(PDF) | Ausgabe April 2008 - Compliance

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Personalien und KarriereBuchmüller neuer Chefsyndikus der BASFDer Vorstand der BASF SE,Ludwigshafen, hat Dr. JörgBuchmüller im März zum neuenChefsyndikus und Leiter desBereichs Legal, Taxes & Insuranceernannt. Buchmüller folgt auf Dr.Hans-Ulrich Engel, der zum gleichen Zeitpunkt in denVorstand berufen wurde. Buchmüller ist Jurist und leitet seit2003 die Rechtsabteilung der BASF.Quelle: BASF.Aktuelle Stellenangebote:Finanzdienstleistersucht Compliance Officer (m/w)Messtechnikherstellersucht Compliance Officer (m/w)Sixtsucht Leiter Konzernrevision (m/w)Freshfields-Kartellrechtlerin in die EU-Wettbewerbskommission berufenVanessa Turner, bisher Partnerin im Brüsseler Büro vonFreshfields Bruckhaus Deringer, wechselt zum April in dieEU-Wettbewerbskommission. Dort wird die 41-Jährigekünftig die Bereiche Fusionskontrolle und Kartellverfahrenverantworten. Bei Freshfields unterstützte Turner unteranderem ThyssenKrupp im sogenannten Fahrstuhl-Kartellverfahren.Quelle: Juve.Dienstleistungsunternehmensucht Revisor (m/w)Schweizer Privatbanksucht Anti Money LaunderingOfficer (m/w)Bauindustrieunternehmensucht Compliance OfficerKartellrecht (m/w)Nietzer wird Chefjuristin bei RowohltBarbara Nietzer, bisher verantwortlich für die AbteilungRechte und Lizenzen bei dem schwedischen Buch- undVerlagskonzern Bonnier AB, wird ab April dieRechtsabteilung der Rohwohlt-Verlage leiten. Nietzertritt die Nachfolge des langjährigen RechtsabteilungsleitersEckhard Kloos an, der in den Ruhestand geht.Quelle: Juve.Einfach aufs Angebot klicken!Weitere Stellenangebote:www.PeopleandDeals.de/jobs3


Erickson: Wir haben eine sehr starke Kultur der internen Absicherung. Mitarbeiter könnensich in Zweifelsfällen an die Compliance-Verantwortlichen oder an ihre Vorgesetzten wendenund tun dies auch. Die meisten Compliance-Sachverhalte kommen über diesen Weg zu uns.COM: Gibt es – neben Ihren Mitarbeitern – weitere Kanäle, über die Sie über potentielleCompliance-Sachverhalte informiert werden?Erickson: Häufig wenden sich auch Kunden mit Fragen an uns. Compliance ist im Endeffektein Thema der gesamten Wertschöpfungskette – und somit auch für die Kundenzufriedenheitsehr wichtig. Ein dritter Kanal sind die „MMC Audit & Control Reports“. Diese informierennatürlich nicht über Einzelfälle, bei der Lektüre können aber strukturelle Schwächenidentifiziert werden.COM: Wie reagieren Sie, wenn Ihnen ein potentieller Compliance-Fall zu Ohrenkommt?Erickson: Zunächst einmal muss jeder Vorfall untersucht werden. Manchmal fehlen einembestimmten Mitarbeiter einfach die notwendigen Informationen, manchmal ist es eine Frageder Kommunikation. Nicht alle gemeldeten Vorfälle werden zu einem Problem. Wenn derEinzelfall abgeschlossen ist, gehört es zu den Aufgaben der Compliance-Abteilung, für dieZukunft Maßnahmen zur Vermeidung zu entwickeln: ein neues Schulungsmodul, einverbesserter Kommunikationskanal oder auch eine neue Verhaltensregel.„Was würde passieren, wenn wir damit auf der FT-Titelseitestünden?“COM: Apropos striktere Regeln: Häufig wird argumentiert, dass Firmen internationalnicht wettbewerbsfähig sein können, wenn Sie sich nicht an das lokale – auswestlicher Sicht häufig korrupte – Geschäftsgebaren anpassen. Glauben Sie, dassMarsh durch die strikten internen Antikorruptionsregeln Geschäft verliert?Erickson: Ich glaube das nicht. Die Risiken für Marsh und für unsere Kunden sind einfachzu hoch. Im Endeffekt ist das Ganze aber recht einfach: Wenn ich mit einem lokalenKollegen über bestimmte Geschäftspraktiken diskutiere, stelle ich häufig eine Frage: „Waswürde passieren, wenn unser Verhalten morgen auf der Titelseite der Financial Timesstehen würde?“ Das klärt die Situation meist recht schnell.COM: Frau Erickson, vielen Dank für das Gespräch!8


Der Fall Lesotho und Lahmeyer InternationalDas „Lesotho Highlands Water Project“ ist ein von derWeltbank finanziertes Wasserversorgungsprojekt imInneren des Königreichs Lesotho, das die südafrikanischeStadt Johannesburg mit Wasser versorgt. Mit denBaumaßnahmen wurde 1989 begonnen. Als 1993 dieMilitärregierung abgelöst wurde, stand die Aufklärung vonSchmiergeldzahlungen im Rahmen des 12-Milliarden-US-Dollar Projektes plötzlich ganz oben auf der politischenAgenda.Das maßgeblich an der Projektplanung und Bauüberwachung beteiligte deutscheIngenieurunternehmen Lahmeyer International wurde 2003 nach lesothischem Rechtaufgrund von Bestechungsvorfällen zu einer Strafe in Höhe von 1,6 Millionen Euroverurteilt. Doch bei dieser Strafe sollte es nicht bleiben: 2006 nahm die WeltbankLahmeyer auf ihre „Black List“, auch die EBRD schloss Lahmeyer von Projekten aus.Mit dem Wechsel der Lahmeyer-Geschäftsführung im Jahr 2002 änderte sich auch diePolitik des Ingenieurunternehmens: Während der ehemalige Geschäftsführer Rainer Bothedie Verurteilung Lahmeyers anfangs auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse als nichtnachvollziehbar bezeichnete, verfolgt Dr. Henning Nothdurft eine Politik der Kooperationund treibt die Korruptionsbekämpfung im Unternehmen voran. Jetzt hofft dasUnternehmen, in Kürze von der EBRD wieder für Projekte zugelassen zu werden und mitder Weltbank bezüglich der strafmildernden Auflagen deutliche Fortschritte zu erzielen.COM: Wie gehen Sie vor, um die Verunsicherung zu reduzieren?„In Schulungen nehmen die Mitarbeiter kein Blatt vor den Mund.“Nothdurft: Wichtig ist es, Kommunikationskanäle zu definieren. Zum einen informieren wirderzeit alle Mitarbeiter im Rahmen von Schulungen über die neuen Anforderungen. Zumanderen implementieren wir Informationswege für kritische Vorfälle: So haben wir seit guteinem halben Jahr einen externen Ombudsmann. Dieser ist Anwalt und führt im Übrigenauch die Schulungen durch – die Mitarbeiter lernen so ihren Ansprechpartner gleich kennenund können kritische Fragen auch direkt ansprechen. Ich habe schon an einigen Schulungenteilgenommen: Die Mitarbeiter nehmen kein Blatt vor den Mund, viele praktische Problemewerden sehr deutlich adressiert.10


COM: Haben Sie neben dem externen Ombudsmann auch einen internen Compliance-Officer?Nothdurft (Foto): Ja. Im März 2007 haben wir unserem Justitiardiese Funktion übertragen. Er ist verantwortlich dafür, dass dasCompliance-System in der gesamten Organisation soimplementiert wird, dass es von allen Mitarbeitern – ähnlichunserem QM-System – als ganz normaler Bestandteil ihrertäglichen Arbeit angewendet wird. Dabei unterstützen ihnMitarbeiter aus den operativen Arbeitsbereichen sowie aus derAdministration. Die Aufgabe dieser Compliance-Task-Force istes zu prüfen, ob die entwickelten Anweisungen und Richtlinien –zum Beispiel aus der Perspektive eines projektleitendenIngenieurs in Afrika – tatsächlich operativ funktionsfähig sind undauch angewendet werden. Mit diesen Prozeduren haben wirauch die Forderung der EBRD erfüllt, unser Compliance-System verstärkt operativ zuintegrieren. Eine Compliance-Parallelwelt würde keine Probleme lösen, sondern nurzusätzlichen Aufwand bedeuten.„Eine Compliane-Parallelwelt darf es nicht geben.“COM: An welcher Stelle ist der Compliance-Officer organisatorisch eingegliedert?Nothdurft: Die Funktion des Compliance-Officers ist als Stabstelle organisiert und mir direktunterstellt. Die Funktion des Justitiars dagegen ist dem kaufmännischen Geschäftsführerunterstellt. Diese doppelte Aufgabe und Berichtspflicht ist bei unserer Unternehmensgrößeangemessen: Einerseits ist Compliance-Management Chefsache. Andererseits können wirnicht – wie Großunternehmen – eine umfangreiche Compliance-Struktur implementieren. AlsMittelständler bewegen wir uns in einem Spannungsfeld: Wie viel Compliance ist notwendig,um international sicher und erfolgreich Geschäfte abzuwickeln, und was für Strukturenkönnen wir uns leisten? Compliance darf das operative Geschäft nicht strangulieren.COM: Wo sehen Sie für Lahmeyer das größte Compliance-Risiko?Nothdurft: Im internationalen Geschäft stellen Beratungs- und Vertreterverträge das größteRisiko dar. Diese waren auch im Fall Lesotho ursächlich: Provisionen wurden über einen11


Vertreter an den CEO des Wasserversorgungsprojektes weitergeleitet. Grundsätzlich ist dieNutzung der Expertise lokaler Partner aber unumgänglich. Wir legen unseren Fokus daherdarauf, nur mit „sauberen“ Vertretern zusammenzuarbeiten. Dies erreichen wir dadurch,dass alle Berater- und Vertreterverträge durch ein Gremium geprüft werden müssen. Beineuen Partnern verlangen wir Referenzen.„Compliance darf das operative Geschäft nicht strangulieren.“COM: Haben Sie mit dem Compliance-System die Anforderungen der Weltbank erfüllt?Wird die Sperrfrist auf drei Jahre reduziert?Nothdurft: Wir sind derzeit mit der Weltbank in Gesprächen. Aufgrund desFührungswechsels bei der Weltbank Mitte 2007 haben sich zeitliche Verzögerungenergeben. Aus unserer Sicht haben wir aber mit der Implementierung des Compliance-Management-Systems die Compliance-Auflagen erfüllt. Der von uns bestellte und von derEBRD genehmigte externe Compliance-Monitor, Prof. Dr. Josef Wieland, Institutsdirektor desKonstanz Institut für WerteManagement (KIeM), hat bestätigt, dass unser CMSinternationalen Standards entspricht und geeignet ist, den angestrebten Zweck zu erreichen.COM: Wo hakt dann der Prozess?Nothdurft: Die Weltbank hatte die Reduzierung der Sperrfrist noch einer zweiten Bedingungunterstellt: Derzeit führen wir noch etwa 20 Projekte für die Weltbank aus, die vor der Sperrein Auftrag gegeben wurden. Diese möchte die Weltbank auditieren. Hier sprechen wir nochüber Prozeduren und Rahmenbedingen. Auch die offizielle Mitteilung der EBRD zurAufhebung des „Blacklistings“ erwarten wir in den nächsten Tagen. Es wird Zeit, wieder nachvorne zu schauen.COM: Sie sagten, dass Korruption in Ihrem Geschäftsfeld weiterhin weitverbreitet ist.Haben Sie mit der Verschärfung Ihrer Antikorruptionsmaßnahmen einenUmsatzrückgang in Kauf nehmen müssen?Nothdurft: Nein, nicht nennenswert. Zwar haben wir in letzter Zeit durchaus Projekteaufgrund von möglichen Korruptionsrisiken abgelehnt, konnten diese Ausfälle aberkompensieren. Dies liegt zum einen daran, dass wir qualitativ sehr gute Leistungenerbringen und viele private Investoren, aber auch Regierungen nicht auf unsere Arbeitverzichten wollen. Zum anderen hilft uns das derzeit positive Geschäftsumfeld: DieWeltkonjunktur für Infrastrukturprojekte ist sehr gut. Die Entwicklungsbanken fördern derzeit12

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