Leitlinien für Gerätespenden - Drug donation

drugdonations.org

Leitlinien für Gerätespenden - Drug donation

LEITLINIEN FÜR

GERÄTESPENDEN

Evangelisches

Missionswerk

in Deutschland


INHALT

VORWORT

Seite

2

KAPITEL 1

Medizingerätespenden - hilfreich oder problematisch?

Seite

3

KAPITEL 2

Geschenkt - aber keineswegs KOSTEN-los!

Seite

8

KAPITEL 3

Leitlinien für Gerätespenden – Kriterien für Empfänger und Spender

Seite

10

KAPITEL 4

Alternativen zu Sachspenden

Seite

18

ANHANG

Weiterführende Informationen

Seite

19


VORWORT

3

D

orfgesundheitshelfer und Gesundheits

zentren brauchen Krankenhäuser, an

die Patientinnen und Patienten verwiesen

werden können. Krankenhäuser kosten

viel Geld, sie brauchen gut ausgebildetes

ärztliches und Pflegepersonal – und technisches

Gerät. Röntgen- und Anästhesiegeräte,

Laborausrüstung und Fahrzeuge

funktionieren auf Dauer nur, wenn sie

richtig genutzt, gepflegt und gewartet

werden. Die Probleme mit technischer

Ausrüstung sind immens und verursachen

Kosten, welche die Leistungsfähigkeit von

Krankenhäusern beeinträchtigen. Hier setzen

technische und Wartungsdienste ein,

die in verschiedenen Regionen entstehen

oder ausgebaut werden. Die Dienste sind

u.a. das Ergebnis einer Zusammenarbeit

zwischen kirchlichen Krankenhausträgern

in Afrika und fördernden Stellen bei uns.

Ohne Kooperation können die Schwierigkeiten

nicht bewältigt werden. Seit fünf

Jahren arbeiten die Werke Brot für die

Welt, das Deutsche Institut für Ärztliche

Mission (DIFÄM), Dienste in Übersee

(DÜ), das Evangelische Missionswerk

(EMW), die Evangelische Zentralstelle für

Entwicklungshilfe (EZE) und MISEREOR

als fördernde Stellen zusammen mit dem

Ziel, Kosten zu senken und technische

Dienste zu stärken. Im gemeinsamen Programm

zur Krankenhaustechnik liegt der

Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit

kirchlichen Krankenhausträgern in Ghana,

Kamerun, Kenia und Tansania. Die Fördergesellschaft

für Angepaßte Techniken

(FAKT) ist in der Zusammenarbeit technische

Beratungsstelle für die fördernden

Stellen und Dienste in Afrika und hat im

Auftrag der kooperierenden Stellen die

vorliegenden Leitlinien erarbeitet. Die

Leitlinien sind nicht nur das Ergebnis der

Arbeit von Fachleuten in Technik und

Management, sie sind vor allem die

Frucht einer guten Zusammenarbeit zwischen

katholischen und evangelischen

Stellen. Mit dem Leitfaden wollen wir das

Engagement von Gemeinden, Partnerschaftsgruppen

und Einzelpersonen unterstützen.


KAPITEL 1

Medizingerätespenden –

hilfreich oder problematisch?

„W

as hier auf den Müll wandert,

wird in armen Ländern dringend

gebraucht” !

Mit dieser und ähnlichen Schlagzeilen

wird in Zeitungen zu Gerätespenden für

Partner in Entwicklungsländern aufgerufen.

Insbesondere gebrauchte Medizingeräte

aus deutschen Arztpraxen und

Krankenhäusern sind eine beliebte Spende

hiesiger Initiativgruppen an ihre Partner

in Entwicklungsländern. Jedoch verwandelt

nicht jedes ausrangierte Röntgengerät

das Partnerkrankenhaus in ein funktionierendes

Gesundheitszentrum. Auch

alte Computer oder Faxgeräte lösen nicht

unbedingt administrative Probleme der

Beschenkten, sondern schaffen unter

Umständen sogar neue. Anhand der Hinweise,

die in den vorliegenden Leitlinien

enthalten sind, läßt sich in einem offenen

Gespräch mit den Empfängern im Süden 1

klären, ob die eine oder andere Gerätespende

wirklich sinnvoll und gewünscht

ist. Wir wollen also Kirchenkreise, Solidaritätsgruppen

und Gemeinden nicht entmutigen,

sondern durch gezielte Informationen

Fehler vermeiden helfen.

1DIE 3. WELT – GERÄTEFRIEDHOF

1DES WESTENS?

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) ist mehr als die Hälfte

der technischen und medizinischen Geräte

in Krankenhäusern und Gesundheitsstationen

der Dritten Welt nicht funktionsfähig.

Im Glauben, etwas Nützliches zu

tun, schicken Hilfsorganisationen, Krankenhäuser

und kommunale Initiativen

Angepaßte Technologie –

kontextgerecht eingesetzt

1

Die vorliegenden Leitlinien beziehen

sich vor allem auf arme Länder Afrikas

(südlich der Sahara) und Asiens.

German

4


jedes Jahr eine große Zahl technischer

Geräte in Entwicklungsländer und entsorgen

auf diese Weise kostengünstig nicht

mehr benötigtes Inventar. In den Gesundheitseinrichtungen

in Ländern des Südens

sammelt sich so eine Vielzahl von Typen

und Modellen unterschiedlichster Hersteller

an, die einen wirtschaftlichen Betrieb

sehr schwierig macht.

Bisher gibt es in Entwicklungsländern

nur wenige ausgebildete Krankenhaustechniker.

Im Falle einer technischen

Störung kann man von diesen nicht

erwarten, daß sie mit Hunderten verschiedener

Gerätetypen vertraut sind. Auch

waren Investitionen in Gebäude und

technische Einrichtungen, einschließlich

Wartung, in den Budgets der Krankenhäuser

bisher kaum berücksichtigt. Da diese

auch als erstes von den Kürzungen im

Gesundheitsbereich betroffen sind, hofft

man auf eine neue Spende, um das

defekte Gerät zu ersetzen. So vergrößert

sich das technische Museum um ein weiteres

Exemplar. Aus den Erfahrungen der

letzten Jahrzehnte haben Verantwortliche

aus medizinischen Einrichtungen im

Süden ebenso wie Organisationen der

Entwicklungszusammenarbeit gelernt,

daß die Lösung technischer und organisatorischer

Probleme eine wesentliche Voraussetzung

für eine effiziente Gesundheitsversorgung

darstellt.

1 ERST MITEINANDER REDEN,

1DANN SPENDEN

Viele Spender kennen die Bedürfnisse

und Arbeitsbedingungen im Empfängerland

nicht genau. Sie haben ein bestimmtes

Gerät zur Verfügung gestellt bekommen,

das sie einem guten Zweck

zuführen wollen. Die Empfänger im

Süden dagegen trauen sich aus Rücksichtnahme

häufig nicht, passende Geräte

anzufordern und unerwünschte Spenden

gegebenenfalls abzulehnen. Mangelnde

Vorabklärungen tragen dazu bei, solche

Mißverständnisse zu verstärken. Häufig

werden die Gesundheitsbehörden und die

gültigen Bestimmungen im Empfängerland

nicht in die Überlegungen mit einbezogen.

Einige Partnerschaftsinitiativen

neigen dazu, „ihr” Krankenhaus isoliert

zu sehen und mit technischen Geräten

auszustatten, die seiner Funktion im

Gesundheitssystem des Empfängerlandes

nicht angemessen sind. In vielen Entwicklungsländern

werden inzwischen auf

Distriktebene Gesundheitspläne erarbeitet,

die idealerweise auch Gerätestandards

umfassen. In Absprache mit dem

Krankenhaus und der Distrikt-Gesundheitsverwaltung

sollten Geräte ausgewählt

werden, die dem lokalen Bedarf und den

finanziellen Möglichkeiten entsprechen.

5


1AFRIKANISCHE ERFAHRUNGEN MIT GERÄTESPENDEN

Der Autor des nachfolgenden Erfahrungsberichtes,

Dr. Daniel Etya’alé,

arbeitete 10 Jahre als Arzt und Direktor

des Enongal Central Hospital in Kamerun.

Seit 1994 arbeitet er im WHO-Programm

zur Verhütung von Blindheit.

Das „Enongal Central Hospital“ verfügt

über 200 Betten und versorgt als Distriktkrankenhaus

ungefähr 125.000 Menschen.

Wegen seiner verhältnismäßig

guten Ausstattung werden Patienten aus

der gesamten Provinz überwiesen, und

das Krankenhaus erreicht so eine halbe

Million Menschen. Bis Mitte der 50er

Jahre wurde Enongal vollständig von der

Amerikanischen Presbyterianischen Mission

finanziert, die das Krankenhaus

Anfang des Jahrhunderts aufgebaut hatte.

Heute deckt es als gemeinnützige Institution

80% seiner Kosten selbst; die restlichen

20% kommen in Form von Gerätespenden

oder Zuschüssen von außen.

Das knappe Budget, mit dem

Krankenhäuser wie Enongal auskommen

müssen, wird in erster Linie für Gehälter,

Medikamente und andere absolut notwendige

Verbrauchsgüter ausgegeben.

Für neue Geräte und die Wartung von

Einrichtungen und Gebäuden kann nur

wenig zur Seite gelegt werden. Daraus

erklärt sich die totale Abhängigkeit von

Spendern für alles, was – zu Recht oder

zu unrecht – nicht als unabdingbar für

den täglichen Krankenhausbetrieb eingeschätzt

wird.

Auch in ländlichen Krankenhäusern

werden vermehrt

moderne Geräte eingesetzt

Foto: Clauß

Probleme mit gespendeten

Geräten

Viele Geräte in Enongal stammen aus

Amerika, dem Sitz der Mission, die das

Krankenhaus gegründet hat. Sie sind für

eine Stromspannung von 110 Volt ausgestattet,

hier in Kamerun arbeiten wir

jedoch mit 220 Volt. Für jedes gespendete

110 Volt-Gerät müssen wir deshalb

einen Transformator hinzukaufen. Viele

Spender wissen auch nicht genau, welche

Geräte der Empfänger bereits

benutzt und was er noch benötigt. Es

macht z.B. wenig Sinn, einen 286er PC

mit 20 MB Festplatte zu spenden, wenn

das Krankenhaus bereits mit modernen

Computersystemen arbeitet. Es entstehen

uns also Kosten (und Kopfschmerzen),

die wir nicht eingeplant hatten.

Die meisten Gerätespenden stammen

aus zweiter Hand, und nicht wenige

sind älter als zehn Jahre. Je älter die

Geräte sind, desto schwerer kommt man

6


Instandhaltung erfordert

qualifizierte Mitarbeiter und

Management-Strukturen

Foto: Clauß

an Ersatzteile, selbst in den Herkunftsländern.

Lange Wartezeiten sind hier die

Regel.

Natürlich sind nicht allein die Spender

für diese Probleme verantwortlich.

Viele Empfänger wissen selbst nicht

genau, was sie wollen. Die Krankenhäuser

geben einfach eine Liste von Geräten

weiter, die sie brauchen könnten, ohne

den Spendern ihre Gerätestandards mitzuteilen.

Viele Krankenhausmanager

müssen sich noch darüber klarwerden,

daß auch ein gemeinnütziges Krankenhaus

eine Menge Geld sparen kann,

wenn es einen Wartungsdienst einrichtet.

7

EBEN Amstrong, Leiter der Abteilung

Krankenhaustechnik der Medical Institutions

Manyemen / Kamerun beschreibt

seine Erfahrungen in folgendem Brief:

Liebe Spender, Wohltäter und Freunde,

Ich begann meine Arbeit als Krankenhaustechniker

im Jahre 1990. Inzwischen

habe ich viele Erfahrungen

gemacht, von denen ich Ihnen die folgende

mitteilen möchte:

Großer Jubel brach aus, als wir erfuhren,

daß eine unserer deutschen Partnergruppen

unserem Krankenhaus einen

Krankenwagen gespendet hatte. Ich war

auch ganz glücklich, da wir dringend

ein Fahrzeug für den Krankentransport

benötigen. Sofort wurde unser Fahrer

losgeschickt, das Auto vom Hafen in

Douala abzuholen. Dort mußte er

zunächst ungefähr 800.000 Franc CFA

(ca. 2.700 DM) Zoll bezahlen.

Das eigentliche Problem begann aber

damit, daß vor der Überführung nach

Manyemen die Frage auftauchte: Was

für einen Treibstoff braucht dieses Fahrzeug

eigentlich? Der Fahrer stellte fest,

daß es sich um eine Mischung aus Benzin

und Öl (für Zweitakter) handelte.

Angaben zum Mischungsverhältnis

konnte er allerdings nicht in Erfahrung

bringen, da kein Handbuch vorhanden

war.

Das Fahrzeug startete gut an diesem

Tag, nach 60 Kilometern Fahrt allerdings

riß der Kupplungszug. Es war aussichtslos,

in dieser Gegend einen neuen zu

bekommen. Also behalf sich der Fahrer

mit einem Fallendraht. Ein paar Kilometer

weiter blieb das Auto plötzlich von

alleine stehen. Es durfte eine Stunde

auskühlen, bevor es wieder startete.


Kurz danach riß der Gaszug. Um überhaupt

noch an diesem Tag anzukommen,

wurde der Krankenwagen schließlich

nach Manyemen abgeschleppt.

Am nächsten Morgen staunte die

Belegschaft über diesen altmodischen

Krankenwagen. Er hatte eine seltsame,

käferartige Form, nannte sich „BARKAS”

und besaß einen Dreizylindermotor mit

speziellen Zündkerzen.

Der Krankenwagen war mit einem

großen roten Kreuz bemalt. Die Originalfarbe

des Fahrzeugs muß armeegrün

gewesen sein, jetzt war es seltsam

milchweiß. Wir mußten uns mit Ersatzteilen

anderer Autos behelfen, um ihn

wieder flott zu machen. Leider fuhr er

nicht lange. Diesmal kam er keinen steileren

Hügel hoch und hatte lauter

Fehlzündungen, die ein beängstigendes

Geknalle verursachten. Das verhalf ihm

zu einem neuen Spitznamen, „Bakassi”.

Dies ist eine ölreiche Grenzregion zwischen

Kamerun und Nigeria, in der seit

Jahren Krieg herrscht.

Nachdem wir Hunderttausende Francs

CFA für Zoll und Reparaturen ausgegeben

hatten, ganz abgesehen von der verschwendeten

Zeit für erfolglose Reparaturen,

zerlegten wir „Bakassi” schließlich

in seine Einzelteile und verscherbelten

ihn für 200.000 Franc CFA

(ca. 670 DM) an einen Arbeiter. Sind wir

denn ein Schrottplatz für alte Geräte

und Autos? Oder ist das wirkliche Partnerschaft?

Diesmal war es mehr eine

Last für unser Krankenhaus als eine

Unterstützung.

Es gibt auch positive Beispiele: Der

neue Landcruiser, den uns ein Kirchenkreis

durch Vermittlung eines erfahrenen

Krankenhaus-Ingenieurs hat zukommen

lassen, versieht seinen Dienst sowohl in

der Trockenzeit als auch in der Regenzeit.

Das ist echte Unterstützung, und

ich möchte der Organisation herzlich

dafür danken. Generell möchte ich

dafür plädieren, daß jeder Partner,

Wohltäter oder Freund, der medizinische

Geräte oder Fahrzeuge spenden

möchte, vorher eine Fachberatung in

seinem Land konsultiert, die unsere

Situation und Probleme kennt.

„Ein Bettler hat keine Wahl, aber ein

Bettler hat die Möglichkeit, die Kosten

so gering wie möglich zu halten.”

Gott segne Euch,

EBEN Amstrong aus Manyemen /

Kamerun

Viele Sachspenden sind wertlos!

Foto: Clauß

8


KAPITEL 2

Geschenkt, aber keineswegs

KOSTEN-los!

9

M

it der Spende eines neuen Gerätes 1 ,

das an den Bedarf und die Infrastruktur

des Krankenhauses in Übersee angepaßt

ist, wollen Spender die dortige

Gesundheitsarbeit unterstützen. In aller

Regel übernehmen die Spender zunächst

die Beschaffungs- und eventuell die Transportkosten

bis zum Bestimmungsland.

Damit ist zwar ein großer Schritt getan,

der Kostenreigen allerdings erst eröffnet.

Um die gesamten Betriebskosten zu beurteilen,

sollte z.B. die Frage gestellt werden:

„Welche Kosten entstehen dem

Krankenhaus in den nächsten 5 – 10 Jahren,

um mit dem Gerät (und eventuellem

Zubehör) z.B. die zu erwartenden 35.000

Röntgenaufnahmen oder 100.000 Blutuntersuchungen

zu machen?” Zur Beantwortung

müssen alle durch den Einsatz

des Gerätes verursachten Kosten über

seine gesamte Lebensdauer hinweg

betrachtet werden. Diese können im Einzelfall

bis zum 50-fachen des Beschaffungspreises

ausmachen.

Im folgenden sollen einige, häufig

anfallende, versteckte Kosten benannt

werden, bei deren Betrachtung sich zeigt,

f

1

Der Begriff „Gerät“ wird hier sehr allgemein

verstanden: es kann sich um

medizintechnische Geräte, technische

Anlagen oder Fahrzeuge handeln.

daß auch ein geschenktes Gerät keineswegs

umsonst betrieben werden kann:

1ZOLL UND TRANSPORT

Nur sehr selten finanzieren Spender den

unmittelbaren Kauf von Geräten bei ortsansässigen

Händlern im Empfängerland.

Oft gibt es diese nicht oder ihre Preise

erscheinen überhöht. Da es sich somit bei

den meisten Geräten um eine Einfuhr

handelt, unterliegt diese generell den

üblichen Zollgesetzen. Der Wert des

Gerätes bestimmt die Höhe des Zolls und

das gilt grundsätzlich auch für Geschenke,

wenn auch in manchen Fällen vom

Empfänger Ermäßigungen ausgehandelt

werden. Für Fragen der Entzollung

bedient sich der Empfänger meist eines

Spezialisten, der seine Dienste in Rechnung

stellt.

Vom Hafen oder Flughafen muß das

Gerät zum Krankenhaus transportiert werden.

Besonders wenn damit Transportunternehmer

beauftragt werden, entstehen

erhebliche Kosten.

1AUFSTELLUNG UND

INSTALLATION

1

Um das Gerät sicher und sachgemäß

betreiben zu können, sind in bestimmten

Fällen Anpassungen an die vorhandene

Infrastruktur und Installation vorzuneh-


troden und Spezialpapier für EKG-

Drucker, Reagenzien für Bestimmungen

mit einem Photometer etc.). Darüber hinaus

ist auch die Versorgung mit Energie

und Betriebsstoffen sowie die Entsorgung

von Abwasser und Abfall in die Kostenrechnung

mit einzubeziehen.

Foto: Clauß

Komplexe Medizingeräte erfordern

qualifizierte Techniker zur Installation

men. Falls diese Arbeiten nicht vom technischen

Personal des Krankenhauses ausgeführt

werden können, muß eine spezialisierte

private Firma hinzugezogen werden.

Dadurch entstehen dem Krankenhaus

Lohn- und Sachkosten.

1AUSBILDUNG DER ANWENDER

Das Krankenhaus muß je nach Ausbildungsstand

seines Personals oder Komplexität

des Gerätes Schulungen veranlassen,

um das Gerät sicher und sachgemäß

einsetzen zu können. Diese Ausbildung

kann von einer kurzen betriebsinternen

Einweisung bis zur Entsendung von Mitarbeitern

zu einem Spezialkurs gehen.

1 FÜR DEN REGELMÄSSIGEN

1BETRIEB

Bestimmte Geräte schlagen mit ihren Verbrauchsmaterialien

derart zu Buche, daß

die Beschaffungskosten dagegen gering

anmuten. Neben der Frage nach den

Kosten (z.B. pro Untersuchung) stellt sich

die Frage nach der ständigen Verfügbarkeit

der Verbrauchsmaterialien (z.B. Elek-

1 INSTANDHALTUNG

Im Laufe seiner Lebensdauer muß das

Gerät instandgehalten, möglicherweise

sogar repariert werden, um einen bestimmungsgemäßen

und sicheren Betrieb zu

gewährleisten. Für den Bereich Medizintechnik

werden dafür jährlich Kosten in

Höhe von 5% des Beschaffungswertes

geschätzt. Dadurch summieren sich die

Kosten im Laufe von 10 Jahren auf die

Hälfte des Anschaffungspreises.

1 SONSTIGE AUFWENDUNGEN

Weitere Kosten entstehen in Form von

Entlohnung für die Bedienungsperson, für

die Verwaltung und bei der Aussonderung

des Gerätes.

Das Krankenhaus muß in der Lage

sein, die Betriebskosten zu tragen –

sonst stehen die Geräte still

Foto: Clauß

10


1 FAZIT

Sicher wäre es falsch, die Beschaffung

oder Spende eines Gerätes nur im Hinblick

auf die zu erwartenden Kosten zu

sehen. Ebensowenig sollte man sie jedoch

vernachlässigen. Dies ist eine Versuchung,

der sowohl Spender als auch Empfänger

häufig erliegen. Wenn der Empfänger

bei der Auswahl des entsprechenden

Gerätes feststellt, daß er das Gerät auch

bewirtschaften oder damit sogar Einnahmen

erzielen kann, so ist eine Gerätespende

eine echte Unterstützung.

Vor der Spende sollte Dialog

stattfinden – dann können Enttäuschungen

vermieden werden

KAPITEL 3

Leitlinien für

Gerätespenden

I

m folgenden sind die Kriterien aufgeführt,

die bei einer Spendenaktion

beachtet werden sollten. Um einen konstruktiven

Dialog und Entscheidungsprozeß

zwischen Spender und Empfänger zu

fördern, werden Empfehlungen jeweils an

beide Gruppen gerichtet. Sie basieren auf

den gemeinsam vom Weltkirchenrat

(WCC/CMC) und FAKT entwickelten

„Guidelines: Medical Equipment Donations"

und sind ergänzt durch Erläuterungen

und Beispiele aus der Praxis.


Kriterien für

Empfänger/Betreiber/Anwender

1BEDARF UND VORHANDENE

1MITTEL

10

Technische Geräte sollen nur aufgrund

eines ausdrücklich vorliegenden Bedarfs

angeschafft werden. Dieser ergibt sich

aus der Funktion, welche die Gesundheitseinrichtung

im Einzugsgebiet erfüllt.

Die vorhandenen Ressourcen wie

Finanzmittel, qualifiziertes Personal und

die örtlichen Umgebungsbedingungen

bestimmen andererseits, wie weit der

Bedarf tatsächlich gedeckt werden kann.


Foto: Clauß

Einfache, zuverlässige Geräte

gehören zur Mindestausstattung

von Gesundheitseinrichtungen

Zur Ausführung der nötigen präventiven,

diagnostischen und kurativen Aufgaben

von Basisgesundheitsdiensten ist eine

Mindestausstattung an technischen Geräten

und Installationen erforderlich. Die

folgende Liste führt die wichtigsten Funktionsbereiche

und Anlagen auf:

■ Wasserversorgung, Abwasser

■ Sanitäre Anlagen

■ Sterilisation

■ Stromversorgung

■ Kühlung, Klimatisierung

■ Wäscherei

■ Basis-Laborgeräte, z.B. Mikroskope

■ Basis-Diagnosegeräte, z.B.

Blutdruckmesser

■ Chirurgische Geräte, z.B. Absaugpumpen

Dem entgegen schätzen Ärzte, Pflegeund

Verwaltungspersonal häufig die

Wichtigkeit einiger technisch aufwendiger

Medizingeräte (z.B. Röntgengeräte, EKG,

Ultraschall) höher ein. Tatsache ist

jedoch, daß ein Distriktkrankenhaus auch

ohne Ultraschallgerät ganz gut funktionieren

kann, aber kaum ohne Wasser. Angesichts

der schlechten wirtschaftlichen

Lage in vielen Ländern müssen die

Ansprüche an Medizintechnologie neu

überdacht werden. Bei der Einführung

von Geräten und Anlagen, die zunehmend

komplexer werden, entstehen

wachsende Abhängigkeiten:

■ Wird die Institution abhängig von bestimmten

Personen (Experten, die das

Gerät betreiben oder instandhalten)?

■ Wächst die Abhängigkeit von Lieferanten

und bestimmten Nachschubwegen

für Verbrauchsmaterial?

Weiterhin stellen sich beim Einsatz neuer

Geräte folgende Fragen:

■ Wandert ärztliches Personal aus

schlechter versorgten Krankenhäusern

ab?

■ Verändert sich die medizinische Versorgungsstruktur

einer Region durch

die Inselwirkung der besser ausgestatteten

Krankenhäuser?

■ Verkümmern traditionelle Methoden

sowie alternatives medizinisches

und technisches Fachwissen?

■ Wird Kapital gebunden, das evtl. für

wichtigere Beschaffungen benötigt

würde?

1TECHNISCHE ABTEILUNGEN

EINBEZIEHEN

1

Lokales technisches Personal und entsprechende

Fachabteilungen sollten in

den Auswahl- und Beschaffungsprozeß

mit einbezogen werden. Als Verantwort-

11


12

Foto: Clauß

liche für Installation, Wartung und Reparatur

müssen sie frühzeitig über geplante

Neuanschaffungen informiert sein und

die Entscheidungsträger fachlich beraten.

Qualifizierte Techniker kennen die lokalen

logistischen und technischen Einsatzbedingungen

von Geräten und Instrumenten:

■ Sie beurteilen Geräte bezüglich

eines wirtschaftlichen Betriebs und

der technischen Ausführung.

■ Sie ermitteln die Installationsbedingungen,

wie z.B. Raumausstattung,

Energie- und Wasserversorgung,

Klimatisierung, Lagerung.

■ Sie beschreiben die Qualifikationsanforderungen

an Betreiber und

Wartungspersonal.

■ Sie ermitteln den Bedarf an Verbrauchsmitteln

und Ersatzteilen.

Eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung

im Empfängerland durch Sachspenden

kann erreicht werden, wenn Spender

und Empfänger als Partner auftreten. Von

dem Recht, „Nein, Danke“ sagen zu können,

sollte Gebrauch gemacht und dies

Kein Gerät ohne Instandhaltung –

qualifizierte Techniker beraten aber

auch bei Neuanschaffungen

1MIT DEM SPENDER

1KOMMUNIZIEREN

Empfänger und Betreiber technischer

Geräte sollten den Bedarf eindeutig formulieren

und dies dem Spender mitteilen.

Dabei vermeidet eine klare Beschaffungspolitik

des Empfängers Irritationen

und langfristige materielle Nachteile. Bei

unnötigen oder unverlangt eingegangenen

Spenden sollte die Partnerorganisation

entsprechend informiert werden.

„Schickt nur das

was wir wirklich

wollen!”- ein

Empfänger

appelliert an

seine Partnerinstitutionen

akzeptiert werden. Beispielhaft hat die

Presbyterianische Kirche in Ghana als Träger

zahlreicher Gesundheitseinrichtungen

dringend an ihre Partner appelliert, Medizingeräte

nur nach vorheriger Absprache

und Zustimmung durch den kircheneigenen

Wartungsdienst (HTU) nach Ghana

zu senden.

In einigen Ländern haben technische

Wartungsdienste und Träger von Gesundheitseinrichtungen

sog. „Standard-Gerätelisten“

zusammengestellt. Diese können

sehr allgemeine Beschreibungen der

Geräte enthalten, in einigen Fällen wer-

PCG


Foto: Clauß

STANDARDISIERUNG 1

■ Ist das Gerät bedienungsfreundlich

gebaut?

Das Typenspektrum der eingesetzten

Geräte und Anlagen sollte vereinheitlicht

werden. Institutionelle oder nationale

Geräte-Standardlisten führen Modelle

auf, die sich unter den lokalen Bedingungen

leicht installieren, betreiben und

warten lassen. Dadurch können Bedienungsfehler

vermieden und Instandhaltungsarbeiten

zuverlässiger ausgeführt

werden. Verbrauchsmaterialien und

Ersatzteile werden vor Ort gelagert und

sind kostengünstig verfügbar.

Drei verschiedene Dampfsterilisatoren –

jeder braucht seine besonderen Ersatzteile

den aber auch konkrete Herstellerangaben

gemacht. In jedem Fall ist es sinnvoll,

auf institutioneller oder auf Distrikt-Ebene

eine größtmögliche Typen-Vereinheitlichung

zu erreichen. Die Erfahrung zeigt,

daß in vielen Ländern die zu große

Typenvielfalt der Geräte zu einer rapide

abnehmenden Wartungs- und Bedienerfreundlichkeit

führt. Dies reduziert gleichzeitig

die Bereitschaft lokaler Firmen,

überhaupt Instandhaltungskapazitäten und

Ersatzteile bereitzuhalten.

Folgende Fragen können bei einer Spezifizierung

von Geräten überprüft werden:

■ Ist es solide konstruiert?

■ Ist es anfällig gegenüber widrigen

Umgebungseinflüssen?

■ Ist es energiesparend zu betreiben?

■ Ist das Gerät übertechnisiert? Wieviele

der Leistungsmerkmale des Gerätes

werden überhaupt nicht benötigt

bzw. können nicht eingesetzt werden?

■ Gibt es auch noch in 5 Jahren Ersatzteile

und wer liefert sie?

1BEGLEITMATERIAL

Bei allen Geräten und Anlagen muß ein

kompletter Satz technischer Dokumente

und ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment

von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien

mitgeliefert werden. Neuen

und überholten Geräten müssen zusätzlich

die verbindliche Garantieerklärung

und die entsprechenden Bedingungen

beigelegt sein.

Technische Dokumente umfassen die

Bedienungsanleitung sowie Unterlagen

zur Installation, Inbetriebnahme und Wartung.

Die Sprache der Dokumente muß

ausdrücklich erwähnt werden. In jedem

Fall sollte zumindest eine international

verbreitete und lokal angewandte Sprache

(z.B. Englisch, Französisch, Spanisch oder

Portugiesisch) verwendet werden. Deutsche

Betriebsanleitungen erfüllen ihren

Zweck nicht! Die erforderlichen Materialien

(auch Kleinteile) für eine problemlose

und sichere Installation sowie Ersatzteile

und Verbrauchsmaterialien sollten von

Fachleuten bestimmt werden. Art und

13


Anzahl hängen sehr stark vom Einsatz des

Gerätes und den örtlichen Bedingungen

ab. Manche Ersatzteile und Verbrauchsmittel

haben eine begrenzte Haltbarkeit

und sind daher gerade unter besonderen

klimatischen Bedingungen nur eingeschränkt

lagerfähig.

1BESCHAFFUNG AUF DEM

EINHEIMISCHEN 1

MARKT

Lokal erhältliche Geräte und technisches

Know-how vermindern die

Abhängigkeit von Direktimporten und

fördern den Aufbau eigener Strukturen

für Beschaffung und Instandhaltung.

Anstrengungen, lokal verbreitete Ressourcen

und Technologien einzusetzen (z.B.

Konstruktion sog. „angepaßter„ oder „low

cost“ Geräte). Mit Erfolg geschieht dies im

Bereich medizinischer Hilfsmittel (z.B.

Gehhilfen) und Möbel (z.B. Krankenhausbetten).

Für die Akzeptanz solcher Geräte

spielen nicht nur rein technische Aspekte

eine Rolle. Sie müssen von guter Qualität

sein, sich unter den örtlichen Bedingungen

praktisch anwenden lassen und in die

ortsübliche Arbeitsorganisation passen.

Manche Geräte kommen jedoch nicht

über den Stand von Prototypen hinaus

(z.B. Solarsterilisatoren), da sie diese Kriterien

nicht erfüllen.

14

Lokal hergestellte einfache medizinische

Möbel sind oft eine gute

Alternative zu Importen

Die Schere zwischen der Technologieentwicklung

in Industrieländern und den

wirtschaftlichen und logistischen Möglichkeiten

in Entwicklungsländern läuft

immer weiter auseinander. Verstärkt wird

diese Tendenz durch den geringen Marktanteil

der Entwicklungsländer, der bei der

Geräteentwicklung eine Berücksichtigung

ihrer Belange nahezu ausschließt.

Um dem entgegenzuwirken, gibt es

Foto: Clauß


Kriterien

für Spender/

Lieferanten

1MIT DEM BETREIBER

1KOMMUNIZIEREN

Geräte und Anlagen dürfen nicht ohne

die vorherige Zustimmung des Empfängers

verschickt werden. Besteht Bedarf

für ein bestimmtes Gerät seitens des

Empfängers, sollte von diesem zunächst

eine umfassende Beschreibung des

gewünschten Gerätes angefordert werden

(einschließlich einer Liste des

Begleitmaterials). Der Spender sollte eindeutig

mitteilen, wenn er die Anforderungen

des Empfängers nicht erfüllen

will oder kann.


Gerätelieferungen müssen den lokalen

Bedingungen entsprechen. Dazu ist es

erforderlich, sich an eine evtl. vorhandene

Standard-Geräteliste zu halten oder

sonstige länderspezifische Rahmenbedingungen

zu beachten. Informationen über

alle entstehenden laufenden Kosten und

über die Anforderungen an Benutzer- und

Wartungspersonal sollten dem Empfänger

ebenso vollständig mitgeteilt werden.

German

„Offenbar haben unsere Partner eine

andere Vorstellung von einem

Distrikt-Krankenhaus, Herr Doktor”

nommen. Sie sind teilweise robuster in

der Konstruktion und bis jetzt an einigen

Einsatzorten noch geeigneter als Neuentwicklungen.

In vielen Fällen müssen aber

die Nachteile, die mit dem Einsatz solcher

Geräte verbunden sind, stärker berücksichtigt

werden, z.B.:

● Ersatzteil- und Verbrauchsmittelversorgung

nicht mehr sichergestellt

● Dokumentation in lokaler Sprache

nicht verfügbar

● keine technische Unterstützung

durch lokales Fachpersonal

● Beitrag zu übergroßer Typenvielfalt

● aktuelle Sicherheitsbestimmungen

nicht mehr erfüllt.

Daher sollten bezüglich des Zustands

älterer Geräte folgende kritische Fragen

gestellt werden:

● Ist das Gerät gebraucht? Warum wird

das Gerät dann in Deutschland nicht

mehr benutzt? Haben häufige technische

Mängel oder Sicherheitsrisiken

zu einer Aussonderung geführt?

Ist es dann aber gerechtfertigt, das

Gerät als Spende weiterzugeben

oder gar zu „entsorgen“?

1NUR FUNKTIONSFÄHIGE GERÄTE

Geräte und Anlagen müssen vor dem

Versand auf Funktion, Betriebssicherheit

und Übereinstimmung mit den Empfängeranforderungen

geprüft werden. Auf

keinen Fall dürfen unvollständige oder

defekte Geräte versendet werden.

Warum wird

dieser Sterilisator

in

Deutschland

nicht mehr

benützt?

Ältere gebrauchte Geräte aus Industrieländern

werden gerne von Gesundheitseinrichtungen

in Entwicklungsländern ange-

Foto: Clauß

15


16


Ist das Gerät verbraucht? Machen

ständige Reparaturen und fehlende

oder teure Ersatzteile eine weitere

Verwendung in Deutschland unwirtschaftlich?

Dann sei hier um so mehr

die Frage gestattet, ob die Spende

eine reine Entsorgung darstellt?

1KOMPLETTE DOKUMENTATION

Ein kompletter Satz von Installations-,

Bedienungs- und Wartungshandbüchern

sowie Ersatzteillisten und eine

Garantieerklärung müssen dem Gerät

beigelegt werden. Alle Dokumente sollten

in der Sprache bereitgestellt werden,

die vom lokalen Bedienungs- und Wartungspersonal

verstanden wird.

Empfehlenswert sind oft Geräte, die in

Industrieländern als Alternativtechnologien

bezeichnet werden (z.B. WHO-Basic

Radiological System, Photovoltaik-Anlagen).

Hierbei kann es sich um sehr teure

Anlagen handeln, die von ihrer Komplexität

her durchaus als „high-tech“ zu

bezeichnen sind. Zu beachten ist jedoch

auch hier, daß sie gut qualifiziertes

Anwender- und Instandhaltungspersonal

benötigen und nicht zu vernachlässigende

Betriebskosten zur Folge haben.

Die Verfügbarkeit dieser Dokumente ist

auch dann unerlässlich, wenn ausländische

Fachkräfte zur Installation und Inbetriebnahme

der Anlagen zur Verfügung

stehen. Zur langfristigen Bedienung,

Instandhaltung und zur Fehlerdiagnose

werden die technischen Unterlagen von

lokalen Mitarbeitern benötigt.

1VERBRAUCHSMITTEL UND

ERSATZTEILE 1

MITLIEFERN

Geräte und Anlagen sollten mit einem

sorgfältig ausgewählten Sortiment von

Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien

verschickt werden. Die Auswahl sollte

von Experten unter Berücksichtigung der

lokalen Einsatzbedingungen durchgeführt

werden. Bestell- und Finanzierungsstrukturen

für Nachlieferungen

müssen bei Auslieferung der Geräte

bereits festliegen.

Die Beschaffung von Ersatzteilen und Verbrauchsmitteln

stellt viele Gesundheitseinrichtungen

vor große verwaltungstechnische

Probleme. Es empfiehlt sich

daher, Verbrauchsmittel- und Ersatzteilpakete

zusammenzustellen, die einen Zeitraum

von ca. zwei Jahren abdecken. Die

Haltbarkeit des Materials muß jedoch

ausreichend berücksichtigt werden. Es

besteht auch die Möglichkeit, das Material

über ein Gutscheinsystem rechtzeitig

beim Lieferanten abzurufen. In jedem Fall

sind genaue Bestellangaben und Versanddaten

unerlässlich.

1 SICHERE VERPACKUNG

1UND VERSANDART

Alle Gerätelieferungen müssen gemäß

internationaler Versandbestimmungen

verpackt sein. Die Verpackung selbst

muß fest und stabil, jedoch leicht handhabbar

sein. Die Versandpapiere und

eine vollständige Packliste sind dem

Empfänger rechtzeitig mit separater Post

zuzustellen.


In vielen Fällen muß während des Transports

mit einem rauhen Handling der

Waren gerechnet werden. Verschiedene

Transportmittel und lange Zwischenlager-

Zeiten unter widrigen Umständen sowie

Diebstahlprobleme erfordern eine angepaßte

Verpackung. Es empfiehlt sich auch

eine Packstückgröße, die manuell oder

mit einfachen mechanischen Hebemitteln

gehandhabt werden kann. Eine vollständige

Versandliste vereinfacht es für den

Empfänger, auf Verluste oder Beschädigungen

hinzuweisen.

1TECHNISCHE UNTERSTÜTZUNG

Die Schulung von Benutzern und technischem

Personal bildet eine Grundlage

für den zufriedenstellenden Betrieb

eines Gerätes. Insbesondere bei der Einführung

einer neuen Technologie oder

eines neuen Verfahrens muß das Personal

qualifiziert werden.

Die Unterstützung des Empfängers bei der

Schulung seines Personals ist eine sinnvolle

Ergänzung zu reinen Sachspenden.

Dabei bewähren sich Weiterbildungsmaßnahmen,

die dem Kontext der Empfängerinstitution

entsprechen. Lokale Trai-

German

Zur Bedienung und Wartung

muß das Personal regelmäßig

geschult werden

ningsmaßnahmen sind in der Regel angepaßter

als solche in Industrieländern.

Ebenso können die langfristige Unterstützung

des Empfängers bei der Beschaffung

von Verbrauchsmitteln und die Kostenübernahme

eine wirkungsvolle Fördermaßnahme

durch den Spender sein.

1GESETZE UND REGELUNGEN

1DES EMPFÄNGERLANDES

Die nationalen rechtlichen und technischen

Standards des Empfängerlandes

sind einzuhalten. Diese unterscheiden

sich z.T. erheblich von deutschen Normen

und rechtlichen Bestimmungen.

Es ist sinnvoll, sich frühzeitig über die entsprechenden

Regelungen zu informieren,

da diese die Entscheidung über eine Sachspende

wesentlich beeinflussen können.

Zunächst sind technische Standards zu

beachten (z.B. elektrische Anschlußbedingungen,

Strahlenschutzmaßnahmen), aber

ebenso auch einfuhrrechtliche Bestimmungen.

Diese können sich kostenmäßig

entscheidend vor allem auf den Empfänger

auswirken. Für manche Spenderorganisationen

ist es wünschenswert, den Wert

ihrer Spenden möglichst hoch anzugeben.

Dies trifft speziell für kommerzielle Unternehmen

zu, da sie den Wert der gespendeten

Geräte und Anlagen abschreiben

und damit entsprechend Steuern sparen

können. Solche Wertangaben können aber

bei der Einfuhr im Empfängerland zu unnötig

hohen Einfuhrkosten führen. Außerdem

verzerren unrealistische Angaben das

Bild über den Wert eines Gerätes beim

Empfänger und in seiner Budgetierung.

17


KAPITEL 4

Alternativen zu Sachspenden

18

W

elche Alternativen zu technischen

Sachspenden in Frage kommen,

hängt vom Aufgabenspektrum der medizinischen

Arbeit des Partners im Süden und

von den Ressourcen der Partnerschaftsgruppe

ab. Es ist im Rahmen dieser Leitlinien

deshalb nicht möglich, allgemeingültige

Alternativvorschläge darzustellen. Die

vorstehend geschilderten Probleme sollen

jedoch nicht dazu führen, daß sich Partnerschaftsgruppen

gar nicht mehr unterstützend

engagieren. Die Leitlinien sollen

vielmehr eine Hilfestellung bieten, damit

solche Sachspenden äußerst sorgfältig

geplant und durchgeführt werden. Neben

gutem Willen sind Fachwissen und die

richtige Einschätzung der Situation im

Empfängerland erforderlich. Hierzu können

die im Anhang aufgeführten Fachstellen

kompetente Beratung anbieten.

Wichtig ist in jedem Fall der kontinuierliche

inhaltliche Dialog mit dem

Partner. Wenn sich aus dieser Partnerschaft

ein Projekt entwickelt, so empfiehlt

es sich, einheimische Ressourcen und

lokales Fachwissen zu nutzen und

aufzubauen. Manchmal ist es sinnvoller,

anstelle von Sachspenden Geldmittel

bereitzustellen, die für Ausbildungszwecke

von Technikern, zur Unterstützung

eines Wartungsdienstes oder

zur langfristigen Instandhaltung von

Geräten oder Gebäuden verwendet werden

können.

Unter entwicklungspolitischen Gesichtspunkten

sollen die Leitlinien dazu

beitragen, das Geber-Nehmer-Gefälle zu

vermindern. Auf der einen Seite argumentieren

Partnerschaftsgruppen sehr häufig,

daß sie in ihrer Arbeit die Armut ihrer

Partner nicht ignorieren können und deshalb

in Sachspenden eine Möglichkeit

des Ausgleichs sehen. Zudem bietet ihnen

die direkte und materielle Hilfe für die

Partner Vorteile bei der Spendenwerbung

und „handfeste“ Anknüpfungspunkte.

Andererseits hat man in vielen Projekten,

die von Partnerschaftsgruppen gefördert

werden, die Erfahrung gemacht, daß sie

nicht zur Selbständigkeit der Projektpartner

beitragen. Häufig scheitern Projekte

oder verstärken die Abhängigkeit aufgrund

der entstehenden Folgekosten.

Dadurch wird das Geber-Nehmer-Gefälle

zementiert, was dem eigentlichen Projektziel

widerspricht. Eine Ursache liegt

darin, daß die Projektarbeit nicht kontinuierlich

und ausreichend kritisch ausgewertet

wird. Neben der aufwendigen Planung

und Abwicklung von Einzelprojekten

sollte sich eine Partnerschaftsgruppe

immer noch die Zeit für die Auseinandersetzung

mit den Ursachen von Unterentwicklung

und Armut nehmen.


ANHANG

Weiterführende Informationen

Beratende Institutionen:

■ FAKT

Fördergesellschaft für angepaßte

Techniken gGmbH

Gänsheidestr. 43 • 70184 Stuttgart

Tel: 0711-21095-0

Fax: 0711-21095-55

E-mail: fakt_ger@compuserve.com

■ DIFÄM

Deutsches Institut für Ärztliche

Mission e.V.

Paul-Lechler-Straße 24

72076 Tübingen

Tel: 07071-206-512

Fax: 07071-27125

■ Missionsärztliches Institut Würzburg

Salvatorstr. 7

97074 Würzburg

Tel: 0931-791-2900

Fax: 0931-791-2801

E-mail: miss041@rzhub.uni-wuerzburg.de

■ GTZ

Deutsche Gesellschaft für Technische

Zusammenarbeit GmbH

Abt. 412, Gesundheit, Bevölkerung,

Ernährung,

Medizintechnik und Instandhaltung

Dag-Hammerskjöld-Weg 1-5

66726 Eschborn

Tel: 06196-79-1226

Fax: 06196-79-7104

E-mail: hans.halbwachs@gtz.de

Beispiele von Anbietern neuer und

qualifiziert überholter gebrauchter

medizin- und krankenhaustechnischer

Geräte, Ersatzteile und Verbrauchsmittel:

■ TTM

Technologietransfer Marburg

in die 3. Welt e.V.

Auf der Kupferschmiede 1

35091 Cölbe

Tel: 06421-87373-0

Fax: 06421-87373-73

E-mail: TTM.Germany@t-online.de

■ ECHO

International Health Services Ltd.

Ullswater Crescent

Coulsdon, Surrey CR5 2HR

Großbritannien

Tel: 0044-181-6602220

Fax: 0044-181-6680751

E-mail: cs@echohealth.org.uk

19


21

Beispiele von Anbietern neuer

medizin- und krankenhaustechnischer

Geräte, Ersatzteile und Verbrauchsmittel

in Deutschland:

■ WEM

Wirtschaftsstelle Evangelischer Missionsgesellschaften

GmbH

Normannenweg 17-21

20537 Hamburg

Tel: 040-25456-0

Fax: 040-25456-289

■ BEGECA

Franzstr. 109 • 52064 Aachen

Tel: 0241-47798-0

Fax: 0241-47798-40

Literatur:

Englische Leitlinien für Gerätespenden:

■ Guidelines: Medical Equipment

Donations

FAKT Technical Library, aus:

WCC/CMC-Publication CONTACT 10/94

■ z.Zt. in Bearbeitung:

Guidelines for Medical Equipment

Donations

Geneva, World Health Organisation

Französische Leitlinien für

Gerätespenden:

■ Lignes Directrices: Dons d'équipements

médicaux

FAKT Technical Library

aus: WCC/CMC-Publication CONTACT

11/94

Deutsche Literatur zum Thema „Partnerschaften":

Leitlinien für Arzneimittelspenden

Aachen, Tübingen, 1997

Bischöfliches Hilfswerk Misereor e.V,

Deutsches Institut für Ärztliche Mission

e.V. (DIFÄM)

■ Leitfaden für Hilfsgüterlieferungen

nach Osteuropa / GUS

Köln, Bonn, 1998

Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland

e.V., Köln

Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V.,

Bonn

■ Leitfaden: Partnerschaften mit Krankenhäusern

in Entwicklungsländern

R. Heinmüller, Stuttgart, 1993

Stiftung Entwicklungszusammenarbeit

Baden-Württemberg

■ Leitfaden: Sammeln für die „Dritte

Welt"?

Stuttgart, 1994

Stiftung Entwicklungszusammenarbeit

Baden-Württemberg

■ Miteinander leben lernen

L. Bauerochse, Erlangen, 1996

Verlag der Ev-Luth. Mission

■ Gelebte Ökumene?

Potential und Grenzen von Direktpartnerschaften

F. Kürschner-Pelkmann, 1997

in: epd-Entwicklungspolitik 19/97


1 IMPRESSUM

HERAUSGEBER

■ FAKT

Fördergesellschaft für Angepaßte Techniken

Gänsheidestraße 43

70184 Stuttgart

Tel.: 0711/21095-0

Fax: 0711/21095-55

■ EMW

Evangelisches Missionswerk in Deutschland e.V.

Normannenweg 17-21

20537 Hamburg

Tel.: 040/25456-170

Fax: 040/2542987

■ Bischöfliches Hilfswerk

Misereor e.V.

Mozartstraße 9

52064 Aachen

Tel.: 0241/442–0

Fax: 0241/442–188

REDAKTION

J. Clauß, Stuttgart, 1998

MITARBEIT

C. Albert, Köln

Eben Luke Amstrong, Kumba, Kamerun

E. Etya'alé, Genf

A. Klein, Stuttgart

F. Krisch, Stuttgart

GRAPHISCHE GESTALTUNG

VISUELL Werbung und Kommunikation, Aachen

Anja Hammers, Aachen

DRUCK

Typographica, Aachen

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