Bio-Basiswissen: Aquakulturen/Fisch (Schrot&Korn 11/2008)

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Bio-Basiswissen: Aquakulturen/Fisch (Schrot&Korn 11/2008)

B ioBasics

Ein Service von

neue Serie

BioBasics

Teil 1: Bio-Geschichte

Wie Bio entstand. Was Bio heute ist.

Teil 2:

Wurst und Fleisch

Verarbeitung, Tierhaltung

Teil 3:

Obst und Gemüse

Anbau, Pestizide, alte Sorten

Teil 4:

Brot und Backwaren

Getreideanbau, Verarbeitung,

Zusatzstoffe

Teil 5: Eier

Futter, Tierhaltung Hühner

Teil 6: Milch

Verarbeitung, Milchviehhaltung

Teil 7: Fisch

Futter, Haltung Haltungder

Fische

Teil 8:

Naturkosmetik

Inhaltsstoffe, Definition, Logos

Teil 9: Zusatzstoffe

Schrot &Korn November 2008

Die Fischerei steckt in der Krise, die Konsumenten sind verunsichert.

Allmählich setzen sich Alternativen wie Biofisch durch, die wieder

Lust auf Meer und mehr machen. // Ralf Bürglin

Teil 7

AquAKuLturen – nAchhALtiger FAng

Der bessere Fisch

Was ist ein Biofisch?

Ein als bio gekennzeichneter Fisch

stammt immer aus einer Aquakultur und

wird artgerecht gehalten: Die Tiere leben

in naturnahen Teichen oder geräumigen

Netzgehegen. Sie bekommen weder Hormone

noch Wachstumsförderer, werden

vor allem mit Biofutter ernährt oder suchen

sich ihre Nahrung selbst im Teich,

so etwa Karpfen im Sommer (siehe folgende

Seite). Detailliertere Regeln für Bio-

aquakulturen wird es in der EG-Öko-Verordnung

ab 2009 geben. Der Bioverband

Naturland hat bereits Mitte der 90er-Jahre

begonnen, Richtlinien für die Ökoaqua-

kultur zu entwickeln. So legt der Verband

etwa Wert darauf, umliegende Ökosysteme

zu schützen, verbietet Chemie zum

Schutz der Netzgehege vor Algenbewuchs

und setzt natürliche Heilmittel ein. Fischmehl

als Futter stammt ausschließlich

aus Resten der Speisefischverarbeitung,

das heißt, Fischbestände werden nicht geplündert.

So gibt es mittlerweile etwa Bioforellen

aus Deutschland, Frankreich und Spanien,

Biolachs aus Irland, Bioshrimps aus

Ecuador, Brasilien und Thailand oder Bio-

Pangasius aus Vietnam.

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Stockfood/ Maximilan Stock Ltd

©


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B ioBasics

Nachhaltige Fischerei.

Was ist das?

Nachhaltiger Fischfang bedeutet, so zu

fischen, dass die Bestände erhalten bleiben.

Es darf also nicht mehr gefangen

werden, als „nachwachsen“ kann (keine

Überfischung). Meeresböden dürfen

nicht geschädigt und Beifänge, also

Tiere wie Schildkröten und Haie, die

man eigentlich gar nicht fangen will,

müssen weitgehend minimiert werden.

Wer überprüft die Vorgaben? Zum

Beispiel das Marine Stewardship Council

(MSC), die derzeit größte Zertifizie-

rungsorganisation in diesem Bereich.

MSC-Produkte werden mittlerweile in

über 30 Ländern verkauft. Etwa 2 Prozent

der weltweiten Fischfänge stammen aus

MSC-Fischereien. Auch Naturland setzt

auf Nachhaltigkeit (Logo oben)

Das MSC-Logo – von Unilever geschaffen,

einem der größten Fischverarbeiter

– ist umstritten. Kritikpunkt: Die

Zertifizierung wird zu früh im Prozess

vergeben. So genügt es, wenn Fischereien

zunächst nur einem minimalen

Standard gerecht werden, um das Siegel

zu bekommen. Damit, so Greenpeace,

sei das Vorsorgeprinzip nicht als Kerngedanke

der ökologischen Fischerei anerkannt.

Neu bei Greenpeace: Fischratgeber.

"Beliebt – aber bedroht".

www.greenpaece.de

Teil 7

Sind Aquakulturen die Lösung der Fischereikrise?

Sie sind eine interessante Alternative,

weil sich Fischbestände besser planen

lassen. Leider verschärfen herkömmliche

Formen von Aquakulturen das Problem

der Überfischung, weil die gehaltenen

Fische tierisches Protein im Futter

benötigen, das in der Regel in Form von

Fischmehl verfüttert wird.

Fischmehl sind getrocknete und gemahlene

Fische oder Teile davon, zum

Teil auch andere Meerestiere. Fischmehl

gewann man früher überwiegend aus

Abfällen, die nach dem Filetieren von

Speisefischen entstanden. In den letzten

Jahrzehnten ist daneben aber auch ein

Zweig der Hochseefischerei entstanden,

Geht’s dem Biokarpfen besser?

Gegenfrage: Wer will sich anmaßen zu

behaupten, einem Fisch gehe es gut

oder schlecht? Die EG-Ökoverordnung

hat sich an das Thema herangewagt und

fordert, man müsse „den Bedürfnissen

der Tiere gerecht werden“.

Die Bioverbände, zum Beispiel Bio-

land, haben diese Vorgabe konkret umgesetzt.

Bioland-Karpfen bekommen

Platz. Die Besatzdichte ist auf 600 Fische

pro Hektar begrenzt. In der konventionellen

Teichwirtschaft können es

bis zu 4 000 Exemplare pro Hektar sein.

Der Verband schreibt Teichwirten außer-

der bestimmte Fischarten ausschließlich

zur Fischmehlgewinnung für den konventionellen

Bereich fängt. So droht nun

auch diesen Beständen Überfischung.

Laut Greenpeace stammt heute über

ein Viertel der globalen Fischerei-Erträge

aus Zuchtanlagen. Die Welternährungsorganisation

der Vereinten Nationen

(FAO) erwartet, dass 2030 mehr als die

Hälfte aller Speisefische aus derartigen

Kulturen kommt. Ökoaquakulturen achten

auf eine nachhaltige Nutzung der

marinen Ressourcen zur Fischmehlgewinnung.

Diese kann beispielsweise das

Marine Stewardship Council garantieren

(Logo links).

Sind vegetarische Fische die besseren Fische?

In Hinblick auf die Ökobilanz in Aquakulturen,

ja. Zur Erklärung: Man unterscheidet

zwischen Fischen, die sich

pflanzlich ernähren (Karpfen), und

Raubfischen (Forellen, Lachse), die sich

von anderen Tieren ernähren (Insekten,

Krebse, kleine Fische).

Biokarpfen düngen die Teiche, in denen

sie gehalten werden, mit ihren Ausscheidungen.

Dadurch gedeihen Algen

und Plankton. Sie stellen im Sommer die

Futtergrundlage der Karpfen. Zum Teil

produzieren Biokarpfen also ihr eigenes

Futter. Ansonsten erhalten Biokarpfen

Roggen, Weizen oder Lupinen aus biologischem

Anbau.

Forellen oder Lachse hingegen benötigen

tierische Nahrung, die nicht in den

Teichen heranwachsen kann, in denen

die Fische gehalten werden. Man gibt ihnen

Futter auf Fischmehlbasis und muss

dafür auf Wildfisch zurückgreifen. So

braucht man, um ein Kilogramm Lachs

zu erzeugen, drei Kilogramm Wildfisch.

Für Biofisch, schreibt die EG-Ökoverordnung

vor, müsse das Futter aus „der

nachhaltigen Nutzung der Fischerei“

stammen.

dem vor, ihre Biokarpfen in naturnah

gestalteten Teichen zu halten, die nicht

mit Folien abgedichtet sind. So können

die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen

eher ausleben, etwa im Schlamm

gründeln, um dort Futter zu suchen.

Außerdem müssen mindestens

20 Prozent des Ufersaums als Flachwasserbereich

gestaltet sein, in dem Uferpflanzen,

etwa Schilf, wachsen können.

Hier sollen Rohrsänger singen und Eisvögel

fischen dürfen. Sogar, dass „Adler

hier gerne auf Jagd gehen“, ist ausdrücklich

festgehalten.

Schrot &Korn November 2008

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