Berner Kulturagenda 2015 N° 28

kulturagenda

9. – 15. Juli 2015 Anzeiger Region Bern 27

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Die guten Geister

Maler, Sängerinnen, Intendanten, Kuratorinnen, Regisseure:

Sie alle stehen im Rampenlicht ihrer Häuser. Doch jedes

Haus beschäftigt auch noch eine Zahl von guten Geistern,

ohne die Kultur nicht möglich wäre. Sie gehen wir in einer

Serie besuchen.

Jeden Tag Theater

Damit das Konzert Theater Bern funktioniert, braucht es

Strom. Und mindestens einen wie Franco Siliberti. Seit

25 Jahren prägt er die technische Struktur mit und macht

Bühnenbildner-Träume wahr.

Manchmal, gegen 17 Uhr, wenn eigen t-

lich schon Feierabend ist, schnappt er

sich den Schraubenzieher und versetzt

irgendwo im Haus eine Lampe. «Damit

ich noch mit den Händen gearbeitet

habe», sagt Franco Siliberti. Wo

auch immer bei Konzert Theater Bern

Strom im Spiel ist, kann dieser Mann

nicht weit sein.

«Er hat in mir

den Traum geweckt,

mein eigenes Theater

zu bauen»

Seit 25 Jahren ist er für den technischen

Dienst zuständig, kennt jeden

Winkel von Berns Stadttheater und

eignet sich somit als Ansprechperson

jeglicher Art. Franco Siliberti diskutiert

mit Bauleitern, berät Sounddesigner

und wenn es sein muss, sitzt er

den ganzen Tag vor dem Computer.

Aber erst dann, wenn er ein Werkzeug

in die Hände nehmen und etwas

«grümschelen» könne, blühe er auf.

Franco Siliberti ist gelernter Elektriker.

Am 1. Januar 1990 hat er hier als

Bühnenbeleuchter angefangen und

wechselte nach zwei Jahren zur Technik.

Dem damaligen Maschinenmeister

Werner Rassl zollt er Respekt,

spricht von ihm als seinem Mentor.

«Er hat in mir den Traum geweckt,

mein eigenes Theater zu bauen.»

Franco Siliberti führt die Journalistin

auf die Bühne, die – so unbespielt

wie sie an diesem Mittwochmorgen

ist – den Glamour einer Baustelle ver -

sprüht. Der Betriebselektriker zeigt

auf einen schwarzen Kasten, die

«Steuerstelle Vorhangzieher». Ganz

am Anfang seiner Karriere habe er die

mal aufgeräumt: Klemme 14 auf Klemme

11. Und so weiter. Heute herrscht

Ordnung in der Steuer stelle.

Der eiserne Vorhang

Er drückt einen Knopf und der «eiserne

Vorhang», wie Siliberti die massive

Trennwand nennt, fährt langsam

hoch. Jetzt ist der Blick frei auf den Zuschauerraum

mit der Deckenmalerei,

die mit rotem Samt besetzten Stühle

und goldverzierten Logen. «750 Plätze

haben wir hier. Das ist klein», sagt Siliberti

und erinnert sich an einen Konzertbesuch

in der Deutschen Oper Berlin,

die mindestens doppelt so gross

ist. «Aber noch lieber wäre ich backstage

gegangen», sagt er. Er habe es

nicht geniessen können, seine «déformation

professionnelle» sei wohl zu

weit fortgeschritten. «Der Raum war

ganz in schwarz gehalten. Aber da

schimmerte Licht durch die Bodenritzen.

Das war nicht sauber abgedeckt.»

Abgelenkt habe ihn das.

In der Sommerpause hat Franco Siliberti Hochsaison. Er ist bei Konzert Theater Bern für den technischen Dienst zuständig.

Wirken hinter der Bühne

Sagen die Leute: «Was für ein toller

Job, da kannst du dir jede Vorstellung

ansehen!», antworte er: «Für mich ist

das Alltag. Ich habe hier jeden Tag

Theater.» Und wenn er in der Mittagspause

die Gespräche der Tänzerinnen,

Sänger und Requisiteure mitbekomme,

sei er froh, hinter der Bühne wirken

zu können.

Welche Vorstellung vom Konzert

Theater Bern ihm am besten gefallen

habe? Eine Frage, die er «auf den

«Da schimmerte Licht

durch die Bodenritzen.

Das war nicht sauber

abgedeckt.»

technischen Aspekt herunterbrechen»

müsse. Zwei moderne Opern

seien es gewesen, Siegfried Matthus’

«Judith» zum einen. «Der Berner Bühnenbildner

Werner Hutterli wünschte

sich ein freischwebendes Element,

das sich in verschiedenen Winkeln

bewegen liess. Da haben wir Nachtschichten

geschoben, um das hinzukriegen.»

Blut habe er geschwitzt.

Aber als am Ende alles geklappt hatte,

sei das ein «sensationelles Gefühl»

gewesen.

Schwärmen von der Wendeltreppe

Dann ist da noch diese Wendeltreppe,

die ihn zum Schwärmen bringt. Sie

war ein Glanzstück in der Aufführung

von Alban Bergs «Lulu». Drehen

musste sie sich, mechanische Präzisionsarbeit

sei das gewesen. Franco Silibertis

graublaue Augen leuchten.

Jonas Kambli

In der Sommerpause, wenn die Belegschaft

des Konzert Theaters Bern

in den Ferien ist, hat Franco Siliberti

Hochsaison. Wartungs- und Umbauarbeiten

stehen an. Da ist der technische

Dienst unerlässlich. Im Herbst

wird eine der Produktionen «Othello»

sein. Er studiert jetzt schon an einem

Effekt herum, den sich der Bühnenbildner

wünscht. Wie die Idee umgesetzt

wird, weiss Siliberti noch nicht.

Aber irgendwie werde es schon klappen.

Denn klar ist: «Um 19.30 Uhr

muss dieser Vorhang auf. Komme

was wolle.»

Milena Krstic

Inserat

Kino unterm Sternenhimmel.

Bern, Grosse Schanze, 23. Juli – 23. August

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