Sexualität im Alter

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Sexualität im Alter

Sexualität im Alter

Rainer Kortus

Klinik für Alterspsychiatrie und

–psychotherapie

Klinikum Schloß Winnenden

Zentrum für Psychiatrie Winnenden

DAGPP, Stuttgart, 11.11.2010 1


� Einführung

Gliederung I

� Normen des Alters und der Alterssexualität?

� Liebeslust bei Älteren

Sexualität und Lebensqualität im Alter

Sexualität (vorwiegend) von Frauen im Alter

� Erfahrungen mit sexualisierter männlicher

Gewalt in der Biografie älterer Frauen

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Gliederung II

� Problemfeld Sexualität bei der Pflege alter

Menschen

Sexualität im Altenheim

� Psychotherapie mit Älteren

In Anlehnung an: Karl-Hubert Remlein, Gerhard Nübel (Hrsg.):

Geschlechtslos im Alter? – Aspekte zur Alterssexualität, Jahrbuch der

Gerontopsychiatrie, Verlag Jakob van Hoddis, Gütersloh, 1999

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Filmausschnitt

„Wolke 9“

von Andreas Dresen

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Normen des Alters und der

Alterssexualität?

� Wann ist man alt? Sicht der Jugend und

des Alters

� Erleben des Alterns und des Alters

� Gesellschaftliche Grenzziehungen

Sexualität: alt mit 40 oder mit 60?

� Frauen: Fertilität, Libido

� Männer: sexuelle Potenz und

Koitusfrequenz

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Normen des Alters und der

Alterssexualität?

� Der genormte Körper: Body-Building,

Schönheitschirurgie, Wellness, Beauty-

Farm, „toll und sexy aussehen“

� Frauen: Vergleich mit Jüngeren und

Schönheitsoperierten; dauerhaft sexuell

potent und koitusfähig

� Männer: Sexuelle Potenz rückäufig bis zur

Impotenz (häufig bei Erkrankungen und

Operationen)

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Normen des Alters und der

� Die Sexualität:

Alterssexualität?

� „Ein richtiger Mann kann immer“: enormer

Leistungsdruck „Viagra“ u.a.

� Bei Abnahme der Potenz: „andere

Spielarten der Sexualität“: Küssen,

Streicheln, Zärtlichkeit, Oralverkehr usw.

� Sollen/müssen Frauen sich darauf

einstellen? – Lesbische Beziehungen

eingehen oder masturbieren?

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� Fazit:

Normen des Alters und der

Alterssexualität?

� Die sexuelle Biographie legt den

Grundstein für die Alterssexualität

� Zunehmend finden „alte Frauen“ über 70

mehr Spaß am Sex als früher

� Alte Denkschemata müssen verlassen

werden!

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Liebeslust bei Älteren

� Liebe und Erotik werden im Alter völlig

verschieden gelebt: Verzicht auf sexuelle

Aktivität, Geschlechtsverkehr,

Selbstbefriedigung, „nur“ Zärtlichkeiten;

Flirts, Wert legen auf gutes Aussehen,

kulturelle Aktivitäten; - enge Beziehung

von Sexualität und Liebe

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Liebeslust bei Älteren

� Literatur ist voll von Beispielen: Goethe,

Victor Hugo, Tolstoi, (Homosexuelle)

Michelangelo, André Gide

� Claire Goll (1890-1977):

� „Die Liebe hat weder mit dem Geburtsdatum

noch mit Schönheit oder Gesundheit zu tun. Mit

achtzig Jahren kann man lieben wie mit

sechzehn. Die Falten graben sich ins Gesicht ein,

aber nicht ins Herz oder ins Geschlecht.“

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Liebeslust bei Älteren

� Interesse an

Sexualität bei

Menschen bis Mitte

70:

� Frauen ca. 66%

� Männer ca. 80%

� Älter als 75:

� Frauen ca. 25%

� Männer ca. 30-50%

� Erotische Träume

berichten bei 60-80

Jährigen:

� Frauen ca. 66%

� Männer ca. 33%

� Erotische Phantasien:

� Frauen ca. 50%

� Männer ca. 90%

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Liebeslust bei Älteren

(Einflüsse auf die Sexualität)

� Physiologische körperliche Veränderungen

� Krankheiten – Einfluss v.a. bei Männern

(Prostata, Diabetes, Hypertonie, div.

Medikamente)

� Partnersituation: „Frauenüberschuss“ ist aus

Sicht der Frauen „Männermangel“:

Lebenserwartung der Frauen +7 Jahre, Zeit der

Verwitwung ca. 14-15 Jahre (Ehefrauen sind oft

jünger als ihr Partner)

� Über 65 Jahre sind 75% der Männer verheiratet

und fast 75% der Frauen allein lebend

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Liebeslust bei Älteren

(Einflüsse auf die Sexualität)

Sexualität in der Biographie Älterer:

� Unzureichende Aufklärung

� Sex war oft „Tabu“

� Religiöse und moralische Einschränkungen

� „Doppelmoral“

� Seinerzeit keine verlässlichen

Verhütungsmittel

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Liebeslust bei Älteren

(Einflüsse auf die Sexualität)

� Wohnsituation:

� zu Hause

� Altenheim, Pflegeheim (mit wenig

Diskretion, Raum für Intimität –

Doppelzimmer!, Eifersüchteleien unter

Bewohnerinnen

� Mit Familienangehörigen (bei Kindern):

neue Partnerschaft wird von Kindern oft

abgelehnt

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Liebeslust bei Älteren

(Einflüsse auf die Sexualität)

� Medizinische Probleme:

� Erektionsstörungen, Impotenzerlebnisse

� Schmerzen beim GV

� Kein Orgasmus ( bei 10-26% der Frauen nie im

Leben!) – Aufklärung und Partnergespräche über

Möglichkeiten der sexuellen Stimulation

� Erotische Langeweile in langfristigen

Partnerschaften

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Sexualität und Lebensqualität

im Alter

� Zum erfüllten Leben gehören Liebe und

Sexualität

� Bei vielen Älteren besteht Sehnsucht nach

Liebe und Sexualität, Zärtlichkeit,

Lebendigkeit, Lust, Gesundheit

� Befriedigende Sexualität hat einen

salutogenetischen Charakter (bei Mamma-

Ca, Migräne, Infekten, Inkontinenz)

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Sexualität und Lebensqualität

� Sexualstörungen:

im Alter

� Gesellschaftliche Entwertung Älterer nimmt

diese auch als Sexualpartner nicht ernst

� Hemmungen beim Gespräch über sexuelle

Wünsche bei der älteren Generation

� „Man spricht nicht darüber“: Ängste (z.B. vor

Schwangerschaft), Masturbation, Einsamkeit,

überhöhte Erwartungshaltung - Heuchelei

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Sexualität und Lebensqualität

im Alter

� Hilfe durch Ärzte? – Sexualität ist keine

Krankheit!

� Paarberatung, Sexualtherapeuten,

Literatur, (Internet)

� Bei Beratung: Sensibilität, Partnerschaft

ansprechen, Gesundheitsprobleme,

medizinische Hilfsmittel und Medikamente

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Sexualität und Lebensqualität

im Alter

� Impotenz ist schlimm für Mann und Frau;

häufig psychogen: Leistungsdruck

� Angst vor dem Versagen: ein aktuelles

und verbreitetes gesellschaftliches

Problem!

Sexualität ist keine Leistung sondern

freiwilliges lustvolles Spiel

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Sexualität und Lebensqualität

im Alter

� Vorsicht mit Hilfe durch sexuelle

„Techniken“: klitoridaler/vaginaler

Orgasmus, G-Punkt-Stimulation

� Medikamente (Viagra, Skat-Spritze etc.) --

-->überhöhte Erwartungshaltung, keine

Allheilmittel!

� Wichtiger: lebenslange Pflege von Liebe

und Sexualität!

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Alter [Jahre]

Altersstruktur der Weltbevölkerung bis 2050

100

80

60

40

20

0

� � � �

Jahr 1950

Jahr 2050

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nach United Nations Economic and Social Council, 2000


Sexualität (vorwiegend) von Frauen

im Alter

� „Das Alter ist weiblich“ (Demographie)

� Problemfelder: Autonomie, Isolation,

Einsamkeit

� Bei Verwitwung oft Einkommenseinbußen:

kommunikative Möglichkeiten

eingeschränkt

� „Datenlage“ zur Sexualität Älterer (Frauen)

insgesamt noch dürftig und unsicher

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Sexualität (vorwiegend) von Frauen

Nach Ortrun Jürgensen (1999)

im Alter

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Sexualität (vorwiegend) von Frauen

Nach Ortrun Jürgensen (1999)

im Alter

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Sexualität (vorwiegend) von Frauen

Nach Ortrun Jürgensen (1999)

im Alter

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Sexualität (vorwiegend) von Frauen

im Alter

� Erfahrungen im Pflegeheim:

Sexualität weitgehend unterdrückt

� Wenig Einzelzimmer, Türen nicht

abschließbar, Personal klopft nicht an,

Abendessen um 16:30 Uhr, „zu Bett gehen“

um 17:30 Uhr

� Bei Hilflosigkeit/Pflegebedürftigkeit totaler

Autonomieverlust, sexuelle Bedürfnisse

werden von Pflege oft als störend empfunden

und sanktioniert

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Sexualität (vorwiegend) von Frauen

im Alter

� Tabuisierung der Alterssexualität noch

ausgeprägter als der Sexualität überhaupt

� Bei Überwiegen alleinstehender Frauen im

Alter sind keine zufriedenstellenden

Lösungen in Sicht

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Erfahrungen mit sexualisierter männlicher Gewalt

in der Biografie älterer Frauen

� Sexualisierte Gewalt hat viele Formen:

frauenfeindliche Sprache, Witze,

Beschimpfungen, diskriminierende oder

sexistische Werbung, - Androhung von Gewalt

und Vergewaltigung (auch durch Bekannte und

Ehemänner)

� In der BRD wird alle 15 Minuten eine Frau

vergewaltigt

� Sexualisierte Gewalt ist „alltäglich“ geworden

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Erfahrungen mit sexualisierter männlicher

Gewalt in der Biografie älteren Frauen

� Der 2. Weltkrieg und seine Folgen:

� Massenvergewaltigungen in aller Öffentlichkeit

und vor Angehörigen (allein in Berlin zwischen

Frühjahr und Herbst 1945 wurden mindestens

110.000 Frauen vergewaltigt)

� Vor diesem Hintergrund sind bei der

Behandlung und Pflege besondere

Aufmerksamkeit und Sensibilität nötig

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Erfahrungen mit sexualisierter männlicher

Gewalt in der Biografie älteren Frauen

� Massive Abwehr von Pflegemaßnahmen bei alten

Frauen kann verursacht sein durch Erinnerungen

an Kriegstraumata -> Ängste, Halluzinationen,

Erregungszustände

� Späte „Schizophrenie“ als „Verirrung in der Zeit“

(Andrea Hüttner) durch „Erinnerungsblitze“:

heute eher als „posttraumatische

Belastungsstörung“ zu klassifizieren?

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Erfahrungen mit sexualisierter männlicher

Gewalt in der Biografie älterer Frauen

� Therapie:

� Gesprächsversuche (Pflege, Therapeutin)

� Einfühlsame Pflege, auf Abwehr

verständnisvoll reagieren, akzeptieren, keine

Retraumatisierung (Vorsicht: Katheterisierung

nur durch weibl. Personal, „Vergewaltigung“!)

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Erfahrungen mit sexualisierter männlicher

Gewalt in der Biografie älterer Frauen

� Auch hinter Medikamentenmissbrauch (v.a.

Tranquilizer) kann sich eine Traumatisierung

(Krieg, Ehe) verbergen

� Hilfreich: Pflege sensibilisieren (oft junge

Pflegekräfte!- kennen Biographie der Älteren

nicht), Abwehrverhalten akzeptieren und

umgehen, enge Kooperation von Pflege und

Ärztin/Arzt nötig

� Falls möglich: Versuch Psychotherapie

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Problemfeld Sexualität bei der Pflege

alter Menschen

� Zu Liebe und Sexualität im Alten- und

Pflegeheim existieren kontroverse

Einstellungen von Pflegenden, aber auch

von Angehörigen und Ärzten –

dementsprechend ambivalenter Umgang

mit der Problematik

� Die romantische Verklärung der

Altersliebe“ sieht v.a. Zärtlichkeit,

Liebkosung, Wärme, Nähe.

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Problemfeld Sexualität bei der Pflege

alter Menschen

� Im Pflegeheim auch ungesteuerte

Sexualität Demenzkranker, teils Ekel

erregend (Exkremente, Inkontinenz) und

beängstigend (Mitbewohnerinnen,

Personal)

� Sexuelle Belästigung von Pflegepersonal

durch Bewohner(innen) (mangels

„normalerer“ Möglichkeiten?)

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Problemfeld Sexualität bei der Pflege

alter Menschen

� Sexualfeindliche Bedingungen:

� Schöne Unterwäsche, Gebrauch von

Kosmetika im Heim: „Quatsch“

� Entsexualisierte Kleidung (Jogginganzug

etc.) spiegelt die Einstellung der Pflege zur

Sexualität?

� „Beschämende“ Erkrankungen (Demenz,

Inkontinenz) verlangen Trieb- und

Bedürfnisverzicht?

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Problemfeld Sexualität bei der Pflege

alter Menschen

� „Befreite Alterssexualität“ trifft mit den

romantisierenden Vorstellungen im Heim kaum

zu

� Pflegebedürftige entsprechen nicht den

„normalen“ Erwartungen an Alterssexualität, da

ihre Sexualität evtl. fremdartig, bedrohlich,

beschämend (schmutzig) ist

� Pflege ist eine „weisse“= saubere Dienstleistung

und wird durch Schmutz leicht entehrt,

beschämt oder gekränkt

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Sexualität im Altenheim

Sexualität ist noch immer ein Tabuthema

Sexualität im Alter ist gesteigert tabuisiert

Sexualität im Heim ist extrem tabuisiert

Sexualität im Alter ist eingebettet in gesellschaftliche

Verhältnisse und moralische Traditionen

� Es ist eine Fehltinterpretation, dass die Rückbildung

biologischer Funktionen im Alter auch der Rückbildung

sexueller Bedürfnisse gleichzusetzen ist

� Der Umgang mit Sexualität hilfsbedürftiger alter

Menschen ist sehr diskussionsbedürftig

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Sexualität im Altenheim

� Einengende Rahmenbedingungen im Heim führen

manche Bewohner zu „sexuellem Fehlverhalten“:

Exhibitionismus, (öffentliche) Masturbation, „Anmache“

� Die Pflege steht im Spannungsfeld der eigenen

Sexualität und der fremdartigen Sexualität

Pflegebedürftiger -> Gefühle von Ekel, Scham und

Angst.

� Sexuelle Übergriffe durch Bewohner komplizieren die

Situation

� Heime müssen den Umgang mit der Sexualität der

Bewohner lernen: Ausgleiche schaffen zwischen den

Belastungen im Pflegealltag und den sexuellen

Wünschen/Bedürfnissen der alten Menschen

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Psychotherapie im Alter

� Hilfe bei Sexualproblemen durch

� Paarberatungsstellen

� Hausarzt

� Facharzt (Gyn., Urol., Intern., Endokrinol.)

� Psychiater/Psychotherapeut

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Psychotherapie im Alter

� Tatsache ist: massive Unterversorgung

von Menschen >60 Jahre bei

Psychotherapeuten: < 1% der

Psychotherapiepatienten sind >60 Jahre,

aber 25% der Pat. in der nervenärztlichen

Praxis sind >60 Jahre!

� Dafür steigt der Psychopharmakagebrauch

mit zunehmendem Alter

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Psychotherapie im Alter

� Gründe: (u.a.)

� Negatives Altersbild (auch) der Therapeuten

� Abwehr gegenüber der politisch-historischen

Dimension der Biographie Älterer

� Angst von dem eigenen Altern

� Fehlende Korrektur vom „Defizitmodell“ zum

„Kompetenzmodell“: Psychotherapie im Alter

ist häufig „erfolgreich“

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Psychotherapie im Alter

� Dazu sind Kenntnisse der Sexualität älterer

Menschen nötig, u.a.:

� Ältere haben sexuelles Interesse und sex.

Vermögen; auch Jüngere sind in verschiedenem

Ausmaß sexuell interessiert und aktiv!

� Bester Prädiktor für die sexuelle Aktivität im

Alter sind die Häufigkeit und das Vergnügen, mit

der Sexualität in der früheren Lebensjahren

praktiziert wurde.

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Psychotherapie im Alter

� Übergreifende Therapieziele:

� Förderung von Selbständigkeit und

Eigenverantwortung

� Erweiterung des Handlungsraumes (Tätigkeits-,

Kontroll-, Interaktions-, Anerkennungsspielraum)

� Bearbeitung der Verlustthematik und

� die Auseinandersetzung mit Altern und Tod

� Deutlicher Gegenwartsbezug mit Klärung und Lösung

der augenblicklichen Situation einerseits und

biographische Ausrichtung mit Bilanzierung

andererseits sowie

� Erarbeiten praktischer Lösungen

Nach Christel Dietz-Grygier (1999)

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Psychotherapie im Alter

� Eine bezüglich ihrer sexuellen

Empfindungen befragte 82jährige Frau:

„Ich habe mein ganzes Leben lang die

Vorstellung gehabt, wenn der Sex aufhört,

hört das Leben auf. Er ist immer da, in

Form von Träumen, von Vorstellungen,

von Onanie. Es ist keinesfalls so, dass man

müde wird und dass einen die Lust

verlässt. Gottseidank!“

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Nach Chr. Dietz-Grygier (1999) aus Renate Daimler (1991)


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Psychotherapie im Alter

� Hilfreich sind Versuche der

Enttabuisierung der Alterssexualität ohne

Schaffung neuer „Normwerte“

� Hinter vielen psychischen Störungen

(insbes. Älterer Frauen) können sich

sexuelle Probleme verbergen: Missbrauch,

Vergewaltigung, Instrumentalisierung der

Sexualität)

� Psychotherapie ist auch im Alter möglich!

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Psychotherapie im Alter

(Chr. Dietz-Grygier)

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Literaturempfehlung

� Remlein, Karl-Hubert, Nübel, Gerhard (Hrsg.):

Geschlechtslos im Alter? – Aspekte zur

Alterssexualität, Jahrbuch der

Gerontopsychiatrie, Verlag Jakob von Hoddis,

Gütersloh (1999)

� Butler, Robert N. und Lewis, Myrna I.: Alte Liebe

rostet nicht, Verlag Hans Huber (1996)

� Kolle, Oswald: Die Liebe altert nicht, ECON-TB-

Verlag (1997)

� Berberich, Hermann und Brähler, Elmar (Hrsg.):

Sexualität und Partnerschaft in der zweiten

Lebenshälfte, Psychosozial-Verlag (2001)

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