Digitale SLR Fotografie - Themen DigitLandschaften

imagfree

Digitale

LANDSCHAFTEN

Nr. 10 Januar - März 2012

Verbessern sie ihre Fotokenntnisse Für exzellente AuFnAhmen

Unentbehrliche Grundlagen

IgnorIeren SIe dIe drIttel-regel,

verändern den HorIzont,

und FotograFIeren SIe Im nebel.

www.digitale-fotografie-magazin.de

RATgEbER FüR

LANDSCHAFTSFoTogRAFIE

richtiger einsatz der tiefenschärfe

Bildaufbau, Licht und Belichtung

+ Filter für Naturaufnahmen

dIeSe FotoauSrüStung

benötIgen SIe alS eInSteIger,

FortgeScHrIttener und proFI

SPEZIAL

+ Der Umgang mit dem

professionellen

Raw-Format

für bessere Bilder

+ Fotoabenteuer Japan

Deutschland:

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Österreich:

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Außenaufnahmen Ausrüstung

Expertenanleitung

KompoSItIon: unSere proFIS

zeIgen, wIe SIe bIldSzenen

zuSammenStellen

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Digitale

LANDSCHAFTEN


ROSS HODDINOTT

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Liebe Leser und Fotografen

Landschaftsfotografi e – das ist das Thema dieses Magazins und ein

Hauptthema der Fotografi e überhaupt. Denn hier geht es darum,

die Welt, in der wir leben, abzubilden: naturgetreu oder abstrakt,

realitätsnah oder kunstvoll, detailbetont oder als großes Ganzes – die

Möglichkeiten sind unerschöpfl ich und nur durch Ihre Kreativität

begrenzt. Das ist die Leidenschaft der Landschaftsfotografi e.

Damit Sie Ihre Kreativität voll und ganz einbringen können, ist die Beherrschung der

Technik und der fotografi schen Grundlagen Voraussetzung. Eignen Sie sich durch

dieses Magazin das Basiswissen über Belichtung und Schärfe, Farben und Filter an.

Sie erfahren außerdem, wie sie ein Panorama, eines der häufi gsten Stilmittel in der

Landschaftsfotografi e, aufnehmen, und das Ergebnis später am Computer bearbeiten

können. Und dann bekommen Sie es mit Wasser, Nebel und der „magischen Stunde“ zu

tun – alles Dinge, auf die man als Landschaftsfotograf vorbereitet sein sollte …

Und wenn Sie von der einheimischen Umgebung genug haben, schweifen Sie doch

mal in die Ferne. Unser Fotoabenteuer „Japan“ bietet Anregungen, wie man sich ganz

anderen Landschaften und Kulturen nähern kann.

Immer das beste Licht wünscht

Hagen Hellwig

DIE NÄCHSTEN AUSGABEN VON „DIGITALE FOTOGRAFIE“ ERSCHEINEN AM

7. Februar 2012: Digitale Fotografi e-KREATIV

6. März 2012: Digitale Fotografi e-UPDATE

20. März 2012: Digitale Fotografi e-PRO

3. April 2012: Digitale Fotografi e-THEMEN/Einsteiger

Unsere Experten für Landschaftsfotografie

Alle unsere Experten veröffentlichen regelmäßig Beiträge im Magazin „Digital SLR Photography“

MARK BAUER

Der frühere Lehrer Mark

Bauer ist jetzt einer der

führenden

Landschaftsfotografen und

ein Experte für

Küstenfotografi e.

ROSS HODDINOTT

Ross Hoddinott ist ein vielfach

ausgezeichneter Fotograf mit

großer Erfahrung, die

Schönheit von

unterschiedlichen

Landschaften einzufangen.

HELEN DIXON

Helen Dixon hat sich den

Traum, den Hauptberuf

aufzugeben und eine

professionelle

Landschaftsfotografi n zu

werden, verwirklicht.

ADAM BURTON

Adam Burton ist ein weiterer

vielfach prämierter Fotograf

im Team. Seine

inspirierenden

Landschaftsbilder

bereichern dieses Magazin.

Wilkommen 3

IMPRESSUM

HERAUSGEBER: Ultimate Guide Media

REDAKTION: Chefredakteur: Hagen Hellwig

ART DIRECTOR: Dean Mullock

ENDREDAKTION: Hannah Bollwerk

FINANZDIREKTOR: Richard Layton

Die in diesem Magazin artikulierten Meinungen, sind

die Meinungen der jeweiligen Autoren und stimmen

nicht zwingend mit der Meinung des Herausgebers, der

Redaktion oder den Vertreibern dieses Magazins überein.

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Das Papier, auf dem dieses

Magazin gedruckt ist, besteht aus

umweltverträglichen Fasern.


INHALT Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

006 Landschaften vor der Linse

008 Grundlagen 1:

Schärfe

014 Expertenanleitung

Komposition: Den Vordergrund ins Bild

bringen

016 Grundlagen 2:

Belichtung

036 Grundlagen 3:

Tiefenschärfe

042 Grundlagen 4:

Raw-Format

057 Grundlagen 5:

Filter

064 Filter mit Photoshop

066 Grundlagen 6:

Wasser in

Landschaftsaufnahmen

083 Grundlagen 7:

Farbe in

Landschaftsaufnahmen

098 Expertenwissen:

Jahreszeiten und Landschaftsfotografi e

114 Panoramamotive

fotografieren

118 Fotoabenteuer Japan

126 Außenfotografie:

Nebel am frühen Morgen

131 Ausrüstung und Zubehör

138 Weitwinkelobjektive

142 Fotoschule

Fragen & Antworten: Weißabgleich,

Spitzlichter, stürzende Linien, Refl exionen,

Raw oder JPEG u.v.m.

154 Photoshop-Techniken:

Belichtung

156 Expertenanleitung:

Die magische Stunde

160 Expertenanleitung

Komposition: Wie man eine Bildszene

zusammenstellt

162 Die perfekte Belichtung


Der unentbehrliche Ratgeber

für Landschaftsfotografie

LANDSCHAFTEN VOR

DER LINSE

AUßERGEWÖHNLICH SCHÖNE LANDSCHAFTEN AUFZUNEHMEN – diese Fähigkeit wollen wir alle

besitzen. Fantastische Landschaften inspirieren mehr Fotografen als jede andere Art von Bild und auf

den ersten Blick erscheint es recht unkompliziert. Eine großartige Perspektive zu fi nden, die digitale

Spiegelrefl exkamera darauf zu richten und den Auslöser zu drücken. So einfach sollte es gehen. Diese simple

Herangehensweise wird Ihnen vielleicht einen anständigen Schnappschuss liefern, aber oft wird das Bild, das

Sie aufnehmen nicht der herrlichen Szenerie vor Ihnen gerecht. Wir waren alle schon einmal etwas enttäuscht

von einem Foto, dass nicht ganz unsere Erwartungen erfüllte. Der Unterschied zwischen einem anständigen

Schnappschuss und einem überwältigenden Bild hängt oft von einigen vielseitigen Ideen ab, relativ leicht

erlernbarem Expertenwissen, der Wahl der richtigen Ausrüstung und einer gewissenhaften Planung. Dieser

Ratgeber liefert Ihnen viele Inspirationen, und ein ausgezeichnetes Verständnis über diese Grundlagen und

wird hilfreich sein, Ihre gewöhnlichen Fotografi en in sehr spezielle Aufnahmen zu verwandeln.


GRUNDLAGEN #1

SCHÄRFE

V

iele Kompaktkameras besitzen einen Landschaftmodus, der automatisch auf

unendlich fokussiert. Das bedeutet, dass alle Landschaftsobjekte weit weg

sein müssen, um sie scharf zu fotografi eren. Mit der Digitalkamera steigt

jedoch unser Anspruch, denn mit der richtigen Kombination aus Blende und Fokus

kann man eine höhere Genauigkeit und Schärfe bei Landschaftsobjekten erzielen.

Die gängigste Methode ist, den Fokus auf unendlich zu stellen und dabei die kleinste

Blende zu wählen. Hier möchten wir Ihnen zeigen, wie man mit einer mittleren

Blendeneinstellung, z. B. f/13, und dem richtigem Einstellen des Fokus die Schärfe

noch weitaus verbessert.

1) Tiefenschärfe

Wenn man Landschaften fotografi ert, ist man oftmals geneigt, den gesamten

Bereich vom Vorder- bis zum Hintergrund scharf abzulichten. Erinnern wir uns, dass

Weitwinkelobjektive eine größere Tiefenschärfe hinter dem Brennpunkt besitzen als

längere Objektive, und kleinere Blenden zu einer höhere Tiefenschärfe führen als

größere. Ebenso kommt es auf akkurates Fokussieren an. Eine höhere Tiefenschärfe

liegt hinter dem Brennpunkt eines Bildes und nicht davor. Als Faustregel gilt, die

Tiefenschärfe damit zu erhöhen, indem man auf ungefähr ein Drittel der Strecke zum

Objekt scharf stellt. Genauer geht es allerdings mit der Hyperfokusdistanztechnik.

Wenn man die Hyperfokusdistanz an seinem Objektiv einstellt, erhöht sich die

Tiefenschärfe von halber Hyperfokusdistanz bis auf unendlich. Die Hyperfokusdistanz

ist bei hochwertigen Objektiven leicht einzustellen. Auf der Tiefenschärfenskala stellt

man einfach das Unendlichkeitssymbol gleich der richtigen Blendeneinstellung auf dem

Objektiv. Da auf Zoomobjektiven keine Tiefenschärfenskalen sind, benötigt man eine

Umrechnungstabelle, um die Distanz besser zu schätzen.

FOKUSSIEREN MIT DEM HYPERFOKUS:

Bei Objektiven mit Festbrennweiten ist eine Tiefenschärfenskala angegeben, um die

Hyperfokusdistranz abzulesen.

UNTERSCHIEDE DES SENSORS:

Der Hyperfokus unterscheidet sich bei Objektiven mit Vollbild-Sensor von denen mit

APS-C Sensoren – siehe Tabelle unten.

HYPERFOKUSDISTANZ: APS-C-SENSOREN

FOKUSLÄNGE 12 mm 15 mm 17 mm 20 mm 24 mm 28 mm 35 mm 50 mm 70 mm 100 mm 135 mm

Blende f/8 3.2ft 5ft 6.4ft 8.9ft 12.6ft 17ft 27ft 55ft 105ft 218ft 395ft

f/11 2.3ft 3.5ft 4.5ft 6.2ft 9ft 12ft 19ft 39ft 75ft 155ft 280ft

f/16 1.7ft 2.5ft 3.3ft 4.4ft 6.4ft 8.6ft 14.5ft 27ft 54ft 110ft 198ft

f/22 1.2ft 0.9ft 2.3ft 3.2ft 4.5ft 6ft 9.5ft 19.2ft 38ft 77ft 140ft

HYPERFOKUSDISTANZ: VOLLBILD-SENSOR

FOKUSLÄNGE 16 mm 20 mm 24 mm 28 mm 35 mm 50 mm 70 mm 100 mm 135 mm

Blende f/8 3.8ft 5.6ft 8.0ft 11ft 17ft 35ft 68ft 138ft 250ft

f/11 2.6ft 3.9ft 5.8ft 7.8ft 12ft 25ft 48ft 98ft 178ft

f/16 1.9ft 2.9ft 4.0ft 5.5ft 8.5ft 17.5ft 34ft 70ft 125ft

f/22 0.4ft 2.0ft 2.9ft 3.9ft 6ft 12.5ft 24ft 49ft 89ft


010 Grundlagen: Schärfe Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

2) Die Effekte der Beugung

(Diffraktion)

Je kleiner die Blendenöffnung umso höher die

Tiefenschärfe. Daher lautet eine gängige Empfehlung,

sehr kleine Blenden wie z. B. die f/16 und die f/22 zu

verwenden. Eine zu starke Verringerung der Blende

kann jedoch mit Hinblick auf die Bildschärfe den

gegenteiligen Effekt auslösen, den so genannten Effekt

der Beugung oder „Diffraktion“.

Die Ursache hierfür ist, dass das einfallende Licht

durch die Blendenränder gestreut wird. Durch das

Verkleinern der Blendenöffnung steigt der prozentuale

Anteil an gestreutem Licht bei der Belichtung des

Filmes, was eine verringerte Bildschärfe verursacht.

Dieser Effekt wirkt sich bei APS-C- etwas anders als

bei bei Vollformat-Sensoren aus. Manche Linsen sind

zudem anfälliger für die Beugung als andere. Generell

kann man jedoch sagen, dass der Beugungseffekt bei

einem APS-C-Sensor bei einer Einstellung unter f/11

und bei einem Vollformat-Sensor bei unter f/16 auftritt.

Natürlich kann man immer noch kleinere Blenden

verwenden, um schließlich zwischen Gesamtschärfe

und Tiefenschärfe abzuwäge, je nach bevorzugtem

Detailgrad. An dieser Stelle lohnt es sich, auf die

17-mm-Linse auf einem APS-C-Sensor zu verweisen,

die bei Blende f/11mit Hyperfokusdistanz eine

Tiefenschärfe von 68,5 Zentimeter bis unendlich

ermöglicht. Dies ist in den meisten Fällen ausreichend.

Um den Effekt der Beugung bei unterschiedlichen

Blenden zu demonstrieren, zeigen wir einige

Abbildungen die mit einer Blende von f/8, f/11, f/16

und f/22 mit konstantem Fokus und unter gleichen

Lichtverhältnissen mit jeweils unterschiedlicher Blende

aufgenommen wurden. Die Aufnahmen wurden

schließlich mit demselben Programm und Einstellungen

nachbearbeitet. Um die Effekte hervorzuheben, wurde

die Schärfe etwas erhöht.

Dies ist eine Vollbildaufnahme. Der Rahmen zeigt den

ausgeschnittenen Bereich, um den Effekt der Beugung

hervorzuheben – aufgenommen mit einer Canon EOS

20D und einem 17-40 mm-Objektiv.

Ergebnisvergleich: Die Ergebnisse mögen im Gegensatz zu

größeren Drucken in einer Zeitschrift nicht besonders

hervorstechen. Bei einer f/8 wirkt das Laub im Hintergrund

ziemlich scharf. Bei einer f/11 sieht es immer noch recht

scharf aus, aber bei weiterer Verringerung der Blendenöffnung

wird es, statt schärfer zu werden, bei steigender Tiefenschärfe

unschärfer. Dies ist im Bereich der Landschaftsfotografi e fatal,

denn bei Großformatigen Drucken kann das „vermatscht “

wirkende Laub die gesamte Aufnahme verderben.

PROFI-TIPPS

WAS IST DIFFRAKTION?

Dieser Begriff beschreibt den Verlust von

Bilddetails: Je kleiner die Blende, umso

mehr Licht wird von der Iris in der Linse

zerstreut.

f/8 f/11 f/16 f/22

MARK BAUER


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

3) Digitales

Nachschärfen

Selbst nach dem Fotografi eren kann

man die Schärfe einstellen. Alle digitalen

Aufnahmen profi tieren durch das

digitale Nachschärfen. Falls Sie den

Weichzeichner in Photoshop verwenden,

kann ein kleiner Pixelradius von 0,6

beste Resultate erzielen. Erhöhen Sie

langsam die Regler und beobachten Sie

die Vorschau.

Grundlagen: Schärfe 1


4

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für

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14 Komposition Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENANLEITUNG

Den Vordergrund ins

Bild bringen

VON ADAM BURTON Weil ich total begeistert von Weitwinkel-Fotografi e

bin, sind große Vordergründe ein konstantes Merkmal meiner

Landschaftsbilder. Wenn sorgfältig ausgewählt und gut fotografi ert,

erweckt ein guter Vordergrund eine Landschaftsaufnahme zum Leben und seine

Wirkung wird maximiert. Fotografi en mit detaillierten Vordergründen können dem

Betrachter das Gefühl geben, vor Ort zu sein und ziehen sofort die Aufmerksamkeit

und den Blick in das Bild hinein. Ich sollte darauf hinweisen, dass ich nicht rausgehe,

um primär nach Vordergründen zu suchen. Das Wichtigste bleibt immer das

Hauptobjekt im Bild, aber für mich kommt der Vordergrund direkt danach. Deshalb

suche ich, wann immer ich rausgehe, um Landschaften aufzunehmen, nach Orten,

die eine Menge an potentiellen Aufnahme-Möglichkeiten bieten. Bei der Ankunft

kunde ich das Gebiet aus und suche nach dem reizvollsten Objekt und dem besten

Winkel, um es aufzunehmen. Habe ich erstmal das Gebiet ausgewählt, in dem

ich Fotos aufnehmen möchte, beginne ich nach einem geeigneten Vordergrund zu

suchen.

Es gibt keine Regeln dafür, was sich als guter Vordergrund qualifi ziert, aber es gibt

wie immer ein paar Punkte zu beachten. Nur Sie können darüber entscheiden,

auf was Sie sich fokussieren wollen, und offensichtlich wird das auch dadurch

bestimmt, welche Objekte in unmittelbarer Nähe sind. Aber es ist eher wichtig,

sorgfältig aufzupassen, welche Objekte man mit einbezieht, als direkt das erste

Objekt, über das man stolpert, aufzunehmen. Da ich Landschaften bevorzuge,

schaue ich fast immer nach natürlichen Elementen, um einen Vordergrund zu

gestalten – Felsen, Blumen und Wasser sind die üblichen Verdächtigen. Diese, so

weiß ich, werden in das Bild passen, wohingegen ein von Menschen gemachtes

Objekt oftmals unausgeglichen aussieht.

Wenn Sie erst entschieden haben, was Sie als Vordergrund einbeziehen möchten,

denken Sie darüber nach, wie Sie die Aufnahme zusammenstellen, um das stärkste

Ergebnis zu erhalten. Idealerweise wird das Auge über den Vordergrund auf das

Hauptobjekt geführt, aber bei falscher Bildkomposition kann der Vordergrund zur

Ablenkung werden. Viele Fotografen fotografi eren fälschlicherweise immer nur auf

Augenhöhe: Wenn Sie auf niedriger Ebene liegende Felsen mit einbeziehen und

von einer Standposition eine Aufnahme machen, wird es dem Bild an Wirkung

fehlen. Versuchen Sie, sich niedriger und näher an Ihren gewünschten Vordergrund

heranzubewegen, und ihr Bild wird zum Leben erwachen! Aber passen Sie

auf, sich nicht zu niedrig und zu nahe an ihn heran zu bewegen, denn dann

riskieren Sie, dass Ihr Bild unausgeglichen wirkt. Der Vordergrund dominiert den

Hintergrund. Daher sollten Sie versuchen, Ihr Interessensobjekt sauber und einfach

zu halten – ein fantastischer Hintergrund geht hinter einem unaufgeräumten oder

chaotischen Vordergrund verloren! Zuletzt ist es wichtig, eine kleine Blende zu

benutzen. Fokussieren Sie auf ein Drittel Abstand in die Szene hinein, um eine

gute Tiefenschärfe zu erhalten. Sie können den Bildaufbau Ihrer Landschaftsbilder

erheblich verbessern, indem Sie diesen einfachen Schritten folgen.

KEIN VORDERGRUND Ohne Vordergrund, fehlt es

dem Bild an Wirkung und es kann langweilig und

uninteressant aussehen. Obwohl Wasser ein

attraktivesThema sein kann, fehlt es seiner

schlammigen Farbe in dieser Aufnahme an Anziehung.

GANZ OBEN: Obwohl Ihr Instinkt Sie

möglicherweise dazu verleitet, Ihr Stativ zu

verlängern und von einer stehenden Position

aus zu fotografi eren, lohnt es sich, auch

niedrigere Gesichtspunkte auszuprobieren.

OBEN UND RECHTS: Ein Stativ einzusetzen,

hilft bei der Landschaftsfotografi e wirklich. Ich

passte die Höhe an, bis ich mit dem Bildaufbau

glücklich war und benutzte einen

Polarisationsfi lter, um die Farben zu verbessern.

Bei der Auswertung meiner Aufnahmen an

einem LCD-Bildschirm, war ich in der Lage, die

Belichtung und die Tiefenschärfe zu

überprüfen, um sicher zustellen, dass ich das

bestmögliche Ergebnis bekomme.

MIT VORDERGRUND Da ein Vordergrund hier mit

einbezogen wurde, sieht das Bild sofort ausgeglichener

aus. Legen Sie sich jedoch nicht auf das erste Objekt

fest, das Sie fi nden. Diese Pfl anze ist ziemlich

unattraktiv.

NIEDRIGER AUSSICHTSPUNKT Ein niedrigen

Aussichtspunkt hilft dabei, Details in dem

moosbewachsenen Felsen herauszuheben. Die

Aufnahme ist geordnet und liefert einen guten

Vordergrund; aber es fehlt noch etwas Spezielles ...


Zusammenfassung

Vordergrund

1) MACHEN SIE IHRE

BEST HAUSAUFGABEN.

METHOD

HYPERFOCAL Verbringen FOCUS Sie dort, wo Sie

Focusing fotografi a eren third möchten, of the einige Zeit

way damit, into the nach scene dem and besten

using Vordergrund f/13 ensured zu suchen. Nehmen

maximum sharpness.

Sie nicht gleich das erste Objekt

vor, über das Sie stolpern.

2) VERMEIDEN SIE

UNORDNUNG.

Versuchen Sie den Vordergrund

einfach und ordentlich zu halten.

3) BEWEGEN SIE SICH NACH

UNTEN!

Gehen Sie nach unten und nahe

zum Vordergrund, um Wirkung

zu erzeugen.

4) SCHÄRFE

SICHERSTELLEN:

Stellen Sie eine kleine Blende ein

und fokussieren auf ein Drittel vor

dem Objekt.

5) NUTZEN SIE IHREN

BILDSCHIRM.

Prüfen Sie Ihre Ergebnisse auf

dem LCD-Bildschirm, korrigieren

Sie den Bildaufbau und nehmen

erneut auf.

FERTIGES BILD

Ein paar Blätter auf den Felsen zu

legen, erhöht Interesse und

Wirkung. Wenn ich es etwas an

meinen Aussichtspunkt anpasse,

wird der Vordergrund in eine

Position neben dem Zentrum

bewegt. Das verstärkt den

Bildaufbau.


Grundlagen # 2

PERFEKTE BELICHTUNGEN

Digitalkameras besitzen extrem genaue Multi-Zonen-Belichtungsmessungssysteme

mit einer Histogramm-Funktion zur akkuraten Belichtungsmessung. Nie zuvor

war die Belichtungsmessung leichter. Zur kreativen Kontrolle muss man die Dinge

allerdings selbst in die Hand nehmen. Das Grundproblem besteht darin, dass sich

unsere Augen beim Betrachten einer schönen Landschaft ständig anpassen, um

die Details von Helligkeit und Schatten wahrzunehmen. Unsere Pupillen öffnen und

schließen sich entsprechend der Lichtstärke und unser optischer Nerv besitzt eine

große Spanne und einen eindrucksvollen Spielraum. Trotz ihrer beeindruckenden

technischen Eigenschaften machen unsere Kameras Aufnahmen innerhalb relativ

begrenzter Parameter – die Kombination von Blende und Verschlusszeit wird je

nach Helligkeitsgrad des Ortes gewählt. Ein perfekt belichteter Himmel hat dunkle

Schatten zur Folge, Details in den Schatten resultieren in einem überstrahlten

Himmel. Wir müssen unserer Kamera helfen, die richtige Stelle der Szenerie zu

belichten oder die richtige Balance zu fi nden. Die folgenden Expertentechniken

helfen dabei, Bilder mit perfekter Belichtung aufzunehmen.

1) Die richtige Balance finden

Dieses Bild stellt den Landschaftsfotografen vor eine große Herausforderung:

extreme Helligkeitsgrade vom hellen Himmel bis zu schattigen Bereichen.

Man darf sich hier nicht vom nassen Sand im Vordergrund täuschen lassen.

Er refl ektiert eine Menge Licht vom Himmel. Natürlich ist es möglich, das Bild

nachträglich auf dem Computer zu manipulieren, aber zuerst muss sichergestellt

sein, dass die Aufnahmeeinstellungen die größtmögliche Information über das

gesamte Bild erfassen. Bei Überbelichtung verliert man Details der Wolken und

den blauen Himmel; Unterbelichtung füllt die Schatten des Piers und macht sie

fl ächig. Fängt die Kamera die Information nicht ein, gibt es keine Grundlage für

die Bearbeitung am Computer. Zwar wird es eine optimale Belichtungseinstellung

geben, sie könnte aber einen Kompromiss darstellen, und daher sollte man im

Zweifelsfall die Serienbild-Funktion der Kamera benutzen, um einige über-, und

einige unterbelichtete Bilder aufzunehmen.


MARK BAUER


018 Grundlagen: Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

2) Die richtige Belichtung

fi nden

Mark Bauer suchte nach einem speziellen

Motiv. Also schlenderte er umher bis zu einem

Dorffriedhof. Nachdem er ein Motiv nahe den

Kreuzen gewählt hatte, war als nächstes das

Problem der Belichtung zu lösen. Mark erklärt

Schritt für Schritt, wie er die Aufgabe anging:

1) Dies ist das Resultat des Multi-Zonen-

Belichtungsmessers der Kamera, ohne

Zuhilfenahme von Filterung. Die Szene ist

sehr kontrastreich, und die Kamera hatte

Schwierigkeiten, alle Tonwertinformationen

einzufangen.

2) Spotmessungswerte vom Fuß des Kreuzes

und dem Himmel zeigten eine Helligkeitsdifferenz

von 4,5 Blendenwerten an. Für die

Belichtungseinstellung der Landschaft benutzte

ich einen 0.9 Graufi lter (3 Blendenwerte) und

zog ihn bis unter die Horizontebene an den Rand

der dunkelsten Schattenstelle am Boden des

Bildauschnittes. Ich benutze einen weichen Filter,

um nicht in das Kreuz zu schneiden. Aber aufgrund

des Detailverlustes im helleren Bereich des

Himmels, reduzierte ich die Belichtung um zwei

Drittel einer Blende und wiederholte die Aufnahme.

3) Das Ergebnis ist so weit wie möglich „nach

rechts belichtet“ (siehe folgende Seite), ohne die

hellsten Bildteile zu kappen. Das Histogramm

zeigt immer noch dunkle Tonwerte aber auch viel

Information im oberen Bereich an, und, was am

wichtigsten ist, keine „abgeschnittenen” Schatten.

4) Eine direkte Konvertierung der Raw-Datei sieht

langweilig aus, dem Bild fehlen die Kontraste. Für

die entgültige Version reduzierte ich die Belichtung

leicht und fügte mehr Kontrast hinzu, vor allem in

den Schatten, um die dramatische Atmosphäre

der Originalszenerie zu erhalten. Ich habe zudem

den Weißabgleich optimiert, um Wärme und eine

stärkere Sättigung hinzuzufügen.

Zum Vergleich machte ich eine Aufnahme mit einer

Blende Unterbelichtung. Dies lässt die Schatten

schmutzig und undetailliert erscheinen, wie man

sehr deutlich sieht.

PROFI-TIPPS

Mitteltonmessung

Die Belichtungsmesser in digitalen Kameras

sind auf einen 18 Prozent grauen Mittelton

geeicht. Die Belichtungswerte auf einen

Mittelton wie beispielsweise auf das Gras

einzustellen, bietet einen guten

Ausgangspunkt für präzise Belichtungen.

BELICHTUNGEN

SCHATTEN

Diese zwei Beispiele rechts

zeigen, warum es keine gute

Idee ist, unterzubelichten

und dann zu versuchen, die

Schatten bei der Bearbeitung

hochzuziehen. Das nächste

Bild ist ungefähr eine Blende

unterbelichtet (um Details

der hellsten Bildteile zu

erhalten), und die

Schattenkurve wurde erhöht,

bis sie mit der Belichtung der

korrekt belichteten Version

überseinstimmt. Wie man

sehen kann, ist nicht harte

Konturen in den Schatten

anstelle glatter Übergänge

und eine Unmenge an

Bildrauschen zu erkennen,

sondern der Sensor hat auch

erheblich weniger Details

registriert.

1 2

3 4

5

MARK BAUER


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

3) Belichtung für Küstenlandschaften

Die richtige Belichtung für Aufnahmen an der Küste zu erreichen, kann ein

wenig kniffeliger sein als die Belichtung von Landschaften im Inland, da mehrere

Faktoren den Belichtungsmesser der Kamera täuschen können: Helle Refl ektionen

auf dem Wasser oder helle, schaumige Wellen können zu Unterbelichtung führen.

Falls man andererseits einen großen, dunklen Felsen für den Vordergrund gewählt

hat, könnte das eine Überbelichtung durch die Kamera bewirken. Es ist deshalb

wichtig, auf Bereiche mit besonders hellen oder dunklen Tonwerten zu achten

und die Belichtung dementsprechend abzugleichen. Außerdem empfi ehlt es sich

in der Praxis, nach jeder Aufnahme das Histogramm zu prüfen und die Aufnahme

eventuell zu wiederholen. In jeder Bildszene kann durch hellen Himmel, dunkle

Felsen und Refl ektionen auf dem Wasser ein großer Kontrastbereich auftreten.

Graufi lter sind unentbehrlich, und je nach den Umständen und der Helligkeit des

Himmels und des Wassers in Relation zum Vordergund kann es notwendig sein,

den Graubereich im Bildausschnitt sehr tief herunterzuziehen – eventuell bis unter

den Horizont zum oberen Ende des Vordergrundes. Ansonsten kann das zu einem

korrekt belichteten Himmel und Vordergrund mit einem Streifen von zu hellem

Wasser in der Mitte des Bildes führen. Beim Bemessen des Bildes zur Auswahl

der Stärke und Platzierung des Filters sollte also nicht vergessen werden, die

Werte des Vordergrunds, des Himmels und des Wassers zu berücksichtigen.

LANGE BELICHTUNGEN

BELICHTUNG VON BEWEGUNG

Eine fantastische Sache bei Aufnahmen am Meer ist

die Möglichkeit, die Bewegung der Wellen

einzufangen und Atmosphäre zu erzeugen. In

dunklem Licht und bei abgeblendeter Linse zur

Erweiterung der Tiefenschärfe sind lange

Belichtungszeiten ein Muss. Abhängig von den

Lichtverhältnissen können sie zwischen wenigen

Sekunden bis hin zu Minuten rangieren. Wenn die

Wellen bei geöffnetem Kameraverschluss die Felsen

umspülen oder am Ufer herauf- und herabfl ießen,

werden sie wie ein romantischer, geheimnisvoller

Schleier festgehalten. Um das Schauspiel von sich

an Land brechenden Wellen festzuhalten sind

Verschlusszeiten von einer viertel Sekunde oder

langsamer gut geeignet.

Grundlagen: Belichtung 019

HELEN DIXON ROSS HODDINOTT


020 Grundlagen: Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

4) Histogramme: Ein Hilfsmittel zum Prüfen der Belichtung

DIE GRUNDLAGEN Ein Histogramm ist grundsätzlich eine Kurve, welche oft einer Reihe von Berggipfeln

ähnelt und die Verteilung der Helligkeiten in einem Bild darstellt. Histogramme mögen auf den ersten

Blick sehr komplex und verwirrend aussehen, sind aber in Wirklichkeit sehr einfach zu lesen. Sie sind ein

essentielles Hilfsmittel für den digitalen Fotografen zur genauen Kontrolle der Belichtung des geplanten Fotos

und bieten die akkuratere Beurteilungssmethode im Vergleich zu einem nur am Kameradisplay bewerteten

Foto. Falls man noch nicht die Angewohnheit hat, regelmäßig das Histogramm eines Bildes zu überprüfen, ist

es also an der Zeit, dies zu tun. Mit Hilfe dieser Anleitung wird man bald sicher im Umgang mit Histogrammen

sein.

WAS IST EIN HISTOGRAMM? Ein Histogramm stellt die unterschiedlichen Tonwerte eines Bildes grafi sch dar.

Die horizontale Achse zeigt die Helligkeit eines Bildes von reinem Schwarz (0, außen links) bis zu reinem

Weiß (225, außen rechts) an, die vertikale Achse die Anzahl der Pixel für die entsprechende Helligkeit. Beim

Betrachten des Histogramms kann man erkennen, ob das Bild vorwiegend helle, dunkle oder mittlere Töne

enthält. Obwohl das Aussehen ebenfalls von der Farbe und dem Tonwert des Gegenstandes bestimmt wird,

signalisiert ein Histogramm mit einer hohen Anzahl von Pixeln (oder einer steilen Spitze) konzentriert im linken

oder rechten Bereich eine schlechte Belichtung. Ein Histogramm mit einer hohen Anzahl von schwarzen Pixeln

(angeordnet am linken Rand) zeigt zum Beispiel oft eine Unterbelichtung an – Details in den Schattenbereichen

eines Objektes erscheinen unkenntlich. Die Anordnung einer hohen Anzahl von Pixeln im rechten Bereich

des Histogramms signalisiert normalerweise eine Überbelichtung des Bildes. Die hellsten Bildteile werden

überstrahlt dargestellt, diese Details sind verloren. Eine Kurve mit einer schmalen Spitze im mittleren Bereich

und keinen (oder wenigen) schwarzen oder weißen Pixeln deutet auf ein kontrastarmes Bild hin.

WIE SOLLTE EIN HISTOGRAMM AUSSEHEN? Die Antwort darauf ist etwas kniffelig. Entgegen mancher

Aussagen existiert das „perfekte Histogramm“ nicht. Vielmehr zeigt es uns schlicht und einfach die Belichtung

eines Bildes an und erlaubt dem Fotografen zu entscheiden, ob und wie er die Belichtungseinstellungen

korrigiert. Daher wird das Histogramm eines hellen Motives anders aussehen, als das eines mit vorwiegend

dunklen Tonwerten oder einer Mischung von beiden. Generell aber sollte ein Histogramm eine gute

Tonwertverteilung über die horizontale Achse anzeigen, mit der Mehrheit der Pixel nahe der Mitte (100,

Mittelpunkt). Normalerweise ist es ratsam, Spitzen im rechten Bereich der Kurve zu vermeiden, da dies ein

Indikator für überbelichtete helle Bereiche ist und den Verlust von Details zur Folge hat. Bei der Beurteilung

eines Histogramms ist es wichtig, die Helligkeit des eigentlichen Gegenstandes zu berücksichtigen. Zum

Beispiel werden ein Motiv oder Objekt, welches einen hohen Anteil heller oder dunkler Tonwerte besitzt – so wie

Schnee oder eine Silhouette – natürlicherweise das gesamte Aussehen der Kurve beeinfl ussen. Man kann daher

keine generelle Aussage darüber treffen, wie ein gutes oder nicht gutes Histogramm auszusehen hat, es ist aber

durchaus möglich, Empfehlungen zu geben. Während eine gleichmäßige Verteilung der Pixel auf der Grauskala

oft als erstrebenswert anzusehen ist, zählt ebenso das eigene, durch Erfahrung angesammelte Wissen.

WIE PRÜFE ICH DAS HISTOGRAMM EINES BILDES? Die meisten digitalen Kameras können das Histogramm

auf dem LCD-Monitor während der Wiedergabe anzeigen. Dazu drückt man den Wiedergabeknopf, um das Bild

zu sehen, und blättert durch die zusätzlichen Foto-Informationsanzeigen, bis das Histogramm erscheint. Es ist

ratsam, dies als Grundeinstellung zu speichern, um das Histogramm und die Belichtungswerte bei Bedarf nach

jeder Aufnahme schnell parat zu haben. Zeigt das Histogramm eine Unterbelichtung an, sollte eine positive

Belichtungskorrektur durchgeführt werden. Eine negative Korrektur wird dagegen bei einer Pixelhäufung auf der

rechten Seite und Überbelichtung angewandt. Die Benutzung des Histogramms ist eine weitaus verlässlichere

Methode zur Belichtungsmessung als die Betrachtung des Bildes auf dem Kameradisplay, insbesondere bei

Außenaufnahmen in hellem Licht, da das refl ektierende Licht auf dem Display zu Täuschungen führen kann.

SPITZEN NACH LINKS Das Histogramm ist nach links

verzogen, denn durch den dunklen Hintergrund liegen viele Pixel

in verschatteten Bereichen. Dennoch ist das Bild gut belichtet.

PERFEKTE BELICHTUNG Ein typisches Landschaftsmotiv

erzeugt ein „perfektes Histogramm“, da es eine gute Verteilung

der Tonwerte und Spitzen im mittleren Helligkeitsbereich aufweist.

KEINE PANIK!

BELICHTUNGS-WARNHINWEISE

Die Mehrheit der Digitalkameras besitzt eine

Überbelichtungswarnung. Während

Histogramme die unterschiedlichen Tonwerte

eines Bildes grafi sch darstellen, um die gesamte

Belichtung des Bildes zu kontrollieren, hilft die

Überbelichtungswarnung dabei, das Überstrahlen

der hellsten Bildteile zu vermeiden. Insbesondere

weiße oder sehr helle Gegenstände in direktem

Sonnenlicht neigen dazu.

Ein Histogramm mit scharfen Spitzen zur äußeren

rechten Seite ist normalerweise ein Indikator für

überbelichtete Bereiche des Bildes.

Die Überbelichtungswarnung markiert die Pixel,

die den reinen Weißwert (255) überschreiten.

Diesen Pixeln ist kein Wert zugewiesen, das heißt

sie können nicht bearbeitet werden und werden

wirksam entfernt, ohne Details oder

Informationen zu hinterlassen. Bei der

Wiedergabe des Bildes auf dem LCD-Monitor der

Kamera leuchten die Pixel auf, die aus dem

Dynamikbereich der Kamera fallen, und liefern so

eine schnelle grafi sche Darstellung der

überstrahlten und detailarmen Bereiche des

Bildes. Zur Behebung setzt man die negative

Belichtungskorrektur ein, um das nächste Bild

dunkler aufzunehmen.

Die Überbelichtungswarnung der Kamera ist nicht

immer standardmäßig eingeschaltet. Deshalb

sollte man im Benutzerhandbuch nachschauen

und diese Art der Belichtungswarnung

einschalten, wenn sie nützlich erscheint.

Normalerweise funktioniert dies über das

Wiedergabe-Menü der Kamera.

SPITZEN NACH RECHTS Ein gut belichtetes Foto einer sehr

hellen Szenerie erzeugt ein nach rechts verzogenes

Histogramm, ähnlich einem überbelichteten Bild.

ROSS HODDINOTT


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

5) Belichtung nach rechts

„Belichtung nach rechts“ ist eine zunehmend weit verbreitete Methode, die

Bildqualität zu maximieren – obwohl sie nur für Aufnahmen im Raw-Modus

anwendbar ist. Mit dieser Technik drückt man die Belichtungseinstellungen so nah wie

möglich an die Grenze der Überbelichtung ohne allerdings die hellsten Bildbereiche

zu kappen. Das Resultat zeigt ein Histogramm mit der Mehrheit der Pixel rechts

vom Mittelpunkt – daher der Name „Belichtung nach rechts“. Wenn man sich also

sicher im Umgang mit Belichtungen fühlt, sollte man diese Technik ausprobieren und

versuchen, so weit wie möglich nach rechts zu belichten, ohne die hellsten Bildteile zu

kappen. Wahrscheinlich wird das Bild in der Raw-Konvertierung ein wenig hell wirken,

kann aber leicht mit der Helligkeits- und Kontrastkontrolle behoben werden und man

erreicht bessere Ergebnisse, als wenn man ein dunkles Bild nachträglich aufzuhellen

versucht. CCD- und CMOS- Sensoren messen das Licht linear. Die meisten Kameras

liefern ein Bild mit 12 Bit und 4096 Helligkeitsabstufungen über 6 Blendenstufen. Die

Helligkeitsabstufungen sind jedoch nicht gleichmäßig über die sechs Blenden verteilt,

da jede Blendenstufe nur die Hälfte der vorherigen Lichtmenge aufzeichnet. Auf die

erste Blende entfallen die Hälfte der Tonwerte, also 2048, auf die zweite dann 1024,

und so weiter. Folglich enthält die letzte und dunkelste Blende nur noch 64 Ebenen.

Auch wenn dies zunächst verwirren mag, lässt sich vereinfacht sagen: Wenn man

die rechte Hälfte des Histogramms nicht ausreichend nutzt, gehen rund die Hälfte

der vorhandenen Ebenen verloren, da auf sie die Mehrheit der Helligkeitsabstufungen

fallen. Wenn man also absichtlich unterbelichtet, um die Details in den hellsten

Bildteilen zu erhalten – eine übliche Praxis unter vielen digitalen Fotografen – verliert

man eventuell eine große Datenmenge, die eigentlich erfasst werden könnte.

PROFI-TIPPS

Grundlagen: Belichtung 021

FARBHISTOGRAMME

Bei einigen Kameras hat man die

Möglichkeit, separate Histogramme für die

Rot-, Grün- und Blaukanäle aufzurufen. Es

empfi ehlt sich aber, diese Option zu

ignorieren und das standardmäßige

Graustufen-Histogramm zu benutzen.

GROSSES BILD UND KASTEN: Belichtung nach rechts im

Histogramm maximiert die Detailgenaugkeit und minimiert Störungen.

Im Raw-Konverter erscheint die Aufnahme zu hell und verwaschen,

deshalb die Helligkeits- und Kontrastkontrolle zur Bildabstimmung

benutzen.

MARK BAUER


22 Grundlagen: Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Zeitautomatik ist die

richtige Betriebsart für Sie!

Wieso ist die Zeitautomatik bei

Landschaftsaufnahmen nützlicher als jede andere

Belichtungsart? Wenn Sie weiterlesen, erfahren Sie

alle Geheimnisse.

IN DER BETRIEBSART ZEITAUTOMATIK können Sie

entscheiden, welche Blendenöffnung (f/-Zahl) Sie zum

Fotografi eren verwenden möchten, während die Kamera auf der

Grundlage der herrschenden Lichtverhältnisse automatisch eine

Verschlusszeit festlegt, um die richtige Belichtung zu erzielen. Mit

anderen Worten: Sie können die Blendenwahl vorgeben, und die

Kamera wählt danach die Verschlusszeit aus.

Da die Blende die Tiefenschärfe (den Bereich des scharfen Fokus)

in einem Foto am stärksten beeinfl usst, ist die Zeitautomatik die

praktischste Betriebsart, wenn Sie ein Motiv oder eine Situation

fotografi eren, bei der die Kontrolle über die Tiefenschärfe wichtig

ist.

Die Landschaftsfotografi e ist das beste Beispiel. Beim

Fotografi eren von Landschaften sollten Sie im Allgemeinen darauf

achten, dass die Tiefenschärfe so groß ist, dass die gesamte

Szene scharf ist – vom unmittelbaren Vordergrund bis in die

Unendlichkeit. Das bedeutet, dass Sie eine kleine Blende wie

f/11 verwenden müssen. In der Betriebsart Zeitautomatik können

Sie das problemlos tun, weil Sie die erforderliche Blende aktiv

einstellen müssen.

Bei Porträtaufnahmen ist es in der Regel genau umgekehrt: Sie

wollen eine geringe Tiefenschärfe, damit das Modell scharf und

der Hintergrund unscharf ist. Sie müssen das Bild also mit einer

großen Blende wie f/4 oder f/2.8 aufnehmen. Auch das ist mit

der Zeitautomatik einfach, weil Sie – und nicht die Kamera –

entscheiden, welche Blende verwendet wird.

Sie können aber auch bei anderen Belichtungsarten festlegen,

welche Blende benutzt wird. Hierfür ist jedoch eine etwas

andere (und langwierigere) Vorgehensweise erforderlich. In

der Betriebsart Belichtungsautomatik (S oder Tv) müssen

Sie beispielsweise nur die Verschlusszeit ändern, bis die

Kamera die gewünschte Blende einstellt. Ähnlich können Sie

im Programmmodus mit der Programmumschaltfunktion die

Blenden-/Verschlusszeitkombination ändern, die die Kamera

eingestellt hat, bis Sie die gewünschte Blende haben.

Der Vorteil der Zeitautomatik im Vergleich zu diesen

alternativen Betriebsarten besteht darin, dass die Kamera eine

einmal eingestellte Blende nicht ändert, auch wenn sich die

Lichtverhältnisse ändern. Stattdessen wird die Verschlusszeit

angepasst, um die richtige Belichtung beizubehalten. Das ist

in der Betriebsart Belichtungsautomatik nicht so – wenn sich

hier die Lichtverhältnisse ändern, passt die Kamera die Blende

automatisch an, um die richtige Belichtung beizubehalten. Hier

hat also die Verschlusszeit Vorrang, sodass Sie weniger Kontrolle

über die Tiefenschärfe haben. Und im Programmmodus würde

die Kamera die Blenden-/Verschlusszeitkombination anpassen,

wenn sich die Lichtverhältnisse ändern.

Die Zeitautomatik ist auch eine praktische Betriebsart zur

allgemeinen Verwendung, wenn Sie einfach nur umhergehen und

fotografi eren, was Ihnen vor die Linse kommt, seien es Gebäude,

Details, Abstraktaufnahmen oder ungestellte Aufnahmen. Die

Anforderungen an die Tiefenschärfe variieren je nach Aufnahme.

Einmal brauchen Sie eine große und das nächste Mal eine

möglichst geringe. Aber das kann mit dem Einstellrad der Kamera

schnell festgelegt werden, und die Sucheranzeige hält Sie immer

auf dem Laufenden darüber, welche Blendenöffnung (und

zugehörige Verschlusszeit) Sie jeweils verwenden.

Funktionsweise

der Belichtungsarten

Wir haben bereits

festgestellt, dass Sie in der

Betriebsart Zeitautomatik

die gewünschte

Blendenöffnung einstellen,

und die Kamera die

entsprechende

Verschlusszeit für die

richtige Belichtung festlegt.

Hier wird kurz

zusammengefasst, wie die

anderen Belichtungsarten

funktionieren.

Vollautomatische

Betriebsart

Die Kamera stellt die

Verschlusszeit und die

Blende ein, um die

richtige Belichtung zu

erzielen. Sie können die

vorgegebene

Kombination nicht

verändern und keine

bestimmte Blende oder

Verschlusszeit

verwenden.

f/4 f/22

DIE AUSWIRKUNG VON BLENDENÖFFNUNGEN Da die Tiefenschärfe eine große Auswirkung auf

das fertige Bild hat, ist es nicht verwunderlich, dass viele erfahrene Fotografen am liebsten mit der

Zeitautomatik arbeiten. Diese beiden Aufnahmen zeigen, wie unterschiedliche Blenden zu sehr

unterschiedlichen Ergebnissen führen können.

Einstellen der Zeitautomatik an der Kamera

Das Auswählen der Zeitautomatik ist ganz einfach: Sie müssen lediglich das Einstellrad

für die Belichtung drehen (oder in einigen Fällen die Taste für die Belichtungsart

drücken) und A oder AV auswählen. Die Kamera ist dann auf die Betriebsart

Zeitautomatik eingestellt. Dann müssen Sie nur noch das kleine Einstellrad (entweder

am Handgriff oder rechts oben an der Rückseite der Kamera) drehen, um die Blende zu

ändern. Wenn Sie leicht auf den Auslöseknopf drücken, um das Belichtungssystem zu

aktivieren, können Sie feststellen, welche Verschlusszeit die Kamera ausgewählt hat.

Programmmodus

Der Programmmodus

funktioniert ähnlich wie die

vollautomatische

Betriebsart. Allerdings

können Sie für gewöhnlich

die Blenden-/

Verschlusszeitkombination

ändern, wenn Sie eine

bestimmte Blende oder

Verschlusszeit verwenden

möchten.

Canon Nikon Sony

Olympus Pentax Samsung

Belichtungsautomatik

Sie stellen eine

Verschlusszeit ein, und

die Kamera legt die

entsprechende Blende

fest. Wenn sich die

Lichtverhältnisse

ändern, wird dieselbe

Verschlusszeit

verwendet, aber die

Blende geändert.

Nachführmessung

Sie legen manuell sowohl

die Blende als auch die

Verschlusszeit fest, und

zwar unabhängig

voneinander, sodass sich

keiner der beiden Werte

ändert, auch wenn sich

die Lichtverhältnisse

ändern (es sei denn, Sie

passen einen Wert an).

Motivmodi

Diese Programmmodi

sind auf ein

spezifi sches Motiv

zugeschnitten. Dabei

werden verschiedene

Kamerafunktionen,

wie die AF-, Blitz- und

Belichtungssysteme,

entsprechend

eingestellt.

ROSS HODDINOTT


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Blendenstufen

Bei den meisten Kameras können Sie die Blenden

in Stufen von 1/2 ändern. Schauen Sie im Menü für

benutzerdefi nierte Funktionen nach – bei vielen

Modellen können Sie auch 1/3-Blendenstufen

einstellen, wenn Sie dies wünschen.

Grundlagen: Belichtung 23

Aufgenommen mit f/22

Mit der Zeitautomatik können

Landschaftsfotografen

kontrollieren, welcher Teil der

Landschaft scharf ist.

MARK BAUER


024 Grundlagen – Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENKURS

Verschlusszeiten und Landschaften

VON ROSS ARMSTRONG Für die meisten Landschaftsfotografen hat die

Blende Priorität, aber in einigen Situationen ist die Verschlusszeit ebenso

wichtig, da man sie nutzen kann, um einen Bewegungseffekt innerhalb

einer Szene zu erfassen. Weil man die Bildschärfe einer Landschaft

durch die Maximierung der Tiefenschärfe erhalten möchte, ist es gut,

die Verschlusszeit für sich arbeiten zu lassen, da die erforderlichen

kleineren Blenden auch lange Verschlusszeiten bedeuten. Dafür sollte man einfach

den Belichtungsmodus der Kamera auf Blendenautomatik (Tv oder S) einstellen.

Dies stellt die richtige Belichtung für die gewünschte Länge der Verschlusszeit sicher,

während die Kamera die geeignete Blende wählt.

Warum sollte man also die Verschlusszeit wählen und nicht die Blende? Die Antwort

ist folgende: Stellt man eine langsamere Verschlusszeit ein, so wird alles, was sich

beim Auslösen bewegt, etwa fl ießendes Wasser oder im Wind wehendes Laub,

als weiche Unschärfe erfasst, während alles Statische, etwa ein Zaun oder Felsen,

scharf und fokussiert aufgenommen wird. Der Effekt einer langen Belichtungszeit

verleiht den Aufnahmen zusätzliche Tiefe und Dimension, und es wird ein echtes

Gefühl von Bewegung erzeugt. Das Resultat kommt meist eher der Erinnerung

einer Szenerie näher, als ein lebloses Bild von Gras, auf dem jeder Halm scharf

zu sehen ist. Allerdings darf man nicht vergessen, dass sich Digitalkameras auch

täuschen können. Man muss aufpassen, nicht überzubelichten, wenn man zum

Beispiel ein Feld mit goldenem, sich wiegenden Gras in der Abendsonne fotografi ert.

Verlangsamt man die Verschlusszeit, kann die von der Kamera gewählte Blende

eventuell eine Überbelichtung des Bildes anzeigen. Natürlich kann man das Bild

und das Histogramm auf dem LCD-Monitor auf verwaschene helle Bildbereiche hin

überprüfen.

Um langsamere Verschlusszeiten und eine noch höhere Qualität in den eigenen

Landschaftsfotografi en zu erreichen, ist es angebracht, Filter zu benutzen. Ein Polfi lter

entfernt Refl ektionen und verdunkelt blaue Himmel, um den Wolken den „Wow“-

Faktor zu verleihen, und kann die auf die Sensoren auftreffende Lichtmenge um zwei

Blenden gleichzeitig reduzieren.

Zur Verstärkung von Bewegung und Unschärfe gibt es den Graufi lter, welcher keinen

Einfl uss auf die Farbbalance hat, sondern die durchgehende Menge an Licht reduziert

und somit die Wahl längerer Verschlusszeiten möglich macht.

Für optimale Resultate sollte man in der Morgen- und Abenddämmerung fotogafi eren

und immer ein Stativ benutzen. Man sollte an dunklen, wolkigen Tagen fotografi eren

und die Natur für sich arbeiten lassen – weniger helles Licht bedeutet, dass man

längere Verschlusszeiten erreicht.

An windigen Tagen sollte man die Kameratasche am besten an das Stativ hängen,

um die Ausstattung stabil zu halten. Ein hilfreicher Tipp ist es, einen Fernauslöser/

Selbstauslöser und Spiegelvorauslösung zu benutzen, um einen Kamerakontakt

während der Belichtung zu vermeiden. Nun heißt es: Auf den Wind warten,

Verschluss öffnen und, was auch immer passiert, sich nicht umhauen lassen!

OBEN, POL- UND GRAUFILTER: Ich

benutzte den Polfi lter in Kombination mit

dem Graufi lter, um den hellen Himmel

zurückzuhalten und eine ausgewogene, lange

Belichtung zu erreichen. Ich fotografi erte im

Raw- Modus und benutzte den Selbstauslöser

mit einer Belichtung von 1,6 Sekunden.

VERSCHLUSSZEITEN-VERGLEICH: Für

diese Fotoreihe war die Linse (10-22 mm/13

mm) auf das lange Marram- Gras im

Vordergrund gerichtet. Das Einzige, was ich

änderte, waren die Verschlusszeiten in einer

Sequenz von 1/50 bis 1,6 Sekunden. Man

kann sehen, wie bei der Verlängerung der

Verschlusszeit die Bewegung des Grases im

Wind zunehmend unscharf wird. Meine

Lieblingsaufnahme dieser Reihe ist die

längste Belichtung, welche die Bewegung des

Grases im tiefen Wintersonnenschein exakt

so einfängt, wie ich es errinnere.

1/50 SEK. 1/20 SEK. 1/10 SEK.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

FERTIGES BILD

Die Bewegung im Vordergrund trägt wirklich

zum Bildeffekt bei. Ich habe das

Histogramm und das Bild auf dem Display

benutzt, um die Belichtung und Spitzlichter

zu überprüfen.

1/5 SEK. 0,3 SEK. 0,8 SEK. 1,6 SEK.

Grundlagen – Belichtung 025


LICHT

D

AS LICHT IN LANDSCHAFT UND NATUR ändert sich laufend.

Manchmal ändert es sich langsam, wie mit den Jahreszeiten.

Während des Tages ändert es sich schneller, gegen Abend und

bei Dämmerung verändert es sich jedoch rapide. Das Wetter kann

das Licht an einem Ort innerhalb von Sekunden verwandeln, und

wenn Sie bei einer Aufnahme zwischen Aufnahme ins Licht oder mit

dem Licht wählen, können Sie umgehend einen großen Unterschied

erzielen. Auf den nächsten Seiten werden wir Ihnen dabei helfen, Licht

vorauszuberechnen. Außerdem lernen Sie zu verstehen, wie man sich

den ausschlaggebendsten Faktor der Fotografi e zu Nutze und nicht zum

Feind macht.

Lichtfall

Der Lichtfall übt einen dramatischen Einfl uss darauf aus, wie eine

Landschaft hinter dem Objektiv erscheint. Licht, das von vorne einfällt

mit Schatten hinter dem Motiv, von der Kamera entfernt, kann ein Bild

stumpf und uninteressant wirken lassen – obwohl mit der Sonne tief

über dem Horizont, kann es eine gute Farbsättigung bieten. Bei tief

stehendem Licht und Weitwinkelobjektiv gibt es zusätzlich die Gefahr,

dass der eigene Schatten nicht ins Bild fällt. Seitliches Licht ist der

Favorit bei vielen Landschaftsfotografen, da es Struktur und Schatten

aufzeigt, die über das Motiv fallen und Gestalt sowie Form hervorheben

und somit mehr an Tiefe vermitteln. Gegenlicht kann sehr dramatisch

wirken. Mit Schatten, die der Kamera entgegen rasen, liegt der

Schwerpunkt bei Gestalt und Form. Gegenstände werden als Silhouetten

aufgenommen. Je nach Situation, können diese Gegenstände vor einen

kräftigen Hintergrund platziert werden: Bäume mit Hintergrundlicht

durch einen Sonnenauf- oder -untergang können sehr effektiv aussehen.


028 Grundlagen – Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

2) Wetter und Licht

Rein theoretisch gesehen gibt es weder

gutes noch schlechtes Wetter in der

Landschaftsfotografi e. Gute Bilder können

unter jeder Bedingung erzielt werden.

Natürlich ergeben bestimmte Bedingungen

dramatischere Aufnahmen und der Trick liegt

darin, zu erlernen, wie man sie erkennen

und vorhersehen kann. Wenn Sie einen

Sonnenuntergang planen, geben Sie Ihren

Plan nicht auf, sobald sich eine Wolkendecke

ansagt. Sollte der Himmel aufreißen, besteht

die Möglichkeit, dass die Wolken von unten

her beleuchtet werden und den Himmel sehr

dramatisch aussehen lassen. Sonnenschein

und Schauer können in Momenten, da der

Regen aufhört und die Sonne durchbricht,

atemberaubend aussehen. Hinzu kommen

dann Gegenstände im Vordergrund vor einem

dunklen, verzogenen Himmel, die wie von

einem Scheinwerfer angestrahlt werden. Dies

sind jedoch nur fl üchtige Momente und sie

halten nicht sehr lange an. Sie müssen also

Ihre Kamera im Vorfeld vorbereiten. Sollte das

Wetter schlecht, grau, bewölkt und regnerisch

sein, kann man trotzdem Aufnahmen

machen. Bei solchen Bedingungen sollten Sie

sich in einen Wald aufmachen. Das diffuse

Licht eignet sich für diese Art Hintergrund.

Überraschenderweise kann der Gebrauch eines

Polfi lter eine Aufnahme erheblich verbessern,

da er Refl ektionen und blendendes Licht von

nassem Laub weglässt und Farben sättigt.

3) Fangen Sie die Stimmung

für Ihr Motiv ein

Aufnahmen in heller Umgebung erhöhen die

natürliche Stimmung Ihres Motivs. Zum Beispiel

sind manche Gegebenheiten von Natur aus ruhiger

und sehen besser aus bei dem korrespondierenden

weichen Licht eines Sonnenaufgangs und bei

Pastellfarben. Andere besitzen eine von Natur aus

drückende Atmosphäre und verlangen nach einem

dramatischen, theatralischen und ausgerichtetem

Licht. Aber das beste Licht kann Monate entfernt sein.

Schauen Sie sich die Fotos der Kapelle rechts an.

Die Kapelle hat eine recht drückende Präsenz, wie

man an diesen Bildern sehen kann und eignet sich

am besten für niedriges Licht und einen schweren

Himmel.

4) Verbessern Sie

niedriges Licht mit

Refl exen

Morgengrauen und Abenddämmerung

sind sehr stimmungsvolle Zeiten in der

Landschaftsfotografi e, obwohl sich der Boden

fast komplett im Schatten befi nden kann und

nur sehr wenige Einzelheiten erkennen lässt. In

der Nähe von Wasser können Sie Refl ektionen in

den Vordergrund integrieren. Das hilft dabei die

Aufnahme auszubalancieren und bringt Drama

und Effekt hinein. Je stiller die Gegebenheiten

sind, desto spiegelartiger ist die Oberfl äche. Da

die Sonne noch am Horizont aufgehen muss,

können die wundervollen Farben am Himmel

dazu genutzt werden, Farbe und Wirkungseffekt

in den Vordergrund zu stellen. Die leichte Brise

dieser Szene musste abziehen, damit das

Wasser ruhig genug war, um eine perfekt klare

Spiegelung wiederzugeben.

2

3

4


Wirkung und Eff ekt mit

Hintergrundlicht!

Hierfür gibt es einen speziellen Ausdruck: „Contrejour-Fotografi

e“, was auf Französisch „entgegen dem

Tageslicht“ bedeutet. Sollten Sie keine merkwürdigen

Blicke auf sich ziehen wollen, dann verbleiben Sie

bei „Hintergrundlicht“. Motive werden in Silhouetten

umgewandelt, Schatten, Strahlen und Refl ektionen

explodieren ins Objektiv und erschaffen das gewaltige

Gefühl, vor Ort zu sein. Belichten Sie mit Vorsicht, es

könnte kompliziert werden.

ALL E BILDER: MARK BAUER


030 Grundlagen – Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

TAGESLICHT IM FRÜHLING

6) Saisonbedingtes Licht

Im Winter präsentiert sich die Landschaft kahler, und der tiefe Stand der

Sonne wirft während des Tages lange Schatten. Die Luft enthält weniger

Staub und verleiht dem Licht Klarheit. Klare, kalte Nächte sorgen für

frostige Morgen mit pastellfarbenem Himmel.

Das Licht im Sommer ist oftmals weniger vorteilhaft für die

Landschaftsfotografi e, da der hohe Stand der Sonne für den größten Teil

des Tages ein harsches Licht erzeugt. Vermehrter Staub und Hitzeschleier

bedeuten, dass das Licht generell weniger klar ist.

Zu Anfang des Frühlings und im Spätherbst sind Licht und Klarheit besser

als im Sommer, und es ist durchaus möglich, während des größten Teils

des Tages Ausnahmen zu machen. Das Wetter ist wechselhaft, was zu

unbeständigen sowie dramatischen Aufnahmegelegenheiten führen kann.

Gegen Ende des Frühlings, nach einer kühlen Nacht, kann sich bei

Sonnenaufgang oft Nebel bilden, sobald sich die Erde aufwärmt.

TAGESLICHT IM SOMMER

TAGESLICHT IM HERBST TAGESLICHT IM WINTER

HALTEN SIE SICH

STARTBEREIT:

Es lohnt sich, stets eine gepackte

Tasche bereitzuhalten, so dass Sie

gewappnet sind, sobald der

Wetterbericht Schnee voraussagt

– gesparte Zeit, die Sie nicht

damit verschwenden müssen,

nach Filtern oder einem geladenen

Akku zu suchen. Das kann den

Unterschied ausmachen zwischen

einer Aufnahme wie unten oder

einer Aufnahme zu einem etwas

späteren Zeitpunkt, die mit

matschigen Fußstapfen übersäht

wäre.

AUSRÜSTUNG

BEHALTEN SIE AUFNAHMEN AUF

IHRER KAMERA, SO DASS SIE

VERGLEICHE ANSTELLEN KÖNNEN

Digitalkameras vereinfachen saisonale

Vergleichsanstellungen, wie bei den vier

Bäumen, die oben abgebildet sind. Wenn

Sie einen Ort alle drei Monate erneut

aufsuchen, behalten Sie die vorherigen

Aufnahmen auf Ihrer Speicherkarte, so

dass Sie die genaue Entfernung und

Maße nachstellen können.

ISTOCK PHOTO


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

7) Licht kurz „vor der Kippe”

Der Großteil der Geschehnisse in der Landschaftsfotografi e passiert

„auf der Kippe“ – während des Übergangs bei der Veränderung eines

Zustandes. In puncto Licht bedeutet dies den Übergang von Tag

auf Nacht und von Nacht auf Tag, der Wechsel von einer Jahreszeit

zur anderen, der Wechsel von ruhigem Wetter zu Sturm usw. Das

Festhalten dieser Momente kann beeindruckende Bildern hervorbringen.

Insbesondere sobald sie mit anderen Thematiken verbunden werden,

wie beispielsweise der Grenze zwischen Land und Wasser, Wildniss und

Zivilisation etc.

VORHER NACHHER

Hier treffen mehrere Themen aufeinander, die sich „auf der Kippe“ befi nden: die

Zeitspanne zwischen dem Vorüberziehen von einem Sturm und der Ankunft des nächsten,

die Grenze zwischen Land und Wasser und der Wandel zwischen Tag und Nacht.

Grundlagen – Belichtung 031

In der ersten Aufnahme (links) ist sich der Sturm noch dabei aufzuklären, während die

Sonne untergeht. In der zweiten Aufnahme (oben) war ein fantastisches Dämmerlicht zu

sehen, bevor der nächste Sturm heranzog.

MARK BAUER


032 Grundlagen – Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENANLEITUNG

Licht und Tageszeit

DIE TAGESZEIT ist einer der Hauptfaktoren, welcher die

Stimmung einer Landschaftsaufnahme ausmacht. Der niedrige

Stand der Sonne morgens oder abends kann einer Ansicht Wärme

sowie Farbe verleihen. Es ist jedoch gleichermaßen wichtig,

zu wissen, wie unterschiedliche Jahreszeiten und bestimmte

Wetterverhältnisse für bestimmte Lichtverhältnisse sorgen können.

Denken Sie daran, dass manche Orte zu bestimmten Jahreszeiten besser

wirken. Die Position von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang verändert sich

während des Jahres. Recherchieren Sie also zuerst Ihren Ort!

Planen Sie einen frühen Start, und machen Sie sich ein Bild von Ihrem

Motiv und seinem möglichen Potential. Hierin liegt der Schlüssel zum Erfolg

von erstklassigen Landschaftsaufnahmen. Sie haben genügend Zeit, die beste

Anordnung zu ermitteln bevor sich das fotogenste Licht des Tages einstellt. Sie

können sich ohne Hast und Eile in Ruhe vorbereiten.

Dieser Schauplatz sieht im Abendlicht am besten aus. Besonders im

August kann der hohe Stand der Sonne während des Tages ihn ein wenig

langweilig erscheinen lassen. In der Sequenz, die hier gezeigt ist, kam ich am

Spätnachmittag an und erwartete geeignetes Licht am Abend. Ich suchte mir

meine Position und machte um 17 Uhr eine Aufnahme zwecks Vergleich der

verschiedenen Tageszeiten. Wie Sie sehen können, war das Licht harsch und

die Landschaft erschien fl ach und farblos.

Um 18 Uhr hatte sich die Lage ein wenig verbessert. Ein Durchbruch in

der Wolkendecke bedeutete, dass der blaue Himmel durch das Meer refl ektiert

wurde, welches die Farbintentsität steigerte. Ich musste über zweieinhalb

Stunden auf perfekte Lichtverhältnisse warten. Letztendlich brach die Sonne

durch die Wolken und meine Aussicht wurde für ganze zehn Minuten in ein

wundervolles warmes Licht getaucht, bevor die Wolken sich wieder zuzogen.

Die Sonne war untergegangen, ich war jedoch noch nicht fertig, da ich noch

das Dämmerlicht erwartete. Zu diesem Zeitpunkt ist kein direkt ausgerichtetes

Licht zu sehen und der Schauplatz nimmt eine vollkommen neue Dimension

an – von einem surrealeren, beruhigenderen Ausmaß. Dies geschieht aufgrund

des Lichteinfalls oder besser gesagt, des fehlenden Lichteinfalls. Aufnahmen

an diesem Ort zu dieser Tageszeit bedeuten eine längere Belichtung, was den

beruhigenden Effekt ausmacht. Das Meer wirkt glatt, die Farben sind kühler

und dezenter und zwischen beidem besteht eine Harmonie.

Erfolgreiche Landschaftsfotografi e ist ein Resultat von Gemütsverfassung

und technischem Geschick. Geduld und Hingabe sind genauso wichtig wie die

richtige Kamera, Objektive und Stativ. Es war ein schönes Gefühl zu wissen,

dass sich das Warten lohnen würde und der Beweis dafür, dass Geduld eine

Tugend ist. Man sollte genug Zeit einplanen, um einen guten Aussichtspunkt zu

fi nden. Danach dreht sich alles ums Warten, da Licht launisch sein kann und

schwer vorauszusagen ist. Man weiß nie so genau, wie es letztendlich ausfällt.

18:00

1/12 Sek .bei f/13 (ISO 100)

Das zweite Bild dieser Serie weist einen Unterschied auf: Das Motiv hat mehr Farbe

und da es zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen wurde, verbessert sich das Licht.

17:00

1/20 Sek. bei f/13 (ISO 100)

Dies war eine Testaufnahme um die Komposition zu testen. Es ist selten, dass ich

Aufnahmen zu einer Tageszeit mache, an der sich die Sonne so hoch am Himmel

befi ndet. Man kann daran aber sehen, wie sich das Licht später verbessert.

20:45 (Dämmerlicht)

2,6 Sek. bei f/16 (ISO 100)

Dies war die letzte Aufnahme des Tages und zeigt, dass Dämmerlicht das rauheste

Meer ruhig erscheinen lassen kann. Je länger die Belichtung, desto ruhiger der Effekt.


20:30

1/20 Sek. bei f/13 (ISO 100)

GOLDENES LICHT:

DIES IST DAS MOTIV, WORAUF ICH

GEWARTET HATTE. DER LICHTWECHSEL

IST DER GRUND, WARUM ICH SO VIELE

AUFNAHMEN ZU DIESER TAGESZEIT

MACHE. ZU BEOBACHTEN, WIE ES SICH

ENTFALTET, NIMMT EINEM WAHRHAFTIG

DEN ATEM!

Zusammenfassung

Das richtige Licht!

1) PLANEN SIE IM VORAUS

Informieren Sie sich anhand der

Wettervorhersage und falls Sie die

Küste besuchen, informieren Sie

sich über die Zeiten von Ebbe und

Flut.

2) VORBEREITUNG

Vergewissern Sie sich, dass Ihre

Ausrüstung bereit ist: aufgeladene

Akkus, funktionstüchtige

Batterien, genügend

Speicherkarten. Überprüfen Sie

die ISO-Werte, den Weißabgleich

und dass das Objektiv sauber ist.

3) STARTEN SIE FRÜH

Starten Sie frühzeitig, damit Sie

genügend Zeit haben. Das Letzte,

was Sie gebrauchen können, ist

eine hastige Suche nach einer

geeigneten Komposition, während

das Licht langsam nachlässt.

4) PROBEAUFNAHMEN

Machen Sie ein paar

Probeaufnahmen. Sind Sie mit

Ihnen zufrieden? Prüfen Sie das

Histogramm der Aufnahme.

5) KOMPOSITION

Sind Sie zufrieden mit dem

Bildaufbau? Falls erforderlich,

suchen Sie sich gegebenenfalls

einen neuen Standort.


34 Grundlagen: Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENÜBUNG

Frühaufsteher werden mit dem Licht der „magischen Stunde“ belohnt

VON HELEN DIXON Die meisten Menschen

können sich etwas Schöneres vorstellen,

als ein paar Stunden vor Sonnenaufgang

aufzustehen, was häufi g noch mitten in der

Nacht ist. Aber wenn Sie bereit sind, dieses

Opfer zu bringen, werden Sie fast immer dafür belohnt.

Damit alles reibungslos klappt, ist eine gute Planung

wichtig. Sehen Sie sich den Wetterbereicht und die Zeiten

für den Sonnenaufgang im Internet an. Wenn Sie an die

Nordsee fahren, vergessen Sie nicht, die Zeiten für Ebbe

und Flut nachzulesen – Ebbe ist normalerweise die beste

Zeit für einen Besuch am Meer. Wenn Sie das Licht im

Stich lässt, können Sie immer noch Nahaufnahmen vom

Strand machen.

Ich versuche, mindestens eine halbe Stunde vor

Sonnenaufgang vor Ort zu sein, weil das wirklich

magische Schauspiel oft schon vonstatten geht,

bevor die Sonne aufgeht. Auf diese Weise habe ich

ausreichend Zeit, die Kamera einzurichten und den

besten Standpunkt zu fi nden. Suchen Sie sich nicht

immer nur klare Tage aus. Es ist besser, wenn der

Himmel bewölkt ist, da wunderschöne Farben am

Himmel entstehen, wenn die Wolken das Licht der Sonne

refl ektieren. Nach Möglichkeit sollten Sie bereits vor

dem eigentlichen Fototag einmal herkommen, um die

Umgebung in Augenschein zu nehmen. Suchen Sie nach

ansprechenden Orten, die Gelegenheiten für Aufnahmen

mit einem interessanten Vordergrund bieten.

Nebel entsteht meist während einer kalten Nacht. Er

hält sich am Morgen nur kurz, bis er sich unter der

Wärme der Sonnenstrahlen aufl öst. Sie sollten daran

denken, dass das Messsystem der Kamera unter nebligen

Bedingungen die Szene häufi g unterbelichtet, was zu

einer langweiligen, leblosen Landschaft führt. Um dies

wettzumachen, ändern Sie die Belichtung um +½

oder +1 Blendenstufe, da der Szene dadurch Leben

eingehaucht wird. Sehen Sie sich das Histogramm

auf dem LCD-Monitor der Kamera an, um sich zu

vergewissern, dass Sie die Szene nicht überbelichtet

haben.

Die Verwendung von Neutraldichteverlaufsfi ltern

gehört bei der Landschaftsfotografi e so ziemlich zum

ZERSTREUUNG

„Ich habe gewartet, bis die

Sonne über dem Horizont

war, und das Licht von der

kleinen Baumgruppe zerstreut

wurde.“

Belichtung: 0,5 Sek. mit f/22.

Standardprogramm. Damit können Sie die hellsten

Teile des Bildes kontrollieren – also normalerweise den

Himmel. Früh am Morgen gibt es einen merklichen

Unterschied zwischen dem Licht am Himmel und dem

Licht auf dem Land.

Achten Sie auf Objektivrefl exlichter, wenn die Sonne

im Bild enthalten ist. Um diese zu vermeiden, sorgen

Sie dafür, dass die Filter und die Objektivoptik makellos

sauber sind. Ich verwende selten einen Wärmefi lter. Ein

Nachteil dieser Filter ist, dass grünes Blattwerk dadurch

einen gelb-braunen Farbstich bekommt. Stattdessen

stelle ich den Weißabgleich der Kamera auf „Bewölkt“

oder „Schatten“ ein, um die Szene ein wenig wärmer zu

gestalten. Vermeiden Sie die Einstellung „Automatischer

Weißabgleich (AWB)“, da das Licht dadurch kühler wird,

es sei denn, dass Sie genau diesen Effekt erzielen wollen.

Es gibt eine Reihe von Gründen, wieso ich persönlich

das Licht der Morgendämmerung dem Sonnenuntergang

vorziehe. Ich fange in meinen Bildern gerne eine gewisse

Stimmung ein, wenn dies möglich ist. Der frühe Morgen

ist die beste Tageszeit dafür, weil dann eine neblige oder

frostige Atmosphäre wahrscheinlicher ist. Das Licht ist

zu dieser Zeit oft diffus und weicher. Allerdings ist es

schwieriger, die Sonne am Morgen im Bild aufzunehmen

als am Abend, da beim Sonnenuntergang der

Verschmutzungsgrad über den Tag hinweg bereits so stark

angestiegen ist, dass die Helligkeit dadurch ein wenig

abgemildert wird. Ein weiterer großer Vorteil des frühen

Morgens ist die Ruhe, die dann herrscht – ich sehe kaum

jemals einen anderen Menschen. Die Welt gehört dann

nur mir. Es ist so befriedigend zu spüren, wie der Tag

erwacht, und das magische Licht der Morgendämmerung

mitzuerleben.

Wenn die Sonne dann aufgegangen und zu kräftig zum

Fotografi eren geworden ist, drehen Sie sich zur Seite, oder

wenden Sie der Sonne den Rücken zu. Aber achten Sie

darauf, dass Sie im Vordergrund keinen Schatten werfen.

Es ist jetzt an der Zeit, das warme Licht zu verwenden,

mit dem das Land beleuchtet wird. Licht ist nie statisch,

sondern ändert sich dauernd. Es ist der wichtigste

Bestandteil, der es uns ermöglicht, etwas Wunderschönes

zu schaffen.

Achtung Ausrüstung!

Helens Ausrüstung für

die „magische

Stunde“

„Überlegen Sie, welche

Ausrüstung Sie brauchen

werden. Absolut unverzichtbar

ist ein gutes, stabiles Stativ,

da Sie zu dieser Tageszeit mit

langen Belichtungszeiten

arbeiten werden. Ich

verwende ein Manfroto

MF4 aus Karbonfaser mit

einem Kopf des Typs

322RC2 –

es ist eine leichte, aber

stabile Halterung, und an den

mittleren Pfosten kann ich

meine Tasche hängen, wenn

ich an besonders windigen

Tagen zusätzliche Stabilität

möchte.

Ich verwende immer einen

Fernauslöser. Wenn Sie

keinen haben, verwenden Sie

den Selbstauslöser und die

Spiegelvorauslösung, um

Vibrationen zu vermeiden.

Ich fi nde mein 17-40 mm-Weitwinkelzoom

und mein 70-200 mm-Telezoom besonders

nützlich. Diese beiden Objektive reichen für

die meisten meiner Anforderungen.

Ich verwende das Weitwinkelzoom, wenn

ich viele Elemente im Vordergrund

aufnehme. Das Telezoom ist besonders gut,

um die Perspektive zu komprimieren und

an einem nebligen Morgen Ebenen zu

erzeugen.“

Spiegelvorauslösung

Viele Spiegelrefl exkameras haben eine

Funktion, mit der der Spiegel vor der

Aufnahme angehoben werden kann, um ein

Verwackeln beim Auslösen zu minimieren.

Oft wird sie über eine benutzerdefi nierte

Funktion aktiviert.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENÜBUNG

Mit ein wenig Durchhaltevermögen fotografi eren Sie atemberaubende

Sonnenuntergänge

VON MARK BAUER Landschaftsbilder

können zwar zu fast jeder Tageszeit gemacht

werden, aber die Landschaftsfotografen sind

sich einig, dass es zwei Tageszeiten gibt,

zu denen das Licht die besten Ergebnisse

liefert: die ersten und die letzten Stunden des Tages. Das

Besondere an diesen Tageszeiten ist, dass die niedrig

stehende Sonne lange Schatten wirft und die besonderen

Merkmale der Landschaft so richtig zur Geltung bringt.

Wenn Sie vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang

unterwegs sind, können Sie auch einige spektakuläre

Schauspiele am Himmel erleben, wenn die Wolken von

unten beleuchtet werden.

Das Licht ist zu diesen beiden Tageszeiten sehr ähnlich.

Welche dieser beiden Tageszeiten Sie bevorzugen,

hängt davon ab, welche Lichtrichtung am besten zu

Ihrem gewählten Motiv passt. So sieht eine Südküste

im Winter beispielsweise am besten am Ende des Tages

aus. Das Licht in der letzten Stunde des Tages ist in der

Regel wärmer. Und wenn die Sonne untergeht, wird

die Landschaft oft in einen goldenen Glanz getaucht.

Und das Schöne am Sonnenuntergang im Vergleich

zum Sonnenaufgang ist, dass Sie nicht zu einer schier

unmenschlichen Zeit aus den Federn müssen. Seien wir

doch ehrlich: Nicht jeder hat die Willenskraft und den

Enthusiasmus für Sonnenaufgänge wie Helen Dixon

(siehe vorherige Seite)!

In der „magischen Stunde“ sieht fast jede Landschaft gut

aus, aber einige Eigenschaften kommen besonders gut zur

Geltung, wie Steingebäude oder felsige Klippen. Wenn die

tief stehende Sonne alles erwärmt und die Struktur von

Felsen und Steinen hervorhebt, können Landschaften,

die zu jeder anderen Tageszeit langweilig aussehen, ganz

außergewöhnlich wirken.

Auch Wasser ist zu dieser Tageszeit ein ausgezeichnetes

Motiv. Denn wenn Sie einen interessanten Himmel

haben, können Sie die Wirkung mit Hilfe von Refl exionen

noch verdoppeln. Fließendes Wasser kann glitzern wie

ein Diamant oder mit langen Belichtungszeiten unscharf

gemacht werden. Auch hier hängt das Ergebnis davon ab,

wie viel und welche Art von Licht darauf fällt.

Die Richtung des Lichts kann die Stimmung von Bildern,

OSMINGTON MILLS BEACH

„Die tief stehende Sonne hebt die Details

des Felsvorsprungs hervor und taucht die

Klippen in einen warmen Glanz. Mit

einem 0,6-Graufi lter in einem Winkel,

der den Klippen nicht im Weg ist, werden

die Details im Himmel beibehalten.“

Canon EOS 5D mit einem 17-40

mm-Objektiv.

die am Anfang oder am Ende eines Tages gemacht

werden, stark beeinfl ussen. Eine Beleuchtung von vorne

kann kontrastarm aussehen, da die Richtung der Schatten

die Details der Landschaft nicht zur Geltung bringt.

Wenn die Sonne auf einer Seite ist, können Schatten

zur Erzeugung von Tiefe im Bild beitragen und Form

und Struktur aufzeigen. Eine Beleuchtung von der Seite

ist am besten, wenn Sie einen Polfi lter verwenden,

um Farben satter darzustellen. Dies ist nämlich am

wirkungsvollsten, wenn die Kamera in einem 90-Grad-

Winkel zur Sonne steht. Gegenlicht kann sehr dramatisch

wirken, aber die Belichtung lässt sich dabei nur schwer

kontrollieren. Außerdem müssen Sie aufpassen,

Refl exlicht zu vermeiden, da das Licht direkt auf die Filter

beziehungsweise die vorderen Elemente des Objektivs

fällt.

Wie können Sie aber angesichts des bekanntermaßen

unvorhersehbaren Wetters sicher sein, ob die „magische

Stunde“ Ihren Erwartungen wirklich gerecht werden

wird? Es ist sicherlich sinnvoll, sich Wetterberichte

anzuschauen. Die Website www.wetter.de ist zuverlässig,

und Sie bekommen eine ziemlich detaillierte Vorhersage

für bestimmte Regionen. Denken Sie aber daran, dass

die Vorhersage umso unzuverlässiger wird, je weiter

in die Zukunft sie gerichtet ist. Am besten sehen Sie

sich die Wettervorhersage am Abend vor den geplanten

Morgendämmerungsaufnahmen an. Dann wissen Sie

ziemlich genau, was auf Sie zukommen wird.

Wenn Sie mit dem Auto an den Aufnahmeort fahren,

hören Sie die lokalen Radiosender, und nicht die

nationalen. Und auch ein Blick in den Himmel kann

Ihnen viel über das zu erwartende Wetter sagen.

Für Sonnenuntergänge müssen Sie nach Westen blicken,

denn dort wird die Sonne zur „magischen Stunde“ sein.

Auch die meisten unserer Wetterfronten kommen von

Westen. Wenn Sie also immer ein Auge in diese Richtung

haben, können Sie sehen, ob die Bewölkung eher aufreißt

oder sich verdichtet.

Auch die Windrichtung, die vier Himmelsrichtungen

und Wettermuster sind sehr hilfreich, und Sie werden

letztendlich die Zeichen eines magischen Moments

erkennen können.

Grundlagen: Belichtung 35

Achtung Ausrüstung!

Die Ausrüstung von Mark

Bauer für die „magische

Stunde“

„Weitwinkelobjektive sind für

Landschaftsaufnahmen am beliebtesten. Aber

auch längere Objektive können geeignet sein,

die Art von Mustern und Strukturen

hervorzuheben, die in der ,magischen Stunde’

zum Vorschein kommen.

Mit einem Polfi lter können Sie eine

Beleuchtung von der Seite optimieren, indem

die allgemeine Sättigung verbessert wird. Aber

er ist besonders wirkungsvoll bei einem blauen

Himmel.

Ein stabiles Stativ ist absolut unverzichtbar.

Wenn Sie nach Sonnenuntergang

fotografi eren, ist nur noch wenig Licht

vorhanden, so dass ein Fotografi eren aus der

Hand nicht mehr in Frage kommt. Aber die

Verwendung eines Stativs ist ganz unabhängig

von den Lichtverhältnissen sehr sinnvoll – Sie

werden langsamer in Ihren Handlungen, Sie

überlegen mehr und Sie können kleine, aber

oft entscheidende Änderungen an der

Komposition vornehmen.

Graufi lter sind ganz wichtig, wenn Wolken von

unten beleuchtet werden und auf dem Land

kein direktes Licht ist. Mit Graufi ltern können

Sie den Kontrast besser kontrollieren.“

Weißabgleich

eißabgleich

Der Weißabgleich, den Sie einstellen, wirkt sich

entscheidend auf das Endergebnis aus.

Verwenden Sie nach Möglichkeit nicht die

automatische Einstellung. Wenn Sie im

Raw-Format fotografi eren, können Sie alle

Einstellungen später am Computer ausprobieren

und Ihre Lieblingseinstellung auswählen.


36 Grundlagen: Tiefenschärfe Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Die Grundlagen # 3

TIEFENSCHÄRFE

STELLEN WIR UNS VOR, SIE HABEN GERADE AUF EIN MOTIV

SCHARFGESTELLT, das fünf Meter entfernt ist. Wie scharf ist dann ein sechs

Meter entfernter Gegenstand? Oder auch nur ein fünfeinhalb Meter entfernter?

Die Antwort liefert die Tiefenschärfe – die Entfernung zu beiden Seiten des

Fokuspunkts, der als ausreichend scharfgestellt gilt. Solange Sie die Blende

kontrollieren, mit der Sie fotografi eren, kontrollieren Sie auch die Tiefenschärfe,

und Sie können sie kreativ einsetzen. Es gibt Situationen, in denen Sie keine

große Tiefenschärfe wollen. Sie erzielen diesen Effekt, indem Sie mit einer

großen Blende wie f/4 fotografi eren. Meistens wollen Sie bei

Landschaftsaufnahmen die Tiefenschärfe jedoch maximieren, damit ein

möglichst großer Teil der Szene scharf ist.

Details im Vordergrund sind wichtig und müssen scharf sein. Aber auch die

restliche Szene muss scharf sein. Das bedeutet, dass Sie kleine Blenden

verwenden müssen, um eine gute Schärfe zu beiden Seiten des Fokuspunkts

zu erzielen. Aber sehen Sie sich diesen letzten Satz noch einmal einen Moment

an, und dann denken Sie darüber nach, wo Sie scharfstellen sollten, wenn Sie

eine Landschaft fotografi eren. Viele Neulinge in der Landschaftsfotografi e

stellen nur zu gern auf die Unendlichkeit scharf, wenn sie eine Landschaft

fotografi eren. Aber vergessen Sie nicht, dass sich die Tiefenschärfe an beiden

Seiten des Fokuspunkts erstreckt. Der Bereich der Tiefenschärfe erstreckt sich

genau genommen von einem Drittel vor dem scharfgestellten Punkt bis zu zwei

Dritteln dahinter. Mit anderen Worten: Sie haben hinter dem Motiv mehr

Tiefenschärfe als davor. Es bringt natürlich keinen Vorteil, wenn die akzeptable

Schärfe über die Unendlichkeit hinaus geht. Aber Sie können den Fokuspunkt

zu sich heran ziehen, sodass sich stattdessen das Ende des

Tiefenschärfenbereichs in der Unendlichkeit befi ndet. Auf diese Weise wird ein

größerer Teil der Szene scharf. Diese Technik wird als „hyperfokale

Fokussierung“ bezeichnet und wird seit Jahrzehnten von professionellen

Landschaftsfotografen verwendet. Der optimale Fokuspunkt für eine

bestimmte Szene hängt von der Wahl der Blendeneinstellung und von der

Brennweite des verwendeten Objektivs ab – und ist bei Kameras mit

Vollformat- und APS-C-Sensoren unterschiedlich! Es gibt Rechner und

Taschenreferenztabellen, die Sie in Ihre Kameratasche stecken können, oder

Sie können eine zuverlässige Faustregel verwenden, wonach Sie mit dem

Objektiv, das auf eine kleine Blende eingestellt ist, ein Drittel in das Bild hinein

zielen. Wir behandeln beide Fokussierungstechniken und bieten Ihnen weitere

Expertenratschläge, damit Sie die Schärfe Ihrer Bilder maximieren können.

Unter anderem erfahren Sie, wieso Sie mit der kleinsten Blende nicht

unbedingt die schärfsten Ergebnisse erzielen, obwohl sie die größte

Tiefenschärfe liefert!

ADAM BURTON


Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Fokussieren mit der

hyperfokalen Entfernung

Lee Frost, Experte für die Landschaftsfotografi e,

erklärt die Verwendung der hyperfokalen

Fokussierungsentfernung und der Zeitautomatik

für superscharfe Landschaftsaufnahmen.

EINE DER GRUNDLAGEN erfolgreicher Landschaftsfotografi e ist die

Fähigkeit, die Tiefenschärfe zu kontrollieren und einzuschätzen, um

sicher zu sein, dass das Bild von vorne bis hinten scharf ist.

Die Betriebsart Zeitautomatik hilft Ihnen dabei. Sie werden hierbei

nämlich nicht nur gezwungen, darüber nachzudenken, welche Blende

Sie einstellen sollen, sondern es wird außerdem verhindert, dass die

Blende – wenn sie einmal eingestellt ist – geändert wird, wenn sich die

Lichtverhältnisse ändern oder Sie Filter auf das Objektiv setzen. Wenn

beim Fotografi eren mit der Zeitautomatik die Belichtung angepasst

werden muss, erfolgt dies anhand einer Änderung der Verschlusszeit

durch die Kamera, sodass die Blende unverändert bleibt. Das ist von

entscheidender Bedeutung, weil es bei dem Erreichen einer großen

Tiefenschärfe nicht nur um die Blendenwahl, sondern auch um die

Fokussierungsentfernung geht. Und zur Erzielung der bestmöglichen

Ergebnisse ist ein vorsichtiger Balanceakt erforderlich. Sie könnten jedes

Bild mit f/22 machen, wobei das Objektiv auf Unendlichkeit eingestellt

ist, und die meisten Weitwinkelaufnahmen wären von vorne bis

hinten scharf. Leider funktioniert diese einfache Methode nicht immer,

sodass Sie nicht die besten Ergebnisse bekommen. Weitwinkel- und

Zoomobjektive liefern die schlechteste optische Leistung bei der kleinsten

Blende und die beste Leistung bei etwa f/11. Idealerweise sollten Sie also

möglichst nah an Blende f/11 fotografi eren, um die optimale optische

Qualität zu erzielen. Und stellen Sie das Objektiv auf eine Entfernung

scharf, die die Tiefenschärfe mit dieser Blende maximiert. Auf der

anderen Seite stellt Helen Dixon eine einfache Fokussierungsmethode in

dieser Richtung vor, die ausgezeichnete Ergebnisse liefert.

Meine Lieblingstechnik basiert auf der so genannten hyperfokalen

Fokussierung. Hierbei wird auf einen Punkt scharfgestellt, der als

hyperfokale Entfernung bezeichnet wird. Dabei wird die Tiefenschärfe

für die verwendete Blende maximiert. Früher hatten die Objektive eine

Skala für die hyperfokale Entfernung auf dem Tubus, aber praktisch kein

Objektiv hat heute noch eine solche Skala. Es gibt eine Gleichung für

die Berechnung der hyperfokalen Entfernung für jedes Objektiv und jede

Blende. In wahrer Blue-Peter-Manier habe ich also genau das getan und

ein Diagramm mit hyperfokalen Entfernungen erstellt, das Sie kopieren

und vor Ort beim Fotografi eren verwenden können. Die Entfernungen

in Fuß (ft) geben die hyperfokale Entfernung für jede Brennweite und

Blende an. Wenn Sie das Objektiv auf diese Entfernung scharfstellen

und die entsprechende Blende einstellen, erstreckt sich die Tiefenschärfe

von der Hälfte der hyperfokalen Entfernung bis zur Unendlichkeit. Wenn

Sie also einen Sensor der Größe APS-C verwenden, und mit 24 mm

und f/11 fotografi eren, stellen Sie auf einen neun Fuß (ca. 2,7 Meter)

entfernten Punkt scharf – und die Tiefenschärfe erstreckt sich von 4,5

Fuß (ca. 1,35 Meter, die Hälfte der hyperfokalen Entfernung) bis zur

Unendlichkeit. Das ist für die meisten Situationen mehr als genug

Tiefenschärfe.

Zeitautomatik und Mehrzonenmessung

Bevor ich mich im Frühling 2008 endlich für das „digitale Zeitalter“

entschieden habe, hatte ich 20 Jahre lang mit Filmkameras

fotografi ert, die kein internes Messsystem hatten. Also habe

ich zur Ermittlung der richtigen Belichtung einen Hand-Spot-

Belichtungsmesser verwendet – der dann manuell auf der Kamera

eingestellt werden musste.

Glücklicherweise sind diese Tage lange vorbei. Digitalkameras

verfügen über fantastische integrierte Messsysteme, die selbst in

den schwierigsten Situationen perfekt belichtete Bilder produzieren.

Ich sehe also keinen Grund dafür, mir das Leben unnötig schwer

zu machen. Heutzutage wird meine Kamera auf Zeitautomatik

und Mehrzonenmessung eingestellt. Und dabei bleibt es in der

Regel auch. Zusammen mit dem Feedback vom Vorschaubild der

Kamera und dem Bildhistogramm habe ich alles, was ich brauche,

um sicher zu sein, dass ich in jeder Aufnahmesituation die perfekte

Belichtung habe. Das Gleiche gilt auch für Sie.

f/2.8

f/11

f/4

f/16

Grundlagen: Tiefenschärfe 37

Hyperfokale Entfernung: APS-C-Sensoren

Brennweite 12 mm 15 mm 17 mm 20 mm 24 mm 28 mm 35 mm 50 mm 70 mm 100 mm 135 mm

Blende f/8 3.2ft 5ft 6.4ft 8.9ft 12.6ft 17ft 27ft 55ft 105ft 218ft 395ft

f/11 2.3ft 3.5ft 4.5ft 6.2ft 9ft 12ft 19ft 39ft 75ft 155ft 280ft

f/16 1.7ft 2.5ft 3.3ft 4.4ft 6.4ft 8.6ft 14.5ft 27ft 54ft 110ft 198ft

f/22 1.2ft 0.9ft 2.3ft 3.2ft 4.5ft 6ft 9.5ft 19.2ft 38ft 77ft 140ft

Hyperfokale Entfernung: Vollformat-Sensoren

Brennweite 16 mm 20 mm 24 mm 28 mm 35 mm 50 mm 70 mm 100 mm 135 mm

Blende f/8 3.8ft 5.6ft 8.0ft 11ft 17ft 35ft 68ft 138ft 250ft

f/11 2.6ft 3.9ft 5.8ft 7.8ft 12ft 25ft 48ft 98ft 178ft

f/16 1.9ft 2.9ft 4.0ft 5.5ft 8.5ft 17.5ft 34ft 70ft 125ft

f/22 0.4ft 2.0ft 2.9ft 3.9ft 6ft 12.5ft 24ft 49ft 89ft

f/8

f/22


38 Grundlagen: Tiefenschärfe Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Benutzen Sie immer einen Stativ

Wenn Sie Landschaften im guten Licht

fotografi eren möchten, benutzen Sie immer

ein Stativ ein. Dann können lange

Belichtungszeiten keine Kameraerschütterung

verursachen.

Fertiges Bild: f/11

Wenn Sie ein absoluter

Anfänger sind benutzen Sie

Blende f/11 für eine optimale

Bildqualität. Wählen Sie eine

kleinere Blende nur, wenn Sie

eine größere Tiefenschärfe

erhalten wollen.

So einfach ist das!


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENANLEITUNG

Wie man die schärfsten

Landschaften in den

Kasten holt

VON HELEN DIXON Als Anfänger im Bereich der Landschaftsfotografi e

setzt man seine Kamera auf ein Fotostativ und stellt den Fokus bei

kleiner Blendenöffnung auf „unendlich“, um mit ausreichender

Tiefenschärfe möglichst viel von der Landschaft einzufangen. Zwar

funktioniert dieses Ausprobieren gut, jedoch lassen sich mit gezielten

Einstellungen beim Fokus und der Auswahl der Blende schnell Verbesserungen

erzielen.

Zunächst lässt sich beim Fokussieren auf „unendlich“ beispielsweise bei der

Entfernung die Tiefenschärfe um ein Drittel der Strecke zum Brennpunkt hin

verlängern und um zwei Drittel derselben Strecke dahinter. Während nun ein

Teil des Vordergrundes scharf ist, liegt der Nahbereich außerhalb des Fokus.

Zusätzlich haben Sie nun zwei Drittel der möglichen Tiefenschärfe verschwendet,

die nun hinter dem Punkt „unendlich“ liegt. Fokussieren Sie stattdessen nur auf

einen Teil der Distanz des Bildes, um die Tiefenschärfe zu erhöhen und so den

Vordergrund und die Distanz gleichermaßen abzudecken. Die optimale Distanz

des Fokus nennt man Hyperfokusdistanz. Es gibt unterschiedliche Wege diese zu

ermitteln. Die einfachste Methode (die zu 99 Prozent funktioniert) besteht darin,

auf ein Drittel der Distanz zur Bildszene zu fokussieren. Wenn Sie dabei eine

kleine Blende anwenden, bleibt durch die Tiefenschärfe der Vordergrund scharf,

während der Bereich dahinter durch die weiteren zwei Drittel der Tiefenschärfe

ebenfalls scharf bleibt. Mit jener Fokussiertechnik betrachten wir nun die richtige

Blendeneinstellung.

Während die kleinste Blendeneinstellung, z. B. f/32, zwar die höchste

Tiefenschärfe bietet, liefert sie nicht gleichzeitig optimal scharfe Resultate. Dem

liegen zwei Ursachen zu Grunde: Die meisten Linsen sind optisch so geformt,

dass sie die schärfsten Resultate bei einer Blendendenöffnung von f/8 bis f/13

liefern. Durch den Beugungseffekt lassen kleinere Blenden das Bild weicher

erscheinen, so dass diese den Vorzügen der Tiefenschärfe abträglich sind. Um

die ideale Blendegröße herauszufi nden, sollten sie einfach etwas herumprobieren

und die Ergebnisse auf dem heimischen PC vergrößert darstellen. Für die schärfst

möglichen Ergebnisse empfehle ich eher die Hyperfokusmethode mittels f/11 oder

f/13 statt die kleinste Blendenöffnung. Natürlich ruckelfrei auf einem Dreibein. Die

hier gezeigten Aufnahmen wurden aus Illustrationszwecken vor einem dominanten

Vordergrund aufgenommen. Bei allen drei Bildern war die Blendeneinstellung f/13.

Helen stellt ein Dreibein gegen Verwackelung auf und mit LiveView die Tiefenschärfe auf ihrem

LCD-Monitor und die Blende ein. Danach kann sie mithilfe des Zooms auf dem

LCD-Bildschirm die Bildschärfe überprüfen.

KEINE PANIK!

UNSCHARFER SUCHER

Bei Anwendung der Hyperfokusmethode bemerken Sie

sicherlich, dass der Sucher unscharf erscheint wenn Sie

ein Drittel des Bildes fokussiert haben. Das liegt daran,

dass die Linse stets auf die weiteste Blende eingestellt

ist, um den Sucher aufzuhellen. Die Tiefenschärfe wird

auf Minimal eingestellt. Drücken Sie den

Tiefenschärfeknopf zur Vorschau, oder machen Sie eine

Aufnahme mit beliebiger Blende. Sie werden sehen,

dass das Bild mehr Tiefenschärfe bekommt, weil sich

die Linse für die Aufnahme geschlossen hat.

VORDERGRUNDFOKUS

Weicher Hintergrund:

Beim Fokussieren auf

den Hintergrund

erscheint der

Vordergrund scharf,

aber die Boote im

Hintergrund wirken

leicht unscharf.

Grundlagen: Tiefenschärfe 039

UNENDLICHKEITSFOKUS

Weicher Vordergrund:

Bei der

Fokuseinstellung auf

„Unendlich“ wirkt der

Vordergrund weicher.

Dies ist vor allem bei

Anfängern beliebt.


040 Grundlagen: Tiefenschärfe Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

DIE BESTE METHODE

BEST DIE METHOD HYPERFOKUSMETHODE

HYPERFOCAL

Ein Maximum

FOCUS

an Schärfe

Focusing

erreicht

a third

man,

of the

wenn man auf

way into

das

the

erste

scene

Drittel

and

der gesamten

using

Distanz

f/13 ensured

zur Szene fokussiert.

maximum sharpness.

Zusammenfassung

Die Bildschärfe

maximieren

✔Verwenden Sie stets

ein Stativ.

✔Fokussieren Sie das

erste Drittel der Distanz

zum Objekt.

✔Kleine Blenden, wie

f/13 bis f/16 erzielen

bestmögliche optische

Qualität.

✔Mittels Live-View die

Tiefenschärfe im Blick

behalten.

✔Die Bildschärfe per

Zoom auf dem

LCD-Bildschirm

überprüfen.


Die Grundlagen # 4

RAW-FORMAT UND

LANDSCHAFTEN

AUCH WENN IHNEN DAS IM MOMENT VERMUTLICH NOCH Risiken Ri ik einzugehen. i h Und U dd das ist i tmit itAb Abstand t d di die bbeste t MMethode,

NICHT BEWUSS IST – erstklassige Bilder zu machen ist heutzutage neue Techniken zu erlernen und Ihren Fertigkeiten den letzten

dank digitaler Technologie einfacher, als es je in der Geschichte des Feinschliff zu verleihen.

Fotografi erens war. Wahrscheinlich sind viele von Ihnen erst im Natürlich ist das Betätigen des Auslösers nur der erste Schritt im

digitalen Zeitalter zum Fotografi eren gekommen. In diesem Fall kreativen Prozess. Denn wenn Sie dann zuhause sind, werden die

haben Sie wenig oder gar keine Erfahrung damit, wie das Leben Bilder auf einen Computer heruntergeladen, wo Sie diese Millionen

ohne Pixel war. Aber glauben Sie uns: Das digitale Fotografi eren ist von Farbpunkten mit Hilfe der neuesten Bearbeitungssoftware zu

ein Kinderspiel im Vergleich zum Fotografi eren mit Film.

atemberaubenden Kunstwerken machen. Für eine erfolgreiche

Immerhin können Sie die Aufnahmen nur wenige Sekunden, digitale Bildverarbeitung ist daher eine Kombination aus guter Arbeit

nachdem Sie sie gemacht haben, ansehen. Damit ist der Erfolg mit der Kamera und hohem Verarbeitungsgeschick erforderlich.

quasi vorprogrammiert, weil Sie beim Fotografi eren dazulernen Für viele kreative Fotografen gibt es nur eine Möglichkeit, beides zu

können. So können Sie Fehler korrigieren und Änderungen

erreichen: im Raw-Format fotografi eren. Wenn Sie bisher lieber mit

vornehmen, damit Ihnen nie mehr ein tolles Bild entgeht. Durch JPEG gearbeitet haben und keinen Grund dafür sehen, wie Sie von

diese Unmittelbarkeit und die Tatsache, dass nicht jede Betätigung Raw profi tieren könnten, lesen Sie weiter. Wir erklären Ihnen die

des Auslösers Geld kostet, werden Sie auch ermutigt, kreative vielen Vorzüge, die Ihnen die Arbeit mit dem Raw-Format bietet.


44 Grundlagen: Raw Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Einführung in das Raw-Format

Wenn Sie Details optimieren und die Kontrolle maximieren möchten, dann ist das Fotografi eren im

Raw-Format die Antwort. Wir erläutern die Grundlagen, die Sie für den Einstieg kennen müssen .

DER HAUTPUNTERSCHIED ZWISCHEN einer Raw-Datei

und einer JPEG-Datei besteht darin, dass die beim

Fotografi eren im Raw-Format auf der Speicherkarte der

Kamera aufgezeichneten Bilder aus den Rohdaten vom

Sensor bestehen. Es wird nichts hinzugefügt, nichts entfernt

und nichts verändert. Wenn Sie im JPEG-Format

fotografi eren, zeichnet die Kamera alle Rohdaten auf und

entwickelt die Datei dann in der Kamera. Dabei werden

voreingestellte Parameter auf den Weißabgleich, die

Scharfzeichnung und benutzerdefi nierte Kamerastile und so

weiter angewendet, unnötige Daten gelöscht und

anschließend auch die noch verbleibenden Rohdaten

entfernt.

Wenn man es mit einem Film vergleichen wollte, wäre eine

Raw-Datei ein Negativ, während eine JPEG-Datei in etwa

einem Farbdia entspräche. Dias sind praktisch, weil sie aus

dem Entwicklungslabor fertig zurückkommen und gleich

angesehen werden können. Das Gleiche gilt für

JPEG-Dateien, die angeblich direkt von der Kamera

ausgedruckt werden können. Diese Annehmlichkeit

bedeutet jedoch, dass Sie schon bei der Arbeit mit der

Kamera alles richtig hinkriegen müssen – es gibt weniger

Spielraum für Fehler. Negative sind zeitaufwändiger als

Dias, weil Sie sie in der Dunkelkammer nach Ihrem

Geschmack entwickeln müssen. Aber sie sind wesentlich

vielseitiger und lassen Ihnen mehr Spielraum für Fehler.

Genauso verhält es sich mit Raw-Dateien. Sie müssen

immer mit geeigneter Software „verarbeitet“ werden, bevor

sie fertig sind. Aber auf diese Weise können Sie auch

Änderungen vornehmen, um die Bilder zu verbessern und

beim Fotografi eren gemachte Fehler zu korrigieren. Mit einer

Raw-Datei können Sie die folgenden Hauptparameter

kontrollieren:

Die Farbtemperatur kann eingestellt werden, um

unerwünschte Farbstiche zu entfernen oder die Stimmung

eines Bildes zu verändern. Dies kann mit Hilfe von

Photoshop auch bei JPEG-Dateien durchgeführt werden,

allerdings nicht mit derselben Präzision.

Die Belichtung kann korrigiert – oder aus Gründen der

Kreativität verändert – werden, ohne die Bildqualität zu

beeinträchtigen. Wenn Sie dagegen eine JPEG-Datei heller

oder dunkler machen, wirkt sich das negativ auf die

Bildqualität aus. Sie können die Bildqualität auch

optimieren, indem Sie Raw-Dateien in der Kamera so weit

überbelichten, dass die Glanzlichter gerade nicht

„explodieren“, sodass die Schattendetails besser zur Geltung

kommen und die Rauscheffekte verringert werden. Die

Belichtung kann dann bei der Verarbeitung der Raw-Datei

„zurückgenommen“ werden. Dies ist nur möglich, weil die

Raw-Datei mehr Daten enthält als Sie benötigen, während

eine JPEG-Datei bereits komprimiert ist, das heißt, dass

„überschüssige“ Daten gelöscht wurden. Wenn Sie eine

Raw-Datei versehentlich überbelichten, sodass die

Glanzlichter „explodieren“, können Sie Details während der

Verarbeitung wiederherstellen. Das ist mit einer JPEG-Datei

Fehlerbehebung

F Ich kann die Raw-Dateien von meiner neuen Kamera nicht öffnen. Woran kann das

liegen?

A Das liegt daran, dass Kamerahersteller die Raw-Dateiformate ständig ändern, wenn

sie neue Kameras auf den Markt bringen. Adobe veröffentlicht regelmäßig

Aktualisierungen der Software Camera Raw (ACR) für neue Kameras.Unter www.

adobe.com können Sie nachsehen, ob in der neuesten Aktualisierung Ihre Kamera

enthalten ist.

F Ich habe gerade einige Raw-Dateien verarbeitet und als TIFF-Dateien gespeichert, aber

die Dateien sind wirklich klein. Was ist hier passiert?

A Wenn Sie ACR verwenden, öffnen Sie eine Raw-Datei. Unter der Dateinummer für

die Vorschaudatei sehen Sie eine Textzeile. Klicken Sie darauf, um ein Fenster mit

Arbeitsablaufoptionen zu öffnen. Wählen Sie „Adobe RGB (1998)“ für „Platz“, „16

Bits/Kanal“ für „Tiefe“, „300 Pixel/Zoll“ für „Aufl ösung“, und für „Größe“ wählen Sie den

Größenwert, der der maximalen Pixelaufl ösung Ihrer Kamera am nächsten kommt.

nicht möglich, sodass „explodierte“ Glanzlichter weiß

erscheinen. Und wenn Sie versuchen, sie dunkler zu

machen, werden sie einfach grau. Eine Scharfzeichnung

kann mit Hilfe der Scharfzeichnungs-werkzeuge in der

Raw-Dateiverarbeitungssoftware oder über Anwendungen

von Drittanbietern angewendet werden. JPEG-Dateien sind

jedoch bereits scharfgezeichnet, sodass jede weitere Arbeit

sehr vorsichtig gemacht werden muss, um die Bilder nicht

zu zerstören.

Alle Änderungen, die Sie an einer Raw-Datei vornehmen,

sind nicht zerstörerisch. Denn wenn sie – idealerweise in

eine TIFF-Datei – umgewandelt wird, bleibt die

ursprüngliche Raw-Datei unverändert. Das bedeutet, Sie

können später wieder zu derselben Raw-Datei

zurückkehren, um sie wieder zu verarbeiten. Raw-Dateien

enthalten auch so viele Daten, dass sie mehrmals verarbeitet

werden und dann kombiniert werden können, um entweder

Belichtungs- und Kontrastprobleme zu beheben oder als

Grundlage für kreative Techniken, wie HDR (High Dynamic

Range), die wir Ihnen später zeigen, verwendet zu werden.

Wenn Sie schließlich optimale Bildqualität möchten, dann

haben Sie mit dem Raw-Format die besten Karten.

Raw-Dateien unterstützen 16 Bit-Daten pro Farbkanal,

während JPEG-Dateien 8 Bit unterstützen. Der Unterschied

in der Bildqualität ist auf den ersten Blick nicht deutlich zu

erkennen, aber durch intensives Bearbeiten wird die Qualität

verringert, und bei 8-Bit-Dateien ist dies eher zu erkennen

als bei 16-Bit-Dateien.

Viele Fotografen lassen sich davon abschrecken, im

Raw-Format zu fotografi eren, weil sie meinen, dass es

kompliziert ist. Aber die Arbeit mit einer

Raw-Dateiverarbeitungssoftware ist sehr intuitiv (siehe

Kasten), und alle Änderungen, die Sie vornehmen, können

problemlos wieder rückgängig gemacht werden. Eine

JPEG-Datei dagegen wird zwar von Anfängern als das

praktischere Format betrachtet, ist aber anfälliger für Fehler,

die Anfänger mit Sicherheit machen werden.

Was sind die Nachteile des Fotografi erens im Raw-Format?

Außer dass Sie mehr Zeit am Computer mit der

Dateiverarbeitung verbringen, gibt es nicht viele. Und wenn

Sie schon möglichst viel mit der Kamera richtig machen,

kann eine Raw-Datei in wenigen Sekunden bearbeitet

werden. Raw-Dateien sind etwa vier Mal so groß wie

JPEG-Dateien (in Megabyte), nehmen also mehr

Speicherplatz in Anspruch. Speicherkarten und externe

Festplatten kosten heutzutage aber nicht viel. Wenn Sie also

ein Vermögen für Ihre Kamera ausgegeben haben, sparen

Sie am falschen Platz, wenn Sie ein Bildformat wählen, nur

weil es weniger Speicherplatz braucht. Größere Bilddateien

bedeuten auch, dass sich der Puffer der Kamera schneller

füllt, wenn Sie im Raw-Format fotografi eren. Das kann zwar

frustrierend sein, wenn Sie Motive wie Sport oder wild

lebende Tiere fotografi eren, wobei viele Aufnahmen schnell

hintereinander gemacht werden. Aber für einen

Landschaftsfotografen ist das eigentlich kein Problem.

Fotografieren Sie im Raw- und JPEG-Format

Wenn Sie sich mit dem Fotografi eren im Raw-Format anfangs

nicht ganz wohl fühlen, stellen Sie doch Ihre Kamera einfach

so ein, dass jedes Bild sowohl im Raw- als auch im

JPEG-Format aufgezeichnet wird. Auf diese Weise gewöhnen

Sie sich an die Verarbeitung von Raw-Dateien und haben

gleichzeitig aber die beruhigende Sicherheit, dass Sie

dieselben Bilder auch als JPEG-Dateien haben.

Fotografieren und Verarbeiten von Raw-Dateien

Sie können die Kamera ganz einfach zum Fotografi eren

im Raw-Format einstellen: Wählen Sie zuerst einfach die

Bildqualitätseinstellung über den LCD-Menübildschirm

und dann die Option „Raw“ (oder „Raw und JPEG“).

Die Verwendung der Kamera und ihrer Bedienelemente

bleibt dadurch im Wesentlichen unverändert. Der

einzige Unterschied besteht darin, dass Sie das Bild

beim Fotografi eren im Raw-Format möglichst stark

belichten, ohne die Glanzlichter „abzuschneiden“ oder

überzubelichten. Dadurch zeichnen Sie möglichst viele

Schattendetails auf, was in der Folge zu einer besseren

Bildqualität führt. Das bedeutet jedoch, dass die Bilder

in ihrem Rohzustand überbelichtet erscheinen. Aber

das lässt sich während der Verarbeitung der Raw-Datei

leicht beheben. Hierfür fi nden Sie weiter hinten in diesem

Leitfaden eine schrittweise Anleitung. Sie werden außerdem

feststellen, dass deutlich weniger Aufnahmen auf die

Speicherkarte passen – nehmen Sie also immer genügend

extra Karten mit!

Software für die Verarbeitung von Raw-Dateien

Für die Verarbeitung von Raw-Dateien brauchen

Sie eine spezielle Software. Beim Kauf einer

neuen Kamera ist eine CD-ROM mit der Raw-

Dateiverarbeitungssoftware des Kameraherstellers

enthalten. Canon hat sein eigenes System,

ebenso wie Nikon und so weiter. Die meisten

Fotografen bevorzugen jedoch eine Raw-

Dateiverarbeitungssoftware von Drittherstellern.

Das mit Abstand beliebteste Programm ist Adobe

Camera Raw, das in allen Versionen von Photoshop

ab CS2, Photoshop Elements ab Version 3.0 und

in allen Versionen von Adobe Lightroom enthalten

ist. Apple Aperture hat auch seine eigene Raw-

Dateiverarbeitungssoftware, während Capture One

von Phase One bei einigen Fotografen sehr beliebt

ist. SilkyPix ist weniger bekannt, aber es lohnt sich,

die kostenlos herunterzuladende Software einmal

auszuprobieren.

ADOBE CAMERA RAW

www.adobe.com

APPLE APERTURE

www.apple.com/de

CAPTURE ONE

www.phaseone.com

SILKYPIX

www.silkypix.de


Das Raw-Format bietet mehr!

Haben Sie schon einmal Bilder angesehen und sich

gefragt, wie der Fotograf nur so viele Details in der Szene

erfassen konnte? Das Fotografi eren im Raw-Format hat

dabei zweifellos eine große Rolle gespielt.

FOTO: ADAM BURTON


46 Grundlagen: Raw Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Die Benutzeroberfl äche Adobe Camera Raw

Sie haben eine Fülle von Bearbeitungswerkzeugen und wissen nicht, wo Sie anfangen sollen?

Hier werden die Funktionen von Photoshop erklärt.

PROGRAMME ZUR KONVERTIERUNG VON RAW-DATEIEN

verfügen über eine Vielzahl von Bearbeitungswerkzeugen, die ein

Bild retten oder sein kreatives Potenzial freisetzen können. Die

Veränderungsspielräume sind bei einer Raw-Datei auf Grund der

großen Menge darin enthaltener Daten viel größer als bei einer

JPEG-Datei. Die Möglichkeiten zum Herumexperimentieren,

ohne die Bildqualität zu beeinträchtigen, sind also enorm. Hier

hoffen wir Ihnen anhand der Benutzeroberfl äche Adobe Camera

Raw (ACR) die zur Verfügung stehenden Funktionen ein wenig

näher zu bringen und Ihnen die Leistungsfähigkeit des

Raw-Formats beim Fotografi eren vor Augen zu führen.

Hilfsmittel für die Raw-Konvertierung mit Photoshop

WWeißabgleich: iß b l i h WWenn Si Sie iim

Raw-Format fotografi eren, können Sie den

Weißabgleich bei der Nachbearbeitung

steuern und müssen nicht die richtige

Weißabgleich-Voreinstellung in der Kamera

auswählen. In der Registerkarte

„Grundeinstellungen“ werden alle verfügbaren

Weißabgleich-Voreinstellungen in einem

Dropdown-Menü zur Auswahl angezeigt

(Beispiel: „Auto“, „Tageslicht“, „Bewölkt“ und

so weiter). Mit den Schiebereglern

„Temperatur“ und „Farbton“ können Sie auch

Ihren eigenen benutzerdefi nierten

Weißabgleich erstellen. Alternativ könnten Sie

mit dem Weißabgleichwerkzeug (das sich in

der Symbolleiste befi ndet, siehe nächste

Seite) auf einen rein weißen Teil des Bildes

klicken, wodurch der Weißabgleich

entsprechend eingestellt wird.

Wiederherstellung: Hiermit

können Sie ein Bild retten, bei dem die

Glanzlichter leicht überbelichtet sind. Sie

sollten sich natürlich nicht auf dieses

praktische Werkzeug verlassen, aber es ist

auf jeden Fall eine der wertvollsten

Funktionen in ACR. Sie können damit

Details im mittleren Farbtonbereich von

„explodierten“ Glanzlichtern

wiederherstellen.

Aufh elllicht: Die Option „Aufhelllicht“

befi ndet sich in der Registerkarte

„Grundeinstellungen“. Damit wird versucht,

Details von Schatten wiederherzustellen,

ohne Schwarztöne aufzuhellen. Ähnlich wie

ein Aufhellblitz wirft dieses Werkzeug Licht in

den Vordergrund. Mit dem Schieberegler für

Schwarztöne können Sie dem Bild mehr

Aussagekraft verleihen.

Rauschreduzierung: h d i In der

Registerkarte „Detail“ befi ndet sich ein

Abschnitt für die Rauschreduzierung. Er ist

in zwei Funktionen aufgeteilt: „Leuchtkraft“

(Grauskalarauschen, das ein Bild körnig

aussehen lässt) und „Farbe“ für

Sättigungsrauschen. Um die Effekte zu

sehen, vergrößern Sie das Bild auf

mindestens 100 Prozent.

Dynamik und Sättigung:

Dieses Werkzeug ist eine Alternative zum

Schieberegler „Sättigung“, mit dem alle

Farben in einem Bild gleichmäßig angepasst

werden.

Das Werkzeug „Dynamik“ dagegen wirkt

sich nur auf Farben aus, die eine Stärkung

benötigen, und nicht so sehr auf Farben, die

bereits einen hohen Sättigungsgrad haben.

Einige Fotografen führen in ACR möglicherweise nur die absolut

notwendigen Aufgaben durch und machen dann in Photoshop

selber mit der Verarbeitung weiter. Aber Sie könnten durchaus die

meisten – wenn nicht alle – Nachbearbeitungsaufgaben im

Raw-Format durchführen. Werkzeuge wie Belichtung, Kontrast,

Klarheit und Gradationskurven sind grundlegende Schieberegler,

die Sie vermutlich jedes Mal verwenden, wenn Sie ein neues Bild

öffnen. Deshalb behandeln wir diese in unseren schrittweisen

Anleitungen auf den nächsten Seiten. Und hier sind zehn der

weniger bekannten Änderungswerkzeuge, die einen genaueren

Blick lohnen …

Geteilte Tönung: Mit dieser

traditionellen Dunkelkammerbehandlung

der Tönung von Glanzlichtern und Schatten

können Sie Ihrem Bild ein ganz anderes

Aussehen verleihen. Hierfür müssen Sie nur

die Registerkarte „Geteilte Tönung“

auswählen und dann mit dem jeweiligen

Farbtonschieberegler die Farbe und mit dem

Sättigungsregler die Intensität einstellen.

Vergessen Sie auch den

Farbbalance-Schieberegler nicht, da Sie

damit je nach Richtung die Intensität des

Schattenfarbtons oder die des

Glanzlichtfarbtons hervorheben können.

Objektiv-Vignettierung: Dieses

Korrektur- und Kreativwerkzeug befi ndet

sich in der Registerkarte

„Objektivkorrektur“. Damit können Sie die

Ränder eines Bildes heller oder dunkler

machen. Da Helligkeitsabfall ein

Objektivfehler ist, der die Ecken eines Bildes

dunkler macht, bevorzugen es einige

Fotografen, diesen Fehler zu korrigieren.

Andere wiederum verstärken den Effekt

gerne. Mit diesem Werkzeug können Sie den

Mittelpunkt, die Kante und die Rundung der

Vignette kontrollieren.

Farbton, Sättigung,

Leuchtkranft: Mit den Bedienelementen

„Farbton, Sättigung, Leuchtkraft/Grauskala“

können Sie konkrete Farben auf ähnliche

Weise wie mit der selektiven Farbkorrektur

von Photoshop bearbeiten. Verwenden Sie

das Farbtonwerkzeug zum Ändern einer

Farbe, das Sättigungswerkzeug zum Ändern

der Farbreinheit und das Leuchtkraftwerkzeug

zum Ändern der Helligkeit. Es ist ratsam, die

Sättigung einer Farbe zu erhöhen und deren

Leuchtkraft zu verringern, statt einfach nur die

Sättigung zu intensivieren.

Grauskalamischung: In der

Registerkarte „Farbton, Sättigung, Leuchtkraft/

Grauskala“ haben Sie die Möglichkeit, das

Feld „In Grauskala umwandeln“ zu markieren.

Dadurch wird ein neuer Satz an Werkzeugen

mit der Bezeichnung „Grauskalamischung“

aufgerufen. Neben der Option „Auto“ können

Sie auch die Kontrolle über den

Farbtonbereich der Schwarzweißkonvertierung

übernehmen, indem Sie den Grad jedes

Farbtons im ursprünglichen Bild anpassen.

1

4

7

Farbwiedergabe:

Durch Auswahl der Registerkarte

„Kamerakalibrierung“ können Sie ein

auf das Bild anzuwendendes

Kameraprofi l auswählen. Im

Dropdown-Menü „Name“ werden die

verschiedenen Profi le, wie „Neutral“,

„Lebhaft“, „Landschaft“ und „Porträt“

aufgeführt.


Der unentbehrlich Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Notieren Sie sich die Einstellungen

Denken Sie daran, die Standardeinstellungen des

Änderungswerkzeugs zu notieren, bevor Sie die

Schieberegler verwenden, damit Sie einen Fehler,

den Sie möglicherweise machen, wieder

beheben können.

Einige Werkzeuge haben eine „STANDARD“-

Schaltfl äche, mit der Änderungen rückgängig

gemacht werden können, damit Sie ein wenig

herumexperimentieren können.

Photoshop CS4 und CS5

CS4 Enthält alle Werkzeuge von CS3 sowie

zusätzlich einen Korrekturpinsel und einen Verlaufsfi lter

in der Symbolleiste. Der Korrekturpinsel ist die

raffi niertere der beiden Funktionen, weil Sie damit je

nach Größe und Radius des eingestellten Pinsels sehr

konkrete Änderungen an ausgewählten Bereichen des

Bildes vornehmen können.

CS5 Neben einigen neuen Schiebereglern zur

Feineinstellung der Rauschreduzierung und der neuen

Registerkarte „Effekte“, mit der Sie dem Bild eine

Körnigkeit verleihen können, verfügt die Symbolleiste

jetzt über das Bedienelement „Gezielte Korrektur“ für

Fotografen, die das Arbeiten an einem Bild als intuitiver

empfi nden. Die Benutzer können die Korrekturen direkt

am Bild steuern, indem der Cursor nach oben oder unten

gezogen wird, um den Effekt zu intensivieren

beziehungsweise abzumildern.

2

3

6

5

Vorschaufenster!

Während Sie mit den

verschiedenen

Bearbeitungsfunktionen

herumexperimentieren,

können Sie deren Effekt am

Bild beurteilen, indem Sie

dieses im

Vorschaubildschirm links

von den Werkzeugen

anzeigen.

Grundlagen: Raw 47

Benutzeroberfläche für Raw-Dateien

Wenn Sie in Photoshop eine Raw-Datei öffnen, wird

die folgende Benutzeroberfl äche geöffnet.

Hier erklären wir die wichtigsten Befehle, die

angezeigt werden.

1) SYMBOLLEISTE Enthält alle auswählbaren

Werkzeuge, wie Zoomwerkzeug, Hand-Werkzeug

und Freistellungswerkzeug. Die Benutzer der

neuesten Version von Photoshop haben auch Zugriff

auf den Korrekturpinsel und den Verlaufsfi lter. Wie

im eigentlichen Photoshop-Programm sind allen

Werkzeugen Tastenabkürzungen mit jeweils einem

Buchstaben zugeordnet, die Sie kennen sollten.

2) HISTOGRAMM Über das Histogramm erfahren

Sie genau, was mit den Raw-Daten in Echtzeit

geschieht, wenn Sie die Bedienelemente in den

Dialogfenstern verändern. Es hat die Form eines

Diagramms, in dem Farbe in Zahlen von 0 bis 255

dargestellt wird, wobei die Farben von links nach

rechts von dunkel nach hell verlaufen. Der weiße

Schatten stellt die kombinierten Rot-, Grün- und

Blaukanäle dar und bietet Ihnen den wichtigsten

Hinweis auf die Belichtung.

3) INFORMATIONSPALETTE Zeigt die Pixelwerte

für die Rot-, Grün- und Blaukanäle von 0 bis 255

an, wenn der Cursor in das Hauptfenster gesetzt

wird. Enthält außerdem Bildmetadaten, wie die

Blende in f/Stufen, Verschlusszeit in Sekunden,

ISO-Wert und Brennweite.

4) BILDFENSTER Das Hauptvorschaufenster für

das geöffnete Bild. Sie können das Bild mit dem

Zoomwerkzeug oder der Plus-/Minus-Taste oder

dem Dropdown-Menü darunter vergrößern oder

verkleinern. Außerdem können Sie sich mit dem

Hand-Werkzeug oder durch Drücken der Leertaste

und Ziehen des Mauszeigers im Bild bewegen.

Wenn Sie das Kästchen „Vorschau“ markieren,

können Sie das Bild mit und ohne aktuelle

Korrekturen anzeigen.

5) STEUERREGISTERKARTEN Sie können durch die

verschiedenen Steuerregisterkarten navigieren, indem

Sie jeweils darauf klicken. Die erste Registerkarte hat

die Bezeichnung „Grundeinstellungen“ und enthält die

Bedienelemente, die Sie am häufi gsten verwenden

werden, wie die Schieberegler für die Belichtung und

die Schwarztöne. Weitere Registerkarten sind

„Gradationskurven“, „Detail“, „Farbton, Sättigung,

Leuchtkraft/Grauskala“, „Geteilte Tönung“,

„Objektivkorrektur“, „Kamerakalibrierung“ und

„Voreinstellungen“. Die Benutzer von Elements haben

nur die Registerkarten „Grundeinstellungen“,

„Kamerakalibrierung“ und „Voreinstellungen“.

6) STEUERFENSTER Dies ist das

Hauptdialogfenster, das die Bedienelemente für die

einzelnen Steuerregisterkarten enthält. Die

Bedienelemente basieren alle auf Schiebereglern,

bis auf den Abschnitt „Punktkurven“ der

Registerkarte „Gradationskurven“ (mit dem Sie

Punkte auf einer Kurve darstellen können) und die

Registerkarte „Voreinstellungen“, in der Sie einfach

aufgeführte Voreinstellungen auswählen können.

7) AUSGABETASTEN Am unteren Rand fi nden Sie

die Tasten für Ihre Arbeit nach Abschluss der

Korrekturen. Sie können die Optionen „Speichern“,

„Speichern unter“, „Öffnen“, „Kopie öffnen“ oder

„Fertig“ auswählen, um Ihre Korrekturen zu sichern,

ohne die Raw-Datei wirklich zu verarbeiten. Wenn

Sie Alt/Option gedrückt halten, haben Sie Zugriff auf

weitere Optionen.


48 Grundlagen: Raw Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Perfekte Verarbeitung von Raw-Dateien

Unsere schrittweisen Anleitungen zeigen eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit, eine Raw-Datei in eine fantastische JPEG- oder TIFF-Datei umzuwandeln.

DIE VERARBEITUNG VON RAW-DATEIEN ist relativ unkompliziert. Wie lange

sie dauert und wie viele Korrekturen Sie am Bild vornehmen müssen, hängt

davon ab, inwieweit Sie das Bild bereits mit der Kamera in einen endgültigen

Zustand gebracht haben. Fotografen, die vor dem Wechseln ins digitale Zeitalter

mit Film gearbeitet haben, verwenden in der Regel mehr Zeit auf das

Fotografi eren selber, weil sie das auch bei der Arbeit mit dem Film machen

mussten. Der Mensch ist nun mal ein Gewohnheitstier, und das ist in diesem Fall

gar nicht schlecht. Wenn Sie bisher immer nur mit einer Digitalkamera gearbeitet

Wenn Sie die Raw-Dateien öffnen, sind Sie vielleicht erst einmal enttäuscht, weil sie meist

1 ziemlich kontrastarm und ausgewaschen aussehen. Das liegt daran, dass Sie das Bild in

einem unverfälschten Zustand sehen. Das Vorschaubild auf dem LCD-Monitor der Kamera ist

dagegen eine kleine JPEG-Datei der Raw-Datei und sieht deshalb in der Regel besser aus.

„Ausgeschnittene“ Glanzlichter sind hauptsächlich am Himmel zu beobachten und

3 kommen bei Landschaftsaufnahmen ziemlich häufi g vor. Überbelichtete Glanzlichter

können mit dem Schieberegler „Wiederherstellung“ in ACR zu einem gewissen Grad

wiederhergestellt werden. In diesem Fall wird der Himmel mit dem Wert 20 wieder bereinigt. Mit

der Wiederherstellungsfunktion wird das Bild kontrastärmer, gehen Sie also sparsam damit um.

Klicken Sie in der Symbolleiste auf das Symbol „Gradationskurve“, um das Fenster „Kurven“

5 mit Schiebereglern für Glanzlichter, Lichter, Dunkelbereiche und Schatten aufzurufen. In

diesem Fall können Sie den Kontrast intensivieren und das Bild zum Leben erwecken, indem Sie

die Werte für die Glanzlichter und Lichter erhöhen und die Werte für die Dunkelbereiche und

Schatten verringern.

haben, verlassen Sie sich zum Beheben von Fehlern wahrscheinlich mehr auf die

Software. Das heißt, Sie sitzen viel länger am Computer als unbedingt nötig.

Mit unserer schrittweisen Anleitung lernen Sie, wie Sie Raw-Dateien mit Adobe

Camerae Raw (ACR) verarbeiten und was die verschiedenen Werkzeuge im Bild

bewirken. Wir haben bewusst eine Raw-Datei ausgewählt, bei der viel zu ändern

war. Idealerweise sollte es aber nur wenige Minuten dauern, um eine Raw-Datei

zu öffnen, zu verarbeiten und in eine hochwertige JPEG- oder TIFF-Datei

umzuwandeln.

Raw-Dateien liefern das beste Bild, wenn die Farbtöne zur rechten Seite des Histogramms

2 hin gewichtet sind. Wenn sie die rechte Seite allerdings berühren, werden Glanzlichter

„ausgeschnitten“, das heißt, dass sich in einem Teil des Bildes keine aufgezeichneten Details

befi nden. Klicken Sie auf das rote Dreieck über dem Histogramm, um überbelichtete Bereiche in

Rot anzuzeigen.

Als Nächstes muss die Belichtung in Angriff genommen werden, da das Bild immer noch

4 ein wenig fade aussieht. Wenn Sie den Schieberegler „Belichtung “ nach links auf den Wert

-0,75 ziehen, bewirkt dies einen großen Unterschied, weil das Bild dunkler wird. Aber es sieht

immer noch ein wenig platt und leblos aus. Das ist aber ganz normal, und wenn Sie im

Raw-Format fotografi eren, lässt sich das jedoch problemlos beheben.

Überprüfen Sie als Nächstes die Farbtemperatur. Bei unserer Aufnahme war die Kamera auf

6 automatischen Weißabgleich eingestellt, und das Bild hat einen leicht warmen Farbstich.

Normalerweise wäre das wünschenswert, aber in diesem Fall lässt es das Bild matschig

aussehen. Also wird die Farbtemperatur auf „Tageslicht (5500 K)“ geändert, um sie ein wenig

abzukühlen.


Jetzt ist es an der Zeit, die Farben zu intensivieren. In ACR können Sie hierfür zwei

7 Schieberegler verwenden: „Schwingung“ und „Sättigung “. Die Option „Schwingung“ ist ein

wenig dezenter, weil sie sich nur auf Farben mit weniger Sättigung, aber nicht auf stark gesättigte

Farben auswirkt . Hier reicht es, den Schwingungswert auf 20 einzustellen.

Raw-Dateien müssen immer scharfgezeichnet werden, um die Bildqualität zu optimieren.

9 Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, und jeder Fotograf hat seine bevorzugte

Vorgehensweise. Wenn Sie jedoch mit ACR arbeiten, zeigen Sie das Bild in 100 Prozent an, und

stellen Sie dann die Schieberegler ein. Lassen Sie den Radius bei 1,0. Achten Sie auf Rauschen

im Bild.

Fertiges Bild

Das Bild wurde als

16-Bit-TIFF-Datei gesichert und

in Photoshop geöffnet. Dort

wurden Sensorfehlerstellen mit

dem Reparaturpinsel entfernt und

Ebenen angepasst, damit der

Himmel besser zur Geltung

kommt.

Ein weiterer praktischer Schieberegler in ACR ist „Klarheit“, der durch eine Erhöhung des

8 lokalen Kontrasts dem Bild mehr Tiefe verleiht. Stellen Sie bei der Arbeit damit den Zoom

auf 100 Prozent ein, erhöhen Sie den Wert, bis an den Randdetails Lichthöfe erscheinen, und

verringern Sie den Wert dann geringfügig. Oder wenden Sie einfach einen niedrigen Wert an (in

diesem Fall +10), damit das Bild mehr Aussagekraft bekommt.

Bilder, die mit Ultraweitwinkelobjektiven oder Zooms aufgenommen wurden, weisen

10 oft eine Vignettierung auf, wobei die Ecken des Bildes dunkler sind als der Rest. Dies

kann in ACR mit dem Schieberegler „Objektiv-Vignettierung“ im Fenster „Objektivkorrektur“

behoben werden. Auch die chromatische Aberration kann korrigiert werden.


50 Grundlagen: Raw

Maximieren der Bilddetails aus Raw-Dateien

Wenn Sie im Raw-Format fotografi eren, können Sie mit Photoshop mehr Details aus einer Szene

herausholen – in diesem Fall durch das Zusammenführen von zwei verschiedenen Aufnahmen.

EINE DER NÜTZLICHSTEN Eigenschaften einer

Raw-Datei besteht darin, dass sie wesentlich mehr

Daten und Details enthält, als Sie für die Erstellung

eines gelungenen Bildes tatsächlich brauchen. Sie

können diese Details natürlich nicht sehen, weil sie

sich jenseits des dynamischen Bereichs einer einzelnen

TIFF-, PSD- oder JPEG-Datei befi nden. Allerdings

können Sie bei Bildern mit einem Kontrast, der zu groß

ist, um Details in den hellsten und dunkelsten Tönen

(Schatten) darzustellen, eine Raw-Datei zweimal

verarbeiten – einmal mit der richtigen Belichtung für

die dunklen Töne und einmal mit der richtigen

Belichtung für helle Töne. Und dann können Sie die

beiden Aufnahmen in Photoshop zusammenführen,

um ein einzelnes Bild mit einem erweiterten

Helligkeitsbereich zu erstellen. Hier fi nden Sie eine

schrittweise Anleitung für diese Vorgehensweise.

Öffnen Sie die Raw-Originaldatei in Adobe Camera Raw

1 (ACR), und stellen Sie dann die Belichtung des Bildes ein,

bis der Himmel richtig aussieht. Dadurch wird der

Vordergrund sehr dunkel, aber machen Sie sich darum keine

Sorgen. Hierfür können Sie den Schieberegler „Belichtung“ in

ACR und/oder die Schieberegler im Fenster „Gradationskurve“

verwenden. Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind,

sichern Sie das Bild als 16-Bit-TIFF-Datei.

Schließen Sie ACR, und öffnen Sie dann die beiden

3 gerade erstellten TIFF-Dateien in Photoshop. Klicken Sie

auf das dunklere Bild, und wählen Sie Auswahl>Alles

auswählen, und anschließend Bearbeiten>Kopieren. Dann

wird das Bild kopiert. Schließen Sie das dunklere Bild, klicken

Sie auf das hellere Bild, um es zu aktivieren, und wählen Sie

die Befehlsfolge Bearbeiten>Einfügen. Dann wird das

dunklere Bild damit als Ebene zusammengeführt.

Achtung Ausrüstung!

Verwenden Sie einen Graufilter.

Sie sparen sich jede Menge Zeit am Computer, wenn

Sie für diese Art von Aufnahme einen Graufi lter

verwenden. Denn damit wird der Himmel so weit

abgeschwächt, dass er nicht „explodiert“, wenn Sie

die Belichtung für den dunkleren Vordergrund

vornehmen. In diesem Fall hätte ein 0,6- oder

vielleicht auch ein 0,9-Filter gereicht, um in einer

einzelnen Aufnahme ein nahezu fertiges Bild zu

erreichen. Viele Fotografen denken, dass Graufi lter

bei digitalen Kameras nicht notwendig sind, aber da

täuschen sie sich!

Die Raw-Datei bleibt in ACR geöffnet, und die erste

2 Version davon wird auf den Computerdesktop gesichert.

Jetzt müssen Sie eine zweite Version der Raw-Originaldatei

erstellen und dieses Mal die Belichtung so einstellen, dass der

Vordergrund richtig aussieht. Dadurch wird der Himmel

„ausgebrannt“, wie Sie sehen können. Sichern Sie dieses Bild

als 16-Bit-TIFF-Datei.

Aktivieren Sie die Ebene mit dem dunkleren Bild, klicken

4 Sie auf das Auswahlquadrat-Werkzeug oben in der

Photoshop-Symbolleiste, und wählen Sie den dunklen

Vordergrund knapp unter dem Horizont. Wählen Sie dann

Bearbeiten>Ausschneiden. Daraufhin verschwindet der

dunkle Vordergrund, und der richtig belichtete Vordergrund

wird angezeigt. Das Bild sieht jetzt schon viel besser aus.

5 Jetzt müssen die Ränder links vom dunklen Vordergrund

aufgeräumt werden. Wählen Sie hierfür das

Radiergummi-Werkzeug aus der Symbolleiste. Wählen Sie

einen mittelgroßen Pinsel mit weicher Kante, und stellen Sie

die Deckkraft auf 40 bis 50 Prozent ein. Entfernen Sie zuerst

die letzten unerwünschten Bits des dunkleren Bildes, damit

der richtig belichtete Vordergrund von der Ebene darunter

zum Vorschein kommt.


Nun sehen der Himmel und der Vordergrund schon viel

6 besser aus. Als Nächstes müssen der Kontrast und die

Farbe des Bildes genau eingestellt werden. Intensivieren Sie

zunächst die Farben, indem Sie die Befehlsfolge

Bild>Korrekturen>Farbton/Sättigung auswählen und den

Schieberegler für die Sättigung auf den Wert +25 % schieben.

Wenn Sie den Regler weiter schieben, beginnen die Farben

unrealistisch zu wirken – also übertreiben Sie es nicht.

Die Aufmerksamkeit sollte jetzt der selektiven

7 Belichtungs- und Kontraststeuerung gewidmet werden.

Die linke Seite des Bildes ist deutlich dunkler als der Rest.

Wählen Sie sie also mit dem Polygon-Lasso-Werkzeug in

Photoshop aus, und wählen Sie eine weiche Kante mit 100

Pixel. Dann werden die Ebenen angepasst. In anderen

Bereichen werden weitere Optionen ausgewählt und

Ebeneneinstellungen vorgenommen.

Fertiges Bild

Das fertige Bild mit einem perfekt

belichteten Vordergrund und Himmel hat

sehr viel Aussagekraft und Atmosphäre.

Eine derart drastische Veränderung war

nur möglich, weil die Szene im

Raw-Format aufgenommen worden war.

Wählen Sie schließlich das Abwedler-Werkzeug aus der

8 Symbolleiste, und stellen Sie die Belichtung auf etwa 10

Prozent ein. Dann werden die kleineren Bereiche des Bildes

vorsichtig aufgehellt – ähnlich wie beim Abwedeln eines

Abzugs in der Dunkelkammer während der Entwicklung,

damit er nicht zu dunkel wird. In Photoshop ist dieser Vorgang

allerdings viel präziser, und Sie haben mehr Kontrolle darüber!


52 Grundlagen: Raw Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Experimentieren mit HDR

HDR-Bilder werden immer noch kontrovers betrachtet, aber es lässt sich nicht leugnen, dass ihre Effekte

einzigartig und außergewöhnlich sind. Probieren Sie einmal unsere schrittweise Anleitung aus, um zu

sehen, ob Ihnen diese Technik zusagt.

SPINNEN SIE DEN GEDANKEN, mehrere Bilder

zusammenzuführen, einmal einen Schritt weiter, und Sie betreten

die fantastische Welt des HDR (High Dynamic Range) – einer

kreativen Technik, mit der atemberaubende Ergebnisse erzielt

werden können. Hierbei werden Details von den dunkelsten

Schatten bis zu den hellsten Glanzlichtern aufgezeichnet, sodass

alltägliche Szenen in etwas Außergewöhnliches verwandelt

werden. Viele Fotografen haben die Vorzüge von HDR bereits

entdeckt. Durch die Arbeit mit Raw-Dateien wird dessen

Potenzial noch vervielfacht, da jede Datei riesige Datenmengen

enthält. Und wenn Sie mehrere solcher Dateien miteinander

kombinieren, überführen Sie Ihre Fotos buchstäblich in eine

andere Dimension. Hier fi nden Sie eine schrittweise Anleitung

zum Erstellen von HDR-Bildern mit einem der besten Programme

auf dem Markt – Photomatix Pro (siehe Kasten). Die Software ist

zwar nicht ganz billig, aber wir meinen, dass die Kosten durchaus

gerechtfertigt sind, weil dies ein fantastisches Paket ist.

Fotografi eren Sie eine Reihe von Bildern

1 mit der Kamera auf einem Stativ, und

verändern Sie die Belichtung bei jeder

Aufnahme in einem Bereich, der Details in den

dunkelsten Schatten und den hellsten

Glanzlichtern erfasst. In diesem Fall wurden -2

Blendenstufen, -1 Blendenstufe und +1

Blendenstufe verwendet. Unter

kontrastreicheren Bedingungen müssen Sie

möglicherweise von -2 bis +2 oder +3

Blendenstufen fotografi eren.

Das Bild sieht nach dem Tone Mapping

5 manchmal hervorragend aus, sodass Sie

es ohne Änderungen sichern können. Aber

häufi g sieht es ziemlich unwirklich aus. Die

wichtigste Option, die das Erscheinungsbild

eines HDR-Bildes verändert, ist „Leichtes

Glätten“. Hier wurde standardmäßig die

niedrigste Einstellung verwendet, aber das

werden wir ändern.

Starten Sie die Software Photomatix Pro.

2 Daraufhin wird das Fenster „Abkürzungen

für den Arbeitsablauf“ angezeigt. Klicken Sie

oben im Fenster auf „HDR-Bild erzeugen“, um

ein zweites Fenster aufzurufen, nämlich „HDR

erzeugen – Quellbilder auswählen“. Sie

können Raw-Dateien auf dieses Fenster

ziehen und dort ablegen, oder die Option

„Durchsuchen“ verwenden. Klicken Sie auf

„OK“, wenn Sie fertig sind.

Wenn die Option „Leichtes Glätten“ auf

6 die Einstellung „Sehr hoch“ geändert

wird, sieht das Bild wesentlich realistischer

aus, aber der HDR-Effekt ist immer noch

sichtbar. An dieser Stelle lohnt es sich auch,

mit den anderen Schiebereglern ein wenig

herumzuexperimentieren, um zu sehen, was

sie bewirken. Probieren Sie einmal

unterschiedliche Einstellungen für „Stärke“,

„Farbsättigung“, „Luminanz“, „Weißer Punkt“,

„Schwarzer Punkt“ und „Gamma“.

HDR von einer einzelnen Raw-Datei

Es wird zwar empfohlen, eine Reihe von Raw-Aufnahmen mit

unterschiedlichen Belichtungen zu machen, um ein HDR-Bild zu

erstellen. Sie können aber auch Pseudo-HDR-Effekte erzeugen, indem

Sie eine Raw-Datei drei oder fünf Mal verarbeiten und die Belichtung

jeweils verändern. Öffnen Sie die Raw-Datei beispielsweise in ACR,

stellen Sie den Schieberegler „Belichtung“ auf -2 ein, und klicken Sie

dann auf „Speichern“. Stellen Sie den Schieberegler „Belichtung“ auf

-1 ein, und klicken Sie wieder auf „Speichern“. Wiederholen Sie diese

Vorgehensweise mit dem Schieberegler „Belichtung“ auf den Werten 0,

+1 und +2. Dann haben Sie einen Satz mit fünf „Belichtungsreihen“-

Bildern, die in Photomatix verwendet werden können. Je nach Motiv

werden Sie möglicherweise zu der Überzeugung gelangen, dass

diese Methode vorzuziehen ist. Sie funktioniert hervorragend bei

Porträtaufnahmen und anderen nicht statischen Motiven, bei denen

es fast unmöglich wäre, eine Reihe von Einzelaufnahmen zu machen,

ohne dass sich das Motiv zwischen den Aufnahmen ein wenig bewegt.

Ein weiteres Fenster wird angezeigt:

3 „HDR erzeugen – Optionen“. Hier

können Sie festlegen, wie die Quellbilder

ausgerichtet werden und wie die

Software Geisterbilderfehler reduziert,

und den Weißabgleich, den Farbraum

und so weiter auswählen. Sie können

hier mit verschiedenen Einstellungen

herumexperimentieren, aber die

Standardeinstellungen funktionieren

normalerweise sehr gut.

Das Bild sollte jetzt allmählich Form

7 annehmen. Aber bevor Sie es sichern,

sehen Sie sich das Bedienelement unter dem

Histogramm an: „Farbton“, „Farbe“, „Mikro“

und „S/H“. Damit werden dezentere

Änderungen vorgenommen, und Sie können

dem HDR-Effekt den letzten Feinschliff

verleihen, bis Sie damit zufrieden sind, wie

das Bild aussieht. Spielen Sie mit allen

Optionen ein wenig herum, um zu sehen, was

sie bewirken.

Welches Paket?

Photoshop oder Photomatix Pro? Die Versionen

von Adobe Photoshop ab CS3 verfügen über

eine HDR-Funktion – verwenden Sie hierfür

die Befehlsfolge Datei>Automatisieren>Zu

HDR zusammenfügen. Sie ist ganz in Ordnung,

aber die daraus resultierenden Bilder neigen

dazu, ziemlich kontrastarm zu sein, und die

Optionen zur Verbesserung sind eingeschränkt.

Eine schnellere und vielseitigere Option ist

Photomatix Pro, eine HDR-Spezialsoftware

von www.hdrsoft.com. Die neueste Version

(4.0) kostet 83,30 Euro, eine Testversion

ist kokstenlos. Es gibt auch verschiedene

andere Möglichkeiten, wie Plug-ins für

Photoshop, Aperture und Lightroom. Das

Programm funktioniert ausgezeichnet, und die

Bedienelemente zum Tone Mapping bieten

Ihnen viele Möglichkeiten zur Einfl ussnahme

auf das endgültige Ergebnis.

Nach etwa einer Minute wird am

4 Bildschirm ein Bild angezeigt. Dieses

sieht normalerweise schrecklich aus, aber

machen Sie sich deshalb keine Sorgen, weil

das kein echtes HDR-Bild ist – Sie haben

noch ein wenig Arbeit vor sich. Um sich

besser vorstellen zu können, womit Sie es zu

tun haben, klicken Sie im Fenster

„Abkürzungen für den Arbeitsablauf“ auf die

Schaltfl äche „Tone Mapping“.

Wenn Sie auf „Verarbeiten“ klicken, werden

8 alle vorgenommenen Änderungen

angewendet. Sichern Sie das HDR-Bild als

16-Bit-TIFF-Datei, und nehmen Sie dann letzte

Korrekturen daran in Photoshop vor. Sie können

gezielt oder global Ebenen und

Gradationskurven ändern, die Farbsättigung

anpassen und so weiter, bis Sie den

gewünschten Effekt erzielt haben.


Fertiges Bild

Sie können sehen, wie wirkungsvoll

die HDR-Technik ist. Die Szene war

sehr kontrastreich, sodass eine

einzelne Aufnahme der Aussagekraft

nicht gerecht wurde. Durch das

Zusammenführen von vier getrennten

Aufnahmen mit Photomatix Pro sind

die Details und die Farben richtig zur

Geltung gekommen.


54 Grundlagen: Raw Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Kombinieren von Raw-Dateien

VON LUKE MARSH Wenn Sie Ihre Bilder mit der Kamera im Raw-Format aufnehmen, können Sie verborgene

Details aus überbelichteten Bereichen der Szene wiederherstellen, beispielsweise einen hellen Himmel. Der

Photoshop-Experte Luke Marsh zeigt Ihnen, wie Sie mit dem Raw-Konverter von Photoshop Elements zwei

verschiedene Bilder mit verschiedenen Belichtungen aus derselben Raw-Datei erstellen und anschließend

zusammenführen, um ein perfektes Ergebnis zu erhalten. In dieser einfach nachzuvollziehenden

schrittweisen Übung werden Techniken angewendet, wie Belichtungskorrektur, Erstellung und Bearbeitung von Ebenen,

Tonwertkorrektur, Steuerung der Schärfe mit dem Hochpassfi lter, Deckkrafteffekte und Farbkorrektur. Diese Technik ist

besonders überzeugend, weil Sie hierbei nur mit Bilddaten arbeiten, die in der ursprünglichen Einzelaufnahme erfasst

wurden. Hier wurde Elements 4.0 verwendet, aber neuere Versionen eignen sich ebenfalls.

Wenn Sie noch nie mit dem Elements-Raw-Konverter gearbeitet haben, werden Sie

1 beim Öffnen einer Datei zuerst einmal feststellen, dass das Bild im Raw-Steuerfenster

(siehe oben) geöffnet wird. Für den ersten Schritt klicke ich einfach auf Öffnen und lasse die

Einstellungen unverändert. Dann wähle ich Datei>Speichern unter und erstelle eine

Photoshop-Datei (.psd), da wir mit Ebenen arbeiten werden.

Ich habe jetzt zwei Dateien geöffnet. Eine enthält die Originalaufnahme, und die

3 andere ist das neue unterbelichtete Bild. Ich aktivere die unterbelichtete Datei und

wähle zunächst die Befehlsfolge Auswahl>Alles auswählen und dann

Bearbeiten>Kopieren, um das Bild in die Zwischenablage zu setzen. Jetzt kann ich diese

Datei schließen und mit der Befehlsfolge Bearbeiten>Einfügen dieses Bild in eine neue

Ebene auf der Originaldatei platzieren.

Jetzt muss der Horizont aufgeräumt werden. Also stelle ich das Radiergummi-Werkzeug

5auf einen mittelgroßen Pinsel mit weicher Kante und einer Deckkraft von 55 Prozent ein

und lösche nach und nach die Bereiche der neu belichteten Ebene, sodass die ursprüngliche

Horizontaufnahme zum Vorschein kommt. Der leichte Verwischungseffekt zwischen den

beiden Ebenen erzeugt eine neblige Wirkung, der die Stimmung des Bildes noch weiter

verstärkt.

Original

2 Ich öffne die Original-Raw-Datei wieder, woraufhin erneut das Raw-Steuerfenster mit

dem Bild aufgerufen wird. Dieses Mal verwende ich das Bedienelement Belichtung

und bewege den Schieberegler nach links, um das Bild unterzubelichten, wodurch die

Details im Himmelbereich auf dem Originalbild zurückgenommen werden. Ich bin mit dem

Ergebnis zufrieden und klicke auf Öffnen, um das Bild in Elements zu übertragen.

Nachdem die beiden Aufnahmen am gewünschten Ort sind, möchte ich den richtig

4belichteten Vordergrund mit dem neu belichteten Himmel kombinieren. Ich aktivere die

Himmelebene und wähle mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug einen großen Bereich des

Vordergrundes bis kurz vor dem Hintergrund. Mit der Befehlsfolge Bearbeiten>Löschen entferne

ich den Bereich und betrachte den Effekt in der Ebenenpalettenvorschau (siehe Kasten).

Die erste Ebene ist fertig. Zum Sichern meiner Arbeit wähle ich zunächst die Befehlsfolge

6Ebene>Auf Hintergrundebene reduzieren und dann Datei>Speichern unter, um eine

neue Datei zu erstellen. Wenn beide Ebenen zusammengeführt wurden, können einige

allgemeine Verbesserungen vorgenommen werden. Ich wähle also die Befehlsfolge

Überarbeiten>Beleuchtung anpassen>Tonwertkorrektur, um das Bild heller zu machen und

die Defi nition zu verbessern. Dann klicke ich auf OK, um die Änderungen anzuwenden.


Fertiges Bild

VORSICHT GEWITTERHIMMEL!

Die Vorzüge, die Bilder im

Raw-Format aufzunehmen,

liegen auf der Hand: Sie können

mehr Details wiederherstellen,

als wenn Sie die Szene als

JPEG-Datei fotografi ert hätten.

Mit dem Hochpassfi lter können Sie Details wesentlich einfacher zur Geltung bringen

7als mit dem Scharfzeichnungsfi lter. Um den Filter zu verwenden, wähle ich zunächst

die Befehlsfolge Ebene>Ebene duplizieren, um das Originalbild beizubehalten. Dann

wähle ich Filter>Sonstige Filter>Hochpass und stelle den Radius auf etwa 20 Pixel ein,

bevor ich auf OK klicke. Ich ändere die Füllmethode in der Ebenenpalette auf Weiches

Licht.

Das Bild hat einen vorwiegend blauen Farbton, und ich würde in den Himmel gerne

9einen anderen Ton aufnehmen. Mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug wähle ich den

Bereich über dem Horizont aus und verwende dann die Befehlsfolge Auswahl>Weiche

Kante. Ich gebe den Wert 50 Pixel ein, um die Auswahl weicher zu machen. Dann wähle

ich die Befehlsfolge Bearbeiten>Kopieren und anschließend Bearbeiten>Einfügen, um

die Auswahl in eine neue Ebene zu platzieren.

Wählen Sie noch einmal die Befehlsfolge Ebene>Auf Hintergrundebene reduzieren,

8um bei Bedarf eine Kopie zu speichern. Jetzt mache ich mit dem Nachbelichter-

Werkzeug (siehe Kasten rechts) mit einem großen Pinsel mit weicher Kante und einer

Deckkraft von etwa 25 Prozent die Belichtung bestimmter Bereich dunkler, wodurch die

Tiefenwirkung des Bildes verbessert wird. Ich konzentriere mich auf die Ränder des Bildes

und baue den Effekt nach und nach auf.

Ändern Sie die Füllmethode der neuen Ebene in Weiches Licht, und wählen Sie

10 dann die Befehlsfolge Überarbeiten>Farbe anpassen>Farbton/Sättigung

anpassen. Im Fenster klicke ich zunächst in das Feld Färben und sehe den Effekt sofort in

der Vorschau. Schließlich passe ich die Schieberegler Farbton und Sättigung an, bis ich

mit der Farbe zufrieden bin, und klicke dann auf OK.


Leser reisen mit dem Magazin Digitale Fotografi e

Galápagos - Paradies der Tiere

14

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Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

EINSCHRAUBFILTER

Sie werden mit Hilfe des Filtergewindes,

das sich an der Vorderseite der meisten

Objektive befi ndet, befestigt. Sie bieten

den Vorteil, dass sie aus optischem Glas

von hoher Qualität gefertigt werden.

Außerdem sind sie sehr klein und können

so in ihren Schutzhüllen problemlos

mitgenommen werden. Der Nachteil bei

dieser Bauart ist, dass sie immer nur auf

einen Objektivdurchmesser passen. Wenn

also ihre Objektive unterschiedlich große

Filtergewinde haben, brauchen sie mehrere

Filter. Wenn Sie mehrere Filter gleichzeitig

benutzen, riskieren Sie eine Vignettierung

(dunkle Ecken auf Ihren Bildern).

EINSCHUBFILTERSYSTEME

Wenn Sie verschiedene Filter verwenden

wollen oder über mehrere Objektive verfügen,

ist ein Einschubsystem kosteneffektiver.

Sie brauchen jeden Filtertyp nur einmal zu

kaufen. Dieser wird dann in einen Halter

eingeschoben, der wiederum mit einem

Ring mit Gewinde in entsprechender Größe

auf das Objektiv aufgeschraubt wird. Sie

benötigen einen solchen Ring für jedes

Objektiv, können aber den Halter für jeden

Filter verwenden. Die meisten Einschubfi lter

sind aus widerstandsfähigem Harz gefertigt.

Das verfügt zwar über eine hohe optische

Qualität, ist aber empfi ndlicher und verkratzt

leichter als Glas.

Grundlagen: Filter 57

Grundlagen # 5

FILTER FÜR LANDSCHAFTSAUFNAHMEN

EIN EINFACHER FILTER bietet wohl mehr kreative Möglichkeiten, um

das Beste aus Ihrer digitalen Spiegelrefl exkamera herauszuholen, als

jedes andere Zubehörteil. Wir alle sind uns der Tatsache bewusst, dass

digitale Kameras eine tolle Möglichkeit bieten, wundervolle Bilder zu

schaffen. Aber einige Fotografen wissen nicht, wie der Einsatz von Filtern

ihre Bilder dramatisch verbessern kann.

Wenn Sie sich die Arbeiten etablierter Fotografen anschauen, werden

Sie feststellen, dass die meisten regelmäßig Filter wie Polfi lter oder

Graufi lter einsetzen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Es

hat schon durchaus einen Grund, warum Fotografen, die sich der

Landschaftsfotografi e verschrieben haben, so viel Zeit und Geld darauf

verwenden, Filter zu benutzen: weil sie einfach bessere Resultate liefern.

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit den wichtigsten Filterformaten und

den Arten von Filtern, die Ihnen den meisten Nutzen bringen. Außerdem

wird Ihnen hier erklärt, wie und wann Sie sie einsetzen sollten. In einer

Zeit, in der jeder über Bildbearbeitungssoftware wie Adobe Photoshop

verfügt, stellt sich natürlich auch die Frage, ob man überhaupt noch

Filter verwenden muss. Unsere Antwort darauf ist ganz einfach: Ja.

Lesen Sie weiter, und Sie werden herausfi nden, warum.

CRAIG ROBERTS


58 Grundlagen: Filter

Polfilter

Wenn Sie nur einen einzigen Filter kaufen wollen, wählen Sie einen Polfi lter. Sie brauchen ihn

einfach nur in seiner Fassung zu drehen und schon erwecken Sie Ihre Bilder zum Leben. Ein

Polfi lter soll Blendlicht eliminieren, Refl exionen reduzieren und die Farbsättigung steigern.

Polfi lter sind besonders bekannt für ihre Fähigkeit, einen blauen Himmel abzudunkeln. Sie sind

aber auch ebenso nützlich um Refl exionen auf nichtmetallischen Oberfl ächen (insbesondere

Wasser) und das Blendlicht von Laub zu reduzieren.

Ein so angereicherter, blauer Himmel sieht nicht nur als Teil eines Landschaftsfotos sehr

ansprechend aus, ein durch einen Polfi lter fotografi erter Himmel kann auch einen attraktiven

Hintergrund darstellen. Versuchen Sie einmal, ein Gebäude, Menschen, Bäume oder Blumen vor

einem mit Polfi lter gesättigtem Himmel zu fotografi eren. Das Ergebnis wird Sie umhauen.

Um Ihnen verständlich zu machen, wie ein Polfi lter arbeitet, müssen wir jetzt ein wenig

technisch werden. Grundsätzlich wird Licht in Wellenlängen übertragen. Licht strahlt in geraden

Linien, die sich als Wellen in alle Richtungen und in allen Winkeln verbreiten.

Wenn das Licht auf eine Oberfl äche trifft, wird ein Teil der Wellenlängen refl ektiert und ein

anderer Teil wird absorbiert. Die absorbierten Wellenlängen des Lichts sind es, die die Farbe der

Oberfl äche bestimmen. So refl ektiert ein rotes Objekt die roten Wellenlängen und absorbiert alle

anderen.

Bei polarisiertem Licht ist das anders. Es entsteht durch die Refl exion oder Streuung von

Lichtwellen und strahlt in nur eine Richtung. Es sind diese Wellenlängen, die Blendlicht und

Lichtrefl exe verursachen und die Farbintensität herabsetzen. Ein Polfi lter blockiert polarisiertes

Licht und gibt dem Bild so Kontrast und Farbsättigung zurück. Polfi lter werden aus einer dünnen

Folie polarisierenden Materials hergestellt. Dies wird zwischen zwei runde Glasscheiben gepresst

und auf die Vorderseite Ihres Objektivs aufgeschraubt. Der vordere Teil der Fassung ist drehbar.

Das beeinfl usst den Winkel der Polarisierung und hat zur Folge, dass die Menge des polarisierten

Lichts, das durch das Objektiv fällt, verändert und somit die Stärke der Polarisierung kontrolliert

werden kann. Wenn Sie durch den Sucher schauen (oder das LCD-Display mit LiveView

benutzen) und gleichzeitig den Filter drehen, werden Sie feststellen, dass Lichtrefl exe auftauchen

und wieder verschwinden und dass die Farbintensität stärker und dann wieder schwächer wird.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie den bestmöglichen Effekt für die Szene oder das Objekt

gefunden haben, hören Sie einfach auf, das Filter zu drehen.

Bleibt noch eins zu sagen: Ein Polfi lter hat einen Filterfaktor von zwei Stufen. Die automatische

Messung Ihrer Kamera berücksichtigt dies. Trotzdem sollten Sie im Hinterkopf behalten, wie

dies Ihre Verschlusszeiten und Blendenöffnungen beeinfl usst. Wann immer Sie einen Polfi lter

benutzen, sollten Sie Ihre Kamera auf ein Stativ stellen. So vermeiden Sie das Risiko von

Verwacklungsunschärfe.

Achtung!

Wahl eines Polfilters: linear oder zirkular?

Auf dem Markt sind zwei verschiedene Arten von Polfi ltern erhältlich: linear und

zirkular. Nur der zirkulare Typ arbeitet richtig mit einer Spiegelrefl exkamera. Auch

wenn beide Sorten physikalisch rund sind und ähnlich aussehen, wird die lineare

Sorte die Genauigkeit des Messsystems Ihrer Kamera beeinfl ussen. Das liegt

daran, dass digitale Spiegelrefl exkameras einen Teil des Lichts im Inneren der

Kamera polarisieren. Wenn dieses Licht bereits von einem linearen Polfi lter

polarisiert wurde, führt dies zu einem falschen Messergebnis. Zirkulare Polfi lter

verfügen über eine Wellenverzögerungsschicht, die zulässt, dass das Licht, das

hindurch fällt, sich dreht und dem Messsystem der Kamera unpolarisiert

erscheint. Kaufen Sie also einen zirkularen Filter.

Ohne Polfi lter Mit Polfi lter

Machen Sie das Beste aus

Lichtrefl exen

Refl exionen können gut oder schlecht sein.

Sanfte Hügel oder schneebedeckte Berge werden

betont, wenn sie sich in der stillen, refl ektierenden

Oberfl äche von Wasser spiegeln. Blendlicht

hingegen, das von glänzenden, nichtmetallischen

Oberfl ächen oder Glas refl ektiert wird, wie zum

Beispiel bei einer Stadtlandschaft oder einem

Wolkenkratzer, kann unattraktiv und ablenkend

wirken. Ein Polfi lter kann dazu verwendet werden,

Refl exionen entweder zu betonen – nämlich durch

die Reduktion von Blendlicht auf Oberfl ächen

– oder zu eliminieren. Die Stärke dieses Effekts

hängt jedoch von dem Kamerawinkel zu der

refl ektierenden Oberfl äche ab. Den stärksten Effekt

erzielt man bei einem Winkel von 30 bis 45 Grad.


KEINE PANIK!

So vermeiden Sie Probleme mit Polarisierung

UNGLEICHMÄSSIGE POLARISIERUNG Die natürliche Polarisierung

ist über den Himmel hinweg ungleichmäßig. Der maximale Effekt wird in

einem Winkel von 90 Grad zur Sonne erzielt, der minimale Effekt bei 180

Grad. Wenn Sie also Bilder aus bestimmten Winkeln aufnehmen, werden

Sie feststellen, dass der Himmel in einem Bereich deutlich dunkler

erscheint. Dieser Bereich enthält mehr polarisierte Wellenlängen. Dieser

Effekt kann sehr merkwürdig aussehen und sollte vermieden werden.

Brennweiten für Ultraweitwinkel (10 bis 14 mm) sind für dieses Problem

sehr anfällig. Versuchen Sie, dies zu umgehen, indem Sie entweder ein

Objektiv mit einer großen Brennweite benutzen oder Ihren Kamerawinkel

verändern. Wenn dies jedoch nicht praktikabel ist, versuchen Sie, einen

Graufi lter in einem solchen Winkel zu positionieren, dass er die helleren

Bereiche des Himmels fi ltert. Dies ist zwar auch kein Allheilmittel, kann

den Effekt aber stark reduzieren.

ÜBERPOLARISIERUNG Ein tiefblau polarisierter Himmel kann sehr

ansprechend aussehen, aber man kann diesen Effekt auch übertreiben.

In einigen Situationen ist ein Polfi lter überhaupt nicht notwendig, in

anderen braucht es nur eine teilweise Polarisierung, um das bestmögliche

Ergebnis zu erzielen. Wenn der Effekt zur stark ist, kann der Himmel fast

schon schwarz wirken. Das sieht unnatürlich aus und das Bild wirkt nicht

mehr ästhetisch. Benutzen Sie also die Bildwiedergabe, um den Effekt zu

überprüfen und die Einstellung des Filters entsprechend anzupassen.

Ungleichmäßige Polarisierung

Polarisierende Ergebnisse

Wie Sie sehen, erzielt der Polfi lter eine höhere

Farbsättigung und einen besseren Kontrast.

Dies ist einer der Gründe, warum er für

Landschaftsfotografen unverzichtbar ist.

ALLE FOTOS: ROSS HODDINOTT


60 Filter

KEIN GRAUVERLAUFSFILTER

Verlaufsfilter

Verlaufsfi lter sind zur Hälfte beschichtet und zur Hälfte

klar, mit einem fl ießenden Übergang in der Mitte

zwischen den beiden Zonen. Es gibt zwei bestimmte

Arten von Verlaufsfi ltern: Grau- (ND) und Farbverlaufsfi lter.

Grauverlaufsfi lter dunkeln einen strahlenden Himmel ab

und senken den Kontrast, während die farbige Variante

einem ansonsten faden, nichts sagenden Himmel einen

Hauch Farbe verleihen soll.

Graufi lter absorbieren alle Farben des sichtbaren Spektrums

zu gleichen Teilen, ohne dem Bild dabei einen Farbstich

zu verleihen. Das ist notwendig, da der Helligkeitskontrast

zwischen Himmel und Erde oftmals größer ist als der

Kontrastumfang des Sensors, was es unmöglich macht,

eine korrekt belichtete Szene einzufangen.

Sie sind einzeln oder in einem Set mit unterschiedlichen, an

verschiedene Bedingungen angepassten Stärken erhältlich.

Ihre Stärke oder Dichte, wird auf dem Filter angegeben: 0,3

entspricht einer Belichtungsreduktion um eine Stufe, 0,6

einer Reduktion um zwei Stufen und 0,9 einer Reduktion

um drei Stufen. Grauverlaufsfi lter sind sowohl mit hartem,

als auch mit weichem Übergang erhältlich.

Weiche Grauverlaufsfi lter verfügen über einen größeren

Übergangsbereich und bieten so einen weicheren

Übergang von dem beschichteten Teil des Filters zum

unbeschichteten. Ein harter Grauverlaufsfi lter dagegen

hat einen plötzlicheren Übergang. Beide Arten sind

nützlich. Weiche Grauverlaufsfi lter sind besser dazu

geeignet, Landschaften mit unterbrochenem Horizont zu

fotografi eren, weil sie Objekte wie Gebäude oder Bäume

nicht merklich abdunkeln. Harte Grauverlaufsfi lter dagegen

Achtung!

0,3 GRAUVERLAUFSFILTER

Richten Sie Ihr Verlaufsfilter aus

Bei der Verwendung von Verlaufsfi ltern ist ein Einschubhalter wie das Cokin

P System unabdingbar. Runde Verlaufsfi lter zum Einschrauben gibt es zwar,

sie sind aber nur sehr eingeschränkt anwendbar. Das liegt daran, dass hier,

anders als beim Einschubfi lter, die Position der Verlaufszone nicht so nach

oben oder unten verschoben werden kann, dass Sie Ihrem Bildaufbau

entspricht. Sie haben so nur begrenzte künstlerische Möglichkeiten. Ein

weiterer Vorteil des Halters ist, dass man ihn beim Fotografi eren eines

abschüssigen Horizonts entsprechend schräg ausrichten kann. So

vermeidet man, dass sich die Verlaufszone des Filters mit dem Vordergrund

überschneidet, was einen Teil der Szene künstlich abdunkeln bzw. einfärben

würde. Auch zum Abmildern ungleichmäßiger Polarisation kann es hilfreich

sein, den Verlaufsfi lter schräg zu positionieren. Allerdings sollte man

beachten, dass die Schrägstellung des Halters bei Weitwinkelobjektiven das

Risiko der Vignettierung (dunkle Stellen in den Bildecken) erhöht.

Kontrollieren Sie also Ihre Bilder immer sowohl durch den Sucher, als auch

über das LCD-Display.

sind so ausgelegt, dass die volle Kraft Ihrer spezifi zierten

Dichte sich über einen größeren Teil des beschichteten

Bereichs erstreckt, und es Ihnen somit ermöglicht,

die Helligkeit des Himmels mit größerer Genauigkeit

abzudunkeln.

Farbverlaufsfi lter sind zwar in der alltäglichen Fotografi e

nicht unbedingt erforderlich, haben aber trotzdem ihren

Platz. Bis zu einem gewissen Maße senken auch sie den

Kontrast, aber sie spielen nicht die gleiche, praktische Rolle,

wie ein Grauverlaufsfi lter. Ihr eigentlicher Zweck ist der

kreative Effekt. Es gibt eine große Bandbreite verschiedener

Farben, von subtilen Schattierungen von Blau, Korallenrot

und Orange bis hin zu dem künstlichen Look von Rot,

Pink oder Tabakbraun. Einige, wie der komplett eingefärbte

Sonnenuntergangsfi lter, verfügen über gar keinen klaren

Bereich. Stattdessen verläuft der gesamte Filter von einem

starken bis hin zu einem schwachen Farbton.

Farbverlaufsfi lter mögen nichts für Puristen sein, aber

kombiniert mit einer passenden Szene können Sie dazu

beitragen, ein auffälliges Ergebnis zu erzielen. Seien Sie

jedoch gewarnt. Farbverlaufsfi lter sollten nur mit Bedacht

und in Maßen eingesetzt werden. Benutzen Sie nur dann

einen solchen Filter, wenn dessen Effekt das Bild, das Sie

einfangen möchten, wirklich verbessert. Im Zweifelsfall

nehmen Sie ein zusätzliches Bild ohne Filter auf. Außerdem

sollten Sie auf die richtige Platzierung achten. Wenn Sie

den Filter im Halter zu weit nach unten schieben, erstreckt

sich der beschichtete Bereich des Verlaufsfi lters über den

Vordergrund und ruiniert den realistischen Anspruch Ihres

Bildes.

Schräg ausgerichteter Verlaufsfilter

Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

GRAUVERLAUFSFILTER

0,6

Graufilter vs. Grauverlaufsfilter?

Graufi lter, auch ND-Filter (Neutraldichte,

engl. neutral density) genannt, arbeiten

nach einem ähnlichen Prinzip wie

Grauverlaufsfi lter.

Anders als beim Grauverlaufsfi lter ist

jedoch der gesamte Filter beschichtet.

Sein Zweck ist es, die Menge des

Lichts, die durch das Objektiv fällt,

einzuschränken. Deswegen muss, wenn der Filter

aufgesteckt, die Verschlusszeit aber beibehalten

wird, eine größere Blende gewählt werden, um

eine korrekte Belichtung zu gewährleisten. Damit

können Sie die Tiefenschärfe reduzieren und

kontrollieren, wie viel von einer Szene unscharf

erscheint.

Alternativ muss, wenn die Blende beibehalten

wird, eine längere Verschlusszeit gewählt werden,

wenn die Szene korrekt beleuchtet werden soll.

Das kann dazu beitragen, bewegtes Wasser bei

längeren Belichtungszeiten unscharf abzubilden.

Graufi lter sind sowohl in der Einschub-, als auch in

der Einschraubvariante erhältlich, ebenso in

ansteigender Stärke (Dichte). Sie können zwar

auch dazu benutzt werden, zu große Helligkeit

auszugleichen – in Situationen, wo man eine

größere Blende benutzen möchte, als das Licht

oder die Kamera zulassen, aber gewöhnlich

benutzen Landschaftsfotografen einen Graufi lter,

um Bewegung, insbesondere die von Wasser, zu

betonen. bt bet betone one onen. n.

MARK BAUER ROSS HODDINOTT


0.9 GRAUVERLAUFSFILTER

Belichtungsmessung mit Verlaufsfiltern

Um in den vollen Genuss des Effekts eines Verlaufsfi lters

zu kommen, empfehlen wir, die Belichtungsmessung

durchzuführen und zu sichern, bevor Sie den Filter

einschieben, und nicht erst dann messen, wenn der

Filter bereits an Ort und Stelle ist.

Ergebnisse mit

Grauverlaufsfilter

Der Himmel ist in einer Szene wie dieser um

einige Stufen heller als die im Schatten liegenden

Felsen im Hintergrund. Ein Grauverlaufsfi lter

gewährleistet, dass beide Bereiche detailliert

abgebildet werden.


62 Filter

EXPERTENSEMINAR

ND Verlaufsfilter und Photoshop

Ein ND-Verlaufsfi lter dunkelt den Himmel ab und liefert ein ausbalancierteres

Bild. Trotzdem kann in gewissen Szenen eine Nachbearbeitung notwendig sein.

MIT MARK BAUER Eine der größten technischen Herausforderungen in der

Landschaftsfotografi e ist es, den Kontrast in einer Szene so kontrollieren zu

können, dass man sowohl im Himmel, als auch in der Landschaft Details akkurat

aufnehmen kann. Oftmals ist der Himmel deutlich heller als die Landschaft,

und der Kontrast in der Szene liegt jenseits dessen, was der Sensor der Kamera

aufnehmen kann. Das führt dann entweder zu einem gut belichteten Himmel und einem

unterbelichteten Vordergrund, oder umgekehrt. Dies kann man gewöhnlich umgehen, indem

man einen Neutraldichte-Grauverlaufsfi lter (ND) benutzt. Diese Filter sind genial einfach: sie

sind oben dunkel und unten klar und alles, was Sie tun müssen, ist, die dunkle Hälfte über

den helleren Bereich des Bildes zu positionieren, und den Kontrast zwischen den hellen und

dunklen Bereichen so zu reduzieren, dass Sie sowohl den Vordergrund, als auch den Himmel

detailliert abbilden können. Das einzige Problem dabei ist, dass die Trennlinie zwischen

dem dunklen und dem hellen Bereich eines ND Verlaufsfi lters gerade verläuft, und nicht alle

Landschaften haben einen geraden Horizont. Oftmals wird der Horizont durch ein Objekt wie

einen Baum, einen Hügel oder ein Gebäude unterbrochen, und das Filter kann eine unnatürlich

wirkende Abdunkelung im oberen Bereich dieser Objekte hervorrufen. Hilfe ist jedoch nahe,

denn meistens ist es in der Nachbearbeitung möglich, das Foto zu retten. Im Folgenden erkläre

ich Ihnen, wie Sie einen ND Verlaufsfi lter verwenden und dessen Effekt von bestimmten

Bereichen auch wieder entfernen.

Nachdem ich kurz vor der Morgendämmerung in Portland in Dorset angekommen war, nahm

1 ich eine Punktmessung von den Felsen im Vordergrund und dem Himmel vor und stellte fest,

dass der Helligkeitsunterschied ungefähr vier Rasten betrug. Obwohl dies noch im Kontrastumfang

des Sensors liegt, sind die Details im Schatten doch ein wenig undeutlich. Dies in der

Nachbearbeitung zu beheben könnte zu Bildrauschen führen.

Da ich ja einen Unterschied von vier Rasten zwischen dem Himmel und den Felsen ermittelt

2 hatte, wählte ich einen ND Verlaufsfi lter mit drei Rasten, weil dies den Himmel ein wenig

heller abbilden würde, als den Vordergrund. Als nächstes musste ich zwischen einem weichen

und einem harten Verlaufsfi lter wählen (siehe Schaubild). Weiche Verlaufsfi lter sind nicht immer

die beste Wahl für ein Meerespanorama, da der hellste Bereich der Szene sich oft am Horizont

entlang zieht. Ich entschied mich also für einen harten Verlaufsfi lter.

Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Die Verwendung des harten Verlaufsfi lters hat zu einer viel gleichmäßigeren

3 Belichtung geführt, aber es gibt ein Problem. Die obere Hälfte des Leuchtturms, wo

der Filter ihn abschneidet, ist etwas zu dunkel. Der Effekt ist zwar nur sehr subtil, aber er

ist defi nitiv vorhanden, und das sieht einfach nicht natürlich aus. Zum Glück kann dieses

häufi g vorkommende Problem mit etwas Arbeit in der Nachbearbeitung ganz einfach

behoben werden.


Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Mit dem Werkzeug Magnetisches Lasso in Photoshop wählte ich die dunklere, obere

4 Hälfte des Leuchtturms, so dass ich den problematischen Bereich bearbeiten konnte,

ohne irgendeinen anderen Bereich des Bildes in Mitleidenschaft zu ziehen. Ich beschloss,

keine weiche Auswahlkante auf meinen markierten Bereich anzuwenden, weil ich

befürchtete, dass dies nach dem Aufhellen eine Art „Heiligenschein“ um den Leuchtturm

herum hinterlassen würde

Filter 63

ACHTUNG, TECHNIK!

Harte und weiche

Verlaufsfilter

Neutraldichte-Verlaufsfi lter sind in

zwei Varianten erhältlich: hart und

weich. Harte Verlaufsfi lter verfügen

über einen sehr offensichtlichen und

plötzlichen Übergang von dem

dunklen zum klaren Bereich,

wohingegen weiche Verlaufsfi lter

einen deutlich langsameren Übergang

haben.

Harte Verlaufsfi lter sind besonders

nützlich in Situationen, wo der

Horizont relativ gerade verläuft und

nicht durch irgendwelche großen

Objekte unterbrochen wird. Bei einem

ungleichmäßigen Horizont hingegen

sind weiche Verlaufsfi lter die bessere

Wahl.

Wenn Sie eine Szene mit einem

geraden Horizont bei Sonnenauf- oder

-untergang fotografi eren wollen,

sollten Sie sich ebenfalls für einen

weichen Verlaufsfi lter entscheiden, da

der Horizont den hellsten Bereich der

Szene darstellt und ein weichet

Verlaufsfi lter an dieser Stelle nicht

genug Licht zurückhält.

Was kann man also tun, wenn man

eine Szene bei Sonnenaufgang oder

Sonnenuntergang fotografi eren

möchte, bei der ein großes Objekt wie

ein Baum oder ein Gebäude den

Horizont unterbricht? Lesen Sie hier,

wie Sie dieses Problem lösen können.

Fertiges g Bild

Dies ist mein Endergebnis. Es zeigt

deutliche Details und Farben, sowohl

im Himmel, als auch im Vordergrund,

und einen natürlich wirkenden

Leuchtturm ohne einen dunklen

Bereich in der oberen Hälfte.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Bilder aufzuhellen oder abzudunkeln, wie zum

5 Beispiel Gradationskurven und Tonwertkorrektur, aber für diese Markierung entschied

ich mich, das Werkzeug Abwedler zu verwenden, weil ich damit den Effekt nach und nach

auftragen und in den Bereichen, wo es notwendig war, verstärken konnte. Den

Belichtungswert setzte ich auf 10 %. Dies ermöglichte es mir, meine Auswahl sukzessive

aufzuhellen.


64 Grundlagen: Filter Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

So fügen Sie einen digitalen

Verlaufsfi lter hinzu

VON LUKE MARSH In Photoshop können Sie den Effekt eines Verlaufsfi lters nachempfi nden und so innerhalb weniger Minuten

eine ganze Reihe von Effekten schaffen. Unser Photoshop-Experte Luke Marsh erklärt, wie Sie einen erstaunlichen Verlaufsfi lter-

Effekt kreieren, indem Sie Einstellungsebenen verwenden, so dass die Effekte so lange wiederholt und angepasst werden

können, bis die Kombination der Ebenen mit dem Originalbild perfekt ist. In diesem einfach zu befolgenden Schritt-für-Schritt-

Seminar macht Luke Sie mit Einstellungsebenen, dem Fülltyp Farbverlauf, der Bearbeitung des Verlaufs, dem Farbwähler, den

Füllmethoden und dem Foto-Stimmungsfi lter vertraut. Photoshop ist keine Alternative zu optischen Filtern, es ist ein zusätzliches

Instrument. Benutzen Sie es, um Bilder zu erschaffen, die vor Ort nicht möglich sind, oder wenn Sie Ihren Verlaufsfi lter vergessen

haben. Hier wurde Photoshop Elements 4.0 benutzt, aber das Seminar ist natürlich auf spätere Versionen übertragbar.

Das Ziel ist, einen ähnlichen Effekt wie mit einem konventionellen Verlaufsfi lter zu

1 kreieren, stattdessen aber eine Reihe digitaler Verlaufsebenen zu verwenden. Ich

erstelle meinen ersten Verlauf, indem ich auf das Icon Neue Einstellungsebene ( ),

klicke, das sich im oberen Bereich der Registerkarte Ebenen befi ndet, und zu Verlauf

scrolle. Nun öffnet sich das Fenster Verlaufsfüllung.

Die Regler unter dem Verlauf kontrollieren die Farbe, der linke repräsentiert schwarz.

3 Klicken Sie auf den schwarzen Regler und sehen Sie, dass die Farbe nun in dem

Kontrollfeld unten erscheint. Wenn Sie dieses wiederum anklicken, öffnet sich das

Unterfenster Endfarbe wählen. Verwenden Sie das vertikale Spektrum (Mitte) sowie das

Hauptfenster (links), um die gewünschte Farbe auszuwählen. Dann klicken Sie auf OK.

Es ist oftmals notwendig, mehr als eine Verlaufsebene zu erstellen, um den Filtereffekt

5aufzubauen. Hier wiederhole ich die Schritte 1 und 2 und schaffe so einen Verlauf von

Schwarz zu Weiß. Anschließend wähle ich aus dem Menü Füllmethoden den Befehl

Weiches Licht und reduziere die Deckkraft der Ebene (siehe Kasten). So schaffe ich einen

natürlichen Abdunkelungseffekt, der ganz einfach angepasst werden kann.

Original

2 Im Fenster Verlaufsfüllung klicken Sie nun das Kontrollkästchen Umkehren an, so dass

der Verlauf sich von oben nach unten erstreckt, nun klicken Sie auf irgendeinen Punkt im

Verlaufsfeld (im oberen Bereich), um das Unterfenster Verläufe bearbeiten zu öffnen. Die

Schieberegler oberhalb des sichtbaren Verlaufs kontrollieren die Deckkraft, und wenn Sie den

weißen Regler verschieben, verstärken Sie den Transparenzfaktor des Verlaufs.

Klicken Sie nun im nachfolgenden Fenster ebenfalls auf OK, um den Verlauf

4anzuwenden, dann wählen Sie aus dem Füllmethoden-Menü im oberen Bereich der

Registerkarte Ebenen (siehe Kasten) den Befehl Multiplizieren, um eine natürlichere

Verschmelzung des Farbverlaufs mit dem Originalbild zu erreichen. Dieser Verlauf kann

jederzeit in einer neuen Bearbeitungsebene verändert werden, indem man ihn einfach

aus der Registerkarte Ebenen anwählt.

Die letzte Verlaufsebene soll den Felsen einen subtilen Abfall verleihen und aus dem

6Bild hinaus zum unteren Ende des Bildausschnittes führen. Noch einmal

wiederhole ich die Schritte 1 und 2, diesmal klicke ich das Kontrollkästchen Umkehren

jedoch nicht an, so dass der Verlauf sich von unten nach oben erstreckt. Noch einmal

wähle ich aus den Füllmethoden den Befehl Weiches Licht und reduziere die Deckkraft.


Der Feinschliff mit Filter>Einstellungen>Fotofi lter

7

Photoshop Elements und CS verfügen über Stimmungsfi lter, die den Grundton Ihres Bildes verändern

können, so, als ob Sie ein farbiges Gel oder einen Filter auf Ihrer digitalen Spiegelrefl exkamera benutzt

hätten. Diese nützliche Option fi nden Sie im Hauptmenü unter Filter>Einstellungen>Fotofi lter. Sie verfügt über

verschiedene voreingestellte Filter wie Warmfi lter, Kaltfi lter und Sepia. Sie können aber auch über die

Farbauswahl manuell fi ltern. Die Intensität des gewählten Farbtons kann dann über den Schieberegler Farbdichte

angepasst werden. Dies ermöglicht sehr subtile Effekte und verleiht Ihnen viel bessere Kontrolle, als ein optischer

Objektivfi lter. Wenn Sie die Farbverläufe Ihres Fotos zu Ihrer Zufriedenheit angepasst haben, ist es durchaus wert,

einige dieser Effekte auszuprobieren, und zu schauen, ob man das Bild noch weiter verbessern kann.

OBEN: Wählen Sie aus einer Reihe von voreingestellten Filtern, die

Sie in dem Menüpunkt Fotofi lter fi nden, oder benutzen Sie die

Farbauswahl, um Ihren persönlichen Filter zu erstellen.

RECHTS: ENDGÜLTIGE FARBAUSWAHL Ich war zwar mit den

Ergebnissen meines Verlaufsfi ltereffekts zufrieden, aber ich fand

trotzdem, dass das Bild mit Hilfe der Funktion Fotofi lter noch weiter

verbessert werden konnte. Nach einigem Herumexperimentieren

stellte ich fest, dass mir der voreingestellte Dunkelblau-Filter bei

einer Farbdichte von ungefähr 60 Prozent am besten gefi el, weil er

die Grundstimmung des Bildes etwas kühler machte, was für

meinen Geschmack besser zu der Szene passte.

Kaltfilter

Warmfilter

Violett Smaragdgrün

Fertiges Bild

ERFOLGREICH VERLAUFEN

Mit nur ein paar Minuten

Arbeit in Photoshop ist es mir

gelungen, dem unscheinbaren

Himmel mehr Bedeutung zu

verleihen.

Endgültige Farbauswahl


Grundlagen # 6

WASSER IN

LANDSCHAFTSAUFNAHMEN

WASSER IST EINE DER LEBENSGRUNDLAGEN und kann außerdem als

Schlüsselelement für eine erfolgreiche Landschaftsfotografi e dienen. Die Briten, die

ja auf einer Insel leben (wenn auch einer sehr großen!) können in jede

Himmelsrichtung fahren und werden früher oder später an der Küste landen, dem

Lieblingsschauplatz der meisten britischen Fotografen. Aber auch auf dem

europäischen Kontinent hat man es zur Küste nicht immer weit. Je nachdem wo

man sich befi ndet, kann man das Meer als Hintergrund benutzen, um alle

möglichen vordergründigen Motive abzulichten, von Gezeitentümpeln bis zum

Sandstrand oder zerfurchten Klippen.

Natürlich gibt es auch viele andere Gewässer, die Sie bei Ihren Landschaftsaufnahmen

nutzen können: Seen, Bäche, Flüsse und Wasserfälle bieten ebenfalls

eine Reihe von kreativen Möglichkeiten, die es zu entdecken gilt und bei denen

ganz eigene Herausforderungen bezwungen werden müssen. Zum einen geht es

darum, die besten Blickwinkel und die beste Tageszeit zu fi nden, um Wasser in

Landschaften zu fotografi eren. Andererseits müssen Sie ganz besonders auf die

Belichtung achten und, falls sich das Wasser bewegt, auf die Wahl der

Verschlussgeschwindigkeit.

Wir haben die besten Landschaftsfotografen Mitteleuropas gewonnen, ihr

Fachwissen und ihre Techniken beim Fotografi eren von Wasser in Landschaften mit

uns zu teilen. Prall gefüllt mit praktischen Tipps wird unser Leitfaden Ihnen helfen,

Ihre Landschaftsfotografi e zu verbessern und Ihnen das nötige Selbstbewusstsein

vermitteln, um bessere Bilder zu produzieren.


68 Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Die Grundlagen, um Wasser in

Landschaften zu fotografi eren

Machen Sie sich bereit, in die freie Natur zu ziehen, um atemberaubende Szenen

abzulichten, indem Sie sicherstellen, dass Sie die besten Techniken kennen und die

richtige Ausrüstung dabei haben.

IST IHNEN SCHON MAL AUFGEFALLEN, dass die Mehrzahl

der atemberaubenden Landschaftsbilder gewöhnlich eine

Art von Wasser in der Szene beinhaltet? Ganz gleich ob auf

ganz dezente Art ein kleiner Fluss durch das Bild rieselt, oder

ganz offensichtlich das dominierende Meer in einer

Küstenlandschaft zu sehen ist – Wasser ist bei vielen

Landschaftsaufnahmen ein Schlüsselelement.

Einer der Hauptgründe dafür ist, dass es sich bei Wasser um

ein für fotografi sche Zwecke wirklich formbares Element

handelt. Indem man Filter einsetzt und/oder die

Belichtungszeit manipuliert, kann man Wasser auf alle

möglichen Arten aufzeichnen, vom Einfrieren der Bewegung,

so dass Tropfen mitten in der Luft festgehalten werden, bis

hin zum Einsatz von langen Belichtungszeiten, um es in

einen ätherischen Nebel zu transformieren. Die refl exiven

Eigenschaften des Wassers können potenziell Probleme mit

Die Wahl der Belichtungszeit

Die Belichtungszeit, mit der Sie Wasser fotografi eren, hängt

von einer Reihe von Faktoren ab: Ob es sich bewegt, wie

schnell es sich bewegt, wie viel es davon gibt und ob Sie

möchten, dass es in der Bewegung innehält oder dass es

verschwimmt. Bei großen Wasserfällen und sich brechenden

Wellen garantiert Ihnen eine Belichtungszeit von 1/1000

bis 1/2000 Sekunde, dass jeder Tropfen eingefroren wird.

Bei schnell fl ießenden Flüssen und kleineren Wasserfällen

wie dieser hier, sollten Sie es mit 1/200 bis 1/500 Sekunde

probieren. Und bei langsamen Flüssen und Bächen

reicht auch eine Belichtungszeit von 1/125 bis 1/250

Sekunde. Wenn das Wasser verschwimmen soll, hat eine

Belichtungszeit von einer Sekunde einen guten Effekt bei

großen Wasserfällen. Und bei kleineren Wasserfällen sollten

Sie es mit zwei Sekunden probieren. Flüsse und Bäche

brauchen eine längere Belichtungszeit von zwei bis vier

Sekunden, aber Sie können auch noch viel länger belichten –

10 bis 20 Sekunden, wenn Sie mögen. Wenn große Mengen

Wasser sich an bestimmten Stellen konzentrieren, kann

Überbelichtung zu einem Problem werden, daher sollten

Sie das Histogramm im Auge behalten und eine längere

Zeit wählen, wenn Sie die hellen Punkte herausschneiden

möchten. Bei Küstenlandschaften verschwimmen Wellen bei

einer Belichtungszeit von ein bis zwei Sekunden, während 20

bis 30 Sekunden einen „milchigen“ Effekt erzeugen.

der Belichtung verursachen, aber sie spielen auch eine

wichtige Rolle bei der Verbesserung der Bilder. An Tagen, an

denen es nur wenig oder überhaupt keinen Wind gibt, kann

man an einem See, einer Talsperre oder jedem anderen

größeren Gewässer beachtliche Ergebnisse erzielen, indem

man eine klare Spiegelung der Landschaft auf der Oberfl äche

einfängt. Und es gibt noch mehr Möglichkeiten: Flüsse

können zu starken Führungslinien beim Bildaufbau der

Landschaft werden, oder sie können, genau wie

Gezeitentümpel und sich durch Steine schlängelnde

Strömungen, sehr effektive Vordergrundmotive bilden.

Die Liste ist endlos, aber in diesem Teil zeigen wir Ihnen das

Wesentliche, das Sie wissen müssen, um Wasser in

Landschaften zu fotografi eren und mit brillanten Ergebnissen

zurückzukommen. Worauf warten Sie noch, lesen Sie weiter

und probieren Sie es aus!

1/60 Sek.

1/20 Sek. 0,4 Sek.

Notwendige Ausrüstung

Weitwinkelzoom:

Ein Ultraweitwinkelzoom

wie 12-24 mm oder ähnlich

ist ideal, da Sie damit den

Vordergrund mit Wasser füllen

können und viel Tiefenschärfe

bei Szenen erzielen können,

die komplett scharf sind. Das

10-20 mm Objektiv von Sigma ist extrem populär

wegen seiner exzellenten Leistung und dem guten Preis-

Leistungs-Verhältnis.

Wasserwaage: Wenn

Ihr Stativ eine Wasserwaage

besitzt, nutzen Sie diese,

um sicherzustellen, dass der

Horizont eben ist – Sie wollen

doch nicht Ewigkeiten damit

verbringen, dies in Photoshop

wieder auszugleichen.

Ansonsten kaufen Sie eine einfache Wasserwaage für rund

12 Euro, die Sie an den Blitzschuh montieren können, oder

gönnen Sie sich die digitale Wasserwaage „Seculine Action

Level“ für 39,99 Euro (www.enjoyyourcamera.com).

Filter: Wenn Sie ernsthafte

Landschaftsfotografi e

betreiben möchten, sollten

Sie in ein Filtersystem mit

einschiebbarem Filterhalter

investieren. Das P-System von

Cokin (www.enjoyyourcamera.

com) bietet ein günstiges

Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn Sie großen Wert

auf die Qualität legen, schauen Sie sich das tolle 100

mm System von Lee Filters an – die Wahl der Profi s

(www.leefi lters.com). Mit einem Polfi lter können Sie

blaue Himmel noch deutlicher hervorheben und eine

klare Spiegelung der Wasseroberfl äche produzieren.

Einen 0,6- oder 0,9-Graufi lter sollten Sie ebenfalls in

Betracht ziehen, da Sie damit bei Tageslicht mit langen

Belichtungszeiten arbeiten können, um fl ießendes Wasser

zu verwischen.

Stativ: Bei

Wasseraufnahmen achten Sie

auf kleine Blenden, um die

Tiefenschärfe zu maximieren.

Die langen Belichtungszeiten

erfordern, dass die Kamera

stabil bleibt, damit nichts

verwackelt.

Fotorucksack: Wenn

Sie viele Kilometer laufen

müssen, ist ein Fotorucksack

weit besser geeignet, Ihre

Ausrüstung zu schützen als

eine herkömmliche Fototasche.

Solche mit Allwetterbezug

bieten einen größeren Schutz

vor Wasser und den Elementen. Wir stellen Ihnen weiter

hinten eine Reihe von tollen Rucksäcken vor.

Kleidung: Nichts ist

schlimmer als in einen Fluss zu

fallen und den Rest des Tages in

nassen Klamotten verbringen zu

müssen. Tragen Sie anständiges

Schuhwerk und ziehen Sie

wasserfeste Regenhosen oder

Gamaschen in Betracht, da Sie

damit in Flüsse hineingehen können und dabei trocken

bleiben.


Fotografi eren Sie Wasser, so wie es richtig ist!

Dramatische Küstenlandschaften sind der perfekte Ort, um die

Theorie in die Praxis umzusetzen, wenn es darum geht, Landschaften

mit Wasser zu fotografi eren. Befolgen Sie unsere Ratschläge zur

Ausrüstung, probieren Sie die Techniken aus, und nehmen Sie die

richtigen Einstellungen vor, dann werden Sie schon bald

Landschaftsaufnahmen wie ein Profi machen.

HELEN DIXON


ADAM BURTON ADAM BURTON

70 Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen

Wasser und Bildaufbau

Sie müssen nicht weit reisen, um Wasser zu fi nden. In hügeligen Gegenden gibt es relativ

häufi g Wasserfälle, während Flüsse und Bäche sich durch unser ganzes Land ziehen. In

Städten und Großstädten kann man oft Wasserstraßen und Kanäle fi nden und größere

Gewässer wie Seen, Maare und Talsperren fi ndet man überall.

Besonders in Großbritannien ist man nie weit weg von der Küste und das Meer bietet

Fotografen eine große Anzahl von Gelegenheiten. Sie bildet die perfekte Kulisse für Sand- oder

Felsbuchten und raue Klippen. Während das Meer selbst an ruhigen Tagen fotogen ist, ist es

bei rauem, stürmischen Wetter höchstdramatisch, wenn große, brechende Wellen Energie

und Bewegung an die Küstenlandschaften bringen. Ein Fluss, der seinen Weg durch Ihren

Bildaufbau windet, führt das Auge durch das Bild - und erhöht damit effektiv die Tiefe und

die Spannung des Fotos. Bäche und Flüsse sind die perfekten Motive, um S-Kurven oder

Führungslinien zu erzeugen. Kleine Pfützen können ebenfalls den Bildaufbau unterstützen,

da sie ideale Vordergrundmotive bilden. So sind zum Beispiel die fl achen Gezeitentümpel, die

sich bei Ebbe zeigen, höchst fotogen. Sie können dem Bild ein Gefühl von Dreidimensionalität

geben, wenn Sie ganz nah herangehen und mit einem Weitwinkelobjektiv fotografi eren, um die

Kurven und Refl exionen zu betonen.

Wasser ist hervorragend geeignet, das Hauptmotiv zu sein. Ein Weitwinkelobjektiv, wie ein

11-22 mm, zusammen mit einem niedrigen Blickwinkel nah an der Oberfl äche eines Flusses,

erzeugt den Eindruck, dass das Wasser praktisch in die Kamera herein fl ießt – aber machen Sie

das nur, wenn es wirklich sicher ist. Um eine maximale Schärfe sicher zu stellen, achten Sie

auf ausreichend Tiefenschärfe, indem Sie eine kleine Blende wie z.B. f/13 bis16 wählen und

den Fokus etwa ein Drittel in die Szene hinein verlagern. Nutzen Sie den LCD-Monitor, um das

Ergebnis zu prüfen.

GESCHICKTE

BEWEGUNGEN

Indem Sie die Blende für

eine lange Belichtung

geöffnet lassen, wird sich

bewegendes Wasser zu

einem Nebel, der sich mit

der durchschnittlichen

Wellenhöhe über die

Szene verteilt. Fließende

Blasen (rechts) werden zu

Spuren, die dem Bach

folgen. Je länger die

Belichtungszeit ist, desto

weniger grenzen sich die

Wellen ab.

Spiegelungen im Wasser

An ruhigen, windstillen Tagen funktioniert die Oberfl äche jedes Gewässers wie ein Spiegel,

indem es perfekt die Umgebung und den Himmel darüber refl ektiert. Refl exionen sind ein

Lieblingsmotiv vieler Landschaftsfotografen, insbesondere bei großen Gewässern, wenn es

zusätzlich starke Farben gibt – zum Beispiel während des Sonnenauf- oder -untergangs.

Felsen, die aus dem Wasser herausragen, langes Schilf, eine Landungsbrücke oder

Ruderboote gehören zu den Objekten, die als Teil einer refl ektierten Landschaft gut

funktionieren, indem Sie dem Bild Maßstab und Kontext verleihen. Wenn Sie jedoch die

Refl exionen eines Sees oder einer Talsperre fotografi eren, erzeugt ein zentrierter Horizont oft

ein symmetrisches Ergebnis, der den Bildaufbau deutlich stärkt.

Seien Sie vorsichtig beim Einsatz von Polfi ltern, um die Farbsättigung zu erhöhen und den

blauen Himmel zu verstärken. Ein Polarisationsfi lter kann auch die Intensität der Spiegelungen

reduzieren – aber es hängt vom Kamerawinkel im Verhältnis zur gespiegelten Oberfl äche ab,

in welchem Maße dies geschieht. Bei einigen Situationen werden Sie entscheiden müssen,

worauf Sie größeren Wert legen – einen tiefblauen Himmel und gesättigte Farben, aber

schwache Refl exionen, oder starke, lebhafte Refl exionen, aber ansonsten schwächere Farben

beim Himmel. Ein Polfi lter kann sogar Refl exionen intensivieren, indem er den Glanz der

Wasseroberfl äche entfernt. Daher sollten Sie den Polfi lter schon weiter benutzen, aber den

Effekt auf die Refl exionen in der Szene vorsichtig regulieren, indem Sie durch den Sucher der

Kamera schauen, während Sie den Filter in der Halterung drehen.

REFLEKTIEREND

Diese beiden Bilder mit

Refl exionen im Wasser

zeigen, wie sowohl die

Anwendung der

Zwei-Drittel-Regel (links) als

auch die Ignorierung

derselben (rechts) ihre

Berechtigung haben. Wie die

Aufnahme des Gebirgssees

zeigt, erzeugt die weit

entfernte Küstenlinie in der

Mitte der Aufnahme eine

starke Symmetrie. Erliegen

Sie nicht der Versuchung,

Steine abzutragen!

Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

ROSS HODDINOTT ADAM BURTON


Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Wasser und Belichtung

Bewegendes Wasser tendiert dazu, auf Fotos weiß auszusehen.

Daher ist eine akkurate Belichtung notwendig. Bei Überbelichtung

wirkt das weiße Wasser „ausgebrannt” und es sind keine Details zu

erkennen. Selbst wenn Sie im Raw-Format fotografi eren, können

solche Details bei der Bildnachbearbeitung nicht wieder hergestellt

werden. Daher ist es wichtig, die korrekte Belichtung direkt bei der

Aufnahme zu erzielen.

Normalerweise können Sie sich auf den Multizonenmesser

Ihrer Kamera verlassen, um die richtige Belichtung einzustellen.

Verlassen Sie sich aber lieber nicht auf die Darstellung auf dem

LCD-Monitor Ihrer digitalen Spiegelrefl exkamera, um die Belichtung

zu beurteilen. Schauen Sie sich stattdessen besser das Histogramm

des Bildes an. Die Grafi k zeigt die Verteilung der Farbtöne innerhalb

der Szene. Ganz links (0) steht reines Schwarz, ganz rechts (255)

reines Weiß, und der mittlere Bereich deckt die Mitteltöne ab. Wenn

Wasser überbelichtet wird, kann man das an scharfen Zacken ganz

rechts an der Kurve erkennen.

Die meisten digitalen Spiegelrefl exkameras haben auch eine

automatische Erkennung für helle Bereiche. Dabei blinken

Gruppen von Pixeln, die den dynamischen Umfang des

Sensors übertreffen, als Warnung auf. Wenn das Wasser in

Ihrer Landschaft überbelichtet wird, sollten Sie eine negative

Belichtungskompensation anwenden.

Probleme treten hauptsächlich bei sehr hellem Tageslicht auf –

insbesondere um die Mittagszeit. Hell angestrahltes, frostig-weißes

Wasser kann sehr intensiv werden und es ist nicht einfach, mit

der Kamera eine überall korrekte Belichtung zu erzielen. Daher ist

das weiche, weniger intensive Licht am frühen Morgen und Abend

besser für die Fotografi e von Wasser geeignet. Die Lichtqualität an

bewölkten Tagen ist ebenfalls hervorragend für Wasseraufnahmen

geeignet, insbesondere wenn man mit einer langen Belichtungszeit

die Bewegung des Wassers verschwimmen lässt. Also bleiben Sie

an einem trüben Tag nicht zuhause, weil Sie glauben, Sie könnten

keine Landschaften fotografi eren – fahren Sie lieber zu dem

nächstgelegenen Fluss oder Küste und fangen Sie an!

Wasser in Bewegung – einfrieren oder

verschwimmen?

Wie man Wasser in Bewegung am besten einfängt, ist ein

umstrittenes Thema. Einige Fotografen bevorzugen es, Wasser

auf authentische Art aufzunehmen, indem Sie die Bewegung mit

einer kurzen Belichtungszeit einfrieren. Andere lassen es lieber

absichtlich „verschwimmen“, um so ein Gefühl von Bewegung

zu erzeugen. Beide Techniken funktionieren gut in der jeweilig

passenden Situation. Jedoch ist es wichtig, sich für eine dieser

beiden Arten zu entscheiden – alles dazwischen, wenn das

Wasser weder verschwommen noch scharf ist, sieht meist

unordentlich und unabsichtlich aus.

Wenn Sie die Wasserbewegung festhalten möchten, müssen Sie

normalerweise mit einer Belichtungszeit von 1/500 Sekunde oder

kürzer arbeiten - dabei hängt die exakt erforderliche Zeit von der

Geschwindigkeit des Wassers ab.

Landschaftsfotografen nehmen normalerweise eine kleine

Blende (große f-Zahl), um eine Tiefenschärfe zu erreichen, die

groß genug ist, damit sowohl die Vordergrund- als auch die

Hintergrunddetails scharf erkennbar sind. Daher arbeiten Sie oft

mit relativ langen Belichtungszeiten, insbesondere bei niedrigen

Lichtverhältnissen.

Das ist der Grund, warum viele Fotografen das andere Extrem

bevorzugen – mit einer langen Belichtungszeit den Fluss des

Wassers verschwimmen lassen. Für viele Menschen ist dieser

verschwommene Effekt angenehmer für die Augen. Er verleiht

den Bildern Leben und Bewegung.

Eine Belichtungszeit von 1/2 Sekunde sollte dafür ausreichen,

aber noch besser ist es, mehrere Sekunden zu verwenden.

Damit ist ein attraktiver, seidiger, weißer Schimmer garantiert.

Um eine lange Belichtungszeit einzustellen, nehmen Sie die

minimale Blende des Objektivs (typischerweise f/22), und achten

Sie darauf, dass die niedrigste ISO-Einstellung der Kamera

ausgewählt ist. Wenn die daraus resultierende Belichtungszeit

noch nicht ausreichend lang genug ist, brauchen Sie Hilfe mit

entsprechenden Filtern.

Graufi lter blockieren das Licht, das auf die Kamera fällt. Im

Prinzip verändern Sie die Helligkeit des Lichtes, aber nicht

dessen Farben. Sie erlauben Fotografen, künstlich verlängerte

Belichtungszeiten anzuwenden, um die Bewegung des Motivs

zu verwischen. Es gibt sie in verschiedenen Stärken, am

gebräuchlichsten sind Dichten von 1, 2 oder 3 Stufen, sowohl

zum Anschrauben als auch zum Aufstecken. Normalerweise

reicht die Version mit 2 Stufen aus. Der TTL-Messer Ihrer Kamera

wird sich der Dichte automatisch anpassen.

ÜBERPRÜFEN SIE DAS HISTOGRAMM

Diese beiden Histogramme zeigen den Unterschied

zwischen einer überbelichteten Szene und einer, die

korrekt belichtet ist. Das obere Diagramm, mit den

vielen Zacken ganz rechts auf der horizontalen

Achse, das auf der vertikalen Achse über die Spitze

hinausschießt, deutet auf ein „Abschneiden“ oder

Überbelichtung hin. Die hellen Punkte gehen über

die Fähigkeiten des Sensors, Bildinformationen zu

speichern, hinaus und daher sind diese Daten für

immer verloren. Auch mit einer Nachbearbeitung in

Photoshop können Sie das nicht reparieren. Achten

Sie auf eine gleichmäßigere Verteilung der Zacken im

Histogramm, ohne ein Abschneiden, so wie im

unteren Bild.

Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen 71

ROSS HODDINOTT

EINEN GRAUFILTER

BENUTZEN

Manchmal müssen Sie die

Lichtmenge, die auf Ihr

Objektiv trifft, reduzieren, um

die Verschlussgeschwindigkeit

zu verringern

und ein Verschwimmen zu

erzeugen. Dazu benötigt man

Graufi lter. Mit Polfi ltern kann

man das Licht ebenfalls um

zwei Rasten verringern und

damit langsamere

Verschlussgeschwindigkeiten

ermöglichen, aber achten Sie

dabei auf den Effekt auf

Spiegelungen.

1/1000 Sek.

1/2 Sek.

ROSS HODDINOTT


72 Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

So benutzen Sie Wasser, um eine Szene aufzubauen

Wasser kann Ihrem Bild nicht nur ein interessantes Detail verleihen oder eine Stimmung

erzeugen, es kann sich auch als ein sehr nützliches Werkzeug für die Bildkomposition erweisen.

AN, RUHIGEN, WINDSTILLEN TAGEN ERZEUGT EIN

GRÖSSERES GEWÄSSER wie ein See oder ein Meeresarm

Refl exionen wie ein Spiegel und ermöglicht es einem

Fotografen, sowohl die Landschaft selber, als auch deren auf

dem Kopf stehendes Spiegelbild im Weitwinkelformat

einzufangen. Diese Art von Symmetrie ist ein sehr kraftvolles

Instrument für den Bildaufbau und eine der wenigen

Gelegenheiten, bei denen es die Komposition sogar noch

aussagekräftiger macht, wenn man den Horizont – entgegen

der Drittelregel – nicht auf einer Drittellinie, sondern in der

Mitte des Bildausschnittes platziert.

Ganz egal, ob Sie einen See, einen Meeresarm, einen Fluss,

einen Strom, einen Kanal oder eine Pfütze in Ihr

Landschaftsfoto integrieren – die traditionellen Regeln für

den Bildaufbau behalten ihre Gültigkeit. Versuchen Sie, die

Hauptelemente, wie zum Beispiel einen in Kaskaden

herabstürzenden Wasserfall, brechende Wellen oder

Wasser, das auf einen Felsen aufschlägt, auf einer Drittellinie

zu platzieren, um Ihre Komposition so interessant und

fesselnd wie möglich zu gestalten.

Landschaftsfotografen nutzen Wasser jedoch meistens als

eine Art „Leitlinie“, die das Auge des Betrachters in das Bild

hinein und durch die Szene hindurch führt. Flüsse, Ströme

und Kanäle eignen sich besonders gut für diese

Herangehensweise. Es ist gleichgültig, ob das Gewässer in

einer geraden Linie verläuft oder sich durch die Landschaft

schlängelt, der Effekt ist derselbe. Wenn Sie das Wasser so

in Ihr Foto integrieren dass es vom unteren Ende in das Bild

hinein verläuft, verleiht das Ihrem Foto einen natürlichen

„Eingang“. Das Auge des Betrachters wird dem Weg des

Wassers durch die Landschaft hindurch folgen. So erhalten

Sie eine starke Komposition.

Ein durch die Aufnahme fl ießender Fluss oder Strom schafft

Schritt 1 Ich versuche, im Querformat zu

schießen, weil das die Form des Flusses betont.

Aber wie auch immer ich mich entscheide,

entweder habe ich jede Menge nichtssagenden

Himmels in meinem Bildausschnitt, oder ich

schneide die Baumkronen ab. Beides ist nicht

wirklich zufriedenstellend. Darüber muss ich

noch mal nachdenken.

Schritt 2 Als die Sonne aufgeht, bringt sie

einen Hauch Farbe mit und verleiht den

Wolken mehr Ebenen und etwas Struktur, also

verändere ich meine Brennweite auf etwa 45

Millimeter, um den Himmel mit aufs Bild zu

kriegen und gleichzeitig das Beste aus den

interessanten Flussschleifen herauszuholen.

Schritt 3 Während die Farbe am Himmel

intensiver wird, entscheide ich mich, auf

Hochformat umzusteigen. Damit mache ich

mehr aus dem Himmel und erhalte im

Vordergrund auch mehr Wasser in den

Bildausschnitt. Diese Veränderungen holen

aus dem Fluss als Führungslinie das meiste

heraus.

auch eine große Tiefe, macht das Bild lebendig und verleiht

ihm den Eindruck von Bewegung. Oftmals ist es für diesen

Ansatz günstig, eine etwas erhöhte Kameraperspektive zu

wählen. Wenn Sie zu weit nach unten und zu nah ans

Wasser gehen, können Sie die Form und den Effekt des

Wassers nicht mehr so gut einfangen. Wenn Sie zum

Beispiel von einer Brücke, die über das Wasser führt,

fotografi eren, können Sie ihn direkt in seiner gesamten

sichtbaren Länge einfangen. Das kann sehr interessant

aussehen, da das Wasser in der Entfernung verschwindet

und so eine Art „Ausgang“ bildet.

Auch eine diagonale Linie kann ein sehr kraftvolles

Werkzeug für den Bildaufbau darstellen. Versuchen Sie also

einmal, einen Strom oder einen Kanal so in Ihrem Bild zu

platzieren, dass er den Bildausschnitt von einer Ecke zu

gegenüberliegenden durchschneidet. Die Brennweite Ihres

Objektivs hat ebenfalls einen großen Einfl uss darauf, wie das

Wasser in Ihrer Szene abgebildet wird. Weitwinkelobjektive

im Bereich von 14 bis 24 Millimetern verzerren die

Perspektive, so dass Objekte im Vordergrund größer und

markanter aussehen und weiter entfernte noch weiter weg

erscheinen. Das kann sehr gut funktionieren, wenn Sie einen

bestimmten Punkt besonders betonen möchten, vielleicht

Wasser, das im direkten Vordergrund Ihres Bildes in

Kaskaden über einen glatten Findling fl ießt. Alternativ

können Sie auch ein Objektiv mit einer größeren Brennweite

von mehr als 55 Millimeter verwenden, um die Perspektive

zu komprimieren. Das kann hilfreich sein, wenn Sie von

einem Berg aus einen Fluss fotografi eren möchten, der sich

durch das Tal schlängelt.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass Wasser Ihren

Landschaftsbilder zusätzliche Tiefe und Bedeutung verleiht

und Ihre Bildkomposition deutlich verbessern kann.

Mark Bauer verwendet einen Fluss als Führungslinie

Eines Morgens fahre ich zum New Forest in der

Nähe von Rhinefi eld, um zu versuchen, das

Morgenlicht einzufangen, wie es sich in einem

Fluss spiegelt, der sich durch die Landschaft

schlängelt. Bei meiner Ankunft stelle ich fest,

dass ich meine Bildkomposition auf den Fluss

aufbauen kann, der gemächlich durch die

Felder fl ießt. Die Landschaft ist ziemlich fl ach,

also fotografi ere ich von einer Brücke aus, da ich

aus dieser erhöhten Position die Ebenen gut

einfangen kann.

Aufbau

1

2

3

Landschaften in Porträtaufnahmen!

Vergessen Sie nicht, Ihre Kamera hochkant zu nehmen. Ein

aufrechter Bildaufbau kann dazu beitragen, Höhe oder Länge

zu betonen und ist somit besonders gut geeignet, um an

einem langen Fluss oder Kanal entlang zu fotografi eren, da

somit der Eindruck von Entfernung betont wird.

Wichtige Tipps zum Fotografieren

von Wasser

1) BENUTZEN SIE UNTERSCHIEDLICHE BRENNWEITEN

Selbst wenn Sie Ihre Kameraposition nicht verändern, werden

Sie überrascht sein, wie viele verschiedene Bildkompositionen

Sie fi nden, indem Sie einfach die Brennweite wechseln.

2) ACHTEN SIE AUF SPITZLICHTER Spitzlichter auf

dem Wasser können Ihre Kamera in die Irre leiten und zu

Unterbelichtung führen. Kontrollieren Sie also Ihr Histogramm

und führen gegebenenfalls eine Belichtungskorrektur durch.

Strahlende, refl ektierende Spitzlichter reißen immer aus, wenn

Sie das Foto nicht deutlich unterbelichten. Ignorieren Sie diese

also und belichten Sie für den Rest der Szene.

3) FILTER Die Benutzung des richtigen Filters kann

Flussaufnahmen deutlich verbessern. Polfi lter helfen,

Blendlicht vom Wasser zu reduzieren und Graufi lter

ermöglichen Ihnen eine längere Verschlusszeit, um den

Anschein von Bewegung einzufangen. Sie können dies als

Kompositionshilfe benutzen, indem Sie zum Beispiel Wasser

in den Bildausschnitt hinein fl ießen lassen, um das Auge so ins

Bild zu führen.

4) FOTOGRAFIEREN SIE UNTER DEN RICHTIGEN

BEDINGUNGEN Wenn der Himmel morgens oder abends zum

Teil bewölkt ist, wird der Himmel wahrscheinlich verschiedene

Farben aufweisen, die vom Wasser refl ektiert werden und der

Szene so mehr Bedeutung verleihen.


Benutzen Sie einen Fluss als

Führungslinie!

Halten Sie Ausschau nach Flüssen in einer

aussagekräftigen Landschaft. Die im Wasser

verstreut herumliegenden Felsbrocken und

die Mini-Wasserfälle tragen alle dazu bei,

den Vordergrund interessant zu gestalten.

Wenn Sie wasserfeste Kleidung tragen und

ein stabiles Stativ benutzen, können Sie Ihre

Kamera mitten in einem fl achen Fluss

aufbauen, und so Ihre Bildkomposition

interessanter gestalten.


74 Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

So fangen Sie natürlich wirkende Wellen ein

Profi fotograf Mark Bauer erläutert die beste Technik, um die Bewegung

brechender Wellen einzufangen, wenn sie auf den Strand treffen.

Es gibt eine große Debatte darüber, wie man

Wellenbewegungen am besten fotografi eren kann. Lange

Belichtungszeiten haben ein „nebliges“ Aussehen zur

Folge, das viele Fotografen schätzen (siehe unten), das

aber sicherlich nicht jedem gefällt, da es nicht sehr

authentisch wirkt. Wenn wir zuschauen, wie Wellen auf

den Strand zurollen, sehen wir die ganze Bewegung, wir

sehen nicht eine eingefrorene Momentaufnahme oder

Nebel, der über einen Felsen wabert. Eine Möglichkeit,

Wellenbewegungen wirklich so einzufangen, wie unser

Auge sie sieht, ist, auf ein Foto zu verzichten und

stattdessen eine Videoaufnahme zu machen. Aber wenn

wir die Verschlusszeit sorgfältig wählen, ist es auch mit

einer Fotokamera möglich, natürlich aussehende Wellen

einzufangen.

1 Ich baue das Bild so auf, dass die Wellen auf die Felsen

im Vordergrund prallen und messe dann mit dem

Punktmesser meiner Kamera die Belichtung für den Himmel

und die für den Boden separat.

Ich stelle die Kamera auf Blendenautomatik und

3 probiere einen Schuss mit 1/100 Sekunde, aber so wird

die Bewegung eingefroren. Bei großen Wellen vermittelt dies

Dramatik, aber bei so kleinen Wellen, wie diesen hier, ist es

der totale Reinfall.

Ich öffne die Blende auf f/11 und ersetze den Graufi lter mit vier Stufen durch einen mit

6 zwei Stufen. So kann ich die Belichtungszeit auf 0,3 Sekunden verkürzen. Das

Ergebnis ist fast, was ich wollte, aber die Welle ist mir immer noch ein kleines bisschen zu

stark eingefroren.

Der Trick dabei ist, die richtige Menge an Bewegung

einzufangen. Wenn der Verschluss zu lange geöffnet ist,

erhalten Sie zu viel Bewegungsunschärfe. Wenn er nicht

lange genug geöffnet ist, erscheinen die Wellen zu statisch.

Sie müssen die goldene Mitte fi nden, bei der Sie neblige

Unschärfe erhalten, die Wellen aber nicht ihre Form

verlieren.

Dafür gibt es kein einfaches Rezept. Die beste

Verschlusszeit hängt immer von der Größe und der

Geschwindigkeit der Wellen ab, davon, wie sie auf den

Strand treffen, und natürlich auch von Ihrem persönlichen

Geschmack. Sie werden viel experimentieren müssen.

Seien Sie darauf vorbereitet, jede Menge Bilder zu

schießen, immer wieder auf das Display zu schauen und

an den Reglern der Kamera zu drehen.

Da der Himmel viel heller ist, als der Boden, verwende

2 ich einen weichen Grauverlauffi lter von drei Rasten, um

den Kontrast auszubalancieren. Mit einem weichen

Verlauffi lter wird der Übergang nicht so offensichtlich.

In der Hoffnung, dass die Belichtung dadurch

4 verlängert wird, warte ich, bis es dunkler wird und

tausche den Graufi lter mit drei Stufen gegen einen mit vier

Stufen aus. Das erzeugt eine Belichtungszeit von zehn

Sekunden bei Blende f/22.

So kontrollieren Sie die

Verschlusszeiten

Es gibt zwar keine „ideale“ Verschlusszeit, um eine

brechende Welle einzufangen, da dies immer von den

jeweiligen Bedingungen abhängt, aber eine Verschlusszeit

irgendwo zwischen ¼ Sekunde und ein paar Sekunden

bringt für gewöhnlich das gewünschte Ergebnis.

Allerdings ist es nicht einfach nur eine Sache davon,

die Kamera auf Blendenautomatik einzustellen und die

Verschlusszeit auszuwählen. Sie müssen schon sicherstellen,

dass Sie die richtige Blende verwenden, um eine

angemessene Tiefenschärfe und eine korrekte Belichtung zu

erzielen. Bei Landschaftsaufnahmen liegt diese gewöhnlich

zwischen f/8 und f/22 für die maximale Tiefenschärfe.

Es gibt noch weitere Möglichkeiten, die Verschlusszeit

zu kontrollieren. Anstatt darauf zu warten, dass sich

die Lichtverhältnisse verändern, damit Sie eine kürzere

Verschlusszeit verwenden können, sollten Sie den ISO-Wert

der Kamera heraufsetzen. Normalerweise steigert dies aber

gleichzeitig auch das Bildrauschen, gehen Sie also nicht

weit über ISO 800 hinaus, wenn Sie nicht gerade eine

professionelle Kamera besitzen, die gut mit Bildrauschen

umgehen kann.

Für Verschlusszeiten über 30 Sekunden müssen

Sie Ihre Kamera auf Bulb-Modus einstellen und die

Belichtungszeit manuell einstellen. Dies kann jedoch

oftmals zu überbelichteten Bildern führen, so dass Sie

einen durchgehenden Graufi lter verwenden sollten, um

die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt, zu reduzieren.

Graufi lter sind in verschiedenen Stärken erhältlich, die

gängigsten haben eine, zwei oder drei Stufen. Für extrem

lange Belichtungszeiten können Sie mehrere gleichzeitig

verwenden, auch zusammen mit einem Polfi lter.

Diesmal ist die Belichtung zwar immer noch nicht lang

5 genug, um dem Wasser einen nebligen, ätherischen

Anstrich zu verleihen, aber sie fängt auch nicht die Dramatik

der Szene ein, indem sie das Wasser gefrieren lässt.

Noch ein Versuch. Mit ein bisschen weniger Licht bekomme ich den Schuss, den ich

7 wollte, bei ungefähr 0,6 Sekunden. Es ist genug Bewegung vorhanden, um ein Gefühl

von Dramatik zu erzeugen, aber die Wellen behalten ihre Form.


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76 Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

So lassen Sie bewegtes Wasser verschwimmen

Ross Hoddinott, der uns regelmäßig Beiträge liefert, zeigt Ihnen hier, wie Sie für einen

kreativen Effekt bewegtes Wasser in einen atmosphärischen, ätherischen Nebel verwandeln.

Verwischtes Wasser – man liebt A u fb a u

es oder man hasst es. Ich liebe

es. Um bewegtes Wasser milchig

zu verwischen ist die richtige

Belichtungszeit von Bedeutung:

zu kurz, und das Wasser sieht

unordentlich aus. Eine gute

Daumenregel ist, eine

Belichtungszeit von etwa einer

Sekunde oder länger zu wählen.

Das sollte eine attraktive

Verwischung schaffen. Noch

längere Belichtungszeiten führen zu noch

atmosphärischeren, surrealen Ergebnissen.

Um die längstmögliche Belichtungszeit für das

Umgebungslicht zu erreichen, wählen Sie die niedrigste

ISO-Einstellung Ihrer Kamera in Verbindung mit der

kleinsten Blende (zum Beispiel f/22 oder f/32). Bei wenig

Licht ist es relativ einfach, eine lange Belichtung zu

erreichen, weil die Belichtung ja sowieso schon länger ist.

Wenn die Lichtverhältnisse jedoch gut sind, ist es oftmals

nicht möglich, eine ausreichend lange Belichtungszeit zu

wählen, ohne das Bild übermäßig zu belichten. Die Lösung

ist die Verwendung eines Graufi lters. Je dichter der Filter,

desto mehr Licht absorbiert er, desto länger ist auch die

Belichtungszeit und desto stärker ist auch der

Verwischungseffekt. Für extreme Effekte kann der „Big

Stopper“ (zehn Rasten) von Lee Filters eine Belichtungszeit

von mehreren Minuten erzeugen. Dazu müssen Sie dann

Ihre Kamera auf Bulb einstellen und einen Fernauslöser

verwenden. Wenn Sie die Bewegung von Wasser mit einer

langen Belichtungszeit fotografi eren, werden alle Bilder

unterschiedlich sein. Manchmal werden Sie große

Unterschiede feststellen, manchmal nur sehr subtile.

Nehmen Sie eine ganze Bildsequenz auf und entscheiden

Sie später, welches Ihnen am besten gefällt.

Nachdem ich die Kamera auf ISO 100 und auf

3 Zeitautomatik eingestellt hatte, wählte ich die kleinste

Blende f/22 und wartete, bis eine große Welle kam und die

Felsen im Vordergrund überspülte. Die Belichtungszeit von

1/8 Sekunde bei f/22 war schon länger, aber da das Wasser

immer noch nicht milchig trübe wurde, nahm ich einen

Polfi lter zu Hilfe, um die Belichtungszeit zu verlängern.

Es war Abend und es herrschte Flut.

1 Um das Wasser, das über die Felsnase und den

Kieselstrand strömte, zu verwischen, baute ich mein Bild

sorgfältig auf. Ich benutzte ein Stativ, um meine Bilder vor

Verwacklungsunschärfe zu schützen. Zunächst stellte ich

die Kamera auf Automatikmodus ein. Diese wählte eine

Verschlusszeit von 1/80 Sekunde bei f/8 auf der Basis des

Umgebungslichts – nicht lange genug, um Wasser zu

verwischen.

Ein Polfi lter hat einen Filterfaktor von zwei Rasten und

4 kann somit ersatzweise auch als Graufi lter verwendet

werden, indem man die Belichtungszeit verlängert. Das ist

ideal, wenn man keinen Graufi lter hat. Außerdem trägt der

Polfi lter dazu bei, Blendlicht zu entfernen, in diesem Fall von

den Felsen. Des Ergebnis ist besser, aber in diesem Fall ist die

Belichtung von ½ Sekunde bei f/22 immer noch nicht lange

genug für das ätherische Ergebnis, das ich haben wollte.

Unverzichtbare nverzichtbare Ausrüstung

Ausrüstun

Wenn Sie lange Belichtungszeiten benutzen wollen, um

die Bewegung von Wasser zu verwischen, benötigen Sie

für diese Technik ein stabiles Stativ. Anderenfalls werden

Ihre Ergebnisse unweigerlich von Unschärfe durch

Verwacklung ruiniert.

Um die Bewegung des Wassers zu verwischen, muss

2 man der Kamera die Kontrolle entziehen, indem man sie

entweder auf Blendenautomatik einstellt und die

längstmögliche Verschlusszeit wählt, oder man stellt sie auf

Zeitautomatik ein und wählt die kleinste Blende. Bei beiden

Methoden wird dann die längstmögliche Belichtungszeit für

das herrschende Umgebungslicht eingestellt. Wählen Sie

außerdem die niedrigste ISO-Einstellung Ihrer Kamera, bei

der Mehrheit der digitalen Spiegelrefl exkameras ist das

typischerweise ISO 100.

Für die Verwischung, die ich wollte, musste ich einen

5 Graufi lter verwenden. Ich ließ den Polfi lter, wo er war

und fügte einen Graufi lter mit drei Stufen hinzu. Die

TTL-Messung der Kamera berücksichtigt den Filter

automatisch, aber der Filter verdunkelt auch den Sucher. Sie

müssen also die Bildkomposition aufbauen und den Fokus

für das Bild fi xieren, bevor Sie den Filter an Ihrer Kamera

anbringen.


3rd Edition The Essential Guide to Landscape Photography

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78 Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen

EXPERTENANLEITUNG

So fotografi eren Sie bewegtes Wasser

Lee Frost zeigt Ihnen, wie wichtig es ist, beim Fotografi eren fl ießender

Gewässer in Landschaften die richtige Verschlusszeit zu wählen.

MIT LEE FROST Auch wenn es mittlerweile zum Klischee geworden ist:

Ein mit einer langen Verschlusszeit aufgenommenes, fl ießendes Gewässer,

das anmutig und samtig verschwimmt, ist unbestreitbar eine sehr effektive

Technik. Deshalb wird sie auch von so vielen Fotografen, inklusive meiner

Wenigkeit, gerne verwendet. Von rauschenden Gebirgsbächen bis hin

zu sprudelnden Bächen und tosenden Wasserfällen – wo auch immer Sie bewegtes

Wasser fi nden, die Herangehensweise ist immer dieselbe, um eine gewöhnliche Szene

einzufangen und in ein kreatives Bild voller Atmosphäre zu verwandeln. Und das Beste

daran ist, dass man fl ießende Gewässer am besten an einem bedeckten Tag mit weichem

Licht fotografi ert, an denen kein vom Wasser refl ektierter Sonnenstrahl lästige Schlaglichter

verursacht, mit denen Sie dann zu kämpfen hätten. Das macht ein solches Foto zu einem

perfekten Projekt für diese trüben, grauen Tage, die wir mitteleuropäischen Fotografen so

gut kennen!

Da Sie für die Verwischung der Wasserbewegung eine

1 lange Belichtungszeit benötigen, sollten Sie Ihre Kamera

immer auf ein solides Stativ stellen, um sie schön ruhig zu

halten. Außerdem ist es eine gute Idee, einen Fernauslöser zu

benutzen. So können Sie den Auslöser betätigen, ohne die

Kamera zu berühren und zu riskieren, dass Sie damit

Vibrationen auslösen, die Verwacklungsunschärfe erzeugen

und so Ihre Bilder ruinieren.

Machen Sie Ihre erste Aufnahme und schauen Sie sie an. Diese Fontäne, die auf einen Felsen

4 trifft und kaskadenförmig in alle Richtungen spritzt, hat mich sofort angezogen. Von der Seite

zu fotografi eren erschien mir als ein guter Winkel und eine Verschlusszeit von einer Sekunde

erzeugte genug Verwischung. Das Foto war in Ordnung, aber es gab noch viele andere

Möglichkeiten, die ich ausprobieren wollte.

ACHTUNG, TECHNIK!

Bei trübem Wetter könnte es schon ausreichen, Ihr Objektiv

2 auf Blende f/16 oder f/22 und einen niedrigen ISO-Wert

einzustellen, um eine ausreichend lange Verschlusszeit zu

erzielen, die das Wasser verschwimmen lässt. Wenn das nicht

der Fall ist, verwenden Sie einen Graufi lter, um die Belichtung zu

verlängern. Ein Polfi lter kann ebenfalls verwendet werden, um

die Belichtung um zwei Rasten zu verlängern. So wird zum

Beispiel aus ¼ Sekunde eine ganze Sekunde.

Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Wählen Sie die richtige

Verschlusszeit

Der Schlüssel zum Erfolg beim Fotografi eren

von fl ießenden Gewässern ist, eine

Verschlusszeit zu wählen, die lang genug ist,

um das Wasser so zu verwischen, dass es auf

dem Foto weich und geschmeidig erscheint,

aber nicht so lang, dass die Bereiche, in

denen das Wasser sich konzentriert,

überbelichtet werden und ausbrennen.

Dabei geht man am besten nach der Methode „Versuch und Irrtum“ vor, aber eine

Belichtungszeit von einer Sekunde ist für gewöhnlich eine gute Ausgangsbasis. Das

Schöne an der Digitalfotografi e ist ja, dass man jeden Schuss sofort kontrollieren kann,

um zu sehen, wie er geworden ist und dann die Belichtungszeit entsprechend verlängern

oder verkürzen kann, bis das Ergebnis perfekt ist.

Keine Panik, falls kleinere Bereiche im Wasser ausbrennen. Wenn Sie die Bilder

herunterladen und als komplette Datei anschauen, besteht eine gute Chance, dass diese

Spitzlichtwarnungen verschwunden sind. Und wenn nicht, benutzen Sie einfach den

Kopierstempel in Photoshop, um etwas Wasser aus einem anderen Bereich des Bildes

über die überbelichteten Bereiche zu kopieren.

Vor dem Auslösen kontrollieren Sie das Objektiv oder das

3 Filter auf Wassertropfen. Wenn Sie in der Nähe eines

Wasserfalls fotografi eren, können Spritzer oder Wasserstaub

auf die Linse geraten. In diesem Falle ist Sprühnebel der

Übeltäter. Wischen Sie das Wasser mit einem sauberen

Mikrofasertuch ab, damit die Bildqualität nicht leidet. Bei

Regenwetter kann es helfen, einen Regenschirm über die

Kamera zu halten.

Ich beschloss, einen weiteren Blickwinkel zu verwenden und die Wasserfontäne aus dem

5 vorigen Schritt als interessantes Detail im Vordergrund zu verwenden, das das Auge die

Schlucht hinauf und zu den weit entfernten Gipfeln der Cuillin Hills führen sollte. Ich brauchte

ein paar Anläufe, um die Verschlusszeit richtig hinzukriegen, so dass keine Teilbereiche des

bewegten Wassers überbelichtet waren.


Fertiges Bild

Hier ist mein Endergebnis, aufgenommen

mit einer Belichtungszeit von 1,3

Sekunden bei Blende f/22 (ISO 50) und

unter Verwendung eines 0,9-Graufi lters,

um die Belichtungszeit zu verlängern sowie

eines harten 0,6-Grauverlauffi lters, um die

Details am Himmel einzufangen. Das trübe

Wetter und das weiche Licht funktionieren

sehr gut und enthüllen perfekt die subtilen

Farben in der Szene, während das

verschwommene Wasser das Gefühl des

rauschenden Gebirgsbaches einfängt.


80 Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Spiegelungen in Gezeitentümpeln

Profi fotograf Mark Bauer watet durch Gezeitentümpel, um uns zu zeigen,

wie man mit Refl exionen im Wasser umgehen muss.

So wählen Sie den Bildausschnitt

Refl exionen sind tolle Objekte für Landschaftsaufnahmen.

Die Symmetrie von einer perfekten Widerspiegelung in

einem stillen See hat etwas Einzigartiges, aber Refl exionen

funktionieren durchaus auch in einem kleineren Rahmen, in

Teichen, Pfützen oder Gezeitentümpeln.

Gezeitentümpel mögen nicht immer als Hauptmotiv in

einem Küstenfoto geeignet sein, aber sie geben auf

Landschaftsfotos mit Weitwinkel ein hervorragendes

interessantes Detail im Vordergrund ab. Refl exionen können

dabei zusätzliche räumliche Tiefe schaffen und dem Bild

mehr Strahlkraft und Farbe verleihen. Das kann einen

Vordergrund deutlich verbessern.

Gezeitentümpel fi nden Sie bei Ebbe an jeder felsigen Küste.

Der Trick daran ist, den Tümpel zu fi nden, der auf Fotos gut

aussieht. Wenn der Tümpel zu klein ist, hat er nicht genug

Wirkung, und wenn er zu fl ach ist, oder wenn der Grund

sandig und hell ist, sind die Refl exionen nicht stark genug.

Der ideale Zeitpunkt für Ihre Ankunft an der Küste ist, wenn

die Ebbe einsetzt. Dann können Sie aufbauen, sobald sich

die Gezeitentümpel bilden und fotografi eren, während die

umliegenden Felsen noch nass und glänzend sind. Das ist

auch angenehmer, als sich mit den Fotos abhetzen zu

müssen, bevor die Flut herein kommt und Ihren perfekten

Gezeitentümpel fl utet.

Die Wetterbedingungen sind ebenfalls wichtig. Es muss

windstill genug sein, dass Sie eine glatte Wasseroberfl äche

ohne Wellen haben, die die Refl exion unterbrechen würden,

und es muss auch ein interessanter Himmel vorhanden sein

– dramatische Wolken oder Farben – denn, wenn Ihr

Gezeitentümpel nicht gerade in der Nähe eines

interessanten Details, wie zum Beispiel eines Leuchtturms,

liegt, ist es der Himmel, der refl ektiert wird. Was die Technik

anbelangt, so sind akkurates Fokussieren und Schärfentiefe

ausschlaggebend, da diese Art von Foto am besten aussieht,

wenn sowohl der direkte Vordergrund, als auch die Refl exion

scharf sind. Das ist gar nicht so einfach, wie es aussieht,

denn die Fokusebene der Refl exion ist viel weiter entfernt,

als die des refl ektierenden Mediums.

Ein letzter Faktor, der noch bedacht werden muss, ist die

korrekte Filterung, die eingesetzt werden kann, um zum

einen das Licht in der gesamten Szene auszubalancieren

und zum anderen die Refl exion selber zu verstärken.

Als ich in der Morgendämmerung ankomme, suche ich

1 zunächst nach einem geeigneten Vordergrundmotiv.

Den Vordergrund bei dieser Aufnahme fi nde ich ziemlich

gut, aber der Gezeitentümpel passt nicht. Er ist zu klein und

fl ach, um dem Himmel richtig zu refl ektieren.

Ausrüstung für Reflexionen

EIN ULTRAWEITWINKEL-ZOOMOBJEKTIV wird Ihnen

helfen, nah heranzukommen und den Vordergrund mit

dem Gezeitentümpel Ihrer Wahl zu füllen.

EIN STATIV, das es Ihnen erlaubt, auf einer niedrigen

Ebene zu fotografi eren. Ein niedriger Blickwinkel zeigt in

der Refl exion einen größeren Bereich des Himmels und

balanciert das Foto aus.

EIN POLFILTER, um die Refl exion zu verstärken.

Entgegen der landläufi gen Meinung entfernen Polfi lter

nicht einfach Refl exionen, sie reduzieren auch

Schlaglichter, was die Refl exionen sogar noch verstärken

kann. Geben Sie jedoch Acht, dass Sie auch die richtige

Polarisation einstellen, denn wenn Sie das nicht richtig

machen, kann es passieren, dass Sie die Refl exion

komplett entfernen. Schauen Sie durch den Sucher und

drehen langsam am Polfi lter. Halten Sie an, wenn Sie den

Effekt gefunden haben, den Sie haben möchten.

GRAUVERLAUFFILTER können dazu beitragen, den

Kontrast in der Szene zu verstärken. Passen Sie jedoch

auf, dass Sie dies nicht übertreiben, denn im richtigen

Leben sind Refl exionen für gewöhnlich dunkler als der

Himmel und wenn auf Ihrem Foto das Umgekehrte der

Fall ist, wird Ihr Bild nicht natürlich aussehen.

DURCHGEHENDE R GRAUFILTER Wenn Die

Wetterbedingungen nicht optimal sind und sich Wellen

auf dem Wasser befi nden, können Sie einen Graufi lter

verwenden, um die Belichtungszeit zu verlängern und das

Wasser zu „glätten“.

Belichtung und Fokussierung

Refl ektierende Oberfl ächen sind

von Natur aus hell, und das

kann den Belichtungsmesser

Ihrer Kamera zur

Unterbelichtung verleiten.

Addieren Sie +0,5 bis +1

Stufen Belichtungskorrektur,

und kontrollieren Sie das

Histogramm nach dem Fotografi eren, um sicher zu gehen.

Fokussieren Sie sorgfältig, denn die Fokusebenen der

Wasseroberfl äche und der Refl exion sind unterschiedlich.

Wenn Sie Ihre Kamera auf Autofokus eingestellt haben, könnte

es sein, dass diese auf die Wasseroberfl äche fokussiert, was die

weiter entfernte Refl exion unscharf abbilden könnte. Um sicher

zu gehen, dass die gesamte Szene vom Vordergrund bis zum

Hintergrund scharf ist, schalten Sie um auf manuellen Fokus

und fokussieren Sie ein Drittel der Strecke in die Szene hinein.

Benutzen Sie dabei eine kleine Blende, wie zum Beispiel f/16.

Dieser funktioniert ein bisschen besser, aber ohne

2 Einsatz von Filtern sind die hellen Bereiche im

Himmel viel zu stark, und die Schatten im Vordergrund

fangen an, alles abzublocken.

Ratschläge für den Bildaufbau

Wenn Sie einen niedrigen Blickwinkel wählen,

können Sie den gesamten Bildausschnitt mit

dem Gezeitentümpel füllen und auch noch die

Spiegelung des Himmels mit hinein nehmen.

Bilder im Querformat sind für solche Zwecke im

Allgemeinen besser geeignet als solche im

Hochformat.

Ein Grauverlauffi lter ermöglicht es mir, die Details im

3 Himmel beizubehalten und die Lichtstrahlen beginnen im

Hintergrund mit dem Durchbruch, was der Szene zusätzliche

Dramatik verleiht. Aber ich fi nde, die Refl exion kann noch

verbessert werden.


Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Im nächsten Schritt füge ich einen Polfi lter hinzu.

4 Wenn man ihn jedoch nicht korrekt einstellt, wie Sie

hier sehen können, wird die Refl exion entfernt anstatt

verbessert. Ich muss den Effekt des Polfi lters noch

verändern.

Nach nur einer halben Drehung des Polfi lters, wird die

5 Refl exion nun deutlich hervorgehoben. Aber ich bin

immer noch nicht zufrieden. Das Bild könnte noch besser

aussehen, wenn das Wasser in der Bildmitte etwas

geglättet wird.

Grundlagen: Wasser in Landschaftsaufnahmen 81

Fertiges Bild

Hier kommen alle Komponenten für

ein perfektes Bild zusammen. Wie

Sie sehen, sollte man sich immer

etwas Zeit für Refl exionen nehmen.

Mit einem soliden Graufi lter kann ich die

6 Verschlusszeit auf zehn Sekunden erhöhen,

wodurch das Meer in der mittleren Entfernung geglättet

wird und den Anblick des Wassers im Gezeitentümpel

verbessert.


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Der unentbehrlich Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen 83

Grundlagen # 7

VERSTEHEN SIE DIE FARBLEHRE

VIEL ZEIT, Energie und Gedanken sind bereits auf das Studium der

Farben, deren praktischer Anwendung und psychologischer Effekte

verwendet worden. Oftmals sind die Anwendungen und Effekte

miteinander verbunden. Es ist kein Zufall, dass Stoppschilder rot sind,

dass die kalte Einstellung an der Klimaanlage blau markiert ist oder

dass die Umweltbewegung die Farbe Grün gewählt hat.

Auch über die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Farben gibt

es viel zu lernen. Farben arbeiten auf verschiedene Arten miteinander.

Manche Kombinationen schaffen Energie und Spannung, andere

dagegen harmonieren und schaffen Ruhe. Wenn eine Farbe in der

Natur mit besonderer Intensität auftritt, ist die Bühne für großartige

Landschaftsfotos bereitet. Wenn Sie die Beziehungen zwischen den

Farben verstehen, werden Sie reich belohnt werden.

1) Harmonie und Kontrast

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Beziehungen zwischen

Farben: Harmonie und Kontrast. Der Blick auf den Farbkreis

hilft uns, das zu verstehen. Farben, die nebeneinander liegen,

wie zum Beispiel grün und blau, harmonieren miteinander,

während Farben, die einander gegenüber liegen, wie zum

Beispiel blau und gelb, einen Kontrast bilden.

Des Weiteren harmonieren Farben, die sich auf der „warmen“

Seite des Farbkreises befi nden, miteinander, ebenso wie

die auf der „kalten“ Seite. Harmonische Farben üben eine

beruhigende Wirkung aus, insbesondere Blau- und Grüntöne.

Kontrastierende Farben sind dramatischer und schaffen eine

Spannung, die das Auge herausfordern kann – Blau und Gelb

bilden einen starken Kontrast.

DER FARBKREIS

Kontrastierende Farben wie Gelb

und Blau oder Rot und Grün

schaffen Spannung und Drama. An

einander angrenzende Farben

beruhigen.

ADAM BURTON


84 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen

R

B G

2) Farbe und Emotionen

Neben ihrer visuellen Wirkung können Farben auch unterschiedliche Stimmungen

andeuten, verschiedene Gefühle hervorrufen und, je nach unserer Kultur und

unserem Hintergrund, symbolische Bedeutung haben. Überlegen Sie, welche

Wirkung eine dominante Farbe auf Ihr Bild haben kann. Manchmal ist es

angebracht, eine Farbe zu dämpfen oder zu betonen. Beachten Sie die Farben in

Ihrem Bildaufbau im Zusammenhang mit der Ausleuchtung und einer sorgfältigen

Verwendung von Filtern.

ROT ist eine intensive Farbe, besonders, wenn sie vor einem dunklen Hintergrund

R auftritt. Diese Farbe wird universell zur Warnung und bei Gefahr eingesetzt und ist

kaum zu übersehen. Rot ist die kräftigste Farbe, die in der Fotografi e die meiste

Aufmerksamkeit auf sich zieht. Deshalb kann sie auch ablenkend wirken, wenn sie als

kleines Detail in einer Landschaft auftaucht, zum Beispiel in der Ferne als Auto, Boot oder

Verkehrsschild.

BLAU ist eine zurückhaltende Farbe, die verwendet werden kann, um Erholsamkeit,

B Traurigkeit oder Stille zu vermitteln. In der Fotografi e wird sie gerne verwendet, um

Kälte anzudeuten. Das funktioniert besonders gut in Verbindung mit Wasser und

Winterlandschaften. Blau ist eine sehr wichtige Farbe für Landschaftsfotografen, weil ein

gesättigter Himmel einen sehr schmeichelhaften Hintergrund darstellt.

GRÜN wird oftmals verwendet, um Gesundheit und Leben zu suggerieren. Grün ist

G offensichtlich die vorherrschende Farbe in der Pfl anzenwelt und beherrscht deshalb

viele Landschaftsfotos. Grün wird sehr leicht von leuchtenden, kräftigen Farben wie Rot in

den Hintergrund gedrängt und hat im Allgemeinen weniger Wirkung. Wenn es jedoch

einzeln auftritt, kann Grün trotzdem kraftvolle, interessante Bilder schaffen.

GELB ist ebenfalls eine kräftige, hervortretende Farbe, die oftmals verwendet wird,

G um Fröhlichkeit oder Helligkeit anzudeuten. Sie verleiht Ihren Bildern Wärme und

funktioniert besonders gut, wenn sie mit Blau verbunden, oder in Kontrast dazu gesetzt

wird. Gelb in Verbindung mit ähnlich kraftvollen Farben wie Gold oder Orange

versinnbildlicht den Herbst. Es gibt einen guten Hintergrund für Stillleben ab.

G

CRAIG ROBERTS

Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

TOM MACKIE MARK BAUER

ROSS HODDINOTT


Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

3) Die Verwendung einer einzelnen Farbe

Einzelne Farben verleihen einem Bild oftmals eine ganz besondere

Stimmung, und es ist durchaus möglich, mit nur einer einzigen

Farbe – oder mit Abstufungen einer Farbe – eine erfolgreiche

Bildkomposition zu schaffen.

Bestimmte Lichtverhältnisse können diesen Effekt erzeugen

und einer Szene besondere Atmosphäre verleihen. Ein intensiv

orangefarbener oder roter Sonnenuntergang hat einen starken

Einfl uss auf jede neutrale Farbe und badet eine Szene geradezu in

feuriger Wärme. Auch eine starke Hintergrundbeleuchtung kann

Farben entsättigen und einen fast monochromen Effekt erzielen. Vor

Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang dagegen gibt es keine

einzelne, starke Lichtquelle und das Licht wird gestreut und vom

Himmel refl ektiert.

Die beiden Fotos auf der rechten Seite sind sehr gute Beispiele

für monochrome Bilder. Ganz rechts können Sie sehen, wie die

Hintergrundbeleuchtung der Szene die Farben entzieht und ein Bild

erschafft, das fast farblos wirkt.

Auf dem anderen Bild sind der See und das tote Holz vor

Sonnenaufgang in ein diffuses Licht getaucht, das quasi vom ganzen

Himmel auf die Szene herabfällt. Es verleiht der gesamten Szene

einen Hauch von Kälte, aber die Stimmung ist sehr beschaulich.

Das passt sehr gut zu der kalten, windstillen Ruhe an einem

Wintermorgen.

4) Farbsättigung

OK, wenn wir jetzt streng technisch sein wollen, bezieht sich der

Begriff „Sättigung“ auf die Reinheit einer bestimmten Farbe. Über die

Zeit hinweg und im praktischen Umgang jedoch, hat „Sättigung“ die

Bedeutung von Intensität oder Kraft einer Farbe in einem Bild erhalten.

Ein gesättigtes Bild zu schaffen, beinhaltet mehr, als nur die Farben in

Photoshop zu pushen, auch wenn man auf diese Weise viel erreichen

und tolle Ergebnisse erzielen kann. Aber es gibt schon jede Menge

Optionen bei der Aufnahme des Bildes. Zuerst einmal sollten wir diese

genauer betrachten.

Die Tageszeit hat einen Einfl uss auf die Farbsättigung. Das Licht

am frühen Morgen und am späten Abend, wenn die Sonne tief

am Himmel steht und nur wenig Blendlicht vorhanden ist, führt zu

intensiveren Farben als zu anderen Tageszeiten. Ebenso verhält es sich

bei einer Ausleuchtung von vorne im Gegensatz zu einer Ausleuchtung

von der Seite oder von hinten.

Ein Polfi lter verbessert ebenfalls die Farbsättigung, indem er

Refl exionen reduziert und Blendlicht dämpft. Ein Polfi lter erzielt den

größten Effekt, wenn die Kamera sich in einem Winkel von 90 Grad

zur Sonne befi ndet. Polfi lter sind so einfach zu benutzen und der

Effekt ist schon durch den Sucher der Kamera deutlich zu sehen. Der

offensichtlichste dabei ist die Zunahme der Fabsättigung bei blauem

Himmel.

Ein paar Dinge gibt es allerdings, die man dabei beachten sollte.

Es ist durchaus möglich, eine Szene übermäßig zu polarisieren, so

dass der Himmel fast schwarz wirkt, und bei der Benutzung eines

Weitwinkelobjektivs (weiter als 25 mm bei einem Vollformat-Sensor

oder 17 mm bei einem APS-C-Sensor) kann der Polarisationsgrad

über den gesamten Bildausschnitt ungleichmäßig sein.

Natürlich ist es nicht immer erstrebenswert, dass die Farben

lebhaft und gesättigt erscheinen. Gedeckte Pastelltöne sind subtiler,

können aber für das richtige Objekt genau so effektiv sein und eine

Atmosphäre von Ruhe und Erholung vermitteln. Früher Morgennebel

verwäscht die Farben und verleiht einer Szene einen kühlen,

bläulichen Schimmer. Diesen können Sie noch verstärken, indem

Sie den Weißabgleich entweder in der Kamera, oder, wenn Sie im

Raw-Format fotografi eren, später, bei der Konvertierung optimieren.

Natürlich kann auch in der Phase der Nachbearbeitung noch

viel verändert werden. Experimentieren Sie mit verschiedenen

Einstellungen für den Weißabgleich, um die gesamte Atmosphäre

abzustimmen und fi nden Sie den Farbstich, der am besten zu Ihrem

Foto passt. Auf der gesamten Seite zeigen wir Ihnen, wie stark eine

Veränderung des Weißabgleichs in einer Raw-Datei das Ergebnis

verändern kann.

Die Wahl des Filters

Die unterschiedlichen Arten von Polfiltern

Es gibt zwei verschiedene Arten von Polfi ltern: zirkulare und lineare.

Das bezieht sich nicht auf deren physisches Erscheinungsbild, sie

sind in der Tat beide rund, sondern auf die Art und Weise, wie das

Licht polarisiert wird. Sie sollten für Ihre digitale Spiegelrefl exkamera

auf jeden Fall einen zirkularen Polfi lter kaufen, denn die linearen Filter

beeinträchtigen das Messsystem Ihrer Kamera. Das kann mit linear

polarisiertem Licht nicht umgehen.

Monochrom vor Sonnenaufgang

Vor Sonnenaufgang

Ohne Polfilter

Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen 85

Entsättigung durch Hintergrundbeleuchtung

Mittag

Mit Polfilter

ALLE FOTOS: MARK BAUER


86 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen

EXPERTENANLEITUNG

Trüben Sie Ihren Blick!

Vaseline auf einen Filter zu schmieren, mag nicht vernünftig klingen, aber es

kann dazu beitragen, kreative Ergebnisse von farbintensiven Szenen zu erzielen.

VON DANIEL LEZANO Photoshop ermöglicht es uns, in der Nachbearbeitung

allerlei merkwürdige und großartige Effekte auf unsere Bilder anzuwenden.

Trotzdem bevorzuge ich es immer noch, schon bei der Aufnahme des Bildes so

nah wie möglich an das Ergebnisbild heranzukommen. Um ehrlich zu sein, liegt

das zum Teil auch daran, dass ich nicht besonders gut mit Photoshop umgehen

kann. Aber hauptsächlich mache ich das, weil es mir Spaß macht (und

gelegentlich auch Frust bereitet), nach alter Väter Sitte zu fotografi eren und die traditionelleren

fotografi schen Techniken anzuwenden, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Seit kurzem

experimentiere ich mit ungewöhnlichen Möglichkeiten, einen weichen Fokus zu produzieren,

indem ich Vaseline auf einen Filter schmiere. Wie ich festgestellt habe, ist das ziemlich

einfach. Warum versuchen Sie es also diesen Monat nicht auch einmal und sehen, wie es

bei Ihnen klappt?

Als erstes müssen Sie eine geeignete Szene fi nden. Idealerweise sollte Ihr Schauplatz über

1einige deutlich defi nierte Formen und Bereiche mit starkem Schatten und hellen

Glanzlichtern verfügen, wie zum Beispiel ein Wald. Dieses farbenfrohe Feld voller Mohnblumen

zog meinen Blick auf sich und ich hoffte, es würde mir gelingen, die Vaseline so einzusetzen,

dass sie einen starken, abstrakten Effekt auf der Basis der kräftigen Rottöne erzeugen würde. Ich

stellte meine Kamera auf ein Stativ um sicherzustellen, dass die Bilder nicht verwackelten und

benutzte das exzellente 70 – 200 mm f/2.8-Objektiv von Sigma, um einen recht engen

Bildausschnitt des Mohnfeldes einzufangen.

Wenn die Kamera erst einmal auf einem stabilen Stativ steht, ist es wichtig, den Fokus zu

2 fi xieren, bevor Sie den Filter einschmieren. Nach dem Einschmieren wird das

Autofokussystem Probleme bekommen. Dazu fokussieren Sie ganz normal auf die Szene, und

dann schalten Sie das Objektiv von AF auf manuellen Fokus um, so dass die Fokussierung später

nicht beeinfl usst wird, wenn Sie den Auslöser betätigen, um ein Foto zu schießen.

Achtung, Ausrüstungskontrolle!

Filter, Vaseline und ein Tuch

Sie benötigen ein Minimum an zusätzlicher

Ausrüstung. Es ist also eine Technik, die man sich

auch zum Ausprobieren problemlos leisten kann.

Eine Dose Vaseline wird Sie nicht in den Ruin

treiben, aber Sie benötigen außerdem einen

UV- oder Skylightfi lter, den Sie auf Ihr Objektiv

schrauben. Ich kann nicht oft genug betonen,

dass Sie die Vaseline unbedingt auf den Filter

geben müssen und niemals direkt auf die Linse

Ihres Objektivs schmieren dürfen, weil Sie damit

der Optik dauerhaften Schaden zufügen könnten.

Außerdem sollten Sie ein sauberes Tuch zum

Reinigen des Objektivs griffbereit halten, um die

Vaseline abzuwischen, wenn Sie den Filter

reinigen und es noch einmal versuchen möchten,

und natürlich, wenn Sie Ihre Aufnahmen beendet

haben. Außer einem Stativ, das Ihre Kamera still

hält, während Sie die Bildkomposition vorbereiten

und auf die Szene fokussieren, ist das alles, was

Sie an zusätzlicher Ausrüstung benötigen

ACHTUNG, TECHNIK!

So tragen Sie die Vaseline auf

Wie Sie feststellen werden, werden Sie zum

Auftrag der Vaseline auf den Filter einige

Versuche benötigen, bevor Sie den

gewünschten Effekt erzielen. Tragen Sie

zunächst eine dünne Linie aus Vaseline quer

über den mittleren Teil des Filters auf und

verwischen Sie diese, bis Sie die ganze

Oberfl äche damit eingerieben haben. Machen

Sie einige Aufnahmen, dann drehen Sie den

Filter, so dass die Schmierstreifen diagonal

verlaufen und schießen Sie ein paar weitere

Aufnahmen. Tragen Sie eine dickere Schicht

Vaseline auf, um willkürliche Muster zu

erzeugen. Danach wischen Sie den Filter

wieder sauber und starten den nächsten

Versuch.

Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Wenn alles vorbereitet ist, ist es Zeit, die Vaseline aufzutragen. Holen Sie keine großen

3 Mengen aus der Dose, sondern reiben Sie sanft dünne Linien über den Bildausschnitt.

Hier können Sie sehen, wie schon ein einziger Schmierfl eck die Szene beeinfl usst. Ich habe,

während ich die Vaseline auftrug, die ganze Zeit durch den Sucher geschaut und konnte so

verfolgen, wie sich die Szene veränderte.


Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Nachdem die Vaseline auf dem Filter verteilt war, schoss ich eine Reihe von Fotos mit

4 unterschiedlichen Blendenöffnungen von f/5,6 bis hin zu f/13, so dass ich sehen konnte,

wie die Ergebnisse variierten (tatsächlich machte das keinen großen Unterschied). Nach ein

paar Aufnahmen trug ich mit dem Finger noch mehr Vaseline auf, um zu sehen, ob eine

dickere Schicht den Effekt verstärken würde. Wie ich aber feststellen musste, führte zu viel

Vaseline zu einem zu weichen Ergebnis.

Farbe in Landschaftsaufnahmen 87

Fertiges Bild

Mein Lieblingsbild wurde gegen Ende meiner

Fotosession aufgenommen. Nachdem ich meinen

Bildaufbau verfeinert hatte, indem ich die Kamera

auf einen kleineren Bereich des Feldes ausgerichtet

hatte (um die Mohnblumen im Bildausschnitt

größer wirken zu lassen), trug ich sorgfältig

hauchdünne Schmierstreifen auf den Filter auf.

Nach den Aufnahmen mit horizontal verlaufenden Schmierlinien drehte ich den Filter, so

5 dass die Linien diagonal und anschließend vertikal verliefen. Dies führte zu sehr

unterschiedlichen Ergebnissen. Danach probierte ich noch eine Reihe unterschiedlicher

Schmiermuster wie Zickzacklinien und Wellenlinien aus, um zu sehen, welchen Effekt diese

auf die Szene hatten. Es lohnt sich, so etwas auszuprobieren, weil man unmöglich

vorhersagen kann, was am besten aussieht.


88 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen

EXPERTENANLEITUNG

Farbtemperatur und Weißabgleich (WB)

VON MARK BAUER Unterschiedliche Lichtquellen erzeugen

unterschiedliche Farbstiche. Das hängt im Wesentlichen davon ab,

wie „warm“ oder „kalt“ das Licht ist und wie viel Grün oder Magenta

vorhanden ist. Eine haushaltsübliche Glühbirne zum Beispiel produziert

ein viel wärmeres Licht, als Sie es an einem trüben Tag draußen

vorfi nden. Fluoreszierendes Licht hat einen grünen Farbstich.

Die Wärme oder Kälte einer Lichtquelle wird als deren „Farbtemperatur“ bezeichnet

und in Grad Kelvin (K) gemessen. Je niedriger die Zahl, desto wärmer das Licht.

Ein Sonnenuntergang zum Beispiel hat eine Farbtemperatur von ungefähr 3.000 K,

neutrales Tageslicht (mittags, an einem sonnigen Tag) hat um die 5.000 bis 5.500 K,

und ein Wolken verhangener Himmel circa 7.000 bis 8.000 K.

Unsere Augen passen sich sehr schnell an die Farben unterschiedlicher Lichtquellen

an und erkennen ein weißes Objekt als weiß, egal, ob wir es beim Licht einer

Glühbirne oder draußen an einem trüben Tag sehen. Um Farben jedoch mit einer

Kamera akkurat wiederzugeben, müssen Sie den korrekten Weißabgleich einstellen,

Mit dem Weißabgleich die Stimmung

eines Bildes verstärken

Für diese Fotoserie verwendete ich immer die gleiche

Raw-Datei mit immer unterschiedlichen Einstellungen im

Weißabgleich, um herauszufi nden, welche Einstellung am

besten zur Grundstimmung des Bildes passte.

1) TAGESLICHT (5.500 K) Das Licht der Abenddämmerung

war kühl und blau. Es gab nur eine Andeutung eines

Lichtschimmers von der Sonne hinter dem Horizont,

die von den Wolken über der weit entfernten Landzunge

aufgenommen wurden. Der Weißabgleich für Tageslicht

gibt die Szene gut wieder. Die kühlen, blauen Schatten

passen zur Stimmung des Bildes.

2) BEDECKT (6.500 K) Die Einstellung für bedecktes

Wetter verleiht den Dingen mehr Wärme und fügt etwas

Magenta hinzu. Das funktioniert gut für den Himmel, aber

für meinen Geschmack kommen so das Wasser und die

Schatten nicht genug heraus. Ich schätze aber, dass dieses

Bild einer Menge Leute gefallen wird.

3) SCHATTEN (7.500 K) Zu warm und zu viel Magenta.

Die Stimmung der Szene wird hier nicht wiedergegeben.

Trotzdem wird auch dieses Bild bestimmt einigen Leuten

gefallen.

4) FLUORESZIEREND (3.800 K) (3800K) Mir gefällt

dieses Bild in der Tat ganz gut, weil es der Stimmung der

tatsächlichen Szene entspricht, obwohl es ein bisschen

übertrieben ist und der Himmel viel von seinem „Wow-

Effekt“ verloren hat.

5) BENUTZERDEFINIERTER WEISSABGLEICH (4.800 K)

Als Kompromiss ging ich zurück zum Weißabgleich für

Tageslicht und kühlte das Ganze nur ein kleines bisschen

ab. Für mein Gefühl ist dies eine sehr gute Repräsentation

der Stimmung des Bildes, obwohl es dem Himmel so an

Durchschlagskraft fehlt.

3) WB: SCHATTEN

1) WB: TAGESLICHT

was entweder bei der Aufnahme oder bei der Bearbeitung des Bildes im Raw-

Konverter geschehen kann. Ich persönlich empfehle immer, im Raw-Format zu

fotografi eren, weil Ihnen dies viel mehr Flexibilität bietet.

Auch bei Porträtaufnahmen sind akkurate Farben und ein korrekter Weißabgleich

notwendig, um einen natürlich aussehenden Hautton zu erzielen. Bei

Landschaftsaufnahmen jedoch sind absolut akkurate Farben nicht immer das,

wonach wir streben. Hier geht es mehr darum, attraktive Farben einzufangen.

Deshalb verwendeten Landschaftsfotografen zu Zeiten der analogen Fotografi e Filme

wie den Fuji Velvia wegen ihrer lebhaften Farben und verwendeten Farbkorrekturfi lter

wie bernsteinfarbene Warmfi lter und blaue Kaltfi lter, um die Stimmung und

Atmosphäre eines Bildes zu verstärken, anstatt neutrale, akkurate Farben zu

produzieren. Ein Warmfi lter konnte zum Beispiel dazu verwendet werden, das

sowieso schon warme Licht eines Sonnenuntergangs noch zu verstärken. Digitale

Fotografen können verschiedene Einstellungen beim Weißabgleich benutzen, um

ähnliche Effekte zu erzielen.

2) WB: BEDECKT

4) WB: FLUORESZIEREND 5) WB: BENUTZERDEFINIERT

Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e


Fertiges Bild

Für das endgültige Ergebnis fügte ich

den Himmel aus dem Bild mit

bedecktem WB in das Bild mit

benutzerdefi niertem WB ein und

bleichte ihn anschließend ein wenig, so

dass er besser zu der kühleren unteren

Hälfte passte. Das Resultat war ein

Bild, das sowohl die kühlen, blauen

Schatten, als auch einen

dramatischeren Himmel enthielt.


90 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

EXPERTENANLEITUNG

Landschaftsfotografi en in Schwarzweiß

VON HELEN DIXON Ich fotografi ere meine

Landschaftsaufnahmen immer in Farbe und

konvertiere sie dann hinterher in Schwarzweiß (lesen

Sie dazu auch unseren Beitrag über die Konvertierung

von Farbfotos auf der nächsten Seite). So erhalte ich

die vollen drei Informationskanäle, mit denen ich dann in der Raw-

Bearbeitung herumspielen kann, und nicht nur einen einzigen.

Ich kenne durchaus einige Leute, die in JPEG fotografi eren und

die monochrome Einstellung der Kamera benutzen, oftmals in

Kombination mit einem roten Filter, um Grün- und Blautöne

abzudunkeln und so einen sehr dunklen Himmel zu erzeugen.

Aber um ein Bild mit dem Potenzial für das bestmögliche,

monochrome Ergebnis zu erhalten, sollten Sie in Farbe schießen

und Ihr Bild anschließend auf Ihrem PC in Schwarzweiß

konvertieren.

Sie müssen einmal ausprobieren, eine Szene in Schwarzweiß zu

visualisieren. Das ist eine viel größere Herausforderung als eine

herkömmliche Landschaftsaufnahme in Farbe. Sie brauchen

eine ganze Bandbreite von Tonwertdetails, sonst fehlt es Ihrer

Landschaft hinterher an Kontrast.

So würde ich im Normalfall kein Bild mit einem unifarben blauen

Himmel machen, weil daraus hinterher ein trüber Grauton wird.

Was wir suchen, ist ein aktiver Himmel, etwas mit dramatischen

Wolken, insgesamt eine Szene mit viel Schatten und Glanzlichtern

und einer Trennung zwischen Vorder- und Hintergrund.

Eine Strandszene bietet zum Beispiel meistens nicht allzu viel

Tonwertkontrast. Man hat den Sand und die See, vielleicht ein

paar Klippen, und den Himmel. Jeder einzelne dieser Bereiche

ist ziemlich einförmig, was Farbton und Struktur anbelangt,

und das kann am Ende ziemlich fade aussehen. Aus diesem

Grunde tendiere ich für meine Schwarzweißfotografi e auch eher

„Ein anderer, toller Aspekt bei der

Landschaftsfotografie in Schwarzweiß

ist, dass man nicht unbedingt das

beste Wetter benötigt. Ein düsterer,

bedrohlicher Himmel kann einem Bild

sehr viel Dramatik verleihen.“

zu Landszenen, weil da viel mehr los ist, was Strukturen und

Farbtöne anbelangt.

Bei monochromen Bildern suche ich auch nach deutlicheren

Führungslinien. Die Bildkomposition muss um einiges kraftvoller

sein, weil die Farbe fehlt. Das Auge des Betrachters konzentriert

sich auf ganz andere Aspekte des Fotos, wie Gestalt, Form und

Struktur. Die Vorstellungskraft des Betrachters muss viel mehr

leisten. Ein anderer, toller Aspekt bei der Landschaftsfotografi e

in Schwarzweiß ist, dass man nicht unbedingt das beste Wetter

benötigt. Ein düsterer, bedrohlicher Himmel kann einem Bild

sehr viel Dramatik verleihen, und Sie müssen sich auch keine

Gedanken über Grauverlauffi lter machen, obwohl ich durchaus

einen Polfi lter verwende, um den Himmel zu verstärken.

Meiner Meinung nach widmen nicht mehr genug Leute ihre Zeit

der Schwarzweißfotografi e. Sie müssen das fertige Bild ausgedruckt

und an einer Wand hängend betrachten, um es tatsächlich

würdigen zu können. In einer Ausstellung hat ein solches Foto

viel mehr Aussagekraft, als auf einem Computermonitor. Ein

weiterer Vorteil ist, dass ein Schwarzweißfoto an jeder Wand

in jedem Zimmer gut aussieht, ohne sich mit den Farben der

Innenausstattung zu beißen. Monochrome Bilder sind wirklich

hervorragend zur Ausstellung geeignet.

UNTEN LINKS: East Head, West

Wittering. Diese Art von

verwahrlostem Schauplatz hat in

Schwarzweiß viel mehr Wirkung als

in Farbe.

UNTEN: St. Michael’s Mount,

Cornwall. Führungslinien sind in

meiner monochromen Fotografi e

eine wichtige visuelle Hilfe. Hier ist

es der Weg aus Kopfsteinpfl aster,

der aus dem Vordergrund hinaus

und zu dem Berg in der Ferne führt.

RECHTS: Obwohl der Baum ein

interessantes Detail im Vordergrund

darstellt, ziehen doch die Wolken in

diesem monochromen Bild die

Blicke auf sich. Die kahle, karge

Landschaft mit den leeren und

leblosen Feldern verleiht dem Bild

noch zusätzliche Dramatik. Ich habe

dem Himmel etwas Bildrauschen

hinzugefügt, um das gesamte Bild

körnig zu gestalten.


92 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen

In Schwarzweiß

konvertieren

Eine der tollen Eigenschaften der Digitalfotografi e ist,

dass es ganz einfach ist, Farbbilder in Schwarzweiß

zu konvertieren. Es gibt zahlreiche Arten, dies mit

einer Bildbearbeitungssoftware wie Photoshop

zu tun, wobei jede Art eine unterschiedliche

Herangehensweise an die Kontrolle der Tonwerte

hat. Um die ultimative Bildqualität und Flexibilität zu

erhalten, ist es entscheidend, dass Sie lernen, wie

man Farbbilder in monochrome Bilder konvertiert. Die

meisten Kameras haben einen Schwarzweiß-Modus,

aber aus verschiedenen Gründen ist es immer

besser, in Farbe zu fotografi eren und die Konversion

später durchzuführen. Der Hauptgrund ist, dass ein

Farbbild viel mehr Informationen beinhaltet als eine

Schwarzweiß-Aufnahme, daher haben Sie eine größere

Kontrolle über die Feineinstellung des Kontrasts, und

außerdem haben Sie das Bild so auch noch einmal

in Farbe. Wir zeigen Ihnen hier die vier beliebtesten

Methoden, um Ihre Farbbilder in Schwarzweiß zu

konvertieren und wir schlagen vor, dass Sie alle einmal

ausprobieren, um Ihren Favoriten herauszufi nden.

Einstellungsebenen

g

Nehmen Sie Ebene>Neue Einstellungsebene>

Kanalmixer oder Schwarzweiß. Damit erzeugen

Sie eine Ebene, die weiter bearbeitet werden

kann, wenn Sie Ihre Meinung später ändern

sollten. Nutzen Sie diese Technik auch für

Gradationskurven und Tonwertkorrekturen.

1) Sättigung verringern

Bild in voller Farbe

Dies ist eine der schnellsten und einfachsten Wege, um eine

Farbaufnahme zu konvertieren. Und, Sie ahnen es schon, es ist auch

diejenige, die am ehesten vermieden werden sollte. Drücken Sie die

Tastenkombination Strg+Umschalt+U oder klicken Sie auf Bild>Korrekturen

>Sättigung verringern, um die Farbe zu entfernen. Alternativ verschieben Sie

den Sättigungsregler der Dialogbox Farbton/Sättigung auf 0.

Wenn Sie auf die Tafel der Farbfelder schauen, sehen Sie, dass alle

Tonwerte deutlich trübe sind – insbesondere die Gelbtöne, die mehr ins

mittelgrau als ins hellgrau gehen. Für den gelegentlichen Gebrauch mag das

reichen, aber mit ein wenig mehr Zeit und Mühe werden Sie mit einer der

anderen Methoden viel bessere Ergebnisse erzielen.

SÄTTIGUNG VERRINGERN IM VERGLEICH: Die Methode „Sättigung verringern” ist sehr

schnell und einfach. Aber wie Sie hier sehen können, erzeugt sie ein fl aches Schwarzweiß-

Bild mit trüben Grautönen.

2) Graustufen

Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Diese sind ein guter Startpunkt, und wir empfehlen Ihnen, mit dieser

Methode meistens dann anzufangen, wenn Sie Anfänger sind. Mit nur

wenigen Klicks können Sie ein Schwarzweiß-Bild mit hohem Kontrast

erzeugen, jedoch entfernen Sie dabei alle Farbinformationen des Bildes,

daher gibt es hier wenige Möglichkeiten für Feineinstellungen. Klicken

Sie auf Bild>Modus>Graustufen. Sie sehen, dass das Bild weniger trübe

aussieht, und dass die Blautöne ein wenig dunkler sind. Die Tontrennung

hat ein interessantes Bild produziert. Von hier aus können Sie mit den

Funktionen Gradationskurven/Tonwertkorrektur noch ein wenig justieren,

insbesondere wenn Sie vorher Bereiche des Bildes wie Himmel oder

Hintergrund auswählen.

GRAUSTUFEN IM VERGLEICH: Graustufen zu benutzen ist sehr einfach und liefert

meistens sehr gute Ergebnisse. Hier gibt es exzellente Tonwerte und einen guten Kontrast.

ROSS HODDINOTT


Der unverzichtbare Leitfaden für Landschaftsfotografi e

3) Schwarzweiß-Anpassung 4) Kanalmixer

Eine der am einfachsten anzuwendenden

Methoden, die brillante Ergebnisse abliefert,

ist die Schwarzweiß-Anpassung, die sowohl

Anfängern als auch fortgeschrittenen Nutzern

eine komplexere Kontrolle über den Tonwert-

Bereich des Bildes bietet.

Gehen Sie zu Bild>Einstellungen>

Schwarzweiß um die Dialogbox zu öffnen

und das Bild mit einem Klick monochrom

werden zu lassen. Neben einer Reihe

von Voreinstellungen, die Sie für den

Kontrast auswählen können, gibt es sechs

Schieberegler, die jeweils die Stärke einer

bestimmten Farbe im Bild beeinfl ussen. Sie

können die Schieberegler dazu verwenden, die

Grauwerte so anzupassen, damit sie dem Stil

des gewünschten Bildes entsprechen.

Hier handelt es sich um ein exzellentes

Werkzeug, wenn Sie einen Himmel abdunkeln

möchten, aber die fl auschigen weißen

Wolken beibehalten möchten, um einen

größeren Effekt zu erzielen. Oder wenn Sie

eine Szene mit gelben Blumen und grünem

Gras haben, die beide zu einem ähnlichen

Grauton werden, können Sie hiermit die

Farben getrennt voneinander verändern. Die Feineinstellung Ihres Bildes kann

viel Zeit in Anspruch nehmen, aber die Mühe lohnt sich. Spielen Sie mit allen

Schiebereglern, denn Sie werden überrascht sein, inwiefern der rote Regler die

Gelbtöne beeinfl usst, der gelbe Regler die Grüntöne und der Cyanregler jeden

Blauton in der Szene.

Schwarzweiß

SCHWARZWEISS: Es ist ziemlich beeindruckend, zu erkennen, wie man über die

verschiedenen Farbkanäle die Tonwerte des Bildes verändern kann. Probieren Sie es ruhig

mal aus!

Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen 93

Der Kanalmixer ist eine der leistungsstärksten

Methoden, um ein Bild zu konvertieren. Es gibt

ihn in Photoshop CS und Paint Shop Pro, mit

einer etwas weniger anspruchsvollen Variante in

Elements, die über Verbessern>In Schwarzweiß

konvertieren zugänglich ist. Die Ergebnisse

ähneln denen, wenn Sie einen roten, grünen

oder blauen Filter vor Ihr Objektiv stecken,

und Sie können die Regler mischen, um so

einen orangefarbigen oder gelben Filtereffekt zu

erzielen. Klicken Sie auf Bild>Einstellungen>

Kanalmixer, um die Dialogbox zu öffnen. Sie

können nun im Ausgangskanal-Menü zwischen

Rot, Grün oder Blau als Kanal wählen. Machen

Sie ein Häkchen bei Monochrom, um mono zu

konvertieren. Mit dem roten Kanal kann man gut

anfangen, aber probieren Sie jeden aus, bevor

Sie sich entscheiden.

Sie können ein bisschen von jedem Kanal

miteinander mischen, um neue Effekte zu

erzielen. Wenn Sie die Regler anpassen, sollten

Sie darauf achten, die kombinierten Werte aller

drei Regler bei ungefähr 100 Prozent zu lassen.

Zum Beispiel Rot -20 , Grün +140 und Blau

-20 Prozent. Wenn Sie dies ignorieren, können

einige merkwürdige Effekte entstehen! Mit dem

„Konstant“ Regler kontrollieren Sie die allgemeine Helligkeit. Probieren Sie mal aus,

die Farbwerte kräftiger zu machen, indem Sie die Sättigung über Farbton/Sättigung

erhöhen. Damit erhöhen Sie gleichzeitig deutlich den Kontrast in der Schwarzweiß-

Version. Sie können auch nur eine einzige Farbe kräftiger machen, wie zum Beispiel

Blau über das Bearbeiten-Menü, wenn Sie mögen.

Kanalmixer

KANALMIXER: Die Arbeit mit dem Kanalmixer ist komplex und zeitintensiv, aber Ihre

Mühen werden mit den besten Ergebnissen belohnt werden.


94 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Werden Sie dramatisch bei Ihren

Konvertierungen in Schwarzweiß

Es gibt so viele Möglichkeiten, Schwarzweiß zu konvertieren. Wir zeigen Ihnen eine fantastische Technik, um kontrastarme

Landschaften zum Leben zu erwecken und das Beste aus dem Schwarzweiß-Potenzial Ihrer Fotos herauszuholen.

WENN WIR LANDSCHAFTEN FOTOGRAFIEREN, verwenden die

meisten von uns nur wenig Gedanken darauf, wie unsere Ergebnisse in

Schwarzweiß aussehen würden. Das ist verständlich, da ja bei den

meisten von uns die große Mehrheit unserer Aufnahmen farbig bleibt. Wir

schlagen also nicht vor, dass Sie sich in Zukunft jede Szene, die Sie

schießen, in Schwarzweiß vorstellen, aber wir empfehlen Ihnen durchaus,

von Zeit zu Zeit einmal darüber nachzudenken. Bilder aufzunehmen, um

sie dann in Schwarzweiß zu konvertieren, ist eine ganz eigene Disziplin,

und wenn Sie tatsächlich planen, eine Szene mit der Absicht einzufangen,

später daraus ein Schwarzweißfoto zu machen, sollten Sie die Faktoren

im Auge behalten, die die Wirkung Ihres Fotos, oder auch den Mangel an

Wirkung, beeinfl ussen könnten, sobald es konvertiert ist. Wenn Sie

vermeiden wollen, dass ein Foto leblos wirkt, wenn ihm die Farben

entzogen werden, müssen Sie Ihr besonderes Augenmerk auf die

Bildkomposition, die Tonwerte, die Formen und die interessanten Details

im Vordergrund richten.

Zunächst einmal sollten Sie Bereiche mit stark gesättigten Farben, wie

Sonnenuntergänge oder Felder voller Glockenblumen, Mohnblumen und

Rapsblüten meiden, weil ein Schwarzweißfoto ihnen einfach nicht

gerecht wird. Bedenken Sie, dass jede Farbe in der Konvertierung zu

Schwarzweiß ihre eigene Grauschattierung hat. Was Sie suchen, sind also

Szenen die ein breites Spektrum heller und dunkler Farben aufweisen,

sonst riskieren Sie, dass die Landschaft kontrastarm wirkt und es ihr an

Tonwerten mangelt.

Formen sind ein weiterer wichtiger Bestandteil von Landschafen in

Schwarzweiß. Halten Sie also Ausschau nach Szenen mit Strukturen,

starken Linien und kräftigen Formen, die dazu beitragen können, in einem

Öffnen Sie Ihr Bild in Photoshop Adobe Camera Raw. Zunächst einmal

1 sollten Sie alle erforderlichen Belichtungskorrekturen machen, um das

Bild so zu verändern, wie Sie es haben möchten. Für dieses Foto

korrigierten wir den Belichtungsschieber, indem wir einen positiven Wert

hinzufügten, und den Schieber für Schwarz, um den Kontrast ein wenig zu

verstärken.

Duplizieren Sie nun die Ebene (Ebene>Ebene

3 duplizieren) und rastern Sie das Bild, so dass Sie es

editieren können, indem Sie auf das Bild klicken und dann OK

drücken, wenn das Dialogfeld erscheint. Als nächstes klicken

Sie auf Ebene>neue Einstellungsebene>Kanalmixer, um das

Dialogfeld zu öffnen. Wenn Sie eine neue Einstellungsebene

verwenden, können Sie diese einfach löschen, wenn Sie Ihre

Konvertierungen verwerfen möchten, weil Sie auf diese Weise

Ihr Originalbild nicht antasten.

Schwarzweißfoto Kontraste zu schaffen und nach interessanten Details

im Vordergrund, die das Auge in die Szene hineinführen. Nasse Felsen

sind hervorragend geeignet, um Kontrast zu schaffen, weil sie dort, wo sie

mit ihrer nassen Oberfl äche die Sonne refl ektieren und Glanzlichter

erzeugen. Raues Wetter verleiht diesen Szenen noch zusätzliche

Dramatik: Ein stürmischer Himmel ist wundervoll. Einen wolkenlosen

Himmel dagegen sollten Sie meiden, denn er macht Ihr Bild grau und

leblos. Wenn die Wolken eher zart sind und nicht viel Substanz haben,

können Sie das Nachbelichter-Werkzeug benutzen, um die Belichtung

selektiv anzupassen und die Wolken abzudunkeln und so dem Bild etwas

mehr Dramatik zu verleihen.

Gerichtetes Licht ist zwar besser geeignet, um Kontrast zu erzeugen, aber

leider verwöhnt uns Mutter Natur nicht immer mit perfekten

Fotobedingungen. Aber keine Sorge, wir zeigen Ihnen, wie Sie mit Hilfe

der Abwedler- und Nachbelichter-Werkzeuge die Belichtung selektiv

anpassen können, um so die weichen, mittleren Farbtöne in Glanzlichter

und Schatten zu verwandeln und Ihrem Bild mehr Wirkung zu verleihen.

Ihre Bilder mit Adobe Camera Raw oder mit Hilfe einer schwarzweißen

Einstellungsebene in Schwarzweiß zu konvertieren, sind beides

hervorragende Möglichkeiten (wir werden beide später ausführlicher

behandeln), aber wir sollten auch den Kanalmixer nicht vergessen, der bis

zu CS3 für viele die bevorzugte Methode darstellte. Er bietet mehr Qualität

und ist viel besser kontrollierbar, als eine simple Graustufenkonvertierung.

Obwohl er nicht so fortschrittlich ist wie die anderen Methoden,

ermöglicht er es Ihnen trotzdem, mit der Farbinformation im Bild zu

arbeiten, um die Tonwerte präziser zu verstärken und ist immer noch eine

der besten Möglichkeiten, einen extremen Kontrast zu erhalten.

Wenn Sie das Bild in Photoshop öffnen, halten Sie die Shift-Taste (Mac)

2 oder die Steuerungstaste (PC) gedrückt, um die Schaltfl äche Bild öffnen

in Objekt öffnen zu ändern. Auf diese Weise können Sie später, wenn Sie die

Raw-Datei noch einmal verändern möchten – zum Beispiel, um die

Belichtung noch weiter zu verbessern, in Photoshop auf die Ebene

doppelklicken, um zu Adobe Camera Raw zurückzukehren.

Zuerst klicken Sie auf das Feld monochrom, um das Bild

4 in Schwarzweiß zu ändern. Jetzt passen Sie mit den

Schiebern den roten, grünen und blauen Kanal an, um den

Kontrast zu verbessern. Für die besten Ergebnisse sollten Sie

es vermeiden, irgendwelche Glanzlichter oder Schatten zu

beschneiden. Das erreichen Sie, indem Sie sicherstellen, dass

der Gesamtwert der Schieber 100 Prozent beträgt. Sie

können dies unterhalb der Schieber kontrollieren. Dort

können Sie verfolgen, wie sich der Gesamtwert verändert,

wenn Sie die Farben modifi zieren.

5 Hier sehen Sie, wie Sie es nicht machen sollten. Der

Gesamtwert beträgt 200 Prozent. Die Schatten sind

gut belichtet, die Glanzlichter sind beschnitten und im

Himmel und im Wasser sind uns Details verloren

gegangen. Hier geht es darum, die richtige Balance zu

fi nden. Wenn Sie ein paar Glanzpunkte oder dunkle

Bereiche haben, die Sie mit den Kanälen nicht richtig

hinkriegen, können Sie diese im nächsten Schritt

korrigieren. Achten Sie aber darauf, dass Sie es nicht

übertreiben.


Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Klicken Sie wieder auf die Ebenen Palette und

6 anschließend auf Ebene duplizieren. Wenn Sie einige

Bereiche haben, die ein wenig aufgehellt werden müssen,

wählen Sie das Abwedeln-Werkzeug aus der Symbolleiste

aus. Dann wählen Sie einen großen, weichen Pinsel (Wir

benutzen einen Durchmesser von 900 Pixeln und 0

Prozent Härte) aus der Optionsleiste (die obere

Symbolleiste), und wählen Sie Tiefen aus dem Drop-Down

Menü Bereich, dann setzen Sie die Belichtung auf 4

Prozent und klicken auf Tonwert schützen.

Falsch Richtig

Streichen Sie nun über den Bereich, den Sie aufhellen

7 möchten. Wenn Ihr Pinsel zu hart oder Ihre Belichtung zu

hoch ist, werden Sie feststellen, dass Sie Kreise über die

Bereiche machen, über die Sie streichen. Für die besten

Ergebnisse sollten Sie den Effekt sanft aufbauen. Dabei kann

es hilfreich sein, den Bereich heran zu zoomen, indem Sie

Strg und + gedrückt halten. Nun schalten Sie den Bereich um

auf Mitteltöne und hellen Sie die grauen Bereiche auf. Passen

Sie dabei die Pinselgröße und die Belichtung wie gewünscht

an.

Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen 95

Fertiges Bild

Mit Hilfe der Werkzeuge Abwedeln und

Nachbelichten können Sie über- und

unterbelichtete Bereiche ausgleichen und

ein tolles Schwarzweißfoto schaffen.

Wiederholen Sie Schritt 7 mit dem Werkzeug

8 Nachbelichten, welches sich in der Symbolleiste

unterhalb des Abwedeln-Werkzeugs befi ndet. Stellen Sie eine

niedrige Belichtung ein und wählen Sie einen weichen, dicken

Pinsel und Mitteltöne für Ihren Bereich. Konzentrieren Sie sich

auf die Bereiche, die im Schatten liegen und die dunkleren

Mitteltöne, und verstärken Sie den Kontrast, indem Sie so viel

Grau wie möglich entfernen, ohne dabei aber Details zu

verlieren, und indem Sie die schwarzen Bereiche verstärken.

Wenn Sie es richtig anstellen, kann dieser Schritt die Wolken

besonders dramatisch erscheinen lassen.


96 Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen Der unentbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Konvertieren Sie Farbfotos in Infrarotbilder

Sie müssen Ihre Spiegelrefl ex nicht mehr zur IR-Kamera umbauen, um infrarote Ergebnisse zu

erzielen. Mit Hilfe von Photoshop können Sie Ihren Bildern etwas IR-Magie verleihen!

EINE KAMERA ZU KONVERTIEREN, um Infrarotbilder zu

schießen, ist eine teure Angelegenheit – das heißt, wenn

Sie nicht gerade eine zusätzliche Kamera unbenutzt

herumliegen haben, was ja bei den wenigsten von uns der

Fall ist. Es gibt günstigere Alternativen, wie Filter, die das

sichtbare Licht blockieren und nur Infrarotlicht zum

Sensor durchlassen. Diese Filter sind jedoch blickdicht,

und es ist quasi unmöglich, hindurch zu schauen. Das

macht es somit schwierig, Ihr Foto aufzubauen.

Heute, dank unserer guten Technik, gibt es einen

einfachen Weg, den monochromen Infraroteffekt für ein

Farbfoto zu erzeugen: Sie können ihn einfach mit ein paar

Schritten in Photoshop oder mit einem Plugin-Filter wie

dem von Nik Software simulieren.

Diejenigen, die mit einer zu Infrarot konvertierten Kamera

fotografi eren, erhalten eine Raw-Datei mit einem pinken

Farbstich, die noch nachbearbeitet werden muss, um sie

in eines der ätherischen Schwarzweißfotos zu verwandeln,

die diese Technik so populär gemacht haben.

Der kreative Effekt funktioniert besonders gut bei

Landschaftsszenen mit viel grünem Laub, weil das Grün

zu Weiß wird und einen tollen Kontrast schafft. Ein blauer

Himmel verleiht dem Bild ebenfalls starke Aussagekraft,

weil er sehr dunkel wird und Wolken so äußerst

dramatisch wirken lässt. Wenn das Foto bereits

milchig-trübes Wasser durch eine lange Belichtungszeit

beinhaltet, können Sie ebenfalls ein sehr interessantes

Ergebnis erzielen, weil dies die ätherische Qualität eines

Infrarotbildes noch verstärkt. Das ist auch bei dem Bild

von dem professionellen Fotografen Adam Burton der Fall,

welches wir für unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung

verwendet haben. Es beinhaltet lebhaftes, grünes Laub,

das strahlend weiß werden sollte, sobald der Effekt

angewendet worden ist, und gute Farbwerte, die

sicherstellen, dass wir ein gutes Verhältnis von Schwarz

und Weiß erhalten werden.

Kamera umbauen

Wenn Sie eine Kamera so umbauen lassen möchten, so

dass sie nur Infrarotlicht einfängt, empfehlen wir Optik

Makario in Mönchengladbach. Diese Firma verfügt über

eine hohe Fachkompetenz in diesem Bereich.

Der Filter macht seine Sache zwar recht gut, er stellt aber letztlich nur einen

3 Ausgangspunkt dar. Benutzen Sie die Schieberegler, um den Effekt weiter zu

verfeinern und zu verbessern, wenn Sie dies für notwendig befi nden. Hier haben wir

den Regler für Blau leicht angepasst, um das Weiß im Wasser hervorzuheben. Achten

Sie jedoch darauf, dass Sie es nicht übertreiben, die Spitzlichter ausbrennen und so zu

viele Details verlieren.

Öffnen Sie Ihre JPEG oder TIFF-Datei in Photoshop ,und fügen Sie eine

1 schwarzweiße Bearbeitungsebene hinzu, um das Bild in Schwarzweiß zu

verwandeln, indem Sie Ebene>Neue Bearbeitungsebene>In Schwarzweiß

konvertieren anklicken. Nun sollte sich ein Dialogfeld für die Bearbeitungsebene

öffnen. Wenn nicht, klicken Sie auf das Vorschaubild in der Ebenen-Palette.

Sie können nun einen Infraroteffekt anwenden, indem Sie die Schieberegler

2 bewegen, um so die Farben in dem Schwarzweißbild zu verändern. Sie werden

wahrscheinlich feststellen, dass das mit dem gelben, grünen und blauen Regler am

besten funktioniert. Beginnen Sie aber dennoch mit dem voreingestellten

Infrarotfi lter, der sich in einem Drop-Down-Menü im oberen Bereich der

Bearbeitungsebene befi ndet.

Als nächstes schaffen Sie eine Bearbeitungsebene, indem Sie die Alt-Taste

4 gedrückt halten und Ebene>Sichtbare auf eine Ebene reduzieren wählen, um

eine schwarz-weiße Version Ihres Bildes zu schaffen. Nun konvertieren Sie die Ebene

zu einem SmartFilter, indem Sie auf die Ebene klicken und anschließend auf

Filter>konvertieren zu SmartFilter gehen. Auf diese Weise können Sie jeden Filter

bearbeiten, nachdem Sie ihn festgelegt haben.


Der unenbehrliche Leitfaden für Landschaftsfotografi e

Damit das Bild einen echten Infrarot-Look kopiert, benötigen die weißen Flächen einen

5 leichten Glanz, den Sie ganz einfach erreichen können, indem Sie den Gaußschen

Weichzeichner anwenden. Wenn Sie den SmartFilter gewählt haben, gehen Sie auf Filter>

Weichzeichnungsfi lter>Gaußscher Weichzeichnungsfi lter. Tragen Sie bei der

Weichzeichnung ruhig dick auf. Wir haben einen Radius von 27,0 Pixeln gewählt. Sie

können die Deckkraft der Ebene später jederzeit senken, indem Sie den Regler im oberen

Bereich der Ebenenpalette verschieben.

Grundlagen: Farbe in Landschaftsaufnahmen 97

Benutzen Sie weiches Licht

Um die weißen Bereiche wirklich

hervorzuheben, könnten Sie einmal

ausprobieren, den Filter Weiches Licht (Filter

>Verzerrungsfi lter>Weiches Licht)

kontrolliert anzuwenden. Aber übertreiben

Sie es nicht, sonst gehen Ihnen zu viele

Details verloren.

Fertiges Bild

Der Weichzeichner und die hervorgehobenen weißen Bereiche verleihen einem gewöhnlichen

Farbfoto den auffälligen, ätherischen Look eines künstlerisch anspruchsvollen Infrarotfotos.

Als nächstes verändern Sie die Füllmethode der Ebene (diese fi nden Sie in einem

6 Drop-Down-Menü oben in der Ebenenpalette) zu Ineinanderkopieren, so dass die

obere Ebene mit der darunterliegenden interagiert und den Kontrast verstärkt. Wenn

Sie wieder etwas mehr Details in die Schattenbereiche bringen möchten, gehen Sie zu

Bild>Anpassen>Tiefen/Lichter und verschieben die Regler wie gewünscht.


Expertenwissen Jahreszeiten und Landschaftsfotografie

WINTER

Der Winter ist die Lieblingszeit so mancher Landschaftsfotografen. Die kahlen Bäume

kündigen die Jahreszeit, in der die Sonne die Texturen besonders hervorhebt an. Die Luft ist

klar und der niedrige Sonnenstand ermöglicht das Fotografi eren den ganzen Tag über. Auch

die in dieser Jahreszeit niedrig hängenden Wolken vermitteln für manche eine besondere

Dramatik.

Es lohnt sich die Wettervorhersage zu verfolgen, da starker Frost oder sogar Raureif eine

märchenhafte Landschaft zaubern können. Falls eine kalte, sternenklare Nacht angesagt ist

und ein nicht unbedeckter Morgen, stellen Sie sich den Wecker und fi nden Sie ein schönes

Plätzchen, um den Sonnenaufgang zu verfolgen. Wenn die Sonne den Horizont erreicht,

kommen die Pastellfarben heraus. Geben Sie Acht bei der Belichtung – die hellen Töne und

die Refl ektionen in einer frostigen Landschaft, können den Belichtungsmesser irre führen und

somit unterbelichten. Unter einem blauen Himmel kommt Schnee wunderbar zur Geltung

und mit einem Polfi lter noch mehr hervorgehoben werden kann. Wann immer sich die

Möglichkeit bietet, sollte man ein Gebäude, eine Kirche oder Scheune als Fokussierpunkt in

das Bild integrieren.


PETER PATTERSON


100 Expertenwissen: Jahreszeiten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

1] Winter-Wunderland

Frostüberzogene Landschaften schaffen in

Ihren Bildern eine magische Atmosphäre.

Ein Teleobjektiv erlaubt es den Winter-

Wunderlandzauber einzufangen. Kalte

Temperaturen gehen oftmals mit einem

klaren, blauen Himmel einher, der sich

gut mit den klirrend kalten und gefrorenen

Landschaften ergänzt. Die Felder und

Wälder sind in Pastellfarben gezeichnet.

Fangen Sie zunächst mit einem

Teleobjektiv an und vergessen Sie nicht,

auch etwas in den Vordergrund hinein zu

nehmen.

2] Gefrorene Wasserfälle

Teilweise gefrorene Wasserfälle können

atemberaubend abstrakt wirken. Mit

einem langen Objektiv kommen Sie nah

an das untere Ende des Wasserfalls heran.

Die meisten Winterbilder von Gewässern

zeigen fl ießendes Wasser oder Eis. Also

nehmen Sie beides hinzu, um einen

Kontrast zu bilden.

3] Niedriger

Sonnenstand

Dafür lohnt es sich, früh aufzustehen.

Man kann zwar ein ähnliches Motiv bei

Sonnenuntergang fotografi eren, aber die

besondere Wirkung des Frostes fehlt.

Polfi lter machen sich gut an sonnigen

Wintertagen, hauptsächlich weil die

Sonne den ganzen Tag relativ niedrig

steht. Genauso wie der blaue Himmel,

kann auch der Schnee blenden. Um die

besten Ergebnisse zu erzielen, sollte man

mit leichten Drehungen durch den Sucher

schauen. Bei Weitwinkelobjektiven muss

darauf geachtet werden, dass der Himmel

nicht uneben wirkt.

4] Sonnenuntergänge im

Winter

Obwohl die Sonneneinstrahlung im

Winter intensiv sein kann, sind die

Sonnenuntergänge in dieser Jahreszeit

teilweise besonders spektakulär. Sie sind

allerdings eher kurz, also sollten Sie früh

genug Position beziehen, um genug Zeit

zu haben, die Ausrüstung vorzubereiten.

5] Ein Hauch von Frost

Kurz nach Sonnenaufgang, wenn

ein Frost Schleier die Landschaft

bedeckt, ist zweifelsohne die beste Zeit,

Winterlandschaften zu fotografi eren. Wenn Sie

gerne früh aufstehen, werden Sie mit einer

solchen Szenerie belohnt.

Wichtiges für den Winter

KLEIDUNG

Tragen Sie am besten leichte

Thermobekleidung, um sich warm und

trocken zu halten. Ein langarmiges

Hemd, ein leichtes Fleece-Oberteil und

eine gute wind- und wasserfeste Jacke.

Anstelle von Jeans sollten Sie

Baumwollhosen tragen. Ein Hut und

Handschuhe sind ein Muss.

Ordentliche

Wanderschuhe halten

Ihre Füße warm und

trocken. In hohem

Gras sollten Sie

wasserdichte

Leggings oder

Gamaschen tragen.

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HELEN DIXON

PETER PATTERSON

ADAM BURTON

HELEN DIXON


PROFI-TIPPS

DIE KRAFT DES POLFILTERS

Der Vorteil eines Polfi lters für Wasserfallaufnahmen

ist, dass er nicht nur Refl ektionen absorbiert,

sondern auch den Lichteinfall auch um zwei Stufen

reduziert, so dass durch die nunmehr längere

Belichtungszeit das Wassser schön unscharf

dargestellt wird.

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PETER PATTERSON


Expertenwissen Jahreszeiten und Lanschaftsfotografie g

FRÜHLING

DER FRÜHLING ZEICHNET SICH durch Frische und einen Überfl uss an Blumen wie

Narzissen, Tulpen und Glockenblumen aus. Es ist auch die Zeit der Regenschauer, die

erfahrene Landschaftsfotografen lieben, weil das Licht unmittelbar nach dem Abklingen der

Schauer oft sehr dramatisch ist, die Luft gereinigt ist und die Sonne durchbricht, während

die dunklen, drohenden Wolken noch am Himmel stehen.

Wenn Sonne und Regenschauer vorhergesagt werden, widerstehen Sie der Versuchung

zu Hause zu bleiben, und begeben Sie sich in die Natur um, das Meiste aus dem

hervorragendsten Licht zu machen, das Sie vermutlich fi nden werden. Die Vorbereitung ist

entscheidend – es macht keinen Sinn, im Auto zu bleiben, bis der Regen aufhört und sich

dann zu beeilen, um einen guten Platz für Ihre Aufnahmen zu fi nden, denn das Licht wird

nicht auf Sie warten. Sie müssen sich Ihren Standort aussuchen und dort warten, auch

wenn dies bedeutet, dass Sie eine Weile dem Regen ausgesetzt sind. Selbstverständlich

müssen Sie Vorkehrungen zum Schutz Ihrer Ausrüstung treffen, aber schon so etwas

einfaches wie eine Plastiktüte kann ausreichen.


HELEN DIXON


104 Expertenwissen: Jahreszeiten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

1] Frühlingsblumen

Gehen Sie mit einem Weitwinkelobjektiv tief und

nah heran, um die Blumen so stark wie möglich

in den Vordergrund zu bringen. Achten Sie

darauf, dass die Blumen in gutem Zustand sind,

denn wenn die Blüten beginnen zu welken und

ihre Farbe zu verlieren, dann haben Sie Ihre

Chance verpasst. Gestochen scharfe Blumen

erzielen die beste Wirkung, also versuchen

Sie sie zu fotografi eren, wenn sie vollkommen

unbewegt sind. Experimentieren Sie auch mit

sich bewegenden Blumen und mit längeren

Belichtungszeiten, aber lassen Sie den Effekt der

Unschärfe deutlich hervortreten.

2] Regenbogen

Der Frühling ist die beste Zeit, um Regenbogen

zu fotografi eren. Wenn Sie dunkle Wolken

über strahlend heller Landschaft sehen, ist die

Chance auf einen Regenbogen groß. Machen

Sie eine ganze Belichtungsreihe, um das

Farbspektrum so gut wie möglich abzubilden.

Später können Sie diese Fotos mit Photoshop

kombinieren, um ein breiteres Bild zu erzielen,

so dass Sie Details, Farben und Struktur

des defi nitiven Bildes besser kontrollieren

können. Ein Polfi lter fügt schließlich noch den

zusätzlichen Kontrast hinzu und sättigt die

Farben.

3] Wälder

Wenn Sie sich tief im Wald befi nden, können

Sie erstaunliche Lichteffekte erzielen, indem Sie

gegen die Sonne fotografi eren, weil Sie sich so

die Sonneneinstrahlung zu Nutze machen, die

das durch das Blätterdach über Ihnen dringt

und dadurch einzelne Sonnenstrahlen ins Bild

wirft.

4] Aprilschauer

Viele Frühlingsschauer geben Ihnen die

Möglichkeit, Szenen mit düsteren, stürmischen

Wolken einzufangen, auch wenn Sie

wahrscheinlich auf Pausen zwischen den

Schauern warten werden. Ein dunkler Himmel

mit einem hellen Vordergrund kann es schwer

machen, die richtige Belichtung zu treffen.

Ein schwacher abgestufter Graufi lter kann die

Belichtung über das gesamte Bild angleichen

und die Stimmung verstärken. Wir empfehlen,

dass Sie einen abgestuften Filter mit Stärke 0,3

oder 0,6 verwenden.

Das Wichtigste für den Frühling

STATIV Seriöse Landschaftsfotografen

gehen nicht ohne Stativ

aus dem Haus. Es hilft Ihnen, das

Bild zu gestalten, den Horizont

waagerecht zu halten und

vermindert die Gefahr ungewollten

Verwackelns, das Ihre Aufnahmen

ruinieren könnte. Stative

erleichtern es auch, eine unserer

kreativen Techniken zu versuchen.

POLFILTER Polfi lter sind ideal, um

Details zu verstärken und die

Farben zu sättigen. Die besten

Aufnahmen erzielen Sie, wenn Sie

im 90-Graud-Winkel zur Sonne

fotografi eren. Kaufen Sie einen

zirkularen und keinen linearen

Polfi lter.

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5

MARK BAUER ADAM BURTON HELEN DIXON

5] Effekte bei der Aufnahme

ZOOM EXPLOSION Mit Ihrer Kamera auf

einem Stativ, stellen Sie eine niedrige ISO-

Zahl (z.B. 100) ein und eine Belichtungszeit

von etwa 1/6-Sekunde. Starten sie die

Belichtung und zoomen Sie dabei von der

weitesten Einstellung in die Nähe. Zoomen Sie

während der Belichtungszeit in gleichmäßiger

Geschwindigkeit, um diesen Effekt nicht

zu verzerren. Experimentieren Sie mit den

Belichtungszeiten, um unterschiedliche

Ergebnisse zu erzielen.

BEWEGUNGSUNSCHÄRFE Diese Methode

funktioniert hervorragend mit den Blumen

hier in der Waldaufnahme, und der Effekt

erinnert einen an impressionistische Malerei.

Um dies zu erreichen, montieren Sie Ihre

digitale Spiegelrefl exkamera auf ein Stativ mit

beweglichem Kopf. Setzen Sie die Belichtung auf

zwischen 1 oder 2 Sekunden und verwenden

eine niedrige ISO. Starten Sie die Aufnahme

durch einen Sender (oder einen Selbstauslöser)

und bewegen Sie dann den Kopf des Stativs

während der Belichtungszeit gleichmäßig nach

unten.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

5 5

DES BARR

Expertenwissen: Jahreszeiten 105

4

ROSS HODDINOTT

PAUL BILCLIFF


Expertenwissen Jahreszeiten und Landschaftsfotografi e

SOMMER

FÜR VIELE FOTOGRAFEN ist diese Jahreszeit die am wenigsten für Landschaftsaufnahmen

geeignete. Die meiste Zeit des Tages steht die Sonne zu hoch, um eine sichtbare

Abwechslung in die Landschaft zu bringen, und der Blick auf die Natur selbst wird

oft durch dichtes Blattwerk verdeckt. Die Bäume sind zu einem gleichförmigen Grün

geworden, im Gegensatz zu den verschiedenen Tönen frischen, saftigen Grüns im Frühling.

Die Luft ist voller Dunst und Staub. Dennoch ist nicht jede Hoffnung verloren, es gibt einige

gute Motive.

Zwar gibt es weniger verschiedene Blumen als im Frühling, aber die Blumen, die

vorhanden sind, haben dafür umso mehr Farbe – denken Sie nur an Mohn- oder

Sonnenblumen, an das Heidekraut, das gegen Spätsommer blüht, oder an die Zeit

des Sommers, in der Stroh- und Heuballen auf den Feldern liegen. Es handelt sich um

großartige Motive, die zu Symbolen des Sommers geworden sind. Sie zu fotografi eren, ist

jedoch nicht immer leicht: Sie müssen mit dem Bildaufbau solange experimentieren, bis Sie

eine schöne Anordnung gefunden haben, und dann muss auch noch das Licht stimmen:

Die Winkel von Sonnenlicht und Schatten lassen Ihre Fotos an Tiefe gewinnen.


HELEN DIXON


108 Expertenwissen: Jahreszeiten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

1] Blauer Himmel

Wir haben es schon öfter geschrieben und

Sie werden es sicher noch öfter lesen:

Nichts macht einen blauen Himmel tiefer als

ein Polfi lter. Aber übertreiben Sie es nicht.

An einem klaren Tag mit gutem Licht im

Vordergrund kann ein wenig unterbelichteter

(also dunkler) blauer Himmel eine ganz schön

starke Wirkung entfalten. Reine blaue Himmel

verschwinden gewöhnlich gegen Mittag.

2] Sonnenuntergänge am

Meer

Zuerst einmal: Wenn Sie an einer Ostküste

unterwegs sind, machen Sie daraus

Sonnenaufgänge. Stellen Sie sicher, dass Sie

sich rechtzeitig auf den Weg machen! Ein

Lichthof um Wolken herum führt zu den

besten Sonnenaufgängen und -untergängen.

Überprüfen Sie die Belichtung mittels des

Histogramms, um sicherzustellen, dass Sie es

richtig hin bekommen.

3] Abendstimmungen

Das Abendlicht hält im Sommer sehr lange

an. Die Sonne erreicht den Horizont in einem

schrägen Winkel, und es gibt ein langes

Nachscheinen, das auch später nach dem

Sonnenuntergang noch zu atemberaubenden

Stimmungen führt. Lange Belichtungszeiten

können diese andauernde, träumerische

Zeitspanne erfassen und ermöglichen es den

Wolken, ihren Fortschritt über den Himmel

nachzuzeichnen und dadurch die Stimmung

zu verstärken.

4] Felder der Träume

Lassen Sie die allgegenwärtigen Felder und

ihre starke gelbe Kraft hinter sich und fi nden

Sie heraus, was sonst noch alles dort wächst,

wo Sie fotografi eren. Passen Sie auf, dass Sie

nicht unbefugt Privatgrundstücke betreten

und widerstehen Sie der Versuchung, die

Blumen zu pfl ücken. Im Spätsommer können

Sie Weizenfelder im Morgen- oder Abendlicht

fotografi eren.

5] Kräftige Farben

Lassen Sie sich in der Mittagszeit von

kräftigen Farben aus Ihren lavendelfarbenen

Träumen aufwecken. Wir haben gerade

schon das gelbe Feld unter blauem

Himmel erwähnt, es ist aber immer noch

ein großartiges Motiv. Der Mohn sieht

überwältigend aus und gibt einen Kontrast

zum Grün ab. Dieses Motiv kann sogar

funktionieren, wenn die Sonne hochsteht und

dünne Wolken das Licht so weich machen,

wie eine große Lichtwanne im Studio.

Das Wichtigste für den Sommer

UV- UND TAGESLICHT-FILTER

Obwohl wir immer empfehlen

würden, einen klaren Filter auf

Ihre Linse aufzusetzen, um sie

zu schützen, machen diese

Schutzfi lter im Sommer den

größten Unterschied bei

Ihren Fotos. Der UV- und

der Tageslichtfi lter tragen

beide dazu bei, den Dunst

aus sommerlichen

Landschaften zu

beseitigen. Manche

Kameraleute haben früher

einen sanften Anlauffi lter aufgesetzt, um

mit den kühlen blauen Schatten an

sonnigen Tagen fertig zu werden, aber die

Digitaltechnologie hat dies überfl üssig

gemacht.

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HELEN DIXON

HELEN DIXON

ADAM BURTON

HELEN DIXON


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HELEN DIXON


Expertenwissen Jahreszeiten und Landschaftsfotografi e

HERBST

BEI DER NIEDRIG STEHENDEN SONNE können Sie den Großteil des Tages Stunden draußen verbringen, um

zu fotografi eren. Die Luft ist oft ein bisschen feucht, was bessere Sicht bedeutet, und die Farben sind fantastisch,

so dass Sie Ihre Bilder mit herbstlichem Orange, Rot und Gelb anreichern können. Manche Orte können selbst

bei enttäuschendem Wetter fantastisch aussehen – das indirekte Licht eines bewölkten Himmels passt zu

Waldgegenden, und selbst bei Regen kann man noch gute Aufnahmen machen.

Im Frühherbst führen ein klarer Himmel und eine kalte Nacht morgens oft zu nebligen Tälern, Flüssen und Seen,

wenn die Sonne aufgeht. Nebel kann sehr wirkungsvoll aussehen, wenn Sie gegen die Sonne fotografi eren.

Dadurch erscheinen alle Formen in dem Motiv hervorgehobener und deutlicher, und sobald die Sonne durch

die Bäume scheint, können sich daraus schöne Muster ergeben, wenn die Sonnenstrahlen im Nebel enden.

Geben Sie Acht, sollten Sie unter diesen Bedingungen etwas abmessen – Sie werden feststellen, dass Nebel

und Gegenlicht die Instrumente Ihrer Kamera verwirren und zur Unterbelichtung führen. Also ist es gut, mit

+1 zu beginnen und das Stufenschaubild auf Ihrem LCD-Monitor zu überprüfen, um zu sehen, ob weiteres

Nachjustieren und eine erneute Aufnahme nötig sind.


HELEN DIXON


112 Expertenwissen: Jahreszeiten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

1] Neblige Morgen

Der Herbst ist eine hervorragende Jahreszeit für

Fotos im Nebel, und manche Gegenden wie z. B.

Hügellandschaften sind förmliche „Nebelfallen“.

Also begeben Sie sich am frühen Morgen dorthin,

um zu sehen, was das beginnende Tageslicht

enthüllt. Mit dem höheren Brennweitenbereich

eines Zoomobjektivs (24-105 mm) aufgenommen,

basiert dieses Bild auf den sich überlappenden

Hügelformationen, die sich aus dem Nebel

absetzen. Ein abgestufter Grauverlaufsfi lter mit

Stärke 0,6 half dabei, die Details im Himmel zu

behalten, und ein Stativ hielt alles stabil.

2] Der Spiegel der Natur

Stille Gewässer wie Teiche oder Seen können Sie

verwenden, um durch Spiegelungen die goldenen

Farben der Jahreszeit zu betonen. Ein schöner

Anblick dieser Farben wird in diesem Bild, das

neben einem kleinen Fluss aufgenommen wurde,

verstärkt durch die nachmittägliche Sonne. Über

die obere Hälfte des Fotos wurde ein abgestufter

Graufi lter gelegt, um eine gleichmäßige Belichtung

des ganzen Fotos zu erzielen. Nachdem das Foto

in eine TIFF-Datei umgewandelt wurde, wurde

mit Photomatix-Software der Kontrastumfang

verringert, so dass manche der Details in den

dunkleren Stellen des Motivs zur Geltung gebracht

werden.

3] Ein Farbteppich

Suchen Sie nach Gegenden, die für ihre

Herbstfarben bekannt sind. Sie werden Farben

von hellem Gold bis zu dunklem Rot fi nden.

Da sich die Farben in dieser Jahreszeit ständig

ändern, lohnt es sich, die gleichen Orte mehrmals

aufzusuchen. Kehren Sie spät in der Saison zurück,

um als Motiv die herabgefallenen Blätter zu nutzen,

die einen Farbteppich auf dem Waldboden bilden.

4] Konzentrieren Sie sich auf

einen Baum

Geben sie es zu: Sie würden am liebsten auf

diesen Baum klettern, nicht wahr? Seine knorrigen

Wurzeln und die Verrenkungen des Stammes und

der Äste bieten eine perfekte Einführung in das

Motiv. Dieser Aufbau nimmt Ihre Augen auf eine

Reise mit, der Ihre Beine bestimmt nachfolgen

möchten.

5] Unscharfes Wasser

Eine Belichtungszeit von nur zwei oder mehr

Sekunden wird einen Bach im Wald verzerren.

Lange Belichtungszeit braucht eine kleine Blende.

Diese bewirkt eine große Tiefenschärfe, und die

herumliegenden goldenen Blätter machen das

Moos interessanter.

Das Wichtigste für den Herbst

WEITWINKEL-ZOOM

Ein Weitwinkel-Zoom-

Objektiv wie das Sigma

10-20 mm ermöglicht

Ihnen, das meiste aus

Ihren herbstlichen Fotos

herauszuholen. Von den

Fotos auf dieser Seite

wurde nur der neblige

Morgen mit einem

Teleobjektiv aufgenommen.

Falls die kleinste Brennweite Ihres

Standardzooms nicht klein genug ist, ist

der Herbst ein guter Anlass, um eine

anderes Objektiv auszuprobieren.

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ISTOCK PHOTO


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ADAM BURTON


Die Welt im Breitbildformat

> ZEIT: 50 MINUTEN > AUSRÜSTUNG: CCANON EOS 5D MKII, STATIV, FERNAUSLÖSER, WASSERWAAGE,

> WEITERHIN: PHOTOSHOP CS (ELEMENTS KANN EBENSO VERWENDET WERDEN)

Mark Bauer: Landschaftspanoramen haben etwas ungeheuer Fesselndes,

insbesondere, wenn man sie als Großformatdruck betrachtet. Meiner Meinung nach

gibt es keine bessere Technik, um den Eindruck zu erwecken, man sei tatsächlich vor

Ort. Da eine professionelle Ausrüstung für Panoramaaufnahmen sehr viel Geld kostet,

machen die meisten Fotografen mit Ihrer digitalen Spiegelrefl exkamera eine Reihe von

Aufnahmen und basteln sich daraus dann mit Hilfe von Photoshop eine Panoramaaufnahme

zusammen. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass nicht jede Landschaft für ein Panoramabild

geeignet ist. Szenerien mit starken, horizontalen Ebenen; insbesondere solche, die auf natürliche

Weise von links nach rechts „fl ießen“, sind ideal. Günstig ist auch ein besonderer Hingucker, wie

zum Beispiel ein Gebäude, das den Horizont unterbricht und den Blick auf sich ruhen lässt,

während er über das Bild wandert. Auf diesen Bildern habe ich den charakteristischen,

kegelförmigen Colmer’s Hill in der Nähe von Bridport, Dorset, als Blickfang für mein

Panoramabild benutzt.

UND SO WIRD'S GEMACHT


116 Panoramamotive fotografi eren Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

> Kreatives

Die Regeln für Panoramen!

Panoramen sind im Grunde recht einfach zu

fotografi eren, wenn man ein paar Grundregeln

beachtet:

1) Halten Sie Ihre Kamera immer absolut waagerecht,

damit die vertikalen Linien sich nicht überschneiden.

2) Stellen Sie Fokus, Belichtungszeit und

Weißabgleich immer manuell ein, damit sie auf den

unterschiedlichen Aufnahmen immer gleich sind. Um

die richtige Belichtung für das gesamte Gebiet heraus

zu fi nden, messen Sie die Belichtung im gesamten

Aufnahmegebiet und nehmen dann den Mittelwert.

3) Lassen Sie die Aufnahmen um ungefähr 25 Prozent

überlappen (siehe unten). So können Sie die

Einzelbilder leichter ausrichten und stellen sicher, dass

nichts fehlt.

4) Benutzen Sie einen Fernauslöser und eine

Spiegelvorauslösung. So können Sie sicher sein, dass

alle Aufnahmen scharf sind.

5) Machen Sie Ihre Einzelaufnahmen schnell

hintereinander. So vermeiden Sie, dass sich auf den

Bildern etwas verändert, zum Beispiel das Licht oder

die Wolken.

6) Benutzen Sie keinen Polarisationsfi lter. Der Effekt

würde sich verändern, wenn Sie die Kamera bewegen

und das Verhältnis zwischen Lichtquelle und Kamera

verändern.

7) Fotografi eren Sie ein etwas breiteres Gebiet, als das,

welches Sie für Ihr Ergebnis glauben zu benötigen. So

haben Sie etwas Spielraum für Fehler beim Ausrichten

der Einzelbilder.

Wenn Sie sich die passende Landschaft für Ihr

1Panoramafoto ausgesucht haben, sollten Sie Ihre

Kamera richtig einstellen (schließlich wollen Sie die

Einstellungen nicht während der Aufnahmen

verändern). Für diese Landschaft habe ich 1/8 Sek. bei

f/11 (ISO 100) eingestellt.

Unerlässliche Ausrüstung

Bevor Sie nun mit Ihrem „Schwenk“ beginnen,

2wählen Sie zwischen Hoch- und Querformat.

Wenn Sie sich für Hochformat entschieden haben,

drehen Sie die Kamera auf die Seite. Kontrollieren Sie

noch einmal die Wasserwaage und stellen Sie sicher,

dass alles gerade ausgerichtet ist ist.

STATIV UND WASSERWAAGE: Für Landschaftspanoramen brauchen Sie nicht unbedingt eine

professionelle Ausrüstung, aber es gibt einige Dinge, ohne die Sie ihr Vorhaben nicht

verwirklichen können. Ein Stativ ist unverzichtbar für Standsicherheit und

um die Bilder auszurichten, ebenso wie ein Panorama-Stativkopf.

Ein Fernauslöser stellt sicher, dass alle Bilder gleich scharf sind

und eine Wasserwaage, die in den Blitzschuh geschoben

werden kann, hilft, die Kamera gerade zu halten. Im Handel

sind professionelle Panorama-Stativköpfe erhältlich, die

sich um den Nodalpunkt des Objektivs (den Punkt, an dem

sich die Lichtstrahlen in dem optischen System kreuzen)

herum drehen. Diese Nodalpunktdadapter verhindern, dass

Linien sich kreuzen, und erleichtern die Ausrichtung der

Einzelbilder. Sie sind sehr hilfreich bei der Aufnahme von Szenerien mit

vielen geraden Linien, zum Beispiel Stadtansichten. Für die Aufnahme

von Landschaften sind sie nicht unbedingt erforderlich.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Um die Kamera zu schwenken, entriegeln Sie die

3Schwenkfunktion Ihres Stativs. Machen Sie eine

Aufnahme und beginnen Sie dann, die Kamera von

einer Seite des Panoramas zur anderen zu drehen.

Stellen Sie dabei sicher, dass sich Ihre Einzelbilder alle

um ungefähr 25 Prozent überlappen. So vermeiden Sie

Lücken in Ihrem Panoramabild.

Ihr Computer wird nun loslegen und Ihre Dateien verarbeiten. Sie können sich in

6der Zeit eine wohlverdiente Tasse Tee oder Kaffee genehmigen. Nach ein paar

Minuten erhalten Sie dann Ihr Panorama. Das erste, was Ihnen wahrscheinlich

auffallen wird, ist, dass sich an den Rändern Ihres Bildes noch freie Flächen

befi nden.

Wenn Sie nach Hause zurück kommen, laden Sie

4Ihre Bilder auf Ihren Computer hoch.

Öffnen Sie nun Photoshop und klicken Sie auf

Datei>Automatisieren>Photomerge.

Dort öffnet sich nun ein Dialogfeld mit verschiedenen

Wahlmöglichkeiten.

Panoramamotive fotografi eren 117

Sie haben nun fünf Optionen, wie Photoshop Ihre

5Dateien zusammenstellen kann. Für die besten

Ergebnisse sollten Sie sich entweder für Perspektivisch

oder Zylindrisch entscheiden. Klicken Sie nun auf die

Schaltfl äche „Durchsuchen“ und wählen Sie die Bilder

von Ihrem Dateiordner aus. Zum Schluss klicken Sie

auf OK.

Wählen Sie nun das Werkzeug „Freistellen“ aus, und ziehen Sie einen Rahmen

7auf. So eliminieren Sie die freien Flächen an den Bildrändern. Wenn Sie mit

Ihrem Bildrahmen zufrieden sind, bestätigen Sie Ihre Auswahl. Abschließend

reduzieren Sie die Ebenen (Ebenen>Auf Hintergrundebene reduzieren) und

speichern Ihre Datei ab.


FOTOABENTEUER

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JAPAN

DER FOTOGRAF JON HICKS BLEIBT IM ZENTRUM

DER STÄDTE, UM DIE ALTE KULTUR UND DAS

MODERNE STADTLEBEN DER JAPANER ZU

ENTDECKEN.

TEXT: CAROLINE WILKINSON / FOTOS: JON HICKS


066 Schärfe Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

FOTOABENTEUER

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IN IN JAPAN ZU FOTOGRAFIEREN FOTOGRAFIEREN, iist

traumhaft: Es gibt ganz einfach die

beste moderne Architektur in Tokio, und die Japaner sind unglaublich

höfl ich. Als Berufsfotograf weiß ich, dass man mit Bildern typischer

Stadtszenen am ehesten Geld verdienen kann, und daher gibt es in

Tokio, Yokohama und Kyoto die besten Möglichkeiten, Verkehrszentren,

die Skyline, herausragende Gebäude, bevölkerte Plätze und überhaupt

das Leben in der Stadt zu fotografi eren, auch wenn man wie ich nur

einige Tage Zeit dafür hat. An Motiven mangelte es nicht, nur die Zeit,

das alles aufzunehmen, fehlte. Mir ist es jedoch geglückt, auch einige

historische Tempel mitzunehmen, und mich sogar auf die Jagd nach

Geishas zu machen.

Der April ist aus Wettergründen für einen Fotografen eine sehr gute Zeit,

Japan einen Besuch abzustatten, da es im Sommer oft feucht und im

Winter eher langweilig ist. Wenn man Glück hat, erlebt man sogar die

Kirschblüte. Trotz der Jahreszeit war es in Tokio – worauf ich den

Schwerpunkt meiner Reise legte – ziemlich regnerisch, aber dadurch

hatte ich Zeit, die U-Bahn-Stationen aufzunehmen.

Ich kenne keinen anderen Ort auf der Welt, in dem es erlaubt ist, bei

Fotoaufnahmen in der U-Bahn ein Stativ zu benutzen. Das ist nur eines

der vielen Dinge, die mich in Japan erstaunen, und ist beispielhaft dafür,

dass dieses Land einzigartig in der Welt ist. Es gibt niemanden, der einen

so sehr am fotografi eren hindert, dass der Beruf über Gebühr

anstrengend würde. Man kann im Gegenteil sagen, dass man überhaupt

nicht belästigt wird. Ich habe Menschen im Zug aufgenommen, und

kein einziger von ihnen bat mich, das zu unterlassen. Ich habe erlebt,

dass Autofahrer ihre Köpfe vor mir neigten, wenn sie anhielten, um mich

Japan

„An Motiven mangelte es nicht, nur die Zeit, das

alles aufzunehmen, fehlte. Mir ist es jedoch

geglückt, auch einige historische Tempel

mitzunehmen, und mich sogar auf die Jagd nach

Geishas zu machen.“


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Japan 121

HAUPTBILD:

Die Geishas waren rar,

aber sehr fotogen, als

sich also vor dem

Bambushain in Kyoto

die Gelegenheit ergab,

machte ich schnell

davon Gebrauch, mit

meinem 45 mm

-Objektiv, eingestellt

auf Blende f/5.

LINKS: Um das

Prada-Gebäude in

Tokio aufzunehmen,

nutzte ich ein 24 mm

Tilt-und-Shift-Objektiv,

und fügte dann den

Türsteher aus einer

anderen Datei hinzu.

Ich ging möglichst nah

an den Boden, um

Menschen aufnehmen

zu können, die

vorbeigingen.

UNTEN:

Shiodome ist ein

Geschäftsviertel in

Tokio, das abseits der

üblichen

Touristenpfade liegt,

aber es gibt dort sehr

hohe Gebäude und

hochliegende

Gehwege.


FOTOABENTEUER

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Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

GANZ LINKS:

Der Gion-Bezirk in Kyoto

erwacht nachts zum

Leben. Dieses Bild

wurde neben dem

Yasaka-jinja Heiligtum

aufgenommen, mit

Blick die Hauptstraße

von Gion hinunter. Ich

habe drei verschiedene

Aufnahmen mit einem

70-200mm-Objektiv

gemacht mit ungefähr

einer Ampelschaltung

Abstand dazwischen,

um die besten

Verkehrsbewegungen

zu erfassen, und habe

dann die Fotos

zusammengefügt.

LINKS: Es gehört zu

den japanischen

buddhistischen Ritualen,

vor dem Betreten eines

Tempels oder eines

Heiligtums sich in einem

Becken, das Tsukubai

genannt wird, die Hände

zu reinigen.

OBEN: Yokohama liegt in

der Bucht von Tokio. Es

gibt dort viele

Sehenswürdigkeiten, wie

etwa das Nippon Maru

Segelschiff und das

Riesenrad „Cosmo Clock

21“. Ich habe diese

Aufnahme bei einer

Belichtung von sechs

Sekunden und f/11 mit

meinem 70-200 mm

-Objektiv gemacht.

Japan 123

„Obwohl es in Japan keinen Big Ben, keinen Eiff elturm und keinen Trafalgar Square gibt, fi ndet man dort

doch fantastische Beispiele moderner Architektur und Kultur, die einzigartig auf der Welt sind.“

über die Straße zu lassen, und zu Stoßzeiten, gehen alle sehr, sehr

vorsichtig, damit sie niemanden anrempeln.

Auf dieser Reise wollte ich mich nicht nur auf die sich verändernde

Skyline von Tokio konzentrieren, sondern auch auf die japanische

Lebensart: Menschen, die die Straße überqueren, die Fahrrad fahren

und Züge besteigen. Die Shibuya-Kreuzung ist eine der größten

Straßenkreuzungen der Welt, die im zentralen Geschäftsbezirk von Tokio

liegt, wo man die höchste Dichte an Hotels fi ndet, und gleichzeitig ist es

ein Zentrum der Mode und des Nachtlebens. Es ist übervoll dort:

Hunderte Menschen überqueren die Straße zur selben Zeit. Die

Umgebung ist voller Neonreklame, plärrender Musik und japanischer

Jugendkultur – es ist das typische Tokio, das ich so liebe!

Ich bin dort immer hingegangen, um einfach herumzustehen, die

Menschen zu beobachten und die anregende Atmosphäre aufzusaugen.

Beim Fotografi eren von Leuten, die die Straße überqueren, machte ich es

so, dass ich die Kamera einfach in die Hand nahm, eine lange

Belichtung einstellte und die Kamera schwenkte, während die

Menschen an mir vorbeigingen. Normalerweise legte ich meinen

Schwerpunkt auf hübsche Mädchen, auf Männer im Anzug auf dem

Weg von der Arbeit nach Hause, oder auf Menschen mit Schirmen im

Regen, da das gute Motive sind.

In Shinjuku sieht es sehr ähnlich aus. Es gibt dort Boulevards, übervoll

mit Neontafeln, chaotische Straßen voller Leben, und riesige

Wolkenkratzer. Der größte Teil Tokios ist nicht älter als 70 Jahre, da die

Stadt nach dem zweiten Weltkrieg neu aufgebaut wurde, und obwohl es

in Japan keinen Big Ben, keinen Eiffelturm und keinen Trafalgar Square

gibt, fi ndet man dort doch phantastische Beispiele moderner Architektur

und Kultur, die einzigartig auf der Welt sind. In London kann man wohl

in einer einzigen Straße die Hälfte der Völker der Welt beobachten,

wohingegen es in Tokio fast ausschließlich japanische Gesichter sind,

die sich in der Regel an ein Handy schmiegen.

Die japanische Jugendkultur bietet ebenfalls die Gelegenheit,

interessante Bilder zu schießen.In einem Stadtbezirk namens Harajuku


FOTOABENTEUER

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OBEN: Die Shibuya-

Kreuzung ist eine der

größten

Straßenkreuzungen der

Welt. Es ist ein

ehrfurchtgebietender

Ort. Dieses

Panoramabild wurde aus

neun Aufnahmen

zusammengesetzt, die

mit einem 24 mm

Tilt-und-Shift-Objektiv

bei 1/5 Sekunde und

f/11 aufgenommen

wurden.

GANZ RECHTS: Die

Japaner sind so höfl ich,

dass sie Schutzmasken

tragen, wenn sie erkältet

sind.

RECHTS: Das ist der

Shinjuku-Bahnhof.

Damit die Menschen

genau dort waren, wo

ich sie im Bild haben

wollte, musste ich eine

Fotomontage aus sieben

Einzelbildern anfertigen.

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

„Es ist einfach, sich in Japan von einem Ort zum anderen zu bewegen. Die Verkehrsmittel

sind effizient, und obwohl es nicht preiswert ist, kann man mit ihnen wahrscheinlich zu jedem

beliebigen Ort im Land gelangen.“


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

fi ndet man Takeshita-dori, eine 400 Meter lange Gasse, in der eine

Boutique neben der anderen ist, die alle Kitsch für Teenager und Fetische

aus der Subkultur anbieten. Derzeit ist „cosplay“ im Trend; das sind

Kostümspiele, bei denen sich die Jugendlichen als Zeichentrickfi guren

verkleiden. Dann gibt es noch Akihabara, auch bekannt als elektrische

Stadt, und das Zentrum der japanischen Geeks. Die meisten Touristen

beachten sie nicht, aber hier ist ein Hotspot der modernen japanischen

Kultur. Übervoll mit Elektronik und Manga-Buchhandlungen; es wurde

schon als „Ground Zero der Geek-Bewegung“ bezeichnet.

Es ist unheimlich einfach, sich in Japan von einem Ort zum anderen

zu bewegen. Die Verkehrsmittel sind effi zient, und obwohl es nicht

preiswert ist, kann man wahrscheinlich zu jedem beliebigen Ort im

Land gelangen, indem man den „Bullet-Train“-Schnellzug und das

U-Bahn-System benutzt.

Im Unterschied zu Tokio zeigt die Stadt Kyoto das traditionelle

Gesicht Japans, aber als Folge davon gibt es dort sehr viel mehr

Touristen. Die ehemalige Hauptstadt Japans ist umgeben vom

bergigen Tamba-Hochland und ist eine der wenigen Städte, die nicht

den Feuerbomben des 2. Weltkriegs ausgesetzt war. Daher gibt es

hier unzählige gut erhaltene buddhistische Tempel, Shinto-

Heiligtümer und Paläste. Wenn man allerdings aus dem Bahnhof

von Kyoto tritt, denkt man unweigerlich „Und das soll es sein?“, weil

man inmitten von Beton und Asphalt steht. Die meisten Heiligtümer

befi nden sich in den Außenbezirken der Stadt. Aber es gibt auch

Gion, den berühmten Geisha-Bezirk, wo es sich lohnt, Zeit zu

verbringen, wenn auch nur, um die hölzernen Kaufmannshäuser im

Machiya-Stil zu fotografi eren. Nachts erwacht die Gegend zum

Leben.

Das Pfl ichtprogramm, also das was man gesehen haben muss, ist in

Kyoto sehr groß, wie etwa die Tausenden roten Tore, die hoch zum

Fushimi Inari Taishi-Heiligtum führen, am Fuß des Inaribergs, dem

kaiserlichen Palast und dem Kikakuji-Tempel, der mit Blattgold

geschmückt ist. Ich wollte keinesfalls den Rakusai-Bambusgarten

verpassen – ein großer Hain seltener Bambusbäume, die mit

Hintergrundbeleuchtung unglaublich aussehen. Ich nahm ein

Panoramafoto auf, bei dem kein Mensch zu sehen war, aber fast

immer musste ich mit Photoshop Menschen entfernen, da es dort

von Touristen nur so wimmelte. Als ich außerhalb des Hains stand,

gelang mir ein Foto einiger vorbeispazierender Geishas, wobei das

sie von hinten anstrahlende Licht phantastisch war, weil es ihre

weißen Gesichter betonte. Man hat Glück, wenn man eine Geisha zu

Gesicht bekommt. Sie sind voller Anspielungen, aber sehr fotogen

– so sehr sogar, dass nicht nur Touristen sie fotografi eren möchten,

sondern auch die Japaner. Manche Leute mieten sogar Geishas und

fotografi eren sie in der Altstadt von Kyoto neben traditionellen

Häusern. Das überlege ich mir für meine nächste Reise. Es gab ganz

einfach zu viel zu sehen in einem relativ kurzen Zeitraum von nur 18

Tagen, daher spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, im Herbst

wiederzukommen, wenn das Land voll der herbstlichen Farben ist.

Japan 125

Jons

Ausrüstung

Eine Canon

EOS-1Ds MkIII mit

einem 17-, 24-, 45

TS-E- , 24-105-

und

70-200-Millimeter

Objektiv sowie ein

15 mm-Fisheye, ein

MacBook Pro

Laptop, ein

Smartdisk-

Sicherungslaufwerk

und als krönender

Abschluss noch ein

Gitzo Stativ mit

einem Really Right

Stuff Panoramakopf.


Nutzen Sie den Nebel

> ZEIT: EINE STUNDE > AUSRÜSTUNG: CANON EOS 5D MKII, 24-105 MM F/4L, LEE 0.6 GRAUFILTER,

STATIV, FERNAUSLÖSER > VORAB EINGEHOLT: WETTERVORHERSAGE

Mark Bauer: Die Zeit vom Herbst bis zum frühen Winter ist für mich eine der beliebtesten

Jahreszeiten für die Landschaftsfotografi e. Die niedrig stehende Sonne gibt der Landschaft Struktur,

die Luft ist klarer als im Sommer und der Sonnenaufgang fi ndet zu einer humaneren Zeit statt.

Daher stehen die Chancen besser, dass ich für das magische Morgendämmerungslicht aufstehe.

Aber eine noch größere Attraktion stellen für mich Nebel und Dunst dar, die es in dieser Jahreszeit häufi g gibt.

Eine Szene, die ansonsten eher unspektakulär aussieht, kann dadurch mystischer und romantischer wirken,

wenn die Spitzen der Bäume und Gebäude durch diese weiße Schicht, die unten im Tal liegt, hervorstechen.

Es gibt unterschiedliche Arten von Dunst und Nebel, aber für diese Art von Aufnahmen brauchen wir

„Strahlungsnebel“. Strahlungsnebel entsteht in klaren, ruhigen Nächten, wenn der Boden durch die Strahlung

und Abkühlung an Wärme verliert. Die Erde wiederum kühlt die bodennahe Luft bis zu einem Sättigungspunkt

ab, und so entsteht Nebel. Dieser Nebel ist oft auf einen niedrigen Bereich nahe des Bodens begrenzt, wenn

Sie also auf einen Hügel hinaufsteigen, können Sie möglicherweise eine Aufnahme über ein Tal voller Nebel

hinweg machen.

Ideale Bedingungen für diese Art von Nebel sind ein leichter Wind, klarer Himmel und lange Nächte, daher

beobachten Sie die Wettervorhersage und stehen Sie früh auf, um einen geeigneten Ort zu fi nden.


128 Nebel am frühen Morgen Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Belichtung und Bildbearbeitung

BELICHTUNG: Weil das Messgerät der Kamera davon ausgeht, dass es auf einen mittleren Tonwert

schaut (18 % Grau), können sogar „intelligente“ Messgeräte durch viel Weiß in der Landschaft, wie

es bei nebligen Szenen der Fall ist, getäuscht werden und somit unterbelichten. Daher sollten Sie

den Belichtungswert um ungefähr +1 Stufen erhöhen. Die Technik des „nach rechts Belichtens“,

d.h. die Belichtung so weit wie möglich an die Überbelichtung heranführen, ohne dabei Details zu

ruinieren, ist in den letzten Jahren immer beliebter geworden, denn sie erzeugt eine Datei mit

mehrTonwertinformationen und weniger Rauschen. Wenn Sie diese Technik anwenden, müssen

Sie den Belichtungswert noch stärker anpassen.

BILDBEARBEITUNG: Aufnahmen von nebligen Szenen nachzubearbeiten, funktioniert ein bisschen

anders als bei „normalen“ Szenen, bei denen Sie den schwarzen Punkt so setzen, dass er mit der linken

Seite des Histogramms übereinstimmt. Bei Bildern, die in Dunst oder Nebel aufgenommen wurden, gibt t

es selten ein echtes Schwarz, und sie haben einen begrenzten Kontrastumfang, daher sollten Sie den

schwarzen Punkt weniger aggressiv als für die meisten anderen Bilder setzen, damit die Szene weiterhin n

natürlich aussieht.

Feuchtigkeitsalarm!

Bei nebligen Gegebenheiten kann sich auf Ihrem

Objektiv und/oder Ihrem Filter Kondensat bilden,

welches die Bilder ruinieren kann. Behalten Sie

daher die vorderen Elemente und Filter ständig

im Auge und wischen Sie sie oft mit einem

Mikrofasertuch ab.

Nachdem ich am Abend zuvor die Wettervorhersage gehört habe, kam ich zu den Purbeck Hügeln in Dorset etwa 30 Minuten vor Sonnenaufgang

1an. Über Nacht hatte sich im Tal dichter Nebel gebildet, und bei Sonnenaufgang begann sich dieser aufzulösen, wobei die Formen der Bäume und

Gebäude durch den Nebel langsam erkennbar wurden. Ich habe meine Ausrüstung ausgepackt und eine geeignete Komposition für mein Bild

gesucht.

Die Kirchturmspitze, die aus dem Nebel herausragt, schien mir ein natürlicher Blickpunkt

2zu sein, daher habe ich meine Komposition um diesen wunderschönen Orientierungspunkt

aufgebaut. Jedoch haben die hellen Töne des Nebels das Messgerät der Kamera so verwirrt,

dass die Szene leicht unterbelichtet wurde. Obwohl ich die Details auch später in der

Bildbearbeitung herausarbeiten könnte, ziehe ich es vor, nach rechts zu belichten, um eine

maximale Bildqualität zu erreichen.

Um nach rechts zu belichten, habe ich die Belichtungswerte um zwei Stufen

3erhöht. Dadurch wurden die hellen Töne im Hauptteil des Bildes gehalten, aber

sie gingen nahtlos in den hellen Himmel über, ohne dass die Details noch zu erkennen

gewesen wären. Sie können auf meinem Bild sehen, dass der Himmel viel zu hell ist

und dadurch das Bild ruiniert wird. Um dieses Problem musste ich mich noch

kümmern!


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Ich habe einen zweistufi gen Grauverlaufsfi lter aufgesetzt und die Aufnahme noch einmal

4gemacht. Der zusätzliche Filter hat es mir erlaubt, die Belichtung zu erhöhen, um sowohl

die hellen Töne des Himmels als auch den Farbton des Himmels beizubehalten. Aber als ich mir

die Aufnahme noch einmal angeschaut habe, habe ich mir überlegt, dass es nicht viel

Interessantes im Himmel zu sehen gab, daher würde ich die Komposition des Bildes noch

einmal überarbeiten müssen.

Nebel am frühen Morgen 129

Magischer Nebel

Mein fertiges Bild ist voller

Atmosphäre. Der Nebel hilft

dabei, der Aufnahme eine

zeitlose Qualität zu geben.

Ich habe etwas näher rangezoomt und so noch einmal fotografiert. Den langweiligen

5Himmel abzuschneiden, verstärkt die Komposition auf angenehme Art. Aber nun hat sich

der Nebel bewegt, und zeigt für meinen Geschmack etwas zu viele Details. Somit habe ich

meine Position noch einmal leicht verändert und darauf gewartet, dass etwas mehr Nebel in die

Szene kommt und einige der ablenkenden Elemente im Bild verdeckt. Nach einiger Zeit kam

alles zusammen. Hier ist das Ergebnis!


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Ausrüstung und Zubehör 131

DIE NOTWENDIGE AUSSTATTUNG

FÜR JEDEN

LANDSCHAFTSFOTOGRAFEN


Ratgeber für die Ausrüstung #1

DER EINSTEIGER

Schraubfilter

Obwohl es keinen Zweifel daran gibt,

dass eckige Steckfi lter-Systeme auf

lange Sicht sinnvoller für

leidenschaftliche Fotografen sind, sind

für den Anfänger dennoch Schraubfi lter

gut geeignet. Der ringförmige Polfi lter

sollte auf jeden Fall ganz oben auf der

Liste stehen, da er sich am nützlichsten

für die Aufnahme von Landschaften

erweist. Filter von Hoya, Kood und

Jessops sind zu empfehlen.


Kit-Objektiv

Es gibt eine große Auswahl an

Einsteiger-Kameras, die zusammen mit

einem Kit-Objektiv (z. B. 18-55 mm) in

einer Preislage von unter 500 Euro

erhältlich sind. Wir empfehlen für

Kamera-Kits unter anderem die

folgenden Modelle: Canon EOS

1000D, Nikon D60, Olympus E-420,

Pentax K-m und K200D und Sonys

Alpha 200.

Zubehör

Zwar sollte man seine Tasche so leicht

wie möglich halten, vor allem, wenn

man ein paar Stunden unterwegs ist,

doch einige Zubehörteile sind als

essentiel zu betrachten. Dazu gehören

zusätzliche Speicherkarten, ein

Objektiv-Reinigungstuch, um die Optik

sauber zu halten, eine Landkarte und

ein Mobiltelefon für den Fall, dass man

sich verlaufen oder verletzen sollte.

Der Einsteiger

Die Ausstattungsoptionen für

Einsteiger in die Spiegelrefl exfotografi e

sind nicht gerade leicht zu

überschauen. Für den Anfang

benötigt man in jedem Fall eine

Grundausstattung, bestehend aus

einer Kamera und Standardzoom,

einem guten Stativ, einem oder

zwei Schraubfi ltern sowie einer

Tasche, um all dies unterzubringen,

zusammen mit ein paar Snacks,

Wasser, Landkarten usw.

Stativ und Kopf

Die Hauptfaktoren für das Aussuchen

eines Stativs sind Gewicht und

Stabilität. Es sind mehrere Modelle für

unter 150 Euro erhältlich, die einen

sehr stabilen Halt für die Ausrüstung

bieten. Gibt man mehr Geld aus, so

besitzen die Modelle einige

Extra-Funktionen und sind vor allem

noch stabiler und relativ leichter.

Foto-Tagesrucksack

Als Einsteiger besitzt man

wahrscheinlich nicht mehr als eine

bescheidene Ausrüstung bestehend

aus Kamera mit Kit-Objektiv (und

eventuell einem zusätzlichen Zoom),

zusammen mit ein wenig anderem

Foto-Zubehör und notwendigen

Dingen wie Kleidung. Ein Foto-

Tagesrucksack für 50 Euro mit

getrennten Taschen für die Ausrüstung

und andere Gegenstände sollte dafür

ausreichen.


006 The Basics: Exposure The Essential Guide to Landscape Photography

Ratgeber für die Ausrüstung#2

DER

FORTGESCHRITTENE

Der Fortgeschrittene

Wenn man mit viel Begeisterung

fotografi ert, möchte man irgendwann in

eine bessere digitale Spiegelrefl exkamera,

bessere Optik und mehr Zubehör wie z. B.

einen separaten Belichtungsmesser und

einen Funkauslöser investieren. Das

bedeutet Spezialobjektive, wie ein

Weitwinkel-Zoom, mehr Filter, ein

besseres Stativ und mehr Zubehör.

Kleidung

Da Sie sowohl sehr früh als auch spät

am Tag draußen sind und Abenteuer in

Regen, Sturm und Sonnenschein

durchstehen wollen, müssen Sie sich

entsprechend kleiden. Eine leichte

wasserdichte Jacke wie diese

„Paramo“ mit Fleece darunter und

anständige Wanderschuhe wie

„Patagonia’s Thatchers“ sind die

Investition auf jeden Fall wert. Wichtig

sind eine Kopfbedeckung, und dass

Ihre Hände warm bleiben. Probieren

Sie fi ngerlose Handschuhe, mit denen

Sie die Kamera weiterhin bedienen

können.

Kamerarucksack

Der begeisterte Fotograf wird

wahrscheinlich Stunden in der Natur

verbringen, auch wenn die

Wetterbedingungen nicht so gut sind. Also

ist ein qualitativ hochwertiger,

wasserdichter Rucksack unentbehrlich.

Und für die zusätzliche Ausrüstung

benötigen Sie zusätzlichen Stauraum. Zu

den Rucksäcken, die wir Ihnen

vorschlagen, gehören der „Lowepro Vortex

200“ und der „Tamrac Adventure 8“.

Digitale Spiegelreflexkamera

Enthusiasten mit ein paar Jahren

Erfahrung werden sehr wahrscheinlich

von ihrem Einsteigermodell auf etwas

Dauerhafteres und Anspruchsvolleres

umsteigen wollen. Ein Blick auf die

Modelle Canon EOS 60D, Nikon

D7000, Olympus E-510, Pentax K-7

und die Sony A580 lohnt sich.


Ultra-Weitwinkel-Zoom

Das 18-55 mm Standardobjektiv

leistet gute Arbeit, aber es ist an der

Zeit, zur Steigerung der Optik auf

etwas Besseres umzusteigen. Ein

Ultra-Weitwinkel-Zoom sollte auf Ihrer

Liste ganz oben stehen, da es ein

weiteres Blickfeld und schärfere

Ergebnisse liefert. Vielleicht möchten

Sie auch in ein nicht zu teures

Teleobjektiv investieren, um Details in

Ihren Motiven heranzuholen.

Ansteckfilter

Wenn Sie nur ein Objektiv haben,

genügen Anschraubfi lter. Aber wenn

Sie weitere Objektive erwerben, die

vermutlich unterschiedliche

Gewindegrößen für die Filter haben,

dann müssen Sie sich zwischen

zusätzlichen Anschraubfi ltern oder

einem System von Ansteckfi ltern

entscheiden. Letzteres ist die bessere

Lösung, vor allem da Sie abgestufte

Graufi lter verwenden wollen. Sehen Sie

sich das P-System von Cokin an. Es ist

preiswert und von sehr guter Qualität.

Karbon-Stativ

Wenn Sie in Ihr erstes richtig gutes

Stativ investieren möchten, dann

lohnen sich die Mehrkosten für ein

leichtgewichtiges Stativ aus Karbon.

Sie denken vielleicht, dass die

Gewichtsersparnis die Mehrkosten

nicht wert sind. Aber Sie werden Ihre

Meinung bestimmt ändern, wenn Sie

mit Ihrem dreibeinigen Ungetüm

Meilen gewandert sind. Außerdem ist

Karbon besonders vibrationsarm.

Weiteres Zubehör

Wenn Sie sich mehr und mehr in die

Fotografi e vertiefen, werden Sie feststellen,

dass der Umfang Ihrer Ausrüstung langsam

anwächst. Ein Funkauslöser wird sich bei

langen Belichtungszeiten als nützlich

erweisen, vielleicht möchten Sie eine

wasserdichte Umhüllung wie die Aquamap

für Ihre Landkarten, und ein anständiger

Lichtmesser wie der L-308s von Sekonic

wäre auch ganz interessant.


DER PROFI ODER

SEMIPROFI

The Essential Guide to Landscape Photography

Ratgeber für die Ausrüstung#3 Ein professionelles

Einsteckfiltersystem

Der professionelle

Fotograf

Nach jahrelangem Hobby-Fotografi eren,

stellen viele Enthusiasten fest, dass es

einen Markt für ihre Aufnahmen gibt und

avancieren zum Semiprofi . Andere

starten eine Vollzeit-Karriere als

professioneller Fotograf. Eine

Gemeinsamkeit aller Fotografen, die

versuchen, mit ihrem Hobby Geld zu

verdienen, ist der Wunsch nach der

besten Ausrüstung.

Kleidung

Unterhält man sich mit professionellen

Outdoor-Fotografen über Kleidung,

besteht kein Zweifel darüber, wie

wichtig wasserfeste ,warme und

luftdurchlässiger Kleidung ist. Die

„Páramos“-Jacke, Modell „Cascada“,

wird durch eine passende Hose

ergänzt. Warme Handschuhe, eine

dicke Vliesjacke sowie festes

Schuhwerk von Berghaus und Socken

von Bridgedale gewährleisten ein

bequemes Fotografi eren unter freiem

Himmel.

Ein professioneller Fotograf arbeitet mit

vernünftigen Einsteckfi ltern. Die meisten

verwenden ein 100 mm-System, welches

sich für den Gebrauch mit

Weitwinkelobjektiven eignet, um

Eckenabschattungen zu vermeiden. Oft

verwendet werden Produkte von Lee

(www.leefi lters.com) mit einer

hervorragenden Auswahl an

hochqualitativen Filtern.

Professioneller

Rucksack

Die meisten der professionellen

Outdoor-Fotografen, die Aufnahmen

im Freien machen, verbringen

mindestens einige Tage vor Ort und

übernachten in ortsansässigen

Unterkünften. Für die gesamte

Ausrüstung wird also in ein handliches

Gepäckstück benötigt. Aus diesem

Grund wird meistens ein größerer

Rucksack mit einem guten

Fassungsvermögen sowie Schutz,

verwendet, wie beispielsweise der Pro

Trekker oder Tamrac Expedition 8 von

Lowepro.


Professionelle

Spiegelreflexkameras und

Objektive

Sobald Sie damit beginnen, durch Fotografi eren Geld

zu verdienen, ist unvermeidlich, dass Sie Ihre

Ausrüstung aufrüsten müssen. Für Landschaft-Profi s

bedeutet dies, dass sie in eine Vollformatkamera

investeren müssen, wie beispielsweise die Canon

EOS 5D MkII, Nikon D700 oder D3, oder etwa die

Alpha 900 von Sony. Größere Sensoren verraten die

Unzulänglichkeiten einer preisgünstigen Optik. Von

daher müssen Objektive auch aufgerüstet werden.

Stabiler Stativkopf

Ein Profi wird mit größter

Wahrscheinlichkeit bereits als ernsthafter

Enthusiast in ein Karbon-Stativ investiert

haben. Sobald er in eine Profi -Kamera

besitzt, ist es gut möglich, dass er den

Stativkopf gegen einen mit einer größeren

Platte aufrüstet, welcher der Belastung der

schwereren Kamera inklusivem großem

Objektiv standhält.

Digitales Zubehör

Die meisten Profi s werden eine Zweitkamera mit

sich tragen, für den Fall, dass die Erstkamera

versagt. Neben dem ultra-breiten Zoom, haben sie

normalerweise ein „schnelles“ 70-200 mm f/2.8

Zoom-Objektiv und ein Makro-Objektiv für

detaillierte Nahaufnahmen. Ein persönliches

Speichergerät ermöglicht es, Sicherungskopien

von Aufnahmen zu erstellen, während ein Laptop

die gleiche Funktionalität und die Möglichkeit zur

Bildnachbearbeitung unterwegs bietet. Mit

Objektiv- und Sensorreiniger, zusätzlichen

Batterien, Speicherkarten sowie Landkarten ist

man bestens ausgerüstet.


Weitwinkelobjektive

Wenn Sie es mit der Landschaftsfotografi e ernst meinen, sollte ein anständiges Weitwinkelobjektiv Ihre erste

Anschaffung sein. Die erweiterte Perspektive und der weite Blickwinkel, den diese Objektive Ihnen geben,

ermöglichen Ihnen, das Bild mit Ihrem Motiv voll auszufüllen und eine unglaubliche Anzahl von Details zu zeigen.

Wenn sie sich in einer schönen Landschaft befi nden, gibt es nichts Besseres als ein Weitwinkelobjektiv, um die

gesamte Szene – von den interessanten Objekten im Vordergrund bis zu den ferneren Motiven – einzufangen.

Erfahrene Landschaftsfotografen haben gelernt, die Dehnung der Perspektive des Weitwinkelobjektives zu ihrem

Vorteil zu nutzen und Bildern mit einem Schwerpunkt im Vordergrund eine unglaubliche Tiefe zu verleihen. Ein

weiterer Grund, warum Weitwinkelobjektive für Landschaftsfotografen so gut geeignet sind, ist, dass sie sogar bei

mittlerer Blende einen Überfl uss an Tiefenschärfe bieten und damit Bilder von ausgezeichneter Schärfe erzielen.

So, jetzt wo Sie ein Weitwinkelobjektiv haben wollen, müssen Sie entscheiden, welches das geeignete für Sie ist.

Die Brennweite verstehen: Weitwinkelobjektive

Die Brennweite eines Objektivs bezieht sich auf eine Spiegelrefl exkamera mit einem 35 mm-Film und

Vollformatsensoren. Wenn Ihre Kamera einen APS-C-Bildsensor hat (das ist bei den meisten der Fall),

dann beschneiden Sie das Bild praktisch und erhöhen die Brennweite des Objektivs (mit dem Faktor 1,5

bei Nikon, Pentax und Sony; 1,6 bei Canon). Die untenstehende Tabelle zeigt gängige Weitwinkelobjektive

und deren Auswirkung auf die effektive Brennweite.

Brennweite Kameras

am Objektiv Vollformat APS-H APS-C APS-C (Canon) 4/3 (Olympus)

1x 1.3x 1.5x 1.6x 2x

8 mm 8 mm 10 mm 12 mm 13 mm 16 mm

14 mm 14 mm 18 mm 21 mm 22 mm 28 mm

15 mm 15 mm 19 mm 22 mm 23 mm 30 mm

20 mm 20 mm 26 mm 30 mm 32 mm 40 mm

24 mm 24 mm 31 mm 36 mm 38 mm 48 mm

28 mm 28 mm 36 mm 42 mm 45 mm 56 mm

10-17 mm 10-17 mm 13-22 mm 15-25 mm 16-27 mm 20-34 mm

10-20 mm 10-20 mm 13-26 mm 15-30 mm 16-32 mm 20-40 mm

10-22 mm 10-22 mm 13-29 mm 15-33 mm 16-35 mm 20-44 mm

11-18 mm 11-18 mm 14-23 mm 16-27 mm 18-29 mm 22-36 mm

12-24 mm 12-24 mm 16-31 mm 18-36 mm 19-38 mm 24-48 mm

16-35 mm 16-35 mm 21-45 mm 24-53 mm 26-56 mm 32-70 mm

17-35 mm 17-35 mm 22-45 mm 25-53 mm 27-56 mm 34-70 mm

17-40 mm 17-40 mm 22-52 mm 25-60 mm 27-56 mm 34-80 mm


ROSS HODDINOTT


140 Zubehör Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Die Wahl des

Weitwinkelobjektivs

Wenn Ihre Kamera mit einem Standardzoom mit z. B.18 bis 55 Millimetern

geliefert wurde, dann haben Sie bereits ein Objektiv, welche in der Lage ist,

gute weitwinklige Bilder zu schießen. Allerdings sind die Einsatzmöglichkeiten

dieses Objetivs beschränkt, da das Sehfeld nicht groß genug ist, um beste

Landschaftsaufnahmen zu machen. Dieses Objektiv ist eine gute Wahl für den

Anfang, aber Sie sollten bei nächster Gelegenheit über ein besseres Weitwinkel

hinzufügen. Sie haben zwei Möglichkeiten: eine feststehende Brennweite oder ein

weitwinkliges Zoom. Wenn Sie das schärfstmögliche Ergebnis erzielen möchten,

dann wollen Sie theoretisch auch das beste Objektiv. Das 15 mm-Objektiv ist

hervorragend, wenn Ihe Kamera einen APS-C-Sensor hat. Ein 20 mm- oder 24

mm-Objektiv eignet sich, sollten Sie ein Vollformat-Modell verwenden. Obwohl

markierte Linsen die ultimative optische Leistung bieten, sind sie sehr teuer, und

Ihre Auswahlmöglichkeiten sind äußerst gering.

Wenn Ihre Kamera den kleineren APS-C-Sensor verwendet, empfehlen

wie Ihnen sehr, dass Sie die Finger von Festbrennweiten lassen und sich

stattdessen für ein ultra-weitwinkliges Zoom entscheiden. Damit haben Sie mehr

Auswahlmöglichkeiten. Ein solches Zoom ist relativ erschwinglich und liefert eine

exzellente Qualität.

Durch Fortschritte der optischenTechnologie wurde die Entwicklung von

hochqualitativen ultraweiten Zooms in den späten 1990ern und das Erscheinen

der digitalen Spiegelrefl exkameras zunehmend populär. Das überrascht nicht,

da die Auswahl, die sie abdecken, eine unglaubliche Einsatzfl exibilität in so

einem kleinen und kostengünstigen Objektiv anbietet. Tatsächlich ist das ultraweitwinklige

Zoom wohl eines der besten Objektive, die Sie kaufen können. Es

gibt es eine Vielzahl von Brennweiten auf dem Markt. Solche um die 11 bis 22

Millimeter sind die passendsten für eine Kamera mit einem APS-C-Sensor.

Faktisch decken die Zooms alle ähnliche Einsatzgebiete, trotzdem sollte man

ein oder zwei Ausnahmen erwähnen. Das 10-17 mm Fisheye von Pentax

bietet einen 180-Grad-Bildwinkel, so dass das Fisheye und das ultraweite

Zoom zusammentreffen. Bermerkenswerterweise kann anders als die meisten

ultraweiten Zooms das12-24 mm von Sigma mit Vollformat- und APS-C-Kameras

verwendet werden. Bei Benutzern von Film- und Vollformat-Kameras sind 16-35

mm-Objektive sehr beliebt, während beim Gebrauch mit einem APS-C-Senor die

effektive Brennweite auf 24-53 mm (26-56 mm auf einer Canon) begrenzt ist.

Also, welche weitwinklige Linse sollten Sie kaufen? Es besteht kaum Zweifel,

dass Zooms einen perfekten Gegenwert für das Geld bieten, und Sie haben die

„Qual der Wahl“, da es keine schlechten Modelle in dieser Kategorie gibt. Hier

empfehlen wir unsere Lieblingszooms, die allesamt großartiger Ergebnisse liefern.

Wir haben unser Angebot auf drei Modelle mit Festbrennweiten begrenzt. Sie

bieten die ultimative Qualität, während Zooms fl exibler sind.

Weitwinkelanatomie

1) BLENDE Ultraweitwinkel werden

geliefert mit einer bestimmten Blende, um

Vignettierung und Lichtrefl exe zu

vermeiden.

2) GROSSES, KONKAVES

FRONTELEMENT Das

Frontelement hat normalerweise

eine markante Wölbung, die Staub

und Kratzern ausgesetzt ist.

Achten Sie darauf, diesen Bereich

sauber zu halten.

3) MANUELLER

SCHARFSTELLRING Sie müssen

diesen Ring nur selten benutzen, da

Weitwinkelobjektive einen exzellenten

Autofocus haben.

4) ZOOM-RING Die meisten sind breit

mit einer geriffelten Oberfl äche, so dass

er sehr griffi g und in der Handhabung

leicht ist.

5) FOKUS-ABSTAND Bei vielen Linsen ist

die Fokus-Abstandsanzeige auf dem

Gehäuse markiert, während einige

Modelle der gehobenen Preisklasse ein

Fokus-Abstandsfenster haben.

6) TIEFENSCHÄRFE-ANZEIGE Diese

Anzeige ermöglicht es Ihnen die

Tiefenschärfe je nach Blendenöffnung

abzuschätzen

7) INTERNES FOKUSSIERUNGSSYSTEM

Wenn Sie Filter verwenden möchten, bieten

Objektive mit einem internen

Fokussierungssystem den Vorteil, dass das

Objektiv bei der Fokussierung vorne nicht

rotiert. So müssen Sie sie nicht ständig

verstellen.

6

1

2

3

4

5

DIGITAL-ONLY- LINSEN

Wenn Sie eine Linse wählen,

überprüfen Sie , ob sie sich für

den Gebrauch mit Film/

Full-Frame und Digital

SLR-Kameras eignet oder nur

für DSLR-Kameras. Die für

Film und Digitalkameras

produzierten sind

gewöhnlicherweise teurer;

dieLinsen, die exklusiv

hergestellt sind für

DSLR-Kameras, sind optisch

optimiert für Digitalkameras.

Daher, wenn Sie eine

DSLR-Kamera mit einem

schmaleren APS-C Sensor

verwenden und nicht planen,

eine Full-Frame DSLR-Kamera

zu kaufen, können wir Ihnen

die Digital-Only Linsen

empfehlen.

Sigma 20 mm f/1.8 EX

DG

LINSENAUFBAU: 13 Elemente in 11

Gruppen

BLENDENBEREICH: f/1.8 BIS f/22

FILTERDURCHMESSER: 82 mm

ABMESSUNGEN: 88,6 X 89,5 mm

GEWICHT: 520 g

PASSEND FÜR: CANON, NIKON,

PENTAX, SIGMA UND SONY

WEBSEITE: www.sigma-foto.de

Eines der erschwinglichen Weitwinkel-

Objektive mit Festbrennweite. Dieses

Sigma prahlt mit einer schnellen

Blende und verwendet asphärische

Linsen im vorderen Bereich. Es hat

mehrere Linsengruppen, um die

Schärfe zu verbessern Verzerrungen

zu minimieren. Ein „Rear-Focus-

System” bedeutet, dass das vordere

Element während der Fokussierung

statisch bleibt. Das Sigma ist eine

exzellente Wahl, wenn Sie bevorzugt

eine fi xierte Brennweite benutzen

möchten anstatt eines

Canon 24 mm f/1.4 L II USM

LINSENAUFBAU: 13 Elemente in 10 Gruppen

BLENDENBEREICH: f/1.4 bis f/22

FILTERDURCHMESSER: 77 mm

ABMESSUNGEN: 93,5 x 86,9 mm

GEWICHT: 650 g

PASSEND FÜR: nur Canon

WEBSEITE: www.canon.de

Diese neue Ergänzung zu der

Canon-Bandbreite wurde für den

professionellen Gebrauch hergestellt.

Es bietet eine extrem schnelle Blende.

Die optische Qualität ist sehr gut,

dank der asphärischen und UD

Glas-Elemente, die dafür sorgen, dass

die Bildschärfe sehr hoch ist. Eine

Traumlinse für diejenigen, die sich

den hohen Preis leisten können.

Fest- oder Zoom-Objektive?

Es ist eine uralte Frage: Warum sollte man ein

Festbrennweiten-Objektiv kaufen, wenn ein Zoom

so viel mehr Einsatzfl exibilität bietet? Hier erfahren

Sie den Grund.

FESTE WEITWINKEL-OBJEKTIVE

✓ Einfacheres optisches Design steht in der Regel für

schärfere Ergebnisse mit besserem Kontrast.

✓ Eine schnelle maximale Blendenöffnung

ermöglicht hellere Sucher und bessere

Restlichtressourcen.

✓ Sie sind schmaler und kompakter als ein Zoom.

✓ Die meisten haben ein kleineres Filtergewinde.

✖ Sie sind begrenzt auf eine Brennweite

✖ Sie sind elativ teuer

WEITWINKEL-ZOOM-OBJEKTIVE

✔ Sie decken einige Brennweiten ab, bieten also mehr

Einsatzfl exibilität.

✔ Sie bieten eine weitaus bessere Abdeckung am

unteren Ende der Brennweite als eine Festbrennweite.

✔ Die meisten Zooms sind optisch exzellent.

✔ Viel Flexibilität zu einem guten Preis.

✖ Sind nicht so scharf wie eine Festbrennweite,

besonders zu den Rändern und Rahmenecken hin.

✖ Sie leiden unter mehr Abbildverzerrung.

✖ Die maximale Blendenöffnung ist nicht so schnell

wie die der Festbrennweite.

✖ Die meisten haben größere Durchmesser, daher

sind Schraubfi lter teurer .

Weitwinkel-Zooms.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Nikon AF-S DX 12-24 mm f/4

ED-IF

LINSENAUFBAU:

11 Elemente in 7 Gruppen

BLENDENBEREICH: f/4 bis f/22

FILTERDURCHMESSER: 77 mm

ABMESSUNGEN: 82,5 x 90 mm

GEWICHT: 485 g

PASSEND FÜR: nur Nikon

WEBSEITE: www.nikon.de

Dieses exzellente Zoom für Kameras

mit APS-C-Sensor ist kompakt, was

die maximale Blendenöffnung von f/4

angeht. Er ist zum Teil aus Kunststoff

hergestellt, erscheint aber trotzdem

von guter Qualität zu sein Der

Zoom-Ring ist breit und der

Fokus-Ring ist angemessen. Beide

bieten einen geschmeidigen Ablauf.

Das Gehäuse bietet eine interne

Fokussierung. Die Bildqualität ist sehr

hoch und liefert sehr scharfe

Ergebnisse. Farbabweichungen und

Lichtrefl exe sind fast nicht

festzustellen, doch es gibt eine geringe

Verzerrung.

Sigma 10-20 mm f/4-5.6 EX DC HSM

LINSENAUFBAU:

14 Elemente in 10 Gruppen

BLENDENBEREICH: f/1.8 bis f/22

FILTERDURCHMESSER: 77 mm

FORMATE: 83,5 x 81 mm

GEWICHT: 470 g

AUSRÜSTUNGEN: Canon, Nikon,

Pentax, Sigma und Sony

WEBSEITE:

www.SIGMA-foto.de

Dieser ultraweite Zoom ist dank seines

kompakten Designs und der scharfen

Optik ein wahrer Favorit bei

Landschaftsliebhabern. Wie alle Sigma

EX-Linsen sind sie sehr schön

zusammengesetzt und machen einen

guten Eindruck. Das Gehäuse stellt

einen weiten Zoom und einen

manuellen Fokus-Ring zur Schau.

Beide haben einen problemlosen,

positiven Lauf. Optisch liefert es

durchgehend eine hohe Schärfe und

nur leichte Anzeichen von

Abbildverzerrung oder

Farbabweichung.

Nikon AF 20 mm f/2.8D

LINSENAUFBAU:

12 Elemente in 9 Gruppen

BLENDENBEREICH: f/2.8 bis f/22

FILTER THREAD: 62 mm

ABMESSUNGEN: 69 x 42.5 mm

GEWICHT: 270 g

PASSEND FÜR: nur Nikon

WEBSEITE: www.nikon.de

Diese klassische Festbrennweite ist

eine großartige Wahl für Nikon

Benutzer. Während die maximale

Blendeneinstellung nicht so schnell

ist wie vergleichsweise die von

Sigma oder Canon, ist der Vorteil

einer f/2.8 Linse, dass sie Linsen

erlaubt, die kompakter und

leichtgewichtiger sind. Beim

Fotografi eren von Landschaften

werden Sie sowieso kleinere

Blendenöffnungen verwenden. So ist

es kein großes Problem, und Sie

werden entdecken, dass das, was

die Optik dieser Nikon-Linsen

produziert, Bilder mit guten

Kontrasten und exzellenter Schärfe

sind.

Canon EF 17-40 mm f/4L USM

LINSENAUFBAU:

12 Elemente in 9 Gruppen

BLENDENBEREICH: f/4 bis f/22

FILTERDURCHMESSER: 77 mm

ABMESSUNGEN: 83,5 x 96,8 mm

GEWICHT: 475 g

PASSEND FÜR: nur Canon

WEBSEITE: www.canon.de

Die Objektive der Canon L-Serien

bieten eine höhere Performance als

andere. Dieses Zoom mit seiner

konstanten minimalen

f/4-Blendenöffnung ist eine der

populärsten Optiken von Canon und

passt für alle EOS-Modelle. Es ist größer

als die meisten, aber robust gebaut mit

großartiger Bedienbarkeit und

schnellem Autofokus. Die Optik ist

exzellent, obwohl Details am Rand mit

den Vollformat-Sensoren ein bisschen

weich werden. Es ist ein perfekts

Objektiv, obgleich das EF-S 10-22 mm

wahrscheinlich eine bessere Wahl für

Benutzer von APS-C-Sensor ist.

Sigma 12-24 mm f/4.5-5.6 EX DG

HSM

LINSENAUFBAU:

16 Elemente in 12 Gruppen

BLENDENBEREICH: f/4.5 bis 5.6 bis f/22

FILTERDURCHMESSER: Rear

Gelatin

ABMESSUNGEN: 87 x 102,5 mm

GEWICHT: 600 g

PASSEND FÜR: Canon, Nikon,

Pentax, Sigma und Sony

WEBSEITE:

www.sigma-foto.de

Besonders beeindruckend an Sigmas

12-24 mm-Zoom, ist, dass es für die

Verwendung mit Vollformat- und

APS-C-Sensoren haben geeignet ist.

Dieser Zoom ist größer und weiter als

der Durchschnitt, aber sehr gut

gemacht mit einem weichen Zoom und

Fokussierungsbewegungen. Das

Gehäuse zeichnet sich durch ein

Fokus-Fenster mit einer hyperfokalen

Skala und einer eingebauten

Sonnenblende als Schutz vor

Lichtrefl exen aus. Die optische Qualität

ist hoch mit einer guten Schärfe und

niedriger Abbildverzerrung.

Tamron 10-24 mm f/3.5-4.5 Di

II LD

LINSENAUFBAU:

12 Elemente in 9 Gruppen

BLENDENEINSTELLUNG: f/3.5-4.5

bis f/22

FILTERDURCHMESSER: 77 mm

ABMESSUNGEN: 83,2 x 86,5 mm

GEWICHT: 406 g

PASSEND FÜR: Canon, Nikon,

Pentax und Sony

Tamrons 11-18 mm-Zoom war über

Jahre hinweg eine beliebte Wahl, aber

das dieses Modell mit einem extrem

großen Brennweitenbereich bietet noch

mehr Einsatzmöglichkeiten für

Weitwinkel-Fans. Dieses Zoom ist eine

kompakte und leichtgewichtige Option

mit guter Bedienbarkeit und einem

internen Fokus-System, welches

Filter-Benutzern gefallen wird. Die

optische Qualität ist sehr gut, dank der

Einbeziehung von asphärischen und LD

(Low Dispersion)-Elementen und

verbesserter Multi-Beschichtung.

Zubehör 141


142 Fotoschule: Fragen & Antworten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Fotoschule

Fragen und Antworten:

Sind Sie relativ neu bei der Fotografi e und noch dabei, die ganzen Begriff e zu verstehen? Oder haben Sie schon einiges an

Erfahrung, aber möchten gerne Ihr Wissen erweitern? Egal, wie gut Sie sich bereits auskennen, unsere Fotoschule bietet eine

schnelle Lektion für alle fotografi schen Schlüsselprinzipien und Fachbegriff e. In dieser Ausgabe: Weißabgleich

F) Was ist Weißabgleich?

A) Weißabgleich ist ein Begriff, den man

benutzt, wenn man von der Farbtemperatur

des Lichts spricht. Alle Lichtquellen haben

einen unterschiedlichen Anteil an den drei

Primärfarben Rot, Gelb und Blau (RGB).

Niedrigere Farbtemperaturen haben einen

prozentual höheren Anteil von roten

Wellenlängen, sie sehen also wärmer aus,

während höhere Temperaturen einen

höheren Anteil von blauen Wellenlängen

haben, also deutlich kühler aussehen. Die

Farbtemperatur des Lichts wird in Grad

Kelvin (K) gemessen. Unterschiedliche

Lichtarten haben unterschiedliche Werte.

So wird zum Beispiel weißes Licht bei

5400K als neutral angesehen, da dies der

gleichen Menge an RGB-Wellenlängen

entspricht. Im Gegensatz dazu hat warmes

Kerzenlicht einen niedrigen Wert von

ungefähr 1800K, während der Schatten

unter einem kühlen blauen Himmel

ungefähr 7500K hat.

Das menschliche Auge hat eine

bemerkenswerte Eigenschaft: Es passt sich

auf natürliche Art der (natürlichen oder

künstlichen) Lichttemperatur an, so dass

wir weißes Licht immer als weiß oder

neutral empfi nden. Der Bildsensor einer

Kamera hingegen kann dies nicht so gut.

Um Farben authentisch wiederzugeben,

müssen Spiegelrefl exkameras die

Farbtemperatur des Lichts, das auf das

jeweilige Motiv fällt, mit der

entsprechenden Einstellung ausgleichen.

Diese Einstellung nennt man Weißabgleich.

Alle Spiegelrefl exkameras haben eine

spezielle Weißabgleichfunktion, bei der der

Fotograf die Farbtemperatur auswählen

kann. Das mag zunächst etwas

entmutigend klingen, aber digitale Kameras

liefern in der Regel eine ganze Reihe von

Voreinstellungen, die das Leben des

Fotografen erleichtern. So haben die

Kameras eine Auto-Weißabgleich-Funktion,

die normalerweise recht zuverlässig

funktioniert.

F) Wie stelle ich den Weißabgleich ein?

A) Dies ist normalerweise recht einfach, obwohl es

von Kamera zu Kamera Unterschiede gibt, also

schauen Sie in die Bedienungsanleitung, wenn Sie

sich unsicher sind. Die meisten digitalen

Spiegelrefl exkameras haben einen speziellen WB

(White Balance) Knopf auf der Kamera, auf den Sie

drücken und dann mithilfe des Drehreglers oder

Multiselektors durch die verschiedenen

Weißabgleich-Optionen scrollen. Der Weißabgleich

kann auch durch eines der Menüs verändert werden

– einfach markieren und dann die erforderliche

Einstellung auswählen.

F) Meine digitale Spiegelrefl exkamera hat

eine Auto-Weißabgleich-Einstellung. Kann

ich diese benutzen und den Rest von der

Kamera erledigen lassen?

A) Ja, aber es gibt Situationen, in denen

mehr Aufwandfür den Fotografen nötig ist. Die

Auto-Weißabgleich-Einstellung funktioniert

nach einem Algorithmus innerhalb eines

begrenzten Spektrums – zwischen 3000K

und 7000K – und ist so konzipiert, dass sie

den korrekten Farbtemperatur-Wert für jede

mögliche Szene auswählt. Im Prinzip betrachtet

die Kamera nur die allgemeine Farbe des Bildes

und stellt den Weißabgleich dann entsprechend

ein. Dieses funktioniert in den meisten

Situationen normalerweise sehr zuverlässig.

Aber die Autofunktion ist nicht unfehlbar. Wenn

eine Szene von einer Farbe dominiert wird oder

es verschiedene Lichtquellen gibt, kann die

Kamera getäuscht werden. Insbesondere hat

die Kamera Schwierigkeiten bei künstlichem

Licht. Wenn Sie im RAW-Format fotografi eren,

ist das kein Problem, weil es möglich ist,

den Weißabgleich nachträglich bei der

Bildbearbeitung zu korrigieren. Wenn Sie aber

in JPEG Format fotografi eren, ist es wichtig,

den richtigen Weißabgleich schon in der

Kamera herzustellen, da es schwierig ist, einen

durch inkorrekte Farbtemperaturen erzeugten

künstlichen Farbstich nach der Aufnahme

zu entfernen. Daher ist es besser, vor der

Aufnahme die entsprechende Weißabgleich-

Einstellung für die jeweiligen Lichtverhältnisse

auszuwählen.

Wenn Sie eine Serie von Bildern fotografi eren

möchten, um diese anschließend

aneinanderzuheften, sollten Sie aus Gründen

der Stabilität und Konsistenz am besten

den Weißabgleich manuell vornehmen. Im

Auto-Weißabgleich-Modus können nämlich

die Farbtemperaturen von einer Aufnahme

zur nächsten geringfügig variieren, so

dass es schwieriger wird, die Bilder später

zusammenzuführen.

ROSS HODDINOTT


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Weißabgleich: Blitz

F) Meine Kamera hat eine Reihe von

Voreinstellungen für den Weißabgleich.

Welche sind das, und wann sollte ich sie

benutzen?

A) Um die Einstellung der korrekten

Farbtemperatur zu vereinfachen, sind digitale

Spiegelrefl exkameras so programmiert, dass

sie eine Reihe von voreingestellten

Weißabgleich-Werten haben. Diese sind dazu

da, um sie bei verschiedenen

Lichtverhältnissen, wie z. B. bei Glühlampen,

Neonlicht, Tageslicht, Wolken und Schatten

einzusetzen. Indem wir auf diese Art den

Weißabgleich auf eine spezifi sche

Farbtemperatur einstellen, informieren wir die

Kamera, dass das Licht eine bestimmte Farbe

hat, so dass sie dann einer Einstellung in

anderer Richtung entgegenwirken kann.

Obwohl diese Voreinstellungen der Kamera

keine exakte Farbwiedergabe garantieren, wenn

sie an die vorherrschende Lichtquelle angepasst

werden, so sind sie doch eine große Hilfe für den

Fotografen, um annähernd akzeptierbare

Ergebnisse zu erzielen. Hier sind die gängigsten

Voreinstellungen auf Digitalkameras aufgelistet,

wobei diese von Kamera zu Kamera

unterschiedlich sein können.

Weißabgleich: Wolkig Weißabgleich: Tageslicht Weißabgleich: Neonlicht

Weißabgleich: Schatten

Fotoschule: Fragen & Antworten 143

Blitz 5400 K: beim Gebrauch eines Studioblitzes,

eingebauten oder externen Blitzlichtgerätes

Wolkig 6000K: bei trübem Wetter, indirektem

Tageslicht, Dämmerung oder Sonnenuntergang

Tageslicht 5200K: an wolkenlosen Tagen und für

Motive, die durch direktes Sonnenlicht angestrahlt

werden

Neonlicht 4200K: beim Gebrauch von

Neonlampen, wie z. B. Leuchtstoffröhen oder

Stadionlichtern

Schatten 8000K: bei natürlichen

Lichtverhältnissen, drinnen oder draußen, wenn

das Motiv im Schatten ist.

Kunstlicht 3000K: bei Glühlampen oder

Straßenlaternen

Weißabgleich: Kunstlicht

ROSS HODDINOTT


144 Fotoschule: Fragen & Antworten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

F) Kann ich den Weißabgleich manuell

einstellen, um so einen akurateren

Wert zu erhalten?

A) Obwohl der Standard-Weißabgleich bei

vielen Lichtverhältnissen gut funktioniert,

wird eine manuelle Einstellung des

Weißabgleichs bei gemischten

Lichtverhältnissen, oder wenn eine Farbe

die Szene dominiert, zu wesentlich

akurateren Ergebnissen führen. Der

Weißabgleich kann üblicherweise auf eine

von zwei Arten eingestellt werden: durch die

Kelvin-Einstellung oder die manuelle

Weißabgleichsfunktion.

Die Kelvin Einstellung ermöglicht dem

Fotografen, manuell einen spezifi schen

Kelvin-Wert einzustellen. Eine Kamera kann

z. B. einen Farbtemperaturbereich von

2000 K bis 10.000 K haben, die in kleinen

Abstufungen geregelt werden kann.

Während so die Einstellung spezifi scher

Werte ermöglicht wird, hilft es Ihnen aber

nicht dabei, die Farbtemperatur der Szene

zu ermitteln. Daher ist es oft besser für

kreative Effekte, starke Farbverschiebungen

zu erzeugen oder eine Feinabstimmung der

Weißabgleichsvoreinstellung vorzunehmen.

Die präziseste Methode, den Weißabgleich

für jede mögliche Szene oder Motiv

einzustellen, ist es, die manuelle

Weißabgleichsfunktion der Kamera zu

benutzen, die die meisten digitalen

Spiegelrefl exkameras besitzen. Diese

Funktion ermöglicht es, ein graues oder

weißes Motiv unter dem herrschenden Licht

zu fotografi eren und diese

Weißabgleichswert für die folgenden Bilder

zu benutzen. Mit anderen Worten: Der

Fotograf sagt der Kamera, welches Motiv

der Szene neutral sein soll, so dass sie den

Unterschied zwischen der momentanen

und der korrekten Farbtemperatur

berechnen kann. Auf der nächsten Seite

lesen Sie alles über weiteres Weißabgleich-

Zubehör.

Weißabgleich: Blitz

Weißabgleich: Schatten

Weißabgleich: Kunstlicht

F) Kann Weißabgleich zu kreativen Zwecken

benutzt werden?

A) Selbstverständlich. Das ästhetisch angenehmste

Ergebnis ist nicht immer identisch mit dem technisch

korrekten. Indem man absichtlich den Weißabgleich

verändert, kann man ein wesentlich bemerkenswerteres

oder interessanteres Bild erzeugen. Obwohl der

Weißabgleich ursprünglich ein Korrekturwerkzeug ist,

kann die Auswahl einer „inkorrekten“ Farbtemperatur

einen künstlichen Farbstich erzeugen, der sehr attraktiv

sein kann. Weißabgleich kann auch als eine Art von

Filtrierung innerhalb der Kamera benutzt werden: Sie

können ein Bild abkühlen oder aufwärmen, indem Sie

einfach nur an einem Stellknopf drehen. Sie können

einen Farbtemperaturwert manuell auswählen, um

einen künstlichen Farbstich zu erzeugen, oder Sie

nehmen einen der voreingestellten Werte der Kamera.

Wählen Sie z. B. Kunstlicht oder Neonlicht aus, die

eigentlich bei niedrigen Farbtemperaturen benutzt

werden sollen, um eine blaue Farbschattierung

hinzuzufügen. Dies eignet sich besonders, wenn Sie

Ihrem Bild einen Hauch von Kühle geben wollen.

Im Gegensatz dazu wählen Sie Wolkig oder

Schatten aus, was eigentlich eine hohe

Farbtemperatur ausgleichen soll, um Ihren Bildern

Wärme zu geben. Dies ist perfekt, um Bildern von

Sonnenuntergängen oder bei abendlichem Licht

mehr Bedeutung zu geben. Die kreativen

Möglichkeiten sind grenzenlos, daher übersehen Sie

den Weißabgleich als kreatives Schlüsselwerkzeug

nicht.

OBEN: Das gleiche Foto mit drei unterschiedlichen

Farbstichen, die durch eine einfache Veränderung des

Weißabgleichs erzeugt wurden. Probieren Sie dies bei

Ihrem nächsten Shooting einmal aus.

ROSS HODDINOTT


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

F) Wenn ich die falsche Farbtemperatur

ausgewählt habe, kann ich den

Weißabgleich noch durch Bildbearbeitung

verändern?

A) Ja. Weißabgleich ist ein Parameter, der

schnell und einfach geändert werden kann,

wenn das Bild im Raw-Format aufgenommen

wurde. Dies können Sie mit einer Raw-

Umwandlungssoftware wie Capture One, Adobe

Lightroom, Photoshop oder der Software, die

mit Ihrer Kamera geliefert wurde, machen. Ein

Fotograf kann solche Anpassungen vornehmen,

denn die Parameter, die bei der Aufnahme des

Raw-ildes eingestellt waren, beziehen sich nur

auf die Datei und sind nicht im Bild verankert. Es

ist diese Flexibilität, die Raw zum bevorzugten

Dateiformat für die meisten Fotofanatiker

und Profi s macht, obwohl der Nachteil beim

Fotografi eren in Raw ist, dass man mehr Zeit am

Computer mit der Nachbearbeitung der Dateien

verbringt.

Unabhängig von der Software, die Sie benutzen,

ist die grundsätzliche Methode der Änderung

F) Es gibt unterschiedliches Zubehör für den

Weißabgleich zu kaufen. Welches können Sie

empfehlen?

A) Es gibt eine Reihe von verschiedenen

Hilfsmitteln, die preislich zwischen 6 Euro für

eine einfache Graukarte bis hin zu über 60 Euro

für spezielle Hilfsmittel rangieren. Alle haben

den gleichen Zweck: Ihrem Weißabgleich-

System zu helfen, die akuratesten Ergebnisse zu

erzielen. Wir schlagen vor, dass Sie es zunächst

mit einer Graukarte probieren, die Sie bei Ihrem

des Weißabgleichs sehr ähnlich. Aus einem

Drop-Down-Menü können Sie aus einer Reihe

von voreingestellten Werten wählen, ähnlich wie

bei Ihrer Digitalkamera. Dies ist eine schnelle

und leichte Methode zum Experimentieren und

zum Anwenden verschiedener Werte. Jedoch

kann man mit einer manuellen Weißabgleich-

Einstellung wesentlich präzisere Ergebnisse

erzielen. Dies können Sie tun, indem Sie den

Temperaturregler auf den Kelvinwert Ihrer Wahl

einstellen. Mit Lightroom können Sie z. B. die

Farbtemperatur auf einen Wert von 2.000 K

bis 50.000 K verändern. Ziehen Sie den Regler

einfach so weit, bis der Farbstich weg ist, oder

nehmen Sie die Feinabstimmung nach Ihrem

Geschmack vor. Wählen Sie den Wert, der

nach Ihrem Gefühl am besten zum Bild passt.

Alternativ hat fast jede Umwandlungssoftware

ein Werkzeug, mit dem Sie ein neutrales Ziel

innerhalb des Bildes bestimmen können, um

den Weißabgleich zu korrigieren – grundsätzlich

ähnlich wie das Benutzen einer Graukarte. Bei

einiger Software wie z. B. Lightroom gibt es auch

eine Autovorschau, so dass Sie sehen können,

örtlichen Fachhändler erwerben können. Diese

sind nicht nur sehr preiswert, sondern auch

dünn genug, um in Ihrer Fototasche aufbewahrt

und überall mit hingenommen zu werden.

Wenn Sie etwas Haltbareres haben möchten,

ist unser bevorzugtes Weißabgleich Hilfsmittel

die ExpoDisc, die Sie vor Ihr Objektiv wie einen

Filter aufstecken und dann davon die manuelle

Weißabgleich-Einstellung ablesen können. Sie

sind zu einem Preis ab ca. 65 Euro für eine 52

mm-Scheibe erhältlich.

Fotoschule: Fragen & Antworten 145

wie der Weißabgleich bei einem bestimmten

Ziel verändert wird, was den Prozess deutlich

vereinfacht. Wenn Sie ein neutrales Ziel

identifi ziert haben, klicken Sie einfach drauf, um

Ihren gewünschten Wert für den Weißabgleich

manuell einzustellen.

Wenn Sie Ihre Aufnahme in JPEG vorgenommen

haben und dabei einen inkorrekten Weißabgleich

gewählt haben, ist das Neutralisieren des

Farbstichs nicht ganz so einfach. Dies ist der

Fall, weil der Wert des Weißabgleichs, den Sie

zur Zeit der Aufnahme gewählt haben, direkt

im Bild in der Kamera verankert ist. Jedoch

können Farbstiche von Ihrer Aufnahme trotzdem

entfernt oder hinzugefügt werden. Eine beliebte

Methode in Photoshop ist das Klicken auf

Überarbeiten>Farbe anpassen>Farbkurven

anpassen. Ein Dialogmenü mit drei Farbreglern

öffnet sich. Die Farbtemperatur kann verändert

werden, indem die Regler verschoben werden,

bis der Farbstich entfernt ist. Die Einstellungen

können individuell im Bereich Lichter, Mittelton

und Tiefen vorgenommen werden, indem die

entsprechenden Regler verschoben werden.


146 Fotoschule: Fragen & Antworten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Spitzlichter-Warnung

S it li ht W

F) Wenn ich beim Betrachten von Bildern

auf dem LCD-Monitor eine Spitzlichter-

Warnung sehe, ist es dann wichtig, die

Belichtungszeit zu verringern, um ihn

loszuwerden?

A) Eine Spitzlichter-Warnung zeigt Ihnen an,

dass im Bereich bzw. in den Bereichen des

entsprechenden Bildes keine Details

gespeichert wurden und sie weiß

wiedergegeben werden. Das geschieht, weil

diese Bereiche überbelichtet sind.

Wenn die betroffenen Bereiche groß sind, und

wenn es wichtig ist, dass dort Details

gespeichert werden, müssen Sie die

Belichtung reduzieren, bis die hervorgehobene

Warnung verschwindet. Dabei ist jedoch zu

beachten, dass dann, wenn Sie die Belichtung

zu sehr reduzieren, es im Ergebnis passieren

kann, dass die Schatten und sogar die

mittleren Töne unterbelichtet sind. Und wenn

Sie dann später versuchen, diese Bereiche

aufzuhellen, kann das zu Problemen mit

Rauschen führen. Gehen Sie also behutsam

vor und nutzen Sie möglichst andere

Lösungen, um übermäßig viele Highlights zu

vermeiden.

Wenn man Landschaftsaufnahmen macht,

kommt es häufi g vor, dass große Bereiche des

Himmels überbelichtet sind. Verwenden Sie

einen Grauverlaufsfi lter, um den Himmel

abzudunkeln, oder nutzen Sie eine stärkere

Stufe als die vorhandene, um dieses Problem

zu lösen. Eine andere Möglichkeit ist es, von

derselben Szene oder demselben Motiv

mehrere Aufnahmen zu machen, so dass auch

die hellsten Bereiche angemessen belichtet

sind, und die Bilder später dann mit einer

Software wie Photomatix Pro

zusammenzumischen.

Wenn die Bereiche im Bild, die eine

Spitzlichter anzeigen, klein sind, und wenn Sie

in Raw aufnehmen, müssen Sie sich in der

Regel keine Sorgen darüber machen. Das liegt

daran, dass das Bild, das sie auf Ihrem

LCD-Monitor sehen, ein JPEG ist, das

innerhalb der Kamera bereits komprimiert

wurde. Wenn die Raw-Dateien auf Ihrem PC

geöffnet werden, zeigen sie kleine Warnungen

normalerweise nicht an, was an den

zusätzlichen Daten liegt, die in der Raw-Datei

enthalten sind. Wenn sie doch angezeigt

werden, ist es einfach, sie bei der Verarbeitung

der Raw-Dateien zu entfernen. In Photoshop

und Lightroom gibt es einen

Wiederherstellungsregler, der wunderbar mit

kleinen Bereichen umgehen kann, die „aus

dem Rahmen fallen“. Allerdings sollte man es

nicht übertreiben, da das Tool sich auf das

gesamte Bild auswirkt und den Kontrast

verfl achen lassen kann, wenn es zu intensiv

angewandt wird.

Stürzende Linien

F) Ist es möglich, in Photoshop stürzende

Linien zu korrigieren?

A) Ja, und es ist ganz einfach. Öffnen Sie Ihr

Bild, dann gehen Sie auf Auswahl>Alles

auswählen. Als nächstes gehen Sie auf

Ansicht>Raster, um ein Raster über das Bild zu

legen, zur Hilfe bei der Korrektur der

senkrechten Linien. Jetzt gehen Sie auf

Bild>Transformieren>Verzerren, klicken auf

die obere linke Ecke des Bildes und ziehen den

Cursor nach links, um die senkrechten Linien

Original

zu korrigieren (Halten Sie sich an das Raster als

Hilfslinie). Wiederholen Sie den gleichen

Prozess für den rechten Teil des Bildes.

Speichern Sie die Änderungen, und gehen dann

zu Ansicht > Raster und klicken den Haken bei

Raster weg. Wenn das Bild ein bisschen

gedrungen aussieht, was meist der Fall sein

wird, gehen Sie zu Bild>Bildgröße, machen

den Haken bei „Proportionen beibehalten“ weg

und vergrößern die Höhe des Bildes um 5 bis

10 Prozent, um es wieder normal aussehen zu

lassen.

LEE FROST


LEE FROST

Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Original

Akvis Enhancer

Bildkontrastverbesserer

F) Ich habe gehört, dass es ein Photoshop

Plug-In gibt, das hilft, die Details in den

Bildern besser herauszuarbeiten. Wissen Sie,

wie es heißt?

A) Eine solche Anwendung, die bei Fotografen

sehr beliebt ist, heißt Akvis Enhancer (http://

akvis.com/de/enhancer). Die neueste Version

(v11.5) kostet 53 Euro und kann von der Akvis

Webseite heruntergeladen werden. Es gibt eine

Photoshop Plugin- und Standalone-Version

sowohl für Mac als auch für Windows.

Wenn Sie es auf ein Bild anwenden, stärkt der

Kontrastverbesserungsmodus den Unterschied

zwischen benachbarten Pixeln, die verschiedene

Farbabstufungen haben. Dies führt zu einem

großen Unterschied zu dem sichtbaren Bereich

der Details, insbesondere von Schatten.

Es hilft, Bilder heller und klarer zu machen. Sie

können die Intensität der Kontrastverbesserung,

die auf das Bild angewendet werden soll,

variieren und die Vorher-Nachher-Vorschau

vergleichen, um den Unterschied zu sehen,

bevor Sie die Kontrastverbesserung durchführen.

Es ist aber wichtig, es nicht zu übertreiben.

Denn sonst kann ein Rauschen in

Schattengebieten zu einem Problem werden

und dazu führen, dass das Bild letztendlich

schlechter und nicht besser aussieht. Der beste

Weg, dies zu verhindern, ist, eine duplizierte

Ebene des Bildes in Photoshop zu erzeugen

(Ebene>Ebene duplizieren), die Verbesserung

auf die Ebene anzuwenden, eine Ebenenmaske

hinzuzufügen und dann mit dem Radiergummi-

Werkzeug einzelne Bereiche, die von der

Verbesserung profi tiert haben, anzuzeigen, aber

solche, die davon nicht profi tiert haben,

unberührt zu lassen.

Neben der Kontrastverbesserung hat Akvis

Enhancer auch einen Fokusmodus, um die

Bildschärfe zu verbessern, einen Smart-

Korrektur-Modus, der die Farben verbessert und

einen HDR-Modus (nur bei der

Einzelanwendung), der verschiedene Bilder mit

unterschiedlichen Belichtungszeiten kombiniert,

um einen HDR-Effekt zu erzeugen.

Fotoschule: Fragen & Antworten 147

Luftansichten

F) Ich plane in meinem Urlaub einen

Aufstieg in einem Heißluftballon und

hätte gerne Tipps, wie man am besten

Aufnahmen aus der Luft macht.

A) Zunächst gilt es festzuhalten, dass das

grundsätzlich viel einfacher ist, als man es

sich vorstellt. Heißluftballons sind ideal für

Luftaufnahmen, weil sie sich nur langsam

bewegen und stabil sind, daher muss man

nicht alles mit 1/1000 Sekunde Belichtung

aufnehmen, um ein Verwackeln zu vermeiden,

und man kann die Szenerie in einer

gemächlichen Geschwindigkeit genießen. Der

Nachteil dabei, wenn man vorhat, ernsthaft

Fotos aus einem Ballon heraus aufzunehmen,

ist es, dass sie oft überfüllt sind, so dass man

sich nicht in jedem Fall frei im Korb bewegen

kann. Es könnte also vorkommen, dass man

während des Fluges eingeengt an einer Stelle

steht. Für den Fall des Falles achten Sie daher

darauf, dass Sie alles, was Sie benötigen, an

Ihrem Körper bei sich tragen, damit Sie darauf

Zugriff haben.

Was die Objektive betrifft, sollten Sie

idealerweise ein 24-105 mm-Zoom bei sich

haben, damit Sie Weitwinkelaufnahmen

machen können, aber auch näher

heranzoomen können, wenn Sie eine spezielle

Komposition ausgewählt haben.

Wahrscheinlich wird es nicht vorkommen,

dass Sie einen noch weiteren Winkel

benötigen, aber etwas längeres könnte

nützlich sein, daher sollten Sie ein Telezoom

mitnehmen, wenn Sie eines besitzen. Ein

Polfi lter kann auch praktisch sein, da er den

Dunst in der Atmosphäre durchdringt und die

Klarheit des Bildes verbessert.

Da Sie Ihre Aufnahmen aus großer Höhe über

dem Boden machen, werden die Bilder scharf,

indem Ihr Objektiv in der Schärfe auf

unendlich eingestellt ist. Das bedeutet, dass

Sie keine große Tiefenschärfe benötigen und

mit einer relativ großen Blende schießen

können, f/4 oder f/5.6, um die

Verschlusszeiten bei 1/125-Sekunde bis

1/250-Sekunde klein zu halten. Wenn es hell

und klar ist, und Sie feststellen, dass die

Verschlusszeiten viel kürzer sind, regeln Sie

das Objektiv runter auf f/8 oder f/11, damit

das Bild eine optimale Qualität erhält.

Was die Gestaltung von Luftaufnahmen

angeht, sollten Sie versuchen, Motive mit

aufzunehmen, die einen Eindruck von der

Größe vermitteln: Bäume, Menschen,

Gebäude, Tiere. Man kann oft erstaunliche

Muster in der Landschaft entdecken, wenn

man sie von oben betrachtet. Wenn Sie sich

inspirieren lassen möchten, können Sie die

atemberaubenden Luftaufnahmen von Yann

Arthus-Bertrand ansehen:

www.yannarthusbertrand2.org

ISTOCK PHOTO


148 Fotoschule: Fragen & Antworten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

LEE FROST

Dilemma eines trüben Tages

F) Lohnt es sich überhaupt, an einem trüben

Tag Landschaftsaufnahmen zu machen?

A) Auf jeden Fall. Fotografen sind oft der

Meinung, dass trübes, graues Wetter

Zeitverschwendung sei, aber obwohl es nicht so

dramatisch ist wie ein Sturm oder so schön wie ein

Sonnenaufgang, kann ein bedeckter Himmel sehr

produktiv sein.

Zunächst einmal sollte man das Große Ganze

beiseite lassen und sich auf die kleineren Details

besinnen. Man macht sich auf die Suche nach

Mustern in der Natur wie Farben, Linien und

Formen der Felsen, die Struktur der Baumrinde,

interessante Kieselsteine an Stränden. Oder

nehmen Sie Bewegung des fl ießenden Wassers auf.

Wasserfälle und rauschende Bäche kann man bei

trübem Wetter besser fotografi eren, weil der

Kontrast dann sehr schön klein ist, so dass das

Wasser weich und milchig aussieht. Niedrigere

Helligkeitswerte bedeuten auch, dass man längere

Verschlusszeiten verwenden kann, um das Wasser

verschwimmen zu lassen, und obwohl ein Polfi lter

oder ein Graufi lter notfalls benutzt werden kann,

Ein wunderbarer Wasserfall

Erfahrene Fotografen für

Außenaufnahmen neigen dazu, an

trüben Tagen nach Details in der

Landschaft Ausschau zu halten.

um die Belichtungszeit noch weiter zu verlängern,

reichen eine oder zwei Sekunden in der Regel aus.

Die dritte Möglichkeit besteht darin, sich auf in den

Wald zu machen. Wälder sind ebenfalls ein ideales

Motiv für graue Tage, denn ähnlich wie beim

Wasser ist der niedrige Kontrast von Vorteil, denn er

erlaubt Ihnen, eine viel größere Auswahl an Details

und farbenprächtiger Laubbedeckung

aufzunehmen. Wenn die Sonne scheint, sind die

Kontraste in Wäldern oft viel zu groß. Das führt

dazu, dass Sie viele überbelichtete Stellen und

blockierte Schattenbereiche erhalten. Benutzen Sie

auch an trüben Tagen einen Polfi lter, um ein

Glänzen der Laubbedeckung zu vermeiden und die

Farbsättigung zu erhöhen.

Auch haben Sie die Möglichkeit, doch die ganz

großen Aufnahmen zu suchen, und die Bilder dann

in schwarz-weiß umzuwandeln. Farbaufnahmen,

die an trüben Tagen gemacht wurden, mögen fl ach

und gedämpft aussehen, aber wenn man die

Realität entfernt, indem man die Farbe wegnimmt,

sieht die Sache ganz anders aus: weiche Töne

können sehr beschwörend wirken, oder man gibt

ihnen mehr Pepp, indem man ihnen ein dunkleres,

dramatischeres Aussehen verpasst.

Regenbogenkrieger

F) Was können Sie mir raten, um die besten

Aufnahmen eines Regenbogens zu machen?

A) Zunächst müssen Sie einen fi nden! Regenbögen

entstehen, wenn Sonnenlicht durch Regen oder kleine

Wassertröpfchen fällt, daher sollten Sie sich mit dem

Rücken zur Sonne stellen und sich umsehen.

Normalerweise sind Regenbögen so auffällig, dass

man sie nicht übersieht.

Um die besten Ergebnisse zu erzielen, sollte man

versuchen, sie mit einem dunklen Hintergrund

zusammen aufzunehmen, damit sich die Farben gut

abheben, und dann sollte man einen Polfi lter auf das

Objektiv setzen, und testen, ob es etwas ändert, wenn

man diesen dreht . Manchmal hilft das, aber wenn

man es übertreibt, kann es passieren, dass der

Regenbogen völlig vom Bild verschwindet. Eine

leichte Unterbelichtung von 1/3 bis ½ Blendenstufen

kann auch dazu beitragen, den Regenbogen zu

verbessern, was man natürlich auch in der

Nachbearbeitung machen kann, falls nötig.

Schließlich sollte man der Versuchung widerstehen,

den ganzen Regenbogen aufzunehmen, indem man

ein Weitwinkelobjektiv nutzt, da in diesem Fall der

Bogen sehr schmal wirkt und seine Wirkung verliert.

Ein Wechsel zu einem Telezoom und die

Konzentration auf lediglich einen Ausschnitt des

Bogens wird häufi g zu besseren Ergebnissen führen.

LEE FROST


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Raw oder JPEG?

F) Ich habe in den letzten Jahren Aufnahmen

im JPEG-Format gemacht, aber alle reden

andauernd von den Vorteilen von Raw. Sollte

ich wechseln?

A) Diese Diskussion wird kaum abgeschlossen

werden können, weil letztendlich das von Ihnen

gewählte Format davon abhängt, welche Art

von Fotograf Sie sind.

Lassen Sie es uns so formulieren: Wenn man

die Aufnahmen in JPEG macht, und die

Bildqualität innerhalb der Kamera optimal

eingestellt ist, kann man diese JPEG

herunterladen und auf seinem Computer

öffnen, und man wird dabei nur minimale

Unterschiede in der Bildqualität zwischen

diesen Aufnahmen und denselben Szenen oder

Objekten fi nden, die mit Raw aufgenommen

wurden.

Es ist einfach eine Tatsache, dass bei jedem

Kopiervorgang einer JPEG einige Daten verloren

gehen. Aber man müsste das buchstäblich ein

paar hundertmal machen, um einen

Unterschied feststellen zu können, und wenn

man die Aufnahme im JPEG-Format gemacht

hat, bedeutet das noch lange nicht, dass man

die Bilder als JPEGs abspeichert. Man kann sie

in 8-Bit-TIFF-Dateien umwandeln, wenn man

sie herunterlädt, was das Problem löst, da TIFF

ein Dateiformat ohne Verlust ist.

Raw ist ein beliebtes Format bei professionellen

Fotografen. Das liegt daran, dass es vielseitiger

als JPEG ist, was bedeutet, dass man es

bevorzugen wird, wenn man normalerweise

eher viele Änderungen an seinen Bildern

vornimmt. Man kann die Farbtemperatur

anpassen, Fehler in Highlights korrigieren und

die Schärfeeinstellungen präziser vornehmen,

und außerdem kann man bei Raw-Dateien eine

Stapelverarbeitung vornehmen, das heißt, dass

die gleichen Verbesserungen und

Veränderungen auf eine Vielzahl von Bildern

gleichzeitig angewandt werden.

Der Vorzug des JPEG-Formats ist es, dass,

theoretisch jedenfalls, die Bilder so, wie sie aus

der Kamera kommen, gleich verwendet werden

können. Das heißt, dass man eine

Speicherkarte aus seiner Kamera nehmen

könnte, sie in einen Drucker stecken und mit

dem Druck beginnen kann, ohne sich einem

Computer zu nähern. JPEGs werden innerhalb

der Kamera optimiert, was bei Raw-Dateien

nicht der Fall ist. Man kann daher spezielle

Eigenschaften wie höherer oder niedrigerer

Kontrast, erhöhte Farbsättigung, eine

Umwandlung in schwarz-weiß, erweiterte Töne

usw. mit den Kameraeinstellungen bewirken,

wohingegen all diese Schritte bei Raw-Dateien

in einem späteren Stadium vorgenommen

werden müssen. JPEG-Dateien sind auch viel

kleiner als Raw-Dateien (wenn man sie als

JPEG belässt), und benötigen daher weniger

Platz auf der Festplatte. Wenn man sehr viele

Bilder schießt, kann nur dieses letzte Argument

allein entscheidend sein, obwohl zusätzlicher

Speicherplatz für digitale Dateien heutzutage

nicht mehr viel kostet.

Zusammengefasst kann man festhalten, dass

JPEG wahrscheinlich dann das richtige für Sie

ist, wenn Sie Wert auf Schnelligkeit und

Bequemlichkeit legen, und Raw das von Ihnen

zu wählende Format ist, wenn Sie auf jeden Fall

eine optimale Qualität und Vielseitigkeit

benötigen und es Ihnen nichts ausmacht, mehr

Zeit für die Bearbeitung Ihrer Bilder im

Nachgang zur eigentlichen Aufnahme zu

verwenden.

Fotoschule: Fragen & Antworten 149

Die Vorzüge von Raw

Die meisten Amateure nutzen

JPEG für ihre Aufnahmen, die

meisten Profi s speichern

jedoch die Raw-Dateien, um

von dessen Qualität und

Vielseitigkeit zu profi tieren.

Spiegelungen vermeiden

F) Wie vermeide ich Spiegelungen bei der

Anwendung meines Polfi lters?

A) Das ist eine häufi g gestellte Frage, da es

zwar logisch und einfach ist, einen Polfi lter zu

verwenden, um den Himmel aufzuhübschen,

die Vermeidung von Spiegelungen jedoch

etwas mehr Präzision verlangt. Grundsätzlich

muss der Winkel zwischen der Achse des

Objektivs und der sich spiegelnden

Oberfl äche ungefähr 30 Grad betragen,

damit Spiegelungen richtig entfernt werden,

und dieser Winkel kann nur dadurch

gefunden werden, indem man die Position

der Kamera verändert, den Polfi lter dreht,

und dabei beobachtet, was passiert, die

Position der Kamera wieder verändert usw.,

bis es schließlich klappt. Es ist hilfreich, die

Aufnahme aus einer niedrigen Position zu

machen, da der Winkel zwischen der Achse

des Objektivs und der Oberfl äche sich

dadurch verringert. Sie sollten also zunächst

damit beginnen, sich hinzuknien.

Ohne Polfi lter

Mit Polfi lter

LEE FROST


150 Fotoschule: Fragen & Antworten Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Fotografi eren mit langen

Belichtungszeiten

F) Wie kann ich bei Tageslicht mit langen

Belichtungszeiten fotografi eren, ohne dass

mein Foto überbelichtet wird? Und wie

kriege ich eine Verschlusszeit von mehr als

30 Sekunden hin?

A) Wenn Sie länger belichten möchten –

beispielsweise um Bewegung darzustellen und

damit einen kreativen Effekt zu erzielen – stellen

Sie an Ihrer Kamera eine niedrige ISO-

Empfi ndlichkeit und an Ihrem Objektiv eine kleine

Blende ein. In Kombination erzeugen diese beiden

Faktoren die längstmögliche Belichtung bei

Umgebungslicht. Wenn diese Zeit noch immer

nicht ausreicht, um den von Ihnen gewünschten

Effekt zu erzielen, benötigen Sie einen Graufi lter.

Diese Filter sind so gebaut, dass sie das Licht

„absorbieren“. Sie verleihen Ihrem Bild keinen

Farbstich, sondern sind absolut farbneutral. Sie

sind als quadratische Steckfi lter und als runde

Schraubfi lter erhältlich. Sie werden in einer Reihe

von verschiedenen Dichtestufen angeboten. Die

meist gekauften sind dabei Filter mit einer, zwei

oder drei Blendenstufen. Ein Graufi lter mit einer

Stufe reduziert das Licht, das in das Objektiv

einfällt, um eine volle Blendenstufe; ein Filter mit

zwei Blendenstufen um zwei volle Blendenstufen

usw.. So würde zum Beispiel eine Verschlusszeit

von 1/30 Sekunde bei f/22 mit Filter mit einer

Blendenrastung auf 1/15 Sekunde bei f/22

verlängert, oder auf 1/8 Sekunde bei f/22, wenn

man einen Filter mit zwei Blendenrastungen

benutzt. Diese Filter sind sehr hilfreich, wenn man

lange Belichtungszeiten benötigt und werden sehr

gerne von Landschaftsfotografen benutzt, um die

Bewegung von Wasser und Wolken zu

verwischen. Wenn Sie den Filter auf das Objektiv

aufsetzen, korrigiert die TTL-Belichtungsmessung

Ihrer Kamera alle Einstellungen automatisch.

Die Mehrheit aller Kameras kann nur 30

Sekunden lang automatisch belichten. Wenn Sie

eine längere Belichtungszeit benötigen, müssen

Sie Ihre Kamera auf den „B“ („Bulb“)-Modus

einstellen. So können Sie den Verschluss manuell

geöffnet halten – für gewöhnlich mit Hilfe eines

Fernauslösers.

Wie fotografi ert man

eine Bühnenshow?

F) Ich bin gebeten worden, kommenden

September eine Tanzauff ührung in einem

Theater zu fotografi eren. Ich habe eine

Canon EOS 450D mit einem 18-55 mm-

Objektiv und ein Stativ. Reicht das aus, um

umwerfende Ergebnisse zu erzielen? Welche

Kameraeinstellungen und Techniken sollte

ich beherzigen? Wäre es eventuell ratsam,

noch einige zusätzliche

Ausrüstungsgegenstände anzuschaff en?

A) Ihre Kamera ist mehr als angemessen für

diese Aufgabe, aber das 18-55 mm Zoom wird

nicht ausreichen. Wenn Sie nah an der Bühne

sind, werden Sie damit gute Aufnahmen von

Ohne Graufi lter / kurze Belichtungszeit

der gesamten Tanzgruppe und vielleicht auch

einige Ganzkörperbilder von einzelnen Tänzern

oder Tanzpaaren hinkriegen. Aber wenn Sie

Nahaufnahmen von einzelnen Darstellern machen

möchten, werden Sie ein Telezoom benötigen. Das

Canon 70-200mm f/4 IS USM oder 70-300mm

f/4-5.6 IS USM wäre ideal, da die Bildstabilisierung

es Ihnen ermöglicht, mit langen Verschlusszeiten

zu fotografi eren, ohne Verwacklungsunschärfe

befürchten zu müssen.

Dies ist eine wichtige Überlegung, da die

Lichtverhältnisse im Theater eher dunkel sein

werden und sie somit alle möglichen Hilfsmittel

ausschöpfen müssen, um gute Ergebnisse sicher

zu stellen. Eine Möglichkeit, die Verschlusszeit kurz

zu halten um Verwacklungsunschärfe zu

vermeiden und die Bewegungen Ihres Motivs

einzufrieren ist, mit möglichst großer Blende zu

fotografi eren. Eine weitere Möglichkeit ist, die

ISO-Einstellung Ihrer Kamera herauf zu setzen.

Wahrscheinlich werden Sie auf ISO 800 oder ISO

1600 gehen müssen. Zerbrechen Sie sich darüber

nicht den Kopf; die Bildqualität wird trotzdem gut

sein. Vielleicht erwägen Sie, einen Blitz zu

verwenden. Aber selbst wenn das im Theater

erlaubt ist, ist es keine gute Idee, denn es wird die

durch die Bühnenbeleuchtung erzeugte Stimmung

zerstören, die ja passend zur Aufführung sorgfältig

ausgewählt wurde. Mit dem vorhandenen Licht zu

arbeiten ist da die deutlich besser.

Ihr Stativ könnte von Nutzen sein, das hängt aber

davon ab, von wo Sie fotografi eren. Das Problem

bei Dreibeinstativen ist, dass sie sehr viel Platz

benötigen und – obwohl sie Stabilität bieten – Ihre


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Mit Graufi lter / lange Belichtungszeit

Bewegungsfreiheit einschränken. Ein

Einbeinstativ wäre in diesem Fall sinnvoller. Es

stützt die Kamera und das Objektiv, gibt Ihnen

aber trotzdem die Freiheit, die Kameraposition

schnell und unkompliziert zu verändern.

Unser Rat ist: Stellen Sie Ihre Kamera auf

Zeitautomatik mit Blendenvorwahl ein. Sie

stellen die Blende ein und die Kamera wählt die

Verschlusszeit. Beginnen Sie mit einer

Multizonenlichtmessung und schauen Sie,

welche Qualität die Aufnahmen haben. Wenn die

Kamera Probleme mit den Kontrasten der

Bühnenbeleuchtung bekommt und

Belichtungsfehler auftreten, wechseln Sie zur

Spotmessung – obwohl die bewertende Messung

für gewöhnlich sehr gut ist und sie

möglicherweise feststellen werden, dass sie

problemlos funktioniert. Wenn Sie zusätzlich

noch statt im JPEG-Format im Raw-Format

fotografi eren, können Sie bei der

Nachbearbeitung noch sehr viele

Belichtungsfehler korrigieren.

Vermutlich wird im Theater Mischlicht

verwendet, was Ihren Bildern einen

unerwünschten Farbstich verleihen könnte.

Dagegen könnte es helfen, die Kamera auf

Automatischen Weißabgleich (AWB)

einzustellen. Hilft dies nicht, stellen Sie den

Weißabgleich manuell auf „Glühbirne“ ein. Wenn nn

Sie im Raw-Format fotografi eren, ist es natürlich h

unerheblich, ob Ihre Bilder durch die

Bühnenbeleuchtung einen Farbstich bekommen, n,

da sie dies bei der Nachbearbeitung problemlos

korrigieren können.

ROSS HODDINOTT

Fotoschule: Fragen & Antworten 151

Bildbetrachtung am Fernseher

F) Ich bin ein Neuling und habe eine Frage über

Kameras mit dem Micro Four Thirds-Sensor. Ist es

möglich, diese Kameras an einen Breitbildfernseher

anzuschließen und, wenn ja, verlieren die Bilder

dadurch an Pixelqualität?

A) Die große Mehrheit der Digitalkameras von

Kompakt- über Hybrid- bis hin zu Spiegelrefl exkameras

sind mit einer A/V-Buchse ausgestattet, so dass man

Bilder auf einem Fernsehgerät anschauen kann. Die

Markteinführung des High Defi nition TV (HDTV) hat

dazu geführt, dass mehr und mehr Modelle auch über

eine HDTV-Buchse verfügen. Man kann also seine

Bilder oder Filme nun auch auf HD-Fernsehern

anschauen. Ältere TV-Geräte haben einen fast

quadratischen Monitor (Verhältnis 4:3), aber dieses

Format ist inzwischen überholt, da überwiegend

Breitbildgeräte (16:9) verkauft werden.

Die Voreinstellung für den Filmmodus an den Kameras

ist im Format 16:9 eingerichtet, so dass der Film den

Bildschirm komplett ausfüllt. Sie sollten also keine

Probleme haben, Filme von Ihrer Hybridkamera mit

Micro Four Thirds-Sensor – oder auch von jeder

beliebigen Kamera – auf dem Fernseher anzuschauen.

Was Sie jedoch überprüfen sollten, ist die Aufl ösung,

sowohl der Filmaufnahmen Ihrer Kamera, als auch

Ihres Fernsehgerätes. Full HD bietet mit einer Aufl ösung

von 1920 x 1280 Pixeln (1080P) die beste Qualität,

während Standard HD, auch HD ready genannt, 1280

x 720 Pixel (720P) hat. Wenn sowohl Ihre Kamera, als

auch Ihr Fernsehgerät Full HD unterstützen, erhalten

Sie die bestmögliche Bildqualität; andernfalls werden

Sie sich mit HD ready abfi nden müssen, was aber auch

hervorragende Qualität bietet.

Es sollte noch erwähnt werden, dass alle digitalen

Spiegelrefl exkameras über eine A/V Buchse verfügen

und mit einem A/V Kabel geliefert werden. Dies

ermöglicht auf jeden Fall das Anschauen von Bildern

auf einem Fernsehgerät, sei es auch nur in

Standardaufl ösung.

ISTOCK PHOTO PHOTO


Mit Grauverlaufsfi lter

Ohne Grauverlaufsfi lter

Infrarot sehen

F) Ich habe eine alte Nikon D70, die ich gerne

in eine Infrarot-Kamera verwandeln möchte.

Wo soll ich sie hinschicken?

A) Gute Idee. Ältere Spiegelrefl exkameras sind

heute auf dem Gebrauchtwarenmarkt nicht mehr

viel wert, aber wenn Sie es sich leisten können, sie

in eine Infrarot-Kamera zu verwandeln, können Sie

sie zu neuem Leben erwecken, mit der Sie

verblüffende, unwirkliche Bilder machen können.

Die Nikon D70 ist auch ein wirklich gutes Modell

für eine Infrarot-Umrüstung.

Es gibt in Deutschland nur wenige Umbaufi rmen

die diesen Service anbieten, eine davonOptic

Makario(www.optik-makario.de). Es kostet etwa

290 Euro (+ MWSt.), eine Nikon D70

umzurüsten. Dabei wird der Infrarot-Sperrfi lter vom

Auslöser entfernt und durch einen Infrarot-

Übertragungsfi lter ersetzt. Nach der Umrüstung

Über Refl exion

F) Ich habe einen Freund, der einen

Grauverlaufsfi lter benutzt, wenn er

refl ektierende Landschaften fotografi ert.

Warum?

A) Wenn Sie eine Landschaft fotografi eren, in

der sich die Szene in ruhigem Wasser spiegelt,

wie hier in diesem Beispiel, ist die Refl exion der

Szene meist viel dunkler als die Szene selbst. Das

ist normal. Aber auf einem Foto kann das

merkwürdig aussehen, meist so, als wäre die

Refl exion unterbelichtet.

Wenn Sie einen Grauverlaufsfi lter so aufstecken,

reagiert die Kamera fast nur noch auf

Infrarotstrahlen, daher werden Sie damit keine

„normalen“ Bilder mehr machen können. Es dauert

etwa drei Wochen, eine Kamera umzurüsten, je

nachdem wie die Auftragslage ist, aber es lohnt

sich wirklich, darauf zu warten!

Wenn Sie die Kamera zurückhaben, sollten Sie

zunächst einen Weißabgleich erzeugen, indem Sie

eine Aufnahme von Gras im Sonnenlicht machen

(sehen Sie dazu in Ihrer Bedienungsanleitung

nach), damit die Bilder nicht knallrot werden.

Danach können Sie ganz normal fotografi eren. Sie

brauchen keine Spezialfi lter, und Ihre Kamera und

Objektive funktionieren genauso wie vorher. Die

D70 tendiert dazu, einige unwirkliche „falsche

Farben“ bei den Infrarotaufnahmen abzuspeichern,

aber dies können Sie ändern, indem Sie das Bild

anschließend in eine Schwarz-Weiß-Aufnahme

konvertieren. Manchmal sehen die falschen Farben

aber auch ziemlich effektiv aus, also seien Sie nicht

zu eifrig beim Entfernen.

Zeit zum Refl ektieren

Einen Grauverlaufsfi lter zu

benutzen, um Refl exionen

auszugleichen, kann Ihre

Landschaftsaufnahmen

verbessern.

dass er die komplette Szene bedeckt – nicht nur

den Himmel, sondern auch die Landschaft -

können Sie die Refl exion etwas stärker belichten

um sie aufzuhellen, ohne dabei den Himmel und

die Landschaft überzubelichten.

Dafür brauchen Sie nur einen schwachen

Verlaufsfi lter. Ein Grad ND 0.3-Filter reicht dafür

normalerweise aus, da es den Himmel um eine

Blende verdunkelt, und Sie somit die Belichtung

der Refl exion um eine Blende erhöhen können.

Wenn Sie einen Filter benutzen, der zu dicht ist,

also einen 0.6 oder 0.9, dann sieht die

Landschaft etwas merkwürdig aus.

LEE FROST

LEE FROST


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154 Photoshop-Techniken: Belichtung Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Raw-Daten miteinander kombinieren

VON LUKE MARSH Das Einstellen Ihrer Kamera auf Raw bedeutet, das Sie versteckte Details einer Bildszene, die überbelichtet wurden, wiederherstellen

können, wie beispielsweise einen strahlend blauen Himmel. Photoshop-Experte Luke Marsh demonstriert Ihnen nachstehend, wie Sie den Elements Raw

Converter von Photoshop einsetzen können, um zwei verschiedene Bilder mit jeweils unterschiedlichen Belichtungsstufen aus der gleichen Raw-Datei

verwenden zu können, um sie dann neu miteinander zu kombinieren und somit das perfekte Ergebnis zu erhalten.

Die Verfahren, die in dieser leicht nachvollziehbaren Anleitung angewendet wurden, beinhalten Belichtungseinstellung, Ebenen erstellen und bearbeiten,

Ebenen anpassen, Bildschärfe einstellen mittels High Pass Filter, Lichtundurchlässigkeitseffekt (Opazität) und Farbregulierung. Diese Technik ist besonders

zufriedenstellend, da man lediglich mit Bilddateien arbeitet, die in der ursprünglichen Einzelaufnahme erfasst wurden. Hier an diesen Beispielen wurde

Elements 4.0 angewendet, aber neuere Versionen sind genauso geeignet.

1 2

3

5

Sollten Sie bislang noch nie mit dem Elements Raw Converter gearbeitet haben,

dann werden Sie beim Öffnen der Dateien als Erstes bemerken, dass das Bild im

Raw-Control-Fenster geöffnet wird (siehe oben). Im ersten Schritt klicken Sie

einfach auf Öffnen und belassen die Einstellungen so wie sie sind. Gehen Sie

dann auf Datei, Speichern als und legen eine Photoshop Datei an (.psd), da wir

mit Ebenen arbeiten werden.

Jetzt haben Sie zwei Dateien geöffnet. Eine enthält das ursprüngliche

Ausgangsbild, und die andere enthält das neu erstellte, unterbelichtete Bild.

Während die unterbelichtete Datei aktiv ist, gehen Sie auf Auswählen, Alle und

dann auf Editieren, Kopieren, um das Bild im Notizbrett zu platzieren. Diese

Datei kann jetzt geschlossen werden, und Sie können mit Editieren, Einfügen

das Bild auf eine neue Ebene der Original-Datei platzieren.

Jetzt ist es an der Zeit, den Himmel ein wenig zu ordnen. Mit dem Radierer-Tool,

das auf einen mittelgroßen, weichkantigen Pinsel mit einer

Lichtundurchlässigkeit von 55 % eingestellt ist, müssen Sie nun langsam die

Bereiche der neu belichteten Ebene ausradieren, so dass der ursprüngliche

Himmel zum Vorschein kommt. Der leicht gefederte Effekt zwischen den zwei

Lagen erzeugt einen Nebeleffekt, der die Stimmung des Bildes zusätzlich

erweitert. Die anfängliche Arbeit an den Ebenen ist somit fertiggestellt.

4

6

AUSGANGSFOTO

Anschließend öffnen Sie die ursprüngliche Raw-Datei erneut und das Raw-Control-

Fenster mit dem Bild wird wieder erscheinen. Dieses Mal wenden Sie den

Belichtungsregler an (eingekreist) und bewegen den Gleitregler auf der linken Seite,

um das Bild unterzubelichten indem Sie die Feinheiten vom Himmel, die auf dem

Originalbild versteckt sind, hervorholen. Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind,

klicken Sie auf Öffnen, um das Bild nach Elements zu übernehmen.

Jetzt, wo zwei Aufnahmen vorhanden sind, soll der korrekt belichtete

Vordergrund mit dem neu belichteten Himmel kombiniert werden. Während sich

die Himmels-Ebene aktiv befi ndet, selektieren Sie mit dem rechteckigen

Marquee-Tool eine größere Fläche aus dem Vordergrund vom neu-belichteten

Himmel, knapp unterhalb vom Horizont, und entfernen Sie mit Editieren,

Löschen das Vorschaubild der Ebenen-Palette (siehe Bild links oben).

Um das Werk zu speichern, gehen Sie auf Ebene, Bild einebnen und

anschließend auf Datei, Speichern als, um eine neue Datei anzulegen. Jetzt, wo

beide Ebenen miteinander kombiniert sind, ist es an der Zeit, am Gesamtbild ein

paar Verbesserungen vorzunehmen. Gehen Sie auf Verbessern, Licht anpassen,

Levels, um das Bild aufzuhellen und die Defi nition zu verbessern. Klicken Sie

dann auf OK, um die Änderungen zu bestätigen.


Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

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FERTIGES BILD

STURM AM HORIZONT!

Die Vorteile, die durch die Aufnahme

Ihrer Bilder mit Raw erzielt werden,

sind leicht zu erkennen. Es können

weitaus mehr Einzelheiten festgehalten

werden, als wenn Sie Ihr Bild mit JPEG

festgehalten hätten.

Der High-Pass-Filter eignet sich besser dafür, Einzelheiten zu verbessern als sie zu

verschärfen. Um ihn anzuwenden, gehen Sie zuerst auf Ebene, Ebene

duplizieren, um das ursprüngliche Bild zu bewahren. Anschließend gehen Sie

auf Filter, Sonstige, Hochpass, und stellen den Radius auf ca. 20 Pixel ein, bevor

Sie auf OK klicken. Danach änderen Sie den Mischmodus in der Ebenen-Palette

auf Weiches Licht.

Das Bild besteht hauptsächlich aus Blautönen, und Sie würden dem Himmel

gerne einen anderen Ton hinzufügen. Mit Hilfe des rechteckigen Marquee-Tools

selektieren Sie den Bereich über dem Horizont und gehen auf Auswahl, Feder.

Geben Sie einen Betrag von 50 Pixel ein, um die Auswahl abzuschwächen.

Anschließend gehen Sie auf Editieren, Kopieren gefolgt von Editieren, Einfügen

und platzieren den gewählten Bereich in eine neue Ebene.

8

10

Photoshop-Techniken: Belichtung 155

Gehen Sie erneut auf Ebene, Bild einebnen und speichern Sie gegebenenfalls

eine Kopie. Jetzt verdunkeln Sie mit Hilfe des Tools Brennen (innen rechts) und

einem großen, weichkantigen Pinsel sowie einer Opazität von 25 % die

Belichtung bestimmter Bereiche, um die Tiefe des Bildes zu optimieren.

Konzentrieren Sie sich auf die Ecken des Rahmens, und bauen Sie allmählich

den Effekt auf.

Ändern Sie den Mischmodus der neuen Ebene auf Weiches Licht, und gehen Sie

dann auf Verbessern, Farbe einstellen, Ton/Sättigung einstellen. Innerhalb des

Fensters beginnen Sie damit, auf das Kolorierfeld zu klicken, so dass Sie

umgehend den Effekt in der Vorschau sehen können. Zum Schluss gleichen Sie

den Ton und die Sättigungsschieber solange an, bis Sie mit dem Farbton

zufrieden sind und klicken auf OK.


156 Expertenanleitung: Die magische Stunde Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENANLEITUNG

Früh aufstehen und die „magische Stunde” erleben!

VON HELEN DIXON Kaum einer steht

gerne freiwillig mitten in der Nacht,

ein paar Stunden vor Sonnenaufgang

auf. Aber wenn man sich einmal

überwindet, zahlt es sich wirklich aus.

Eine sorgfältige Planung, inklusive der

Wettervorhersage und den Sonnenaufgang per

Internet abzufragen, ist essenziell. Bedenken Sie die

Gezeiten; Ebbe ist meistens die beste Zeit für einen

Besuch am Meer, denn wenn die Lichtverhältnisse

nicht günstig sind, kann man immer noch

Aufnahmen vom Strand machen.

Ich versuche immer spätestens eine halbe Stunde

vor Sonnenaufgang da zu sein. Denn der „magische

Moment” ist meistens schon vor Sonnenaufgang

da. So habe ich auch immer noch genug Zeit

meine Kamera aufzubauen und die beste Stelle

zum Fotografi eren zu suchen. Neben unbewölkten

Tagen geben Wolken auch ein schönes Motiv ab,

da sie das Sonnenlicht wunderbar farbenreich

refl ektieren. Es empfi ehlt sich auch, den Ort vorher

mal zu besuchen um Parkmöglichkeiten und

passende Stellen zum Fotografi eren zu fi nden,

die auch einen interessanten Bildvordergrund

bieten. Für die Recherche vorab verwende ich oft

Landkarten.

In kalten Nächten bildet sich Nebel, der oft

nur solange bleibt, bis die Sonnenwärme ihn

verdunsten lässt. Man sollte nicht vergessen,

dass der Belichtungsmesser durch den Nebel

beeinträchtigt werden kann und oftmals matte,

leblose Landschaften erzeugt. Um dies zu

kompensieren kann man die Belichtung um 0.5

oder 1 Einheit aufhellen und so die Szenerie

aufl eben lassen, ohne über zu belichten. Behalten

TRANSPARENZ

Durch die kleine Baumgruppe wurde

das Licht zerstreut, als sich die Sonne

über den Horizont erhob.

Belichtung: 0,5 Sek. mit f/22.

sie den LCD-Monitor dabei im Auge. Die

Verwendung von Neutraldichtefi ltern gehört zum

Standardrepertoire in der Landschaftsfotografi e.

Sie dienen dazu, die einfallende Lichtmenge der

lichtstarken Stellen am Himmel zu verringern,

denn in der Frühe sind die Unterschiede der

Lichtmenge zu Lande und am Himmel signifi kant.

Bei Aufnahmen mit der Sonne per se sollte man

auf den Blendenfl eck achten, was sich jedoch

durch gut gereinigte Filter und Linsen vermeiden

lässt. Farbfi lter verwende ich kaum denn einer der

Nachteile kann zum Beispiel sein, dass grünes

Laub eher gelb-grünlich wirkt. Statt dessen stelle

ich meinen Weißabgleich auf wolkig oder abtönen.

Damit sich das Licht nicht zu sehr abkühlt, es

sei denn es ist explizit erwünscht, sollte auch

der automatische Weißabgleich (AWB) abgestellt

werden. Weil ich gerne ausdrucksstarke Bilder

mache und dies die neblig-frostige Zeit des

noch jungen Tages ist, fotografi ere ich gerne am

Morgen. Das Licht ist noch diffus und weich, und

es ist eine Herausforderung, die Sonne auf das

Bild zu bekommen, da die Luft noch nicht durch

Staubteilchen getrübt ist. Außerdem ist kaum eine

Menschenseele unterwegs und die Welt scheint

nur mir alleine zu gehören. Alles ist so friedvoll

und es ist so schön zu sehen wie der Tag beginnt,

und sich der Sonnenaufgang erhebt. Wenn die

Sonne aufgegangen ist, wird es langsam zu hell

zum Fotografi eren. Drehen Sie sich mal mit dem

Rücken zur Sonne aber achten auf Ihren Schatten.

Nun weckt das warme Licht das Land und erhellt

die Szenerie. Licht ist nicht statisch, es ist ein steter

Prozess und somit das Wichtigste, was uns befähigt

etwas Wunderbares zu erschaffen.

DIE AUSRÜSTUNG!

HELENS AUSRÜSTUNG FÜR

DIE „MAGISCHE STUNDE”

„Planen Sie was Sie alles

benötigen. Ein solides Stativ ist

absolut notwendig, da Sie mit

langen Belichtungszeiten arbeiten.

Ich habe ein Manfroto MF4 MF4

aus Carbon mit einem 322RC2

Kopf. Leicht aber stabil, woran

ich meine Tasche als

zusätzlichen Schwerpunkt

an windigen Tagen hänge.

Meistens habe ich einen

Fernauslöser dabei, aber

ein Selbstauslöser tut es auch.

Eine Spiegelvorauslösung

vermeidet Verwackelungen.

Mein 17-40 mm-

Weitwinkelobjektiv und

mein

70-200

mm- Teleobjektiv sind

die beiden wichtigsten

Teile meiner Ausrüstung.

Das Weitwinkelobjektiv gibt

mir die Möglichkeit, viel

Vordergrundelemente ins Bild aufzunehmen,

wohingegen ich mit dem Teleobjektiv eher die

Perspektiven heranhole und an nebligen

Morgen mehrere Ebenen auf dem Bild habe.“


PROFI-TIPPS

DIE SPIEGELVORAUSLÖSUNG

Viele digitale Spiegelrefl exkameras haben eine

Vorrichtung, die es erlaubt, den Schwingspiegel

zeitlich vor der Aufnahme hochzuklappen. Damit

wird die Verwackelungsunschärfe der Kamera

durch Eigenschwingungen der Kamera reduziert.

Meistens ist diese Funktion schon in einer der

Einstellungen aktiviert.

Die Wunder der Natur: Eine günstige

Position zu fi nden ist nicht immer leicht.

Ein Teich oder ein See kann als Refl ektor

dienen, um die Szene noch

interessanter zu machen.


158 Expertenanleitung: Die magische Stunde Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENANLEITUNG

Geht die Sonne unter,

wird der Fotograf ganz munter

VON MARK BAUER Obwohl man den ganzen

Tag über Landschaftsfotos schießen kann,

sind sich die meisten Landschaftsenthusiasten

in einem einig: Die ersten und die letzten

Stunden des Tages sind eigentlich die besten.

Die langen Schatten heben die einzelnen Merkmale

der Landschaft ganz besonders hervor. Vor dem

Sonnenaufgang und nach dem Sonnenuntergang gibt

es einen atemberaubenden Himmel, da die Wolken von

unten aufgehellt werden.

Je nach Objekt und bevorzugtem Lichteinfall entscheidet

man sich für das Abend- oder Morgenlicht, obwohl sich

beides ähnlich verhält. Zum Beispiel sieht die Landschaft

im Winter abends am besten aus, weil das Licht in der

Abendstunde tendenziell eher immer wärmer wirkt,

als das Morgenlicht. Die Landschaft ist oft mit einem

goldenen Glanz überzogen. Und das schöne am Abend

ist, dass man sich dafür nicht extra zu gottloser Zeit

aus dem Bett quälen muss. Es hat eben nicht jeder

die Willenskraft und den notwendigen Enthusiasmus

wie Helen Dixon, um sich so für Sonnenaufgänge zu

begeistern (siehe vorherige Seite). Fast alle Landschaften

sehen zur magischen Stunde gut aus. Steine und Klippen

werden besonders hervorgehoben. Tagsüber öde und

unauffällig aussehende Felsen und Steine werden durch

das warme Abendlicht texturierter und machen sie zu

etwas besonderem.

Wasser ist dann auch etwas ganz besonderes, da man

mit dem schönen Abendhimmel zusammen einen

doppelten Effekt durch die Refl ektionen hat. Strömendes

Wasser kann wie Diamanten glitzern oder durch lange

OSMINGTON MILLS BEACH

Die niedrige Sonne lässt die Details der

Felsvorsprünge erkennen und die

Klippen wärmer werden. Ein 0,6

Graufi lter, nicht waagerecht auf einen

Fels gerichtet, erhält die Details des

Himmels.

Canon EOS 5D mit 17-40 mm Objektiv.

Belichtungszeiten weicher wirken. Wie gesagt, die Art

und die Helligkeit wie Licht mit Wasser wirkt, sind

entscheidend für das Ergebnis. Die Richtung des Lichtes

kann die Stimmung des Bildes stark beeinfl ussen,

ganz gleich ob sie morgens oder abends aufgenommen

wurden. Wenn das Licht frontal kommt, wirkt es schnell

kontrastarm und macht die Details der Landschaft kaum

sichtbar. Ein Polarisator sättigt die Farben wenn das Licht

seitlich kommt und die Kamera im 90-Grad-Winkel

zur Sonne steht. Schatten können eine gewisse Tiefe

erzeugen und Formen und Oberfl ächen betonen. Wenn

das Licht von hinten kommt, kann das schnell wie

Bühnenbildbeleuchtung wirken und durch den seitlichen

Lichteinfall auf die Filter sowie das Objektiv können

Blendenfl ecken entstehen.

Da das Wetter ja immer unbeständig ist, weiß man nie

genau wann und ob die ersehnte magische Stunde

kommt oder nicht. Man sollte den Wetterbericht verfolgen.

Die Webseite www.wetter.com ist recht zuverlässig und

liefert genaue Wettervorhersagen für einzelne Regionen.

Aber je länger die Vorhersage in der Zukunft liegt umso

ungenauer ist sie, daher sollte man sich einfach einen

Abend vorher nochmal vergewissern, wie das Wetter wird.

Auch im Radio werden immer Vorhersagen gebracht,

die man bei der Anfahrt verfolgen kann. Der Himmel

selber sagt auch viel aus. Sonnenuntergänge sind im

Westen zu sehen, da dort die Sonne untergeht und dort

auch die magische Stunde beginnt. Die Windrichtung

ist ein weiteres Merkmal, der Kompass und weitere

Verhaltensweisen des Wetters lassen einen schließlich die

Vorboten der magischen Stunde erkennen.

DIE AUSRÜSTUNG!

MARK BAUERS AUSRÜSTUNG FÜR DIE

MAGISCHE STUNDE:

„Zwar werden meistens Teleobjektive in der

Landschaftsfotografi e verwendet, längere

Linsen können aber ebenfalls Eigenschaften

und Texturen der magischen Stunde

hervorheben.

Ein Polarisationsfi lter sättigt bei Seitenlichteinfall

und wird speziell bei blauem Himmel

angewandt.“

„Ein gutes Stativ braucht man auf jeden Fall.

Nach Sonnenuntergang ist direktes

Aus-der-Hand-schießen kaum noch sinnvoll.

Immer mit einem Stativ zu arbeiten, lässt einen

Geduld üben, da man besonnener wird und

beginnt, nachzudenken. So kann man oftmals

kleine aber feine Änderungen vornehmen.

Graufi lter sind gerade bei Wolkenbildung

notwendig. Ohne direktes Licht werden von

unten beleuchtete Wolken durch diese Filter

besser kontrastiert.“


PROFI-TIPPS

WEISSABGLEICH

Der Weißabgleich wirkt sich sehr auf das Resultat

aus. Vermeiden Sie automatische Einstellungen.

Falls Sie in Raw fotografi eren, können Sie alle

Einstellungen später auf dem PC ausprobieren

und die beste wählen.

MUDEFORD QUAY

Diffraktion, durch eine kleine f/22 Blende

verursacht, hat den Lichtkranzeffekt erzeugt.

Ein 0.9 Graufi lter erhält die Details im

Himmel.

Canon EOS 20D mit 17-40 mm Objektiv

1/5 Sek. bei f/22 mit ISO 100


160 Expertenanleitung: Komposition Der unentbehrliche Ratgeber für Landschaftsfotografi e

EXPERTENANLEITUNG

Wie man eine Bildszene

zusammenstellt

MIT ROSS HODDINOTT Eine schöne Landschaft und gutes Licht

sind noch keine Garantie dafür, dass ein Fotograf großartige

Landschaftsaufnahmen machen wird. Obwohl beide unerlässliche

Bestandteile sein mögen für tolle landschaftliche Aufnahmen, müssen

Sie als Fotograf immer noch die Vorstellung und die Fähigkeit haben, ein starkes

Bild zu erzeugen. Wenn Sie Landschaften fotografi eren, brauchen Sie ausreichend

Zeit darüber nachzudenken, zu arrangieren und fein einzustellen, wie Sie die Szene

einfangen.

Bildaufbau ist die Kunst, die Elemente einer Szene so zu arrangieren, dass sie

optisch ansprechend sind. Es ist eine Fähigkeit, die instinktiv wird, je mehr Fotos

man macht, deshalb sorgen Sie sich nicht, wenn Ihnen diese Fähigkeit nicht gleich

selbstverständlich zufl iegt – bleiben Sie einfach dran, und Sie werden mit der Zeit

besser werden. Und wenn man zwei relativ einfache Vorgaben beachtet, die auf die

Drittel-Regel und Führungslinie basieren, werden Sie eine sofortige Verbesserung in

Ihren Landschaften sehen.

Die Drittel-Regel erfordert, dass Sie sich das Bildfeld geteilt in neun gleichgroße Teile

vorstellen, durch zwei horizontale und zwei vertikale Linien. Dies ist eine Technik, die

ich für die Mehrheit meiner Landschaftsbilder nutze. Ein Horizont, der zentral durch

ein Bild schneidet schwächt normalerweise eine Aufnahme, aber eine Landschaft

zusammengesetzt durch ein Drittel Himmel und zwei Drittel Vordergrund, oder zwei

Drittel Himmel und ein Drittel Vordergrund, sieht sehr viel dynamischer aus.

Eine andere hilfreiche Regel ist eine Art von Führungslinie innerhalb Ihres Bildaufbaus

zu nutzen. Eine Führungslinie nutzt die natürliche Perspektive von zurücktretenden

oder konvergierende Linien, um den Vordergrund zu betonen. Diese Technik

funktioniert gut zusammen mit der Drittel-Regel, deshalb versuchen Sie diese beiden,

wo immer möglich, zu kombinieren.

Kraftvolle Bildaufbauten durchlaufen oft starke Linien, da sie helfen, die Augen

des Betrachters durch eine Szene zu führen, bis zu dem Punkt in der Entfernung,

wo die Linie endet – dem „Fluchtpunkt“. Alle Arten von Objekten können dazu

genutzt werden: eine Straße, ein Pfad, eine Brücke, ein Fußgängerweg, ein Fluss,

ein gepfl ügtes Feld, Feldränder oder Zäune. Wenn man ein solches Objekt für den

Vordergrund verwendet, und damit in das Bild führt, kann man einen unspektakulären

Anblick verwandeln. Oft funktioniert eine Führungslinie, die sich diagonal dehnt am

besten, aber denken Sie auch daran, Ihre Führungslinie zentral zu positionieren, da

dies auch zu bemerkenswerten Ergebnissen führen kann.

Ich verbrachte eine Abend damit, Moorlandschaften zu fotografi eren. Obwohl das

Abendlicht warm war, sah die Ansicht ziemlich unspektakulär aus, aber ich wusste,

dass eine Trockenmauer in der Nähe mehr Interesse wecken würde. Ein vertikales

Format funktionierte am besten, darin führte die Mauer vom unterem Bildfeld in der

Ferne. Ich versuchte ein paar Aufnahmen zu machen, direkt der Länge nach auf sie

schauend. Dann änderte ich meine Position, so dass die Mauer von einer Ecke in

der Ferne mündete. Ich entwarf die Aufnahme mit einem Drittel Himmel, zwei Drittel

Vordergrund. Mit meiner auf Zeitautomatik eingestellten Kamera wählte ich eine kleine

Blende von f/22, um eine große Tiefenschärfe sicherzustellen.

KEINE PANIK!

DEN HORIZONT EINSTELLEN

Obwohl es natürlich erscheint, den Horizont im

Zentrum des Bildes zu platzieren, wird dies in den

meisten Fällen zu einem enttäuschend Ergebnis

führen. Stellt man die Aufnahme mit nur einem

Drittel Himmel, statt der Hälfte zusammen, so

wird der Vordergrund verstärkt betont und die

Komposition wirkt ausgeglichener. Es gibt aber

keine feste Regel, und Sie sollten Ihren Bildaufbau

je nach den Umständen einer Bildszene

beurteilen. Wäre der Himmel zum Beispiel, wie

an einem stürmischen Tag interessanter gewesen,

hätte ich mir wahrscheinlich überlegt, ihn im

Bildfeld mehr zu betonen.

RECHTS: Einige Spiegelrefl exkameras erlauben Ihnen,

Gitternetzlinien im Sucher anzuzeigen, um den

Bildaufbau zu erleichtern. Normalerweise fi ndet man

diese Funktion im Grundeinstellungsmenü.

OBEN: Ich benutzte eine Nikon D700 mit einem Nikkor

24-85 mm Zoom, eingestellt auf f /22, auf einem Gitzo

Stativ.

Den Auslöser bediente ich mit einem Fernauslöser und

benutzte ein Lee Filter-System mit einem

Polarisationsfi lter zusammen mit einem 0.6

Graufverlaufsfi lter .

OBEN: Ohne eine Führungslinie oder einen Vordergrund fehlt es der Bildszene an Wirkung und Tiefe. Ich bewegte mich näher auf die

Mauer zu, um sie als Führungslinie zu nutzen und machte die Aufnahme der Länge nach auf sie schauend. Dies leitet das Auge in das

Bild und in Richtung des Horizonts, aber es gibt dennoch zu viel leeren, verschwendeten Raum auf beiden Seiten der Mauer.


Zusammenfassung

Wie man eine

Bildszene

zusammenstellt

1) HALTEN SIE SICH AN DIE

REGELN!

Den Horizont entlang des

Zentrums des Bildfeldes zu

platzieren, wird normalerweise

einen schlechten Bildaufbau

erzeugen. Stattdessen probieren

Sie, der Drittel-Regel zu folgen.

2) VERWENDEN SIE LINIEN

Eine Führungslinie wird das Auge

des Betrachters durch das Bild

ziehen und Interesse erwecken.

Fast alles kann dafür eingesetzt

werden.

3) DER CLOU: DIAGONAL!

Die Führungslinie so zu platzieren,

dass sie diagonal verläuft,

funktioniert oft besser, als wenn sie

zentral positioniert wurde.

FERTIGES BILD

Indem ich meine Aufnahme-Position um

ein paar Schritte verändert habe, war ich in

der Lage, die Szene so

zusammenzustellen, dass die Mauer

diagonal durch das Bildfeld schnitt. Diese

Zuleitungsline erzeugt einen

Eingangspunkt und führt die Augen des

Betrachters auf eine Reise durch das Bild.


ADAM BURTON

162 Die perfekte Belichtung

So benutzen Sie Ihre kostenlosen Belichtungsmess- und WB-Karten

Die 18-Prozent-Graukarte hilft Ihnen, auch bei schwierigen Lichtverhältnissen für die perfekte Belichtung zu sorgen (siehe unten). Beide Referenzkarten

können auch dazu verwendet werden, einen benutzerdefi nierten Weißabgleich einzustellen. Ob Sie den Weißabgleich mit der grauen oder mit der weißen

Karte vornehmen müssen, hängt davon ab, welche Kamera Sie benutzen.

DIGITALE SPIEGELREFLEXKAMERAS verwenden komplexe

Belichtungssysteme, und alle beruhen auf der Annahme, dass der Durchschnitt

der Szene, die ausgemessen werden soll, ein mittlerer Ton, oder genauer

gesagt ein 18-prozentiges Grau, ist. Das bedeutet, dass der Durchschnitt aller

dunklen, hellen und mittleren Farbtöne zusammengemischt ein Grau von 18

Prozent ergibt. Das ist die Grundlage aller Messmuster, und es funktioniert

erstaunlich gut. Aber auch, wenn dies für die Mehrzahl aller Fotoshootings

Gültigkeit hat, so kann es doch zu falscher Belichtung führen, wenn die

Szene oder das Objekt einen deutlich helleren oder dunkleren Farbton als 18

Prozent Grau aufweisen. So können zum Beispiel sehr dunkle Bereiche das

Messsystem in die Irre leiten und zu einer Überbelichtung führen. Ebenso

können sehr helle Objekte, wie eine Schneelandschaft zu einer Unterbelichtung

führen, so dass sie dunkler erscheinen, als sie tatsächlich sind, weil der

Belichtungsmesser sie so abliest, dass sie als mittlerer Farbton abgebildet

werden. Weil eine Kamera immer versucht, ein Bild „grau“ darzustellen, ist

es Ihre Aufgabe, dies auszugleichen, um die Farbtöne möglichst natürlich

zu erhalten. Dies können Sie erreichen, indem Sie eine der Funktionen

der Kamera benutzen, die die Belichtung aufheben, wie zum Beispiel die

DER ERSTE SCHRITT Legen Sie Ihre Graukarte so

1auf den Boden, dass sie sich in einem Winkel zu Ihnen

befi ndet und stellen Sie sicher, dass die Lichtbedingungen

dort, wo sie liegt, genauso sind, wie in dem Hauptteil der

Szene, die Sie fotografi eren wollen.

MESSEN SIE DIE BELICHTUNG Stellen Sie

2sicher, dass der gesamte Messbereich von der

Graukarte ausgefüllt wird (in diesem Fall verwenden wir

die Multizonenmessung) und fi xieren die Belichtung mit

der AE-Lock-Taste.

Der essentielle Ratgeber für Landschaftsfotografi e

Machen Sie eine Belichtungsreihe!

Egal, ob Sie eine Graukarte verwenden oder

nicht, in schwierigen Lichtverhältnissen sollten

Sie immer eine Belichtungsreihe von + 1 bis - 1

aufnehmen, und dabei die Belichtungskorrektur

oder die AEB-Funktion Ihrer Kamera

verwenden.

Perfekt ausgemessen!

Szenen mit strahlendem Himmel

können Belichtungsfehler

verursachen. Benutzen Sie eine

Graukarte, um Fehler möglichst

auszuschließen.

Belichtungskorrektur oder die AE-Feststelltaste, oder, indem Sie einen Bereich

der Szene ausmessen, der einen mittleren Farbton aufweist. Und hier kommt

Ihre Graukarte ins Spiel. Die Benutzung ist ganz einfach, wie unsere Schrittfür-Schritt-Anleitung

unten zeigt. Das Wichtigste, woran Sie denken müssen,

ist, dass Sie Ihre Karte in ähnlichem Licht platzieren müssen, wie es auch Ihre

Fotoszene aufweist. Wenn Ihre Szene in Sonnenlicht getaucht ist, platzieren

Sie die Karte also nicht im Schatten. Außerdem müssen Sie sicherstellen,

dass die Karte den Messbereich ausfüllt. Wir empfehlen Ihnen, die Punkt-

oder Selektivmessung, weil die Karte hier nicht den gesamten Messbereich

auszufüllen braucht, aber sie können jede Messmethode anwenden. Sie

können entweder mit der AE-Lock-Funktion die Belichtung fi xieren, oder

sich die Blende und Verschlusszeit merken und dann auf manuellen Modus

umschalten und diese Werte einstellen, obwohl diese Methode nicht für Tage

geeignet ist, an denen die Ausleuchtung variabel ist. Die Karte weist AF-

Referenzlinien auf, die dem Autofokus Ihrer Kamera beim Fokussieren helfen.

Für die korrekte Belichtung ist es jedoch nicht unbedingt erforderlich, dass die

Kamera im Fokus ist. Die Graukarte (ebenso wie die weiße Karte) kann auch

benutzt werden, um einen benutzerdefi nierten Weißabgleich durchzuführen.

BILDAUFBAU UND AUSLÖSUNG Wenn Sie die

3Belichtung fi xiert haben, können Sie sich um die

Bildkomposition kümmern und anschließend Ihre Fotos

schießen. Wenn Sie sie danach auf Ihrem LCD-Display

kontrollieren, sollte die Belichtung perfekt sein.


GRAUKARTE

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