt

Mitschnitte aus dem Programm.

German Screenings

29. November – 2. Dezember

Die größte Vertriebsmesse für deutschsprachige

Fernsehproduktionen von ARD – bzw. ihrer

Vertriebstöchter german united distributors und

Telepool – sowie DW und ORF findet diesmal

in München statt.

Rund 150 Teilnehmer aus 26 Ländern können

aus über 10 000 Stunden Programm die Highlights

für ihren Sender auswählen. Das Angebot

umfasst das gesamte Spektrum vom anspruchsvollen

Fernsehfilm über erfolgreiche Serien bis

hin zu preisgekrönten Dokumentationen sowie

Kinder- und Musikprogrammen.

1LIVE Krone

3. Dezember

Über den deutschen Radio-Award für die beliebtesten

nationalen Künstler aus Popmusik

und Comedy stimmen diesmal knapp eine

Million 1LIVE-Hörer im Internet ab: Großer

Gewinner der Abstimmung ist Clueso, der die

Krone als »Bester Künstler« und in der Kategorie

»Beste Single« passenderweise für seinen

Song »Gewinner« bekommt. Die 1LIVE Krone

wird in insgesamt acht Kategorien verliehen:

Als »Beste Band« werden die Toten Hosen ausgezeichnet;

die Krone für das »Beste Album«

kann Jan Delay (Foto unten) für »Wir Kinder

vom Bahnhof Soul« mit nach Hause nehmen.

Mit der Krone für das »Lebenswerk« kürt die

1LIVE-Redaktion Die Fantastischen Vier. Der

ebenfalls von der Redaktion vergebene Preis für

die »Beste Comedy« geht an Kurt Krömer.

Die Preisverleihung in der Bochumer Jahrhunderthalle

wird live im Radio übertragen und

via Internet gestreamt. Das WDR Fernsehen

überträgt die Veranstaltung ab 22.00 Uhr.

Wettbewerbe und Veranstaltungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 161


162

Rundfunkpolitik 2009 / 2010

Von Verena Wiedemann

Reform der Rundfunkfinanzierung • Dreistufentests

abgeschlossen • »Tagesschau« für Smartphones

in der Kritik • Krise . . . welche Krise? • Renditegeschenk

für die Privaten: Product Placement • Trotz positiver

Zahlen: Rückgang der Informationsangebote bei

den Privaten • Ehrliche Debatte notwendig • Verbot von

Werbung und Sponsoring bei ARD und ZDF • Jugend­

medienschutz­Staatsvertrag unterzeichnet • Internet­

Enquete eingesetzt • Qualitätspartnerschaften

der ARD

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Die medienpolitischen Auseinandersetzungen

über Inhalt und Umfang des Funktionsauftrags

des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der

digitalen Welt setzten sich 2009 und 2010 nahtlos

fort. Neben dem Online-Auftrag und

dem Dreistufentest stand die Reform des Rundfunkfinanzierungsmodells

im Mittelpunkt des

medienpolitischen Interesses.

_ Reform der Rundfunkfinanzierung

Die Überlegungen der Länder für ein neues

Rundfunkfinanzierungsmodell sind in den Jahren

2009 und 2010 deutlich vorangekommen.

Die Ministerpräsidenten hatten bereits auf ihrer

Konferenz Ende 2007 die Rundfunkreferenten

der Länder beauftragt, Vorschläge für ein reformiertes

Finanzierungsmodell für den öffentlichrechtlichen

Rundfunk zu erarbeiten. In Zeiten

der Digitalisierung, in denen jedes Handy und

jeder internetfähige Computer auch Rundfunkempfangsgerät

ist, sollte neu über die bisherige

Form der Gebührenerhebung nachgedacht werden.

Die Debatte konzentrierte sich dabei auf zwei

Alternativen: eine Überarbeitung des bestehenden

Modells und ein geräteunabhängiges Modell,

das künftig die Gebührenpflicht an eine

Wohnung bzw. eine Betriebsstätte knüpft. Die


ARD hat die Reformüberlegungen der Länder

konstruktiv unterstützt. Beide Varianten waren

grundsätzlich denkbar. Aus Sicht des öffentlich-rechtlichen

Rundfunks war entscheidend,

dass das künftige Modell von der Bevölkerung

akzeptiert und für die Rundfunkanstalten zugleich

aufkommensneutral sein würde. Ferner

durfte ein neues Modell keine finanzverfassungsrechtlichen

Probleme aufwerfen und

musste mit dem europäischen Beihilferecht

vereinbar sein.

Ein von ARD, ZDF und Deutschlandradio

in Auftrag gegebenes Gutachten von Prof. Paul

Kirchhof hat dabei grundsätzlich gezeigt, dass

ein geräteunabhängiger Rundfunkbeitrag mit

den verfassungsrechtlichen und europarechtlichen

Vorgaben übereinstimmt. Die ARD begrüßt

es daher, dass sich die Ministerpräsidenten

der Länder Anfang Juni 2010 auf Eckpunkte

für einen geräteunabhängigen Rundfunkbeitrag

geeinigt haben. Anknüpfungspunkt für diesen

Rundfunkbeitrag wird in Zukunft die Wohnung

bzw. die Betriebsstätte sein. Bis Ende des Jahres

2010 wollen die Länder nun einen entsprechenden

Staatsvertragstext auf den Weg bringen. Mit

der jetzt gefundenen Lösung kann der solidarisch

finanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk

zukunftssicher in die digitale Welt überführt

werden.

Vertreter der Gremienvorsitzenden-

konferenz beim Pressegespräch

zum Abschluss der Dreistufentests

am 20. 7. im ARD-Hauptstadtstudio

in Berlin

_ Dreistufentests abgeschlossen

Vielen ARD-Mitarbeitern werden die Jahre

2009 und 2010 vor allem wegen der so genannten

Dreistufentests zur Bestandsüberführung

der Telemedienangebote im Internet in Erinnerung

bleiben. In einem unvergleichlichen Kraftakt

haben alle Redaktionen und Fachbereiche

in den Rundfunkanstalten für den gesamten

Telemedienbestand Konzepte erstellt. Diese

haben die Intendantinnen und Intendanten Anfang

Juni 2009 ihren zuständigen Rundfunkgremien

zur Prüfung im Dreistufentest übermittelt.

Der Zeitdruck war auf allen Seiten erheblich,

da der Zwölfte Rundfunkänderungsstaatsvertrag

(RÄStV) nach den Vorgaben der Europäischen

Kommission bis zum 31. 8. 2010 umgesetzt sein

musste. Anders als dies die Kommission in ihrer

Beihilfeentscheidung zur Finanzierung des

öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland

aus dem April 2007 vorgegeben hatte, entschieden

die Länder mit dem Zwölften RÄStV

allerdings, dass nicht nur neue und wesentlich

veränderte Telemedienangebote von den Rundfunkgremien

in einem dreistufigen Verfahren

auf ihre Vereinbarkeit mit dem gesetzlichen

Auftrag zu überprüfen seien, sondern dass sich

diese Prüfung auch auf das gesamte bereits bestehende

Telemedienangebot von ARD, ZDF

und Deutschlandradio erstrecken sollte. So

mussten die ARD-Gremien insgesamt allein

elf Dreistufentests für ARD-Gemeinschaftsangebote,

wie etwa ARD.de, DasErste.de, tagesschau.de,

sportschau.de und boerse.ARD.de,

durchführen.

Rundfunkpolitik 2009/2010 A R D - J A H R B U C H 1 0 163


164

Zu Beginn der Dreistufentests Anfang Juni

2009 veröffentlichten die Gremien alle Telemedienkonzepte

im Internet und gaben Dritten

acht Wochen lang Gelegenheit, Stellung zu

nehmen. Über ein Jahr lang prüften sie die

verschiedenen Telemedienkonzepte in rund

300 Sitzungen und sichteten mehrere tausend

Seiten Unterlagen, darunter auch viele Stellungnahmen

Dritter sowie insgesamt elf Marktgutachten,

die sie bei unabhängigen Experten

in Auftrag gegeben hatten und die sich mit

den möglichen ökonomischen Auswirkungen

der öffentlich-rechtlichen Telemedienangebote

auf die Wettbewerber beschäftigten. Während

die Vertreter der Verleger und der kommerziellen

Rundfunkveranstalter sich kritisch zu den

öffentlich-rechtlichen Telemedienangeboten

äußerten, bewerteten zahlreiche Verbände und

gesellschaftliche Organisationen sowie individuelle

Internet-Nutzer diese Angebote der ARD

sehr positiv und machten deutlich, dass sie als

Gegenleistung für ihre Rundfunkgebühren eher

mehr als weniger Inhalte der ARD zum zeitunabhängigen

freien Abruf im Internet erwarten.

Im Juni und Juli 2010 konnten die Rundfunkgremien

dann sämtliche Dreistufentestverfahren

abschließen und ihre Entscheidungen der

jeweils zuständigen Rechtsaufsicht der Länder

zuleiten. Auf ihrer anschließenden gemeinsamen

Pressekonferenz am 20. 7. 2010 in Berlin

hat die Gremienvorsitzenden-Konferenz der

ARD (GVK) die Ergebnisse und Erkenntnisse

aus den Verfahren gegenüber der Öffentlichkeit

erläutert. In der Presseerklärung der GVK vom

gleichen Tage heißt es u. a.:

»Im Ergebnis bescheinigen die Rundfunkräte

der ARD, dass sie im Netz Qualitätsangebote

bereithält, die sich von den Konkurrenzangeboten

unterscheiden oder diese in qualitativer

Hinsicht ergänzen. Die von den Intendanten

vorgelegten Telemedienkonzepte wurden u. a.

mit Einschränkungen zur Verweildauer in den

Mediatheken sowie Vorgaben zur weiteren

Entwicklung der Angebote, zum Auftritt auf

Drittplattformen und zur Kostenstabilität genehmigt.

(. . .)

Den Gremien war es dabei wichtig, die besondere

Aufgabe des öffentlich-rechtlichen

Rundfunks im Internet hervorzuheben: nämlich

dem Bürger Orientierung in einer unbegrenzt

erscheinenden Informationsvielfalt zu

bieten und Gewähr für objektive und differenzierte

Information zu bieten.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Die Gremien überprüften Aspekte wie inhaltliche

und technische Medienkompetenz

oder Barrierefreiheit und forderten ergänzende

Maßnahmen ein (siehe etwa seit kurzem das

ARD.de-Spezial Medienkompetenz). Zur besseren

Erfassbarkeit der meist subjektiv gesehenen

Qualitätsfrage haben die Gremien in zwei

Workshops Prüfungsschritte und Evaluationskriterien

entwickelt. Auch wurden die Angebots-

und Strukturprofile vergleichbarer Wettbewerber

auf dem Free- und Pay-Markt untersucht.

Die Marktgutachten der externen Experten

haben unter Beachtung der europarechtlichen

Vorgaben unabhängig von der konkreten Methodik

keine wettbewerbsverzerrenden Auswirkungen

festgestellt. Dort wo im Einzelfall negative

Marktauswirkungen nicht auszuschließen

waren, haben die Gremien Beschränkungen

(z. B. bzgl. der Verweildauer von fiktionalen Serien)

oder verfahrenstechnische Absicherungen

vorgenommen (u. a. durch Deckelung der Kosten).

Dort wo z. B. aufgrund noch offener technischer

Entwicklungen keine endgültigen Feststellungen

möglich waren, haben die Gremien

Evaluationsvorkehrungen getroffen und den Intendanten

Informationspflichten auferlegt. Dies

gilt u. a. für den Auftritt auf Drittplattformen

oder den Mobile-Markt.«

Als Folge der gesetzlichen so genannten

Negativliste sowie der nunmehr festgelegten

begrenzten Verweildauer für die meisten öffentlich-rechtlichen

Telemedien sind im gesamten

ARD-Angebot seit 2009 mehr als eine Million

Dokumente nicht mehr im Netz verfügbar.

Zahlreiche Internet-Nutzer haben hiergegen


vergeblich protestiert. Sie sehen nicht ein, weshalb

wertvolle publizistische Inhalte, die sie

mit ihren Rundfunkgebühren bezahlt haben,

aus dem Netz genommen wurden. So ist beispielsweise

das Dossier zur ARD-Themenwoche

»Krebs« aus dem Jahr 2006 nicht mehr öffentlich

zugänglich. Ebenso richtet sich der Unmut

vieler Nutzer dagegen, dass etliche Links auf

Wikipedia, die bisher zu Hintergrundinformationen

und vertiefenden Beiträgen der ARD

im Internet führten, inzwischen ins Leere laufen,

weil diese Beiträge aufgrund der neuen

rechtlichen Situation entfernt werden mussten.

Tatsächlich lassen sich die gesetzlichen Verbote

und Verweildauerbeschränkungen in erster Linie

auch nur mit der Absicht des Gesetzgebers

erklären, die Geschäftsmodelle privater Wettbewerber

im Netz zu schützen.

Doch selbst wenn ein langer und arbeitsreicher

Weg hinter der Operative und den Gremien

der ARD liegt, so hat das Verfahren auch

dazu geführt, dass sich alle Beteiligten intensiv

mit dem gesetzlichen Auftrag des öffentlichrechtlichen

Rundfunks für Telemedien sowie

mit der Frage auseinandergesetzt haben, in welcher

Weise dieses Angebot einen qualitativen

Beitrag zum publizistischen Wettbewerb leistet

und welche Kosten hierdurch entstehen. Mit

der aufwändigen Bestandsüberführung durch

die Rundfunkgremien sind die Telemedien des

öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf eine bisher

einmalige Weise gesellschaftlich legitimiert

worden. Denn umfassend wie noch nie zuvor

wurde der publizistische Wert der Online-

Angebote auf den Prüfstand gestellt. Mit dem

Abschluss dieser Überprüfung haben die Telemedienangebote

der ARD damit zugleich ein

»Qualitätssiegel« erhalten.

Die ARD wird nun alles daransetzen, auf

Grundlage der genehmigten Telemedienkonzepte

den Nutzern auch in Zukunft die bestmöglichen

Onlineangebote zu bieten. Auch die

Umsetzung dieser Konzepte wird – wie alle anderen

Aktivitäten der Rundfunkanstalten auch

– durch die Gremien begleitet und kontrolliert.

_ »Tagesschau« für Smartphones in der Kritik

Die Genehmigung der Telemedienkonzepte

umfasst auch den Zugang der Nutzer zu den

Telemedien der ARD über mobile Plattformen

und Endgeräte. Die Pläne von tagesschau.de,

in Zukunft eine Applikation (»App«) für Smartphones

anzubieten, hatten um den Jahreswechsel

2009/10 zu medienpolitischem Streit

geführt. Eine solche App ist nichts anderes als

eine Software, die einen vereinfachten Zugriff

auf Inhalte ermöglicht, die ohnehin auf den

Internet-Seiten von tagesschau.de abrufbar sind.

Entsprechend der mobilen Nutzungssituation

soll es die Tagesschau-App ermöglichen, mit

nur einem Klick die »Tagesschau in 100 Sekunden«

abzurufen.

Allen voran die Verlegerverbände reagierten

auf diese Pläne mit scharfer Kritik. Die ARD

würde die Geschäftsmodelle der Verleger auf

mobilen Plattformen zerstören und ihre Hoffnung,

mithilfe von kostenpflichtigen Apps

Einnahmen zu erzielen, zunichtemachen. Da

aber die Verlagsvertreter nicht ernsthaft der

Meinung sein können, dass in Anbetracht von

über 100 000 verfügbaren Apps – einschließlich

bereits zahlreicher kostenloser Apps aus der Verlagsbranche

(u. a. »Stern« und »Focus«) – ausgerechnet

eine App der »Tagesschau« für die »Kostenloskultur«

im Netz verantwortlich ist, geht

es bei dieser Auseinandersetzung in Wahrheit

darum, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als

publizistischen Konkurrenten von vornherein

aus einem maßgeblichen Weg des Informationszugangs

herauszuhalten. Dabei sind sich Experten

einig, dass das Internet längst eine weitere,

stille Revolution durchlaufen hat: Nach dem

Web 2.0 mit seiner Bedeutung für die soziale In -

teraktion ist das Internet inzwischen längst auch

mobil geworden: »on« ist man nun überall,

nicht nur daheim am Schreibtisch, sondern

Rundfunkpolitik 2009/2010 A R D - J A H R B U C H 1 0 165


166

auch jederzeit, an (fast) jedem Ort unterwegs

(vgl. Heidi Schmidt: Präsent sein in der digitalen

Welt).

Tatsächlich jedoch beeinflussen die öffentlich-rechtlichen

Telemedien die Geschäftsmodelle

kommerzieller Anbieter nur marginal.

Dies haben nicht nur die Marktgutachten unabhängiger

Experten im Rahmen der Dreistufentests

ergeben. Auch der Blick in die USA zeigt,

dass dort die Print-Verlage erheblich größere

wirtschaftliche Schwierigkeiten als die Presse

in Deutschland haben, obwohl die amerikanischen

Medien so gut wie keinen publizistischen

Wettbewerb mit öffentlich-rechtlichen Angeboten

kennen.

_ Krise . . .

2009 wird weltweit als das Jahr der Wirtschaftskrise

in Erinnerung bleiben. Auch die Medienbranche

blieb von deren Auswirkungen nicht

verschont. Betroffen waren vor allem kleinere

regionale Presseverlage, aber auch die »Zulieferindustrie«

der Medienbranche, wie Film- und

TV-Produktionsgesellschaften, die unter dem

Rückgang der Produktionsbudgets kommerzieller

Rundfunkveranstalter zu leiden hatten.

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf

den öffentlich-rechtlichen Rundfunk waren

aufgrund des geringen Anteils der konjunkturabhängigen

Werbefinanzierung vor allem

mittelbare: Insbesondere der Anstieg von Befreiungsquoten

in den wirtschaftlich schwächeren

Gebieten Deutschlands führte zu einem

deutlichen Rückgang der Gebühreneinnahmen.

Darüber hinaus ist es aber vor allem die demografische

Entwicklung, die die ARD vor finanzielle

Herausforderungen stellt. Angesichts dieser

Situation können neue Aufgaben deshalb nur

durch Umschichtungen bestehender Etats realisiert

werden. Dies gilt auch für neue oder veränderte

Telemedienangebote.

_ . . . welche Krise?

Überrascht hat allerdings, dass anders als in fast

allen anderen Branchen die privaten deutschen

Fernseh-Sendergruppen auch während der Finanzkrise

hervorragende Renditen erzielten. So

lag der Gewinn für RTL für 2009 nach mehreren

Rekordjahren in Folge mit 298 Mio Euro sogar

noch über dem Vorjahreswert. Jeder zweite

Euro von RTL wird in Deutschland verdient.

RTL schüttete seinem Mehrheitseigentümer

Bertelsmann für 2009 eine Dividende von

rund einer halben Milliarde Euro aus. Auch

ProSiebenSat.1 konnte aufgrund der positiven

Entwicklung des Fernseh-Werbemarktes das

Geschäftsjahr 2009 mit einem Reingewinn von

rund 144 Mio Euro abschließen, und dies trotz

der enormen Schuldenlast von rund 3,3 Mrd

Euro, die den Konzern durch den Zukauf der

skandinavischen SBS-Gruppe belastet.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Product Placement verschärft:

»Germany’s next Top Model« (ProSieben) in

den Räumlichkeiten eines Fastfood-Riesen.

_ Renditegeschenk für die Privaten:

Product Placement

Mit dem Inkrafttreten des 13. Rundfunkänderungsstaatsvertrags

am 1. 4. 2010 haben die

privaten Sendergruppen darüber hinaus ein

weiteres »Rendite-Geschenk« erhalten. Erstmals

wird es in Deutschland den kommerziellen

Rundfunkveranstaltern erlaubt sein, Produkte

gegen Entgelt in Unterhaltungssendungen,

Spielfilmen, Serien und Sportsendungen zu

platzieren. Mit dem Product Placement wird

somit neben der Online-Werbung ein weiteres

attraktives Geschäftsfeld ausschließlich den

kommerziellen Sendern zugestanden. In den

öffentlich-rechtlichen Programmen wird es

demgegenüber auch in Zukunft kein bezahltes

Product Placement geben. Die ARD hatte bereits

Ende 2006 erklärt, dass sie unabhängig von

einer Liberalisierung des Product Placements

durch die EU an ihrer Linie festhalten würde,

keine Produktplatzierungen gegen Entgelt in ihren

Eigen- und Auftragsproduktionen zuzulassen.

Diese frühzeitig ausgesprochene Selbstverpflichtung

wurde nun vom Gesetzgeber in den

13. RÄStV übernommen und gesetzlich geregelt

(vgl. Dokumente).


Welches erhebliche wirtschaftliche Potenzial

in diesem neuen Geschäftsfeld für den privaten

Rundfunk steckt, zeigt wiederum das Beispiel

USA. Dort macht der Anteil von Product Placement

an den Gesamteinnahmen der privaten

Fernsehsender bereits 17 Prozent aus.

_ Trotz positiver Zahlen: Rückgang der

Informationsangebote bei den Privaten

Trotz positiver Renditeentwicklungen in den

kommerziellen Medien ist der Qualitätsjournalismus

in der digitalen Welt allerdings weiterhin

stark unter Druck. Dies macht exemplarisch die

Situation der Nachrichten im kommerziellen

Rundfunk deutlich. So kündigte der Vorstandsvorsitzende

von ProSiebenSat.1, Thomas Ebeling,

Ende 2009 an, die Nachrichtenredaktion

von N24 schließen zu wollen.

Bereits zuvor hatten die Landesmedienanstalten

als Aufsichtsbehörden der kommerziellen

Sender ungewöhnlich scharfe Kritik daran

geäußert, dass die verbliebenen Informationsangebote

in den kommerziellen Programmen

unter anderem aufgrund der Boulevardisierung

nichts mehr »mit dem Verständnis von Nachrichten«

zu tun haben. Thomas Ebeling allerdings

verstand diese Kritik als »Diktatur einer

intellektuellen Elite bei der Qualitätsdebatte«:

»Nachrichten«, so Ebeling, »sind vielleicht für

das Image von Politikern wichtig, aber nicht unbedingt

bei allen Zuschauern.«

Deutlich wurde anhand der Entwicklungen

der letzten Monate: Der öffentlich-rechtliche

Rundfunk gewinnt als Garant für Vielfalt und

Qualität umso mehr an Bedeutung, je gewinnorientierter

die Geschäftsstrategien der kommerziellen

Rundfunkanbieter werden. Das

duale Rundfunksystem bildet daher auch in der

RTL II News, eine der Top-Meldungen vom

14. 5. 2010: Tom Kaulitz von Tokio Hotel konsumierte

in Taiwan das Potenzmittel Viagra.

digitalen Medienwelt ein unverzichtbares und

nachhaltiges Strukturprinzip der Medienordnung

in Deutschland.

_ Ehrliche Debatte notwendig

Gebraucht wird eine ehrliche Debatte, was die

Wirtschaftskrise überhaupt mit den derzeitigen

Umbrüchen im Mediensektor zu tun hatte und

welche Entwicklungen und Entscheidungen

von Marktteilnehmern auf ganz anderen Gründen

beruhen. So arbeitet der Nachrichtenkanal

N24 nach Berechnungen seiner eigenen Redakteure

sehr wohl profitabel, nur offenbar nicht

profitabel genug, um die Renditevorgaben der

Investoren von ProSiebenSat.1 zu erfüllen.

Eine ehrliche Debatte ist auch mit Blick auf

die Situation bei den Verlagen vonnöten: Die

Strukturkrise des Zeitungs- und Zeitschriftenmarktes

hat zweifelsohne bedeutende Umwälzungen

für die Branche zur Folge. So verliert

Print vor allem bei den Jüngeren gegenüber

den Onlinemedien zunehmend an Bedeutung.

Werbeetats werden teilweise von Anzeigen in

den gedruckten Publikationen in den Online-

Markt verschoben. Während kleinere Presseverlage

und einige Zeitschriftenverlage mit dieser

Entwicklung zu kämpfen haben, meistern viele

große deutsche Verlagsunternehmen den medialen

Umbruch jedoch erfolgreich. So erwirtschaftete

die Axel Springer AG 2009 trotz leicht

rückläufiger Vertriebs- und Werbeerlöse einen

Jahresüberschuss von rund 314 Mio Euro, wobei

ein großer Teil der Einnahmen bereits aus dem

Internet-Geschäft resultierte. Auch für 2010 geht

der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner von

stabilen bzw. sogar leicht steigenden Umsätzen

aus, vor allem aufgrund des Wachstums im digitalen

Bereich. Auch die Hubert Burda Media

hatte trotz der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise

ein insgesamt erfolgreiches Geschäftsjahr

2009 zu verzeichnen. Der Umsatz ging

mit knapp 1,6 Mrd zwar um rund neun Prozent

zurück. Burda Media konnte dennoch das Ergebnis

um ein Drittel verbessern.

Diese für die Printbranche insgesamt inhomogenen

Marktentwicklungen lassen mittel-

und langfristig eine weitere deutliche Zunahme

der Medienkonzentration in Deutschland erwarten.

Rundfunkpolitik 2009/2010 A R D - J A H R B U C H 1 0 167


168

_ Verbot von Werbung und Sponsoring

bei ARD und ZDF

Die Debatte um die Begrenzung bzw. Abschaffung

von Werbung und Sponsoring bei ARD

und ZDF, die bereits im Jahr 2008 begonnen

hat, fand auch in 2009/10 ihre Fortsetzung.

Dabei klaffen politische Symbolkraft und tatsächliche

Sachargumente deutlich auseinander.

Argumentierten die kommerziellen Rundfunkanbieter

anfangs noch, die Werbeeinnahmen

der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanbieter

würden bei einem Werbeverbot den eigenen

Einnahmen zugutekommen, begründen sie

ihre Forderung neuerdings nur noch mit der

»regulatorischen Klarheit« im dualen System.

Tatsächlich nämlich hat das Beispiel Frankreich

gezeigt, dass das Werbeverbot für den

dortigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht

den privaten Konkurrenten zugutekam, da die

kommerziellen Sender die begehrten öffentlichrechtlichen

»Premium«-Zielgruppen gar nicht

erreichen können. Seit Januar 2009 darf France

Télévision zwischen 20.00 und 6.00 Uhr keine

klassische Werbung mehr ausstrahlen (vorher

durfte rund um die Uhr maximal sechs Minuten

pro Durchschnittsstunde geworben werden).

Die werbetreibende Wirtschaft in Frankreich

hat die entsprechend frei gewordenen

Werbegelder bisher jedoch nicht zur privaten

Konkurrenz umgeleitet.

In Deutschland blieben die Ministerpräsidenten

auf ihrer Konferenz Anfang 2010 zunächst

bei der bereits Ende 2008 beschlossenen

Gleichstellung des Sponsorings mit der Werbung.

Danach soll ab 2013 mit Ausnahme von

Sportereignissen Sponsoring an Werktagen nach

20.00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen verboten

werden. Das Thema weiterer Einschränkungen

von Werbung und Sponsoring wird allerdings

auf der Agenda der Ministerpräsidenten

bleiben und soll auf der Grundlage des 19. KEF-

Berichts, der Ende 2013 vorgelegt wird, erneut

beraten werden.

_ Jugendmedienschutz-Staatsvertrag unterzeichnet

Die Ministerpräsidenten der Länder haben am

10. 6. 2010 mit dem 14. Rundfunkänderungsstaatsvertrag

eine Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags

verabschiedet. Dieser

soll vorbehaltlich der Ratifizierung durch die

Landesparlamente am 1. 1. 2011 in Kraft treten.

Kernpunkt der Regelung ist die freiwillige Alterskennzeichnung

von Internetinhalten durch

deren Anbieter. Eltern soll es möglich sein,

standardisierte Jugendschutzsoftware auf den

Computern ihrer Kinder zu installieren, die

diese Kennzeichnungen auslesen kann. Bei

entsprechender Aktivierung der Software durch

die Eltern sollen Inhalte ausgefiltert werden,

die oberhalb der von den Eltern eingestellten

Alterskennzeichnung liegen. Auch überhaupt

nicht gekennzeichnete Inhalte sollen bei entsprechendem

Wunsch der Eltern ausgefiltert

werden können.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Die Regelungen sollen die Elternautonomie

stärken. Die von der ARD bereits vor der Novellierung

geübte Praxis, für Jugendliche nicht

generell freigegebene Inhalte in ihrer Mediathek

erst ab einer bestimmten Uhrzeit am Abend

abrufbar zu machen (siehe Motiv oben), wurde als

Alternative zur Alterskennzeichnung ausdrücklich

von den Ländern anerkannt. Die Auswirkungen

der Novellierung für die Praxis des Jugendmedienschutzes

bleiben abzuwarten.

Dem Beschluss der Ministerpräsidenten ist

eine intensive Auswertung des bestehenden Jugendmedienschutz-Staatsvertragesvorausgegangen,

die von der ARD von Beginn an begleitet

wurde. Der Staatsvertrag soll nach drei Jahren

erneut evaluiert werden.

_ Internet-Enquete eingesetzt

Der Deutsche Bundestag hat auf den wachsenden

Einfluss der Digitalisierung und des Internets

auf den Alltag der Menschen in Deutschland

reagiert und die Enquete-Kommission

»Internet und digitale Gesellschaft« einberufen.

Denn das Internet, so der Antrag zur Einsetzung

der Enquete-Kommission, sei nicht länger

nur eine technische Plattform, sondern

entwickle sich zu einem integralen Bestandteil

des Lebens vieler Menschen. Gesellschaftliche


Veränderungen fänden maßgeblich im und mit

dem Internet statt. Die Menschen würden entsprechend

neue Kenntnisse und Fähigkeiten

benötigen, wie beispielsweise die Auswahl, die

Einordnung und die Bewertung der nahezu

unbegrenzt zur Verfügung stehenden Informationen.

Zentrale Aufgabe von Politik und Gesellschaft

sei es, eine digitale Spaltung der Gesellschaft

zu verhindern.

Die ARD teilt dieses Ziel. Bereits mit ihrer

im Jahr 2007 vorgelegten Digitalstrategie hat die

ARD formuliert, dass die Digitalisierung einen

Mehrwert für alle Bürger bieten muss.

Vor diesem Hintergrund erscheinen kleinteilige

Debatten um Umzäunungen öffentlichrechtlicher

Angebote im freien Internet schon

heute seltsam rückwärtsgewandt. Insbesondere

im Verhältnis Verleger und Rundfunk sollten

alte Grabenkämpfe überwunden werden können.

Dies würde es erlauben, sich auf die eigentliche

Herausforderung des Journalismus in

der digitalen Welt zu konzentrieren: die Sicherung

von Qualität ebenso wie den Zugang aller

Bürger zu hochwertigen Medienangeboten.

Denn die Bedeutung von Qualitätsjournalismus

wird in der digitalen Welt eher noch wachsen.

Dessen Kernaufgabe wird es sein, in der vermeintlich

unüberschaubaren Informationsvielfalt

relevante von irrelevanten Informationen

zu trennen, einzuordnen und zu bewerten und

so den Bürgern aller Altersgruppen und sozialen

Schichten eine fundierte Grundlage für ihre

Meinungsbildung zu bieten.

_ Qualitätspartnerschaften der ARD

Diesem Interesse dienen bereits zahlreiche Partnerschaften

der Landesrundfunkanstalten der

ARD mit regionalen und überregionalen Verlagen.

Die ARD hatte bereits 2008 den Verlegern

angeboten, ihre textorientierten Online-Portale

mithilfe von Bewegtbildern von Landesrundfunkanstalten

attraktiver zu machen (vgl. ARD-

Jahrbuch 2009, S. 171). Mittlerweile haben vor

Die Enquete-Kommission

»Internet und digitale Gesellschaft«

konstituierte sich im Mai 2010.

allem zahlreiche regionale Verlage dieses Angebot

angenommen. In der Regel ermöglichen die

Kooperationen den Nutzern der Online-Seiten

der Verlage, die regionalen TV-Nachrichten der

jeweiligen Landesrundfunkanstalt unmittelbar

über das Internet-Angebot der Verlage abzurufen,

gleichzeitig jedoch das Verlagsangebot

nicht zu verlassen. Diese Allianzen stärken somit

die Attraktivität der Telemedienangebote

der Presse in den Regionen und führen zugleich

neue Nutzer an die Beiträge der Landesrundfunkanstalten

im Netz heran.

Ein weiteres Beispiel, wie die ARD als Qualitätspartner

zur Stärkung der Kulturwirtschaft

in Deutschland insgesamt beiträgt, ist die Einigung

der ARD mit der Produzentenallianz auf

Eckpunkte der Zusammenarbeit bei Auftragsproduktionen

im Fernsehen vom Dezember

2009. Diese ermöglicht den Produzenten eine

sichere finanzielle Grundlage und bietet damit

die Gewähr, dass ARD und Produzenten den

Zuschauern auch künftig attraktive fiktionale

Programmangebote unterbreiten können. Im

Kern der Einigung stehen Rechterückbehalte

zugunsten der Produzenten bei teilfinanzierten

Produktionen und eine Erlösbeteiligung der

Produzenten u. a. bei der Auslandsverwertung,

Kino und dem Verkauf von DVDs. Auch können

die Produzenten nicht genutzte Rechte bei

entsprechender Erlösbeteiligung der Sender

selbständig verwerten. Ein nicht exklusives Senderecht

für die ARD-Landesrundfunkanstalten

bleibt in jedem Fall erhalten (vgl. Christoph E.

Palmer, Johannes Kreile: »Qualitätspartnerschaft«).

Mit der Einigung hat die ARD senderseitig eine

Vorreiterrolle für einen fairen Interessenausgleich

zwischen Produzenten und Rundfunkveranstaltern

in Deutschland eingenommen.

Rundfunkpolitik 2009/2010 A R D - J A H R B U C H 1 0 169


170

Rundfunkfinanzen 2009

Gesamtergebnis: finanziell wieder schwieriges Jahr

für die Landesrundfunkanstalten • Ertragslage:

trotz Gebührenerhöhung stieg Gebührenaufkommen

nur gering an, da Zahl der angemeldeten Geräte

nochmals rückläufig, Befreiungsquote dagegen weiter

angestiegen, Nettoumsätze aus Werbung abge-

schwächt • Aufwandsentwicklung: intensive Sparakti-

vi täten und weniger Großveranstaltungen hielten

Aufwendungen trotz erhöhter Rückstellungsbildung auf

Vorjahresniveau, Aufwendungen für Gebühreneinzug

erneut gesunken • Finanzierungsstruktur: Eigenkapital-

quote leicht vermindert

Zum 1.1.2009 wurden die Rundfunkgebühren

von monatlich 17,03 € auf 17,98 € und damit um

5,6 Prozent erhöht. Diese Erhöhung ist konstant

für vier Jahre festgelegt. Dabei wird auf Radios

und Neuartige Empfangsgeräte (NEG) die

Grundgebühr von 5,76 € und auf Fernsehgeräte

der volle Betrag erhoben. Trotz dieser Erhöhung

war 2009 unter finanziellen Gesichtspunkten

wiederum ein schwieriges Jahr für die Landesrundfunkanstalten.

Zum einen erhöhte sich

die bei den Landesrundfunkanstalten verbleibende

Gebühr lediglich von 11,94 € um knapp

4,8 Prozent (Erhöhung von rund 1,2 Prozent

pro Jahr) auf 12,51 € – der Differenzbetrag geht

an das ZDF, das Deutschlandradio und die Landesmedienanstalten.

Zum anderen war die Zahl

der Gebührenzahler weiter rückläufig, mit der

Folge, dass das Gebührenaufkommen der ARD

nur um 204,1 Mio € bzw. unterproportional um

3,9 Prozent anstieg. Der nur unterproportionale

Anstieg in 2009 lässt auch für die kommenden

Jahre bei weiter abnehmender Gebührenakzeptanz

und der absehbaren demografischen Entwicklung

keine zufriedenstellende Entwicklung

beim Gebührenaufkommen erwarten. Inwieweit

die von den Ministerpräsidenten Anfang Juni

2010 verabschiedete Umstellung der Gebühren

auf einen geräteunabhängigen Rundfunkbeitrag

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


ab Anfang 2013 diesen negativen Trend beim

Gebühren- bzw. Beitragsaufkommen stoppen

kann, bleibt abzuwarten.

Trotz dieser widrigen Umstände konnte

durch die gestiegene Rundfunkgebühr und die

strikte Beibehaltung des Sparkurses in der ARD

ein positives Jahresergebnis von 40,0 Mio € erzielt

werden (2008: –101,0 Mio €). Für das erste

Jahr einer vierjährigen Gebührenperiode mit

konstanter Rundfunkgebühr, in der die finanziellen

Überschüsse am Beginn die angesichts

der zu erwartenden Inflation unvermeidlichen

Defizite am Ende ausgleichen sollten, fällt das

Ergebnis aber sehr niedrig aus. Gleichwohl hat

die ARD das Ziel, die Gebührenperiode 2009

2012 ausgeglichen abzuschließen.

Die Gesamterträge nahmen 2009 um 2,5 Prozent

bzw. um 152,1 Mio € zu. Bei der Haupteinnahmequelle,

den Rundfunkgebühren, bleibt

die Zunahme um 3,9 Prozent bzw. 204,1 Mio €

hinter der nominalen Gebührenerhöhung zurück.

Die Ursachen für die unterproportionale

Entwicklung des Gebührenaufkommens lagen

in den nunmehr beginnenden Auswirkungen

des langfristigen Bevölkerungsrückgangs, in einer

allgemein sinkenden Gebührenakzeptanz

und einer weiterhin steigenden Befreiungsquote

in einem stark eingetrübten wirtschaftlichen

Umfeld. Die Möglichkeiten, durch Marktbearbeitungsmaßnahmen

die Gebührenerträge

zu erhöhen, sind praktisch ausgeschöpft. Das

* Einschließlich zweckgebundener Rücklagen

bedeutet, dass die ARD zumindest in der laufenden

Gebührenperiode mit einem realen jährlichen

Rückgang bei den Gebühreneinnahmen

auskommen muss.

Trotz knapperer Mittel werden die Hörfunk-

und TV-Angebote der ARD von der Bevölkerung

in hohem Maße angenommen: Das Erste

ist seit Jahren das erfolgreichste TV-Programm

in Deutschland und erreichte 2009 im Durchschnitt

täglich über 27 Millionen Menschen,

die Dritten Programme erreichten in Summe

ebenfalls knapp 27 Millionen Zuschauer (Quelle:

AGF/GfK-Fernsehforschung). Im Hörfunk entschieden

sich 50,2 Prozent der deutschen Erwachsenen

täglich für mindestens eines der

Hörfunkprogramme der ARD-Landesrundfunkanstalten

(vgl. Medienforschung 2009). Der ARD-

Hörfunk belegt damit die absolute Spitzenposition

auf dem bundesdeutschen Radiomarkt.

_ Gesamtergebnis

Die Landesrundfunkanstalten weisen in der

Summe der Ertrags- und Aufwandsrechnungen

für das Jahr 2009 einen Jahresüberschuss in

Höhe von 40,0 Mio € aus. Im Jahr 2008, dem

letzten Jahr der vorangegangenen Gebührenperiode,

wurde ein Jahresdefizit von 101,0

Mio € erzielt. Dabei stiegen die Erträge im

Vorjahresvergleich infolge der Erhöhung der

Rundfunkgebühr um 152,1 Mio €, während die

Aufwendungen trotz deutlich höherer Pensi-

Landesrundfunkanstalten Tabelle 1

_ Ergebnisse der Ertrags- und Aufwandsrechnungen,

Eigenkapital am 31. 12. 2009

Eigenkapital * Jahresüberschüsse / Jahresfehlbeträge ( . /.) Eigenkapital *

31. 12. 2008 31. 12. 2009

2009 Vorjahr Veränderung

Mio € Mio € Mio € Mio € Mio €

BR 300,5

.

/. 9,9

.

/. 55,7 45,8 290,6

HR 33,2 1,2

.

/. 12,5 13,7 34,4

MDR 446,4 0,8

.

/. 20,2 21,0 447,2

NDR 259,6 27,1

.

/. 29,9 57,0 286,7

RB

.

/. 1,2 1,4

.

/. 1,6 3,0 0,2

RBB 110,0 8,6

.

/. 5,0 13,6 118,6

SR 59,2

.

/. 1,0 0,9

.

/. 1,9 58,2

SWR 281,0 28,4 48,6

.

/. 20,2 309,4

WDR

Gesamt

705,1

2 193,8

.

/. 16,6

40,0

.

/. 25,6

.

/. 101,0

9,0

141,0

688,5

2 233,8

Rundfunkfinanzen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 171


onsrückstellungen aufgrund der konsequenten

Fortführung des Sparkurses und der Tatsache,

dass keine Sportgroßereignisse stattfanden, lediglich

um 11,2 Mio € bzw. 0,2 Prozent zunahmen.

Der für die ARD insgesamt zu verzeichnende

Überschussbetrag 2009 setzt sich aus

unterschiedlichen Ergebnissen der einzelnen

Landesrundfunkanstalten zusammen. Neben

Jahresüberschüssen bei sechs Anstalten ergaben

sich Jahresfehlbeträge beim BR, SR und WDR.

Die Ergebnisse der Ertrags- und Aufwandsrechnungen

fließen in die Finanzrechnungen der

jeweiligen Häuser ein.

Das positive ARD-Ergebnis 2009 führte zu

einer entsprechenden Stärkung der Kapitalausstattung

der Landesrundfunkanstalten. Das

Eigenkapital beträgt zum 31. 12. 2009 in Summe

2 233,8 Mio € und liegt damit um den Jahresüberschussbetrag

in Höhe von 40,0 Mio € bzw.

1,8 Prozent über dem des Vorjahres mit 2 193,8

Mio €.

_ Ertragslage

Die Erträge der Landesrundfunkanstalten setzen

sich zusammen aus Gebührenerträgen,

Kostenerstattungen und Anderen Erträgen. Die

Erträge aus Werbung sind in den Kostenerstattungen

und den Anderen Erträgen, hier in den

Beteiligungserträgen vor Steuern, enthalten. In

Summe ergibt sich im Jahr 2009 ein Gesamtertrag

von 6 333,1 Mio €. Dies entspricht einer

Steigerung um 152,1 Mio € oder 2,5 Prozent gegenüber

dem Vorjahr.

Die Gebührenerträge sind mit einem Anteil

von 85,6 Prozent die Hauptfinanzierungsquelle

der Landesrundfunkanstalten. Sie stiegen in

2009 um insgesamt 204,1 Mio € oder 3,9 Prozent

und erreichten so einen Betrag von 5 420,0

Mio € nach Abzug der Anteile der Landesmedienanstalten,

des Deutschlandradios und des

ZDF. Diese Steigerung aufgrund der Gebührenanhebung

zu Anfang 2009 ist die Summe

aus einem Ertragsplus von 94,2 Mio € bei den

gebührenpflichtigen Hörfunkgeräten und Neuartigen

Empfangsgeräten (NEG), einer Einnahmensteigerung

von 109,2 Mio € bei den gebührenpflichtigen

Fernsehgeräten und einem Plus

von 0,7 Mio € bei den Gebührenrückflüssen

von den Landesmedienanstalten.

Die Zahl der insgesamt angemeldeten Geräte

ging auch im Jahr 2009 weiter zurück: Im Hörfunk

verminderten sich die angemeldeten Empfangsgeräte

um 173 Tsd. auf einen Bestand von

Landesrundfunkanstalten Tabelle 2

_ Erträge

* In den Grundgebühren sind die Erträge der N(euartigen) E(mpfangs)

G(eräte) enthalten.

2009 2008 Veränderungen gegenüber Vorjahr

Mio € Mio € Mio € %

Teilnehmergebühren 5 420,0 5 215,9 204,1 3,9

– Grundgebühren (ARD-Anteil ohne Deutschlandradio) * 2 572,0 2 477,8 94,2 3,8

– Fernsehgebühren (ARD-Anteil) 2 808,9 2 699,7 109,2 4,0

– Gebührenrückflüsse von den Landesmedienanstalten 39,1 38,4 0,7 1,8

Kostenerstattungen 170,1 216,7

.

/. 46,6

.

/. 21,5

Kostenerstattungen und Konzessionsabgaben 251,8 299,3

.

/. 47,5

.

/. 15,9

– . /. weiterverr. Kosten für GSEA

.

/. 81,7

.

/. 82,6 0,9

.

/. 1,1

Andere Erträge 743,0 748,4

.

/. 5,4

.

/. 0,7

– Finanzausgleich 54,2 52,1 2,1 4,0

– Strukturhilfe

– Bestandsveränderung

1,9

.

/. 5,8

9,9

.

/. 2,3

.

/. 8,0

.

/. 3,5 152,2

– Aktivierte Eigenleistungen 10,7 11,0

.

/. 0,3

.

/. 2,7

– Beteiligungserträge vor Steuern 57,7 58,6

.

/. 0,9

.

/. 1,5

– Finanzerträge 166,2 127,4 38,8 30,5

– Sonstige betriebliche Erträge 458,1 491,7

.

/. 33,6

.

/. 6,8

Gesamterträge (brutto) 6 333,1 6 181,0 152,1 2,5

172 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

172


42,9 Mio und im Fernsehen um 181 Tsd. auf 36,7

Mio; lediglich bei den NEG erhöhte sich die

Anzahl um knapp 64 Tsd. auf 255 Tsd. Geräte.

Die absoluten Zahlen zeigen, dass die Neuartigen

Empfangsgeräte keine trendbestimmende

Rolle für das Gebührenaufkommen spielen. Die

hohen Verluste bei den Fernsehgeräten wiegen

dagegen besonders schwer, da für diese die volle

Rundfunkgebühr zu entrichten ist.

Von den angemeldeten Geräten waren Ende

2009 im Hörfunk 8,8 Prozent (im Vorjahr 8,5

Prozent), im Fernsehen 9,6 Prozent (im Vorjahr

9,2 Prozent) und bei den NEG 3,0 Prozent

(im Vorjahr 2,3 Prozent) gebührenbefreit. Die

Befreiungsquote bei allen Gerätearten hat also

zugenommen, was vor allem der schlechten

wirtschaftlichen Lage in 2009 geschuldet ist.

Die Gebührenbefreiungen minderten das Gebührenaufkommen

der Landesrundfunkanstalten

um insgesamt 573,5 Mio € (Vorjahr: 530,7

Mio €).

Die Werbung im Hörfunk und Fernsehen

trug wie folgt zur Mitfinanzierung der ARD

bei:

Die Nettoumsätze aus Werbung – nach Rabatt

und Skonti – verminderten sich aufgrund

des anhaltend schwierigen wirtschaftlichen

Umfelds und infolge der Tatsache, dass in 2009

sportliche Großereignisse fehlten, deutlich um

36,9 Mio € bzw. 10,5 Prozent auf 314,2 Mio €.

Der Werbemarkt für TV und Hörfunk in

Deutschland hat sich demgegenüber mit einem

Minus von 9,2 Prozent relativ besser entwickelt.

Dabei sank der Nettoumsatz beim Werbefernsehen

um 29,2 Mio € auf 137,4 Mio € (–17,5

Prozent) – im Vergleich dazu hat der TV-Werbemarkt

in Deutschland mit einem Minus von 9,8

Prozent (vgl. ZAW-Jahrbuch »Werbung in Deutschland

2010«, S. 305 u. 320) wesentlich besser abgeschnitten

–, während beim Werbefunk »nur« ein

Minus von 7,5 Mio € bzw. 4,1 Prozent auf 176,8

Mio € zu verzeichnen war.

Aus den Werbeumsätzen finanzieren die

Werbegesellschaften selbst erhebliche Anteile

des Werberahmenprogramms. Insofern lassen

sich die Vorteile, die sich für die ARD aus der

Werbung ergeben, nicht nur aus den Kostenerstattungen

und Gewinnabführungen der Werbetöchter

bestimmen; entscheidend ist vielmehr

der gesamte Nettowerbeumsatz.

Wegen der zurückgegangenen Werbeumsätze

wurden von den Werbegesellschaften insgesamt

nur noch 51,0 Mio € gegenüber 55,8 Mio € im

Vorjahr als Gewinn an die Landesrundfunkanstalten

ausgeschüttet, also ein Minus von

4,8 Mio €. Die Kostenerstattung für Aufwendungen

der Anstalten verminderte sich sogar

erheblich stärker um 28,5 Mio € auf nur noch

57,9 Mio €. In Summe aus Kostenerstattung

und Gewinnabführung ergab sich folglich mit

108,9 Mio € ein im Vergleich zum Vorjahr um

33,3 Mio € niedrigerer Ertrag vonseiten der Werbetöchter.

Die Erträge aus Kostenerstattungen – saldiert

mit den weiterverrechneten Kosten für

Gemeinschaftssendungen, -einrichtungen und

-aufgaben (GSEA) – haben sich um 46,6 Mio

€ oder 21,5 Prozent auf 170,1 Mio € vermindert,

was unter anderem auf eine stark zurückgegangene

Kostenerstattung aus Werbung (–28,5 Mio

€) zurückzuführen ist.

Die Anderen Erträge der Rundfunkanstalten

verminderten sich um 5,4 Mio € bzw. 0,7

Prozent auf 743,0 Mio €. Zu diesem Rückgang

trugen die einzelnen Positionen wie folgt bei:

Die Erträge aus dem Finanzausgleich innerhalb

der ARD-Anstalten waren gegenüber 2008

mit 54,2 Mio € um 2,1 Mio € höher. Die von

sechs gebenden Anstalten (WDR, SWR, NDR,

BR, MDR und HR) aufgebrachte Ausgleichszahlung

verteilt sich auf SR und RB. Der Rundfunkstaatsvertrag

legt als Ausgleichsbetrag 1,0

Prozent des ARD-Nettogebührenaufkommens

fest, so dass sich in 2009 die erfolgte Gebührenerhöhung

analog in der Änderung des Finanzausgleichsvolumens

niederschlug.

Erträge aus Strukturhilfe erhielt in 2009 nur

noch Radio Bremen mit 1,9 Mio € (Vorjahr: 0,9

Mio €), die für Zinsen und Tilgung des Kredits

zur Finanzierung von »Radio Bremen neu« eingesetzt

wurden. Der SR, der im Vorjahr noch

9,0 Mio € erhielt, hatte keinen finanziellen Zufluss

mehr, da dessen Gesamtvolumen von 34,4

Mio € schon in den Jahren 2005 – 2008 erbracht

worden war.

Die Strukturhilfe geht zurück auf die ARDinterne

Verwaltungsvereinbarung vom 31. 3. 2003,

mit der die beiden Anstalten von den anderen

Landesrundfunkanstalten zweckgebundene Gebührenmittel

für die Standortzusammenlegung

bei Radio Bremen und für Sanierungs- und

Strukturanpassungsmaßnahmen beim SR erhalten.

Sowohl beim Finanzausgleich als auch bei

der Strukturhilfe steht dem Zufluss für Radio

Bremen bzw. den SR eine Aufwandsposition

bei allen ARD-Anstalten gegenüber, die in

Summe den gleichen Betrag ergibt (siehe Tabelle

3 unter 10.).

Rundfunkfinanzen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 173


174

Bei den Bestandsveränderungen ergab sich

im Geschäftsjahr 2009 ein Aufwand von 5,8

Mio €. Dieser Bestandsabbau ist u. a. durch die

gegenläufigen Entwicklungen in den Programmvermögen

beim Hörfunk (+2,3 Mio €) und

beim Fernsehen (–17,5 Mio €) geprägt.

Die Beteiligungserträge vor Steuern verminderten

sich trotz der erheblich reduzierten Gewinnausschüttung

der Werbetöchter (–4,8 Mio €;

s. o.) lediglich um 1,0 Mio € auf 57,6 Mio €.

Die Finanzerträge erhöhten sich gegenüber

dem Vorjahr um insgesamt 38,8 Mio € auf

166,2 Mio €. Das Zinsniveau auf den Kapitalmärkten

war zwar unverändert niedrig, aus den

Fondsanlagen konnte gleichwohl mehr ausgeschüttet

werden, da die Fondsausschüttungen

2008 wegen der Finanzkrise erheblich unter

Durchschnitt lagen. Das Vorkrisenniveau der

Finanzerträge konnte jedoch noch nicht wieder

erreicht werden.

Die Sonstigen betrieblichen Erträge verminderten

sich um insgesamt 33,6 Mio € auf

458,1 Mio €. Folgende Gründe waren hierfür

wesentlich:

Die größte negative Veränderung mit rund

23,8 Mio € gegenüber dem Vorjahr ergab sich

bei der Auflösung von Rückstellungen, die

insgesamt nur noch Erträge in Höhe von 58,2

Mio € erbrachte. Diese Ertragsverschlechterung

bildete sich aus dem Saldo einer Ertragsverminderung

von 37,8 Mio € aus der Auflösung von

Pensionsrückstellungen und einer Ertragserhöhung

von 14,0 Mio € bei den Erträgen aus der

Auflösung von Sonstigen Rückstellungen. Die

zweitgrößte Abnahme war bei den Übrigen sonstigen

Erlösen mit einem Minus von 12,8 Mio €

auf 94,3 Mio € zu verzeichnen. Weiterhin reduzierten

sich die Sponsoringerträge um 9,9 Mio €

auf 23,1 Mio €, u. a. wegen des Fehlens großer

Sportevents, sowie die Erträge aus der Auflösung

von Sonderposten mit Rücklagenanteil, die um

3,1 Mio € auf 20,4 Mio € abnahmen.

Dagegen erhöhten sich die Erträge aus Programmverwertung

und Lizenzen um 11,0 Mio €

auf 76,7 Mio €, wobei vor allem die Erträge

aus der Verwertung durch ARTE mit plus 6,0

Mio € ursächlich waren. Ebenfalls zugenommen

haben die Erträge aus Rückdeckungsversicherungen

bzw. aus der Rückdeckungspensionskasse

zur Altersversorgung um zusammen

7,2 Mio € auf 71,6 Mio €, die Erträge aus Sendermitbenutzung

um 3,3 Mio € auf 36,0 Mio €

sowie die Erträge aus Koproduktionen und Kofinanzierungen

um 3,2 Mio € auf 22,8 Mio €.

Landesrundfunkanstalten Tabelle 3

_ Aufwendungen

2009 2008 Veränderungen gegenüber Vorjahr

Mio € Mio € Mio € %

1. Personalaufwand 2 076,0 1 844,7 231,3 12,5

2. Urheber-, Leistungs- und Herstellervergütungen 1 414,5 1 364,9 49,6 3,6

3. Anteil an Programmgemeinschaftsaufgaben

und Koproduktionen 827,2 914,7

.

/. 87,5

.

/. 9,6

4. Produktionsbezogene Fremdleistungen 209,4 215,4

.

/. 6,0

.

/. 2,8

5. Kosten der Programmverbreitung 291,2 325,9

.

/. 34,7

.

/. 10,6

6. Abschreibungen 306,2 293,1 13,1 4,5

7. Aufwendungen für den Gebühreneinzug 172,9 174,5

.

/. 1,6

.

/. 0,9

8. Übrige betriebliche Aufwendungen 963,6 1 062,8 ./. 99,2 ./. 9,3

9. Zuwendungen zum Finanzausgleich 54,2 52,4 1,8 3,4

10. Zuwendungen zur Strukturhilfe 1,9 20,6

.

/. 18,7

.

/. 90,8

11. Ausgleichszahlung ARD-Altersversorgung 8,7 8,7 0,0 0,0

12. Zuwendungen für die KEF 0,6 0,6 0,0 0,0

13. Zinsen und ähnliche Aufwendungen 4,8 14,5

.

/. 9,7

.

/. 66,9

14. Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 40,4 48,7

.

/. 8,3

.

/. 17,0

15. Sonstige Steuern 3,1 23,0

.

/. 19,9

.

/. 86,5

16.

.

/. weiterverrechnete Kosten für GSEA

.

/. 81,6

.

/. 82,6 1,0

.

/. 1,2

Gesamtaufwand 6 293,1 6 281,9 11,2 0,2

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


_ Aufwandsentwicklung

Die Aufwendungen der Landesrundfunkanstalten

betrugen 2009 insgesamt 6 293,1 Mio €

und lagen damit nur um 11,2 Mio € oder 0,2

Prozent höher als 2008. Wesentlich verantwortlich

für den praktisch unveränderten Gesamtaufwand

– die Steigerung liegt unter der

Inflationsrate von 0,4 Prozent in 2009 – sind

die unvermindert intensiven Sparaktivitäten der

ARD. 2009 war im Übrigen kein Jahr großer

Sportevents.

Die Personalaufwendungen erhöhten sich

im abgelaufenen Geschäftsjahr im Wesentlichen

wegen der kalkulatorischen Zuführungen zu

den Pensionsrückstellungen um insgesamt 231,3

Mio € oder 12,5 Prozent auf 2 076,0 Mio €. Die

Arbeitsentgelte stiegen dabei um 48,9 Mio €

oder 4,0 Prozent und die Sozialabgaben (ohne

Unterstützungsaufwendungen) um 5,1 Mio €

oder 2,6 Prozent. Als Ursache für die Erhöhung

der Arbeitsentgelte ist vor allem die um

19,9 Mio € erhöhte (außerordentliche) Rückstellungsbildung

für Altersteilzeit – im Wesentlichen

beim HR und SWR – zu nennen.

Dazu kamen die in 2009 in Kraft getretenen

Gehaltstariferhöhungen. Gleichzeitig wurde die

restriktive Personalpolitik fortgesetzt, indem ein

weiterer leichter Personalabbau bei fast allen

Anstalten stattfand: Mit 20 042 Planstellen waren

in 2009 gegenüber dem Vorjahr 22 Stellen

weniger bei den Landesrundfunkanstalten besetzt.

Seit dem höchsten Personalstand im Jahr

1993 (23 196 besetzte Stellen) belief sich der Personalabbau

auf 3 154 Stellen oder 13,6 Prozent,

und gemessen im Fünf-Jahres-Zeitraum seit

2004 hat sich die Zahl der besetzten Planstellen

um insgesamt 733 bzw. 3,5 Prozent vermindert.

Damit ist das weitere Abbaupotenzial allerdings

begrenzt und würde Leistungskürzungen erforderlich

machen.

Hauptursache für den Anstieg der Personalaufwendungen

war die Erhöhung der Aufwendungen

für die Altersversorgung um 184,5

Mio € oder 44,4 Prozent. Der hohe zusätzliche

Rückstellungsbedarf im vergangenen Jahr erklärt

sich primär aus der zweijährigen Laufzeit

der Gehaltstarifabschlüsse 2009: Sowohl die

Tariferhöhung 2009 als auch die bereits vereinbarte

Erhöhung im Jahr 2010 waren bei der

Rückstellungsberechnung zu berücksichtigen.

Ein zusätzlicher Mehraufwand für den WDR

ist darauf zurückzuführen, dass ab 2009 auch

für festangestellte Mitarbeiter unter dem 30. Lebensjahr

Altersrückstellungen gebildet werden.

Für 2010 und die Folgejahre ergibt sich

absehbar ein weiterer größerer Rückstellungsbedarf

aufgrund des neuen Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes

(BilMoG), das u. a. die

Rückstellungszuführung für Betriebsrentenverpflichtungen

geändert hat.

Die Urheber-, Leistungs- und Herstellervergütungen

lagen um 49,6 Mio € oder 3,6 Prozent

über denen des Vorjahres. Dabei sind vor

allem die Vergütungen für Auftragsproduktionen

um 32,0 Mio € bzw. 7,9 Prozent gestiegen,

was insbesondere auf vermehrte externe Aufträge

von BR und SWR zurückzuführen ist.

Eine deutliche Verminderung der Aufwendungen

um 87,5 Mio € bzw. 9,6 Prozent gab es

bei den Programmgemeinschaftsaufgaben und

Koproduktionen. Dies ist im Wesentlichen

bedingt durch die fehlende Übertragung von

sportlichen Großereignissen mit ihren erheblichen

Aufwendungen für Lizenz- und Produktionskosten

(–84,2 Mio €).

Die Produktionsbezogenen Fremdleistungen

waren mit 209,4 Mio € um 6,0 Mio €

bzw. 2,8 Prozent niedriger als 2008.

Auch die Kosten der Programmverbreitung

verminderten sich um 34,7 Mio € oder 10,7 Prozent

auf 291,2 Mio €, was zum einen auf den

Umstieg von der analogen terrestrischen Fernsehversorgung

hin zur digitalen Verbreitung

über DVB-T (–14,5 Mio €) zurückzuführen ist.

Dazu kam zum anderen eine Aufwandsreduzierung

bei der Satellitenausstrahlung (–17,6 Mio

€), da Einmaleffekte des Vorjahres 2008 (außerordentliche

Rückstellungen für drohende Umsatzsteuerrisiken

auf die Satellitenmietenzahlungen

auch für schon länger zurückliegende

Geschäftsjahre) entfielen.

An Abschreibungen mit insgesamt 306,2

Mio € flossen 13,1 Mio € oder 4,5 Prozent mehr

in die Ergebnisrechnung ein. Im Gegensatz

dazu verminderten sich die Aufwendungen für

den Gebühreneinzug u. a. wegen verminderter

Provisionszahlungen an den Beauftragtendienst

um 1,6 Mio € bzw. 0,9 Prozent auf 172,9 Mio €.

Die Übrigen betrieblichen Aufwendungen

reduzierten sich um 99,2 Mio € (9,3 Prozent)

auf 963,6 Mio €. Dies beruht im Wesentlichen

auf der Verminderung der Teilposition Sonstige

betriebliche Aufwendungen um 93,7 Mio € auf

nur noch 80,1 Mio €. Dieser Rückgang erklärt

sich analog zum Rückgang der Aufwendungen

für die Satellitenausstrahlung aus dem Wegfall

eines Einmaleffektes 2008 (außerordentliche

Rundfunkfinanzen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 175


176

Rückstellungsbildung für drohende Umsatzsteuerrisiken

aus Leistungsbezügen aus dem

EU-Ausland auch für schon länger zurückliegende

Geschäftsjahre).

_ Finanzierungsstruktur

Die Bilanzsumme erhöhte sich in der Summe

aller Anstalten im vergangenen Jahr von 9 254,3

Mio € um 294,1 Mio € auf 9 548,4 Mio €.

Dies führte dazu, dass sich die Eigenkapitalquote

– der Anteil des Eigenkapitals an der

Bilanzsumme – trotz des Jahresüberschusses

von 23,7 Prozent im Jahr 2008 auf nunmehr 23,4

Prozent verminderte.

Das langfristig gebundene Vermögen, das ist

Anlage- und Programmvermögen, erhöhte sich

zum Stichtag 31. 12. 2009 um 209,7 Mio € oder

2,6 Prozent auf 8 257,3 Mio € und war finanziert

durch: _ Eigenkapital in Höhe von 2 233,8 Mio € inkl.

Rücklagen, das sind 27,1 Prozent (im Vorjahr 27,3

Prozent), _ Fremdkapital, überwiegend bestehend aus

Pensionsrückstellungen, in Höhe von 6 023,5

Mio €, das entspricht 72,9 Prozent (im Vorjahr

72,7 Prozent).

_ Aktiva

Das Vermögen der Landesrundfunkanstalten

in Höhe von 9 548,4 Mio € setzte sich zum

31. 12. 2009 wie folgt zusammen:

_ Immaterielle Vermögensgegenstände 35,6

Mio € = 0,4 Prozent (Vorjahr 34,0 Mio € = 0,4

Prozent) _ Sachanlagevermögen 1 880,1 Mio € = 19,7

Prozent (Vorjahr 1 879,1 Mio € = 20,3 Prozent)

_ Finanzanlagen 5 452,3 Mio € = 57,1 Prozent

(Vorjahr 5 309,8 Mio € = 57,4 Prozent)

_ Programmvermögen 889,3 Mio € = 9,3 Prozent

(Vorjahr 824,7 Mio € = 8,9 Prozent)

_ Umlaufvermögen 1 259,2 Mio € = 13,2 Prozent

(Vorjahr 1 181,4 Mio € = 12,8 Prozent)

_ Aktive Rechnungsabgrenzung 32,0 Mio € =

0,3 Prozent (Vorjahr 24,0 Mio € = 0,3 Prozent)

Zu den Vermögenspositionen zum 31. 12. 2009

im Einzelnen:

Beim immateriellen Vermögen handelt es

sich überwiegend um Konzessionen, Nutzungsrechte

und Fremdsoftware. Der Wert stieg um

1,6 Mio € oder 4,6 Prozent auf 35,6 Mio €.

Beim Sachanlagevermögen ergab sich eine

Erhöhung um 1,0 Mio € bzw. 0,1 Prozent auf

1 880,1 Mio €. Diese Veränderung resultiert aus

dem Saldo von Sachinvestitionen in Höhe von

289,7 Mio € (Vorjahr: 280,0 Mio €) und Abschreibungen

plus Abgängen beim Sachanlagevermögen

in Höhe von 288,7 Mio € (Vorjahr:

271,8 Mio €).

Das Finanzanlagevermögen erhöhte sich um

142,5 Mio € oder 2,7 Prozent auf 5 452,3 Mio €.

Es ist weitgehend zur Absicherung der Altersversorgung

der Mitarbeiter zweckgebunden,

wobei aus den Erträgen die Rentenzahlungen

mitfinanziert werden.

Das Programmvermögen erhöhte sich im

Vergleich zum Vorjahr um 64,6 Mio € (7,8 Prozent)

auf 889,3 Mio €. Diese Erhöhung setzt

sich zusammen aus einem Zuwachs beim Hörfunkprogrammvermögen

um 2,3 Mio € bzw.

21,6 Prozent auf 12,7 Mio €, einer Abnahme des

Fernsehprogrammvermögens um 17,5 Mio €

bzw. 2,9 Prozent auf 577,9 Mio € und einer Zunahme

der geleisteten Anzahlungen – insbesondere

bei den Fernsehproduktionen – um 79,8

Mio € bzw. 36,5 Prozent auf 298,7 Mio €.

Der Wert des Umlaufvermögens einschließlich

der Rechnungsabgrenzungsposten der

Landesrundfunkanstalten erhöhte sich um 85,7

Mio € oder 7,1 Prozent auf 1 291,1 Mio €. Die

Hauptursache dafür ist der Zuwachs bei der Position

»Kasse, Bank, Postgiro« um 78,0 Mio €

liquide Mittel.

_ Passiva

Innerhalb der Passiva erhöhten sich die Rückstellungen

um 219,3 Mio € (+ 3,5 Prozent) auf

6 547,9 Mio €. Diese Steigerung beruht auf

Erhöhungen der Pensionsrückstellungen um

327,3 Mio € sowie der Steuerrückstellungen um

29,1 Mio € und einer Abnahme der Sonstigen

Rückstellungen um 137,1 Mio €. Die Pensionsrückstellungen

beliefen sich zum 31. 12. 2009 auf

5 513,1 Mio €.

Die Verbindlichkeiten (einschließlich passiver

Rechnungsabgrenzungsposten) erhöhten

sich gegenüber dem Vorjahr um 50,8 Mio € auf

569,1 Mio €. Diesen Verbindlichkeiten stehen

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

(inklusive aktiver Rechnungsabgrenzungsposten)

in Höhe von 815,7 Mio € (Vorjahr:

800,7 Mio €) gegenüber.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Sender, Leitungsverbindungen und Studios 2009

HDTV auf dem Weg zum Regelbetrieb • DVB-T ist der

terrestrische Standard • Verhaltener DAB-Ausbau • Pro-

grammverbreitung via Kabel und Satellit • Neue Mög-

lichkeiten im World Wide Web • UKW-Versorgung wird

weiter verbessert • Mit HYBNET-Neu und HDTV in die

Zukunft • Neue Technik von Tel Aviv bis Saarbrücken •

Hörfunk als digitale Basis für Multimedialität • HDTV

als Richtschnur in der Fernsehproduktion • Mobile Tech-

nik allerorts auf dem neuesten Stand • Großereignisse:

NATO-Gipfel, Leichtathletik-WM und 20 Jahre

Mauerfall • IRT: Technologie verstehen und umsetzen •

RBT: Ingenieurbüro von ARD und ZDF

Foto oben: HD-Produktion des BR »81 Grad

Nord – auf den Spuren der Eisbären«

Produktion und Technik 2009

Die Digitalisierung bestimmte 2009 wie erwartet

nahezu alle produktions- und sendetechnischen

Entwicklungen in der ARD. Die analoge Technik

beschränkt sich in den Rundfunkanstalten

mittlerweile auf überschaubare Ausnahmen.

In der terrestrischen TV-Versorgung ist das

digitale Fernsehen endgültig zum Standard

geworden. Alle Haushalte können Das Erste

und zahlreiche weitere ARD-Programme sowie

die Angebote des ZDF über DVB-T (Digital

Video Broadcasting – Terrestrial) empfangen.

Die Rundfunkanstalten optimierten an vielen

Standorten die Technik, um für die über 2,25

Mio Haushalte, die 2009 DVB-T nutzten, beste

Empfangsqualität und attraktive Programmbouquets

flächendeckend anbieten zu können.

Ende 2009 nutzten etwa 14 der über 35 Mio

deutschen Fernsehhaushalte digitale Übertragungswege.

Der Digitalisierungsgrad ist gegenüber

2008 um etwa 20 Prozent gestiegen, letztlich

auch durch die Initiativen seitens ARD und

ZDF für das Digitalfernsehen, das DVB-Übertragungsverfahren

sowie den Regelbetrieb von

HDTV (High Definition Television).

Diese Entwicklung bedeutet zwangsläufig

auch das Ende der analogen Satellitenübertragung.

Nach über einem Jahrzehnt parallelem

Betrieb wird am 30. 4. 2012 die analoge Übertragung

abgeschaltet. Laut AGF/GfK-Fernsehforschung

nutzten 2009 aber noch bis zu neun

Produktion und Technik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 177


178

Sender, Leitungsverbindungen und Studios der ARD • Stand Ende 2009

Zur Versorgung der Bevölkerung mit dem

Ersten und den Dritten Fernsehprogrammen,

mit den Kultur- und Spartenkanälen unter

ARD-Beteiligung 3sat, ARTE, PHOENIX und

KI.KA sowie mit dem Bildungskanal BR-alpha

betreiben die Landesrundfunkanstalten und

die Media Broadcast GmbH in der Bundesrepublik

ein dichtes Sendernetz im so genannten

DVB-T-Verfahren (Digital Video Broadcasting

– Terrestrial). Ende 2009 konnten alle

deutschen Haushalte diese digitale Verbreitungstechnik

nutzen.

Die terrestrisch verbreiteten Programme

werden zusätzlich digital und bis 30. 4. 2012

teilweise noch analog via Satellit ausgestrahlt

sowie – analog und digital – in die

Kabelnetze eingespeist, in ihrem jeweiligen

Sendegebiet und ggf. auch in weiteren Regionen.

Seit der Einrichtung des neuen ARD-

Kabelmultiplex- und Compression-Center

(KCC) bei den ARD-Sternpunkten im Mai

2008 erfolgt die Zuführung zu den Kabelnetzbetreibern

Kabel BW, Unitymedia und

NetCologne leitungsgebunden im Regelbetrieb.

Nachdem 2008 für die Ausstrahlung

per Satellit im neuen HDTV-Format bei den

ARD-Sternpunkten der Uplink installiert

wurde, sind 2009 auch Multiplexe für die

kabelgebundene Zuführung der HDTV-Programme

in Betrieb gegangen.

Von mehreren Telekommunikationsunternehmen

werden mittlerweile sämtliche

ARD-Fernseh- und Hörfunkprogramme über

breitbandige Internetleitungen als IPTV (Internet

Protocol Television) verbreitet.

Die Infrastruktur für die Hörfunkprogramme

der Landesrundfunkanstalten und

des Deutschlandradios umfasste im Berichtsjahr

1 533 UKW-Sender, 34 LW- und

MW-Sender sowie 2 KW-Sender. Die DW

setzte insgesamt 6 eigene UKW-, 3 MW- und

17 KW-Sender im Ausland ein. Auf KW und

MW werden einige Programme im Digitalverfahren

DRM (Digital Radio Mondiale) ausgestrahlt.

Alle Hörfunkprogramme werden unter

dem Bouquetnamen »ARD Digital« zusätzlich

über DVB-S (Digital Video Broadcasting

– Satellite) satellitär verbreitet. Die älteren

Ausstrahlungsmöglichkeiten via Satellit –

ASTRA Digital Radio (ADR) und zum Teil noch

der analoge Weg – werden bis April 2012 weiter

in Anspruch genommen. Die DW nutzt

Kapazitäten auf sechs Satelliten, um ihre

TV- und Radioprogramme weltweit auszustrahlen.

Fast alle Programme und Sendungen der

ARD-Anstalten und des Deutschlandradios

sind als Livestream über das Internet auf

allen gängigen stationären und mobilen

Endgeräten zu empfangen. Zudem werden

viele Radio- und TV-Beiträge zum Download

und zur zeitversetzten Nutzung (Podcasting)

bereitgestellt.

Für digitales Fernsehen und digitalen

Hörfunk haben die ARD bzw. einzelne Landesrundfunkanstalten

neue Programmangebote

entwickelt, die beispielsweise beim

Hörfunk terrestrisch in der DAB-Technik (Digital

Audio Broadcasting) verbreitet werden.

Die ARD-Anstalten nutzen umfangreiche

Netze an Leitungsverbindungen für den

Hörfunk und für das Fernsehen. Von zentraler

Bedeutung für Hörfunk, Fernsehen und

Kommunikation ist das HYBNET, das hybride

Breitbandnetz der ARD.

Alle ARD-Rundfunkanstalten unterhalten

im erforderlichen Umfang Studioeinrichtungen

mit Komplexen für die Produktion

und die Sendeabwicklung ihrer Radio- und

TV-Programme. Neben Aufnahmestudios,

die für die unterschiedlichsten Formen von

Programmen geeignet sind, gibt es in den

einzelnen Funkhäusern – aktualitätsbedingt

oder aus künstlerischen Gründen – spezielle

Studios. Sie dienen der Abwicklung von

Nachrichtensendungen, Serviceprogrammen

mit Verkehrsdurchsagen, der Produktion von

Hörspielen oder der Aufnahme von Musikwerken.

Die Produktion von Fernsehfilmen

und Spielserien erfordert große Fernsehstudios,

deren Raumbedarf den der Hörfunkstudios

weit übersteigt. Wie beim Hörfunk

bedürfen auch die Nachrichten des Fernsehens

eigens auf sie zugeschnittener Studiokomplexe.

Für Außenaufnahmen des Hörfunks und

des Fernsehens werden Übertragungswagen

mit einer inzwischen zumeist digitalen mobilen

Ton- und Bildtechnik eingesetzt.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Mio TV-Haushalte das analoge Satellitensignal.

Mitterweile fahren ARD und ZDF mit den

Privatsendern die groß angelegte Kampagne

»klardigital 2012«, die über das Betriebsende der

analogen Satellitenübertragung detailliert informiert.

Bereits 2009 hatten einzelne Rundfunkanstalten

wie der NDR mit Digitalisierungsoffensiven

in ihren Sendegebieten begonnen, vor

allem um zu verhindern, dass weiterhin über

den analogen Weg »falsche« Landesprogramme

in den Regionalfenstern empfangen werden.

Auch bei der Radioverbreitung via Satellit

setzten die Rundfunkanstalten zunehmend auf

DVB-S (Digital Video Broadcasting — Satellite)

anstatt auf analoge Ausstrahlung. Das Ende der

analogen Versorgung über Kabelnetze bleibt

indes weiter offen. Obwohl die Digitalisierung

Digitalisierungsgrad der Übertragungswege

des Fernsehens in der Bundesrepublik

2009

97,6 %

Antenne

2010

100 %

2009

15,2 %

Kabel

2010

19,8 %

2009

45,6 %

Satellit

2010

Quelle:

AGF/GFK-Fernsehforschung

(Stichtag jeweils 31. 1.)

54,1 %

beim Kabel 2009 in Schwung kam, hatten laut

AGF/GfK-Fernsehforschung immerhin noch

über 15 Mio TV-Haushalte einen analogen Kabelanschluss.

Da ein Teil der Kabelnetze über

analoge Satellitensignale versorgt wird, stehen

die Rundfunkanstalten und Netzbetreiber nun

vor der Herausforderung, die betreffenden

Haushalte auch nach der Beendigung der analogen

Satellitenübertragung angemessen zu

versorgen.

Bis Jahresende wurde der bevorstehende

HDTV-Regelbetrieb in der Öffentlichkeit immer

präsenter. Die Showcases von ARD und

ZDF verliefen erfolgreich, die Roadmap wurde

eingehalten, und auch die Verbreitung über Kabel

und IPTV konnte effektiv getestet werden.

In über 13 Mio Haushalten standen laut ASTRA

Deutschland bereits HD-fähige TV-Geräte.

Der Ausbau des digitalen terrestrischen

Hörfunks ging unterdessen schleppend voran.

Eine Entscheidung der KEF (Kommission zur

Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten)

hatte die Freigabe der notwendigen Mittel

im Juli zunächst blockiert (vgl. ARD-Jahrbuch

09, S. 175). Ein Strategiebeschluss zur hybriden

Radioverbreitung unter Nutzung von Internet

und digitaler Terrestrik hält aber die Hoffnung

auf eine flächendeckende Versorgung aufrecht.

Viel Erfolg versprechen sich kommerzielle

Anbieter und Mobilfunkunternehmen von der

Weltpremiere der umstrittenen Funkinternet-

Technik LTE (Long Term Evolution). Am 9. 11.

startete der WDR am Sender Nordhelle bei

Herscheid gemeinsam mit der Landesanstalt

für Medien und Vodafone den Testbetrieb für

das Highspeed-Internet. Möglich wurde der

Testbetrieb durch die »Digitale Dividende« (vgl.

ARD-Jahrbuch 09, S. 95), die nun Entwicklungen

begünstigt, die den Interessen der öffentlichrechtlichen

Rundfunkanstalten entgegenarbeiten.

Der Bundesrat stimmte am 12. 6. 2009 der

geplanten Frequenzversteigerung für die UHF-

Kanäle 61 bis 69 zu, über die nach dem Willen

der Bundesregierung die ländlichen Räume

mit Breitband-Internet versorgt werden sollen.

Nach ausführlichen Tests käme es durch LTE

und andere Techniken aber zu schweren Bild-

und Tonstörungen beim Kabelfernseh- und

DVB-T-Empfang, ein Umstieg auf einen DVB-

T-Optimierungsstandard wäre erschwert und

eine künftige terrestrische HDTV-Ausstrahlung

kaum noch umsetzbar.

Neben der Leichtathletik-WM in Berlin

als Topereignis und bisher größtem HDTV-

Showcase mussten 2009 vor allem politische

Großereignisse koordiniert werden. Bei sechs

Landtagswahlen, der Bundestagswahl und

dem Mauerfall-Jubiläum standen reibungslose

Live-Übertragungen produktionstechnisch im

Vordergrund, während beim NATO- und G8-

Gipfel sowie beim Besuch des US-Präsidenten

die Live-Produktionen zuvor an höchste Sicherheitsbestimmungen

angepasst werden mussten.

Digitales Fernsehen _ HDTV auf dem Weg zum Regelbetrieb

Nachdem 2008 durch den Abschluss der ARD-

Qualitätsoffensive fundamentale Grundlagen

für die digitale Programmverbreitung geschaffen

worden waren, konnte 2009 die HDTV-

Roadmap von ARD und ZDF mit dem Ziel

Vancouver 2010 planmäßig umgesetzt werden.

Produktion und Technik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 179


180

Der mehrtägige Showcase zum Jahreswechsel

2008/09 auf Einsfestival HD bot Gelegenheit,

ausreichend Erfahrungen zu sammeln. Bei

der Leichtathletik-WM in Berlin wurden dann

insgesamt 55 Stunden live aus Berlin in HDTV

gesendet (vgl. ARD-Jahrbuch 09, S. 99). Auch

die kleineren Showcases zur IFA und zur Weihnachtszeit

auf Das Erste HD, Einsfestival HD

und ZDF HD verliefen erfolgreich und überzeugten

auch Kabel- und IPTV-Kunden bei Kabel

Deutschland, Kabel BW oder T-Home.

Kontinuierlich über das Jahr hinweg wurden

die Produktionsstufen vereinheitlicht, von

den Kamera-Optiken bis zu den Ü-Wagen und

Leitungsnetzen. So mussten auch Schriftgeneratoren

auf HD umgerüstet werden und ARD-

Designs sowie grafische Vorspänne erhielten

für eine optimale Bildschirmdarstellung die

bestmögliche Auflösung. Das Erste HD wird im

Format 720p/50 gesendet, da es ein sehr gutes

Bewegtbild liefert (vgl. ARD-Jahrbuch 09, S. 99).

Bis zum letzten Showcase 2009 nahm der

Anteil an nativen HD-Produktionen enorm

zu, allerdings werden auch künftig Sendungen

noch hochgerechnet. Besonders bei alten Klassikern,

die auf 35-mm-Film oder im Super-16-

Format gedreht wurden, erzeugt dieser Bearbeitungsschritt

einen sichtbaren Mehrwert für den

Zuschauer.

Für solche sowie für native HD-Produktionen

plant die ARD langfristig keinen Kopierschutz,

sondern sie handelt notwendige

Vertragsklauseln direkt mit den Lieferanten

von Premiuminhalten aus. Anders bei der

ASTRA-Plattform HD+: Seit Ende 2009 bzw.

Anfang 2010 verbreiten die RTL-Gruppe und

ProSiebenSat.1 ihre Programme im HD-Format

1080i/25, allerdings mit Mehrkosten für die Zuschauer,

fixierten Werbeblöcken und Kopierschutz.

Die Zuschauer müssen auf SDTV ausweichen,

wenn sie diese Nachteile vermeiden

wollen. ARD und ZDF dagegen strahlen ihre

SDTV- und HDTV-Programme allesamt ohne

die genannten Einschränkungen aus.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Digitales Fernsehen _ DVB-T ist der terrestrische TV-Standard

Seit Beginn des digitalen terrestrischen Fernsehens

im Jahr 2002 wurden nach Hochrechnungen

von Media Broadcast und der Deutschen

TV-Plattform über 24 Mio DVB-T-

Empfänger aller Art verkauft. Der Digitalisierungsgrad

der terrestrischen Übertragungswege

erreichte im Jahr 2009 nach Abschaltung des

letzten Analogsenders 100 Prozent. Die Rundfunkanstalten

konnten sich dem »Feintuning«

widmen und verbesserten in vielen Regionen

den Empfang und das Angebot durch Frequenzwechsel

und neue Sender.

Gemäß der Regional Radiocommunication

Conference 2006 (RRC-06) gab es weitere Umstellungen

von DVB-T-Kanälen aus dem VHFin

den UHF-Frequenzbereich (vgl. ARD-Jahrbuch

07, S. 227). Nach nationalen Bestimmungen

soll der VHF-Frequenzbereich geräumt werden

und teilweise dem digitalen Hörfunk zur Verfügung

stehen. _ Franken und südliches Bayern: In den größten

bayerischen Ballungsräumen München und

Nürnberg wurden die Kanäle an den Standorten

München-Olympiaturm, Wendelstein,

Nürnberg-Funkturm und Dillberg für Das Erste,

ARTE, PHOENIX und EinsPlus geändert.

Bei allen DVB-T-Zuschauern in diesen Versorgungsgebieten

war nach dem 15. 7. ein Suchlauf

erforderlich, der seither einen wesentlich besseren

Empfang auch über Zimmerantenne ermöglicht.

Anfang November gingen in Passau,

Garmisch-Partenkirchen und am Hochberg im

Landkreis Traunstein drei neue DVB-T-Senderstandorte

für die Bouquets von ARD, BR und

ZDF in Betrieb. Zeitgleich konnten in Bayern

auch die letzten beiden analogen Füllsender

endgültig abgeschaltet werden.

_ Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen:

Der NDR optimierte den Empfang

des Bouquets für Hamburg an den DVB-T-

Standorten Heinrich-Hertz-Turm und Moorfleet

ebenfalls durch den Wechsel von VHFauf

UHF-Frequenzen. In Hamburg-Höltigbaum

ging ein größerer, 250 Meter hoher Sendemast

mit nunmehr rundstrahlender Antenne in Betrieb,

so dass ab Dezember der DVB-T-Empfang

nicht nur im Nordosten Hamburgs, sondern

auch rund um Schwarzenbek, Ahrensburg und

Norderstedt in Schleswig-Holstein verbessert

wurde.


In Nordfriesland wurden die DVB-T-Signale

für den Raum Husum, Bredstedt und Niebüll

vom Sender Garding auf den Sender Bredstedt

umgelegt. Auch der mobile DVB-T-Empfang

ist so seit dem 28. 10. im hohen Norden verbessert.

Weiter südlich wurde der Senderstandort

Brunsbüttel in Betrieb genommen und ein Kanalwechsel

für ARD und NDR auf Sylt und in

Heide-Welmbüttel durchgeführt. Schließlich

wurde am 29. 10. der DVB-T-Sender Cuxhaven-

Altenwalde, verbunden mit einem Kanalwechsel

für ARD, ZDF und NDR, nach Cuxhaven-

Stadt verlagert.

_ Baden-Württemberg und Rheinland-

Pfalz: Während der SWR kleinere DVB-T-

Versorgungslücken bei Heilbronn und Schwäbisch

Hall sowie bei Linz am Rhein schloss,

konnte nach der offiziellen Beendigung der

DVB-T-Umstellung am 25. 11. 2008 (vgl. ARD-

Jahrbuch 09, S. 188) nun endgültig die analoge

terrestrische Technik abgeschaltet werden. Am

30. 6. 2009 wurde der Sender Bad Mergentheim

als letzter Analogsender auf DVB-T umgestellt.

Die Anzahl der öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramme

im Taubertal hat sich damit von

drei auf zwölf erhöht.

Die Erfolgsgeschichte von DVB-T regte im

Berichtsjahr einige nennenswerte Weiterentwicklungen

an. Der RBB begleitet mit dem Institut

für Rundfunktechnik (IRT), europäischen

Partnern und der EBU (European Broadcasting

Union) das Projekt »DTV4all« (Digital Television

for all), in dessen Mittelpunkt die behindertengerechte

DVB-T-Ausstrahlung steht. Von

Februar bis März bewerteten 50 Hörbehinderte

DVB-T-Sender Hochberg bei Traunstein

die Barrierefreiheit spezieller DVB-T-Untertitel,

die der RBB in einem Feldversuch ausstrahlte.

Das IRT forschte weiter am neuen Standard

DVB-T2, der besseren Empfang, mehr Programme

und Zusatzangebote verspricht. Mit

dem Regelbetrieb ist allerdings erst in einigen

Jahren zu rechnen. Die RTL-Gruppe experimentierte

im Herbst mit dem neuen Datenkompressionsverfahren

MPEG-4 in Leipzig und

Stuttgart, stieß damit aber aufgrund notwendiger

neuer DVB-T-Receiver auf wenig Interesse

in der Bevölkerung. BR und IRT hatten bereits

zu Jahresbeginn die Übertragung von MPEG-4

über DVB-T erfolgreich getestet. Bis zur Einführung

eines möglichen DVB-T-Optimierungsstandards

arbeiten ARD und ZDF aber weiter

mit dem etablierten MPEG-2-Verfahren.

Digitaler Hörfunk _ Verhaltener DAB-Ausbau

Die ARD-Pläne zum Neustart des Digitalradios

in den Standards der DAB-Systemfamilie (Digital

Audio Broadcasting) wurden im Juli von

einer Entscheidung der KEF durchkreuzt, nach

der die Freigabe der entsprechenden Finanzmittel

bis auf Weiteres blockiert wurde. Dennoch

führten einzelne Rundfunkanstalten laufende

Projekte zu Ende.

Der BR startete 2009 eine DAB-Offensive

und bewarb intensiv sein »Digital Radio Paket«

mit insgesamt sechs Programmen. In Bayern

gab es laut Untersuchungen der Bayerischen

Landeszentrale für neue Medien (BLM) bereits

über 150 000 DAB-Empfangsgeräte. Um

die Versorgung insbesondere für den Empfang

in Innenräumen zu verbessern, nahm ein zusätzlicher

Sender in Augsburg den Betrieb

auf. Nach den Leistungserhöhungen von 2008

wurde die Leistung des bestehenden Sendernetzes

erneut verbessert. So wurde an den

DAB-Sendern Gelbelsee, Pfaffenberg, Hoher

Bogen, Büttelberg, Brotjacklriegel und Wendelstein

die Sendeleistung von jeweils einem Kilowatt

auf teilweise bis zu vier Kilowatt erhöht.

Der MDR startete am 5. 5. gemeinsam mit

der Sächsischen Landesanstalt für privaten

Rundfunk ein Pilotprojekt zum Nachfolgestandard

DABplus, bei dem u. a. MDR SPUTNIK

und MDR INFO zusammen mit Privatsendern

bis Jahresende im Raum Leipzig aufgeschal-

Produktion und Technik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 181


182

Sendeanlage des Deutschlandradios

in Berlin

tet wurden. Aus den Erkenntnissen werden

Konzepte für die technische Realisierung, die

Eigenschaften der Signalausbreitung sowie

Möglichkeiten für Zusatzdienste erarbeitet.

Zwar bereitete auch das Deutschlandradio sein

neues drittes Programm DRadio Wissen für die

Verbreitungstechnik DAB vor, aber Ende 2009

mussten angesichts der KEF-Entscheidung einige

Verträge gekündigt werden, so dass über

2009 hinaus nur ein DAB-Notnetz in Ballungsgebieten

aufrechterhalten werden konnte.

Der NDR stellte an den Sendern Hamburg-

Moorfleet, Hannover-Hemmingen, Stadthagen/

Bückeberg, Torfhaus im Harz, Göttingen-Bovenden

und Wesendorf seine DAB-Ausstrahlung

ein. Zum Jahresende 2009 beendete der

RBB die DAB-Verbreitung seiner Programme

auch in Berlin. Mittlerweile ist aber ein hybrider

Ansatz im Gespräch, der DABplus mit

drahtlosem Internet kombiniert.

Programmverbreitung via Kabel und Satellit

_ Digitale Programmvielfalt wächst

Seit der im Jahr 2008 umgesetzten Qualitätsoffensive

der ARD werden alle Programme, angepasst

an die erhöhten Übertragungskapazitäten

der modernisierten Kabelnetze, über das ARD-

Kabelmultiplex- und Compression-Center zur

leitungsgebundenen Weiterleitung bereitgestellt.

Immer mehr Kabelnetzbetreiber nehmen

dieses Angebot wahr und speisen die Fernsehprogramme

von ARD und ZDF mit hervorragender

Bild- und Tonqualität in ihre Netze ein.

Nach Unitymedia, NetCologne und Kabel BW,

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

die schon 2008 an das neue ARD-Kabelmultiplex-

und Compression-Center in Frankfurt

am Main angeschlossen wurden, testeten 2009

auch Kabel Deutschland, wilhelm.tel und Tele

Columbus den Zuführungsweg, um künftig die

SD- und HD-Programme der ARD anbieten zu

können. Bereits zur Leichtathletik-WM hatten

Kabel Deutschland und Kabel BW die HDTV-

Showcases in ihren Kabelnetzen übertragen,

um pünktlich zum Regelbetrieb von HDTV

am 12. 2. 2010 bestehende Unstimmigkeiten zu

beseitigen.

Dennoch setzten viele Kabelnetzbetreiber

auf den Ausbau ihres analogen Angebots, da

die große Mehrheit der Kabel-TV-Kunden noch

nicht auf DVB-C umgestiegen ist. Im Mai 2009

hatte Unitymedia in Hessen die Ausstrahlung

von ARTE auf die volle Sendezeit von 24 Stunden

ausgeweitet, Kabel BW zog im August

nach. Auch die Einspeisung der BR-Jugendwelle

on3-radio wurde schrittweise bis Oktober

2009 fortgesetzt und hat nun eine Verbreitung

von nahezu 100 Prozent in den bayerischen

Kabelnetzen.

Parallel zum IPTV-Ausbau der Telekommunikationsunternehmen

versuchten die Kabelnetzbetreiber

mit der Entwicklung Schritt zu

halten und boten zusätzlich zum Kabel-TV Telefonie,

Internet und On-demand-Videotheken

an, bei deren Bestückung auch Inhalte der ARD

eingeplant wurden.

Über die ASTRA-Satelliten ist bereits seit

2008 die komplette digitale Vielfalt der ARD

empfangbar. Veränderungen gab es deshalb im

Berichtsjahr eher bei den Hörfunkprogrammen.

Wie bei der TV-Verbreitung über Satellit vollzieht

sich hier eine Konzentration auf DVB-S

bei gleichzeitiger Abkehr von der analogen

Technik. Das Deutschlandradio beendete am

30. 4. die analoge Satellitenausstrahlung für

Deutschlandradio Kultur und Deutschlandfunk.

Beide Programme sind weiter über DVB-S

und ADR (ASTRA Digital Radio) zu hören.

Seit 5. 1. ist auch MDR KLASSIK über DVB-S

empfangbar. Die Wiedergabequalität gehört wie

die vieler anderer ARD-Radioprogramme mit

320 Kilobit pro Sekunde zur absoluten Spitzenklasse.

Auch der Digital-Standard ADR ist mittlerweile

überholt und wird mit dem Ende der

analogen Satellitenübertragung am 30. 4. 2012

ganz eingestellt. Radio Bremen und der NDR

strahlen bereits seit 1. 6. die beiden Programme

Bremen Eins und Nordwestradio nicht mehr

über ADR aus.


Die DW konnte zwar im März 2009 ihr Satellitenangebot

ausweiten, indem sie auf AsiaSat

3S künftig eine deutsche sowie eine englische

Programmschiene fährt, teilte aber kurz vor

dem Jahreswechsel mit, dass sie in Europa

künftig nur noch über den Satelliten Hotbird 8

senden wird. Die ASTRA-Übertragung wurde

am 31. 12. eingestellt. DW-TV und DW-RADIO

können aber weiter über Kabelstationen, UKW-

Stationen oder Internetplattformen empfangen

werden.

Verbreitung über Internet und IPTV

_ Neue Möglichkeiten im World Wide Web

Die klassischen Telekommunikationsunternehmen

rüsten ihre DSL-Netze kontinuierlich als

Übertragungskanäle für Fernsehprogramme auf.

Der Marktanteil von IPTV verdreifachte sich

laut Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten

von Mitte 2008 bis Juli 2009 auf ein

Prozent (knapp 400 000 TV-Haushalte). Die

Branche selbst sprach am Ende des Jahres von

einer Mio Haushalten. Vor diesem Hintergrund

schlossen ARD und ZDF am 11. 2. den ersten

regulären Vertrag mit einem DSL-Provider

(HanseNet, später auch mit Arcor) und verlängerten

bestehende Testverträge etwa mit der

Deutschen Telekom bis Ende 2011. Letztere beteiligte

sich mit ihrem IPTV-Angebot auch an

den HDTV-Showcases zur Leichtathletik-WM

und zu Weihnachten 2009. Zudem konnte ausgehandelt

werden, dass zwei Fensterprogramme

des WDR sowie Bayerisches Fernsehen Nord ab

2010 in das Bouquet der öffentlich-rechtlichen

Sendeanstalten aufgenommen werden.

Aber auch die eigenen Verbreitungsaktivitäten

der ARD im Internet wurden weiterentwickelt.

Die Mediatheken etablierten sich

und sind technisch auf dem neuesten Stand.

Am 5. 3. startete die ARD einen eigenen YouTube-

Kanal, und für ndr.de und tagesschau.de wurden

im April neue Provider-Verträge abgeschlossen,

die Livestreams jetzt im Bildschirmformat 16:9

und mit einer Downloadgeschwindigkeit von 1,5

Megabit pro Sekunde ermöglichen. Der Testvertrag

mit dem schweizerischen Web-TV-Anbieter

Zattoo, der den Empfang der ARD-Programme

in gängigen Internet-Browsern ermöglicht, lief

zwar am 31. 3. aus. Da aber die Zugriffszahlen

auf die öffentlich-rechtlichen Programme sehr

zufriedenstellend waren, wurden sie auf Grundlage

des ausgelaufenen Vertrags zunächst weiter

verbreitet. Der Videokompressions-Standard

H.264 lieferte dabei eine sehr gute Streaming-

Qualität.

Produktion und Technik 2009

Auch durch die Bestrebungen des Instituts

für Rundfunktechnik (IRT) stand das Jahr

2009 rundfunktechnisch im Zeichen hybrider

Endgeräte. ARD-aktuell ergriff als erste ARD-

Einrichtung die Initiative und entwickelte ein

spezielles On-demand-Angebot gemeinsam mit

Panasonic. Auf hybriden TV-Geräten, also Fernsehgeräten

mit zusätzlichem Internetanschluss,

kann jederzeit die »tagesschau24« abgerufen

werden. Die gleiche Funktion ist auch für Spielekonsolen

geplant.

Die Webradios der ARD werden zunehmend

beliebter, das alte Medium Radio erlebt

geradezu eine Renaissance im Internet. Ende

2009 gab es rund 2 200 deutschsprachige Webradios

mit über sieben Millionen Nutzern täglich.

So intensivierte der RBB sein Engagement am

2008 ins Leben gerufenen Projekt »Vital++«, bei

dem getestet wird, wie sich Webradio-Hörer aus

den Sendungen und Beiträgen verschiedener

Wellen ihren individuellen Mix generieren. Das

Deutschlandradio weitete seine Podcasts auf

über 80 thematische Angebote aus und bietet

seit September den »dradio-Recorder« an, ein

digitales Tonbandgerät, das zeitgesteuert Beiträge

und Sendungen aller gängigen Internet-

Radiostationen aufnehmen kann. Zugleich

wurden die Weichen gestellt für das Portal des

neuen Hörfunkangebots DRadio Wissen, das

den Sendeablauf seit Januar 2010 unmittelbar

bimedial begleitet.

BR-App mit Programmauswahl Bayern 1


184

Noch bevor die Diskussion um den Verbreitungsweg

»Apps« (Applikationen) überhaupt

einsetzte, waren zahlreiche Hörfunkwellen im

mobilen Internet bereits vertreten. Apps sind

Zusatzprogramme für Smartphones, die das

Bedienen bereits vorhandener Internetangebote

der ARD vereinfachen. Es entstehen deshalb

nur einmalige Entwicklungskosten für die

Rundfunkanstalten. Gleichzeitig wird dadurch

die Versorgung der Rundfunkteilnehmer in

der digitalen Welt gewährleistet. Der NDR bot

bereits im März alle seine Radioprogramme

als Apps an, im Juli zog der BR nach und lieferte

die Angebote von Bayern 1 bis on3-radio.

Ebenfalls im Juli hat das Deutschlandradio

seine beiden Programme für den Auftritt auf

kleinen Handy-Bildschirmen zugeschnitten.

Kurz darauf folgte Radio Bremen mit dem

Webchannel Bremen Vier Next. Im September

bereitete der SWR alle seine Radiowellen für

Smartphones auf. Zum Jahresende schloss sich

der HR mit hr3 und YOU FM an, es folgten

MDR JUMP und MDR SPUTNIK.

Analoge terrestrische Sendernetze

_ Die UKW-Versorgung wird weiter verbessert

Trotz zahlreicher Bestrebungen um einen Ausbau

des digitalen Hörfunks wird die analoge

UKW-Technik auch langfristig nicht vernachlässigt.

So ersetzte der BR in Mittenwald und

Oberammergau störanfällige Altanlagen aus

dem Jahr 1990 mit leistungsfähigen UKW-Umsetzeranlagen

der neuesten Generation, die die

umliegenden bayerischen Alpentäler bestmöglich

versorgen. Der Turm-Neubau am Senderstandort

Pfaffenberg bei Aschaffenburg erhielt

nach der DVB-T-Aufrüstung in 2008 nun neue

UKW-Sendeanlagen, die die westliche Region

Mainfrankens mit den Programmen Bayern 1,

Bayern 2, Bayern 3, B5 aktuell und BR-Klassik

optimal versorgen.

Der MDR verbesserte die Reichweite der

Welle MDR INFO, indem er ab dem 27. 8. zwei

neue UKW-Frequenzen für Sachsen-Anhalt

belegen konnte. Rund um Aschersleben und

Köthen genießen die Hörer nun eine ausgezeichnete

Empfangsqualität. Kurz zuvor wurde

am 28. 7. im thüringischen Bad Langensalza

ebenfalls eine neue Frequenz für MDR INFO in

Betrieb genommen.

Daneben gab es im Berichtsjahr auch Einschnitte.

Der HR beendete am 31. 12. seine Programmverbreitung

über Mittelwelle. Bisher wur-

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Die neue Eurovisionsantenne der ARD-Sternpunkte

auf dem D-Bau des HR in Frankfurt

den auf diesem Übertragungsweg Bundes- und

Landtagsdebatten sowie Sendungen in Fremdsprachen

verbreitet.

Das Deutschlandradio konnte sein nach wie

vor lückenhaftes UKW-Sendernetz weiter ergänzen.

Deutschlandfunk erhielt neue Frequenzen

in Gotha und Pirmasens. Deutschlandradio

Kultur erhielt ebenfalls je eine neue Frequenz

in Pirmasens und in Mülheim an der Ruhr, von

wo aus das Programm auch in weiten Teilen von

Oberhausen und Duisburg empfangbar ist.

Netzverbindungen und Programmaustausch

_ Mit HYBNET-Neu und HDTV in die Zukunft

Im Berichtsjahr traf die ARD alle Maßnahmen,

um ihr Glasfaser-Leitungsnetz HYBNET bis

zum 1. 1. 2011 modernisieren zu können. Zu den

Strukturmaßnahmen für den angepeilten Regelbetrieb

des HYBNET-Neu zählten wichtige

Vertragsunterzeichnungen mit technischen

Dienstleistern sowie die Planung eines HYB-

NET-Service-Centers als ARD-Eigenbetrieb, angesiedelt

bei den ARD-Sternpunkten in Frankfurt

am Main. Zusätzlich zu den bestehenden

Anforderungen soll das HYBNET-Neu bei

Fertigstellung den HD-Programmaustausch zwischen

den Rundfunkanstalten sowie die HD-

Beitragszuführung zum ARD-Sendezentrum

vollständig leitungsgebunden abdecken können.

Das seit 2007 im Regelbetrieb befindliche

Video-Filetransfer-System der ARD (VFT)

wurde 2009 ebenso für den Austausch von HD-

Produktionen im Dateiformat MXF aufgerüstet

wie die Sendestraßen der ARD, etwa im Play-

Out-Center in Potsdam. Eine Steigerung der

Transfergeschwindigkeiten um ein Vielfaches ist


mit diesen Systemen problemlos möglich. Eine

in 2009 gegründete »Task Force Metadaten« soll

darüber hinaus sicherstellen, dass in absehbarer

Zeit die Produktion, Archivierung und Verbreitung

aller ARD-Sendungen über alle Wege und

Plattformen verlaufen kann.

Die ARD-Sternpunkte in Frankfurt arbeiten

seit 2009 zudem daran, das Netzwerk- und

Servermonitoring im Corporate Network der

ARD auf die Landesrundfunkanstalten auszuweiten

und gleichzeitig eine Betreuung an allen

Wochentagen rund um die Uhr zu schaffen.

Außerdem wurde am 15. 9. auf dem Gebäude D

des HR eine neue Erdfunkstelle bzw. Eurovisionsantenne

errichtet, die den Sende- und Empfangsbetrieb

der ARD-Sternpunkte unterstützt.

Erneuerung von Funkhäusern, Sendezentralen

und Studios

_ Neue Technik von Tel Aviv bis Saarbrücken

Im Frühjahr 2009 wurde das ARD-Fernsehstudio

Tel Aviv unter der Leitung des BR vollständig

erneuert. Die bisher gemeinsam von Hörfunk

und Fernsehen genutzten Räume wurden

zu klein, so dass die Hörfunkkollegen bereits

seit 2008 (vgl. ARD-Jahrbuch 09, S. 193) in einem

anderen Gebäude arbeiten und mittels Internet

Protocol audio- und videotechnisch mit den

Fernsehkollegen vernetzt sind. Die Fernsehtechnik

wurde komplett mit 1,5-Gigabit-Komponenten

ausgeführt, um auch HD-Produktionen

bearbeiten zu können. Gedreht wird seit Ende

März 2009 hauptsächlich im HD-tauglichen

Videosystem XDCAM, bearbeitet wird das Material

auf vernetzten AVID-Systemen.

Ebenfalls Ende März nahm der BR den

neuen Produktions- und Sendekomplex für das

Jugendangebot on3-radio in Betrieb. Die multimediale

Redaktion hat seither alle Möglichkeiten,

hochwertige Audio- und Videobeiträge

sowohl auf linearen Verbreitungswegen als auch

im Internet live oder on demand abzusetzen.

Im Oktober beendete das Regionalstudio Ostbayern

in Regensburg nach zwei Jahren die

Sanierungsarbeiten an der technischen Einrichtung.

Die Zeitspanne war deshalb so lang, da

das Projekt in mehrere Bauabschnitte unterteilt

wurde, um den Sendebetrieb kontinuierlich aufrechterhalten

zu können. Nach der Fertigstellung

gingen zwei Sendestudios, ein Sprecherraum,

ein aktuelles Studio und ein Geräteraum

in Betrieb.

Der NDR investierte in eine zukunftsweisende

IT-Infrastruktur zwischen seinen Funkhäusern

und erneuerte 5 000 von insgesamt

6 200 PC-Arbeitsplätzen sowie seine Netzwerk-

Switches in Hannover, Hamburg-Lokstedt und

-Rothenbaum, Kiel und Schwerin. Im Landesfunkhaus

Kiel erhielt die Sendeetage für NDR 1

Welle Nord am 17. 6. neue Platz sparende Technikbrücken.

Alle Funktionsarbeitsplätze sind

seither tauglich für O-Ton-Aufnahmen und

-Bearbeitung, für Live-Mitschnitte aus allen

Medien sowie für die Zugriffe auf die dira!-

Hörfunkdatenbank und den Sendeplan. Zudem

erhielten drei Studios neue Audio-Pulte mit verbessertem

Jingle-System. Der Newsroom und

das Hörertelefon wurden den Studios direkt

vorgelagert.

Ähnlich ging auch der SR bis zur Einweihung

des neuen Fernsehgebäudes »Halberg« am

18. 6. in Saarbrücken vor. Allein durch die optimale

Anordnung der Räumlichkeiten konnte

ein Großteil der Arbeitsprozesse vereinfacht

werden. Im Rahmen des Projekts »Digitalisierung

FS« entschied sich der SR nach vielen Jahren

Parallelbetrieb zudem für ein einheitliches

Schnittsystem (Final Cut Pro) und eröffnete ein

neues Synchronstudio für hochwertige Tonbearbeitungen

und HD-Produktionen im Mehrkanalton.

Der WDR stellte am 27. 4. sein Studio Münster

von analog auf digital um. Dabei kam die

bewährte trimediale Technik aus den Studios

Siegen, Duisburg, Bonn und Bielefeld zum Einsatz.

Zwei Monate später, am 22. 6., folgte das

Studio Essen. Seither können Redaktionen und

Technik nahezu bandlos für Hörfunk, Fernsehen

und Internet arbeiten. Die Umrüstung aller

elf Regionalstudios auf trimedialen Betrieb soll

voraussichtlich 2011 abgeschlossen sein.

Multifunktionale Arbeitsplätze für eine

moderne NDR 1 Welle Nord

Produktion und Technik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 185


186

Hörfunkproduktion und -sendung

_ Die digitale Basis für Multimedialität

In vielen ARD-Anstalten gab es trotz der Konzentration

auf HDTV auch wichtige Investitionen

in die Hörfunktechnik. Der BR leistete

zu Jahresbeginn einen bedeutenden Beitrag

zur Erhöhung der Verkehrssicherheit. Seit dem

19. 1. ist auf allen fünf UKW-Hörfunkwellen die

Datenrate für das Verkehrsinformationssystem

TMC verdoppelt worden. Alle TMC-Nutzer

und BR-Hörer bekommen ihre Verkehrsdaten

nun schneller als bei anderen bayerischen Hörfunkwellen.

Im Januar startete beim MDR die multimediale

Nachrichtenproduktion. Am »MultiMedia

Desk« wird seither das Kurznachrichtenformat

»eins30« für MDR.de und MDR FERNSEHEN

produziert. Die Hörfunkkollegen von MDR

INFO kooperieren hierbei verstärkt mit MDR

aktuell und der Online-Redaktion. Erprobt werden

neue Arbeitsweisen, bei denen Cutter und

Redakteur zu einem Beruf verschmelzen, so

dass möglicherweise die Mehrfachnutzung von

Inhalten für Fernsehen, Internet und Hörfunk

besser beurteilt werden kann. Zudem wurden

beim MDR mehrere Datenaustauschsysteme

optimiert. Das Hörfunkarchiv konnte auf die

einfachen Festplattenspeicher verzichten und

erhielt mit einer netzwerkbasierten Speicherlösung

schnellere Zugriffsmöglichkeiten durch redundante

Datenvorhaltung. Den Redaktionen

und anderen Programmzulieferern wurde ein

webbasiertes Filetransfer-System bereitgestellt.

Über jeden berechtigten Internetzugang können

damit Audio-, Bild- und Textdateien bis an jeden

einzelnen Redaktionsplatz geliefert werden.

Darüber hinaus wurde der Recherchedienst

MediaPool eingeführt, mit dem übergreifend in

Die neue HD-Zentralregie für die

Studios A und B beim WDR in Köln

den verschiedenen dira!-Systemen der Hörfunkwellen

mit Volltext-Suche recherchiert werden

kann. Die Weboberfläche erlaubt das Vorhören

von Beiträgen, die Einsicht in Metadaten sowie

das Einstellen von Beiträgen.

Die Jugendwelle Fritz des RBB startete im

September das Pilotprojekt COTV (Community

TV), hinter dem ein ausgeklügeltes technisches

Gesamtkonzept steckt. Fritz-Hörer konnten

eigene Videos für die Sendung »meinFritz TV«

drehen, die bis März 2010 auf einer Satellitentestfrequenz

ausgestrahlt und im Internet gezeigt

wurde. Redakteure und Hörer testeten so gemeinsam

eine multimediale Produktions- und

Sendestrecke. Bereits im Mai nahm beim RBB

die neue multimediale Programmdirektion ihre

Arbeit auf, die Hörfunk- und Fernsehbereiche

intensiv kombiniert.

Der SWR baute die angestrebte Trimedialität

zunächst im Bereich Nachrichten weiter aus

und veranstaltete dann im Mai ein trimediales

kulturelles Großprojekt. Während die Baden-

Badener Pfingstfestspiele für den Hörfunk aufgezeichnet

wurden, galt es für das 100-köpfige

Produktionsteam, Livestreams für das Internet

sowie zweisprachige HD-Übertragungen für

ARTE zu koordinieren. Schließlich nahm der

SWR in 2009 eine neue Hörfunk-Datenbank in

Betrieb sowie eine neue Senderegie für SWR1

in Baden-Baden.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Fernsehproduktion und -sendung

_ HDTV als Richtschnur

Aufgrund der groß angelegten Umstellungen

auf HD-Produktionen trafen viele Rundfunkanstalten

ihre Entscheidung zugunsten des Videosystems

XDCAM-HD als Aufnahme- und Speichersystem.

In den Kameras, die mit XDCAM

arbeiten, wird dabei die so genannte »Professional

Disc« eingesetzt, eine Weiterentwicklung

der Blu-ray Disc für den professionellen Broad-


cast-Einsatz mit bis zu 50 Gigabyte Speicherkapazität.

Sukzessive streben alle Rundfunkanstalten

für Das Erste HD einen effizienten,

durchgehend bandlosen Workflow von der nativen

HD-Aufnahme über die Bearbeitung bis

zur Sendung und Archivierung an.

Allein der BR kaufte bereits 2008 die ersten

20 entsprechenden Sony-Camcorder inklusive

Aufnahme- und Wiedergabegeräte für unterschiedliche

Bereiche und ersetzte damit alte

bandbasierte Kamerasysteme. 2009 folgten

weitere 17 Camcorder plus Zubehör. Über das

gesamte Jahr 2009 hinweg fanden HD-Schulungen

statt. Im April wurde erstmals für die

BR-Sendereihe »Lebenslinien« mit den neuen

XDCAM-HD-Kameras produziert. Im Juni

konnten schließlich auch die ersten zwei AVID-

Schnittplätze umgerüstet werden.

Der HR hat mit der Sanierung seiner TV-

Studios 4 und 5 sowie der Regien 1 bis 3 ebenfalls

die Umstellung auf HD vollzogen. Seit

dem 7. 10. wird hier die Sendung »Metropolis«

für ARTE und ARTE HD produziert. Der

MDR hatte seine Produktionsregie 1 bis zum

Herbst komplett auf HDTV umgestellt und

zur Absicherung der HDTV-Signalführung zur

Olympiaberichterstattung aus Vancouver vier

komplette Signalwege bereitgestellt sowie den

Satelliten-Downlink entsprechend aufgerüstet.

Der NDR startete im April nach zweijähriger

Planungsphase in Hamburg sein Projekt »Vernetzte

Produktion«, das vor dem Hintergrund

des HDTV-Regelbetriebs das NDR Fernsehen

ebenfalls völlig unabhängig vom Band machen

soll. Beiträge werden im Schnitt, in der

Tonnachbearbeitung und in der Regie als kombinierte

Video- und Audiodateien produziert

und ausgespielt. Recherche, Bearbeitung, Sendeplaneinstellung

und Ausspielung sollen an

jedem Arbeitsplatz möglich werden.

Bei Radio Bremen wurden für die Fernsehstudios

zwei HD-Satellitenempfänger inklusive

Konverter bereitgestellt, mit denen auch in

Dolby-E codierte Signale verarbeitet werden

können. Das Videosystem XDCAM-HD wurde

ebenfalls als »Bandformat« in alle Produktionsprozesse

integriert.

In Baden-Baden stellte der SWR die Fernsehregien

5 und 6 auf HD-Technik um, in

Mainz die Fernsehregie A. Der WDR rüstete

seine Zentralregie für die Studios A und B in

Köln ebenso auf HD-Technik um. Die Qualität

der herkömmlichen SD-Produktionen wurde

NDR-Übertragungswagen Ü1 mit Rüstwagen

dabei in keiner Weise vernachlässigt. Insbesondere

galten die ARD-Premiumformate »Sportschau«

sowie »hart aber fair« mit ihrer Komplexität

als Richtschnur für die HD-Migration.

Neu war auch das Produktionskonzept, bei dem

mit nur einer Regiezone die beiden Studios A

und B wahlweise betrieben werden können. In

Kombination mit der bandlosen Produktionsumgebung,

die anspruchsvolle Einspielungen

ermöglicht, müssen aufwändige Studiodekorationen

weniger häufig umgeräumt oder umgebaut

werden.

Auch die DW erreichte 2009 HDTV-Fähigkeit

und bereitete gleichzeitig wichtige Maßnahmen

zum bandlosen Betrieb vor. Außerdem

optimierte sie den Programmaustausch mit dem

HYBNET, indem in Bonn der Hauptschaltraum

vom Signalaufzeichnungsraum baulich

getrennt wurde.

Außenübertragungen _ Technisch allerorts auf dem neuesten Stand

Für eine erstklassige mobile Übertragungsqualität

investierten die Landesrundfunkanstalten

auch 2009 in hochwertiges Equipment. Der

HR verfügt seit Januar über eine eigene mobile

Produktionsregie. Auf sehr begrenztem Raum

kann mit bis zu vier Kameras gearbeitet werden,

so dass sich etwa Talkshows auf der Frankfurter

Buchmesse oder kleinere Konzerte problemlos

aufzeichnen oder übertragen lassen.

Der BR schaffte im April für das Studio

Franken einen weiteren Hörfunk-Reporterwagen

der aktuellen Baureihe an (vgl. ARD-Jahrbuch

09, S. 195), der sich durch unkomplizierte

und intuitive Bedienung der Technik auszeichnet.

Damit ist ein Reporter in der Lage, alleine

zum Einsatzort zu fahren und dort seine Beiträge

via Satellit oder UMTS zum Funkhaus zu

übermitteln. Das Funkhaus München erhielt im

Produktion und Technik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 187


188

Am 9. 10. feierten die Leipiziger mit dem MDR

FERNSEHEN und MDR FIGARO den 20. Jahrestag

der ersten Montagsdemo.

August ein neues Satellitenberichterstattungs-

Fahrzeug (SNG-Mobil), mit dessen Satellitenspiegel

Datensignale mit bis zu 900 Kilobit pro

Sekunde übertragen werden können. Damit ist

das Fahrzeug in der Lage, auch als Sendestrecke

für große Ü-Wagen zu dienen, welche mehrkanalstereofone

Produktionen live übertragen.

Der MDR schaffte im Berichtsjahr die technischen

Voraussetzungen für die Radio- und

Fernsehübertragung der Olympischen Spiele

aus Vancouver (vgl. Gabriele Arlt, Volker Frank:

Olympische Winterspiele 2010 in Vancouver). Eine

technische Premiere gab es am 9. 10. anlässlich

des Festakts zum Jahrestag der ersten Montagsdemo

1989. Zum ersten Mal wurde im MDR

eine Live-Übertragung mit Untertiteln versehen

und somit Hörgeschädigten der Zugang zu

Live-Angeboten erleichtert.

Ausschließlich für Musikproduktionen vorwiegend

aus dem Bereich der Klassik stellte der

NDR am Landesfunkhaus Niedersachsen einen

neuen Hörfunk-Übertragungswagen bereit,

der den alten Ü30 nach 13 Jahren Betriebszeit

ersetzt. Der neue Ü30 ist der größte Hörfunk-

Ü-Wagen des NDR, bietet fünf Arbeitsplätze

und ist ausgestattet mit Regieraum, Tontechnikraum

und zwei Geräteräumen. Am 5. 11. stellte

der NDR nach elf Monaten Bauzeit schließlich

seinen neuen Übertragungswagen Ü1 mit dazugehörigem

Rüstwagen vor. Die beiden jeweils

zwölf Meter langen Fahrzeuge bieten die volle

technische Ausstattung für die Herstellung von

komplexen HDTV-Produktionen.

Der SR erwarb für die aktuelle Berichterstattung

auf SR 3 Saarlandwelle nach über zehn

Jahren Dienstzeit einen neuen Schnellreporterwagen

mit komplett digitaler Produktions-

technik. Auf Basis eines VW-Transporters

kann der SB-SR-3 vier Stunden ohne externe

Stromversorgung senden, gleich ob via Satellit,

UHF-Richtfunk, klassischer Tonleitung, ISDN-,

UMTS- oder IP-Wählverbindung.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Großereignisse _ NATO-Gipfel, Leichtathletik-WM

und 20 Jahre Mauerfall

Auch wenn 2009 nicht das Jahr der weltumspannenden

Großereignisse war, gab es einige

Herausforderungen an die Produktion- und

Technik-Beauftragten innerhalb der ARD. Der

NATO-Gipfel, der am 3. und 4. 4. gleichzeitig

in Baden-Baden und Straßburg stattfand,

erforderte vom SWR aufgrund der höchsten

Sicherheitsstufe ein Höchstmaß an präziser

Vorausplanung. Ähnliche Ansprüche stellte der

Staatsbesuch des US-Präsidenten Barack Obama

in Sachsen und Thüringen am 4. und 5. 6.

an den MDR, der das Weltbild lieferte, sowie

der G8-Gipfel in L´Aquila vom 8. bis 10. 7. an

den BR, den die ARD mit der Berichterstattung

für Hörfunk und Fernsehen beauftragt hatte.

Ein rundfunktechnisches Highlight für ARD

und ZDF war die Leichtathletik-WM in Berlin.

Vor allem der RBB war maßgeblich beteiligt

am bisher größten HDTV-Showcase, auf den

nicht nur heimische Zuschauer gespannt waren.

Weltweit empfingen 21 Sender ein ausgezeichnetes

HDTV-Signal (vgl. ARD-Jahrbuch 09, S.

99). Bereits im März entschieden die ARD-

Intendanten über die künftige technische Federführung

bei sportlichen Großereignissen. Die

Olympischen Winterspiele bestreiten künftig

der BR und der MDR im Wechsel, die Sommerspiele

der NDR. Die Fußball-EM ging an

den WDR, die WM an den SWR.

Das Hauptstadtstudio Berlin übernahm für

alle sechs Landtagswahlen im Jahr 2009 die

technische Bündelung und hatte zudem die

Bundestagswahl am 27. 9. zu schultern. Im gesamten

deutschsprachigen Raum gab es an diesem

Wahlwochenende keine SNG-Fahrzeuge

mehr anzumieten.

DW-TV übertrug zum 20. Jahrestag des

Mauerfalls ganze 48 Stunden Live-Programm

an nur einem Tag. Je 24 Stunden lang wurden

Beiträge, Hintergrundberichte und Interviews

parallel in Deutsch und in Englisch ausgestrahlt.

Über sieben Sendestrecken konnte sich

die weltweite Zuschauerschaft umfassend informieren.

Für Produktion und Technik war dies

die bisher größte Außenveranstaltung der DW.


Institut für Rundfunktechnik (IRT)

_ Technologie verstehen und umsetzen

Das Jahr 2009 brachte für das IRT vielfältige

und spannende Arbeitsaufträge. Große Aufmerksamkeit

erlangte das IRT mit der europäischen

Initiative »HbbTV« (Hybrid Broadcast

Broadband TV) für hybride Endgeräte, an der

das Institut federführend mitwirkt. Der offene

Standard ermöglicht es, Fernsehprogramme mit

Internetangeboten derart zu verknüpfen, dass

lineare TV-Sendungen mit Angeboten aus dem

Internet in einem Empfangsgerät nahtlos integriert

werden können. Darüber hinaus ergeben

sich mit HbbTV auch verbesserte Darstellungsoptionen

für den Teletext.

Selbstverständlich wurden die Vorbereitungen

von ARD und ZDF zum Start von

HDTV mit umfangreichen Testausstrahlungen

begleitet. Rund 170 Hersteller nutzten dieses

Angebot des IRT und überprüften damit die

HD-Tauglichkeit ihrer Geräte. Ferner testete das

IRT unterschiedliche HDTV-Formatkonverter

für den Einsatz bei den Olympischen Winterspielen

in Vancouver.

Akustikstudio im IRT

Im Bereich der Netzwerktechnologien wirkte

das IRT am EU-weiten Ausschreibungsverfahren

für das ARD-Produktionsnetz HYBNET-

Neu intensiv mit und leitete die dazugehörige

Projektgruppe. Daneben evaluierten die Experten

des IRT auch die Qualität von Netztechniken

auf Basis von IP, an die seitens des Rundfunks

hohe Ansprüche gestellt werden.

Das IRT beschäftigte sich wieder umfassend

mit Entwicklungen im Bereich der Frequenznutzung.

Es unterstützte die Rundfunkanstalten

bei internationalen Funkkonferenzen und arbeitete

weiter an der Sicherung der terrestrischen

Verbreitung. So wurden technische Konzepte

entwickelt, um Störungen durch alte und neue

Mobilfunktechniken zu vermeiden, die sich auf

den terrestrischen Rundfunk sowie auf Kabelan-

lagen auswirken können. Das IRT untersuchte

zudem das Potenzial neuer Funktechniken hinsichtlich

der Eignung für den Rundfunk u. a.

durch den Aufbau von Testsendern. Neben

DVB-T2 wurde auch das Leistungsspektrum der

neuen Mobilfunktechnik LTE geprüft.

Rundfunk-Betriebstechnik GmbH (RBT)

_ Ingenieurbüro von ARD und ZDF

Kennzeichnend für das Geschäftsjahr 2009 war

der Wunsch des WDR, als neunter Gesellschafter

einzutreten. Die notwendigen Absprachen

konkretisierten sich schließlich im Beitritt des

WDR zum 1. 1. 2010.

Auch das Tätigkeitsfeld wurde 2009 sinnvoll

ergänzt und erweitert. Die RBT konnte in zunehmendem

Maße das Know-how, das sie aufgrund

ihrer langjährigen Prüf- und Messtätigkeit

besitzt, an möglichst vielen Stellen bei ihren

Gesellschaftern einsetzen und so den ihr zugrunde

liegenden Pool-Gedanken bestmöglich

verwirklichen. So unterstützte sie in einer Vielzahl

von Fällen die Rundfunkanstalten bereits

in der Planungsphase ihrer Investitionsprojekte.

Sie half mit, Leistungsverzeichnisse zu erstellen

und Vergabeentscheidungen vorzubereiten.

Mittlerweile ist ein Teil der RBT-Mitarbeiter

auch für Projektmanagement zertifiziert und

in den Grundlagen des EU-Vergaberechts so

geschult, dass im Dialog mit den Betriebs-,

Planungs- und Beschaffungsabteilungen im gesamten

Umfeld von Investitionsprodukten optimale

Ergebnisse erzielt werden.

Auf der technischen Seite gelang es der RBT,

die Bearbeitung des Themengebietes SNG (Satellite

News Gathering) zu professionalisieren.

Bisher wurde die mobile Satellitenübertragung

als Querschnittsgebiet mehrerer Abteilungen

gesehen. Mit der Einstellung eines weiteren

Ingenieurs speziell für SNG ist die Bearbeitung

der audio-, video- und steuerungstechnischen

Probleme nun in einer Hand konzentriert.

Ein herausragendes Projekt der RBT war die

Unterstützung des MDR bei den Vorbereitungen

für die Olympischen Winterspiele in

Vancouver. Die RBT hatte dabei beratende

Funktion für die damit befassten Planungs- und

Systemservice-Abteilungen des MDR, der innerhalb

der ARD die Federführung innehatte.

Auf dem Weg von einer Prüf- und Abnahmeorganisation

hin zu einem »Ingenieurbüro von

ARD und ZDF« ist die RBT im Berichtsjahr

2009 wieder einen erheblichen Schritt weitergekommen.

Produktion und Technik 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 189


190

Gemeinschaftseinrichtungen 2009

Degeto: Erfolgreiche Auftragsproduktionen

für die ARD • Deutsches Rundfunkarchiv: Aufarbeitung

der DDR-Bestände und Vernetzung der modernisierten

Datenbanken • Gebühreneinzugszentrale: Gesteigerte

Gesamterträge durch Gebührenerhöhung •

ARD.ZDF medienakademie: Ganz nah an den

Rundfunkanstalten

Foto oben: Christine Neubauer in der

Degeto-Produktion »Meine Heimat Afrika«

Degeto Film GmbH _ Erfolgreiche Auftragsproduktionen für die ARD

Im Jahr 2009 erwarb die Degeto Film GmbH

für die Landesrundfunkanstalten und deren

Werbegesellschaften wieder Spielfilme, TV-Movies

und Fernsehserien aus aller Welt. Darüber

hinaus schloss sie Verträge über Kofinanzierungen

mit umfangreichen Verwertungsrechten

für den deutschsprachigen Raum ab.

Wie in den Vorjahren wickelte die Degeto

Auftragsproduktionen, so genannte Buyouts,

ab, mit denen sie eigene Filmbestände mit hohem

Unterhaltungswert aufbaut. Unter den

Produktionen waren 2009 Publikumserfolge wie

die preisgekrönte besinnliche Komödie »Annas

zweite Chance« mit Christiane Hörbiger, der

dramatische Abenteuerfilm »Meine Heimat

_ Programmzulieferungen der Degeto in Minuten

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

2009 2008 Veränderung

Das Erste (inkl.

Vormittagsprogramm) 146 297 143 634 + 1,9 %

Vorabendprogramm 24 240 23 880 + 1,5 %

Dritte Programme 398 237 405 668 – 1,8 %

3sat / ARTE / KI.KA 30 075 31 643 – 4,9 %

ARD Digital / PHOENIX 101 360 57 366 + 76,7 %


Sophie und Fritz Wepper in »Mord in bester

Gesellschaft – Der süße Duft des Bösen«

Afrika« mit Christine Neubauer sowie der spannende

Reihentitel »Mord in bester Gesellschaft

– Der süße Duft des Bösen« mit Fritz Wepper

als psychologisch feinfühligem Ermittler.

Für Lizenzeinkäufe, Gemeinschaftsproduktionen,

Kofinanzierungen, Materialbeschaffungen

und Synchronisationen wandte die Degeto

insgesamt rund 426 Mio Euro auf (Vorjahr:

394 Mio Euro). In dieser Summe enthalten ist

ein Betrag von etwa 44 Mio Euro, für den die

Degeto Programme beschaffte, die nur für einzelne

Landesrundfunkanstalten bestimmt waren

(Vorjahr: 41 Mio Euro).

Im Ganzen wurden 2009 aus dem ARD/

Degeto-Stock – das ARD-Vorabendprogramm

ausgenommen – 9 835 Sendeplätze mit 675 968

Sendeminuten bedient. Dies entspricht einer

Sendedauer von rund 469 Tagen Programm

ohne Unterbrechung. Gegenüber 2008 mit

638 311 Sendeminuten bedeutet dies einen Anstieg

um etwa 5,9 Prozent. Bezogen auf die Gesamtdauer

aller ARD-Programmeinsätze im Ersten

in 2009 von 453 970 Minuten entsprechen

die Degeto-Programmeinsätze mit 146 297 Minuten

einem Programmanteil von 32,2 Prozent.

Deutsches Rundfunkarchiv (DRA)

_ Aufarbeitung der DDR-Bestände und

Vernetzung der modernisierten Datenbanken

Besondere Beachtung in der Öffentlichkeit fanden

im Jahr 2009 aus der Sicht des Deutschen

Rundfunkarchivs (DRA) zwei Ereignisse: zum

einen der Start einer DVD-Edition aus den

Babelsberger Fernsehbeständen unter dem Label

»DDR-TV-Archiv« Mitte des Jahres, zum

anderen im November die Zuerkennung des

Preises »Ausgewählter Ort 2010« im Rahmen des

Innovationswettbewerbs »365 Orte im Land der

Ideen«, der mit dem Titel »Deutschland – Land

der Ideen« unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten

steht.

Ausgezeichnet wurde das im DRA Babelsberg

entwickelte Internetangebot »1989 – 1990:

Wende-Zeiten. Bilder, Töne, Kommentare

aus dem DDR-Fernsehen«, das anlässlich des

20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls und der

Wiedervereinigung ungewöhnliche Rückblicke

präsentiert und die besondere Sichtweise des

DDR-Fernsehens auf die Ereignisse im eigenen

Land darstellt.

Nach einiger Vorbereitungszeit hat die seitens

der ARD mit der Verwertung des DDR-

Programmvermögens beauftragte RBB Media

GmbH innerhalb eines Verwerter-Konsortiums

damit begonnen, die Fernsehbestände des DDR-

Fernsehens zu analysieren. Ferner wurde ein Beirat

aus Vertretern der »Erben«-Anstalten MDR,

NDR und RBB sowie dem DRA geschaffen.

Der Beirat soll die Verwerter bei der Auswahl

aus dem Programmvermögen beraten und jeden

Titel im Einzelnen freigeben. Im Berichtsjahr

konnten bereits die ersten elf Mehrteiler erscheinen,

darunter bekannte Produktionen wie »Sachsens

Glanz und Preußens Gloria« als teuerste

Literaturverfilmung der DDR oder die Antwort

der DDR auf James Bond, der Spionage-Thriller

»Das unsichtbare Visier«.

Auch die Modernisierung der DRA-Datenbanken

wurde weiter vorangebracht. Im Mai

2009 konnte nach einem vorher erstellten Marketing-Konzept

die gemeinsam mit dem WDR

konzipierte Ereignisdatenbank ZEIT-LUPE in

der ARD an den Start gehen. Im Sommer löste

das DRA die hostbasierte Bilddatenbank

ZBD ab und migrierte die Daten auf ein neues

Client-Server-System. Die Migration beider

Systeme war ein wichtiger Meilenstein auf dem

Weg zur geplanten Ablösung des Großrechnersystems

ZUN.

Das Angebot der »Wende-Zeiten« richtet sich

auch an die Öffentlichkeit (http://1989.dra.de).

Gemeinschaftseinrichtungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 191


192

Die vom DRA in Kooperation mit HR, RBB, SR

und SWR betriebene Bilddatenbank

Mit dem Produkt ZEIT-LUPE verfolgen

DRA und WDR das grundsätzliche Ziel, den

Redaktionen der ARD ein nützliches Online-

Werkzeug bereitzustellen, das ihnen nach direkter

Auswahl am Bildschirm viele Hinweise

zur Programmgestaltung liefert. ZEIT-LUPE

errechnet nach festgelegten Standard-Algorithmen

Jubiläumsdaten von Personen und Ereignissen

und dient dokumentarisch orientierten

Sendungen als Ideengeber. ZEIT-LUPE enthält

fast 250 000 Ereignisdaten, ist gekoppelt an die

Normdatenbank der ARD, die zusätzlich Daten

über bekannte Persönlichkeiten der Musikgeschichte

und des öffentlichen Lebens enthält,

und kann leicht per Webbrowser über das Corporate

Network der ARD aufgerufen werden.

Auch die neue Bilddatenbank wird durch

das DRA in Kooperation mit HR, RBB, SR

und SWR betrieben. Die Datenbank ging planmäßig

im Sommer in Produktion und umfasst

vor allem historische Bildbestände der beteiligten

Partner sowie alle Fotos und Bilder aus

dem ARD-Jahrbuch. Die Datenbank enthielt

Ende 2009 einen recherchierbaren digitalen

Bildbestand von mehr als 60 000 Motiven und

Nachweise über analoge Bildbestände in den

angeschlossenen Archiven. Bilddatenbank und

ZEIT-LUPE sind bereits so verbunden, dass sich

Ereignis- und Personendaten mit Bildern illustrieren

lassen. Die Planung sieht vor, dass auch

Multimedia-Objekte aus ARD-Datenbanken

angehängt werden können.

Die Nutzungszahlen des DRA lagen 2009

wieder stabil auf hohem Niveau mit teilweise

deutlichen Steigerungen bei den Recherchezahlen

und Aufträgen zur Rechteermittlung. Die

Rundfunkanstalten der ARD, das Deutschlandradio

und das ZDF sind mit rund 60 Prozent

aller Aufträge für programmliche Zwecke unver-

ändert die Hauptnutzer der Dienstleistungen des

DRA. Der Rest verteilt sich auf Wissenschaft

und Forschung, kommerzielle Verwertung und

Öffentlichkeit.

Gebühreneinzugszentrale (GEZ)

_ Gebührenerhöhung stabilisiert Gesamterträge

Nachdem die Gebührenerträge im Jahr 2008

erstmalig gesunken waren, stiegen sie im Jahr

2009 wieder auf rund 7,6 Mrd Euro (Vorjahr:

7,26 Mrd Euro) an. Die Gesamterträge (Rundfunkgebührenerträge

und andere Erträge im

Zusammenhang mit dem Gebühreneinzug)

lagen damit um rund 340 Mio Euro über dem

Vorjahresergebnis. Diese Entwicklung der Gesamterträge

im Jahr 2009 resultiert aber einzig

aus der Gebührenerhöhung zum 1. 1. 2009 von

5,52 Euro auf 5,76 Euro (Grundgebühr) bzw. von

17,03 Euro auf 17,98 Euro (volle Gebühr) pro

Monat. Bereinigt um die Gebührenerhöhung

gingen die Erträge auch im vergangenen Jahr

weiter zurück.

Zum Jahresende führte die GEZ rund 41,9

Mio Rundfunkteilnehmerkonten in ihrem Datenbestand.

Zu diesen Teilnehmerkonten waren

insgesamt rund 42,9 Mio Hörfunkgeräte, rund

36,7 Mio Fernsehgeräte und rund 255 000 neuartige

Rundfunkgeräte angemeldet (gebührenpflichtige

und gebührenbefreite Geräte). Der

Anteil der angemeldeten Hörfunkgeräte sank

hierbei um mehr als 173 000, der der Fernsehgeräte

um rund 181 000 Geräte. Lediglich bei

den neuartigen Rundfunkgeräten konnte ein

Zuwachs um rund 64 000 Geräte im Vergleich

zum Vorjahr verzeichnet werden.

Die Anzahl der gebührenbefreiten Rundfunkgeräte

ist im Bereich »Hörfunk« um

rund 101 000 Geräte (2,75 Prozent), im Bereich

»Fernsehen« um mehr als 127 000 Geräte (3,72

Prozent) und im Bereich »Neuartige Rundfunkgeräte«

um rund 3 100 Geräte (70,51 Prozent)

gestiegen. Der Rückgang der Teilnehmerkonten

insgesamt und die steigende Anzahl der gebührenbefreiten

Teilnehmerkonten ist zum einen

der demografischen Entwicklung, zum anderen

der wirtschaftlichen Situation der Bevölkerung

in Deutschland sowie einer verminderten Akzeptanz

der Rundfunkgebühren und des öffentlich-rechtlichen

Rundfunksystems geschuldet.

In den Bereichen »Datenerfassung« und

»Teilnehmerbetreuung« gingen umgerechnet auf

den Arbeitstag rund 83 000 Geschäftsvorgänge

(ohne Zahlungsverkehr und Sondermaßnahmen

zum Lastschriftverfahren) schriftlich oder

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


über elektronische Medien ein. Im Callcenter-

Verbund der GEZ wurden durchschnittlich an

jedem Arbeitstag rund 16 000 Telefongespräche

angenommen. Im Berichtsjahr kostete das Führen

eines Teilnehmerkontos im Durchschnitt

3,85 Euro (Vorjahr: 3,87 Euro).

Die Gesamtaufwendungen betrugen im vergangenen

Geschäftsjahr rund 161,6 Mio Euro

(Vorjahr: 164,4 Mio Euro). Das entspricht nur

2,13 Prozent (Vorjahr: 2,26 Prozent) an den Gesamterträgen.

Der Rückgang der Aufwendungen

für den Gebühreneinzug ist im Wesentlichen

auf die in den vergangenen Jahren durchgeführten

Optimierungs- und Rationalisierungsmaßnahmen

im Zusammenhang mit dem

neuen DV-System zurückzuführen.

Die GEZ hat auch im vergangenen Geschäftsjahr

die Aktivitäten zur Stärkung der

Gebührenakzeptanz sowie die Maßnahmen zur

Optimierung des Kundenservice fortgesetzt.

Sie bietet den Rundfunkteilnehmern ihren Telefonservice

zu einem wesentlich günstigeren

Tarif an und hat die Servicezeiten von 7.00 bis

19.00 Uhr erweitert. Auch ihren Briefstil hat die

GEZ verbessert, um den Kunden zu vermitteln,

dass ihre Anliegen zeitnah, kompetent und

nachvollziehbar bearbeitet werden. Außerdem

wurden die Schreiben auf ein modernes Schriftbild

umgestellt. Die Bearbeitungszeiten von

Kundenvorgängen konnten zusätzlich verkürzt

werden.

Darüber hinaus hat die GEZ-Kampagne

»Natürlich zahl’ ich«, die den Fairness-Gedanken

und den Aspekt der Gebührengerechtigkeit

in den Vordergrund stellt, auch im Jahr 2009

dazu beigetragen, die Marktausschöpfung weiter

zu steigern. Die GEZ richtet sich mit ihren

Marketingaktivitäten einerseits an die Nichtanmelder,

andererseits aber auch an die angemeldeten

Teilnehmer, um diese in ihrem Verhalten

zu bestärken.

ARD.ZDF medienakademie

_ Ganz nah an den Rundfunkanstalten

Multimediales Arbeiten war 2009 ein bedeutendes

Thema in den Rundfunkanstalten. Darauf

hat die ARD.ZDF medienakademie mit

zahlreichen Angeboten reagiert, darunter das

Seminar »Konvergenz gestalten – International:

BBC«. Im Zentrum stand der Besuch der Kursteilnehmer

beim trimedialen Newsroom des Television

Centre der BBC in London.

Wesentliche Fragen der Programmmacher

waren 2009 wieder, wie hervorragende Quoten

entstehen und wie es andererseits zu Einbrüchen

in den Ergebnissen der Medienanalyse

kommt. Um die Antworten zusammenzutragen,

initiierte die Akademie eine neue Veranstaltungsreihe,

die sich auf Programmbeobachtung

und Qualitätsmanagement im Radio konzentriert.

Sie startete im ARD-Hauptstadtstudio

Berlin und wird in loser Folge fortgesetzt. Parallel

hierzu beschäftigt sich die Reihe »Fernsehen

verjüngen« mit der Frage, wie junge Zielgruppen

sinnvoll erreicht werden können.

Die Abkürzung HDTV (High Definition Television)

bezeichnet einen gewaltigen Umbruch

in Technik und Programm. Die ARD.ZDF

medienakademie begleitete beide Seiten bei diesem

Prozess, indem die Seminare den aktuellen

Entwicklungen angepasst wurden. Ebenfalls

abgestimmt auf die aktuellen Bedürfnisse der

Rundfunkanstalten wurde das Qualifizierungsangebot

für die Fachkräfte aus den Bereichen

»Honorare, Lizenzen, Archive«.

Die Mitarbeiter der Akademie sind immer

häufiger vor Ort in den Rundfunkanstalten

anzutreffen, um dadurch Nähe zur Praxis und

zu aktuellen Themen aufzubauen. Damit diese

Kontakte noch fruchtbarer gestaltet werden

können, wurde 2009 sichergestellt, dass es für

jede Rundfunkanstalt ein Mitglied aus der Geschäftsführung

als zentralen Ansprechpartner

gibt. Es steht für die speziellen Fragen und

Anregungen rund um die Fortbildung zur Verfügung.

Gemeinschaftseinrichtungen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 193


194

Medienforschung 2009

Sehdauer bleibt hoch • Das Erste und die Dritten vorn

• Das Informationsangebot des Ersten und dessen Nut-

zung haben zugenommen • »Tagesschau« nach wie vor

meistgesehene Nachrichtensendung • »Eurovision Song

Contest« und »2009 – Das Quiz« meistgesehene Unter-

haltungssendungen im Ersten • ARD/ZDF-Wahlmonitor

2009 • Große Resonanz auf Fußball-Länderspiele •

Das Erste: Wertschätzung auf konstant hohem Niveau •

Dritte Programme in der Summe an der Spitze • ARD/

ZDF-Online-Studie 2009 • Unterhaltungssendungen

und Ratgeber stark nachgefragt • JIM-Studie 2009

Media Analyse 2010 Radio I: ARD-Programme dominie-

ren weiter den Markt • Kultur- und Infoprogramme

bleiben erfolgreich • Unterschiede in den Regionen •

DW-TV, DW-RADIO und DW-WORLD.DE

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Das Erste blieb im Jahr 2009 mit einem Marktanteil

von 12,7 Prozent Marktführer. Die Dritten

Programme zusammengenommen erreichten

sogar 13,5 Prozent. Den dritten Platz teilen sich

das ZDF und RTL, erneut der erfolgreichste

Privatsender, mit jeweils 12,5 Prozent Marktanteil.

Die öffentlich-rechtlichen Kultursender

ARTE und 3sat erreichten Marktanteile von

0,7 bzw. 1,1 Prozent. Die gemeinsam von ARD

und ZDF getragenen Programme, der Ereignis-

und Dokumentationskanal PHOENIX und der

Kinderkanal KI.KA, erzielten Marktanteile von

1,0 bzw. 2,1 Prozent (vgl. Medienforschungsdaten

2009, Tabelle 14/15).

Den hier genannten Fernsehnutzungszahlen

liegt das so genannte Fernsehpanel D + EU

zugrunde, d. h., sie beziehen sich nicht nur auf

die deutschen Bundesbürger (ab drei Jahren),

sondern auch auf die in Deutschland lebenden

EU-Bürger. Seit dem 1. 7. 2009 wird zusätzlich

die Fernsehnutzung von Gästen der in den

Panelhaushalten lebenden Mitglieder als Teil

der Außer-Haus-Nutzung gemessen und ausgewiesen.

Auch die zeitversetzte und verzögerte

Nutzung, sofern eine aufgezeichnete Sendung

innerhalb der nächsten drei Tage angeschaut

wird, kann erfasst werden. Aus diesen Gründen

sind die Daten mit denen des Vorjahrs nicht

voll vergleichbar.


Nach der im März 2010 veröffentlichten Media

Analyse (ma 2010 Radio I) hörten 2009 gut

56 Millionen in Deutschland lebende Bürger

ab zehn Jahren Radio. Die durchschnittliche

tägliche Hördauer betrug 181 Minuten. Die Hörfunkprogramme

von ARD und Deutschlandradio

kamen dabei auf einen Marktanteil von 57,5

Prozent. 50,2 Prozent oder knapp 37 Millionen

Bürger hörten täglich im Durchschnitt eines der

in der Analyse erfassten öffentlich-rechtlichen

Radioprogramme.

Fernsehkonsum _ Sehdauer bleibt hoch

Die tägliche Sehdauer der Bundes- und EU-

Bürger in Deutschland betrug an einem durchschnittlichen

Tag im Jahr 2009 drei Stunden

und 32 Minuten. Ein Vergleich mit der Fernsehzeit

in den vergangenen 17 Jahren zeigt, dass

nur im Jahr 2006 der Fernsehkonsum einen

gleich hohen Umfang aufwies. Weiterhin besteht

ein Zusammenhang zwischen Alter und

Sehdauer: Je älter man ist, desto mehr Zeit verwendet

man für das Fernsehen. Auch regionale

Unterschiede bleiben bestehen. In Ostdeutschland

wird nach wie vor mehr ferngesehen als in

Westdeutschland: 249 Minuten verbrachte der

Zuschauer dort im Durchschnitt vor dem TV-

Gerät. In Westdeutschland waren es 45 Minuten

weniger.

Kinder zwischen drei und 13 Jahren sahen in

Ostdeutschland durchschnittlich 103 Minuten

fern am Tag, bei Kindern in Westdeutschland

betrug die tägliche Sehdauer 86 Minuten.

Fernsehmarkt _ Das Erste und die Dritten der ARD vorn

2009 wurde Das Erste, wie schon erwähnt, mit

einem Marktanteil von 12,7 Prozent das sechste

Jahr in Folge Marktführer. Von den 212 Minuten,

die in Deutschland an einem durchschnittlichen

Tag ferngesehen wurden, entfielen knapp

27 Minuten auf das Gemeinschaftsprogramm

der ARD. Nach Marktanteilen standen die Dritten

der ARD mit in der Summe 13,5 Prozent

sogar etwas besser da. Das ZDF und RTL teilen

sich mit je 12,5 Prozent den dritten Platz. Es folgen

Sat.1 mit 10,4, ProSieben mit 6,6 und VOX

mit 5,4 Prozent. Den sechsten Platz belegten

RTL II und kabel eins mit jeweils 3,9 Prozent.

Die Spitzenstellung der öffentlich-rechtlichen

Sender bestätigte sich auch in der Prime

Time zwischen 20.00 und 23.00 Uhr. Das Erste

war in der publikumsstärksten Zeit mit 15,3

Prozent Marktführer, gefolgt von den Dritten

mit 15,1 Prozent und dem ZDF mit 14,2 Prozent

Marktanteil. Der kommerzielle Sender RTL erreichte

13,1 Prozent. Sat.1 kam mit 7,6 Prozent

auf den fünften Platz. In der erweiterten Prime

Time zwischen 20.00 und 1.00 Uhr belegten

die öffentlich-rechtlichen Sender ebenfalls die

Spitzenpositionen: Die Dritten lagen vorn und

kamen zusammen auf 14,9 Prozent. Das Erste

folgte mit 14,1 Prozent auf dem zweiten Platz

in dieser Zeitspanne. Das ZDF erreichte 13,7

Prozent. RTL belegte mit 13,2 Prozent wieder

den vierten Platz, Sat.1 kam mit 7,5 Prozent auf

Platz fünf.

Im Vorabendprogramm zwischen 18.00 und

20.00 Uhr holten die Dritten Programme mit

ihren regionalen Angeboten den ersten Platz.

Sie kamen in der Summe auf 16,2 Prozent. Auf

Platz zwei schaffte es das ZDF mit 15,1 Prozent,

gefolgt von RTL mit 13,1 Prozent. Das Erste erreichte

mit 11,2 Prozent den vierten Platz. Sat.1

kam mit 8,9 Prozent auf Platz fünf. Es folgten

ProSieben mit 6,2 Prozent und VOX mit 5,7

Prozent.

Im Nachmittagsprogramm zwischen 15.00

und 18.00 Uhr belegte Das Erste mit 14,3 Prozent

den zweiten Platz. An der Spitze befand

sich Sat.1 mit 16,6 Prozent. Das ZDF kam mit

12,1 Prozent auf Platz drei, gefolgt von den Dritten

Programmen, die es in der Summe auf 11,1

Prozent brachten. RTL landete mit 10,1 Prozent

auf Platz fünf.

Im Nachtprogramm zwischen 1.00 und 3.00

Uhr waren die Dritten mit 12,5 Prozent Marktführer,

dicht gefolgt von RTL mit 12,3 Prozent.

VOX belegte mit 8,6 Prozent den dritten Platz

in dieser Zeit. In den übrigen, eher publikumsschwachen

Zeitspannen zwischen 3.00 und 15.00

»Eisbär, Affe & Co.« im Nachmittagsprogramm

des Ersten erzählt Tiergeschichten

aus der Stuttgarter Wilhelma.

Medienforschung 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 195


196

Shary Reeves und Ralph Kaspers moderieren

»Wissen macht Ah!« im KI.KA.

Uhr waren RTL und Sat.1 an der Spitze. Mit einem

Marktanteil von 13,3 Prozent schaffte RTL

in der Zeit von 3.00 bis 6.00 Uhr den ersten

Platz, Sat.1 kam mit 11,3 Prozent auf Platz zwei.

Umgekehrt war es in der Zeit von 6.00 bis 15.00

Uhr. Hier belegte Sat.1 mit 13,2 Prozent Platz

eins, RTL erreichte mit 12,2 Prozent Platz zwei.

Das Erste kam in der Zeit von 3.00 und 6.00

Uhr auf 7,1 und in der Zeit von 6.00 bis 15.00

Uhr auf 11,1 Prozent, die Dritten zusammen

auf 8,6 und 11,1 Prozent. In der Nacht sowie am

Vormittag und frühen Nachmittag spielten die

Sonstigen die größte Rolle, deren Marktanteile

in der Summe zwischen 1.00 und 3.00 Uhr 19,8,

zwischen 3.00 und 6.00 Uhr 21,4 und zwischen

6.00 und 15.00 Uhr 14,0 Prozent betrugen und

damit immer über dem Marktanteil des bestplatzierten

Einzelprogramms lagen.

Der von ARD und ZDF gemeinsam getragene

Kinderkanal KI.KA konnte im Berichtsjahr

in seiner Sendezeit zwischen 6.00 und

21.00 Uhr bei Kindern zwischen drei und 13

Jahren einen Marktanteil von 18,6 Prozent erreichen.

Marktführer blieb aber Hauptkonkurrent

Super RTL, der sich mit 23,4 Prozent behauptete.

Der kommerzielle Sender Nick kam auf

einen Marktanteil von 11,5 Prozent.

Programmanteile und Nutzungsverhalten

_ Das Informationsangebot des Ersten und dessen

Nutzung haben zugenommen

Das Informations- und Infotainmentangebot

des Ersten hat sich 2009 um 1,3 Punkte erweitert

und belief sich damit auf 44,6 Prozent des Gesamtprogramms.

Die Nachfrage danach hat sich

sogar um 2,2 Prozentpunkte auf 35,9 Prozent

erhöht. 39,3 Prozent ihrer mit dem Ersten verbrachten

Zeit widmeten die Bundesbürger fiktionalen

Sendungen, deren Programmanteil sich

auf 39,3 Prozent erhöhte. Der Unterhaltungsanteil

hat sich um 0,7 Punkte auf 5,9 Prozent reduziert.

Die Nutzungszeit für Unterhaltungsangebote

lag bei 9,9 Prozent.

Der Sportanteil sank in einem Berichtsjahr

ohne die ganz großen Sportereignisse auf 5,9

Prozent, ebenso die Nachfrage nach dieser Programmsparte,

die um 5,4 Punkte auf 11,4 Prozent

sank.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Information _ »Tagesschau« nach wie vor meistgesehene

Nachrichtensendung

Mit einem Marktanteil von 32,3 Prozent und

durchschnittlich 8,86 Millionen Zuschauern war

die »Tagesschau« um 20.00 Uhr, ausgestrahlt

im Ersten, fünf Dritten Programmen sowie in

3sat und PHOENIX, mit Abstand die meistgesehene

Nachrichtensendung. Die 19.00-Uhr-

»heute«-Sendung des ZDF, von ZDF und 3sat

vor 3,77 Millionen Zuschauern ausgestrahlt,

kam auf einen Marktanteil von 17,1 Prozent. Im

Schnitt 3,79 Millionen Menschen schalteten um

18.45 Uhr »RTL aktuell« ein, das einen Marktanteil

von 18,2 Prozent erzielte. Die »Tagesthemen«

erreichten durchschnittlich 2,26 Millionen

Zuschauer und einen Marktanteil von 10,7

Prozent.

Bis auf die Ausnahme »stern TV« von RTL

belegten ARD und ZDF wie in den Vorjahren

die ersten 20 Plätze der Rangliste der am meisten

gesehenen Informationssendungen. An der

Michael Zeiß berichtete im »Brennpunkt«

über den NATO-Gipfel in Baden-Baden.


Spitze stand wieder der ARD-»Brennpunkt«,

dessen Einzelausgaben bei einem Marktanteil

von 15,6 Prozent durchschnittlich rund 4,68 Millionen

Zuschauer fesselten. 5,52 Millionen schalteten

am 29. 4. nach der »Tagesschau« ein, um

sich über die Schweinegrippe zu informieren.

Nach dem Amoklauf in Winnenden verfolgten

6,70 Millionen Zuschauer den »Brennpunkt«.

Am 3. 4. wollten 3,13 Millionen Bürger mehr

über den Besuch von US-Präsident Barack Obama

in Deutschland wissen.

An dritter Stelle der meistgesehenen Informationssendungen

lag »Plusminus«, das Wirtschaftsmagazin

des Ersten, das dienstags um

21.55 Uhr von durchschnittlich 3,53 Millionen

Zuschauern eingeschaltet wurde und einen

Marktanteil von 12,9 Prozent erzielte. Das Politikmagazin

»Panorama« erreichte 3,15 Millionen

Zuschauer bei einem Marktanteil von 11,9 Prozent.

Damit kam es auf Platz vier. »Monitor«

(Platz sieben) sahen bei einem Marktanteil von

11,2 Prozent im Schnitt knapp drei Millionen

Zuschauer. »Kontraste« erreichte den elften

Platz. 10,4 Prozent Marktanteil und im Schnitt

2,80 Millionen Zuschauer konnte das Magazin

für sich verbuchen. Die beiden ARD-Magazine

»Report München« und »Report Mainz« landeten

auf Platz zehn und Platz 13. Sie erreichten

Marktanteile von 10,0 und 9,7 Prozent (vgl. Die

politischen Magazine im Ersten).

Bei den politischen Diskussionssendungen

hat sich an der Präferenz der Zuschauer nichts

geändert. Auch in diesem Berichtsjahr lag Anne

Wills gleichnamige Sendung an der Spitze und

erzielte einen Marktanteil von 13,4 Prozent.

»hart aber fair« und »Menschen bei Maischberger«

kamen auf Marktanteile von 12,4 bzw. 12,2

Prozent.

Die Sendung mit der höchsten Reichweite

im Berichtsjahr war das TV-Duell der beiden

Kanzlerkandidaten. Dieses Ereignis wurde am

13. 9. zeitgleich von fünf Sendern übertragen.

In der Summe erreichten Das Erste, ZDF,

RTL, Sat.1 und PHOENIX 14,26 Millionen Zuschauer.

Davon schalteten 7,85 Millionen Menschen

Das Erste ein, das entspricht 55 Prozent

aller Zuschauer der Sendung. Zusammen mit

den 3,48 Millionen Personen, die das Duell im

ZDF verfolgten, versammelten sich also fast 80

Prozent des Publikums bei den beiden öffentlich-rechtlichen

Hauptprogrammen.

Unterhaltung und Fiktion

_ »Eurovision Song Contest« und »2009 – Das Quiz«

meistgesehene Unterhaltungssendungen

im Ersten

Die beiden erfolgreichsten ARD-Sendungen

der Sparte Unterhaltung waren 2009 der

»Eurovision Song Contest« mit 7,33 Millionen

und »2009 – Das Quiz« mit 6,89 Millionen

Zuschauern. Mit Marktanteilen von 31,0 bzw.

21,8 Prozent belegen sie Platz drei und vier der

Rangliste der meistgesehenen Unterhaltungssendungen

des letzten Jahres. Bei tendenziell

abnehmendem Interesse an Fernsehübertragungen

von Karnevalssitzungen schaffte es

in diesem Jahr nur eine Sendung dieses Typs

unter die ersten Zehn in der Beliebtheitsskala.

»Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht«,

mit dessen Ausstrahlung sich ARD und ZDF

jährlich abwechseln, erreichte 6,48 Millionen

Menschen. Das entspricht einem Marktanteil

von 23,3 Prozent.

Meistgesehener »Tatort« des Jahres 2009:

»Die Tempelräuber« vom WDR

Auch 2009 standen Krimis ganz weit vorne

in der Gunst der Zuschauer. Allein zwölf »Tatorte«

finden sich in der Liste der meistgesehenen

15 Fernseh- und Spielfilme. Mit einem

Marktanteil von 26,4 Prozent führte die Folge

»Die Tempelräuber« die Rangliste an. Den

vom WDR produzierten Film mit Kriminalhauptkommissar

Frank Thiel (Axel Prahl) und

Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne

(Jan Josef Liefers) sahen sich am 25. 10.

9,86 Millionen Menschen an. Generell präferierten

die Zuschauer vor allem deutsche

Eigenproduktionen. 9,53 Millionen Menschen

Medienforschung 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 197


198

wollten sehen, wie die Kommissare Max Ballauf

(Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk

(Dietmar Bär) in »Platt gemacht« am 4. 10. den

Mord an einem jungen Obdachlosen aufklärten.

Mit einem Marktanteil von 27,1 Prozent

landet dieser Film auf Platz drei der Rangliste.

». . . es wird Trauer sein und Schmerz« ist der

Titel des vom NDR produzierten »Tatorts«

mit Maria Furtwängler als Hauptkommissarin

Charlotte Lindholm. 9,13 Millionen Zuschauer

(Marktanteil: 24,4 Prozent) verfolgten die Ermittlungen

in Hannover.

Auch zeitgeschichtliche Filme stießen beim

Publikum auf großes Interesse. Die Verfilmung

der Autobiografie von Marcel Reich-Ranicki

»Mein Leben«, von der Kindheit in Polen und

Deutschland über das Warschauer Ghetto und

den Zweiten Weltkrieg bis zu seiner Rückkehr

nach Deutschland, schalteten 3,76 Millionen

Menschen ein. Die zweiteilige Fernsehfassung

der Film-Fernseh-Produktion »Der Baader

Meinhof Komplex« (NDR/WDR/BR/Degeto,

22./23. 11) sahen durchschnittlich rund fünf Millionen

Zuschauer.

Christiane Hörbiger und Friedrich von Thun

in »Annas zweite Chance«

Der erfolgreichste Fernsehfilm außerhalb

einer Reihe war »Annas zweite Chance« im

Ersten mit Christiane Hörbiger in der Hauptrolle.

7,46 Millionen schauten zu, wie sich die

ehemalige Millionärsgattin Anna Klahsen als

Marktfrau in Wien eine neue Existenz aufbaut.

In der Liste der zehn erfolgreichsten Fernsehserien

und -reihen ist Das Erste insgesamt

sieben Mal vertreten. Wie im Vorjahr steht

der »Tatort« an der Spitze, dessen Folgen im

Schnitt von 7,76 Millionen Zuschauern eingeschaltet

wurden (Marktanteil: 22,6 Prozent).

Die achte Staffel der Dienstags-Serie »Um

Himmels Willen« war mit 13 neuen Folgen

ARD/ZDF-Wahlmonitor

Das Erste: glaubwürdig und verständlich

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

In den Tagen nach der Bundestagswahl

befragte das Institut medialine media telefonisch

im Auftrag von ARD und ZDF

1 228 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte

Bundesbürger zur Wahlberichterstattung.

Die Umfrage ergab: Fernsehen bleibt

die wichtigste Informationsquelle. 69 Prozent

der Befragten gaben an, sich im Fern -

sehen über den Wahlkampf informiert

zu haben. 44 Prozent nutzten Zeitungen,

gefolgt vom Hörfunk mit 23 Prozent. Im

Internet informierten sich 18 Prozent über

die Wahlen, 14 Prozent der Befragten gaben

Zeitschriften als Informationsquelle

an. 66 Prozent der Wahlberechtigten sahen

sich mindestens eine der zahlreichen

Wahlsondersendungen im Fernsehen an.

Dies entspricht rund 39 Millionen Bürgern.

Mehr als 25 Millionen von ihnen informierten

sich ausschließlich im Ersten und im

ZDF über den Wahlkampf. 74 Prozent der

Befragten beurteilten die entsprechenden

ARD-Sendungen mit »gut« oder »sehr

gut«, 70 Prozent die des ZDF. 41 Prozent

bewerteten die RTL-Berichterstattung positiv

und 27 Prozent die von Sat.1.

Das »TV-Duell« am 13. 9. war mit 13,55

Millionen wahlberechtigten Zuschauern

die meistgesehene Sendung des Wahlkampfs.

10,88 Millionen Bürger ab 18

Jahren verfolgten die Sendung bei einem

öffentlich-rechtlichen Sender, 2,67 Millionen

Wahlberechtigte schalteten RTL

oder Sat.1 ein. Dennoch wurde wie schon

2005 von der Mehrheit der Befragten dem

Ereignis ein geringer Informationsgehalt

attestiert. Nur 34 Prozent stuften ihn als

»gut« oder »sehr gut« ein.

Die durchgängig bessere Bewertung

der öffentlich-rechtlichen Wahlkampfsendungen

liegt vor allem an der klaren und

verständlichen Berichterstattung. Diese

Prädikate verliehen 50 Prozent der Befragten

den Sendungen im Ersten, aber nur 14

bzw. 2 Prozent denen von RTL bzw. Sat.1.

Außerdem bestätigten die Befragten dem

Ersten eine seriöse und glaubwürdige Berichterstattung.

Dies gaben 48 Prozent

der Befragten an.


im Ersten zu sehen. 7,33 Millionen Zuschauer

verfolgten die Geschichten rund um den Bürgermeister

Wöller (Fritz Wepper) und seine Gegenspielerin

Schwester Hanna (Janina Hartwig).

Mit 23,7 Prozent war sie nach Marktanteilen die

erfolgreichste Fernsehfilmserie des Jahres 2009.

6,24 Millionen Menschen sahen die Fälle

von »Tierärztin Dr. Mertens« in der dritten

Staffel der gleichnamigen Serie im Ersten. Mit

einem Marktanteil von durchschnittlich 19,3

Prozent landete sie auf dem vierten Platz. Die

Krimiserie »Polizeiruf 110« war ebenfalls unter

den fünf beliebtesten Fernsehfilmreihen und

-serien. Mit einer Reichweite von 6,23 Millionen

kam sie durchschnittlich auf 18,3 Prozent Marktanteil.

Auch die weiteren Dienstagsserien behaupteten

sich gut. »Familie Dr. Kleist« erreichte

ein Publikum von 6,08 Millionen Menschen

und einen Marktanteil von 18,3 Prozent,

womit sie auf Platz sechs der Rangliste kam. Im

Schnitt 5,95 Millionen Zuschauer verfolgten bei

»In aller Freundschaft« das Geschehen in der

Sachsenklinik. Mit einem Marktanteil von 19,6

Dieter Pfaff ist »Der Dicke« in der

gleichnamigen Anwaltsserie.

Prozent rangiert sie auf Platz acht. Nach einem

Jahr Pause kehrte »Der Dicke« am 7. 7. mit 13

neuen Folgen zurück auf den Bildschirm. Die

dritte Staffel mit den neuen Fällen des schwergewichtigen

Anwalts Gregor Ehrenberg (Dieter

Pfaff) wollten 5,16 Millionen Zuschauer sehen.

Das entspricht 18,8 Prozent Marktanteil und

dem zwölften Platz in der Rangliste.

Sport _ Große Resonanz auf Fußball-Länderspiele

Die meistgesehene Fernsehsendung im Ersten

war 2009 das Fußball-Länderspiel der deutschen

Nationalmannschaft gegen die Auswahl

Die dritte Staffel der Dienstagsserie

»Familie Dr. Kleist«

der Elfenbeinküste: 10,26 Millionen Zuschauer

verfolgten am 18. 11. die Übertragung aus Gelsenkirchen,

was einem Marktanteil von 33,6

Prozent entspricht. An zweiter Stelle findet

sich ebenfalls eine Fußballübertragung: 10,10

Millionen Menschen sahen den 2:0-Sieg der

Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation

gegen Wales am 1. 4. Der Marktanteil lag bei 32,3

Prozent. Bei der Partie Deutschland – Norwegen

fieberten 8,61 Millionen Zuschauer mit. Die

Übertragung erreichte einen Marktanteil von

27,2 Prozent.

Image _ Das Erste: Wertschätzung auf konstant

hohem Niveau

Gefragt, welchen Sender sie am liebsten sehen,

nannten 42 Prozent aller Befragten Das Erste,

41 Prozent RTL und 39 Prozent das ZDF. Das

ergab die repräsentative ARD-Trend-Untersuchung,

für die vom 30. 10. bis 6. 12. insgesamt

3 052 Bundesbürger ab 14 Jahren persönlich

befragt wurden. Wenn sie sich für ein einziges

Programm entscheiden müssten, würden 20

Prozent der Zuschauer in Deutschland Das

Erste bevorzugen. Damit fiel Das Erste im Vergleich

zum Vorjahr auf den zweiten Platz hinter

RTL zurück, das 21 Prozent wählen würden.

Weiterhin blieb Das Erste jedoch der Sender

mit dem qualitativ höchsten Programmangebot,

wie in diesem Jahr 18 Prozent angaben. Das

Erste galt den Befragten unverändert als der

Sender mit den ausführlichsten Nachrichten

sowie den sachkundigsten Korrespondenten.

Wenn etwas Wichtiges passiert war, informierten

sich 52 Prozent zuerst im Ersten, 36 Prozent

Medienforschung 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 199


200

zuerst im ZDF und 23 Prozent bei RTL. Nach

wie vor an erster Stelle stand Das Erste bei

der politischen Meinungsbildung – 57 Prozent

hielten Das Erste für wichtig. 53 Prozent gaben

an, dass es ein unverzichtbarer Bestandteil der

Kultur in Deutschland sei.

Dritte Programme _ In der Summe an der Spitze

Wie berichtet, lagen die Dritten der ARD in der

Summe mit einem Marktanteil von 13,5 Prozent

ganz vorn in der Rangliste der meistgesehenen

Fernsehprogramme. In Ostdeutschland lag der

Marktanteil der Dritten mit 15,7 Prozent um 2,8

Prozentpunkte über dem im Westen.

Im eigenen Sendegebiet war 2009 der MDR

mit einem Marktanteil von 8,9 Prozentpunkten

am erfolgreichsten. In der Reihenfolge nach

Marktanteilen liegt auch das Bayerische Fernsehen

weit vorne, das im eigenen Sendegebiet 7,5

Prozent erzielte. Platz drei besetzte das NDR

Fernsehen mit 7,4 Prozent, gefolgt vom WDR

mit 7,3 Prozent. Das SWR/SR Fernsehen belegte

mit 6,4 Prozent den fünften Platz. Auf

Platz sechs kam das rbb Fernsehen mit 6,3 Prozent,

gefolgt vom hr-fernsehen mit 6,0 Prozent.

Dritte Programme _ Innovationen zahlten sich aus

In »Die Landfrauenküche« hat das Bayerische

Fernsehen in acht Folgen ein Wettkochen mitregionalem

Bezug gezeigt. Der durchschnittliche

Marktanteil für die Sendungen betrug

9,7 Prozent. Bei »Nachfolger gesucht« wurden

Familienbetriebe vorgestellt, die vor dem Aus

In Schafferdingen am Rande der

Schwäbischen Alb spielte der SWR/SR-

Mehrteiler »Laible und Frisch«.

stehen, weil niemand das Unternehmen weiterführen

kann oder will. Die Sendung erreichte

donnerstags um 21.45 Uhr 7,4 Prozent Marktanteil.

Das SWR/SR Fernsehen strahlte in der Zeit

vom 25. 12. bis 31. 12. insgesamt drei Doppelfolgen

des Mundartmehrteilers »Laible und

Frisch« aus. Die Reihe, in der es um den Kampf

eines Traditionsbäckers gegen ein Billigback-

Imperium geht, kam im Schnitt im SW-Gebiet

auf einen Marktanteil von 12,4 Prozent. Neu

und erfolgreich im Programm des SWR Fernsehens

Rheinland-Pfalz ist das monatliche Format

»Made in Rheinland-Pfalz«. Die Reportagereihe,

in der regionale Unternehmen vorgestellt

werden, erzielte in Rheinland-Pfalz durchschnittlich

10,0 Prozent Marktanteil.

Im WDR Fernsehen war »Das Schlagzeilenquiz«

mit prominenten Rategästen auf Anhieb

erfolgreich. Die sechs Folgen mit Moderator

Sven Lorig erreichten am Mittwochabend im

Schnitt 9,0 Prozent Marktanteil.

Mit einem Marktanteil von 10,0 Prozent im

Tagesdurchschnitt, in Berlin waren es 12,9 Prozent,

zeigte das rbb Fernsehen die 24-Stunden-

Echtzeitdokumentation »24h Berlin«. Das Fernsehpublikum

konnte einen Tag im Leben von

mehr als 50 Protagonisten verfolgen.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Sven Lorig präsentierte im »Schlagzeilenquiz«

die großen Sommerthemen.

Dritte Programme _ Erfolgreich mit zahlreichen Informationsangeboten

Bei einem Programmanteil zwischen knapp 60

und über 70 Prozent an Informationssendungen

aller Art ist diese Programmsparte in den Dritten

von besonderer Bedeutung. Der hohe Anteil

ist vor allem auf die regelmäßigen Informa-


ARD/ZDF-Online-Studie 2009

43,5 Millionen Online-Nutzer

Für die ARD/ZDF-Online-Studie, die seit

1997/98 mit immer differenzierteren Methoden

durchgeführt wird, wurde im

Frühjahr 2009 mit 1 806 bundesdeutschen

Erwachsenen, die reprä sentativ für die

deutsche Bevölkerung ab 14 Jahren stehen,

je ein voll stän diges Interview geführt.

Danach nutzten 67,1 Prozent der Befragten

– 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr –

zumin dest gelegentlich das Netz, fast genauso

viele, nämlich 64,7 Prozent, gingen

innerhalb der letzten vier Wochen online.

Hochgerechnet griffen 43,5 Millionen Erwachsene

mehr oder weniger regelmäßig

auf das Internet zu.

Die Nutzerstruktur blieb abgestuft

nach Alter: 96 Prozent der 14- bis 29-Jährigen

waren gelegentlich online, bei den

Ab-60-Jährigen waren es nur 27,1 Prozent.

Anzumerken ist, dass mit hochgerechnet

5,3 Millionen mehr Ab-60-Jährige im Netz

sind als 14- bis 19-Jährige (5,0 Millionen).

Während sich bei der E-Mail-Kommunikation,

dem Umgang mit Suchmaschinen

und der zielgerichteten Informationssuche

nur geringe Unterschiede in der Nutzung

von jüngerer und älterer Generation

zeigten, blieben die Älteren vor allem bei

interaktiven Angeboten zurückhaltend.

Online-Communitys suchten 79 Prozent

der 14 bis 19-Jährigen wöchentlich auf, bei

den Ab-60-Jährigen sind es nur acht Prozent.

Videos und Audios riefen nur sechs

bzw. zwei Prozent der Ab-60-Jährigen

mindestens einmal wöchentlich ab, bei

den Jugendlichen sind es 65 bzw. 52 Prozent.

Die durchschnittliche Internetnutzungsdauer

der Ab-14-Jährigen insgesamt

lag 2009 bei 70 Minuten (+12) pro Tag im

Vergleich zu Fernsehen mit 228 und Radio

mit 182 Minuten, was indirekt bestätigt,

dass sich die drei Medien ergänzen.

Das gilt jedoch nicht mehr für die 14- bis

19-Jährigen, die mehr Zeit mit dem Internet

verbrachten (123 Minuten) als mit

Fernsehen (97 Minuten) oder Radio (89

Minuten).

tionssendungen zurückzuführen, in denen die

Dritten aktuell und zuverlässig über Politik und

das Tagesgeschehen berichten. Aus den zahlreichen

Angeboten hier nur einige Beispiele:

Im Bayerischen Fernsehen ergänzt eine

mehrmals täglich aktualisierte »100-Sekunden-

Rundschau« werktags zwischen 7.00 und 15.00

Uhr das Nachrichtenangebot. Das Flaggschiff

»Rundschau« blieb um 18.45 Uhr weiterhin erfolgreichste

Regelsendung und erreichte einen

Marktanteil von 15,4 Prozent im Sendegebiet.

Die »Hessenschau«, täglich um 19.30 Uhr im hrfernsehen

ausgestrahlt, erreichte 16,3 Prozent im

Sendegebiet. Die Regionalmagazine der MDR-

Länder »SACHSENSPIEGEL«, »SACHSEN-

ANHALT HEUTE«, »THÜRINGEN JOUR-

NAL« und »Länderzeit« konnten um 19.00 Uhr

zusammen einen Marktanteil von 18,6 Prozent

für sich verbuchen. Die vergleichbaren Sendungen

des NDR Fernsehens, die für die vier

»Brandenburg vor der Entscheidung« – die

Wahlsendung im rbb Fernsehen

Bundesländer des NDR-Gebiets getrennt ausgestrahlten

Hauptausgaben der Landesmagazine

(täglich 19.30 Uhr), kamen zusammen auf einen

Marktanteil von 17,1 Prozent. Die beiden Regionalmagazine

des RBB, die täglich um 19.30 Uhr

ausgestrahlt werden, gehören zu den erfolgreichsten

Sendungen des RBB-Programms. Die

»Abendschau« kam in Berlin auf 25,1 Prozent,

»Brandenburg aktuell« in Brandenburg auf 19,5

Prozent. Die SWR Regionalnachrichtensendung

»Baden-Württemberg aktuell« (montags

bis freitags um 19.45 Uhr) verzeichnete einen

Marktanteil von 18,4 Prozent. Die parallel ausgestrahlte

Sendung »Rheinland-Pfalz aktuell«

kam auf 14,5 Prozent. Das SR-Landesmagazin

Medienforschung 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 201


202

»aktueller bericht« kam im Saarland werktags

auf einen Marktanteil von 14,7 Prozent. Die

aus elf Städten des WDR-Sendegebiets parallel

ausgestrahlten »Lokalzeit«-Ausgaben (werktags,

19.30 Uhr) erreichten in der Summe 20,3 Prozent.

Die »Aktuelle Stunde« (täglich 18.50 Uhr)

kam auf einen Marktanteil von 16,3 Prozent.

Auch im Superwahljahr 2009 verfolgten die

Menschen den Ausgang von Landtags- oder

Kommunalwahlen hauptsächlich in den Dritten

Programmen. Aus den zahlreichen Übertragungen

und Sondersendungen der einzelnen Wahlen

in den Bundesländern hier einige Beispiele:

Die vorgezogenen Wahlen in Hessen nach dem

Scheitern der Regierungsbildung im Vorjahr

waren das Thema der Wahlsondersendung am

18. 1., mit der das hr-fernsehen einen Marktanteil

von 14,4 Prozent erreichte. Am Tag der Bundestagswahl

wurde in Schleswig-Holstein auch der

Landtag gewählt. Umfangreich, live und aktuell

berichtete der NDR in mehreren Wahl-Sondersendungen.

»NDR regional« erreichte am

Wahltag um 19.30 Uhr einen Marktanteil von

20,6 Prozent in Schleswig-Holstein. Im WDR

Fernsehen schalteten 1,33 Millionen Zuschauer

ein, als am 30. 8. die Kommunalwahlen in

Nordrhein-Westfalen stattfanden. Die Wahlsondersendung

um 19.30 Uhr erreichte einen Marktanteil

von 22,3 Prozent. Am gleichen Tag berichtete

der MDR über die Landtagswahlen in

Sachsen und in Thüringen. Neben zahlreichen

Vorberichten sowie Sondersendungen kamen

am Wahlsonntag die beiden Wahl-Ausgaben um

18.00 sowie um 19.00 Uhr auf einen Marktanteil

von 15,1 bzw. 14,1 Prozent im MDR-Gebiet.

Neben den Wahlen gab es noch mehr aktuelle

Berichterstattung, die in den Dritten auf

große Resonanz bei den Zuschauern stieß. Den

Staatsbesuch von Barack Obama in Dresden

Peter Escher war auf Sommertour.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

und Buchenwald übertrug der MDR in zahlreichen

Sendungen im Juni. Eine spezielle »MDR

extra«-Ausgabe zur Hauptsendezeit erzielte einen

Marktanteil von 17,5 Prozent. Die Berichterstattung

am Vormittag über den Besuch des US-

Präsidenten wurde im MDR FERNSEHEN und

im Ersten zeitgleich ausgestrahlt. Die Sendung

im Ersten erreichte bundesweit einen Marktanteil

von 9,2 bzw. 12,1 Prozent im MDR-Gebiet.

Mit ganz verschiedenen Formaten bringen

die Dritten ihren Zuschauern politische und

gesellschaftspolitische Themen nahe. Diesem

Ziel dient beispielsweise »quer« (donnerstags

um 20.15 Uhr) im Bayerischen Fernsehen. Der

»etwas andere Wochenrückblick« erreichte im

elften Jahr seines Bestehens einen Marktanteil

von 12,4 Prozent. »Exakt«, das innenpolitische

Magazin vom MDR FERNSEHEN, kam dienstags

um 20.15 Uhr auf 9,7 Prozent. »Kowalski

trifft Schmidt«, das deutsch-polnische Magazin

des rbb Fernsehens, erreichte sonntags um 19.00

Uhr 7,0 Prozent. Die Dokumentations- und Featurereihe

»betrifft. . .« hat auf dem neuen Sendeplatz

des SWR/SR Fernsehens in der Prime

Time mittwochs um 20.15 Uhr im Schnitt einen

Marktanteil von 5,6 Prozent erreicht. »WEST-

POL« (sonntags, 19.30 Uhr), das Politmagazin

für Nordrhein-Westfalen, kam durchschnittlich

auf einen Marktanteil von 12,4 Prozent.

Dritte Programme _ Ratgeber und Service garantieren hohe Quoten

Die große Kompetenz der Dritten in diesem

Bereich spiegelte sich auch im letzten Jahr in

den hohen Marktanteilen der Service-Sendungen

wider. Aus dem großen Angebot einige Beispiele:

Montags wechselten sich im Bayerischen

Fernsehen die Umwelt- und Gartenmagazine

»Unkraut« und »Querbeet« ab und erreichten

Marktanteile von 12,3 und 11,7 Prozent. Die

»Service«-Schiene im hr-fernsehen (Montag bis

Donnerstag, 18.50 Uhr) mit den Themen Familie,

Gesundheit, Reisen und Trends kam auf

8,4 Prozent. Die Service-Sendung »Kaffee oder

Tee« vom SWR/SR Fernsehen erreichte durchschnittlich

7,0 Prozent.

Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin

»m€x« im hr-fernsehen (Mittwoch, 20.15 Uhr)

kam auf 6,6 Prozent. Rat und Hilfe bekommen

Zuschauer bei Fällen mit regionalem Bezug bei

»Escher«, dem MDR-Ratgeber. Die Sendung erreichte

donnerstags um 20.15 Uhr einen Marktanteil

von 10,7 Prozent. Mit ungeklärten Ver-


JIM-Studie 2009

Aktuelle Ergebnisse

Seit 1998 untersucht der Medienpädagogische

Forschungsverband Südwest mit

der Langzeitstudie Jugend, Information,

(Multi-)Media (JIM) den Medienumgang

der Zwölf- bis 19-Jährigen. Wie in den Vorgängerstudien

wurden 1 200 ausgewählte

Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren

telefonisch befragt. Der Befragungszeitraum

reichte vom 2. 6. bis 6. 7. 2009. Das

Forschungsinteresse galt dem Informationsverhalten

der Jugendlichen zur Bundestagswahl,

Cyber-Mobbing, sozialen

Netzwerken und der Handynutzung.

Die Haushalte, in denen die Befragten

leben, sind in hohen Maßen mit modernen

Medien ausgestattet. 97 Prozent

der Mädchen und 93 Prozent der Jungen

verfügten über ein eigenes Handy. Drei

Viertel der Jugendlichen besaßen einen

eigenen Computer oder einen Laptop, etwas

weniger hatten ein Radio (71 Prozent).

60 Prozent waren Besitzer eines eigenen

Fernsehers und mehr als die Hälfte der Jugendlichen

konnte vom eigenen Zimmer

aus ins Internet gehen (54 Prozent).

Die Frage, in welchem Medium sie

sich am häufigsten zu aktuellen Themen

informieren, beantworteten 45 Prozent

der Jugendlichen zugunsten des Fernsehens.

Die Tageszeitung folgte mit 28

Prozent, im Internet informierten sich 18

Prozent der Jugendlichen. Sechs Prozent

nutzten das Radio als Informationsquelle.

Bei der Online-Nutzung entfiel nach

eigenen Aussagen der Jugendlichen die

Hälfte der Zeit auf den Bereich Kommunikation.

Instant-Messenger und Online-

Communities bildeten dabei die zentralen

Elemente. Zur Unterhaltung nutzen die

Jugendlichen das Internet zu 22 Prozent,

für Spiele zu 18 Prozent und zur Informationssuche

zu 14 Prozent. Die gesamte Nutzungszeit

lag nach eigenen Schätzungen

der Jugendlichen bei 134 Minuten täglich.

Die Mediennutzung war stark situationsgebunden,

so dass trotz zunehmender

Konkurrenz kein Medium das andere verdrängte.

brechen beschäftigte sich die Sendung »Kripo

live« (sonntags, 19.50 Uhr), ebenfalls im MDR

FERNSEHEN. Mit einem durchschnittlichen

Marktanteil von 20,7 Prozent gehörte sie zu den

erfolgreichsten Formaten des Senders.

Der Kriminalreport »Täter – Opfer – Polizei«,

die vergleichbare Sendung des rbb Fernsehens

konnte im Berichtsjahr einen Marktanteil

von 12,2 Prozent erzielen. Die Service-Sendungen

des NDR Fernsehens, »Markt« (montags,

20.15 Uhr) und »Visite« (dienstags, 20.15 Uhr),

kamen auf 7,0 bzw. 8,3 Prozent. Das Wirtschafts-

und Verbrauchermagazin »markt« im

WDR Fernsehen erreichte montags um 21.00

Uhr einen Marktanteil von 6,2 Prozent. Auch

die neuen Ratgeber- und Serviceformate im

WDR Fernsehen wurden gut eingeschaltet, so

kam der »Kriminalreport« auf 7,2 und »Frau Dr.

Haus – Der große Immobiliencheck« auf 6,3

Prozent Marktanteil.

Dritte Programme _ Erfolg mit Kochsendungen

Mit Formaten rund um die Themen Kochen

und Essen konnten die Dritten im Berichtsjahr

punkten. Klassische Kochsendungen blieben

Quotengaranten, neue Sendungen, bei denen

die Zuschauer Land, Leute und deren Küche

kennenlernten, waren auf Anhieb erfolgreich.

Zu den beliebtesten Angeboten in dieser Sparte

gehörten beim Bayerischen Fernsehen »Schuhbecks«

(11,8 Prozent Marktanteil), »Landgasthäuser«

(9,9 Prozent) sowie die »Landfrauenküche«

(9,7 Prozent). Beim NDR wurde es sonntags

um 16.30 Uhr kulinarisch. Mit verschiedenen

Kochsendungen und prominenten Köchen auf

diesem Sendeplatz erreichte der Sender einen

Marktanteil von durchschnittlich 7,8 Prozent.

Die Wiederholungen der Kochsendung »alfre-

Elmar Wepper und Alfons Schuhbeck

Medienforschung 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 203


204

Barbara Schöneberger zu Gast bei

Erwin Pelzig in

»Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich«

dissimo!«, in der Alfred Biolek prominente Gäste

in seine Küche einlud, erzielten in den Dritten

gute Quoten. Die Ausstrahlung im WDR

am Samstagabend um 17.50 Uhr kam auf einen

Marktanteil von 8,2 Prozent.

Dritte Programme _ Kultur und Unterhaltung aus den Regionen

»Unter unserem Himmel« heißt die traditionsreiche

Dokumentationsreihe des Bayerischen

Fernsehens, die seit 40 Jahren Land und Leute

in Bayern präsentiert. Der Marktanteil im Berichtsjahr

lag bei 12,2 Prozent, für Einzelsendungen

wie »Wenn Dörfer ihr Gesicht verlieren«

sogar bei 17,5 Prozent. Die erste regionale Daily

der Dritten Programme »Dahoam is Dahoam«

ist seit Oktober 2007 im Programm und sorgt

für konstant gute Quoten mit einem Marktanteil

von 14,7 Prozent. Die sieben Folgen der

neuen Serie »Franzi«, die in Erding spielt, erreichten

im Schnitt am Freitagabend um 22.05

Uhr 10,0 Prozent Marktanteil.

Die Geschichten der »Anrheiner« werden

seit 1998 im WDR Fernsehen erzählt. Die Familienserie

mit kölschem Akzent konnte im

Berichtsjahr durchschnittliche Marktanteile von

10,0 Prozent für sich verbuchen.

Das NDR Fernsehen sendet sonntags um

18.00 Uhr die Magazine »Ostsee-Report«,

»Nordsee-Report«, »Rund um den Michel«

und »Hanseblick«, die zusammengenommen

im Schnitt 9,6 Prozent erreichten. Das rbb

»Ostsee-Report« im NDR: Moderator Udo Biss

und Kameramann Bernd Wolf

Fernsehen strahlte samstags um 19.00 Uhr

sein »Heimatjournal« aus und kam damit auf

einen Marktanteil von 9,6 Prozent. Mit den

»Fallers« (sonntags, 19.15 Uhr), die 17,0 Prozent

erreichten, sendet auch das SWR/SR Fernsehen

eine regional geprägte Serie. Im nonfiktionalen

Programm waren die Sendung »Treffpunkt

BW« (sonntags, 18.45 Uhr) mit 10,9 Prozent in

Baden-Württemberg und die neue Reportagereihe

»Made in Rheinland-Pfalz« am Mittwoch

um 18.15 Uhr mit einem Marktanteil von 10,0

Prozent am erfolgreichsten. Die beiden Staffeln

von »Wir im Saarland spezial«, in denen der damalige

Sidekick der Harald-Schmidt-Show, Manuel

Andrack, das Saarland entdeckte, kamen

im Schnitt im Saarland auf 8,5 bzw. 12,5 Prozent

Marktanteil im Sendegebiet.

Dritte Programme _ Unterhaltungssendungen jeder Art weiter beliebt

Immer wieder sind es die Faschingssendungen,

die den Dritten höchste Quoten bescheren. Im

eher karnevalsungewohnten Brandenburg verbuchte

die Gala aus Cottbus »Heut’ steppt der

Adler«, die das rbb Fernsehen am 22. 2. übertrug,

einen Marktanteil von 15,7 Prozent. Beim

Bayerischen Fernsehen waren auch 2009 wieder

»Fastnacht in Franken« und »Nachg’schenkt

auf dem Nockherberg« die erfolgreichsten

Sendungen des Jahres. Mehr als 5,5 Millionen

Fernsehzuschauer verfolgten die beiden Live-

Übertragungen, die damit Marktanteile von

46,2 bzw. 35,5 Prozent in Bayern erzielten. Auch

in Hessen waren Fastnachtssendungen beliebt:

»Hessen lacht zur Fassenacht« erreichte 10,7

Prozent im Sendegebiet. Die sechs Sitzungen,

die das SWR/SR Fernsehen im Februar im Programm

hatte, kamen auf 15,2 Prozent Marktanteil.

Dem WDR bescherte die fünfte Jahreszeit

ebenfalls gute Quoten. Die erfolgreichste Fa-

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


schingssendung war die sechste Folge von »So

lacht NRW« am 15. 2. mit mehr als einer Million

Zuschauern und 14,1 Prozent Marktanteil. Die

Übertragungen der Festsitzungen der Thüringer

Karnevalsvereine aus Erfurt, »Herrliches, närrisches

Thüringen«, brachten dem MDR Marktanteile

von 11,5 Prozent.

Kult im Norden ist der Bremer Freimarktumzug

»Mit Pauken und Trompeten«. Die

zweieinhalbstündige Übertragung am 24. 10. erreichte

im NDR-Gebiet einen Marktanteil von

7,3 Prozent, in Bremen von 40,7 Prozent.

Freitagabends ist die Zeit für Talkshows. Die

beiden MDR-Talkreihen »Riverboat« und

»Unter uns« schafften mit 14,2 bzw. 12,6 Prozent

hohe Durchschnittsmarktanteile. »3 nach

9«, »Die Tietjen und Dibaba« (ab September

»Tietjen und Hirschhausen«) sowie die »NDR

Talk Show« kamen im Schnitt auf 12,3 Prozent.

Das »Nachtcafé« vom SWR, dessen 500. Sendung

am 24. 7. ausgestrahlt wurde, erreichte 11,1

Prozent und der »Kölner Treff« im WDR im

Schnitt 9,6 Prozent.

Ein ebenfalls beliebtes Unterhaltungsformat

der Dritten sind Quizshows. Das hr-fernsehen

erzielte mit dem »Hessenquiz« (sonntags, 21.45

Uhr) 12,4 Prozent, die »NDR Quizshow« kam

auf ihrem alten Sendeplatz am Sonntagabend

um 21.45 Uhr auf 10,1 Prozent, ab Oktober am

Freitagabend um 21.15 Uhr auf 7,3 Prozent. Die

Ratesendung »Sag die Wahrheit« (montags,

22.00 Uhr) im SWR/SR Fernsehen erreichte 11,7

Prozent.

Das humoristisch-kabarettistische Angebot

der Dritten war auch im Berichtsjahr wieder

bemerkenswert. Hier nur einige Beispiele: »Hannes

und der Bürgermeister«, die montags um

22.00 Uhr im SWR/SR Fernsehen ausgestrahlten

Volkstheaterszenen aus dem Schwäbischen,

kamen auf einen Marktanteil von 16,7 Prozent.

Am 7. 12. lief die erfolgreichste Folge des Jahres

mit einem Marktanteil von 19,9 Prozent. Im

Bayerischen Fernsehen freute man sich über den

Erfolg der zahlreichen Kabarett- und Comedy-

Sendungen. Die »Grünwald Freitagscomedy«

führte mit 17,5 Prozent die Rangliste in diesem

Bereich an, gefolgt von »Ottis Schlachthof«

mit 16,3 Prozent. »Aufgemerkt! Pelzig unterhält

sich« und »Kabarett aus Franken« erzielten 14,5

bzw. 14,3 Prozent. Ein weiteres herausragendes

Programmereignis im rbb Fernsehen und im

MDR FERNSEHEN war die Übertragung »Die

Goldene Henne 2009« (30. 9., 20.15 Uhr). Die

Preisverleihung, vom MDR federführend betreut

und vom RBB koproduziert, stand ganz

Wolf Biermann live aus der

Moritzbastei Leipzig im

MDR FIGARO »Radio Café«

im Zeichen des 20. Jubiläums des Mauerfalls.

Sie bescherte dem RBB 11,2 Prozent Marktanteil

im gesamten Sendegebiet und 16,2 Prozent in

Brandenburg, im Sendegebiet des MDR waren

es 15,7 Prozent.

Media Analyse 2010 Radio I

_ Radionutzung insgesamt

Die am 10. 3. 2010 veröffentlichten Daten der

Media Analyse (ma) 2010 Radio I beruhen auf

zwei Erhebungswellen. Die erste umfasst den

Zeitraum vom 4. 1. bis 19. 4. 2009, die zweite den

Zeitraum vom 6. 9. bis 20. 12. 2009. Telefonisch

befragt wurden 65 964 Personen ab zehn Jahren,

die die rund 74 Millionen deutschsprachigen

Bundesbürger und ausländischen Mitbürger repräsentieren.

Aufgrund der erweiterten Erhebungsgrundlage

der Media Analyse 2010 Radio I, in der

nun auch zusätzlich die Hörgewohnheiten der

in Deutschland lebenden Nicht-EU-Ausländer

erfasst werden, sind direkte Rückschlüsse auf

Hörergewinne oder -verluste im Vergleich zur

Media Analyse davor nicht möglich (vgl. ARD-

Jahrbuch 09, S. 384).

Die Hördauer insgesamt betrug drei Stunden

und eine Minute. Besonders hoch war sie im

Berichtsjahr im Sendegebiet des BR mit drei

Stunden und 21 Minuten, im Vergleich dazu

hörten die Einwohner des WDR-Sendegebiets

36 Minuten weniger Radio, hier lag die Hördauer

bei zwei Stunden und 45 Minuten. Die

Tagesreichweite betrug 76,3 Prozent. In der

Altersgruppe der über 50-Jährigen war die Tagesreichweite

mit 79,5 Prozent am höchsten,

Medienforschung 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 205


206

gefolgt von den 30- bis 49-Jährigen mit 78,7 Prozent.

Deutlich geringer war die Tagesreichweite

bei den Zehn- bis 29-Jährigen mit 67,7 Prozent.

Der Weiteste Hörerkreis, d. h. der Prozentsatz

der Personen, die ihr Radio binnen zwei

Wochen wenigstens einmal einschalten, lag bei

93,1 Prozent.

Radiomarkt _ ARD-Programme dominieren weiter den Markt

Der Vorsprung der in der Media Analyse erfassten

Radioprogramme von ARD und Deutschlandradio

gegenüber den Programmen kommerzieller

Veranstalter bleibt weiterhin beträchtlich.

Der Marktanteil der öffentlich-rechtlichen

Anbieter lag bei 57,5 Prozent, der der Privaten

insgesamt bei 44,2 Prozent. Die Hördauer der

öffentlich-rechtlichen Programme lag mit einer

Stunde und 44 Minuten um 24 Minuten höher

als die der privaten Mitbewerber.

50,2 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung

ab zehn Jahren schalteten täglich eines der

Programme von ARD und Deutschlandradio

ein. Das entspricht knapp 37 Millionen Hörern.

Die Tagesreichweite der privaten Hörfunkprogramme

belief sich auf 41,7 Prozent.

Radiomarkt _ Kultur- und Infoprogramme blieben erfolgreich

5,33 Millionen Menschen in Deutschland ab

zehn Jahren hörten 2009 an einem Durchschnittstag

eines der Kultur- und Infoprogramme

von ARD und Deutschlandradio.

Das entspricht einer Tagesreichweite von 7,2

Prozent. 24,4 Prozent aller Befragten schalteten

eines dieser Programme zumindest gelegentlich

ein (»Weitester Hörerkreis«).

Die beiden bundesweiten Informations- und

Kulturprogramme des von ARD und ZDF

gemeinsam betriebenen Deutschlandradios,

Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur,

kamen auf eine Tagesreichweite von 2,0 bzw.

0,6 Prozent. Zusammen erreichten sie mehr als

1,8 Millionen Hörer an einem Durchschnittstag.

Bayern 2 blieb das erfolgreichste Programm

seiner Art. Das Programm erreichte 3,0 Prozent

Tagesreichweite im Sendegebiet, bei den gelegentlichen

Hörern sind es 12,0 Prozent. BR-

Klassik kam auf eine Tagesreichweite von 1,7

Prozent in seinem Sendegebiet und einen Weitesten

Hörerkreis von 10,4 Prozent. hr2-kultur

konnte eine Tagesreichweite von 1,7 Prozent für

sich verbuchen. 7,9 Prozent der Befragten gaben

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

an, das Programm gelegentlich zu hören. MDR

FIGARO, die Kulturwelle des MDR, kam auf

2,7 Prozent Reichweite, der Kreis der gelegentlichen

Hörer lag bei 9,4 Prozent. NDR Kultur,

das Klassik- und Kulturprogramm des NDR,

kam auf eine Tagesreichweite von 1,8 Prozent

im Sendegebiet und einen Weitesten Hörerkreis

von 9,0 Prozent. Das Nordwestradio, das von

Radio Bremen und NDR gemeinsam veranstaltete

Kulturprogramm, kam auf einen Weitesten

Hörerkreis von 7,5 Prozent und 1,4 Prozent

Tagesreichweite in seinem Sendegebiet im nordwestlichen

Niedersachsen und Bremen. Für

das Kulturradio des RBB ergaben sich Werte

von 10,3 Prozent Weitester Hörerkreis und 2,2

Prozent Tagesreichweite in Berlin und Brandenburg.

SR 2 KulturRadio kam auf 1,9 Prozent

Reichweite im Sendegebiet und einen Kreis

gelegentlicher Hörer von 7,8 Prozent. SWR2 erreichte

täglich 1,8 Prozent Hörer und 7,3 Prozent

»Bärbel Schäfer live«, der dreistündige

Sonntagstalk bei hr3

gelegentliche Hörer in Baden-Württemberg und

Rheinland-Pfalz. WDR 3 konnte eine Tagesreichweite

von 1,8 Prozent und einen Weitesten

Hörerkreis von 11,1 Prozent für sich verbuchen.

Das Wortprogramm WDR 5 erreichte einen

Kreis von 10,2 Prozent gelegentlichen Hörern

und eine Tagesreichweite von 3,0 Prozent.

Die reinen Infoprogramme wiesen auch in

diesem Berichtsjahr wieder etwas höhere Reichweiten

auf. B5 aktuell erzielte eine Tagesreichweite

von 4,6 Prozent und 21,3 Prozent gelegentliche

Hörer. MDR INFO kam auf 3,9 Prozent

Reichweite und einen Weitesten Hörerkreis von

19,1 Prozent. Das Inforadio des RBB verbuchte


5,0 Prozent Reichweite und war damit das erfolgreichste

Programm dieser Sparte. 18,0 Prozent

der Befragten gaben an, dieses Programm

gelegentlich zu hören. hr-iNFO kam auf eine

Tagesreichweite von 2,4 Prozent in seinem Sendegebiet

und auf einen Weitesten Hörerkreis

von 12,3 Prozent. NDR Info erreichte im gesamten

NDR-Sendegebiet eine Reichweite von 3,8

Prozent und einen Weitesten Hörerkreis von

13,8 Prozent.

Radiomarkt _ Unterschiede in den Regionen

Der Hörfunk des BR blieb auch 2009 weiter auf

Erfolgskurs. 46,7 Prozent der bayerischen Bevölkerung

ab zehn Jahren entschieden sich täglich

für mindestens eines der fünf Hörfunkprogramme

des BR. Mit einer Tagesreichweite von

25,1 Prozent und 2,8 Millionen Hörern blieb

Bayern 1 das erfolgreichste Radioprogramm

des BR. An zweiter Position stand Bayern 3,

das seine Reichweite auf 20,0 Prozent ausbauen

konnte.

Die sechs Radioprogramme des HR kamen

zusammen auf eine Reichweite von 42,7 Prozent.

hr1 erzielte eine Tagesreichweite von 9,1

Prozent, die Popwelle hr3 kam auf 18,9 Prozent,

hr4 auf 14,5 Prozent, und die Jugendwelle YOU

FM hörten 4,3 Prozent der Menschen in Hessen

an einem Durchschnittstag.

Eine Tagesreichweite von zusammen 42,7

Prozent erzielten die sieben Hörfunkprogramme

des MDR. Die MDR 1 Landesprogramme

mit überwiegend regionalen Informationen

und generationsübergreifender Musik

erreichten 26,9 Prozent der Sachsen, Sachsen-

Anhalter und Thüringer. MDR 1 RADIO

SACHSEN kam auf 28,1 Prozent Tagesreichweite

in Sachsen, MDR 1 RADIO SACHSEN-

ANHALT schalteten an einem Durchschnittstag

22,6 Prozent der Hörer ein, und MDR 1 THÜ-

RINGEN erreichte in Thüringen 24,9 Prozent.

Die Jugendwelle MDR SPUTNIK kam in

Sachsen-Anhalt auf eine Tagesreichweite von 3,0

Prozent, bezogen auf das gesamte MDR-Gebiet

waren es 1,1 Prozent. Für die Popwelle JUMP

entschieden sich im gesamten Sendegebiet 11,6

Prozent der Hörer.

Der NDR blieb weiterhin Marktführer im

Norden. 47,4 Prozent der Bevölkerung ab zehn

Jahren schalteten täglich im Durchschnitt eines

seiner acht Programme ein. Damit betrug der

Vorsprung vor den 14 kommerziellen Anbietern

im Sendegebiet 5,2 Prozentpunkte. NDR 90,3

kam auf dem hart umkämpften Radiomarkt

Hamburg auf eine Tagesreichweite von 15,2

Prozent. NDR 1 Radio MV erreichte in Mecklenburg-Vorpommern

31,1 Prozent, NDR 1 Niedersachsen

in Niedersachsen 24,8 Prozent und

NDR 1 Welle Nord kam in Schleswig-Holstein

auf 20,8 Prozent. NDR 2 blieb mit einer Tagesreichweite

von 15,0 Prozent das meistgehörte

Pop-Programm in Norddeutschland. N-JOY,

das junge Programm des NDR, erreichte 7,2

Prozent der Radiohörer insgesamt, bei den jüngeren

Hörern (zehn bis 29 Jahre) waren es 15,4

Prozent. Besonders erfolgreich ist N-JOY in

Schleswig-Holstein mit 9,7 Prozent Tagesreichweite.

Die Programme von Radio Bremen kamen

zusammen auf eine Tagesreichweite von 45,7

Prozent. Bremen Eins hörten 25,4 der Hörer

an einem Durchschnittstag, Bremen Vier 24,6

Prozent.

Jan Böhmermann begrüßt in seiner Radioschau

bei 1LIVE prominente und unbekannte

Show-Talente.

Die sechs Programme des RBB kamen in ihrem

Sendegebiet zusammen auf 33,0 Prozent Tagesreichweite.

Die Reichweiten der Programme

im Einzelnen: Das Landesprogramm Antenne

Brandenburg erzielte im gesamten Sendegebiet

eine Tagesreichweite von 12,7 Prozent, in

Brandenburg 20,0 Prozent. Das Metropolenprogramm

radioBerlin 88,8 erreichte in Berlin 7,9

Prozent und im Gesamtsendegebiet 6,0 Prozent.

Die Jugendwelle Fritz verbuchte für sich eine

Reichweite von 4,7 Prozent, in der Zielgruppe

der 14- bis 29-Jährigen 9,0 Prozent. Radioeins

kam auf 7,0 Prozent im gesamten Sendegebiet

und 8,7 Prozent in Berlin.

Medienforschung 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 207


208

»Einfach Schroeder!« mit Kabarettist Florian

Schroeder auf Radioeins vom RBB

Zusammengerechnet erreichten die Wellen

des SR eine Tagesreichweite von 50,3 Prozent.

SR 1 Europawelle kam auf 22,5 Prozent. Während

SR 3 Saarlandwelle bei 23,4 Prozent lag,

erreichte die Jugendwelle 103.7 UnserDing insgesamt

8,9 Prozent. In der Gruppe der Zehn- bis

29-Jährigen wird das Programm weitaus häufiger

gehört. Die Reichweite betrug 20,9 Prozent an

einem Durchschnittstag.

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

hörten 46,9 Prozent der Hörer eines der sieben

Hörfunkprogramme des SWR. Die beliebte

Popwelle SWR3 kam auf eine Tagesreichweite

von 21,5 Prozent. Die beiden Landesprogramme,

SWR1 Rheinland-Pfalz und SWR1

Baden-Württemberg, konnten im gesamten

SWR-Gebiet 3,9 Prozent bzw. 10,2 Prozent für

sich verbuchen, in »ihren« Sendegebieten erreichten

sie 12,5 bzw. 13,8 Prozent.

Jeweils im entsprechenden Bundesland erzielten

SWR4 Baden-Württemberg 15,4 Prozent

und SWR4 Rheinland-Pfalz 12,9 Prozent Tagesreichweite.

Im gesamten Sendegebiet waren es

11,4 bzw. 4,0 Prozent. Bei den Zehn- bis 29-Jährigen

erreichte die Jugendwelle DASDING im

SWR-Gebiet 3,6 Prozent, bei allen Hörern 1,5

Prozent Tagesreichweite.

Die WDR-Hörfunkprogramme erzielten im

Berichtsjahr zusammengenommen eine Tagesreichweite

von 48,1 Prozent. Die Jugendwelle

1LIVE kam bei den jüngeren Hörern (zehn bis

29 Jahre) auf 35,3 Prozent, insgesamt auf 19,4

Prozent und blieb das beliebteste Programm

des WDR im Sendegebiet. WDR 2 kam auf 18,8

Prozent und WDR 4 auf 13,6 Prozent an einem

Durchschnittstag. Funkhaus Europa, die multikulturelle

und internationale Welle von WDR

und Radio Bremen, kam auf eine Tagesreichweite

von 0,4 Prozent in NRW. Allerdings ist

das Hörerpotenzial dieses Programms höher als

hier ausgewiesen, da die Media Analyse nur das

deutschsprachige Publikum erfasst.

DW-TV, DW-RADIO und DW-WORLD.DE

_ Multiplattform-Angebote sprechen internationale

Zielgruppen an

Repräsentativen Studien zufolge nutzten weltweit

86 Millionen Erwachsene mindestens

einmal pro Woche ein Angebot der DW in

Fernsehen, Hörfunk oder Internet. Die Hörfunkangebote

der DW waren vor allem in

Afrika sehr erfolgreich. In Äthiopien erreichte

DW-RADIO mit seinen Sendungen wöchentlich

7,0 Prozent der erwachsenen Bevölkerung

und war damit Marktführer unter den internationalen

Rundfunkanbietern. In Tansania schaltete

jeder Dritte wöchentlich das Kisuaheli-Programm

der DW ein. Junge Menschen hörten

besonders oft das Bildungsprogramm »Learning

by Ear«, bei dem in Form von Hörspielen Aufklärungsarbeit

zu verschiedenen Themen geleistet

wird.

Mit den Onlineangeboten in 30 Sprachen

wurde die Multiplattform-Strategie abgerundet.

Die Web-Präsenzen der DW wurden 2009

durchschnittlich mehr als 22 Mio Mal pro

Monat angeklickt. Zum Beispiel verzeichnete

DW-WORLD.DE/Farsi während der Wahlen

im Juni im Iran und während der politischen

Proteste im Dezember 2009 Nutzerrekorde mit

jeweils 2,3 Mio Zugriffen pro Monat.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


hr-iNFO rundum erneuert • Reformierter Abend in SWR2

• hr3 und WDR 2 setzen neue Akzente • Funkhaus

Europa in Berlin und Brandenburg • BR-Klassik ge-

startet • Neue Sendungen • Programmwochen und

Schwerpunktprogramme • Aktuelles und thematische

Schwerpunkte • Akzente und Jahrestage • Hörspiel und

Medienkunst • Auslandsprogramme

Hörfunk 2009

Die Finanzlage der Landesrundfunkanstalten

blieb auch im vergangenen Jahr angespannt.

So sah sich beispielsweise der HR gezwungen,

aus Kostengründen den Betrieb der Mittelwelle

zum Jahresende einzustellen. Damit entfielen

u. a. die Live-Übertragungen von Landtags- und

Bundestagsdebatten sowie die Angebote in

Fremdsprachen. Als zusätzliche Maßnahme zur

Kostensenkung verstärkten die Hörfunkprogramme

ihre Kooperationen weiter und schufen

auf diesem Weg sinnvolle Synergien.

So hatte im Sommer 2009 das »ARD Radiofestival«

Premiere, das die verschiedenen

Schwerpunktprogramme der ARD-Kulturwellen

mit Übertragungen von nationalen und internationalen

Musikfestivals zu einer gemeinsamen

abendlichen Programmschiene bündelt. Für

den Jahresbeginn 2010 wurde außerdem der

Start des »ARD radiofeatures« vorbereitet.

Über den richtigen Weg zur Digitalisierung

des Radios wurde im vergangenen Jahr heftig

gestritten. Als die KEF im Juli die Freigabe

der Projektmittel für die Einführung von DAB

ablehnte, war damit der weitere Ausbau der

DAB-Systemfamilie blockiert. Als unmittelbare

Konsequenz musste beispielsweise das Deutschlandradio

seine DAB-Verträge kündigen und

strahlt seine Programme seither nur noch mit

verringerter Datenrate aus.

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 209


210

Das Radio hat im vergangenen Jahr gerade

bei den Jugendlichen weiter Hörer dazugewonnen.

Wie notwendig es ist, das junge Publikum

auf allen möglichen Verbreitungswegen zu erreichen,

erkannten gerade die jungen ARD-Wellen

früh. Nachdem die Angebote in den letzten

Jahren ständig weiterentwickelt worden waren,

musste auch gewährleistet sein, dass sie von

dem Gros der Hörer auf allen zur Verfügung

stehenden Wegen zu empfangen sind. So erreichen

inzwischen alle Angebote von BR, NDR,

SR, SWR, WDR und Deutschlandradio sowie

hr3 und YOU FM, MDR JUMP und MDR

SPUTNIK ebenso wie Bremen Vier die Hörer

auch mit Radio-Apps für Smartphones.

hr-iNFO überarbeitete zum Sommer sein

Programmschema komplett, brachte mehr Live-

Elemente ins Angebot und führte ein neues

Audiodesign ein. Zum Jahresbeginn setzte hr3

neue Akzente in seinem Wochenendprogramm.

SWR2 richtet ebenfalls seit Januar sein abendliches

Angebot stärker nach dem Informationsbedürfnis

seiner Hörer aus.

Der RBB strahlt seit Jahresbeginn Funkhaus

Europa, die multikulturelle und internatio -

nale Welle von WDR und Radio Bremen, auf

den Berliner und Brandenburger Frequenzen

des Ende 2008 eingestellten Radiomultikulti

aus. Unter dem Namen BR-Klassik firmiert seit

Oktober die Klassikwelle des BR und wurde

Die Hörfunkprogramme der ARD · Stand Ende 2009

Das inländische Programmangebot der ARD

umfasste Ende 2009 pro Bun des land bzw.

pro Sendegebiet jeweils vier oder mehr

deutschsprachige Hörfunkprogramme der

Landesrundfunkanstalten und speziell

für das Digitalradio entwickelte Zusatzangebote

wie Bayern plus oder WDR 2 Klassik.

Hinzu kamen zwei überregionale Angebote

des Deutschlandradios.

Gemeinsam produzierten die Landesrundfunkanstalten

drei unterschiedliche

Nacht programme, die nach Bedarf von einzelnen

Anstalten übernommen wurden.

Die Mehrzahl der Programme wurde nach

wie vor hauptsächlich über UKW ver-

breitet. Darüber hinaus nutzten die Landes -

rundfunkanstalten und das Deutschlandradio

alle anderen Verbreitungswege – von

terrestrischen Sendernetzen für das Digi-

Teil der Dachmarke, die alle BR-Klassik-Aktivitäten

unter diesem Namen vereint. Zusätzlich

präsentierte die Welle zu diesem Zeitpunkt eine

Reihe neuer Angebote.

_ Modernes Informationsradio:

hr-iNFO rundum erneuert

Knapp fünf Jahre nach seinem Start reformierte

hr-iNFO sein Programmschema. Ziel der Überarbeitung

war, das Programm an heutige Hörgewohnheiten

anzupassen und zusätzlichen

Raum für die Themensetzung zu gewinnen.

Kernstücke des Tagesprogramms sind ausführliche

Nachrichten mit O-Tönen, die zwischen

6.00 und 20.00 Uhr im 20-Minuten-Takt

zu hören sind. Abends und am Wochenende

meldet sich die Nachrichtenredaktion zur

vollen und zur halben Stunde. In den Programmflächen

dazwischen ist Platz für Vertiefendes,

für Hintergründe und Analysen. Zwischen

6.00 und 9.00 Uhr setzt die Redaktion

täglich einen Schwerpunkt und beleuchtet »Das

Thema« von verschiedenen Seiten.

Die Berichterstattung aus der Landeshauptstadt

Wiesbaden und aus den hessischen Regionen

spielt eine wichtige Rolle in der Programmgestaltung.

Dabei arbeitet hr-iNFO eng

mit den HR-Studios, den Reporterteams und

den Regionalkorrespondenten zusammen. Eine

kompakte Zusammenfassung des aktuellen Ge-

talradio über Kabel und Satellit bis hin zum

Internet. Über Satellit ist das ganze ARD-

Angebot auch in hervorragender digitaler

Qualität zu empfangen.

Der Gesamtumfang des inländischen

Angebots belief sich 2009 auf 539 281 Programmstunden

(vgl. Hörfunkstatistik 2009).

Davon entfielen 18 609 Stunden auf

das Deutschlandradio. Den weitaus größ-

ten Anteil stellten die Programme der Lan-

desrundfunkanstalten mit gut 520 672

Stunden.

Sendungen »für das Ausland« bietet die

Anstalt des Bundesrechts DW an. Das

DW-Angebot umfasste 28 Fremdsprachen-

Programme und ein deutschsprachiges

mit einem Jahresvolumen von insgesamt

38 501 Stunden in 2009.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Das hr-iNFO-Reporter-Team recherchiert

täglich vor Ort und liefert aktuelle und hintergründige

Beiträge.

schehens in Hessen gibt es unter der Woche um

15.47 Uhr und als Wiederholung um 20.15 Uhr.

Außerdem greift das Programm auf das dichte

ARD-Korrespondentennetz im In- und Ausland

zurück. Stündlich, immer um 17 Minuten nach,

berichtet das Inforadio live aus dem ARD-Börsenstudio

an der Frankfurter Börse über aktuelle

Kursentwicklungen, Währungen und Trends an

den Finanzmärkten.

Sportinformationen sind in den Prime Times

am Morgen und am Nachmittag live in jeder

Nachrichtensendung zu hören.Während der

Bundesliga-Saison gibt es samstags nachmittags

zweieinhalb Stunden »Sport pur« inklusive der

legendären ARD-Schaltkonferenz. Außerdem

überträgt hr-iNFO alle interessanten Länderspiele

und Begegnungen der Champions

League und des DFB-Pokals live und in voller

Länge.

Der Abend auf hr-iNFO startet mit der

Übernahme der »Tagesschau« im Ersten. Im

Anschluss gibt es ein breites Spektrum an

halb- oder einstündigen Sendungen aus den Bereichen

Wirtschaft, Arbeit und Soziales, Kultur

und Umwelt, Wissenschaft und Forschung oder

auch zu Servicethemen. Mit der Übernahme

der hr2-Hintergrundsendung »Der Tag« um

23.05 Uhr beschließt hr-iNFO das eigene Programmangebot.

Das Wochenendprogramm präsentiert neben

der aktuellen Berichterstattung und einem

Rückblick auf die politische Woche vor allem

Schwerpunktsendungen. Zusätzlich strahlt das

Infoprogramm am Samstagabend eine Ausgabe

der hr2-Gesprächssendung »Doppel-Kopf«

und sonntags den »hr1-Talk« aus. Ebenfalls am

Sonntag übernimmt das Inforadio den »Presseclub«

und »Anne Will« aus dem Ersten.

Den Programmrelaunch ergänzte eine komplett

neue akustische Verpackung. Mit der

neuen »station voice«, der Stimme von Olaf

Pessler, bekam das Programm eine jüngere und

frischere Anmutung. Trailer, Jingles und Layoutmusiken,

die im Midistudio des HR komponiert

wurden, runden das Angebot ab.

_ Noch informativer: der neue Abend in SWR2

SWR2 strukturierte im Januar sein Abendprogramm

um. Der neue Abend in SWR2 bringt

eine klarere und übersichtlichere Struktur und

neue Informationsangebote.

Nach den 19.00-Uhr-Nachrichten lässt jetzt

»SWR2-Kontext« 15 Minuten lang Zusammenhänge

erkennen und bringt Analysen und Hintergründe

zu einem Thema aus Politik, Kultur

und Gesellschaft. Im Anschluss ist bis 20.00

Uhr »SWR2-Dschungel« zu hören, ein Angebot,

das sich mit Kurz-Features und Kurzhörspielen

aus den verschiedenen Bereichen der alternativen

Musik-, Literatur- und Medienszene

vor allem an ein jüngeres Publikum wendet und

zuvor am späteren Abend platziert war.

Die Zeit von 20.03 und 22.00 Uhr und von

23.03 bis 24.00 Uhr ist nun täglich komplett

der Musik vorbehalten. Dazwischen präsentiert

SWR2 unter der Woche von 22.03 bis 23.00

Uhr Wortsendungen: montags das »SWR2 Essay«,

dienstags »SWR2 Literatur«, mittwochs

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 211


212

»World Live« in Funkhaus Europa:

Karim Ziad mit der WDR Big Band und

dem Programm »Jazz al’ Arab« beim

Gnaoua Festival in Essaouira »Grand’Art«

das »SWR2 Feature«, donnerstags den »SWR2

Krimi« und am Freitag das »SWR2 Hörspielstudio«.

Die klarere Struktur hilft den Hörern, sich

leichter zu orientieren. So findet das SWR2-

Publikum jetzt an jedem Abend zur selben Zeit

Wort- bzw. Musikangebote.

_ hr3 und WDR 2: noch mehr attraktive Angebote

Zum Jahresbeginn setzte hr3 neue Akzente in

seinem Wochenendprogramm. Am Samstagvormittag

von 10.03 bis 14.00 Uhr verstärkt Moderatorin

Andrea Ballschuh das hr3-Team. In »hr3extra

am Samstag« präsentiert sie Servicethemen

von Gesundheits- und Wochenendtipps bis hin

zu Buchempfehlungen.

In der Personalityshow »Bärbel Schäfer live«

fasst die Moderatorin sonntags von 10.03 bis

13.00 Uhr die Höhepunkte der vergangenen

Woche zusammen. Dabei kommen interessante

Studiogäste sowie Hörer in Live-Talks per Telefon

zu Wort.

Am Sonntagabend von 21.03 Uhr bis Mitternacht

nahm hr3 mit »hr3 madhouse finale«

ein neues Format in sein Angebot. Hier haben

junge Moderatoren die Chance, sich on air zu

bewähren. Geboten wird aktuelle Musik, dazu

Wissenswertes und Interaktion. Hier ist auch

der Ort für das »hr3-Heimspiel«, eine Plattform

für neue, noch unbekannte Bands aus Hessen.

WDR 2 übernimmt seit Januar wieder von

Mitternacht bis 5.00 Uhr, am Wochenende bis

6.00 Uhr, die »ARD-Popnacht«.

_ Funkhaus Europa jetzt auch

in Berlin und Brandenburg

Seit Jahresbeginn strahlt der RBB in Berlin und

Brandenburg auf den Frequenzen von Radiomultikulti,

das zum Jahresende aus Kos tengrün-

den eingestellt werden musste, Funkhaus Europa

aus. Im Rahmen der Umstellung brachte

Funkhaus Europa, die multikulturelle und internationale

Welle von WDR und Radio Bremen,

auch mehrere neue Sendungen am Vormittag

ins Angebot, darunter das Musik- und Lifestyle-

Magazin »Süpermercado«.

Der RBB liefert Funkhaus Europa Sendungen

in polnischer, arabischer, spanischer,

griechischer und russischer Sprache zu. Daneben

gestaltet er nächtliche Musiksendungen.

_ BR-Klassik: die ganze Welt der Klassik unter

einem Dach

BR-Klassik statt Bayern4Klassik heißt die Klassikwelle

des BR seit Oktober. Mit dem Namen

BR-Klassik schuf der BR eine Dachmarke, die

alle Aktivitäten der Rundfunkanstalt in Sachen

klassischer Musik unter diesem Label vereint.

Dazu gehören die Klangkörper des BR, musica

viva, die eigenen CD-Veröffentlichungen, die

Klassiksendungen in BR-alpha und im Bayerischen

Fernsehen sowie der entsprechende

Internet-Auftritt.

Zum gleichen Zeitpunkt frischte die Klassik-

Welle auch ihr Angebot auf. Die ganze Welt

der Musik mit raren Aufnahmen aus den BR-

Archiven, UFA-Schlager, Operetten, Ragtime

oder auch Klavier-Konzerte bringt die »Mittagsmusik«

seither montags bis freitags von 12.05 bis

13.00 Uhr. Am Wochenende läuft zur gleichen

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Jugendradiotag in BR-Klassik: Einer der jungen

Moderatoren war Kevin Heinzler.


Sendezeit »Divertimento«, eine Sendung, die

ohne Berührungsängste Ernste Musik und leichtere

Muse nebeneinander präsentiert. Unter der

Woche gibt es im Anschluss bis 14.00 Uhr in

dem neuen Angebot »Concertino« ausschließlich

Aufnahmen auf Originalinstrumenten zu

hören. Ab 14.05 Uhr bietet »Cantabile« dann

eine Stunde lang reine Vokalmusik.

Die »Philharmonie«, das Konzert am Morgen,

ist seit Oktober donnerstags von 10.05

bis 11.55 Uhr für Aufnahmen des BR-Symphonieorchesters

reserviert. Auch das Münchner

Rundfunkorchester erhielt unter seinem Namen

einen festen Sendeplatz, sonntags von 19.03 bis

20.00 Uhr.

Neue Sendungen _ Von »Play Jazz« bis zum »Opern-Lunch«

Auch jenseits größerer Reformen und kleinerer

Kurskorrekturen fand eine Fülle neuer Programmideen

im vergangenen Jahr wieder ihren

Platz in den vielfältigen ARD-Angeboten.

Immer nah an den Wünschen des Zielpublikums

und besonders kreativ im Aufspüren

aktueller Trends waren die jungen ARD-Radios.

»Bremen Vier beginnt« seit Januar montags bis

freitags von 5.00 bis 10.00 Uhr den Tag hörbar

schneller. Die neue Morgenshow bekam

zusätzliche Inhalte, baute die Interaktion mit

den Hörern aus und bindet nun die Nachrichtensendung

»Vier News« stärker ein. »N-JOY

Grüßt Euch« heißt es seit August samstags von

14.05 bis 18.00 Uhr im jungen NDR-Radio.

Die Sendung gestalten N-JOY-Hörer mit ihren

Lieblingssongs. Besten Pop aus der Türkei und

Osteuropa bietet seit Februar YOU FM (HR)

mit den »Eastern Sounds«. Sonntagabends zwischen

21.00 und 24.00 Uhr präsentieren die DJs

Erci Ergün und Armin Siebert (»Pixie«) Balkan

Grooves, Oriental Beats, Turkish Pop, aber auch

russischen Rock oder polnischen Reggae.

Im »Nachtmix«, dem Platz für anspruchsvolle

Popmusik in Bayern 2, legt seit März

Mehmet Scholl an jedem ersten Freitag im Monat

von 23.05 Uhr bis Mitternacht »Mehmets

Schollplatten« auf. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler

ist Kenner der Independent-Szene

und hat bereits verschiedene CD-Compilations

veröffentlicht. In die schillernde Welt der Oper

lädt hr2-kultur seit Januar samstags von 13.05 bis

14.00 Uhr mit dem »Opern-Lunch« ein. »Play

Jazz« heißt es seit März montags bis donners-

tags von 23.05 bis 24.00 Uhr in NDR Info. Das

Magazin informiert schnell und unterhaltsam

über alles Wissens- und Hörenswerte aus der

Welt des Jazz. Der bekennende Jazz-Fan Roger

»Willemsen legt auf«, und zwar seit September

in NDR Kultur mittwochs um 9.30 Uhr und

samstags um 14.30 Uhr. In der Sendung stellt

der Autor und Moderator seine Lieblingstitel

aus den Bereichen Klassik und Jazz vor.

Musiker legenden, aber auch junge Talente sind

samstags von 9.05 bis 12.00 Uhr in hr1 bei Moderator

Werner Reinke in »Reinke am Samstag«

zu Gast.

1LIVE (WDR) spürt mit »Die ganz große

Jan Böhmermann Radioschau« alten Radio-Traditionen

nach. Live und vor Publikum begrüßt

Moderator Jan Böhmermann seit August am

letzten Mittwoch im Monat prominente Gäste

sowie Stars und Newcomer des Satire-, Comedy-

und Unterhaltungsgeschäfts. Seit Januar

behandelt NDR Info montags von 21.05 bis

»Intensiv-Station« – der satirische Monatsrückblick

auf NDR Info: Axel Naumer,

Alfons (Emmanuel Peterfalvi), Stephan Fritzsche

(v.l.)

22.00 Uhr die Ereignisse der vergangenen Woche

auf seiner »Intensiv-Station« mit satirischen

Therapien, durchgeführt von namhaften Kabarettisten.

Längere Magazinstrecken in den populären

Programmen wurden auch im vergangenen Jahr

wieder an die sich wandelnden Hörerbedürfnisse

angepasst. SR 3 Saarlandwelle präsentierte

zu Jahresbeginn mit dem »SR 3-Kiosk«, montags

bis samstags von 13.10 bis 15.00 Uhr, einen

neu gestalteten kurzweiligen frühen Nachmit-

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 213


214

tag. Radiospiele, Comedy und jede Menge

melodiöser Musik sind feste Bestandteile des

neuen Angebots. »Der Nachmittag mit Karpe

und Rüberg« steht seit März im Programm von

MDR 1 RADIO THÜRINGEN. Die Moderatoren

Matthias Karpe und Peter Rüberg garantieren

montags bis freitags von 13.05 bis 18.00

»Die SWR2 Radio Akademie« ging unter dem

Titel »Evolution – Fluss des Lebens« auch dem

gewandelten Jagdtrieb des Menschen nach.

Uhr einen unterhaltsamen Nachmittag mit

Musik, Spielen, Regionalnachrichten und Veranstaltungstipps.

Beste Unterhaltung, Spannung und Information

garantieren nach wie vor Sportsendungen

im Radio. Seit Januar lädt SR 1 Europawelle

am Samstagnachmittag von 14.03 bis 18.00 Uhr

in den »SR 1 Spielraum« zu Sport, Spielen und

Comedy-Spaß ein. Hier spielen auch die Hörer

wie beim »Elfmeterschießen« und »Mann-

Frau-Duell« selbst, und dazu gibt es Aktuelles

von den Spielen der Fußball-Bundesliga. »Der

NDR 2 Sonntag mit den Highlights der Fußballbundesliga«

ergänzt von 15.05 bis 20.00 Uhr

seit August das NDR 2-Sportangebot. Auch bei

NDR 90,3 steht seit dem Sommer mit »Sport

und Hits« der Sonntag von 15.05 bis 20.00 Uhr

ganz im Zeichen des Fußballs. SR 3 Saarlandwelle

fasst im »SR 3 Sport-Report« samstags und

sonntags um 20.04 Uhr im Anschluss an die

Nachrichten noch einmal die Sportereignisse

des Wochenendes zusammen.

Von Sendebeginn an nutzten Radiohörer

ihr Medium, um sich Reiseberichte und Informationen

über nahe und ferne Welten ins

Haus zu holen. »Meridian 11«, eine Reihe in

Deutschlandradio Kultur, erzählte mittwochs

ab 8.20 Uhr in Live-Reportagen deutsche Alltagsgeschichten

entlang des 11. Längengrades.

Seit Juli bringt »Figaros Reisejournal« in MDR

FIGARO den Hörern einmal monatlich freitags

von 13.05 bis 14.00 Uhr sowohl fremde Kulturen

als auch bekannte und weniger bekannte Orte

in Mitteldeutschland nahe. In SR 1 Europawelle

schauen sich die SR-Redakteure seit August

sonntags von 14.04 bis 18.00 Uhr mit dem »SR 1

Kompass« in der Welt um: Sie blicken über die

Grenze nach Frankreich und auf das, was sich

rund um den Globus tut.

Die »SWR2 Radio Akademie« vermittelte

auch 2009 spezielles Wissen allgemein verständlich,

diesmal zum Thema »Evolution – Fluss

des Lebens«. Die zwölfteilige Reihe befasste

sich samstags von 8.30 bis 9.00 Uhr mit Deutungen

und Fehldeutungen der Darwin’schen

Lehre. Das traditionsreiche »Funkkolleg« ging

in hr2-kultur von Oktober 2009 bis Juni 2010

der Grundsatzfrage »Wozu Gott?« nach. 24

Sendungen beleuchteten samstags von 9.25 bis

10.00 Uhr, Wiederholung in hr-iNFO sonntags

ab 9.25 Uhr, die Gehalte des Religiösen. Mit den

Osterfeiertagen wanderten die Übertragungen

der Feiertagsgottesdienste von hr1 zu hr4, der

populären HR-Welle für ein älteres Publikum.

Mit dem Wechsel wurden die Gottesdienste,

u. a. durch einen höheren Musikanteil, auch radiophoner

gestaltet.

Radioeins (RBB) setzte im vergangenen Jahr

seine Kooperation mit Printmedien fort. Im

Juni startete unter dem Titel »Radioeins und

Rundschau-Spezial« donnerstags von 19.05 bis

20.00 Uhr auf der Lausitzer Frequenz eine multimediale

Live-Diskussionsplattform für Themen

aus der Region Südbrandenburg. »Neue

Sachbücher« stehen am letzten Samstag im

Monat von 18.30 bis 19.00 Uhr im Mittelpunkt

auf NDR Kultur. Damit reagierte die NDR-

Kulturwelle auf das wachsende Interesse an

Sachthemen und das zunehmende Angebot an

gut lesbaren Fachbüchern.

Mit der Übernahme des »ZeitZeichens« vom

WDR-Radio ergänzte SR 2 KulturRadio im Oktober

montags bis freitags um 8.40 Uhr sein Informationsangebot.

»Was diese Woche wichtig

war« erfahren Kinder ebenfalls seit Oktober in

besonders aufbereiteten Nachrichten samstags

um 11.40 und um 17.40 Uhr in NDR Info.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Programmwochen und Schwerpunktprogramme

_ »Berlinale-Radio« auf Radioeins (RBB)

vom 5. bis 15. 2. mit Berichterstattung rund

um die Uhr von den Berliner Filmfestspielen.

_ »Ab in den Job« war das Motto zahlreicher

Beiträge in DASDING (SWR), die vom

23. bis 27. 2. über die verschiedenen Wege Jugendlicher

ins Berufsleben informierten.

_ »Wenn Du denkst, Du denkst . . .«, ein Themenwochenende

am 14./15. 3. in hr2-kultur

zu neuen Erkenntnissen der Hirnforschung.

_ »Da fliegen sie wieder«, vom 4. bis 9. 5.

drehte sich in Deutschlandradio Kultur alles

um die Vogelwelt. _ Unter dem Motto »Ist doch Ehrensache«

befasste sich die gesamte ARD in Radio, Fernsehen

und Internet vom 10. bis 16. 5. mit dem

bürgerschaftlichen Engagement.

_ Über rechte Extremisten berichtete MDR

SPUTNIK vom 11. bis 17. 5. unter dem Motto

»Respekt!« statt Hass. _ »Meer hören«: Rund ums Wasser ging es

am Pfingstwochenende vom 20. 5 bis zum

1. 6. in hr2-kultur. _ Einen »Festivalsommer« von Juni bis August

mit Übertragungen und Berichten von

Rock- und Popfestivals aus dem gesamten

Sendegebiet veranstaltete DASDING (SWR).

_ Mit dem »Mythos Amerika« als Land der

unbegrenzten Möglichkeiten beschäftigte

sich SR 2 KulturRadio vom 3. 6. bis 26. 7.

_ Das »Sommerprogramm« von Deutschlandradio

Kultur bot von Juli bis September

Musikfestivals aus allen Regionen Deutschlands

sowie Höhepunkte von Hörspiel-, Feature-

und Klangkunst. _ »Festspielzeit in Bayern 4 Klassik« vom

5. 7. bis 12. 9. mit den Höhepunkten der Musikfestspiele

in ganz Europa.

_ Erstmalig präsentierten Bayern 2 plus,

hr2-kultur, MDR FIGARO, NDR Kultur, Nordwestradio

(Radio Bremen/NDR), Kulturradio

(RBB), SR 2 KulturRadio, SWR2 und WDR 3

vom 12. 7. bis 12. 9. das »ARD Radiofestival«,

ein gemeinsames sommerliches Abendpro-

»Trouvailles – Fundstücke aus dem SR-

Archiv« präsentiert SR 2 KulturRadio seit November

einmal monatlich am Samstagabend

von 20.04 Uhr bis Mitternacht. Historische

gramm mit Übertragungen von den renommiertesten

Musikfestspielen, einer Lesung,

Jazz und O-Ton-Radio-Dokumenten.

_ »Bayern2Sommerradio« vom 1. bis 31. 8.

u. a. mit einem »Lesesommer«, dem »Festspielcafé«

und Sendungen zum Jubiläum

»60 Jahre Bayerischer Rundfunk«.

_ »hr-iNFO macht Schule«: vom 24. 8 bis

zum 9. 10. war hr-iNFO in der Weibelfeldschule

in Dreieichenhain präsent und berichtete

in Live-Sendungen und Reportagen über

Bildungspolitik und Schulrealität.

_ In der Radiokunst-Reihe »radio d-cz«

stellte Deutschlandradio Kultur vom 11. bis

30. 9. Features, Hörspiele und Soundcollagen

vor, die sich mit deutsch-tschechischen Lebenswelten

befassten.

_ »N-JOY liest« im Oktober mit seinen Hörern

gemeinsam »Hand aufs Herz« von Anthony

McCarten. Dazu gab es Lesezirkel und

Diskussionsrunden.

_ »Obamas Amerika – Was ist aus den Hoffnungen

geworden?«: WDR 5 begab sich vom

25. 10. bis 1. 11. knapp ein Jahr nach der Wahl

Obamas zum Präsidenten auf Entdeckungsreise

in das Amerika von heute.

_ »Was ist uns die Klassik wert?« fragte

WDR 3 vom 16. 11. bis 22. 11. in Gesprächen mit

Jugendlichen, Produzenten und Künstlern

und beschäftigte sich nicht zuletzt mit der

Finanzierung anspruchsvoller Musik.

_ »SWR2 extra: Türkei – Land des Aufbruchs«:

in zahlreichen Berichten, Reportagen

und Interviews widmete sich die SWR-

Kulturwelle vom 27. 12. 2009 bis 10. 1. 2010

Leben, Kultur, Politik und Geschichte der Türkei.

_ Um »Geschwistergeschichten« drehte

sich das Weihnachtsprogramm von hr2-kultur

vom 22. 12. 2008 bis 11. 1. 2009.

_ »Das Prinzip Hoffnung« setzte die Bayern

2-»Radio Revue« vom 25. 12. 2009 bis

6. 1. 2010 mit einer Reihe von Beiträgen, die

Denkanstöße und Lösungsansätze aufzeigten,

den Krisenzeiten entgegen.

Ausschnitte aus politischen Berichten, Analysen

und Kommentaren, aber auch aus Kulturbeiträgen

erinnern an bedeutende Ereignisse.

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 215


216

Aktuelles und thematische Schwerpunkte

_ »Klima konkret« –

Information und Service im ARD-Radio

Im Dezember trafen sich Vertreter der Industrie-

und Entwicklungsländer zur UN-Klimakonferenz

in Kopenhagen, um ein gemeinsames Vorgehen

gegen den Klimawandel zu vereinbaren.

Bereits im März hatte sich eine internationale

wissenschaftliche Tagung ebenfalls in der dänischen

Hauptstadt mit den globalen Risiken

der Erderwärmung befasst. Damit blieb der

Klimaschutz während des gesamten Jahres eines

der Top-Themen in der Berichterstattung der

Informations- und zunehmend auch der populären

ARD-Hörfunkprogramme.

Unter dem Motto »Klimabewusst leben«

befassten sich zahlreiche Beiträge in Bayern 1

und Bayern 3 mit praktischen Vorschlägen zum

Energiesparen. Ein Bündel aus Reportagen,

Porträts und Gesprächen befasste sich in NDR

Info im Herbst mit dem »Klima konkret«. So

stellte eine Serie unter dem Titel »Norddeutsche

Klimaretter« Vorbilder aus dem Norden

vor. Moderator Jens Marhold besuchte im

Herbst zusammen mit einer Umweltexpertin

Wohnungen und Büros von NDR 2-Hörern.

Reportagen von »Marholds Hausbesuch« liefen

einmal wöchentlich in seiner Sendung »NDR 2

Vormittag«. Eine Reihe in WDR 5 suchte unter

dem Titel »Die Zukunft der Erde« nach Wegen

aus dem Klimakollaps. Das Nordwestradio (Radio

Bremen/NDR) wandte sich im April unter

NDR Info stellte im Rahmen seines Klima-

Schwerpunkts auch den ersten Offshore-

Windpark Alpha Ventus vor der deutschen

Nordsee-Küste vor.

dem Obertitel »Unser Klima« verstärkt dem

Thema zu. Zum Angebot gehörten u. a. ein

Feature zum nahenden Klimagau auf Sylt, eine

»Gesprächszeit«, in der über »Die Meere und

der Klimawandel« diskutiert wurde, und eine

Ausgabe des »Studio Nordwest« mit dem Titel

»Land unter – Folgen des Klimawandels im

Nordwesten«.

Gerade auch die jungen ARD-Radios widmeten

sich dem Themenkomplex immer wieder

ausführlich. Unter dem Titel »Klappe zu – Eisbär

tot« erläuterte Fritz (RBB) seinen Hörern

in verschiedenen Berichten, was bei einem

dauerhaften Temperaturanstieg alles passieren

könnte. N-JOY (NDR) richtete ein »N-JOY

Klima-Konto« ein und rief sein Publikum dazu

auf, öfter auf das Auto zu verzichten. Die Entscheidungen

in Kopenhagen kommentierte u. a.

der Deutschlandfunk im Dezember in einem

Programmschwerpunkt.

Die ARD-Radioangebote verfolgten auch

im vergangenen Jahr wieder intensiv die Entwicklung

der Wirtschafts- und Finanzkrise.

»Neustart. Wirtschaft anders denken« hieß beispielsweise

ein Thementag im WDR-Hörfunk.

Dabei richtete das WDR-Radio den Fokus auf

Nordrhein-Westfalen und bot vor allem den

Hörern von WDR 2 und WDR 5 direkte Beteiligungsmöglichkeiten.

Der »Bankberatung in der

Krise« widmete sich der BR-Hörfunk im Juli.

So gab u. a. ARD-Börsenexperte Frank Lehmann

an einem »Langen Samstag« in Bayern 1

darüber Auskunft, welche Anlagen für welche

Käufer ratsam sind. Mit »Chancen in der Krise«

befasste sich ein Thementag in hr-iNFO und

zeigte zukunftsorientierte Firmen-Konzepte auf.

Großen Raum in der aktuellen Berichterstattung

aller Hörfunkprogramme nahmen im

vergangenen Jahr auch wieder eine Reihe von

Landtagswahlen, die Wahl zum Europäischen

Parlament und die Bundestagswahl am 27. 9.

ein. Den Auftakt machte am 18. 1. die mit Spannung

erwartete Wahl zum hessischen Landtag.

Die Wahl ein Jahr zuvor hatte keine klaren

Mehrheitsverhältnisse geschaffen, und alle HR-

Programme berichteten intensiv über einen hart

geführten Wahlkampf in Hessen. hr-iNFO-Reporter

Stefan Bücheler reiste zwei Wochen als

Wahlbeobachter durchs Land. Anfang Januar

analysierte hr1 eine Woche lang täglich die Positionen

der Parteien und ließ Beteiligte zu Wort

kommen. Alle Spitzenkandidaten kamen live

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Bundeskanzlerin Angela Merkel stellte

sich im »Kanzlercheck« den Fragen

von jungen ARD-Hörern aus dem ganzen

Bundesgebiet.

in hr3, hr4, hr-iNFO und YOU FM zu Wort.

Großeinsatz herrschte am Wahlabend im Landtag,

aus dem alle HR-Wellen live berichteten.

An der Wahl zum Europäischen Parlament

am 7. 6. waren 27 Staaten – so viele, wie noch

nie zuvor – beteiligt. Der BR informierte u. a.

in Bayern 2 über die Macht der EU-Abgeordneten

und die geringe Wahlbeteiligung. Der

SWR-Hörfunk lieferte im Vorfeld ausführliche

Hintergrundinformationen und brachte am

Wahlabend Sondersendungen in jeweils beiden

Programmen von SWR1 und SWR4 sowie in

SWR cont.ra. MDR SPUTNIK war mit Radio-

und Netzreportern in ganz Europa unterwegs

und ließ junge Menschen in den Nachbarstaaten

ihre Sicht auf die EU erklären.

Die Wahlen im Saarland, in Thüringen und

in Sachsen am 30. 8. stimmten schon auf den

Super-Wahlabend knapp vier Wochen später

ein. Auch hier berichteten nicht nur die im

Sendegebiet ansässigen Radioprogramme umfassend.

Am 27. 9. schließlich waren alle Bundesbürger

aufgefordert, zu den Wahlurnen zu gehen,

die Wahlberechtigten in Brandenburg und

Schleswig-Holstein mussten zusätzlich noch

über die Zusammensetzung ihrer Landtage abstimmen.

Das Gros der ARD-Radioangebote

stand am Wahlabend mit Sondersendungen,

Direktübertragungen und Spezials ganz im

Zeichen der Abstimmungen. Ein fast unüberschaubares

Angebot an Reportagen, Hintergrund-

und Gesprächssendungen informierte

das ARD-Publikum in den Wochen zuvor. Die

jungen Radios der ARD organisierten gemeinsam

einen »Kanzlercheck«, in dem die Kanz-

Der Kanzlerkandidat der SPD, Frank-Walter

Steinmeier, war im Vorfeld der Bundestagswahl

u. a. auch zu Gast in »Platz der Republik«,

dem Hauptstadtmagazin auf WDR 5.

lerkandidaten Angela Merkel und Frank-Walter

Steinmeier im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin

am 15. bzw. 16. 9. mit den Fragen junger Hörer

konfrontiert wurden. Dazu schalteten Bremen

Vier, DASDING (SWR), Fritz (RBB), MDR

SPUTNIK, N-JOY, on3-radio, YOU FM, 103.7

UnserDing (SR) und 1LIVE ihre Programme

an diesen Tagen von 13.00 bis 14.00 Uhr zusammen

und übertrugen die Sendung live und

zeitgleich.

Einer der kirchlichen Höhepunkte im vergangenen

Jahr war der 32. Evangelische Kirchentag,

der unter dem Motto »Mensch, wo bist

Du?« vom 20. bis 24. 5. in Bremen stattfand.

Alle vier Radio-Bremen-Wellen informierten

über den Tag in Journalen, Sondersendungen

und Rubriken über Veranstaltungen und Angebote

des Protestantentreffens. Viele weitere

ARD-Programme beteiligten sich an der Berichterstattung

und meldeten sich z. T. live vom

Kirchentag.

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom

15. bis 23. 8. in Berlin waren das Sportereignis

im letzten Jahr, das auch international größte

Beachtung fand. Vor allem die Nachrichten-

und Infoprogramme hielten ihre Hörer ständig

auf dem Laufenden. Inforadio (RBB) z. B. berichtete

in seinen stündlichen Sportangeboten.

Dazu gab es Interviews und Berichte im

laufenden Programm. MDR INFO begleitete

die WM umfassend und brachte alle wichtigen

Entscheidungen live. Das Internationale Deutsche

Turnfest, das alle vier Jahre gefeiert wird,

fand 2009 in der ersten Juniwoche in Frankfurt

am Main statt. hr1, hr3, hr4 und hr-iNFO be-

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 217


218

»60 x Deutschland« in Hörfunk und Fernsehen:

Berliner und Besucher aus Ost und

West nutzten 1990 den ehemaligen

Todesstreifen als Spazierweg und die Mauer

als Steinbruch für Andenken.

gleiteten die Breitensportveranstaltung, die eine

der größten der Welt ist, umfassend. Neben

Wettkämpfen, Ergebnissen, Daten und Fakten

standen Stimmungsbilder aus der Stadt, Porträts

der Helfer und das vielfältige Begleitprogramm

im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Akzente und Jahrestage

_ »60 x Deutschland« und »Mauersplitter« –

Deutschlands Umbrüche im ARD-Radio

Mit einem Festakt verabschiedete der Parlamentarische

Rat am 23. 5. 1949 das Grundgesetz, das

tags darauf in Kraft trat. Dies war die Geburtsstunde

der Bundesrepublik Deutschland. Am

7. 10.1949 verkündete der Vorsitzende des Volksrats,

Wilhelm Pieck, in Ost-Berlin die Gründung

der DDR auf dem Gebiet der ehemaligen

Sowjetischen Besatzungszone. Damit war die

Teilung Deutschlands für die nächsten 40 Jahre

besiegelt. Mit einer fast unüberschaubaren Anzahl

von Schwerpunkten, Programmwochen

und Einzelsendungen, die hier nur beispielhaft

erwähnt werden können, erinnerten die ARD-

Programme an die Meilensteine der jüngeren

deutschen Geschichte.

Eine der BR-Spezialreihen beschäftigte sich

in Bayern 2 unter dem Titel »Germania 60« mit

literarischen Erinnerungsorten. Bedeutende

Orte, die mit den Ereignissen der Nachkriegsgeschichte

eng verbunden sind, wurden mit

Literatur von Uwe Tellkamp bis Rainer Werner

Fassbinder vorgestellt. Weitere Reihen befassten

sich in »radioWissen« u. a. mit den 50er Jahren

»Zwischen Verdrängung und Aufklärung«

und dem Grundgesetz. hr1 machte auf einer

»Reise durch Deutschland« vom 3. bis 23. 5. an

geschichtsträchtigen Orten halt, und hr2-kultur

blickte in einer Themen-Matinee unter dem

Motto »Einigkeit und Recht und Wohlstand«

auf 60 Jahre BRD zurück. In einer Themenwoche

im Februar beschäftigte sich NDR Info mit

dem, was die deutsche Kultur in den letzten 60

Jahren geprägt hat. Dazu gehörten neben Literatur,

Schlagern und Chanson auch der Einfluss

der Migranten auf die Lebensart der Deutschen.

SR 2 KulturRadio widmete sich unter dem

Motto »BR D DR – 60 Jahre deutsche Staatengründung«

in Lesungen, Gesprächen und Dokumentationen

dem Thema und vermittelte

so einen akustischen Eindruck von 60 Jahren

deutsch-deutscher Geschichte. Inforadio und

Antenne Brandenburg (RBB) sowie SWR cont.

ra beteiligten sich an dem ARD-Multimedia-

Projekt »60 x Deutschland« und erinnerten vom

2. 3. bis 22. 5. mit 15-minütigen Radiofeatures an

historische Momente. »Historische Radio-Diskussionen«

und der deutsche »Alltag im Wandel«

standen u. a. im Mittelpunkt verschiedener

Reihen in SWR2. Unter dem Schwerpunkttitel

»Eine deutsche Republik – Die ersten 60 Jahre«

luden zahlreiche Sendungen und Reihen in

WDR 5 vom 19. 4. bis 23. 5. zur Erinnerung und

zum Wiederhören einschlägiger Tondokumente

ein. WDR 3 gestaltete am 23. 5. einen Radiotag,

der sich mit Literatur, Musik und Dokumenten

ganz dem Jahr 1949 widmete.

Beide Angebote des Deutschlandradios

setzten sich in mehr als 40 Sendungen und Beiträgen

mit den Jubiläen auseinander. Deutschlandradio

Kultur beleuchtete u. a. in einem

Themenabend am 4. 5. die Gründungsphasen

der Bundesrepublik und der DDR und startete

ebenfalls an diesem Tag die 15-teilige Reihe

»Aufbruch aus Trümmern – Deutschlands Weg

in die Teilung«.

40 Jahre später, am 9. 11. 1989, geschah dann

das bis dahin für viele Bürger der beiden deutschen

Staaten Unvorstellbare: Die Mauer fiel

und die innerdeutsche Grenze wurde geöffnet.

Auch an dieses Jubiläum erinnerte der Hörfunk

mit einer Vielzahl von Reihen und Einzelsendungen.

MDR FIGARO ließ ab September in

einer Kolumnen-Reihe prominente Autoren

ihre Perspektive auf die Ereignisse beschreiben.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


»Wege zur Einheit – Das Haus des Rund -

funks 1989 – 2009«, war der letzte Teil eines

fünfteiligen Features in Kulturradio (RBB).

Filmteams des früheren SFB waren am

9. November 1989 live dabei, als die Menschen

vom Westen her auf die Mauer am Brandenburger

Tor stiegen.

Eine weitere Reihe erzählte unter dem Titel »20

Jahre Flucht aus der DDR« Geschichten von

Aufbruch und Ankunft in einem neuen Leben.

Am 9. 10. feierte die MDR-Kulturwelle von

6.00 bis 24.00 Uhr mit einem Radiotag den

»Tag der Entscheidung«, als in Leipzig 70 000

Menschen friedlich für Reformen demonstrierten.

MDR INFO ließ u. a. Zeitzeugen mit

ihren ganz persönlichen Erlebnissen zu Wort

kommen.

»Grenzenlos im Norden – 20 Jahre Mauerfall«

titelte der NDR seinen trimedialen

Schwerpunkt, der während des ganzen Jahres

auch im NDR-Hörfunk Akzente setzte. NDR

Info porträtierte beispielsweise in »Wendegeschichten«

Menschen, deren Lebensläufe sich

durch den Mauerfall radikal veränderten. Beim

Thementag Mauerfall präsentierte NDR Kultur

Interviews, Reportagen, literarische Texte und

O-Ton-Collagen. Mit den »Living History Features«

erweckte NDR 2 die Geschichten seiner

Hörer aus dieser Zeit wieder zum Leben. Am

14. 8. gestalteten NDR 1 Niedersachsen und

MDR 1 RADIO SACHSEN-ANHALT einen

gemeinsamen Programmtag aus dem ehemals

geteilten Grenzdorf Böckwitz-Zicherie. In der

Nacht vom 9. auf den 10. 11. feierten alle vier

NDR-Landesprogramme von 22.00 bis 5.00 Uhr

mit einem gemeinsamen Programm. Zu hören

waren Live-Schaltungen am früheren Grenzver-

lauf, Reportagen und Grenz-Geschichten. Am

Vormittag hatten bereits von 6.00 bis 11.00 Uhr

NDR 1 Welle Nord und NDR 1 Radio MV gemeinsam

von der ehemaligen Staatsgrenze zwischen

beiden Ländern berichtet.

»Die Mauer muss weg« lautete das Motto

eines Themenwochenendes am 3./4. 10. in hr2kultur.

Den Auftakt bildete ein dreistündiges

Magazin unter dem Titel »Wir sind das Volk«.

»Grenzfälle« dokumentierte hr1 zwei Wochen

lang täglich im Oktober und November. SR 2

KulturRadio, SWR2 und WDR 5 widmeten

dem wichtigsten historischen Ereignis der deutschen

Nachkriegsgeschichte je einen Schwerpunkt.

Thementage veranstalteten u. a. Antenne

Brandenburg mit einer »Deutsch-deutschen

Musiknacht« als Höhepunkt, radioBerlin 88,8,

am Abend mit Ausschnitten aus dem »Konzert

für Berlin« im Jahr 1989, Radioeins, Inforadio

und Fritz (alle RBB), SR 3 Saarlandwelle und

SWR4 Rheinland-Pfalz. Der Deutschlandfunk

machte die Ereignisse der friedlichen Revolution

u. a. vom 13. 8. 2009 bis 18. 3. 2010 täglich in

der Reihe »Mauersplitter« hörbar. Hier wurden

bekannte wie vergessene Zeit-Dokumente ins

Gedächtnis gerufen – O-Töne und Textzitate,

nie länger als eine Minute, die zum Erinnern,

Reflektieren und Weiterdenken einluden.

Anlass zum Feiern bot für viele Radioprogramme

der 40. Jahrestag des legendären

Woodstock-Festivals, das im Sommer 1969 im

Das 40-jährige Jubiläum des Woodstock-

Festivals feierten viele populäre

ARD-Wellen mit einem gemeinsamen

Schwerpunkt und der Publikation

eines Doppel-Albums.

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 219


220

beschaulichen Ort Bethel im Bundesstaat New

York stattfand. Das WDR-Radio widmete sich

in mehreren Beiträgen der musikalischen Großveranstaltung.

WDR 5 fragte beispielsweise

seine Hörer, welche Lieder des Festivals sie besonders

geprägt haben, und ging in einem weiteren

Beitrag unter dem Titel »Regen, Reibach,

Rolling Stones« der Geschichte der Open-Air-

Festivals nach. Elf populäre ARD-Wellen –

WDR 2, Bremen Eins, Bayern 3, hr1, SR 1 Europawelle,

NDR 90,3, NDR Welle Nord, NDR 1

Radio MV, beide Programme von SWR1 und

Antenne Brandenburg (RBB) – stimmten am

Wochenende des 15./16. 8. ihr Angebot aufeinander

ab, um die Künstler von damals, die Musik

und den Mythos Woodstock zu feiern.

Im vergangenen Jahr bot sich häufig Gelegenheit,

an verschiedene hochrangige Musiker,

Literaten und Wissenschaftler zu erinnern. Der

Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy

jährte sich am 3. 2. zum 200. Mal. SR 2 KulturRadio

widmete dem Komponisten in den

Monaten Januar bis März insgesamt zwölf Ausgaben

von »AprèsMidi – Klassik am Nachmittag«.

Eine 26-teilige Reihe in Kulturradio (RBB)

spürte immer am Sonntagnachmittag dem Werdegang

Mendelssohn Bartholdys nach. SWR2

feierte den Musiker besonders ausgiebig vom 1.

bis 8. 2. Den Auftakt machte ein Themen abend,

an dem sich u. a. eine prominent besetzte Gesprächsrunde

mit der Person Mendelssohns,

seiner Herkunft und Jugend, mit seinen Erfolgen

und seinem hohen Arbeitsethos befasste.

Die wichtigsten Stationen in Mendelssohns

Biografie beleuchtete eine 24-teilige Mini-Hör-

Auch »WDR 3 TonArt« erinnerte an

Felix Mendelssohn Bartholdy aus Anlass

seines 200. Geburtstags.

»Klassik-Lounge« im Kulturradio (RBB).

Das Kuss-Quartett widmete Joseph Haydn

sein Programm »Haydn plus«.

spielreihe auf MDR FIGARO und Kulturradio

(RBB). Viele Kulturwellen übernahmen zudem

den Euroradio-Tag, der aus Anlass seines Geburtstages

veranstaltet wurde.

Vor 250 Jahren starb Georg Friedrich Händel,

bereits zu Lebzeiten ein »Superstar« der Barockmusik.

Er gilt als einer der fruchtbarsten und

einflussreichsten Musiker überhaupt. Händels

Werke gehören ununterbrochen zum Aufführungsrepertoire,

länger als die jedes anderen

Komponisten. WDR 3 würdigte den Musiker,

dessen künstlerisches Schaffen sich auf alle musikalischen

Genres seiner Zeit erstreckte, mit

einem Programmschwerpunkt im April. Zu

einem »Händel-Radiofestival« lud Bayern 4 Klassik

ein und näherte sich Händel dabei von

ganz verschiedenen Seiten. Einen »Händel-Tag«

nahm auch SR 2 KulturRadio in sein Angebot.

Der Tag begann mit »Händel für Junge Ohren«,

einer fünfstündigen Sendung, die nicht nur

die Händel’schen Ohrwürmer vom »Largo« bis

zum »Halleluja« einem jungen Publikum

näherbrachte. hr2-kultur erinnerte an Händel

u. a. in der Reihe »Musiker der Woche« und in

acht Ausgaben des »Notenschlüssels«. Im Händel-Schwerpunkt

auf NDR Kultur erzählte

beispielsweise Rolf Seelmann-Eggebert in einer

20-teiligen Reihe die Biografie des Komponisten.

Am von MDR FIGARO verantworteten

»Handel Special Day« der EBU am 19. 4. beteiligten

sich 20 Rundfunkanstalten in Europa.

Am 31. 5. 1809 starb Joseph Haydn, neben

Mozart und Beethoven einer der Meister der

Wiener Klassik. Von Jahresbeginn an stand

aus diesem Anlass täglich, zu jeweils anderer

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Zeit, ein Werk aus Haydns riesigem Nachlass

im Programm von Bayern 4 Klassik. Außerdem

präsentierte die Klassikwelle in 52 Folgen den

Großteil von Haydns Streichquartetten und die

Hälfte seines symphonischen Werks. Aus verschiedenen

Perspektiven betrachteten WDR 3

und WDR 5 das Werk Haydns, so nahm z. B.

WDR 3 unter dem Titel »Auf Eurer Welt

herrscht Dünkel« die Rolle der Gesellschaft in

seinen Opern unter die Lupe. »Der Opernkomponist

Joseph Haydn« stand im Mittelpunkt

eines Features im Nordwestradio, und hr2-kultur

stellte den Jubilar an »Einem Tag für Joseph

Haydn« in den unterschiedlichen Gattungen

vor. Deutschlandradio Kultur setzte sich an

einem Themenabend mit der Originalität und

der Wirkung von Haydns Werk auseinander.

Den englischen Komponisten Henry Purcell,

1659 in Westminster geboren und bereits zu Lebzeiten

mit dem Ehrentitel »Orpheus britannicus«

ausgezeichnet, würdigte die Musikwelt zu

seinem 350. Geburtstag. Ein Feature in WDR 3

zeichnete unter dem Titel »Musik für Thron,

Theater und Taverne« seine Lebensstationen

nach. Mit der für Purcells kurzes Leben von 36

Jahren erstaunlichen Fülle und Vielfältigkeit

des Werks befassten sich mehrere Angebote in

SWR2, so eine sechsteilige Reihe unter dem Titel

»Be welcome, great Sir«.

An zwei Naturforscher, denen die Wissenschaft

im 19. Jahrhundert maßgebliche Fortschritte

verdankte, wurde im ARD-Radio ausführlich

erinnert. Alexander von Humboldts

Todestag jährte sich am 6. 5. 1859 zum 150. Mal,

und Charles Darwin hätte am 12. 2. seinen 200.

Geburtstag feiern können. »Humboldt 2009«

hieß eine Reihe im Deutschlandfunk, in der

ein Jahr lang ARD-Auslandskorrespondenten

und deutsche Schriftsteller nach Art des Weltreisenden

Humboldt von nahezu unbekannten

Kulturen rund um den Globus erzählten und

berichteten. »Mit dem Mut der Überzeugung«,

dem Wissensdrang, der den Forscher, Abenteurer

und Universalgelehrten in die unwegsamsten

Gebiete führte, befasste sich u. a. ein

Feature in Bayern 2. Humboldt-Biograf Manfred

Beier war zu Gast in verschiedenen Gesprächsrunden,

so in hr2-kultur und im Nordwestradio

(Radio Bremen/NDR), um aus dem

unglaublichen Leben des Universalgelehrten zu

erzählen.

»Dem Revolutionär unseres Weltbilds«,

Charles Darwin, widmete SWR2 aus Anlass seines

200. Geburtstags verschiedene Sendungen.

So war im Magazin »Impuls« z. B. eine Reihe

mit »Geschichten aus der Evolution« zu hören,

und das »Forum« beleuchtete in »Alpha-

Tiere und Herrenmenschen« die Ideologie des

Sozialdarwinismus. »Danke Darwin!« titelte

Radioeins (RBB) im Januar eine Ausgabe von

»Themen der Zeit«, die sich mit Wert und

Wirkung der Evolutionstheorie befasste. Zum

gleichen Thema diskutierte eine prominent

besetzte Runde in den »Funkhausgesprächen«

in WDR 5 unter dem Titel »Darwins Erbe(n)«.

MDR FIGARO stellte einen Thementag unter

das Motto »Charles Darwin und das Wunder

der Evolution« und erläuterte in der zweiten Februarwoche

täglich um 11.15 Uhr einen zentralen

Begriff aus Darwins Theorie.

In Marbach am Neckar kam Friedrich

Schiller, Dichter, Philosoph und Historiker, am

10. 11. 1759 zur Welt. Nicht zuletzt SWR2, u. a.

Medienpartner des Deutschen Literaturarchivs

»Schillerbeschallung« in »SWR2 Literatur«:

SWR2 ließ in sieben Schillerstraßen Schauspieler

aus einem speziellen »Schillermobil«

Texte des Dichters lesen.

in Marbach, feierte Schillers Geburtstag ausgiebig.

»Schillerbeschallung« hieß z. B. ein Projekt,

bei dem sieben Tage lang täglich in einer

anderen Schillerstraße in Baden-Würt-temberg

Schillertexte von einem Schauspieler rezitiert

wurden. SWR2 dokumentierte die Aktion am

Abend. Unter dem Titel »Alles rennet, rettet,

flüchtet« gestalteten SWR2 und das Staatstheater

Stuttgart am 13. 11. einen Schiller-Balladen-

Abend mit Starbesetzung, der live aus dem

Theaterhaus in SWR2, NDR Kultur, SR 2 KulturRadio

und WDR 5 übertragen wurde. Einen

ganzen Radiotag lang drehte sich im Kulturra-

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 221


222

dio (RBB) zwischen 6.00 und 22.00 Uhr alles

um Friedrich Schiller. Dabei ging es beispielsweise

in »Züchtige Hausfrauen und machtbesessene

Königinnen« um Schillers Frauen in Dichtung

und im Leben oder um »Schiller und seine

Opernkomponisten«. »Freude! Schöner! Götter!

Funken« lautete das Motto einer dreistündigen

musikalisch-literarischen Hommage im Nordwestradio

(Radio Bremen/NDR) am 10. 11. Dazu

präsentierten Michael Augustin und Walter

Weber historische Originaltöne aus den Schall-

und Klangarchiven der ARD-Anstalten.

Vor 200 Jahren wurde der amerikanische

Schriftsteller Edgar Allen Poe geboren. Er gilt

als der bedeutendste Vertreter der »schwarzen

amerikanischen Romantik« sowie als Wegbereiter

der modernen Kurzgeschichte, des Krimis

und der fantastischen Literatur. In Lesungen

wie z. B. »Der Fall des Hauses Usher« in MDR

FIGARO oder »Der Teufel im Glockenturm« in

hr2-kultur und Features wie »Das dunkle Leben

des Edgar Allen Poe« in Bayern 2 und »Symphonie

des Grauens« in WDR 3 wurden Leben

und Werk des großen amerikanischen Autors

hörbar.

Auch der Geburtstag von Nikolai Gogol,

einem der herausragendsten Dichter Russlands,

jährte sich 2009 zum 200. Mal. In »Bildern aus

Russland« würdigte beispielsweise Nordwestradio

(Radio Bremen/NDR) den Jubilar mit

dem Hang zum Dämonischen. Eine Ausgabe

von »radioWissen« ging in Bayern 2 unter dem

Titel »Nikolai Gogol und die Folgen« den widersprüchlichen

Interpretationen seines Werks

nach, und MDR FIGARO porträtierte den

Autor in dem Essay »Das Komische ist überall

verborgen«.

Hörspiel und Medienkunst

_ »Chronik der Gefühle« – die Welt des Alexander

Kluge als Hörspiel

Auch im vergangenen Jahr war das Hörspielangebot

der Landesrundfunkanstalten wie gewohnt

vielfältig und qualitätsbewusst. Dabei

reichte das Spektrum von anspruchsvollen literarischen

Großprojekten über herausragende

Krimis und Radionovelas bis hin zu akustischen

Klangskulpturen. Aus der Vielzahl der

Einzelsendungen, Reihen und Schwerpunkte

kann an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl

vorgestellt werden.

Für Spannung, akustischen Nervenkitzel

und beste Unterhaltung sorgten wieder zwölf

Neuproduktionen von Originalhörspielen des

Hannelore Hoger bei den Aufnahmen

für die Hörfassung von Alexander Kluges

»Chronik der Gefühle« in Bayern 2

Gemeinschaftsprojekts »ARD Radio Tatort«. Zu

hören waren die einzelnen Folgen einmal monatlich

innerhalb von fünf Tagen in Bayern 2,

hr2-kultur, MDR FIGARO, NDR Info, Nordwestradio

(Radio Bremen/NDR), SR 1 Europawelle,

SR 2 KulturRadio, SWR2, DASDING

(SWR), Kulturradio (RBB), Radioeins (RBB)

und WDR 5.

Einer der Höhepunkte des BR-Hörspiels im

vergangenen Jahr war die 14-teilige Radioproduktion

nach Alexander Kluges »Chronik der

Gefühle«, zwei Bänden – »Basisgeschichten« und

»Lebensläufe« – mit allen zwischen 1962 und

2000 veröffentlichten Erzählungen des Autors.

»Das Treibhaus«, Teil der »Trilogie

des Scheiterns« von Wolfgang Koeppen.

Im Bild: Axel Milberg (Erzähler, r.) und

Walter Adler (Regie)

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Kluge wirkte neben vielen anderen als Sprecher

mit und reflektierte seine Geschichten.

Mit der Ursendung des Fünfteilers »Huguenau

oder die Sachlichkeit« beschloss der BR zudem

die Vertonung von Hermann Brochs Romantrilogie

»Die Schlafwandler«. »Die Fälschung«

von Nicolas Born, erschienen 1979, setzte sich

mit dem damals gerade zu Ende gegangenen

Libanonkrieg auseinander. Die Produktion des

gleichnamigen fünfteiligen Hörspiels erinnerte

an die nach wie vor brisante Situation im Nahen

Osten.

Zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik

setzten HR, SWR und WDR drei Romane von

Wolfgang Koeppen, einem der Protagonisten

der Nachkriegsliteratur, in Szene. Die »Trilogie

des Scheiterns« entstand unter der Regie von

Leonard Koppelmann und Walter Adler. Für

jeden der Romane »Tauben im Gras«, »Das

Treibhaus« und »Der Tod in Rom« gibt es jeweils

eine lange und eine kürzere Fassung. In

einem Gemeinschaftsprojekt realisierten hr2kultur

und NDR Kultur erstmals eine zweiteilige

Hörfassung von Thomas Manns »Der Tod

in Venedig«. Die Geschichte von Gustav von

Aschenbachs aufbrechender Leidenschaft während

seines Venedig-Aufenthalts wurde im April

in hr2-kultur und NDR Kultur erstmals ausgestrahlt.

Beispielhafte Akustische Kunst schuf

Andreas Horchler in hr2-kultur mit »Frankfurt

innen – außen«, einem Klang-Porträt Frankfurts,

das die Geräusch- und Stimmenwelt in

ein musikalisch strukturiertes Soundscape transponierte.

Im Januar startete MDR FIGARO eine

neue Radionovela unter dem Titel »Paris sehen

und sterben!«. Im Zentrum der zwölfteiligen

Geschichte stehen drei junge Menschen, die

während eines Paris-Aufenthalts in dunkle Machenschaften

geraten. Zu den herausragenden

Ursendungen der MDR-Kulturwelle gehörten

sicherlich die Radioadaption von Volker Brauns

»Das Mittagsmahl«, einer Erinnerungsarbeit der

Generation der Kriegskinder, und das Hörstück

von Thilo Reffert »Die Sicherheit einer geschlossenen

Fahrgastzelle«, der Geschichte einer

DDR-Familie in der Nacht der Maueröffnung.

»60 Deutsche Jahre« hieß ein Hörspielschwerpunkt

in NDR Kultur und NDR Info.

Teil der Reihe war z. B. die fünfteilige Hörversion

von Uwe Johnsons »Das dritte Buch

über Achim«, die NDR Kultur gemeinsam mit

MDR FIGARO produzierte. Johnson schrieb

die Geschichte der Begegnung eines Hambur-

»Leben und Schicksal« nach Wassili

Grossman als vierteiliges Hörspiel in NDR

Kultur. Im Bild: Jona Mues

ger Sportjournalisten mit einem prominenten

DDR-Radrennfahrer 1961 parallel zum Mauerbau.

Mit der sechsstündigen Hörspieladaption

von Wassili Grossmans Roman »Schicksal und

Leben« realisierte NDR Kultur ein weiteres

ambitioniertes und aufwändiges Projekt. Der

Roman entfaltet vor dem Hintergrund der

Schlacht von Stalingrad 1942/43 die Schicksale

zweier Familien.

»Dickie Dick Dickens – Der gefährlichste

Mann Amerikas« startete 1960 seine Karriere im

Programm von Radio Bremen und blieb eine

der erfolgreichsten Radio-Krimiserien in Norddeutschland.

Deshalb entschied sich Nordwestradio

(Radio Bremen/NDR), etliche Folgen der

beliebten Krimi-Satire, die weder im Original

vorhanden waren und auch nicht per Aufruf an

die Hörer als Mitschnitt besorgt werden konnten,

in prominenter Besetzung nachzuproduzieren.

Zu den herausragenden Ursendungen

im Nordwestradio zählt das Hörstück »Bagdad

brennt«. John und Peter von Düffel bearbeiteten

dafür die Einträge einer anonymen jungen

Irakerin in einem Internetblog fürs Radio, in

deren Mittelpunkt die Verwüstung Bagdads und

die Verrohung des zwischenmenschlichen Umgangs

stehen.

»Rummelplatz«, der Roman von Werner

Bräunig über die Wismut AG und die Anfangsphasen

in Ost- und Westdeutschland, der in der

DDR nie erscheinen durfte, bildete die Vorlage

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 223


224

»Making of Hermann – Eine Denkmalsschlacht«,

Hörspiel von Patricia Görg in SWR2.

»Geschichtswichte« Walter Renneisen, Jens

Wawrczeck, Michael Tregor (v.l.)

für »Wismutspiel«, ein viel beachtetes Hörspiel,

das Kulturradio des RBB gemeinsam mit dem

WDR produzierte. Zum Gründungs-Jubiläum

der beiden deutschen Staaten gestaltete Kulturradio

eine über das ganze Jahr angelegte

Schwerpunktreihe mit Hörspielen unter dem

Motto »Go Wost – Deutsch-Deutsche Geschichten«.

Zu den bewährten Haus-Autoren von SR 2

KulturRadio gehört das Liquid Penguin Ensemble,

Katharina Bihler und Stefan Scheib,

die mit »Bout du Monde« wieder ein sehr erfolgreiches

Hörspiel für den SR schrieben. Das

Stück beschreibt in einer kunstvollen Montage

aus Geräuschen, Meeresrauschen und Möwengeschrei

sowie pseudodokumentarischen Texten

die Biografie des französischen Weltumseglers

Louis Antoine de Bougainville. Zu den weiteren

Höhepunkten im SR-Hörspielangebot gehörten

»Eine Frage der Einstellung« von Evelyne de

la Chenelière und Daniel Brière sowie die

»Aleppo-Beule« von Gustave Akakpo.

Eine Reihe von spannenden Neuproduktionen

stand im Angebot von SWR2: Im Mittelpunkt

der Hörspielbearbeitung des gleichnamigen

Romans von Christoph Peters »Ein

Zimmer im Haus des Krieges« steht ein junger

Deutscher, der sich einer ägyptischen Terrororganisation

anschließt. Um die schwierige

Beziehung von zwei sehr unterschiedlichen

Frauen geht es in dem Monolog von Marlene

Streeruwitz »Der Abend nach dem Begräbnis

der besten Freundin«. Im Rahmen des

deutsch-tschechischen Kulturprojekts »rádio

d-cz« entstand als Gemeinschaftsproduktion

von SWR, Deutschlandradio Kultur und dem

tschechischen Sender Ceský rozhlas die Klangskulptur

»Favourite Sounds of Prague« von

Peter Cusack und Miloš Vojtêchovský, eine

Kom position von Sprachen und Geräuschen

aus der tschechischen Hauptstadt.

Die jungen ARD-Radios DASDING (SWR),

Fritz (RBB) und YOU FM (HR) produzierten

gemeinsam 30 Folgen der spannenden Kurzhörspielserie

»All inclusive«. Im Zentrum stehen

zwei Pärchen, Anfang 20, deren Traumurlaub

in der Dominikanischen Republik von mysteriösen

Ereignissen überschattet wird.

An die erfolgreiche Produktion des Bestsellers

von Ken Follett »Die Säulen der Erde« im

Jahre 1999 knüpfte WDR 5 zehn Jahre später

mit der Fortsetzung des Mittelalter-Epos an. 20

Haupt- und weitere 50 Nebenrollen wirkten an

der aufwändigen zehnteiligen Hörspiel-Bearbeitung

von »Die Tore der Welt« mit. Die eigens

komponierte Musik spielten WDR-Rundfunkorchester

und WDR-Rundfunkchor ein. Ein

weiteres Highlight im reichhaltigen WDR-

Hörspielangebot war die Ausstrahlung der Radiofassung

von Mark Z. Danielewskis Roman

»Das Haus« gleichzeitig auf drei WDR-Wellen.

1LIVE, WDR 3 und WDR 5 erzählten aus unterschiedlichen

Perspektiven vom Horror einer

Familie, die in ein Haus mit einem Zugang zu

einem schier endlosen Höhlensystem eingezogen

ist. »Sofort – unverzüglich« konnten die

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

»Das Haus« von Mark Z. Danielewski: auf

drei Wellen simultan präsentierte das WDR-

Radio die Hörfassung der unheimlichen

Geschichte, im Bild: Wolfram Koch als Navidson

und Sascha Icks als Karen.


DDR-Bürger am 9. 11. 1989 nach Auskunft von

Günter Schabowski ihren Staat verlassen. Unter

diesem Motto kamen mehrere Hörspiele zum

20. Jahrestag des Mauerfalls in WDR 3 und

WDR 5 zur Ausstrahlung, so z. B. das Stück

»Begrüßungsgeld Ost« von raumstation, einem

Zusammenschluss von Autoren, Schauspielern

und Regisseuren.

Dem romantischen Aufbruch um das Jahr

1800 widmete sich eine Reihe im Deutschlandfunk

unter dem Titel »Wirklichkeit unmöglich

machen – ein romantisches Projekt«. Drei

Monate standen Hörspiele im Mittelpunkt,

die einen Gegenentwurf zur aufkommenden

zweck- und profitorientierten kapitalistischen

Gesellschaft bildeten. Eröffnet wurde der Reigen

mit einer Radiofassung von »Hymnen an

die Nacht« von Friedrich von Hardenberg, genannt

Novalis. Aus Anlass des 200. Geburtstags

von Edgar Allen Poe produzierte Deutschlandradio

Kultur einen klangreichen Zweiteiler, der

auf Poes einzigen Roman »Die Abenteuer des

Arthur Gordon Pym« zurückgeht. Unter dem

Titel »POEsPYM« verwoben der Autor Michael

Farin und der Musiker Georg Zeitblom rückerinnerndes

Erzählen mit einer beinahe pausenlosen

Komposition.

Auslandsprogramme 2009

_ Synergien schaffen: DW-RADIO und DW-

WORLD mit gemeinsamen Redaktionen

Eine Qualitätsoffensive startete die DW im ver -

gangenen Jahr und legte u. a. Radio- und

Online-Redaktionen im Zuge einer »Multiplattformstrategie«

zusammen. Die Redaktionen

Deutsch, Englisch, Russisch, Farsi und Ukrainisch

wurden neu strukturiert. Hörfunk- und

Onlineangebote richten sich jetzt nach dem jeweiligen

Markt. Die Sendeschemata der Radioangebote

und die Onlineauftritte wurden optimiert

und angepasst.

Die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze

vor 20 Jahren stand im Mittelpunkt zahlreicher

Angebote in allen drei Medien der DW. In DW-

RADIO kamen unter dem Titel »Die Mauer

fällt: eine Nation wächst zusammen« vom 30. 9.

bis zum 9. 11. mutige Akteure der Revolution zu

Wort. Sie schilderten, wie sie den Mauerfall erlebten.

Zusätzlich erörterten sie die Fragen, was

von der DDR geblieben ist und wie Deutsche

heute in Ost und West leben.

Ein weiterer Schwerpunkt in DW-RADIO

befasste sich unter dem Titel »Aufwärts – Wege

aus der Krise« mit herausragenden aktuellen

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin

Shirin Ebadi bei DW-RADIO in Bonn

Problemkreisen, die länderübergreifend diskutiert

werden. Politiker, Manager und Wissenschaftler

skizzierten Lösungsansätze und Ideen

zu den Themenkomplexen Wirtschaftskrise,

Armutsbekämpfung und Klimawandel. Hörer

aus vielen Regionen der Welt stellten ihre persönlichen

Erfolgsmodelle vor.

Im Fokus der aktuellen Berichterstattung in

DW-RADIO stand naturgemäß die umfassende

Information über die Wahlen in Deutschland

und Europa. Die Europawahlen vom 4. bis 7. 6.

begleitete DW-RADIO u. a. mit einer Reihe

von Hintergrundsendungen. Alle 29 Angebote

griffen regelmäßig Europa-Themen auf und

produzierten z. T. eigene Formate wie »Inside

Europe« im englischen Programm oder »Carrefour

Europe« im französischsprachigen Programm

für Afrika. »Treffpunkt Europa«, ein

Gemeinschaftsprojekt verschiedener europäischer

Rundfunkanstalten, griff immer samstags

gesellschaftspolitische Themen auf und wurde

in mehreren Sprachen ausgestrahlt.

Die Wahl zum Deutschen Bundestag stieß

überall in der Welt auf großes Interesse. DW-

RADIO widmete sich in allen Programmsprachen

und zahlreichen Beiträgen der Aufgabe,

das politische System der Bundesrepublik und

den Wahlkampf zu erklären. Dabei standen

Informationen über die verschiedenen Aspekte

der deutschen Parteienlandschaft, mögliche Koalitionen

und wichtige Vertreter der Parteien im

Vordergrund.

Hörfunk 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 225


»Ist doch Ehrensache! Wie Menschen sich für die Gesellschaft engagieren«

Die ARD-Themenwoche vom 10. – 16. 5. 2009

1 300 Beiträge – von Reportagen über Talks

und Features bis zum Spielfilm – mit einer

Gesamtsendezeit von über 800 Stunden

befassten sich mit dem Thema »Ist doch Ehrensache«.

Wie in jedem Jahr standen täglich

wechselnde Schwerpunkte auf dem Programm

der Themenwoche: »Vom Engagement

mit Tradition oder: Wir sind ein Verein«, »Von

der Ehre ohne Amt oder: Vom Engagement in

neuen Netzwerken«, »Von Machern und Lückenbüßern

oder: Wenn der Staat sich zurückzieht«,

»Von Schwindlern und Trittbrettfahrern

oder: Wenn guter Wille ausgenutzt wird«,

»Von Spendern und Mäzenen oder: Wie Geld

Gutes stiftet« und »Vom Geben und Nehmen

oder: Der Lohn der guten Tat«. Die Fernsehsendungen

der ARD-Themenwoche 2009 wurden

von etwa der Hälfte der deutschen Bevölkerung

eingeschaltet. In den Hörfunkwellen

stießen diejenigen Sendungen auf großes

Interesse, zu denen sich die Zuschauer direkt

äußern konnten.

Im Ersten wurden zum Auftakt der Themenwoche

am 9. 5. in der Samstagabendshow

»Deutschland tut was!« (BR) Menschen geehrt,

die unbeachtet von der Öffentlichkeit

Gutes tun. Mit beachtlichem Erfolg riefen die

Moderatoren Anne Gesthuysen und Sven Lorig

die Zuschauer auf, ihre Zeit für eine ehrenamtliche

Tätigkeit zu spenden. Am FilmMittwoch

im Ersten am 13. 5. war der Fernsehfilm

»Genug ist nicht genug« zu sehen. Darin ging

es um einen fiktiven »Streik der Freiwilligen«,

der spektakuläre Folgen hat.

Das Bayerische Fernsehen lenkte in einer

»Blickpunkt Sport«-Ausgabe am 11. 5. den Blick

auf die vielen ehrenamtlichen Betreuer, Trainer,

Kampf- und Schiedsrichter, ohne die der

Breitensport nicht möglich wäre. Das Leben

in einem Mehrgenerationenhaus beschrieb

Silke Kujas in ihrer Reportage »Das Haus der

offenen Türen« im hr-fernsehen am 12. 5. Das

Mittagsmagazin »MDR um zwölf« im MDR

FERNSEHEN stellte den Leipziger Chirurgen

Dr. Christopher Wachsmuth vor, der seit 2001

einmal jährlich nach Manila reist und dort

Kinder mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

operiert. Das NDR Fernsehen startete

während der Themenwoche die neue Sende-

226 Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

reihe »Heike hilft helfen«, in der Heike Götz

ehrenamtliche Helfer in ihrem spannenden

Alltag begleitete. Die Reportage »Neue Hoffnung

für Elandsdoorn« im rbb Fernsehen

berichtete über zwei Frauen, die sich um südafrikanische

Aids-Patienten und Aids-Waisen

kümmern. Ute Kunsmanns Reportage »Die

Zeitschenker« im SR Fernsehen zeigte vier ehrenamtlich

Engagierte, die andere Menschen

in schwierigen Lebensverhältnissen unterstützen.

»Ich mach das!« – unter diesem Motto

begleitete das SWR Fernsehen ein elfjähriges

Mädchen und einen 17-jährigen jungen Mann

bei ihrer Tätigkeit in einem Pflegeheim bzw.

einer kirchlichen Jugendgruppe. Das Porträt

eines Lehrers, der sich seit 25 Jahren gegen die

Produktion von Kriegswaffen engagiert, zeichnete

die »tag 7«-Dokumentation »Allein gegen

die Waffenindustrie – Der Kampf des Jürgen

Grässlin« am 10. 5. im WDR Fernsehen. In 3sat

lief am 16. 5. die Reportage »Engel in Bayern –

Die Wasserwacht Chieming«. Die 40 aktiven

Mitglieder arbeiten jedes Jahr 10 000 Stunden

und retten zusammen mit DLRG, Polizei und

Feuerwehr Menschen vor dem Ertrinken.

PHOENIX stellte am 12. 5. unter dem Titel

»Durchboxen – von der Straße in den Boxring«

einen Trainer vor, der Jugendlichen durch

Sport wieder eine Perspektive gibt. »KI.KA

LIVE«-Moderatorin Tanja Mairhofer half in-

»Ein Freund für alle Fälle – wenn Kinder

einen Paten brauchen« lief am 14. 5. im

MDR FERNSEHEN.


»Engel in Bayern: Leben und Leben retten –

Die Wasserwacht Chieming«, am 16. 5. in 3sat

und am 19. 5. im Bayerischen Fernsehen

nerhalb der »Platz für Helden!«-Eventwoche

im thüringischen Waldau beim Aufbau einer

neuen Skater- und BMX-Halle. EinsExtra

setzte einen Schwerpunkt mit dem Thema

Migrantenförderung. Der Beitrag »Mein Haus,

mein Pferd, mein Lebenssinn« gab Einblick in

das Leben von Migranten, die in Deutschland

Karriere gemacht haben. Einsfestival begleitete

in seiner Reihe »EINSWEITER« von Montag

bis Donnerstag die Moderatorin Anja Backhaus

bei ihren Recherchen zum Thema Ehrenamt.

»in.puncto« in EinsPlus stellte am 15. 5.

ungewöhnliches Engagement vor und ermunterte

die Zuschauer, selbst aktiv zu werden.

Bayern 1 begleitete die Themenwoche mit

einer Sonderausgabe seiner Reihe »Helden

des Alltags«. hr1 stellte am 12. 5. die Entwicklungshilfe-Organisation

Oxfam vor. Der »Radio-Talk«

auf MDR 1 RADIO SACHSEN stand

am 13. 5. unter dem Motto »Viele tun Gutes

– wir reden drüber«. Der NDR 2-Moderator

Jens Mahrhold fuhr fünf Tage kreuz und quer

durch Norddeutschland und engagierte sich

unter dem Motto »Mahrhold macht’s« u. a.

bei der DLRG, einer Dorffeuerwehr und in

einem Wasservogelreservat. »Nordwestradio

unterwegs« (Radio Bremen/NDR) berichtete

am 13. 5. live aus Oldenburg über »Jobpaten«,

etwa 100 ehrenamtlich Tätige, die jeweils

ein bis zwei Hauptschülern ab Klasse 7 bei

der Suche nach geeigneten Praktikums- und

Ausbildungsplätzen helfen. Radioeins (RBB)

berichtete täglich über eine »96-Stunden«-

Aktion, innerhalb derer in Töplitz eine neue

Basisstation der DLRG entstand. Reporter

Freaky Jörn von 103.7 UnserDing (SR) engagierte

sich täglich in »72 Stunden – uns

schickt der Himmel« für den Aufbau einer

Ausgabestelle für die Tafel in St. Ingbert.

Zwei Schöffen aus Baden-Baden und Kons-

tanz gaben am 11. 5. in »SWR2 Leben: Im Namen

des Volkes« Auskunft über ihre Erfahrungen

mit dem Ehrenamt als Laienrichter.

»WDR 2 packt an« – unter diesem Motto

füllten an fünf Tagen in fünf Orten bei fünf

verschiedenen Projekten WDR-Hörer den

Begriff »Ehrenamt« mit Leben. Dabei bauten

sie u. a. Spielgeräte auf, strichen Wände und

riefen ein Schulfrühstück ins Leben.

Für themenwoche.ARD.de begleiteten 16

Blogger eine Woche lang 16 Initiativen in den

einzelnen Bundesländern und berichteten im

Blog über deren Arbeit, Ziele, Freuden und

Schwierigkeiten. Der alljährliche Multimediawettbewerb

»tell.a.vision« stand 2009

unter dem Thema »Zeig, was du machst«.

149 eingereichte Beiträge stellten durchweg

sehr ambitionierte Projekte vor und zeigten

dabei viele Facetten bürgerschaftlichen Engagements.

Den ersten Preis erhielten Anna

und Katharina Vogel, die im Verein »Circus

Blamage e.V.« Jugendliche mit Behinderungen

betreuen und trainieren.

Themenwoche 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 227


228

Fernsehen 2009

Das Erste • Die Fernsehprogramme der ARD 2009

Politik, Gesellschaft, Kultur • Sport • Fernsehfilm •

Spielfilm • Unterhaltung • Kirche • Familie •

Ausland • Vorabend

Die Dritten Programme • Bayerisches Fernsehen •

hr-fernsehen • MDR FERNSEHEN • NDR Fernsehen •

rbb Fernsehen • SWR Fernsehen / SR Fernsehen •

WDR Fernsehen

Satelliten-, Digital- und Auslandsprogramme •

3sat • ARTE • PHOENIX • KI.KA • BR-alpha •

ARD Digital • EinsExtra • Einsfestival •

EinsPlus • DW-TV

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Das Erste _

Ein Jahr mit einer Bundestags-, Europa- und

sechs Landtagswahlen steht naturgemäß in

einem informationsgeprägten Vollprogramm

ganz im Zeichen des Wahlkampfs und der

Wahlberichterstattung. Die Wahlen dominier-

ten entsprechend die Nachrichten- und Talkformate

ebenso wie die politischen Magazine.

Zahlreiche Sondersendungen – allen voran das

live übertragene »TV-Duell« zwischen Angela

Merkel und Frank-Walter Steinmeier am 13. 9. –

ergänzten das umfangreiche Informationsangebot

im Ersten.

Zum zweiten Dauerthema der politischen

Berichterstattung 2009 avancierte nach der

Pleite der amerikanischen Investmentbank

Lehman Brothers die weltweite Banken- und

Wirtschaftskrise. Neben aktuellen Informationen

u. a. in »Tagesschau« und »Tagesthemen«

beschäftigten sich ARD-»Brennpunkte«, Magazine,

eigens ins Programm genommene Dokumentationen

und die regelmäßigen Gesprächsformate

vor allem mit den Hintergründen,

Ursachen und Auswirkungen für die Zuschauer.

Der Rückblick auf den Fall der Berliner

Mauer vor 20 Jahren und das 60-jährige Bestehen

der Bundesrepublik Deutschland bildeten

weitere Programmschwerpunkte: Geschichtliche


Dokumentationen, der Fernsehfilm »Jenseits

der Mauer« oder »Das Quiz der Deutschen« mit

Frank Plasberg und »Kennen Sie Deutschland?«

mit Jörg Pilawa gingen auf die Jahrestage ein.

Zum zweiten Mal konnten sich die Zuschauer

mit »2009 – das Quiz« die Höhepunkte des

Jahres auf unterhaltsame Weise vor Augen führen

lassen. Erneut war der »Eurovision Song

Contest« die meistgesehene Unterhaltungssendung

im Ersten. Erstmals seit 2000 übertrug

Das Erste im Februar wieder die Verleihung des

»ECHO«, des bedeutendsten deutschen Musikpreises.

Die Verfilmungen der Autobiografie »Marcel

Reich-Ranicki: Mein Leben« und der Lebensgeschichte

von Romy Schneider in »Romy«

sowie die Kino-Koproduktion »Der Baader

Meinhof Komplex« gehörten 2009 zu den herausragenden

Beiträgen im Bereich Fernsehfilm.

Mit »Geld.Macht.Liebe« ging zudem eine neue

Montagabendserie an den Start. Im Vorabendprogramm

kämpfte dienstags bis freitags »Eine

für alle« um die Gunst des Publikums und moderierte

erstmals Florian Weber »Das Duell«, bei

dem jeweils ein Zuschauer gegen einen Prominenten

antritt. Im Weihnachtsprogramm wurde

die erfolgreiche ARD-Märchenreihe mit acht

Neuverfilmungen Grimm’scher Erzählungen

fortgesetzt.

Koordination Politik, Gesellschaft, Kultur

_ Dauerwahlkampf im Zeichen der Wirtschaftkrise

Ein fast zehn Monate dauernder Wahlkampf

sowie die Bewältigung der Banken- und Wirtschaftskrise

– diese beiden Themen waren die

»Dauerbrenner« des Informationsprogramms

im Ersten 2009. Dass die Wahlsendungen ausgewogen

und kompetent unterrichten, gilt mittlerweile

als Standard. Bemerkenswert ist die

Tatsache, dass das Meinungsforschungsinstitut

Infratest dimap bei sechs Landtagswahlen und

der Bundestagswahl mit seinen 18.00-Uhr-

Prog nosen jedes Mal so nahe am Endergebnis

lag wie kein anderes Institut. Neben diesen

außerordentlich treffsicheren Prognosen bestach

Das Erste auch durch eine sehr flexible

Programmplanung. Als sich die im Bundestag

vertretenen Parteien nicht auf eine Gesprächsrunde

ihrer Parteichefs bzw. Spitzenkandidaten

einigen konnten, nahm Das Erste neben dem

»TV-Duell« kurzerhand eine Spitzenrunde der

Chefs der Oppositionsparteien (BR/WDR) ins

Programm auf, die zum echten Publikumser-

»Abgeordnet – der Politiker-Praxistest«:

Renate Künast (l.) von Bündnis 90/Die Grünen

auf dem Bauernhof von Silvia Schlögel in

Peiting

folg avancierte. Bewährt hat sich neben den

»Wahlarenen« (NDR/WDR) auch das neue

Format »Abgeordnet – der Politiker-Praxistest«

(SWR), das Wahlkämpfer mit praktischen Problemen

ihrer jeweiligen Ressorts konfrontiert.

Wie ernst es die ARD mit der Europaberichterstattung

nimmt, stellte Das Erste bei der Europawahl

unter Beweis. Am Wahlabend widmete

es als einziger deutscher TV-Sender den Wahlresultaten

auch anderer Länder eine Sondersendung.

Gleichzeitig berichteten die Programm-

macher auf praktisch allen Sendeplätzen über

die Banken- und die Wirtschaftskrise, wobei die

Ein Beitrag in »Plusminus« am 13. 10. 2009:

»Banken und Ethik – passt das zusammen?«

Fernsehen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 229


230

Die Fernsehprogramme der ARD · Stand Ende 2009

Die Landesrundfunkanstalten verbreiteten

2009 terrestrisch folgende Angebote:

_ ihr Gemeinschaftsprogramm Das Erste;

ein »Morgenmagazin« und ein »Mittagsmagazin«

gemeinsam mit dem ZDF;

_ insgesamt acht regionale Vorabendprogramme;

_ sieben Dritte Fernsehprogramme: das

Bayerische Fernsehen, das hr-fernsehen, das

MDR FERNSEHEN, das NDR Fernsehen in Zusammenarbeit

mit Radio Bremen, das rbb

Fernsehen, das SWR/SR Fernsehen und das

WDR Fernsehen.

Die Umstellung auf den Empfang des

Ersten samt »Morgenmagazin«, »Mittagsmagazin«

und Vorabendprogramm sowie

der jeweiligen Dritten Programme via

DVB-T (Digital Video Broadcasting – Terrestrial)

wurde 2009 komplett abgeschlossen.

Das Erste und alle Dritten Pro gramme sind

zusätzlich analog wie digital via Satellit

bundesweit bzw. nahezu europaweit direkt

zu empfangen. Außerdem werden sie, ggf.

bund esweit, in die Kabelnetze eingespeist.

Der BR verbreitet zusätzlich den Bildungskanal

BR-alpha digital und analog über Satellit

und Kabel sowie über DVB-T.

Gemeinsam mit dem ZDF veranstaltet die

ARD den Kinderkanal KI.KA, empfang bar bis

21.00 Uhr via ASTRA 1D, sowie den Ereignisund

Dokumentationskanal PHOE NIX, ausgestrahlt

über ASTRA 1C. Beide Pro gramme

Erklärung der Phänomene sowie deren Folgen

für die Verbraucher im Mittelpunkt standen.

Das Wirtschafts- und Verbrauchermagazin

»Plusminus« (BR/HR/MDR/SR/SWR/WDR)

griff die Problematik in nahezu jeder Ausgabe

auf. Auch die »Tagesthemen«, deren Ziel es

ist, in Schwerpunkten verstärkt Hintergründe

aufzuzeigen, fokussierten ihr Interesse auf dieses

Thema. Herausragende Akzente setzten

überdies Dokumentationen wie »Retter in Not

– Wie Politiker die Krise bändigen wollten«

(NDR), »Der große Rausch – ein Investmentbanker

packt aus« (WDR), »Kampf um Opel

– leben oder sterben lassen«, »Die Jahrhundertpleite

– Wie der Lehman-Crash die Welt

sind zudem via DVB-T sowie analog und digital

via Kabel empfangbar im Rahmen von

ARD Digital und ZDF.vision.

In ihrem Programmbouquet ARD Digital

strahlt die ARD die zusätzlichen Angebote

EinsExtra, Einsfestival und EinsPlus aus, die

zum Teil ebenfalls über DVB-T zu empfangen

sind.

ARD, ZDF und die französische Fernsehproduktionsgesellschaft

ARTE France veranstalten

gemeinsam das Europäische Kulturprogramm

ARTE, empfangbar ab 8.00 Uhr

via ASTRA 1C, via DVB-T und in mittlerweile

allen Bundesländern analog und digital im

Kabelnetz. Das Satellitenprogramm 3sat

wird gemeinsam von ARD, ZDF, SRG SSR idée

suisse und ORF gestaltet und ist via ASTRA

1C, via DVB-T sowie analog und digital im Kabelnetz

zu empfangen.

Nach Abschluss der Umstellung auf DVB-

T ist der Gesamtumfang des terrestrischen

Programmangebots erheblich gestiegen.

Anders betrachtet: Jede Rundfunkanstalt

bietet über DVB-T für ihr jeweiliges Sendegebiet

rund um die Uhr Programm an, und

zwar Das Erste, ihr eigenes Drittes und

regional unterschiedlich – weitere Angebote

(vgl. Fernsehstatistik).

Die Auslandsrundfunkanstalt DW verbreitet

über Satellit ein aktuelles Fernseh programm

in Europa und Nordafrika, Nord-,

Süd- und Mittelamerika, Afrika südlich der

Sahara und Asien.

veränderte« (beide HR) sowie »Der große Crash

– Die Weltwirtschaftskrise 1929 in Deutschland«

(WDR).

Selbstverständlich widmeten sich auch die

Gesprächsformate »Anne Will« (NDR) und

»hart aber fair« (WDR), die ihre Spitzenpositionen

in diesem Genre eindrucksvoll behaupteten,

diesem Thema. Als ein Beispiel für »nachhaltige

Berichterstattung« sei erwähnt, dass das

Politmagazin »FAKT« (MDR) in mehreren Ausgaben

der Frage nachging, wie die Wirtschaftskrise

den Opel-Standort Eisenach verändert.

Auch die anderen politischen Magazine

»Report Mainz« (SWR), »Report München«

(BR), »Kontraste« (RBB), »Monitor« (WDR)

und »Panorama« (NDR) sind ihrem Anspruch,

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


mittels investigativer Recherchen hintergründig

und kritisch zu berichten, vollauf gerecht geworden.

Beiträge über die Sicherheitsprobleme

mit EC-Karten, Mogelpackungen bei Medikamenten

und Strategien gegen den Klimawandel

seien beispielhaft erwähnt.

Bemerkenswert erfolgreich liefen die regelmäßig

ausgestrahlten Kulturmagazine. Sowohl

»ttt – titel thesen temperamente« (BR/HR/

MDR/NDR/WDR) als auch »druckfrisch« (BR/

HR/MDR/WDR) verbuchten klare Zuwächse

in der Akzeptanz. Der Ansatz, Kulturthemen

niveauvoll, aber nicht elitär darzustellen, geht

offensichtlich auf. Demselben Ziel diente auch

die zweite Staffel von »Deutschland, deine

Künstler« (BR/MDR/NDR/RB/RBB/SWR/SR/

WDR), die Campino, Loriot, Iris Berben, Kurt

Masur, Anne-Sophie Mutter und Christoph

Schlingensief vorstellte.

Auch 2009 konnte Das Erste mit geschichtlichen

Dokumentationen Programmschwerpunkte

setzen: 20 Jahre Mauerfall und 60

Jahre Bundesrepublik Deutschland gaben den

Rahmen vor. »60 x Deutschland« (RBB/MDR/

NDR/SWR/WDR) bedeuteten einen außergewöhnlichen

Ansatz, bei dem jedem Kalenderjahr

jeweils 15 Minuten gewidmet wurden. Als

filmische Hochglanzproduktion arbeitete das

Dokudrama »Schabowskis Zettel« (NDR/SWR)

die 24 Stunden vor dem Fall der Mauer auf (vgl.

ARD-Jahrbuch 09, S. 60).

»Schabowskis Zettel«: Günter Schabowski

(2. v. l.) stellte am 9. 11. 1989 die neue Reiseregelung

der Presse vor.

Koordination Sport _ Leichtathletik in HD

2009 war ein Sportjahr mit den verschiedensten

Facetten und bot im Ersten eine große Vielfalt

an Sportarten. Wintersportliche Höhepunkte

waren die Nordische und die Alpine Ski-WM

sowie die Biathlon-WM, die erneut herausragende

Zuschauerzahlen generierte. Auch

fußballerisch war die ARD stets aktuell am

Ball: So stand die Qualifikation der deutschen

Fußball-Nationalmannschaft für die WM 2010

in Südafrika auf dem Programm und das DFB-

Pokalfinale in Berlin, Bayer Leverkusen – Werder

Bremen.

Höhepunkt des Jahres war allerdings die

mit Spannung erwartete Leichtathletik-WM in

Berlin – das erste Großereignis, das komplett

in HD produziert und als Showcase bei Das

Erste HD gesendet wurde. Sie stieß mit durchschnittlich

knapp 22 Prozent auf das höchste

Zuschauerinteresse seit vielen Jahren – und erhielt

durchweg positive Resonanz auf die HD-

Generalprobe (vgl. ARD-Jahrbuch 09, S. 99).

Auch das Flaggschiff des ARD-Sports, die

»Sportschau«, zeigte erneut, dass die Kombination

aus informativer und qualitativ hochwertiger

Berichterstattung von 1., 2. und 3. Liga am

Samstagabend die Wünsche der Zuschauer hervorragend

bedient. Die ganze Tragik des Leistungssports

Fußball stellte sich allerdings Ende

des Jahres mit dem plötzlichen Tod von Robert

Enke dar. Die ARD würdigte das Leben des

Nationaltorhüters mit einem ausführlichen Porträt

und der Übertragung der Trauerfeier.

Fernsehen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 231


232

Koordination Fernsehfilm

_ »Mein Leben« und »Der Baader Meinhof Komplex«

Insgesamt 38 Erstausstrahlungen sorgten 2009

für zahlreiche filmische Höhepunkte im Genre

Fernsehfilm. Zehn Jahre nach Erscheinen der

Autobiografie »Marcel Reich-Ranicki: Mein

Leben« realisierten WDR, ARTE und ARD Degeto

den gleichnamigen Fernsehfilm, in dem

Regisseur Dror Zahavi nicht nur vom Leben

und Sterben im Warschauer Ghetto erzählte,

sondern auch zwei große Liebesgeschichten: der

Liebe des jungen Marcel (Matthias Schweighöfer)

zur deutschen Literatur und zu seiner Frau

Teofila, genannt Tosia (Katharina Schüttler).

Unter der Regie von Torsten C. Fischer

wurde die Lebensgeschichte einer Schauspielerin

verfilmt, die bis heute die Menschen fasziniert:

»Romy« (SWR/ARD Degeto/WDR/

NDR/ORF). Die Filmbiografie mit Jessica

Schwarz in der Titelrolle spürte dem Mythos

der gefeierten Schauspielerin nach, die trotz

der großen Erfolge immer rastlos auf der Suche

nach dem Glück und nach der Liebe war.

In dem Drama »Flug in die Nacht – Das Unglück

von Überlingen« (SWR/SR) setzte sich

Regisseur Till Endemann mit der Katastrophe

auseinander, bei der 2002 am Bodensee zwei

Flugzeuge kollidierten und 71 Menschen starben.

Ken Duken war in der Rolle des Fluglotsen

Johann Lenders zu sehen, der in seinen

Bemühungen scheitert, den Zusammenstoß

abzuwenden.

Marcel (Matthias Schweighöfer, l.) und

Tosia (Katharina Schüttler, r.) in dem Film

»Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben«

Romy (Jessica Schwarz) frisch verliebt

in Alain (Guillaume Delorme)

Anlässlich des 80. Geburtstags des Regisseurs

Oliver Storz zeigte Das Erste das Drama »Die

Frau, die im Wald verschwand« (NDR/SWR).

Der Oberbürgermeister einer Kreisstadt (Stefan

Kurt) führt mit seiner Gattin Katharina (Karoline

Eichhorn) scheinbar eine Vorzeigeehe – bis

zu deren plötzlichem Verschwinden. Der Fernsehfilm

»Der Bär ist los!« (BR/ORF, Drehbuch:

Felix Mitterer, Regie: Xaver Schwarzenberger)

ging auf die Geschichte des Braunbären Bruno

zurück, der die Bevölkerung im Sommer 2006

wochenlang in Atem hielt.

Zum 20. Jahrestag der Grenzöffnung war das

Drama »Jenseits der Mauer« (WDR/MDR) zu

sehen, in dem Regisseur Friedemann Fromm

einzelne Familienschicksale in Ost und West

zu einem eindringlichen filmischen Zeugnis

deutsch-deutscher Geschichte verwob. In der

Liebeskomödie »Romeo und Jutta« (MDR)

setzte Jörg Grünler für die Protagonisten Wolfgang

Stumph und Katja Riemann ein deutschdeutsches

Happy End in Szene.

In dem packenden, inzwischen mehrfach

preisgekrönten Fernsehfilm »Frau Böhm sagt

nein« (WDR) führte Connie Walther mitten

hinein in das aktuelle Wirtschaftsleben und

schuf eine fesselnde Charakterstudie über eine

aufrechte Vorstandssekretärin (Senta Berger),

die sich in ihrer Firma allein einem Wirtschaftsverbrechen

entgegenstellt. Mit dem Fernsehfilm

»Es liegt mir auf der Zunge« (NDR) lieferte Regisseur

Kaspar Heidelbach ein Porträt des ersten

Fernsehkochs Clemens Wilmenrod mit Jan Josef

Liefers in der Hauptrolle.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0


Auch drei erfolgreiche Kino-Koproduktionen

wurden zur Prime Time im Ersten ausgestrahlt.

In »Der Baader Meinhof Komplex«

(NDR/ARD Degeto/BR/WDR), der von Bernd

Eichinger nach dem gleichnamigen Buch von

Stefan Aust produziert wurde, ging es um die

Geschichte der Schlüsselfiguren der ersten

RAF-Generation. Die Tragikomödie »Du bist

nicht allein« (RBB/WDR/SWR) verband die

Aufmerksamkeit für die arbeitslosen Protagonisten

mit einer Mischung aus Leid und Humor

(Regie: Bernd Böhlich). In dem Film »Meine

schöne Bescherung« (WDR/ARTE) inszenierte

Vanessa Jopp das Fest der Liebe als satirische

Weihnachtskomödie.

Spannende Kriminalfälle boten »Tatort« und

»Polizeiruf 110«, die in der ihnen eigenen dramaturgischen

und darstellerischen Umsetzung

auch die föderale Vielfalt der ARD hervorheben.

Die Kriminalkommissarin Lena Odenthal

(Ulrike Folkerts) feierte im »Tatort« »Vermisst«

(SWR) ihr 20-jähriges Dienstjubiläum. In »Fehlschuss«

(MDR), der 300. Folge von »Polizeiruf

110«, ermittelten die Hauptkommissare Schmücke

und Schneider gegen den Drahtzieher hinter

jugendlichen Straftätern.

Das »Debüt im Ersten« ermöglichte jungen

Talenten, mit ihren Erstlingswerken ein breites

Publikum zu faszinieren. So präsentierte Autor

und Regisseur Ralf Westhoff in der Kino-Koproduktion

»Shoppen« (BR) 18 paarungswillige

Großstadt-Singles, die beim Speed-Dating einen

passenden Partner suchen.

Am Dienstagabend konnte die Erfolgsgeschichte

der Serien »Familie Dr. Kleist«, »Um

Himmels Willen«, »Der Dicke« und »Tierärztin

Dr. Mertens« mit der Ausstrahlung neuer Staffeln

fortgesetzt werden. Bereits im elften Jahr

erzählt »In aller Freundschaft« vom Alltag voller

Emotionen in der Sachsenklinik und trägt

wesentlich zum Erfolg der Serien am Dienstagabend

bei.

Koordination Spielfilm

_ Beste Fernsehunterhaltung: die Auftragsproduktionen

und Kinohighlights der ARD Degeto

Gleich zu Jahresbeginn war der erfolgreichste

TV-Film des Jahres 2009 zu sehen: Am 2. 1. zog

die Komödie »Annas zweite Chance« mit Christiane

Hörbiger mehr als sieben Millionen Zuschauer

vor die Bildschirme.

Wie in den vergangenen Jahren bespielten

Auftragsproduktionen der ARD Degeto den

Hauptabend am Freitag. Auch donnerstags und

zu Sonderterminen wurden Spielfilm-Premieren

gezeigt. Insgesamt wurden – inklusive dreier

von der Degeto finanzierter »Tatort«-Folgen

– 62 neue Produktionen eingesetzt. Die Filme

entführten die Zuschauer in ferne Länder: So

musste etwa Katja Flint »Stürme in Afrika« überstehen.

Christian Kohlund und Susanne Uhlen

fanden in »Island – Herzen im Eis«, und Suzanne

von Borsody erlebte zusammen mit Bettina

Zimmermann »Schicksalstage in Bangkok«.

Publikumsliebling Christine Neubauer zeigte

erneut ihre Vielseitigkeit: Sie wurde als Schwangere

von unbändigem Appetit auf »Schaumküsse«

geplagt, entdeckte »Schleichendes Gift«

»Der Baader Meinhof Komplex«

war eine Koproduktion von ARD Degeto

sowie NDR, BR und WDR.

Gudrun Ensslin (Johanna Wokalek)

und Horst Mahler (Simon Licht)

im Palästi nenser-Camp.

in der erfolgreichen »Landärztin«-Reihe und

wurde in »Die Lebenslüge« mit dem geheimen

Leben ihres toten Mannes konfrontiert. Eine

zarte Liebesromanze bescherte Aglaia Szyszkowitz

und Klaus J. Behrendt »Fünf Tage

Vollmond«. Jan Fedder brachte die Zuschauer

in »Meine Tochter und der Millionär« zum

Lachen. In »Mein Nachbar, sein Dackel und

ich« flogen zwischen Ann-Kathrin Kramer und

Günther Maria Halmer vergnüglich die Fetzen.

Beliebte Reihenformate, wie die »Donna

Leon«- und »Traumhotel«-Episoden wurden

fortgesetzt, während »Commissario Laurenti«

mit »Totentanz« und die »Familie Sonnenfeld«

Fernsehen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 233


234

»Volver«: Raimunda (Penélope Cruz, l.)

ist überrascht, dass sie ihre tot geglaubte

Mutter Irene bei ihrer Schwester Sole

(Lola Dueñas, M.) antrifft.

mit »Abschied von Oma« würdevoll endeten.

Paris rückte ins Zentrum der Ermittlungen des

neuen »Kommissar LaBréa« alias Francis Fulton-Smith.

»Geld.Macht.Liebe« hieß die Montagsserie

um Aufstieg und Fall eines Frankfurter Ban-

kiersclans. Zusätzlich kam es bei folgenden Projekten

zur intensiven Zusammenarbeit mit den

Landesrundfunkanstalten: »Kinder des Sturms«

(SWR/ARD Degeto/ORF), »Marcel Reich-Ranicki:

Mein Leben« (WDR/ARTE/ARD Degeto),

»Romy« (SWR/ARD Degeto/WDR/NDR/ORF)

und »Der Baader Meinhof Komplex« (NDR/

ARD Degeto/BR/WDR, vgl. Koordination Fernsehfilm).

Auf Sonderplätzen ab 21.45 Uhr verkörperte

Kenneth Branagh preisgekrönt »Kommissar

Wallander«, während Angela Kovács als

Göteborger Ermittlerin »Irene Huss« die Herzen

der Krimifans gewann.

Hochkarätige Unterhaltung bot donnerstags

ab 22.45 Uhr das »Sommerkino im Ersten«.

Dort versammelte Pedro Almodóvar in »Volver

– Zurückkehren« ein hinreißendes Frauenensemble

um Penélope Cruz und Carmen Maura.

Judi Dench schrieb das verstörende »Tagebuch

eines Skandals«, Tom Cruise rettete im »Krieg

der Welten« seine Kinder und Brad Pitt im verschachtelten

Drama »Babel« seine Frau, gespielt

von Cate Blanchett.

»Das Film Festival« zeigte sonntags im

Spätprogramm herausragende neue Arthouse-

Produktionen, etwa die anrührende Verfilmung

eines autobiografischen Romans von Raimond

Gaita, »Unter der Sonne Australiens« mit Eric

Bana und Franka Potente. In Almodóvar’scher

Manier ging es in »Schwule Mütter ohne Nerven«

zur Sache, »Prinzessinnen der Straße

– Princesas« hingegen porträtierte das Leben

zweier Prostituierter auf dem Madrider Straßenstrich.

Marianne Faithfull brillierte im Sozialmärchen

»Irina Palm«, Sigourney Weaver

konnte in »Der Geschmack von Schnee – Snow

Cake« als Autistin überzeugen, ebenso Marion

Cotillard, die sich in »La Vie en Rose« Oscargekrönt

in Édith Piaf verwandelte.

Liebevoll zusammengestellte Filmreihen ehrten

die Großen des Showbusiness: So wurden

zu John Waynes 30. Todestag seine schönsten

Western gezeigt und der 100. Geburtstag von

Errol Flynn mit einer umfänglichen Reihe begangen.

Heinz Erhardt wäre ebenfalls 100

geworden, aus diesem Anlass waren im Ersten

einige seiner witzigsten Filme zu sehen. Zwei

Diven der Filmgeschichte feierten 75. Geburtstag:

Shirley MacLaine und Sophia Loren. Die

beiden deutschen Filmemacher Volker Schlöndorff

und Rudolf Thome wiederum feierten ihren

70. Geburtstag. Ihr völlig unterschiedliches,

doch in der jeweiligen Art stilprägendes Œuvre

wurde in einer Auswahl von Filmen gezeigt.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Koordination Unterhaltung

_ Markenzeichen der Unterhaltung:

Wissens- und Quizsendungen

Was wissen die Deutschen in Ost und West

voneinander? Und wer weiß eigentlich mehr

über den anderen? 20 Jahre nach dem Mauerfall

ging Frank Plasberg diesen Fragen in »Das Quiz

der Deutschen« (NDR/Radio Bremen/RBB) gemeinsam

mit seinen prominenten Gästen nach.

In der Ranking-Show »Die schönsten Hits der

Deutschen« (HR/WDR) präsentierten Kim

Fisher und Jan Hofer die beliebtesten Lieder der

letzten 60 Jahre. Ob Rudi Schurickes »Capri-

Fischer« oder »Alt wie ein Baum« von den Puhdys

– es gab viele Hits, die Geschichte gemacht

haben und über die es interessante Geschichten

zu erzählen gibt. Jörg Pilawa begab sich in den

drei Ausgaben von »Kennen Sie Deutschland?«

(NDR) auf eine amüsante und überraschende

Zeitreise durch 60 Jahre Deutschland. In jeder

Folge trat eine vierköpfige Familie gegen ein

Team aus vier Prominenten an.


»Das Quiz der Deutschen«: Jan Josef Liefers

mit Gastgeber Frank Plasberg (r.)

Nach seiner erfolgreichen Premiere 2008 erreichte

Frank Plasberg mit seinem unterhaltenden

Jahresrückblick »2009 – das Quiz« (NDR/

ARD) wieder rund sieben Millionen Zuschauer.

Sowohl auf dem Sendeplatz am Donnerstag- als

auch am Samstagabend waren Wissens- und

Quizsendungen die Markenzeichen der ARD-

Unterhaltung. Dazu gehörten die Show-Reihen

»Star Quiz mit Jörg Pilawa« (NDR), »Die große

Show der Naturwunder« (SWR) mit Frank Elstner

und Ranga Yogeshwar, »Frag doch mal die

Maus« (WDR) mit Jörg Pilawa, »Das unglaubliche

Quiz der Tiere« (NDR) mit Frank Elstner

und »Pilawas große Weltreise« (WDR).

Auch der Klassiker der Familienunterhaltung

»Verstehen Sie Spaß?« (SWR) mit Frank Elstner

erfreute sich 2009 ungebrochener Beliebtheit

beim Fernsehpublikum. Seine komödiantischen

Fähigkeiten und seine musikalische Kompetenz

stellte Moderator Stefan Mross in seiner

Live-Show »Immer wieder sonntags« (SWR) an

14 Sendeterminen unter Beweis. Durch spektakuläre

Aktionen und hochkarätige Gäste gelang

es Florian Silbereisen mit den »Festen der

Volksmusik« (MDR) und Andy Borg mit dem

»Musikantenstadl« (BR), den Ereignischarakter

der beiden Musikshows am Samstagabend zu

stärken und ihre Fans zu begeistern.

Die Verleihung des bedeutendsten deutschen

Musikpreises »ECHO« (NDR/ARD) wurde im

Februar 2009 das erste Mal seit 2000 wieder im

Ersten übertragen; die ARD hatte sich im No-

vember 2008 die Ausstrahlungsrechte für drei

Jahre gesichert. Der »Eurovision Song Contest«

(NDR) war 2009 einmal mehr die meistgesehene

Unterhaltungssendung im Ersten.

»Harald Schmidt« (WDR/ARD) kehrte donnerstags

um 22.45 Uhr als Solist zur klassischen

Late-Night-Unterhaltung mit der Konzentration

auf politische und kulturelle Themen zurück.

Unterstützt wurde der Moderator von mehreren

jungen Comedians, die als Reporter eingesetzt

wurden. Neben der politischen Kabarettsendung

»Satire Gipfel« (BR/RBB) mit Matthias

Richling boten zahlreiche Formate spätabends

am Montag und am Donnerstag anspruchsvolle

Unterhaltung und Comedy. Dazu gehörten

»Inas Nacht« (NDR), »Dittsche« (WDR/NDR),

»Die Komiker« (BR), »Richling – Zwerch trifft

Fell« (SWR/WDR), »Puschel TV« (SR/WDR),

»Krömer – Die Internationale Show« (RBB)

und »Aufgemerkt! Pelzig unterhält sich« (BR).

Zehnjähriges Jubiläum konnte »Beckmann«

(NDR/ARD) Anfang 2009 feiern: Seit 1999 empfängt

Reinhold Beckmann prominente Gäste,

aber auch Menschen, die nicht im Rampenlicht

stehen und eine außergewöhnliche und bewegende

Lebensgeschichte haben. Sandra Maischberger

begrüßte am Dienstagabend Menschen,

deren Engagement, Themen und persönliche

Schicksale die Moderatorin ins Zentrum ihrer

Sendung »Menschen bei Maischberger« (WDR/

ARD) stellt: kritisch und anteilnehmend, unaufdringlich,

aber unnachgiebig.

Verleihung des deutschen Musikpreises

ECHO 2009: Die Scorpions wurden für ihr

Lebenswerk geehrt.

Fernsehen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 235


236

Koordination Kirche _ Neues Konzept für »Gott und die Welt«

Die Reihe »Gott und die Welt« setzte sich für

2009 das Ziel, kompetent und verständlich

über Themen aus Religion und Gesellschaft zu

berichten und damit ein größeres Publikum zu

erreichen. Für die Sendungen am Sonntagnachmittag

wurde daher der verbindliche Grundsatz

formuliert: »›Gott und die Welt‹ erzählt Geschichten

von Menschen, die sich ihren existenziellen

Herausforderungen stellen und uns

authentisch an ihren moralisch-ethischen oder

religiösen Lösungen teilhaben lassen.« Beiträge

wie »Kind in Gefahr – Wenn Eltern Hilfe brauchen«

(WDR), »Absturz ins Leere – ein Banker

auf Sinnsuche« (HR) oder »Ist Felix jetzt ein

Engel? Wie Kinder mit dem Sterben umgehen«

(BR) kamen diesem Anspruch nach.

»Zwischen Rom und Kondom« aus der

Reihe »Gott und die Welt«. Der kleine Junge

hat Aids, und niemand kennt seinen Namen.

Er wurde Kevin Dowling, dem Bischof von Rustenburg

nahe Pretoria in Südafrika, als

Findelkind vor die Tür gelegt.

Am späten Mittwochabend dagegen waren

zwei Sendungen erfolgreich, die deutlich auf

gesellschaftliche Entwicklungen reagierten. So

strahlte der NDR das Porträt »Margot Käßmann

– Die neue Stimme der Protestanten« am

Abend ihrer Wahl zur EKD-Ratsvorsitzenden

am 28. 10. mit großem Erfolg aus. Auch die im

Vorfeld des Klimagipfels von Kopenhagen platzierte

Dokumentation »Kreuzzug für das Klima

– Christen fordern die Energiewende« fand

ein überdurchschnittlich großes Publikum. Im

Februar zeichnete der Beitrag »Für Allah und

Vaterland« (WDR) die wichtigsten Fragen und

Debatten nach, die sich am Bau neuer, repräsentativer

Moscheen entfachen.

Bei den Verkündigungssendungen zeigte die

Koordination Kirche, dass sie auch auf ungeplante

Ereignisse flexibel reagieren kann. Dies

galt für die Trauerfeier zum Gedenken an die

Opfer des Amoklaufs von Winnenden ebenso

wie beim Trauergottesdienst und der Gedenkfeier

für den Hannoveraner Torwart Robert

Enke. Das Fernsehen erfüllt hier eine wichtige

Funktion, indem es den Wunsch nach gemeinsamen

Ritualen des Abschieds und des Innehaltens

ernst nimmt. Weit fröhlicher konnte es

bei einer Neuerung zugehen, mit der die bisher

über vier Sonntage verteilten »Lieder zum Advent«

durch ein einziges, längeres Konzert am

dritten Advent ersetzt wurden, bei dem sich

traditionelle vorweihnachtliche Lieder mit Gospels,

Jazz und Soul abwechselten.

Chronik und Berichte A R D - J A H R B U C H 1 0

Koordination Familie _ »Bei uns und um die Ecke«

Nach dem märchenhaften Erfolg im letzten

Jahr setzte Das Erste mit der Reihe »Acht auf

einen Streich« die Verfilmung bekannter und

attraktiver Märchenstoffe der Gebrüder Grimm

im Weihnachtsprogramm 2009 fort: So wurden

u. a. »Schneewittchen«, »Rumpelstilzchen« und

»Der gestiefelte Kater« wieder mit hochkarätiger

Besetzung und viel Liebe zum Detail neu verfilmt.

Im Nachmittagsprogramm des Ersten von

Montag bis Freitag standen beim Publikum weiterhin

die beiden Telenovelas »Sturm der Liebe«

und »Rote Rosen« unverändert hoch im Kurs.

Neue Folgen der unterhaltsam-lehrreichen Zoogeschichten

standen mit »Panda, Gorilla & Co.«

(RBB) und »Eisbär, Affe & Co.« (SWR) auf dem

Programm.

An den Wochenenden hielt Das Erste an

dem Konzept fest, Kindern ein auf ihre Lebenswelten

zugeschnittenes Angebot zu machen

mit den Regelsendungen »Wissen macht Ah!«

(WDR), »Willi wills wissen« (BR), dem »Tigerenten

Club«, seit Januar 2009 ergänzt durch das

Magazin »Tigerenten Club Xtra« (SWR), sowie

mit den Klassikern »Die Sendung mit der Maus«

(WDR) und »Sesamstraße« (NDR). Das Nachrichtenmagazin

»neuneinhalb« (WDR) bereitet

aktuelle Themen in für Kinder verständlicher

Form auf.

Spannende fiktionale Geschichten wurden

in den Realserien am Samstag- und Sonntag-


»Bis ans Limit: Fynn will Stuntman werden«

aus der Reihe »Fortsetzung folgt«

morgen erzählt. Anknüpfend an die Erfolge

von »Vier gegen Z« (NDR) oder »Endlich

Samstag!« (BR) waren die sechste Staffel »Die

Pfefferkörner« (NDR), »Ein Fall für B.A.R.Z.«

(SWR) sowie die zweite Staffel »Rennschwein

Rudi Rüssel« (WDR) zu sehen. Samstags um

10.30 Uhr standen in der Kinder-Doku »Fortsetzung

folgt« (MDR/RBB) außergewöhnliche

Schicksale und spannende Herausforderungen

von Kindern und Jugendlichen im Fokus. Der

Alltag im Internat war Stoff für die Doku-Soap

»Das Schulschloss« (BR).

Zum 60-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes

wurden in dem Film »Bei uns und um

die Ecke« (MDR/SWR/RBB) sechs auf entsprechenden

Artikeln basierende Geschichten

entwickelt, um auf möglichst spielerische Weise

Kinder mit dem Grundgesetz vertraut zu machen.

Koordination Ausland

_ Der Papst in Israel

Neben den üblichen Übertragungen der Messen

zum Jahresbeginn und zu Ostern berichtete Das

Erste ausführlich über den Besuch des Papstes

Benedikt XVI. in Israel. Im Ersten waren live

die Papstmesse in Nazareth und das Gedenken

an die Opfer des Naziterrors in der Holocaustgedenkstätte

Yad Vashem zu sehen. Der Eurovision

Song Contest am 16. 5. in Moskau und der

plötzliche Tod von Michael Jackson am 26.6.

waren Anlässe für zahlreiche Übertragungen

und die Ausstrahlung von Konzertmitschnitten.

Am 5. 7. wurde in Fertörakos mit einem Gottesdienst

der ungarisch-österreichischen Grenzöffnung

vor 20 Jahren gedacht.

Aufgrund eines eher sportarmen Jahres und

mangels entsprechender Großereignisse beteiligte

sich die ARD an dem von der EBU angebotenen

multilateralen Programmaustausch

mit nur 395 Übernahmen und einem Volumen

von 805 Stunden in weitaus geringerem Umfang

als im Vorjahr mit fast 1 100 Stunden. Auch

die von der ARD angebotenen Übertragungen

sanken fast um die Hälfte auf 32 Ereignisse

mit einer Übertragungsdauer von 73 Stunden.

Ein deutliches Wachstum wies hingegen der

Nachrichten-Sektor aus: Von 19 331 im Rahmen

des EBU-Nachrichtennetzwerks insgesamt ausgetauschten

aktuellen Beiträgen aller 75 aktiven

EBU-Mitglieder stammten 812 Zulieferungen

allein von der ARD.

Koordination Vorabend

_ Relaunch der Dailys

Die beiden Dailys »Verbotene Liebe« und »Marienhof«

sind besonders für jüngere Frauen seit

Jahren der bewährte Einstieg in den Vorabend

und wurden im vergangenen Jahr jeweils einem

umfangreichen Relaunch unterzogen. Für den

Start in den Feierabend bot Das Erste Entspannung

mit unterhaltsamen Geschichten – bei der

»Verbotenen Liebe« von Beziehungen und Affären

zwischen Adel und Bürgertum, zwischen

Liebe und Intrige und beim »Marienhof« mit

den Szenen und Problemen aus dem Alltag.

»Großstadtrevier«: Dirk Matthies (Jan Fedder,

r.) und Lothar Krüger (Peter Heinrich Brix, l.)

verarzten Henning Schulz (Till Demtrøder), der

über ein Kabel gestolpert ist.

Fernsehen 2009 A R D - J A H R B U C H 1 0 237


238

Auf dem Sendeplatz montags um 18.50 Uhr

konnte das Format »Großstadtrevier« mit der

Premiere der neuen Staffeln den Zuschauerzuspruch

steigern. Eine besondere Mischung

aus Hamburger Lokalkolorit, dem Charme des

Volksschauspielers Jan Fedder und originell erzählten

Geschichten um das Polizeirevier und

seine Menschen bieten qualitätsvolle, entspannende

Unterhaltung mit einer besonderen Note

für Jung und Alt.

Im April 2009 startete auf dem Sendeplatz

dienstags bis freitags um 18.50 Uhr die tägliche

Serie »Eine für alle«. Die Mischung aus unterhaltsamen

Geschichten um vier starke Frauen

und dem gesellschaftlich relevanten Hintergrund

einer feindlichen Firmenübernahme fand

jedoch nicht den gewünsc