KAM-oeko-LOGISCH - Mieterverband

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KAM-oeko-LOGISCH - Mieterverband

Integration fördern:

Beratung für MigrantInnen

Die Auswertung der Eidgenössischen

Gebäude- und Wohnungszählung

2000 weist für den Kanton

Zürich einen Mieteranteil von über

91% bei der ausländischen Bevölkerung

gegenüber 64% bei der schweizerischen

aus. MigrantInnen sind

häufig beim Auftreten von mietrechtlichen

Problemen überfordert, da sie

meist aus Ländern stammen, wo das

Wohneigentum vorherrscht. Gleichzeitig

geraten sie oft in konfliktträchtige

Mietverhältnisse. Für den MV Zürich

stellt sich die Frage, ob eigentlich

Zugewanderte das Dienstleistungsangebot

des MV nutzen. Und: Wird

das Beratungsangebot ihren Bedürfnissen

gerecht?

Mehr Zugewanderte

in der Beratung

Erhebungen am Empfang zeigen,

dass ausländische Mietende vermehrt

das Beratungsangebot in Anspruch

nehmen. Knapp ein Drittel der Ratsuchenden

in der öffentlichen Rechtsberatung

des MV Zürich sind Menschen

mit Migrationshintergrund. Das entspricht

dem Anteil der ausländischen

Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung

in der Stadt Zürich. Bei näherer

Betrachtung relativiert sich dieser

Anteil allerdings. Namentlich wenn

man bedenkt, dass im Kanton Zürich

91% der ausländischen Bevölkerung

zur Miete wohnen und zudem oft bei

schwierigen Vermietern.

Umfrage unter der Kundschaft

Welche Zugewanderten suchen die

öffentliche Rechtsberatung auf? Handelt

es sich um Menschen aus den

benachbarten Ländern mit gesichertem

Aufenthaltsstatus und solidem

Bildungshintergrund? Oder kommen

hauptsächlich bildungsferne MigrantInnen

aus weniger gut integrierten

Gruppen in die MV-Beratung? Um

diese Fragen zu beantworten, hat

der MV Zürich im Frühjahr 2005 eine

Befragung der ausländischen Ratsuchenden

beschlossen. Aufgrund

von präziseren Erhebungen über Zusammensetzung,

Sprachkenntnisse,

Bildungsstand, Aufenthaltsdauer,

Aufenthaltsstatus, mietrechtliche Probleme

etc. soll überprüft werden, ob

die Beratung angemessen ist.

Ende Oktober wurde die Befragung

abgeschlossen. Zur Zeit liegt

Bild m&w

m&w | Viele Ratsuchende beim MV Zürich sind MigrantInnen. Wie kann

man ihnen besser helfen? Das wollte der MV mit einer Umfrage herausfinden.

Barbara Peyer, Projektleiterin «Chancengleichheit auch im

Mietrecht», berichtet.

noch keine ausführliche Evaluation

vor. Die 121 durchgeführten Interviews

ermöglichen jedoch erste Aussagen

über die ausländische Kundschaft. So

ist ihre Herkunft sehr heterogen. Die

meisten ausländischen Ratsuchenden

verfügen über eine gute Schulbildung,

einen gesicherten Aufenthaltsstatus

(Niederlassungsbewilligung

oder Schweizer Pass) und wohnen bereits

seit längerer Zeit in der Schweiz.

Meist kommen ausländische Mietende

zum Mieterverband, weil sie einen

Hinweis durch Freunde oder Bekannte

erhalten haben. Das Internet scheint

noch keine grosse Rolle zu spielen.

Es besteht ein klarer Zusammenhang

zwischen benötigter Betreuungs-

intensität und Bildungsstand. Zuge-

wanderte mit höherem Bildungsniveau

erwarten von der Beratung insbesondere

die Klärung der Rechtslage.

Weniger gebildete Ratsuchende

hingegen sind auf eine intensivere Betreuung

(Briefschreibservice etc.) angewiesen.

Die Mehrheit der Befragten

benötigt mehrere Beratungen. Nur

bei Wenigen kann das mietrechtliche

Problem in einer einmaligen Beratung

definitiv gelöst werden.

Angebot erweitern

Es ist bereits jetzt ersichtlich, dass

mehrheitlich MigrantInnen mit einer

guten Schulbildung, die schon lange

in der Schweiz wohnen (zehn Jahre

und mehr), den Weg zum MV Zürich

finden. Das könnte ein Indiz sein,

dass die aktuellen Dienstleistungen

den Bedürfnissen von bildungsfernen

Zugewanderten aus weniger gut

integrierten Migrationsgruppen nicht

gerecht werden. Es muss deshalb

überprüft werden, ob und welche Erweiterungen

des Angebots sinnvoll

sind. Die Befragung liefert dazu wichtige

Hinweise.

Von einer Erweiterung des MV-

Dienstleistungsangebots würden üb-

rigens nicht nur ausländische Mietende

profitieren, sondern auch ein-

heimische aus weniger privilegierten

Schichten, für die das Mietrecht ebenfalls

ein Buch mit sieben Siegeln darstellt.

Barbara Peyer

Beim MV Zürich lassen

sich auch viele

MigrantInnen beraten.

MIETEN & WOHNEN 9|05

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