Fast pure Natur

bioverlag

Fast pure Natur

B ioBasics

Ein Service von

Neue serie

BioBasics

Teil 1: Bio-Geschichte

Wie Bio entstand. Was Bio heute ist.

Teil 2:

Wurst und Fleisch

Verarbeitung, Tierhaltung

Teil 3:

Obst und Gemüse

Anbau, Pestizide, alte Sorten

Teil 4:

Brot und Backwaren

Getreideanbau, Verarbeitung,

Zusatzstoffe

Teil 5: Eier

Futter, Tierhaltung Hühner

Teil 6: Milch

Verarbeitung, Milchviehhaltung

Teil 7: Fisch

Futter, Haltung

Teil 8:

Naturkosmetik

Inhaltsstoffe, Definition, Logos

Teil 9: Zusatzstoffe

Schrot &Korn Dezember 2008

NAturKosmetiK

Fast pure Natur

100 Prozent bio kann Naturkosmetik nicht sein. Warum trotzdem

einiges dafür spricht, sich für Naturkosmetik zu entscheiden, zeigen

die Antworten auf folgende Fragen. // Gudrun Ambros

Warum Naturkosmetik?

Seit Jahren machen konventionelle Kosmetikprodukte

negative Schlagzeilen.

Verbraucherschützer monierten in Deodorants

Triclosan, das nicht nur Bakterien

stoppt, sondern auch die Haut angreift

und der Leber schaden kann. Sie fanden

in Cremetöpfen Formaldehyd oder Parabene

als Konservierungsmittel, Stoffe, die

Allergien verursachen können und unter

Verdacht stehen, Krebs auszulösen.

Künstliche Moschusduftstoffe und chemische

Filter in Sonnenschutzmitteln sollen

hormonähnlich wirken, lagern sich

im Körper ein, geraten in die Muttermilch

Teil 8

und ins Grundwasser. Alles ganz legal.

Dazu kommen aufwendige, ressourcenfressende

Verpackungen, die ebenfalls in

die Kritik gerieten. So entstand eine neue

Vorstellung von Kosmetik: Statt mit Reini-

gungsmitteln die natürliche Schutzfunktion

der Haut zu stören, anschließend mit

Erdölprodukten zu versiegeln und mit

synthetischen Wirkstoffen wieder aufzupäppeln,

sollten natürliche, multifunktionale

Stoffe die Haut in die Lage versetzen,

optimal zu funktionieren. Es entstand die

kontrollierte Naturkosmetik: schonend

für Gesundheit und Umwelt.

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Annette Falck/ Jump fotoagentur

©


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B ioBasics

Bricht ein Biokajal

schneller ab?

Im Gegenteil, sagen die Hersteller.

Pflanzliche Öle und Wachse könnten

naturkosmetische Kajalstifte sogar geschmeidiger

machen. In den Anfangszeiten

der Naturkosmetik gaben Verbraucher

dennoch immer wieder mal

an, Ökoprodukte hielten dem Vergleich

mit den konventionellen nicht stand,

Cremes etwa würden nicht so lange halten.

Diese Zeiten sind passé.

Naturkosmetikfirmen verzichten

nach wie vor grundsätzlich auf synthetische

Konservierungsmittel. Sie gehen

andere Wege, ihre Produkte haltbar zu

machen. Sie setzen ultrapingelige Hygienestandards,

lassen unter Stickstoffklima

abfüllen oder nutzen die Multifunktionalität

ihrer Rohstoffe. Das

heißt zum Beispiel: Heilkräuter können

ätherische Öle liefern, die nebenbei

auch konservierend wirken.

Manchmal taucht der Vorwurf auf,

auch Naturstoffe könnten Allergien auslösen.

Stimmt, immerhin sind sie klar

deklariert. Andererseits verzichtet Naturkosmetik

bewusst auf synthetische

Inhaltsstoffe, von denen längst bekannt

ist, dass sie problematisch sein können.

Einige Kosmetikfirmen entwickeln zudem

spezielle Sensitiv-Serien mit optimal

verträglichen Inhaltsstoffen.

Ist immer Bio drin, wenn Natur draufsteht?

Nein. Weder „Bio“ noch „Natur“ sind Begriffe,

die in der Kosmetik geschützt

sind. Aber es gibt verbindliche Qualitätsstandards

in der Naturkosmetik: Verzicht

auf stark verarbeitete Produkte;

keine Stoffe aus der Erdölindustrie; keine

synthetischen Farb- und Duftstoffe.

Stattdessen setzt man auf pflanzliche

Rohstoffe, die so weit wie möglich aus

kontrolliert biologischem Anbau oder

aus kontrollierter Wildsammlung stammen,

und verwendet ausschließlich natürliche

Konservierungsmittel.

Für diesen Standard steht das Zeichen

des Bundesverbands Deutscher Industrie-

und Handelsunternehmen für

Ohne Tierversuche keine Sicherheit?

Doch. Naturkosmetik beschränkt sich

teilweise bewusst auf Inhaltsstoffe, deren

Unbedenklichkeit seit Langem belegt

ist. Laut Menschen für Tierrechte gibt

es davon 8 000 Stück. Neue Substanzen

allerdings müssen auf ihre Unbedenklichkeit

überprüft werden. Nur ist es dabei

nicht zwingend erforderlich, Versuchskaninchen

einzusetzen.

Eine mögliche Alternative stellt der

Versuch an Zellkulturen dar. Etabliert

sind bereits Tests an Personen. Ähnlich

wie bei Allergietests, bekommen

die freiwilligen Probanden das neue

Teil 8

Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel

und Körperpflegemittel

(BDIH). Auch Ecocert zertifiziert Naturkosmetik

mit Bioanteil.

Seit Herbst gilt das europaweit

geltende Siegel Natrue. Der Natrue-

Standard ist dreigeteilt. Stufe 1: Naturkosmetik,

Stufe 2: Naturkosmetik mit

Bioanteil, Stufe 3: Biokosmetik. Die erste

Stufe entspricht in etwa den

BDIH-Kriterien. Bei den

beiden höheren Kategorien

ist ein Bioanteil

der Naturstoffe von 70

und 95 Prozent vorgeschrieben.

Müssen für meinen Lippenstift Tiere sterben?

Möglicherweise schon. Karminrot

etwa kann aus Koschenille-Läusen her-

gestellt sein – auch teilweise in der

Naturkosmetik. Was für viele schlimmer

wiegt: Jedes Jahr müssen laut Menschen

für Tierrechte noch immer 38 000

Kaninchen, Ratten und andere Tiere in

Kosmetik-Tierversuchen in der EU leiden

und sterben.

Nach deutschem Recht sind Tierversuche

für die Entwicklung von Kosmetikprodukten

grundsätzlich verboten. Es

gibt jedoch Ausnahmen. Auch gilt das

Verbot nur für Rohstoffe, die ausschließ-

lich für Kosmetika verwendet werden.

Bei den wenigsten Inhaltsstoffen ist dies

der Fall. Aufgrund dieser komplizierten

Situation haben Verbände bzw. Label

eigene Richtlinien in Sachen Tierversuche

erstellt:

BDIH: www.kontrollierte-naturkosmetik.

de/richtlinie.htm (siehe Punkt 2)

Natrue: www.natrue-

label.de/fragen.html

(siehe letzte Frage)

Deutscher Tierschutzbund:

www.tierschutzbund.

de/00754.html

Produkt vorerst auf eine kleine Stelle

aufgetragen. 48 Stunden später folgt die

Kontrolle. Wenn jetzt das Produkt als

unbedenklich gilt, kann es in den Praxistest

gehen, beispielsweise einen Monat

lang morgens aufgetragen werden.

Damit stehen nicht nur die Verträglichkeit,

sondern auch die Wirksamkeit und

die subjektive Einschätzung durch die

Testpersonen auf dem Prüfstand.

Spätestens 2013 verbietet eine EU-

Richtlinie alle Tierversuche im Kosmetikbereich

sowie den Verkauf solcher

Produkte.

Schrot &Korn Dezember 2008

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