Ansichtssache Frauenhandel - An.schläge

anschlaege.at

Ansichtssache Frauenhandel - An.schläge

an.schläge07 08/2004

an.schläge

DAS FEMINISTISCHE MAGAZIN juli august

e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,–

asf

AnsichtsSache

Antikapitalismus versus Feminismus – ein

politischer Richtungsstreit zum Linzer ASF

thema

FrauenHandel

In Slowenien tauschten sich Expertinnen zum

Thema organisierter Menschenhandel aus


Maria Mesner, Margit Niederhuber,

Heidi Niederkofler, Gudrun Wolfgruber

(Hg.)

Das Geschlecht der Politik

Im vorliegenden Band werden Länder auf

drei Kontinenten – Finnland, Mosambik,

Österreich, Portugal und die USA – einander

gegenüber gestellt. Anhand der

Politikfelder politische Repräsentation,

Reproduktion und Erwerbsarbeit

wird untersucht, welche Bedeutung

„Geschlecht“ – sowohl als soziale

Zugehörigkeit als auch als Diskriminierungskategorie

– in den verschiedenen

Gesellschaften hat. Bedeutung und

Wirkungen von Geschlecht erweisen sich

in den verschiedenen Ländern, in den

unterschiedlichen gesellschaftlichen

Gruppen und geographischen Regionen als

durchaus unterschiedlich. Während

beispielsweise in Finnland die Unterscheidung

zwischen Männern und Frauen der

zentrale Platzanweiser in der Gesellschaft

ist, hat in den USA die ethnische

und soziale Zugehörigkeit besondere

Bedeutung. In Portugal wiederum ist die

Teilhabe an bestimmten sozialen Milieus

vielleicht wesentlicher für die Bestimmung

der Handlungsspielräume eines

Menschen als seine Geschlechtszugehörigkeit.

Trotz aller Unterschiede wird

aber eines deutlich: Die gesellschaftliche

Definition des Verhältnisses von Erwerbsund

Betreuungsarbeit ist zentral für die

Verfasstheit der Geschlechterverhältnisse.

Das Buch ist als Band 17 der Reihe des bm:bwk

Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft

erschienen und ab sofort beim Verlag Österreich erhältlich.

http://www.verlagoesterreich.at

ISBN 3-85224-114-6

FRECH

Frauen ergreifen Chancen

Mit FRECH unterstützt der waff Frauen,

die beruflich weiterkommen wollen.

Das FRECH-Team erarbeitet mit Ihnen

die persönliche Strategie zu Ihrer beruflichen

Veränderung und berät Sie gerne

über Weiterbildungsmaßnahmen und

mögliche Förderungen.

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Wiener ArbeitnehmerInnen

Förderungsfonds


auf.takt

Darf ich vorstellen? Renate Billeth und Martina

Madner, die neuen Koordinierenden ... Mit dieser

Ausgabe sind wir nun tatsächlich auf uns alleine

gestellt und hatten beide ordentlich Muffensausen,

dass die Sommerausgabe der an.schläge auch

rechtzeitig und vollständig und so gut wie immer

erscheint.

Aber: das Werk ist vollbracht und die Juli/Augustan.schläge

sind mit vielen spannenden Artikeln

bestückt. Kerstin nahm in Slowenien an einer

Frauenhandel-Konferenz teil und berichtet darüberhinaus

auch über das Austrian Social Forum in

Linz. Vielen Dank übrigens an MAIZ für das tolle

Cover-Foto! Gabi und Bettina besuchten einen Exper-tinnentalk

zum Thema „Frauen in den Medien“,

Michaela interviewte für uns die Sciencefictionautorin

Claudia Rath und Daniela quälte sich

durch die Sisi-Ausstellung. Und mit dem Beitrag

zum Antidiskriminierungsgesetz entstand der

erste gemeinsame Artikel von uns, den beiden

Koordinierenden. Aber lest doch selbst ...

Damit verabschieden wir uns in den Sommer

und wünschen Euch allen einen schönen Urlaub!

Wir freuen uns über Anregungen, Kritik und versuchen

unser bestes, damit die an.schläge auf in

Hinkunft Euer feministisches Lieblingsmagazin

bleiben.

Eure an.schläge-Redaktion

an.schläge

an.spruch

Streichelzoo

Eigentlich sind wir Feministinnen viel zu brav

thema politik

forum

arbeit

kultur

sozial.forum

Grenzen der alten Welt

Antikapitalismus versus Feminismus am ASF II

g leich.behandlung

Zweitklassig

Antidiskriminierung ist nicht (für alle) gleich

namibia.erfahrungsbericht

„Maybe tomorrow“

Eine Ärztin über ihre Arbeit an einem Krankenhaus

an.sage

Teurer Unisex?

Einheitliche Versicherungstarife sind umstritten

frauen.handel

The loved ones

Expertinnen kämpfen gegen die Ausbeutung an

forum.wissenschaft

Kritisch queer denken

Gibt es queer theories eigentlich auch in Österreich?

grafikerinnen

Frauen-Bilder

Wie Feministinnen in (sexistischen) Bilderwelten leben

milena.talks

Frauen-Medien-Netzwerke

Frauen in den Medien machten sich selbst zum Thema

interview

End of Midland?

Claudia Rath über Fantasy, Esoterik und lesbische Gewalt

sisi.museum

Unforgetable Sisi

Ein klassisches Denkmal für die Kaiserin - wie es sich gehört!

an.klang

Nonnen und andere Geheimtipps

Weibliche Schaffens- und Interpretationskunst im Hörtest

lese.zeichen

Furien in Ferien

Karin Rick erfreut uns mit einem neuen Lesbenkrimi

ge.sehen

Argentinische Provinz

„Aus heiterem Himmel“ entstand ein großartiger Film

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an.an.schläge

04 an.schlägejuli august 2004

an.schläge

Herausgeberinnen und Verlegerinnen:

CheckArt, Verein für feministische Medien und Politik

A-1030 Wien, Untere Weißgerberstr. 41, T. 01/920 16 76

Fax: 01/ 715 98 88, e-mail: redaktion@anschlaege.at,

office@anschlaege.at, http://www.anschlaege.at

Redaktionskollektiv: Renate Billeth/reb (Gesamtkoordination),

Martina Madner/mm (Gesamtkoordination), Karin

Eckert/keck (Koordination anriss.international), Verena

Fabris/vab (web), Gabi Horak/GaH (Abos ), Petra

Öllinger/PÖ, Helga Pankratz/ pan

Inserate, PR: Lea Susemichel, inserate@anschlaege.at

Ständige Mitarbeiterinnen: Daniela Fohn/DF (Koordination

anriss.kultur), Svenja Häfner/svh (Koordination anriss.arbeit),

Kerstin Kellermann/kek , Sabine Klein/bik (Koordination

anriss.wissenschaft), Claudia Saller/cs, Eva Steinheimer/ESt

(Koordination anriss.österreich)

Mitarbeiterinnen dieser Nummer: Paula Bolyos, Michaela Hafner,

Marty Huber, Christine Klapeer, Heidi Kolm/heko, Katharina

Naggele, Zoraida Nieto, Barbara Oberrauter/OBA,

Bettina Surtmann

an.sage: Sylvia Ledwinka & Marita Roloff

neu.land: Jasmina Jankovic’

heim.spiel: Eva Steinheimer

lesben.nest: Ursula Raberger

ge.sehen: Angelika Pelikan

an.klang: Regina Himmelbauer

plus.minus: Helga Pankratz

Cartoon: Borges

Unsere Werbung: Magdalena Blaszczuk

Cover: MAIZ/ Elisabeth Cepek-Neuhauser

Fotos:Allianzgruppe, an.schläge-Archiv, Manuela Barth,

Magdalena Blaszczuk, Elisabeth Cepek-Neuhauser,

Marc Coudrais, Filmladen, Grüne Frauen Wien, Gabi Horak,

ImPulsTanz, Karen Keller, E. Knaack, Elke Krystufek,

Martina Madner, Martina Mayr, Kurt Moser, ÖGB-Archiv,

Claudia Rath, Beate Soltesz, Petra Spiola, Eva Steinheimer,

Grete Stern, Majca Susnik

an.schläge Schrift: Martha Stutteregger

Grafisches Konzept: Beate Schachinger für

Layout: Andrea Gadler

Druck: Reha Druck, Graz

© an.schläge: Titel, Vorspänne und Zwischentitel von der

Redaktion. Namentlich gekennzeichnete Beiträge

müssen nicht unbedingt der Auffassung der Redaktion

entsprechen. Kürzungen vorbehalten.

Betrifft: www.anschlaege.at

Gemeinsam stark

liebes an.schläge Team,

heute bin ich auf eure Hompage geführt

worden und habe mich dort ein

wenig umgesehen. Ihr schreibt:„Es geht

uns um das Sichtbarmachen weiblicher

Wirklichkeiten und Erfahrungen in einer

männlich dominierten (Medien)welt,

um das Aufbrechen patriarchaler Strukturen

und das Herstellen einer feministischen

Gegenöffentlichkeit. Das Prinzip

der kollektiven Redaktion ist hierbei

genauso von Bedeutung wie die Offenheit

gegenüber vielfältigen feministischen

Sichtweisen und Lebensweisen

von Frauen.“ Ich gratuliere und wünsche

mir, dass die Macht der Medienwelt

gebrochen wird, aber ich wünsche

mir, das dies nicht als feministische Gegenöffentlichkeit

passiert. Ich wünsche

mir so sehr, dass ihr Frauen euch bewahrt,

was ihr heute noch besitzt, den

Kampfwillen gegen die Mächtigen.

Noch sind es eurer wenige, die gebeugt

wurden unter dem Druck der Strukturen,

den Löffel zu ihrem eigenen Vorteil

in die Hand nehmen, sobald sie an der

Schüssel sitzen. Noch besitzt ihr den

Wunsch und die Kraft, gegen Systeme

anzukämpfen, aber bitte tut es nicht

geschlechterspezifisch.

Ich wünsche mir, dass ihr die Kraft besitzt,

nicht gegen Männer im allgemeinen

zu kämpfen, sondern gegen die

herrschenden Regeln und Männer mit

einladet, sich diesem Gedanken anzuschließen.

In der Einladung und Einbeziehung

liegt die Kraft, das Unmögliche

möglich zu machen. Nicht danach zu

streben, die Macht zu erlangen, sondern

durch Taten der Gesellschaft eine Alternative

zu geben, das heutige System zu

verlassen. Ziel sollte nach meiner Ansicht

sein, dass Macht durch Verantwortung

ersetzt wird – dass die Verantwortlichen

zu Recht das Vertrauen derer be-

sitzen die sie gewählt haben und für die

sie im Dienste stehen. Wer mit konventionellen

Mitteln um die Macht kämpft,

wird im Sieg wie in der Niederlage verlieren.

Somit wünsche ich euch alles

Gute, den Durchbruch zu erlangen und

zur Stimme derer zu werden, die das System

nicht mehr haben wollen. Die

endlich Gleichberechtigung in Verbindung

mit Frieden und Balance besitzen

wollen.

Friedrich Kuda

Betrifft: an.riss arbeit in anschläge 4/04

Rollenbilder

Hallo Ihr Lieben! Zuerst einmal ein

großes Lob für eure immer sehr informativen

Kurzmeldungen, die hin und

wieder auch mit euren persönlichen kritischen

Kommentaren gespickt sind.

Das ist bei einigen Kurzmeldungen bitter

nötig, wie beispielsweise bei jener in

der Aprilnummer, die das „Projekt Haus

und Garten“ zum Inhalt hatte. Ist ja

wirklich köstlich, dass Frauen in ein

neues Dienstleistungsangebot kommen,

wo sie Wohnungen putzen und

entrümpeln sollen, den Garten pflegen

und Pflanzen versorgen. Moderne

Dienstleistung trauen sich die Verantwortlichen

von Service Mensch der NÖ

Volkshilfe das nennen? Modern zurück

zu alten Zeiten und Perpetuierung alter

Rollenbilder! Vielleicht dürfen die arbeitslosen

Frauen dann in Zukunft

Hundstrümmerl aufsammeln.

Liebe Grüße, Angela

an.schläge werden gefördert von:

FRAUEN

BURO

MAGISTRAT DER STADT WIEN


Karin Eckert

Streichelzoo

„Warum seid ihr eigentlich so brav?“ fragte eine „Altfeministin“

kürzlich bei einem Generationengespräch

in Richtung Nachwuchs-Feministinnen. Ich weiß nicht,

wie „schlimm“ die ältere Generation tatsächlich war,

Tatsache ist, die Frau hat recht:Wir sind verdammt gut

erzogene Faserschmeichlerinnen geworden. Statt österreichischen

Biedermännern sowie Regierung samt Frauenministerin

und konservativer Vorzeige-Frauen mit Dauergrinser und rosa

Kostümchen die Zornesröte ins Gesicht zu treiben, schaffen

wir es gerade, ein gelangweiltes Gähnen hervorzurufen.Wir

werden nicht ernst genommen und das mit Recht. Dabei gäbe

es Gründe en masse, nicht nur einen Baum aufzustellen, sondern

ganze Wälder: Pensionsreform, Bildungskommerzialisierung,

Umvolkungs-Sager, Frauenarmut, sexistische Werbung

wohin das Auge reicht. Geifernde AbtreibungsgegnerInnen erreichen

die Schließung einer Klinik; Studien sprießen aus allen

Winkeln, in denen „wissenschaftlich untermauert“ Frauenemanzipation

als gesellschaftliches Übel präsentiert wird:„Vaterentbehrung

in der Kindheit [aufgrund von Scheidung] kann

(...) emotionale Störungen oder Neigung zu Depressivität zur

Folge haben.“ Na bravo!

Frau Gräfin verschiebt Budget für Frauenagenden ins

Gesundheitsressort. Sie schickt eine Kampfhündin in die Verhandlungen

mit Fraueneinrichtungen, die den Mitarbeiterinnen

eiskalt erklärt (im O-Ton!), sie betreibe „Flurbereinigung“,

sie „miste aus“. Sie haben es geschafft, dass wir uns um das

kleine Kuchenstück streiten. Dass wir uns als Bittstellerinnen

(maulend aber trotzdem) ereifern, ihre Kriterien zu erfüllen,

um ein paar Kröten zu bekommen. Nicht nur, dass freundlich-vorsichtig

verhandelt wird. Entsolidarisierung und Konkurrenzdenken

sind bereits spürbar, wenn unauffällig und

verhalten sondiert wird, wie es „den anderen“ in den Verhandlungen

um die Fördergelder geht; wenn vor Aktionen

zurückgeschreckt wird, bevor nicht klar ist, ob Frau Gräfin

nicht doch ein paar Almosen springen lassen. So weit ist es

mit uns gekommen? Wo ist der Kampfgeist geblieben? Reduziert

er sich auf den offiziellen Kampftag am 8. März? Sie

stecken uns ein kleines Territorium ab, innerhalb dessen wir

Emanzipation spielen dürfen, und wir revoltieren nicht? Was

haben wir diesem ganzen Mief schon entgegenzusetzen? Es

ist verdammt dürftig, unserer Weiblichkeit in Eso-Seminaren

zu huldigen. Das mag fürs persönliche Wohlbefinden eine

feine Sache sein, politisch bringt es rein gar nichts. Denn esoterisch

harmonisiert, haben wir uns selbst unseren Zorn, der

Antrieb für Widerstand sein könnte, wegmeditiert. Die anderen

lachen sich derweilen ins Fäustchen.

Die hart erstrittenen und erkämpften Fraueneinrichtungen

– sie sind von immenser Wichtigkeit. Aber sie sind wie

ein Kellerloch, in dem wir uns – unsichtbar – selbst ausbeuten,

sodass wir keine Energie mehr haben – sichtbar – politisch

aktiv zu werden. Gefahr gebannt.

Hören wir auf, lieb und nett zu sein, uns an die Spielregeln

zu halten, unter einer Tarnkappe zu verweilen! Lasst uns

unweiblich sein, aggressiv. Nehmt Raum ein, zeigen wir endlich

wieder, dass es uns gibt! Sprüht es wie Ina an jede Wand:

„Smash Sexism“. Besetzt Ministerien! Polarisiert, greift ein,

macht euch unbeliebt und knallt den Typen im Zweifelsfall

eine. Wo versuchte Überzeugungsarbeit nichts als verpuffte

Energie ist, beschimpft und verhöhnt sie, so wie sie es tun.

Und habt keine Angst davor, ungerecht zu sein.

Hütet euch vor den netten Männern. Solange sie nicht

aktiv für die Sache der Frauen sind, sind sie gegen uns und

dulden lediglich unsere „feministischen Flausen“, weil sie

nicht wirklich eine Gefahr für ihre Vorherrschaft sind. Sie

pflichten uns bei, aber wenn’s hart auf hart kommt, wird klar:

Sie haben nichts kapiert. Ist das Wort „Frau“ in diesem EU-

Wahlkampf auch nur ein einziges Mal gefallen? Von den Grünen,

der SPÖ, den Linken? Auch das diesjährige Austrian Social

Forum war voll von jenen gut meinenden Männern, die

vermutlich nicht einmal ein Problem hätten, ein T-Shirt mit

der Aufschrift „Linker Emanzer“ zu tragen, und die sich immer

wieder darauf berufen, sie hätten keine Schuld daran,

zufällig mit einem Schwanz auf die Welt gekommen zu sein.

Macht ihnen deutlich, diesen Pseudofeministen: Auch wir

sind nicht schuld daran, mit einer Möse geboren worden zu

sein und müssen dennoch tagtäglich die Konsequenzen

dafür tragen. Schmettert ihnen entgegen mit lauter Stimme,

breitbeinig und unerbittlich, dass es ihre verdammte Pflicht

ist, sich mit ihrer Kollektivschuld als Männer auseinander zusetzen.

Sie werden euch hassen, sie werden euch bekämpfen.

Sie werden euch unbefriedigte, humorlose Lesben schimpfen.

Aber eines werden sie nicht mehr: euch übersehen. ❚

an.spruch

juli august 2004an.schläge 05


österreichan.riss

k irche

Gott behüte – nur nicht verhüten!

Wegen einer Werbeeinschaltung für Verhütung in Urlaubszeiten, die in

der Clubzeitschrift des Kraftfahrverbandes ÖAMTC geschaltet wurde,

reagierten die katholischen Verbände Amici di Dio und St. Josef sowie

Human Life International (HLI) empört. Konkret ging es um eine der

Kontaktadressen, die am Ende der Pharma-Annonce angegeben wurde,

nämlich auf das Wiener Ambulatorium Gynmed, bei dem auch Schwangerschaftsabbrüche

durchgeführt werden.„Eine unzumutbare Werbung

für das Ambulatorium“ und „massivste Werbung für das Todesgeschäft

der Abtreibung“ waren die Reaktionen. Offenbar scheinen die GegnerInnen

dieser Anzeige auch Erfolg mit ihrem Protest zu haben: Der ÖAMTC

will das Inserat nicht wieder veröffentlichen, weil es nicht seine Aufgabe

sei, „eine Plattform für die Austragung weltanschaulicher Konflikte zu

bilden“. Als einen „Rückzug der Vernunft“ bezeichnet dies Christian Fiala,

Leiter des Abtreibungsambulatorium Gynmed. Da passt es doch

ganz gut, dass das Referat für LesBiSchwuleTransGender-Angelegenheiten

der HochschülerInnenschaft an der TU Wien unter dem Motto „Ich

muss mal kurz austreten“ die Missstände in der Katholischen Kirche genauer

unter die Lupe nimmt. Ziel dieser Aktion ist es, so viele Menschen

„Madame Buster hätte vor allem

bei verkehrspolitischen Themen

viel Expertise einzubringen.“

Redakteur Michael Nikbakhsh floskelt im

profil vom 15.6. über Dolly Busters Misserfolg

bei den EU-Wahlen und wird offenbar

vom eigenen Sexismus eingeholt!

06 an.schlägejuli august 2004

plus.minus

ferner liefen

ÖAW

8049 Läuferinnen nahmen heuer am Österreichischen

Frauenlauf teil und für jede von ihnen

spendete Raiffeisen 1 Euro an die Waris Dirie

Foundation gegen FGM (Genitalverstümmelung).

Nicht davonlaufen war also die Devise,

sondern gemeinsam dagegen anlaufen. Ein

schöner Gedanke, auf den auch Ilse Dippmann,

Organisatorin des Laufes, in einer Pressekonferenz

hinwies:„Frauen, die laufen, üben sich

darin, gegen äußere und innere Widerstände

anzukämpfen und erreichen oft ungeahnte Horizonte.“

Für alle, die nicht mitlaufen konnten,

wurde übrigens ein Spendenkonto eingerichtet.

Eigentlich fast schon ein Doppelplus. (+)

wie möglich zu einem Kirchenaustritt zu motivieren. Um die Kirche innerhalb

der Gesellschaft zu schwächen und sie somit zu einem Umdenken

zu mehr Akzeptanz und Aufgeschlossenheit zu bewegen. Um eure

Unterstützung wird gebeten. Sei sie inhaltlich, ideell oder finanziell. heko

http://www.nichtmitmir.at

http://www.htu.tuwien.ac.at/referate/lesbischwul/index.php

gesetzesnovelle

Mütterlich-rechtlich-schlechtlich

Alles neu macht der Frühling und so wurde auch im österreichischen Erb-,

Abstammungs- und Adoptionsrecht gründlich „sauber“ gemacht.Während

die ersten zwei Aspekte kurz eine kleine mediale Aufmerksamkeit auslösten

(Einschränkung der Erwachsenenadoption, Abschaffung der Gültigkeit

eines mündlichen Testaments), fand die Änderung im Abstammungsrecht

und deren Haken für Frauen öffentlich kaum Erwähnung. Entrüstung

machte sich unter anderem bei den SPÖ-Frauen breit. In dem reichlich undurchsichtigen

Paragrafen-Dschungel wird jedenfalls eines sichtbar: eine

massive rechtliche Verschlechterung für Frauen. Einen weiblichen Fuß in

dieses Dickicht zu setzen – aussichtslos, denn Mütter sind für eine Klagslegitimation,

wenn es zum Beispiel um die Feststellung der Vaterschaft geht,

nicht vorgesehen. Sieglinde Trannacher, Vorsitzende der SPÖ-Frauen Kärnten:„,Mama’s

baby, papa’s maybe’ müssen viele Kärntnerinnen nach Willen

der Bundesregierung hinkünftig akzeptieren, dass sie laut Abstammungsrecht

auf das Wohlwollen des potenziellen Vaters angewiesen sind.“ Ein

weiterer Kritikpunkt: Bei der Feststellung der Vaterschaft gilt genetische

Abstammung vor Vermutungswirkung. Wird ein Kind vom Mann anerkannt

und taucht der leibliche Vater auf – Pech für ersteren sowie für Mutter

und Kind(er). Bettina Stadlbauer, SPÖ-Bundesfrauensekretärin:„Das

kann für sogenannte Patchwork-Familien bedeuten, dass ein plötzlich auftretender

leiblicher Vater in eine intakte Familie zerstörerisch eindringen

kann.“ Und die Reaktion der Frauenministerin? Die blieb bis dato aus... PÖ

plus.minus Reaktionen und Anregungen an die Redaktion per Brief oder e-mail, mit dem Betreff:„plus.minus“

frauen laufen

FGM

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften

(ÖAW) hat eine Kommission für Migrations-

und Integrationsforschung ins Leben

gerufen, die sich als „interdisziplinäre

Plattform zur Vernetzung und Bündelung der

einschlägigen Forschung“ versteht. Das ist

durchaus erfreulich, aber leider hat Mann

nicht daran gedacht, die eine oder andere

Frau als Mitglied für die Kommission zu gewinnen.

Das wirkt geradezu so, als sei Migration

ein rein männliches Phänomen! Einmal

mehr werden also Frauen explizit aus der Forschung

ausgeklammert. Und das ist ganz und

gar nicht erfreulich. (-)


( co-)mütter

mamazonen reloaded

Es gibt sie wieder! Nach einjähriger Pause starten die mamazonen erneut

durch zu regelmäßigen Treffen und gemeinsamen Aktivitäten. Mamazonen

– das sind lesbische (Co-)Mütter, die sich jeden ersten Montag

im Monat zusammenfinden, um Kontakte zu knüpfen, ihre Erfahrungen

auszutauschen, sowie Themen rund ums lesbische Eltern- und Beziehungsdasein

zu diskutieren. Während der Montagstermin „kinderfrei“ gestaltet

wird, gibt es auch für den Nachwuchs ausreichend Möglichkeiten,

beim Sonntagsbrunch oder dem gemeinsamen Picknick im Park mit

anderen Regenbogenfamilien und deren Kindern neue Freundschaften

zu schließen. Welcome back! Die mamazonen sind eine offene Gruppe

für alle (Co-)Mütter und solche, die es noch werden wollen. Das nächste

Treffen findet am 5. Juli im Institut Frauensache statt. Thema des Abends:

Gestaltung von Beziehungen mit Anhang. reb

Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29, T. 89 58 440, http://www.frauensache.at, UKB: 3,6

Anmeldung erforderlich, 19.30, bitte pünktlich kommen!

claus-gatterer-preis

Preisverdächtig

Am 26. Juni erhielt die ORF-Radiojournalistin Elisabeth Ohnemus im

Südtiroler Sexten, der Heimatgemeinde des Journalisten und Publizisten

Prof. Claus Gatterer, den nach diesem benannten Preis. Der mit

4.000 Euro dotierte Preis wird jährlich vom Österreichischen Journalisten

Club an JournalistInnen vergeben, die in ihrer Arbeit sozial engagiert

sind und einen Blick für die Probleme gesellschaftlicher Minderheiten

haben. Elisabeth Ohnemus arbeitet seit 1994 für das Radio Ö1

und erhielt bereits 1997 eine Ehrende Anerkennung des Gatterer-Preises.

Die Verleihung des Hauptpreises wird von der Jury mit der „Kontinuität

und herausragenden Qualität ihrer Arbeit“ zu Sozial- und Minderheitenthemen

begründet. ESt

interventionsstelle gegen gewalt

Weniger Hilfe

Anfang Juni erklärte die Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der

Familie, die Betreuung familiärer Gewaltopfer einschränken zu müssen.

„Dieser Schritt war leider notwendig, da wir nicht über ausreichendes

Personal verfügen“, erklärt Rosa Logar, Geschäftsführerin der Opferschutzeinrichtung.

Eingerichtet wurde die Interventionsstelle als Begleitmaßnahme

zum Gewaltschutzgesetz 1997. Ihre Aufgabe ist die Betreuung

von Opfern nach polizeilicher Wegweisung sowie die Entwicklung

und Durchführung gewaltpräventiver Maßnahmen. In jedem Bundesland

gibt es eine Interventionsstelle; diese arbeiten im Auftrag der Regierung

und werden je zur Hälfte vom Bundesministerium für Inneres und

vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen finanziert. Nachdem

die finanziellen Mittel trotz der stark steigenden Zahl von Zuweisungen

heuer um fünf Prozent gekürzt wurden, ist eine lückenlose Betreuung

nicht mehr möglich. Die Einschränkung in der Versorgung ist

für viele, die intensive Betreuung und Unterstützung brauchen, um

schwere Gewalttaten, Morde und Mordversuche zu verhindern, fatal. ESt

http://www.interventionsstelle-wien.at/

an.ruf

Renate Billeth sprach mit Brigitte Hinteregger

Allianzen bilden

an.rissösterreich

Seit Mai sind Sie Frauenbeauftragte der Stadt Graz.Was sind Ihre Aufgaben?

Meine Aufgaben reichen von der Beratung von Frauen in gleichstellungsrelevanten

Fragen bis zur Koordination und Mitwirkung in verschiedensten

Vernetzungsgremien. Als Frauenbeauftragte zeige ich

gesellschaftliche Benachteiligungen von Frauen auf und wirke auf

Veränderungen hin. Ich möchte den Bewusstseinswandel in der Gesellschaft

zur Förderung der Gleichstellung vorantreiben und die Situation

der Frauen in Beruf, Familie und Gesellschaft verbessern. Ich

berate, informiere und vernetze!

Was ist besonders an Ihrer Funktion?

Im Gegensatz zu allen anderen Ländern und Städten in Österreich hat

sich der Grazer Gemeinderat einstimmig für eine unabhängige und

weisungsungebundene Frauenbeauftragte entschieden, die nicht direkt

bei der Stadt Graz sondern beim DOKU GRAZ angestellt ist, jedoch

in Magistratsräumlichkeiten agiert. Das ist auch eine wichtige

Voraussetzung für die Koordination des Frauenrats.

Sie treten für eine eigenständige Alterssicherung für Frauen ein. Was können

Sie tun, um diese Forderung in Österreich politisch umzusetzen?

Indem ich auf der einen Seite öffentlich immer wieder darauf hinweise,

dass unter anderem die rasante Zunahme atypischer Beschäftigung,

die besonders Frauen trifft, immense Gefahren für die eigenständige

Existenzsicherung von Frauen birgt und auf der anderen Seite

Maßnahmen, wie Vernetzungsarbeit, Mail-Aktion, Informationsveranstaltungsreihe

(Alles, was Recht ist!), Information auf der Straße

mit den Frauen setze! Der Frauenrat war bisher ein Instrument des intensiven

Dialogs zwischen Frauen verschiedenster Herkunft, hier findet

ein echter Austausch statt.

In der Grazer Stadtregierung sind Frauen unterrepräsentiert. Hat da eine

Frauenbeauftragte ein bisschen Alibi-Funktion?

Die Grazer Frauenbeauftragte ist die einzige weisungsungebundene

und parteifreie Österreichs. Sie hat die Chance, zwischen den Strukturen

zu intervenieren, vor allem auch mit dem nicht zu unterschätzenden

Grazer Frauenrat, in dem an die siebzig frauenspezifische Institutionen

vertreten sind. Insofern hinkt der Vergleich mit Parteipolitikerinnen.

Es muss ein wichtiges Ziel sein, sich auf allen Ebenen – auch

mit themenbezogenen Allianzen – für eine gleichberechtigte Teilhabe

von Frauen in der Politik einzusetzen.

Brigitte Hinteregger ist seit 1. Mai 2004 neue Grazer Frauenbeauftragte.

Infos: http://www.frauenbeauftragte.at

juli august 2004an.schläge 07


Fo t o : E l i s a b e t h Ce p e k- N e u h a u s e r

sozialforum

08 an.schlägejuli august 2004

Grenzen der Alten Welt

Auf dem 2. Österreichischen Sozialforum taten sich große Unterschiede bezüglich Wissen,

politischer Motivation und Wünschen zwischen älteren und jüngeren Feministinnen

auf. Doch genau diese geben Anlass zur Hoffnung. Von Kerstin Kellermann

Linz versank im Regen. Drei

Tage lang öffnete der Himmel

seine Schleusen und das Wasser

plätscherte auf die Köpfe

der Leute in Regenjacken jeglicher

Couleur. Trotzdem nahmen um

die 2.000 registrierte TeilnehmerInnen

am Austrian Social Forum (ASF)

unter dem Motto „Eine andere Welt ist

möglich“ teil. Sie wanderten fleißig

zwischen ArbeiterInnenkammer (AK),

dem katholischen Haus der Frau

(„Aktion Leben“, dritter Stock) und

dem Medienzelt hin und her, wenn

sie nicht gerade im Radikalitäts-Workshop

das gläserne Mediendeck des Offenen

Kulturhauses bevölkerten oder

im Turnsaal des Studentenheimes

„Guter Hirte“ auf ihre Rechte pochten.

Nur während der großen Steuereintreibungs-Demonstration

(gegen die

so harmlos klingenden „Steueroasen“)

scheint die Sonne. „Heiraten Sie eine

MigrantIn, denn jede zweite Ehe endet

sowieso mit Scheidung“, wirbt eine

junge Brasilianerin im weißen

Hochzeitskleid von der Bühne herunter.

Sie vertritt das Autonome Integra-

tionszentrum von und für Migrantinnen

(MAIZ). Ihr stolzer Ehegatte ruft in

das Mikro, dass AK-Präsident Tumpel

eine andere Migrantin heiraten müsse,

denn diese hier kriege er nicht, die

ist schon vergeben.

MAIZ nimmt sehr aktiv am ASF teil

und gestaltet viele Workshops. Dunkelrote

Herz-Luftballons und rosa Tüll kennzeichnen

den „Pink Block“ (so nennt ihn

Katharina, siehe linksfeministischen

Kommentar zum ASF auf Seite 20). Eine

andere MAIZlerin segnet im rosa Bischofsgewand

die Umstehenden. Doch


kurz nach Beginn der Demo ist Schluss

mit lustig: Ein kleiner, energischer Moderator

versucht die Wissenschafterin

Claudia Werlhof wegen Überlänge ihrer

Rede mit unmoderaten Mitteln von der

Bühne zu kriegen. Nachdem er ihre Zettel

nicht erwischen kann, packt er die

um einen Kopf größere Frau am Arm,

während eine ÖGB-Frau (die noch am

Vormittag von ihrem feministischen

Grundstudium geschwärmt hatte) sich

mit dem Moderator solidarisierend in

das Mikrofon predigt:„Wir sind so friedlich,

eine friedliche Bewegung...“. Buhrufe

folgen, am Abend eine halbherzige

Entschuldigung.

Feindbilder. Nicht nur das Feministische

Forum des ASF ist entsetzt. Denn bereits

am Abend zuvor hatte eine andere

feministische Wissenschafterin – die

durch ihre Bücher zur Erinnerungsarbeit

bekannte Soziologin Frigga Haug –

Probleme, eine Diskussion über den

gesellschaftlichen Umgang mit den sogenannten

Kopftuchfrauen zu führen.

Haug sollte von jungen LinksaktivistInnen

gezielt aus ihrer analysierenden

Metaebene herab zu einem klaren „Ja“

oder „Nein“ zum Kopftuch gebracht

werden, erzählen anschließend äußerst

niedergedrückte Teilnehmerinnen.

Feindbilder aller Art sind sehr beliebt

zur politischen Motivation (Juhu, eine

Feministin!) und auch wenn u.a. eine

bosnisch-muslimische Autorin in dieser

Veranstaltung mitdiskutiert, wird

von einigen leichtfertig StellvertreterInnenpolitik

gemacht. Wer spricht im

Namen von wem? Frauen von MAIZ

brachten dann auch folgerichtig in die

Erklärung des Feministischen Forums

des ASF in Linz ein, dass „für die Migrantinnen

die Grenzen der Alten Welt

möglich waren, spürbar und verdeutlicht

durch die Strukturen des Forums,

das behauptet, dass eine andere Welt

möglich ist“. Und:„Wir sprechen uns

für das Prinzip der Selbstvertretung

von marginalisierten Gruppen innerhalb

der Sozialforenbewegung und gegen

die Stellvertretungspolitik aus. Keine

Auseinandersetzung ohne die Positionen

der Beteiligten.“

Patriarchatsanalysen. Das ASF ist laut Programm

eine „offene Begegnungsstätte

zum Austausch von Erfahrungen und

Meinungen und trägt zur Vertiefung der

Reflexion zwischen den verschiedenen

Bewegungen bei“. Es wertet und zensuriert

nicht, und stellt auch die Machtfrage

bewusst nur theoretisch. Doch hier

werden Begriffe wie Neoliberalismus,

Kapitalismus, Rassismus oder Sexismus

noch im wirklichen Leben verwendet.

Und nicht allein der ältere Herr mit langem

Haar und Bart, dessen Handy dauernd

läutet, oder die junge Punkerin mit

Nasenring, deren Dialekt so schwer verständlich

ist, glauben an die Revolution.

Patriarchatsanalysen sind hingegen

nicht so beliebt. Drei Innsbruckerinnen

erarbeiteten in einer Nacht im Auftrag

des Feministischen Forums eine Analyse:„Die

Intention des ASF, eine andere

Welt zu schaffen, kann nur auf der Basis

einer umfassenden Wahrnehmung und

Bekämpfung der patriarchalen Machtverhältnisse

und Herrschaftsstrukturen

beruhen. Dies setzt ein Bekenntnis zur

Unabdingbarkeit einer feministischen

Perspektive auf dem ASF voraus, ohne

die keine politische und ökonomische

Veränderung möglich ist.“

Kein Taschengeld. „Ich bin von den Wilden

Weibern und interessiere mich für die

EU-Verfassung, doch in diesem Themenbereich

gibt es so viele junge Burschen,

die groß reden, die brauchen

mich eh nicht“, gibt sich eine ansonsten

fröhliche Aktivistin eher frustriert. „Es

ist schwierig, Frauen zu finden, die sich

für gesellschaftspolitische Themen interessieren“,

erzählt eine Betriebsseelsorgerin,„ich

weiß nicht, ob das ein regionales

Problem für Steyr ist. Im Kampf

gegen den Neoliberalismus, der ein zutiefst

patriarchales Antlitz hat, bin ich

allein“. Im Workshop „Feministische Strategien

gegen Neoliberalismus“, durchgeführt

von Feminist Attac, tun sich

Abgründe zwischen den 16 bis 60-jährigen

auf. Die Vermittlung feministischer

Inhalte von einer Generation auf die

nächste und übernächste hat nicht

funktioniert. Durch die Gender-Debatte

und das Gender Mainstreaming (GM)

gibt es eine Lücke von circa zehn Jahren,

die geschlossen werden müsste, um

selbstbewusstes Empowerment und

die Solidarität unter Frauen und Mädchen

weiter zu führen. Einige sind der

Meinung, dass Gender Mainstreaming

den Feminismen deutlich geschadet

hat. Claudia Werlhof nennt GM eine

neoliberale Strategie.

„Der Feminismus ist für mich eine

historische Bewegung“, sagt eine junge

Frau zu einer alten, kampferprobten

Feministin und schaut dabei so, als ob

die ihr das Taschengeld streichen könnte.

Junge Frauen der Aktion kritischer

Schülerinnen zeigen stolz die Broschüre

zu Sexualität „Mein Körper, meine Lust.

Verhütung ist Frauensache, Orgasmus

Männersache?“, die sie gestaltet haben.

Eine ÖGB-Frau will einen Feminismus,

der nicht nur für Intellektuelle da ist,

um neoliberale Trends, die ständige Anpassung

verlangen, unterlaufen zu können:„Was

heißt Feminismus obabrochen

auf die große Masse? Es hat mich

abbeutelt, dass viele nichts von Widerstandsformen

wissen.“

So viele verschiedene Feminismen,

mehrere „Ich bin eigentlich keine“-Feministinnen.

In einem Interview von

Katarina Ferro in den „volksstimmen“

konstatierte Claudia Dietl vom Feministischen

Forum eine Krise des Feminismus:

„Ich glaube, dass das Feministische

Forum den Teil der Bewegung ausmacht,

der sich im Moment gerade

zwischen Individualismus und Kollektiv

sucht. Es geht vor allem darum, dieser

neoliberalen Individualisierung

bzw. den Konzeptionen der Vereinzelung

einerseits und der unendlichen

Diversifizierung andererseits, die entsolidarisierte

Individuen hervorbringt,

etwas entgegen zu setzen. Dies ist eine

große Krise...“ Für beinahe jede einzelne

Frau ist das finanzielle Überleben

schwierig geworden, die Entsolidarisierung

groß. Doch irgendwann

kommt der Punkt, an dem diese ganze

neoliberale Machtinszenierung kippen

kann. Denn Frigga Haug wies darauf

hin, dass jede Bewegung genau an den

Punkten, an denen es Probleme und

Diskussionen gibt, auch über die größten

Möglichkeiten zur Gesellschaftsveränderung

verfügt und an den Druckstellen

der Gesellschaft enormer Gegendruck

entstehen kann. In diesem

Sinne: Streiten wir weiter! Mit dem

Ziel, wie es Beatrice Achaleke von der

Schwarze Frauen Community formulierte:

nicht mehr ständig um das

Überleben kämpfen zu müssen, sondern

mal endlich in Ruhe und mit

Genuss leben zu dürfen! ❚

forumsozial

juli august 2004an.schläge 09


Fo t o : G a b i H o ra k

gleichbehandlung

(1) ZARA. Beratungsstelle für ZeugInnen

und Opfer von Rassismus

http://www.zara.or.at

(2) BIZEPS, Zentrum für selbstbestimmtes

Leben

http://www.bizeps.or.at

(3) NINLIL, Verein wider die sexuelle

Gewalt gegen Frauen, die als

geistig oder mehrfach behindert

klassifiziert werden

http://www.service4u.at/ninlil

10 an.schlägejuli august 2004

Zweitklassig

Die Antidiskriminierungs-Richtlinien der EU geben Mindeststandards vor, die selbstverständlich

ausgebaut werden dürfen. Dass die Bundesregierung das gar nicht will, erfuhren

Martina Madner und Renate Billeth

Knapp vier Jahre ist es her, dass

der EU-Rat zwei Antidiskriminierungs-Richtlinien

erlassen

hat. Die eine (RL 78) fordert

Gleichbehandlung in Beschäftigung

und Beruf unabhängig von Religion,

Weltanschauung, Behinderung, Alter

oder sexueller Orientierung. Richtlinie

43 zielt auf berufliche und private

Diskriminierung von Menschen aufgrund

ihrer „Rasse oder ethnischen Herkunft“

ab. Für die Umsetzung wurde

den Mitgliedsländern eine Dreijahresfrist

gewährt.

Österreich. Nur wenige Tage vor Ablauf

der Frist legte die Bundesregierung ei-

nen Gesetzesentwurf vor. Sehr zum Erstaunen

der Opposition handelte es

sich dabei nicht um ein selbstständiges

Antidiskrimierungsgesetz, sondern um

die Ausweitung des bereits bestehenden

Gesetzes zur „Gleichbehandlung

zwischen Männern und Frauen“. Schwarz-

Blau Schüssel scheint kein besonders

ehrgeiziges Team zu sein, denn sie hielten

sich auf Punkt und Komma an die

vorgegebenen Mindeststandards, umfangreichereAntidiskriminierungsbestimmungen

fehlten. Massive Proteste

seitens NGOs und Vereinen, SPÖ und

Grünen, erreichten immerhin noch ein (!)

ExpertInnenhearing, das einige Nachbesserungen

brachte. Als wichtigster

Erfolg des Hearings sei die gesetzliche

Verankerung des sogenannten „Klageverbands“

(Ein Zusammenschluss unterschiedlicher

Interessensvereine) im

Opferschutz erwähnt. Opfer von Diskriminierung

haben demnach die Möglichkeit,

sich bei Konflikten sowie vor

Gericht vom Klageverband unterstützen

zu lassen. Davon abgesehen, blieb

der Entwurf weitgehend unverändert

und wurde am 26. Mai gegen die Stimmen

von SPÖ und Grünen im Nationalrat

angenommen.

Bundesländer. Auch die einzelnen Länder

sind zur Umsetzung der EU-Richtlinien

verpflichtet. Und dabei teilweise erheb-


lich fortschrittlicher als die Regierung.

Vor allem Oberösterreich und die Steiermark

haben Gesetzesvorlagen erarbeitet,

die für alle Gruppen den selben

Schutz vor Diskriminierung – innerhalb

und außerhalb der Berufswelt – vorsieht.

Das Rote Wien hat sich, nachdem

es vorerst kaum bessere Regelungen als

die Bundesregierung anzubieten hatte,

dem massiven Druck von MigrantInnen-,

lesbischwulen und Menschenrechtsorganisationen

gebeugt und seinen

Gesetzesentwurf erheblich nachgebessert.

Das Rechtskomitee LAMBDA

spricht in einer Aussendung vom 14. Juni

gar vom „schlagkräftigsten Antidiskriminierungsgesetz“

Österreichs, die

beiden Wiener Antidiskriminierungsbeauftragten

Angela Schwarz und Wolfgang

Wilhelm von einem „Meilenstein

auf dem Weg zu lesbischwuler Gleichstellung.“

Diskriminierung 2. Klasse. Hauptkritikpunkt

vieler NGOs ist, dass die Bundesgesetze

(ebenso wie die EU-Richtlinien) unterschiedliche

Schutzkategorien für Diskriminierungsopfer

schaffen. „Es gibt eine

Hierarchisierung der Diskriminierungsgründe“,

meint Adebiola Bayer von ZA-

RA 1 ,„das Diskriminierungsverbot in den

Bereichen außerhalb der Arbeitswelt

bezieht sich nur auf die ethnische Zugehörigkeit

und nicht auf Religion oder

sexuelle Orientierung“. Unterschiede

werden aber auch in anderen Bereichen

gemacht: Für Frauen wurde der Schutz

vor sexueller Belästigung und die

Gleichbehandlung am Arbeitsplatz ausgeweitet.

Während im Bundesdienst

Frauen auch positive Diskriminierung

erfahren können, etwa durch Quotenregelungen

für die bevorzugte Einstellung

in allen Bereichen und Gehaltsstufen,

werden andere diskriminierte

Gruppen von solchen Fördermaßnahmen

ausgeschlossen. Folge: Unsichtbare

Strukturen, die weiße, heterosexuelle

Mitteleuropäer bevorzugen, bleiben erhalten.

Diskriminierung außerhalb der Arbeitswelt

ist nur aufgrund „ethnischer

Zugehörigkeit“ verboten: etwa bei der

Wohnungssuche, dem Zugang zu Sozialleistungen,

aber auch in Restaurants

oder Discos. Adebiola Bayer fürchtet um

die Wirksamkeit des Gesetzes:„Schon

jetzt argumentieren LokalbesitzerInnen,

dass sie dunkelhäutigen, muslimischen

Personen wegen ihrer Religion den Zutritt

verweigern und nicht wegen der

Hautfarbe.“ Das dürfen sie auch weiterhin.

Die Grünen Terezija Stoisits und

Brigid Weinzinger bedauern dies:„Die

einmalige Chance, durch einheitliche

Bestimmungen für alle diskriminierten

Gruppen einen einheitlichen Standard

beim Schutz vor Diskriminierung zu

schaffen, haben die Regierungsfraktionen

vergeben.“ Auch Sanktionen sind

im neuen Gleichbehandlungsgesetz nur

unzureichend vorhanden. Bei nachgewiesener

Diskriminierung durch einen

privaten Arbeitgeber liegt das Strafmaß

sehr niedrig. Schaltet etwa eine Firma

ein Jobinserat mit dem Zusatz „Nur Inländer“,

folgt erstmals nur eine Verwarnung.

Kommt es zu weiteren Verstößen,

liegt die maximale Strafe bei 360 Euro.

Nach der alten Rechtslage waren es immerhin

1050 Euro. Für große Firmen vermutliche

Beträge, die sie aus der Portokasse

bezahlen ...

Behinderung. Gleichbehandlung von

Menschen mit „Behinderungen“ wurde

– obwohl in den EU-Richtlinien vorhanden

– schon im Vorfeld aus den österreichischen

Gesetzen ausgenommen.

Manche BehindertensprecherInnen waren

darüber empört, da deren Berücksichtigung

im Gleichbehandlungsgesetz

eine Art Mindestschutz bedeutet

hätte. Für andere allerdings ist die zur

Zeit diskutierte Umsetzung eines eigenenBehindertengleichstellungsgesetzes

von größerer Bedeutung. Martin

Ladstätter, Sprecher des Vereins BIZEPS 2 ,

stellt klar:„Seit mehr als zehn Jahren

fordern behinderte Menschen aktiv

Maßnahmen zur gesetzlich verankerten

Gleichstellung: Etwa beim barrierefreien

Bauen oder der Österreichischen Gebärdensprache.“

Ein vom Sozialministerium

erarbeiteter Gesetzesentwurf

wurde in einer ExpertInnen-Stellungnahme

des Forum Gleichstellung, der

sich zahlreiche Behindertenorganisationen

anschlossen, als unzureichend kritisiert,

nicht zuletzt weil er zu sehr auf

den sozialen Bereich beschränkt bleibt.

Klaudia Gruber, Mitarbeiterin von NIN-

LIL 3 , konkretisiert:„Der Förderbereich

zielt hauptsächlich auf Integration in

den ersten Arbeitsmarkt ab. Ein Gesetz

zur Chancengleichheit muss aber auch

jene berücksichtigen, die da keine Chance

haben.“ Zum Gleichbehandlungsge-

setz meint sie:„Antidiskriminierungsgesetze

sollten nicht wieder neue Ausschlussszenarien

kreieren. Für mich

stellt sich an beide Gesetze die Frage,

wie sie mit Mehrfachdiskriminierung

umgehen.“ Aber auch die Umsetzung

der EU-Richtlininen könne nur ein Mindestmaß

an Antidiskriminierung herstellen.

„So gesehen ist klar, dass ein

umfassendes Behindertengleichstellungsgesetz

– falls es kommen sollte –

anders aussehen wird. Es soll nicht nur

Rechte und Pflichten, sondern auch einklagbare

Sanktionen enthalten.“

Umsetzungprobleme. Bei der Umsetzung

der Antidiskriminierungsrichtlinien könnte

es Probleme geben. Adebiola Bayer

von ZARA befürchtet beispielsweise,

dass die zuständige Gleichbehandlungskommission

nicht unabhängig ist:„Den

Vorsitz hat ein Beamter bzw. eine Beamtin

des Bundesministeriums, die/der

nicht weisungsfrei gestellt ist. Dazu

wäre die Änderung einer Verfassungsbestimmung

notwendig gewesen, und

die ist nicht erfolgt.“ Nach Ansicht der

Opposition besteht aber auch die Gefahr,

dass die bisher nur für geschlechtliche

Diskriminierung zuständige Gleichbehandlungsanwaltschaft

nun durch

neue im Gesetz vorgesehene Koordinierungsaufgaben

anderer Diskriminierungsfälle

überlastet sein wird.

Freiwilligkeit. Aber wie gut oder schlecht

auch die neuen Gesetze sein mögen, eines

ist klar: Auch DienstleisterInnen

und ArbeitgeberInnen bleibt es unbenommen,

freiwillig umfassendere Antidiskriminierung

zu praktizieren. Auf diese

Freiwilligkeit baut auch die Initiative

Minderheiten, die gemeinsam mit Arbeiterkammer,

ÖGB, Jugend am Werk

und SOS Mitmensch an einer Antidiskriminatorischen

Betriebsvereinbarung arbeitet.

Diskriminierung am Arbeitsplatz

soll damit strukturell entgegengewirkt

werden. Mit einem Konzept, das vor allem

auf ein offenes, respektvolles Betriebsklima

abzielt, gleichzeitig aber

auch verbindliche Richtlinien zur Vermeidung

und Ahndung von diskriminierendem

Verhalten setzt, die vom jeweiligen

Betrieb auf eigene Kosten umzusetzen

sind. Bleibt nur zu hoffen, dass

Österreichs ArbeitgeberInnen mehr von

„freiwilliger Mehrarbeit“ halten als

Schwarz-Blau Schüssel. ❚

behandlunggleich

Initiative Minderheiten

http://www.initiative.minderheiten.at

BIM, Ludwig Boltzmann Institut für

Menschenrechte

http://www.univie.ac.at/bim

HOSI, Homosexuellen Initiative.

http://www.hosi.at

Rechtskomitees Lambda

http://www.rklambda.at

Wast, Wiener Antidiskriminierungsstelle

für gleichgeschlechtliche

Lebensweisen

http://www.rklambda.at

juli august 2004an.schläge 11


internationalan.riss

international

Gepriesen seien die Frauen

Zum achten Mal hat eine unabhängige Jury den alle zwei Jahre ausgeschriebenen,

mit 1.000 bis 3.000 Euro dotierten EMMA-JournalistInnen-

Preis vergeben. Zum zweiten Mal wurde auch ein Sonderpreis für männliche

Journalisten ausgeschrieben. 2004 wurden 289 Beiträge von 151

JournalistInnen/Redaktionen eingereicht. Das sind fünfzig Prozent mehr

als beim letzten Mal und zeigt, dass die Beachtung des Preises steigt.

Preise eins bis drei gingen an Sabine Riedel von der Neuen Zürcher Zeitung,

Nina Poelchau von der Süddeutschen sowie an Karin Ceballos

Betancur vom Stern. Somit wurden leider nur Frauen aus renommierten

Medien geehrt und finanziell gewürdigt. Alternative Zeitschriften,

in denen Frauen unter weit schwierigeren Bedingungen arbeiten müssen,

gingen hingegen leer aus. Der „Männerpreis“ über 1.000 Euro wurde

diesmal geteilt und ging an ... interessiert das wen? Zum ersten Mal

vergeben wurden am 9. Juni die Women’s World Awards . In zwölf Kategorien

wurden Frauen ausgezeichnet, „die unsere Welt verändert haben“.

Für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurden Dionne Warwick und

Whitney Houston. Für ihre „außergewöhnliche Karriere als eine der erfolgreichsten

Sängerinnen und Schauspielerinnen“ wurde Cher geehrt.

Auch Nena, die Schauspielerin Diane Kruger, Modezarin Vivienne Westwood

und Supermodel Nadja Auermann („für ihre zeitlose Eleganz“)

gingen nicht leer aus. Da können wir ja beruhigt sein, dass immerhin

auch Leistungen wie der Einsatz gegen Rassismus und Antisemitismus

(Iris Berben), gegen Genitalverstümmelung (Waris Dirie) und der Kampf

für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz (Bianca

Jagger), als erste Frau ins Weltall geflogen zu sein (Valentina Tereshkova)

neben so viel Glamour durchaus auch als ehrenswert befunden wurden.

Und noch ein Preis wird bald vergeben: Der Lesben-Award ist der erste

Preis für lesbische Literatur im deutschsprachigen Raum. Dieses Jahr

wird er für die beste lesbische Kurzgeschichte verliehen. Da ein Literaturpreis

eine teure Angelegenheit ist und die Initiatorinnen nicht über das

notwendige „Kleingeld“ für eine sich selbst tragende Stiftung verfügen,

12 an.schlägejuli august 2004

stiften sie einen fixen Betrag in der Höhe von 100 Euro, der durch weitere

Sponsorinnen und Spenderinnen aufgestockt werden soll. Sponsorinnen

werden werbewirksam auf der Homepage des Lesben-Awards

genannt. Also mitmachen: als Schreiberin oder Spenderin. Einsendeschluss

für den Lesben-Award ist der 30. September. keck

http://www.lesben-award.de, http://www.womensworldawards.com

uruguay

Abgebogen

Ein Gesetzesentwurf zur Legalisierung der Abtreibung wurde am 5. Mai

vom uruguayischen Senat mit 17 zu 13 Stimmen abgelehnt. Der von der

Abgeordnetenkammer im Dezember 2002 genehmigte Entwurf ermächtigte

dazu, eine Schwangerschaft in den ersten zwölf Wochen nach verpflichtender

psychologischer Beratung abzubrechen. Er legte des weiteren

die allgemeine Verbindlichkeit von Sexualerziehung fest, wie auch

Serviceleistungen bezüglich Vor- und Nachsorgeuntersuchungen und

Familienplanung und regelte den Zugang zu empfängnisverhütenden

Methoden. „Abtreibung unter gefährlichen Bedingungen avancierte in

Uruguay zur Hauptursache für Muttersterblichkeit“, bestätigte Lilián

Abracinskas von der Organisation Coordinación Nacional de Organizaciones

Sociales por la Defensa de la Salud Reproductiva. In dem Land, das

3,4 Millionen EinwohnerInnen hat, kommt es jährlich zu 33.000 Abtreibungen.

Laut der Studie „Strafe, Toleranz und Verleugnung. Abtreibung

in Uruguay“ des Internationalen Zentrums für Untersuchungen und Information

für den Frieden entspricht dies einem Verhältnis von vier Abtreibungen

auf zehn Geburten. Der durchschnittliche Prozentsatz an

Sterblichkeit in Folge von gefährlichen Abtreibungen liegt in Uruguay

bei 27,7 Prozent, der lateinamerikanische Durchschnitt bei 21 Prozent. keck

tschechische republik

Anonyme Geburt

Tschechische Frauen sollen ihre Kinder künftig anonym zur Welt bringen

können. 88 der 159 Abgeordneten des tschechischen Parlaments stimmten

am Donnerstag für ein Gesetz, nach dem der Name der Mutter nicht

mehr auf der Geburtsurkunde erscheinen soll, wenn sie dies ablehnt. Zugleich

verabschiedete das Unterhaus ein Gesetz zur Beschleunigung von

Adoptionen. Bisher ist die Adoption eines Babys frühestens sechs Wochen

nach der Geburt möglich. Das Gesetzespaket soll vor allem jenen Schwangeren

einen Ausweg bieten, die aus Angst vor der Familie ihr Kind abtreiben

lassen oder im Extremfall auch nach der Geburt töten würden. Die

Neuregelungen müssen nun noch vom Senat gebilligt werden. keck

deutschland I

Unterschreiben!

Hamburgs erstes Frauenhaus steht kurz vor dem Aus. Gegen die Schließung

und gegen weitere Kürzungen im Sozialbereich gibt es nun eine Online-Unterschriften-Aktion,

initiiert von der Menschenrechtsorganisation

„Lobby“. Im Protestschreiben heißt es unter anderem: „Der gegenwärtige

Kürzungswahn im sog. Sozialbereich spart aus wirtschaftlicher Sicht


kurzfristig Peanuts und wird mittel- und langfristig zu erheblichen Kosten

in zahlreichen Bereichen führen! Hinzu kommen Kosten, die nicht

in Euro zu berechnen sind.“ Sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen,

um die Petition zu unterschreiben, kostet hingegen gar nichts. Also anklicken!

keck

http://www.lobby-fuer-menschenrechte.de

deutschland II

Und das war gut so!

Lang bevor der nunmehrige Bürgermeister Berlins mit seiner Ansage:

„Ich bin schwul. Und das ist gut so!“ in schwulen- und lesbenpolitischen

Entwicklungsländern wie Österreich für Aufregung sorgte, gab es in

Berlin Charlottenburg schon eine offen lesbische Bezirksbürgermeisterin.

Monika Wissel, seit 1971 in der SPD auf Bezirksebene tätig, wurde

1988 Bezirksstadträtin für Wirtschaft und Finanzen und kurz darauf, im

April 1989, Bezirksbürgermeisterin: Bei allen folgenden Wahlen wurde

sie im Amt wiederbestätigt, bis sie nach elf Jahren aufgrund der Zusammenlegung

der Verwaltungsbezirke Charlottenburg und Wilmersdorf

aus dem Amt schied. Die wegen ihrer Natürlichkeit und herzlichen Direktheit

beliebte Bürgermeisterin trat seit jeher offen als Lesbe auf, war

und ist engangiert in feministischen Vereinen wie der überparteilichen

Fraueninitiative Berlin-Stadt der Frauen und in lesbisch-schwulen Initiativen,

etwa innerhalb der Gewerkschaftsgruppe „ver.di.“ Aussagen wie

„Ich bin für die Homo-Ehe“ (1992 in einem Interview mit der Tagespost)

waren bei ihr selbstverständlich, genauso wie das Hissen der Regenbogen-Fahne

am Christopher Street Day auf „ihrem“ Rathaus als einem

der ersten in Berlin. Streitbar verteidigte sie 1997 in ihrem Bezirk eine

lesbischwule Jugenddisco für 14- bis 22-Jährige, gegen die von der CDU

mit „Jugendschutz“-Argumenten polemisiert und mobilisiert worden

war. Wenn Monika Wissel anlässlich ihres sechzigsten Geburtstags am

31. Juli auf mehr als drei Jahrzehnte als offen lesbische SPD-Regionalpolitikerin

zurückblickt, kann sie den um so Vieles „vorsichtigeren“ Genossinnen

in Wien mit ihrem Beispiel Mut machen. Denn: Das war

gut so! pan

wyber.space

www.aoef

Nicht ganz neu, aber erfolgreich umstrukturiert und nun viel übersichtlicher

ist die Homepage des Vereins Autonomer Österreichischer

Fauenhäuser (http://www.aoef.at). Der Verein wurde 1988 als Zusammenschluss

der Mitarbeiterinnen der autonomen Frauenhäuser

in Österreich gegründet. Ziel der Vernetzung war die Verbesserung

der Kooperation der einzelnen Einrichtungen und der Informationsaustausch.

Diese verschiedenen Einrichtungen, für die der Verein die

Trägerschaft übernommen hat, kann frau nun schon auf der Startseite

sehen und sich für eines der Projekte entscheiden, die dann entsprechend

verlinkt sind. Seit 1991 die Informationsstelle gegen Ge-

ecuador

Gap

an.rissinternational

Rund 500 DemonstrantInnen haben in Ecuador gegen die Wahl der „Miss

Universum“ protestiert und der Regierung Verschwendung vorgeworfen.

Anstatt die indianische Landbevölkerung bei den Ernte-Ausgaben

zu unterstützen, gebe die Regierung Millionen für die fragwürdige Miss-

Wahl aus, kritisierten die DemonstrantInnen. Der im November 2002

mit Unterstützung der indianischen Bewegung gewählte Präsident Lucio

Gutiérrez sieht sich mit wachsender Opposition konfrontiert. Die FührerInnen

der Indio-Bewegung haben landesweite Blockaden angekündigt,

um Gutiérrez zum Rücktritt zu zwingen. Sie werfen ihm vor, mit

seiner Unterstützung für ein Freihandelsabkommen mit den USA die

Armen verraten und ein zentrales Wahlversprechen gebrochen zu haben.

Miss Norway, Kathrine Sorland, wies die Kritik an der Miss-Wahl zurück:

„Wir sind ein Haufen von Mädchen, die Spaß haben, und das ist etwas

Positives.“ Na erzähl das mal einer ecuadorianischen Bäuerin, Miss

Innocent! keck

walt als Service-Stelle eingerichtet wurde, sind im Laufe der Jahre

drei weitere Einrichtungen dazu gekommen: die Frauenhelpline gegen

Männergewalt 0800/222 555 (http://www.frauenhelpline.at),

WAVE - Women Against Violence Europe (http://www.wave-network.org)

und eine Literaturdokumentation mit umfangreicher

Sammlung von Materialien zum Thema Gewalt in der Familie

(http://www.plattformgegendiegewalt.at – Angebote/Literatur). Neben

dieser Onlinedatenbank steht auch eine Präsenzbibliothek in

den Vereinsräumlichkeiten am Bacherplatz 10/4 in 1050 Wien zur Verfügung.

All diese Infos und Anlaufstellen gibt’s auf der neuen Homepage

des AOEF zu finden und noch einiges mehr: Von der Gründungsgeschichte

der Frauenhausbewegung in Österreich über Statistiken

und Tätigkeitsberichte zum Download bis zu Gewaltschutzgesetz

und feministischem Regierungsprogramm im Wortlaut. Und: „Wenn

Sie Angst haben, dass jemand bemerken könnte, dass Sie diese Internet-Seite

besucht haben: So können Sie Ihre Spuren im Internet verwischen.“

Es folgen für (potenzielle) Nutzerinnen hilfreiche und notwendige

Sicherheitstipps. Gut gemacht! GaH

juli august 2004an.schläge 13


Fo t o : M a r t i n a M a y r

namibiaerfahrungsbericht

14 an.schlägejuli august 2004

„Maybe tomorrow“

Eine junge Ärztin, die ein Jahr in Namibia verbrachte, berichtet über das Land und ihre Erfahrungen

bei der Arbeit in einem Krankenhaus. Getroffen hat sie Eva Steinheimer

Mit 28 Jahren hat die Linzerin

Martina Mayr bereits ihr Medizinstudium

und zwei Jahre Turnus

hinter sich gebracht, als sie

sich entschließt, ein Jahr im

Ausland zu arbeiten. Ohne abgeschlossene

Turnusausbildung vermitteln aber

die großen Hilfsorganisationen keine

ÄrztInnen ins Ausland. Also versucht

Martina Mayr es auf eigene Faust. Sie

will nach Afrika. Für den ersten Auslandsjob

wird ihr geraten, nicht gleich

in ein Krisengebiet zu fahren, also entscheidet

sie sich für Namibia, das achtreichste

Land in Subsahara-Afrika.

Mit nur etwa 1,7 Millionen EinwohnerInnen

ist das zwischen Südafrika und

Angola gelegene Land nur dünn besiedelt.

Namibia war bis zum Ersten Welt-

krieg die Deutsche Kolonie Südwestafrika,

das bekannt war für seine rigorosen

Unterwerfungsstrategien. In der Zwischenkriegszeit

wurde Deutsch-Südwestafrika

dann Mandatsgebiet des Völkerbundes

unter südafrikanischer Verwaltung.

Als die UNO Namibia nach 1945 in

die Unabhängigkeit entlassen wollte, verweigerte

Südafrika seine Zustimmung.

Selbstständige Republik wurde Namibia

erst nach Jahrzehnten der Apartheid,

nämlich 1990. Seither stellt die SWAPO

(South-West African Peoples Organisation),

die ab den 1960er Jahren einen

Befreiungskampf führte, die Regierung

und den Präsidenten Sam Nujoma.

Gleichstellung. Frauen wird in der 1990

verabschiedeten Verfassung rechtliche

Gleichstellung garantiert. In vielen Einzelgesetzen

und auch in der Praxis ist

jedoch von Gleichberechtigung keine

Rede. Einige Frauenprojekte sind – teils

mit ausländischer Unterstützung – entstanden.

Das Österreichische Nord-Süd-

Institut für Entwicklungszusammenarbeit

(ÖNSI) unterstützt die lokale NGO

Legal Assistance Center (LAC), die ein eigenes

Genderprogramm hat. Dessen

Arbeitsschwerpunkte sind die Erforschung

der Lage von Frauen besonders

im ländlichen Raum, wo nach wie vor

auch „traditionelles“ Recht gilt, das je

nach ethnischer Zugehörigkeit verschieden

aussieht. Auch die Information

und Rechtsberatung von Frauen

zählen zu den Agenden des LAC. In den

letzten Jahren gab es aber auch gesetz-


liche Verbesserungen. So wurde vor einem

Jahr ein Gesetz zum Schutz vor

häuslicher Gewalt verabschiedet, ein

Thema, das – wie auch amnesty international

im Jahresbericht 2004 feststellt

– sehr akut ist.

In der Hauptstadt. Mit dem Großraumflugzeug

aus Europa kommend, landet

frau/man immer in der Hauptstadt

Windhoek. Martina Mayr ist überrascht

von der guten Versorgung dort:„Da

glaubst du, du bist in Linz.“ Dreieinhalb

Monate sollte sie dort bleiben; solange

dauerte es nämlich, bis sie ihre Arbeitsgenehmigung

bekam. Alle paar Tage

ging sie zur zuständigen Behörde, wo

man sie deutlich spüren ließ, dass sie als

Ausländerin nicht besonders willkommen

war. Die seit ein paar Jahren betriebene

„Affirmative Action Policy“ für den

öffentlichen Dienst, also die positive Diskriminierung

von vor der Unabhängigkeit

benachteiligten Gruppen, wird von

ExpertInnen unterschiedlich beurteilt. Einerseits

können diese Quoten den Anteil

von Benachteiligten in der Verwaltung

beträchtlich steigen lassen, andererseits

wird bezweifelt, dass damit strukturelle

Veränderungen erreicht werden. Im Gesundheitswesen

fehlt es in vielen Fällen

an qualifiziertem Personal. Die medizinische

Fakultät in Windhoek besteht erst

seit drei Jahren, deshalb gibt es auch

noch keine in Namibia ausgebildeten

ÄrztInnen; diese kommen vielmehr aus

Kuba, Russland oder sind Schwarze, die

es sich leisten konnten, etwa in Südafrika

zu promovieren. Als österreichische Ärztin,

die in Namibia Arbeit sucht, war Martina

Mayr ein absoluter Einzelfall. Doch

schließlich bekam sie eine Stelle am

Krankenhaus von Oshakati.

In Ovamboland. Wüste, Dünen, Ozean,

Teakholzwälder, Flüsse und Savanne –

so unterschiedlich wie die Landschaftsformen

Namibias sind auch die BewohnerInnen

und ihre regionalen Lebensbedingungen.

Martina Mayr erzählt, wie

sich ihr Eindruck auf dem Weg von der

Hauptstadt nach Norden veränderte:

während sie sich in Windhoek immer

noch wie in der „1. Welt“ fühlte, fand sie

sich nach Durchquerung des Etosha-

Nationalparks plötzlich in der „3. Welt“

wieder. Oshakati liegt in Ovamboland.

Die Ovambo sind mit rund einer halben

Million Menschen die größte ethnische

Gruppe neben Nama, Orlam, Buschleuten,

Himba, Herero, Damara, Baster, Kavango

und Caprivi. Die Konflikte und

Vorurteile zwischen den Ethnien sind

beträchtlich.

In Oshakati ist die Armut groß, viele

leben in Blechhütten. Die wenigen Reichen

können in den auch hier ansässigen

Supermarktketten alles kaufen –

die Masse kauft am Open Market ein.

Die wirtschaftliche Veränderung und

der Wunsch nach einem besseren Leben

treibt viele aus den traditionellen Dörfern

in die Stadt, doch hier ist die Arbeitslosigkeit

groß. Frauen finden im

Dienstleistungsbereich noch leichter

Arbeit als die Männer. Die traditionellen

Familienstrukturen zerbrechen, verschiedene

Lebensstile treffen aufeinander.

Martina Mayr erzählt von einer

Frau, die grün und blau geprügelt ins

Krankenhaus kam, weil ihr Mann entdeckt

hatte, dass sie verhütet. Gewalt

in der Familie scheint ebenso wie sexuelle

Gewalt ein großes Problem zu sein.

Martina Mayrs Nachbarin ist Sozialarbeiterin

und erzählt von ihrer Arbeit,

dass viele Kellnerinnen, die sie betreut,

nur mit Femidom zur Arbeit gehen, weil

sexuelle Gewalt an der Tagesordnung

ist.

Im Krankenhaus. Mit der Arbeit in der Klinik

beginnt für die junge Ärztin eine

Zeit der Anpassung. Bald 30, ohne Mann

und Kinder – für viele ist so ein Leben

unverständlich; manche begegnen ihr

misstrauisch. Auch die Arbeitsweise in

der Klinik unterscheidet sich enorm von

der gewohnten. Einige Monate arbeitet

sie auf der Kinderstation in einem

Ernährungsprojekt. Viele Kinder leiden

an Unterernährung, ein Problem, das

vor allem den Norden des Landes betrifft:„Ich

habe in Windhoek Leute kennen

gelernt, denen war gar nicht klar,

dass in Namibia Kinder verhungern. Die

waren so schockiert, wie wenn mir jemand

sagen würde, in Vorarlberg verhungern

Kinder.“ Für die Krankenschwestern

ist es „fate“ – Schicksal, dass

die Kinder sterben. Das führt auch dazu,

dass Schwestern Kinder mit geringen

Heilungschancen nicht mehr weiter mit

Medikamenten versorgen, damit der

Platz schneller anderen zur Verfügung

steht. Für eine österreichische Medizinerin

ist es schwer, damit umzugehen.

Schwer zu verkraften ist für Martina

Mayr auch der Fall einer jungen Frau,

die starb, weil einfach nicht rechtzeitig

ein passender Tubus zur Beatmung vorhanden

war, obwohl die Basisversorgung

mit medizinischem Bedarf durchaus

gegeben ist. In jenem Fall waren

aber einfach nicht die richtigen Größen

bestellt oder nachgefüllt worden. „Was

man wirklich lernt, ist Toleranz. Immer

wieder hörte ich ‚Maybe tomorrow,

maybe next week’. Da fällt es schwer,

nicht wertend zu denken.“ So hieß es

auch, damit umgehen zu lernen, dass

Dienstplan Dienstplan ist, und wenn

die Ablösung sich verspätet – und das

tut sie meist – dann bleibt auch die

Notaufnahme für ein paar Stunden unbesetzt.

Eine Zeit lang arbeitete Martina

Mayr auf der Abteilung für Innere Medizin:„Achtzig

Prozent der Fälle sind an

AIDS, Tuberkulose und Infektionen erkrankt.

Meist in Kombination. Und die

Betroffenen waren so alt wie ich. Ich

hatte das Gefühl, eine ganze Generation

sei am Sterben.“ Nach Zahlen der

UNO sind 22 Prozent der Bevölkerung

HIV positiv. Krankenhäuser sind aber für

viele die letzte Option. Die meisten

Kranken vertrauen „traditional healers“,

„Medizinmännern“, welche die Schuld

an der Krankheit in magischen Kräften

von potenziellen FeindInnen suchen

und Heilung versprechen, wenn die

(männlichen) Kranken mit einer Jungfrau

schlafen, was zu Vergewaltigungen

von sehr jungen Frauen und Mädchen

führt.

Zukunftspläne. Auch trotz ihrer zum Teil

belastenden Eindrücke und Erlebnisse

möchte Martina Mayr wieder in einem

„Entwicklungsland“ arbeiten. Allerdings

wolle die Ärztin nur mehr mit Hilfe einer

Organisation wie dem Österreichischen

Entwicklungsdienst (ÖED) oder

Ärzte für die Dritte Welt ins Ausland gehen,

weil sie dann eine Lobby und mehr

Sicherheit habe als alleine. Über ihre

Motivation in der Entwicklungshilfe zu

arbeiten sagt sie abschließend:„Natürlich

ist es ein egoistischer Grund zu sagen,

ich will dort arbeiten, weil so viel

zurück kommt. Ich will keine Weltverbesserin

sein. Aber trotzdem bin ich Idealistin.

Ich glaube an eine Veränderung

in kleinen Schritten, die damit beginnt,

dass ich momentan Einzelnen helfen

kann.“ ❚

erfahrungsberichtnamibia

Österreichisches Nord-Süd-Institut

für Entwicklungszusammenarbeit:

http://www.nordsued.at

Legal Assistance Center:

http://www.lac.org.na

Ärzte für die Dritte Welt:

http://www.aerzte3welt.de

juli august 2004an.schläge 15


Fo t o : A rc h i v themafrauenhandel

16 an.schlägejuli august 2004

The loved ones

In vielen Ländern kämpfen engagierte Organisationen gegen den Frauenhandel. Eine

Konferenz in Slowenien vereinigte Expertinnen. Von Kerstin Kellermann

„Der Preis für eine gehandelte

Frau hängt vom Stadium ab, in

dem sich die Transaktion befindet.

Ein Mädchen oder eine

Frau, die in den ländlichen Gebieten

von Bekannten oder ihrer Familie

verkauft wird, kostet 50 bis 100 Dollar,

beim Weiterverkauf über Rumänien 300

bis 400 Dollar und in den Zielgebieten

Bosnien, Mazedonien und Albanien im

Endeffekt 4.000 bis 10.000 Dollar.“ Jana

Costachi von der Assoziation „Women

in Legal Careers“ aus Moldawien erklärt

nüchtern die Lage in ihrem Herkunftsland.

Verschiedene Organisationen kämpfen

gegen die Zustände, doch:„Die Frauenhändler

ändern ihren Modus Operandi,

sie folgen unseren Präventionskampagnen

Schritt für Schritt!“

Zur internationalen Konferenz

„Frauen in der Migration und ihre Verletzbarkeit

im Menschenhandel“, veranstaltet

vom Friedensinstitut Ljubljana,

sind um die zwanzig Expertinnen der

Bekämpfung des Frauenhandels aus

osteuropäischen Staaten gekommen.

Jana Costachi wird emotional, als sie

schildert, wie ihre Regierung versucht,

das Problem der Migration zu behandeln,

da der durchschnittliche Lebensstandard

in Moldawien unter der EU-

Armutsgrenze liegt. Jeglicher Versuch,

migrationswillige Frauen im Land zu

behalten, sei sowieso zum Scheitern

verurteilt. Die Frauen gehen, weil sie

keine Arbeit finden, von der sie und ihre

Kinder leben können. „Was machen eure

Männer eigentlich mit unseren Frauen!“

ruft Jana Costachi. „Die Verantwor-


Fo t o s : M a j c a S u s n i k

tung für den Frauenhandel liegt auch

im Empfängerland, nicht allein in

Moldawien. Der Frauenhandel ist eine

wirkliche Gefahr für unsere nationale

Sicherheit.“ Die wenigen westeuropäischen

Frauen, die an der Konferenz teilnehmen

und selber gegen Frauenhandel

engagiert sind, schauen erstaunt.

Nach kurzer Zeit, in der allen der

Mund offen steht, fangen einige an zu

lachen. Niemand in diesem Raum will

die Verantwortung für westeuropäische

Männer übernehmen, die von der

Zwangsprostitution profitieren. Moldawien

ist ein kleines Land mit vier Millionen

EinwohnerInnen, das seit 1991

600.000 Menschen verließen, um anderswo

ihr Glück zu suchen. Siebzig Prozent

der Migrierenden sind Frauen zwischen

18 und 44 Jahren, die später irgendwo

in Europa im informellen

Markt arbeiten. Zu den Risikofaktoren

für den Frauenhandel zählt Jana Costachi

neben ökonomischen und sozialen

Faktoren (z.B. sind viele Frauen Alleinerzieherinnen)

auch den politischen Faktor,

nämlich dass es einen eklatanten

Mangel an staatlichen Strategien zur

Migration gibt. Zusätzlich zum Status,

Herkunftsland von Zwangsprostituierten

zu sein, ist Moldawien auch noch

Transitland für gehandelte Frauen, vor

allem aus Mazedonien, Bosnien-Herzegovina

und Albanien. Jana Costachi hat

ihren Vortrag in aller Frühe am Meer

geübt und ist sichtlich erleichtert, als

die Diskussion beginnt. Das Thema liegt

ihr sehr am Herzen und sie macht sich

große Sorgen um ihr armes Land. Sie

freut sich über die Reaktionen, denn die

Vernetzung mit Frauenprojekten aus

anderen Ländern ist lebensnotwendig

für viele Moldawierinnen.

In dem Film „The Peacekeepers and

the Women“, der auf der diesjährigen

Normale am Austrian Social Forum gezeigt

wurde, filmte Regisseurin Karin

Jurschik auch in Moldawien, in einem

Rückkehrerinnenprojekt für nach Bosnien

gehandelte Frauen. „Wieviel verdienen

Sie hier beim Traubenpflücken in

den Weinbergen?“ „Zwanzig Lei.“ „Kann

man davon leben?“ Die junge hübsche

Frau lächelt verlegen. „Nein, ich bräuchte

für mich und mein Kind mindestens

das Doppelte.“

Staatssache. „Menschenhandel existiert

in einer sehr intimen Verbindung mit

dem heutigen Staatsprinzip“, schreibt

Simona Zavratnik Zimic vom Friedensinstitut

Ljubljana in der neu erschienenen

Publikation „Where in the Puzzle: Trafficking

from, to and through Slovenia“.

Das Konzept der National-Staaten ist

eigentlich überholt und die Frage einer

globalen Mobilität aller Menschen stellt

sich jeden Tag aufs Neue. Migration lässt

sich nicht verhindern und wenn ein

Staat mit verstärkter Kontrolle und geschlossenen

Grenzen reagiert, erhöhen

sich nur die Preise der Schlepperorganisationen

und das Risiko der Menschen,

auf dem Weg in reichere Länder in einem

Lastwagen zu ersticken oder in einem

Fluss zu ertrinken. Und für Mädchen

und Frauen auch das Risiko, in die

Fänge der Frauenhändler zu geraten.

In einem Klima der strengen Restriktionen

vieler westlicher Nationalstaaten

mit ihren Gesetzen, die Asylsuchende

und ökonomische MigrantIn-

nen aus armen Ländern von ihrem Territorium

fern halten sollen, blüht der

Frauenhandel auf. Mehr Menschen

wenden sich an Schlepper oder eben

Frauenhändler, um ihre Migration zu

erleichtern. Eine Migrationspolitik, die

auf geschlossenen Grenzen beruht,

produziert automatisch und bewusst

schon a priori „illegale Migration“. Zusätzlich

waren die historischen Anfänge

der Migration, wie die englische

Wissenschafterin N. Papastergiadis

aufzeigte, von Sklaverei und Kolonialismus

geprägt, als Menschen aus Afrika

und Lateinamerika zur ökonomischen

Ausbeutung verschleppt wurden. Erst

mit der Industrialisierung migrierten

Menschen aus ländlichen Gebieten in

Städte, während sich heutzutage in der

Ära postmoderner Globalisierung Migration

verändert – durch die Hybridisierung

der Kulturen und Deterritorialisation.

So wurden z.B. in Slowenien mit

einem Gesetzespapier plötzlich Zehntausende

legal lebender Menschen illegalisiert:

Die Flüchtlinge aus Bosnien-

Herzegovina wurden zu „Verschwundenen“.

Die slowenische Regierung musste

diese Maßnahme nach lauten

Protesten der Zivilgesellschaft aber

wieder zurück ziehen.

Simona Zavratnik Zimic betont,

dass Migration auch von individuellen

Wünschen und Motiven handelt und

eben nicht nur von Ökonomie oder Arbeitsmärkten.

Wenn Frauen und Mädchen

keine Überlebensmöglichkeit sehen,

müssen sie ihr Herkunftsland verlassen.

Oft ist die Migration auch ein

emanzipativer Schritt aus erniedrigenden

oder stark einschränkenden Lebens-

frauenhandelthema

links: Jana Costachi (Moldawien),

mitte: Petra Kutalkova (Tschechi-

sche Republik), rechts: Simona

Zavratnik Zimic (Slowenien)

juli august 2004an.schläge 17


themafrauenhandel

18 an.schlägejuli august 2004

umständen. Simona Zavratnik Zimic kritisiert

die Deportation dieser Frauen als

finale Lösung. Der Staat sollte alternative

Möglichkeiten zu Aufenthalt und Integration

anbieten.

Die Florentinische Uniprofessorin

Giovanna Campani erzählt auf der Konferenz,

dass es in den 1960er Jahren, als

die Grenzen relativ offen waren, keine

„Notwendigkeit“ für Frauenhandel gab.

Sie meint sogar, dass staatliche Systeme

den Frauenhandel propagieren. Die

hohe Rate der Sexindustrie in Westeuropa

erklärt sie mit der kapitalistischen

Ideologie, dass jede und jeder gekauft

werden kann. In Italien werden im Jahr

7.000 bis 14.000 Frauen gehandelt – beinahe

gleich viel wie reguläre Prostituierte!

Traummann. In dem direkt am Meer gelegenen

„Hotel Piran“ rauchen nach einigen

Länderberichten und Vorträgen

trotz der Klimaanlage schon die Köpfe.

Irena Progni ist aus Albanien angereist.

Ihre spitzen, langen Cowboy-Schlapfen

(jeden Tag eine andere Farbe) werden

ausgiebig bewundert. „Die trägt in Albanien

jede. Wir sind überhaupt sehr

modebewusst und tragen am liebsten

alles in weiß“, erzählt die junge Frau

mit den schwarzen langen Haaren und

presst ihre Tasche mit Hunderten von

silbernen Pailletten an sich. Irena Progni

vertritt die Organisation „Land

O’Lakes“, eine riesige Frauenorganisation.

„Beinahe jeden Tag fahre ich von

der Stadt in die ländlichen Gebiete, um

mit den Frauen und Mädchen zu reden

und sie über ihre Menschenrechte und

den Unterschied zwischen Prostitution

und Frauenhandel aufzuklären. Dort

gibt es keine Fernseher und viele können

nicht schreiben und lesen. Wir haben

ein Netzwerk von 10.000 Frauen

in den ländlichen Gebieten, die zu Land

O’Lakes gehören“, berichtet Irena

Progni.

Das in Albanien übliche „Verführprinzip“

in den Frauenhandel ist sehr

gemein: In entlegenen Dörfern taucht

eines Tages ein reicher „Märchenprinz“

mit einem weißen Mercedes auf, der

sich unter den 13 oder 14-Jährigen Mädchen

eine aussucht, die er angeblich heiraten

möchte. Nach einem „schönen

Ritual“ (Progni) wird das Mädchen nach

Italien verschleppt und endet in der

Zwangsprostitution.

Seit 1991, mit der „Öffnung zur

Welt, die das Verlangen und den Druck

sich an eine Marktökonomie zu adaptieren

nach Albanien brachte“, wie Irena

Progni die politische Veränderung beschreibt,

sind nach Schätzungen von

NGOs jährlich 5.000 bis 30.000 Frauen

und Mädchen zu Opfern des Frauenhandels

geworden. Da es keinen gesetzlichen

Rahmen und keine Koordination

gegen Frauenhandel gab, begann Land

O’Lakes im Jahr 2000 verstärkt gegen

den Frauenhandel zu mobilisieren und

ihr großes Netzwerk mit rund 10.000

Frauen als Partnerinnen aufzubauen.

Doch auch auf anderem Gebiet tut sich

einiges: Vor zwei Monaten wurde eine

„Gender Draft“ in das Parlament eingebracht

und wird wohl auch beschlossen

werden. Hier sind Maßnahmen enthalten,

die sexuelle und ökonomische Ausbeutung

und vor allem Vergewaltigung

und Mord an albanischen Mädchen

und Frauen erschweren bzw. verhindern

sollen. In einem Frauenzentrum in Tirana

werden von Italien ausgewiesene

Opfer des Frauenhandels betreut und

versteckt. Die „Internationale Organisation

für Migration“ zahlt hier einen

Reintegrationskurs, in dem die Frauen

lernen, Haushaltswaren herzustellen.

Aber Irena Progni zeigt auch den Zusammenhang

zwischen staatlichen Aktivitäten

und Frauenhandel auf:„Nach

den letzten Gesetzen zur Migration

wurden nur die Preise für den Transport

teurer. Visa und Pässe kosten mehr, das

können sich nur die Organisationen des

Frauenhandels leisten.“ Da diese Umstände

und dieses Leben für Irena Progni

Alltag und daher nichts Neues sind,

verzieht sich ihr Gesicht nicht einmal,

als sie von den „slave children“ berichtet.

Eine große Zahl an albanischen

und mazedonischen Kindern wird gehandelt,

um Körperorgane heraus zu

operieren und zu verkaufen. Irena hat

selbst eine siebenjährige Tochter, an

die sie ständig denkt und mit der sie

am Abend telefoniert. „Mama, bring

mir unbedingt eine schwangere Barbie

mit“, tönt es aus dem Hörer. „Das ist

jetzt das Neuste. Morgen werde ich hier

in den Geschäften eine suchen“, meint

die Mama und lacht.

Kommunikationsloch. Auch in Mazedonien

sind Frauenorganisationen stark im

Kampf gegen den Frauenhandel enga-

giert. Mazedonien gilt aufgrund der

geografischen Lage als Tor nach Griechenland

und damit in die Europäische

Union. Svetlana Milenkova, ein „Public

Relation Offizier“ gegen Frauenhandel,

ist verantwortlich für die „Repatriation“

der Opfer, die im Durchschnitt drei bis

vier Wochen in einer Schutzunterkunft

bleiben können. In dieser Unterkunft

werden die Frauen rund um die Uhr von

der Polizei bewacht, sie dürfen sie nicht

verlassen. Von den nach offiziellen Zahlen

690 gehandelten Frauen zwischen

dem Jahr 2000 bis 2003 waren fünfzig

Prozent aus Moldawien und ein Drittel

aus Rumänien. 13 Prozent waren unter

17 Jahre alt und 36 Prozent waren Mütter.

Im letzten Jahr ist die Anzahl der

Opfer des Frauenhandels stark gestiegen.

Die durchschnittliche Länge der

Zeit, die eine Frau in der Zwangsprostitution

verbringt, bevor sie von der Polizei

gefunden und ausgewiesen wird

oder selbst abhauen kann, beträgt drei

Jahre!

Die „Union der mazedonischen

Frauenorganisationen“ mit einem multiethnischen

Netzwerk von siebzig unabhängigen

Organisationen fordert dringend

die Entwicklung eines Arbeitsmarktes

für junge Frauen, um zumindest

für mazedonische Frauen die

Gefahr, in den Frauenhandel zu geraten,

zu verringern. „Momentan erzielen die

Frauenhändler hohe Profite bei geringem

Risiko“, analysiert Svetlana Milenkova,„es

müssen dringend ökonomische

und soziale Faktoren, die den Frauenhandel

verursachen, lokalisiert und

verändert werden. Viele, die Mazedonien

verlassen, waren schon vorher nicht

integriert und lebten allein mit ihren

Kindern, ohne Arbeit oder Unterstützung

durch das Sozialsystem. Ich glaube

auch, dass das Problem der sogenannten

Kulturen stark übertrieben

wird, die Differenzen sind nicht so groß,

wir sind ethnisch so gemischt – es geht

eher um die Kommunikation.“ Sie erwähnt

auch eine andere heikle Geschichte:Waren

es erst die ausländischen

Soldaten der UN-Truppen, die die

Bordelle besuchten, sind es inzwischen

z.B. im Kosovo zu 46 Prozent einheimische

Männer, die sich an die bezahlte

Variante des Geschlechtsverkehrs gewöhnt

haben.

Petra Kutalkova von der tschechischen

Organisation „La Strada“ berich


tet von einem aufsuchenden Modell gegen

den Frauenhandel. Da bei Roma-

Frauen die Risikofaktoren für den Frauenhandel

in gehäufter Form vorhanden

sind (wie der soziale Ausschluss aus der

Gesellschaft; Analfabetismus; informelle

Ein-Tages-Jobs, die vermehrt im Frauenhandel

enden; Prostitution als Tabuthema

etc.), beschloss La Strada ein Präventionsprojekt

in der Roma-Gemeinde

zu starten. Mit der Osterweiterung werden

sich auch andere Organisationen

und Länder darum bemühen müssen,

Roma-Frauen in ihrer Mobilität und den

Möglichkeiten für den Lebensunterhalt

zu unterstützen. Auch Österreich ist gefordert!

Die Sozialarbeiterin Fevzije Bahar

hat ein Projekt in Vorbereitung.

EU-Glaube. Besonders die Rechtsanwältinnen

oder Jus-Studentinnen unter den

Konferenzteilnehmerinnen glauben an

die großteils positiven Folgen staatlicher

Verantwortung. „Bringt einen Fall

von Frauenhandel am Europäischen Gericht

für Menschenrechte durch und

das bringt mehr als einige NGOs, die

nur jammern und sagen, wie schrecklich

alles sei“, fordert die holländische

Journalistin und Anwältin Ruth Hopkins

ziemlich arrogant und zählt einige Artikel

und Paragrafen im internationalen

Recht auf. Sie trat mit vier gehandelten

Frauen im holländischen Fernsehen auf,

was großes Aufsehen erzeugte. Dies widerspricht

dem Grundsatz vieler Frauenorganisationen,

wie z.B. den „Lateinamerikanische

Exilierten Frauen Österreichs“,

die in Wien gegen den Frauenhandel

kämpfen, aber die Opfer vor der

Öffentlichkeit beschützen und ihre

Identitäten nicht preisgeben. Ruth Hopkins

schwärmt von der EU und ihren offiziellen

TrägerInnen:„Sie versuchen gerade

Montenegro zu überzeugen, die

Menschenrechte zu akzeptieren.“ Werden

ihr die von Großbritannien geplanten

Abschiebegefängnisse (deportation

camps), mit denen Flüchtlinge z.B.

schon direkt in Albanien fest gehalten

werden sollen, ebenfalls zusagen?

(Österreich ist durch Minister Strasser

in der vorbereitenden Arbeitsgruppe

vertreten)

Andjelka Markovic, eine Anwältin

vom Belgrader Zentrum für Menschenrechte,

ist von Hopkins begeistert. Sie

hofft schwer auf die EU:„Wir versuchen,

für uns EU-Standards zu adaptieren.“

Denn in ganz Serbien ist in den letzten

fünf Jahren nur ein einziger Frauenhändler

verurteilt worden, während der gewählte

Ministerpräsident Djindjic von einem

Killer der Organisierten Kriminalität

erschossen wird. Die Strafe, die die EU für

Frauenhändler vorsieht, beträgt sechs bis

zehn, in Serbien nur ein bis zehn Jahre.

In Montenegro löste ein hoher Polizist

eine gesellschaftspolitische Krise

aus, als er ein moldawisches Mädchen

missbrauchte. Das Mädchen selbst wurde

vor Gericht als „unzuverlässige Zeugin“

eingestuft. Im Kosovo gab es nur eine

Verurteilung zweier Polizeibeamter,

was bedeutet, dass kein einziger Soldat

bestraft wurde.„Die Regierungen wollen

angeblich EU-Standards erreichen“, erläutert

Andjelka Markovic.„Doch es landen

nur so wenige Fälle bei Gericht, und

dann werden die Richter mit Drohungen

eingeschüchtert. Ich schäme mich sehr

für mein Land, da das Geld für Milose-

vics Verteidigung nach Den Haag geschickt

wird, die Opfer von Frauenhandel

aber nichts erhalten.“ Als „einfache“

Staats- und EU-Bürgerin fragt sich frau

grundsätzlich schon, warum Frauenhandel

und die großen und kleinen Organisationen

bzw. einzelnen Händler

(zum Teil Verwandte der Frau) so unkontrollierbar

sein sollen? Erhalten wir auf

diese Weise nicht indirekt die staatliche

Botschaft, dass unsere Zivilisation so

verkommen wäre und wir Frauen dringend

von „Vater Staat“ mit seinen Organen

Polizei und Justiz beschützt

werden müssten?

Für die allgemeine menschliche

Ebene stellte die bulgarische Psychologin

Rossanka Venelinova Krasteva,

die mit gehandelten Frauen Therapie

macht, die Frage nach den Wünschen,

Bedürfnissen und Realitäten zum Thema

Liebe. Alleinerzieherinnen, Frauen

mit Gewalterfahrungen in der Familie

oder Partnerschaft, Arbeitslose – diese

Frauen verlassen ihr Land, um anderswo

ihr Glück zu suchen. „Frauen-Netzwerke

stellen unsere hauptsächliche

Philosophie dar, ohne die geht es

nicht“, betont sie. Schwangere Frauen

werden momentan aus Bulgarien nach

Griechenland gehandelt und ohne Baby

zurück geschickt. Es gibt noch keine

gesetzliche Handhabe, um dieses Verbrechen

zu bestrafen. Auch diese Frauen

sind grundsätzlich „loved ones“

(Krasteva), mit dem Recht und dem

Wunsch in Respekt und Würde zu leben.

Vermehrte Mobilität mit weniger

Einschränkungen könnte ihr Überleben

und ihre Lebensmöglichkeiten verbessern.


frauenhandelthema

ganz links: Irena Progni

(Albanien), links: Rossanka

Venelinova Krasteva (Bulgarien),

rechts: Andjelka Markovic

(Serbien und Montenegro),

ganz rechts: Ruth Hopkins

(Holland)

juli august 2004an.schläge 19


asfkommentar

20 an.schlägejuli august 2004

Fatal system error

Im Juni fand in Linz das zweite Austrian Social Forum statt und es stellt sich die Frage:

Tun ASF und ÖGB dem patriarchalen Kapital ausreichend weh? Ein Kommentar

von Katharina Naggele

Wo tun sich, gemäß dem Motto

der Sozialforen, konkrete

Möglichkeiten des Handelns

hin zu einer anderen Welt auf?

Wo gehandelt werden soll,

muss Position bezogen werden, womit

sich die Sozialforen aufgrund ihrer

Meinungsvielfalt erfahrungsgemäß

schwer tun. Wie die Soziologin Frigga

Haug als Referentin bei der ASF-Veranstaltung

„Streit ums Kopftuch“ analysiert

hat, treten bei diesem Prozess der

Positionsfindung die größten gesellschaftlichen

Widersprüche zutage. Es

ließe sich also auch umgekehrt formulieren:Wo

die Widersprüche am deutlichsten

werden und die Teilnehmenden

des ASF sich am meisten in die

Haare kriegen, dort sind auch Handlungsmöglichkeiten

zu finden.

Kapitalistische Unterdrückung. Äußerst

widersprüchliche Diskussionen im

Vorfeld des ASF lösten der Streit ums

Kopftuch, der Dauerbrenner Palästina-

Solidarität im Spannungsfeld zu Antisemitismus

und die Aufforderung

der indischen Schriftstellerin und Friedensaktivistin

Arundhati Roy, Teil des

irakischen Widerstands zu werden,

aus. All diese Fragen können feministische

Diskussionsfelder eröffnen, da

ein „Clash of cultures“ mit einem patriarchalen

Islam, der vor allem mit Frauenrechten

in Konflikt gerät, behauptet

wird. Bei näherer Betrachtung jedoch

kommt frau nicht umhin, als eigentliches

Problem kapitalistisch bedingte

Unterdrückungsmechanismen zu erkennen,

wie Krieg, Besatzung sowie

staatliche und ökonomische Benachteiligung

speziell von MigrantInnen.

Frauenunterdrückung im Kapitalismus

bedeutet kostenlose Reproduktion der

Ressource Arbeitskraft, auf deren Ausbeutung

kapitalistische Produktion basiert

und die Schaffung eines konjunkturabhängig

einsetzbaren, weiblichen

Reservearbeitskräftepools. Daher sind

feministische Forderungen laut Haug

einerseits Störfaktoren, andererseits

innerhalb des Kapitalismus aber nicht

erfüllbar. Nachdem eine Frauenbewegung

für mich derzeit nicht sichtbar

ist, gilt es, feministische Forderungen

dort einzubringen, wo Personen sich

bereits in Bewegung befinden. Das

heißt, wo die Widersprüche offenbar

und nicht mehr lebbar geworden sind,

zu handeln und Position zu beziehen.

Die entscheidende Frage ist also:Was

tue ich, um das System zu erhalten,

und was muss ich tun, um es zu

stören?

Entsolidarisierung. Ein Störfaktor könnte

sein, mit Kopftuch-tragenden Frauen

gemeinsam für die Voraussetzungen

unserer Emanzipation – etwa ein eigenständiges

Aufenthalts- und Arbeitsrecht

– zu streiten, und so einer

gewünschten Entsolidarisierung unter

Frauen entgegenzuwirken. Anstatt zu

fordern, dass sie sich vor Schaffung

dieser Voraussetzungen als – für den

westlichen Geschmack – eindeutig

emanzipiert zu erkennen geben müssen,

oder ihnen gar, wie Autorin Hajrija

Hrustanovi kritisierte, ein Naheverhältnis

zu TerroristInnen zu unterstellen.

In Afghanistan übernehmen Warlords

die Kontrolle, die ihre Waffen über

Drogen- und Frauenhandel finanzieren.

Bei der Privatisierung der staatlichen

Betriebe im Irak nach dem Krieg, sind

Frauen wieder die ersten, die ihre Jobs

verlieren. In den USA werden die Sozialausgaben

laufend gekürzt und ins

Militär gesteckt, was vor allem Frauen

betrifft. Viele junge Menschen melden

sich zum Militär, weil es im zivilen Bereich

wenige Chancen für sie gibt –

darunter immer mehr Frauen. Sexuelle

Übergriffe und Vergewaltigungen innerhalb

der Einheiten sind keine Seltenheit.

Berühmt-berüchtigt wurde ein

SoldatInnentreffen der US-Navy im Jahr

1991, bei dem mehrere Soldatinnen

stundenlang den sexuellen Übergriffen

ihrer männlichen Kollegen ausgeliefert

waren.

Die Friedensdemonstrationen im

Westen stören nicht nur das imperialistische

Projekt der USA samt Bündnispartnern,

das ganze Volkswirtschaften

auf Kosten vor allem der Arbeitsplätze

von Frauen vernichtet. Die Solidarisierung

verhindert auch, dass frauenfeindliche,

reaktionäre und/oder islamischfundamentalistische

Kräfte für sich die

einzige Oppositionsstellung behaupten

können. Dabei setzen viele auf die Gründung

des Ramallah Social Forums in

Palästina. ❚

Fo t o s : B e at e S o l t é s z ( l i ) , A rc h i v ( r e )


k inderuni wien

Spielend Lernen

Es ist wieder soweit! Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr dürfen auch

heuer die Sieben bis Zwölfjährigen im Rahmen der KinderuniWien wieder

ran an die wirklich spannenden Fragen der Menschheitsgeschichte. Neben

der bereits bewährten KinderuniWissenschaft gibt es heuer erstmals

auch eine KinderuniKunst. Im Studienbuch, das auch online abrufbar

ist, stehen über 200 Lehrveranstaltungen (Vorlesungen, Seminare,

Workshops und Exkursionen) aus 22 Fachbereichen zur Auswahl. Dass

die Studienplätze für Kinder heuer verdoppelt wurden, ist angesichts des

Angebots schlicht eine Notwendigkeit. Fragen wie „Warum sind behinderte

Kinder behindert?“ werden zwischen dem 12. und 16. Juli ebenso

erörtert, wie geschlechterbedingte Bekleidungs- oder Benimm-Regeln.

Fragen wie „Wieso ziehen Buben nur Hosen an, während Mädchen Hosen

UND Röcke tragen?“ oder „Dürfen Mädchen pfeifen und Buben weinen?“

sollten nach dem 16. Juli keine offenen mehr sein. Außerdem dürfen

sich die Kinder einen Tag lang als JournalistInnen versuchen. Für ihre

Teilnahme an den Lehrveranstaltungen erhalten sie nicht nur „Scheine“,

sondern – wie es sich für WissenschafterInnen gehört – auch einen Titel

(mag. univ. iuv.), der ihnen im Rahmen eines gemeinsamen Sponsionsfestes

feierlich verliehen wird. Anmeldungen für die einzelnen Lehrveranstaltungen

werden noch bis 11. Juli entgegengenommen. Die Teilnahme

ist übrigens kostenlos. Noch Fragen? bik

Informationen und Studienbuch online: http://www.kinderuni.at

eu

Neue Ausschreibungen

Das noch bis 2006 laufende EU-Arbeitsprogramm „Wissenschaft und Gesellschaft“

verfügt über ein Gesamtbudget von 80 Mio. Euro und orientiert

sich an drei Schwerpunkten: verbesserte Kommunikation zwischen

Wissenschaft und Gesellschaft, Sicherung ethischer Grundprinzipien in

der Forschung und Förderung der Geschlechtergleichheit. Projektideen

für die beiden letztgenannten Schwerpunkte können noch bis 30. September

eingereicht werden. Zusätzlich gibt es so genannte „Calls for Tenders“

für den Bereich „Women and science“. Der genaue Ausschreibungstext

und das gesamte Arbeitsprogramm sind auf der Website des BIT

(Büro für Internationale Forschungs- und Technologiekooperation) unter

www.bit.ac.at/science-society/index.htm abrufbar. Das BIT informiert

übrigens kostenlos und gezielt über Projekte und Kooperationsmöglichkeiten

und berät bei der Formulierung von Projektvorschlägen. Also ran

an die Forschungsgelder der EU! bik

node

Demokratie erforscht

Das Forschungsprogramm „node“ (New Orientations for Democracy in

Europe) des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kunst

bemüht sich um eine Annäherung an die Zukunft der gesamteuropäischen

Demokratie. Im Zentrum steht dabei die Frage „Wie und von wem

werden künftig in Europa sozial- und kulturpolitische Entscheidungen

getroffen?“ Angesichts der nationalen, ethischen, kulturellen und religiösen

Vielfalt Europas bestimmt keine einfache Frage, der hier in interdis-

an.risswissenschaft

ziplinären Forschungsteams nachgegangen werden soll. Am 4. Juni wurden

die einzelnen Forschungsprojekte der Öffentlichkeit präsentiert. Für

Frauen ist nicht nur das Prinzip der expliziten Frauenförderung, das für

alle Projekte gilt, von Interesse, sondern auch das Projekt „Gendersensitive

Governance im Bereich Verkehr und Mobilität“, zumal der Themenbereich

Verkehrsplanung und -politik als ausgewiesene Männerdomäne

gilt und deshalb als exemplarisch für die Unterrepräsentation von Frauen

in Entscheidungsgremien betrachtet werden kann. Eine Analyse der Ursachen

für den geringen Frauenanteil und die Entwicklung von gendergerechten

Modellen in diesem Bereich sind deshalb unbedingt notwendig.

Insgesamt eine durchaus begrüßenswerte, bewusstseinsbildende

Maßnahme. Schließlich sind auch wir Frauen Europa. bik

http://www.node-research.at

frauenehrung

Possanner-Preise 2003

Bereits zum vierten Mal wurde heuer der Gabriele Possanner-Staatspreis

vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst vergeben.

Die Jury, der u.a. Johanna Dohnal und Eva Kreisky angehörten, hat sich

dieses Mal für das Lebenswerk der Grazer Philosophin, Historikerin und

Soziologin Elisabeth List entschieden. Deren Forschungsarbeit stützt sich

bereits seit den frühen 1980er Jahren auf feministische Theorien. Die

Possanner-Förderungspreise gingen an Gabriele Habinger und Gabriele

Michalitsch. Die nächste Ausschreibung erfolgt 2005! bik

nachtrag

FEMtech-Datenbank

Foto: Petra Spiola/B. Noll

FEMtech, das Förderungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr,

Innovation und Technologie haben wir bereits in unserer letzten Ausgabe

vorgestellt. Jetzt folgt anlässlich des Online-Ganges einer eigenen Expertinnen-Datenbank

ein kurzer Nachtrag: Wissenschafterinnen können

sich künftig (voraussichtlich ab Sommer 2004) unter www.femtech.at

kostenlos in diese Datenbank eintragen, um ihr Interesse zu bekunden

für künftige Forschungsprojekte zur Verfügung zu stehen. bik

Weitere Informationen auch unter: http://www.bmvit.gv.at und http://www.fforte.at

juli august 2004an.schläge 21


Fo t o : A rc h i v

wissenschaftforum

Die Diplomarbeit „queer. contexts.

Die wesentlichen Inhalte der Queer

Theory, ihr politischer und theoretischer

Entstehungskontext und ihre

Rezeption in Österreich.“ wurde

von Christine Klapeer 2003 am

Institut für Politikwissenschaft an

der Universität Innsbruck verfasst.

22 an.schlägejuli august 2004

Kritisch queer denken

Queer theories sind international bereits Teil der politischen Theorie. Christine Klapeer

geht der Frage nach, welchen Platz sie u.a. auch in Österreich einnehmen.

Queer ist chic, queer ist in,

queer ist „hip“ und „modern“.

Identitätspolitik ist out und

„Frauen“ gibt es sowieso nicht

mehr – alles ist konstruiert. In

sind Begriffe wie „Pansexualität“ und

„Hermaphrodykes“ – deshalb: bloß nicht

mehr von Lesben und Schwulen reden.

Feministische Strategien und Theorien

gelten allesamt als essentialistisch und

verstaubt und die „Kritische Theorie“ als

überholt – einzig die Queer Theory ist

neu und außergewöhnlich. Diese überzeichnete

und überspitzte Aneinander-

reihung von Beschreibungen und Aussagen

begegnete mir häufig im Diskurs

über die Queer Theory. Aber auch ich

selbst war und bin begeistert von den

neuen theoretischen Perspektiven, die

sich mir durch Ansätze der Queer Theory

eröffnen. Es fasziniert mich, wie sehr

sich dadurch mein Blick auf scheinbar

„natürliche“ Kategorien und Gegebenheiten

verändert hat.

Trotzdem wollte ich mich nicht in

eine unreflektierte „Queer-Euphorie“

einreihen. Denn Wissenschaft bedeutet(e)

für mich, Fragen zu stellen und In-

Frage-Stellen – auch jene Theorien und

Ansätze mit denen ich affirmativ arbeitete.

Deshalb war dieses „In-Frage-Stellen“

mein persönlicher Ausgangspunkt

in meiner Diplomarbeit und der kritischen

Beschäftigung mit den politischen

und theoretischen Entstehungskontexten

der Queer Theory.

Queere Stichworte. Poststrukturalismus,

Dekonstruktion, Foucault, Derrida, die

spezifische Entwicklung der Lesbenund

Schwulenbewegung in den USA,

AIDS – in diesen Kontexten begegneten


mir in der Fachliteratur immer wieder

partikuläre Beschreibungen über die

Entstehungsgeschichte von queer. Was

mir fehlte, war eine systematische Analyse

der Entstehungskontexte und eine

Zusammenführung ihrer wechselseitigen

Interdependenz. Letztlich lässt sich

jedoch, und das ist ein kleines Fazit meiner

Arbeit, der spezifische Bedeutungsgehalt

von queer, sowohl in theoretischer

als auch in politischer Hinsicht,

nicht in seinem vollen Umfang erfassen,

ohne seinen spezifischen Entstehungszusammenhang

zu kennen. Gerade

weil die Verwendung des queer-Begriffs

im deutschsprachigen Kontext

durchaus problematisch ist bzw. der Begriff

queer hierzulande oft rezipiert

wird, ohne Kenntnis von seiner besonderen

theoretischen und politischen

Einbettung in den US-amerikanischen

Diskurs zu haben, erschien es mir wichtig

vorerst diesen Fragen systematisch

nachzugehen.

Begiffs-Geschichte. Ein ausführlicher

Überblick über den politischen und

bewegungsgeschichtlichen Entstehungskontext

von queer und seine

spezifische zeitgeschichtliche Einbettung

in die Entwicklung der US-amerikanischen

Lesben- und Schwulenbewegung

steht deshalb am Beginn

meiner Arbeit. Dabei machte ich mich

auch auf die Suche nach signifikanten

politischen und sozialen Ereignissen

und Bedingungen und zeichnete den

Prozess der Verschiebung von gay zu

queer nach.

Im Anschluss daran tauchte ich in

die eigentliche Materie, den spezifischen

Theoriehorizont der Queer Theory,

ein. Dazu wählte ich (post)strukturalistische

und dekonstruktivistische Begrifflichkeiten

und stellte die bereits

etablierte sex-gender Trennung in der

feministischen Theorie und auch

schwul/lesbische Ansätze dar, um zu

zeigen, dass queere Ansätze in einer

ideengeschichtlichen Tradition stehen.

Sie haben eine theoretische Entwicklungsgeschichte

und einen spezifischen

Entstehungshorizont. Sie sind nicht, wie

oft fälschlicherweise suggeriert wird,

plötzlich als „das Neue“ aus dem Nichts

entstanden.

Spannungen. Die Kontextualisierung von

queer bedeutet deshalb, auf eine kritische

Art und Weise mit Inhalten umzugehen,

die in einer Wissenstradition

stehen, auf deren Hintergrund sich

queere Kritik entfalten kann, zu bedenken.

In meine Analyse floss aber nicht

nur die wechselseitige Beeinflussung

von Entstehungs- und Theoriekontext

mit ein. Sie stellt vielmehr auch die

queeren Perspektiven auf Identitäten,

Geschlechtlichkeit und Sexualität dar

– der queeren politischen agencies

in Form von Genderparodien und in

sprachlich-symbolischen Resignifizierungen.

Schließlich sollte deutlich

werden, dass queer in einem Spannungsfeld

von Sexualpolitiken und

Geschlechterpolitiken im Kontext der

Identitätsproblematik sozialer Bewegungen

entstanden ist. Deshalb können

und sollen sich queere auch mit

lesbisch/schwulen und transgender

Forderungen und Analysen, wie auch

mit feministischen verknüpfen und

überschneiden.

Critical Queer. Während des Schreibens

war mir besonders wichtig, die Queer

Theory und andere Theorien nicht unhinterfragt

wiederzugeben, sondern

mit meinem eigenen feministischen

und sozialwissenschaftlichen bzw. politikwissenschaftlichen

Hintergrund

kritisch zu hinterfragen. Das Prinzip

von queer ernst zu nehmen, bedeutete

für mich deshalb auch, zu analysieren,

wie queer in die hegemoniale und

dominante Macht- und Herrschaftsdiskurse

eingebetet ist und danach zu

fragen, wie der Gewinn an Freiheiten,

den Queer Theory anstrebt, im Kontext

von kapitalistischen Vergesellschaftungsprozessen

erreicht werden

kann bzw. in welchem Zusammenhang

queer zur Warenförmigkeit von

Sexualität und zu neoliberalen Anforderungen

wie der Flexibilisierung

(post)moderner Lebensweisen steht.

Queer-Konzepte und die Queer Theory

werden weder als eindeutig progressiv

und gut dargestellt, noch als

Ganzes verworfen. Stattdessen wird

eine reflektierte und durchaus auch

kritische Perspektive auf queer geboten,

die sowohl Chancen für eine

fruchtbare Nutzung in einem sozialwissenschaftlichen

und feministischen

Kontext deutlich macht, als

auch die Schwächen und Lücken von

queer aufzeigt.

Queer in Österreich. Welche Probleme

und Möglichkeiten entstehen aber,

wenn meine Überlegungen zu Queer

Theory und Queer Politics auf den

deutschsprachigen Diskurs und da

konkret auf Österreich bezogen werden?

Deshalb stellte ich im zweiten

Teil meiner Arbeit die Frage nach der

hiesigen Rezeption queerer Theorien

und Ansätze: Auf welche politischrechtlichen,

gesellschaftlichen und

bewegungsgeschichtlichen Rahmenbedingungen

trifft queer in Österreich?

Welche Unterschiede bestehen

zwischen der US-amerikanischen und

österreichischen Entwicklung der

Lesben- und Schwulenbewegung?

Findet die Queer Theory in Österreich

Eingang in den akademischen

Diskurs? Gibt es unterschiedliche

Wissenschaftstraditionen, die diese

Rezeption beeinflussen?

Dabei zeigte sich, dass sich queere

Analysen und Politiken nicht so leicht

auf den deutschsprachigen – insbesondere

den österreichischen – Kontext

übertragen lassen, da sich der bewegungsgeschichtliche

und wissenschaftlich-theoretische

Hintergrund

in vielen Punkten von jenem in den

USA unterscheidet. Mit der späteren

Formierung der Lesben- und Schwulenbewegung

in Österreich und folglich

anderen politischen Diskursen

und Praxen, einer differenten Wirkung

von AIDS auf die Bewegung, aber auch

wegen einer anderen Ausrichtung der

Frauen- und Geschlechterforschung

und der Marginalisierung und Nicht-

Institutionalisierung von „Lesbian and

Gay Studies“ unterscheiden sich die

Rahmenbedingungen für die Aufnahmen

queerer Ansätze in Österreich

wesentlich von jenen in den USA. Das

wirkt sich nicht nur auf die Rezeption

von Queer Theory und Queer Politics

in der akademischen Lehre, sondern

auch in der österreichischen Schwulen-,

Lesben- und Transgenderbewegung

aus. ❚

forumwissenschaft

juli august 2004an.schläge 23


an.sage

Teurer Unisex?

EU-Richtlinien könnten unterschiedliche Versicherungstarife für Frauen und Männer bald zu

Fall bringen. Das ist recht so, meint ÖGB-Bundesfrauensekretärin Sylvia Ledwinka – aber

nicht billig, kontert Marita Roloff von der Allianz Gruppe

Sylvia Ledwinka

Die Ungleichbehandlung durch private Versicherungen soll gemäß

einer EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung von Frauen und

Männern „beim Zugang zu und der Versorgung mit Gütern und

Dienstleistungen“ beseitigt werden. Anstelle geschlechtsspezifisch

unterschiedlich hoher Prämien – oder Leistungen – soll es einheitliche

Unisex-Tarife geben. Frauen zahlen derzeit in Österreich zwar für Kfz-,

Unfall- und Ablebensversicherungen niedrigere Prämien, für die private

Altersvorsorge und für die Lebensversicherung müssen sie dagegen

wesentlich mehr auf den Tisch legen. Die private Krankenversicherung

kostet sogar um bis zu fünfzig Prozent mehr: Denn Schwangerschaft gilt

als „Risiko“, für das es hohe Zuschläge gibt. Kinder sind nicht nur Frauensache

– die Kosten für Schwangerschaft und Geburt dürfen nicht einseitig

den Frauen angelastet werden. Ebenso ist die Begründung für die

höheren Frauentarife bei den Lebensversicherungen, nämlich jene, dass

Frauen im Durchschnitt länger leben, überholt. Wie lange man bzw. frau

lebt, hängt vor allem von der Lebensweise ab: Fettes Essen, zuviel Alkohol

und Rauchen zählen zu den häufigsten Verursachern eines frühen

To-des. Auch die körperliche Belastung ist mitentscheidend für die Lebenserwartung.

Das Geschlecht spielt dagegen eine minimale Rolle. Geschlechtsspezifisch

unterschiedliche Prämien beruhen damit auf einer

Milchbubi-Rechnung 1 . Sie sind für die Versicherungen bequem, aber

nicht gerecht.

Die Einführung von Unisex-Tarifen brächte für Frauen möglicherweise

eine Verteuerung bestimmter Versicherungsprodukte (Kfz,..), insgesamt

aber eine Entlastung. Das sieht auch die EU-Kommission so. In den Erläuterungen

ihres Richtlinien-Entwurfs weist sie darauf hin, dass ein Verbot

geschlechtsspezifischer Berechnungsfaktoren zu keiner allgemeinen Erhöhung

der Prämien oder einer Herabsetzung der Renten führen würde.

Dennoch setzen die Versicherungen auf Panikmache und behaupten, private

Versicherungen würden durch Unisex-Tarife für alle wesentlich teurer.

Dass sie ihren Berechnungen besonders ungünstige Annahmen zugrundelegen,

wird nicht dazu gesagt. Die Regierung ist den Versicherungen willig

auf den Leim gegangen: Beim Treffen der EU-Sozialminister Anfang Juni

zählte Österreich zu den Hardlinern unter den 25 Mitgliedsstaaten. Sozialminister

Haupt lehnte die Zustimmung zur Unisex-Richtlinie und damit

zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern ab. Doch damit die Richtlinie

beschlossen werden kann, ist die Zustimmung aller Mitgliedsstaaten

nötig:Wir ÖGB-Frauen werden weiter dafür kämpfen. ❚

24 an.schlägejuli august 2004

Marita Roloff

Kommentare müssen nicht

mit der Redaktionsmeinung

übereinstimmen.

Die Einführung von Unisex-Tarifen im Versicherungswesen besticht

auf den ersten Blick:

Eine Vereinheitlichung der Prämiensummen für Männer und

Frauen in allen Versicherungsbereichen soll die Gleichstellung beider

Geschlechter gewährleisten. Monetäre Unterschiede bei den Versicherungsprämien

gehörten damit der Vergangenheit an. Theoretisch wird

die Idee der Gleichstellung der Frauen – im Speziellen bei der Rentenversicherung

– verfolgt, in der Praxis könnten jedoch finanzielle Mehrbelastungen

und Ungleichbehandlung für beide Geschlechter in etlichen

Sparten die Folge dieser Umstellung sein.

Gegenwärtig zahlen Frauen bei Renten- und Krankenversicherungen

mehr, während sie aufgrund eines geringeren durchschnittlichen

Risikos im Bereich der Kfz- und Unfallversicherungen mit niedrigeren

Prämien begünstigt werden. Die geschlechterspezifische Divergenz der

Bemessung beruht jedoch nicht auf einer willkürlichen Kategorisierung

„Mann oder Frau“ durch die Versicherungen, sondern auf den diesen

Risikogruppen zugrunde liegenden objektiven Bewertungskriterien. So

wirkt sich beispielsweise die durchschnittlich höhere Lebenserwartung

der Frauen ebenso auf die Preisfestsetzung bei Rentenversicherungen

aus, wie die statistisch höhere Risikobereitschaft der Männer auf Kfz-

Versicherungen.

Versicherungsgesellschaften sind keine Non-Profit-Organisationen

und ihre Preisfestsetzungen orientieren sich an der Risikodeckung.

Nachdem die neuen Unisex-Tarife nur für Neuverträge gelten würden,

würde folgendes passieren:

Männer blieben in dem für sie günstigeren alten Tarifrecht, Frauen

wechselten in Scharen zu den neuen für sie günstigeren Tarifen. Die Folge

davon: Das Risiko in diesen Tarifgemeinschaften würde sich bald ähnlich

darstellen wie vorher in den „alten“ Frauentarifen, da ja eine gleiche

bzw. ähnliche Zusammensetzung vorhanden wäre. Dem Risiko entsprechend,

würden sich auch die Preise wieder anpassen. In Summe wäre

daher für alle Beteiligten wenig gewonnen. ❚

1 Copyright Frankfurter Rundschau, 28. April 2004


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TechWoman

Es ist kein Geheimnis, dass Frauen in der Technik immer noch in der Minderheit

sind. Umso wichtiger ist es, gerade sie ins Rampenlicht zu stellen.

Diese Idee verfolgt der Sonderpreis TechWoman-of-the-Year innerhalb

des ersten österreichischen Automationspreises „Leonardo“. Der zu

vergebende Sonderpreis für Frauen in der Technik soll jene Frauen als

Leitbilder positionieren, die durch besondere technische Leistungen ihren

Stellenwert in einem nach wie vor von Männern dominierten Bereich

unter Beweis gestellt haben. Das Besondere an diesem Preis: die Bewerberinnen

müssen nominiert werden und können nicht selbst einreichen.

Katharina Böcskör, Marketing Managerin der Festo GesmbH und

Ideengeberin des Awards: „Wenn in Ihrem Team eine besonders engagierte

Elektrotechnikerin, Maschinenbauerin oder Mechatronikerin auffällt

– ihrer Nominierung steht nichts im Wege!“ Einreichfrist ist der 15.

Juli 2004 – Die Preisverleihung findet im Rahmen der Smart Automation

am 7. Oktober in Linz statt. svh

Infos: Silvia Muik, Reed Messe Wien GmbH, 1,. Messeplatz 1, T. 01/727 20, e-mail: silvia.muik@messe.at,

http://www.leonardoaward.at

projekt

Integrative Gesundheitsförderung

Welche Rollen weist unsere Gesellschaft Frauen und Männern mit Behinderung

zu? Wie sind die Folgen für das Berufsleben? Um Antworten

auf diese Fragen zu finden, führt das Frauengesundheitszentrum Graz

von Mai bis Dezember 2004 im Auftrag des Bundessozialamtes das Forschungsprojekt

„be gender“ durch. Das „be“ steht für Behinderung, „gender“

meint das soziale Geschlecht – und damit alle Erwartungen und Vorstellungen,

die eine Gesellschaft an Frauen und Männer knüpft. Schwerpunkt

der Untersuchung ist, ob und wo im Berufsleben Unterschiede

zwischen Frauen und Männern mit Behinderung bestehen. Danach werden

geschlechtsspezifische Maßnahmen für die benachteiligtere Gruppe

entwickelt.

Zu Projektabschluss im Dezember dieses Jahres wird das Frauengesundheitszentrum

die Ergebnisse veröffentlichen. Eine Präsentation

im Jänner 2005 soll das Forschungsprojekt „be gender“ abschließen

und Anstöße zur geschlechtsspezifischen Weiterarbeit geben. svh

Infos: Felice Gallé, T. 0316/83 79 98, e-mail: felice.galle@fgz.co.at

ausbildung

Netzwerktechnik

Das abzwien bietet im Rahmen der ersten Cisco-Frauenakademie (First

Austrian Women Cisco Networking Academy) eine Ausbildung zur Cisco

Certified Networking Associate (CCNA). Die praxisnahe Ausbildung im

Bereich Netzwerktechnik, die sich sowohl an berufstätige als auch an

arbeitslose Frauen richtet, erfolgt als Abendkurs in vier Modulen zu je

siebzig Einheiten. Frauengerechte Didaktik und Methodik, wie geschlechtergerechter

Sprachgebrauch und die Rücksichtnahme auf frauenspezifische

Lebensumstände, sind Grundsätze in der Ausbildung. Im Sinne

der Vorbildwirkung werden – wenn möglich – ausschließlich Trainerinnen

eingesetzt. Den Kursteilnehmerinnen steht der Studienplan web-basiert

an.rissarbeit

zur Verfügung, sodass bei bestehendem Internetzugang auch ein Lernen

von zu Hause aus möglich ist. Mitzubringen sind Grundkenntnisse

in Windows, Internet und Englisch. Zusätzlich zum Kurs kann frau mit

einem Personal Coach ihr zukünftiges Berufsbild erarbeiten oder wichtige

Fertigkeiten wie Kommunikationsfähigkeit, Konfliktmanagement und

Zeitmanagement trainieren. Die Kosten belaufen sich auf 919 Euro pro

Modul. Es gibt jedoch Fördermöglichkeiten durch waff (Wiener ArbeitnehmerInnen

Förderungsfond), AMS (Arbeitsmarktservice) Wien oder

ESF (Europäischer Sozialfond). svh

Kontakt: First Austrian Women Cisco Networking Academy, Claudia Behr, T. 01/595 21 55-55,

e-mail: cisco-academy@abzwien.at, http://www.abzwien.at

Infotag: Do, 15.7., 18.00 Uhr im abzwien.cybercenter, Gumpendorferstraße 83, 1060 Wien

sexarbeit

Internationaler Hurentag

Foto: Grüne Frauen Wien

Sexarbeit ist immer noch ein tabuisiertes Thema, und ihre Betreiberinnen

sind unterschiedlichen Ausgrenzungsmechanismen wie Marginalisierung,

Stigmatisierung, Kriminalisierung und der Doppelmoral der Gesellschaft

ausgesetzt. Anlässlich des Internationalen Hurentages initiierten

die Grünen Frauen Wien unter der Federführung von Frauensprecherin

Monika Vana gemeinsam mit den Fraueninitiativen LEFÖ (Beratung,

Bildung und Begleitung für Migrantinnen), SILA (Beratungsstelle

für Prostituierte) und AUS (Ausstiegsprojekt) am 2. Juni 2004 eine Aktions-

und Informationsveranstaltung vor dem Wiener Westbahnhof.

Mit Musik, der kostenlosen Verteilung von Kondomen und umfangreichem

Infomaterial machten die verschiedenen Fraueninitiativen auf die

Situation der Sexarbeiterinnen aufmerksam. Darüber hinaus fordern sie

menschlichere Rahmenbedingungen, wie die volle Anerkennung der Sexarbeit

als Erwerbszweig; Aufhebung der Meldepflicht bei der Sicherheitspolizei;

Entkoppelung von Sexarbeit und Sittenwidrigkeit in den Gesetzen;

Veränderungen im Arbeits-, Vertrags- und Sozialversicherungsrecht,

sowie die Sicherung einer eigenständigen Lebensmöglichkeit

von Sexarbeiterinnen und aktive Ausstiegshilfe. Während der viereinhalbstündigen

Veranstaltung entstanden lebhafte und inhaltlich

spannende Diskussionen zwischen PassantInnen und Initiatorinnen;

die Atmosphäre war laut einer SILA-Mitarbeiterin „lässig“. svh

juli august 2004an.schläge 27


arbeitgrafikerinnen

28 an.schlägemai 2004

Co l l a g e : M a n u e l a B a r t h , 2 0 0 4

Frauen-Bilder

Feministische Grafikerinnen sprachen mit Martina Madner

über Beruf, Sexismus und Vernetzung.

„Offener Sexismus wird heute

meist erkannt, deshalb ist es

wichtiger, verdeckten Sexismus

offenzulegen, eine ständig präsentierte

subtile hierarchisierte

Geschlechterordnung“, meint Barbara

U. Schmidt, Assistentin am Institut für

Medien der Kunst-Uni Linz. Sie ist neben

der Künstlerin Manuela Barth beteiligt

an einer Vortragsperformance,

die Anfang Juni in der DOKU-Graz zu

sehen war. Das Duo, das sich seit 1999

unter dem Titel „LaraCroft:ism“ mit Geschlechterverhältnissen

im Umfeld von

neuen Technologien auseinandersetzt,

zeigte im Rahmen der Reihe „Sexistische

Werbung – die alltägliche Zumutung“,

wie es um Frauen- und Männerbilder

in der Technik und IT-Branche bestellt

ist. „Hier gibt es auf den ersten

Blick viele erfolgreiche Frauen. Diese

mediale Gleichheitsrhetorik verschleiert

aber die noch immer sehr traditionellen

Zuschreibungen: Frauen werden z.B.

Softskills wie Flexibilität und Kommunikation

zugewiesen, während Kernkompetenzen

wie Zuverlässigkeit und Knowhow

weiterhin ausschließlich männlich

repräsentiert werden“, schätzt die

Medientheoretikerin Schmidt den Zustand

der Werbung ein,„Frauen werden

nicht als IT-Schaffende und Weiterentwickelnde

gezeigt, sondern auf die Anwendung

reduziert. Das bedeutet, dass

Frauen zwar nicht mehr außerhalb der

Technik gesehen wird, aber innerhalb

des Technik-Bereichs durchaus ein gendergap

verläuft.“ Wie aber sehen das jene,

die an der Produktion der Bilder beteiligt

sind? Die dafür sorgen, dass Texte

in Anzeigen, Büchern, Katalogen usw.

auf die „richtige“ Art und Weise visualisiert

werden?

Grafischer Feminismus. „Die Werbung ist

kein besonders frauenfreundliches Gebiet

und ein feministisches schon gar

nicht“, urteilt die Grafikerin Eveline

Wiebach, „Werbung denkt sehr stark in

Klischees, ist aber auch ein Spiegel der

Zeit. Sie zeigt, wo die Gesellschaft

steht, die aktuellen Rollen von Frauen

und Männern. Sie drängt die Frauen

aber auch in gewisse Rollenbilder rein,

die ich nicht so gut finde.“ Denn Werbung

beeinflusse auch das reale Frauenbild,

nicht nur das der Frauen, sondern

auch wie Männer über Frauen

denken. Die selbstständige Grafik-Designerin,

die vor einem Jahr gemeinsam

mit ihrem Mann Thomas und ihrer

Freundin Susi Klocker „LIGA: graphik

design“ gegründet hat, war viele Jahre

als artdirectorin in Werbeagenturen

tätig. Obwohl sie sich nicht daran erinnern

kann, selbst jemals in die Verlegenheit

gekommen zu sein, ein frauenfeindliches

Sujet umsetzen zu müssen,

sieht sie in der Selbstständigkeit Vorteile:„Selbstständige

Grafikerinnen haben

natürlich schon mehr Spielraum.

Da kann man weitestgehend selber bestimmen,

für wen man arbeitet und

zweitens kann man auch beeinflussen,

was man macht. Da versuche ich schon

in der Ideenfindung keine frauenfeindlichen

Dinge zu machen.“

Der Feminismus in der Arbeit wird

auch in der Auswahl der Projekte sichtbar.

So arbeitet Eveline Wiebach beispielsweise

mit der Geschäftsführerin

vom Verein Autonomer Frauenhäuser,

Maria Rösslhumer, zusammen. Sie

macht für den Verein verschiedene grafische

Arbeiten – Broschüren, Buchcover

oder Plakate – und bezeichnet diesen

Bereich als „den aktiven Feminismus“ in

ihrer Arbeit. Wiebachs feministisches

Leben beschränkt sich aber nicht darauf:„Für

mich ist das feministische Thema

omnipräsent. Das fließt in die Arbeit

ein. Aber es ist nicht so, dass ich mir

denke, ich muss die Arbeit überprüfen,

ob sie feministisch ist oder nicht. Feminismus

ist für mich eine Lebenshaltung,

die sich auf alle Lebensbereiche

auswirkt. Das kann man nicht auf Grafik

beschränken.“

Von ähnlichen Erfahrungen kann

auch Andrea Gadler, Grafikerin und Lay-


outerin der an.schläge berichten:„Ich bin

in Werbeagenturen immer öfter mit sexistischen

Bildern konfrontiert worden.

Ich kann mich an ein Plakat erinnern,

das eine Frau mit einem Schwert zwischen

den Beinen zeigte. Ronald Seunig

hat damit vor einigen Jahren unter dem

Titel ,Produkteinführung’ seinen Excalibur-Themenpark

beworben. Da hat es

mir dann gereicht!“ Deshalb ist Andrea

auch froh, heute selbstständig und in

einem feministischen Umfeld zu arbeiten.

„Bei den an.schlägen kommt so etwas

natürlich nicht vor“, meint sie und

grinst.

Grafikerinnenstammtisch. Um nicht als

Einzelkämpferinnen für ein selbstbestimmtes

feministisches Leben und oft

auch ums alltägliche wirtschaftliche

Überleben dastehen zu müssen,

wählen manche Grafikerinnen eine

andere Strategie. Sonja Russ, Kundenbetreuerin

und Gesellschafterin der

Druckerei REMA-Print in Wien Ottakring,

hatte vor etwa drei Jahren die

Idee zu einem Grafikerinnenstammtisch:

„Ich habe sehr viele Kundinnen,

die Grafikerinnen sind und da wir uns

seit zig Jahren nur vom Telefon oder

kurz von Aufträgen kannten, hab ich

mir gedacht, jetzt gehst du einmal mit

zweien von ihnen essen. Damit man

sich besser kennenlernt, weil wir doch

alle in einer Männerdomäne arbeiten.

Auf einmal waren wir neun Frauen

und das hat irgendwie gepasst. Wir

haben beschlossen: Machen wir einen

Stammtisch. Nachdem die Frauen

hauptsächlich Grafikerinnen waren,

eben einen Grafikerinnenstammtisch.“

Aus den neun Frauen sind mittlerweile

150 geworden. Und es sind nicht

mehr nur Grafikerinnen, sondern auch

Illustratorinnen, Lektorinnen, Fotografinnen

und Künstlerinnen, die zu den

zwei bis drei Treffen pro Jahr eingeladen

werden. „Denn“, so Russ,„wir sehen das

nicht so eng, weil im Prinzip geht’s ja

um die Frauensache! Es ist eben ein

Frauenstammtisch. „Nach einer Stunde

Vortragsprogramm zu berufsspezifischen

Themen, geht’s zum gemütlichen

Teil des Abends über. Und der „knittingroom“,

wie der Vernetzungs- und „Verstrickungs“-Raum

in der Druckerei genannt

wird, wird zum Ort für lukullische

Genüsse und private Plaudereien. Für

Birgit Kainz, selbstständig mit der Firma

„Faksimile“ im Bereich der digitalen

Kunstfotografie tätig und nebenbei

Mutter der Autorin dieses Artikels, ist

der Stammtisch „ein Ort, um über Probleme

der Grafikbranche zu diskutieren.

Sich ohne unmittelbaren Konkurrenzdruck

auszutauschen, damit nicht jede

ihr eigenes Süppchen kocht. Wir plaudern

aber auch über die Arbeit und die

KundInnen.“

Netzwerke. Das Netzwerk bietet den

Frauen aber auch die Möglichkeit der

Unterstützung, damit in wirtschaftlich

nicht so rosigen Zeiten und bei schlechter

Auftragslage, mit der viele – vor allem

selbstständige – Grafikerinnen zu

kämpfen haben, frau ans und ins Geschäft

kommt. „Wir schauen, dass wir

unter uns bleiben und uns stärken“,

gibt sich Sonja Russ kämpferisch.

„Wenn jemand aus dem Medienbereich

eine Grafikerin sucht, geben wir das an

das Netzwerk weiter. Es ist wichtig, dass

wir zusammenhalten und schauen,

dass das Geld unter uns bleibt.“ Damit

ist aber noch nicht Schluss, einmal im

Netzwerken drinnen, war das Energiebündel

nicht mehr zu stoppen. Nach

der ersten Frauenmesse „FrauenFakten“,

bei der sich diesen März 52 Frauen-Netzwerke

und Organisationen präsentierten

(die an.schläge berichteten),

gibt Sonja Russ, die sich selbst nicht als

„radikale Feministin“, sondern als

„Mensch, der gerne als Frau lebt“ bezeichnet,

ein Handbuch zu Frauennetzwerken

heraus, das im Herbst 2004 im

Milena-Verlag erscheinen wird.

Dass der Netzwerkgedanke unter

Grafikerinnen sehr wichtig ist, bestätigt

auch Eveline Wiebach, die im Bereich

der Werbegrafik Frauen immer häufiger

auch in höheren Positionen ortet:

„Im Grafikbereich ist es nicht so wie in

manch anderen Berufen. Es gibt zwar

schon noch mehr Agenturbosse, aber

es werden immer mehr Frauen, die

Agenturen führen, aber auch artdirectorinnen

und creativdirectorinnen. Ob die

dann auch alle feministisch denken, ist

wieder eine andere Frage.“ Einen Unterschied

sieht sie aber in der Auswirkung

auf die Arbeit:„Ich denke, dass Frauen

anders agieren als Männer. Sie befürworten

flachere Hierarchien und mehr

Netzwerkdenken. Frauen holen sich

Leute für etwas, das sie selber nicht so

gut können, auch aus anderen Organisationen.

Frauen arbeiten netzwerkartiger

als Männer.“ Also, Grafikerinnen aller

Länder vernetzt euch, auf dass die

Frauenbilder auch in der Werbung feministische

werden! ❚

grafikerinnenarbeit

Manuela Barth, „LaraCroft:ism.

Karriere im Anzug“, Collage 2004.

Projekt LaraCroft:ism

http://www.laracroftism.de

LIGA: graphik design

Evenline Wiebach

T. 01/9421926

Grafikerinnenstammtisch

Infos bei Sonja Russ

T. 01/403 89 26-71

http://www.remaprint.at

Faksimile

Birgit Kainz

http://www.faksimile.cc

Sonja Russ (Hg.): FRAUEN FAKTEN.

Vom Business bis Feminismus.

Reihe Dokumentation Bd. 29. Cover:

Mag. Sybille Gieselmann/ Mag.

Andrea Zeitlhuber, EUR 15,90, Milena

Verlag, erscheint im Oktober 2004

mai 2004an.schläge 29


kulturan.riss

ausstellung

„Schreiben gegen den Krieg“

„Ich will, dass der Krieg ein Ende nimmt“ – dieser Satz aus Ingeborg

Bachmanns Roman „Malina“ ist auch das Motto einer Ausstellung

über das Werk der Schriftstellerin, die noch bis zum 17. Juli in Klagenfurt

zu sehen ist. Die Alpen-Adria-Galerie im Klagenfurter Stadthaus

zeigt unter anderem bisher unveröffentlichtes Textmaterial, wie das

Kriegstagebuch aus dem Jahr 1945. Vor allem in den letzten Jahren

wenig beachtete Aspekte von Bachmanns Werk werden in der multimedial

aufbereiteten Ausstellung ins Zentrum gerückt, die zugleich

eine Einführung in Leben und Werk der Schriftstellerin darstellt. Die

internationale Wanderausstellung zeigt nicht nur unveröffentlichte

Texte, sondern auch bisher der Öffentlichkeit vorenthaltene Fotos und

teilweise noch nicht gesendete Original-Tonbandaufnahmen aus

dem Nachlass Bachmanns. Das letzte Filmporträt der 1973 verstorbenen

Autorin, das von Gerda Haller noch im selben Jahr in Rom gedreht

wurde, ist in der Ausstellung ebenso zu sehen: Eine Art Testament der

Dichterin, in dem sie die fortwährende Kriegs- und Gewaltgeschichte

unserer Gesellschaft verurteilt. Bachmanns Schreiben gegen den

Krieg setzte mit der 1943 entstandenen Erzählung „Das Honditschkreuz“

ein. DF

Alpen-Adria-Galerie, Theaterplatz 3, 9020 Klagenfurt, 17.06.-17.07., Di- Fr 10-19 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr,

T. 0463/537-545, http://www.stadtgalerie.net

30 an.schlägejuli august 2004

e hrung

Luise F. Pusch

Sprache und Macht stehen in direktem Zusammenhang. Das weiß die

Sprachphilosophie schon seit einiger Zeit, doch die Herr-Schaften der

(deutschsprachigen) Linguistik wollten es lange nicht wahrhaben. Dann

tauchten Ende der 1970er Jahre feministische Aufsätze der beiden Linguistinnen

Senta Trömel-Plötz und Luise Pusch auf, und letztere verbrachte

die letzten Jahrzehnte damit, die blinden Flecken in der Linguistik

mit Frauen-Leben zu füllen. Der erweiterte Vorstand des Berufsnetzwerks

BücherFrauen e.V. hat im Rahmen der Frankfurter Buchmesse

die Sprachwissenschafterin Luise F. Pusch nun als „BücherFrau des

Jahres 2004“ geehrt. Die BücherFrauen wollen damit Puschs feministisches

Engagement würdigen, die neben zahlreichen Veröffentlichungen

auch eine Datenbank im Internet unterhält, in der sie über 30.000 biografische

Einträge bedeutender Frauen aus aller Welt gesammelt hat

(www.fembio.org). Die „Wissenschaftlerin und engagierte Feministin“

wurde Anfang des Jahres – anlässlich ihres sechzigsten Geburtstags –

von ihren Kolleginnen auch mit einer Festschrift geehrt. Herzstück der

Textesammlung ist der Beitrag von Senta Trömel-Plötz: „Für Luise: zwei

Partikel-Linguistinnen mausern sich zu Feministinnen“. Wunderbar

humorvoll schildert sie den „gemeinsamen Weg unseres akademischen

Abstiegs“, der zum „gemeinsamen außeruniversitären Aufstieg“ führte.

Denn nachdem sie aus der Universität ausgeschlossen worden waren,

begann ihr Erfolg erst so richtig. Luise Pusch veröffentlichte ein Buch

nach dem anderen, darunter Jahrhundertwerke wie die Kalender „Berühmte

Frauen“ oder die „WahnsinnsFrauen“, die in keiner feministischen

Bibliothek fehlen dürfen. Ihr Coming-Out ermöglicht es Luise

Pusch, heute vollkommen offen über ihre „Lebenspartnerin“ zu sprechen.

„Luise ist sehr mutig, viel mutiger als ich es je sein könnte“, resümiert

Trömel-Plötz in ihrem Beitrag, und:„Sie hätte für ihre Biographieforschung

längst einen Preis verdient.“ BücherFrau 2004 ist ein guter

Anfang. GaH

http://www.buecherfrauen.de

„Diese Frau ist der Rede wert“: Festschrift für Luise Pusch. Hg. von Eva Rieger und Hiltrud Schroeder

deutschland

Frauenmusikfestival

Zum bereits achten Mal findet vom 23. bis 25. Juli das Interkulturelle

Frauenmusikfestival im Hunsrück statt. Die Geschichte des Festivals,

bei dem ausschließlich Frauen auftreten und Frauen eingeladen sind,

reicht zurück bis ins Jahr 1994. Das erste Event war noch ein musikalisches

Ereignis von und für Lesben, mittlerweile ist das Festival zum

allgemeinen Großereignis mit Auftritten internationaler Künstlerinnen

gewachsen. Um auch Frauen aus den Nachbarländern zu erreichen,

wird das Programm in möglichst viele Sprachen übersetzt, Dolmetscherinnen

(auch in Gebärdensprache) sind bei den Infostellen

vor Ort. Das Veranstaltungsgelände ist auf einer „idyllischen Wiese“

gelegen – mit Platz zum Zelten, inklusive Kunsthandwerkmarkt und

Raum für Begegnungen. Überhaupt legen die Veranstalterinnen vom

Verein „Interkulturelles Frauenmusikfestival im Hunsrück“ viel Wert

auf Begegnung und Kommunikation: Zwischen den Kulturen, Religionen,

Weltanschauungen, sozialen Schichten, zwischen Stadt und

Land, zwischen Frauen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und

Lebensrealitäten. Das Veranstaltungszelt ist mit berollbarem


Holzboden ausgestattet. Außerdem können Falt-Rollis ausgeliehen werden

und vom Haustierverbot auf dem Gelände sind Blindenhunde

selbstverständlich ausgenommen. Die Eintrittspreise sind nach Einkommen

(Selbsteinschätzung) gestaffelt und Karten können über die

Homepage bestellt werden. Frau kann den Eintritt auch anders erwerben:

Über stundenweise Mitarbeit vor, während oder nach dem Festival.

Infos dazu gibt es auch bei den Veranstalterinnen. GaH

http://www.frauenmusikfestival.de, T. 0049/6763/96 03 23

festival

Chinesische Frauenpower

Zwischen Showgirl, Barmädchen und Masseuse: Die Rolle der Frau im

heutigen China ist nach wie vor vielfach die eines Bedarfsartikels. Im

Rahmen des ImPulsTanz Festivals gastiert die chinesische Choreografin

Wen Hui gemeinsam mit dem Filmemacher Wu Wenguan und dem Living

Dance Studio am 4. und 7. August in Wien und geht in ihrer Performance

dem Status der chinesischen Frauen nach, die in einer männerdominierten

Umwelt leben. Für ihren „Report of Giving Birth“ interviewte

die Künstlerin Fabriksarbeiterinnen, Doktorinnen, Journalistinnen und

auch ihre eigene Mutter. So will sie dem Erlebnis Geburt nachspüren.

„Report on The Body“ hingegen erkundet in einer Multi-Media-Performance

die Beziehung chinesischer Frauen zu ihrem Körper und beschäftigt

sich auch mit widersprüchlichen Botschaften und fehlender Aufklärung

an und für Frauen und zieht Verbindungen zu vergangenen

Bräuchen wie Fuß- oder Brustverbänden. Das Living Dance Studio wurde

1994 in China gegründet und darf bis zum heutigen Tag nicht öffentlich

im Land auftreten. OBA

ImPulsTanz, Vienna International Dance Festival, 8. Juli - 8. August 2004, Info: T. 01/523 55 58. http://www.impulstanz.com

schreibwettbewerb

SchwarzAufWeiß

„Was sich Frauen trauen“ lautet das Motto des zweiten Schreibwettbewerbs

im Frauentreff Rohrbach. Mädchen und Frauen, die zu diesem

Satz jede Menge Stoff haben, können bis zum 21. Oktober ihre

Lyrik, Prosa oder experimentelle Literatur einreichen. Die Arbeiten

müssen unveröffentlicht sein, „professionelle Autorinnen“ sind von

der Teilnahme ausgenommen. Prosa-Auszüge und Kurzgeschichten

sollten mindestens vier bis höchstens zehn Seiten lang sein. Bei Gedichten

sollten es mindestens fünf bis höchstens fünfzehn Stück

sein. Viel Glück! GaH

Infos: Frauentreff Rohrbach, Stadtplatz 16/2, 4150 Rohrbach, T. 07289/6655, http://www.frauentreff-rohrbach.at

Fo t o : I m Pu l s Ta n z

heim.spiel

Eva Steinheimer

Familienfest

an.risskultur

Foto: Steinheimer privat

Meine Anverwandten väterlicherseits sehen wir zwar selten, aber

wenn, dann sind es immer (be)rauschende Feste. Diesmal hat sich einer

meiner Onkel (wieder)verheiratet und anlässlich dessen eine Gartenparty

veranstaltet. Für Lenni die erste Gelegenheit, den Clan, mit

dem er den Nachnamen teilt, kennen zu lernen. Beim Aussteigen

dann der erste Schock für uns Eltern: Im Garten des Onkels prangt ein

funkelnagelneuer, absolut kinderunsicherer Pool. Für Lenni beim Betreten

des Gartens eine freudige Überraschung: „Bad’n!!“. Aber das

Wetter lässt das nicht zu. Vielmehr beginnt es etwas später zu regnen

und Lenni wird in Gummistiefel, Gatschhose und Regenjacke verpackt.

Ich könnte mich in der Aufmachung ja kaum mehr fortbewegen,

Lenni behindert sie aber gar nicht. Etwas skeptisch ist er schon

bei den vielen Leuten, aber g’schreckt ist er nun wieder überhaupt

nicht. Die Braut ist ihm gleich sympathisch, möglicherweise weil sie

„Buletten“ und Würstel verwaltet. Zum Bräutigam fasst er erst später

Zutrauen, als ihn dieser auf seinem „Brmm-Brmm“ (Motorrad) probesitzen

lässt. Die meiste Zeit aber ist er unterwegs. Der Pool wird beharrlich

umrundet – vielleicht darf er doch noch rein. Die steile Blumenwiese

hinterm Haus wird genauestens erkundet, auch wenn die

jeweilige Begleitperson Schwierigkeiten hat, in der klatschnassen

Wiese nicht auszurutschen.

Zwischendurch geht’s zum Almdudlertrinken und Soletti-Schnorren.

An letzteren ist aber auch der große, schwarze Hund meines anderen

Onkels interessiert. Zum Glück hab ich meine Hundeangst mittlerweile

ganz gut unter Kontrolle, einen kleinen Aussetzer macht mein Herz

aber schon, als der Hund dem um einen Kopf kleineren Lenni als Dank

für den Soletti-Leckerbissen über die Wange schleckt. Zum Tratschen

mit den Verwandten kommen wir nur wenig – was manchmal auch

kein Schaden ist – wenn wir aber mal eine Verschnaufpause einlegen

können, fragt man uns sofort: „Wird der nicht müde? Schläft der nicht

mehr am Nachmittag?“ Die Antwort ist ganz einfach: „Nein! Nicht

wenn Würstel, Pools und Hunde in der Nähe sind!“

juli august 2004an.schläge 31


milenatalks

32 an.schlägejuli august 2004

Frauen-Medien-Netzwerke

Journalistinnen und Frauen als Thema in Medien standen im Mittelpunkt des vierten

milena.talks. Reflexionen über Geleistetes und Wünsche für die Zukunft sammelten

Gabi Horak und Bettina Surtmann

Das jüngste Projekt auf der milena-Homepage

ist die Journalistinnen-

und Mediendatenbank

„milena.media“, die grenzüberschreitende,

feministische

und frauenspezifische Medienberichterstattung

fördern will. Wie es um Frauenorganisationen

und -projekte in den

neuen EU-Ländern und in Österreich

bestellt ist, welche unterschiedlichen

Facetten feministische Medienarbeit

hat und welche Anforderungen an

(Journalistinnen)Netzwerke gestellt

werden – dies und mehr wurde am 6.

Juni beim vierten milena.talk in Wien

zur Diskussion gestellt. Journalistinnen

und Aktivistinnen aus Österreich, Kroatien,

Ungarn, Slowenien, der Tschechischen

Republik und der Slowakei waren

der Einladung des milena Netzwerkes

gefolgt, um in zwei Podiumsdiskussionen

über feministische Medienarbeit in

den einzelnen Ländern zu sprechen.

Frauenthemen. Die Themen, innerhalb

derer Frauen in den Medien vorkommen,

sind alles andere als vielfältig.

„Gewalt gegen Frauen, Frauenhandel,

Prostitution“, zählt Djurdja Knezevic

vom Dokumentationszentrum „Women’s

Infoteka“ in Zagreb auf. Viele andere

Themen fehlen, wie die gesell-

schaftlichen Strukturen, die Frauen systematisch

ausgrenzen und unsichtbar

machen, strukturelle Gewalt oder Diskriminierung

am Arbeitsplatz. Knezevic

kritisiert, dass diese „Ghettoisierung

von Frauenthemen“ ein demokratisches

Defizit darstelle, welches aufgezeigt

werden müsse. Vor dieser einseitigen

Thematisierung seien auch Frauenorganisationen

nicht gefeit, ergänzt

Jana Cvikova vom Bildungs- und Informationszentrum

„Aspekt“ in Bratislava:

Wenn sie sich beispielsweise „gegenseitig

eine Werteskala aufzwingen“, bei

der Gewalt an Frauen weit vor anderen

„gendersensiblen“ Themen rangiert.

Andererseits dient die Beschäftigung

mit öffentlichkeitswirksamen Fragestellungen

als Aufhänger für weiterführende

Initiativen, in denen viel Aufklärungsarbeit

betrieben wird. Feministische

Medienarbeit ist sehr beweglich,

wie die Geschichte der Zeitschrift

„Aspekt“ zeigt, die anfänglich als reine

Literaturzeitschrift konzipiert war, mittlerweile

jedoch eine Plattform geschaffen

hat, in der die verschiedensten Themen

zur Diskussion gestellt werden.

Gegen den diskriminierenden Diskurs

in Medien über Gewalt gegen Frauen

in der Slowakei, wurde eine gemeinsame

Sensibilisierungskampagne mehre-

rer Frauenorganisationen gestartet, die

spürbare Erfolge hatte.

Die politischen Umwälzungen in

den österreichischen NachbarInnenländern

gaben und geben genug Stoff

für Berichte, die Frauen unmittelbar

(be)treffen. In der Slowakei wurde etwa

das Recht auf Abtreibung von der

Regierung in Frage gestellt, woraufhin

Frauenorganisationen aktiv wurden.

Damit solche Auseinandersetzungen

aber auch in den Medien vorkommen,

bedarf es allerdings oft eines sensationellen

Designs, sind einige Podiumsteilnehmerinnen

der Ansicht. Katerina

Krausova von der Tschechischen Presse

Agentur in Prag beklagt den „Druck der

Boulevardisierung“ und sieht ihre innerhalb

der Agentur schon hart erkämpften

Themen dann auch selten in

den Medien. Ihre Position als Journalistin,

die feministische Themen eher

deskriptiv einbringt, unterscheide sich

auch deutlich von der einer feministischen

Aktivistin. Diese Differenzierung

wirft die Frage auf: Was ist feministischer

Journalismus und gibt es einen

solchen überhaupt, wenn dahinter

nicht (politischer) Wille zur Veränderung

steht? An diesem Punkt der Debatte

wird deutlich, wie unterschiedlich

die Zugänge zu Medienarbeit sind

Fo t o s : G a b i H o ra k


und wie unterschiedlich der Anspruch

an die eigene Arbeit definiert wird.

Auch Petra Stuiber, in Österreich und

Deutschland tätige Journalistin, ist der

Ansicht, Journalistinnen hätten nicht

die Aufgabe, feministische Politik zu

machen. Uneingeschränkter Konsens

besteht wiederum bei der Betrachtung

der EU-Institutionen: männliche Hegemonie

und konservative heterosexuelle

Normen herrschen dort vor, wo

wichtige politische Weichenstellungen

für die europäische Zukunft getroffen

werden.

Feministische Journalistinnen. Nicht nur in

Österreich kämpfen Journalistinnen

darum, dass ihre kritischen Beiträge angenommen

und veröffentlicht werden –

nach jahrelanger Lobbyarbeit, ständigem

Improvisieren und oft ohne Anerkennung.

Unweigerlich stellt sich die

Frage, ob es nicht einfacher wäre, die

Karriere nach anderen als den eigenen

Wertmaßstäben zu gestalten. Doch der

Wille zum feministischen Paradigmenwechsel

ist glücklicherweise stärker. Besonders

wichtig erscheint deshalb die

Vernetzung über Ländergrenzen hinaus,

wo Ressourcen gebündelt werden können.

Auch kontinuierliche Zusammenarbeit

mit einzelnen Medien kann feministischen

Initiativen mehr Sichtbarkeit

bringen. So erzählt Jana Cvikova von

„Aspekt“ über durchwegs positive Erfahrungen

in der Zusammenarbeit mit

dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in

der Slowakei.

In der Tschechischen Republik sei

frau als Feministin „stigmatisiert“,

meint hingegen Katerina Krausova.

Neue Themen in den Medien unterzubringen

sei sehr schwierig. „Das liegt in

der Natur der Medien“, glaubt Patricia

Margit von der „Women’s Media Lobby“

in Ungarn, wo interessanterweise mehr

Journalistinnen als Journalisten ihrem

Beruf nachgehen. Die Chefredakteurs-

Sessel sind aber auch in Ungarn fest in

männlicher Hand. Margit berichtet von

der vor einigen Jahren erfolgreich

durchgeführten Aktion „Women Made

the News“: Einen Tag lang nahmen

Journalistinnen in den Chefsesseln

Platz und gestalteten die Abendausgaben

bzw. einzelne Nachrichtensendungen.

Über dreißig Medien nahmen an

der Aktion teil und „das Publikum liebte

es“, erzählt Patricia Margit. Brigitte

Handlos vom österreichischen Frauennetzwerk

Medien hat erlebt, wie ein

ähnlich angelegtes Projekt in Wien gescheitert

ist, weil sich eine starke Gruppe

von Frauen dagegen positioniert

hatte. Sie weigerten sich, für einen Tag

im Jahr News zu machen, um die restlichen

364 Tage wieder in der Versenkung

zu verschwinden. Fehlendes Lobbying

sei die Ursache des Scheiterns gewesen,

glaubt Handlos. Die vielfältigen Ansichten

und Strategien im Kampf um Frauenrechte

und -sichtbarkeit unter einen

Hut zu bringen, ist wohl eine der wichtigsten

Herausforderungen des Netzwerkens.

Netzwerke. Viele Kooperationen und

Netzwerke von Journalistinnen, Medien

und feministischen Initiativen entstanden

themenbezogen und waren nicht

auf eine gemeinsame Strategie ausgelegt.

Die Erfahrungen mit Netzwerken

sind deshalb sehr unterschiedlich. Nevenka

Sudar, Initiatorin des einzigen

zweisprachigen Frauen-Online-Magazins

„Crow“ in Slowenien, hat oft genug

erlebt, wie Netzwerke sterben „sobald

das Geld ausgeht“. Auch Brigitte Handlos

ist der Meinung, dass es eine Gruppe

von Akteurinnen geben muss, die die

administrative und organisatorische Arbeit

machen, um ein Netzwerk am Leben

zu halten. Daniela Yeoh, Redakteurin

von diestandard.at bestätigt:„Das

Frauennetzwerk Medien funktioniert

vor allem deshalb, weil es dort einige

sehr engagierte Frauen gibt, die sehr

aktiv sind.“

Doch nicht nur wie ein Netzwerk

funktioniert ist entscheidend, sondern

auch wie es sich auf Medien bezieht. In

Ungarn etwa hat sich die Medienlandschaft

und deren Inhalte in den letzten

zehn Jahren stark verändert. Patricia

Margit führt das darauf zurück, dass

sich die KonsumentInnen verändert haben

und andere Ansprüche an Medien

stellen. Durch die Privatisierung von

Medienunternehmen hat sich der Fokus

auf einzelne Themenbereiche verstärkt,

beobachtet Nevenka Sudar. Deshalb sei

unabhängiges Arbeiten, Autonomie für

Journalistinnen von besonderer Bedeutung,

wenn sie sich für Frauenthemen

engagieren.

Die Teilnehmerinnen am milena.talk

sind sich über die meisten der Herausforderungen

an (feministische) Journalistinnen

einig: sich nicht aufzwingen

lassen, worüber frau schreibt; den Mut

haben, über Frauenprobleme zu berichten;

danach fragen, warum es nur wenige

Frauen in Entscheidungspositionen

schaffen und welche feministischen Formen

von traditionellen Medien akzeptiert

werden und warum. Die Vielfältigkeit

der Veranstaltung sollte ein Ansporn

sein für die spannenden Diskussionen

der Zukunft. ❚

Teilnehmerinnen im Gespräch

(von links nach rechts):

Djurdja Knezecvic,

Suzanna Tratnik und Nevenka

Sudar,

Sabine Kienzer (Koordination),

Patricia Margit,

Andrea Scheutz und Daniele Yeoh,

Katerina Krausova

Links:

talksmilena

Milena: http://www.milena.at

Aspekt: http://www.aspekt.sk

Frauennetzwerk-Medien:

http://www.frauennetzwerk.at

Tschechische Presse Agentur:

http://www.ctk.cz

dieStandard: http://diestandard.at

Crow: http://www.crowmagazine.com

juli august 2004an.schläge 33


Fo t o : C l a u d i a Rat h p r i v at

interviewclaudia rath

34 an.schlägejuli august 2004

End of Midland?

Claudia Rath legte mit der „Reise nach Yandrala“ den (vorerst?) letzten Teil der Fantasy-Serie

rund um Midland vor. Mit Michaela Hafner sprach sie über den Anfang von Midland,

eine Welt ohne Männer und das schwierige Thema Gewalt in lesbischen Beziehungen

Anfang Juni war die deutsche

Erfolgsschriftstellerin Claudia

Rath in der Wiener Buchhandlung

Frauenzimmer zu Gast

und las aus ihrer aktuellen Neuerscheinung

im Milena Verlag. Michaela

Hafner, einst selbst Praktikantin bei Milena

und quasi „Mitentdeckerin“ der Autorin,

lies sich die Chance auf ein Interview

nicht entgehen.

an.schläge: Wie schwierig war es, die

Figuren, das Land loszulassen?

Claudia Rath: Midland ist nicht nur

für mich, sondern hoffentlich für viele

Fans ein Land, in dem sie auch in Zu-

kunft gern in Gedanken umherstreifen.

Vielleicht werden alle, die es möchten,

dort wiedergeboren, wer weiß? Nein,

ich kann nicht mehr loslassen. Ich sehe

Midland schon viel zu lange. Es ist zu einem

Teil von mir geworden. Wie ein

weit entferntes Zuhause, nach dem ich

Sehnsucht habe, selbst wenn ich auf

Worraks z.B. gut verzichten könnte.

Wann war das Midland-Universum

erstmals da?

Ich habe bereits als Kind erste Bilder

von Midland vor mir gesehen. Richtig

deutlich wurden sie allerdings erst

später. Als ganz junge Frau zeichnete

ich bereits die Landkarte einer phanta-

stischen Welt, in der z.B. ein Wald von

Rendell vorkam oder die Feste Kareb

Solto existierte. Ich wusste, wie es dort

aussah. Aber alles war ganz schemenhaft.

Es hat viele Jahre gedauert, bis die

Midland-Welt zu dem geworden ist,

was sie heute ausmacht. Sie ist gewachsen,

wie die Wesch, der Weltenbaum,

weitverzweigt, immer wieder aus

neuen Trieben Leben entfaltend.

Hast du früher viel Fantasy-Literatur

gelesen?

Nein, kaum, abgesehen von einigen

wenigen Standard-Werken. Ich bin ein

absoluter Klassik-Fan und die „Frau fürs

Angestaubte“ in Bücherregalen. Als Kind


wurde ich jedoch mit Märchen aus aller

Welt „gefüttert“ und es hat mich damals

schon geärgert, dass die Frauenrollen

meist doch eher eingeschränkt sind.

Woher kommt das Interesse für das

Genre Fantasy?

Midland zu be-schreiben, anzusehen,

wie es wuchs, entstand aus der

Notwendigkeit, mir eine Zuflucht zu suchen,

aus dem Wunsch, eine Welt zu

entdecken, in der ich mich mehr zuhause

fühlen konnte als in der realen. Darüber

hinaus bietet Fantasy die Chance, in

Welten unbegrenzter Möglichkeiten

vorzustoßen. Das ist wunderbar, sehr

befreiend.

Welche Figur war zuerst da? Wie

behältst du den Überblick über die vielen

Protagonistinnen?

Die Gundlberger Dorfgemeinschaft

war zuerst vorhanden. Im Grunde sind

sie für mich so deutlich wie Freundinnen.

Ich könnte also jetzt rasch mal

eben nachsehen, was gerade in Gundlberg

so vor sich geht: Swirk ist damit

beschäftigt, einen Nagel aus der Sohle

ihres Schuhs zu ziehen. Ekim regt sich

über den Pferdemist vor dem „Goldenen

Glas“ auf, und da hinten die Frau,

die den Karren mit frisch gemähtem

Gras zieht … mmhm … die kenne ich

noch gar nicht. Mal sehen…

So in etwa läuft es. Es kamen immer

mehr Frauen dazu. Ich kenne sie alle.

Ich kenne ihre Mädchenzeit, ich weiß,

wie ihre Mütter aussehen, ich weiß, was

sie essen, wovon sie träumen – aber

nur, wenn sie bereit sind, es mir zu erzählen.

Ich möchte nicht indiskret sein.

Swirk und Ekim und noch einige andere

hatten anfangs Vorbilder in meinem

Freundinnenkreis. Aber die fiktiven Personen

haben sehr schnell damit angefangen,

ein Eigenleben zu entwickeln.

Wie stehst du zu Magie und Esoterik?

Frau gewinnt den Eindruck, dass

du dich ein bisschen lustig darüber

machst…

Ja, ein bisschen schon. Manches

finde ich spannend, aber einiges kann

ich einfach nicht ernst nehmen. Bei Sektiererei,

Dogmatismus, Intoleranz hört

der Spaß auf:Wenn z.B. das allein glücklich

machende Seminar bei Guru XY irgendeiner

armen Seele angedreht wird,

die anschließend reif für die Psychotherapie

ist, oder wenn es darum geht, einfach

nur Geld zu verdienen, ohne auch

nur die Spur an tatsächlichem Wissen

um die ganzheitlichen Zusammenhänge

zu haben. Mit Magie, mit wirklicher

Magie hat das ganze absolut nichts zu

tun. Magie wirkt nämlich tatsächlich!

Und es ist kein Agnihotra- oder sonstwie

geartetes Equipment notwendig,

um sich in anderen Dimensionen Gehör

zu verschaffen. (lacht)

In Midland geht es viel um innere

und äußere Reisen – wohin reist du am

liebsten?

Innerlich nach Midland. Äußerlich...

Ich liebe Landschaften, in denen ich

das Gefühl habe, allein sein zu können.

Wirklich weitab sein von menschlichen

Stimmen, menschlichen Randgeräuschen,

das ist ein schönes Gefühl. Ich

liebe das Meer, einsame Strände. Ich liebe

tiefe Wälder, alles, was weitestgehend

unberührt ist von menschlichen

Spuren.

Kannst du dir persönlich eine Welt

ohne Männer vorstellen?

Deswegen existiert Midland. (grinst)

Was hat dich bewogen, einen Roman

(„Geheime Geschichte“) zu schreiben

– wirst du in Zukunft mehr in diese

Richtung gehen? Gibt es auch Angst,

dass du einen Stempel aufgedrückt bekommst

à la „das ist die Midland-Autorin“?

Nein, nein, die Angst vor Stempeln

ist es nicht. Ich kann gar nicht anders,

ich schreibe immer genau das, was gerade

„dran“ ist, nämlich genau das, was

ich meine, jetzt und hier schreiben zu

müssen.

Wie bist du an das Thema Gewalt in

lesbischen Beziehungen, um das es in der

„Geheimen Geschichte“ geht, herangegangen

– mit Literatur, hast du Gespräche

mit Betroffenen geführt?

Ich hatte Kontakt mit Frauen, die in

Gewaltbeziehungen gelebt haben.

Warum wurde das Thema bisher so

selten aufgegriffen, ja geradezu tabuisiert?

Ich habe noch die Zeiten erlebt, in denen

es weniger selbstverständlich war,

offen lesbisch zu leben. Aber selbst heute

noch werden Schwule und Lesben von

Gewalt bedroht, mit gesellschaftlicher

Missachtung gestraft. Sie genießen immer

noch nicht die gleichen Rechte wie

Heterosexuelle. Angehörige einer Gruppierung,

die von außen im weitesten Sinne

„bedroht“ werden, entwickeln oft eine

Art Schutzmechanismus nach innen.

„Nestbeschmutzung“ wird nicht gedul-

det. Das Leben ist ohnehin schon schwierig

genug. Tagtäglich erfährst du, je nachdem

wo und wie du lesbisch lebst, Ablehnung,

möglicherweise selbst Gewalt, psychischer

oder physischer Art. Da stellst du

dich nicht einfach hin und rufst der breiten

Masse zu:„Einige von uns wenden

Gewalt in Beziehungen an.“ Wie verhält

es sich, wenn eine überzeugte Feministin

dazu neigt, möglicherweise selbst erlebte

Gewaltmuster aus der Kindheit in die

Kommunikation mit ihrer Partnerin einzubringen?

Wohin soll ihre Freundin gehen,

wohin soll sie selbst sich wenden?

An die Frauengruppe, in der sie beide aktiv

sind? Lange bekannt als wahnsinnig

autonom, unabhängig ...Vor wem sich

öffnen? Da stürzen Welten zusammen.

Angst, Scham spielen eine Rolle, vielleicht

sogar noch mehr als in heterosexuellen

Zusammenhängen, denn die Community

ist klein. Unzählig sind zu dieser Frage

mögliche Antwort-Ansatzpunkte. Fest

steht, dass umgedacht werden muss.

Opferarbeit kann z.B. nie ohne Täterinnenarbeit

funktionieren. Die Beziehungsarbeit

innerhalb einer Gewaltkonstellation

muss systemisch erfolgen.Wir sollten

ein wenig achtsamer sein, dürfen die Problematik

in Zukunft nicht mehr völlig

ausklammern. In Betracht ziehen sollten

wir besonders den psychischen Aspekt

von unterdrückenden Gewaltbeziehungen.

Was bedeutet es, in einem Frauenverlag

zu publizieren? Ist das eine politische

Entscheidung, hast du das erste

Midland-Manuskript nur an Frauenverlage

geschickt?

Es ist prinzipiell sehr, sehr schwierig,

als absolute Newcomerin ein Manuskript

in einem Verlag unterzubringen.

Ich habe es nicht ausschließlich in

Frauenverlagen versucht, sondern im

Vorfeld auch bei anderen. Einige haben

mir abgesagt, weil es ihrer Ansicht nach

zweimal ein Special in sich trägt: einmal

das Genre Fantasy, zum anderen Frauenliteratur.

Über die Autorin Mirjam

Müntefering, mit der ich befreundet

bin, erfuhr ich vom Milena Verlag. Und

die Frauen dort haben sich damals

glücklicherweise recht schnell für eine

Veröffentlichung entschieden.

Woran arbeitest du im Moment?

Ich arbeite momentan an einem

neuen, sehr interessanten Buchprojekt.

Aber ich will und kann darüber zur Zeit

noch nichts verraten. ❚

claudia rathinterview

Der sechste und letzte Band der

Midland-Saga ist, wie alle anderen

auch, im Milena Verlag erschienen:

Claudia Rath: Reise nach

Yandrala.

Wien, Milena Verlag, 2004, 520 S.,

EUR 19,90 (Ö), ISBN 3-85286-122-5

Links:

Milena Verlag:

http://www.milena-verlag.at

Midland im Internet:

http://www.midland-saga.de/

juli august 2004an.schläge 35


Fo t o : E . K n a a c k

sisimuseum

Hofburg – Kaiserappartements –

Sisi Museum – Silberkammer.

Öffnungszeiten im Juli und August:

täglich von 9.00 bis 17.30 Uhr

(Kassaschluss 17.00 Uhr, Sonderführungen

auf Anfrage auch außerhalb

der Öffnungszeiten möglich)

T. 01/533 75 70

http://www.hofburg-wien.at

36 an.schlägejuli august 2004

Unforgetable Sisi

Das seit 24. April 2004 geöffnete Sisi-Museum wartet mit einer teilweise abenteuerlichen

Schau über das Leben der Kaiserin auf. Daniela Fohn begab sich auf eine Zeitreise

Hätte Elisabeth I., Kaiserin von

Österreich, Königin von Ungarn,

einst geahnt, dass ihr

Jahrzehnte nach ihrem gewaltsamen

Ende ein Gedenkmuseum

ausgerechnet in der Wiener

Hofburg, an dem Ort, den sie zu Lebzeiten

am meisten gehasst hatte, errichtet

werden würde? Dass Tausende

„Gaffer“, die Elisabeth so entschieden

ablehnt hatte, für Geld ihre persönlichsten

Dinge beäugen würden? Begeben

wir uns dennoch auf die Spuren der

„historischen“ Elisabeth, wie der informative

Audioguide, der preislich in der

Eintrittskarte inkludiert ist, aufhorchen

lässt.

Überraschung. So klischeebeladen das

Sisi-Museum – trotz aufwendiger Belüftungssysteme

übrigens nichts für kreislaufschwache

Menschen – in seiner

Grundstruktur auch sein mag, bietet

der erste Raum zumindest einen theatralischen

Überraschungseffekt: Gleich

nach Betreten durch den schweren Vorhang

sehen wir uns nicht Elisabeths

Taufkleid, sondern ihrer Totenmaske gegenüber.

Danach reihen sich Zeitungsartikel

zum Tode der Monarchin an Gedenkmünzen

und -häferln. Es werden

Entwürfe zu einem Gedenkstättenwettbewerb

der Kronländer, ein Fortsetzungsroman

anno 1933 und Filmausschnitte

aus Romy Schneiders sich le-

benslang rächender Schicksalstrilogie

„Sissi“ I-III gezeigt – die üblichen Verdächtigen

eben.

Allerdings hatte die „historische

Sisi“ mit diesen nachträglich romantisierenden

Verklärungen ihrer Person

nur wenig zu tun. Zu Lebzeiten war Elisabeth

ihrer ewigen Fluchten, Reisen,

Krankheiten, Befindlichkeitsstörungen

sowie der Vernachlässigung der treusorgenden

Gattinnen- und Regentinnenpflichten

wegen im Volk und bei

Hofe eher wenig geschätzt.

Disney. Ausgehend von der Hochzeit der

16-jährigen Wittelsbacherin mit ihrem

Cousin Kaiser Franz Joseph I. von Öster-


eich am 24. April 1854, beginnen wir

im dritten Raum endgültig mit der „historisch“

chronologischen Spurensuche

und erfahren, dass die süße kleine,

ein bisserl melancholische Elisabeth

für den jungen, von den Nachwirkungen

der 1848er Revolutionen schwer

geprüften Kaiser wahrlich eine erfrischende

Abwechslung bedeutete. Die

bereits arrangierten Heiratspläne mit

Sisis älterer Schwester Nene wurden

dadurch zunichte gemacht. Ein sanfter

Duft von Disneyzuckerstangenatmosphäre

beginnt die Nase zu umschmeicheln,

während Polterabendkleid, Diamantstern-

und Juwelrepliken vor verschiedenen

Sisi- und Franz Joseph Porträts

des Hofmalers Franz Xaver Winterhalter

an uns vorüberziehen.

Ungarn. Der Ausgleich mit Ungarn 1867

wird in der Ausstellung zum Emanzipationsbeweis

der jungen, nun zu voller

Schönheit erblühten Monarchin. Immerhin

überragte sie den Kaiser nach

Ende der Pubertät größenmäßig doch

um ein beträchtliches Stück und schreckte

angeblich nicht davor zurück, ihre

körperlichen Vorzüge bei der Durchsetzung

ihrer Forderungen – auch in der

Ungarnfrage – geschickt einzusetzen.

Wie weit Elisabeth, deren Liebe für Ungarn

wohl auch aus einer Oppositionshaltung

zum Wiener Hof heraus entbrannte,

auf den Einzug des Doppeladlers

im Habsburgischen Horst tatsächlich

Einfluss nehmen konnte, sei dahingestellt.

In dieser Angelegenheit wird

auch gerne vergessen, dass das dualistische

Österreich-Ungarn vielen Volksgruppen

der Donaumonarchie (vor allem

SlawInnen) nicht gerade zum Vorteil

gereichte.

Figur. Im Raum um den Schönheitskult

der Kaiserin wird es abenteuerlich. Die

Monarchin, ihrer kühnen Reitkünste

wegen europaweit berühmt, hatte

nach der Geburt ihrer Kinder begonnen,

mehr als zuträglich auf ihre Figur

zu achten. Dazu stieg sie täglich auf

die Waage und ließ ihren ganzen Körper

vermessen. Absurde Diäten, exzessiver

Sport und Kreislaufschwächen

zählten zum Grundprogramm. Der Audiotext

nimmt sich dieses Problems

von einer erfrischend unbeschwerten

Seite her an: „Sie war 172 cm groß und

wog zwischen 45 und 47 Kilo. Bewun-

dernswert auch ihre unglaubliche Taille

von 51 cm.(...) Zusätzlich probiert

Elisabeth die verschiedensten Diäten,

um schlank zu bleiben. (...) Übertrieben

sind allerdings die Gerüchte, Elisabeth

hätte sich von rohem Fleischsaft

ernährt. Die rohen Kalbsschlögel wurden

mit Entenpressen ausgepresst

und dieser Fleischsaft gewürzt und

abgekocht, bevor ihn Elisabeth trank.

Ebenfalls ins Reich der Legenden muss

verwiesen werden, dass Elisabeth ständig

hungerte, um schlank zu bleiben.

Rechnungen aus den verschiedensten

Konditoreien zeigen, dass Elisabeth

vor allem gerne Konfekt und Gefrorenes

naschte.“

Fast vorsätzlich scheinen die OrganisatorInnen

der Ausstellung Sisis offensichtliche

Anzeichen einer Essstörung

herunterzuspielen. Eine, in Zeiten

ständig steigender Zahlen bulimiekranker

und magersüchtiger Jugendlicher,

erstaunliche Haltung.

Tragisch? Die übrigen Räume des Museums

beherbergen noch einen naturgetreuen

Nachbau von Sisis Reisezugwagoneinrichtung,

zahlreiche Gedichte

aus der Hobbyfeder der menschenscheuen

Heinrich Heine-Jüngerin und

die Feile, mit welcher der italienische

Anarchist Luigi Lucheni am 10.9.1898

in Genf das tödliche Attentat auf die

Kaiserin verübte. Freilich verlief Elisabeths

Leben nicht untragisch. Unglücklich

in ihrem „goldenen Käfig“ bei

Hofe, floh sie ihr Leben lang vor ihren

Pflichten und Aufgaben um die halbe

Welt in immer neue Länder und Neurosen.

Sie setzte in vielen Dingen ihren

Willen durch, wie kaum eine Monarchin

zuvor. Allerdings ging es fast ausschließlich

um rein persönliche Dinge.

Dass man sie deshalb als „emanzipiert“

bezeichnen kann, scheint übertrieben.

Sie war eine oft depressive,

kapriziöse Frau, die, so – paradox das

klingen mag – Glück hatte, eine Kaiserin

zu sein. Viele Frauen in ihrer und

auch in heutiger Zeit befanden und

befinden sich in ganz anderen häuslichen

Gefängnissen, ohne die materiellen

und gesellschaftlichen Möglichkeiten

für eine Flucht.

Doch die Vorstellung von der schönen,

unglücklichen Monarchin bedient

eben noch immer die romantischen Gefühlswelten

der Menschen. ❚

lesben.nest

Ursula Raberger

Baba und G’day

museumsisi

Der Sommer ist endlich da. Das wurde langsam auch Zeit,

weil immer in Wolldecken eingewickelt zu Hause rumlungern

ist nun wirklich nicht Kims Lieblingsbeschäftigung. Höchst

passend hinzu kam noch der Umstand, dass sie ihren Geburtstag

zu feiern hatte (der wievielte sei dahingestellt).

„Ich werd’ langsam alt, Sister. Der Zahn der Zeit nagt an mir“,

wimmerte das Geburtstagskind Cori ins Telefon. „Geh, jetzt

werd’ amol net sentimental, bist jo koa alte Schachtl!“ erwiderte

Cori hörbar genervt, aber mit einer Idee im Hinterkopf.

Geplant war nämlich ein Überraschungsfest zu Ehren des Geburtstagskindes.

Und hätte Kim gewusst, was Cori, Zoe und

wie sie alle heißen, vorhatten, sie hätte die Flucht ergriffen.

Frau hatte schlechte Erfahrungen mit Überraschungen. Schon

alleine beim Gedanken an ihren jugendlichen 16. Geburtstag,

an dem sie von Freunden einen Stripper mit Stringtanga geschenkt

bekam, ließ sie erzittern. Schlimmer kann es wohl

nicht werden, dachte sich Kim, und fand den Gedanken an

ein eventuell geplantes Fest gar nicht so schlecht, denn sie

musste ihren Freunden eine wichtige Entscheidung mitteilen.

Am Abend trafen sich alle Gratulanten in einem gemütlichen

Lokal im 6. Bezirk. Die große Torte samt „einigen“ Kerzen

fehlte auch nicht. Cori gab ihr Bestes und quälte die E-Gitarre,

Shi sang ein Chinesisches Ständchen und Sandra klopfte auf

die Triangel. Alles war perfekt, nur Kim starrte bleich in die

Runde. „Wos is los? Okchä, I hab a bisserl falsch g’spielt,

aber...“ quasselte Cori. „Leute, ich mach einen Abflug...“ Alle

schauten Kim erstaunt an. „Also ich mein’ wirklich weg. Nicht

nur für eine Woche.“ Ratlose Blicke. „Ich hab mir gedacht, es

passt ja auch...ich hab ein Zelt von euch gekriegt. Danke ...

ich ... mein Flug geht übermorgen nach Sydney.“ Betrübtheit

in der Runde. Doch Kim meinte, frau solle doch den Abschied

feiern und nicht dem Vergangenen hinterher weinen. „Ich

schreib euch auch ausführliche Berichte über die Frauen in

Down Under, versprochen!“

Zwei Wochen später kam die erste Mail in Coris Postfach:

„Desch gibt’s ja nit! Die Kim hat...“ Aber das ist eine andere

Geschichte.

juli august 2004an.schläge 37


an.klang

Stadt Herne: „Tage Alter Musik“

Schäfer, Krebs: „AquaAngelusVox“

A. S. von Otter: „Watercolours“

H. Sanders-Brahms : „Tausendundeine

Nacht“

K. Fossum: „Schwarze Sekunden“

38 an.schlägejuli august 2004

Nonnen und andere Geheimtipps

Weibliche Schaffens- und Interpretationskunst erfahren nicht immer die gebührende

Aufmerksamkeit. Eine kleine Hörhilfe von Regina Himmelbauer

Schön, dass anscheinend die

Zeiten endgültig vorbei sind, in

denen Festivals mit Musik von

Frauen wahllos Werke von Komponistinnen

aneinander reihten,

und die interpretatorische Qualität hinter

einem frauenbezogenen Engagement

zurückblieb. Denn der vier CDs

umfassende Mitschnitt der „Tage Alter

Musik“ in Herne, die sich vor zwei Jahren

mit „Frauen in der Musik“ beschäftigten,

zeigt zum einen eine interessante

Zusammenstellung von Werken von

Komponistinnen, beleuchtet aber auch

exemplarisch die Rolle von musikbegeisterten

Mäzeninnen. Zum anderen sind

Ensembles zu hören, von denen bereits

einige Einspielungen vorliegen und die

damit nachvollziehbar ihren künstlerischen

Rang belegt haben, wie z.B. das

Ensemble Discantus unter der Leitung

von Brigitte Lesne, oder die Capella Artemisia

unter Candace Smith. Der Bogen

spannt sich von der schillernden Eleonore

von Aquitanien (12. Jahrhundert) bis

hin zu einem Ausschnitt aus der Amazonen-Oper

„Talestri, Regina delle Amazzoni“

von Maria Antonia Walpurgis (1724-

1780), von frühen mittelalterlichen Mariengesängen

bis zu den Vespermusiken

komponierender Nonnen. Eine abwechslungsreiche,

klare Schwerpunkte setzende

Zusammenstellung von Musik aus

sieben Jahrhunderten. (Zu beziehen direkt

bei der Stadt Herne – Fachbereich

Kultur; 0049-2323-162839, e-Mail: heidrun.jungs@herne.de)

Sabine Schäfer und Joachim Krebs

vertieften sich in das Weltbild der Hil-

degard von Bingen. Daraus entstand

„AquaAngelusVox“ (MDG 924 1254-5),

ein – wie es das KünstlerInnenpaar

selbst bezeichnet – „KlangErlebnis-

Raum“, eine Art akustisches Mandala,

dessen Konzeption im Booklet auch

aufgezeichnet und kurz beschrieben

ist. Um das Responsorium „De Angelis“

herum, von dem immer wieder

Ausschnitte durchzuhören sind, werden

Tageszeiten symbolisiert, Wasserklänge

(z.B. als Brunnen, Quelle, Regen

oder Meer) und Vogelstimmen eingefügt.

Wer eine Dolby Digital 5.1. Anlage

ihr Eigen nennt oder gar über eine

2+2+2+ Mehrkanal-Wiedergabemöglichkeit

verfügt, kann sich von den

wandernden Klängen förmlich umspülen

lassen. Möglich wird dies

durch eine (reine Audio-)DVD, die es

erlaubt, wesentlich mehr Daten zu

speichern. Doch auch wer technisch

nicht sehr hochgerüstet ist, kann sich

ganz der musikalischen Meditation

überlassen, denn eine beiliegende CD

enthält die reduzierte Stereo-Version,

deren Raumklang natürlich weniger

eindrücklich ist.

Die US-Amerikanerin Amy Beach

(1867-1944) war, ganz dem damaligen

Zeitgeist entsprechend, mit Vorurteilen

gegenüber komponierenden „Frauenzimmern“

konfrontiert, aber sie hatte

das Glück, früh in ihrer musikalischen

Begabung durch ihre Familie gefördert

zu werden. Kammermusikalische Werke

verschiedener Schaffensperioden sind

jetzt auf einer CD (Chandos CHAN

10162) zusammengestellt. Es ist zu hof-

fen, dass diese Komponistin auch bei

uns bald selbstverständlich zu den

„Großen“ gehört.

Liebhaberinnen klassischer Gesangskunst

seien auf die neue CD der

schwedischen Sängerin Anne Sofie von

Otter verwiesen. „Watercolours. Swedish

Songs“ (DG 474 700-2) enthält Lieder

schwedischer Komponisten (leider

aber nicht von Komponistinnen) v.a. der

1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zumeist

recht melancholisch, wie man sich halt

den Norden so vorstellt, farbenreich vorgetragen.

Zum Abschluss noch Literatur zum

Hören: Nun ist die vierte CD-Kassette

der lustvoll-opulenten Hörspielfassung

von „Tausendundeine Nacht“ („11. bis

14. Nacht“ / Hörverlag 3-89584-271-0)

von Helma Sanders-Brahms erschienen.

Und wie auch das nun erstmals nach

der ältesten arabischen Handschrift

von Claudia Ott ins Deutsche übertragene

Buch „Tausendundeine Nacht“

(Verlag C.H.Beck) zeigt, bleibt es anscheinend

den Frauen überlassen, dem

vielfältigen Humor, erotischen Vergnügungen

und fantastischen Zaubereien

nachzuspüren und diese liebenswerten

Geschichten von der bloßen harmlosen

Kinderlektüre wiederum der Erwachsenenwelt

zurückzugeben.

Als Lesung zugänglich ist außerdem

der beklemmende Roman „Schwarze

Sekunden“ (Hörverlag 3-89940-319-3)

von Karin Fossum. Ein fesselnder Krimi

über die Suche nach einem verschwundenen

Mädchen, aus wechselnden Perspektiven

erzählt. ❚


Furien in Ferien

Karin Ricks Lesbos-Roman ist die ideale Urlaubslektüre –

an jedem Strand, aber besonders in Skala Eressos.

Eine Empfehlung von Helga Pankratz

Der Plot ist gut. Das Buch ist

spannend. Und das konkrete Ergebnis

der kriminalistischen Aufklärung

der blutigen Anschläge

in Mitilini und Skala Eressos, die

griechische Behörden und Lesbos-UrlauberInnen

einige Sommerwochen lang

beschäftigen, soll hier tunlichst nicht

verraten werden. So viel vorab.

Ein Sprengstoffanschlag beunruhigt

die Tourismusbranche und ihre Kundschaft

in Skala Eressos. Genau an der

Grenze zwischen Nacktbade- und Textilstrand

(mit anderen Worten: Lesbian-

Beach und Kleinfamilien-Tummelplatz)

hat ein nicht besonders großer, jedoch

keineswegs harmloser Sprengkörper einen

nicht zu übersehenden Krater gerissen.

Aus Athen reist ein Ermittler der

Bundesbehörden an, um den Anschlag

mit ähnlichen Vorkommnissen in früheren

Jahren zu vergleichen und die Täter

zu überführen. Seine Recherchen in Sachen

Bombenanschlag werden allerdings

von anderen – blutigen – Attacken

in den Hintergrund gedrängt. Denn seit

seiner Ankunft am Airport von Mitilini

werden fast täglich, anscheinend ausnahmslos,

einheimische Männer brutal

niedergestreckt. Der Ermittler vermutet

Grundstücksspekulationen und wirtschaftlich

motivierte Fehden zwischen

den Ansässigen hinter den Attacken, Motive,

die von der Aktenlage immer mehr

erhärtet werden. Natürlich rätseln auch

einige der lesbischen Touristinnen über

die Ursachen der beunruhigenden Überfälle,

deren Zeuginnen sie gelegentlich

werden. Vor allem ein dektektivisch inter-

essiertes – und binnen kurzem miteinander

kreuz und quer auch amourös verbandeltes

– Fünferteam aus drei Wienerinnen

und zwei Britinnen sammelt eifrig

Fakten und stellt sich Fragen wie: Gibt

es in Griechenland so etwas wie Vendetta?

Und: Könnte der Attentäter vielleicht

doch eine Frau sein?

Jüngste Sprengstoffanschläge in

Athen, die Bauskandale und Verunsicherungen

im Vorfeld der Olympischen

Spiele 2004, ein EU-Europa, dessen viel

beschworene Sicherheit und Stabilität

auf eben so tönernen Beinen stehen

wie seine von Wirtschaftsinteressen

ganz in den Hintergrund gedrängten

Werte Friede, Freiheit, Menschenrechte

und Demokratie: Mit Sicherheit hatte

die Autorin solche Dimensionen nicht

vor Augen, als sie das ausgeklügelte

und vielschichtige kleine Universum ihrer

aus sonnigen Urlaubserinnerungen

mit viel authentischem Lokalkolorit angereicherten

Krimihandlung erfand. Sie

wollte einfach ein gutes, intelligentes

und mit Genuss zu lesendes Buch

schreiben. Das hat sie auch getan. Und

dennoch – der ganz reale zeitgeschichtliche

Kontext, mit dem sich die – erfundene

– literarische Handlung überschneidet,

ist erschreckend stimmig: etwa

wenn es dem Schengen-Abkommen

spottende Sicherheitskontrollen auf

dem Flughafen gibt und die Polizei in

der Eskalation der Ereignisse auf dem

Lesbenstrand eine Absperrung mit Nato-Draht

errichtet, an dem sich prompt

die Kinder deutscher UrlauberInnen

vom „Familienstrand“ verletzen!

Karin Rick hat ihre bekannte Gabe,

unangenehme Wahrheiten in einem

leicht umgangssprachlich eingefärbten

Plauderton mit sehr viel Witz und

Ironie zu Papier zu bringen, wieder

einmal voll entfaltet. So kommt es,

dass ausgesprochen kritische Analysen

vergnüglich zu lesen sind: Etwa

die ökonomische Verortung von Skala

Eressos als eine mit öffentlichen Verkehrsmitteln

schlecht erreichbare „Urlaubs-Pampa“,

die zum Lesbenreservat

wird, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis

keiner anderen touristischen Zielgruppe

genügt: weder Familien, noch

SeniorInnen, und schon gar nicht den

Ansprüchen der männlichen Gays.

Oder in der Schilderung des Dorftyrannen

Theofilos Valiakos, seines Zeichens

Bürgermeister und zugleich Hotelbesitzer,

ein leicht zwanzgsneurotischer,

kleingeistiger, intriganter – und

sowieso patriachaler – Armleuchter,

der täglich den unmöglichen Spagat

vollführt, die lesbischen Touristinnen

kurzfristig finanziell zu melken und einen

an kleinen und großen Schikanen

reichen Kleinkrieg gegen sie zu führen,

um mittelfristig die Insel von ihnen

zu „säubern“.

Ich möchte wetten, dass „Furien in

Ferien“ mehr als einen Sommer lang

auf der Bestsellerliste deutschsprachiger

Lesbenliteratur zu finden sein wird.

Mehr noch: Genau dieses Buch scheint

prädestiniert dafür, bald auch in englischer

und griechischer Übersetzung am

Strand von Skala Eressos gelesen zu

werden. ❚

lese.zeichen

Karin Rick: Furien in Ferien. Ein

Lesbos-Abenteuer. Kriminalroman

Querverlag 2004, e 15,40 (Ö)

juli august 2004an.schläge 39


lese.zeichen

40 an.schlägejuli august 2004

Reine Theorie?

Ist die feministische Theorie in eine

Sackgasse geraten? Jutta Sommerbauer

beantwortet diese Frage mit einem eindeutigen

Ja. Die Täterin – die (feministische)

Postmoderne – ist für sie eindeutig

identifiziert. Nun schickt sie sich an,

den Tathergang zu rekonstruieren.

Schicht für Schicht trägt Sommerbauer

postmoderne Theoreme ab, seziert sie

minutiös, um sie anschließend in den

Mistkübel zu pfeffern. Mit ihrer Betonung

der Pluralität, der Uneindeutigkeit

von Identitäten und der Konzentration

auf das Partikuläre, Paradoxe, Minoritäre

trügen Differenzen-Theoretikerinnen

Schuld daran, dass politisch-emanzipatorische

Ansprüche in den Hintergrund

gedrängt worden seien. Die eigene (Kollaborateurinnen-)Position

innerhalb eines

postfordistischen Systems würde

nicht hinterfragt, wirft Sommerbauer

den Theoretikerinnen u.a. vor. Ihre Theorie

sei zwar nicht grau, sondern verführerisch

bunt – genau damit werde sie

aber der rabenschwarzen Realität, die

sie erklären will, nicht gerecht, sondern

positiviere, individualisiere und affirmiere

diese sogar. Für Sommerbauer ist

klar: mit einem reformistischen Ansatz,

der sich von (feministischen) Utopien

verabschiedet hat, ist keine Emanzipation

von Herrschaft zu erreichen. Die

Autorin bringt anregende Kritikpunkte

vor, zeigt maskierte Fallen und gefährliche

Selbstgefälligkeiten auf. Bisweilen

schießt sie in ihrer Kritik aber auch über

das Ziel hinaus. Dieses Buch zu lesen ist

eine Herausforderung, eine Notwendigkeit,

ein Muss für feministische Theoretikerinnen.

Für Diskussionsstoff ist gesorgt.

Karin Eckert

Jutta Sommerbauer: Differenzen zwischen Frauen

Zur Positionsbestimmung und Kritik des postmodernen Feminismus.

Unrast 2003, e 13,40 (Ö)

InDifferenzen

Bettina Stötzer analysiert Herausforderungen,

die sich in Verbindung von

antirassistischer Kritik und dekonstruktivistischer

Theorie für eine

feministische Theoriebildung ergeben.

Sie stellt zunächst Theorien antirassistischer

Kritik an der weißen feministischen

Theoriedebatte vor, wobei

sie die Kritik an den Kategorien

Geschlecht und Kultur in den Mittelpunkt

stellt. Sie ortet in der Theoriebildung

auf Basis grundlegender Kategorien

ein „Dilemma der Differenz“:

Differenzen, die eigentlich kritisiert

werden sollen, werden reproduziert

und damit Machtverhältnisse verfestigt.

Stölzer hinterfragt, inwieweit dekonstruktivistische

Ansätze des feministischen

Poststrukturalismus für eine

feministische Rassismusdiskussion

nutzbar gemacht werden können und

präsentiert „Überschneidungs- und

Zwischenraumansätze“, die sich gegen

die Trennung der Kategorien Geschlecht,

„Rasse“ und Kultur aussprechen,

ohne diese gleichzeitig in Modelle

der Hierarchisierung oder

Gleichsetzung einzuordnen. Stötzer

unterstreicht die Notwendigkeit, eine

Diskussion des Themas Rassismus

zum Mittelpunkt feministischer Theoriedebatten

zu machen und in Ablehnung

der Kategorie Differenz „als

schicke Theorievokabel“ diese als

feministische Kategorie zur Benennung

„spezifischer Herrschafts- und

Machtverhältnisse“ zu diskutieren.

„InDifferenzen“ bietet einen fundierten

Überblick über Theorien sowohl

einer anti-rassistischen feministischen

Kritik im Kontext einer bundesdeutschen

„rassistischen Tradition“,

als auch der feministischen Dekonstruktivismus-Debatte.

Stötzer fordert

darüber hinaus, den „blinden Fleck“

Rassismus in feministischen Theoriekonzepten

aufzudecken und die Herstellungsprozesse

von Kategorien vor

einem spezifischen historischen Hintergrund

zu benennen.

Paula Bolyos

Bettina Stötzer: InDifferenzen

Feministische Theorie in der antirassistischen Kritik.

Argument Sonderband 2002, e 18,5 (Ö)

Über Menschen und Mörder

Slavenka Drakulic´ hat sich in ihrem soeben

auch auf deutsch erschienenen

Buch „Keiner war dabei“ der Banalität

des Bösen (vgl. Hannah Arendt) gewidmet.

Es ist ein sehr persönlicher Bericht

über die Verhandlungen vor dem

Internationalen Kriegsverbrechertribunal

in Den Haag, wie auch derer, die in

Kroatien stattfanden. Drakulic´ nimmt

die Spuren jener Ereignisse und Männer

des Krieges auf, die wegen ihrer

Beteiligung an Kriegsverbrechen vor

Gericht stehen. Heute leben sie in einem

holländischen Gefängnis, sprechen

serbisch, kroatisch, bosnisch miteinander

und warten auf ihre Verhandlungen.

Akribisch hat Drakulic´ sie verfolgt

und im Umfeld der Verbrechen recherchiert:

Wer sind die Täter und wie sind

sie dazu geworden? Welches Verhältnis

gibt es in den Nachfolgestaaten

Jugoslawiens zu diesen Verhandlungen?

Wann zerbricht die Illusion eines

gerechten Krieges und wird zum Zerrbild

der Massaker und Massenvergewaltigung?

Manchmal lässt sich jedoch

der Eindruck nicht verwehren,

dass die Autorin die Grenzen zwischen

Tatsächlichem und Fiktivem,

zwischen Journalistik und Schriftstellerei

in einer Art verschwimmen lässt,

die einen misstrauisch zurücklassen.


Trotzdem ist es ein wichtiges Buch, ich

empfehle aber auch, zum Vergleich

Arendts „Banalität des Bösen“ passagenweise

dazu zu lesen und sich so

auch andere Schreibweisen über

Kriegsverbrecher ins Gedächtnis zu

rufen.

Marty Huber

Slavenka, Drakulic´: Keiner war dabei

Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht.

Zsolnay 2004, e 18,4 (Ö)

Im Puff

Bei ihrer Eröffnungsrede zur diesjährigen

Grazer Diagonale nahm Marlene

Streeruwitz das selbstgerechte Puffgehertum

einer Rotariergesellschaft

auseinander. Es ist eine eben solche

honorige Männergesellschaft, der sich

auch Jessica Somner, Protagonistin in

Streeruwitz’ aktuellem Roman, machtlos

und streckenweise ohnmächtig

gegenübersieht.

Das Eis vom Vortag wegjoggend,

auf den unverbindlichen, verheirateten

Liebhaber aus der Politszene ewig

wartend, bei einem zum männlichen

Gewaltakt mutierenden Blow Job die

letzte Illusion verlierend – manifest

wird hier das Lebensunglück einer

dreißigjährigen Volontärin im Frauenmagazinsbusiness,

das zwischen Anzeigenvolumen,

Jagd-auf-Societyladys

und beinhartem Konkurrenzkampf

um die nächste Story kaum noch Luft

für Selbstachtung lässt. Augenaufschlagsjournalismus

gehört zum Alltag,Immer-jung-und-strahlend-Aussehen

zum beruflichen Kapital, aus

dem sich im medialen Sklavinnentum

noch nicht mal Profit schlagen lässt.

Und dass Jessica all diese Strukturen

und permanenten Erniedrigungen

durchschaut, hilft ihr leider nicht weiter,

sondern macht die innere Verzweiflung

(ebenso wie die der Leserin)

nur noch größer. Schön ist es

nicht, was uns Marlene Streeruwitz

hier offenbart. Doch schön war wohl

auch ihr Abend bei den Rotariern

nicht.

Renate Billeth

Marlene Streeruwitz: Jessica, 30

S .Fischer 2004, e 19,50 (Ö)

Wie die Raben

Nur ein Jahr nach „Die blauen Menschen“

(Buch des Monats in an.schläge

10/03) beschenkt uns Malika Mokeddem

mit einem neuen Roman. Die Protagonistin

ist wieder eine Algerierin,

die zwischen Familienhölle und

blühender konservativer gesellschaftlicher

Tradition ihre Freiheit erkämpft.

Mokeddem gelingt es erneut, mit der

Geschichte einer einzelnen Frau die

Geschichte eines ganzen Landes zu erzählen,

„ein Land, das sich zerstört“.

Seit der Unabhängigkeit Algeriens

„will bei uns jeder Chef sein … bei diesem

Wettlauf um die Vorrechte gewinnt

immer die Dummheit“. Dass bei

diesem Wettlauf Frauenrechte auf der

Strecke bleiben, ist einerseits nicht

überraschend, andererseits kommt

diese Tatsache in Geschichten über Algerien

meist nicht vor. Malika Mokeddem

wird nicht müde, in ihren Romanen

diese historische Arbeit zu leisten.

Und dabei bedient sie sich bewusst

der wunderbaren bildhaften Sprache

Algeriens (die auch in der deutschen

Übersetzung ihre Wirkung hat), die gerade

im französischen Exil allzuoft verloren

geht. Die rechtlose Stellung ihrer

Geschlechtsgenossinnen bringt auch

die Protagonistin Kenzia an den Rande

der Verzweiflung: „Die Frauen im

Tschador sehen jetzt aus wie die Raben.“

Alleine beim Vater und den Brüdern

aufgewachsen, hat es Kenzia bis

an die Universität in Oran geschafft.

Mit einem Drittel ihres Gehaltes als

Philosophiedozentin kann sie sich von

ihrem Vater freikaufen, der sie der starren

Tradition gemäß verheiraten will.

Der Terror im eigenen Land, der zum

Alltag geworden ist und immer mehr

auch zur ganz persönlichen Bedrohung

wird, treibt Kenzia ins französische

Exil. In Frankreich erlebt sie einerseits

eine bis dahin unbekannte Freiheit,

andererseits gehört sie gerade

hier zu den Unerwünschten – zusammen

mit den anderen „Fremden“ im

Ghetto am Rande der Stadt… Ein wunderbares

Buch, das auch fest geschlossene

Augen öffnen kann.

Gabi Horak

Malika Mokeddem: Zersplitterte Träume

Aus dem Französischen von Barbara Rösner-Brauch.

Unionsverlag 2004, e 8,90

neu.land

Jasmina Jankovic’

Sieben Stunden, für ein Leben lang

lese.zeichen

Mitten in Wien. Eine Begegnung auf der so genannten

Belg-Belg-Achse. Eine West-Ost-Diagonale. Das eine Belg

westlich. Das andere östlich. Und Wien in der Mitte. Nein,

nicht Wien-Mitte. Augarten als Begegnungspunkt. Aber

nicht wie die Tiere. Nein, wie zwei Menschen, die sich ganz

normal wahrnehmen, obwohl sie sich gar nicht kennen.

Zwei Menschen, die sich zum ersten Mal sehen. Zum ersten

Mal miteinander reden. Zum ersten Mal miteinander trinken.

Sie nahmen sich einfach einen freien Tag. Einen Tag

nur für sich und für einander. Zwei Menschen, für die das

ganz normal ist. Zwei Menschen, die nicht verklemmt sind.

Und ganz normal sagen, was sie denken. Was sie wollen.

Und an diesem ver-rückten Tag auch ver-rückt sind. Verrückt

aus der üblichen „Normalität“. Die es nicht erlaubt,

sich einfach so Zeit zu nehmen, Zeit zu machen, Zeit zu

stehlen. Für sich und für einander. Ein herrlicher Tag. Einer

dieser lazy days. Und sie genießen ihn. Voll und ganz. Sieben

Stunden lang verbringen sie miteinander. Sie reden

über Geschichte.

In beiden Belgs hatten sie, unabhängig voneinander, einen

anderen Geschichtsunterricht, als dieser in dem Land war,

in dem sie nun beide leben. Sie reden auch über Politik.

Über Rassismus. Über Antisemitismus. Über Sexismus.

Über Diktaturen und Demokratieverständnis. Und wieso es

unmöglich ist, öfters solchen Menschen zu begegnen. Und

sie verstehen sich prächtig. Auch im Schweigen. Und sie sagen

fast gleichzeitig zueinander: Komm, legen wir uns hin.

Und das machen sie. Und sie fangen an, sich gegenseitig zu

berühren. Und sie werden sehr intim. Und erleben diese

Stunden wie nie zuvor. Weil sie wissen, dass es einzigartig

ist. Einzigartig weil einzig. Ein einziges Mal. Keine Wiederholungen.

Keine gleich gesagten Sätze. Keine gleich ausgeführten

Handlungen. Keine Erwartungen. Kein Wiedersehen.

Nur so macht es Sinn. Nur so bleiben sie für einander

da. In den Köpfen. Des einen. Und des anderen. Nach sieben

Stunden. Für ein Leben lang.

juli august 2004an.schläge 41


Fo t o s : Fi l m l a d e n

ge.sehen

Aus heiterem Himmel –

Tan de repente. Argentinien 2002

(94 Minuten)

Regie: Diego Lerman / Drehbuch:

Diego Lerman und Maria Meira –

noch zu sehen im Wiener Votiv Kino

42 an.schlägejuli august 2004

Argentinische Provinz

Amouröse Verstrickungen zwischen zwei Lesben und einer Hetera, erzählt von einem Mann –

das endet zumeist so platt, wie es klingt. Warum Diego Lermans argentinisches Roadmovie

dennoch gelungen ist, erklärt Angelika Pelikan

„So plötzlich“ lautet die wörtliche

Übersetzung von „Tan de repente“.

Ebenso plötzlich beginnt

für die argentinische Dessous-

Verkäuferin Marcia (Tatiana Saphir)

ein neuer Lebensabschnitt. Als sie

von den lesbischen Anarchistinnen Mao

(Carla Crespo) und Lenin (Verónica Hassan)

an einer Straßenecke in Buenos Aires

angesprochen wird, soll sich ihr bis

dahin tristes und ereignisloses Leben

mit einem Schlag verändern. Denn die

frustrierte Marcia wird kurzerhand von

den beiden Punkerinnen entführt. Mit

einem gestohlenen Taxi machen sich

die drei Frauen auf den Weg ans Meer.

Dieser Trip ist der Beginn einer wunderbaren

Erzählung über das Leben, verschiedene

Frauen und unterschiedliche

Lebensphilosophien.

Das Schicksal verschlägt Marcia

und ihre Entführerinnen in die tiefste

argentinische Provinz, wo sie auf Lenins

Großmutter und deren UntermieterInnen

treffen. Von hier aus nehmen die

Veränderungen ihren Lauf. Die bis dahin

an ein klassisches Roadmovie erinnernde

Geschichte beginnt ruhiger zu werden.

Alle handelnden Menschen sammeln

sich in einem Haus. Hier nimmt

Diego Lermans außergewöhnliche Darstellung

der einzelnen Frauen und ihrer

Werte ihren Anfang. Gesellschaftliche

Normen in ihrer konservativsten Form

werden ebenso in Frage gestellt, wie die

Sinnhaftigkeit des Aussteigertums oder

das zwanghafte Denken in sexuellen

Kategorien.

Lesbische Frauen, die von sich

selbst meinen, sie wären nicht lesbisch;

die heterosexuelle Marcia, die Sex mit

einer Frau nie auch nur annähernd in

Erwägung gezogen hat und nun ihre

ersten lesbischen Erfahrungen genießt;

die kettenrauchende Großmutter – all

diese Menschen sind in Lermans Charakterisierung

trotz ihrer Paradoxien

schlüssig. Sie funktionieren innerhalb

der Geschichte und sind auch in der

Realität denkbar. Der argentinische

Film hat mit Diego Lerman einen Meister

der Einfachheit gefunden. Der

grobkörnig in schwarz-weiß inszenierte

Film konzentriert sich mit seinen fast

monoton erscheinenden Bildern auf

die Zeichnung der einzelnen Charaktere.

Der einzige Mann in dem Film wirkt

farblos und leer, ohne Persönlichkeit.

Seine Präsenz ist weder für die Handlung

noch für die Entwicklung einer der

Frauen notwendig. Dennoch oder gerade

deswegen treten die Frauen und ihre

unterschiedlichen Philosophien stärker

an die Oberfläche. Diese Einfachheit

macht die Handelnden in ihrer

Darstellung realistischer, vertrauensund

auch kraftvoller, als dies in jeder

anderen aufwendigeren Inszenierung

je der Fall hätte sein können. Lerman

balanciert seine Heldinnen auf einem

dünnen Seil, er entscheidet, ob sie fallen

und in ihrer Darstellung lächerlich

erscheinen oder den Seilakt mit Bravour

bestehen und dem Publikum der

ursprüngliche Kern jedes einzelnen

Charakters vermittelt werden kann. Er

bepackt jede Einzelne von ihnen noch

mit zusätzlichem Ballast, bevor er sie

ihren Weg bestreiten lässt. Der Drahtseilakt

gelingt. Gerade der Mut zur Verletzlichkeit,

das Zeigen von Verzweiflung

und Angst, das gewahr Werden

von Begehren, Verlusten und Enttäuschungen

in der gesamten nur möglichen

emotionalen Bandbreite lassen

die – eigentlich schwach durch die

Handlung tänzelnden – Frauen stark

und heroisch erscheinen.

Diego Lerman hat mit „Tan de repente“

einen Film geschaffen, der Themen

mit vergangener, aktueller und

wahrscheinlich auch zukünftiger Relevanz

anspricht, ohne diese zu kategorisieren

oder lächerlich zu machen. Er

stellt sie in den Raum und bietet die

Möglichkeit, darüber zu reflektieren, ohne

sie selbst zu bewerten. Dieser Film

erzählt von Frauen, vom individuellen

Sinn und den Fragen des Lebens, der

Liebe und der Kraft, die in jeder/m von

uns schlummert, und nur geweckt werden

muss. ❚


musik.tanz

11.7., 21.00, Wien

ImPulsTanz. Anne Teresa De

Keersmaeker & Rosas. Once

Volkstheater, 7., Neustiftg. 1. T. 5233501-228

od. -331, www.impulstanz.com

20.+22.7., 21.00, Wien

ImPulsTanz . Cie. Marie Chouinard:

Chorale. Le Sacre du Printemps.

Volkstheater, 7., Neustiftg. 1. T. 5233501-228

od. -331, www.impulstanz.com

21/23.7., 21.00, Wien

ImPulsTanz . Mathilde Monnier & CCN

Montpellier: Déroutes

Odeon, 2., Taborstr. 10, T. 5233501-228 od. -

331, www.impulstanz.com

23.7., 23.00, Salzburg

France Delon the Star of Travestie

Cafe Zweistein, 5020, Giselakai 9, Info:

www.france-delon.de od. zweistein@sbg.at

und T. 0699/10195758

24.7., 21.00, Wien

ImPulsTanz . Mathilde Monnier & CCN

Montpellier: Pièces Odeon, 2., Taborstr. 10,

T. 5233501-228 od. -331, www.impulstanz.com

27.+29.7., 21.00, Wien

ImPulsTanz . Saskia Hölbling / Cie.

Dans Kias: Superposition Corps – Die

Einsamkeit des Gustave Whitehead

Odeon, 2., Taborstr. 10, T. 5233501-228 od. -

331, www.impulstanz.com

26.7., 21.00, Wien

ImPulsTanz . Mathilde Monnier & CCN

Montpellier: Publique

Volkstheater, 7., Neustiftg. 1. T. 5233501-228

od. -331, www.impulstanz.com

5.8., 21.00, Wien

ImPulsTanz . Christine Gaigg & 2nd

Nature Dance Group: Trike Summer

Schauspielhaus, 9., Porzellangasse 19,

T. 317 01 01, www.impulstanz.com

film

2.7.-15.8., Wien

Kino unter Sternen. Open Air im

Augarten

Augarten, 2., Schüsselwiese,

Eingang Gaußplatz, Filmbeginn tägl. 21.30,

T. 0800/664040, www.kinountersternen.at

bis 1.8., Wien

Kinosommer 2004

Stadtkino, 3., Schwarzenbergplatz 7-8,

T. 7126276, office@stadtkino.wien

theater.kabarett

bis 4.7., 20.00, Wien

Heißes Wasser für alle.

Von Gesine Danckwart

Schauspielhaus, 9., Porzellangasse 19,

T. 317 01 01, www.schauspielhaus.at,

tägl. außer Mo

bis 12.9., Wien

Sommerbühne „Theater am Spittelberg“.

Vielfalt als Markenzeichen

Theater am Spittelberg, 7., Spittelbergg. 10,

T. 5261385, www.theateramspittelberg.at

29.7-1.8., 5.-8., 12.-15., 19.-22. u. 26.-29.

8., 19.30, Reichenau

CASANOVAS HEIMFAHRT.

R. Helga David

Thalhof, Reichenau an der Rax, Thalhofstr. 23,

T. 02662/43006, www.helgadavid.at

seminar.workshop

1.7., 17-19.00, Graz

Selbsthilfegruppe: Angst- und

Panikattacken

Frauengesundheitszentrum Graz, 8010,

Joanneumring 3, T.0316/ 83 79 98

Fo t o : M a rc Co u d ra i s

ImPulsTanz

2.7., 18.00, Graz

Selbsthilfegruppe: Endometriose

Frauengesundheitszentrum Graz, 8010,

Joanneumring 3, T.0316/ 83 79 98

3.7., 10-18.00, Wien

Die Kraft der Farben – Wie wir sie

für unser Erscheinungsbild nutzen

können. Leitung: Maria Guzmits-

Akimesko und Nelly Gottswinter

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29.

T. 89 58 44,www.frauensache.at,

Kosten: 95.-

7.7., 19.00, Graz

Mammografie. Information und Diskussion

für eine informierte Entscheidung.

Referentin: Sylvia Groth, M.A.

Frauengesundheitszentrum Graz, 8010,

Joanneumring 3, T.0316/ 83 79 98,

Unkostenbeitrag: 5.-,

Anmeldung erforderlich

7.7., 20.00, Graz

Selbstuntersuchung der Brust.

Zyklische Veränderungen, Sensibilisierung.

Vorführen und Erlernen der

Brusttastuntersuchung.

Referentin: Sylvia Groth, M.A.

Frauengesundheitszentrum Graz, 8010,

Joanneumring 3, T.0316/ 83 79 98,

Unkostenbeitrag: 10.-,

Anmeldung erforderlich

7.7+4.8, 9-10.00, Wien

Pflanzenfest im Vinzenz von Paul-Park.

Kräuter-Treffen mit Petra Öllinger

Vinzenz von Paul-Park, 6., Garbergasse 20

8.-10.7, Schloss Puchberg/Wels

Mauern oder Brücken? Auswirkungen

der EU-Osterweiterung auf die

Frauenmigration innerhalb Europas.

9. Fortbildungsseminar des

Vereins LEFÖ

Seminarort: Bildungshaus Schloss Puchberg/Wels,

4600 Wels, Puchberg 1,

T. 07242/47537, Seminarbeitrag: 190.-,

Anmeldung: LEFÖ, 5., Kettenbrückengasse

15/4, T. 5811881,

www.lefoe.at

12.+13.7., 17-20.00, Wien

Westliche Kräuter nach der Traditionellen

Chinesischen Medizin.

Leiterin: Susanne Sonnleitner

Volkshochschule Landstraße, 3.,

Hainburgerstr. 29, T. 715 08 00,

www.vhs3.vhs.at, Kosten: 24.-

16.-17.7., Wien

Anleitung zum Selbstcoaching.

Für Frauen, die sich auf den Weg

machen wollen.

Leitung: Maga. Andrea Scheutz

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29.

T. 89 58 44, www.frauensache.at,

Kosten: 180.-, Fr 18-21.00, Sa 10-17.00

21.7., 19.00, Graz

Pap-Abstrich. Zellveränderungen

am Gebärmutterhals.

Referentin: Sylvia Groth M.A.

Frauengesundheitszentrum Graz, 8010,

Joanneumring 3, T.0316/ 83 79 98,

Unkostenbeitrag: 5.-,

Anmeldung erforderlich

1.-7.8., St. Johann

Literaturwoche von und für Frauen.

Referentinnen: Ruth Frick-Pöder und

Andrea Winkler

Haus der Frauen, 8222, Herberstein 7,

T. 03113/2207, hausderfrauen@graz-seckau.at,

Seminarbeitrag: 135.- bzw. 80.- für

Studentinnen

7.8.,10-17.00 , Blindenmarkt

Mehr Energie mit den 5 Elementen

Seminarhaus Fürholz, 3372,

Fürholz 3, Kosten: 98.- Seminarverpflegung,

Mittagsmenü und Seminarunterlagen

13.-18.8, Nikitsch

TEXT. KUNST II: Ein Lehrgang: Vier

Module von Vier Autorinnen und

Künstlerinnen angeboten: Lyrik,

Dramatik, Klangkunst & Wort,

Textkritik.

Seminarhaus Energiemühle Nikitsch.

Info: petra.ganglbauer@chello.at,

www.energiemuehle.at/

ausstellung

bis 16.7., Elsbethen

Philosophinnen – Liebhaberinnen

der Weisheit. Die weltweit erste

Ausstellung über Philosophinnen

von der Antike bis zur

Moderne.

Treffpunkt Bildung, 5061,

Raiffeisenstr. 2, T. 0662/8047-7514 od. -7520,

Mo-Fr 9-12.00 und nach Vereinbarung.

an.künden

ImPulsTanz zeigt diesen Sommer gleich mehrere Stücke der französischen Choreographin Mathilde Monnier. In

„Déroutes“ werden Beziehungsgeflechte tanzend veranschaulicht, zur Musik von PJ Harvey geht es in „Publique“

schlicht um die Lust am Tanz und den Genuss, dabei zuzusehen. In „Pièces“, einem Kurzstückabend, wird Monnier

selbst mit einem Solo zu sehen sein.

ImPulsTanz. Mathilde Monnier & CCN Montpellier: Déroutes, 21. und 23.7.,

Pièces, 24.7., jeweils 21.00, beides Odeon, 2., Taborstr. 10. Publique, 26.7., 21.00, Volkstheater, 7., Neustiftgasse 1.

T. 5233501-228 od. -331, www.impulstanz.com

bis 15.8., Innsbruck

Ellen Gallagher

Galerie im Taxispalais, 6020,

Maria-Theresien-Str. 45, T.0512/5083171,

www.galerieimtaxispalais.at,

Di-So 11-18.00, Do 11-20.00

bis 15.8., Innsbruck

Laura Horelli

Galerie im Taxispalais, 6020,

Maria-Theresien-Str. 45, T.0512/5083171,

www.galerieimtaxispalais.at,

Di-So 11-18.00, Do 11-20.00

bis 19.9, Innsbruck

Das Unsichtbare – Einblicke in die

Kulturgeschichte der Frauenunterwäsche

Museum im Zeughaus, 6020,

Zeughausgasse, T. 0512 / 59489 - 311,

www.tiroler-landesmuseum.at,

tägl. 10-17.00

bis 31.10, Hittisau

Göttin – Hexe – Heilerin: Zu einer

Kulturgeschichte weiblicher

Magie

Frauenmuseum, 6952, Platz 501,

T. 05513-6209-30, www.frauenmuseum.com,

Do 19-21.00, Fr-Sa 16-18.00, So 15-18.00

bis 1.8., Wien

Kurze Karrieren. Mit Werken von

Christine Kozlov, Hilka Nordhausen,

Verna Pfisterer, Charlotte Poseneske

u.a.

MUMOK Factory, 7., Museumsplatz 1,

T. 52500, www.mumok.at,

Di- So 10- 18.00, Do 10-21.00

juli august 2004an.schläge 43


an.künden

bis 4.9., Wien

Elke Krystufek. The Rich Visit the Poor,

the Poor Visit the Rich. Part 2

BAWAG Foundation, 1., Tuchlauben 7a,

T.53453-22655, Mo-Sa 10-18.00

bis 15.8, Wien

Der Traum des Publikums: Theresa

Hak Kyung Cha

Generali Foundation, 4.,Wiedner Hauptstr. 15,

T. 5049880, foundation.generali.at,

Di bis So 11-18.00, Do bis 20.00

bis 17.9., Wien

Anna Mahler. Ich bin in mir selbst

zu Hause.

Literaturhaus, 7., Seidengasse 13,

T. 52620440, www.literaturhaus.at,

Mo+Mi 9-17.00, Fr 9-15.00

bis 23.7., Wien

Interventionen gegen Rassismen

Galerie IG Bildende Kunst, 6.,

Gumpendorferstr. 10-12, T. 5240909,

www.igbildendekunst.at/igr

bis 26.9, Wien

NIKI DE SAINT PHALLE – DIE GEBURT

DER NANAS

Kunsthaus Wien, 3., Untere Weissgerberstr. 13,

T. 712 04 95, www.kunsthauswien.at,

tägl. 10-19.00

bis 29.7., Wien

Werkschau IX. – Friedl Kubelka –

Arbeiten 1963-2003

Fotogalerie Wien, WUK, 9., Währingerstr. 59,

T. 4985462, www.fotogalerie-wien.at,

Di-Fr 14-19.00, Sa 10-14.00

1.7.-5.9., Wien

Charline von Heyl

Secession, 1., Friedrichstr. 12, T. 5875307,

www.secession.at, Di-So 10-18.00, Do 10-20.00

bis 31.10, Wien

Alma Rosé – Vom Konzertsaal

nach Auschwitz

Jüdisches Museum Wien. 1.,

Dorotheergasse 11. T.5350431, www.jmw.at,

So-Fr 10-18.00, Do 10-20.00

bis 31.10, Wien

Wien, Stadt der Juden. Die Welt der

Tante Jolesch

Jüdisches Museum Wien. 1.,

Dorotheergasse 11. T.5350431, www.jmw.at,

So-Fr 10-18.00, Do 10-20.00

lesung

1.7., 19.30, Wien

Furien in Ferien. Lesung und Buchpräsentation

von Karin Rick

Kunsthalle Wien, project space,

4., Karlsplatz, Treitlstraße 2

27.7., Wien

Literarische Sommerabende im

Café Prückl. Obsessionen alt und neu.

Margot Hruby

Café Prückl, 1., Stubenring 24, T. 512 61 15,

www.alte-schmiede.at

17.8., Wien

Literarische Sommerabende im Café

Prückl. Seh-N-sucht: Karin Ivancsics,

Christa Nebenführ, Sylvia Treudl

Café Prückl, 1., Stubenring 24, T. 512 61 15,

www.alte-schmiede.at

24.8., Wien

Literarische Sommerabende im Café

Prückl. Delikat-essen: Margit Hahn,

Claudia Erdheim, Sabine Nikolay

Café Prückl, 1., Stubenring 24, T. 512 61 15,

www.alte-schmiede.at

aktivitäten

3.7., 15-16.30, Graz

FrauenStadtSpaziergänge: Bildung.

Leitung: Brigitte Dorfer

Treffpunkt: Stadtmuseum-Innenhof, Sackstr.

18, T. 0316/7160220, www.frauenservice.at

44 an.schlägejuli august 2004

5.7., 19.30, Wien

Mamazonen Reloaded:„Zwischen

den Welten“ – Erfahrungsaustausch

für lesbische [Co]Mütter. Zum Thema:

Gestaltung von Beziehungen mit

Anhang.

Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29,

T. 89 58 440, www.frauensache.at,

UKB: 3,6,-, Anmeldung erforderlich,

19.30, bitte pünktlich kommen!

fixtermin

Montag

Frauencafé

autonomes Frauenzentrum, 4020 Linz,

Humboldtstr. 43, T. 0732/60 22 00,

http://www.frauenzentrum.at.

Jeden Mo, 18.00-22.00

Politisches Café im Frauencafé

autonomes FRAUEN zentrum, 4020,

Humboldtstraße 43, jeden 1. Mo, ab 19.00

Vereinscafé Anchorage. Das Cafè der

erfüllbaren Wünsche: Offen für alle

Frauen und Lesben.

Autonomes FrauenLesbenzentrum,

6020 Innsbruck, Liebeneggstraße 15,

T. 0512/ 580839, www.frauenlesbenzentrum.at,

jeden Montag, Mittwoch,

Freitag, 20.30

Internet-Café für Frauen und

Mädchen. Auch Anfängerinnen.

Kinderbetreuung

Zeit!Raum, 15., Braunhirscheng. 33-37,

T. 895 72 67. Jeden Mo 15.00-18.00

Jour Fixe für lesbische Frauen

über 50. Leitung: Andrea Scheutz

(Psychotherapeutin)

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29,

T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at,

Jeden 1. und 3. Mo, 19.00-20.30

„Lesbentutorium“ an der Uni Wien

UFO, 9., Berggasse 5/24.

Jeden Mo ab 19.00

Offene Encounter-Gruppe für Lesben

und Frauen, die sich DA nicht so

sicher sind

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29,

T.: 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at,

Jeden 2. und 4. Mo, 19.30-21.00,

Anm. erforderlich

Tutorium für Lesben, BiFrauen und

TransG an der Uni Wien

UniFrauenOrt, 9., Bergg. 5/24.

Jeden Montag ab 19.00

„Zwischen den Welten“ – Mamazonen.

Erfahrungsaustausch für lesbische

[Co]Mütter.

Institut Frauensache, 15., Reindorfgasse 29,

T. 89 58 440, www.frauensache.at,

UKB: 3,6.- pro Abend, Anmeldung erforderlich,

jeden 1. Montag im Monat, 19.30

Dienstag

Frauenlaufgruppe Hollabrunn.

Mit Sylvia Möstl

Treffpunkt: Parkplatz des ATSV,

2020 Hollabrunn. Jeden Di 9.00

Frauencafé der Frauengruppe ABRAXA

4060 Wels, Spitalhof 3, T. 07242/55 6 40,

abraxa@goplay.com. Jeden Di 14.00-18.00

Dick und fit – Sport, Spiel und Körperspass.

Leiterin: Karin Weingartmann

8010 Graz, Volksschule Brockmanng. 119,

Anm. erforderlich: Frauengesundheitszentrum,

Joanneumring 3, 8010 Graz,

T. 0316/83 79 98-30.

Jeden Di, 19.00-21.00

Selbsthilfegruppe „Wenn Frauen zu

sehr lieben“

Frauenservice, 8020 Graz, Idlhofg. 20,

T. 0316/71 60 220, e-mail: office@frauenservice.at,

Jeden Di, 19.30-21.00

Geheimer Garten für Frauen und

Mädchen

Reichsapfelg., 15., Infos: Zeit!Raum

Stadtteilprojekt, T. 895 72 67,

http://www.zeitraum.co.at

Gesprächsgruppe für Frauen in

Patchwork-Familien

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29,

T. 89 58 440, Anm. erf., 14-tägig

Modern-Afro-Latin-Dance für Frauen

aller Altersgruppen

Autonomes Frauenzentrum, 9.,

Währingerstr. 59/Stiege 6, 2. Stock,

Info: T. 54 54 393

Mittwoch

Schreibwerkstatt für Frauen.

Mit Fini Zirkovich

Literaturhaus Mattersburg, 7210, Wulkalände

2. Jeden Mi 19.00. Anm.:T. 02626/677 10

Frauencafé

Jugend- u. Kulturhaus AGATHON,

3002 Purkersdorf, Kaiser-Josef-Str. 49,

Kontakt: Ulrike Putz-Alb, T. 0664/191 61 20,

Jeden 1. Mi im Monat

Mittwochs-Frauentratsch mit

Netzanschluss

Frauenberatungsstelle Freiraum,

2620 Neunkirchen, Wiener Str. 4/9,

T. 02635/61125, e-mail: freiraumfrauen@utanet.at.

Jeden 1. Mi im Monat

Transgendertreff

HOSI Vereinszentrum,

5020, Müllner Hauptstr. 11,

T. 0662/43 59 27 - 27, www.hosi.or.at,

jeden 2. und 4. Mittwoch ab 20.00

Dick und fit – Schwimmen.

Leiterin: Karin Weingartmann

Schwimmhalle ATG, 8010 Graz,

Kastellfeldg. 8, Anm. erforderlich:

Frauengesundheitszentrum,

Joanneumring 3, 8010 Graz,

T. 0316/83 79 98-30. Jeden Mi, 17.00-18.00

Dein Körper – Deine Verbündete.

Leitung: Andrea Scheutz (Psychotherapeutin)

Institut Frauensache, 15., Reindorfg. 29.

T. 89 58 440, e-mail: office@frauensache.at,

Jeden 2. Mi, 18.00-19.30, Anm. erforderlich!

Frauen-Treffpunkt

Familienberatungsstelle, 6., Kaunitzg. 33/8,

T. 581 09 60, UKB eur 1,50, Jeden Mi 18-20,

keine Anm. erf., Kekse/Tee willkommen

Frauenfest im U4

U4, 12., Schönbrunner Str. 222.

Jeden 1. Mi im Monat, ab 22.00

Gesprächsgruppe für Frauen mit

sexuellen Gewalterfahrungen.

Leitung: Bettina Reisch.

Räumlichkeiten des Notrufs,

17., Telefonische Anmeldung: T. 5232222,

www.frauenweb.at/notruf

Dauer: 1 Jahr, 14tägig.

Kostenbeitrag: 16.-/ Termin.

Lesben-Fußballgruppe Aufschlag-

BALLerinas

PAHO-Halle, 10., Jura Soyfer G. 3,

Garderobe 2, http://aufschlag.gay.or.at,

Training jeden Mi 19.30-21.30

Lesbengruppe

HOSI-Zentrum, 2., Novarag. 40,

T. 216 66 04, http://www.hosiwien.at,

Jeden Mi ab 19.00

Morgengruppe „Carpe diem“ –

Körpertherapeutisch orientierte

Jahresgruppe für Frauen.

Leiterin: Renate Frotzler-Dittrich

Verein „Frauen beraten Frauen“, 6.,

Lehárgasse 9/2/17, Voranm.: T. 587 67 50,

UKB eur 11, Jeden Mi 9-10.30,

Einstieg jederzeit möglich

Offene Gruppe für Alleinerzieherinnen

und Frauen in Trennungssituationen

Kontaktstelle für Alleinerzieherinnen,

1., Stephanspl. 6/V/30. Jeden 1. u. 3. Mi,

18.00-20.00, Anm. Frauen beraten

Frauen, T. 587 67 50

Offenes Atelier für Frauen. Leitung:

Anna Rakos (Kunsttherapeutin)

Hofstattgasse 15/10, 18., Info und

Anmeldung: , T. 478 63 88, Kosten: eur 15,pro

Abend (Material inbegriffen),

jeden 1. Mi von 19.00-21.00

Que(e)r-Beisl

Ernst Kirchweger Haus, 10., Wielandgasse

2-4, http://www.raw.at,

Jeden Mi, 18.30-24.00

Donnerstag

HelpChat „Halt der Gewalt“

Der Helpchat: http://www.haltdergewalt.at

bietet anonyme Hilfestellung.

Jeden Do 20-23.00

Ungehalten – gehalten. Schwimmkurs

für Frauen. Leiterin: Theresia

Blatnek-Wondraczek

Anm.: Frauenberatung Zwettl, 3910,

Galgenbergstr. 2, T. 2822/522 71-0.

Do 19.00-20.00

„Komm Oma – surf mit mir!“

Internet-Café für Jung und Alt

Frauentreff Rohrbach, 4150, Stadtplatz 16,

T. 07289/66 55, keine Anm. erforderlich,

Surfgebühr: eur 1,50/h,

Jeden Donnerstag, 15-18.00

Regenbogen Stammtisch

Gasthaus Zur Brücke, 4840 Vöcklabruck,

Vorstadt 18, T. 0699/11 34 12 14. Ab 20.00

Lesbenabend

HOSI Vereinszentrum, 5020,

Müllner Hauptstr. 11, T. 0662/43 59 27 - 27,

www.hosi.or.at,

jeden 3. Donnerstag ab 19.00

Offener Abend

Hosi-Lokal, 6020, Innrain 100,

www.queertirol.com, T. 0512-562403,

jeden Donnerstag, 20.30

HOSI-Jugendabend

HOSI Wien, 2., Novaragasse 40,

Jeden Do ab 19.00

Muttertag.

Kostenlose Kinderbetreuung

Anm.: ega, 6., Windmühlg. 26,

T. 589 80/0. Jeden Do 14.00-19.00

Psychotherapeutische Selbsterfahrungsgruppe

für Frauen, Lesben und

Mädchen mit Barbara Tiwari

FZ-Bar, 9., Währingerstr. 59/6,

Eingang Prechtlg., T. 402 87 54,

Jeden Do 17.30-19.00

schmökern, gustieren, plaudern,

Tee trinken, Bücher kaufen

Buchhandlung Frauenzimmer,

7., Zieglergasse 28, T. 522 48 92,

e-mail: frauenzimmer@aon.at.

Jeden Do bis 21.00

Widerstandslesung. Künstlerische

Beiträge (lesen, spielen, singen,

feuerschlucken etc.) willkommen:

http//www.awadalla.at/el/kalender.at

Botschaft der besorgten Bürgerinnen,

1., Ballhausplatz 1a. Jeden Do 17.00-19.00

Freitag

Treffpunkt für junge Lesben bis 25

HOSI Linz, 4020, Schubertstr. 36,

T. 0732/60 98 98. Jeden 2. u. 4. Fr ab 20.00

Welser Frauen-Stammtisch –

gemütlicher Frauentreffpunkt

Schubert-Stüberl, 4600 Wels,

Schubertstr. 13. Jeden 4. Fr. ab 20.00

Frauencafé der Rosa-Lila-Pantherinnen –

der Abend für Lesben und

Freundinnen

Feel Free, 8010 Graz, Rapoldg. 24,

meist einmal im Monat, 19.00-23.00,

Info unter T. 0316/36 66 01

Internet-Café von Frauen für Frauen

abz wien.cybercenter, 6., Gumpendorfer

Str. 83, T. 595 21 55.

Jeden Fr 13.00-19.00, jeden letzten

Fr speziell für Mädchen

Offenes Treffen feministischer

Migrantinnen

Café Längenfeld, 12., Längenfeldg. 8,

jeden 1. Fr im Monat

Samstag

Club Anderwelt

6., Theobaldg. 10,

Jeden 2. Sa, ab 22.00

Frauenclub...just the girls

FZ-Bar, 9., Währinger Str. 59/6, Eingang

Prechtlg., T. 402 87 54, Jeden 1. Sa ab 21.00

Homoriental. Der multikulturelle

Club für ein lesbisch/schwules

Publikum und FreundInnen

Club Massiv 3., Untere Weissgerberstr. 37,

homoriental@gmx.net,

Clubmitgliedschaft/Nacht: 6,50.-,

jeden 2. Samstag

Borges


Sonntag

HOSI Sonntagsbrunch @Café

Steinschlag

Café Steinschlag, 5020, Glockengasse 4,

Frühstücksbuffet und Kaffee/Tee.

UKB: 7,-/5,- (HOSI Mitglieder),

jeden 3. Sonntag, 11.00

Labrys Lounge

Café Barcelona, 8010 Graz, Reitschulg. 20,

Kontakt: Verein Labrys, Martina Kump,

http://www.labrys.gundl.at, e-mail:

labrys@gundl.at. Jeden ersten Sonntag

im Monat, 18.00

Sonntagsfrühstück. Für Lesben und

interessierte Frauen

Frauengetriebe, 6900 Bregenz, Schillerstr. 2,

T. 05574/45 538, e-mail: frauengetriebe

@aon.at. Jeden 1. So ab 11.00

Frauenbadefreuden

Badehaus Sargfabrik, 14.,

Goldschlagstr. 169, www. sargfabrik.at,

Eintritt: 14.-. Bitte um Anmeldung

bis jeweils Samstag! Per E-Mail:

sonja.c@gmx.at oder

Telefon: 01/ 988 98 - 214,

jeden 3. Sonntag

Rosa’s TanzBar. Tanzvergnügen für

Lesben und Schwule. Standard und

Latein-Tanz zu ausgesuchten

Lieblingsmelodien

Cheek2Cheek, 8, Lange Gasse 50,

19.00 UKB: +5,-, RosasTanzBar@gmx.at;

www.cheek2cheek.at.

Jeden 4. Sonntag im Monat!

Selbsthilfegruppe Anonyme

Ess-Süchtige

13., St. Veitg. 25, jeden So 19.30,

T.: 0676/78 79 144

Weiber-Frühstück: Videos,

Diskussiom, Provokatiom, feministische

Literatur, veganes Buffet

E.K.H., 10., jeden 1. So

Nach Vereinbarung

Frauenberatung

Verein Frauen für Frauen Burgenland,

7400 Oberwart, Spitalg. 5, T. 03352/338 55;

7540 Güssing, Hauptstr. 26, T. 03322/430 01

Frauenleserunde

Literaturhaus Mattersburg, 7210,

Wulkalände 2,

Infos: 02626/67 71 012

Psychologische, juristische und

arbeitsmarktpolitische Beratung

sowie Sozialberatung für Frauen

Die Tür - Frauenservicestelle, 7210 Mattersburg,

Brunnenpl. 3/2, T. 02626/62 670;

7000 Eisenstadt, Joachimstr. 11/2,

T. 02682/66 124

Beratung, Gruppen, Kurse, Vorträge

für Frauen. Auch muttersprachliche

Beratung

Wendepunkt, 2700 Wr. Neustadt,

Raugasse 16, T. 02622/825 96.

Mo, Do, Fr 9.00-12.00, Di 17.00-20.00

Beratung im Schwangerschaftskonflikt,

bei Verhütungsfragen und

Essstörungen

ISIS, 5020 Salzburg, Willibald Hauthalerstraße

12, T. 0662/44 22 55

Ganzheitliche Beratung zu Wechseljahren,

Brustveränderungen,

Myomen, u.a.m.

Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,

Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, kostenlos

Hotline Essstörungen des Frauengesundheitszentrums

Graz

Telefon zum Ortstarif: 0810/810 400,

Mo, Do 16.00-19.00; Mi 9.00-12.00

Schwangerschaftstest zum Selbstkostenpreis

(eur 1,50), Hilfe zur Selbsthilfe

und Infos zu Schwangerschaftshilfen

und/oder Schwangerschaftsabbruch

Philosophinnen

Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,

Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98,

Mo-Mi und Fr 9.00-13.00, Do 15.00-19.00

Verhütung für Frauen.

Mit Monika Vucsak

Anm.: Frauengesundheitszentrum, 8010 Graz,

Joanneumring 3, T. 0316/83 79 98, eur 5

Arbeitsgruppe für Frauen mit

sexuellen Missbrauchserfahrungen

in der Kindheit

Frauen beraten Frauen, 1., Seitenstettengasse

5/7, Info: T. 0676/717 29 67

Beratung, Kurse, Information für

geistig oder mehrfach behinderte

Frauen und ihre Angehörigen

Verein Ninlil, 3., Hetzg. 42/1,

T. 714 39 39

Einzelberatung für Frauen in

Krisensituationen

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,

T. 476 15/57 71; Erstgespräch kostenlos!,

Tel. Beratung Di 10.00-12.00 u. Do. 14.00-

16.00 unter T. 476 15/57 75 sowie

unter fem@aon.at

Help – Schnelle Hilfe für junge Leute –

Alles muss man nicht alleine schaffen!

Leiterin: Martina Nöster,

Kinder- u. Jugendpsychotherapeutin

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,

T. 476 15/57 72, Erstgespräch kostenlos,

weitere eur 4,-

Körper(Wohl-)Gefühle – Lerne,

Dich in Deinem Körper wohl zu

fühlen, Leiterin: Martina Rainer,

Shiatsu-Praktikerin

F.E.M, 18., Bastieng. 36-38,

T. 476 15/5771, UKB eur 23

Mädchenworkshop: Besuch bei der

Frauenärztin. Mit Gabriele Knappitsch

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,

T. 476 15/57 71

Medizinische Sprechstunde für

Mädchen und Frauen mit

Essstörungen

Anm.: F.E.M., 18., Bastieng. 36-38,

T. 476 15/57 71

Schlank & glücklich?

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, Workshop n. V.,

Anm./Info: 476 15/57 71

Sexualberatung – Was Sie schon

lange oder gerade jetzt dringend

besprechen wollten. Leitung: Julia

Kastenhuber, Psychologin

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/57 71,

UKB eur 10,-/Einzel-oder Paar

Theaterworkshop „Liebe, Sex & Co“

Leiterin: Martina Nöster, Psychotherapeutin

F.E.M., 18., Bastieng. 36-38, T. 476 15/5772

radio.fixtermin

jeden 1. Mo 18.00-19.00

Khorschid Khanum – die persischsprachige

Frauensendung

Radio Orange 94 MHz (Telekabel Wien 92,7)

Di 18.00-19.00

ta mera – an Orten wie diesen. Von Frauen

für Frauen. Von Lesben für Lesben.

Radio Orange 94 Mhz

Mi 20.05-20.20

Das Frauenzimmer. Die Plattform für

eine frauenspezifische Information

Freies Radio Salzburg, FM 94 MHz

Mi 17.00-18.00

femme totale – feministisches

Radioprogramm

radio helsinki , 92,6 Mhz (Graz)

Mi 18.00-19.00

Abwechselnd: orangina – Fanzine zu

Mädchennetzwerken in der Subkultur/

bauch.bein.po – Die Sendung für die

ganze Frau

Radio Orange 94 MHz

Do 18.00-19.00

HOSI Lesbenradio (jeden 1. Do),

La manifesta (2. Do),

Görls linkup (3. Do),

Lourdes (4. Do)

Radio Orange 94 Mhz

Fr 16.30-17.30

SPACEfemFM.

Frauenradio

Radio FRO, 105 MHz (Linz).

Jeden 1. u. 3. Fr.

Fr 18.00-19.00

Abwechselnd: Dyketime –

Radiomagazin für Lesben/

Frauenforum

radio helsinki,

92,6 MHz (Graz)

Fr 18.00-19.00

Radio UFF. Das Radio des Unabhängigen

Frauenforums

Radio Orange 94 MHz,

jeden 2. Fr.

tanz.fest

1.-3.7., Wien

EKHaus- und Hoffest

EKH, 10., Wielandgasse 2-4,

www.med-user.net/ekh

an.künden

„Erinnern – sag ich – wird sich so manch einer noch an uns.“ Diese Prophezeiung Sapphos hat sich nicht bewahrheitet;

Denken und Werke von Frauen aller Jahrhunderte blieben meist unbeachtet und ungewürdigt. Die erste

Ausstellung über Philosophinnen von der Antike bis zur Moderne hat es sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern

und portraitiert Philosophinnen und ihre Philosophien – von Aspasia über Milet bis zu Judith Butler.

Treffpunkt Bildung, Raiffeisenstr. 2, 5061 Elsbethen, bis 16.7., Mo-Fr 9-12.00 und nach Vereinbarung: T. 0662/8047-7520 oder 7514

juli august 2004an.schläge 45


an.künden

Collagen

„Mein Leben ist mein Kunstwerk“ Diesem Leitsatz folgend, richtete Elke Krystufek

ihren Blick bislang vor allem auf sich selbst. Die Werke der Austellung der Bawag

Foundation „The Rich Visit the Poor, the Poor Visit the Rich. Part 2“ haben einen anderen

Fokus. Krystufeks Collagen zeigen die Menschen, die sonst noch zu diesem

Leben gehören: KünstlerInnen, GaleristInnen, KuratorInnen.

Bawag Foundation, 1010 Wien, Tuchlauben 7a, bis 4.9., Mo bis Sa 10-18.00, Eintritt frei

2.7., Wien

Lesben und Ökonomie.

Referentin: Karin Schönpflug

Rosa Lila Villa, 6., Linke Wienzeile 102,

T. 586 8150

2.7., 20.00, Wien

Solidaritätsfest

FZ-Bar, 9., Währinger Str. 59/6,

Eingang Prechtlg., T. 402 87 54

3.7., 19.00, Wien

sistaDance-Clubbing im FZ. Wiederholungskonzert

von frauen.stimmen:

„Lesben lasst das Klagen“ oder:„Susi

Meier will lieber Schokolade“,

Vorgruppe: Familie Obermaier

FZ-Bar, 9., Währingerstr. 59/6,

Eingang Prechtlg., T. 402 87 54

3.7., 22.00, Innsbruck

QUEERATTACK! Die les-bi-schwule

Clubnacht Tirols

HAFEN - Innrain 149, 6020,

(Sub-)Location: Crash (Nordeingang),

office@queertirol.com

16.7., Wien

Sommerfest in der Villa

Rosa Lila Villa,

6., Linke Wienzeile 102,

T. 586 8150

46 an.schlägejuli august 2004

17.7., 20.00, Salzburg

Sommerfest der Jungen HOSI

HOSI Vereinszentrum, 5020,

Müllner Hauptstr. 11,

T. 0662/43 59 27 - 27,

www.hosi.or.at

31.7., 21.00, Innsbruck

FrauenLesbenDisco

VZ Sinne, Wilhelm-Greil-Str.23,

Info:www.frauenlesbenzentrum.at

diverses

bis 18.7., Salzburg

Sommerszene 04

Salzburg, Info: www.sommerszene.net

bis September

Floridsdorf feiert 100 Jahre –

Festival 21

21., T. 0699/10313742,

www.festival21.at

3.7., ab 15.00, Salzburg

Unite Parade

Salzburg, vom Mirabellplatz zum

Messezentrum, Start 15:00 Uhr,

www.uniteparade.net

6.7., 13.30-17.30, Wien

Resisdanse XX-Competition.

Vorführung von Bildern und Videos

vom ersten Women-Only-Tanzturnier

Österreichs (April 2004) bei Kaffee

& Kuchen

Hosi-Zentrum, 2.,

Novaragasse 40, UKB: 2.-

7.7., 19.30, Graz

Grillabend feel free

Steirisches Schwulen- & Lesbenzentrum,

Rapoldgasse 24, T. 0316/ 36 66 0,

UKB: 7.-

29.7.-1.8., München

Eurogames

München, Info: 2004.eurogames.info/

31.7.-7.8, Attersee

European Youth Summermeeting 04

for young LESBIANS, gays,

bisexuals and friends

Europacamp am Attersee. Infos und

Online-Anmeldung: www.hosilinz.at

Redaktionsschluss

Termine 9/04: 11.08.04

termine@anschlaege.at

Co l l a g e : E l ke K r y s t u fe k 2 0 0 4

aus.blick

comic

an.schläge im september

Gender Trouble in Japan

Mädchen in Hosenrollen, Zwitterwesen, zärtliche

schwule Jünglinge: Geschlechterverwirrungen in

japanischen Mädchencomics.

thema

Tanz-Performance-Theater

Ein feministischer Blick auf zeitgenössische Tanzfestivals

zwischen Wien und Hamburg: Analysen

zu Körper, Sexualität und Weiblichkeit.

gesellschaft

Mädchenkäfig

Mädchengerechte Parks sollen die Ungleichverteilung

auf Wiens Spielflächen wieder ins Lot bringen:

Eine Aktion im 20. Bezirk zeigt wie’s geht.

an.schläge gibts in folgenden Buchhandlungen

Winter

Zentralbuchhandlung

Ebbe & Flut

Südwind

Frauenzimmer

Kunsthalle Shop

Riedl

Averroes

Leporello

Löwenherz

Südwind

Kulturver. Waschaecht

1010

1010

1030

1070

1070

1070

1080

1090

1090

1090

1090

4600

Landesgerichtsstr. 20

Schulerstr. 1-3

Radetzkystr. 11

Mariahilferstr. 8

Zieglergasse 28

Museumsquartier

Alser Str. 39

Schwarzspanierstr. 20

Liechtensteinstraße 17

Berggasse 8

Schwarzspanierstr. 15

Dragonerstr. 22


Abgewetzt

Die Lieblinge der an.schläge-Frauen

Er redet nicht oft. Und selbst wenn, dann

versteht ihn niemand. Kenny, der kleine Kerl

mit der orangefarbenen Kaputze und den

großen Glubschaugen. Er lebt in Southpark

und – ach, wie arm – er stirbt beinahe in jeder

Folge der Serie aufs Neue. Wenn nicht

gerade Weihnachten ist, denn da durfte er

den Abspann erleben. Seit einigen Jahren

ziert er meinen Schlüsselbund. Und wenn

ich möchte, quetsche ich ihn und lasse ihn

quietschen. Martina Madner

Tiere in Echt

Als der Schnee die Fenster verpickte und mein

drei Jahre alter Sonnenschein und ich es uns

bei Keksen und Bilderbüchern gemütlich

machten, träumten wir davon: All die Tiere, die

er nur aus diesen Büchern kennt, wollen wir

mal ganz in Echt sehen. Versprochen. Und das

wird nicht gebrochen. Seither gehört „Schönbrunn“

zum aktiven Wortschatz und nachdem

der Schnee geschmolzen und der Regen wärmer

geworden ist, solls endlich los gehen. Nur

eine Stunde Autofahrt trennt uns noch von

der großen Stadt und dem grööööößten Bilderbuch,

das mein Sonnenschein je gesehen

hat. Und ich werde stundenlang auf alle Arten

von Warum-Fragen Antworten finden dürfen.

„Warum ist der Elefant grau?“ – Berechtigte

Frage. Gabi Horak

für die Sommerpause!

Im Koffer

Dass ich diesen Sommer als Arbeitsmigrantin

endlich wieder an meinem Lieblingsort Venezuela

– also zuhause – verbringen kann, freut

mich total. Deshalb packe ich alle meine Lieblingsdinge

in meinen Koffer: Am liebsten trage

ich afrikanische und indische Kleider oder

Handtaschen sowie venezolanische und brasilianische

Modeschuhe.Was wohl Ferrero Waldner

und Margot Klestil-Löffler dazu sagen würden?

Natürlich nehme ich auch Bücher mit,

darunter auch mein Lieblingsbuch „Wie Frauen

sich sehen. Selbstbildnisse aus fünf Jahrhunderten“

von Frances Borzello – und schon ist

kaum mehr Platz im Koffer... Zoraida Nieto

Gemeinsam statt einsam

Community Building an der Peripherie von

Mainstream und Macht: Gruppengründungen

fördern; noch nicht vorhanden gewesene

oder ins Stocken geratene Kommunikationen

in Fluss bringen. – Ich bin begeisterte minderheitenpolitische

Kupplerin. Angetrieben von

tiefer Sehnsucht nach einer Gesellschaft, die

es (noch) nicht gibt und wahrscheinlich nie

geben wird. Helga Pankratz

Bäriges zum Lesen

In „Die Farben des Eises“ von Audrey Schulman

– dem Buch, das ich am Häufigsten gelesen habe

– wird die Geschichte einer Naturfotografin

erzählt. Unter beinahe unwirklichen Bedingungen

fotografiert sie Eisbären in ihrem Winterquartier.

Dieses Buch hat für mich selbst nach

dem zehnten Mal Lesen nichts von seiner Faszination

verloren. Svenja Häfner

Prinzipiell niemals!!!

Die Tagebücher der Anaïs Nin. Alle vier Bände

habe ich. In Buchfolie eingebunden, damit ihnen

keine Buchseite gekrümmt wird. Angekritzelt

und mit Leuchtstift bearbeitet sind die Seiten

– gegen mein sonstiges Prinzip: Niemals (!)

in ein Belletristik-Buch zu „schmieren“. Aber die

Tagebücher sind eh vielmehr Ratgeber,Vermittlerinnen

von „Ich-weiß-wie-das-ist-Gefühlen“

sowie Einblick in das Leben einer fragil

wirkenden und stark lebenden Frau. Stark bin

ich auch, wenn mich Freundinnen fragen, ob

ich ihnen den einen oder anderen Band borge,

und ich sie dann gegen mein sonst altruistisches

Wesensprinzip enttäuschen muss:

Niemals! Petra Öllinger

Auf den Hund gekommen

Mein Lieblingsding liegt seit einer Stunde tiefgefroren

im Kühlfach. Ein alter Hund. Ich habe

ihn mir zugelegt, nachdem mein anderer

Hund, mein echter Hund, gestorben war. Auf

den Hund bin ich bei der Puppendoktorin in

meiner Gasse gekommen. Nun haben ihn die

Motten entdeckt. Die im Gefrierfach sterben

sollen. So der Plan. Wenn er wieder aufgetaut

ist, wird der Hund wieder seinen Platz am

Sofa einnehmen. Und mich manchmal daran

erinnern, wie es war, ein Mädchen zu sein und

einen Hund zu haben. Verena Fabris

Klein und Grün

Mein Lieblings-Ding ist immer für mich da,

wenn ich es brauche. Es ist mir nie im Weg oder

langweilt mich. Es wartet still, bis ich es wieder

mal in die Hand nehme. Aber oft packt mich der

Übermut und ich nehme es mir ganz spontan,

ohne Vorwarnung, das macht den meisten

Spass. Es ist klein, schnell und sehr grün, mein

Auto – absolutes Lieblingsding. Bettina Surtmann


2

Kaiserappartements · Sisi Museum · Silberkammer

Hofburg · A-1010 Wien · Eingang Michaelerkuppel

www.hofburg-wien.at · e-mail: info@hofburg-wien.at · Info-Tel. +43/1/5337570

Öffnungszeiten täglich von 9.00 – 17.00 Uhr (Juli und August bis 17.30)

an.schläge Nr. 07 08/04, juli august 2004/18. Jahrgang, e 3,5 (Ö) e 4,– (D) sfr 8,– , P.b.b. Erscheinungsort Wien, Verlagspostamt 1030 Wien, envoi à taxe réduite, GZ 02Z031419 M

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